Selbstbefangenheit

© Christof Wahner 2011 Selbstbefangenheit – in der Fachsprache am ehesten als Neurotizismus bezeichnet – kann das Leben in ein Hamsterrad oder sogar in eine Folterkammer verwandeln, ohne dass dabei irgendjemand in irgendeiner Weise profitiert. In der Regel scheitert es hierbei an einer ungeeigneten Denkrichtung. Eine diesbezügliche Übersicht findet sich unter dem Stichwort logical fallacy / logischer Fehlschluss. Selbstbefangenheit bedeutet gerade nicht die Befangenheit durch das eigene Selbst, sondern die Befangenheit vom eigenen Selbst durch unangemessene Erwartungen in der tiefenpsychologischen Bedeutung von Neurosen (S. F REUD ) am Beispiel ausgewählter Überzeugungen: – – – – – – – – – – – – – – – – übermäßige und radikale Erwartungen: "Entweder ganz oder gar nicht!", "Das kann ja nur noch in einem totalen Desaster enden." unterdrückte und verleugnete Erwartungen: "Mich würde ja sowieso niemand verstehen, wenn ich jetzt auf einmal den Wunsch äußere, ..." ambivalente und paradoxe Erwartungen: In Wettbewerben will nur gewinnen, wenn auch meine Schwachstellen deutlich werden." indirekte und "über Bande gespielte" Erwartungen: "Erst wenn Du zufrieden bist, kann ich auch zufrieden sein.", "Na, magst du nicht auch ...? Na?!" vom eigentlichen Ziel wegführende Erwartungen: "Am besten versuch ich's mal über ein Hintertürchen, und dann gleich noch ein Hintertürchen." abstrakte und nebulöse Erwartungen: "Man könnte vielleicht mal irgendwie versuchen, die Welt zu verbessern, indem ..." instabile und willenlose Erwartungen: "Alles kommt sowieso ganz anders als man denkt.", "Komm ich heut nicht, komm ich morgen." widersinnige und paralogische Erwartungen: "Wasch mich, aber mach mich nicht nass!", "Wer normal ist, ist zwangsläufig krank." unnötig komplizierte Erwartungen: "Bevor wir Kinder bekommen, brauchen wir eine bombensichere berufliche und finanzielle Basis." magische und zwanghafte Erwartungen: "Ich muss nur bis 96 zählen, dann wird bestimmt etwas ganz tolles passieren." naive und unrealistische Erwartungen: "Die allermeisten Probleme erledigen sich mit der Zeit von selber." fatalistische und problematisierende Erwartungen: "Da lässt sich sowieso nichts machen.", "Na ja, ich weiß nicht, ob das alles wirklich Sinn macht." undifferenzierte und generalisierte Erwartungen: "Das ist alles nur eine Frage der Planung.", "An dieser Sippschaft wird sich nie etwas ändern." negativistische und defensive Erwartungen: "Wenigstens weiß ich, was ich nicht will: ...", "Ja, aber das wird nicht funktionieren, weil ..." provokative und paranoide Erwartungen: "Das ist doch wieder so eine Falle!", "Ich bade hier ständig die Probleme von Psychopathen aus!" egozentrische & soziozentrische Erwartungen: "Wenn jeder so handeln würde wie ich, wäre alles gut.", "Unsere Kinder werden mal erste Sahne."

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