LE E RS TAN D 2 .

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" E s d arf n i ch ts Ri ch ti g es i m F al s ch en g eben ! "
Vergemeinschaftung um jeden Preis?

" Ta u s c h e G rü n koh l g eg en Äp f e l ! "
Gedanken zur Zukunft einer Marktgemeinde im Nördlichen Oberpfälzer Wald - Ausgabe 08.2011

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" E s d arf n i ch ts Ri ch ti g es i m F al s ch en g eben ! "
Gut informierte Leserinnen und Leser wissen es ja längst: Wir haben selbst einen sog. "Leerstand", der mit knapp 1 50 Quadratmeter Ladenfläche, sechs grossformatigen Schaufenster am Eslarner Tillyplatz, dem früheren "Einkaufszentrum" der Marktgemeinde Eslarn liegt. Gut in kleinere Geschäftseinheiten trennbar, gäbe es hier u. E. durchaus die Möglichkeit ExistenzgründerInnen mit dem nötigen Förderkapital versorgt, deren eigenständige Zukunft als freie UnternehmerInnen gestalten zu lassen. Eben so, wie es derzeit im gesamten Landkresi Neustadt/ Wn. hinsichtlich sog. "Dorfläden" realisiert wird. 1 . Warum macht ihr nicht selbst etwas? Zunächst könnte natürlich diie Frage auftauchen, warum wir hier auf dieser Ladenfläche nicht selbst tätig werden. Diese ist aber - Sie können unser Unternehmensangebot betrachten - insofern leicht zu beantworten, als Eslarn mit 2.900 Einwohnern nicht diejenige Kaufkraft bieten kann, die man für dieses Produkt- und Servicespektrum benötigen würde. Dagegen ist die in einem Baumarkt - nahezu als "Notlösung" untergebrachte Bäckereifiliale u. E. ebenfalls kein Glücksgriff. Aber Jede/r will in der Marktgemeinde Eslarn natürlich irgendwie vermieten/ verpachten, jedenfalls leerstehende Räumlichkeiten auf irgendeine Art und Weise gewinnbringend nutzen. Noch im Ausgang der 1 980er Jahre rechnete es sich, in Eslarn auf 1 50 qm einen sog. "Vollsortimenter" zu betreiben, sich - wie Firmenunterlagen aus dieser Zeit beweisen - ein Produktangebot im Wert von über 1 00.000.-DM nicht nur zuzulegen, sondern über Jahre hinweg immer wieder aufzustocken. Dann kam mit der Wiedervereinigung auch der psychologisch bedeutsame "Einbruch", der die gesamte Region eben nicht mehr "am Rand", sondern "mitten in Europa" erscheinen liess. Schon war man dort, wo man - wie sich jetzt immer deutlicher zeigt - nicht hinwollte, weil es dort eben nicht mehr so viele Fördermittel gab. 2. Warum bestand sonst kein Interesse? Einer juristischen Auseinandersetzung um die Ortsdomain "www.eslarn.de" (Gut Informierte wissen darum, andere Interessierte können es in einer der früheren Ausgaben von "Die Erste Eslarner Zeitung" nachlesen!) dürfte es geschuldet gewesen ein, dass "das internet" olötzlich trotz Gegenmassnahmen der Landkreisverwaltung mit dem Slogan "Ein Landkreis ist auf Draht!" als "das böse Neue" angesehen wurde. So konnten wir keinen Firmenpartner dazu gewinnen, mit uns zusammen auf zumindest der Hälfte Ladenfläche innovative Produkte anzubieten, und sogar ein Cyber-Cafè zu schaffen. Wo eine derartige "Aversion" gegen Neuerungen gezeigt wird, dort lassen sich tolerant, liberal gesinnte Gewerbetreibende, die vom Namen her "gewaltig etwas zu verlieren haben" kaum nieder. Ein Lebensmittelgeschäft o. Ä. rentierte sich ab Mitte der 1 990er Jahre aber bereits deshalb nicht mehr, weil man im Ort einen "Supermarkt" wollte, denn man wollte "modern" gelten. Also schuf der frühere Lieferant in der Moosbacher Str. einen "Aktiv-Markt", welcher sich durchaus einige Jahre "halten konnte", aber dann ebenfalls nicht mehr ausreichte, die Be dürfnisse nach Grösse zu erfüllen. Kleinere Orte, auch wenn diese einmal durch kurzfristige Zuzüge über 3.000 Einwohner verzeichnen konnten, fühlen sich hier schnell als "Grossstädte", wollen - wie auch Eslarn immer wieder - plötzlich sogar hauptamtliche Bürger-

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meister, dann auch hauptamtliche Gemeinderäte, und eine sehr grosses Ansehen geniessen. Über Jahre hinweg wollte man in und für Eslarn "eine Norma" oder "einen Aldi", bekam aber dann in Folge der Aufgabe des "Aktiv-Marktes", letztlich nur wegen der hier sehr kaufkräftig tätigen BewohnerInnen des um diese Zeit eingerichteten Aussiedler-Wohnheimes, einen neuen "Netto"-Discountmarkt fernab des Ortszentrums, in der Moosbacher Strasse. Dort musste man nicht mehr vom Markt- zum Tillyplatz, von der einen Bäckerei zur Metzgerei und dann noch zum Lebensmittelgeschäft laufen, man konnte gemächlich mit dem Pkw hinfahren, und sogar - wenn man "von auswärts kommend etwas vergessen" hatte, schnell noch zukaufen. Es war sowieso eine Zeit des "Auswärtsfahrens", welche immer häufiger dadurch verstärkt wurde, dass man auch nur noch auswärts arbeiten konnte. Wer mochte es den BewohnerInnen also verdenken, auch deren Besorgungen ausserhalb zu erledigen, und im Ort nur noch "das Vergessene" nachzuholen. Genau dies aber lässt Ladengeschäfte nahezu "ausbluten". 3. Ein Revival besonderer Güte? Jetzt, einige Jahre und eine Wirtschaftskrise später, zeigt sich in der ganzen Region, dass wieder mehr "im Ort gearbeitet wird", dass man es sich vielleicht schon bald gar nicht mehr leisten können wird, im Ort zu arbeiten, aber aus wärts Besorgungen zu machen. Jetzt denkt man natürlich daran, hier wieder diejenigen Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, welche man noch Anfang der 1 990er Jahre vor allem von politischer Seite nicht zu schätzen wusste, obwohl man es hätte wissen können, dass diese Region nie ein "göttliches Paradies" werden würde. Nun schiessen sie förmlich aus dem Boden, die "Dorfläden", die "Selbstvermarkter-Zentren", wobei aber bestenfalls die "Dorfläden" noch sog. "freien Unternehmern" gehören (sollen). Dies aber auch nur insofern, als diese eben mit regionalen Produkten beliefert, mit nahezu vorgegebener Preiskalkulation eher als "Schein selbständige" durchgehen könnten. "Selbstvermarkter-Zentren", wie in Eslarn wohl am Ende der Brennerstrasse, mit einem dort zu schaffenden, für über 1 0 Stände geeigneten "Verkaufsschuppen" gedacht, werden selbstverständlich nur noch in genossenschaftlicher Weise betrieben werden können. "Besser, als alles den Konzernen (Anm.: oder einigen freien UnternehmerInnen) in den Rachen zu werfen!", wie es unlängst einmal je mand in einer email schrieb. Sicher, es wird ein "Revival besonderer Güte", wenn der in einer freien Marktwirtschaft sonst übliche Wettbewerb nicht mehr vorhanden ist, und industriell produzierte Produkte mangels einem künftigen Angebot von Mitbewerbern zu den kalkulatorisch dann höchstmöglichen Prei sen verkauft werden können. "Billig", oder auch "preiswert", wird es dann nur noch diejenigen Dinge geben, die man vom Omnibus oder dem eigenen Pkw aus, landauf landab am Strassenrand wachsen und gedeihen sehen kann, weil diese "regionalen Produkte" zuhauf vorhanden sein werden. Sie haben dann die Auswahl zwischen "Gemüse von da", und "Gemüse von dort", zwischen "regional hergestellter Pizza", regional herge stellter Wurst, oder ... Lassen wir diese schon fast als "Frotzelei" anmutenden Ausführungen, aber Eines ist sicher: Es wird dann vielleicht auch bald wieder einen "Tauschhandel" geben können, bei dem der Produzent von Gemüse mit dem Produzenten von Getreide etc. tauschen kann, ohne überhaupt noch Geld in die Hand nehmen zu müssen.

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Vielleicht hat ja jemand Interesse auf einem Teil der 1 50 qm einen Schiefertafel-Handel aufzuziehen, denn irgendwie müssten diese Tauschgeschäfte dann ökologisch sinnvoll aufgezeichnet werden, und eine regionale Produktion hadernhaltigen Papiers ist derzeit (leider) noch nicht in Sicht. Bei aller "Bissigkeit" dieser Ausführungen aber sollte man nicht vergessen, das man mit solchen Zukunftsplanungen wohl keinerlei junge Leute mehr in einem Ort wie Eslarn, in einer Region wie der Nordoberpfalz halten können wird. Weder ein "schönes Haus", eine "gute Wasserversorgung", noch sonstige "Schein-Annehmlichkeiten" werden hier "wirken" können. Wenn nicht in allzunaher Zukunft nur noch unter Eslarnerinnen und Eslarnern Ehen geschlossen werden sollen, dann müsste Eslarn irgendwie "interessanter" werden, damit sich junge Leute auch dazu entschliessen, hierher "zuzuziehen", hier Familien gründen und bleiben wollen. Die aktuellen Planungen sehen aber leider nicht danach aus, als ob dieses Problem wirklich bereits erkannt worden ist. Hoffen wir einmal, dass man anderswo in diesem bundesdeutschen Staatswesen die möglichen Probleme einer solchen Entwicklung erkennt, und über die Fördermittelschiene ggf. gegensteuert, bevor man dann - nicht nur in Eslarn - in ein paar Jahren einen technisch und infrastrukturell bestens aufgestellten Ort mit einem Altersdurchschnitt von über 60 Jahren hat. Auch diesen müsste man dann irgendwie "mitziehen" und weiterhin "unterhalten", obwohl man die Geldmittel an anderen Stellen mit weitaus jüngerem Publikum weitaus besser benötigen könnte, bzw. das Geld in den Städten fehlt, wo die jüngeren Leute eher anlanden dürften. [x]

TIPP:
Für Alle, die sich schon einmal mit der ins Haus stehenden "Kost der Zukunft" anfreunden möchten, gibt es bereits eine Veröffentlichung aus der Region: Frau Roswitha Scheidler hat mit dem Regionalkochbuch "Spouzn, Schoppala und Schwammerlbröih" ein bemerkenswertes, zeitgeschichtliches Werk geschaffen. Wenn es denn ohne Zutun so werden wird, wie ich befürchte, dann kann dieses Kochbuch in jedem Haushalt gute Dienste leisten, denn die dort genannten Speisen können mit regionalen Produkten auf jeden Fall gekocht werden. Wieder ein paar Ausführungen, welche Sie sich immer wieder einmal zu Gemüte führen, und mit der jeweils gegebenen Realität vergleichen können. Dem "Internet" sei Dank, dass dieses "Nichts" vergisst, also man sich nach Jahren "eines Besseren belehren" lassen kann, wenn sowieso schon Alles zu spät sein dürfte. V.i.S.d.P.: Michael W. Zach, Ludwig-Müller-Str. 2, D92693 Eslarn.

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Die Bahnhofstrasse
Eslarns neue Einkaufsmeile
War bis zu Beginn der 1 990er Jahre, ja bis Mitte der 1 990er Jahre noch der Tillyplatz das "Eslarner Einkaufszentrum", so hat sich dies seit einigen Jahren in die Bahnhofstrasse verlagert. Nebenstehend ein Bild von der Einmündung "Tillyplatz - Heubachgasse", darunter ein Bild vom neuen (Sozial)Kaufhaus des Ortes, wie auch vom mittlerweile einzig verbliebenen Anbieter von Neuwaren des Leder- und Textilwarenbereichs, dem "Eslarner Schnäppchenmarkt". Hat Eslarn mittlerweile noch doch etwas von gelebtem "real existierenden Sozialismus", wenn man einmal die weltanschauliche Verfasstheit, und die weitab von Eslarn noch vorgelebte Staatsform beiseite lässt? Vereine organisieren und managen Feste, "weil man das Geld braucht". Vereine organisieren und managen Ferienprogramme, "weil man (sonst) kein Geld hat". Die grösste Ver-kaufsfläche für NonFood bietet ein gemeinnützig geführtes Second-Hand-Kaufhaus, welches wenigstens immer wieder Spenden an die Pfarrgemeinde abführen kann. Die grösse Verkaufsfläche und Auswahl für Lebensmittel bietet derzeit noch ein DiscountMarkt, der wohl bald durch ein Verkaufsgebäude für regionale Lebensmittel in der Brennerstrasse (Zoigl-Event-Zentrum) ersetzt werden wird Wenn wir den kath. Ortsgeistlichen "pfleglich" behandeln, bleibt uns wenigstens dieser nebst Ortspfarrkirche erhalten. [mwz]

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