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Bauwirtschaft schluckt Hälfte des Ansturms aus dem Osten
22.04.2011 | 15:10 | Daniela Friedinger, Isabell Widek (Wirtschaftsblatt)

Der Bau zählt zu den Branchen, die die Arbeitsmarktöffnung am meisten trifft. Die größte Sorge gilt aber nicht neuen Mitarbeitern, sondern neuen Firmen aus Osteuropa.

Wien. Wenn sich am 1. Mai die Grenzen Österreichs für die Arbeitnehmer der neuen EU-Länder öffnen, wird das auch ein ganz besonderer Tag für die Bauwirtschaft. „40 bis 50 Prozent der geschätzten 25.000 Arbeitskräfte, die zu uns kommen, werden versuchen, im Baugewerbe Fuß zu fassen", so Josef Muchitsch, Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH). Nachsatz: „Der Bau hat ein Arbeitskräftepotenzial von 240.000 Menschen, 12.500 mehr oder weniger sind da ein Tropfen auf dem heißen Stein." Denn was der Branche am meisten Sorge bereitet, sind nicht die neuen Arbeitnehmer, sondern die neuen Firmen aus dem Osten.

So fallen mit 1. Mai auch die bisherigen Beschränkungen in der Dienstleistungsfreiheit. Das wird Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner zufolge durchaus zusätzliche Konkurrenz aus den betroffenen acht Ländern bringen. Vor allem als Subunternehmen könnten viele kommen. Zwar gilt für sie die sogenannte Entsende-Richtlinie, sprich, sie müssen für die Zeit des Auftrags in Österreich ihre Mitarbeiter nach österreichi schem Kollektivvertrag beschäftigen und somit die hierzulande gültigen Löhne, Taggelder und Zuschläge bezahlen. „Aber natürlich besteht die Gefahr, dass die Konkurrenz aus dem Ausland unlauter ist und die Entsende-Richtlinie nicht einhält", warnt Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel.

Gut vorbereitet

Frömmel wie auch Arbeitnehmervertreter Muchitsch sehen im Anti-Lohn- und Sozialdumping-Gesetz allerdings einen wichtigen Schritt, um solchen Umgehungen entgegenzuwirken. Laut Muchitsch ist Österreich aber nicht nur deshalb „von allen westlichen Staaten am besten vorbereitet" auf die künftige Arbeitsmarkt- und Dienstleistungsfreizügigkeit.

Denn auch die Schwellenverordnung lässt die Gewerkschaft hoffen, einen eventuellen Ansturm aus Osteuropa zu überstehen. Demnach können Aufträge bis 100.000 € bis Ende 2011 frei vergeben werden, bei Aufträgen bis zu einer Million € dürfen Auftraggeber fünf Anbieter zur Angebotslegung einladen. Dies sollte genutzt werden, so Muchitsch, um heimische Betriebe zu bevorzugen. Dass die anderen Betriebe zumindest in ihrer Heimat geringere Löhne und Steuern zahlen, sei nämlich ein „bisher unterschätzter und legaler Wettbewerbsvorteil".

Des Problems Herr werden will man mit verstärkten Kontrollen. Laut Frömmel werden aber weitere Maßnahmen nötig sein: „Wir fordern unter anderem eine Bankgarantie zur Sicherstellung, dass die Abgaben abgeführt werden, sowie Unbedenklichkeitsbescheinigungen."

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