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NZZ am Sonntag

24. Oktober 2010

89 Stil-Radar

Jedem sein bestes Hemd
Ein hochwertiges Masshemd für 90 Franken? Solosso, die junge Schweizer Firma, macht’s mit ihrem Onlineservice möglich. Auf der Website stellt man sich das Wunschhemd zusammen: Den passenden Stoff, den Schnitt und viele weitere Details bestimmt man selber. Das Ausmessen fällt dank den Anweisungen der benutzerfreundlichen Homepage nicht schwierig aus. 3 bis 4 Wochen dauert die Lieferzeit dieser ökologisch möglichst nachhaltig und in Bangkok von erfahrenen Schneidern produzierten Hemden. Dank schöner Schachtel, Perlmuttknöpfen und Kragenstäbchen aus rostfreiem Stahl eine Freude! (kid.)
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Ab 90 Franken, www.solosso.com

Luftiges für stramme Stiefel
Schlaffe Stiefelschäfte sorgen für hässliche Falten im Leder und einen traurigen Anblick im Schuhschrank. Wer keine Lust hat auf klobige Schuhspanner, besorgt sich eine aufblasbare Version namens Airmici. Für diese neuen Freunde muss man zwar auch etwas Körpereinsatz leisten – einmal tief einatmen und blasen, blasen, blasen. Mütter mögen dieses «LungenTraining» von den Schwimmflügeln ihrer Schützlinge her kennen, Camper vom Aufblasen ihrer Luftmatratze. Apropos: Die witzigen Airmici eignen sich auch ideal für Reisen, lassen sie sich doch, ist einmal die Luft draussen, einfach verstauen und fallen kaum ins Gewicht. (kid.)
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Nurnichtkonform
Das schwedische Label Fifth Avenue Shoe Repair erobert die Trendboutiquen der Welt
Man muss über eine gehörige Portion Eigensinn verfügen, um heute noch ein Modelabel zu gründen – der Markt ist gesättigt wie noch nie. Wenn man dieses Label dann noch mit einem Namen versieht, der so kompliziert ist, dass ihn sich kein Kunde merken kann, grenzt das ganze schon fast an ein Himmelfahrtskommando. Doch Lee Cotter und Astrid Olsson taten 2004 genau das: Sie gründeten in Stockholm ihr eigenes Label und nannten es «Fifth Avenue Shoe Repair». Warum um Himmels willen ein solcher Name? Lee Cotter, der in London aufgewachsen ist, erklärt: «Ich entdeckte eines Tages diesen klitzekleinen Schuhmacherladen in London, der ursprünglich aus NYC kam und darauf spezialisiert war, alte Klassiker von Church’s wieder aufzubereiten. Er hiess Fifth Avenue Shoe Repair und wurde mein Lieblingsschuhladen. Es hat mich inspiriert, wie dort das Handwerk gepflegt wurde, also haben wir unsere Marke als Hommage an diese Kultur ebenso genannt.» Damit hebt sich Fifth Avenue Shoe Repair deutlich vom Gros der schwedischen Marken ab, die bevorzugt kurze, leicht merkbare Namen wie Acne, Odd Molly oder H&M haben. «Ich dachte: Wer sich das merken kann, wird uns nicht mehr vergessen», so Lee Cotter. Die Rechnung geht offenbar auf: Fifth Avenue Shoe Repair gehört derzeit zu den Exportschlagern Schwedens und wächst allen Weltwirtschaftskrisen zum Trotz mit Riesenschritten. Soeben wurde eine eigene Boutique in Singapur eröffnet, die erste ausserhalb Schwedens. Dabei verkauft das Label keineswegs jene Art der gefälligen und leicht tragbaren Basic-Mode, wie sie etwas Filippa K. anbietet, sondern bisweilen sehr anspruchsvolle, an französische Avantgarde erinnernde Kollektionen. «Wir sind eine ‹collection brand›», bestätigt Lee Cotter, «der Vorteil ist, dass wir als originell wahrgenommen werden, der Nachteil ist aber, dass wir keine Poloshirts oder Jeans verkaufen, mit denen wir Unsummen Geld verdienen könnten.» Olsson und Cotter vereinen in ihrer Arbeit die Tradition der Haute Couture mit dem Nonkonformismus moderner Streetwear. «Einerseits wird vieles nach alter Handwerkskunst drapiert, gerade in der Damenkollektion, andererseits versuchen wir auch, etwas bewusst ganz anders zu machen und die Normen über den Haufen zu werfen. Man kann Dinge auch andersherum anziehen!», sagen die Designer. Olsson, die im schwedischen Boras Modedesign studiert hat, kennt die Schnittkunst und das Handwerk, doch Cotter ist Autodidakt und daher freier, ausserhalb der Konventionen zu denken. So gab es schon Kollektionen, die ganz ohne konventionelle Schnitte auskamen und deren Entwürfe nur aus Quadraten oder Kreisen bestanden. Was die Marke Fifth Avenue Shoe Repair ausserdem attraktiv macht, ist ihr höchst ziviles Preisniveau. Doch Olsson und Cotter wollen nicht einfach günstige Mode machen, um sich ein möglichst grosses Stück vom Kuchen zu sichern, sondern tun dies aus Überzeugung. «Die Preise, die man heute für Designermode bezahlt, sind von gestern», sagt Cotter, «wir arbeiten zum Teil mit den gleichen Produzenten wie Balenciaga oder Yves Saint Laurent, aber bei uns kosten die Sachen im Laden nur einen Viertel von deren Preisen.» Cotter, der als Einkäufer eines Warenhauses tätig war, sagt, dass er die Produktionspreise im Textilhandel sehr gut kenne und wisse, dass die meiste Mode «komplett überteuert» oder «skandalös billig» sei. Der Verlockung, im Zuge der Expansion mit dieser Entwicklung gleichzuziehen, wollen die beiden sich genauso trotzig widersetzen wie den Konventionen der Namensfindung: «Wir bleiben konsequent, denn die Kunden wissen heute, dass sie entweder viel zu viel bezahlen und reingelegt werden oder dass sie mit extrem günstiger Kleidung das schwächste Glied der Kette ausbeuten – die Arbeiter und ihre Familien.» Jeroen van Rooijen
www.shoerepair.se
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Unkonventionell: Mode des schwedischen Labels Fifth Avenue Shoe Repair für die aktuelle Saison.

Die Airmici können ab zwei Paar für 30 Fr. (zuzüglich Versandkosten) unter www.mydaystyle.ch bestellt werden.

Coole Heftli zum Sammeln
Corinne Stoll, eine in Paris lebende Schweizer Fotografin, hat mit ihren kleinen Magazinen, sogenannten «Piczines», eine immer grössere Fangemeinde in der realen wie auch virtuellen Welt (Facebook). Ihre im Eigenverlag herausgegebenen Heftli sind bei Colette in Paris, Printed Matter in New York und nun endlich auch in der Schweiz, in der Galerie Walter Keller, erhältlich. Stolls Piczines zeichnen sich durch persönliche Zusammenstellungen ihrer Fotografien zusammen. Ihre Themen sind Mode, Jugend- und Strassenkultur, ihre Bilder wirken cool und stimmungsvoll. Nun ist ihr zehntes Heft unter dem Titel «Touch me» erschienen. (kid.)
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Fifth Avenue Shoe Repair stellt Kleider zwischen Haute Couture und moderner Streetwear her.

Mode

Im 10er-Pack erhältlich für 150 Fr. bei Galerie Walter Keller, Oberdorfstrasse 2, Zürich; www.kellerkunst.com; piczine.blogspot.com