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Kinde

Flu
HEIMATLOS.
Jeder zweite
Flüchtling ist
jünger als 18. viele
kommen allein nach
Österreich. Vier
Jugendliche und
ihre Geschichten.
W
enn Ali spficht, dann

Kopf und

Schinnkappehcrvorblimeln.
Es lohntsich,ihm zuzuhören.
DennAlihatvidzusagen.
Aliist17und kommtaus
Afghallistan.SeitzweiJahren
lebt er in ÖsterTeich. Der Weg
hierher war lang: FilnfJahre
hat es gedauert, bis Ali ange-
kommen ist. Der Weg war ge-
fährlich: Mehrere Male war
Ali der willkijrlichcnCcwalt
von Fremdem ausgesetzt. Und
der Weg wareinsarn: Ali w;:tr
alleine auf der Flucht. Am
WicnerSüdbahnhofwarAlis
Flucht zu Ende. Hier suchte er
um Asyl an:
IIIIMd. rJ Ahrl,,".
Zehn Millionen Menschensind
weltweit aufder Flucht. schäm
dieUN()..F1uchtlingsagdltur
UNHCR. Rund die Hälfte da-
von sind Kinder. Jedes Jahr
kommen mehrere Hundert
JugendlicheaUeinnach Öster_
reich_Im Vorjahr stcllten 653
unter 18-JährigeeinenAsyl_
anrrag. Fast die Hälfte davon
kamen aus Afghanistan. 13
von ihnen waren noch nicht
einmal 14 Jahre alt.
gleitctemindcrjährigeFlücht-
linge"heißen.ieimBeamren-
deutsch, kurt: UMF., . Hinter
diesem'p<'rrigenKlir:elver-
bergen sich Geschichten wie
dievonAli.
Fhf J.br.untlrW'ls.AIi ist
neun, als er Afghanistan ver_
lässt.Weil.eineElternnkht
mehr leben, macht er .ich
allein auf den \Veg. der
Nacht bin ich gega.ngen, unter_
tags habe ich mkh versteckt",
cr:ähher.lmlranarbeiteter
alsStraßenhändlcr,nachei_
nem Jahr Iieht er weitet in die
Türkei: "Dort habe ich mit
dem Kickboxcnangefangen.
Ich war sehr gut und habe bei
Turnieren Mcdaill engewon-
ncn.Diemussteichaberver_
kaufen, um weitenukom-
men." Insgesamt dr .. iJahre
bleibt er in der Türkei. Hält
sich mit Gdegenheitsjob.
über Wasser. Ventecktsich
vor der Poli,ei,weil erillcgal
imLandist.Undlebtinstän-
digerAngst.Nachdemerfür
eine Wocheiru Gefängn
stecktwuroe, machtsid
damals 14-]ilhrigewiedCl
"Manchmal haben
SchleppereinStückn
nommen. Einmal hah
mich an d .. n Unterbod,
nei Lkws geklammert.
Fahrer ist auf dic Aut(
gefahren. Er war so &{
unterwegs, dass ich
kaumfesthaltenkonnt.
erbcl einer Ampcl stch
blieben ist, habe ich mic
fachfallenlassen.!chk
mich nicht mehr beweg,
Mit 15 erreicht Ali 1
reich und kommt ,uet
Erstaufnah\fl eztntrum Trais-
kirchen,dann in einF!ücht_
lingshdm in Niederöste"dch.
Seitsechs Monaten lebt ernun
mit anderen jugendlichen
FlUchtiingenindnerWGder
CaritaSin Wie:n. Ande:n Nach_
mitragenmachtereinenBatlis-
bi!dungskurs beim AMS, an

boxen. H!ch würoe gern wie-
deranWettkämpfentdlneh-
men. Vor kurzem war einer in
Deuuchland,:u dem mich
mein Trainer gern geschickt
hätte. Abermitmeiner,sub-
sidiären Schuuberechtigung'
darlich nicht ausreil"n."
""
......
KlNDER·fLOCIITlINGE. Mehr als 5.900 alp anlsthe Kinder haben lilztes
Jahr In Europa um Asyl gsbllsn. In Oslerrslch waren es 291 Mlnd8fjl hrll8.
slatt blSchlmplln".
Der subsidiäre Schuu erlaubt
es Asylwerbern, legal in Ös-
terreich zu leben -abernur
fUr cinJahr. Danach mUS!! der
Schutrcmeuertweroen. Nur
wer Asyl bekommt, braucht
sich keine Sorgen mehr zu
machen und kann dauerhaft
in ÖSlerrcich bleiben.
So wie Farhad. Wie Ali ist
er 17,aucher kommt aus Af.

erinnem. Wasernochweiß:
dass sein Vater bei einer Schie·
Berci zwischen die Fronten
kam und schwer verletzt
wurde; dass die Famili e dar.
aulhin nach Pakistan gjng und
sich später nach Europa auf-
machte, um hierbei Verwand-
ten in Sicherheit zu leben.
"Unterwcgs haben wir meinen
Vater verloren. Wir dachten,
er sei tot. ErstcinJahr nach_
dem wir in Öste"eich ange-
kommen sind, hat sich eine
Rotkremmitarbeiteringemel·
det.MeinVater war in Grie-
chenland. Die Frau hat ihn
dann I"lblit mitdem Auto nach
Österrcichgebracht."
In Wien bemerken Ärzte,
dass auch Farhads Mutter
angeschossen wurde. Jahre
später operieren sie ihr eine
Kugel aus dem Oberkörper.
"Ich habe darauf bestanden,
dass wir die Kugel aufheben.
Sie ist ein Teil unserer Ge-
schichte." Farhad achtet I"ine
Mutter sehr dafUr, dass si e
mit drei kleinen Kindem die
Flucht aufsieh nahm: "Wenn
sie jemand als ,dumme Aus_
länderin' beschimpft, macht
michdaswUtend. Die Men-
schenhabenkeine Ahnung,
waS sie durchgemacht hat. Da.
fürso!l te man sie bewundern,

Zu faß nach Ostl rrelch. Auch
Rasuls MUller verließ ihre
Hcimat alleine mit ihren %wei
Söhnen: Vater ist in
Tschetschenien verschollen,
siemussteunsinSichcrheit
bringen." Rasul war damals
acht Jahrc alt, die Zeit der
Fluchl ist fUr ihn wie ein
_ ....
,Immer
jüngere
Flüchtlinge'
TALK, Asyl -Experte
Heinz Fronek.
MEWs: Sie arbeiten seit Jall-
ren mit unbegleltetenmln-
derll llrlgenAüclltlingen.
Waa beobeellten SIe1

goo,diekommoo,ist indoo
leizleoJahroostarl<geslll1-
ken.Aber diejenigoo.die
kommen, sind immer jünger.

FKOMU:Die Allers(Jbefprüfung
wird lmmerrigoroser- Ju-

Miltelnlürvolljahtigerklart
werrleo.DannkOnnensiein
das abgescho-
boowerrleo, aus dem sie
nachösterreichgekommtln
sind. Diese Methode hat
sk;hwahrscheinlich bis in
die Herkunflsländerdurch-
gesprochen: Weil man als
lfhJahrigerschonSchwito-
rigkeilen haI. nach ÖSter-
rek;h zu kommen. geht man
eben schon 14
NEWtKinderl'lüchtlinge •.•
f IOMEl: ... dieeus
man.indenan
sie keine Per-
spelctivenhaoon
Wenn sie es
nachOsterreich
schaffen.wirrl
gegeogebracht.Nufwooige
werdeoalsFlllchtli ngeaner-
kann!. Weoosie subsidfaren
Scl1utterhalten, mOssen sie
jocias Jahr aufs Neueziltern,
ebihrAufenthaltsrechtver-
länger1wirrl. Wiea<>1 einJu-
g&ndllcherdenn so an seiner
Zukunflarbeiten? Die jungen
FIilchtiingesind motivier1e
starke Jugendliche mt viel
Durchhaltevermögeo. Wir
solHoofrohsein, SOlche
Menschen be< uns lU haben
Hadi, 17: Allein aus Afghanistan Ali, 17: Fünf Jahre auf der Flucht
Mit Schlappem kam All p nzallein aus Afghanistan nach All war erst neun, als er AIgllanistan pnz alleineYtlrlieB.
Ö$terreiCh. Damalswsr er14:"Aufdar Fluchtspieltman FlinI Jahrtbr8l1Chtl ar.umsichnacll Europadurclt-
mit d8m Tod. Man lernt, auf sich s.albsl aulzupassan." lIIschlageQ- unterUws und In Ollerfiillten Booten.
ODYSSEE OHNE ENDE. Asylverfahren dauern oft Jahre.
.. schlimmer Film: "Es fuhlt
sich nicht wan, als wäre da!
cin Teil"on meinem Leben."
Nach einem Jahr, in dem
die Familie großteils tu Fuß
unt erwegs ist und manchmal
im Freien schläft, kommt
sie in unter. Dort
bringt .ich Ralul selbst
Deutsch bei,noch bevor er in
die Schule kommt. Heute ist
er 15, geht in die vierte Klasse
Mitte1!iChule und lebt mit sei·
Familie in Wien.
Absurd. As,lvlrl ahrtn. Trai._
kirchen war auch Hadi . eI!lte
Station in Österreich. "Al. ich
angekommen bin, habe ich
mich drei Stunden im Bade·
:immer eingespern und war
einfach nur ruhig. Da ist eine
enorme Last von mir abgefal_
len," Oie fOnf Monate davor
war Hadi auf der Flucht. Er
ist \4, als Muuer be·
schließt, da .. in
tan:ugefahrlicbist. Weil das
Geld nicbt für den Transport
dergan::en Familie reicht, geht
Hadi alleine. Zuerst kommt er
nach Paki stan, dann mit
SchlePl>cm nach Österreich.
Die ganze Zeit Ober steht er
unter Stress: "Auf der Flucht
spielt man mit dem Tod. Man
lernt,aufsichselberauf:up""_
sen." Als ihm Männer einen
Daumen in niemand
da, der ihn Erst in
wird die Verlet_
zung Nach dem
Stopp in Tra;"kirchen xieht er
in ein Integrationsbaus, dann
wdter in die Caritas·WG.
Heute;"t Hadi 17 und mus_
tergültig ausgebildet - doch
das War kompli:ien. Zunächst
machte erden Poly-Abschluss:
Weil mein Allylverfahren da·
mals aber noch nicht weit fot!·
geschritten war. durfte lehmir
keine Lehrstelle suchen. Des-
halb habe ich danach noch den
Hauprschulabschluss gemacht.
Wie ab.urd!" Seit er den Sta-
tus "subsidiärer Schut," hat,
darf er arbeiten. Im August
beginnt er seine Lehre :um
Restaurantfachmann.
"ichhabehierFreundeund
bald cincnJob - filr mich Ribt
eS nur die Option, in Öster·
reich w bleibeo", sagt Hadi.
nlch wUosche mir, dass alle ak
: epricrcn:Asylweroosindcin
Teil dcr Gescllschaft."
Hadi hat noch einen
Wunsch: "Die
geändert werden
warten :ehn Jahr.
bis sie eine Entscheidun
bo.kommen. Wenn man dan
nicht in Österreich bleib
darf, verliert man sein
Heima.t:um :weiten Mal."
Wenn Hadi spricht, da
feit und bestimmt. Er gib
jungen A.ylwerbern
Srimme.