Kultur + Strategie | Kunst + Krieg

Heiner Mühlmann

Strategische Kultur

Heiner Mühlmann

1

Kultur + Strategie | Kunst + Krieg

Fort Kleber - Doppelmuseum Theorie der kulturellen Dynamik Kulturgenetik Maximal Stress Cooperation (MSC) Kulturelle Todesbereitschaft Decorum-Systeme Kognitive Evolution Erfolg durch Scheitern Schritte der kulturellen Evolution MSC-decorum-Kultur Nationalstaat - Thematisierte Kultur "Strange Revelation" Kulturexport gegen Nationalkultur Kalter Krieg Weltwirtschaftskrieg - Entwicklung als Waffe Strategische Kultur

3 5 6 7 8 10 14 16 18 19 21 22 25 26 27 29

Heiner Mühlmann

2

Kultur + Strategie | Kunst + Krieg

Heiner Mühlmann Fort Kleber - Doppelmuseum

Ein Fort soll in eine kulturelle Einrichtung umgewandelt werden. Ist ein Fort nicht bereits eine kulturelle Einrichtung? Die Antwortet lautet: In gewissem Sinne, ja. Doch, wenn wir daran denken, was wir heute unter Kultur verstehen, dann ist eine Militäranlage etwas Anderes. Das Fort Kleber markiert den Übergang von der alten Festungstaktik zur Kriegstaktik des 19. und 20. Jahrhunderts. Der erste Weltkrieg wurde geführt im Kampf an einer Front, die entlang eines geradlinigen Befestigungswalls zwischen Frankreich und Deutschland verlief. Im zweiten Weltkrieg spielte der Verteidigungswall bereits keine Rolle mehr. Die deutschen Angriffstruppen wandten die Blitzkriegtaktik an. Sie waren motorisiert und drangen mit großer Geschwindigkeit über die französisch- belgische Grenze vor. Die Fortifikationsanlagen, denen das Fort Kleber angehört, haben noch die sphärische Form aller Verteidigungsarchitekturen von den mesopotamischen Stadtstaaten über die Stadtmauern der Griechen und Römer, über die Stadtmauern des Mittelalters, die gezackten, sternförmigen Bastionsbauten der Italiener bis zu den Bastionen der Franzosen des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Forts Wilhelms des Ersten, es gibt sie außer in Straßburg in Mainz und Köln, sind wie Punkte auf einer zweidimensionalen Sphäre angeordnet. Die Sphäre bildet den Schutzring für die eingeschlossene Stadt. Jedes Fort ist seinerseits von einem sphärenförmigen Wall und einem sphärenförmigen Graben umgeben. Diese architektonische Form erzeugt eine starke emotionale Reaktion beim Betrachter. Sie entsteht aus der räumlichen Umschließung auf der konkaven Sphärenseite und der räumlichen Abstoßung auf der konvexen Sphärenseite. Als ich vor Jahren während eines Aufenthalts in Mailand das Castello Sforza suchte, um die dort ausgestellte Pietá Aldobrandini von Michelangelo anzuschauen, fragte ich auf der Straße einen jungen Mann nach dem Weg. Er unterhielt sich mit zwei anderen jungen Leuten. Sie wirkten auf mich wie Studenten, und zwar wie Studenten des eher progressiven Typs. Der junge Mann sagte mir, er wisse nicht, wo sich das Castello Sforza befinde. Um meine Frage zu erläutern, erwähnte ich, das Castello sei heute ein Museum. Ich erhielt die Antwort: "Alle Castelle sind heute Museen." Die Miene des jungen Mannes machte keinen Hehl daraus, daß er Leute, die sich für Museen interessieren, verachtete. Der junge Mailänder, der vorgab, nicht zu wissen, wo sich das Castello Sforza befindet, hatte Recht. Alle Castelle, Burgen, Schlösser oder Paläste sind heute Museen, und die wenigsten unter ihnen sind Militärmuseen. Wenn das so ist, dann sind Militärbauten in Museumsbauten umgewandelt worden, und es muß einen Übergangsbereich geben, der nicht mehr ganz Militärbau, aber auch noch nicht ganz Museumsbau ist. Es muß eine Zone der Ambivalenz geben, in der die wahrnehmbaren Objekte sowohl eine militärische Bedeutung haben, als auch eine Bedeutung, die den Museumsexponaten entspricht. Und es muß eine innere Folgerichtigkeit geben, die vorschreibt, daß im kulturellen Evolutionsprozess Fortifikationsarchitektur in Museumsarchitektur transformiert wird.

Heiner Mühlmann

3

Wer unsere Arbeit der letzten zehn Jahre kennt.h. Auf den folgenden Seiten werde ich es nicht versäumen dürfen. Die beiden Kreise bilden die beiden Exponatmengen. Es dauerte nicht lange bis wir ein theoretisches Konzept für das Fort Kleber skizziert hatten. Die beiden Linien sind die Bewegungsorbits der Museumsbesucher. der rechte den kunsthistorischen Ansatz. die kulturelle Institution. dass die Zuweisung der Exponate zu einem Bezugssystem nicht entscheidbar ist. Heiner Mühlmann 4 . verschiedene Plakate. Im ambivalenten Bereich wird deutlich. Sie kommen. Er muss über Ausgänge das Gebäude verlassen und kann die Gegenausstellung nur von aussen erreichen. Die Bedeutung wird hergestellt allein durch die Enkulturierung der Ausstellungsbesucher. die andere kunsthistorisch ist. aus verschiedenen Richtungen. kann er von dort nicht die entgegengesetzte Ausstellung betreten. Sie existieren nicht parallel und unabhängig voneinander. der unser eigentliches didaktisches Anliegen darstellt. von denen die eine militärhistorisch. Zwei Ausstellungen.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Als wir zum ersten Mal wegen der peplanten Umwandlung des Fort Kleber angesprochen wurden. sondern sie bilden einen Überschneidungsbereich. in dem die Exponate sowohl eine militärhistorische als auch eine kunsthistorische Bedeutung haben. meinen Lesern eine theoretische Begründung für das soweit dargelegte Ausstellungskonzept anzubieten. Die schraffierte Schnittmenge bildet den ambivalenten Bereich. Die beiden Ausstellungen haben verschiedene Titel. d. Kataloge und verschiedene kommerzielle Vorbereitungsbereiche. waren wir fasziniert. Damit verliert das Museum. Wir gaben ihm den Titel: "Das Doppelmuseum".. wird unsere Begeisterung verstehen. entsprechend ihrer Enkulturierung. werden gleichzeitig präsentiert. Ist ein Besucher einmal im Schnittmengenraum angelangt. Sie sprechen verschiedene Publikumsschichten an. Der linke Orbit repräsentiert den militärischen. ihre Bedeutungsfähigkeit.

1. sondern Eigenschaft einer Dynamik. wenn kulturelle Erscheinungen quantitativ beschrieben werden sollen. Seine Haltung ist vielmehr gekennzeichnet von vorsichtiger Wachsamkeit. Hier treffen die verschiedenen Enkulturierungsrealitäten in Gestalt der Besucher aufeinander. das heißt. die durch ihre Enkulturierung den Erfolg ermöglichen. darf beispielsweise kultureller Erfolg nicht mit Hilfe von ersten Überzeugungen oder tiefem Sinnverständnis begründet werden. sondern ausschließlich als Übertragungsdynamik von Enkulturierungsmerkmalen. Die ausschließliche Beschreibung der Kultur als Übertragungsdynamik führt zu einer neuen Vorstellung von kultureller Stabilität. unter den Individuen einer einzigen Generation. von Generation zu Generation vor sich. Der Beobachter sucht in einer quantitativen Übertragungsdynamik nach dem Vorkommen von algorithmischen Regelmäßigkeiten. Allein diese Voraussageperspektive befähigt den Beobachter. nicht qualitativ sein. wird im Doppelmuseum deutlich gemacht durch den ambivalenten Bereich. eine Theorie zu präsentieren. Das Individuum einer Kulturpopulation wiegt sich nicht mehr in Sicherheit. die es ihm ermöglichen. Damit ist Stabilität für das fühlende und nachdenkliche Mitglied einer Kultur zu einem prekären Phänomen geworden. muss sie drei Eigenschaften besitzen. Sie muss quantitativ. das heißt. Das heisst. Das Museum selbst hat an dieser Stelle keinen eindeutigen Bezug zu einer möglichen kulturellen Realität. Kulturelle Phänomene dürfen nicht als Institutionen. Die Übertragung von Merkmalen geht in vertikaler Richtung. auf kulturelle Transmissionen Einfluß zu nehmen. 2. Stabilität ist nicht mehr die zeitenthobene Unveränderlichkeit der akkumulierten kulturellen Werte. unveränderliche Werte oder akkumulierte kulturelle Zustände beschrieben werden. das heißt. daß die Realität der Kultur nicht aus Institutionen sondern aus der Enkulturierung ihrer Individuen besteht. sondern allein durch die Zahl der Individuen pro Population und pro Zeiteinheit.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Theorie der kulturellen Dynamik Wenn es mir gelingen soll. im Rahmen eines bestimmten Zeithorizonts Voraussagen zu machen. zeitlose Werke. 3. oder in horizontaler Richtung. die diesen Namen verdient. Heiner Mühlmann 5 . Kultur-"Entwicklung" zu betreiben. Die Tatsache.

n + 1 drückt den nächsten Zeittakt der nächsten Generation aus. in dem ontogenetisch Gelerntes an die nächste Generation vererbt werden kann. Eine sehr nützliche Definition der Kultur lautet: "Kultur ist der einzige Bereich. Was bedeutet "kulturgenetisch" ? Zunächst verdankt der Wortteil "genetisch" in dem zu erkärenden Begriff sein Vorhandensein der bloßen formalen Analogie zwischen kulturellen Übertragungsdynamiken und genetischen Übertragungsdynamiken. Heiner Mühlmann 6 .Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Kulturgenetik Ich stelle folgende These auf: Die Transformation von militärischen Objekten in Elemente einer Kultur der autonomen Ästhetik ist eine kulturgenetische Struktur. xn ist die Zahl der dann gezählten Merkmale." Die mathematischen Darstellungsmittel der Transmission von Generation zu Generation haben die Form der iterativen Gleichung xn = f ( xn +1 ) . Diese Zahl ist eine Funktion der Merkmalzahl während der vorangegangenen Generation x . In beiden Fällen werden Merkmale auf die nächste Generation übertragen.

gestärkt oder krankhaft geschwächt aus der Stressepisode hervorgeht. Eine dieser Eigenschaften ist die kognitive Leistung. alle verfügbaren Energiereserven des Organismus in die Aktivität der Skelettmuskulatur und des zentralen Nervensystems zu lenken. Tier oder Mensch. durch einen genetischen Lernprozess erworben. ( M S C ) Außer dieser formalen Verwandtschaft zwischen Kulturbeschreibung und Genetik gibt es den realen biologischen Einfluß von genetischen Merkmalen auf die Kultur. die den Beobachter immer wieder in Staunen und Bewunderung versetzen. Das führt zu einer ständigen Schwächung des Immunsystems und zu einer ständigen. Die Natur stattet ihre Lebewesen mit Eigenschaften aus. das heißt. sondern ständig von leichtem Stressverhalten heimgesucht wird. des sogenannten Stressors. Stressreaktion befähigt Tiere und Menschen nach der Wahrnehmung einer Bedrohung. Während dieser Phase entscheidet sich. daß es keine akuten starken Stressreaktionen hervorbringen kann. die für das Überleben angesichts einer Bedrohung wichtig sind. Stoffwechsel und Immunreaktion. der Stress habe sich gelohnt. Ich habe ihr den Namen M S C . Sie dominiert die meisten Kulturen. Die Stressreaktion hat viele Facetten. Das wichtigste Beispiel dieser Art begegnet uns in einer bestimmten Kombination vieler Enkulturierungsmerkmale. ob das Individuum. die an die Stressreaktion gekoppelt ist : Auf die Stressreaktion folgt eine Phase der Relaxation. Dann leidet ein Individuum darunter. Und zwar hängt diese Entscheidung ausschließlich von der poststressalen Bewertung ab: Falls das Individuum durch evidenten Erfolg oder durch seine eigene Phantasie zu der Überzeugung gelangt. Die Fähigkeit der Stressreaktion ist bei den höheren Säugetieren und bei den Menschen angeboren. Das heiß: Die Energie wird ausschließlich den Bereichen verfügbar gemacht. Zu diesem Zweck werden vorübergehend andere wichtige Aktivitäten des Organismus geschwächt. Die poststressale Wertungsarbeit führt des weiteren zu einer Neuordnung der Dominanzverhältnisse in den Populationen. Heiner Mühlmann 7 . Zu ihnen gehören: Produktion der Sexualhormone. sinken die Basalwerte der Stresshormone unter den Stand vor der letzten Stressaktion. der starke Kultur generierende Wirkungen auslöst. MSC erhält seine wichtigste Eigenschaft von der Stessphysiologie.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Maximal Stess Cooperation. was unter anderem eine Stärkung der Immunkompetenz und der Sexualaktivität zur Folge hat. überflüssigen Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz. beispielsweise den krankhaften Stress. Es ist dieser Neuordnungseffekt. ( " Maximal Stress Cooperation " ) gegeben.

Es spielt. das kurze gegen ihn selbst. Seine Ehre ist zerstört. Er muß es gegen sich selbst einsetzen. trägt immer zwei Schwerter. sobald seine Ehre zerstört ist. Für diesen kulturellen Mechanismus führe ich als Gedächtnisstütze für meine Leser eine leichte Abwandlung der beiden gekreuzten Schwerter ein. dadurch entsteht das Phänomen der Kulturellen Todesbereitschaft. Baldessar Castiglione fordert in seinem Buch über den Höfling die Ehre als dominierendes Verhaltensprinzip der höfischen Kultur. aus Byzans. wie nicht anders zu erwarten. vertstoßen hat Ehre ist das kulturelle Regelwerk. Auch die Helden der Western Filme leben für die Ehre. Nicht anders ist es während der glanzvollen Epoche des französischen Absolutismus: Das gesellschaftliche Ideal ist der honnêt' homme.B. Der griechische Krieger wird vom Prinzip der time ( ) kontrolliert. Die Kulturelle Todesbereitschaft hat viele eindruckvolle Ausformungen in den verschiedenen Kulturen hervorgebracht. Es gibt andere. aus dem westlichen Mittelalter.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Kulturelle Todesbereitschaft Alle menschlichen Hochkulturen haben den institutionellen Krieg hervorgebracht. die über Angriff und Nicht-Angriff entscheiden. Uns sind Strategiebücher aus dem alten China. Das lange ist gegen die Angreifer gerichtet. ein langes und ein kurzes. eine zentrale Rolle auch in der Westlichen Kultur. für die es keine wechselseitige Einflußmöglichkeit gibt. wie der römische Strategiker Vegecius zweifellos Macchiavelli beeinflußt hat. ebenso der Krieger des europäischen Mittelalters. und seine wichtigste Eigenschaft ist die honnêteté. die sich unter den Tassen und Tellern des Meißner Porzellans befinden : Heiner Mühlmann 8 . aus Rom. Diese Herrschaft der Kultur über die Todesbereitschaft ihrer Individuen kann man trefflich mit dem Symbol der Selbstbedrohung durch das kurze Samurai-Schwert ausdrücken. wie beispielsweise zwischen dem chinesischen Theoretiker Sun Zi und der westlichen Literatur. Doch alle Strategietheorien enthalten folgendes invariante Merkmal: Die Entscheidung über die Auslösung der Stressaktion. wenn er gegen die kulturellen Regeln. die Entscheidung über Angriff oder Flucht. wird dem Individuum entzogen und dem Militärkommando übertragen. aus der Renaissance und aus dem Preußen des permanenten Generalstabs überliefert. Der Samurai z. Die Kriegstheorie heißt Strategie. Unter den Kriegstheorien gibt es einige. mit anderen Worten. und alle großen Kulturen haben außer dem Krieg selbst Kriegstheorien hervorgebracht. aus dem alten Greichenland. das Angriff und Nicht-Angriff befiehlt. der Römer von honor. die sich gegenseitig beeinflußt haben.

daß es sich bei Regeln wie "Todesbereitschaft unter der Kontrolle der Ehre" um Enkulturierungsmerkmale handelt. nicht nur das Freudsche Lustprinzip und den Freudschen Todestrieb zu bedenken. Heiner Mühlmann 9 . Die Anlyse der kulturellen Todesbereitschaft ist für den friedliebenden. die nur dann operationell sind. Souveränität ist nichts anderes als das staatliche Entscheidungsrecht über den kriegerischen Ausnahmezustand und über die Aktivierung der kulturellen Todesbereitschaft. Sie verlangt von ihren Eliten Todesbereitschaft unter der Kontrolle des Altruismus. Ich unterstreich noch einmal die Tatsache. Diese Betroffenheit drückt Jacques Derrida aus. sondern in die Überlegungen einen neu zu definierenden Trieb der souveränen Gewalt und Grausamkeit einzubeziehen. 2000 ) seinen Zuhörern empfiehlt. Die kulturelle Kontrolle der Stressphysiologie ist eine alles beherrschende Kultur generierende Kraft. philosophisch enkulturierten Beobachter in höchstem Maße beunruhigend. wenn er auf dem Psychoanalytiker-Kongress in der Sorbonne ( Juli. Sie koppelt die Stressaktion unlöslich und unwiderruflich an die kulturelle Kooperation. wenn die Enkulturierungsdynamik nicht abreißt.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Statt der beiden gleich langen Meißner Schwerter kreuzen sich in meinem Symbol ein kurzes und ein langes Schwert.

Niedrige Darstellungsmittel drücken Verhalten aus. hoch. sogenannte Genetische Algorithmen. Es ist über den ganzen Raum vom ägäischen Meer bis zu den Außengrenzen des Römischen Imperium ausgebreitet. fast niedrig und niedrig zugewiesen. Futterneid und Verdauungsprobleme der Heiner Mühlmann 10 . Diesen Gruppen werden verschiedene Ränge zwischen erhaben. vom Athen des 6. Jahrhunderts v. Das Theater wird unterteilt in die ranghohen dramaturgischen Mittel der Tragödie und die rangniedrigen dramaturgischen Mittel der Komödie mit Inhalten. bis zum vorrevolutionären Frankreich immer wieder reproduziert. vor allem. das der Maximal Stress Cooperation entspricht. außerdem Fassadenschemata wie Triumphbogen oder Tempelfront. Zwischen den beiden Polen erhaben und niedrig sind viele Zwischenstufen möglich.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Decorum . Diesen Namen brauchte ich mir nicht auszudenken. Mit dem decorum verbindet sich das natürliche Phänomen der Regeleinstellung. Decorum ist die Angemessenheitsregel. die Architektur und. sagen wir: Die decorum-Skala ist vom MSC-Prinzip geeicht. Weil MSC das decorum dominiert. Erhabene Darstellungsmittel dürfen nur kulturelles Verhalten ausdrücken. Den höchsten Rang bekleidet die MSC-Aktion. der Werkzeugaktivität. Es hat sich außerdem seit seiner Entstehung als lehrbarer Regelkanon repräsentiert und während aller Epochen viele Lehrbücher hervorgebracht. Dabei kamen künstliche Genetik-Systeme. die als übergeordnete Enkulturierungsregel allen kulturellen Verhaltensformen als untergeordneten Enkulturierungsregeln einen Platz in einer Rangskala zuweist. Das decorum-System ist für die Westliche Kultur ubiquitär. zur Anwendung. Ich nenne es: decorum-System. In der Malerei gibt es die Bildgruppen vom unteren Bereich des Stillebens. Es hat sich in der Zeitfolge. die Malerei. der sexuellen Reproduktion und des Stoffwechsels verfolgt. die Literatur. In allen Medien wird die Gesamtmenge der möglichen Darstellungsmittel auf Gruppen verteilt.C. von Generation zu Generation . der Landschaft. die Rhetorik.Systeme Aus der poststressalen Wertungsaktivität und der damit verbundenen Neuordnung der kulturellen Dominanzverhältnisse entsteht das mächtigste Enkulturierungssystem aller Kulturen. In der Rhetorik handelt es sich bei den Darstellungsmitteln um die Rhetorischen Figuren. Das decorum kontrolliert alle Medien : das Theater. In der Architektur sind es die verschiedenen Ornamentgruppen wie Säulenordnungen mit allem was an Kleinformen dazugehört. das Zwecke der Ökonomie. Das spontane Entstehen von Regeleinstellunssystemen in der Natur ist von Computerwissenschaftlern in Artificial Life-Simulationen untersucht worden. des Porträts bis zum obersten Bereich des komplexen Historienbildes mit raffinierten Darstellungstechniken der Emotionen. über die Menschen lachen: Ökonmie = Geiz der Familienväter. Ich konnte ihn vielmehr aus der Hauptlinie der westlichen kulturtheoretischen Schriften von der Antike bis zum Ende der Vormoderne übernehmen. Stoffwechsel = Hunger. mittel. Sie werden auch ornamentum genannt.

mit denen sie in jeder Epoche ihre eigene Weiterentwicklung begleitet. empfehle ich mein Buch "Die Natur der Kulturen . Durch die Eichung entsteht Macht über Menschen. Decorum-Strukturen entstehen in allen Kulturen. Sie wird von emotionalen Ordnungsangeboten ausgeübt. Die höchstskalierten Darstellungsmittel sind der Affektkommunikation. null das Niedrige. Betriebskulturen. Eins ist die Eichung. des Kameradschaftsgeistes.' Aus der deskriptiven. die darzustellenden Inhalte sind ebenfalls skaliert. Die Inhalte der Kommödie entsprechen genau den vom Stress vorübergehend desaktivierten Funktionen des Organismus. Die zweitausendjährige decorum-Geschichte der westlichen Hochkultur ist nur ein Fallbeispiel unter vielen Erscheinungsformen des decorum. Alle Kulturen heißt: Die MSC-decorum-Dominanz betrifft nicht nur Hochkulturen sondern auch marginale Kulturen. Die deskriptive Kompetenz des decorum-Regeleinstellungssystems ist erschöpfend. von allen akzeptierten Gruppendominanz und der intuitiven Höflichkeit. kann man sehr einleuchtend beschreiben mit dem von Gregory Bateson entwickelten Begriffspaar: 'Deskriptive Regel Präskriptive Regel. der stets neu angepassten. ein emotionales Ordnungsangebot im Innern erzeugt. die nach außen gerichtet ist. Subkulturen. politische Extremisten-Kulturen. Hooligan-Kulturen. Den Lesern. Diese Wahrnehmungsabhängigkeit der Komödie von der Tragödie und umgekehrt ist charakteristisch für das ganze decorum-System. Die Westliche Kultur erklärt sich und ihr eigenes Funktionieren selbst in den Lehrbüchern. der aus einer kollektiven paranoiden Gruppenperspektive.Versuch einer kulturgenetischen Theorie" (Springer) Das decorum-System begegnet uns zunächst in den Medientechniken der zweitausendjährigen Entwicklung unserer eigenen Westlichen Kultur. Seine Entdeckung verdanken wir nicht unserer Beobachtung und dem Scharfsinn unserer Schlußfolgerungen. Das entspricht dem Schema: empathische Wahrnehmung einer Welt unter Stress = Tragödie. Sie beziehen sich empathisch auf die MSC-Aktion. Sie entspricht dem MSC-Phänomen. In dieser emotionalen Ordnung liegt die verführerische Kraft der MSC-Kulturen. die sich für mehr Detailwissen über decorum und MSC interessieren. Die Darstellungsmittel sind skaliert. und zwar ausschließlich der Übertragung von starken Gefühlen vorbehalten. nach aussen gerichteten Regel des Gruppenverhaltens gegenüber realen oder imaginären Bedrohungen entsteht die präskriptive. die dann in der Relaxationsphase umso stärker reaktiviert werden. Heiner Mühlmann 11 . Dazwischen liegt die offene Menge aller möglichen Zwischenstufen. Krankheit = Hypochondrie der geizigen Alten und der imaginären Kranken. Diese Empathie ist das Eichungssystem der kulturellen Gefühlsskala. Ich habe sie an anderer Stelle "Prinzip der abhängigen Wahrnehmung" oder "Wahrnehmungskadenz" genannt. Mobbing-Kulturen. nach innen gerichtete decorm-Regel. Eins ist das Erhabene.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Harlekine. Den Mechanismus. Sexualität = vergebliches Liebeswerben der geizigen Kaufleute und Verführungskünste der Mägde. empathische Wahrnehmung einer Welt in Stressrelaxation = Komödie. So funktionieren die Medien der Westlichen Kultur bis zum Ende der Vormoderne. Man stelle sich eine Messlatte mit Einteilungen von null bie eins vor. die ein emotionales Ordnungsangebot aus einem paranoiden und strategischen Stressverhalten gegenüber äußeren Feinden entwickeln.

Sie ist eine von der lateinischen Sprache vermittelte Europäische Kultur. Sie verteidigte die Menschenrechte und verhinderte Völkermord. Das Moment der Bündelung einer Menge von Enkulturierungsmerkmalen durch ein übergeordnetes Merkmal bietet den Vorteil.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Die historische decorum-Epoche. der sich aus dieser Zahl im Verhältnis zu einer Gesamtpopulation während der Zeitspanne einer Generation ergibt. Decorum-Systeme sind für die Theorie. Im Kossovo. die bis zum Ende der Vormoderne dauerte. die wir für die quantitative Kulturbeschreibung benötigen. ermöglicht den Vergleich mit anderen Generationen und die Beschreibung einer zeitlichen Entwicklung der Kultur. Enkulturierungsmerkmalen. die ökonomischen dagegen im niedrigen Bauhausstil. Sie ist eingebettet in eine kulturelle Gesamtrealität von decorum-Strukturen. hat im Kossovo nie stattgefunden. Durch das Moment der übergeordneten Regel. entsteht ein strukturiertes Paket von kulturellen Regeln bzw. Völkermord. In der Westlichen Kultur gab es decorum-Systeme auch nach dem Ende der klassischen Epoche. war die Nato nicht in einen Krieg verwickelt. Sie setzte nur vermeintliche Universalwerte durch. so die offizielle Darstellung. Der Nationalstaat mit der thematisierten Nationalkultur ist eine Episode der kultrellen Evolution. das zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der ganzen Westlichen Kultur verbreitet ist. die in Wirklichkeit selbstblinde Werte der eigenen Kultur sind. stellt eine abgeschlossene. was seine Darstellung erheblich vereinfacht. So machte mich Bazon Brock während eines Symposiums in Sofia darauf aufmerksam. Technik bezogenen Aktivität geführt. daß die Regeleinstellung durch den nachgeschalteten Kognitionseffekt der Stressreaktion bewerkstelligt wird und somit Resultat einer im strengen Sinne genetischen Eigenschaft ist. die ich meinem Leser vorstelle. Die Nationalsozialisten leugneten die Wichtigkeit der Ökonomie zugunsten der Todesbereitschaft ihrer politischen Krieger. daß der Beobachter fortan das decorum-System als eine einzige Übertragungseinheit betrachten kann. Enkulturierungsmerkmale sind die Übertragungseinheiten. Das political-correctness-decorum leugnet die Kriegsbereitschaft der eigenen Kultur selbst während eines Krieges. überschaubare Entwicklung dar. Die vom decorum bewirkte Einstellung der Dominanzverhältnisse enthält immer eine Leugnung. daß im Architektursystem von Albert Speer und Adolf Hitler die politischen Gebäude im erhabenen Speerschen Säulenstil gebaut werden sollten. der von der eigenen Kultur geführt wird. die andere Regeln zusammenfasst. Die durch das MSC-Prinzip bewirkte Ordnung der Dominanzverhältnisse in der Kultur hat während der klassischen decorum-Zeit durch die Zuweisung des niedrigen Rangs zur Leugnung der ökonomischen auf Werkzeug bzw. Ein zweites Beispiel ist das "Political Correctness"-Reglement. und der Quotient. Das decorum bietet den weiteren Vorteil. Heiner Mühlmann 12 . so lautet das bisherige Ergebnis aller nachträglichen Beobachtungen. Sie werden in jeder neuen Generation gezählt. Eine weitere Anmerkung ist überaus wichtig: Die decorum-Kultur hat keine nationalen Eigenschaften. von großem Nutzen.

Dabei handelt es sich um Besonderheiten. gefunden wurde. wenn es sich um die genetische Erzeugung von kognitiven Fähikeiten handelt. nämlich die MSC-decorum-Kombination.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Nachdem auf diese Weise die für unsere Theorie wichtigste Übertragungseinheit. wende ich mich einigen Besonderheiten der Übertragungsdynamik zu. die auftreten. Heiner Mühlmann 13 .

Diese Genotyp-Phänotyp-Kombination besetzt nun die veränderte Umwelt. jetzt aber das Überleben ermöglichen.und Hinterbeinen ausgestattet sind. dass die Gene. Das Lernen selbst ist Heiner Mühlmann 14 . individuelle Lernfähigkeit. Nur die guten Flieger finden ausreichend Nahrung. Das Lernen vollzieht sich durch partielles Aussterben. Die Gene statten das Individuum von nun an mit dem epigenetischen Apparat aus. es sei denn. Wenn allerdings diese Flugfähigkeit und die dazugehörige Manövrierfähigkeit nicht durch das bloße Vorhandensein der Häute gewährleistet sind. der den Organismus befähigt. durch Scheitern. Wenn beispielsweise Eichhörnchen durch genetischen Zufall mit Häuten zwischen den Vorder. ausser. der individuelles Lernen ermöglicht. Der Mechanismus des Lernens durch Selektionsdruck funktionniert in dieser Einfachheit nur. die seinen erfolgreichen Organismus erzeugt haben. d. sexuelle Reproduktion. sobald von Genen nicht nur das funktionstüchtige Lebewesen hervorgebracht wird. Der Genotyp erzeugt einen Phänotyp. die mit Eigenschaften ausgestattet sind. Scheitern zwingt genetische Systeme zum Lernen. Die Selektion entscheidet also nicht mehr allein über die beste genetische Ausstattung des sensomotorischen Instiktverhaltens. Der Pate des genetischen Lernens ist der Tod. nicht mehr allein von der genetischen Ausstattung ab. es gibt einige Aussenseiter.h. um das Fortpflanzungsalter zu erreichen und ihre Gene in die nächste Generation einzubringen. hängt die Fitness. die letztlich zum Reproduktionserfolg führt. können diese Häute die Sprungfähigkeit erhöhen. sobald das Lernen sich in die beiden Zweige Genetik und Ontogenetik aufspaltet. Ist der Phänotyp während seines Lebens erfolgreich. wenn für die erforderlichen Interaktionen Nahrungsaufnahme. Die Populazion stirbt aus. Genetische Systeme lernen durch Selektionsdruck.h. weil sie wie Flügel wirken. sondern darüber hinaus ein Apparat. während seiner Lebenszeit Dinge zu lernen. Genetische Systeme lernen durch Selektion. Meiden von Beutegreifern. die sich aufspannen. sondern auch über die beste ontogenetische. Dann überleben die ehemals erfolgreichen Phänotypen nicht bis zum Fortpflanzungsalter. gelangt er ins fortpflanzungsfähige Alter und überträgt die Gene. sondern von den neugeborenen Tieren während der Jugendzeit gelernt werden müssen. Mit diesen Pseudoflügeln ausgerüstet können die Tiere größere Entfernungen zurücklegen. Doch die Voraussetzung für die ontogenetische Lernfähigkeit ist ebenfalls genetisch erzeugt. wenn Erfolg und Scheitern allein durch die postnatale Beschaffenheit des genetisch erzeugten Organismus festgelegt sind. d. die früher unwichtig waren. Dann wiederholt sich der Erfolg. Unter diesen Umständen kann es sein. Brutpflege genetisch festgelegtes kompetentes Instinkverhalten zur Verfügung steht. die früher erfolgreich waren.h. die sie anbieten konnten. in die nächste Generation. Andauernder Erfolg macht genetische Systeme lernfaul.und die Gene überleben aufgrund der Modifikation. die über die bereits vorhandene erfolgreiche Adaptation seiner körperlichen Organe hinausgehen. wenn es außerdem unter den Eichhörnchen gute und schlechte Flugschüler gibt. die einen Sprung phasenweise in einen Flug verwandeln. die Umweltbedingungen ändern sich. Komplizierter werden die Verhältnisse.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Kognitive Evolution In genetischen Evolutionssystemen tritt eine Wende ein. d. ohne sich zwischendurch niederlassen zu müssen. sobald die Beine gespreizt werden. scheitern.

Kultur + Strategie | Kunst + Krieg damit jedoch noch nicht gewährleistet. unter Abschirmung. Die Aufspaltung in genetisches und epigenetisches Lernen ist nach der von James Mark Baldwin 1895 veröffentlichten Theorie dieses Inhalts 'Baldwin-Effekt' genannt worden. Der BaldwinEffekt funktionniert nur durch den Erfolg. Erfolg befreit vom Lernzwang. Der Erfolg dagegen schirmt das genetische System von Selektionsdruck und Lernzwang ab. nicht die Gründe. der den Baldwin-Effekt auslöst. Erst das Scheitern zwingt genetische Systeme zum Lernen. Dabei kann z. oder das genetische Erzeugungssystem des individuellen Lernapparats kann abgeschirmt werden. Entweder kann das genetische Erzeugungssystem. Wenn aber individuelles Lernverhalten Selektionserfolg bewirkt. Die Aufspaltung der Abschirmung kann darüber hinaus ausser der Lernfaulheit eine Rückentwicklung der genetischen Fitness zur Folge haben. dass eine Population nach einem durch individuelles Lernen erzeugten Erfolg diesen Erfolg durch bloßes Routineverhalten perpetualisiert. kann nur ein quantitativer Erfolg sein. Er hält sich wegen des Erfolgs des anderen Zweigs selbst für erfolgreich.B. und wenn außerdem individuelle Lernergebnisse vertikal übertragen werden könnnen und kulturelles Lernverhalten erzeugen. Unter der Voraussetzung der Zurückentwicklung ist das Individuum allein auf den Erfolg des Heiner Mühlmann 15 . das den Erfolg noch einmal verstärkt. wenn genetisches Lernen und individuelles Lernen nahtlos ineinander übergehen.h. Das heißt. Diese Aufspaltung von genetischem und individuellem Lernen lässt die Komplexität des ursprünglich so überschaubaren Selektionsmechanismus auf nicht lineare Weise anwachsen. kann die Abschirmung der Gene gegen den Selktionsdruck zwei verschiedene Formen annehmen. die Situation eintreten. denn die Genetik ist selbtsblind und antizipationsunfähig. Es kann sein. Wohl bemerkt: Abschirmung ist in der Genetik eine Folgewirkung des Erfolgs und bedeutet: Es muss nicht mehr gelernt werden. Das genetische Lernen ist von Erfolg und Scheitern abhängig. indem er den genetischen Erzeugungsapparat abschirmt. wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist. Die differenzierteren Reaktionen der Wölfe würden beim Umgang mit dem Menschen sogar stören und zu Konflikten führen. und der Selektionserfolg. der Erfolg. dass sich unter diesen Bedingungen durch genetischen Einfluss der Apparat des individuellen Lernens zurückentwickelt. Auf ähnliche Weise hat sich z. das Verhalten erzeugt als auch das Gensystem. das den Apparat der lernenden Korrekturhandlungen erzeugt. wenn sie scheitert und beginnt erst zu lernen. weil der Haustiererfolg des Hundes die komplexe Wertungsaktivität des Wolfs nicht mehr benötigt. abgeschirmt werden. Dann leben sowohl das Gensystem. die Ausbreitung der Gene sowohl des Aktionsapparats als auch des Lernapparates in die nächste Generation stellt sich erst ein. das Gehirn des Hundes gegenüber dem Gehirn des Wolfs zurückentwickelt. Damit knüpfe ich an die erste der eingangs geforderten Eigenschaften einer leistungsfähigen Theorie an. Vom Erfolg kennt sie nur das Vorhandensein. d. das für den Aktionsapparat zuständig ist. Sie strengt sich nur an. Erfolg heißt: größere Ausbreitung in der nächsten Generation.B. weil der Erfolg des einen Zweigs den anderen Zweig in Sicherheit wiegt. vergrößert in der Population den Quotienten der am Erfolg beteiligten Genkombination und verringert den Quotienten der potentiell lernfähigen Außenseitergene.

Diese Schwäche des nackten Menschen bildet die Grundannahme jeder anthropologischen Theorie. Erfolg und Scheitern Die andere. in unserem Zusammenhang interessantere Variante des Baldwin-Effekts ist die Abschirmung des Gensystems. leben Menschen in totaler Abhängigkeit von ihren Werkzeugen. Dabei tritt durch die Abschirmung eine Minderung der genetischen Eigenschaften ein. Es kann nicht dazulernen und scheitert.' Diese zweite mögliche Variante des Baldwin-Effekts sei 'Baldwin-Gesetz' genannt. Das Baldwin-Gesetz besagt folgendes: Jeder durch individuelles und kulturelles Lernen erzeugte Erfolg bewirkt eine Abschirmung und somit eine Schwächung des genetischen Erzeugungssystems. Dabei entwickelt sich der ehemals perfekt angepasste sensomotorische Organismus des Tieres zurück. d. Doch die Weiterentwicklung des ontogenetischen Lernens setzt den Erfolg fort. Diese Fortschritt-Rückschritt-Kombination kann man auch darstellen als Beziehung zwischen einer Heiner Mühlmann 16 . kann der Gesamterfolg weiter fortschreiten. Richtet sich diese Schwächung gegen die Erzeugung der Aktionsroutinen und nicht gegen die Erzeugung des individuellen und kulturellen Lernapparats.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Routineverhaltens angewiesen. durch den kombinierten Erfolg von Aktionsapparat und Lernapparat: Die Individuen einer Population sind über viele Generationen erfolgreich durch ständige Weiterentwicklung des individuellen und kulturellen Lernens. von den Resultaten ihres ontogenetischen Lernverhaltens und der individuellen Lernhandlungen ihrer Vorfahren. das den Aktionsapparat hervorbringt. Seine Population stirbt aus. Während seine tierischen Vorfahren mit perfekten sensoriellen und motorischen Systemen und mit perfekt angepasstem Instinktverhalten ausgestattet sind.h. Beispiel einer derartigen organischen Zurückentwicklung ist der Mensch. Der Baldwin-Effekt beschreibt die Einbettung der Kognition in genetische Evolutionsprozesse. Peter Sloterdejk drückt diese menschliche Grundbedingung aus durch den Satz: 'Der Mensch verlässt während seines ganzen Lebens den Brutkasten nicht. Die meisten Rassehunde der Zuchtvereine könnten in der Wildnis nicht mehr überleben. Eine leichte Veränderung der Umweltbedingungen kann ihm zum Verhängnis werden.

h. Brock gelangte auf einem ganz und gar anderen Weg zu diesen Ergebnissen. Sie wird zur Propriozeption des kognitiven Apparats. Einer dieser Evolutionstakte soll die Transformation von Militärobjekten in Elemente einer Kultur der autonomen Ästhetik beschreiben. die er überschrieben hat mit den Titeln 'Durch Erfolg zerstört' und 'Scheitern als Erfolg'. Außerdem werde ich gleichzeitig mit dem Erfolg die Wirkung des Baldwin-Gesetzes bilanzieren. Damit ist R2 notwendigerweise kontrafaktisch.' Ich werde im Folgenden einige markante Evolutionsschritte der kulturellen Entwicklung auf eine schematisierte Weise darstellen.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Realitätsebene R1 . mit dem Baldwin-Gesetz und mit dem Suchkommando 'Finde R2+E' ausgestattet. und wir können sie mit dem für ein kognitives System unerlässlichen Gefühl gleichsetzen. Was in der Baldwin-Theorie als Abschirmung beschrieben wird. Ich werde in jedem Evolutionsschritt das generierende System. die durch das kognitive System erzeugt wird. Um von der durch Kognition erzeugten Realität R2 in die einbettende Realität R1 zurückzufinden. die die Apparate erzeugt haben. den Aktionsapparat und den individuell-kulturellen Kognitionsapparat benennen. In dieser Sicht hängt die Einleitung einer weiteren Stufe der Evolution immer vom Erfolg der vorangehenden Stufe ab. Da hier Ergebnisse verschiedener Vorgehensweisen koinzidieren. bei dem mindestens eine Eigenschaft von R1 in R2 nicht mehr erscheint. die an der Auslösung des nächsten Evolutionstakts beteiligt ist. Mit dem Erfolg ist jedoch immer ein Abschirmungseffekt und eine Schwächung der generativen Systeme verbunden. Wilson 'concilience' nennt: Verschiedene Theorien gelangen ohne gegenseitigen Einfluss zu den gleichen Ergebnissen Heiner Mühlmann 17 . weil sie durch die Erzeugung des kognitiven Apparats aufgesogen wird. erscheint jetzt als Absorptionseffekt. d. kann man von dem Efffekt sprechen. denn der Erfolg ist die Voraussetzung für die Auslösung des nächsten Evolutionstakts. Der kognitive Apparat absorbiert mindestens eine Eigenschaft von R1 durch sein eigenes materielles Funktionnieren. Das bedeutet dann R2 + E = R1 An diesem Punkt angelangt. durch die der Erfolg ermöglicht wurde. und einer Realitätsebene R2. Diese Formel 'Zerstörung durch Erfolg' stimmt auf vollkommene Weise überein mit Bazon Brocks Gedanken. Danach werde ich den Erfolg bilanzieren. durch die kognitive Systeme erzeugt werden. Jede durch Kognition erzeugte Realität ist somit kleiner als die Gesamtrealität. Es findet also immer eine durch Erfolg verursachte partielle Zerstörung statt. muss man für jede kognitive Aktion die dazu gehörige propriozeptive Emotion E finden. den Edward O. in die sie eingebettet ist: R2 < R1 Es entseht der blinde Fleck jeder Kognition. komme ich zurück zum eigentlichen Problem dieses Artikels und zur eingangs aufgestellten These: 'Die Transformation von militärischen Objekten in Elemente einer Kultur der autonomen Ästhetik ist eine kulturgenetische Struktur.

Hominiden wie Neandertaler und Cro Magnon-Mensch der homo sapiens.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Schritte der kulturellen Evolution Wir wissen. daß während einer ausgedehnten Epoche vor ca. Zu seinem materiellen Aktionssystem gehört als Propriozeption das hormonell gesteuerte Instinktverhalten mit der tierischen Entsprechung der menschlichen Gefühle. Die schematische Darstellung beschreibt die lange Evolutionsphase von den Primaten über die ersten Hominiden bis zu den Menschen der beginnenden Spätsteinzeit.B. Wahrscheinlich waren sein Geruchssinn und sein Gehör schärfer und seine neuromotorischen Reaktionszeiten kürzer. Speichertechniken von Nahrungsmitteln und Herstellung von Behausungen und Kleidung ermöglichen die Besiedlung aller geographischen Zonen. was vor den Menschenden anderen Arten trotz ihrer besseren körperlichen Ausstattung nicht gelungen ist. Domestikation.000 Jahren Neandertaler und Menschen vom Typ homo sapiens gleichzeitig lebten. der biologischen und kulturellen Menschwerdung zu Grunde liegt. Das heißt: Die heutigen Menschen waren erfolgreich. sein Aktionssystem ist der perfekt angepaßte Organismus. In einer langen Evolutionsphase entsteht über Primaten. die der Hominisierung . Mit dem Aussterben der einen Art und dem Obsiegen der anderen Art läßt sich die Entwicklung. Es verfügt über einen perzeptiven Kognitionapparat. In einem vorangegangenen Evolutionstakt entsteht das sensomotorisch angepaßte. sehr gut veranschaulichen. Der Vergleich zwischen homo sapiens und Neandertaler läßt erkennen. Werkzeugnutzung. die homo-sapiens-Menschen existieren heute noch. begrenzt individuell lernfähige Tier ohne Werkzeugbenutzung. der individuelles Lernen ermöglicht. kooperatives Jagen bei sozialen Beutegreifern. Seine Skelettmuskulatur war kräftiger. Heiner Mühlmann 18 .h. Gebiß und Unterkiefer waren ebenfalls kräftiger. z. Seine Extremitäten waren im Verhältnis zum ganzen Körper länger. daß der Neandertaler mehr Eigenschaften von der sensomotorischen Vollkommenheit des Tiers besaß und weniger Werkzeuge benutzte. Der homo sapiens war auf all diesen Gebieten benachteiligt. d. 200. Doch sein Schädelvolumen war größer und seine Werkzeugtechniken waren reichhaltiger. Die Neandertaler sind ausgestorben.

Die Struktur der von einem Fortifikationsring umgebenen Siedlung wird seit der befestigten Dorfsiedlung der Spätsteinzeit und seit der Entstehung der Hochkulturen in Mesopotamien zur invarianten Form der Stadtsiedlung. Die aus der Feindperzeption resultierenden Techniken bilden Kriegskunst und Strategie. Jhs.und Nachteilen. Da alle Kriegsparteien dieser Epoche derselben Kultur angehörten. Der Vermehrungserfolg hatte zu größerer räumlicher Nachbarschaft der Siedlungen. Die feudalistischen MSC-Kulturen des 15. und 18.. die vom Werkzeug manipulierenden. Die Kriege erzielten durchweg eine ausgeglichene Bilanz von Vor. Todesbereitschaft und decorum bilden die kulturelle Propriozeption.die Barbaren. Proptosouveränität. Der Erfolg der westlichen MSC-decorum-Kulturen war die Kolonialisierung der nicht-europäischen Kontinente. spricht Samuel Huntington in diesem Zusammenhang von 'western civil wars'. Sie führten Kriege. Die strategischen Erfolge virtualisieren die ökonomischen Erfolge und bilden auf diese Weise die decorum-Leugnung und die Abschirmung der genetischen Ausgangssituation. 17. Durch ihr Vorhandensein unter den Bedingungen der Schadensminimierung garantierten sie das Funktionieren dieses Typs der MSC-decorum-Kultur mit der Faszination des aus Krieg erzeugten emotionalen Ordnungsangebots im Innern.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg MSC-decorum Kultur Nächster Evolutionstakt: Gegen Ende der Spätsteinzeit entstehen Dörfer mit fortifikatorischen Schutzwällen. Sie erlangten ihre Identität durch das Prinzip der Souveränität bzw. Der eigentlcieh Erfolg der Kriegstechnik und der Kriegsführung lag in der quantitativen Heiner Mühlmann 19 . d. zur Verknappung der Nahrungsressourcen und damit zu Neid und Freund-Feind-Beziehungen unter den verschiedenen Siedlungspopulationen geführt.. das beide Parteien in möglichst hohem Maße vor Verlusten bewahrte. die oft ein strategisches Verhalten erkennen ließen. 16. vom Werkzeug abhängigen und lernenden homo sapiens gebildet wird. Es gibt nur die Unterscheidung: Wir . Es gibt noch nicht die Kultur als mögliches Objekt der Beobachtung. Krieg zu führen. Die Perzeption der MSCEinheit ist auf die Feinde gerichtet. waren alle von der gleichen inneren decorum-Struktur geprägt. westlichen Bürgerkriegen. Es handelt sich um eine Epoche der kulturellen Selbstvergessenheit.h. durch das Recht.

Das Nullsummen-Ergebnis der 'westen civil wars' und ihr paradoxaler Erfolg außerhalb von Europa kann als typische Wirkungsweise des blinden decorum-Systems betrachtet werden. Die Baldwin-Kombination von Erfolg und Schwächung löst den nächsten Evolutionstakt aus. Navigation. Manufaktur und beginnende Maschinentechnik als niedrige Tätigkeiten und als artes serviles. Kolonialisierung und Ausbeutung der Kolonien bestand. das vom vorangehenden Gensystem erzeugt worden war. dar. Auf diese Weise verbesserte keiner der europäischen MSC-Staaten langfristig seine Dominanzposition innerhalb der westlichen Kultur. die aus innereuropäischen Infanteriekriegen. die sie für ihre Kriegskassen brauchten. Heiner Mühlmann 20 . dass es sich um eine niedrige Aktivität handelt.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Ausbreitung der europäischen Gesamtkultur. Doch Europa verbesserte seine Dominanz auf den anderen Kontinenten. Bei dieser Ablösung tritt immer ein Subtraktionseffekt auf. In der Theorie der iterativen Folge von Evolutionsschritten wird das jeweils vorangehenede generative System von dem Aktionssystem abgelöst. der die nächste kognitive Realität erzeugt. in dem das Gensystem 'Mensch mit der epigenetischen Fähigkeit der Werkzeugnutzung' abgelöst wird durch das erfolgreiche Gensystem 'MSC-Population'. In den während dieser Zeit verfassten Schriften über Ökonomie wird betont. Die einzelnen MSC-Staaten schufen Kolonien. die mit niedrigen literarischen Mitteln dargestellt wird. bei denen sie vor allem an der Ausbeutung der Goldvorkommen interessiert waren. dienende Künste. dass eine oder mehrere Eigenschaften des älteren Erzeugungssystems im nächsten Erzeugungssystem nicht mehr vorkommen. Sie werden absorbiert von der Propriozeption des Apparats. Das decorum stellt Handwerk. Er ist Mitglied unserer Forschungsgruppe. Der Erfolg der kriegerischen Gesamtaktivität. Seekrieg. Auf diesen Sachverhalt machte mich Ulrich Heinen aufmerksam. führte zur Baldwin-Abschirmung der Werkzeug-Aktivität. der bewirkt. in dem Kultur nicht thematisiertes Beobachtungsobjekt sondern Propriozeption des kriegerischen MSC-Systems und kulturelles Urvertrauen ist.

sobald starke Gefühle ausgelöst werden. Sie hielten ihre berühmeten Männer für die tiefsten Denker. Die wichtigste Veränderung dürfte zunächst die Entdeckung der Kultur selbst sein. sondern decorum-System und somit kulturelle Propriozeption.Thematisierte Kultur Im nächsten Evolutionstakt werden von der MSC-Population als generativem System die Aktionssysteme des ausgehenden 19. Der Apparat dieser Perzeption ist das Museum.B. der Außenhandel mit kriegerischen Zielen betreibt. erzeugt. vor allem bei den zweibeinigen Lebewesen. eine gemeinsame Geschichte verbindet. aus der ständigen Interaktion zwischen Gleichgewichtssinn und Muskeltätigkeit.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Nationalstaat . Propriozeption besteht z.Jh. Die Kultur als Objekt der Beschreibung ist voll entwickelt anzutreffen in den Schriften von Herder und Humboldt. So spielte in Deutschland bei allen nationalistischen Kriegen das Argument der Verteidigung der eigenen Kultur eine wichtige Rolle. Diese Entwicklung vollzog sich während des ausgehenden 18. Jhs. Die dritte Phase ist der geoökonomische Staat. Die Zurückverfolgung des Begriffs Kultur in die Vergangenheit bleibt ohne Erkenntnisgewinn. die sich aber in zwei Erinnerungen darstellt: einer französischen und einer deutschen.Jhs. Die Deutschen hielten sich für besonders ausgezeichnet in allem. Die thematisiert wahrnehmbare Kultur hat noch einen zweiten Ursprung: die Begegnung mit den Populationen der kolonialisierten Kontinente. mit dem sie. Die Deutschen hielten Frankreich für eine blosse Zivilisation mit einem Hang zu Oberflächlichkeit. Die mediale Propriozeption der alten MSC-Systeme wird während der neuen Epoche zur wahrnehmbaren Kultur und zum Objekt des Raisonnements. Die nachträglich erkannte Kultur war während der Zeit der westlichen MSC-Staaten nicht Objekt der Perzeption wie im 19. Sie besteht des weiteren aus der Selbstvergessenheit. Ausnahmezustands. Irgendwann verliert sich dieses Wort mit dieser speziellen Bedeutung. Die erste Phase ist der Nationalstatt der beiden Weltkriege mit seiner ausgeprägten Todesbereitschaft. Sie wird zu einem wichtigen Bestandteil des Nationalstaats. und des 20. Propriozeption ist eigentlich die nicht thematisierte Eigenwahrnehmung eines Organismus. Einige Nationalstaaten legitimieren ihren besonderen Anspruch aus der Besonderheit ihrer Kultur. den Krieg selbst aber zu einer unwichtigen Randerscheinung in wirtschaftlich uninteressanten Zonen der Dritten Welt macht und die Todesbereitschaft verneint. Ihr Resultat ist die Thematisierte Kultur. was geistige Tiefe aufzuweisen scheint. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem Blick in den Spiegel. und des 19. Die Tiefe und Wahrheit ihrer Kultur unterschieden sie von den Eigenschaften ihres nächsten und größten Nachbarn. Verstandeskälte und Heiner Mühlmann 21 . Die zweite ist der Westblock des Kalten Krieges mit dem durch die Atomwaffen erzwungenen Verbot des Ernstfalls bzw. tiefsten Musiker und tiefsten Dichter. die unterbrochen wird. wie der Berater der jetzigen Bundesregierung von Thadden gesagt hat. Kultur ist nicht mehr namanlose Propriozeption des MSC-decorum-Systems sondern benennbarer gegenstand der Perzeption geworden. Kultur wird auf diese Weise zu einem Arbeitsbegriff der Anthropologie. vom MSC-Prinzip generierten Aktionssystems. Dabei handelt es sich um drei Phasen eines einzigen aggressiven. und 20.

wahrhaftig und überzeitlich. Wie aber erklären das Baldwin-Gesetz und die Gleichung R1 = E + R2. die sich über viele Heiner Mühlmann 22 . Selbstmitleid und Feindparanoia. wie der gesunde Menschenverstand lehrt. die sich allen bleidenden Institutionen verweigert und allein die quantitative Übertragungsdynamik von Enkulturierungsmerkmalen anerkennt? Es ist evident. Überzeitlichkeit und Friede. zugleich eigene innere Eigenschaften und universale Eigenschaften.B. z. Exportieren kann man sie nur in Ausnahmefällen. in dem Kriege bloße Störfälle sind. die Theorie der Gewaltenteilung von Montesquieu und die Bürgerrechte der Französischen Revolution. hier Kultur. Weil sie die eigene Kultur ist. der nur zufällig noch nicht eingetreten ist. dort Zivilisation. BaldwinGesetz stets um die Darstellung der Transmissionsformen von Enkulturierungsmerkmalen handelte. die säkularisierte Souveränitätstheorie von Bodin. Diese Kultur erscheint ihren Anhängern als friedlich. Geschichte ist nicht. Die Faszination der eigenen Tiefe kann man vielleicht narzistisch selbst genießen. z. sind ihre Eigenschaften. wurden immer begründet mit dem Argument. Ehre. wie erklären Theorien der Dynamik die Entstehung von undynamischen Institutionen. es handle sich um den letzten Krieg. sondern eigentlich ein Bezugssystem des Friedens. der dynamisch ist? Die Kognition erzeugende Realität R1 ist eine genetische Dynamik.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Frivolität. Dagegen eignet sie sich bestens als Grundlage für Fremdenangst. Die Überzeitlichkeit macht den Frieden zur metaphysisch garantierten Vorstellung vom Normalzustand des historischen Universums. die eine wichtige Vorstufe für die Proklamierung der Menschenrechte bilden. MSC. tief. Die Vernichtungskriege der Nationalstaaten. und wie wirken undynamische Institutionen in einem Gesamtzusammenhang. damit danach der immerwährende Friede geschaffen werden könne.B. "Strange Revelation" Der Nationalstaat ist eine Institution. Deshalb muß man für ihn Krieg führen. Wie kann man ihn mit Hilfe einer Methode beschreiben. daß es sich bei den bisher erörterten Themen Kulturgenetik.die Anderen' hinausläuft. mit anderen Worten. Seine individuelle und kulturelle Kognition erzeugt die Kultur als eigenen Realitätsbereich (R2). die Realität einer Kette von Kriegen und Zwischenkriegsphasen. decorum-Regeleinstellung. um ihn endgültig durchzusetzen. der mit aller Grausamkeit geführt werden müsse. Todesbereitschaft. wird deutlich. In der französischen Entwicklung sind mehr universalisierbare politische Regelwerke entstanden. Das generative System MSC-Population mit der decorum-Propriozeption der kriegerischen Erhabenheit generiert den kriegerischen Nationalstaat. In dieser diskriminierenden Unterscheidung. vor allem die Weltkriege. Dieser Friede ist zugleich metaphysisches Unterscheidungsmerkmal der eigenen Kultur und universaler Zustand. dass die Identitätsmerkmale einer nationalen Kultur sackgassenartig auf die Unterscheidung 'Wir .

die an einen theistischen Gott glauben.h als zeitunabhängiges Phänomen. und mit dem die Menschen in Gebeten dialogieren. Kombinieren wir den "Strange-Revelation-Effekt" mit dem Baldwin-Effekt und dem MetaphysikKondensat. Das ist die "Seltsame Offenbarung". Selektion ist eine Wirkung. Diese wegen ihrer Langsamkeit nicht mehr wahrnehmbare Bewegung erscheint in R2 als Bewegungslosigkeit. Der eine möchte alles über Zahlen wissen. indem er die Menschen auf eine falsche Fährte lockt und auf ihre Intelligenz vertraut. Das würde bedeuten: Der deistische Gott offenbart sich als falscher theistischer Gott. So kann ein Individuum die Beschäftigung mit Tieren bevorzugen. können Baldwin-Effekt und Metaphysik-Kondensat in Kombination auftreten. Da es einige kognitive Systeme gibt. die von der Evolution ausgeht. ein anderes die Beschäftigung mit dem Anbau von Pflanzen. Deistische Gottvorstellungen dagegen nehmen eine göttliche Kraft an. erfolgreich zu sein. in denen durch Vererbung die Vorliebe für die Verehrung eines theistischen Gottes überwiegt. Wilson in seinem bereits zitierten Buch "Concilience" erklärt: Zu den epigenetischen Eigenschaften gehören sogenannte Lernpräferenzen. Die theologische Umschreibung der Evolution ist der deistische Gott. Nun kann es sein. Das Wort arche bedeutete in der Umgangssprache "Anfang eines Prozesses". Es ist zu einem metaphysischen Kondensat geworden. ewige Gott.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Generationen erstreckt und für die Zeitwahrnehmung des Realitätshorizonts in R2 zu langsam ist. daß von der Selektion diejenigen Kulturen bevorzugt werden. Der Baldwin-Effekt beschreibt eine genetische Struktur. die ihnen dabei helfen wird. Dieses Metaphysik-Kondensat bildet den Grund für die philosophische Annahme. der einen Selektionserfolg bewirken kann. Die griechischen Väter der westlichen Philosophie nannten den nicht zu beweisenden Vernunftgrund arche ( ). die sich in vielen Gestalten zeigt und als dynamische Beseelung in allen Naturphänomenen anwesend ist. daß man durch bloßes Denken und ohne Beobachtung der Natur Wahrheiten finden kann. der andere alles über die Verarbeitung von Metallen. es irgendwann herauszufinden. außerdem zur Verfolgung langfristiger Ziele und zum Verzicht auf kurzfristige Annehmlichkeiten. Das sind Vorlieben für bestimmte Gegenstände des Sozialen Lernens. der allwissend das Universum kontrolliert. Das bedeutet dann: Die Abschirmung auf das generative System R1 erscheint in der Realität R2 als metaphysische Vernunft. Es kann ganze Populationen geben. Theistisch ist der persönliche. Gott offenbart sich. Das sehr Alte wird zum metaphysischen Vernunftgrund. die das MetaphysikKondensat erzeugen. d. daß er weder in der Natur beobachtet noch bewiesen werden muß. Heiner Mühlmann 23 . weil die Angst vor der göttlichen Kontrolle die Menschen zu mehr Altruismus bewegt. Damit befindet es sich jenseits des zeitlichen und schicksalhaften Geschehens. so erkennen wir im Metaphysik-Kondensat die Widerspiegelung von R1 in R2 und ebenso die Spiegelung des deistischen Gottes aus R1 im Bild des theistischen Gottes von R2. die nur im Zusammenhang mit kognitiven Systemen auftreten kann. um in der Evolution. In den christlichen Kulturen entspricht die Heiligenverehrung und vor allem die Verehrung der Muttergottes der deistischen Gottvorstellung. der so evident ist. Zu der Kombination Baldwin-Effekt und Metaphysik-Kondensat kann noch eine weitere Verfeinerung der kognitionsgenetischen Koevolution hinzutreten Sie wird uns von Edward O. die er bestens kennt.

Er kann an die Selektionserfolge der Lernpräferenz für den kontrollierenden Gott. Das ist im Nationalstaat geschehen. was jetzt als Nationalstaat mit Thematisierter Kultur erscheint war vorher ein Aktionssystem mit der für sein Funktionieren unerläßlichen Propriozeption. Die Abschirmungsleugnung läßt Kriege nicht als Instrumente der Zerstörung mit paradoxalen Ergebnissen erscheinen sondern als Instrumente der Herstellung von Dauer. Die Umwandlung der Enkulturierungsmehrheiten begann im 2. d. d. Damit setzt sich das MSC-Prinzip als generatives System durch. weil ja eine durch Kognition erzeugte Realität R2 entstanden ist.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Das Metaphysik-Kondensat liegt auch der Entstehung von überzeitlichen Institutionen zugrunde. In der Kombinationsfigur "Strange Revelation / Mataphysik-Kondensat / Baldwin-Effekt" heißt das: Die Abschirmung auf das generative System R1 kann in R2 als zeitlose Institution Nationalstaat erscheinen. "Menschenwürde" etc. was eigentlich eine Dynamik ist. in der MSC-Aktionen wirken. zum zeitenthobenen Prinzip gemacht werden. die sich auf R1 beziehen. Das ist in diesem Zusammenhang besonders interessant. die kulturelle Entscheidung über die Aktivierung der Todesbereitschaft. Der Nationalstaat ist außerdem Akkumulator aller zeitlosen kulturellen Garantien wie "Sozialer Fortschritt". in eine dauerhafte Institution umgewandelt wird. Dabei fungierte der theistische Gott als die durch R2 in Dauer verwandelte langsame Evolutionsdynamik der dynastischen Vererbung in R1. als die Deutschen die Glen Miller-Musik der nationalen Musik vorzogen. Der Nationalstaat gerät in eine Kriese und löst durch Erfolg den nächsten Evolutionstakt aus. Sobald nun durch Revolutionen die Dynastien als Souveränitätsträger abgeschafft werden. an die Vorteile der Zeitlosigkeit anknüpfen.h. Heiner Mühlmann 24 . Als Enkulturierungsmerkmal ist der Nationalstaat natürlich nicht zeitlos. Diese Abschirmung bezieht sich auf die paradoxale Realität einer Evolution. Es führt wieder einmal zu einer Neubewertung der Dominazverhältnisse und zu einer dramatischen Umverteilung der Enkulturierungsmehrheiten. d. In den alten MSC-Systemen wurde die souveräne Gewalt von Dynastien. Betrachten wir nun den Nationalstaat als Enkulturierungsmerkmal.h. Auch hier kann der Baldwin-Effekt die Auslösung weiterer Evolutionsschritte erklären. so gilt für ihn dasselbe wie für den theistischen Gott. ist einer der wichtigsten Inhalte der Doppelausstellung. die dem theistischen Gott gehorchten. ausgeübt.h genetischen Vererbungsklans. Denn das. Seine metaphysische Begründung macht die analoge metaphysische Begründung der Kultur erforderlich. sobald er Krieg führt. Die paradoxalen Fluktuationen der Kriegsergebnisse werden in den Strategietheorien der Kulturen dargestellt. Krieg führen ist das Schicksal der Souveränität und somit das Schicksal des Nationalstaats. Die Darstellung dieser kulturgenerativen Gesamtrealität R2 mit den Gefühlen. in der. Der Nationalstaat als Institution der Dauer kehrt in die Dynamik der Evolution zurück. muß die Souveränität selbst . Weltkrieg bereits.

Die Fokussierung der Parallellinien des Euklidischen Raums in einem Augenpunkt und der zugleich angewandte progressive Verkleinerungsfaktor ist kongruent mit der optischen Projektion der alten Lochkamera und der neueren Linsenkamera. Jh. dessen Resultat technische Standards waren. Sie stellte eine strenge mathematische Konvention der Bildproduktion dar und konnte auf diese Weise mit genauen Erfolgskontrollen gelehrt werden. In der 'natürlichen' älteren Diatonik lag der Halbton. Der erste große Erfolg der Standardisierung war die Erfindung des westlichen Bildalgorithmus durch die Anwendung der mathematischen Zentralperspektive. Ein zweiter Durchbruch betrifft die Musik. westlichen Jazz. Ein dritter Erfolg bestand aus de Entwicklung einer Dramaturgie der epischen und mimischen Unterhaltungsmedien. Die von ihm entwickelte Normierung ihrer dramaturgischen Zusammensetzung ermögliche die Heiner Mühlmann 25 . die ebenfalls zu einem Exporterfolg der Weltkultur wurde. Die zusätzliche Verbindung zwischen afrikanischer Rhythmusmotorik und westlicher genormter Melodik ließ nach dem amerikanischen. Er war durch den Einfluss seines Vaters mit dem Militärwesen bestens vertraut.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Kulturexport gegen Nationalkultur Die Entdeckung der Kultur als Objekt der Perzeption verdankt ihr Erscheinen noch einer anderen Vorbereitungsphase. Es handelt sich um die Normierung der diatonischen Systeme. die genau in der Mitte zwischen einem Ganztonintervall liegt. etwas über oder etwas unter der Frequenzmitte. Das Endresultat dieses mathematischen Algorithmus der Bilderzeugung ist die Fotografie. Alexandre Dumas war Sohn eines bedeutenden Generals. die vom normal Enkulturierten der Moderne übersehen wird. um dann zu Exporterfolgen außerhalb der westlichen Welt zu werden. Für alle spielten militärische Erfahrungen eine wichtige Rolle. Dumas erfand die Atelierproduktion der Unterhaltungsromane. Es entstand der quantitative Erfolg der westlichen Konzerte. weil sie offenkundig ist. die ungefähr in die Zeit von Johann Sebastian Bach fällt. In allen Medien der westlichen Kultur vollzog sich ein Normierungsprozess. Man nannte die neue Normierung 'Temperierung'. Dann wurden die Tonarten auf den einzigen Kontrast Dur / moll reduziert. Diese Neuentdeckung hatte weitreichende Folgen auch für die Mathematikgeschichte. Zu seinem Freundeskreis gehörten Victor Hugo und Alfred de Vigny. und es entstand das universal verwendbare 'wohltemperierte Klavier' mit den genau interpolierten Halbtonschrtitten der schwarzen Tasten. die auf der ganzen Welt gespielt werden konnten. Die vielen Tonarten der Antike hatten durch verschiedene Positionierungen der Halbtonschritte jeweils festgelegte emotionale Eigenschaften und dominierten als sogenannte Kirchentonarten die musikalischen Kompositionen bis zum beginnenden 18.h. die vom Westen in alle Kulturen exportiert wurde: ein quantitativer Erfolg. Mit dieser Normierung war die westliche Musik mit ihren Instrumenten und ihrer Notenliteratur exportierbar geworden. Verglichen mit der Besonderheit des Einmaligen als Grundannahme der nationalen Kultur stellen Standardisierung und Universalisierung von Kulturartefakten eine gegenläufige Entwicklung dar. d. die westliche Rockmusik entstehen. je nach Tonart. durch die Medienartefakte zunächst für alle westlichen Länder importierbar und exportierbar wurden. und die Halbtonschritte wurden festgelegt auf die Schwingungsfrequenz.

in Filmen dargestellt. Diese Spannung der Geschichten. Suspence entscheidet über den Erfolg der Western. dass sie.Jh. Sie bildet einen wichtigen Bestandteil des nächsten Phasenschritts.und Kriegsfilme. die in den europäischen Staaten praktiziert wird wie die ebenfalls hier übliche staatlich gelenkte Wirtschafts. französisch suspence.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Literaturproduktion durch große Schreibteams. Die drei Musketiere sind der am häufigsten verfilmte Stoff. Der Nationalstaat hatte seinen quantitativen Erfolg in der imperialistischen Lenkung des Kapitalismus.h. Sein reales Aktionssystem war die Overkillstrategie der Atomwaffen. Der Begriff 'Verbotener Ernstfall' wurde von Bazon Brock während der 80er Jahre. Die Kriegsnähe des ersten großen Unterhaltungsproduzenten. mit deren Hilfe Geschichten so weit auf die universell verständlichen Grundemotionen reduziert werden. Sie behauptet ihre Stellung durch die auf sie gerichtete Enkulturierung von etwa 15% der Bevölkerung und durch ihre Verankerung in der staatlich regulierten Kulturpolitik. Diese Normierungsarbeit führt zur Exportierbarkeit der westlichen Medienartefakte. mit England aus militärisch-imperialistischen Gründen gegen Deutschland. hat ihren Exporterfolg nicht verfehlt. Die reale Exportkultur wird vorwiegend von den Amerikanern produziert. Normierung und Exporterfolge teilen die westliche Kultur in die beiden Zweige Realkultur mit quantitavem Erfolg und Pseudokultur mit qualitativem Erfolg. der vom Aktionssystem Nationalstaat zum Aktionssystem Westblock gegen Ostblock führt. Kalter Krieg Die Selbstblindheit des todesbereiten Nationalstaats mit der durch Kognition erzeugten kontrafaktischen Realität der Friedenskultur löste als nächsten Schritt die Entstehung des westlichen Blocks aus. Die Baldwin-Abschirmung gegen das Gensystem MSC lag in der Leugnung des MSC-decorum und in der Proklamation der eigenen thematisierten Kultur als Metaphysik des universalen Friedens. seine Propriozeption der verbotene Ernstfall. während der Endphase des Kalten Krieges entwickelt. So verbündete sich Franreich noch im 19. Sie war in den Romanen von Alexandre Dumas stets reichlich vorhanden. Aus der Dumas-Dramaturgie wurde die Dramaturgie des Hollywood-Drehbuchs entwickelt. Dabei behielt die Militärstrategie stets eine Vormachtstellung. obwohl Deutschland als der wichtigste Handelspartner Frankreichs ökonomische Interessen repräsentierte. Die qualitative Pseudokultur ist vorwiegend in Europa und hier vor allem in Deutschland anzutreffen. problemlos in alle Sprachen synchronisiert werden können und überall ihren Spannungseffekt nicht verfehlen.und Arbeitsmarktpolitik. d. speist sich aus dem MSCKonflikt und den dadurch ausgelösten empathischen Gefühlen bei den Zuschauern. garantiert durch die Verwandschaftsbeziehung zu seinem Vater. Heiner Mühlmann 26 .

h. hält sich aber strikt an die "Null-ToteDoktrin". Die Zeit des Kalten Krieges ist im Bereich der Kulturperzeption geprägt von den Exporterfolgen der standardisierten westlichen Kulturartefakte. bis zur Auflösung des präskriptiven Regeleinflusses. Denn der Erfolg in einem Kalten Krieg.Entwicklung als Waffe Der Baldwin-Erfolg des Kalten Krieges erzeugt im nächsten Iterationstakt den geoökonomischen Staat. die im Innern der Westlichen Kultur gelten und ihre Kraft aus der deskriptiven Regel des Feindbildes empfangen. Der quantitative Erfolg des Westblocks war der Zusammenbruch des Ostblocks. Es gibt keine Gefallenen und keine getöteten Feinde mehr. der seine Kraft aus der deskriptiven paranoiden Regel der Angst vor dem Feindblock bezog.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Das während der Zwei-Block-Politik und während des Kalten Krieges entstandene individuell-kulturelle Kognitionssystem erzeugte im präskriptiven Regelbereich. Dabei war der Freihandel innerhalb des Westblocks unter der Bedrohung des feindlichen Blocks erfolgreich. sowohl für die eigenen Krieger als auch für die Krieger der Feinde. der sphärische Raketenschutzwall rund um die Nato-Staaten. war durch eine Strategie ohne Tod zustande gekommen. Sie werden in der Westlichen Kultur für globale Verpflichtungen gehalten. die Ideologie des Freihandels. Auch sie sind das Ergebnis der thematisierten Kulturbeschreibung und damit der präskriptiven Innensicht der Kultur. sind aber in Wirklichkeit nur Batesonsche Präskriptionsregeln. Die Propriozeption des Aktionssystems "Geoökonomischer Staat" ist eine durch das phylogenetisch überkommene MSC-System immer noch vorhandene kriegerische Grundhaltung. Die wichtigsten dieser Regeln mit Universalanspruch sind die Menschenrechte. z. Er verfügt über die besten Waffensysteme der Welt. Wirtschaftskrieg . Es gibt nur noch den Tod als Kriegsunfall. Die BaldwinAbschirmung richtete sich nun in einem weiteren Schritt gegen das immer noch vorhandene generative System MSC mit der endgültigen Leugnung der kulturellen Todesbereitschaft. Sein Erfolg dauerte bis zum Zusammenbruch des Ostblocks. der nach innen gerichtet ist. und für sie werden neue Null-Tote-Strategien entwickelt. die von der Westlichen Kultur als Anspruch an alle Staaten der Welt herangetragen werden. Dieser geoökonomische Staat konzentriert seine Strategie auf den Exporterfolg und interessiert Heiner Mühlmann 27 . der Sieg des Westens und der Zusammenbruch des Ostblock. Allerdings lebt die Westliche Kultur in der Nachbarschaft von Staaten mit Todesbereitschaft. d. Sie werden vom Westen "Rowdy-Staaten" genannt.B. Damit ist die kulturelle Todesbereitschaft in der Westlichen Kultur endgültig abgeschafft. Weitere präskriptive Regeln stellen die Injunktionen der universellen Weltzivilisation dar. Dabei gilt jedoch die absolute Verweigerung des Todes als Kriegsresultat.

und Festkörperphysik. weil die ausländische Konkurrenz euch vernichtet. Wir wissen nicht. Nur Staaten verfügen über Mittel. Die Wiederholung von Geschäftsbeziehungen macht den Aufbau von Vertrauen erforderlich. Heiner Mühlmann 28 . ob die alten 'schlag tot-Reflexe' des MSC-Prinzips auch diese Phase zu einem Erfolg führen. denn eine erfolgreiche Firma kann nicht nach einmaligem Vertragsabschluß weglaufen und sich immer neue Kunden suchen. Staatlich gelenkte Entwicklung ist demnach die innere Seite des Kognitionssystems. der groß genug ist. Zu diesen Mitteln gehören Einfuhrzölle. Schriften wie die. Importschikanen zum Beispiel durch unüberwindbare Normsysteme. die ihn aus ökonomischen Gründen nicht interessieren. andere Volkswirtschaften zu zerstören. Baldwin-Erfolg und Baldwin-Abschirmung sind noch nicht eindeutig erkennbar. um besser zu sein als die ausländische Konkurrenz. Sie alle sind wichtig für Rechner und Roboter. Artificial Emotion. Kulturtheorien mit quantitativer Voraussageabsicht. Subventionierung ganzer Industriezweige. nicht zuletzt. Aus dem unerläßlichen gegenseitigen Vertrauen entwickeln sich oft sogar sogenannte Geschäftsfreundschaften. Er verfolgt den Export mit kriegerischen Absichten und versucht. wenn ihr nicht besser seid. Diese Evolutionsstufe dauert an. Vielmehr geht es stets um den Abschluß von Verträgen. Dabei ist zu bedenken. das zum Aktionssystem 'Geoökonomischer Staat' gehört. Zu ihnen gehören Computerwissenschaft. Artificial Life. Energiegewinnung und Speicherung. um einen weiteren starken Abschirm-Effekt auf das Gensystem MSC auszuüben. indem er sie von der eigenen Wirtschaft abhängig macht. Teilchen. Sie bestehen aus der staatlichen Finazierung von Neuentwicklungen in bestimmten Schlüsselbranchen. Er überläßt den realen Tötungskrieg den Gebieten in der Dritten Welt. Genetik und. mit den Unterdisziplinen Artificial Intelligence. das heißt.B. Biotechnik und Unterhaltungsmedien.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg sich nicht mehr für reale Kriege. Weitere theoretische Betätigungsfelder sind Kommunikationsforschung. Die Aussenperspektive dieser inneren Wahrnehmung ist die Eroberung der Märkte. Airbusindustrie und Landwirtschaft in Europa. Weitaus interessanter sind die Angriffswaffen des geoökonomischen Staats. Feindselig kann Wirtschaftsaktivität nur durch die Intervention von Staaten werden. Außenhandel mit kriegerischen Zielen zu führen. die beiden Seiten einen Vorteil garantieren. mit deren Lektüre mein Leser gerade beschäftigt ist. Luttwak nennt diese Maßnahmen "Verteidigungswaffen" des geoökonomischen Staats. Robotik. Telekommunikation. Als präskriptive und deskriptive Regeln ausgedrückt heisst das: Ihr müsst entwickeln. daß Handel und Wirtschaft von sich aus in keiner Weise kriegerisch sind. z. die imstande sind. Die theoretischen Vorbereitungsarbeiten dieser Produktentwicklungen werden in den Kognitionswissenschaften ausgeführt.

Damit bin ich am Endpunkt meiner Theorie angelangt. Das Doppelmuseum hat das Ziel. es versucht den kognitiven Apparat Museum mit der durch ihn erzeugten Realität 'Thematisierte Kultur' und seinem propriozeptiven Gefühl E erfahrbar zu machen. Statt einen Zusammenhang aufzuzeigen. Inventio war der theoretische Leitgedanke der Rhetorik des MSC-decorum-Systems. In der ambivalenten Zone der Unentscheidbarkeit entsteht die Sehnsucht nach dem klärenden Gefühl. Dabei fungiert die Kultur als präskriptives Regelsystem. Das eine beeinflusst das andere. Mit der bewusst herbeigeführten Unentscheidbarkeit gleich das Doppelmuseum dem Konzept 'Museum im Museum'. wie im Projekt Doppelmuseum. creatio Schöpfung. Denn sobald in einem kognitiven System die unvermeidliche Selbstreferenz auftritt. die Strategie als deskriptives Regelsystem. entsteht eine Russelsche Menge. Sie kann nur aufgelöst werden durch eine Gefühlsentscheidung. die sich selbst als Element enthält. entsteht die Situation der Unentscheidbarkeit. Das Gefühl erscheint in Gestalt des emotio- Heiner Mühlmann 29 . die daran gewöhnt sind. die Einbettung des Kunstmuseums in den kulturellen Evolutionsprozess deutlich zu machen. Die Bedeutung von Entwicklung gleicht mehr dem alten lateinischen Wort inventio als dem Wort creatio. Das Museum und somit die Enkulturierungsrealität kann nicht durch ein Museum gezeigt werden. Im Museums.und Moderne-Kapitel meines Buchs 'Kunst und Krieg' habe ich geschrieben: 'In Zukunft müssen kunsthistorische Museen in anthropologischen Museen ausgestellt werden. Sie werden mit dem Gefühl zerschlagen. Das heisst. Inzwischen halte ich meinen damaligen Vorschlag für aussichtslos. erzeuge ich ein unentscheidbares Problem. Während ein normales Kunstmuseum eine durch Kognition erzeugte Realitär R2 zur Darstellung bringt.' Es ging mir. Gordische Knoten werden nciht mit dem Verstand gelöst. die Enkulturierung der Museumsbesucher. Das Doppelmuseum ist eine Prozessentwicklung. im Überschneidungsbereich der Transformation 'vom MSCSystem zur Thematisierten Kultur' einen ambivalenten Bereich der Unentscheidbarkeit herbeizuführen. Es besteht also ein Batesonscher Zusammenhang zwischen Kultur und Strategie. Doch das Doppelmuseum verfolgt eine andere kognitive Richtung als ein mögliches Museum des Museums.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Strategische Kultur Endwicklung scheint das magische Wort unserer eigenen Epoche zu sein. versucht das Doppelmuseum die Realität R2 + E auszudrücken. bei dem sich allerdings die Unentscheidbarkeit unbemerkt eingeschlichen hatte. darum. Enzwicklung bezieht sich auf Produkte und Prozesse. und man kann durch das eine das andere kontrollieren. die Thematisierte Kultur wahrzunehmen. Die kulturelle Realität ist nicht das Kunstwerk sondern das Museum oder. denn wenn man ein Museum im Museum zeigt. in dem Objekte zwischen zwei Bedeutungen oszillieren und keinem Bezugssystem zugewiesen werden können. Dem Doppelmuseum 'Kunst und Krieg' entspricht in unserem Projekt der analoge Titel 'Kultur und Strategie'. genauer ausgedrückt. Inventio bedeutet Erfindung.

Diese Weisheit der Strategie könnte die einzige verläßliche Grundlage für die Harmonisierung der Kulturen darstellen. Verrblüffenderweise geht diese Gleichung auf. Während universale Verbindungsmittel wie Menschenrechte oder Freihandel aus dem Innenbereich der Westlichen Kultur hervorgegangen sind und von den anderen Kulturen als westliche Arroganz empfunden werden. daß man durch Kultur (präskriptive Regel) Strategie (deskriptive Regel) beeinflussen kann. das unser Museum früher einmal war: Fort Bismarck. Er schilderte die Konfrontation von strategischem Mißtrauen und unbeirrbarem Glauben an den Kriegserfolg im Generalstab von Adolf Hitler.Kultur + Strategie | Kunst + Krieg nalen MSC-Ordnungsangebots. Hitler wollte sich von seinem einseitigen Erfolgsglauben nicht abbringen lassen und entließ alle Strategen der alten Schule aus seinem Stab. so ergibt sich daraus Mißtrauen gegen Strategie. Es ist bereits vorhanden. Die Erfahrung der unentscheidbaren kulturellen Ambivalenz und das mögliche Erschrecken vor der Verführungskraft des emotionalen Ordnungsangebots führen zum Mißtrauen gegen die eigene Kultur. Sie gehört zu den invarianten Strukturen der Strategie. heute Fort Kleber. Es kommt von der in R2 teilweise absorbierten Gesamtrealität R1 her. die aus der preußischen Militärtradition kamen. Brock leitete aus Begebenheiten wie dieser die These ab: Die Erfahrung der Strategie ist die wichtigste Grundlage einer universalen Zivilisation. mit dessen Hilfe er seine nach außen gerichtete Strategie beeinflussen kann. weil ihre Botschaft der Mäßigung aus der Erfahrung der Feindseligkeit resultiert. die ohne gegenseitige Beeinflussung in allen Kulturen anzutreffen sind. erzeugt ein Instrument. Es kommt von dem MSC-Gebäude. Aus der batesonschen Beziehung zwischen präskriptiven und deskriptiven Regeln folgt. Daraus ergibt sich der Umkehrschluß: Die Weisheit der Strategie ist das Mißtrauen gegen den Kriegserfolg (deskriptive Regel). Denn das Mißtrauen gegen die Strategie muß mit Hilfe einer möglichen Beeinflussungsmethode durch Kultur nicht erst geschaffen werden. Setze ich dieses Mißtrauen gegen die eigene Kultur in die Batesonsche Gleichung ein "wie die präskriptive Kulturregel. so die deskriptive Strategieregel". Aus dem Mißtrauen gegen die eigene Kultur und gegen alle Kulturen entwickeln wir die Enkulturierungstechniken der Ambiguität. Sie ist deshalb so glaubwürdig. Die Verführungskraft dieses emotionalen Ordnungsangebots dürfte für viele erschreckend sein und deshalb zurückgewiesen werden. rieten Hitler von seinen militärischen Entscheidungen ab und machten auf die paradoxalen Ergebnisse aller Kriegserfolge aufmerksam. und umgekehrt. Wie beeinflußt demnach eine Kultur des Doppelmuseums die mögliche Strategie der Zukunft? Ein Staat. Aus der Analyse der Iterationsphase "Nationalstaat/Thematisierte Kultur" erkennen wir. Bei unserem ersten Treffen im Fort Kleber stellte Bazon Brock diesen Gedanken vor. ist die Strategie tatsächlich aus dem Zusammenwirken der Kulturen entstanden. daß der Glaube an eine eindeutige Kultur (präskriptive Regel) mit dem Glauben an den eindeutigen Erfolg eines Vernichtungskriegs (deskriptive Regel) einhergeht. Heiner Mühlmann 30 . Die Strategieexperten des Generalstabs. der Steuergelder ausgibt für die Entwicklung einer Kultur der Ambiguität "Kultur des Friedens plus Gefühl des MSC-Ursprungs". Mißtrauen gegen die Erfolge des Krieges ist eine Grunderfahrung aller strategischen Theorien. und zwar aus dem feindlichen Zusammenwirken. Daraus ergibt sich das Mißtrauen gegen die Kultur (präskriptive Regel).

Für die Zusammenstellung der Ausstellungen ist nicht. Nach dem "trial and error .Kultur + Strategie | Kunst + Krieg Die algorithmischen Regelmäßigkeiten. Die Strategische Kultur vermittelt die Botschaften der Polemousophie. Sie beziehen sich auch auf die Erfolge des Wirtschaftskriegs und des geoökonomischen Staats. Aus dem Endergebnis der Versuchsreihe ergibt sich ein Vorschlag für die endgültige Umwandlung des Fort Kleber in ein Doppelmuseum. Unsere Ausstellungen resultieren aus einer Theorie und stellen die aus der Theorie entwickelte Versuchsreihe dar. Resultat der Angriffswaffe "Entwicklung" ist in unserem Fall die Strategische Kultur. Sie macht Strategie verstehbar und fühlbar. Im Mittelpunkt des Dialogs von Kultur. Diese Enkulturierung des Mißtrauens ist der innere Teil eines Ganzen. Heiner Mühlmann 31 . dessen äußerer Teil das strategische Mißtrauen gegen den Kriegserfolg ist. Aus der Entwicklung einer Didaktik der Polemousophie ist das Projekt Doppelmuseum : Kunst und Krieg Kultur und Zivilisation entstanden. Von der höheren logischen Ebene der Ausstellungsstruktur begibt wir uns auf die Ebene der tatsächlichen Ausstellungen und entwickeln eine offene Liste von " n " möglichen Ausstellungen.und Militärexperten steht das Problem der Reziprozität von Kultur und Stategie. haben mich von der Angriffswaffe des geoökonomischen Staats "Entwicklung" zur Entwicklung einer Enkulturierung der Ambiguität und des Mißtrauens geführt. Anthropologen. Es finden Seminare und Symposien statt. Aus der Theorie ergibt sich eine Ausstellungsstruktur. eine optimale Einfühlung in die Exponate der Thematisierten Kultur entscheidend.Prinzip" wird die didaktische Funktionstüchtigkeit des Doppelmuseums in einer fortschreitenden Versuchsreihe erprobt und auf Symposien ausgewertet. an denen Kulturwissenschaftler. Künstler und Militärexperten teilnehmen. die sich von selbst ergaben bei der Darlegung der kulturgenetischen Theorie zum Doppelmuseum. wie bei der normalen Kuratorentätigkeit.

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful