You are on page 1of 12

Arbeitshinweise zum Interpretationsaufsatz Die fünf Schritte zur Analyse

Schritt 1 Erstes Textverständnis Interpretationshypothese Sie gelangen zu einem ersten Textverständnis, indem Sie den Text sorgfältig lesen, eventuell vorhandenes Vorwissen zur /zum Autor/in, über die Epoche, die Textsorte o.ä. aufrufen und eine erste Interpretationshypothese formulieren. Nun folgt der Hauptteil Ihrer Interpretation: Sie fassen den Text zunächst kurz zusammen (Inhaltsangabe) und untersuchen anschließend sorgfältig seine Einzelheiten, z.B. die Besonderheiten in Aufbau, Sprache, Bilder, etc.. Sie stellen die Einzelergebnisse Ihrer Analyse in einen schlüssigen und möglichst widerspruchsfreien Deutungszusammenhang, indem Sie eine oder mehrere Interpretationthesen (Untersuchungsaspekte) formulieren, belegen, einordnen und erläutern (s. Schreibstrategien .., 3. Hauptteil) Stellen Sie nun Ihre Deutung in einen größeren Zusammenhang, z.B. im Vergleich mit anderen Texten, in Bezugnahme auf das Werk der/s Autorin/s oder auf Merkmale der Entstehungsepoche des Textes (z.B. „Trümmerliteratur“) Abschließend verfassen Sie unter Bezug auf Ihre Ergebnisse (1.-4. Schritt) die vollständige schriftliche Analyse bzw. Interpretation, in der Sie Ihre Erkenntnisse einordnen. Vermutlich werden Sie in einer Klausur in einem weiterführenden Schreibauftrag, zu einem Aspekt des Textes Stellung zu nehmen oder diesen auf kreative Weise zu bearbeiten (z.B. Brief an den Autor, Leerstelle füllen, Tagebucheintrag einer Figur, etc.)

Schritt 2 Aspekte der Analyse

Schritt 3 Zusammenführende Deutung

Schritt 4 Kontextualisierung

Schritt 5 Analyse

Vgl. Schreibstrategien für die Klausur

1

! Der Schwerpunkt Ihrer Analyse sollte auf der Deutung innerhalb des Textes und der genauen Textarbeit (Analyse von Struktur und Sprache /Sprachmittel) liegen!

2

Interpretationsverfahren
Kontext
Reaktion Intention Erwartung /

Autorin/Autor   Leserin/Leser
Wirkung


Rückschlüsse

Text

Aspekt

Fragestellungen

Verfahren Werkimmanentes (textim-manentes) Verfahren

Text Was genau steht im Text? Was nicht? Wie ist er aufgebaut? Welche sprachlichen Mittel werden verwendet? Wie tragen diese zur Aussage des Textes bei? __________ ______________________________________

______________________ Werkübergreifende Verfahren Kontext Vor welchem geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund ist der Text geschrieben? Ist dieser für heutige Leser ein anderer? Autor/in Welche Absichten(Intentionen) verfolgt der Autor/die Autorin wohl mit dem Verfassen und Veröffentlichen des Textes? Achtung: hier gerät man leicht ins Spekulieren, denn selbst bei noch lebenden Autoren ist die Intention eines Textes selten eindeutig zu erschließen. Vielleicht ist der Autor ja durch ihm unbewusste Aspekte seiner Biografie Leser/in oder durch versteckte psychische Mechanismen beeinflusst worden. Was sind Ihre eigenen Reaktionen (Gedanken, Gefühle) beim genauen Lesen des Textes? Welche Erwartungen wecken die Gattung und die Form des Textes? Werden diese Biografisches (enger gefasst: psychoanalytisches) Verfahren Je nach Ausrichtung: Literatursoziologisc hes oder literaturhistorische s Verfahren

Leserbezogenes oder rezeptionsästhetisc hes Verfahren

3

im Verlauf der Lektüre bestätigt oder unterlaufen?

4

Die Analyse ausarbeiten: Schreibstrategien für die Klausur
1. Vorarbeiten nutzen

Arbeiten Sie Schritt 1 – 4 durch, um möglichst viele inhaltliche Aspekte für Ihre Analyse zu erschließen. Notieren Sie Ihre Beobachtungen in Stichworten auf Ihrem AB oder einem Beiblatt. Formulieren Sie drei bis fünf Interpretationsthesen, die Ihre wichtigsten AnalyseErgebnisse möglichst umfassend abdecken. Achten Sie darauf, dass sich die Thesen in ihren Aussagen möglichst wenig überschneiden. Bringen Sie die Interpretationsthesen in eine sinnvolle Reihenfolge. Beginnen Sie am besten mit Thesen zu werkimmanenten Aspekten (s. Interpretationsverfahren) und schließen Sie dann Werkübergreifendes (z.B. Bezüge zur Autorenbiografie, Epochenzusammenhang, Vergleich mit anderen Werken) an. Ordnen Sie Ihren Interpretationsthesen (mit Farbmarkern oder anderen Kennzeichnungen) die gesammelten Stichwörter zu.

2. Einleitung schreiben • Schreiben Sie einen Einleitungssatz (Textsorte, Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Thema, evtl. Quelle des Textes). Fassen Sie den Inhalt kurz zusammen. Handelt es sich um einen Auszug aus einem Roman oder Drama, sollten Sie diesen in den Gesamtzusammenhang einordnen. Machen Sie Angaben zu Besonderheiten der Textsorte: Geben Sie z.B. bei einem erzählendem Text an, wer erzählt und welche erzählerischen Mittel hauptsächlich verwendet werden (bei einem dramatischen Text geben Sie z.B. an, ob es sich um einen Monolog oder Dialog handelt).

• •

3. Hauptteil schreiben • • Nutzen Sie nun das mit Hilfe Ihrer Interpretationsthesen (Untersuchungsaspekte) gegliederte Material, um den Hauptteil des Aufsatzes zu konzipieren. Arbeiten Sie jeweils einen Themenblock ganz ab, bevor Sie die Arbeit am nächsten beginnen. Ordnen Sie jeder These (Untersuchungsaspekt) entsprechende Erläuterungen zu. passende Zitate und

• •

Am Ende jedes Thesenblocks sollten Sie die Ergebnisse noch einmal präzise zusammenfassen und dann zur nächsten These überleiten. Achten Sie an gedanklichen Gelenkstellen auf passende sprachliche Verknüpfungen (z.B. „Daran schließt sich eine weitere werkimmanente Interpretationsthese an. ..“ S. Achten Sie darauf, dass Sie In der Analyse das Präsens verwenden (z.B. „Der Erzähler macht hier deutlich, dass ..“) Einen gehobenen Sprachstil beibehalten und umgangssprachliche Floskeln vermeiden (z.B. „etwas“ statt „was“, sehr“ statt „echt“, ..) Zitate richtig einbinden, also z.B. immer zu vollständigen Sätzen gelangen

• •

5

• • •

Bei der indirekten Wiedergabe von Äußerungen den Konjunktiv der indirekten Rede korrekt verwenden Überarbeiten Sie Ihren Text mittels der Punkte der Checkliste zur Überarbeitung. Schließen Sie mit einem Schlusssatz.

4. Den weiterführenden Schreibauftrag umsetzen

Hier kann ganz Unterschiedliches Tagebucheintrag, ein Dialog, etc.

gefordert

sein,

z.B.

ein

Brief,

ein

6

Hinweise zur Methodik des Interpretierens
Inhaltsangabe Bei der Formulierung präziser Inhaltsangaben helfen geeignete sprachliche Verknüpfungen, z.B.: wohingegen wenn gleich wozu genauso außerdem anders als zu diesem Zweck ähnlich wodurch gleichwohl während indem im Gegensatz dazuwiewohl Zusammenführende Deutung / Analyse Im Einleitungssatz nennen Sie Titel, Autor, Entstehungszeit und möglichst genau das Thema des Textes: • Thema ist nicht Inhalt, sondern das in ihm behandelte Problem oder die zentrale Frage, die er aufwirft • Es ist meist sinnvoll, das Thema des Textes erst am Ende der Interpretation endgültig zu bestimmen, um vorschnelle Schlüsse und Missverständnisse zu vermeiden. • Im Schlusssatz fassen Sie Ihre Ergebnisse kurz zusammen. Systematische Überprüfung und Zusammenfassung Überprüfen Sie während der Arbeit Ihren Erkenntnisfortschritt: • Sichten Sie Ihre bisherigen Arbeitsschritte und lesen Sie die KG erneut • Ergänzen und korrigieren Sie einzelne Ergebnisse • Formulieren Sie Ihren Leseeindruck gegebenenfalls neu, am besten in Stichworten Die Differenz zwischen beiden zeigt Ihnen Fortschritte und macht Sie methodisch sicherer.

Die Form zählt! Achten Sie neben Selbstverständlichkeiten wie einer lesbaren Handschrift und einer sorgfältigen Fehlerkorrektur insbesondere auf folgende Aspekte: • Gliedern Sie Ausführungen in sinnvolle und überschaubare Absätze: keine Seite ohne Absatz! • Verwenden Sie Doppelpunkte, um gedankliche Strukturen deutlich zu machen (z.B. zwischen These und Beleg, zwischen der Einleitung eines Gedankens und des Gedankens selbst). Sie erhöhen dadurch die Lesbarkeit Ihres Aufsatzes sehr.
7

8

Erzähler (Epik)
Erzählformen: Ich- oder Er-Erzähler Erzählhaltungen: sachlich-nüchtern, pathetisch, ironisch, distanziert, neutral Erzählstandorte: zwischen Nähe und Distanz (hier unterscheidet man zwischen erlebtem und erzählendem Ich) Erzählzeit und erzählte Zeit: dadurch können zeitliche Abläufe unterschiedlich intensiv dargestellt sein, indem der Autor beides in ein bestimmtes Verhältnis zueinander setzt und entweder zeitdeckend, zeitraffend oder zeitdehnend erzählt. Häufige Darbietungsformen des Autors zur Entfaltung des Geschehens: • Erzählbericht • Szenisches Erzählen (evtl. mit Figurenrede) • Techniken zur Spiegelung des Bewusstseins der Figuren (innerer Monolog, erlebte Rede) • Eigene Reflexionen

ANALYTISCHE BEGRIFFE ZUR ERSCHLIESSUNG EPISCHER TEXTE
(zum Verständnis und zur Kennzeichnung der Texte) Äußeres Geschehen / Außensicht In der Außensicht einer Figur Präsentiert der Erzähler alles, was auch von anderen Figuren der Erzählung wahrgenommen werde n könnte: Handlungen, Äußerungen (wörtliche oder indirekte Rede), mimischer und gestischer Ausdruck, etc. Inneres Geschehen / Innensicht Eröffnet der Erzähler die Innensicht, so blickt er in eine Figur hinein und stellt ihre Gefühle und ihre Gedanken dar. Sonderformen sind: Innerer Monolog, erlebte Rede (Wiedergabe in der dritten Person).

ERZÄHLVERHALTEN
• Auktoriales Erzählen Erzähler hat einen Überblick über des Geschehen und nutzt diesen, um den Leser mit Hinführungen, Kommentaren und Reflexionen durch die Ereignisse zu geleiten. Im Erzählgang kann er voraus- und zurückgreifen und auch ansonsten vieles unternehmen, um seine überlegene Position anderen Figuren und dem Leser gegenüber geltend zu machen. • Personales Erzählen Erzähler ist auf die Sichtweise einer Figur beschränkt, die in der Erzählung vorkommt. Er weiß nicht mehr als diese Figur und kann Ereignisse und Sachverhalte oft ebensowenig einordnen wie diese. Ähnlich wie Detektiv und Zuschauer im Krimi bemüht sich der Leser zusammen mit dem personlaen Erzähler um ein zunehmend besseres Verstehen des Geschehens. • Neutrales Erzählen Es ist dadurch gekennzeichnet, das der Erzähler im Text nahezu verschwindet. Vorgänge werden ohne Orientierungshilfen für den Leser dargeboten. Darbietungsformen Häufig gebraucht:

• • •

Erzählbericht: fasst zeitliche abläufe zusammen und gibt sie zeitraffend wieder - unter weitgehendem Verzicht auf die Figurenrede Szenisches Erzählen: einGeschehen wird (nahezu) zeitdeckend und unter Verwendung der Figurenrede ( wörtliche Rede) entfaltet. Beschreibung: Erzählpassage, die im Unterschied zu den Darbietungsformen zeitlicher Abläufe (s.o.) Besonderheitendes raumes (Landshcaften, Gebäude, Personen) darstellt.

Erzählzeit / erzählte Zeit Erzählzeit ist die Zeit, die ein Erzähler für einen mündlichen Vortrag seiner Erzählung brauchen würde. Die erzählte Zeit umfasst den Zeitraum, über den sich das erzählte Geschehen erstreckt. Ist die Erzählzeit erheblich kürzer als die erzählte Zeit, liegt zeitraffendes, im umgekehrten Fall zeitdehnendes Erzählen vor. Eine Erzählung ist zeitdeckend, wenn Erzählzeit und erzählte Zeit etwa gleich lang sind. Chronologie Die Chronologie des Erzählens bezeichnet die zeitliche Reihenfolge des Erzählens. Möglichkeiten der Gestaltung sind: • Lineares Erzählen, dass sich an die zeitliche Reihenfolge hält, so wie sie der Wirklichkeit entsprechen würde;

9

Rückblende und Vorausdeutung, die aus der Chronologie herausspringen und Vergangenes nachholen bzw. Zukünftiges vorwegnehmen. Außerdem können Parallelhandlungen mehrere zeitliche Stränge mischen (Montagetechnik).

10

Sprachliche Mittel und Besonderheiten
Konzentrieren Sie sich in Ihrer Interpretation auf einige wenige sprachliche Elemente und Aspekte, die Ihnen bedeutungsvoll erscheinen und anhand derer Sie zu schlüssigen Deutungen kommen können. Vermeiden Sie allgemeine Banalitäten wie „mit dieser Metapher unterstreicht der Autor seine Absicht ..“. Umreißen und erörtern Sie die möglichen konkreten Ausdeutungen der Bildebene (Metaphern, Allegorien, Vergleiche, etc) nur knapp – z.B. mittels folgender Formulierungshilfen: • Dies könnte die Leserin, der Leser so deuten, dass .. • Dies legt den Schluss nahe, .. • Eine mögliche Deutung wäre .. Symbole In mit potentiellen (möglichen) Bedeutungen aufgeladenen Texten, zu denen auch Kurzgeschichten gehören, gewinnen Gegenstände (oder auch Personen) häufig symbolische Bedeutung. Sie stehen innerhalb der Handlung für sich selbst, in der Deutung aber auch für etwas anderes, häufig Abstraktes (nicht sinnlich Fassbares). Z.B. nennt man Dinge, die über sich hinausweisen, Symbole. Hinweis: Formulieren Sie zunächst genau und ausführlich die Funktion des / der Symbols/e innerhalb der Handlung und leiten Sie nicht vorschnell konkrete Deutungen ab – sonst bleiben Letztere unbelegt. Mehrdeutigkeit Bei jeder Interpretation kann es geschehen, dass Ihnen bestimmte Elemente des Textes mehrdeutig erscheinen. Vernachlässigen Sie diese nicht, sondern weisen Sie auf diese Mehrdeutigkeit hin und skizzieren Sie verschiedene Möglichkeiten der Deutung und deren Konsequenzen für das Verständnis des Textes. Hilfreich können dabei folgende Formulierungen sein: • Hier bleibt offen, ob .. oder .. gemeint ist. • Hier erscheinen mehrere Deutungen möglich: .. • Einerseits könnte dies ein Verweis auf .. sein, andererseits .. • An dieser Stelle bleibt die symbolische Bedeutung offen: .. • Eine solche Deutung hätte zur Konsequenz, dass .. • Dies würde in (scharfem) Kontrast stehen zu .. Natürlich sollte solch ein Offenlassen von Mehrdeutigkeiten die Ausnahme sein.

11

Checkliste zur Überarbeitung

IST DER TEXT genau an der Aufgabenstellung ausgerichtet? Fehlt ein wichtiger Aspekt der Aufgabe? Gibt es Abschweifungen?

insgesamt schlüssig? Gibt es eventuell gedankliche Widersprüche? Sind alle meine Gedanken umgesetzt oder gibt es Gedankensprünge? Ist durch nachträgliche Einfügungen ein Zusammenhang unklar geworden?

fachlich solide? Fehlen Fachbegriffe, die man in dem Aufsatz erwarten könnte? Sind alle Begriffe richtig verwendet? Sind alle Interpretationsthesen (Untersuchungsaspekte) hinreichend begründet?

klar und abwechslungsreich formuliert? Sind die Sätze übersichtlich konstruiert? Könnte ich an einigen Stellen ein treffenderes Wort verwenden? Habe ich Wortwiederholungen vermieden und den Ausdruck variiert? Könnte ich unnötige Füllwörter weglassen?

formal korrekt? Ist der Aufsatztext grammatisch korrekt? (Stimmt z.B. bei Apposition und Bezugswort der Kasus überein?) Habe ich irrtümlich Wörter ausgelassen? Habe ich („meine typischen“) Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung vermieden?

12