rechtsextreme Häuser in Thürin en

Broschüre, erstellt anläßlich antifaschistischen am 0 5 . 0 7 . 2 0 0 3

der Kaffeefahrt

v eranstaltet von: Landesarbeitsgemeinschaft Antirassismus/Antifaschismus (LAG) unterstützt durch lokale antifaschistische und antirassistische Initiativen

echte Zentren, Häuser, Läden in Thüringen

Rechtsextreme und rassistische Einstellungen sind in Thüringen mehrheitsfähig, dies belegt die jährlich stattfmdende Umfrage "Thüringen-Monitor". Rechte Strukturen und Ideologien sind fest verankert, Anschläge und Übergriffe auf alles vermeintlich"Undeutsche" sind trauriger Alltag. Und doch befindet sich die Neonaziszene im Umbruch. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Nazis jeden Samstag landauf landab zu Aufmärschen versammelt haben, zu gering war der Zuspruch der Anhänger dem Wanderzirkus von Ort zu Ort zu folgen. Der Spitzeleinsatz des Verfassungsschutzes und das NPDVerbotsverfahren haben auch ihr übriges dazu getan, die Szene zu verunsichern. Die Nazis setzen nun auf eine neue Strategie. Die rechtsextreme Infrastruktur wird ausgebaut; extrem rechte Orientierungen finden ihren Ausdruck in einem eigenen Lifestyle, der besonders unter den Jugendlichen Anklang fmdet; die bereits gewonnenen Anhänger werden ideologisch geschult.
Dazu bedarf es einem veränderten Netzes an Infra- und Unterstützungsstrukturen:

Rechte Zentren und Häuser reihen sich in das Konzept der National Befreiten Zonen" ein. 0-Ton Steffen Hupka in der "Deutschen Stimme" 11 / 1999: Das Objekt "muss unsere Nachschubbasis und unsere Heimatfront sein. (... ) Steht das Objekt auf relativ sicheren Füßen, kann man darangehen, weitere Freiräume zu erobern." Der Privatbesitz soll zudem vor dem staatlichen Zugriff schützen. In den neuen Ländern liegt eindeutig der Schwerpunkt dieser Entwicklung. Hier sind die Immobilienpreise günstig und die Käufer hoffen auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.

Antifaschistinnen haben von Anfang an auf diese Entwicklung hingewiesen und gegen diese Zentren und Häuser mobilisiert. In den wenigsten Fällen sind sie hierbei von und in den betroffenen Kommunen und Städten unterstützt worden. Ähnliches gilt auch für Rechte Läden und den Versandhandel. Die Zunahme der Bedeutung von rechten Symbolen, Codes und Lifestyle gerade in der J ugendkultur, aber nicht nur dort, ist deutlich zu beobachten. Die Träger dieser Kultur verfügen nicht zwangsläufig über ein gefestigtes Weltbild. Deshalb sind sie noch lange nicht unpolitisch - ihre Ideologie setzt sich oftmals aus autoritären, rassistischen und nationalistischen Versatzstücken zusammen: Rechte Läden und Versandhandel bedienen diesen Trend erfolgreich. Daneben ist der Handel mit Rechter Musik, Klamotten, Fanzines, Accessoires die ökonomische Stütze der nicht parteilich gebundenen rechtsextremistischen Szene. Der Internethandel darf nicht vergessen werden. Dieser vollzieht sich nicht nur in einer virtuellen Welt. Auch für diesen Handel gilt: Es gibt Betreiber, Büros, Lager, Versandstrukturen. Auch diese wollen wir benennen. Soll diese Entwicklung gestoppt werden, müssen wir die Akteure vor Ort stärken, das Thema einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen und Druck aufbauen. Die Ruhe der Rechten Hausherren und Ladenbesitzer zu stören war Ziel verschiedener Demonstrationen, Kampagnen und Aktivitäten vor Ort. Die Antifaschistische Bustour am 5. Juli will diese ausdrücklich unterstützen. Diese Broschüre dokumentiert einige dieser Rechten Zentren, Häuser und Läden, beileibe aber nicht alle. Es fehlen u.a. Läden und Treffpunkte in Weimar, Altenburg und Nordhausen.

Gutshaus, Fretterode, Dorfstraße 14
Der bekannte niedersächsische Rechtsextremist Thorsten Heise kaufte mit Hilfe seiner Ehefrau im Dezember 1999 das bis dahin als Pflegeheim genutzte Gutshaus. Der ehemalige Landesvorsitzende der FAP für Niedersachsen wurde mehrfach wegen einschlägiger Straftaten verurteilt und ist Kameradschaftsführer in Northeim (Niedersachsen). Nach seiner Haftentlassung in 2002 fanden in dem Herrenhaus wöchentliche Kameradschaftsabende statt. Obwohl Thorsten Heise gegenüber der Presse immer wieder beteuerte, er habe sich aus der rechtsextremen Szene verabschiedet, verstärkte er sein Engagement im Bereich des Handels mit Skinheadmusik und der Organisation von Konzerten- so im Oktober 2002 zusammen mit Christian Worch im niedersächsischen Kirchseelte. In Fretterode wickelt Thorsten Heise sein Großhandelsgeschäft für Bildund Tonträger und Militaria ab. Dahinter verbirgt sich ein großangelegter Handel mit Skinheadmusik, für den sich inzwischen auch Polizei und Staatsanwaltschaften interessieren. So beschlagnahmten Ermittler auf dem Frankfurter Flughafen im März 2003 eine Sendung rund 5000 CDs mit volksverhetzendem Inhalt aus Thailand, deren Besteller Heise gewesen sein soll.

Daneben fand eine Durchsuchung seines Hauses in Fretterode statt, wegen des Verdachts des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, des Verwendeus deren Kennzeichen, der Volksverhetzung u.a. Dabei wurden diverse Geschäftsunterlagen, CDs, sowie Patronen, zwei Gewehre, eine zerlegte Maschinenpistole, ein Maschinengewehr und eine Stielhandgranate sichergestellt. AntifaschistInnen haben schon frühzeitig auf diesen Immoblienkauf im Eichsfeld hingewiesen. S? stoppte auch die Antifaschistische Busfahrt der Kasseler Antifa in Fretterode. Die Kommune hat bisher keine Stellung bezogen. Vielmehr äußerte sich der Bürgermeister von Fretterode Frank Wedekind noch im Oktober 2002 gegenüber der TA wie folgt: "Der (Heise) wird bei uns genauso behandelt wie jemand, der hier Urlaub macht. " Inzwischen ist bekannt, dass Thorsten Heise sogar Fördermittel zur Dorferneuerung erhalten hat.

Gera, Youngland, Bahnhofstraße 12
Besitzer sind Jens Hoffmann und Mark Zothe. Diese bieten mit ihrem Geschäft "Youngland" (benannt nach der gleichnamigen, britischen Rechtsrockband) direkt am Bahnhof nicht nur Klamotten an, sondern erweitern mit einem eigenen Internet-Versand die Angebotspalette des "Aufruhr Versands". So gibt es das passende Nazi-Outfit zu Bands wie "Kreuzfeuer", "Landser" und "Blue Eyed Devils" oder Marken wie "Hooligan Streetwear", "Radical" (Aufdruck mit Reichsadler), "Thor Steinar" (Schriftzug mit Ultima Thule), "Walhall Germany" und andere mehr. Beworben wird das Geschäft mit OnlineShopping und Links auf Seiten wie "Eugenik" oder einfach kopierte Handzettel. Im Internet lockt der Versand mit einem Warengutschein für jeden hundertsten Besteller im Wert von 88 Euro (hier: 88 = Heil Hitler).

Gera, US-Goods, Kleine Kirchstrasse 1
Seit Anfang der 90er gibt es das Geschäft "US Goods". Es befindet sich heute in der Kleine Kirchstraße 1 am Marktplatz. Verkauft wird primär Militärkleidung und "Szenekleidung" wie "Midgard" oder "Thor Steinar Nordland" (mit "Ultima Thule" -Schriftzug). In dem Geschäft wurden diverse Naziprodukte gegen Wortlosungen angeboten. Fest steht, dass sich die Betreiber stark am rechten Kundinnenkreis orientieren und auf diesen angewiesen sind.

Gera, Inside, Leipzigerstraße/Sorge
Zu Beginn des Jahres 2003 eröffnete das "Inside" in der Leipziger Straße. Inhaber ist der bekannte Nazikader Roberto "Matzo" Graf, der zur Wende als Aktivist der ersten Stunde häufig mit Gordon Richter (heute: Vorsitzender der NPD Gera) unterwegs war. Laut Recherchen des "Bündnis gegen Rechts Gera" tauchte Graf Anfang der 90er auf einer "Kriegsgefangenenliste" der britischen NSDAP / AO-Zeitschrift "New Order" auf. Der Laden hat auf den ersten Blick ein geringes Angebot, bietet aber aus mehreren ausliegenden Katalogen weitere Waren an. Neben wenigen CDs wird hauptsächlich "Streetwear", also militante Hoolkleidung, verkauft. So z.B. eindeutige Nazi-Marken wie "Walhall Germany", aber auch sog. "T-Hemden" mit Aufdrucken wie "Sturmwehr", "White Power", "Kategorie C" oder "Hale of glory" (Aufdruck mit Eisernem Kreuz). Der Rest des Sortiments folgt dem rechten Lifestyle: "Troublemaker Germany", "Pit Bull", "Lonsdale", "Alpha Industries" (erinnert an das SA-Zeichen), "New Balance" und anders mehr. Trotz der eigentlich idealen Lage zwischen Zschochernplatz und Haupteinkaufspassage "Sorge" scheint der Laden pleite zu sein. Daraufhin deutet das eher geringe Warenangebot in der Auslagen.

Aufruhr Versand, Donnerschlag & 88 Records
Mit dem Aufkommen der Neuen Medien haben auch die Rechten einen neuen Wirtschaftszweig für sich entdeckt. In Gera heißen die braunen OnlineVersände: "Aufruhr Versand" und "Donnerschlag Records". Neben der Versorgung der "klassischen" Szene der Nazis versuchen rechte Versandstrukturen mit einem ausdifferenzierten .Angebot auch neue Zielgruppen zu erschließen. ,,Aufruhr Versand", Gera, Lager in der SeheHingstraße 8 Der ,,Aufruhr Versand" ist im Besitz der Nazikader Jörg Krautheim, Martin Soa und Nico Hüfner. Als einer der bundesweit bekanntesten Naziversände bietet der "Aufruhr" so gut wie alle legalen deutschsprachigen Nazi-CDs, aber auch ein riesiges Angebot an Klamotten, Fahnen, Boots und NS-Accessoires. Trotz aller Vorsicht bei der Produkt-Auswahl kam es bereits zu Durchsuchungen des "Aufruhr" (wie im Februar 2001 wegen dem Verkauf indizierter "Frank Rennicke"- CD' s). "Donnerschlag Records" wird vom Geraer Nazikader Denis Schoner betrieben, einer der bundesweit führenden NS-Black Metal (NSBM) Köpfe. Dieser bietet mit seinem Online-Versand eine große Auswahl der bekanntesten NSBM-Produktionen auf MC/CD an, betreibt zudem noch die Firma "Pesten Productions" und organisierte rechte Konzerte in und um Gera. "88 Records" ist eine Musikproduktionsfirma und wird, ebenso wie "Ewiges Eis Records", vom Geraer "Eugenik"-Sänger, "White Youth"- und "AntiAntifa"-AktivistJens Fröhlich betrieben. Dieser führt de facto das weiter, was unter dem verbotenen Label "White Youth" nicht mehr möglich ist. Er hilft Bands bei der Erstellung von Demobändern und übernimmt dann deren Produktion und Vertrieb, so geschehen bei "Totenburg", "Eugenik" oder "Die Saat". Laut Eigenaussage sei ein Vertrieb auch im asiatischen, skandinavischen, amerikanischen sowie südosteuropäischen Raum möglich. Das Design lieferte die Firma u.a. für die Veröffentlichungen von: Eugenik, Totenburg, Graven, Barad Dur, Weltmacht, Genocide. Schoner und seine Bandprojekte/Firmen und Fröhlich mit Eugenik/White Youth/88 Records sind eine entscheidende Schnittstelle zwischen neonazistischen Skinheads und dem nationalsozialistischen Teil der Black Metal-Szene, und das nicht nur lokal oder regional, sondern weit darüber hinaus.

Gera, Hard-Rock-Shop, Schmelzhüttenstrasse 24
Der auch als "Markomannshop" bekannte Gothic- Laden mitintegriertem "Tattoo & Piercing"- Studio wird von Martina K.omann betrieben. Neben Black und Death Metal-Kleidung und Zubehör gibt es hier Ausgefallenes wie das "Fantasieschwert Thor" oder das Neueste in Sachen VampBekleidung. Das Geschäft gibt sich nach außen weltoffen, auf Nachfrage erhält mensch aber Zugang zu Katalogen mit diverser Nazipropaganda, so u.a. Keltenkreuz- und Reichskriegsflaggen. Im Laden selbst hängt eine "Gegen Nazis"- Fahne in direkter Nähe zur Fahne mit dem Aufdruck "German Black Metal Art". Offensichtlich gibt es keine Berührungsängste mit Nazis, so sollen unter der Theke diverse Tonträger und T-Shirts getauscht und gehandelt werden. Zudem soll Andy Limmer "Magie- und Spiritual-Praktiken gegen Entgelt" anbieten. Der Geraer NS-Black Metal Aktivist (NSBM) Limmer spielte selbst in rechten Bands wie "Antiphrasis" und organisierte ein Konzert im November 1999 im Geraer Klub der Jugend (u.a. mit "Antiphrasis" und "Thurisaz'').

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Holzindustrie

Kahla

"Während der letzten Wochen hat sich unser Kreisverband bemüht, in der Jenaer Umgebung ehemals arbeitsfähige Strukturen zu reorganisieren. Durch verfehlte Arbeit auf parteipolitischer und freier Basis fand in den letzten Monaten kaum noch politische Arbeit in den um Jena liegenden Saale-Holzland-Kreis statt. Um diesen Zustand zu ändern, traf man sich des öfteren mit arbeitswilligen Kameraden aus der Kleinstadt Kahla, welche früher einmal "fest in deutscher Hand" war, und beriet Strategien, um den politischen Kampf wieder aufzunehmen. Positiv überrascht waren wir vom Zuspruch der dortigen Kameraden." So die NPD Jena in einer Presseerklärung vom November 2001. Und in der Tat: Die Aufbauarbeit scheint gelungen und ein sogenanntes "nationales Jugendzentrum" errichtet. In den vergangenen Wochen wurde ermittelt, dass die rechte Szene Kahlas sich regelmäßig auf dem Gelände des Insolvenz-Betriebes "Holzindustrie Kahla GmbH" trifft. Beste Verbindungen scheint es nach jena zu geben, Ralf Wohlleben(Landesvorstandsmitglied der Thüringer NPD und Kader des Thüringer Heimatschutzes, Mitbetreiber des "Wohnprojektes" in Lobeda-Altstadt) gibt "Aufbauhilfe". So wird erklärbar, warum die "Schülerzeitung" der rechten "Jugend für Jena" bis zu ihrem Aufgehen in der "Mitteldeutschen Zeitung für die Nationale Jugend" auch in Kahla verteilt wurde. Schon zu Anfangszeiten der Anti-Antifa Ostthüringen bzw. des Thüringer Heimatschutzes gehörte auch Kahla zu deren Handlungsarten.

Jena:

Schleidenstraße 2

Die Schleidenstraße ist eine kleine Nebenstraße im zentrumsnahen Jenaer WestvierteL Sie liegt etwa drei Fußminuten vom Westbahnhof entfernt. Die Bewohner des Westviertels sind meist Studenten und Jenaer Mittelschicht. Das Gebäude selbst ist ein mehrere Stockwerke umfassender Bau, in dem früher eine Gaststätte war. Eine Schanklizenz ließe sich also für interessierte Betreiber leicht bekommen oder liegt sogar schon vor. Mindestens ein größerer Veranstaltungsraum ist ebenfalls vorhanden. Die oberen Etagen werden als Wohnräume genutzt. Zum 1. Juni 2002 wurde das Haus durch den Jenaer REP Wilhelm Tell erworben. Dieser hat die Räume nach eigenem Bekunden dem Verein "Jenaische Burse e.V" zur Verfügung gestellt. Im Verein geben sich einige namhafte Rechtextremisten ein Stelldichein, so der "Nation & Europa" - Herausgeber Peter Dehoust, der Berliner Professor und ehemalige REP-Bundesvorständler Klaus Weinschenk, natürlich der Hauseigentümer Tell selbst, schließlich der REP-

Landesvorsitzender Schneider und Dirk Metzig, führendes Mitglied der "Burschenschaft Normannia". Letztere hat in der Schieidenstraße ihr Domizil gefunden und verfügt über ein öffentlich nutzbares Burschenhaus.

i

Die Normannen sind eine rechtsextreme Abspaltung der Burschenschaft "J enensia".

Diese hatte Ende der neunziger Jahre mit Vorträgen bekannter Rechtsextremisten (u.a. auch Dehoust) letztlich einen öffentlichen Aufschrei provoziert, den auch ihr damaliger Pressesprecher Metzig nicht hatte verhindern können. Elf Aktive und zwei alte Herren flogen Anfang 2000 wegen ihrer Umtriebe aus der "Jenensia". Die Normannia wurde drei Monate später gegründet. Rechtsextremisten sprachen nach der Gründung (an der auch Jenaer Lokalpolitiker teilnahmen) davon, dass die "Normannia" die Politik der "Jenensia" konsequent fortsetzen werde. Diese Aussagen sowie die Zusammensetzung des Vereins "Jenaische Burse" lassen das Landesamt für Verfassungsschutz vermuten, dass hier ein Scharnier zwischen rechtskonservativen Studenten und der Thüringer Neonaziszene entsteht. Gemeinsame Besuche und Organisation von Veranstaltungen, "offene Diskussion" und rechte Schulungsarbeit werden eine Basis bilden. Der Förderkreis, der in der "Jenaischen Burse" auszumachen ist, lässt darauf schließen, dass es sich dabei um ein bundesweit bedeutendes Projekt mit strömungsübergreifendem Charakter handelt. Aktionen gegen dieses Naziprojekt haben in ersten Ansätze begonnen: eine Kundgebung vor dem Haus sowie die Verteilung von Flugblättern.

Jenaische Straße 25

(Lobeda-Altstadt),

Jena

Lobeda-Altstadt- ist ein Stadtteil Jenas mit dörflichem Charakter in der Nähe der Neubaugebiete Lobeda Ost und West, in welchem ca. 500 Einwohnerinnen in Ein- und Mehrfamilienhäusern leben. Unter ihnen, in der Jenaischen Straße 25, eine der Hauptstraßen von Lobeda-Altstadt, ein "nationales Wohnprojekt". Die ehemalige Gaststätte "Zum Löwen", welche bis ca. 2001 noch in Betrieb war, wurde 2002 an Maximilian Lemke verpachtet. Eine Schankanlage und möglicherweise eine Schanklizenz könnte vorhanden sein. Das Haus, bestehend aus einem Gastraum im Erdgeschoss und Wohnräumen im ersten Stock wird seit Oktober 2002 von bekannten Rechtsextremisten wie A. Kapke (Thüringer Heimatschutz, NWJ, seit 2002 Mitglied der NPD), Ralf Wohlleben ( NPD Thüringen, Thüringer Heimatschutz) aus- und umgebaut. "Offiziell" (bspw. www.aktionsbuero.tk) wird von einem "nationalen Wohnprojekt" gesprochen, bereits stattgefundene Veranstaltungen widerlegen jedoch den Charakter eines reinen Wohnprojektes. So wurde u.a. am 09.11.2002 zu einer Veranstaltung mit Horst Mahler eingeladen, G. Ittner (ehemals BI Ausländerstopp Nürnberg) sowie verschiedene freie Kameradschafren (Fränkische Aktions front, National Soziales Aktionsbündnis Westthüringen, ...) sind ebenfalls Gäste. Die im Dezember in der Jenaischen Straße stattgefundene Jahresabschlußfeier des Nationalen Widerstandes Thüringen unterstützt die Vermutung, dass das "Wohnprojekt" der Vernetzung, sowohl regional als auch überregional, dient.Die erste Protestaktion gegen das Haus anläßlich der vermuteten Anwesenheit Horst Mahlers am 09.11.2002 wurde überfallartig von den Bewohnern und Anwesenden des Hauses beendet. In der Jenaischen Straße ist unseres Erachtens nach ein Sammlungs- und Vernetzungspunkt der militanten rechtsextremistischen Szene entstanden.

Darüber hinaus wird das Haus, wie bereits stattgefundene Veranstaltungen belegen u.a. auch als "Schulungszentrum" genutzt. Auch nutzt aller Wahrscheinlichkeit nach die nationale Jugend Jenas, das Haus nun als "Jugendzentrum" . Politische Agitation findet statt, die Hausbewohner unterstützen sowohl die NPD (bspw. 01.05.2003 / Berlin) als auch freie Kameradschaften (bspw. 20.04.2002 Weimar) bei nationalen Veranstaltungen, Demos etc. Horst Mahler, Gerhard Ittner und auch Christian Worch stehen mit den Bewohnern des Hauses in Kontakt.

Andre Kapke (Thüringer Heimatschutz, NPD Jena, N WJ) hat gemeinsam mit führenden deutschen Neonazis wie Udo Voigt und Horst Mahler im Oktober 2001 eine Erklärung unterzeichnet, in der es u.a. heißt: "Das Deutsche Reich befindet sich im Krieg seit 1914. Seine Feinde sind entschlossen, das Reich zu vernichten und das Deutsche Volk auszulöschen. Wir Deutsche als Angegriffene, die zum Reich stehen, haben nur das eine Kriegsziel: die Bewahrung des Deutschen Reiches und des Deutschen Volkes als selbstbeherrschter Staat. Ralf Wohlleben
Kreisvorsitzender NPD Jena/ Landesverband N PD/ Nationaler Widerstand Jena ...)

Eine Erklärung der NPD Thüringen trägt seine Unterschrift, in der es u.a. heißt: "Die NPD strebt zukünftig machtvolle Demonstrationen zusammen mit dem gesamten nationalen Widerstand Deutschlands an. (...) Am 3. Oktober 2001 wird 1n Berlin deutlich gemacht werden, daß Deutschland größer ist als die Bundesrepublik"

"Madley" Wagnergasse 9, Jena

Das "Madley" ist ein kleines Ladengeschäft, welches sich direkt im Stadtzentrum innerhalb einer Fußgängerzone befindet- 80m Luftlinie vom Intershop-Turm entfernt. Die Fußgängerzone wird hauptsächlich von Kneipenbesucherinnen und StudentInnen belebt. Da viele hundert Menschen tagtäglich passieren, ist zumindest durch die Auslage des "Madley" immer Werbung garantiert. Der Ladenraum selber hat etwa 25m2 ; dazu kommen noch Lagerräume. Dieser Laden befindet sich seit seiner Gründung etwa 1997 dort.

Es werden "Skinhead"- typische Produkte (I-Shirts, Schuhe,Jacken ...) verkauft, aber auch Haarfarbe und illegaler Rechtsrock Indizierte Platten und CDs fanden sich zumindest zeitweise nach Anfrage beim Verkaufspersonal in einer Kiste unterm Verkaufstresen. Durch das Angebot kommen auch nicht-rechteJugendliche zum einkaufen hierhin.

Bei dem (angemieteten) Laden handelt es sich um ein Projekt von Leuten aus dem "Blood&Honour"-Spekttrum aus dem Saale-Holzland-Kreis bzw. Kahla. So traten diese u.a. in Ungarn auf einer "B&H"-Demonstration mit einem eigenen Transparent und unter dem Namen "Hatebrothers 88 Kahla" auf (s. Bild). Vom "Madley" und weiteren (älteren) Nazis aus Jena wurden 1998 versucht, ein weiteres Geschäft in Jena-Ost zu etablieren. Offensiv "Hatebrothers" genannt, richtete sich dieser Laden dann ausschließlich an rechtsextreme Kundschaft. Nach etwa einem halbenJahrmußte dann dieser Laden schließen- das Konzept des "Madley" mit gemischterer Kundschaft war das ökonomischere. Die Marke "Hatebrothers" wird seitdem über den bekannten rechtsextremen Ladenbet.reiber Grünwald aus Weimar vertreieben. Neben einzelnen "OI"-Skins und Punks wird das "Madley" intensivvon jeder Art rechter Kundschaft genutzt, vom NPD-Kader bis zum rechten Hooligan. Und auch das "Madlev" verschließt sich nicht vor anderen rechten Gruppen: So wurde eine Anzeige in der NPD-/ Jugend-für-Jena-Postille "Mitteldeutsches Sprachrohr" platziert - verbunden mit 10% Rabatt bei Vorlage ...

Gaststätte "Frische Que11e" in Mosbach (bei Eisenach) , Theo-Neubauer-Straße 87
Der Landgasthof "Frische Quelle" wird seit mehreren Jahren von bundesweit agierenden Neonazis und rechtsextremistischen Organisationen als Versammlungsraum und Schulungszentrum genutzt. Anfang des Jahres 2000 fand 1n Mosbach e1n Kameradschaftsabend unter der Leitung eines NPD-Mitgliedes aus Eisenach statt. Der V-Mann Tino Brandt wurde in diesen Räumen im April 2000 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD gewählt. Im selben Jahr fand dort eine Saalveranstaltung der JN Gungen Nationaldemokraten) statt. 2001 fand in der "Frischen Quelle" der "4. Strategiekongress" der "Kritischen Nationalisten innerhalb und außerhalb der NPD" statt, an dem etwa 100 Personen teilnahmen. Horst Mahler und Reinhold Oberlechner veranstalten hier regelmäßig ihre Wochenendseminare des "Deutschen Kollegs". Das "Deutsche Kolleg" entstand aus dem Leserkreis Berlin der "Jungen Frei. heit". Die dort verfassten Texte strotzen von antisemitischen und rassistischen Tiraden. Zuletzt fand vom 13.-15. Juni das Seminar "Der Hegeische Gottesbegriff als Zugang zur Wiederaufnahme und Vollendung der Deutschen Revolution von 1933" statt. Den Wirtsleuten ist durchaus bekannt, welche Gäste sie beherbergen. Ob es sich hier um eine akzeptierende Duldung oder um eine aktive Unterstützung aus ideologischer Nähe handelt, ist unbekannt. Im Oktober 2001 fand in Mosbach eine Diskussionsveranstaltung mit dem damaligen Innenminister Köckert zum Problem des Rechtsextremismus im Raum Eisenach statt. Die Veranstaltung blieb hinsichtlich einer Positionierung der Gemeinde folgenlos.

Hohenleuben, "Reußischer Hof"
Die Gaststätte mit Saalbetrieb steht zum Verkauf. Kaufinteressent ist David Köchert. Er kennt die Räumlichkeiten gut . .Am 2. Oktober 2002 organisierte er im "Reußischen Hof" ein als Geburtstagsfeier getarntes Skinheadkonzert, zu dem mehrere hundert Teilnehmer erwartet wurden. Doch der .Auftritt der Skinheadband "Confirm" fiel ins Wasser, da das Konzert verboten wurde und die Polizei den .Angereisten Platzverweise erteilte. Bereits am 14. September 2002 war Köchert für ein Skinheadkonzert im Greizer Stadtteil Dölau verantwortlich gewesen, das die Polizei ebenfalls auflöste und mehrere Strafverfahren einleitete. Vor diesem Hintergrund, will die Stadt dem Immobiliengeschäft nicht widerstandslos zusehen. Im Januar dieses Jahres fand eine Bürgerinnenversammlung im "Reußischen Hof" statt. Die .Anwesenden waren sich schnell einig: Die "rechte Übernahme" müsse verhindert und das ehemalige "Kulturhaus" ein offenes Bürgerzentrum werden. Im Gegensatz zu anderen Kommunen, wo den Immobilienkäufen durch Neonazis wort-und tatenlos zugesehen wurde, fehlt es in Hohenleuben nicht am entsprechenden politischen Willen, dem Kaufinteresse entgegenzutreten, allein der Kommune fehlt das Geld, das sanierungsbedürftige Gebäude zu kaufen und umzubauen. Glaubt man dem mit dem Objektverkaufbetrauten Makler, so ist Köchert weiter interessiert und der jetzige Eigentümer Ronny Fröde wird wohl an den verkaufen, der die entsprechende Summe auf den Tisch legt. Dann ist damit zu rechnen, dass die Gaststätte nicht nur für Rechte Zusammenkünfte genutzt werden wird, sondern dass hier regelmäßig Skinheadkonzerte stattfinden sollen.

Zollhaus

Kamsdorf

"Frank Schwerdt ist neuer Landesvorsitzender der NPD in Thüringen. Auf dem Landesparteitag am 21. April2001 in Saalfeld wurde der Bundesgeschäftsführer und Mitglied des Parteivorstandes mit überwältigender Mehrheit gewählt." So verkündete eine Pressemitteilung der NPD Thüringen im Frühjahr 2001 .

Interessant in diesem Zusammenhang der Tagungsort nahe Saalfeld: das "Zollhaus" in Kamsdorf, einer kleinen Gemeinde mit knapp 3.000 Einwohner/ innen in der Nähe Saalfelds. Im Vorfeld des Landesparteitages hatten sich monatelang Gerüchte gehalten, dass rechte Kader aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt das Zollhaus gekauft oder gepachtet hätten. Diese Gerüchte konnten nie bewiesen werden- auch weil der damalige Bürgermeister Groll sich beharrlich weigerte, über die aktuellen Besitzverhältnisse Auskunft zu geben. Damit vergab er sich auch die Chance, diese Gerüchte zu entkräften. Eben so wenig kann man feststellen, dass der proklamierte "Aufstand der Anständigen" je seinen Weg nach Karnsdorf gefunden hätte.

Diese Broschüre wurde erstellt von folgenden Gruppen und Initiativen:
abad Erfurt

Warsbergstr. 1 99092 Erfurt abad-ef@gmx.de
abad Gera

Karl-Schurz-Straße 07545 Gera abad-gera@gmx.de
Infoladen Jena

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c/o Japs Jena Schillergässchen 5 07745 Jena infoladen@japs-jena.de
Initiative Storz

storz@gmx.net www.storz-jena.de.vu Michael Ebenau (IG Metall) Verwaltungsstelle Jena-Saalfeld Johannissplatz 14 07743 Jena Michael.Ebenau@igmetall.de
Junge Gemeinde Jena Johannisstr aße 14 07743 Jena

JG-Stadtmitte-Jena@t-online.de www.jg -stadtmitte.de

Mobit Gotha

Brühl 23 998 67 Gotha mail@mobit.org
Mobit Regionalbüro Saalfeld

Bahnhofsstr. 8 07318 Saalfeld mail@mobit.org
Antifaschistische Aktion Gera (AAG)

c/o Infobüro Postfach 2127 07511 Gera aag@antifa.net

und anderen.