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Dieses Buch kann Hoffnung wecken. Die weltoffenen und tatsächlich aufgeklärten Gläubigen werden es dankbar annehmen, weil es deutlich Stellung bezieht zu einem Thema, das die »Klugen dieser Welt« für töricht und skandalös halten. Einige werden verärgert, andere erfreut sein, je nach weltanschaulicher Perspektive. Man wird mich beschimpfen und loben, verleumden und bewundern, ermutigen und zum Teufel schicken. Es ist kein neues Thema, aber ein heikles und ein heimliches. Es betrifft viele Menschen, zu viele. Deshalb müssen wir darüber reden.

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JÖRG MÜLLER

VERWÜNSCHT, VERHEXT, VERRÜCKT ODER WAS?
Gibt es dämonisch bedingte Störungen? Was sagen Psychologie und Theologie dazu? Wer kann helfen? Mit einem Vorwort von Franziskus Eisenbach Weihbischof in Mainz

Betulius Verlag
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Die Psalmen wurden entnommen aus: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, © 1997 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Müller, Jörg:
Verwünscht, verhext, verrückt oder was? : gibt es dämonisch bedingte Störungen? ; was sagen Psychologie und Theologie dazu? ; wer kann helfen? / Jörg Müller. - Stuttgart: Betulius, 1998 ISBN 3-89511-046-9

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Einbandgestaltung nach einem Entwurf von Florian Huber, Thalhausen Reproduktion: Pompöös, grafische Produktionen, Stuttgart Gesamtherstellung: Clausen & Bosse, Leck Alle Rechte vorbehalten © Betulius Verlag GmbH, Stuttgart 1998 ISBN 3-89511-046-9

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Inhalt
Vorwort von Franziskus Eisenbach, Weihbischof in Mainz Die drei Ebenen dämonischer Störungen Die Situation Gibt es den Teufel? Satanismus heute Eine kritische Anmerkung Wenn der Segen wirkt, wirkt auch der Fluch Woran erkenne ich eine okkulte Belastung? Einige seltsame Fälle Umsessenheit, Besessenheit oder Hysterie? Auch Gesunde können Stimmen hören Zur Gabe der Erkenntnis und Unterscheidung Was nicht okkult ist Das Wirken Jesu und seiner Jünger Die List Satans Der Auftrag der Kirche Wer und was kann helfen? Ein deutsches Problem Erhebungsbogen zur Verdachtsklärung Wie verläuft ein Befreiungsgebet? Gefahren und Hilfen Wie schütze ich mich? Das Wichtigste im Überblick Anmerkungen Gebete Anschriften der Bischöflichen Ordinariate in Deutschland, Österreich und der Schweiz Weiterführende Literatur 6 9 12 13 20 27 32 36 41 46 50 56 58 64 67 71 75 80 85 88 89 96 97 99 103 106 116 118

Den protestantischen, aber auch vielen katholischen Lesern sind manche Aussagen fremd, wenn nicht sogar ärgerlich, z. B. die Ausführungen über die Erscheinung von Verstorbenen, über das Fegefeuer oder der Hinweis auf eine nach dem Tod vollzogene, geistige Taufe. Es sei darauf hingewiesen, daß keine der hier gemachten Äußerungen gegen die Lehre der katholischen Kirche verstößt. Der gesamte Inhalt dieses Buches entspricht in allen Details dem allgemeinen Erfahrungsgut der in aller Welt tätigen Exorzisten, aber auch den Erkenntnissen der Mystiker. Dabei können nicht alle Fragen befriedigend beantwortet werden.

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MANCHER AUFGEKLÄRTE UND MODERNE MENSCH GLEICHT DEM SCHAF, DAS SAGT: »FRÜHER MEINTE ICH IMMER, DIE WELT SEI AM WEIDEZAUN ZU ENDE. HEUTE, WO ICH AUFGEKLÄRT BIN, WEISS ICH: DIE WELT IST IN WIRKLICHKEIT DA HINTEN AM WALDRAND ZU ENDE.«

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Vorwort

»Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt«. Diese Worte aus dem Großen Glaubensbekenntnis der Kirche machen auf die Vielschichtigkeit der Schöpfung aufmerksam. Groß sind die Rätsel in der sichtbaren Welt, größer noch in der unsichtbaren, geistigen Welt. Die Heilige Schrift läßt keinen Zweifel daran, daß in der unsichtbaren Welt der geistigen Geschöpfe gute Geister als machtvolle Boten Gottes in die Geschichte der Welt und der einzelnen Menschen hilfreich einwirken. Sie übermitteln die Erfahrung von Gottes liebevoller Nähe und Sorge dem dafür offenen Menschen. Kein Zweifel kann aber auch bestehen, daß die Heilige Schrift mit der Existenz und Wirksamkeit böser, gottfeindlicher und menschenfeindlicher Geistwesen rechnet: Satan und seine Dämonen. Jesus selbst hat den Dienst der Engel und die Angriffe Satans erfahren, so bezeugen es einhellig die Evangelien. Er hat seinen Jüngern den Auftrag gegeben, das herangekommene Gottesreich dadurch zu bezeugen, daß sie das Evangelium verkünden, die Kranken heilen und die Dämonen vertreiben. Im Gehorsam diesem Auftrag gegenüber hat die Kirche durch alle Jahrhunderte hin ihre Verkündigung bekräftigt durch Zeichen wunderbarer Heilung und durch den Dienst der Befreiung von der Macht und dem Einfluß der bösen Geister. Angesichts heutiger aufgeklärter Skepsis allem gegenüber,

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was sich physikalisch meßbarer Nachweisbarkeit entzieht einerseits und angesichts der überbordenden Vielfalt neuer okkulter und satanischer Praktiken andererseits, bedarf es der nüchternen Klarheit der biblischen und kirchlichen Lehre über den Dienst der Heilung und Befreiung. Es darf nicht sein, daß dieser Auftrag des Herrn vernachlässigt wird gerade in einer Zeit, in der viele Menschen ihr Leben und ihre Zukunft bedroht sehen und nach Hilfe Ausschau halten. Papst Paul VI hat die kirchliche Lehre über die Existenz der Macht des Bösen in einer Ansprache vom 15. n. 1972 zusammengefaßt: »Das Böse ist nicht nur ein Mangel, sondern eine Wirklichkeit, ein lebendiges, geistiges Wesen, pervertiert und pervertierend: eine schreckliche Realität, geheimnisvoll und furchterregend. Wer die Existenz dieser Realität bestreitet, stellt sich außerhalb der biblischen und kirchlichen Lehre« (Herder-Korrespondenz 27 [1973] 12.5-127). In der nachkonziliaren Erneuerung der Kirche ist die Wiederentdeckung der kirchlichen Vollmacht zur Heilung und Befreiung eine Frucht der Rückbesinnung auf den Auftrag des Herrn und die Erfahrung der Kirche. Von besonderer Bedeutung sind dabei die heilende Kraft eines geordneten Gebetslebens, die heilende Kraft der Sakramentalien und besonders der Sakramente. Es gibt das wirksame Gebet um innere, seelische Heilung und nicht selten als Auswirkung auch die Erfahrung körperlicher Heilung. Der wirksamste Schutz gegen die Macht des Bösen ist das bewußte Leben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, der den Satan besiegt hat und denen, die an ihn glauben, Teil an seinem Sieg gibt. So ergibt sich auch eine neue Erfahrung von der Wirkmacht des kirchlichen Befreiungsgebets, in welchem der österliche Sieg

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Christi dem von dämonischen Mächten angegriffenen Menschen zugesprochen und die gottfeindlichen Mächte vertrieben werden. P. Dr. Jörg Müller hat in diesem Bereich des kirchlichen Dienstes der Heilung und Befreiung reiche Erfahrung gesammelt. Als Psychotherapeut vermag er aufgrund seines Fachwissens und seiner langjährigen Praxis Hilfen zur Unterscheidung von psychischen Krankheiten und dämonischen Angriffen zu geben. Sein aus der Praxis entstandenes Buch gibt allen Betroffenen, insbesondere auch den mit dem Dienst der Heilung und Befreiung beauftragten Seelsorgern wertvolle Klärungen und konkrete Hilfen. Es möge einen Beitrag dazu leisten, daß die Kirche, allen voran die insbesondere zu diesem Dienst bevollmächtigten Bischöfe, den vielfach bedrängten und angefochtenen Menschen unserer Zeit das Evangeliums verkündet und diese Verkündigung bekräftigt, indem sie im Namen Jesu Kranke heilt und Dämonen vertreibt zum Zeichen der schon mitten unter uns angebrochenen Gottesherrschaft.

Weihbischof in Mainz

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Die drei Ebenen dämonischer Störungen
1. Die Bedrängnis (obsessio) Alle Menschen erleben dies, besonders jene, die bewußt christlich leben. Es handelt sich um Versuchungen, Attacken, Irritationen des Satans mit dem Ziel, den Menschen auf dem Weg zu Gott zu blockieren und zu ärgern. 2. Die Umsessenheit (circumsessio) Solche Menschen werden mit Zudringlichkeiten gequält, erleiden unerklärliche seelische, geistige oder körperliche Schmerzen, manchmal mit Aufforderung zum Suizid, mit nächtlichen Alpträumen, diffusen Störungen wie Schattensehen, Kältegefühlen, Blockaden. Oft steckt hinter solchen Symptomen eine Verfluchung, aber auch fahrlässige Kontakte mit Spiritisten und Magiern. 3. Die Besessenheit (possessio) Sie ist sehr selten, kann selbstverschuldet sein durch freiwilliges Einlassen auf satanische Praktiken oder kann von Gott als Prüfung zugelassen sein. Es handelt sich um eine Innewohnung eines oder mehrerer Dämonen, die nur durch den großen Exorzismus gebannt werden können. Abhängigkeit und Unterwerfung sind typisch. Die Kriterien dazu werden im Buch Seite 52ff. genannt. Es gibt noch andere Klassifizierungen. Allgemein aber erkennt man inzwischen an, daß solche Störungen meist auch mit neurotischen oder psychotischen Krankheitsbildern einhergehen, sich also vermischen. Wenn entsprechende TestGebete Reaktionen hervorrufen, kann man von dämonisch bedingten Störungen ausgehen. 12

Die Situation
»Herr Pater Müller, bitte helfen Sie uns. Seit dem Tod meines Mannes vor einem halben Jahr stimmt nichts mehr auf unserem Hof. Wir haben eine große Landwirtschaft, dreißig Kühe, Schweine, Hühner. Jetzt, wo mein Mann nicht mehr da ist, geben die Kühe keine Milch mehr; der Maschinenpark streikt ständig; meine Kinder - ich habe zwei Mädchen von 4 und 5 Jahren - haben jede Nacht Angst und sehen irgendwelche weiße Gestalten. Und was das Schlimmste ist, auf dem Dachboden ist jede Nacht ein Gepolter und ein Geächze, daß einem ganz bang wird. Unser Pfarrer traut sich nicht zu kommen; er meint, das sei alles Einbildung oder natürlich erklärbar. Bitte helfen Sie uns, wir gehen noch kaputt.« Die Stimme von Frau L. am Telefon klingt verzweifelt. Ich verspreche ihr, so bald wie möglich zu kommen. Hilferufe dieser Art erreichen mich täglich. Aus ganz Deutschland und auch Österreich. Diese Probleme scheinen zuzunehmen, und es sind zu wenige da, die sich ihrer ernsthaft annehmen. Viele Priester sagen, es sei alles psychologisch zu erklären, es gäbe weder dämonische Mächte noch seien dies Signale von gebundenen Seelen Verstorbener. Und so verweisen sie die verzweifelten Menschen an die Psychiatrie und verweigern den erbetenen Gebetsdienst. Andere meinen, daß man nur dann beten müsse, wenn ein okkulter, sprich: dämonischer Hintergrund erwiesen ist. Doch beweisen läßt sich nichts; es bleiben oft nur Vermutungen, aber selbst das darf kein Grund sein, ein Gebet zu verweigern.

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Andere sind total überfordert, haben von solchen Phänomenen nie während ihrer Ausbildung gehört und lassen die Hilfesuchenden hilflos im Regen stehen. Irgendwann dann suchen die Betroffenen Rat in außerkirchlichen Kreisen und geraten dabei vom Regen in die Traufe. Eine Woche später betrete ich den Hof von Frau L. Nachdem sie noch einmal die Geschehnisse genau geschildert hat, bete ich für die ganze Familie, gehe durch alle Räume und Stallungen und segne Haus, Hof, Vieh und Maschinenpark. Frau L. erwähnt noch nebenbei, daß ihr Vater im Unfrieden gestorben sei; es gab Streit zwischen ihm und einigen Nachbarn wegen versetzter Grenzsteine im Acker. Ich versprach ihr, eine heilige Messe für ihren Vater zu feiern. Drei Wochen später teilt mir Frau L. am Telefon mit, daß die Situation auf dem Hof besser geworden, aber noch nicht gänzlich frei sei: Das Gepolter auf dem Dachboden sei gelegentlich noch zu hören, aber schwächer geworden. Erst nach wiederholter Aussegnung vor Ort und nach der Eucharistiefeier, die ich drei Tage später für den Vater und die Familie feierte, und nach einem intensiven Gebet um Aufhebung möglicher Flüche verschwanden sämtliche Symptome. Seitdem herrscht auf dem Hof Ruhe.* * Skeptiker werden die Spukphänomene (z. B. Klopfgeräusche, Schritte, Seufzen ...) als Projektion seelischer Spannungen der Hausbewohner erklären. Ebenso werden sie die Wirkung von Fluch oder Segen einordnen. Auch das Freiburger Institut für Parapsychologie untersucht diese Erscheinungen, wobei es zugeben muß, daß sich nicht alles auf diese naturwissenschaftliche Weise erklären läßt. Es spricht von »kognitiver 14

Dissonanz«, also von einem Bereich, der offen bleibt. Und Inzwischen meldete sich ein Student bei mir, der über seine Freundin in Satanskreise geraten und stark belastet war: Er war nicht mehr imstande, sein Studium durchzuführen, hörte Stimmen, die ihn zum Suizid aufforderten, und litt unter einer ständigen Sitzunruhe. Hinzu kamen heftige Depressionen und Zittern beim Beten. Er wurde in die Psychiatrie eingeliefert und mit hohen Dosen Psychopharmaka behandelt, doch ohne jeden Erfolg. Niemand, außer ein paar Freunden, war bereit, mit ihm zu beten. Inzwischen aus der Klinik entlassen, kam er zu mir. Da sein religiöses Leben ziemlich erloschen war, riet ich ihm zu einer ausgiebigen Lebensbeichte und zum Lossagen aller okkulten Praktiken, auch zum Lossagen von dieser Freundin. Er hatte mit ihr zweimal an Satansmessen teilgenommen und erhielt nun, da er sich von der Gruppe lösen wollte, Morddrohungen. Also versteckte er sich eine Zeitlang in einem Kloster und kam während dieser Zeit mehrere Male zu mir. Die magische Belastung, die auf ihm lag, war außerordentlich stark. So bat ich einen zweiten Priester um Verstärkung. Was während der Gebete alles herauskam, möchte ich hier nicht berichten. Erwähnt sei nur, daß der junge Mann schließlich gesund wurde und sein Studium wieder aufnehmen konnte. Ich stehe heute noch mit ihm in Kontakt, um ihn zu beobachten und im Gebet zu begleiten. weil die Forscher, die erklärtermaßen nicht an Geister glauben, keine Spuren im elektromagnetischen Feld feststellen können, lehnen sie eine Fernwirkung ab. Sie vermuten, daß Gedanken und Anruf Ausdruck einer zugrundeliegenden Gemeinsamkeit sind, also keine Abfolge von Ursache und Wirkung. (Siehe: Julia Förster: Wenn der Glaube Linien versetzt. 15

In: Süddeutsche Zeitung Nr. 221 vom 25. Sept. 97. S. 54) Wer sich für aufgeklärt und »weltoffen« hält, wird sich schwer tun, solche Phänomene einzuordnen. Natürlich denke ich auch zuerst an die ganz normale Möglichkeit psychischer Mechanismen, an Projektionen unterbewußter Kräfte, an Sinnestäuschungen oder gar an eine mögliche Effekthascherei hysterischer Persönlichkeiten. Schließlich bin ich seit 24 Jahren klinischer Psychologe und Psychotherapeut und arbeitete in einer Psychiatrie. Wer sich intensiver mit diesen Dingen beschäftigt, auch aus biblischer wie psychologischer Sicht, schließlich jahrelang Erfahrungen im Umgang mit diesen Geschehnissen macht, bekommt eine andere, weitergehende Meinung. Wenn tatsächlich alles nur reine Einbildung, das heißt Produktion des kranken Gehirns und der kranken Seele ist, das spezielle Gebet um Befreiung aber zur Heilung führt, und sämtliche herkömmlichen Therapieverfahren versagen, dann ist zu fragen, warum denn so wenige bereit sind, das erwünschte Gebet zu sprechen ? Beten ist nie verkehrt. Es zu verweigern ist unverantwortlich und widerspricht dem Auftrag Jesu. Ich rede hier nicht vom Exorzismus par excellence, sondern vom Gebet um Befreiung, das jeder Christ, insbesondere jeder Priester sprechen kann. (Gebete befinden sich im Anhang.) Die Situation ist miserabel. Ich habe alle deutschen Bischöfe angeschrieben mit der Bitte, mir zu sagen, wer in ihrer Diözese zuständig ist für diesen Befreiungsdienst und auch für den Exorzismus. Von 27 Anfragen erhielt ich fünf sehr freundliche, darunter drei brauchbare Antworten, die anderen 22 Bischöfe bzw. Generalvikare schwiegen. Einer, der Beauftragte für Sektenfragen in der Diözese X., kommentierte meine Anfrage mit Fehldeutungen und Unterstellungen und verschickte diesen Brief an bestimmte andere Stellen. Auf Umwegen wurde er mir 16

von einer dritten Person zugespielt. Immer wieder beklagen sich Hilfesuchende bei mir über die negativen Erfahrungen, die sie bei den Pfarrern und auch bei den Ordinariaten ihrer Diözesen machen, sobald sie um Hilfe bei vermuteten okkulten Störungen baten. Also machte ich die Probe aufs Exempel und bat einige Personen, telefonisch bei ihren Ordinariaten nach einem Priester zu fragen. Alle Telefonate wurden zum jeweiligen Generalvikar oder dessen Sekretär oder zu dem für diesen Dienst betrauten Seelsorger geleitet. Die Standardfrage, die meine »Testpersonen« stellten, lautete: »Mein Name ist N. N., ich möchte anfragen, ob es einen Priester gibt, der für den Dienst der Befreiung beauftragt ist. Ich leide seit langem an seltsamen Störungen, die keine Medizin bislang beseitigen konnte. Es gibt begründeten Verdacht auf eine massive Verfluchung und dämonische Belastung. Ich bin keineswegs geistig gestört. Psychiatrisch ist alles abgeklärt worden, ohne Ergebnis.« Und hier die Reaktionen: »Ich rate Ihnen, zu einem guten Neurologen zu gehen. Das sind keine dämonischen Besessenheiten.« »So was gibt es nicht, also der Teufel ist das nicht; das sind irgendwelche unbewußten Vorgänge in Ihrer Seele. Da hilft auch kein Exorzismus. Außerdem gibt es den schon lange nicht mehr. Der ist ja abgeschafft worden.« »Ich bitte Sie. Das hat doch alles nichts mit dem Teufel zu tun. Wo leben wir denn? Solchen Hokuspokus machen wir nicht.« »Wenn Sie bereits in nervenärztlicher Behandlung waren, dann sind diese Störungen ja organischen Ursprungs. Ein Gebet ist immer gut, aber das, was Sie wünschen, gibt es dafür nicht.«

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»Wenden Sie sich bitte an Pater N. N.: Er ist für diesen Bereich zuständig ...« »Versuchen Sie es mal beim Herrn Diakon N. N. Ansonsten kann ich Ihnen nicht helfen. Der wird Ihnen einiges sagen können ...« »Wenn der Arzt oder die Klinik die Notwendigkeit eines Exorzismus bestätigt, melden Sie sich nochmal.« »Unser Bischof hat kürzlich zwei Priester dafür bestellt. Ich gebe Ihnen die Telefonnummer.« Aus den wenigen Antworten läßt sich erahnen, wie schlecht es um diesen kirchlichen Dienst steht und wie groß die Verwirrung auf diesem Sektor ist. Befreiungsdienst ist nichts anderes als das Gebet um Befreiung von dämonischen Attacken und Umsessenheiten. Dazu ist jeder Priester ohne bischöfliche Beauftragung berechtigt, ja vom biblischen Auftrag und von der Weihe her sogar verpflichtet. Der Exorzismus hingegen ist ein eigener Dienst, der bei vermuteter Besessenheit gebetet wird und dann eine bischöfliche Beauftragung benötigt, wenn er laut und öffentlich gesprochen wird. So kann jeder Priester seit 1985 den kleinen Exorzismus nach Leo XIII (siehe Anhang) still beten. Die Trennung von Befreiungsdienst und Exorzismus ist künstlich, war aber notwendig, weil es besonders innerhalb der Charismatischen Erneuerung Mißgriffe gab. Eine endgültige Regelung steht noch aus. Ich mache eine merkwürdige Beobachtung: Auf der einen Seite schwindet der Glaube und das Wissen um die Wirkung dämonischer Mächte, auf der anderen Seite wachsen die Mitglieder von Satansgruppen und Hexenzirkeln; auf der einen Seite sind immer weniger Priester bereit, sich diesem Bereich zu öffnen und die geschädigten Menschen ernst zu nehmen; auf der anderen Seite mehren sich bei mir die Anfragen von Ärzten (auch Chefärzten) und 18

Psychologen nach einem Seminar zur Weiterbildung auf diesem so unbekannten und tabuisierten Gebiet. »Ich bin überzeugt, daß die Patientin eine dämonische Belastung hat; so etwas wie eine Umsessenheit. Jedenfalls sind unsere Möglichkeiten alle ausgeschöpft. Darf ich sie zu Ihnen schicken, Herr Pater? Sagen Sie aber nichts von mir. Wenn meine Kollegen davon hören, könnte es Schwierigkeiten geben. Die meisten können damit nichts anfangen.« (Worte des Chefarztes einer süddeutschen Klinik) Die Bischöfe in Deutschland schweigen sich seit dem unglücklichen Fall der Anneliese Michel von Klingenberg (19701976) über Fragen zu dämonischen Erkrankungen aus. Wie wir gesehen haben, gibt es im gesamten deutschsprachigen Raum im Unterschied zu allen anderen Ländern nur ganz wenige bischöflich bestellte Priester, die diesen so wichtigen Gebetsdienst tun. Mir sind drei deutsche und zwei österreichische Priester bekannt, die hierzu beauftragt sind. Die gesamte Thematik wird in der Öffentlichkeit verdrängt. Da mögen neben dem Schock, der seit dem Vorfall in Klingenberg noch in den Knochen steckt, auch die große Hilflosigkeit, vielleicht auch die mangelnde Courage zum Bekenntnis Ursache sein. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dämonische Symptome von rein seelischen Defekten zu unterscheiden. Die Erfahrung, daß sich die meisten vermeintlichen Besessenheiten bei näherem Hinsehen als psychotische oder hysterische Episoden entpuppen, muß man zweifellos im Auge behalten.

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Gibt es den Teufel?
Vor 27 Jahren erschien das Buch »Abschied vom Teufel«, verfaßt vom Tübinger Theologen Herbert Haag. Seitdem befleißigen sich viele Theologen, die sich für vernünftig und aufgeschlossen halten, derselben Auffassung und verweisen die Existenz Satans in die Welt der Märchen und Mythen. Wer aber genau hinschaut, erkennt eine wachsende Wirkweise des Bösen, der geradezu in Agonie noch einmal alle Kräfte und alle List aufbietet, um möglichst vielen Menschen zu schaden, bevor es mit ihm zu Ende geht (Offb 20, 10). Die Verniedlichung und Positivierung des Teufels haben seine Gefährlichkeit so lächerlich gemacht, daß seine Existenz in den Augen vieler Menschen nicht mehr glaubhaft ist. Wir reden vom »Satansbraten« und vom »Teufelskerl«, wenn wir eine Bewunderung aussprechen; wir sagen, »die Hölle war los« und stellen den Meister der Lüge so hin, als könnten wir von ihm noch Gutes lernen. Viele Spielzeuge und deren Betitelung sind geradezu provokativ magisch; in einem Hochglanz-Prospekt der Schmidt-Spiele von Droemer-Knaur werden angepriesen die Fantasy-Spiele »Das Schiff der verlorenen Seelen«, »Borborads Fluch«, »Strom des Verderbens«, »In den Fängen des Dämons«, »Auf dem Weg ohne Gnade«, »Die sieben magischen Kelche« u. a. Uns fehlen noch die Langzeitstudien über die Auswirkungen solcher Spiele auf die kindliche Psyche. Ich will sie jetzt auch nicht überbewerten; aber Machart und Titel, Design der Figuren und eine nicht zu übersehende plumpe Erotisierung können den erfahrenen Pädagogen nicht einfach wegschauen lassen. Es scheint, daß das abhanden gekommene Wissen um die brutale Realität teuflischer Mächte auf einem mystifizierten Umweg in 20

die nervenkitzelnde Spielwarenindustrie reingerutscht ist. Jesus warnt vor diesen Mächten und nennt den Teufel Fürst dieser Welt, Lügner und Verderber, brüllender Löwe, Beelzebub, Oberster der bösen Geister, Versucher und Widersacher. Er treibt ihn aus und beauftragt seine Jünger, es ebenso zu tun, und zwar mit Vollmacht und in seinem Namen. Dies war keineswegs selbstverständlich, denn auch damals gab es Gruppen (z. B. die Sadduzäer), die weder an Engel noch an Dämonen glaubten. Es handelt sich nicht nur um eine intrapsychische Dynamik des Zerstörerischen, um eine Personifizierung des Bösen, sondern um ein personales, von Gott geschaffenes Wesen. Er ist dem Schöpfer nicht ebenbürtig; er unterliegt ihm und wird letztlich seinen Kampf gegen Gott und die Kirche verlieren; aber er ist nicht belanglos, sondern höchst intelligent und durchtrieben. Er ist schwer zu erfassen, nicht empirisch beweisbar, aber dennoch existent. Das Reden Jesu über ihn und seine Austreibungen sind keineswegs Ausdrücke seiner Zeit, also symbolhaftes Handeln. Wer behauptet, es gäbe Satan nicht, weil er nicht beweisbar ist, hat die Grenze wissenschaftlicher Exaktheit überschritten. Der französische Theologieprofessor und Fachmann in Fragen der Dämonologie, Prof. Rene Laurentin, sagt: »Jene, die überall den Teufel sehen, sind gegen jene aufgebracht, die ihn nirgends sehen; und jene, die ihn nirgends sehen, sind voll Ironie gegenüber jenen, die ihn überall sehen.« Es klingt ja sehr erwachsen und wissenschaftlich, wenn man über den Teufel als »psychischen Mechanismus« spricht. Mit dieser neutralen, wissenschaftlich klingenden Sprache kann man sich überall sehen und hören lassen.

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Zwar ist der Glaube verlorengegangen, aber dafür ist der Lehrstuhl sicher. Die gläubigen Studenten müßten gegen die zunehmende Unverbindlichkeit, die viele Lehraussagen der Kirche aufweicht, protestieren. Vielleicht steht einmal irgendeiner auf, »der gerade erst mit seinem Studium fertig ist. Ich denke an einen bestimmten Typ, wie man ihm hier und da noch begegnet. Zum Beispiel ein bekannter Jugendseelsorger, der darauf bestand, zum Examen im Pyjama zu erscheinen und seinen Professoren zu sagen: >Ich stehe hier im Pyjama, weil man uns hier an der Universität keinen Glauben gelehrt hat, sondern uns eingeschläfert hat.<1« Ein Hauptargument gegen die Teufelslehre liegt im Hinweis auf deren weltbildliche Bedingtheit. Engel und Dämonen waren in der vorwissenschaftlichen Zeit Chiffren für Gut und Böse. Heute aber wissen wir um die Naturgesetze; da geht alles natürlich zu, und da gibt es keinen Platz für Engel und Dämonen. Doch dieses Weltbild wird inzwischen wieder in Frage gestellt, weil die Absolutsetzung des rein rationalen Denkens und der Glaube an die Technik bzw. an alles Machbare das Böse in der Welt nicht verhindern konnte. Im Gegenteil: Das Boshafte, das Verdorbene, das Dämonische ist deutlicher denn je. Und nicht erst seitdem uns die Esoterik und die New-Age-Welle die Augen geöffnet haben. Gewiß gehörte zur Erfahrung des Bösen meine ganz persönliche Bereitschaft, dafür offen zu sein, das heißt mindestens ahnungweise an seine Existenz zu glauben. Eine historische Aussage über die Wirklichkeit des Bösen kann niemand machen; sie bleibt eine Glaubensaussage. Wer je bewußt sich dem Guten zuwendet und gegen das Böse kämpft, wird plötzlich nicht nur mit rein menschlicher Bosheit konfrontiert. Deshalb haben Heilige stets intensiver diese Erfahrung 22

gemacht; denn wer nicht gegen das Böse angeht, weil er nicht glaubt, erfährt es nicht, wenngleich er auch mittendrin steht. Gewiß ist es unsinnig, jedwede unerklärliche Störung oder Krankheit dem Dämon zuzuschreiben und vorschnell von einer Besessenheit zu reden; eine solche Dämo-kratie, die überall den Teufel an die Wände malt, wäre zuviel der Ehre für ihn. Von hundert besorgten Menschen, die meinen, verflucht zu sein, sind es vielleicht fünf. Doch kennen wir auch geheimnisvolle Dinge, die nicht mit natürlichen Mitteln hervorgebracht werden können; wir müssen auf dem Gebiet der schwarzen wie auch der weißen Magie die Aktivität böser Geister annehmen. So wie es die Gaben des Heiligen Geistes gibt, so gibt es auch dämonische Gaben, die nicht immer sofort zu durchschauen sind, »tarnt sich doch der Teufel als Engel des Lichts, um zu täuschen«. (2 Kor 11,14) Es ist Lehre der Kirche. Das vierte Lateran-Konzil (1215) verkündete feierlich: »... der Teufel und die anderen Dämonen sind von Gott ihrer Natur nach als gut geschaffen worden, aber sie sind durch sich selbst böse geworden.« Die Lehre über die Dämonen war niemals Gegenstand einer ausdrücklichen Aussage des kirchlichen Lehramtes, und zwar einfach deshalb, weil es nie Anlaß gab, diesen Punkt gegenüber Häretikern zu verteidigen. Papst Paul VI. sagte in seiner Rede vom 15. November 1972: »Der Rauch Satans ist bereits in die Kirche eingedrungen.« Und er sprach sehr deutliche Worte aus: »Wer sich weigert, die Existenz dämonischer Wesen anzuerkennen, verläßt den Bereich der biblischen und kirchlichen Lehre ...«2 Und den haben bereits viele Christen, darunter auch Priester, verlassen. Den eingangs beschriebenen und den noch folgenden Fällen stehen sie ohnmächtig gegenüber. Und

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weil sie sich in diesem Bereich nie weitergebildet haben, die Erfahrungen der Wüstenväter, der Mystiker, der vielen Exorzisten in der Welt sowie der modernen Propheten und Scher außer acht lassen, reicht ihre Kenntnis darüber nicht aus. Ich verweise auf die Höllenvisionen der Seher von Fatima, auf die einschlägigen Erfahrungen und Aussagen des hl. Don Bosco, auf die bezeugten dämonischen Vorgänge um den hl. Pfarrer von Ars, auf die Aussagen der Gottesmutter in Medjugorje, die nicht müde wird, zur Umkehr aufzurufen und auf die Machenschaften des Teufels hinzuweisen. Die Seherin Mirjana Dragicevic hatte am 14. April 1982 eine dämonische Erscheinung: Der Teufel kam in der Gestalt der Gottesmutter. Mirjana durchschaute die Täuschung und bekam dann von der anschließend erscheinenden echten Gospa zu hören: »... du mußt wissen, daß Satan existiert. Dieses Jahrhundert steht unter seiner Macht. Doch bald wird seine Macht gebrochen.«3 Alle Völker und alle Religionen wissen um die Existenz guter und böser Geister. Sie gehen alle recht unbefangen mit diesem Phänomen um, kennen Austreibungsriten und Schutzgebete, haben eigens dafür kompetente Priesterfinnen), die jeder kennt. Nur dort, wo man sich aufgeklärt gibt und über dieses Thema lächelt, als handele es sich um Relikte einer mittelalterlichen Religion, wo Ängste herrschen und um das Image des weltoffenen Menschen gefürchtet wird, ist das Gespräch verkrampft (bisweilen sehr hochmütig), das Thema nicht öffentlich, der Zugang versperrt. Ein Mann wurde bislang vergeblich behandelt. Er sah Fratzen mit langen Zungen, die ihn erschreckten; er zitterte am ganzen Körper und fühlte sich zwanghaft zu sexuellen

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Handlungen getrieben. Das alles hat angefangen, nachdem er einen Hodscha (moslemischer Magier) aufgesucht hatte, der merkwürdige Formeln sprach und Riten vollzog. Ein Priester sagte ihm schließlich, er sei besessen. Der Mann war 28 Jahre jung und machte auf mich einen bodenständigen, jedoch sehr verzweifelten Eindruck. Er bekam vom Arzt haufenweise Psychopharmaka - ohne die geringste Wirkung. Sogar die Nebenwirkungen, die bei dieser enormen Dosis auf eine lange Zeit hätten eintreten müssen, blieben aus. An Besessenheit mochte ich nicht glauben, eher an eine magische Übertragung, möglicherweise eine Verwünschung. Im weiteren Verlauf der Anamnese erwähnte er noch eine Abtreibung, die seine Freundin auf sein Drängen hin vornehmen ließ. Mir war nicht klar, welche Probleme da auf mich zukamen. Da ich nicht wußte, was dieser Hodscha genau tat, welche Folgen diese Abtreibung hatte und was der junge Mann mir noch verschwiegen hatte, begann ich mit einem »Testgebet«. Ich betete still und legte meine Stola auf den Kopf des Mannes. Es gab keinerlei Reaktionen. Ich legte ihm unauffällig eine kleine Reliquie auf seinen Kopf (eine Stoffreliquie von Pater Pio); da plötzlich warf er seinen Kopf nach hinten und bäumte sich mit seinem gesamten Oberkörper auf. Das tat er jedesmal, wenn ich diese Reliquie auflegte. Ich wiederholte diesen Vorgang und das Gebet sehr oft. Legte ich ihm einen Knopf auf den Kopf, blieb diese Reaktion aus. Aus meiner Erfahrung weiß ich, daß eine derartig heftige Reaktion eher auf eine Form von Besessenheit schließen läßt. Also hatte der Priester doch recht. Nicht genug mit diesem Aufbäumen und Kopfschütteln. Als ich ein Fläschchen Weihwasser hervorkrame, fing der

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junge Mann an zu schimpfen: »Was willst du mit dem blöden Wasser? Du kriegst mich nicht, was bildest du dir überhaupt ein?« Ich besprenge ihn mit dem Weihwasser. Der junge Mann windet sich im Sessel und sagt in aggressivem Ton: »Da kannst du Hund tausendmal spritzen, mich kriegst du nicht.« Das geht so eine ganze Weile, bis mir klar wird, was für einen schwerwiegenden Fall ich vor mir habe. Ich breche die Sitzung ab. Der junge Mann weint und stammelt nur noch: Bitte helfen Sie mir, bitte helfen Sie mir. Ich verspreche ihm, alles zu tun, was ich kann und darf. Bis zum nächsten Termin brauchte ich Verstärkung; ich fastete und betete, ging beichten und beriet mich mit einem kompetenten Priester. Außerdem zog ich eine sehr gläubige Dame zu Rate, die das Charisma der Erkenntnis hat. Sie erhält von Gott im Gebet Hinweise auf die Ursachen von solchen Erkrankungen, auch Wege zur Befreiung. Sie erkannte, daß der junge Mann eine Fremdbesetzung hatte. Er hatte sich zu tief auf okkulte Praktiken eingelassen und ein ausschweifendes Leben geführt; außerdem habe seine Mutter wiederholt spiritistische Sitzungen durchgeführt. Nachträglich befragt, bestätigte er diese Angaben. Nun begann eine mühevolle Gebetsarbeit. Sie zog sich über Wochen hin. Am Ende aber wurde der junge Mann gesund. Heute führt er ein aktives christliches Leben. Man kann den Teufel weder beweisen noch widerlegen. Man kann ihn aber erfahren und als Drahtzieher vieler scheußlicher Vorgänge entlarven. Es ist keineswegs so, daß er nur in diesen besonders auffälligen Störungen steckt; er steckt vielmehr im Detail, dort, wo ihn die meisten Menschen aufgrund ihrer mangelnden Unterscheidungsgabe oder geistlichen Blindheit gar nicht vermuten. Sein genialstes Werk ist es, die Menschen glauben zu machen, 26

daß es ihn nicht gibt; denn dann kann er ungestört sein Werk tun. Eines der am besten bezeugten Beispiele für eine Besessenheit ist außer dem Fall von Klingenberg die Geschichte von dem schwäbischen Mädchen Gottliebin Dittus, das von Pfarrer Blumhardt in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren befreit wurde. Das Mädchen lebte in einem Haus, in dem okkulte Praktiken betrieben worden waren. Unter den Dielen des Hauses fand man vernähte Entzauberungsutensilien und vieles mehr. Spuk, Erscheinung Verstorbener, schlimme Lästerungen aus ihrem Mund, gesprochen von unnachahmlichen Stimmen, fliegende Gegenstände und andere unglaubliche Vorgänge wurden von Zeugen beobachtet und dokumentiert. Am Ende dieses langen Gebetskampfes brach das Mädchen zusammen und schrie: »Jesus ist Sieger, Jesus ist Sieger.« Sie wurde vollständig geheilt und war danach als Haushaltshilfe, Lehrerin und Kindergärtnerin tätig.4

Satanismus heute
Es tummeln sich in den meisten Großstädten aller Länder Satanisten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, regelmäßig in Satansmessen die Priester und die Kirche insgesamt zu verfluchen, sie mittels magischer Praktiken mit allen möglichen Beschwerden und Krankheiten zu belegen und das Böse zu wollen. Diese Menschen sind nicht zu erkennen, da sie sich unauffällig geben; es kann der gut gekleidete Herr im vierten Stock sein; es kann die liebreizende Dame im Nebenhaus sein. Gewiß hinterlassen manche Begegnungen der teuflischen Art ein merkwürdiges Gefühl der Kälte. Es ist schwer, an sie heranzukommen, 27

vor allem, wenn man sich als ihren Gegner zu erkennen gibt. Einige Satanszirkel praktizieren abartige Sexualriten, Leichenschändung, Inzest, Sodomie und vieles mehr. Ihr geistiger Vater ist Aleister Crowley (1875-1947), der sich selber als »das Tier« bezeichnete und schließlich jammervoll dahindämmerte. Memmingen, München, Frankfurt und Saarbrücken sind die mir bekannten Stätten solcher Zirkel, im österreichischen Linz und Wien geht es ähnlich zu. Eine sehr ausführliche Dokumentation über den modernen Satanismus haben die beiden Journalistenbrüder Guido und Michael Grandt veröffentlicht. Ich empfehle diese Lektüre allen Seelsorgern und Lehrern, weil sie in erschreckender Deutlichkeit die Hintergründe und Wirkungsweisen okkulter Handlungen darstellt.5 Wer meint, dies alles seien spätpubertäre Spielchen einiger geistig unterentwickelter Typen, hat den Ernst der Lage nicht erkannt. Ich selber war auch schon einmal Zielscheibe ihrer dämonischen Machenschaften und bin überzeugt, daß ich weiterhin in ihrem Schußfeld stehe. Schließlich nehme ich öffentlich Stellung dagegen und stehe als Priester ständig im Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Wenngleich ich auch den Teufel ernst nehme, habe ich doch keine Angst vor ihm. Ich weiß mich in Gottes Hand, da kann der Münchener Satanspriester (ein abgefallener, echter Priester) machen, was er will. So hat er versucht, auf das Foto meines Bücherprospekts einen Fluch zu legen, der meinen Tod durch Verhungern bewirken sollte. Den Satanisten geht es schlichtweg um Macht. Dies ist Grund genug, die Kirche Gottes zu zerstören und die in ihr arbeitenden Priester, vor allem jene, die man heute 28

gern mit dem Etikett »konservativ« schmückt. Doch Jesus hat dieser Kirche Bestand versprochen; sie wird nicht untergehen, auch dann nicht, wenn alle Zeichen dafür sprechen. Es wird ganz plötzlich der Umschwung und der Untergang ihrer Gegner kommen. So hat es auch der hl. Don Bosco geträumt, dessen Träume bislang alle wahr wurden.6 Nach den Riten der Satanskirche ist auch der Mord Teil des magischen Handelns. Der 1930 in den USA geborene Anton La Vey begründete 1966 die »Church of Satan« und schreibt in seiner satanischen Bibel: »Ein Satanist bringt dann ein Menschenopfer dar, wenn dies einem zweifachen Plan dient: den magischen Zorn zu entfesseln ... und vor allem, um über eine gänzlich hassenswerte Person zu verfügen.«7 Viele Eltern fragen besorgt an, ob die Rockmusik schädlich, ja dämonisch sei. Man höre so Unterschiedliches und auch von rückwärts gesprochenen Texten, die blasphemische Inhalte hätten. Diese Sorgen sind gewiß nicht zu bagatellisieren. Doch wissen wir inzwischen, daß sowohl Rückwärtsbotschaften wie auch unhörbare, in Niedrig oder Hochfrequenzbereichen gesprochene Texte keinerlei Einfluß auf den Konsumenten haben. Das haben Experimente an diversen amerikanischen und deutschen Universitäten erwiesen. Neurophysiologische Forschungen zeigen, daß unser Gehirn fremde Rückwärtstexte ohne ausreichende Übung nicht wahrnehmen kann. Viel problematischer sind die unverschlüsselten Texte, wie sie z. B. Iron Maiden (The Number of the Beast), die Gruppe KISS (The God of the Thunder) und andere Hardrockmusiker bringen. Neben diesen Texten hat die aufpeitschende Musik eine schädliche Wirkung: 100 Dezibel verursachen in Verbindung mit dem ständigen Kopfschaukeln Störungen

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der Sexual- und Nebennierenhormone, Schwankungen des Insulinspiegels im Blut, verminderte Triebkontrolle, neurosensorische Überreizung, depressive Verstimmungen bis hin zu selbstzerstörerischen Handlungen. Oft wird diese Musik zusammen mit Drogen konsumiert, um die Wirkung zu erhöhen. So kann man sehr wohl sagen, daß Hardrock und Drogen des Teufels liebste Mittel sind, um gerade junge Menschen in die Abhängigkeit zu bringen und an sich zu binden. Es fällt auf, daß jeder, der sich auf seinen christlichen Glauben einläßt und ein neues Beten lernt, der sich also zu Gott hin bekehrt, sofort die Finger davon läßt. Der geistlich erfüllte Mensch spürt sehr schnell, daß der Besuch der HardrockTempel bzw. Technohöhlen, wie heute manche Diskotheken zu nennen sind, auf Dauer nicht bekömmlich ist. Das können all die Jugendlichen bestätigen, die eine religiöse Umkehr erlebt haben. Hinterher vergeht ihnen der Geschmack an dieser Art von Vergnügen. Vor einigen Jahren trat die Satanspriesterin Ulla von Bernus im ZDF auf und plauderte munter aus dem okkulten Nähkästchen; sie gab offen zu, daß sie im Auftrag eines Kunden dessen Gegner für ein Honorar von 30000 DM totgehext habe. So hieß denn die Sendung auch sinnigerweise: »Ich töte, wenn Satan es befiehlt«. Eine Anzeige wegen Mord bzw. wegen Betrug, die der damalige Fernseh-Pfarrer Adolf Sommerauer erstattete, verlief im Sand, da der Staatsanwalt meinte, so etwas gäbe es nicht. Später dann tauchte Ulla von Bernus als frisch zum Christentum Bekehrte in der Talkshow mit Ilona Christen auf und warnte jeden vor okkulten Praktiken. Das tat Michael Ende übrigens auch. In einem Interview bekannte er: »Ich möchte generell vor Okkultismus warnen ... Durch solche Praktiken wird auf beiden Seiten der Welt nur Verwirrung, 30

wenn nicht Übleres angerichtet ...« Und »Das funktioniert schon. Nur sind die Wesen, die man da hereinzieht, so ziemlich das mieseste Lumpenpack ...«8 Die modernen Hexenmeister und Satansjünger(innen) zeichnen sich insgesamt aus durch ein ziemlich verworrenes Denken, durch eine Schwarzweißphilosophie, durch eine zutiefst verletzte und desorientierte Psyche. Wenngleich die meisten vielleicht auch nur provozieren wollen und ihre sexuellen Wünsche im Deckmantel irgendeines vorgeschriebenen Rituals ausleben wollen, so macht das die Bedeutung und die Auswirkung ihres Tuns keineswegs harmloser. Denn was einmal zur Gewohnheit wird, läßt sich schwer beheben. Und wer sich durch Triebe beherrschen läßt, wird durchtrieben. Er rutscht immer tiefer hinein und zieht andere mit sich, hat auf labile, naive und verirrte Seelen einen ungeheuren Einfluß. Schon die Neugier und der Irrtum, einmal sei keinmal, kann tödlich sein. Eine junge Frau hat sich mit ihrem Blut dem Satan verschrieben. Schon ihre Großmutter tat dies. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester nahm sie mehrmals an Satansmessen teil und mußte unter Zwang ekelhafte Kulthandlungen vornehmen. Während einer solchen Handlung opferte sie ihr eigenes, soeben geborenes Kind, dessen Herz herausgeschnitten wurde. Das ganze wurde mit Weihrauch und Kerzen »dekoriert«. Dabei wurde vom Satanspriester ein Bann ausgesprochen, der ihr den Tod voraussagte für den Fall, daß sie den Satanskreis verlassen wollte. Irgendwann gelang es ihr, die Gruppe zu verlassen und sich in ihrer großen Angst einer Ordensfrau anzuvertrauen. Zwei Priester nahmen sich darauf ihrer an; der eine führte sie zur Umkehr und vollzog an ihr die Taufe, der andere begann mit dem Befreiungsdienst. 31

Während ich diese Zeilen schreibe, dauert dieser Dienst noch an. Sie wird beim Beten öfter bewußtlos, sieht ihre verstorbene Großmutter immer wieder, ist oft dem Ersticken nahe, fällt dann wieder zurück in den Zwang, sich dem Satan verschreiben zu müssen. Es ist vieles schon besser geworden, aber sie ist noch lange nicht frei.

Eine kritische Anmerkung
Angesichts dieses unglaublichen Vorfalls ließe sich nüchtern feststellen, daß das alles hysterischer Art ist und keineswegs ein Beweis für das Wirken Satans sein muß. Einverstanden. Wer kann zwischen Erwartungsängsten, Autosuggestion, konversionsneurotischen Symptomen und tatsächlichem Mitwirken geistiger Mächte immer unterscheiden? Und selbst der Tatbestand, daß die Tauferneuerung und die beharrlichen Gebete zur Besserung führen, ließe sich zurückführen auf ausschließlich psychologische Vorgänge. Allein schon das menschliche Bemühen um eine gestörte Person kann Heilung bewirken. Und weil das alles so und auch anders sein kann, darf niemand nur einseitig denken. Wenn nämlich Menschen im Zusammenhang mit okkulten Praktiken an Leib, Seele und Geist erkranken, und medizinische wie psychologische Methoden überhaupt nicht greifen - und das ist eine häufige Erfahrung -, dann scheint es mir unverantwortlich, das Befreiungsgebet oder auch notfalls den Exorzismus zu verweigern. Wer hier die verzweifelten Menschen penetrant an die überforderte Psychiatrie verweist, beweist seine eigene Hilflosigkeit und vermutlich auch seinen eigenen mangelnden Glauben an die Kraft und Wirkung der Gebete. Umgekehrt ist es abzulehnen, diesen Befreiungsdienst 32

ohne vorausgehende ärztliche Untersuchung zu beginnen, wobei es sehr nützlich ist, gläubige Ärzte zu konsultieren. Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, daß rasche und wirksame Heilung in der Regel nicht durch das Beten beliebiger Gebete gewährt wird, sondern vornehmlich durch das Befreiungsgebet, das jeder Priester beten kann, außer dem großen Exorzismus, der die bischöfliche Beauftragung benötigt. Problematisch kann allerdings das Anreden der vermuteten Dämonen sein (imperatives Beten), weil solches Reden Ängste, ja sogar Besessenheitssymptome suggerieren kann. Die weitaus meisten Hilfesuchenden sind, wenn überhaupt, um- und nicht besessen. Ich komme auf die Unterscheidung später noch zu sprechen. Daß die Heilung nicht allein durch die hörbare Suggestion geschieht (PlaceboEffekt), beweist die Wirkung auch im stillen Gebet; schließlich ist das weltweite Heer von unermüdlich tätigen Exorzisten nicht so dumm und einfältig, um nicht zu wissen, daß sich Menschliches und Göttliches vermischt. Gott bedient sich auch der psychischen Mechanismen und suggestiver Worte. Wenn Petrus sagt: »Schau mir in die Augen!« (Apg 3,4) oder wenn Jesus gebietet (Mk 1,27; 9,25 u.a.), dann setzt er seine göttliche Gnade auf die menschliche Natur, das heißt er weiß um die Wirkung suggestiver Worte. Es gibt keinen Grund, diese Bereiche stets zu trennen; es gelingt auch nicht. Nichts ist ausschließlich; es gibt die animistische und die spiritistische Erklärung. Eine andere Problematik ist die Möglichkeit, durch das Reden von dämonischer Besetzung dem Betreffenden Ängste einzuflößen und die Symptomatik zu verstärken, ja sogar erst zu induzieren. Hier muß der Priester klug vorgehen. Immer wieder muß ich

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zuerst einmal den Ratsuchenden in seiner eigenen mitgebrachten Diagnose dämpfen. Manchmal mache ich verschiedene Tests und Fangfragen, um die vermutete Diagnose abzuklären. Es gibt nämlich auch eine Sorte von Menschen, die eine dämonische Besessenheit als Alibi vorschiebt, so nach dem Motto: Ich kann ja nichts für meine negative Moral und mein lasterhaftes Leben, ich bin ja besessen. (Um einem Mißverständnis vorzubeugen: Dämonisch erzeugte Störungen müssen keineswegs ein Hinweis oder Beweis sein für ein unmoralisches Leben; wir wissen aus der Biographie vieler Heiliger, daß gerade gottesfürchtige Menschen bevorzugte Zielscheiben okkulter Angriffe sind. Es gilt zu unterscheiden zwischen selbstverschuldeten, durch okkulte Praktiken oder lasterhafte Lebensweise erzeugte Störungen und von Gott zugelassenen Prüfungen. Letzteres, nämlich die Frage nach dem Sinn des Leids, will und kann ich hier nicht beantworten. Leid dient zwar auch der Läuterung, aber diese Erkenntnis mag viele eher ärgerlich als froh stimmen.) Eines Tages kam ein Mann zu mir, der behauptete, besessen zu sein. Auf meine Frage, woher er das wisse, sagte er, zwei Religionslehrer der Freikirche hätten das festgestellt. Sie hätten auch über ihn gebetet, aber erfolglos. Da mich allzu sichere Aussagen mißtrauisch machen, und die Art und Weise seines Auftretens wenig überzeugten, testete ich erst einmal die Person. Ich sagte ihm also, daß ich jetzt einen Versuch machen wolle und still um Befreiung beten werde. (Ich wollte einen suggestiven Effekt provozieren.) Und siehe da, kaum hatte ich mit dem angeblichen stillen Gebet begonnen, fing er auch schon an zu toben und zu schimpfen. Er konnte es wirklich sehr beeindruckend. Als ich ihn fragte, weshalb er denn so schreie, gab er zur Antwort: »Ich kann das Gebet nicht ertragen, das ist immer 34

so, wenn jemand betet. Das zerreißt mich.« - »Wie kommt es denn, daß Sie jetzt so getobt haben, obwohl ich überhaupt nicht gebetet habe?« entgegnete ich. Darauf wußte er keine Antwort. Ich sagte ihm, daß er Theater spiele und im übrigen gehörige Aggressionen gegen seinen Vater habe (dies erwähnte er im Vorgespräch so nebenbei, so daß ich jetzt darauf zurückgriff); daß er sich am Vater rächen möchte, indem er mit dieser Masche ausgesuchte Vaterfiguren zu täuschen versuche und gleichzeitig seine Verletzungen auf Gott projiziere. Der Mann saß da wie ein Betonklotz. Das hatte ihm in dieser Deutlichkeit noch keiner gesagt. »Sie brauchen keinen Exorzismus, Sie brauchen eine vernünftige Psychotherapie! Und vor allem: Innere Heilung. Fangen Sie an, Ihrem Vater, der selber verletzt ist, zu vergeben. Sonst nutzen alle Gebete nichts.« Mit diesen Worten wagte ich einen hohen Einsatz, denn so ganz sicher war ich mir nicht. Aber ich schien seinen Nerv getroffen zu haben, denn im anschließenden Gespräch brachen alle seine Verdrängungsmechanismen zusammen. Ich gab ihm die Adresse eines Therapeuten aus seiner Heimat und entließ ihn. Täuschungsmanöver dieser Art kommen selten vor; für gewöhnlich melden sich Personen, denen von frommen Mitmenschen gesagt wurde, sie seien wahrscheinlich okkult besetzt. Oder die aufgrund eigener Beobachtung und Deutung zur Meinung gelangen, ihre Erkrankung sei nicht anders zu erklären. Gott sei Dank aber sind diese Ängste unbegründet; die meisten leiden schlichtweg an seelischen Verletzungen, unverarbeiteten Kindheitskonflikten, Einbildungen, organisch bedingten Psychosyndromen oder hysterischen Konfabulationstendenzen. Ich bin mir als klinischer Psychologe im klaren darüber, was die Einbildung alles vermag. Viele, die sich für Opfer 35

teuflischer Attacken halten, sind es nicht; sie haben irgendein Erlebnis gehabt, das nun zum Inhalt ihres Denkens wird; sie lesen und hören darüber, steigern sich aufgrund ihrer hohen Angstbereitschaft hinein, beten »auf Teufel komm raus« und verstärken sogar noch im Gebet das Gefühl des Dämonischen. Im Grunde aber sind sie schlichtweg unfähig, sich abzugrenzen und zur Tagesordnung überzugehen. Schließlich bekommt ihre Angst eine Eigendynamik, was wiederum von einem bestimmten Typus frommer Menschen als dämonisch gedeutet und mit weiteren Gebeten verstärkt wird. Am Ende tritt statt der erwarteten »Spontanremission« eine Abhängigkeit vom Priester bzw. vom Gebetsteam ein. Dieser kann sich dann kaum noch der vielen Telefonanrufe erwehren. Dennoch kommen wir nicht umhin, in seltenen Fällen auch eine magisch verursachte, durch okkulte Praktiken und durch Geistwesen hervorgebrachte Störung anzunehmen. Hier eine Unterscheidung und Entscheidung zu treffen, erfordert Sensibilität, Erfahrung, Fachwissen, Mut und vor allem das Gebet um den Heiligen Geist. Eine Kommission, die im Fall einer vermuteten Besessenheit zu unterscheiden hat, jedoch ohne tägliche Anrufung des Heiligen Geistes auszukommen meint, ist nicht kompetent.

Wenn der Segen wirkt, wirkt auch der Fluch
Viele können sich nicht vorstellen, daß Verfluchungen eine sehr schmerzliche und konkrete Wirkung haben können; sie verweisen dies in den Bereich der Phantasie, allenfalls lassen sie es noch für die primitiven Völkerstämme gelten (VoodooKult), beeilen sich aber, hierfür eine plausible 36

Erklärung zu haben. Die positive Wirkung des Segens hingegen stellt für sie kein Problem dar. Eigentlich ein Widerspruch und Ausdruck unseres gespaltenen Denkens. Dahinter mag auch die Angst vor der Ungeschütztheit gegenüber beliebigen Verwünschungen sitzen. Aber so einfach liegen die Dinge auch wieder nicht. In Deutschland arbeiten ca. 90000 Menschen im Bereich der Wahrsagerei, des Kartenlegens, der Zauberei (Hexerei), die steuerlich erfaßt sind. Ungefähr eine Million Deutsche glauben an die Wirkmacht von Hexen, und ca. 2 Millionen (Schätzung einer Journalistin) suchen in wirtschaftlicher Not und bei Krankheiten Hexenbanner, Wunderheiler, Besprecher auf. Als typische Gründe für das Aufsuchen von Magiern, die Verfluchungen aussprechen sollen, gelten Habsucht und Eifersucht. Mehr Frauen als Männer erteilen solche Aufträge oder beteiligen sich selbst an magischen Ritualen (Hexenzirkel, Satansmessen). Auch in sogenannten christlichen Buchhandlungen kann man hierzulande das bekannteste aller magischen Mittel kaufen, das 6. und 7. Buch Mose, das vermutlich im 16. Jahrhundert entstand und eine Menge Zauberformeln sowie Beschwörungsriten enthält. Es hat also mit Moses und mit der Bibel überhaupt nichts zu tun. Unter Anrufung des Teufels und unter Verwendung eines Fetischs will die schwarze Magie Schaden zufügen; unter Verwendung der drei höchsten Namen und verschiedener Bibelworte will die weiße Magie Vorteile und Heilung versprechen. Beide sind gefährlich, denn Magie will das Schicksal mittels magischer Sprüche und Handlungen beeinflussen, während der christliche Glaube sich Gott ausliefert und einfach vertraut. (Vgl. 1 Sam, 28,3-25, wo die Hexe von En-Dor im Auftrag Sauls den toten Samuel erscheinen läßt. Saul wird später für diesen Götzendienst schwer bestraft.) 37

Die Bibel verbietet ausdrücklich Magie: »Niemand soll Geister anrufen, Tote beschwören, Bannungen vornehmen ..., wer dies tut, ist mir ein Greuel.« (Deuteronomium 18,10f) Der häufigste Grund, Verfluchungen, Verwünschungen und dergleichen auszusprechen, sind Neid und Mißgunst, Eifersucht und Habgier. Typisch sind plötzlich auftretende Probleme, gehäufte Unfälle und geschäftliche Miseren nach irgendwelchen Erbstreitigkeiten oder verschmähten Liebschaften. Sicher läßt sich vieles auch psychologisch erklären im Sinn einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. In ihrem Haß wenden sich die benachteiligten Menschen an Hexen und Magier, um sich Vorteile zu verschaffen oder einfach sich zu rächen. Es ist immer wieder erstaunlich - auch der Schrecken kann faszinierend sein -, daß ausgesprochene Verfluchungen wirken, und man fragt sich nach dem Wieso und Warum. Da werden Talismane benutzt oder Gegenstände verschenkt, auf die ein Fluch gelegt ist; da werden sexualmagische Praktiken ausgeübt oder Puppen benutzt, die den Gegner darstellen, da werden kleine Zettelchen mit geheimnisvollen Zeichen versehen und jemandem zugeschanzt ..., die Phantasie reicht nicht aus, um sich diesen Wahnwitz vorzustellen. Der nüchterne Mensch wehrt sich dagegen und geht zur Tagesordnung über. Und das ist zunächst einmal durchaus richtig. Denn nur ein geringer Teil der ausgesprochenen Verfluchungen kommt zur Geltung. Und schon taucht die Frage auf: Wie kann ich mich vor solchen Schäden schützen? Oder: Könnte es sein, daß auch meine ständigen Fehlschläge und Kränkeleien Folgen einer Verwünschung sind? Ist denn mein Gebet nicht stärker als der lächerliche Fluch irgendeines Verrückten? 38

Es muß ja nicht immer eine bewußt ausgesprochene Verwünschung sein. Wer im Dauerhaß lebt und eine bestimmte Person am liebsten zum Teufel schicken will, projiziert sicherlich (auch unbewußt) eine Menge negativer Energie auf die andere Person, so daß irgendwann einmal die Wirkung zu spüren sein wird, vor allem, wenn das Opfer sensibel ist und jedwede Schwingung spürt. Das wäre eine ganz »natürliche« Erklärung für so manche unerklärliche Häufung negativer Momente. Dennoch komme ich nicht daran vorbei, mich dem Unerklärlichen zu stellen und die geistige Wirkung echter Verfluchungen anzunehmen, einfach aus der jahrelangen Erfahrung und aus dem biblischen Glauben heraus. Und weil unter Benutzung magischer Rituale die Auswirkung stets deutlicher ist und eine Aufhebung des Fluchs nur durch Gebet möglich ist. Die hl. Schrift spricht deutlich von diesen Dingen. Jesus selber verfluchte einmal einen Feigenbaum, weil er keine Früchte trug. Dieser Vorgang gibt uns Rätsel auf, weil es nicht die Zeit der Früchte war. Was wollte Jesus damit sagen? »In Ewigkeit sollst du keine Früchte mehr tragen!« Und augenblicklich verdorrte er. (Matth 21,19) Jesus betrieb keine Magie; sein Motiv war auch nicht eigennütziger Art. Wahrscheinlich wollte Jesus in diesem Gestus andeuten, daß Israel aufgrund seiner geistlichen Unfruchtbarkeit bestraft wird. Wer segnen kann, kann auch verfluchen, eine für uns nicht mehr verständliche Erkenntnis. Einmal forderte Jesus seine Jünger auf, den Staub von ihren Schuhen zu schütteln, wenn sie in einem Haus nicht aufgenommen werden. Dies ist ein Verfluchungsgestus (Matth 10,14). Paulus blendet für kurze Zeit einen Zauberer (Apg 8,20f), um ihn zur Umkehr zu bringen. Und in Offb 11,5 haben zwei Propheten die Macht, Feuer auf die Menschen 39

herabzurufen, wenn sie den Gehorsam verweigern. Im Unterschied zur dämonischen Verfluchung sollen diese Zeichen den Menschen nicht vernichten, vielmehr zum Glauben bringen und zum Gehorsam gegenüber Gott. Es gibt im Menschen Kräfte, die von einer analytischen Wissenschaft nicht aufgedeckt werden können; sie können durch Initiationsriten, durch Drogen, durch gewisse Techniken gefördert werden und sich zum Heil, aber auch Unheil entwickeln. Der Jesuit Josef Sudbrack warnt vor dem beliebigen Umgang mit den natürlichen magischen Kräften im Menschen: »... (es) besteht die Gefahr, daß die magischen Kräfte technisch benutzt, in eine kausale Welt eingeordnet und in einem weiten Maß dem Machtgewinn dienen sollen. Dort aber, wo der Mensch zugreifen will, pervertiert er allzu schnell die Natur in ihrer uns unbekannten Kraft. Die klassische christliche Warnung vor dämonischen Kräften kann sich als wirklichkeitsnäher erweisen als deren moderne - modern gewesene -Verharmlosung und Bestreitung.« Und weiter: »Die Ethnologen stimmen darin überein, daß die Naturvölker, die diesen Kräften noch näher stehen und auf die sich alle berufen, die Kräfte und Gewalten und Mächte der >Magie<, zu denen der Mensch Zugang bekommen konnte, dem allerletzten, dem ewigen Gott, untergeordnet haben. ... Niemals darf sie diesen Mächten und Gewalten abseits von Gott gelten.«10 Manche Leute haben Angst, wenn der Priester vom Satan spricht, von der Hölle und von der Verdammnis. Man sollte auch nicht zuviel darüber reden; aber dennoch sprach auch Jesus davon. Heutzutage haben viele Pädagogen und Seelsorger keinen Mut mehr, verbindliche Worte zu machen, zu warnen, auf negative Konsequenzen

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hinzuweisen. Sie fürchten um Sympathieverlust. So ist unsere Theologie ziemlich seicht geworden; die Hölle als frei gewählte Gottesferne ist ebenso abgeschafft wie das Strafgericht, von dem Jesus spricht. Nein, das alles ängstigt uns, und deshalb darf es nicht sein. Wir verkünden einen Wohlfühl-Gott, der stets großzügig über unsere Laster hinwegsieht. Doch wenn morgen Christus auf der Welt erscheinen würde, wie wir es ja alle Jahre im Advent herbeisingen, bekämen nicht wenige Leute Angst. Wir sollten es uns zur Gewohnheit machen, Freunde wie Feinde zu segnen; denn der Segen ist stärker als der Fluch. Und jeder Segen oder Fluch fällt auf den zurück, der ihn ausspricht. Jesus empfiehlt es ausdrücklich: »Segnet die, die euch verfluchen; tut Gutes denen, die euch hassen!« (Lukas 6,28)

Woran erkenne ich eine okkulte Belastung?
Unter okkult verstehen wir heute alle verborgenen, der rationalen Einsicht sich entziehenden Vorgänge, die sich im Bereich des Paranormalen oder auch des Spiritistischen ansiedeln; im christlichen Verständnis meint man heute damit auch den dämonischen Hintergrund. Ist die Störung von geistigen Wesen verursacht, also von Dämonen oder von gebundenen Seelen Verstorbener, greifen die üblichen medizinischen oder psychologischen Verfahren nicht. Umgekehrt: Haben die Gebete und geistlichen Mittel keinerlei Einfluß, kann man davon ausgehen, daß auch keine dämonisch bedingten Störungen vorliegen. Man kann also oft erst hinterher eine Diagnose stellen; insofern ist das Gebet um Befreiung diagnostisch einzusetzen. 41

Das befriedigt nun sehr wenig. Leider aber müssen wir in Zweifelsfällen immer wieder im Verbund mit Ärzten und Psychologen alle Möglichkeiten durchgehen und auch im Gebet um Erkenntnis ringen. Dabei helfen uns Menschen mit dem Charisma der Erkenntnis und Unterscheidung, die ihrerseits geprüft werden müssen, will man nicht einem Irrtum auf den Leim gehen. Das alles ist nicht einfach. Paulus spricht zu Recht, daß wir »die Dinge nur verschleiert sehen wie in einem schlechten Spiegel« (1 Kor 13,12). Was gäbe ich darum, wenn wir einfach im Namen Jesu Christi gebieten würden und das Problem wäre aus der Welt. Manchmal sind die Sitzungen langwierig, das Beten endlos, die Wiederholungen mühsam, der Fortschritt schleppend. Daß am Ende Gott der Sieger ist und der Kranke endlich befreit ist, freut jeden. Aber anstrengend ist es schon. Ich habe mich nicht um diesen Dienst gerissen. Die Tatsache aber, daß in den letzten Jahren immer mehr verzweifelte und alleingelassene Menschen zu mir kommen, zwingt mich zum Handeln. Ich gäbe viel darum, wenn die Bischöfe endlich genügend Priester mit diesem wichtigen Dienst beauftragen würden. Ich komme mir vor wie ein Arzt, der sich mit dem Notfallköfferchen (Befreiungsgebet) behelfen muß, weil der Operationstisch (Exorzismus) entfernt wurde. Die Erfahrung zeigt, daß die Länge des Heilungsprozesses von vielen Faktoren abhängt: von der Dauer und Tiefe der okkulten Verstrickungen, von der Lebensweise des Betreffenden, von seiner Bereitschaft, wirklich alles loszulassen und sich ganz Gott hinzugeben, auch von der psychischen und geistlichen Verfassung des Priesters. Die Symptomatik okkulter Störungen ist vielschichtig, diffus und ähnelt klinischen Krankheitsbildern. Es gibt stets Überschneidungen. Wenn Widerstand gegen alles Göttliche, 42

Lästerzwang, mediale Fähigkeiten, sexuelle Perversionen, Heilsungewißheit, ichbezogene Frömmigkeit mit Übertreibungen, Stimmenhören (bei geistiger Gesundheit) oder/und flottierende (schwebende, nicht begründete) Ängste vorliegen, sollte man hellhörig werden. Nie ist es nur ein Symptom, stets sind es mehrere zugleich. Unruhe sowie das subjektive Empfinden, irgend etwas blockiere oder bedrücke, können durchaus Hinweise sein. Eine okkulte Belastung kann dann angenommen werden, - wenn sich der Betreffende auf irgendwelche magischen Praktiken eingelassen hat. Dazu gehören spiritistische Sitzungen, Anrufungen von Geistern, Totenbeschwörungen, Zauberei, Blutsverschreibungen, - wenn er sich esoterischen Zirkeln und Geheimbünden verpflichtet fühlt, die meist medial und spiritistisch arbeiten; - wenn er zur Wahrsagerei, zum Pendeln und Besprechen Zuflucht nimmt und sich solchen Menschen anvertraut. Bezüglich Pendeln und Besprechen muß ich differenzieren: Wer tut dies wie und wozu? Es ist möglich, daß das Pendel in den Fingern verantwortlicher und sensitiv begabter Menschen durchaus diagnostischen Wert hat; wo immer aber prognostisch, also zukunftsweisend gearbeitet wird, melde ich Bedenken an. Ebenso kann mit dem Besprechen ein ganz normales Beten gemeint sein; wo aber Geheimformeln benutzt werden oder Gott nicht der Adressat ist, rate ich, die Finger davon zu lassen; - wenn in der Familie spiritistische oder satanische Praktiken vollzogen wurden. Eine negative Übertragung auf unbeteiligte Familienmitglieder ist häufig zu beobachten; 43

- wenn ihm Leute Zettelchen mit Geheimformeln, Amulette und andere »eigenartige« Dinge zum Aufbewahren geben. Auch der Besitz satanischer Zauberbücher ist problematisch. Daraus läßt sich nicht schließen, daß eine Störung zwingend eintreten wird; sie kann folgen. Des weiteren lehrt uns die Erfahrung, daß auch die Praktiken anderer Familienmitglieder, auch der unmittelbaren Vorfahren, zu Störungen führen können. Hierzu lese man das sehr aufschlußreiche Buch des englischen Arztes Kenneth McAll: Familienschuld und Heilung. Die Betroffenen haben das Gefühl, irgendwas sei um sie herum. In seltenen Fällen können Verstorbene erscheinen, wie wir von vielen glaubwürdigen Berichten wissen. Gott erlaubt ihnen dies, damit wir für sie beten; denn mit dem Tod hört die Gemeinschaft und das Füreinanderdasein nicht auf. Die Bibel erwähnt einmal das Gebet für die Toten (2 Makk. 12,42) und die Erscheinung der Toten in Jerusalem (Matth 27,53). An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, daß es auch das Phänomen der Anklammerung von Seelen Verstorbener gibt, das heißt, diese Seelen suchen Hilfe und heften sich an Menschen.11 Dies alles ist nun kein Grund zu übertriebener Sorge und Ängstlichkeit. Gewiß, wer von Natur aus zu Ängstlichkeit neigt, wird überall Geister wittern und jede unerklärliche Funktionsstörung dem Wirken böser Mächte zuschreiben. Bevor wir auch nur annähernd von einer möglichen okkulten Belastung sprechen können, müssen alle legitimen Mittel der Medizin und Psychotherapie ausgeschöpft worden sein; es sei denn, die Sachlage ist so eindeutig, daß man sofort zum Befreiungsdienst übergehen kann. Aber auch 44

dann kann es geraten sein, die Mitarbeit gläubiger Ärzte und Psychologen miteinzubeziehen. Ungläubige Fachleute können zu einem Problem werden, weil vieles eben nur der »geistliche« Mensch erkennt, wie Paulus schreibt. Wären im Fall Klingenberg wirklich gläubige Ärzte und Psychologen zu Rate gezogen worden, hätte er wahrscheinlich einen anderen Ausgang genommen. Nicht die beiden Priester oder die Eltern trugen Schuld am Tod der Anneliese Michel, sondern die Ärzte, die von einer Seitenschläfenepilepsie sprachen und mit hohen Dosen Tegretal erfolglos therapierten. Die wirklichen Hintergründe in diesem Jahrhundertfall zeigte die übrigens nicht katholische Wissenschaftlerin Prof. Goodman in ihrem brillanten Buch »Anneliese Michel und ihre Dämonen« in einer sehr gründlich recherchierten und bis ins Detail dokumentierten Weise.12 Im Kampf gegen das Böse darf nicht vergessen werden, daß der Teufel schon besiegt ist durch Tod und Auferstehung jesu. Deshalb gibt es keinen Grund zur Furcht, sondern zur Freude. Des weiteren: Die Macht des Teufels ist begrenzt; sein Wirken unterliegt der göttlichen Erlaubnis, wie wir aus dem Buch Jjob wissen (Jjob 1,12). Auch diese Erkenntnis wirft viele Fragen auf: Warum ist das alles so? Wie haben wir uns diese Welt der Dämonen und Engel vorzustellen? Wie steht es um die Barmherzigkeit Gottes? Wir haben ein viel zu kleines Hirn, um den vollen Sinngehalt zu verstehen. Es ist das klügste, sich nicht mit dem oberflächlichen Augenschein dieses »Skandals« herumzuschlagen, sondern auf die gerechte Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen. Er ist die Liebe; und er macht keinen Fehler.

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Einige seltsame Fälle
Die hier beschriebenen Vorkommnisse stammen aus meiner Seelsorgepraxis. Ihre Darstellung verletzt nicht die gebotene Schweigepflicht, zumal ich die näheren Umstände derart geändert habe, daß die betreffenden Personen nicht erkannt werden können, dennoch bleibt der Sachverhalt authentisch. Fall 1: Frau V. klagt unter häufig schwindendem Bewußtsein, Müdigkeit und exzessiven Wutausbrüchen gegenüber Gott. Sie hat das Gefühl, ihr Wille sei gebunden, gelähmt, ihr Körper verkrampft. Seit ihrer Kindheit sieht sie ständig dämonische Gestalten; mit 12 Jahren wurde sie überfallen; seitdem kamen Überfälle, Vergewaltigungs- und Mordversuche wiederholt vor. Ärztliche Untersuchungen ergaben nichts; mehrere Sitzungen bei einem Psychologen attestierten ihr eine verängstigte, ansonsten normale Psyche und eine ebenso normale geistige Gesundheit. Ihr Vater praktizierte satanische Riten; ihre Mutter war Anhängerin des Wicca-Kultes 13. Frau V. ist der Ansicht, dämonisch gebunden zu sein. Jedesmal, wenn sie im Gebet und mit Hilfe geistlicher Personen die Hintergründe ihres Zustandes zu erforschen sucht, gibt es fürchterliche Angriffe in Form von Unruhe, Schütteln, Verkrampfungen und Schmerzen. Vor ihren geistigen Augen sieht sie ständig eine Schlange, manchmal einen Drachen. Sie kann auch bei anderen Menschen negative Ausstrahlungen »sehen«. Ich begleitete sie über einige Wochen mit Gebet und stellte fest, daß nach anfänglicher Symptomverstärkung 46

eine Besserung eintrat, und zwar verschwanden zuerst die Wutausbrüche, dann die Bewußtseinstrübungen, zuletzt die »Gesichter« von Schlange und Drachen. Geblieben ist die Fähigkeit, bei anderen dämonische Belastungen zu erkennen. Fall 2: Herr O. ist Jurist mit großem Interesse für paranormale Phänomene. Eines Tages gibt ihm ein Bekannter unaufgefordert ein Buch, dessen Titel hier unerwähnt bleiben soll. Es handelt sich um ein Produkt aus der Satansszene, in dem magische Beschwörungen und Rituale zur Bindung oder Schädigung von Menschen zuhauf geboten werden. Herr O. liest es aus reiner Neugier, und seitdem, so sagt er mir am Telefon, habe er unerklärliche Kältegefühle, schwere Störungen, auch Suizidgedanken, die ihn arbeitsunfähig machten. Ich versuchte ihn zu beruhigen, indem ich auf die natürliche Erwartungsangst hinwies, die sich bei Lektüre solcher Bücher aufbauen kann. Doch Herr O. war nicht zu überzeugen. So naiv sei er nicht, daß er nicht auch die psychologische Seite seines Problems betrachtet habe. Er sei ja nicht besonders religiös gewesen bisher, aber nun wolle er sich doch einem Priester stellen, nachdem alle konsultierten Arzte am Ende ihrer Weisheit seien. Er habe intensiv gebetet, doch tue sich nichts. Ich bat den Mann zu mir und ertappte mich zum zigsten Mal bei der Frage, weshalb die Gebete der Betroffenen kaum die erhoffte Besserung brachten und warum das alles so kompliziert sein muß. Ich wollte auch nicht mit langwierigen psychologischen Tests und einer endlosen Anamnese kommen, um vielleicht doch noch »vernünftige« Erklärungen für sein Problem zu finden; also sparte ich mir die Zeit und fing sofort mit dem Befreiungsdienst 47

an. Wie immer gedachte ich anderntags in der Eucharistiefeier auch dieses Mannes und betete den Rosenkranz, den Himmel beschwörend, diesem ganzen okkulten Mist ein rasches Ende zu bereiten. Das Ende kam. Einige Tage später ging er wieder zur Arbeit. Und dann kam der Rückfall. Und wieder Gebet. Erst nach Rückgabe des Buches verschwanden die Symptome. Ich gebe zu, dieser Fall klingt abenteuerlich, geradezu unglaublich. Ich habe keine Erklärung dafür. Fall 3: Frau S. suchte einen Geistheiler auf, bei dem sie sich Heilung von ihren Schmerzen erhoffte. Der legte ihr die Hände auf und teilte ihr mit, daß er ihr von nun an Heilkräfte gedanklich schicken würde. Frau S. empfand nun alles andere als Heilkräfte; sie begann des Nachts Schatten zu sehen, fühlte sich wie ausgesogen, bekam am Körper weiße Flecken, und im Gesicht wuchsen ihr Haare. Als sie daraufhin den Geistheiler telefonisch zu erreichen versuchte, blieb dieser unerreichbar. Eine Anzeige bei der Polizei verlief ebenso erfolglos. Ich fragte mich, was denn der Geistheiler davon haben könnte, eine Klientin derart zu schädigen oder an sich zu binden. Geschah es aus finanziellem Interesse? War alles nur Einbildung? Wollte er Macht demonstrieren? Was hat er wirklich getan? Fragen über Fragen, die nicht geklärt werden können. Fall 4: Ein junger Mann, K., spürt seit zwei Jahren schlimme Plagen körperlicher und seelischer Art: Im Spiegel sieht er dämonische Gestalten; in der Wohnung riecht es mal nach Katzenurin, mal nach Abwasser oder nach Kot, dann wieder nach Schweinestall und Kuhmist. Am Fenster im 2. Stock klopft es öfter; knarrende Geräusche sind auch von den Besuchern zu hören. K. ist nicht psychotisch, 48

auch nicht hysterisch. Ärzte der Psychiatrie in G. erklärten ihm, es gäbe für all das keine medizinische Hilfe; er möge sich an die Kirche wenden. Sein Pfarrer ist hilflos und fragt im Ordinariat an. Dort weiß man auch nicht weiter. Schließlich verweist ihn ein Pater an mich. Die Tatsache, daß K. mit 14 Jahren sämtliche Drogen durchkonsumiert hatte, erklärt vielleicht manches, aber nicht alles. Längst drogenfrei, stellten sich die oben beschriebenen Symptome ein. Ein Jahr später wird er frei, nachdem er selber täglich das Gebet nach Leo XIII betete und sein Leben Gott übergab. Fall 5: Rolf ist Slowake und 15 Jahre alt. Seit einem halben Jahr hörte er schimpfende Stimmen und bekommt fast täglich große Anfälle mit Zittern, Herumschlagen und Schreien; er weiß, was er tut und sagt, kann es aber nicht steuern. Diese Anfälle dauern zwischen 2 Minuten und 2. Stunden. Während des Anfalls reagiert er auf Weihwasser und Reliquien sehr aggressiv, aber nicht immer. Bei mehreren Sitzungen besprenge ich ihn auch mit ungeweihtem Wasser, was ebenfalls seine Attacken verstärkt. Diese Anfälle können beliebig oft provoziert werden, sofern man von Dämonenaustreibung spricht bzw. sagt: »Gott, befreie den Rolf von allen Mächten der Finsternis ...« Zwei Personen müssen ihn festhalten; denn er schlägt um sich und vermischt sein Schreien mit hämischem Gelächter. Vom äußeren Gehabe her glaubt der Unerfahrene, einen vom Teufel besessenen jungen Mann vor sich zu sehen. Doch die Anamnese erlaubt andere Schlüsse: Es fällt nämlich auf, daß er ein angepaßter, braver und frommer Mensch ist, dessen Eltern sich getrennt haben, als er 9 Jahre alt war. Seitdem lebt er bei seiner älteren Schwester, die ihn überfürsorglich behütet und einengt. Da Rolf aber 49

gelernt hat, alles zu schlucken, wehrt er sich nicht. Doch leidet er unsäglich unter dieser gutmeinenden Bemutterung. In seinen Anfällen greift er immer wieder seine Schwester an, wünscht ihr alles Böse und hetzt dann, aber nur dann, auch gegen alles Religiöse. Man muß wissen, daß seine Familie immer sehr fromm war und ist. Als ich ihm sagte, daß seine Probleme nicht dämonischer, sondern psychischer Art seien, war er geradezu beleidigt. Die Schwester meinte, ihm könne nur ein großer Exorzismus helfen. Daß sich die beiden gegenseitig aufschaukeln und ihr Wohlbefinden voneinander abhängig gemacht haben, daß sie Aggressionen wegbeten und er, Rolf, sie nur in der »dämonischen Attacke« rausläßt, war ihnen nicht einsichtig. Hier brauchten beide eine Psychotherapie, um von der schädlichen Symbiose wegzukommen und wieder Zugang zu den verschütteten Gefühlen zu finden.

Umsessenheit, Besessenheit oder Hysterie?
Die Unterscheidung zwischen seelisch oder organisch bedingten Erkrankungen und den durch geistige Wesen verursachten Störungen ist nicht einfach und bedarf sowohl ausreichender Fachkenntnis auf beiden Gebieten als auch der »Gabe zur Unterscheidung der Geister«, von der Paulus spricht (2 Kor 12 und 14). Wir beginnen somit ein schwieriges Unterfangen. Wahre Wissenschaft besteht darin, über die Grenzen des wissenschaftlich Beweisbaren nachzudenken und sich nicht in die Behauptung zu versteigen, jenseits des Empirischen gäbe es nur Phantasie, Willkür und Täuschungen. Klaus Berger, Professor für Neutestamentliche Theologie in Heidelberg, schreibt in seinem Buch »Darf man an 50

Wunder glauben«: »Die ... kirchenfeindlich gewordene halbe Aufklärung hat ihr genaues Spiegelbild in der notorischen Unfähigkeit der Deutschen, sich Fremdes und Andersartiges ... überhaupt vorstellen zu können.«14 Solange die medizinische, psychologische und theologische Ausbildung die Auswirkung der geistigen Welt auf den Menschen außer acht läßt, insbesondere die Möglichkeit eines dämonischen Wirkens leugnet, kann sie die vielgepriesene Ganzheitlichkeit ihrer Heilkunst an den Nagel hängen. Sie bleibt einseitig, rein funktional, ausschließlich empirisch und somit oberflächlich. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß sich die Krankheitsbilder überschneiden und nicht eindeutig zuzuordnen sind. Erst aus dem Vorleben der betreffenden Person, aus den Ursachen der krankhaften Symptome und schließlich aus der Reaktion, die ein Befreiungsgebet hervorruft, kann man Schlüsse ziehen. Wenn dann die abgestimmten Therapien durch ärztliche wie psychologische Fachkräfte nicht greifen, sogar entgegengesetzte Wirkungen erzeugen, sind dies mögliche Kriterien für eine Unterscheidung. In Fällen, in denen eine dämonisch bedingte Erkrankung angenommen werden kann, fehlen oft die Zusammenhänge; Ursache und Wirkung scheinen keinen Sinn zu ergeben. Die Symptome treten plötzlich auf und verschwinden nach dem Befreiungsgebet ebenso plötzlich; die Medikamente wirken nicht; hinzukommen seltsame, mitunter groteske Effekte, die der Patient nicht kontrollieren kann, z. B. plötzliches Schütteln und Zittern (ähnlich dem Parkinson-Syndrom), ruckartiges Hochwerfen des Kopfes, Abwehrreaktionen gegenüber geweihten Gegenständen oder umgekehrt: zwanghaftes Beten müssen, manchmal unter demütigenden und entwürdigenden

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Körperhaltungen, unerklärliche Ängste und zusätzlich weitere Symptome, die unter die Diagnose Hysterie, Schizophrenie, endogene Depression oder psychovegetatives Psychosyndrom eingereiht werden können. Diese geballte Symptomatik kommt selten vor; viel schwieriger ist die Unterscheidung bei Störungen mit weniger krassen Ausformungen, wenn z. B. lediglich das subjektive Empfinden einer unerklärlichen deprimierenden Stimmung vorhanden ist. Die Ärzte finden keinerlei organische (hormonelle) Störung, verschreiben aber, wohl auch aus einer gewissen Hilflosigkeit heraus, und um den Patienten zu beruhigen, ein Antidepressivum. Hier muß man sich das Vorleben, die Begleitumstände, die religiöse Praxis des Patienten anschauen, um einen möglichen Verdacht auf okkulte Hintergründe abzuklären. Wir alle werden mehr oder weniger stark von Versuchungen und gelegentlichen Attacken durch dämonische Wesen gepeinigt (obsessio = Bedrängung). Und immer wieder fallen wir auf sie herein. Diese Versuchungen sind normal und gehören zum Bestandteil der geistlichen Prüfungen und Abhärtungen. Wer in Schuld fällt, soll wieder aufstehen, um Vergebung bitten und zur Tagesordnung übergehen. Manche Menschen erleben Phasen stärkerer Angriffe und sind irritiert, weil die Symptomatik nicht richtig einzuordnen ist. Sie fühlen sich irgendwie eingeengt und teilweise auch bedrängt, buchstäblich von unsichtbaren Wesen umlagert. Diese Form nennt man Umsessenheit (Circumsessio). Ganz selten kommt die dritte dämonische Störung vor: die Besessenheit (Possessio). Sie hat sehr deutliche Merkmale: 1. Der Betreffende ist im Besitz von Kenntnissen und Fähigkeiten, die er von sich aus nicht haben kann (Hell52

sichtigkeit, übermenschliche Körperkraft, nicht gelernte Fremdsprachen ...). 2. Er zeigt ein anhaltendes, zusammenhängendes Handeln, in dem eine zweite, neue Persönlichkeit spürbar wird (veränderte Stimme, abnorme anatomische Fähigkeiten). 3. Er zeigt im moralischen Charakter eine unerklärliche Veränderung (trotz aller sonstigen Frömmigkeit und Beherrschung plötzliche Ausbrüche von Flüchen, unflätigen Bemerkungen, Aggressionen ...). Jeder Punkt allein genommen reicht nicht aus, um von Besessenheit sprechen zu können. Außerdem gibt es partielle Besessenheiten, das heißt die Symptomatik bewegt sich in der Grauzone zwischen Um- und Besessenheit und ist vielschillernd. Punkt 1 könnte eine reine paranormale Begabung sein, die keineswegs immer den Dämonen zuzuschreiben ist. Punkt 2. entspräche einer gewöhnlichen Schizophrenie. Und Punkt 3 könnten auch die Schattenseiten eines Gewohnheitssünders sein, der sich trotz eines gewissen Gebetslebens dem Laster hingibt. Deshalb müssen alle Punkte gemeinsam vorhanden sein, will man von der schwerwiegenden Diagnose »Besessenheit« sprechen. Der Psychiater Dr. W. Lechler charakterisiert sie so: »Wir verstehen unter Besessenheit die Innewohnung eines Menschen durch einen Dämonen und dessen zeitweilige Einwirkung auf das menschliche Denken, Fühlen und Handeln.« Das Erkennen ist nur vom Glauben erfaßbar und braucht die Bestätigung durch erfahrene Theologen, Mediziner und Psychologen. Während der Schizophrene die Stimmen als innere, zu ihm gehörende Vorgänge wahrnimmt, begreift sie der Be- oder Umsessene als Ausdruck eines Fremdwesens. Außerdem 53

ist er ansprechbar in dieser Krise, während der echte Psychotiker, auch der Epileptiker während der Krise nicht ansprechbar ist. Da die Krankheitsbilder vielschillernd sind und wechseln können, werden sie oft der Hysterie zugeordnet, eine diskriminierende Diagnose, die von Laien meist mit falschen Vorstellungen verbunden ist. Das Wort stammt aus dem griechischen und heißt »Gebärmutter«. Es herrschte unter den antiken Ärzten die Meinung, daß gewisse auffällige Verhaltensweisen bei Frauen auf eine kranke, wandernde Gebärmutter zurückzuführen seien. Heute steht fest, daß auch Männer hysterisch werden können. Psychogene Anfälle wie die häufige Hyperventilationstetanie, motorische Dysfunktionen, Bewußtseinsstörungen, Dämmerzustände zählen dazu. Die Sexualität ist praktisch bei allen gestört. Der hysterische Mensch nimmt zwar die Wirkung seiner eigenen Gefühle wahr, die sich in Symptomen wie Wahnvorstellungen, Gedächtnisstörungen, Affektausbrüchen, Sinnesstörungen, Lähmungen manifestieren können, ohne jedoch diese Gefühle erkennen zu können. Bei der Besessenheit ist sich der Patient zwar seiner Gefühle bewußt, erlebt jedoch nicht die damit verbundenen Ängste und vermag ihre Auswirkungen nicht angemessen einzuschätzen. Der Laie stellt sich den Hysteriker als einen schreienden, herumfuchtelnden, effektvoll auftretenden »Schauspieler« vor. Damit erfaßt er aber nur einen Teil des Erscheinungsbildes. Daß der hysterische Mensch den Zuschauer braucht, ist richtig erkannt. Damit wird man aber dem Kranken nicht gerecht; denn ein beachtlicher Anteil der Hysterie liegt in der sogenannten Konversionsneurose, d.h. eine verdrängte, unbewußte seelische Problematik 54

(Schuld, Angst) äußert sich sichtbar in einer körperlichen oder organischen Störung. Ein junges Mädchen fällt ständig in Ohnmacht, wenn es sich irgendwelchen Konflikten mit dem Freund oder mit den Eltern ausgesetzt fühlt. Nach der Ohnmacht wagt niemand mehr, sie mit dem auslösenden Konflikt zu konfrontieren. Und genau das ist auch ihre Absicht. Die Ohnmacht ist keineswegs gespielt; sie ist echt. Aber sie ist Vermeidungsstrategie. Schon nach der ersten therapeutischen Sitzung verschwinden die Ohnmachtsanfälle und machen Platz einer morgendlichen Übelkeit bis hin zum Brechreiz. Der Symptomwechsel ist typisch. Ein Mann machte sich schuldig, indem er als Jugendlicher seinen Vater schlug. Im Lauf der Zeit wurde seine rechte Hand gelähmt; sie versagte ihm den Dienst. Dieser Vorgang kam einer unbewußten Selbstbestrafung gleich. Erst der Prozeß der Versöhnung führte zur Heilung. Typisch für Hysteriker ist auch die rasch wechselnde Symptomatik, so daß öfter auch die Diagnose »psychovegetative Störung« gestellt wird. Inzwischen ist man gar nicht mehr so einig in der Beschreibung und Abgrenzung hysterischer Erkrankungen. Um Diskriminierungen zu vermeiden, die immer noch mit diesem Etikett verbunden sind, weicht man auf andere Diagnosen aus: Somatisierungsstörung, dissoziative Störung, histrionische (schauspielernde) Persönlichkeit. Allgemein läßt sich sagen, daß der hysterische Charakter geltungssüchtig ist. Nicht akzeptable Umwelteindrücke, auch Schuldgefühle und Frustrationen werden vehement abgewehrt durch Ausblendung in der Wahrnehmung, in der Erinnerung, durch Verwandlung in körperliche Signale, wobei stets auch die eigene Hilflosigkeit demonstrativ herausgestellt wird. 55

Durch Identifizierung gelingt es dem Hysteriker, in perfekter Weise Krankheitsbilder zu übernehmen; denn er zeichnet sich aus durch einfühlende Begabung, Sensibilität und schauspielerische Fähigkeit. Die ständig wechselnde Symptomatik weist auf die Angst hin, für den Fall einer völligen Gesundung für die Mitwelt bedeutungslos zu werden. Meines Erachtens läßt sich der Hysteriker vom wirklich okkult Erkrankten ziemlich rasch abgrenzen. Jeder dämonisch attackierte, umsessene oder besetzte Mensch reagiert über kurz oder lang auch auf Ferngebete, von denen er nichts weiß. Hierbei ist also ein möglicher Suggestionseffekt ausgeschlossen. Daß hier nur die gezielten, für diesen konkreten Menschen zugedachten Gebete wirken, und zwar beharrlich und regelmäßig gesprochen, ist eine wichtige Erfahrung aller, die im Dienst der Befreiung und Heilung stehen.

Auch Gesunde können Stimmen hören
Menschen, die Stimmen hören, werden rasch an die Psychiatrie verwiesen. Immer noch herrscht die Meinung vor, dieses Symptom sei eine akustische Halluzination und der Schizophrenie zuzuordnen. Doch weitaus mehr Nichtschizophrene hören Stimmen in ihrem Kopf als man bislang vermutet hatte. Der Maastrichter Sozialpsychiater Marius Romme hat dieses Phänomen jahrelang untersucht, zusammen mit der Journalistin Sandra Escher.15 Ein Aufruf im niederländischen Fernsehen, es mögen sich alle melden, die Stimmen hören, brachte überraschende Reaktionen. 450 Betroffene meldeten sich, die unter ihren Stimmen litten; 56

viele hatten Strategien entwickelt, damit zu leben. Wer sich mit seinen Stimmen arrangierte, sie also akzeptierte oder nur selektiv hinhörte, erlebte sie positiver, selten aggressiv oder befehlend. 72% dieser gelassenen Stimmenhörer hatten das Empfinden, daß ihr eigenes Ich stärker als die Stimmen sei; auf der Seite derer, die die Stimmen nicht akzeptierten, waren es nur 38%. Sie versuchten meist erfolglos, sich von diesen Stimmen abzulenken. Die anderen hörten nur selektiv hin und zwar dann, wenn sie etwas Positives zu sagen hatten. Mancher betrachtete sie als innere Helfer. Romme verglich die als schizophren diagnostizierten Menschen mit denen, die nie mit der Psychiatrie in Kontakt kamen. Ergebnis: Die »Schizophrenen« empfanden ihre Stimmen als lästig und hatten auch Angst davor. Die psychiatrische Abteilung der Hamburger Uni-Klinik glaubt erkannt zu haben, daß bei diesen Stimmenhörern weniger das Hör- als das Sprachzentrum aktiviert ist. Aus unbekannten Gründen jedoch scheint das Gehirn nicht unterscheiden zu können, ob das Sprechen eine Eigenproduktion ist oder aus der Außenwelt stammt. Wenn dem so ist, handelt es sich beim Stimmenhören um eine unspezifische Funktionsstörung, die auch bei Nichtpsychotikern auftreten kann. Leider wurde nicht untersucht, inwieweit verdrängte Aggressionen, Ängste oder Schuldgefühle zum Stimmenhören führen können; denn viele dieser Betroffenen empfinden die Stimmen als eine (un)moralische Instanz, die über ihre Taten schimpft, über andere Leute, auch über Gott lästert, zu Autoaggressionen (Selbstbestrafungen) verführen will oder im harmlosen Fall jede banale Handlung kommentiert. Wir müssen also auch die Möglichkeit abgespaltener Gefühle erwägen. Diese verdrängten Empfindungen 57

können sich bei besonders sensiblen und überangepaßten Personen als Stimmen manifestieren, ohne daß immer eine schizophrene Erkrankung vorliegen muß. Fehlen nämlich alle anderen Symptome, wie z. B. leibliche Beeinflussungserlebnisse, Gedankenentzug, taktile und optische Wahnwahrnehmungen u. a., ist es nicht einzusehen, die schwerwiegende Diagnose »Schizophrenie« zu bemühen. Unser ganzes Tun ist von Affektiv-Vegetativ-Triebhaftem begleitet. Starke Emotionen und Triebregungen können es bestimmen, im Extremfall werden wir von der Leidenschaft im Guten wie im Bösen fortgerissen. Es ist nicht immer einfach, die Grenze zwischen normal und abnorm zu ziehen. Es gibt die Möglichkeit, daß einer Stimmen hört (die andere nicht vernehmen), weil er schizophren ist, weil er eine unspezifische Funktionsstörung hat, weil er Aggressionen und Ängste abspaltet, oder weil er tatsächlich von dämonischen Wesen gequält wird. In diesem Fall aber müssen noch andere Symptome hinzutreten, will man nach Abklärung medizinischer Fragen von einer Umsessenheit sprechen. Inzwischen haben sich die Stimmenhörer zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Ihre provisorische Geschäftsstelle befindet sich in 20246 Hamburg. Anschrift: SPA, Uni-Klinik Eppendorf, Martinistr. 52.

Zur Gabe der Erkenntnis und Unterscheidung
Es ist nicht immer möglich, mit dem menschlichen Verstand allein die verschiedenen Krankheitssymptome zu unterscheiden und dämonisches Wirken abzugrenzen von rein psychischen Mechanismen. Erfahrungen, Fachkenntnisse 58

und kritisches Hinterfragen von Beobachtungen vermögen viel, aber nicht alles. So ist der Mensch ganz besonders auf dem hier beschriebenen Gebiet angewiesen auf übernatürliche Gaben, das heißt Gaben, die der Geist Gottes ihm schenkt. Paulus schreibt im ersten Korintherbrief ausführlich von solchen geistgewirkten Gaben (Charismen), die der Mensch von Gott erbitten sollte (1 Kor 12,31). »Einer erhält die Gabe, göttliche Weisheit zu verkünden, der Andere, Erkenntnis Gottes zu vermitteln. Der Geist ermächtigt den einen, Wunder zu tun, den anderen macht er fähig, von Gott Weisungen zu erhalten; wieder ein anderer kann unterscheiden oder bekommt die Gabe, zu heilen .. . «(12,8f) Wie aber kann jemand von sich sagen, er habe die Gabe der Erkenntnis oder der Unterscheidung? Könnte er sich nicht auch täuschen und Wunschdenken zum Denken Gottes machen? Auch hier ist der Blick auf das geistliche Leben des Betreffenden wichtig: Wie lebt er? Welche psychische Verfassung hat er? Wie glaubwürdig ist diese Person? Und: Haben sich im nachhinein seine Erkenntnisse bestätigt? Das göttliche Charisma baut auf der menschlichen Natur auf. Deshalb wird die Gabe der Erkenntnis in der Regel einfachen, bescheidenen Menschen geschenkt, die eine gesunde, unverdorbene Urteilskraft haben. Ich kenne zwei Männer und fünf Frauen, die eine solche Gabe haben und sich bis jetzt bewährten. Sicher können sie sich auch irren und die Bilder, die sie im Gebet erhalten, falsch deuten. Deswegen dienen die im Gebet geschenkten Erkenntnisse als Orientierungshilfe; sie haben keinen zwingend verbindlichen Charakter. Diese mir bekannten Personen erfassen aus einer inneren geistlichen Klarheit heraus die zu prüfende Situation, erhalten Bibelworte,

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Hinweise auf die Ursachen einer Erkrankung und auch therapeutische Wegweisungen. Ein Arzt schickt einen Patienten zu mir, der als übertherapiert gilt, das heißt er hat alles versucht, was möglich ist, aber ohne Erfolg. Dieser Mann litt unter ständig wechselnden organischen Funktionsstörungen, die ihm zuerst als »somatisierte Depression« vorgestellt, später in einer psychosomatischen Klinik als »vegetative Dysfunktion bei hysteroider Persönlichkeitsstruktur« ausgelegt wurden. Die folgenden Kliniken übernahmen weitgehend diese Diagnose, und schließlich wurde er als therapieresistent entlassen. Ich bin nicht klüger als meine ärztlichen Kollegen und wußte auch keinen Rat. Schließlich wandte ich mich an meine geistbegabten Mitarbeiterinnen und bat um Hilfe. Sie »sahen« eine Seele, die sich an diesen Mann klammerte. Es wurde ihnen die Erkenntnis gegeben, daß dies die Seele seines Bruders war. Die Heilung des Patienten war gekoppelt an die Befreiung dieser Seele; dazu bedurfte es intensiver Gebete. Das Phänomen der sich anklammernden Seelen war mir nicht unbekannt. Die Kirche betet täglich und in allen Eucharistiefeiern für die Verstorbenen. Wieso brauchte hier eine Seele eigene Gebete? Kam sie zu kurz? Wurde nie auch namentlich für sie gebetet? Trotz aller Fragen feierte ich diese Messen für den Bruder, schließlich ist es ja kein Fehler. Und warum sollte ich meinen begrenzten Verstand zum Maß der Dinge machen? Einige Wochen danach genas der Patient völlig. Ich weihte ihn über die merkwürdigen Hintergründe seiner Erkrankung erst am letzten Tag ein und fragte nach der Todesursache seines Bruders. Ungläubig schaute er mich an. Dann sagte er: »Ich habe keinen Bruder. Ich weiß aber, daß meine Mutter vor vielen Jahren eine Abtreibung vornehmen ließ.« 60

Vorfälle dieser Art sind inzwischen öfter vorgekommen. Und ich gerate jedesmal in Erklärungsnotstand. Vor allem plagt mich die Frage: Was kann denn ein abgetriebenes Kind dafür? Was will Gott damit bezwecken? Hat es etwas mit der fehlenden Taufe zu tun? Was ist dann aber mit den vielen ungetauften Menschen? Wie ist der Satz Jesu zu verstehen: »Niemand kommt zum Vater außer durch Wasser und Heiligem Geist!« (Joh 3,5) Oder ist dies ein Hinweis darauf, daß Unschuldige manchmal an der Schuld ihrer Vorfahren zu leiden haben? »Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern wurden die Zähne davon stumpf«, sagt der Prophet Jeremias (Jer 31,29), obgleich Ezechiel das Gegenteil wiederum behauptet (Ez 18,2). Diese Thematik befriedigt mich nicht; sie ist ein Skandal. Und alles in mir schreit: Es kann nicht sein, daß ein Unschuldiger für die Schuld anderer leiden muß! Aber wie war das mit den Contergan-Opfern? Diese Mütter haben nicht einmal Schuld auf sich geladen, und dennoch hat es ihre Kinder erwischt. Wohin wir auch schauen in dieser Welt: Zuviele Menschen müssen die Schuld ihrer Vorfahren ausbaden. Und sind angewiesen auf die Gebete und Fürsprache anderer. Daß der Patient gesund wurde, werden viele auf natürliche Gründe zurückführen. Sie spielen sicher mit eine Rolle in diesem Fall. Doch können wir die vielen gut belegten Beispiele derer nicht übersehen, die Erscheinungen von Verstorbenen haben und dringend um Gebete angerufen werden. Es handelt sich keineswegs um Spiritismus, in dem Tote gerufen werden, sondern um die nicht beabsichtigte Begegnung mit Seelen, die sich durch Gottes Gnade melden dürfen. Auch hier haben wir keine Erklärungen. Wir wissen von vielen Mystikern, unter anderem von der hl. Katharina von Genua, aber auch vom Kirchenlehrer Thomas 61

von Aquin um dieses Phänomen und wären klug beraten, es nicht vom Tisch zu fegen, nur weil unser Verstand streikt. Die in München begrabene Carmelitin Sr. Maria Anna Lindmayr, deren Seligsprechungsprozeß noch andauert, hatte solche Erscheinungen; ebenso Frau Maria Simma in Vorarlberg, und viele andere, die aus Angst vor Spott es nicht zu sagen wagen.16 Nun kann Satan auch alle Gaben nachäffen. Daher müssen wir stets auf der Hut sein und durch beharrliches Gebet, durch regelmäßiges Fasten, durch Leben nach dem Willen Gottes und durch das Üben der Tugenden jeden seiner Täuschungsversuche sabotieren. An den Früchten läßt sich auch erkennen, ob etwas von Gott kam oder nicht. Wenn sich hinterher eine bleibende Unruhe oder Unsicherheit einstellt, wenn sich die in diesem Gebetsdienst tätigen Personen uneins sind, darf man annehmen, daß der Impuls nicht von Gott kam. Wer über die Gabe zur Unterscheidung der Geister mehr wissen möchte, findet im gleichnamigen Buch von P. Hans Buob eine sehr verständliche Darlegung.17 Weil nur wenige Christen den Mut und den Glauben haben, Gott um Gaben zu bitten, sind sie so selten vorzufinden. Vielmehr laufen erschreckend viele zu Wahrsagern und fragwürdigen Heilern, zu esoterisch geprägten Gurus und Reiki-Meistern, zu Astrologen und »eingeweihten« Magiern. Hinterher erkennen sie eine noch tiefere Verstrickung in ihr Unheil, wachsende Ängste, neue Probleme und ein gehöriges finanzielles Defizit. Ich meine, daß die christlichen Kirchen hier versagt haben. Immer noch stehen sie dem Phänomen charismatisch begabter Menschen skeptisch, ja ablehnend gegenüber, wollen von neuzeitlichen prophetischen Weisungen nichts wissen und beschränken sich auf einen funktionalen Umgang mit den 62

Menschen. Und wenn dann noch einer daherkommt, der im Namen Jesu die Dämonen vertreibt, wird er aus nackter Angst fortgejagt, wie einst Jesus, als er einen Besessenen heilte. (Lukas 8,37) Gott schenkt die Gabe der Erkenntnis allerdings nicht zur Befriedigung der Neugier. Wer also meint, er könne solche Menschen aufsuchen, um sie nach zukünftigen Ereignissen zu befragen oder beliebig nach den Ursachen seiner augenblicklichen Misere auszuhorchen, ist fehl am Platz. Diese Gabe dient ausschließlich dem geistlichen Heil des Menschen und der Ehre Gottes, sie darf nicht mit Hellsehen oder Wahrsagerei verwechselt werden. Sie ist auch nicht gegeben für den, der sie hat, sondern stets für andere. Und sie kostet nichts. »Denn umsonst habt ihr bekommen, umsonst sollt ihr geben« (Matth 10,8). Es kann sein, daß diese Gabe verweigert wird im Fall einer ausschließlichen Neugierbefriedigung oder aber daß sich unreine Geister einmischen und den Menschen täuschen wollen. Goethe läßt Mephisto die aufschlußreichen Worte sagen: Ich bin »ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft ... Ich bin der Geist, der stets verneint!« (Faust Teil I, Vers 1335) und Shakespeare erkennt: »Es ist seltsam, doch oftmals sagen uns die Werkzeuge der Finsternis die Wahrheit, gewinnen uns mit aufrichtigen Kleinigkeiten, um uns in letzter Konsequenz doch zu betrügen.« (Macbeth, 1. Akt, Szene 3) Es ist also Klugheit geboten im Umgang mit den Gaben des Geistes, und wer um sie bittet, sollte im gleichen Atemzug um Demut beten; denn vor demütigen Menschen macht der Böse Reißaus.

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Was nicht okkult ist
Immer wieder bekomme ich von ängstlichen und unsicheren Menschen zu hören, Autogenes Training, Hypnotherapie, Homöopathie, Irisdiagnostik und Akupunktur seien okkulte Praktiken, die Tür und Tor öffnen für dämonische Störungen. Diese irrige Meinung geistert vor allem in bestimmten christlichen, meist charismatischen und freikirchlichen Kreisen. Eine solche Auffassung zeugt von mangelndem Sachwissen, stammt wohl eher aus fehlgedeuteten oder verallgemeinerten negativen Erfahrungen, die einer damit gemacht hat. Typisch sind folgende Aussagen: »Was, du machst Autogenes Training? Weißt du denn nicht, daß das okkult ist?« »Wieso okkult? Ich mache das zur Entspannung, und es geht mir gut dabei.« »Wie lange noch? Paß auf, das Problem kommt noch. Ich habe einen Bekannten, der hat das auch gemacht und hat seitdem schwere Störungen. Er fühlt sich von fremden Mächten gesteuert, und in der Kirche wird ihm übel. Laß die Finger davon!« »Du liebe Güte, was weiß ich, was der alles getan hat. Vielleicht ist er schon vorher krank gewesen.« »Du brauchst als Christ so eine Technik nicht; das ist eine gottlose Selbsterlösungsmethode. Wer Jesus hat, braucht kein Autogenes Training!« In diesem Gespräch ist der Begriff Autogenes Training austauschbar mit den anderen Begriffen. Da braucht nur einer negative Erfahrungen gemacht oder irgendwo gelesen zu haben, dies sei alles unchristlich und käme aus dem asiatischen, sprich: heidnischen Raum, und schon ist er 64

unsicher und deutet sämtliche Störungen als Begleiterscheinungen dämonischer Quälgeister. Ich habe über all dies eine differenzierte Bewertung in meinem Buch »Zur Unterscheidung der Geister« (J. F. Steinkopf Verlag) gegeben und will mich nicht noch einmal hier darüber auslassen. Sicherlich sollte ich darauf achten, wer diese Praktiken anbietet und welche Motive dabei mitspielen, besonders bei der Hypnotherapie, die wesentlich vom Vertrauen zwischen Therapeut und Klient abhängt. Ich rate ab von hypnotischen Spielereien bei Jahrmärkten oder in Diskothekenshows. Die seriöse Hypnose ist ein gelerntes Handwerk und gehört zur therapeutischen Methode, die vor allem bei Schmerzen, Schlafstörungen und Allergien eingesetzt wird. Hierbei ist der Trance-Zustand nicht erforderlich. Ängstliche Menschen sind mit abwertenden oder dämonisierenden Bemerkungen unschwer in seelische Bedrängnis zu bringen; wenn sie dann auch noch einen engen Frömmigkeitsstil pflegen (in Richtung Fundamentalismus), können ganz normal erklärbare psychosomatische Defekte im Zusammenhang mit den oben genannten Praktiken als Symptome einer teuflischen Attacke, mindestens aber als eine Strafe Gottes interpretiert werden. Mir ist in den 24 Jahren meiner Tätigkeit als Psychotherapeut, auch als Referent an vielen Volkshochschulen, an denen ich Kurse in Autogenem Training gab, kein Fall bekannt geworden, der eine mit diesem Training verbundene Störung nach sich gezogen hätte. Wenn es etwas gab, war es stets Folge eines verkrampften oder falschen Trainierens: kurzfristige Druckgefühle in den Extremitäten, Kopfschmerzen, Taubheitsgefühl in den Fingern. Für Psychotiker oder ausgeprägte Hysteriker ist dieses Training ohnedies kontraindiziert. 65

Bei der Homöopathie ist der Einwand zu hören, ihr Begründer Samuel Hahnemann sei ein Spiritist gewesen, und außerdem könne man bei den hochpotenzierten pflanzlichen Mitteln mikroskopisch nichts mehr von der eigentlichen Heilpflanzensubstanz finden. Da aber dennoch eine Wirkung erwiesen ist, fragen die Kritiker, was oder wer denn da wirkt. So kommen einige Dämo-kraten zum Schluß, daß sicher doch der Teufel selber seine Hand im Spiel haben muß. Welch eine Ehre für ihn! Die Bemerkung »ich brauche all das nicht, ich gehe zu Jesus« kann beliebig erweitert werden auf die Tabletten, auf die Psychotherapie oder auf irgendeine Entspannungsübung, die ich nicht brauche, weil ich ja Jesus habe. Auch diese Dinge lassen sich zur Ehre Gottes und zur Genesung des Menschen in den Dienst unseres Schöpfers stellen. Es kommt auf den Blickwinkel an, auf das Vertrauen und schließlich auf das Sachwissen. Zur Schöpfung Gottes gehören viele für uns unerklärliche geheimnisvolle Dinge, die nicht schon deswegen dem Dämon zugesprochen werden dürfen, weil wir sie nicht erklären können oder weil sie aus dem nichtchristlichen Raum stammen. Sicher ist es heute erforderlich, die unüberschaubaren esoterischen, pseudochristlichen, magischen und religiösen Selbstbedienungsläden einer kritischen Prüfung zu unterziehen und allem fernzubleiben, was den Kriterien zur Unterscheidung der Geister nicht standhält. Zu viele »eingeweihte Meister«, Möchtegernpropheten und Vertreter »weißer« Bruderschaften haben sich eine synthetische Religion geschaffen, deren Gott sie selber sein möchten, und bieten per Inserat neben ebenso banalen wie teuren Erleuchtungskursen auch götzendienerische Selbsterlösungsstrategien an.

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Um es kurz zu sagen: Alles, was mich von einer Sache oder Person abhängig macht, was Angst oder Unruhe hinterläßt, was den christlichen Glauben verwässert oder zerstört, was kompliziert, geheim und magisch ist, was den biblischen Aussagen und der kirchlichen Lehre widerspricht, was teuer und glücksversprechend ist, was mich unter Druck setzt und unfrei macht, ist aus christlicher Sicht abzulehnen. Dagegen muß ich keineswegs für unchristlich erklären, was ich rational nicht begreife, was nachweislich heilt, auch wenn die Schulmedizin davon nichts hält, was aus vorchristlicher Zeit stammt und integriert (inkulturiert) werden kann, was mein Leben erleichtert und nicht gegen die Ehre Gottes geht. Ein Restrisiko bleibt. Das macht nichts; denn der Mensch guten Glaubens und guten Willens hat vor Gott stets Bestand. Da muß ich nicht in Selbstanklagen verfallen oder mich mit frommen Übertreibungen vor Gottes Angesicht rehabilitieren. Er wünscht nicht so sehr meine Opfer, er will mehr Vertrauen und die existentielle Weitergabe seiner Liebe.

Das Wirken Jesu und seiner Jünger
Das Handeln Jesu zeigt uns die therapeutische Dimension seines Auftrags. Christentum ist daher nicht asketische 67

Religion, sondern Therapie, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes; denn therapeuo bedeutet »helfen, heilen, nahe sein, dienen, sorgen, anbeten« (Kittel-Lexikon für griechische Sprache). Er selber sagt es mit den Worten: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken ...« (Mk 2,27). Er ist gekommen, die Sünder zu berufen: Damit sind nicht allein die Versager im moralischen Sinn gemeint, sondern vor allem auch die gesellschaftlich Geächteten und Verlachten. Heute gibt es sie zuhauf. Unter ihnen befinden sich in wachsendem Ausmaß jene, die von sich sagen, sie seien dämonisch belastet oder gar besessen. Weil eine solche Aussage die meisten Menschen überfordert, ja sogar in die Flucht schlägt, schweigen viele und bleiben mit ihrer wirklichen oder vermeintlichen Not allein. Da muß man lange suchen, bis sich ein Priester findet, der sich dieser Armen annimmt, ihnen zuhört und dann, wenn es denn notwendig ist, über sie um Befreiung und Heilung betet. Jesus heilte ganzheitlich: Er vergab die Sünden, nahm die körperlichen Gebrechen und heilte auch die Gefühle. Heute steigt die Zahl der chronisch Kranken in beängstigendem Umfang und zwar in gleichem Maß, in dem die akuten Krankheiten beseitigt werden. Für die Leistungs- und Konsumgesellschaft sind diese Menschen abgeschrieben. Jesus treibt die Dämonen aus, indem er befiehlt, droht, sich auf keine Diskussion einläßt. Es fällt auf, daß er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit diesen Besessenen die Hände nicht auflegt, sondern aus der Distanz heraus den Geistern gebietet. So kommen zu ihm der Besessene von Kafarnaum (Mk 1,21 ff), der besessene Epileptiker (Mk 9,14ff)

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der Besessene von Gerasa (Mk 5,1 ff) Maria Magdalena mit sieben Dämonen (Mk 16,9) ein Mann mit einem stummen Dämon (Mt 9,32.) und viele andere, nicht näher bezeichnete Personen. Beim kanaanäischen Mädchen (Mk 7,24 ff) und bei der gekrümmten Frau (Lk 13,13) ist nicht klar, inwieweit es wirklich ein Dämon ist; denn Jesus gebietet hier nicht. Typisch ist das Schreien und Toben der Betreffenden; sie erkennen Jesus in seiner göttlichen Hoheit und sind außer sich, wenn er sich ihnen nähert. Hier fällt die Hellsichtigkeit auf, die zu den typischen Merkmalen einer Besessenheit gehört, d. h. der Betreffende erkennt geweihte Personen und Gegenstände, wobei er heftige Abwehrreaktionen zeigt. Die Austreibung der Dämonen wird bei Markus mit der Verkündigung der Frohen Botschaft verbunden (1,27 + 39); sie gehört zum festen Bestandteil des Auftrags Jesu an seine Jünger. Diese kamen eines Tages von einer Mission zurück und erzählten erfreut, daß sogar die Dämonen ihnen gehorchten, worauf Jesus antwortete: »Freut euch nicht drüber, daß euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, daß eure Namen im Himmel verzeichnet sind!« (Lk 10,18 + 20) Paulus gebietet einem Wahrsagegeist, der einem Mädchen innewohnte, zu schweigen und das Mädchen zu verlassen (Apg 16,16 f). Petrus setzt sich erfolgreich mit dem Zauberer Simon auseinander (Apg 8,13) und in Ephesus verbrennen die Neubekehrten haufenweise okkulte Bücher; ihr Wert wurde auf 50000 Silberdrachmen, d.s. 50000 DM geschätzt (Apg 19,13 f). Jesus hat uns das verderbliche Wirken des Teufels enthüllt; wegen seiner Erfolge und seiner Vollmacht auch 69

über die Dämonen haben ihn die Schriftgelehrten angegriffen. Er unterschied zwischen Austreibung und gewöhnlicher Krankenheilung. Einmal befreite er eine Kanaanäerin aus der Ferne von ihrem Dämon. Dies kann auch für den heutigen Befreiungsdienst durchaus Gültigkeit haben. Im Unterschied zu Jesus und zu seinen Jüngern erfahren die heute im Befreiungsdienst Tätigen immer wieder Angriffe seitens dämonischer Mächte in Form von körperlichen Schwächezuständen, Schlägen auf den Kopf, nächtlichen Attacken und seelischen Bedrängnissen. Wir können das Wirken Jesu und die Bevollmächtigung zur Dämonenaustreibung als ein Sakramentale, also eine sakramentähnliche Handlung betrachten, wobei zu fragen ist, wieso die Kirche darin nie ein Sakrament gesehen hat. Heute ist es notwendiger denn je, diesen Dienst wieder in die Seelsorge aufzunehmen, wobei die pastorale Ausbildung dahingehend ergänzt werden muß. Da dieser Dienst sicherlich mehr als alle anderen eine gute seelische Disposition verlangt, auch geistliche Reife und Klugheit, Gaben der Unterscheidung und der Beeinflussung, ist die Auswahl nicht leicht. Er muß in eigener Regie Fortbildung betreiben, sich mit anderen Betern austauschen und durch Fehler lernen. Im Grunde fängt er bei Null an. Und er muß wissen: Satan wird versuchen, ihn durch Verleumdung, soziale Ächtung und Angriffe aller Art nicht nur beim Bischof anzuschwärzen und ihn kampfuntauglich zu machen.

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Die List Satans
Satan ist äußerst raffiniert. Er kennt unsere Schwächen und Neigungen. So besteht seine Strategie darin, die vorhandenen Neigungen ins Extreme zu verführen. Der Fromme will es noch frommer machen bis hin zur totalen Erschöpfung und wird dafür hundert »vernünftige« Gründe anführen. Derjenige, dem noch ein bißchen Frömmigkeit verblieben ist, wird immer wieder Gründe haben, es ganz sein zu lassen, »weil es sowieso keinen Zweck hat«. Ziel des Bösen ist es, das absolute Nichts zu erreichen. Das aber schafft er nicht. Die Hölle besteht für ihn darin, daß er weder etwas schaffen noch etwas zunichte machen kann. Wer je mit dem Haß Erfahrungen gemacht hat, weiß, daß der Hassende die eigene Ohnmacht haßt. Nun steht der Teufel nicht allein im Kampf gegen den einzelnen Menschen, sondern er reicht hinein bis in die gesellschaftlichen Strukturen. Wenn zum Beispiel die Politiker von »Sachzwängen« sprechen, kann es durchaus sein, daß sie eigentlich die Profitgier meinen, ohne es zu bemerken. Manche Strukturen sind von solcher Art, daß sie juristisch korrekt, aber menschlich destruktiv sind. Und niemand ist in der Lage, das zu ändern. Es ist immer festzustellen, daß sich die bösen Mächte gegen das Menschliche richten und dessen Freiheit versklaven, dessen Einsicht verfinstern. Diese Verfinsterung macht immer blinder für die wirklichen Verhältnisse. Das erkennen wir in den Rechtfertigungsversuchen derer, die im Namen eines Terror-Regimes Menschen foltern; das schimmert durch, wenn Asylanten abgeschoben werden unter Berufung auf bestehende Gesetze, selbst in offenkundig lebensgefährlichen Situationen usw. Und gerade hier wird nun das Teuflische in Redewendungen deutlich wie »Was 71

kann ich da als Einzelner schon machen?« - »Nachher hauen sie auf mir herum« - »Das ist nun mal so, da läßt sich nichts ändern.« Die besonders gefährliche Methode Satans besteht darin, unter dem Deckmantel des Guten das Böse zu erreichen. Hierhin gehören alle Übertreibungen des Guten bis hin zu Erschöpfung; aber auch »vernünftige Sachargumente« oder an sich richtige Gesetze, die in ihrer rigorosen Anwendung letztlich aber zur Zerstörung eines Menschen führen. So verbirgt sich allzuoft hinter der sogenannten Konsequenz nichts als Sturheit, hinter dem Sachzwang sehr eigennützige Motive, hinter der Leistungstreue vielleicht nur Rigorismus, hinter der Demut wohl eher Angst und hinter der vielgepriesenen Freiheit reine Willkür. Alle Tugenden und alle Werte müssen hinterfragt werden, wenn sie nicht eines Tages lediglich als Fassaden übrigbleiben, hinter denen sich ihre Pervertierung verbirgt. Doch nur der geistliche Mensch vermag das zu erkennen, schreibt Paulus (1 Kor 2,14 f). Oft ist die Sprache des Versuchers theologisch verziert, fromm dekoriert. Jesus hört sich das Geschwätz des Teufels an, der ihn versucht und dabei biblische Worte benutzt (Matth 4,1-11). Dann entgegnet Jesus ihm mit kurzen Bibelzitaten, diskutiert also gar nicht erst, und weist ihn ab. Um die Strategien zu durchschauen, ist es nötig, sich dem Teufel zu stellen, ihn also nicht einfach »wegzubeten«. Wer nur gegen etwas kämpft, fixiert sich auf das, was er unbedingt meiden muß und tut es dann doch, damit er seine kurzfristige Ruhe kriegt. Viele spielen mit dem Feuer aus Neugierde. Dabei spielt die Selbstüberschätzung der eigenen Standhaftigkeit oder auch der Schläue eine wichtige Rolle; denn sonst würde

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sich ja kaum einer in die Gefahr begeben. Alle Verbrecher denken: Mich werden sie schon nicht kriegen! Manchmal wird das lockende Abenteuer (zum Beispiel Geister rufen, ein Medium aufsuchen, ein sexuelles Abenteuer suchen) als wichtiger Reifungsweg etikettiert, obwohl gerade dieser Weg die Reifung verhindert und an einer banalen Lustgewinnung festhält. So fällt auf, daß der Verführte und Reingefallene erst hinterher zur bitteren Einsicht kommt, wenn er denn überhaupt noch sensibel ist für die moralische Wahrheit. Hier vollzieht sich immer wieder der alte Sündenfall, der die Augen öffnet und den Betrug zu spät erkennen läßt. Nun bedient sich der Versucher neben frommen und scheinbar sehr vernünftigen Lockmitteln auch der modernen Errungenschaften dieser Welt. Längst hat er das Internet erobert; längst die Werbeindustrie infiltriert. Die institutionalisierte Lüge macht sich breit. Auch muß zugegeben werden, daß Psychoanalyse, Psychotherapie und der gesamte esoterisch angehauchte Psycho-Markt eine besonders zähe und raffinierte Form sein kann, den Menschen in der Selbstsucht zu verfestigen. Wer göttliche Erkenntnis, Bewußtseinserweiterung oder das Glück auf Erden verspricht, wiederholt nur die Worte der Schlange (Genesis 3,5). Ich kann psychologisch die Schuld eines Menschen durchaus erklären. Ich darf aber nicht den Fehler machen, diese psychologische Erklärung mit der Ent-Schuldigung zu verwechseln. Zur Zeit fällt auf, daß eine wachsende Zahl gläubiger Menschen ihre christliche Alltagspraxis mit neuheidnischen Versatzstücken vermengt. Sie hat jegliche natürliche Gabe zur Unterscheidung verloren. Selbst Priester bringen es fertig, an die Reinkarnation und gleichzeitig an die Auferstehung zu glauben, wobei ich nicht sicher bin, 73

ob sie wirklich an die leibhaftige Auferstehung Jesu glauben. Wo der Glaube schwindet, kommt der Ersatzglaube. Die Ablehnung der Jungfräulichkeit Mariens, die Reduktion der Wundertaten Jesu auf bloße Zeichenhaftigkeit, die Leugnung der Transsubstantiation usw. sind Indikatoren für den Einzug des Diabolos und Vaters der Lüge. Wer sich nicht mehr als Sünder weiß, auch längst kein Schuldbewußtsein mehr hat, ist ebenso Opfer der teuflischen Verschwörung wie jener, der nicht mehr an die Güte Gottes glauben kann und die Sünde für wichtiger und gewaltiger erachtet als die Größe Gottes, und sich dann in die Verzweiflung stürzt. Bös ist alles, was sinnwidrig ist. Seine Ursache liegt im Verkennen und Mißtrauen. Die List Satans besteht darin, uns vorzugaukeln, das Böse sei glücksfördernd. Wer nicht die »Waffenrüstung Gottes« (Eph 6,11) anhat, wird diese Gaukelei kaum durchschauen. So läßt sich in der Vergötzung des Endlichen, in der Verabsolutierung des Relativen, in der Anbetung des Geschöpflichen und in der Ablehnung des Schöpfers die Visitenkarte des Dämons erkennen. Fassen wir zusammen: Satan verleitet zum Ungehorsam und zum Hochmut. Er verleumdet die Heiligen, fügt Leid zu, bekämpft die Gerechten, sät Unkraut, lügt, stiftet zur Sünde an, zerstört Seele und Körper. Doch stehen wir dem Bösen nicht machtlos gegenüber. Christliche Lehre zeigt, daß es ein Knowhow der Bewältigung des Bösen gibt. Neben Gebet, Fasten, Bemühung und Hingabe an die Barmherzigkeit Gottes gibt es für die dämonischen Attacken das Gebet um Befreiung und für den hartnäckigen, schweren Notfall den großen Exorzismus. Doch kaum einer kann mit ihm umgehen; und nur wenige Bischöfe haben dafür eigens Priester beauftragt.

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Der Auftrag der Kirche
Jesus gab seinen Jüngern einen dreifachen Auftrag: »Verkündet allen die frohe Botschaft, heilt die Kranken und treibt Dämonen aus!« (Matth 10,6-8) Was ist davon übriggeblieben? Sicher nicht die Austreibung der Dämonen! Spätestens seit der Aufklärung und neuerdings auch durch die Erkenntnisse der modernen Psychologie und Psychiatrie wurden die Dämonen als innerseelische Vorgänge bezeichnet, als eine intrapsychische Dynamik, die man chemisch oder allenfalls durch psychoanalytische Aufdeckung zu heilen bemüht ist. Dabei wurde der Fehler begangen, die durchaus richtige Erkenntnis psychosomatischer Zusammenhänge zu verallgemeinern und die reale Existenz dämonischer Wesen nicht als Möglichkeit stehen zu lassen, sondern als erwiesenen Unsinn zu entlarven. Wenn der Unglaube die Suche bestimmt, kann sich ihm nichts widersetzen. Selbstverständlich bleibt dann der diesbezügliche Auftrag, Dämonen auszutreiben, auf der Strecke und der Böse wird zum gedanklichen Neutrum. Hat das alles Jesus nicht gewußt? War er auch nur ein Kind seiner Zeit und so naiv, eine personale Macht zu vermuten, wo in Wirklichkeit nur eine nicht erkannte Psychose, Neurose oder Einbildung war? Selbst die Jünger freuten sich, daß es ihnen gelang, im Namen Gottes böse Mächte zu vertreiben. Und einmal waren sie frustriert, weil sie keinen Erfolg hatten. Jesus erwiderte ihnen, daß dieser Art nur beizukommen ist durch Gebet und Fasten (Matth 17,21). Bei genauerem Hinsehen erkennen wir, daß Jesus zuerst den Aposteln, dann dem großen Kreis seiner Jünger (Lukas 17,10ff), schließlich allen Gläubigen diese Vollmacht

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gab (Mk 16,17). Es gibt zahlreiche zeitgenössische Zeugnisse über das erfolgreiche Wirken durch Laien wie Priester während der ersten Jahrhunderte. Die Erfolge dienten sogar den Skeptikern als Beweis für die Göttlichkeit Jesu. (Siehe Zeugnisse von Tertullian und Justinus, Laktanz und Origenes). Später wurde dann eine eigene Weihe für Exorzisten eingerichtet, die allen Anwärtern des Priesteramtes gespendet wurde. Ursprünglich war also die Durchführung eines Exorzismus nicht an ein besonderes Amt gebunden. Im Lauf der Zeit wurde der Ritus immer reichhaltiger: Neben der Beschwörung im Namen Jesu kam die Handauflegung dazu, die Anhauchung des Kranken, die Salbung mit Öl. Dieses Öl, das Cyrill von Jerusalem erwähnt, nahm stets Bezug auf die Salbung, die am Täufling bereits vollzogen wurde. Die Taufe war stets verbunden mit einem Exorzismusritus, der heute nicht mehr Bestandteil der Taufe ist.17a Hinzu kam das Fasten als vorbereitender und begleitender Ritus. Um Mißbrauch zu verhindern, hat die Kirche schließlich den Exorzismus eingeschränkt auf Priester, die dazu eigens eine bischöfliche Beauftragung benötigen. Am 15. August 1972, dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, wurde die niedere Weihe zum Exorzisten ganz aufgehoben; seitdem zeichnete sich ein steter Rückgang dieses Dienstes ab. Angesichts dieses heiklen Unternehmens ist es geboten, diskret vorzugehen und den Dienst nicht vor der Öffentlichkeit zu tun. Während jeder Getaufte den sogenannten Kleinen Exorzismus privat beten darf, ja täglich beten sollte, ist der Große Exorzismus nur bischöflich beauftragten Priestern vorbehalten. Ob dieser Dienst nun getan wird oder nicht, hängt also wesentlich vom Bischof ab. Das neue Kirchenrecht verpflichtet die Bischöfe nicht einmal 76

mehr, in ihren Diözesen für die Ausübung dieses Amtes zu sorgen. Im Canon 1172 heißt es lediglich: Niemand kann rechtmäßig Exorzismen über Besessene aussprechen, wenn er nicht vom Ortsordinarius eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis hat. Immerhin muß keine Gewißheit bestehen hinsichtlich einer Anwesenheit des Teufels. Nun hört man immer wieder, daß das Beten des kleinen Exorzismus nach Leo XIII für Laien wie für nicht bevollmächtigte Priester seit 1985 verboten sei. Ein solches Verbot ist allerdings fragwürdig; denn niemand außer dem Papst hat das Recht, den Gebrauch eines im Auftrag eines Papstes (hier Leo XIII, 1878-1903) veröffentlichten Gebetes zu verbieten. Jedoch kann jeder Priester und Laie ihn privat und still benutzen. 1991 sandte die Kongregation für die Liturgie allen Bischöfen ein vorläufiges Exorzismus-Ritual zu, damit es erprobt und notfalls korrigiert werde. Es ging vor allem um die Anpassung des Rituals an die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Was dabei herauskam, ist nicht das Gelbe vom Ei. Die Exorzismen von Wasser und Salz wurden gestrichen; der Taufexorzismus ist weitgehend gestrichen worden; das mindert erheblich die Wirkung des Befreiungsdienstes. Positiv ist die Aufwertung der Litaneien sowie der Gebete zu Maria.l8 Seit 1999 liegt die Neufassung des Exorzismus-Textes vor. Sie kam zustande ohne die Beteiligung eines im Befreiungsdienst tätigen Priesters. Es bleibt zu hoffen, daß die Bischöfe wieder den Mut finden, Priester zu beauftragen, und die Priester den Mut haben, verstärkt für die dämonisch Bedrängten die Gebete zu verrichten, für die keine Beauftragung erforderlich ist. (Siehe Gebete im Anhang)

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Die größte Gruppe der Hilfesuchenden bilden die Menschen, die sich für Opfer von Verwünschungen halten. Kaum einer nimmt sie ernst, so daß sie lange herumirren und leiden müssen, bis sie jemanden finden, der ihnen weiterhelfen kann. Auch wenn die meisten unter ihnen nicht verwünscht sind, so bleibt doch ein kleiner Rest. Wer soll sich dieser aus dem Raster der Psychiatrie gefallenen Menschen annehmen, wenn nicht die Kirche? Eine Frau bittet wiederholt um das Befreiungsgebet; sie glaubt, Opfer einer teuflischen Machenschaft geworden zu sein: Ihre »Beweise« sind eher dürftig, aber auch nicht abwegig. Ich will auf die näheren Details nicht eingehen. Sie wendet sich auf meinen Rat hin an ihr Ordinariat, wird weiterverbunden mit einem Prälaten, der dafür zuständig ist und sie wissen läßt: »Sie brauchen eine neurologische Behandlung. Ich bin noch nie einem Menschen begegnet, der den Teufel im Leib hatte. Vielleicht kann Ihnen eine Psychotherapie helfen. Ich hatte mal eine Frau, die etwas Ähnliches behauptete. Später hat sich herausgestellt, daß alles nur Einbildung war ...« Verbittert teilt die Frau mir dieses Gespräch mit. Ich bitte sie, zu mir zu kommen. Inzwischen bat ich meine Mitarbeiterinnen), ins Gebet zu gehen und um Erkenntnis zu bitten. Heraus kam schließlich, daß tatsächlich eine heftige Verfluchung von Seiten einer Bekannten vorlag. Außerdem befand sich ein Gegenstand in ihrer Wohnung, der mit diesem Fluch belegt war. Und wirklich: die Frau findet diesen Gegenstand und vernichtet ihn. Im Namen Jesu hob ich den Fluch auf, und die Frau war befreit. Es war einer von den einfachen und wenig anstrengenden Fällen. Die Möglichkeit, von einem Objekt, auf dem ein Fluch 78

liegt, »angesteckt« zu werden, habe ich bis vor wenigen Jahren nie ernst genommen. Ich konnte mir das nicht vorstellen. Solche Vorkommnisse hielt ich immer für reinen Aberglauben oder für Hirngespinste. Tatsächlich aber müssen wir derartige Phänomene ernst nehmen. Während Christen ihre Gegenstände segnen oder weihen lassen (Medaillen, Kreuze, Kerzen ...), belegen Okkultisten ihre Objekte mit einem Fluch, der auf den Benutzer dieses Objekts wirken soll. Auch hier ließe sich jetzt einwenden, daß alles nur suggestiv zu erklären ist. Ich kann mich damit durchaus anfreunden. Wenn es denn so ist, und wenn man so einfach helfen kann, wieso verschafft niemand diesen Menschen den vermeintlichen Placebo-Effekt? Es wäre doch wahrhaftig eine billige Therapie, oder? Der Exorzismus ist keine magische Handlung, sondern ein oftmals langer therapeutischer Prozeß, in dem Regressionen, Widerstände und Übertragungen vorkommen. Dennoch versagen die modernen und klassischen therapeutischen Konzepte bei einer Krankheit mit dämonischem Hintergrund. Deshalb fordert der Züricher Psychiater Hans Naegeli-Osjord, die Besessenheit als eigenständiges Krankheitsbild anzuerkennen. 19 Der Exorzismus ist eine Form von Glaubensheilung. Sie setzt die Gläubigkeit des Kranken sowie die Glaubwürdigkeit des Priesters voraus. Ihre relative Erfolglosigkeit könnte im Mangel derselben liegen. Ich habe wiederholt erlebt, wie eine besessene Person während des großen Exorzismus, dem ich beiwohnte, auf diesen Glaubensmangel als Ursache der ausbleibenden Befreiung hinwies. In Frankreich gibt es an die 80 kirchlich bestellte Exorzisten; in Irland 40, in Italien mehr als 300. Dagegen stehen 79

über 100 Magier, Satanisten und Spiritisten zwischen Mailand und Rom. In München finden in einem Privathaus in der Nähe der Liebfrauenkirche regelmäßig Satansmessen statt mit ganz üblen Praktiken; ein Bestandteil der Messe ist die Entweihung einer konsekrierten Hostie. Mir ist eine Frau bekannt, die eine Zeitlang gegen Geld solche geweihten Hostien für Satansgruppen besorgte. Wenngleich auch vieles Humbug sein mag und kranken Gehirnen entspringt, so darf die Auswirkung aller Satansmessen und magisch praktizierten Verfluchungen in ihrer Gesamtheit nicht unterbewertet werden. Geistige Kräfte haben ihre Wirkung. Paulus spricht zu Recht von einem unsichtbaren Kampf »nicht gegen Blut und Fleisch, sondern gegen die Mächte der Finsternis, gegen die bösen Geister in den Himmelshöhen«. (Eph 6,12)

Wer und was kann helfen?
Wenn jemand einen begründeten Verdacht hat, daß er magisch belastet ist, sei es durch eigenes Verschulden, indem er sich auf okkulte Praktiken einließ, sei es durch Fremdverschulden, indem ein Fluch oder eine dämonische Bindung auf ihn gelegt wurde, und wenn alle Symptome aus ärztlicher wie psychologischer Sicht nicht einzuordnen sind, dann möge er sich an einen Priester wenden. Wenn der eigene Pfarrer abwimmelt, sollte man weitersuchen und eventuell in einem Kloster nachfragen, dort läßt sich unter zehn Priestern eher noch einer finden, der den Verzweifelten ernst nimmt. Sollte sich nach wiederholten Gebeten nicht die geringste Änderung einstellen, darf man davon ausgehen, daß 80

keine magische Belastung vorliegt. Sollte sich umgekehrt herausstellen, daß sogar eine schwere Form von Umsessenheit, schlimmstenfalls der Verdacht auf eine Besessenheit vorliegt (die sehr selten vorkommt), ist es das klügste, daß sich der Priester selber an seinen Bischof wendet, um dort entweder für sich selbst den Auftrag zum großen Exorzismus zu erbitten oder einen Priester zu erfragen, der diesen Dienst tut. Ordenspriester müssen natürlich zuvor ihren Ordensoberen konsultieren. Ich weiß um die Schwierigkeiten einer solchen Suche. Weil sich niemand findet, fahren viele Notleidende nach Italien zu Erzbischof Milingo. Oder zu fragwürdigen Teufelsaustreibern, die alles noch schlimmer machen. Wenn sich der Betreffende in eigener Regie an seinen Bischof wenden möchte, muß er wissen, daß in der Regel dieser Brief an den Generalvikar oder einen anderen Mitarbeiter weitergeleitet wird. Es ist dann möglich, daß diese Antwort anders ausfällt als die des Bischofs, und zwar eher abweisend. Das hat wesentlich auch mit der Bereitschaft des Briefschreibers zu tun, sich auf diese Thematik einzulassen. So kann der persönliche Kontakt mit dem Bischof vielleicht eher den gewünschten Erfolg bringen. Der Erfolg hängt wesentlich auch davon ab, wie einer formuliert und überzeugt. Unterstützt er sein Anliegen durch ein Schreiben seines Arztes oder seines Psychotherapeuten, kann er nur beglückwünscht werden. Denn das wäre eine Rarität. Wenn er dann immer noch abgewimmelt wird, muß er sich auf die »kleinen« Befreiungsgebete beschränken, die in diesem Buch abgedruckt sind. Hier ein Muster für das Gesuch an den Bischof:

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Sehr geehrter Herr Bischof N. N., seit (Beginn der Symptome) leide ich unter verschiedenen Symptomen, die bislang ärztlich und psychotherapeutisch erfolglos behandelt wurden. {Die Symptome kurz und bündig aufzählen) Diese Störungen sind keinesfalls psychotischer Natur, d. h. ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, habe und hatte nie Wahrnehmungsstörungen, die man einem paranoiden oder hysterischen Erscheinungsbild zuordnen könnte. Es besteht allerdings zunehmend der Verdacht auf eine Störung okkulter Art, wahrscheinlich eine Form von {hier die vermutete Form der Störung nennen: Um- oder Besessenheit, Verfluchung), die ja bekanntlich auf keinerlei medizinische oder psychologische Therapie reagiert. Besonders das Empfinden ... {hier näher beschreiben) läßt darauf schließen. Ich habe bereits Priester daraufhin angesprochen; doch sie wissen nicht damit umzugehen und verwiesen mich an Sie. Ich frage daher an, ob Sie mir einen Priester nennen können, der in unserer Diözese diesen Dienst der Befreiung oder des Exorzismus ausübt. Ich bin ratlos und hoffe jetzt nur noch auf die Hilfe durch die Kirche. Bitte weisen Sie mich nicht ab mit dem Hinweis auf neurologische Untersuchungen; denn diese sind bis zum Verdruß und erfolglos getan worden. Auch Herr/Frau N. N. {hier eventuell Namen der Arzte oder Seelsorger oder Psychologen nennen) hegen ebenfalls den Verdacht auf eine dämonische Störung, zumindest haben sie keine rationale Erklärung für meinen Zustand. Um eine positive Antwort betend, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Ihr N. N.

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Es empfiehlt sich, die Vermutung auf eine okkulte Belastung näher zu begründen, wenn z. B. die Störungen nach einer Kontaktaufnahme mit Medien oder nach gewissen Praktiken eingetreten sind. Alles sollte so knapp wie möglich verfaßt sein, weil langatmige Briefe nerven können und die erwarteten Chancen mindern. Es geht selten um wirkliche Besessenheit; es geht meist um satanische Attacken oder um Formen von Umsessenheit, die keinen großen Exorzismus brauchen, wenngleich er rascher zum Ziel führt. Es geht also darum, einen Priester benennen zu lassen, der sich auskennt und diesen Dienst tut. Ich rate dringend ab, dem Priester oder Bischof in penetranter Weise klarzumachen, man sei besessen. Alles muß geprüft werden und bis zum Erweis offenbleiben; denn wie wir wissen, läßt sich die Diagnose oft erst nach dem Gebet stellen. Und selbst dann sind Irrtümer nicht ausgeschlossen. Die evangelischen Christen wenden sich an ihren Gemeindepfarrer, der ihnen nach bestem Wissen weiterhelfen wird. Des weiteren ist natürlich regelmäßiges Fasten wichtig, das heißt entweder einen Tag bei Brot und Tee bzw. Suppen oder eine Mahlzeit auslassen, auch Verzicht auf Fernsehen und andere unnütze Dinge. Alle im Befreiungsdienst Tätigen haben die einschlägige Erfahrung gemacht, daß auch das tägliche Rosenkranzgebet eine ungeheure Waffe gegen dämonische Attacken ist. Die Muttergottes selber hat dieses Gebet bei ihren vielen Erscheinungen empfohlen. Das tägliche Beten und regelmäßige Fasten schwächt die Kraft des Bösen. Jetzt werden wahrscheinlich die evangelischen Christen Anfragen haben bzgl. Rosenkranzgebet, Gebet für Verstorbene und Marienverehrung. Zunächst muß klargestellt 83

werden, daß diese typisch katholischen Elemente der Frömmigkeit nicht für das ewige Heil verpflichtend sind. Sie entspringen der frühkirchlichen Tradition und sind von Martin Luther keineswegs abgelehnt worden; er selber war ein großer Marienverehrer. Das Volk hat von jeher ihre heilende und befreiende Wirkung erfahren. Ich weiß auch, daß diese schwindende Frömmigkeit ganz plötzlich wieder aufleben wird, auch unter den Protestanten. Das Rosenkranzgebet ist nichts anderes als eine meditative Betrachtung des Lebens Jesu; dieses Leben verdanken wir Maria. Wenn Jesus unser bester Freund ist, dann liegt es nahe, auch die Mutter unseres besten Freundes zu verehren. F.s geht nicht um Anbetung, wie manche irrtümlich meinen. Seit sie bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,3) sich vermittelnd anbot, wird sie auch dafür verehrt, und zwar als Mittlerin zwischen uns und ihrem Sohn, während der Sohn zwischen uns und dem Vater vermittelt (Joh 14,6). Unzählige Menschen, darunter Katholiken, Protestanten, Moslems und auch Ungläubige waren Zeugen von gut dokumentierten Marienerscheinungen geworden, z. B. in Fatima 1917, in Kairo 1985 (über der Kirche St. Demjanah) und am 13. August 1987 im russischen Fernsehen. Solche Phänomene lassen sich nicht einfach ausblenden oder als Massensuggestion herunterspielen.20 Oft höre ich das Argument, was nicht ausdrücklich in der Bibel steht, habe keinerlei Bedeutung und sei nur Ballast. Doch vieles steht zwischen den Zeilen und bedarf der richtigen Auslegung; manches gehört zur Tradition und einiges geht zurück auf die sogenannten Privatoffenbarungen (z. B. das Fronleichnamsfest durch Julia von Lüttich 12.58, die HerzJesu-Verehrung durch Maria Marguerite Alacoque gest. 1690). Dann gibt es noch das kirchliche Lehramt, das aufgrund von Glaubenserkenntnissen 84

und stets unter Einfluß des Heiligen Geistes Lehrsätze (Dogmen) aufstellt, zum Beispiel den Lehrsatz von der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Dies besagt, daß Maria frei ist von Erbschuld. Sie selber hat sich in Lourdes 1858 und in Fatima 1917 als »unbefleckte Jungfrau« vorgestellt und das tägliche Rosenkranzgebet empfohlen. Es fällt auf, daß die dämonischen Stimmen aus dem Mund der Besessenen viele Lästerungen aussprechen, nicht aber auf Maria schimpfen können; sie sprechen zähneknirschend von der »hohen Frau« oder von der »Dame«. Jesus läßt es nicht zu, daß sie unflätige Worte gegen seine Mutter schleudern. Wer aufgrund konkreter Vorkommnisse den Verdacht hegt, unter einer dämonisch bedingten Erkrankung zu leiden, muß zuerst alle legitimen medizinischen oder psychologischen Mittel nutzen, um zur Unterscheidung zu kommen. Wenn dies alles nichts fruchtet, ist sein Verdacht nicht automatisch bestätigt, aber erhärtet. Denn wie gesagt: es bleibt eine Minderheit, und: eine hundertprozentige Gewißheit ist selten möglich.

Ein deutsches Problem
Ein unbefangener Umgang mit dieser brisanten Thematik ist uns Deutschen kaum möglich. Wo der Glaube intellektualisiert, die Religion privatisiert und mystische Erfahrungen tabuisiert werden, entsteht ein geistliches Vakuum, das es zu füllen gilt. Infolge der fehlenden geistlichen Begleitung bzw. Führung kommt es zu einem spirituellen Wildwuchs, der beliebige Angebote (pseudo)mystischer Art mit sich bringt. Wo die Kirche sich in Schweigen hüllt, läßt sie die Menschen allein. Diese irren auf der Suche nach 85

Gott durch das Labyrinth eines fragwürdigen esoterischen Supermarkts und greifen nach jedem Sonderangebot, das ihnen einen Einblick in die jenseitige Sphäre zu geben verspricht. Dabei geraten viele auch in die Abteilung für Magie, Zauberei und Geisterbeschwörung, die ihnen spannende Unterhaltung garantiert, aber auch erhebliche spirito-psychosomatische Störungen. Die einen schwören auf Hexen, auf weiße oder schwarze Magie und auf die Wirkung diverser Zauberformeln; die Gegenseite feiert ihren Unglauben als Ausdruck kritischen Denkens und steht kopfschüttelnd dieser Renaissance der Magie gegenüber. Dazwischen versuchen verstört und alleingelassen unzählige Menschen, sich zu orientieren; manchen erwischt es. Und niemand ist da, der kompetent wäre zu helfen. Bischöfe und Theologen halten sich bedeckt. Ein paar bekennermutige Hirten, die es aushalten können, mißverstanden, belächelt und für »konservativ« gehalten zu werden, sehen Handlungsbedarf. Sie haben Priester für den Befreiungsdienst, ja ausdrücklich sogar für den Exorzismus beauftragt. Es bleibt zu hoffen, daß ihre Adressen unter den Pfarrern bekannt werden, wie sollte sonst ein Notleidender sie finden? Da die deutsche Kirche jene, die tatsächlich eine Befreiung brauchen, allein läßt, fahren diese Verzweifelten zu Erzbischof Milingo, den ich sehr schätze. Das aber wird ihnen auch zum Vorwurf gemacht. Statt nun Anlaufstellen zu schaffen, an denen nicht gerade Böcke zum Gärtner gemacht werden, werden sozusagen sämtliche Türen zugeworfen. Ich habe beim europäischen Treffen der »Internationalen Vereinigung für Befreiungsdienst« (International Association for Deliverance«, kurz: IAD) im Jahr 1997 nur eine Handvoll deutscher Priester angetroffen, 86

die sich aus persönlichem Interesse weiterbilden möchten. Wo bleiben die anderen, die für diese Thematik kompetent sind? Denn eines ist klar: Ohne besondere Ausbildung auf diesem Gebiet kommt man nicht weiter, es sei denn, der Betreffende hat die Gabe der Unterscheidung und Erkenntnis. Die meisten Menschen, die bei mir anfragen, haben nicht die geringste Ahnung, wohin sie gehen sollen, wer ihr Bischof ist, geschweige denn, daß das Ordinariat (was ist das?) ihrer Diözese (zu welcher gehöre ich?) Auskunft geben könnte, wenn es schon nicht der eigene Pfarrer kann. Jede unnötige Geheimniskrämerei schadet der Kirche. Während in Italien und Frankreich die Namen der zuständigen Priester bekannt sind, wissen die Deutschen und Österreicher nicht, an wen sie sich wenden könnten. Diese Art von Diskretion ist nicht hilfreich, auch wenn sie vor der skandalsüchtigen Regenbogenpresse schützen soll. Denn irgendwann tritt der Name dessen, der einem okkult erkrankten, esoterisch geschädigten, dämonisch besetzten Menschen geholfen hat, in die Öffentlichkeit. Eines Tages bat mich der ORF zu einem Interview in eine längere TVSendung, die die exorzistischen Praktiken verschiedener Völker und Religionen zum Thema hatte. Die Sendung schien mir insgesamt akzeptabel, wenn auch zu lang. Mir war aber auch klar, daß sie Unverständnis hervorrufen wird bei jenen, die eine andere Sichtweise haben. Kurze Zeit nach diesem TVInterview standen drei BILD-Reporter unangemeldet vor meinem Büro und überfielen mich buchstäblich, indem sie, kaum ins Zimmer eingetreten, Fotos von mir machten. Als ich merkte,

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daß sie angesichts einer konsequenten Ablehnung meinerseits zu jedem Verriß und zu jeder Falschmeldung bereit waren, trat ich die Flucht nach vorne an und stellte mich ihren Fragen. Meiner Bitte, den fertigen Pressetext vorher durchzufaxen, und meinem mehrmals vorgetragenen Anliegen, den Begriff »Exorzist« nicht zu verwenden, kamen sie trotz Zusage nicht nach. Ich war zu naiv und glaubte ihrer Zusage. Das Erzbischöfliche Ordinariat bekam Wind davon und beeilte sich, den möglichen Flurschaden zu begrenzen. Tatsächlich aber weiß ich nichts von irgendeinem Nachteil, der sich aus dem ziemlich aufgemotzten BILD-Bericht ergeben haben könnte. Im Gegenteil: Viele Pfarrer riefen bei mir an und wollten Näheres wissen; manche Dekanate luden mich zu Vorträgen ein; fast 200 Menschen, die seit Jahren nach geistlicher Hilfe suchten, schrieben mir. Alles in allem konnte man fast diesem Artikel dankbar sein. Er hat ein wachsendes, aber totgeschwiegenes Problem geoffenbart. Erhebungsbogen zur Verdachtsklärung 1a. Unter welchen akuten Symptomen leiden Sie? Stimmen hören (was sagen sie?) Zittern (wann?) Ängste (wovor?) Gefühl der Einengung und Klammerung Schatten, Gesichter sehen Zwänge (welche?) Gefühl geistiger Beeinflussung durch eine fremde Person Weitere Symptome: 1b. Gibt es Spukphänomene im Haus? Wie zeigen sie sich?

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2. Wann traten Ihre Krankheitssymptome erstmals auf? 3. Gibt es in Ihrer Familie Personen mit ähnlichen Erkrankungen? 4. Sind Ihre Symptome ärztlich bzw. psychotherapeutisch abgeklärt oder behandelt worden? Wann? Welche Diagnose wurde gestellt? 5. Nehmen Sie deswegen Medikamente? Wenn ja, welche? 6. Gibt es eine konkrete Vermutung über die Hintergründe Ihrer Erkrankung? Welche? 7. Haben Sie sich mit irgendwelchen okkulten Praktiken eingelassen? Wann, welche? 8. Wissen Sie, ob in Ihrem Bekanntenkreis jemand okkulte Tätigkeiten ausübt? 9. Haben Sie einmal früher Drogen genommen? 10. Haben Gebete bisher Erleichterung oder Verschlimmerung der Symptome gebracht?

Wie verläuft ein Befreiungsgebet?
Wenn alle ärztlichen und psychologischen Maßnahmen keinerlei Besserung zeigen, und wenn es begründeten Verdacht auf eine okkulte Belastung gibt, gibt es keinen Grund, das Gebet um Befreiung zu verweigern. Wenn schon zuvor immer wieder von Christen, zum Beispiel in Gebetsgruppen oder in einem kleinen intimen Kreis, für diese Person gebetet wurde, vor allem das Gebet zum hl. Michael oder das Gebet von Leo XIII., und Reaktionen eintraten, ist die Fortsetzung durch einen Priester zu empfehlen. Der Priester hat infolge seiner Weihe die größere Vollmacht und daher auch die größere Wirkung. Hat er

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auch eine bischöfliche Beauftragung für den großen Exorzismus, ist die Wirkung noch besser. Das habe ich einmal im Saarland erlebt, wo ein Pfarrer über eine Frau, ehemals Mitglied eines Hexenzirkels, um Befreiung von einer dämonischen Störung betete. Der Erfolg war mittelmäßig. Dann bat er seinen Bischof um die Vollmacht, den großen Exorzismus sprechen zu dürfen, was ihm gewährt wurde. Ich war anwesend. Die Frau, die das nicht wissen konnte, fuhr ihn an: »Wo hast du Pfaffe heute die Kraft her?« Nach zwei weiteren Gebetsterminen war die Frau gesund. Es ist wichtig, sich durch Gebet auf diesen Dienst vorzubereiten. Die meisten gehen auch beichten und üben sich im Fasten, auch durch Akte der Demut und bitten den Kranken ebenfalls um ähnliche Anstrengung, falls ihm das möglich ist. Zu Beginn ist es erforderlich, sich selbst und alle Anwesenden unter den Schutz Gottes zu stellen, sich sozusagen mit dem Blut Christi zu versiegeln, damit keine Symptome überspringen und niemand geschädigt wird. Im Fall einer Umsessenheit vollziehen sich die Gebete ruhig; der Betreffende wirkt eher erwartungsvoll; manchmal kommt es zu Zuckungen des Körpers und nach anfänglicher Verschlechterung der Symptome zu einer Besserung. Alle Gegenstände, die zu okkulten Handlungen geführt haben oder benutzt wurden, müssen vernichtet werden; alle Beziehungen zu okkult tätigen Menschen sollten abgebrochen werden, sofern dies möglich ist. Nach erfolgter Befreiung ist es geraten, eine Zeitlang den Zustand zu beobachten; der Betreffende soll sich also hin und wieder beim Priester melden. Liegt der Verdacht auf einen Fluch, auf eine Verwünschung vor, muß der Fluch aufgehoben werden. Die Krankensalbung

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kann gespendet werden. Der Priester vollzieht den Dienst stehend und spricht mit großer Glaubenskraft. Bei ängstlichen Personen können die Gebete in lateinischer Sprache gesprochen werden; manche beten still, was einige Exorzisten wiederum im Hinblick auf das Handeln Jesu, der laut und gebieterisch sprach, ablehnen. Ich pflege die Stola auf den Kopf des Betreffenden zu legen und ihm das kleine Benediktuskreuz in die Hände zu geben. Es ist ratsam, einen Zeugen dabeizuhaben, in schweren Fällen ein Team, das sich durch Diskretion und geistliche Reife auszeichnet. In der Regel müssen die Gebete wiederholt werden; jedoch sollte eine Sitzung nicht länger als zwei Stunden dauern und später fortgesetzt werden. Es empfiehlt sich der Gebrauch von Weihwasser, wobei das exorzierte Weihwasser besondere Kraft hat.21 Es gibt Fälle, die sich hinziehen. Wenn sich nichts tut, keine Besserung eintritt oder trotz intensiver Gebete kein Fortschritt folgt, muß der Verdacht auf eine dämonische Störung fallengelassen werden. Dann ist der Befreiungsdienst zu Ende; es kann nur noch um Heilung, auch um die Kraft, die Krankheit zu ertragen, gebetet werden. Im Fall der seltenen Besessenheit, die nach Angaben der europäischen Exorzisten in den letzten Jahren zuzunehmen scheint, sind graduelle Unterschiede zu bemerken. Hellsichtigkeit der betreffenden Person, übermenschliche Kräfte, heftige Abwehrreaktionen gegen Weihwasser und Kreuz, ja gegen den Priester bereits, sind deutliche Hinweise. Außerdem sprechen aus dem Mund der besessenen Person fremde Stimmen. Ob es sich dabei um dämonische Wesen handelt oder um Abspaltungen des subjektiven Bewußtseins, scheint mir für den Gebetsdienst belanglos zu sein. 91

Kritiker sagen, die Reaktionen der scheinbar Besessenen seien allesamt natürliche Folgen des Exorzismus, der ein hysterisches Psychodrama auslösen würde. Demgegenüber steht die Aussage eines Psychiaters: »Zehn Prozent unserer Krankheiten gehören ohne Zweifel in die Obhut eines Exorzisten.« Was letztlich hilft, ist selten klar: der weiße Kittel des Arztes oder die Stola des Priesters, die Medikamente oder das Gebet. Wir werden es nicht herausfinden. Papst Johannes Paul II. führte 1992 während einer Privataudienz bei einer Frau einen Exorzismus durch. Da dieser aber keinen durchschlagenden Erfolg hatte, hat man auf diskrete Weise noch weitere Exorzismen vollzogen, bis die Frau befreit war.22 Natürlich erhebt sich jetzt die Frage, wieso denn der Papst als oberster Hirte diese Befreiung nicht erreichen konnte. Wir wissen, daß selbst Heilige keine Erfolge hatten, während andere sie hatten; das mag auch mit der momentanen Disposition des Exorzisten zusammenhängen. Der Exorzismus ist kein Sakrament, das aus sich selber wirkt, sondern eine sakramentähnliche Handlung, die eine gewisse Voraussetzung beim Priester wie auch beim dämonisch Belasteten verlangt. Die Befreiung tritt deutlich ein: Der Betreffende, vorher wie eine Marionette, atmet auf, ist keineswegs so erschöpft, wie man erwarten müßte. Es ist, als wäre nichts gewesen. Um eine Rückkehr der Dämonen zu verhindern, soll die befreite Person alles meiden, was zwielichtig ist, soll sich bewußt für Gott entscheiden und regelmäßig beten. Anhand eines exemplarischen Falles möchte ich den typischen Verlauf eines Befreiungsdienstes beschreiben. Es handelt sich hierbei um einen jungen Mann, der umsessen war und seit er denken kann, folgende Symptome hatte:

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- exzessive sexuelle Triebhaftigkeit (Ausschweifung) - Hören von Stimmen, die zum Suizid auffordern und Verdammnis vorgaukeln - Gefühl einer eisigen Kälte um sich herum - Erkenntnis des Bösen bei anderen Menschen - Unruhe und Getriebensein Ärztlicherseits war man hilflos, zumal der Mann kein dissoziatives Krankheitsbild zeigte, d. h. keine psychotische, hysterische oder erkennbar neurotische Symptombildung. Seine Ärztin, die eine massive okkulte Störung vermutete, verwies ihn an mich. Sein Auftreten war sicher, selbstbewußt und von geistiger Klarheit. Er bemühte sich stets als Christ zu leben, empfand aber die oben erwähnten Symptome als sehr hinderlich. Bei seiner intensiven Ahnenund Familienforschung fand er eines Tages heraus, daß seine verstorbenen Eltern Anhänger einer satanischen Gruppe waren und ihn - so nun seine Vermutung - bereits als Kind dem Teufel geweiht haben könnten. Bevor er zu mir kam, bat ich zwei meiner Mitarbeiterinnen, die die Gabe der Erkenntnis haben, um Informationen über die Diagnose und die Ursachen seiner Störung. Einzelheiten der Symptomatik sowie die vermutete okkulte Praxis der Eltern verschwieg ich. Beide Frauen erkannten, daß er umsessen ist. Beide sahen das Bild der Eltern, die das Kind dem Satan weihten. Beide wiesen darauf hin, daß die Taufe nachträglich an ihm vollzogen werden muß. Eine Frau erkannte in einem Bild ein dämonisches Wesen namens Aschmodaia. (Die hl. Franziska Romana behauptet, daß dies der Dämon der Sinnlichkeit sei.) Mit anderen Worten: hier lagen klare, unmißverständliche Bestätigungen für eine dämonische Erkrankung vor. 93

Ich habe dem Mann diese Einzelheiten vorerst verschwiegen, um keine Ängste zu erzeugen. Sechs Sitzungen waren nötig in einem Zeitraum von zwei Monaten. Ich betete stets still den kleinen Exorzismus nach Leo XIII.; legte meine Stola auf seinen Kopf und manchmal auch eine Reliquie von Pater Pio, wobei er dann jedesmal hochfuhr. Nach jeder Sitzung waren die Symptome etwas besser geworden. Es ging darum, die von den Eltern vollzogene Satansweihe aufzuheben und statt dessen die Weihe an Jesus Christus vorzunehmen. Es folgten die Taufe und das Taufversprechen. Nach der vierten Sitzung trat eine deutliche Besserung ein. Jedoch die sexuellen Anfechtungen blieben hartnäckig. Wohlgemerkt, es handelte sich nicht um die gewöhnlichen Anfechtungen, wie sie jeder kennt; das waren hier Versuchungen ganz anderer Qualität. Schließlich gebot ich im Namen Jesu und unter Anrufung der Gottesmutter, aller Engel und Heiligen jeder dämonischen Macht, zu verschwinden und keinerlei Schaden mehr zuzufügen, weder an Seele und Leib, noch an Hab und Gut aller Anwesenden und ihrer Angehörigen. Zwischendurch wurden immer wieder Psalmen gebetet, vor allem Psalm 2.7 und 57. Endlich nach der sechsten Wiederholung des Befreiungsgebetes trat völlige Heilung ein. Aufgrund der allgemeinen Erfahrungen hier nun ein bewährtes Schema: A. Vor dem Dienst der Befreiung: Fasten, Beichte, Gebet. Auch der Belastete sollte das Sakrament der Versöhnung empfangen und Reue zeigen. B. Während des Dienstes: 1. Gebet um Schutz der Anwesenden (ansonsten Gefahr des Symptomübersprungs) 94

2. Befragung der Person nach Befinden, besonderen Problemen u.a. 3. Befreiungsgebete unter Anwendung der Sakramentalien, öfter wiederholen 4. Aufhebung des Fluches, der Verwünschung, der negativen Bindungen und Beziehungen und Loslösung von den Personen bzw. Gegenständen, die im okkulten Tun verhaftet sind. Es geht schneller, wenn man die Namen der betreffenden Personen (Magier, Hexen, Satanisten) kennt. 5. Den hl. Geist bitten, die befreite bzw. teilweise befreite Person zu erfüllen, damit kein Platz für die Rückkehr dämonischer Mächte bleibt. 6. Die Personen unter den Schutz des Blutes Jesu stellen, also versiegeln. 7. Mit einem Marienlied die Sitzung abschließen. Die Sitzung sollte nicht länger als maximal 2 Stunden dauern; sie kann bei Bedarf wiederholt werden. Die zu befreiende Person muß bereit sein, ihr Leben unter Gottes Führung zu stellen und allem Bösen zu widersagen. Sie darf nichts verschweigen, was der Befreiung bedarf, und muß bereit sein, ihren Feinden zu vergeben. Andernfalls wird die Heilung/Befreiung blockiert und unnötig hinausgezögert. Der Befreiungsdienst ist nicht unbedingt leichter als der große Exorzismus. In vielen Fällen dauert er nur länger und muß oft wiederholt werden, weil er nicht die Kraft entfaltet, die der Exorzismus hat.

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Gefahren und Hilfen
Wer als Neuling in diesen Dienst tritt, muß ganz von vorne anfangen und durch Versuch und Irrtum lernen. Er wird sich Kenntnisse in Psychologie und Medizin aneignen müssen, wenn er nicht gläubige Ärzte oder Psychologen kennt, die ihm beistehen. Anfangs wird er vielleicht zu oft den Dämon wittern oder angesichts einer eher ungläubigen Umwelt zu oft ihn nicht erkennen. Wer sich also abhängig macht vom Trend der Zeit oder Angst hat, in seinem Glauben für naiv oder lächerlich gehalten zu werden, läuft Gefahr, tatsächlich dämonisch bedingte Symptome für reine Spinnerei zu halten. Es wurden hier auch schon Böcke zu Gärtnern gemacht. Mancher, der meint, besessen oder verflucht zu sein, sucht das Außergewöhnliche oder drückt sich vor der Verantwortung im familiären, beruflichen Bereich. Im vergangenen Jahr hatten sich bei mir 132 Personen gemeldet, die glaubten, Opfer einer Verwünschung zu sein, und 17 Personen, die von Besessenheit sprachen. Tatsächlich aber konnte ich bei insgesamt 14 Personen von einer okkulten Störung sprechen, darunter waren fünf Personen, die in okkulte, meist spiritistische Praktiken verstrickt waren. Zwei waren teilbesetzt; ich verwies sie an beauftragte Mitbrüder. Vieles hängt von der seelischen und geistlichen Verfassung des Exorzisten ab. Er sollte einen nüchternen Verstand behalten und in Ruhe seinen Dienst versehen. Es kommt vor, daß eine Befreiung vorgetäuscht wird. Deshalb muß ständig Verlauf und Symptomatik beobachtet und festgehalten werden; mitunter kann der Betreffende selber über seine Erfahrungen Protokoll führen. Daß ein Besessener sogar die hl. Kommunion empfangen 96

kann, ohne Abwehrreaktionen zu zeigen, gehört zum Täuschungsmanöver Satans. Bei vielen okkult Belasteten stellen die frommen Handlungen oft überhaupt kein Problem dar; manchmal treten Zwänge auf, versteckte Abwehrmechanismen oder sogar Übertreibungen. Worte und Handlungen des Betens, die besonders heftige Reaktionen auslösen, sollen solange wiederholt werden, bis die Reaktionen ausbleiben. Gegner dieses Befreiungsrituals behaupten, daß gerade die Wiederholung der Gebete die zu bekämpfenden Reaktionen verstärken würden, also ein gegenseitiges Aufschaukeln provoziert wird. Das kann so sein, wenn es sich dabei um eine hysterische Persönlichkeitsstruktur handelt, nicht aber bei einer tatsächlichen dämonischen Besetzung. Es ist klug, stets Zeugen dabeizuhaben, im Fall eines körperlichen Angriffs oder auch um spätere Falschaussagen auffangen zu können. Während des Dienstes sollen mehr die Worte der Hl. Schrift als eigene benutzt werden, also Psalmen, Gebete, Litaneien, Lieder. Gut bewährt haben sich das Magnifikat, die Allerheiligenlitanei und die Gebete, die anschließend aufgeführt sind.

Wie schütze ich mich?
Es dürfte inzwischen klar geworden sein, daß spiritistische Praktiken, das Aufsuchen von Wahrsagern, spiritistischen Medien, undurchsichtigen Geistheilern oder Gesundbetern den Boden bereiten können für spätere, unerklärliche spiritopsychosomatische Störungen. Also Finger weg! Drogenkonsum und lasterhaftes, ungezügeltes Leben bereiten 97

die geistlichen Roststellen vor, durch die die bösen Mächte eindringen. Dagegen sind regelmäßiges Beten, Fasten und Empfang der Sakramente die beste Vorbeugung. Bei Versuchungen ist es besser, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen und abzulenken, als ständig willentlich dagegen anzukämpfen. Der tägliche Akt der Hingabe an Gott und das tägliche Gebet zum hl. Michael sind heilsame Mittel, nicht in der Resignation zu versinken, wenn die Sünde über einen gekommen ist. Jeder Mensch hat einen Schutzengel, dem er sich anvertrauen sollte. Er und viele andere himmlische Geister unterstützen den Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Christus ist der Sieger; es gibt also keinen Anlaß zu Ängsten und Verzweiflungen, wenn einmal alles schiefzugehen scheint. Der Teufel ist ein aufgeblähtes Nichts, das angesichts der gelebten Liebe zusammenfällt. Da das Leben als Christ heute im Alleingang schwer ist, ist es gut, sich mit anderen zusammenzutun, etwa in einer Gebetsgruppe und so die geistlichen Mittel zu verstärken. Paulus empfiehlt, die »Waffenrüstung Gottes« anzuziehen: »eure Hüften umgürtet mit der Wahrheit, angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen löschen könnt. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.« (Eph 6,14-17) Die Mutter Gottes hat jedem, der täglich den Rosenkranz betet, ihren besonderen Schutz versprochen, vor allem in Zeiten der Not und in der Stunde des Todes (Fatima 1917). Am 8. 8. 1985 sagte sie den Sehern in Medjugorje: »... der Satan möchte

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jetzt stärker wirken, weil ihr um sein Wirken wißt. Legt euch die Waffenrüstung an und besiegt ihn mit dem Rosenkranz in der Hand ...« Außerdem hat sie das Tragen geweihter Gegenstände empfohlen als Bollwerk gegen die Anfechtungen Satans) 18. 7. 85). Wer es im Glauben tut und sich müht, danach zu leben, hat nichts zu befürchten.23

Das Wichtigste im Überblick
1. Eine wachsende Anzahl von Menschen fühlt oder weiß sich dämonisch belastet; doch niemand nimmt sich ihrer an. Sie fallen aus dem üblichen Therapieraster heraus. 2. Die Besessenheit ist sehr selten, während die Umsessenheit in den unterschiedlichen Graden häufiger vorkommt als man vermutet. Sie ist aber im Unterschied zur Besessenheit viel schwieriger zu erkennen. 3. Die (katholische) Kirche im deutschsprachigen Raum nimmt den Auftrag zur Heilung einschließlich der Dämonenaustreibung nicht ernst genug. Die Ursachen dafür liegen teils im persönlichen Unglauben, teils in der Angst vor negativen Reaktionen in den Medien, teils in der rationalistischen Auffassung, diese Störungen seien allesamt psychologisch zu erklären, teils in der Hilflosigkeit im Umgang mit dieser zweifellos heiklen Materie. 4. Handeln und Reden Jesu sind eindeutig und lassen nicht den zwingenden Schluß zu, daß der Satan nur eine Chiffre für das Böse im Menschen ist. 5. Die Lehre der Kirche spricht klar von der Existenz des Teufels; außerdem liegen entsprechende bezeugte 99

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Erfahrungen bei vielen Heiligen und Mystikern vor. Hinzukommen viele von Exorzisten gut dokumentierte Fälle. Sehr viele dämonische Belastungen vermischen sich auch mit seelischen Störungen. Das erschwert die Diagnose. Wer hier nur einseitig vorgeht, also nur psychiatrisch oder nur geistlich, kommt nicht zum Ziel. Deshalb ist in vielen Fällen sowohl eine psychotherapeutische als auch eine geistliche Therapie erforderlich. Die Kirche kann dem Auftrag zur Befreiung und Krankenheilung nur gerecht werden, indem sie Priester auch psychologisch schult und mit gläubigen Ärzten wie Psychotherapeuten eng zusammenarbeitet. Selbst wenn die Heilung auf einem sogenannten PlaceboEffekt beruhte, bliebe der kirchliche Auftrag zur Befreiung nicht überflüssig. Es gäbe keinen Grund, diesen Effekt zu verweigern. Der Erfolg ist wesentlich abhängig vom Charisma des jeweiligen Priesters, d. h. von dessen seelischer Verfassung, Glaubenskraft und Demut (ex opere operantis). Dies alles kann nur der geistlich gesinnte, mystische Mensch erkennen. »So muß der Christ der Zukunft ein Mystiker sein, oder er wird keiner sein.« (Karl Rahner).

Ob eine medizinisch und psychologisch nicht behandelbare Störung im okkulten, sprich dämonischen Dunstkreis anzusiedeln ist, läßt sich allzu oft nur vermuten. Beweise im empirischen Sinn gibt es nicht; wir bewegen uns hier im Glaubensbereich. Ob es sich dabei um die Attacken

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dämonischer Wesen handelt oder um einen »Notruf« gebundener Seelen von Verstorbenen, ist ohne das Charisma der Erkenntnis kaum zu diagnostizieren. Deshalb sollte stets um die Gabe der Erkenntnis und Unterscheidung gebetet werden. Daß beliebige Gebete nicht immer fruchten, sondern oft nur der kleine oder große Exorzismus, wirft viele Fragen auf bzw. läßt den besonderen Auftrag Jesu zur Dämonenaustreibung als eigenständigen pastoralen Dienst erkennen. Es braucht eine entsprechende Schulung. Die vielen offenen Fragen und Unsicherheiten in diesem Dienst sollten den Befürwortern kein Grund zur Resignation sein und den Gegnern keinen Anlaß geben zu hämischen, besserwisserischen Reaktionen. Ich räume durchaus ein, daß etliche Patienten, die sich für umsessen hielten und nach Gebet geheilt waren, vielleicht nicht wirklich umsessen waren. Spielt das nach der Genesung noch eine Rolle? Umgekehrt mag es unzählige Menschen geben, die nicht geheilt werden, weil ihre Umsessenheit nicht erkannt, ja nicht geglaubt wird. Wer macht sich hier schuldig: der Beter, der an die Existenz des Teufels glaubt, oder der »aufgeklärte« Zeitgenosse, der den Verzweifelten unterschiedlos für psychisch krank hält und stehenläßt? Ich mache meinen Dienst im Gehorsam und im Glauben, auch wenn es mir schwerfällt und ich manchmal am liebsten alles hinwerfen würde. Dieser Kampf ist ein Schwimmen gegen den Strom. Ganz abgesehen von den Verleumdungen, Mißverständnissen und vielen kleinen Widrigkeiten, denen man in diesem Dienst ausgesetzt ist. Wer aber als Christ noch nie angegriffen und lächerlich gemacht wurde, muß sich fragen, ob er richtig lebt.

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Verehrter Leser, verehrte Leserin,
es ist möglich, daß Sie nach Lektüre des Buches der Meinung sind, Opfer einer Verfluchung oder Seelenanklammerung zu sein, und die Hilfe eines Priesters suchen. Bevor Sie einen Priester bemühen, müssen Sie die Symptome psychologisch bzw. ärztlich abklären. Erst wenn dies zu keinem Erfolg führt, können Sie im Ordinariat ihrer Diözese (Adressen im Anhang) nach einem Priester fragen, der für den Befreiungsdienst beauftragt ist. Fragen Sie nicht bei mir an! Seit Erscheinen dieses Buches und seit wiederholten Meldungen in den Medien kann ich mich kaum noch der vielen Anfragen erwehren. Deshalb muß ich Sie an Ihren jeweiligen Ortsbischof verweisen, auch damit endlich Anlaufstellen geschaffen werden. Für die Diözese München gibt es ein Team, das sich der Betroffenen annimmt. Diesem Team gehören Ärzte, Priester, Psychologen und charismatisch begabte Christen an. Wenn Sie also in der Diözese München wohnen und ernsthaften Verdacht auf die hier genannten Ursachen haben, können Sie mich telefonisch konsultieren. Ich will Ihnen helfen, Ihr Problem abzuklären und bei vermuteter okkult bedingter Symptomatik einen Termin zu vermitteln. Selbstverständlich kostenlos. Ich wünsche Ihnen die Geduld einer Schildkröte, die Klugheit einer Schlange und die Stärke eines Elefanten. Vor allem aber den Segen unseres Gottes. P. Jörg Müller

Anschrift: P. Dr. Jörg Müller SAC Vinzenz-Pallotti-Haus Pallottinerstr. 2. D-85354 Freising Tel. (08161)9689-39 Fax (081 61) 9689-20

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Anmerkungen
1 Uwe Wolff: »Das große Buch der Engel«, Freiburg 1994, S. 100. 2 Osservatore Romano (deutsche Ausgabe) Nr. 47 vom 24. 11. 72. 3 »Träume Don Boscos«, herausgegeben von den Salesianern, Bendorf 1958 und Walter Nigg: Der Pfarrer von Ars. Freiburg 1992. Über Medjugorje gibt es inzwischen eine Fülle von Veröffentlichungen. Was die Höllenvisionen der Seher von Fatima betrifft, siehe: Georg Scharf: Fatima aktuell, Münster 2/ 1986, S. 86 und 135. 4 Johann Christoph Blumhardt: Die Krankheitsgeschichte der Gottliebin Dittus. Göttingen 2/1982. Blumhardt war Pfarrer in Möttlingen und vollzog den Befreiungsdienst zwischen 1840 und 1843. 5 Guido und Michael Grandt: Schwarzbuch Satanismus. Augsburg 1995. 6 Diesen besonderen Traum von der Zukunft der Kirche gibt es als Einzeldruck bei der Don Bosco-Buchhandlung in München. 7 Vor Gründung der Satanskirche war La Vey Privatdetektiv und Dompteur mit dem Namen Howard Levy. Er spielte übrigens in Roman Polanskis Film »Rosemaries Baby« den Teufel und in »Der Exorzist« den Bischof. Seine Lehre findet sich in The Satanic Bible, New York, Avon Books 1969 und The Satanic Ritual, New York, Avon Books 1972. Das Verwirrende an den Satansgruppen ist auch der Umstand, daß sie ihre Dämonen mit Namen von Heiligen und von Engeln benennen. Auch viele esoterische Zirkel vereinnahmen Heilige für ihren Zweck und verändern deren Lehre, z. B. Hildegard von Bingen, Franz von Assisi und Pater

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Pio, Therese von Lisieux. Sie machten sie einfach zu ihren Fürsprechern und nehmen sie posthum als Mitglieder auf, machen sie also zu »eingeweihten Meistern«, so z.B. die »White Fraternity of the IAM«. 8 Michael Ende gab das Interview der Zeitschrift IDEA-Spektrum Nr. 42/ 1986 Seite 3 f. 10 Josef Sudbrack: Neue Religiosität. Mainz 1987, S. 179. 11 Darauf weist auch der bekannte amerikanische Psychiater Dr. Raymond Moody hin, der seit Jahren die Aussagen reanimierter klinisch Toter sammelt und auswertet. Vgl. Moody, Nachgedanken über das Leben nach dem Tod. Reinbek 1997. 12 Prof. F. Goodman: Anneliese Michel und ihre Dämonen. Stein am Rhein 3 /1993. 13 Der Wicca-Kult ist eine Mixtur von Frauen-, Umweltschutzbewegung, Neuheidentum und New-Age-Bewegung. Jeder Hexenzirkel umfaßt 13 Mitglieder. Verehrt werden neben der Mutter Erde und dem Himmelsgott Pan das Kind des Lichts. Sexualpraktiken spielen eine wesentliche Rolle. Die ehemalige englische Hexenkönigin Doreen Irvine hat nach ihrer Bekehrung zum Christentum schonungslos offen die Praktiken und deren destruktive Folgen in ihrem Buch »Die Königin der schwarzen Hexen« (Aßlar 1985) beschrieben. 14 Klaus Berger: Darf man an Wunderglauben? Stuttgart 1996. 15 Psychologie heute. Oktober 1997, S. 10. 16 Mir sind persönlich neben Frau Simma noch drei weitere Personen bekannt, die mit spontanen Erscheinungen Verstorbener zu tun haben, meist gegen ihren Willen. Bei allen handelt es sich um normal entwickelte Persönlichkeiten, soweit ich das in den Gesprächen beurteilen kann. Sehr aufschlußreich ist hier eine Veröffentlichung von Elfriede Kudera: Erlebnisse mit Armen Seelen. St. Andrä-Wördern 1995. Auch: Einblick in das Fegefeuer. Parvis-Verlag 1995. Ich warne vor Totenbeschwörungen (Spiritismus), weil da niemals die gerufenen Verstorbenen kommen, sondern dämonische

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Wesen, die vorgeben, der Gerufene zu sein. Viele meiner Klienten, die unter Depressionen und psychovegetativen Störungen litten, hatten solche Praktiken ausgeübt. Die Bibel warnt davor (Deuteron. 18,10ff) und stellt bittere Konsequenzen in Aussicht (Is 8,22). 17 Hans Buob: Die Gabe der Unterscheidung der Geister. Linz 1989. 17a Im alten Taufritus war noch ein vollständiger Exorzismus enthalten. Hier der entscheidende Wortlaut: »Allmächtiger, ewiger Gott, blicke gnädig herab auf diesen deinen Diener (deine Dienerin), den (die) du in Gnaden zu den Anfängen des Glaubens berufen hast. Zerreiße alle Fesseln Satans, mit denen er (sie) gebunden war. ... Ich beschwöre dich, unreiner Geist, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, weiche von diesem Diener (dieser Dienerin) Gottes N.N. ..., den (die).Gott in der Taufe zu seiner Ehre gerufen hat.« 18 Wigand Siebel: Hat Maria den Satan besiegt? In: Theologisches, Mai 1997, S. 185 f. 19 Siehe in Psychologie heute, Dez. 1991, S. 48. 20 Hierzenberger/Nedomansky: Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria. Vollständige Dokumentation durch zwei Jahrtausende. Augsburg 1993. Und: Robert Ernst: Lexikon der Marienerscheinungen. Erschienen bei Anton Ruhland, Altötting 1989. 21 Alle Exorzisten bedauern, daß seit dem Zweiten Vatikanum die Wasserweihe in der Osternacht ohne Exorzismus-Formel vollzogen wird. 22 Dieser Vorgang war in der Presse zu lesen und wird von Rene Laurentin in seinem Buch »Der Teufel«, Hauteville/Schweiz 1996 Seite 313 erwähnt. 23 Siehe Georg Scharf: Fatimaaktuell. Münster 2/1986 und: Jörg Müller: Aufruf Mariens in Medjugorje. Jestetten. 4/1997.

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Gebete
Psalm 27
Der Herr ist mein Licht, er befreit mich und hilft mir; darum habe ich keine Angst. Bei ihm bin ich sicher wie in einer Burg; darum zittere ich vor niemand. Wenn meine Feinde mich bedrängen, wenn sie mir voller Haß ans Leben wollen, dann stürzen sie und richten sich zugrunde. Mag ein ganzes Heer mich umzingeln, ich habe keine Angst. Auch wenn es zum Kampf kommt: Ich vertraue auf ihn. Nur eine Bitte habe ich an den Herrn, das ist mein Herzenswunsch: Solang ich lebe, möchte ich in seinem Haus bleiben, um dort seine Freundlichkeit zu schauen und seinen Tempel zu bewundern. Wenn schlimme Tage kommen, nimmt der Herr mich bei sich auf, er gibt mir Schutz unter seinem Dach und stellt mich auf sicheren Felsengrund. Dann triumphiere ich über die Feinde, die mich von allen Seiten umringen. 106

Im Tempel bringe ich ihm meine Opfer, mit lautem Jubel danke ich dem Herrn, mit Singen und Spielen preise ich ihn. Herr, höre mich, wenn ich dich rufe; hab doch Erbarmen und antworte mir! Ich erinnere mich an deine Weisung; du hast gesagt: »Kommt zu mir!« Darum suche ich deine Nähe, Herr. Verbirg dich nicht vor mir! Jag mich nicht im Zorn von dir weg! Du hast mir doch immer geholfen; laß mich jetzt nicht im Stich! Verstoß mich nicht, Gott, du mein Retter! Wenn auch Vater und Mutter mich verstoßen, du, Herr, nimmst mich auf. Herr, zeige mir den richtigen Weg, leite mich auf gerader Bahn, damit meine Feinde schweigen müssen. Gib mich nicht ihrer Mordgier preis! Die Zeugen, die mich belasten sollen, Lügner sind sie, die das Recht zerstören! Doch ich weiß, ich muß nicht hinab zu den Toten; ich darf weiterleben, um deine Güte zu sehen. Vertrau auf den Herrn, sei stark und fasse Mut, vertrau auf den Herrn!

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Psalm 57
Erbarm dich, Gott, hab Erbarmen mit mir! Bei dir suche ich Zuflucht, im Schutz deiner Flügel will ich mich bergen, bis das Unglück vorüber ist. Zu Gott, dem Höchsten, schreie ich, zu ihm, der sich auf meine Seite stellt. Vom Himmel her wird er mir Hilfe schicken, auch wenn mein Verfolger noch so höhnt! Gott steht mir bei, denn er ist treu und gütig! Mir ist, als wäre ich umringt von Löwen, die gierig sind auf Menschenfleisch. Ihre Zähne sind spitz wie Speere und Pfeile, ihre Zungen scharf wie geschliffene Schwerter. Gott, überstrahle den Himmel mit deiner Herrlichkeit und erfülle die Erde mit deiner Macht! Sie haben mir ein Netz in den Weg gelegt, um mein Leben in ihre Gewalt zu bekommen. Eine Grube haben sie für mich gegraben; aber sie sind selber hineingefallen. Mein Herz ist ruhig geworden, Gott, ich fühle mich wieder sicher; mit einem Lied will ich dich preisen. Wach auf, mein Herz! 108

Harfe und Laute, wacht auf, denn heute will ich die Sonne wecken! Dir, Herr, bringe ich meinen Dank, von dir will ich singen vor allen Völkern; denn deine Güte reicht bis an den Himmel und deine Treue, so weit die Wolken ziehen! Gott, überstrahle den Himmel mit deiner Herrlichkeit und erfülle die Erde mit deiner Macht! Zum heiligen Erzengel Michael Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe gegen die Nachstellungen und die Bosheit des Teufels. Sei du unser Schutz! Der Herr gebiete ihm, so bitten wir flehentlich. Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, in der Kraft Gottes in die Hölle hinab. Amen. An die Muttergottes Hehre Königin des Himmels, Herrin der Engel, du hast von Gott die Macht und den Auftrag, das Haupt des Satans zu zertreten. Deshalb bitten wir dich demütig, sende uns die himmlischen Legionen zu Hilfe, auf daß sie nun unter deiner Führung die Dämonen verfolgen, sie überall bekämpfen, ihre vermessenen Angriffe abwehren und sie selber in den Abgrund zurückschleudern. Maria, du Mutter unseres Herrn, du wirst immer unsere Liebe und unsere Hoffnung sein. Sende die 109

heiligen Engel, auf daß sie mich verteidigen und den bösen Feind weit von mir stoßen. Heilige Engel und Erzengel, verteidigt uns und beschützt uns. Amen.

Zum heiligen Benedikt (Novene: An 9 Tagen jeweils 9 Vater unser / Ave Maria / Ehre sei dem Vater ... mit dem folgenden Zusatz:) Heiliger Vater Benedikt, du großer Helfer und Fürbitter, du Schrecken der bösen Geister, voll Vertrauen flehen wir zu dir in unserer Not. Lege Fürsprache ein für uns am göttlichen Thron und vertreibe die bösen Mächte mit ihren schädlichen Einflüssen. Segne uns, wie du einst mit großer Kraft gesegnet hast. Hl. Vater Benedikt, Patron Europas, bitte für uns, besonders in der Stunde unseres Todes. Amen Um Befreiung von bösen Mächten Auch bei reinem Verdacht ist es gut, um Befreiung zu beten. Der Verdacht auf dämonische Belastung kann sich ergeben, wenn vor Auftreten der Symptome okkulte Praktiken, Drogenkonsum, Kontakte mit Spiritisten und mit Magiern vorlagen. Unterstützen Sie Ihr Gebet mit Fasten, mit regelmäßigem Sakramentenempfang, vor allem Beichte und Kommunion, mit dem Rosenkranzgebet. Übertreiben Sie aber nicht. Und das folgende Gebet können Sie täglich einmal beten. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Herr, ich trete vor dich hin mit der Bitte, mich von aller Schuld 110

zu befreien; denn ich bin ein sündiger und schwacher Mensch. Du bist gekommen, die Sünder zu berufen und die Kranken zu heilen. So hoffe ich auf dein Erbarmen und bitte dich inständig, mich vom Bösen zu befreien, von allem Übel an Leib und Seele, Hab und Gut, von meinen Depressionen und Aggressionen, von meinem Mangel an Vertrauen und Liebe, von Hochmut und Stolz, von meinen Ängsten und von falschen Bindungen. Böse Mächte bedrängen mich; du aber wirst es nicht zulassen, sondern sie hinabwerfen in den Abgrund, wo sie keinen Schaden mehr zufügen können. Vater unser ... Heiliger Erzengel Michael, du Fürst der himmlischen Scharen, komm mir zu Hilfe und kämpfe mit deinen Engeln gegen die Mächte der Finsternis und ihre irdischen Helfershelfer. Bitte den Gott des Friedens, Satans Macht zu vernichten, daß er den Menschen und der Kirche nicht mehr schaden kann. Stürze die Knechte der Finsternis mit Gottes Kraft hinab in die Hölle. Heilige Maria, Mutter Gottes, Königin des Himmels, du hast von Gott die Macht und die Sendung erhalten, den Kopf der Schlange zu zertreten. Ich bitte dich demütig und voll Vertrauen: Sende deine Legionen, damit sie unter deinem Befehl die höllischen Geister verfolgen, bekämpfen und unschädlich machen. Gegrüßet seist du Maria ... Im Namen des dreifaltigen Gottes, durch die Fürsprache der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, des hl. Erzengels Michael, der hl. Petrus und Paulus, des hl. Benedikt und aller Heiligen sollen alle dämonischen Mächte gebunden und verstoßen sein; sie sollen keinerlei Schaden mehr zufügen, weder an mir, noch an meinen Mitmenschen. Auch sollen alle dämonischen Verwünschungen und Angriffe jeder Art unwirksam sein und sich zum Segen für mich und die Mitmenschen verwandeln. Ich bitte auch für meine Feinde und 111

für jene, die sich zu Handlangern des Bösen gemacht haben: Vergib ihnen ihre Schuld, führe sie zur Einsicht und Umkehr, entreiße sie den Fängen des Bösen. Jesu, ich bitte dich jetzt, mich in dein kostbares Blut einzutauchen, von allem Übel zu reinigen und vor künftigen dämonischen Attacken zu schützen. Versiegle mich und die Meinen! Stärke meinen Glauben, heile meine Wunden und mach mich zum Werkzeug deiner Liebe. Danke, daß du da bist und mich an dich ziehst; danke für deine Freundschaft. Amen

Kleiner Exorzismus (nur für stillen und privaten Gebrauch) Gebet von Papst Leo XIII. (1890)
Glorreicher Fürst der himmlischen Heerscharen, heiliger Erzengel Michael, beschütze uns im Kampfe gegen die Mächte, Gewalten und Herrscher der Finsternis und die Geister der Bosheit unter dem Himmel! Komm den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Ebenbild erschaffen und um einen so hohen Preis aus der Tyrannei Satans erkauft hat. Dich verehrt ja die Kirche als ihren Schutzherrn; dir übergab der Herr die Seelen der Erlösten, um sie zur himmlischen Seligkeit zu führen. Bitte den Gott des Friedens, er möge Satan unter unseren Füßen vernichten, damit er nicht länger die Menschen gefangenhalte und der Kirche Schaden zufüge. Bringe unser Gebet vor das Antlitz des Allerhöchsten: Er wolle uns mit seinem Erbarmen eilends zuvorkommen. Ergreife den Drachen, die alte Schlange, nämlich den Teufel, den Satan, und stürze ihn gefesselt in die Hölle, damit er nicht weiter das 112

Menschengeschlecht verführe! Im Namen Jesu Christi, unseres Gottes und Herrn, und durch die Fürsprache der Unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, des heiligen Erzengels Michael, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen (Bischöfe und Priester, die vom Ortsbischof die Erlaubnis erhalten, fügen bei: und gestützt auf die heilige Gewalt unseres Amtes), unternehmen wir voll Zuversicht den Kampf gegen die Angriffe des arglistigen Teufels. Im Namen und in der Kraft unseres Herrn Jesus Christus, gebiete ich dir, unreiner Geist, wer immer du bist, jede satanische Macht, jeden höllischen Feind, reiß dich los und entferne dich von der Kirche Gottes und von den Seelen, die nach Gottes Ebenbild erschaffen und durch sein kostbares Blut erlöst wurden. Du listige Schlange, wage nicht weiterhin, das Menschengeschlecht zu betrügen, die Kirche Gottes zu verfolgen und die von Gott Auserwählten zu schütteln und zu sieben, wie man den Weizen siebt. Dir gebietet Gott, der Allerhöchste, dem du in deinem großen Hochmut noch immer vermessentlich gleich sein willst, er, der will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Dir gebietet Gott, der Vater, dir gebietet Gott, der Sohn, dir gebietet Gott, der Heilige Geist. Dir gebietet Christus, das ewige Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, um das durch deinen Neid verlorengegangene Menschengeschlecht zu retten; er, der sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod. Er hat seine Kirche auf dem festen Felsen Petri erbaut und verheißen, daß die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden und daß er bei ihr bleibe alle Tage bis ans Ende der Welt. Dir gebietet das Geheimnis des Kreuzes und die Kraft aller Geheimnisse des christlichen Glaubens. Dir gebietet die glorreiche Jungfrau und Gottesmutter Maria, die 113

vom ersten Augenblick ihrer unbefleckten Empfängnis an dein stolzes Haupt durch ihre Demut zertreten hat. Dir gebietet der Glaube der heiligen Apostel Petrus und Paulus und der übrigen Apostel. Dir gebietet das Blut der Märtyrer und die mächtige Fürsprache aller heiligen Männer und Frauen. Ich gebiete dir also, du verfluchter Drache, und jedes Heer von Teufeln, durch den lebendigen Gott, durch den wahren Gott, durch den heiligen Gott, durch den Gott, der die Welt so sehr geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab, höre auf, die Menschen zu täuschen und ihnen das Gift darzureichen, das zur ewigen Verdammnis führt. Höre auf, der Kirche zu schaden und ihre Freiheit in Fesseln zu legen! Weiche, Satan, du Erfinder und Lehrmeister allen Truges, du Feind des menschlichen Heils. Mach Platz Christus, dem Herrn, an dem du nichts von deinen Werken vorfinden konntest! Fliehe, während wir den heiligen Namen Jesu anrufen, vor dem die Hölle erbebt, dem alle Mächte, Gewalten und Herrschaften des Himmels Untertan sind, den die Cherubim und die Seraphim unaufhörlich preisen mit den Worten: Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen! Herr, erhöre mein Gebet. Und laß mein Rufen zu dir kommen. Der Herr sei mit euch. Und mit deinem Geiste. Lasset uns beten. Gott des Himmels, Gott der Erde, Gott der Engel, Gott der Patriarchen, Gott der Propheten, Gott der Märtyrer, Gott der Bekenner, Gott der Jungfrauen: Gott, der du die Macht hast, nach dem Tod das Leben, nach der Mühe die Ruhe zu verleihen. Außer dir gibt es keinen anderen Gott. Du bist der 114

Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge und deines Reiches wird kein Ende sein. Demütig flehen wir deine glorreiche Majestät an, befreie uns mit deiner Macht von der Gewalt, von jedem Fallstrick und Betrug, von der Verruchtheit der höllischen Geister, und bewahre uns unversehrt. Durch Christus, unseren Herrn. Amen. Vor den Nachstellungen des Teufels: bewahre uns, o Herr! Daß du deiner Kirche Sicherheit und Freiheit in deinem Dienst gewähren wollest: wir bitten dich, erhöre uns! Daß du die Feinde der heiligen Kirche demütigen wollest: wir bitten dich, erhöre uns!

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Anschriften der Bischöflichen Ordinariate
In Deutschland

52003 Aachen Klosterplatz 7 86152 Augsburg Fronhof 4 96033 Bamberg Domplatz 3 14005 Berlin Wundtstr. 48-50 01309 Dresden Käthe-KollwitzUfer 84 85067 Eichstätt Leonrodplatz 4 99084 Erfurt Herrmannsplatz 9 45004 Essen Zwölfling 6 79095 Freiburg Herrenstr. 35 36001 Fulda Paulustor 5 02802 Görlitz Carl v. Ossietzky-Str. 41

20013 Hamburg Danzigerstr. 52a 31102 Hildesheim Domhof 18-21 50606 Köln Marzellenstr. 32 65533 Limburg Roßmarkt 4 39104 Magdeburg Max Josef Metzger Str. 1 55005 Mainz Bischofsplatz 4 80063 München Postfach 330360 48135 Münster Domplatz 27 49003 Osnabrück Hasestr. 40 a 33044 Paderborn Domplatz 3 94032 Passau Residenzplatz 8

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93043 Regensburg Niedermünstergasse 1 72101 Rottenburg Eugen Bolz Platz 1 67343 Speyer Kleine Paffengasse 16 542.03 Trier Hinter dem Dom 6 97067 Würzburg Domerschulstr. 2

3100 St. Polten Domplatz 1 1010 Wien Wollzeile 2

Bischöfliche Ordinariate und Gebietsabteien Schweiz
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In Österreich
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1204 Geneve 13, rue des Granges 6901 Lugano via Borghetto 6 9001 St. Gallen Klosterhof 6 b 1950 Sion 2 121, avenue de la Tour 8840 Einsiedeln Kloster

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Weiterführende Literatur
Bäumer, U.: Rockmusik - eine kritische Analyse. Bielefeld 1988 Berger, Klaus: Darf man an Wunder glauben? Stuttgart 1996 Biser, Eugen: Therapeutische Seelsorge. In: Geist und Leben Nr. 3/1997, S. 199 ff Blumhardt, Johann Chr.: Die Krankheitsgeschichte der Gottliebin Dittus. Göttingen 2/1982 Bullinger, Kaspar: Anneliese Michel und die Aussagen der Dämonen. Altötting 1981 Buob, Hans: Die Gabe der Unterscheidung der Geister. Linz 1989 Gertler, Thomas: Herausgefordert vom Bösen. In: Geist und Leben Nr. 2/1997, S. 83 ff Goodman, Felicitas D.: Anneliese Michel und ihre Dämonen. Stein/Rhein 3/1993 Görres, A./Rahner, K.: Das Böse. Freiburg 1982 Grandt, Guido und Michael: Schwarzbuch Satanismus. Augsburg 1995 Hierzenberger, G./Nedomansky, O.: Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter. Vollständige Dokumentation durch zwei Jahrtausende. Augsburg 1993 Kongregation f. d. Glaubenslehre: Christlicher Glaube und Dämonenlehre. Stein/Rhein 2/1984 Kriese, Richard: Okkultismus im Angriff. Neuhausen-Stuttgart 3/1986 Laurentin, Rene: Der Teufel. Mythos oder Realität? Hauteville/Schweiz 1996 McAII, Kenneth: Familienschuld und Heilung. Salzburg 1986 Milingo, Emmanuel: Gegen Satan. Mailand 2/1995 Moody, Raymond: Nachgedanken über das Leben nach dem Tod. Reinbek 1997 Müller, Joachim (Hg.): Dämonen unter uns? Exorzismus heute. Freiburg/Schweiz 1997

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Müller, Jörg: Aufruf Mariens in Medjugorje. Jestetten 5/2000 Nigg, Walter: Der Pfarrer von Ars. Freiburg 1992 Pain, Tim: Biblische Lehre und Praxis der Befreiung von dämonischen Mächten und Einflüssen. Kreuzungen/Schweiz 1989 Rodewyk, Adolf S. J.: Dämonische Besessenheit heute. Tatsachen und Deutungen. Aschaffenburg 3/1974 Romme, Marius: Stimmenhören akzeptieren. Bonn 1997 Ruthe, Reinhold: Medien, Magier, Mächte. Moers 1988 Salesianer (Hg.): Träume Don Boscos. Bendorf 1958 Scharf, Georg: Fatima aktuell. Botschaft und Boten. Münster 2/1986 Siebel, Wigand: Hat Maria den Satan besiegt? In: Theologisches. Mai 1997, S. 185 f Siegmund, Georg, Prof. Dr. (Hg.): Der Exorzismus der Katholischen Kirche. Stein/Rhein 2/1989 Sudbrack, Josef: Neue Religiosität. Herausforderung für die Christen. Mainz 1987 Wiesendanger, Harald: Griff okkulter Mächte? In: Psychologie heute. Dez. 1991 Wolff, Uwe: Das große Buch der Engel. Freiburg 1994

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