MoneyMarkets

Auf welche Währung setzen? Darüber darf nicht der reine Zufall entscheiden

Fremdwährungskonten

Fremdgehen ohne Reue
Währungskonten eröffnen eine Chance, auf Devisen zu setzen und vom schwachen Euro zu profitieren
Währungsangebot bei Direktbanken
Währung Comdirect Maxblue DAB Bank Cortal Consors

südafrikanischer Rand ungarischer Forint türkische Lira norwegische Krone polnischer Zloty mexikanischer Peso tschechische Krone britisches Pfund US-Dollar australischer Dollar kanadischer Dollar Schweizer Franken japanischer Yen
Stand: 18.8.2011

3,0 1,5 1,0 0,5 0,5 0,0 0,0 0,0 0,0 – – 0,0 0,0

2,0 – – – – – – 0,0 0,0 2,0 0,0 0,0 0,0

– – – – – – – 0,25 0,0 – – 0,0 0,0

– – – – – – – 0,0 0,0 – – 0,0

it der Abwertung des Euro eröffnen sich für Anleger gute Chancen, sich Gewinne durch stärkere Auslandswährungen zu verschaffen. Am einfachsten geht es über ein Fremdwährungskonto. Es ist mit einem Tagesgeldkonto vergleichbar, mit dem Unterschied, dass es in ausländischer Währung geführt wird. Wie auch beim Tagesgeld, kann der Anleger auf sein Konto jederzeit zugreifen. Konten in ausländischer Währung sind bei Direktbanken und Online-Brokern wie Comdirect, Cortal Consors, der DAB Bank sowie bei Filialbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank) im Angebot. Im Gegensatz zu Tagesgeldkonten sind die Zinsen bei Währungskonten allerdings meistens mager und unterscheiden sich je nach Währung und Anbieter. So bietet beispielsweise die Comdirect Bank die meisten Devisen, darunter den südafrikanischen Rand und die türkische Lira. Generell gilt: Je höher die Zinsen für die jeweilige Währung, desto größer ist das damit verbundene Wechselkursrisiko. Mit drei Prozent Verzinsung ist der Rand mit Abstand die profitabelste Investition, doch die Kursschwankungen der Währung, die stark von Rohstoffexporten abhängig ist, können die Rendite schnell auffressen. Manche Währungen, die als stabil gelten – wie etwa das britische Pfund, der US-Dollar oder der Schweizer Franken – werden oft nicht verzinst. Für das britische Pfund bekommt der Anleger bei Cortal Consors keine Verzinsung, die DAB Bank bietet hingegen 0,25 Prozent Zinsen. Gute Nachricht: Im Gegensatz zu Zinszertifikaten kann der Zinssatz hier nicht negativ ausfallen. Die Zinsen auf eine Fremdwährung hierzulande und im Ausland können sich drastisch unterscheiden. Bekommt der Anleger bei Comdirect 0,5 Prozent auf das Konto in polnischen Zloty, so bieten die Banken in Polen im DurchComposing: FOCUS-MONEY

M

44

Foto: Photocase

FOCUS-MONEY 35/2011

schnitt 3,5 Prozent auf ein Sparkonto in lokaler Währung. Dafür sparen sich aber die Anleger viel Mühe und Kosten, die bei der Kontoeröffnung und der Gewinnversteuerung im Ausland anfallen würden. „Das Hauptmotiv bei Währungskonten sollte die Erwartung auf Kursgewinne sein, nicht der Zinssatz“, sagt Sabine Münster, Leiterin Banking bei der Comdirect Bank. Martin Güth, Analyst der LBBW, empfiehlt, auf die schwedische Krone, die norwegische Krone und den polnischen Zloty zu setzen. „Fundamental stehen insbesondere die beiden skandinavischen Länder sehr solide da“, sagt der Experte. Laut der Comdirekt sind derzeit der Schweizer Franken, der US-Dollar, die norwegische Krone und das britische Pfund unter den Bankkunden stark gefragt. Die steigende Nachfrage ist der Aufwertung der Auslandswährungen gegenüber dem Euro zu verdanken. Steigt der Währungskurs weiter, verdient der Anleger aus dem Euro-Land. Es kann allerdings auch andersrum gehen: Sollte die ausländische Währung im Preis sinken, verliert der Sparer. „Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Währungsanlagen hohen Kursschwankungen unterliegen können. Deshalb sind Investments in Fremdwährungen nur für erfahrene und chancenorientierte Anleger geeignet“, so Sabine Münster. Die Kontoführung bei einem Fremdwährungskonto ist meistens kostenlos, es können aber andere Kosten beim Kauf und Verkauf einer Devise vorkommen. So fällt bei der DAB Bank kein Konvertierungsentgelt an, Comdirect erhebt hingegen eine Gebühr in Höhe von einem Prozent des Anlagebetrags. Im Fall eines Währungsgewinns kommen noch 25 Prozent Abgeltungsteuer sowie ein möglicher Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer dazu. Sollte die Bank zahlungsunfähig werden, greift die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von bis zu 100 000 Euro pro Kunde. Sie schützt allerdings nur Konten in EUWährungen. Zusätzlich sichern die Banken die Einlagen in EU- sowie Nicht-EU-Währungen durch die Sicherungsfonds. So besteht der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken aus 180 Mitgliedern und deckt alle Beträge ab, die die gesetzliche Mindestsumme überschreiten (ab 1,5 Millionen Euro pro Kopf). Die deutschen Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen bieten einen hundertprozentigen Einlagenschutz über einen Haftungsverbund. Das Gleiche gilt für die deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Spar- und Darlehenskassen, PSD-Banken sowie SpardaBanken. Wer sein Geld in fremder Währung behalten will und nach diversen Anlagemöglichkeiten sucht, kann sich nach Fremdwährungsanleihen, Devisenfonds, Zinszertifikaten, Optionsscheinen und Turbozertifikaten umschauen (mehr dazu: FOCUS-MONEY 34/11). Investitionen in Währungen sind allerdings keine Alternative zu einem EuroTagesgeldkonto, sondern sollen den Sparern helfen, die Risiken breiter zu streuen. Sie eignen sich vor allem für die Anleger, die eine konkrete Meinung zur Entwicklung des Wechselkurses haben.
NATALIA KARBASOVA www.focus-money.de

Überbewertet
Die eidgenössische Währung gilt als ein sicherer Hafen. Vor Kurzem hat der Franken fast eine Parität mit Euro erreicht. Nun interveniert die Schweizer Notenbank, um den Kurs künstlich zu senken. Experten der LBBW halten den Franken für überbewertet und raten vom Kauf ab.

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Solide
Seit der Finanzkrise hat die norwegische Krone deutlich aufgewertet. Norwegen besitzt hohe Vermögen in Form des Pensionsfonds, in dem das Land seine Erträge aus den Öl- und Gasvorkommen anspart. Das trägt zur Attraktivität der Währung bei, so Analysten der LBBW.

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Hoffnungsvoll
Polen weist ein attraktives Leitzinsniveau von 4,5 Prozent auf, was für den Zloty spricht. Analysten von Comdirect rechnen mit einer leichten Erholung des Zloty gegenüber dem Euro. Wer in Zloty investiert, dürfte also Währungsgewinne erwarten.

Quelle: Thomson Reuters Datastream

45

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful