Sonntag, 3. April 2011 / Nr.

14 Zentralschweiz am Sonntag

Lebensart

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Eine geballte Ladung süsses Glück
TÖRTCHEN Sie sind bunt, kitschig, kalorienreich und verbreiten sich immer mehr auch in der Schweiz. Mit Cupcakes mischen vor allem junge Frauen die Bäckerszene auf.
KATJA FISCHER DE SANTI UND HANS GRABER piazza@luzernerzeitung.ch

beziehungsweise die Firma www.sugarrush.ch der zweite Streich. Die Sorten Cake Pops, Rock Chocolate, Schokopilatus, Fruchtkuss, Carotin Boost, Vanille Affair und Lemon Rush sind derzeit im Angebot in ihrem Maison-Goût-Atelier (www.maisongout.ch) an der Maihofstrasse in Luzern. Produziert wird vorerst nur auf Bestellung für Hochzeiten und andere Events.

«Cupcakes»-Bücher zu gewinnen
hag. Cupcakes kann man auch selber herstellen. Das geht sogar relativ einfach. Der Fantasie beim Backen und Dekorieren sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Das Buch «Cupcakes» aus dem ATVerlag zeigt 50 fantasievolle Rezeptideen für jede Gelegenheit. Oliver Brachats Rezeptkreationen überraschen vor allem durch ihren grossen Variantenreichtum bei den Grundzubereitungen. Wir verlosen 5 Exemplare des Buches. So einfach gehts: Wählen Sie bis morgen Montag, 24 Uhr, die Telefonnummer 0901 83 30 23 (1 Franken pro Anruf, Festnetztarif), oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil.
HINWEIS Oliver Brachat: «Cupcakes – 50 neue Rezeptideen». AT-Verlag, 112 Seiten, über 50 Farbfotos, Fr. 27.90

LESERAKTION

Nichts für Grosse?
Lokale Grosskonkurrenz müssen die Sugar-Rush-Frauen nicht befürchten. «Wir haben uns das mit den Cupcakes schon auch überlegt», sagt Raphael Bachmann von der gleichnamigen Luzerner Confiserie. Ein kleiner Boom sei zwar unverkennbar, die Törtchen würden wirklich «farbig und kreativ» aussehen, aber das könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie halt doch sehr kalorienintensiv seien. «So etwas isst man bei uns nicht alle Tage, es ist mehr ein Nischenprodukt», sagt Bachmann und überlässt dieses Feld denn auch Kleinanbietern. Jedenfalls vorläufig, denn der Siegeszug des 1-Personen-Küchleins ist schon erstaunlich. Die knalligen Cupcakes strahlen ein Frivolität aus, der man und vor allem auch frau nur schwer widerstehen kann. Da ist es denn auch egal, dass ein Stück gut und gerne 400 Kalorien haben und bis zu 6 Franken kostet (bei Sugar Rush in Luzern 3.50 bis 4.50).

Ein Cupcake ist kein Muffin – um das gleich zu Beginn klarzustellen. Muffins sind robust und praktisch, schnell in grossen Mengen gebacken. Cupcakes sind das Gegenteil: Unglaublich süss, verführerisch, und ohne Spritzbeutel wird aus dem Prinzessinnen-Törtchen gar nichts. Muffins passen zu «Fascht e Familie», Cupcakes sind «Sex and the City». Spätestens seit Carrie und ihre Freundinnen in einer Folge der TV-Serie Ende der Neunzigerjahre die Törtchen in der Magnolia-Bäckerei in New York verdrückten, sind Cupcakes über die USA und England hinaus bekannt.

Extrem kurze Lebensdauer
Für den «Spiegel» ist der Cupcake «eine invasive Gebäckart». Also eine gebietsfremde Art, die in ein anderes Biotop eingeschleppt wird und sich dort hemmungslos ausbreitet. Genau dies tut das Cupcake zurzeit in Europa. Zwar handelt es sich nur um ein harmloses Cremetörtchen, aber eines mit gefährlich hohem Kaloriengehalt. Und eines, das dank seines attraktiven Äusseren oft nur eine kurze Lebensdauer hat. Zwei findige Freundinnen aus Zürich haben daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Unter dem Namen Jolie et Calorie haben sie vor zwei Jahren in Zürich den ersten Cupcake-Lieferservice der Schweiz gegründet. Weil sie fanden, dass ein bisschen Kitsch und Kalorien der Schweiz ganz gut täten. Sie

«Jöööh»-Gebäck
Von einem «emotionalen Gebäck», spricht Melanie Studer. Sie hat vor vier Monaten an der Spitalgasse im Zürcher Niederdorf ihren Törtchenladen Cupcake Affair eröffnet. Man muss also nicht vorbestellen, sondern kann eintreten – und zugreifen. Die häufigste Reaktion auf ihre Kreationen sei «jöööh» und «so herzig». «Cupcakes sind ein Stückchen Luxus – eine Freude zum Ansehen und zum Hineinbeissen», sagt Studer. Sie steht jeden Morgen selbst in der Backstube, rührt Teig, spritzt Glasuren und trägt mit ruhiger Hand Blümchen, Streusel und Zuckerperlen auf. «Ich esse immer noch täglich mindestens ein Cupcake – das läuft unter Qualitätskontrolle», sagt sie und lacht. Ein Diät-Cupcake kommt für sie nicht in Frage. «Das wäre ein Widerspruch.» «Mit deftiger Buttercreme muss man den Schweizern nicht kommen», heisst es etwa bei Jolie et Calorie.
HINWEIS Luzern: www.sugarrush.ch Zürich: www.jolie-et-calorie.ch, www.cupcake-affair.ch International: www.cupcakeblog.com

«Ein Diät-Cupcake kommt für mich nicht in Frage. Das wäre ein Widerspruch.»
MELANIE STUDER, « C U P C A K E A F FA I R »

Ein Turm aus süssen Köstlichkeiten – Cupcakes von Sugarrush.
Bild DK-Edition

Je kitschiger, desto besser
Anfänglich hat Melanie Studer erwartet, dass Schweizerinnen und Schweizer nach schlichten Cupcakes verlangen würden. Doch dem sei nicht so. «Die kitschigsten Sorten laufen fast am besten.» Nur ganz so süss und deftig wie die amerikanischen Originale dürfen die Schweizer Versionen nicht sein.

hatten Recht. Heute liefern Jolie et Calorie ihre süssen Versuchungen bis in andere Kantone.

Neu auch in Luzern
Doch die Konkurrenz schläft nicht. Seit kurzem sind auch in Luzern zwei Frau-

en in diese Richtung aktiv: Marianne Frener und Patrizia Furrer. Mary Frener ist gelernte Bäcker-Konditorin, hat in renommierten Restaurants in der Schweiz und in England gearbeitet und dort auch ihre Liebe zu den Cupcakes entdeckt. Patrizia Furrer, gelernte Visu-

al Merchandiserin und Grafikerin, ist in den USA der Cupcake-Versuchung erlegen. Nachdem die beiden vifen Frauen im letzten Herbst mit einigem Erfolg das erfrischende und witzig aufgemachte Kochbuch «Nagellack & Rösti» herausgegeben haben, sind Cupcakes

Luzerner Cupcakes-Frauen: Mary Frener (l.), Patrizia Furrer.
PD

Fortsetzung von Seite 41

«Politik ist etwas Lustvolles»
ich hätte ihn überfahren! Aber sonst? Man muss in meinem Beruf schon hart im Nehmen sein, sonst wird es schwierig. Sie haben Theologie studiert. Wollten Sie Pfarrerin werden? Hasler: Nein, ich wollte etwas studieren, was mich interessiert. In den mathematischen Fächern war ich leider nicht so begabt. Und Theologie ist nicht so sehr mathematiklastig, auf jeden Fall hat noch niemand den Gottesbeweis errechnet. Aber die Arena und eine Kanzel – gibt es da nicht gewisse Parallelen? Hasler: Ja, auf der Kanzel predigt der Pfarrer, in der «Arena» predigen die

Politiker. (lacht) Spass beiseite: Ich wollte nie auf die Kanzel, Theologie ist einfach ein spannendes Gebiet, darum habe ich das studiert. In der «Arena» geht es manchmal ziemlich turbulent zu und her. Was tun Sie, damit Sie nicht den Überblick verlieren? Hasler: Die Vorbereitung ist das A und O, das gibt die nötige Grundsicherheit. Natürlich habe ich nicht immer alles im Griff. Im Notfall habe ich den Knopf im Ohr. Meine Kollegen im Hintergrund versuchen dann, mir aus der Patsche zu helfen. Was machen Sie, wenn Sie nicht vor der Kamera stehen? Hasler: Jetzt fängt also der private Teil des Interviews an (lacht). Sie merken auch alles … Hasler: Ich rede immer relativ viel, und ich habe gerne Leute um mich herum. Und ich bin eine, die aktiv sein muss: biken, wandern, joggen. Wenn ich mich nicht bewegen kann, bin ich unausstehlich. Darum waren die sechs Wochen nach dem Schlittelunfall nicht ganz einfach für mein Umfeld. Und sonst? Ich reise sehr gerne, lese viel, bin kulturell interessiert, nur basteln tue ich nie, da fehlt mir eindeutig die Begabung ... Was für ein Typ Mensch sind Sie? Hasler: Ich bin nicht besonders geduldig. Es muss immer etwas laufen, ich bin selten beschaulich.

Aber Genuss hat bei Ihnen auch einen Stellenwert? Hasler: Ja, unbedingt: Gut essen und trinken ist wunderbar. Ich habe gerne frei und muss nicht dauernd arbeiten. Sie können also auch mal die Beine hochlagern und nichts tun? Hasler: Ja – aber am liebsten mit anderen zusammen. Sind Sie nicht gerne allein?

Hasler: Ich finde mich nicht so spannend, als dass ich jetzt jahrelang nur mit mir allein sein möchte. Fühlten Sie sich schon als Kind zur Fernsehmoderatorin berufen? Hasler: Nein, gar nicht. Erst wollte ich Hebamme werden, bis ich merkte, dass ich kein Blut sehen kann. Dann war Dirigentin zuoberst auf der Wunschliste, später wollte ich Indianerin werden oder Entdeckerin. Für Entdeckun-

gen war das kleine Bauerndorf im Emmental, wo ich aufgewachsen bin, das Paradies. Was für Träume haben Sie heute? Hasler: Das Leben, das ich jetzt führe, ist nicht die einzige Möglichkeit. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, ein paar Jahre im Ausland zu leben, am liebsten in Lateinamerika. Ich habe keine Kinder, es hätte auch sein können, dass ich vier Kinder gehabt hätte, dann wäre mein Leben logischerweise ganz anders verlaufen – und ich hätte es auch so genommen. Sie sind also rundum zufrieden mit Ihrem Schicksal? Hasler: Ja, sehr. Kürzlich habe ich Lotto gespielt. Als ich in der Maske sass, habe ich mit der Maskenbildnerin lange darüber geredet, was wir mit dem vielen Geld machen würden. Es kamen uns schon Sachen in den Sinn, aber eigentlich fand ich, dass mein Leben, so wie es ist, in Ordnung ist, und dass ich gar keine Lottomillionen brauche. Sie scheinen kein Jammeri zu sein. Andere, gerade auch Politiker, jammern dafür sehr gerne. Hasler: Wir dürfen nicht vergessen, dass viele in der Schweiz sehr privilegiert sind. Natürlich gibt es Probleme, Leute, die sehr wenig Geld haben zum Beispiel. Aber wenn Leute, denen es gut geht, die Probleme herbeireden und so tun, als ob unser Land langsam vor die Hunde gehe, dann kann ich nur den Kopf schütteln.

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Einfach nur rumsitzen ist nicht ihre Sache: «Wenn ich mich nicht bewegen kann, bin ich unausstehlich.»
Bild Manuela Jans

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