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III.I.

II Historische Anfänge der christlichen Kirche in Ägypten Die Anfänge des Christentums in Ägypten gehen bereits auf das erste Jahrhundert nach Christus zurück. Die ersten Christen dürften ihren Ursprung in den Judengemeinden Ägyptens haben. Die Geschichte der Kopten als Kirche beginnt am ehesten mit Beginn der koptischen Zeitrechung im Jahre 284 nach Christus. In dieses Jahr fällt der Regierungsantritt Diokletians (röm. Kaiser 284-305), unter dessen Regentschaft massive Christenverfolgungen im gesamten Römischen Reich, vor allem aber auch in Ägypten stattgefunden haben. Die Kopten nehmen diese Datum als Beginn ihrer Zeitrechnung, da sie eine massive Märtyrerverehrung betreiben - deshalb auch die Bezeichnung ,,Anno Martyrum" für die Zählung nach dieser Zeit. Die große Märtyrerverehrung wird auch in einem ihrer wichtigsten Bücher, dem Synaxarium, deutlich, in dem Geschichten von Heiligen und vor allem Märtyrern gesammelt sind. In diese Zeit fällt auch die erste Bibelübersetzung in die ägyptischen Sprachen, da unter der Bevölkerung das griechische nicht sehr verbreitet war. Die Bibel wurde nach und nach in verschiedene Dialekte übersetzt, wobei sich aber der saidische Dialekt im Laufe der Zeit als wichtigster herausgebildet hat. Dieser wird heute als ,,Koptisch" bezeichnet und entwickelte sich zur Literatursprache der Kopten. Eine Beruhigung der Situation der Kopten fand erst unter Konstantin(röm. Kaiser 313-337) statt, der den christlichen Glauben zunächst zur Annerkennung verhalf und das Chistentum in Jahre 324 zur Hauptreligion des Römischen Reichs erklärte. Literatur: Karnal S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.39 ff Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.29 ff III.II Die Zeit dogmatischer und kirchenpolitischer Auseinandersetzungen (324-395) In der Zeit der Ruhe und des Friedens fand die koptische Kirche zu zunehmender Stabilität und konnte ihre Rolle im Gefüge der christlichen Kirchen deutlich stärken. Es kam sogar zu einer Vormachtstellung der koptischen Kirche gegenüber den vier anderen wichtigen christlichen Kirchen (Rom, Konstantinopel, Jerusalem und Antiochien). Der ägyptischen Kirche, bzw. der Kirche Alexandriens (benannt nach dem Patriarchensitz), kam in dogmatischen Frage in dieser Zeit die herausragende Stellung zu und bis zum Konzil von Chalkedon sollte sie auch in diesen Fragen bestimmend bleiben, auch wenn, wie im weiteren erläutert wird, auch einige unruhige Perioden in diese Zeit fallen. In die gleiche Zeit fällt auch der Beginn der Mission der koptischen Kirche nach Äthiopien. Ihre bestimmende Rolle ging sogar soweit, daß auf ihr Betreiben hin drei byzantinische Patriarchen abgesetzt und exkommuniziert wurden. Besonders hervor tat sie sich im Kampf gegen Arius und seine Lehre, vor allem auf dem Konzil von Nizäa (325), wo Arius, hauptsächlich auf das Betreiben des späteren alexandrinischen Patriarchen Athanasius (328-373) hin, exkommuniziert wurde. Aber schon kurz nach Athanasius′ Amtsantritt im Jahre 328 geriet sie in Streit mit Rom, da Konstantin den Arianern wieder das Recht zugestand, kirchlicher Ämter zu bekleiden. Im Verlaufe dieses Streites mußte Athanasius mehrmals in die Verbannung gehen, in der er insgesamt 17 Jahre seiner Regentschaft verbrachte. Aber nicht nur in dogmatischer Hinsicht war die ägyptische Kirche in jener Zeit tonangebend, auch ein bedeutender Impuls, das Leben vieler Gläubiger betreffend, ging von ihr aus. Das Mönchtum fand im Ägypten dieser Zeit seinen Ursprung. Die erste Verbannung Athanasius′ endete im Jahre 343 mit dessen Rehabilitierung durch das Konzil von Rom. Dieses gab ihm von Kirchenseite her das Recht, auf seinen Sitz zurückzukehren, aber erst 346 nach der Bestätigung der Rehabilitierung durch Konstantius

gelang dies wirklich. Nur 15 Jahre später aber brach eine neue Zeit der Verfolgung für die Christen Ägyptens herein. Im Jahre 361 kam in Rom Julian an die Macht, der vom Bestreben, die alten Herrschaftstrukturen und Götter, vor allem den Sonnengott, als dessen Repräsentant er sich sah, wieder einzusetzen, getrieben war. Unter ihm mußten die Christen wieder unter erheblichen Represallien leiden, wurden aller ihrer Ämter enthoben und teilweise sogar verfolgt. Gerade in Ägypten kam es zu größeren Auschreitungen gegenüber den Christen. Auf Julian folgte im Jahre 363 Valens als Kaiser auf dem römischen Thron. Er sollte die Geschicke des Reiches bis ins Jahr 378 lenken. Unter ihm, der ein überzeugter Anhänger des Arianismus war, mußte Atanasius seine erneute, unter Julian begonnene Verbannung, fortsetzen. Diesmal blieb die Verbannung aber nicht ohne Folgen. Das ägyptische Volk erhob sich gegen die Verbannung seines Patriarchen und verstärkte den Druck auf Valens zunehmend, bis dieser 366 nachgeben mußte und Athanasius die erneute Rückkehr nach Alexandrien gestattete. Im Jahre 373 starb Athanasius, nachdem er seine sieben letzten Lebensjahre in Alexandrien verbringen konnte. Sein Nachfolger wurde Petrus II. (373-380), der auch wieder in die Verbannung gehen mußte (erneut unter Valens). Zu einer erneuten Beruhigung der Situation und Blüte des Reiches kam es unter Valens′ Nachfolger, Theodosius I. (379-395), der in seiner Haltung wieder an die Arbeit des Konstantin anknüpfte und das Christentum endgültig zur römischen Staatsreligion erklärte. Diese Zeit der Stabilität nutzte die ägyptische Kirche zur Ausbreitung unter den noch nicht zum christlichen Glauben übergetretenen Teilen der ägyptischen Bevölkerung. Diesmal geschah dies aber nicht durch das Wort allein, sondern mit deutlich härteren Mittel. So wurden viele der heidnischen Tempel, die noch aus altägyptischer Zeit existierten, zerstört bzw. zu Kirchen umgewandelt. Auch vor Schulen, wie dem Serapaion in Alexandrien, an dem heidnische Gelehrte forschten, wurde nicht haltgemacht. Nicht nur die Heiden mußten nun unter der Unterdrückung durch die Christen leiden, sondern auch die Juden. Die Judengemeinde in Alexandrien wurde zunächst unterdrückt und dann sogar vertrieben. Mit dem Tod von Theodosius im Jahre 395 endete aber auch diese Phase der Ausdehnung und Stabilität für die koptische Kirche. Der Kaiser hatte erklärt, daß sein Reich nach seinem Ableben unter seinen Söhnen Arkadius und Honorius geteilt werden sollte. West-Rom fiel an Honorius und Ost-Rom, somit auch Ägypten, an Arkadius. Durch diesen Akt der Trennung gelangte die ägyptische Kirche erneut unter byzantinische Kontrolle. Literatur: Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.40 ff Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.30 ff III.III Die byzantinische Herrschaft über Ägypten (395-642) In dieser Phase verlor Ägypten mehr und mehr seine Bedeutung. Byzanz war es vor allem an der Ausbeutung des Landes gelegen, auch wenn es zunächst so aussah, als sollte sich die Blüte der Jahre unter Theodosius I. fortsetzen. Der nach Arkadius zum byzantinischen Kaiser gewordene Theodosius II. (408-450) achtete die koptische Kirche sehr und umgab sich mit Mönchen und Beratern aus dem Spektrum der Christen Ägyptens. Auch hinderte er den Patriarchen Theophilus (385-412) nicht in dessen Versuchen, um den Ausbau der Kirche. Dessen Nachfolger Kyrillus I. (412-444) wurde zu einem der bisher mächtigsten Patriarchen Alexandriens. Doch seine Macht verleitete ihn auch dazu, die Ausdehnung der koptischen

Kirche mit Gewalt durchzusetzen, was zu zunehmendes Spannungen zwischen Christen und Nichtchristen, vor allem Juden, führte. Nachdem Juden Christen angegriffen hatten, griff Kyrillus hart durch und ließ in ganz Ägypten Synagogen niederbrennen oder zu Kirchen umwandeln. Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung wurde vertrieben. Mit diesen Mitteln festigte er zunächst die Vormachtstellung der koptischen Kirche im Gefüge der Christenheit. Die größte Macht hatte sie wohl beim Konzil von Ephesus (431) inne. Zu dieser Zeit genoß sie die volle Unterstützung des Kaisers. Im Vorfeld des Konzils und vor allem beim Konzil selbst, kam es zum Streit zwischen Kyrillus und dem Patriarchen Konstantinopels, Nestorius. In diesem Machtkampf, in dem es weniger um theologische Fragen als um politische Macht ging, setzte sich Kyrillus durch und veranlaßte die Verurteilung Nestorius′ als Häretiker und dessen Amtsenthebung. Diese Stellung büßte die koptische Kirche allerdings bald wieder ein. Nachfolger von Kyrillus wurde Dioskur I. (444-457), der die Zweinaturenlehre ablehnte. In seiner Zeit kam es zu einer zunehmend Entfremdung zwischen der Kirche Alexandriens und der Kirche Roms, was beim Konzil von Chalkedon (451), auf Grund der Ablehnung der sich durchsetzenden Zweinaturenlehre durch Dioskur I., zum Schisma führte. Die Lehre von der einen Natur Christus′ (Monyphysitismus) setzte sich, gegen den scharfen Wiederstand der Vetreter des Diophysitismus, in Ägypten durch. Dies geschah aber nicht nur, wegen der theologischen Fragen, sondern vor allem auch, weil das Volk damit seinen Wiederstand gegen die byzantinische Herrschaft bekunden konnte. Diese Weichenstellung zur Trennung wollte aber Byzanz nicht einfach hinnehmen und verbannte Dioskur I. Die Auseinandersetzung weitete sich zusehends in Richtung einer Auseinandersetzung um politische und wirtschaftliche Frage hin aus. Gegen den vom ägyptischen Volk gewählten Patriarchen Timothaus II. (457-477) setzte der byzantinische Kaiser Leon (457-474) einen Gegenpatriarchen, den Melkiten (Melkiten = ,,die Kaisertreuen") Pretorius, ein. Im Jahr 460 kam es zu einem Aufstand der Ägypter gegen Byzanz, der aber bald niedergeschlagen wurde. Timothaus mußte zweimal in die Verbannung gehen. Auch sein, von den ägyptischen Klerikern gewählter Nachfolger, Petrus II. (477-490), wurde von Byzanz nicht akzeptiert und durch den Melkiten Timothaus Salophakiolus ersetzt. Auf Jahre hin kam es zu einer Doppelbesetzung des Patriarchensitzes, zum einen, durch die jeweils von koptischen Klerikern gewählten Patriarchen, zum andern durch die von Byzanz eingesetzten Melkiten. Unter dem melkitischen Patriarchen Paul von der Thebais(538-539) nahmen die Spannungen weiter zu und es kam sogar zu einer einjährigen Schließung aller koptischen Kirchen. Der koptische Patriarch Theodosius I. (535-567) mußte vor der Verfolgung durch Byzanz fliehen und sich in Klöstern und kleineren Orten verstecken. Ab dem Jahre 538 gab es, bis zum Einfall der Araber (642), zwei konkurrierende Kirchenleitungen , die melkitische, die die diophysitische Lehre vertrat und die koptische, welche für die monophysitische Lehre eintrat. In dieser Phase kam es auch zu einer Annäherung der Kirche von Alexandrien an die Kirche Antiochiens, die auch monophysitsich eingestellt war. Die Kopten mußten weiterhin unter der Unterdrückung von Byzanz leiden, im Jahre 610 wurden sogar alle Kopten aus der Stadt Alexandrien ausgewiesen. Das Ausmaß der Verfolgung erreichte unter dem Patriarchen Cyrus, der gleichzeitig auch Statthalter von Alexandrien war einen neuen Höhepunkt. Aber nicht nur vom eigenen Staat her bestand eine Gefahr für die Kopten, sondern auch von außen trat eine neue Bedrohung auf. Im Jahr 619 kam es zu Angriffen der Perser, unter der Dynastie der Sassaniden, auf Ägypten. Kloster wurden gebrandschatzt und zerstört. Aber die Perser, die das Land zwischenzeitlich teilweise besetzten, brachten auch Vorteile für die

koptische Kirche, die mehr und mehr Freiheiten bekam, denn sie stand den Persern, als Feinden der Byzantiner nicht unfreundlich gegenüber. Diese freie Phase sollte aber auch nur zehn Jahre andauern, denn unter Kaiser Heraklios wurden die Perser wieder aus Ägypten vertrieben. Unter dem von Heraklios eingesetzten Patriarchen Kyros wurden die Kopten nun wieder auf grausamste Weise verfolgt, so daß viele ihrer Führer aus Ägypten fliehen mußten. Literatur: Chauleur ; Histoire des Coptes d′Ègypte ; S.59 ff Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.33 ff Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.43 ff III.IV Ägypten unter arabischer Herrschaft (642-1517) III.IV.I Arabische Eroberung und Frühzeit arabischer Herrschaft (642-660) Im Jahre 622 lag der Beginn einer Entwicklung, die sowohl die religiösen als auch die politischen Gegebenheiten in Arabien, Nordafrika und bis nach Europa hinein unumkehrbar verändern sollte. In diesem Jahr fand die Hedschra des Propheten Mohammeds aus Mekka statt. In der Folge dieses Ereignisses begann die Ausdehnung des Islams durch die gesamte orientalische Welt. Seit dem Jahr 638 kam es auch zu ersten Angriffen auf Ägypten und im Jahre 642, im gleichen Jahr wie Persien, gelang es den Arabern, mit einem Heer von nur 4000 Mann, Ägypten unter ihre Kontrollen zu bringen. 645 gelang es den Byzantinern zwar noch einmal, Alexandrien zu erobern, doch dies blieb ein kurzes Intermezzo, denn im selben Jahr glückte den Arabern auch schon die Rückeroberung der Stadt. Aus dieser Zeit stammt dann auch, wie oben erwähnt, der Begriff ,,Kopten", abgeleitet von ,,Qibt" bzw. ,,Qubt", der Bezeichnung der Araber für die Ägypter. Zur Zeit des Einmarsches und der Eroberung war Benjamin I, der gerade wieder zur Stärkung der koptischen Kirche beigetragen hatte, Patriarch. Er hatte dieses Amt von 623 -652 inne. Zunächst hatte es den Anschein, als solle die koptische Kirche unter den arabischen Herrschern große Freiheit zugestanden bekommen, dies wurde Benjamin I., genau wie Schutz durch den arabischen Staat, auch von den arabischen Herrschern zugestanden. In der Realität stellte sich die Situation dennoch anders dar, von einer Gleichheit kann in keinster Weise gesprochen werden. Den Kopten wurde kein Zugang zu höheren Staatsämtern bzw. zur Oberschicht gewährt, niedrigere Staatsämter auszuüben war ihnen nur erlaubt, wenn sie zum Islam übertraten. Allerdings muß auch erwähnt werden, daß diese Regelung, im Bezug auf niedere Steuer -und Verwaltungsämter bereits Ende 642 gelockert wurde, vor allem auf Grund eines vorherrschenden Beamtenmangels, wurden Kopten für diese Positionen zugelassen. Weiterhin hatten sie bestimmten Regeln zu folgen, so mußten sie sich kennzeichnen und eine Kopfsteuer, den sog. ,,Dhimmi" zahlen, der für jeden Erwachsenen männlichen Kopten 2 Dinar pro Jahr betrug. Wenn auch das wirtschaftliche Leben der Kopten in dieser Zeit litt, und viele Kopten, vor allem um der Kopfsteuer zu entgehen, zum Islam konvertierten, so gelangte dennoch das kirchlich und klösterliche Leben zu einer neuen Blüte, die den Grundstein bildete für das Überleben der Kopten in den kommenden, schwereren Zeiten. Literatur: Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.46 ff Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.47 ff ,,Sturm aus der Wüste - Die Ausbreitung des Islam" in Geschichte mit Pfiff, Ausgabe 01/96 : Die Welt des Propheten

III.IV.II Omaijaden (661-749) Diese Zeiten brachen an, als es Muawija im Jahre 661 gelang, aus den Streitigkeiten um den Nachfolger im Amt des Kalifen, mit seiner Gruppe, den Sunniten, sich gegen die Schiiten durchzusetzen, die sich unter der Führung Alis, dem Vetter Mohammeds, abgespalten hatten.... eine Spaltung, die bis heute andauert und auch in späteren Jahren immer wieder zu blutigen Konflikten bis hin in unsere Zeit führen sollte. Muawija begründete die die Dynastie der Omajaden, die zwischen 661 und 749 die Kontrolle über die arabische Welt hatten. Unter dieser Herrscherdynastie nahm der Druck auf die Kopten zu, die Kopfsteuer wurde rigoroser eingetrieben. Zur gleichen Zeit leiteten die Omajaden, die auch den Kalifensitz nach Damaskus verlegt hatten, eine administrative Neuordnung Ägyptens ein. Das Land wurde unter die Kontrole eines Präfekten gestellt, der vor allem die Eintreibung der Kopfsteuer und die Ordnung im Land überwachen und intensivieren sollte. Unter dem zunehmenden Druck traten immer mehr Kopten zum Islam über. Literatur: Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.48 Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.51 f ,,Die Omaijaden - Das Großreich des Kalifen" in Geschichte mit Pfiff, Ausgabe 01/96: Die Welt des Propheten III.IV.III Abbassiden (749-868) Einen Höhepunkt erreichte diese Übertrittswelle unter der Dynastie der Abbassiden (749943), die der der Omajaden folgte. Zwar hatte Ägypten in dieser Zeit keinen Präfekten mehr, sondern wurde nun direkt aus der neuen Hauptstadt des islamischen Reiches, Bagdad, kontrolliert und regiert, aber dennoch wuchsen der Druck und die Spannungen deutlich an. Die Dynastie der Abbassiden erreichte in der Zeit um das Jahr 800 herum seinen Höhepunkt, als es vom berühmten Harun ar Rasschid regiert wurde. In besonders großem Masse kam es unter dieser Dynastie zu Spannungen zwischen konvertierten und nicht konvertierten Kopten, die in den Jahren 827-830 ihren Höhepunkt erreichten. In dieser Zeit wurden viele koptische Kirchen zerstört und Klöster geplündert. In der Folge versuchte der Khalif die Kopten wieder zu beruhigen, in dem er ihnen Mittel zur Verfügung stellte, um den Wiederaufbau der in den Jahren zuvor zerstörten Kirchen und Klöster zu finanzieren. Aber schon wenige Jahrzehnte später sollten für die Kopten wieder bessere Zeiten anbrechen. Das Amt des Präfekten wurde wieder eingeführt, da die Khalifen immer mehr die Kontrolle über ihr Reich zu verlieren schienen. Im Jahre 868 gelang es dem Türken Ibn Tulun, dieses Amt mit Hilfe seiner Armee zu erlangen und er tat es vielen Vorbildern in anderen Teilen des Reiches gleich und erklärte den von ihm kontrollierten Teil für unabhängig. Der Khalif, der zu diesem Zeitpunkt schon einen großen Teil seiner Macht eingebüßt hatte, konnte dem nichts entgegensetzen und mußte das Land in die Unabhängigkeit entlassen. Literatur: Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.52 ff Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.49 III.IV.IV Tuluniden (868-935) und Ikhschiden (935-969) So wurde von Ibn Tulun die Dynastie der Tuluniden begründet, die das Land von 868-935 regierten und von Ägypten aus ihre Herrschaft bis nach Antiochien, Palästina und Syrien

ausdehnen konnten. Für die Kopten brach in dieser Zeit eine Ära der, zumindest religiösen, Freiheit an, auch wenn sie weiterhin die Kopfsteuer entrichten mußten. Es kam zwar noch einmal zu einem Intermezzo der Abbassiden, die in der Zeit zwischen 905 und 935 zeitweise wieder etwas mehr Kontrolle über Ägypten bekommen konnten, denen es aber, auch wenn die offiziell wieder die direkte Kontrolle über Ägypten hatten, nicht gelang, die Tuluniden wieder zu vertreiben und ihre eigene Dynastie in diesem Teil des Reiches wieder zu etablieren. Allerdings gibt es in diesem Punkt teilweise abweichende Meinungen in der Literatur, die von einer größeren Kontrolle durch die Abbassiden sprechen. Auf die Zeit der Tuluniden folgte die kurzlebige Dynastie der Ikhschiden (939-969), unter der die Politik der Tuluninden weitgehend fortgesetzt wurde, bestimmte Gruppen der Kopten, wie Mönche und Bischöfe wurden sogar von der Kopfsteuer befreit. Diese Dynastie, die nicht lange Bestand hatte sollte durch eine abgelöst werden, die für die Zukunft Ägyptens und der arabischen Welt insgesamt von großer Bedeutung war. Literatur: Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.55 ff Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.49 III.IV.V Fatimiden (969-1171) Im Jahr 969 eroberten Truppen unter General Gauhar, aus Marokko kommend Ägypten und verleibten es ihrem Herrschaftbereich ein. In Marokko regierte zu dieser Zeit die Dynastie der Fatimiden. Gleich nach der Eroberung des Landes gründeten die überzeugten Schiiten Kairo, die neue und heutige Hauptstadt des Landes. Sie sollten das Land mehr als 200 Jahre lang, bis 1171, beherrschen. In ihre Zeit fällt auch der Bau der berühmten al-Azhar Moschee. Zunächst sah es für die Kopten unter den neuen Herrschern so aus, als solle sich die Entspannung weiter fortsetzen, als schien es wirklich eine Möglichkeit der Gleichberechtigung in der Zukunft zu geben. Die Kopten wurden zu höheren Beamtenämtern zugelassen, sogar ein Ministerposten wurde ihnen gewährt. Vor allem unter den frühen Herrschern Al-Mo′ez (972-975) und seinem Sohn Al-′Aziz (975-996), der sogar mit einer Christin verheiratet war, kam es zu einer Zeit der neuen Blüte für die koptische Kirche. Ägyptsichen Christen wurde sogar die Kontrolle über das Patriarchenamts Jerusalems gegeben. In größerem Ausmaß finanzierte Al-′Aziz auch den Wieder -und Neuaufbau alter koptischer Kirchen. Diese für die Kopten sehr glückliche Zeit fand allerdings ein schnelles Ende, mit einem Umschwung, wie er für die Kopten nicht hätte schlimmer sein können. Nachfolger von Al-′Aziz wurde der, oftmals als verrückt bezeichnete, Al-Hakim (996-1020), der eine 15 Jahre währende Zeit der extremen Unterdrückung für die Kopten, aber auch für die Juden und Sunniten, einleitete. Die Andersgläubigen mußten von nun an wieder Erkennungszeichen tragen, Kopten wie Juden. Kirchen und Synagogen, Klöster und Gebetshäuser wurden niedergebrannt, die koptischen Tauf -und Märtyrerfest wurden verboten und den nicht zerstörten Kirchen und Klöstern wurde jede Möglichkeit zu Einnahmen, die für den Erhalt notwendig waren, genommen. Durch seinen Befehl wurde auch die, so bedeutende, Grabeskirche in Jerusalem zerstört. Nach diesen 15 Jahren ging aber eine überraschende Wandlung in Al-Hakim vor sich. Im Jahr 1011 nahm er alle seine früheren, die koptische Kirche betreffenden, Dekrete und Entscheidungen zurück und gab den Kopten wieder die gleichen Rechte wie vor seinem Amtsantritt, sogar der Wiederaufbau von Kirchen und Klöstern wurde begonnen. Dieser Zustand sollte auch bis zum Ende der Herrschaft der Fatimiden andauern und viele, vorher zum Islam übergetretene Christen kehrten zu ihrer Kirche zurück. Eine weiteres bedeutsames Ereignis fällt auch noch in diese Zeit. Unter der Regentschaft von

Al-Mutansir (1036-1094), der ein schwacher Herrscher war, wurde der Sitz des Patriarchen von Alexandrien nach Kairo verlegt. Literatur: Chauleur ; Histoire des Coptes d′Ègypte ; S.121 f Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.59 ff Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.49 III.IV.VI Ajubiden (1171-1250) Auf die Dynastie der Fatimiden folgte die Dynastie der Ajjubiden, die von einem, auch uns sehr bekannten Herrscher, gegründet wurde. Wir nennen ihn Saladin; sein richtiger Name war allerdings Salah ad Din. Er war kurdischer Abstammung und übernahm nach dem Aussterben der Fatimidendynastie die Rolle des Herrschers. In seine Regierungszeit fallen viele der großen Auseinandersetzungen mit den Kreuzfahrerheeren des christlichen Europas. Er selbst herrschte von 1171-1193 über ein Reich, daß er bis nach Mesopotamien ausdehnen konnte und das er wieder stärker an den Khalifen in Bagdad annäherte. Er wurde zum ersten Sultan Ägyptens, der neuen Herrscherbezeichnung. Unter dieser Dynastie mußten sich die Kopten wieder kennzeichnen. Auch wenn sie offiziell weiterhin Ämter bekleiden durften, so wurden sie dennoch nach und nach aus diesen verdrängt und die Zeit war für sie keineswegs mehr so gut, wie unter den Fatimiden. Die Ajjubiden hatten sich auch in der Zeit nach Saladin weiter mit den christlichen Kreuzfahrerheeren auseinanderzusetzen, denen es aber, wenn die auch teilweise Brückenköpfe bilden konnten, nie gelang weite Teile des ägyptischen Kernlandes unter ihre Kontrolle zu bringen. Im Jahre 1229 kam es sogar zu einem Abkommen zwischen Friedrich II und dem Sultan, zu diesem Zeitpunkt Al Makil al Kamil (1218-1238), dem selben Herrscher, der schon 1219 Franz von Assisi an seinem Hof empfangen hatte, das für beide Seite akzeptabel war. Literatur: Chauleur ; Histoire des Coptes d′Ègypte ; S.123 ff Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.69 ff III.IV.VII Mameluken (1250-1517) Im Jahre 1250 gelangten die Mameluken, die fast 300 Jahre, bis ins Jahr 1517 das Land regieren sollten, an die Macht. Sie waren ursprünglich Sklaven türkischer Abstammung, die später zur Leibgarde des Sultans wurden. Einer unter ihnen heiratete 1250 die Frau des verstorbenen letzten Ajjubiden Sultans, Al Malik as Salih (1240-1249), die zuvor ein Jahr alleine regiert hatte. Dieser, seine Name war Izz ad Din Aibak, herrschte von 1250-1257, bis er auf Geheiss seiner Frau ermordet wurde und begründete die Dynastie der Mameluken. Viel ist aus dieser Zeit über das Leben der Kopten nicht bekannt, bedeutend ist jedoch, daß sie ab 1300 offiziell wieder von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen wurden, wenn sie nicht zum Islam übertraten. Allerdings bekleideten sie diese oft weiterhin, da sie auf Grund ihrer Leistung hochgeschätzt waren. Im allgemeinen konnten sie aber unbehelligt weiterleben. Die schlechte Informationslage aus dieser Zeit ist vor allem auf Grund der häufigen Unruhen und den Herrscherwechseln in schneller Abfolge zuzuschreiben (47 Sultane in 267 Jahren). Ein herausragender Herrscher von Beginn dieser Dynastie soll jedoch noch genannt werden: der Nachfolger des Dynastiegründers war Baibars I (1260-1277), der unter anderem die Mongolen besiegte und das Mamelukenreich zum größten Reich der islamischen Welt aufsteigen ließ.

Ab 1261 residierte auch der Khalif in Kairo. Bis zum Ende der Mamelukenzeit sank die Zahl der Kopten ungefähr auf den heutigen Prozentsatz von ca. 10-15 % der Bevölkerung. Literatur: Chauleur ; Histoire des Coptes d′Ègypte ; S.127 ff Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.73 ff II.V Ägypten unter der Herrschaft der Osmanen (1517-1798) Im Jahr 1517 begann eine neue, mehr als 250 Jahre dauernde Epoche in der Geschichte Ägyptens und damit auch in der Geschichte der Kopten. In diesem Jahr wurde Ägypten von den Türken erobert, unter der Führung des Sultans Selim I. Nicht nur für die Kopten, sondern für ganz Ägypten begann eine schlechte Zeit, die in keinem Verhältnis stand zur arabischen Herrschaft, als Ägypten, und vor allem Kairo, Zentrum arabischer Kultur und Gelehrsamkeit waren. Die türkischen Eroberer waren primär an einer wirtschaftlichen Ausbeutung des Landes interessiert. Das Interesse an den Kopten ging in dieser Zeit massiv zurück, sowohl von Seiten der türkischen Herrscher, noch von den Mameluken, die weiterhin die meisten Ämter in der Verwaltung inne hatten. Viel ist aus dieser Zeit in Ägypten, bzw. vor allem über die Kopten nicht bekannt. Dem Anschein nach, durften sie zwar weiterhin niedere Ämter im Finanz, sowie auch im Steuerbereich besetzen, aber allgemein wurden ihre Recht weiter eingeschränkt und bis 1769 blieb die Situation nahezu unverändert. 1769 gab es dann aber wieder einen Einschnitt, der die Rolle der Kopten wieder deutlich verändern sollte, eine erneute Blütezeit der Kopten, die allerdings auch wieder nur wenige Jahre andauern sollte, begann. In diesem Jahr rief Bey al-Kabir ein unabhängiges Ägypten aus und in den wenigen Jahren seiner Herrschaft, kam es für die Kopten wieder zu einem gesellschaftlichen Aufstieg, sie wurden zunächst gleichberechtigt, dann sogar, wegen ihrer Tüchtigkeit und ihrer Leistungen, die vor allem im Finanzbereich hervorragend waren, sogar gegenüber den Moslems bevorzugt. Aber schon vier Jahre später wurde dieser Entwicklung durch den Tot al-Kabirs ein jähes Ende gesetzt. Istanbul übernahm wieder die Kontrolle über Ägypten und ließ das Land erneut von den Mameluken verwalten. In dieser Zeit schwand die Ordnung Ägyptens schnell dahin und sowohl Kopten als auch die, in Ägypten heimisch gewordenen Europäer wurden zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Es kam mehrfach zu kleineren Aufständen und Unruhen, die nach dem Tot Ismail Beys, der dem Land wenigstens noch etwas Stabilität gegeben hatte, im Jahr 1791 eskalierten und in stärker werdendem Maße zu Kämpfen führten. In dieser Zeit war nichts mehr vom glorreichen Ägypten der arabischen Zeit übrig geblieben. Literatur: Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.51 f III.VI Der Einmarsch der Franzosen und die Zeit der Unabhängigkeit (1789-1875) Die Unruhen in Ägypten wurden von den Franzosen zum Anlass genommen, in das Land einzurücken, um die Unterdrückung der Europäer zu beenden. Allerdings ging es wohl hier auch zu einem Großteil um ein machtpolitisches Interesse der Franzosen. Nach der Eroberung wurden die Kopten wieder gleichgestellt, was nicht zuletzt dem Einsatz des koptischen Generals Ja′qub, der sich auf die Seite der Franzosen schlug, zu verdanken war. Die Franzosen verloren allerdings auch wieder ziemlich schnell ihr Interesse an den Kopten und an der ägyptischen Bevölkerung generell, da sie vor allem strategische Ziele verfolgten.

Aus dieser Epoche müssen aber auch zwei Kopten genannt werden, die sich sehr für ihre Kirche einsetzten. Dies sind die Brüder Ibrahim und Girgis al-Gawhari. Ibrahim setzte sein großes Vermögen ein, um dazu beizutragen, daß die koptischen Schriften wieder größere Verbreitung erlangten. Durch sein Agieren gelang es auch, die Markus-Kathedrale in Ägypten zu errichten. Sein Bruder Girgis hatte die Führung des Kairoer Stadtrates inne. Die Franzosen mußten sich aber schon 1801 wieder zurückziehen und eine neue Gestalt stieg in der Politik Ägyptens auf, ein junger Albaner, der mit der türkischen Armee nach Ägypten gekommen war, sein Name war Mohammed Ali. Er war durch geschicktes taktieren weit aufgestiegen und es gelang ihm im Jahre 1805 unter Billigung des osmanischen Sultans zum Vizekönig ausgerufen zu werden. Ali betrieb eine Politik der Expansion, die auch die koptische Kirche nicht unbeeindruckt ließ. Im Zuge der Ausdehnung Alis in den Sudan gelang es den Kopten im Jahr 1823 die Kontrolle über die dortige Kirche zu erlangen. Auch die Kirchen Syriens und Palästinas fielen unter koptische Leitung. Auch nach dem Tot Mohammed Alis ging unter dessen Enkel, Abbas I, , die positive Entwicklung für die Kopten weiter. In diese erneute große Zeit der Kopten fällt auch das Leben und Wirken eines der wichtigsten koptischen Patriarchen der Neuzeit, Kyrillus IV (1854-1862), der trotz seiner nur kurzen Amtszeit für bedeutende Reformen innerhalb der Kirche und des Bildungswesens verantwortlich ist. Vor allem seine großangelegte Bildungsreform sollte eine Basis für die Zukunft legen. So gründete er das koptisch-orhodoxe Kolleg, eine Schule, in der viele Sprachen gelehrt wurden (Koptisch, Arabisch, Türkisch, Englisch, Italienisch und Französich) und setzte sich weiterhin sowohl für die Ausbildung der Mädchen ein, dies als erster Patriarch, als auch für die Verbreitung der koptischen Tradition und Kultur. Literatur: Chauleur ; Histoire des Coptes d′Ègypte ; S. 140 ff Fischer, R. ; Kreuz und Halbmond im Niltal ; S.91 ff Karnal, S.K. ; Christentum im Land der Pharaonen ; S.53 ff III.VII Der Weg zurück in die Abhängigkeit (1875-1952) 1875 kam es in Ägypten zu einer schweren Finanzkrise, die die Engländer und Franzosen dazu nutzten, wieder mehr Kontrolle über das Land zu erhalten. England erwarb eine Mehrheit der Aktien am Suezkanal und somit großen Einfluß über Ägypten. Ägypten befand sich zwar weiterhin, wie auch zu Zeiten der faktischen Unabhängigkeit, unter der Regierung Mohammed Alis und seiner Nachfolger, offiziell im Gefüge des osmanischen Reiches, aber in der Realität aber hatte mehr und mehr England die Kontrolle über das Land übernommen. 1885 mußten sich die Engländer aus dem Sudan zurückziehen, was dazu führte, daß die koptische Kirche die faktische Kontrolle über die Kirche des Sudan wieder verlor. Diese Kontrolle erlangte sie aber 1896, nach der Rückeroberung des Sudan durch die Engländer wieder zurück. Endgültig wurde Ägypten 1914 zu einem Teil des englischen Empires, indem dieses das Land zu einem Protektorat erklärte. Im folgenden 1. Weltkrieg verloren die Osmanen immer weiter ihre Bedeutung im Orient und die ganze Region wurde zwischen Frankreich und England aufgeteilt. Für die Kopten, trat in dieser, für die restliche Welt sehr unruhigen Zeit, bis nach dem 2.Weltkrieg eine Zeit der Ruhe ein. Sie blieben von den Wüstenschlachten des 2.Weltkriegs in Ägypten weitgehend unbetroffen.