You are on page 1of 10

Otto Fenichel: Über die Psychoanalyse als Keim einer zukünftigen dialektisch-materialistischen Psychologie Wer eine dialektisch

-materialistische Psychologie anstrebt, muss ständig gegen zwei Fronten kämpfen: einmal gegen den Idealismus, der das Seelische dem Körperlichen prinzipiell entgegenstellt und es für etwas irgendwie Grundlegenderes, "Höheres", "Jenseitigeres" hält; und gegen eine falsche materialistische Auffassung -- wir würden sie eine pseudo-materialistische nennen --, die am liebsten die Existenz des Seelischen überhaupt leugnen möchte. Während innerhalb der psychologischen Fachwissenschaft zweifellos die erste Front die weitaus bedeutsamere ist, erscheint es immer noch sehr nötig, in Kreisen der Anhänger des historischen Materialismus auch die zweite nicht aus dem Auge zu lassen. Es ist kein Zweifel, dass man in diesen Kreisen vielfach einem prinzipiellen Misstrauen gegenüber der Psychologie überhaupt begegnet. Man muss feststellen, dass dieses Misstrauen sachlich durchaus ungerechtfertigt, wenn auch angesichts dessen, was die meisten bisherigen psychologischen Schulen als Wissenschaft ausgaben, begreiflich ist. Was sie lehrten, kann im weitaus überwiegenden Prozentsatz nicht zur Naturwissenschaft gerechnet werden, sondern bezeichnet sich selbst als "Geisteswissenschaft"; an den Universitäten wird die Psychologie nicht in Verbindung mit der Biologie, sondern mit der "Philosophie" unterrichtet. Sieht man sich manche Lehrbücher philosophischer Psychologie an, so wird man in der Fülle der dort spekulativ erörterten metaphysischen Probleme von der Willensfreiheit, von 44 den Eigenarten der Seele, ja beinahe von der Unsterblichkeit, die Abkunft von Bereichen, die früher einmal dem Theologen gehörten, deutlich bemerken. Die schroffe Gegenüberstellung von "Körper" und "Seele" enthält immer versteckt die Gegenüberstellung von Menschlichem und Göttlichem, von Natürlichem und Übernatürlichem. Es ist ja auch noch nicht so lange her, dass religiöse Vorurteile die wissenschaftliche Untersuchung des menschlichen Körpers durch den Anatornen verhinderten; während aber Anatomie und Physiologie sich zum grossen Teil von diesen Vorurteilen freigemacht haben, ist die Psychologie noch in hohem Masse von ihnen durchtränkt. Aber nicht nur idealistische Denkweisen charakterisieren viele psychologische Schulen, sondern auch das damit in Zusammenhang stehende völlige Übersehen der gesellschaftlichen Realität und ihrer Bedeutung. Das konkrete Denken und Fühlen der Menschen wird vielfach betrachtet, als schwebte es "an sich" in der Luft, unabhängig von der konkreten historischen und gesellschaftlichen Situation, in der sich der denkende oder fühlende Mensch befindet. Aus diesen Gründen nannten wir das Misstrauen des Materialisten gegen die Psychologie verständlich. Es ist aber dennoch unberechtigt. Von einem materialistischen Anatomen wird erzählt, er habe, als von seelischen Phänomenen die Rede war, gesagt: "Ich habe in meinem Leben 5000 Leichen seziert und nie eine Seele gefunden." Bekannt ist auch das Schlagwort des Aufklärungs-Materialismus: "Seele ist Sekretion des Gehirns." Der Anatom hat unrecht; denn nicht nur das ist wirklich und "materiell", was man sehen, sondern das, was man durch unmittelbare Erfahrung oder durch mitteIbaren zwingenden Schluss wahrnehmen kann. Der Anatom hat zwar in der Leiche keine Seele gefunden, aber er hat, wie jeder Mensch, gefühlt und gedacht, Freude und Schmerz empfunden etc. Die Wirklichkeit der Daten unseres Bewusstseins ist keine geringere als die der äusseren Natur; sie ist nur in manchen Eigenschaften von ihr unterschieden (sie ist z.B. im Raume nicht ausgedehnt). Was das Wort vqn der "Sekretion des Gehirns" betrifft, so ist es zwar biologisch nicht gerechtfertigt, aber selbst wenn wir davon absehen, müssen wir fragen: Folgt aus der Erkenntnis, dass die Galle ein Sekretionsprodukt der Leber ist, dass nur mehr Leberanatomie Wissenschaft ist, nicht aber physiologische Chemie der Galle? Das Zustandekommen des seelischen Geschehens mag an die Funktion des Gehirns ebenso geknüpft sein wie die Entstehung der Galle an die der Leber. Dennoch ist dieses so entstandene psychische Geschehen ein Naturprodukt, dessen eigene Gesetzlichkeit nach naturwissenschaftlichen Kriterien ebenso studiert zu werden verdient wie die Eigengesetzlichkeit der Galle. Es muss also klar sein, dass die Auffassung, der Materialist glaube nur an das "Körperliche", sich für das Psychische aber zu interessieren wäre idealistisch, grundfalsch ist. Eine solche Auffassung ist 45 selbst bereits Folge einer idealistischen Denkweise, die Körperliches und Seelisches als unüberbrückbaren, Gegensatz gegenüberstellt. Nein, Materialist ist derjenige, der die Wirklichkeit dort, wo er sie findet -- und er findet sie in den Daten der inneren Wahrnehmung ebenso wie in denen der äusseren --, als solche anerkennt und ihre Gesetzmässkeit und Entwicklung ohne "Jenseits" aus den ihnen immanenten Bedingungen zu verstehen sucht. Dass Marx nicht anders gedacht hat, lässt sich durch zahlreiche Zitate belegen; hier genügt es, daran zu erinnern, dass als die materiellste Basis, die den Produktionsprozess überhaupt in Gang setzt, mit Recht die menschlichen Bedürfnisse gelten; und diese Bedürfnisse sind (wenn auch, wie gleich zu besprechen sein wird, aus somatischer Quelle stammend) psychischer Natur. Eine materialistische Psychologie anerkennt die Existenz des Psychischen als eines eigenen Bereiches der Natur und

Es gab und gibt verschiedene psychologische Richtungen. Das. auch die in der Sowjetunion betriebene Reflexologie könnte man hierher rechnen. keine Gesetzmässigkeiten geben. Das Psychische ist wirklich. was dabei unter "wirklich" und was unter "erklären. sondern das Regelmässige im menschlichen Seelenleben: Unter welchen Umständen treten die Erlebnisse a. ob es eine metaphysische Welt jenseits unserer Erfahrung geben könnte. Als Vertreter dieser Richtungen nenne ich die experimentelle Psychologie. bleibt ihr unzugänglich. wäre nicht allzu schwer. bzw. ihre Resultate wären unschön oder unsittlich. es technisch benutzen können. zu welchem Zwecke man das machen soll. Wir täten der Geschichte der Psychologie unrecht.) Sie untersucht wie jede Naturwissenschaft Gesetzmässigkeiten. müssen auch für das Psychische Geltung haben. Weder die experimentelle Psychologie noch die Psychophysik scheinen uns auch nur im geringsten die Kriterien zu erfüllen.) Sie muss sich der Biologie einordnen. beschreiben und erklären die wirklichen Phänomene. Fordern wir. die ganze Kompliziertheit des menschlichen Seelenlebens und seiner Motivation. die speziellen Formen. Jene mag wissenschaftlich einwandfrei sein und daher gewiss auch dialektischem Denken entsprechende ForschungsresuItate liefern." gemeint ist. und den mit denselben irdischen Mitteln zu untersuchen wie den Körper Frevel wäre. was man im Alltag "Erleben" heisst. dass man sagte. denn es ist der inneren Wahrnehmung unmittelbar gegeben. Voraussagen über seinen Verlauf machen. sittlich und unsittlich oder . Dennoch gehört diese Fiktion eben zum Wesen der bürgerlichen Wissenschaft. begnügt sich also nicht mit der blossen Beschreibung einmaliger Abläufe. deren Beachtung man von einer dialektisch-materialistischen Psychologie fordern muss. heisst. so müssen wir zwei Fragen beantworten: 1. und keinem Menschen würde es je einfallen. dass auch die psychische Wirklichkeit in der gleichen Weise wie die übrige Natur wissenschaftlich erfasst werde. deren Sicherheit der physischen Prognostik und Technik nicht nachsteht ? Was müssen wir von einer solchen Psychologie fordern ? 1. die ihrerseits keineswegs ein einheitliches Gebilde ist. würde uns aber an dieser Stelle zu weit abführen. wie sie bisher wissenschaftlicher Erfässung nicht zugänglich war. Und ein Phänomen "erklären". eine physikalische Publikation damit widerlegen zu wollen. in welcher Höhe. --Psychisches Geschehen tritt nur am lebenden Organismus auf. warum dem so ist. Zwar wissen wir.Ganz anders benimmt sich die Öffentlichkeit gegenüber der seelischen Wirklichkeit. wollten wir behaupten. sondern nur von Dichtern intuitiv geschildert wurde. die darlegte. 2. ihre Übereinstimmungen aber -. spuken in leicht veränderter Gestalt -. die die ganze komplexe Natur der wirklichen Erlebnisfülle. die man der Art ihres Denkens nach als naturwissenschaftlich bezeichnen muss. c auf ? Welche Kräfte haben auf Erlebnisweise und Erlebnisinhalt Einfluss ? In welcher Weise nehmen sie Einfluss und wie sehen die Resultate aus ? 3. keine Quantität.In langsamer Entwicklung setzt sich das naturwissenschaftliche Denken gegen das religiöse durch. Die Naturwissenschaften. -. Eine marxistische Kritik.Könnte es eine Forschungsweise geben. In ihr gibt es nicht gut und böse.bemüht sich. in der der Träger dieses Psychischen steht (aus seinem Körper sowohl als auch aus seiner konkreten Umwelt. Man kann das auch so sagen: Man hat einige Differenzen der Gegebenheiten "physische Welt" und "psychische Welt" tendenziös verabsolutiert. Hier soll es keine Kausalität. -.beide sind Natur und müssen mit denselben naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen untersucht werden -. aus der materielIen Wirklichkeit. Selbstverständlich sind die Kenntnisse im Bereich der Physik auch davon abhängig. Diese analogisiert vielfach in pseudomaterialistischer Art allzu sehr das Psychische und das physikalische Geschehen. entstehend und sich weiter entwickelnd an bestimmten Stellen der Entwicklung der menschlichen Produktionskräfte. b. wie begrenzt auch die Möglichkeit des "naturwissenschaftlich Wahren" ist. der den Menschen eingehaucht wurde. wie man das macht. Ihr Gegenstand ist nicht die Person X da. Ohne viel Philosophie und Kenntnis theoretischer Auseinandersetzungen ist klar. Die allgemeinen Gesetze. Vor46 stellungen vom Odem Gottes. 2. aber sie umfasst immer nur die eine oder andere aus dem Zusammenhang isolierte psychische Funktion oder irgendwelche Details des Erlebens. wobei wir uns nicht einen Deut dafür interessieren. dass diese stets nur aus philosophischen Spekulationen bestanden habe. die durch Erlebnisse einwirkt) zu erklären. was in unserer Erfahrungswelt gegeben ist. es ist ein Spezialfall des lebendigen Geschehens. naturwissenschaftlich angeht und schliesslich zu einer psychologischen Prognostik und Technik (Menschenbeeinflussung) strebt. ferner die Psychophysik.) Eine materialistische Psychologie ist absolut wertfrei.für das lebendige 47 Geschehen gelten. von wem und zu welchem Zwecke die physikalischen Institute subventioniert werden.etwa in Form des Begriffes "Geist" -noch überall herum. in denen dieses Psychische auftritt. sondern nur ein "richtig" oder "falsch". sondern vielerlei Denkweisen und Forschungsrichtungen umfasst. die "reine Wahrheit" ist eine Fiktion der bürgerlichen Wissenschaft. Dazu kommen spezielle Verhaltungsweisen des Psychischen.ausser Acht gelassen. Aber was hat man mit dieser Gegebenheit bisher gemacht und was könnte und sollte man machen? . "Wirklich" ist. In Physik oder Astronomie gibt es keine "Moral". an denen ihr Auftreten eine technische Notwendigkeit wird. die.

und den Einwirkungen der Aussenwelt auf diese. die die Abfuhr aufhalten. Ist das psychische Geschehen prinzipiell aus materiellen Bedingungen heraus zu verstehen. Etwas Drittes. dass sie andere Erscheinungen als aus Trieben. so wie etwa die Zellenlehre durch die Existenz von zellenloser Knochensubstanz oder von zellenlosen Nerven nicht widerlegt wird. Sie fasst das Seelenleben.h. und solchen. sie nimmt energetische Veränderungen in ihrer Umwelt als Reize auf. Nach dem 'Modell dieses sogenannten "Reflexschemas" ist letzten Endes alles psychische Geschehen vorzustellen. etwa ein immanentes "Vervollkommnungsprinzip" oder dgl. als ein fliessendes.-Wir sind reichlich in die Theorie geraten. der nach "Reaktion" oder "Abfuhr" drängt. -. der sogenannten Phylogenie. ((Eine dynamische Psychologie ist immer in erster Linie eine Triebpsychologie. die ihm zugrunde liegen. Gehen wir von einem groben Beispiel aus: In der bürgerlichen psychologischen Literatur nimmt die sogenannte "Psychologie der Kriminalität" eine grosse Rolle ein. Eine solche Auffassung.ein Sollendes überhaupt.in Analogie mit energetischen Erscheinungen der physischen Welt -ausgestattet mit verschiedenen Intensitäten. Diese Kräfte selbst müssen. dass sie nur Triebe anerkennt. die von allem Triebleben scheinbar so ferne psychische Urteilsfunktion als durch Aussenweltseinfluss veränderten Trieb zu erweisen. in seinem Ablauf zu erfassendes Geschehen. im Körperlichen wurzelnden und im Verlaufe der biologischen Entwicklungsgeschichte entstandenen Bedürfnissen. verarbeitet sie in einem "Erregungszustand" und "reagiert". Durch diese zwischengeschalteten problematischen Hindernisse unterscheidet sich das psychische Geschehen vom reflektorischen. sondern ihr sind gut und böse. d. sondern von der biologischen Entwicklungsgeschichte. das setzt einen Erregungszustand. kommt es schliesslich zur Abfuhr.soll die ganze Psychologie materialistisch bleiben -. deren Zustandekommen ihrerseits nicht mehr von der Psychologie. die zur Abfuhr drängen. Schon diese einfache Überlegung zeigt uns. und zweitens die Umwelt. und die Auffassung einer "Psychischen Energie". sondern nur in einer jeweiligen konkreten Gesellschaft und an einer bestimmten Stelle dieser jeweiligen konkreten Gesellschaft. wobei sie ihre Erregung wieder verliert. Auf eine gegebene Struktur wirkt ein Reiz ein. sich nun jener zweiten Frage zuzuwenden. wie es sich unserm Bewusstsein darstellt. über die Engels mit Recht sich schon so lustig gemacht hat. den so genannten Trieben. sittlich und unsittlich und Soll Denkweisen der Menschen. als Resultante von Kräften auf. deren Herkunft die materialistische Psychologie eben aus dem Zusammenspiel von biologischer Struktur und Aussenwelt erklären muss. Vielleicht ist es deshalb besser. und alle anderen dem Bewusstsein gegebenen seelischen Geschehnisse leugnet ? Nein. aber es heisst. Sie lässt in keiner Verhüllung irgendein "Jenseits" wieder in ihren Bereich ein. Die Untersuchung der Verschiedenheiten dieser Intensitäten und ihrer Beziehungen zueinander tritt als ökonomischer Gesichtspunkt neben den erwähnten dynamischen. Es gibt keine Psychologie in jener in der Luft schwebenden Welt der "Zwei Männer" des Dühring. durch Einflussnahme der Aussenwelt entstanden vorstellt. Eine solche Denkweise nimmt das psychische Geschehen als das. letzten Endes die biologisch gewordenen Triebe. Wir erklären. die psychischen Erscheinungen aus der Einwirkung äusserer Kräfte auf innere. wirkend in verschiedenen Richtungen (abfuhrfördernd oder abfuhrhemmend). die als solche in ihrer Entstehung aus materiellen Voraussetzungen zu erforschen sind. die das Seelenleben hervorgehen lässt aus dem Zusammenspiel von Kräften. die aus dem Resultat erschlossen werden müssen. und deren Teilsummen von einer Kraft auf eine andere verschoben werden können. zu ergründen ist. auf deren Zusammenspiel den jeweiligen Untersuchungsgegenstand zurückzuführen einzige Aufgabe der materialistischen Psychologie ist: Erstens die biologische Gegebenheit des betreffenden Organismus. Heisst das. welche auf diese biologische Struktur einwirkt. davon abhalten. sich immer veränderndes. an welchen Stellen offenbar allein die grundlegende Brücke vom Spezialfall Psychologie zur Biologie zu schlagen ist: Alle lebende Substanz ist reizbar.)) Sie lässt sich von keinem philosophischen Einwand "im Psychischen gibt es keine Quantität" u. Man zerbricht sich den Kopf und stellt grosse Theorien darüber . als was es im unmittelbaren Erleben wirklich erscheint. verschiedenartige Phänomene einheitlich zu erklären und schliesslich Voraussagen und technische Benutzung zu ermöglichen. Welches sind die äusseren ? Die wirklichen materiellen Bedingungen. hat in einer materialistischen Psychologie keinen Platz. sofern es gelingt. sagten wir. wie gesagt. und unter Überwindung von allerlei sich in den Weg stellenden Hindernissen. kann man eine dynamische nennen. welchen prakti49 sehen Zwecken denn eine dialektisch-niaterialistische Psychologie dienen soll. wird solange beibehalten. als diese Auffassung der naturwissenschaftlichen Aufgabe dient. die auf den Organismus einwirken. Die inneren sind. sich als Arbeitshypothese diese Kräfte vorzustellen aIs -. sagten wir. jene als Interzellularsubstanz zu erklären und diese mit Hilfe der Neuronentheorie ebenfalls auf Zellen zurückzuführen. sie heisst "Die Verneinung" und versucht. In dieser Richtung scheint uns eine inhaltlich vielleicht kritikbedürftige Arbeit von Freud als heuristisch höchst bedeutungsvoll. so kann es ja nur zweierlei solcher Bedingungen geben. dgl. um bei ihrer Beantwortung konkreter zu werden.sich zusammensetzen aus den 48 primitiven. deren Summe gleich bleibt.

sondern auch indirekt auf dem Umwege über die Änderung seiner psychischen Struktur. Religion. (Bei anderen "asozialen" und "antisozialen" Handlungen mag das deutlicher sein als beim Diebstahl. kann man nicht mit Argumenten beikommen. wenn sie immer wieder versichern. ihren Widersprüchen und Interessen. dass an bestimmten Stellen und in bestimmter Weise logisches Denken und rationales Handeln in ähnlicher Weise eingeschränkt sind. wenn man nun die Ideen für etwas Jenseitiges hielte. Dass jemand sein biologisches Bedürfnis befriedigen will. so besteht die grosse Gefahr. vielleicht dabei auch eine Rangordnung dieser "ldeologiefabriken" zu versuchen. Strafjustitz. nämlich die Angst vor der Strafjustiz. bringt natürlich auch eine Fülle von positiven Anwendungsmöglichkeiten der Erkenntnisse mit sich. wie solche Strukturveränderungen vor sich gehen. dass Energien.Nun wird man dagegen einwenden. wenn sie "ökonomistisch" gefällt werden. Rundfunk zur Verfügung. Erkenntnisse in diesem Bereich müssen die Propagandaarbeit in ausserordentlichem Masse verändern. dass die jeweils bestehende Gesellschaftsordnung die psychischen Strukturen ihrer Mitglieder durch ihre Ideologie verändert. die darin bestehen. Presse und Rundfunk im einzelnen zu studieren. Was . Der Erziehungseinfluss. Es ist das Selbstverständliche. stattdessen die Wirkungsweise von Schule. Unter solchen Gesellschaftsverhältnissen kann das Problem nur lauten: Warum stehlen so und so viele Menschen nicht ? Mit anderen Worten: Welche Einflüsse der Umwelt haben in ihr Triebleben ändernd eingegriffen ? Die erste Antwort wird lauten: Die herrschenden Klassen haben durch eine Institution. die Wirkung der Ideologie auszugleichen. wie etwa die Familie und die gesellschaftliche Sexualeinterdrückung. hat die Triebstruktur des betreffenden Menschen wirklich in einer Weise verändert. bekäme 51 aber eine ganz andere Wertigkeit. die den ursprünglichen Triebbestrebungen entzogen wurden. (des "Ödipuskomplexes" und des "Über-Ich") aus psychoanalytischer Erfahrung besser kennte. dass sie nicht erwischt werden. die man "unbewussten Enthusiasmus" nennen könnte. nur mit Berücksichtigung der materiellen ökonomischen Grundlagen bei Ausserachtlassung ihres dialektischen Widerspiels im Menschenkopf. Es ist aber kein Zweifel. z. ist nicht neu und gewiss nicht antimarxistisch. Daraus ergibt sich zunächst die wichtigste praktische Aufgabe der dialektisch-materialistischen Psychologie. und wie diese durch die Handlungen der Menschen auf die ökonomische Basis zurückwirken. die meinen. fehlt. dass die Behandlung dieses Sonderzustandes gerade ein so wichtiges Problem bildete. Sie würde nur antimarxistisch. d.an. Aber die Marxisten.B. die darin bestehen. d. Presse. den meisten Menschen aber die Möglichkeit. Das liesse sich an zahlreichen Beispielen zeigen. die Bedeutung der Familieninstitution. Wenn sich aber herausstellt.h. Die Ideologie entsteht aber aus den Produktionsverhältnissen. -. Man pflegt dabei in grotesker Weise die bürgerlichen Gesellschaftsverhältnisse zu übersehen. wenn man die Tiefe der lebenslangen Bindung nicht nur an die Inhalte der kindlichen Erlebnisse. sondern auch an die Form. Aber über die Einzelheiten des "Wie" dieser Vorgänge konnte Marx nicht schreiben. gewinnt diese Frage an praktischer Bedeutung. aber eine unproblematische. und zwar ganz im Sinne von Marx. wie es manifest beim Enthusiasmus der Fall ist. Die Erkenntnis. je mehr ihre Propaganda quantitativ in die Massen eindringe und je höher das Elend steige. Reich hat uns diese Faktoren ins rechte Licht gerückt. dass sie sich mit dieser Weisheit begnügen. die "Ideologie". Einem Menschen. dass es manche Menschen gibt. die dem Triebleben entgegenwirkt und sich so oft als stärker erweist. das dem ökonomisch Bedingten entgegentritt. Dort findet man. Der Ideologie der herrschenden Klassen wurde nur die Entlarvung ihrer wahren objektiven Funktion entgegengesetzt. deren gesellschaftliche Bedeutung erst mit Hilfe der Psychologie voll erkannt werden kann. und vielleicht gar noch wirksamere Fabriken solcher Art zu entdecken. dass die zur Befriedigung von Bedürfnissen geeigneten Güter in reichlichem Masse vorhanden sind. als dass es nur Angst erzeugt hätte. wenn sie sicher sind. in der diese Erlebnisse erlebt wurden. dass in allen Mensehen unausgesetzt Mechanismen wirksam sind. Über Entstehung. warum wohl dieser oder jener Mensch stiehlt. nun gegen dieselben wirken und sie an der Entfaltung hindern. eine Kraft geschaffen. weil es keine dialektisch-materialistische Psychologie gab. die fehl gehen können. Ist der Mensch ein Produkt seiner materiellen Verhältnisse. Sie mögen einmal beginnen. Ideologische Beeinflussung heisst immer Trübung der Verstandesfunktion. an die sie bisher noch gar nicht gedacht haben. dass und wie die Produktionsverhältnisse die "Ideen im Menschenkopf" schaffen.Ein anderes Beispiel: Eine marxistische Kritik der Erziehungsinstitutionen als gesellschaftlicher Institutionen zur Verdummung der Menschen durch ideologische Bildung ist zwar schon gelegentlich versucht worden. Das wichtigste dieser Beispiele ist das nur psychologisch zu erklärende Zurückbleiben der Revolutionierung des Proletariats gegenüber der "ökonomischen Basis". Sie werden aber auch oft genug bei politischen Entscheidungen wichtig werden. ist zwar auch eine psychologische Tatsache.h. umso eher werde es gelingen. Eine Kritik bestehender Institutionen. dass Enthusiasmus keine so gewöhnliche Angelegenheit sei. Es gilt aber zu verstehen. der enthusiasmiert ist.) Die einflussnehmende Umwelt hat also das Triebleben bereits in einem höheren Grade verändert. -. Religion. der herrschenden Klasse stünden Schule. in doppelter Hinsicht. Nicht nur direkt wirken die ökonomischen Verhältnisse auf das Individuum ein. und zwar den Interessen der herrschenden Klasse. die revolutionären Parteien aber wären schwach und machtlos. so ist er das. warum das so oft so wenig nutzt. Die dialektischmaterialistische Psychologie untersucht. die auch dann nicht mehr zu stehlen vermögen. Bedeutung und Wirkungsweise der Ideologie ist viel sehr Beherzigenswertes bei Marx nachzulesen. solche Einzelheiten wären deshalb ohne Interesse. Mechanismen. in ihren Genuss zu gelangen. sind im Un50 recht.

von welchen Erscheinungen innerhalb der psychoanalytischen Bewegung. lag es fern.) Die weit wichtigere Frage der Neurosenprophylaxe ist noch kaum angegangen worden. diese Behauptungen durch Beispiele zu stützen. lächerlich. und die deshalb als Keim einer dialektisch-materialistischen Psychologie zu betrachten ist. dass sie die Psychoanalyse nur wenig oder gar nicht kennen. Vorwände sind. wiewohl auch sie idealistische Elemente enthält. wir scharf abrücken müssen. ist etwas Grundverschiedenes. diese Behauptung vor sachkundigen Psycho52 analytikern. Ich meine. unter marxistischen Kautelen die Erkenntnisse der neuen Psychologie. von denen der Marxist abrücken muss. den dialektischen 'Materialismus. als die gleichen Prinzipien. den "Marxismus" im engeren Sinne. oder gar durch Vorurteile gegen sie eingenommen sind. Beide sind überzeugt. dass diese dennoch einen solchen Charakter tragen. die wir für ein Verlassen der eigentlichen psychoanalytischen Grundprinzipien halten. denen der bürgerliche Arzt gern ausweicht. von denen man annehmen muss. Hier muss ich mich damit begnügen. dennoch im Kerne die einzige empirische Wissenschaft vom Seelenleben ist. Benutzt aber jemand. Es müsste dann eine Art Einführungskursus in die Psychoanalyse gehalten werden.Wenn nun Psychoanalytiler daran gehen. die monateund jahrelang täglich eine Stunde lang behandelt werden müssen. ihn missverstehend. erfüllt. Die Gründe hierfür sind erstens die gleichen. Erkenntnisse. Vorher sei nur noch bemerkt. diese unzulängliche therapeutische Arbeit ist doch gleichzeitig die einzige Forschungsmethode der werdenden dialektisch-materialistischen Psychologie.Allerdings das. die wir aufgezählt haben. die all die Forderungen. Es wäre nun am interessantesten. in Kürze einen solchen Beweis vor Genossen zu bringen. an die Probleme der Neurosenprophylaxe erfolgreich heranzugehen. sondern auch die. was offen in Erscheinung tritt.die heutige Psychoanalyse mit ihren Erkenntnissen kann. -. die Marx in der politischen Ökonomie verwendet hat. -. dass auch in anderen Gebieten der bürgerlichen Medizin so viel mehr Therapie als Prophylaxe getrieben wird. 1) Marx hat seine Methode. Es wäre nicht schwer.h. Ein solcher Beweis ist auch schon von mehreren Autoren ausführlich geliefert worden. Zweitens wird der einzelne Arzt für therapeutische Tätigkeit vom Patienten bezahlt. gegen ihn polemisiert hat. Hier die Produktionsverhältnisse und die durch sie geschaffenen Klassengegensätze 53 und Klassenkämpfe. so beginnt damit nicht nur die Möglichkeit. Innerhalb des Bereiches anderer Wissenschaften kann "Marxist sein" nichts anderes bedeuten. dass das. was als wahre verborgene Ursache erkannt wird. d. wird aber von Autoren verschiedener Ansicht verschieden bewertet. Sonst kann sie nichts. der ihnen erst ermöglichte. in der eigenen Wissenschaft anzuwenden. in fälschlicher Gleichsetzung von Einzelleben und gesellschaftlichem Geschehen die psychologischen Kenntnisse auf das gesellschaftliche Geschehen anzuwenden und etwa nach einem "unbewussten Triebleben der Gesellschaft" zu suchen. dies etwa bewusst zu tun. dass die Psychoanalyse. dort das "Unbewusste". zu beweisen. aber in ihr nicht erfüllbare Aufgabe anzugehen: die pädagogischen Institutionen und Handlungen wissenschaftlich zu fundieren. der mit marxistischem Wissen ausgestattet ist. der dem Marxismus fern steht und sogar. Überlegungen über Prophylaxe aber würden ihn zu der Erkenntnis der gesellschaftlichen Verwurzelung der Neurosen und damit zu der Erkenntnis des ganzen problematischen Charakters unserer Gesellschaft führen. die Eignung der Psychoanalyse für die für uns gewünschten Zwecke an Beispielen zu demonstrieren und schliesslich einige Beispiele dafür zu nennen. das mit Unrecht neben dem ebenso ungeheuren materiellen Elend gar nicht beachtet wird. sie sind misstrauisch gegenüber dem. auf sein eigenes wissenschaftliches Gebiet. Freud. (Man verachte deshalb aber auch von unserem Standpunkt die langwierigen Analysen an Einzelpatienten nicht. wie weit jene Notwendigkeit und diese Kriterien von der jungen Wissenschaft bereits erfüllt werden.h. Es ist aber sehr schwer. Wir können der Frage nicht mehr ausweichen. dass sowohl die vorhin ausgeführten Gedankengänge über die dynamische und ökonomische Denkweise einer materialistischen Psychologie als auch die Ausführungen über die Ideologiewirkung natürlich bereits aus psychoanalytischen Denkweisen heraus stammten und die Denkart von Freud wiedergaben. Eine erste formale Gemeinsamkeit zwischen Psychoanalyse und Marxismus fällt zunächst in die Augen. solche Genossen gilt es zunächst einmal mehr von der legitimen Notwendigkeit und den Kriterien einer naturwissenschaftlichen Psychologie überhaupt zu überzeugen. sich selbst ein Urteil darüber zu bilden. die in der bürgerlichen Pädagogik schon seit Jahrhunderten geforderte. die gleichzeitig das Prinzip des dialektischen Materialismus kennen. . geschaffen. die dafür verantwortlich sind. die primitiven biologischen Bedürfnisse und ihre durch die Einfussnahme der Aussenwelt entstandenen Gegenkräfte. die Gesellschaftslehre. Wir haben aber an dieser Stelle zunächst eine andere Aufgabe zu erfüllen. die tatsächliche Zusammenhänge und die wahren Ursachen verbergen sollen. und suchen es als Resultante verborgener Kräfte zu erkennen. am besten wohl von Reich in seiner Arbeit "Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse". was als Motiv des Geschehens angegeben wird. Umso mehr spricht es für die Richtigkeit seiner Erkenntnisse. d. Beide sind entlarvende Wissenschaften. das ist Neurosentherapie an einzelnen Kranken. Eine solche Therapie ist angesichts des ungeheuren neurotischen Elends der Massen. angewendet und damit die "dialektische politische Ökonomie".

aber auch durch die praktische Produktion ihrerseits verändert wird. Sie strebt darüber hinaus zur Naturwissenschaft von der materialistischen Historik des Menschen überhaupt. indem es der Umwelt gelang. das infolge seiner biologischen Hilflosigkeit auf die Hilfeleistung der erwachsenen Um55 gebung bei allen seinen Bedürfnissen angewiesen ist. Sie haben aber unrecht. Sie tun unrecht. Sie begnügt sich aber nicht mit der Feststellung des historischen Werdeganges dieser einen Person. Hierbei bewahrheitet sich die Behauptung. etwa so wie Klima und Bodenschätze eines Landes. wäre eine grössere Gefahr als die Verwendung einer weniger misstrauischen Psychologie. dass die Psychoanalyse materialistisch ist. Die biologischen Bedürfnisse sind materielle Gegebenheit. Es ist ein ausgesprochenes. hier die wirklichen materiellen Produktionsbedingungen. Sind die dabei gewonnenen Erkenntnisse eindeutig dialektischer Natur. wie sie die "Moral". Sie weist aber darüber hinaus nach. als beim kleinen Kinde von solchen Liebeszuwendungen auch noch das ganze Selbstgefühl abhängt. Ich möchte an einem einzigen Beispiel versuchen zu zeigen. dass die Kräfte. in dem produziert wird. es zerfällt in einen "höheren" und "niederen". Die Moral ist aus den Trieben selbst hervorgegangen. die die Moral speisen. Diese. so spricht das für die Erkenntnisse. Deshalb erscheint uns die Forderung der Psychoanalytiker: "Wir müssen hinter den bewussten seelischen Erscheinungen das Unbewusste suchen". "narzisstische" Abhängigkeit des kleinen Kindes von Zärtlichkeitszuwendungen seiner Umgebung. sondern mindestens ebenso real wie der Lichtäther. wie die Produktionsverhältnisse hinter den angeblichen Ursachen der gesellschaftlichen Veränderungen. dass das Unbewusste längst nicht mehr mystisch ist.und er kann später ohne eine gewisse zärtliche Zuwendung ebenso wenig leben wie früher ohne Milch. Sie stellt dabei das ungeheure Übergewicht der Erlebnisse der ersten Kinderjahre für die Gestaltung dieser Struktur fest. vergleicht sie miteinander und schliesst daraus auf die allgemeinen Gesetzmässigkeiten des Zusammenpralls von biologischen Gegebenheiten und Aussenweltseinflüssen. ihn historisch-genetisch erforschen. mit der die Historik des Einzelnen betrieben wird. die für geschichtliche Ereignisse verantwortlich gemacht werden. die durch Einwirkung der Aussenwelt entstanden sind. zu denen der biologischen Triebe nicht in einem absoluten. einen Teil der Triebenergie für ihre Zwecke einzufangen und gegen die ihr unerwünschten Triebe zu lenken. Die gekennzeichneten bürgerlichen Psychoanalytiker haben nur den unentschuldbaren Fehler begangen. den jeweiligen Produktionsverhältnissen. ist doch selbstverständlich. welche Dienste sie der marxistischen Kritik bürgerlicher Ideologien und Institutionen leisten kann. denn sie wissen nicht. Durch die Art. Der Trieb ist dann das Irdische. so verschieden sei. . "guten" und "bösen" Anteil. bedürfte es eingehender Auseinandersetzungen.und dabei die materiellen Ursachen des gesellschaftlichen Geschehens übersehen. wie wir sagen. Es beginnt dies schon beim ganz kleinen Kind. da eben das. tatsächlich nur die Anwendung des gleichen Prin54 zips auf psychologischem Gebiet. die seelische Grundstruktur des Menschen ist genau so wie seine anatomische und physiologische Eigenart als "Naturkonstante" zu betrachten. also als entstanden durch die Einflussnahme der älteren Generation auf die heranwachsende jüngere. was aufgedeckt wird. wenn sie solches Denken für die eigentliche Psychoanalyse halten und damit meinen. gibt sie ein Beispiel dafür. (Über die schwierigen aber wichtigen Fragen des gegenständlichen und methodischen Verhältnisses von Psychologie und Soziologie. den konkreten gesellschaftlichen Verhältnissen. dass die Psychoanalyse ebenso wie der Marxismus zu "entlarven" sucht. Und die prinzipielle Abhängigkeit der Umweltsfaktoren vom "sozialen Ort". sie untersucht in gleicher Weise möglichst viele Individuen. dass es so ist. der Umstand. Ist die Psychoanalyse historisch zu nennen. In vielen Psychologien gibt es eine mechanische Zweiteilung des psychischen Bereiches.) Verbleiben wir aber zunächst innerhalb des Gebietes der Psychologie. so wehren sich die Marxisten mit Recht gegen solchen Unsinn. die göttlich sein soll. also feststellen. das hinter den bewussten Erscheinungen des Seelenlebens als verursachend in analoger Weise aufgedeckt werden soll. sagen wir kurz: in "Trieb" und "Moral". in denen das Individuum steht. das die Marxisten auf soziologischem sagen lässt: "Wir müssen hinter den Vorwänden. wenn auch selbst noch zu analysierendes Triebbedürfnis des kleinen Kindes. gewiss ein triebhaftes Bedürfnis. geliebt zu werden. leiten lässt. über das einiges Wenige später noch gesagt wird. Es besteht wieder erstens aus den biologischen Bedürfnissen des Menschen und zweitens aus den Modifikationen dieser Bedürfnisse. Bei dieser Bedürfnisbefriedigung durch die Umwelt erwirbt der Säugling eine zärtliche Bindung an diese Umgebung -. wobei sie sich bei solcher Einflussnahme erstens von ihren eigenen Interessen und zweitens von der jeweiligen gesellschaftlichen Ideologie und damit von der materiellen Basis. Dieses Bedürfnis ist umso stärker. worin denn eigentlich dieses "Unbewusste" besteht. die Moral das Göttliche im Menschen. Eine Verabsolutierung eines solchen empirischen Gegensatzesführt direkt in den Idealismus resp. die verborgenen wirklichen materiellen Produktionsverhältnisse als Ursache auffinden. wie das Zusammenspiel von Umweltseinflüssen und biologischen Gegebenheiten allmählich die psychische Struktur erzeugt hat. die kein Marxist leugnen kann. in die Theologie. sondern in einem dialektischen Gegensatz stehen. dort das mystische "Unbewusste". so ist es eine materialistische Geschichtsauffassung. die den Produktionsverhältnissen zugrunde liegt." 2) Einen Menschen psychoanalytisch erforschen heisst. In dieser Hinsicht kann man die Psychoanalye eine historische Wissenschaft nennen. Die Psychoanalyse nun weist zunächst alles "Moralische" im Menschen als historisch geworden nach. die Verschiedenheit der Gegenstände zu übersehen und mit psychologischen Methoden die der Psychologie unzugänglichen gesellschaftlichen Faktoren untersuchen zu wollen. die nun vorliegt. als irdisch entlarvt. so ist zu fragen.

die Verbote. dass die Energien. bei denen man es nicht erwartet hätte. d. das nur auf verschiedenen (polymorphperversen) Wegen seine Lust sucht. wenn man so etwas überhaupt schon Liebe nennen kann. als die bürgerliche Sexualwissenschaft. dass in Erscheinungen wie Ehe. Der Marxist hört nicht gern von "Kultur überhaupt" reden. -. Prostitution etc. so denkt er gewöhnlich nur an den Hunger. mit einem Hervorholen früher bereits überwundener Mechanismen. kann selbst gewiss nur marxistisch untersucht werden. die seinerzeit mehr Befriedigung gewährten.Auf diese Weise entsteht allerdings noch keine eigentliche "innere Moral".gibt dieser Umgebung ein mächtiges Mittel in die Hand. Und die Rolle und Funktion der gesellschaftlichen Sexualunterdrückung als Voraussetzung für die Umstrukturierung der Menschen im Sinne ihrer Beeinflussbarkeit durch Ideologien ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben.) -Wenn der Marxist von "biologischen Bedürfnissen" spricht. weniger erfüllt würde. Sie setzt diesen Trieb gegen andere Triebe ein. "Wenn du nicht auf diesen oder jenen Triebwunsch verzichtest. dann dazu dienen. Die geradezu bizarre Tatsache.h. Da er aber mangels psychologischer Bildung über die Verschiebbarkeit der sexuellen Bedürfnisse nicht Bescheid weiss. würde zu weit abführen. mit denen der ursprüngliche sexuelle Trieb ausgestattet war. Aber es ist wahr. sexueller Liebe. aufdeckt. Aber selbst wenn er recht hätte. die der Marxist jedenfalls anerkennen muss. dass das Kind ein kleines Triebwesen sei. Es ist merkwürdig. Auch das enttäuschte Kind greift einen uralten Mechanismus wieder auf. zu verinnerlichen und ihre Kraft statt der Triebbefriedigung der Triebunterdrückung zu leihen. wie die Eltern selbst früher geredet haben. Das Kind ist also unbefriedigt und muss sich einen Befriedigungsersatz suchen. dass 57 es kultivierte menschliche Gesellschaften ohne Unterdrückung der kindlichen Sexualität gibt und gegeben hat. und was dennoch so offen vor aller Augen liegt. indem man den gesellschaftlichen Sinn der Illusion.) Es wird der Psychoanalyse vorgeworfen. um es immer bei sich zu haben. hatte zum Ziel. mehr als es je vor ihr geschah. dass die beschriebenen Vorgänge Fakten sind. In ihren Wünschen enttäuschte Menschen antworten immer mit einer Flucht in die Vergangenheit. die vor der eigentlichen sexuellen da war. Die sexualwissenschaftlichen Erkenntnisse der Psychoanalyse werden auch hier ermöglichen. hier genüge: Die Tatsache. den gesellschaftlichen Sinn dieser ganzen die Wirklichkeit verhüllenden Ideologie aufzuweisen. redet nun in seinem eigenen Innern so. so dass wir es bei sehr vielen Phänomenen. und die durch sie erzeugten heutigen Neurosen werden durch heutige "Kultur"umstände erzeugt. was man vorher nicht wusste. auf sie "Rücksicht" zu nehmen. dass es heute. ob nicht eine gewisse gesellschaftliche Sexualunterdrückung in der Erziehung Voraussetzung jeder Gesellschaft. Überall. erst viel ausführlicher gezeigt werden. Und schon wird ein Teil der Triebenergie des Menschen zur Triebunterdrückung benutzt. der durch diese Aufnahme verändert wurde. wirtschaftliche Momente in ein materiell-biologisches Substrat komplizierend eingegriffen haben. ob ihm sein von den Erwachsenen missbilligter Trieb oder sein Trieb nach dem Geliebtwerden wichtiger ist. spukte die "Sittlichkeit" hinein. und die sonst in der Psychologie recht selten ist: einen unerschütterlichen Blick auf die Wirklichkeit. Sie hat eine Eigenschaft. dass sie sehr viel auf Sexualität zurückführt. dass sie "alles auf Sexualität zurückführe". Das Kind wird so durch seine Umgebung in einen Konflikt hineingeschickt und muss sich entscheiden. Die Sexualunterdrückung. müsste dem. die Dialektik dieser Beschreibungen klar zu machen. indem der in seiner Sexualität uneingeschränkte Mensch überhaupt kulturunfähig wäre.) Das Kind liebt gewisse erwachsene Personen in der Aussenwelt. werde ich dir direkten Schmerz zufügen". Dies ist neben der direkten Erzeugung von Angst das einfachste Modell für Einflussnahmen der Umwelt auf Triebstrukturen überhaupt. wie es möglich war. nachdem Freud uns den Star gestochen hat. Diese Erwachsenen verbieten ihm aber jede Befriedigung dieses sexuellen Verlangens. Diesen Einwand ausführlich zu besprechen. Die Kenntnisse über den Sexualtrieb sind für die gesamte Psychologie des Menschen deshalb von besonderer Bedeutung. das Objekt ganz sich einzuverleiben und ihm ähnlich zu werden. käme es doch noch sehr auf Ausmass. unabhängig von der gesellschaftlichen Form wäre. und ein Teil seines Ichs. spricht nicht für die allgemeine Gültigkeit dieses Einwandes. auf dem die Forderung. die die Eltern 56 ausgesprochen hatten. so etwas nicht zu sehen: die infantile Sexualität. und zwar mit voller. nur den Hunger als "materielle Basis" anzusehen . diese Eltern sozusagen in sich auf. (Der einzig mögliche Zweifel wäre. gar nicht mehr begreiflich ist. So auch nimmt das Kind. was wohl die Aussenwelt dazu sagen werde. Es gibt kein Gebiet. Mit der Auffassung. Das ist nicht wahr. dem die Eltern seine sexuellen Wünsche verbieten. Zwar zweifelt er nicht daran. Die allerälteste Form der Liebe. ist unseres Erachtens der Beginn einer die wirklichen Tatsachen erfassenden Psychologie überhaupt. 3. die heute besteht. und dem erst allmählich durch mehr oder minder tiefgreifende Eingriffe der Aussenwelt beigebracht wird. weil sich die Energie des sexuellen Triebes im Gegensatz zu der anderer Triebe auf andere Gebiete "verschieben" lässt. es sozusagen aufzufressen. das Kind wäre asexuell. Später aber geht es noch etwas komplizierter zu. der es bezweifelte. das einzige Erziehungsmittel. eine Wissenschaft müsse wertfrei und amoralisch sein. werde ich dich nicht mehr lieben" ist neben der Drohung: "Wenn du nicht verzichtest. (Mir kommt es hier nur darauf an. wie weit bürgerliche Vorurteile über den Charakter des Sexualtriebes (etwa über seine Beziehung zur Fortpflanzungsfunktion oder über die Notwendigkeit einer bestimmten Art seiner Bändigung durch Sittlichkeit) auch in marxistischen Kreisen bestehen. im Grunde mit einem Sexualphänomen zu tun haben. Inhalt und Form der sexuellen Unterdrückung an. dass man dieses so überaus bedeutsame Erscheinungsgebiet überhaupt nicht bemerkte. Dieser hat ihr etwas gezeigt. So kommt es dazu. neigt er dennoch dazu. sondern nur die alle Handlungen einschränkende Angst. wo die Forschung irgendein sexuelles Problem anging.

Die Massenpsychologie untersucht die Vorgänge im Einzelnen. Hier sind manche Arbeiten erschienen. Die Gefahr solcher Rückfälle ist natürlich auf dem Gebiet der Theorie am grössten und dort wieder auf dem Gebiet der Trieblehre. Das sind die neurotischen Erscheinungen. Ihre genaue Überlegung (Woher stammt die Gemeinsamkeit psychischer Eigenschaften ? Aus in gleicher Weise einwirkenden äusseren Reizen. und es ist relativ nebensächlich. die von krassester Unkenntnis der gesellschaftlichen Vorgänge zeugen. In der Verurteilung solcher Arbeiten stimmen wir mit antianalytischen Marxisten durchaus überein. nicht immer wieder Rückfälle in den Idealismus erzeugte. Forschung auf einem Gebiete. Die richtige Einschätzung der Bedeutung der sexuellen Bedürfnisse für alles Denken und Handeln der Menschen ist einer jener Punkte. der noch ein "kollektives Unbewusstes" dazu erdachte. Eine Massenpsychologie kann auch nichts anderes als Vorgänge im Einzelnen untersuchen. Ich nenne da neben den Büchern von Reich vor allem die programmatische Arbeit von Fromm "Über Methode und Aufgabe einer analytischen Sozialpsychologie". von denen man unbedingt abrücken muss. wie etwa. sondern auf alles. (Allerdings nicht absolut nebensächlich. Nur darf man nicht die falsche Anwendung einer Wissenschaft für die Wissenschaft selbst halten. die in ihrer Hauptarbeit Neurosen behandeln. Aber inwiefern gehört jeder Mensch Massen. den die marxistische Praxis von der Psychoanalyse wird lernen müssen. wollen wir nun aber auch keinen Zweifel daran lassen. als er mit verschiedenen Gruppen anderer Individuen jeweils verschiedene Gruppen von psychischen Eigenschaften gemeinsam hat. bei denen man das aktuelle Erleben relativ vernachlässigen und alles Gewicht nur auf die Struktur legen darf. d. Deren Hauptfehler ist folgender: Wir sagten. gleich ein C. Wir müssen allerdings auch zugeben. -. in denen eben ganze Gruppen von Menschen übereinstimmen. dass sie die Vorgänge in den Individuen nur unter bestimmten Bedingungen untersucht. Eine Kritik solcher Bücher -. um die es sich hier handelt. Es gibt nun eine Kategorie von Erscheinungen.trifft nicht die Psychoanalyse als Wissenschaft. so denken wir dabei beileibe nicht an jene "Massenseelen". nicht die Psychoanalyse sind. Welche Reize wirken in gleicher Weise auf ganze Gruppen ein ? Letzten Endes die ökonomischen Bedingungen. Solche psychischen Eigenschaften. wenn psychologische Forschung. Jung sich fand. die nur Lust dazu machen sollen. Ein Neurotiker ist eben dadurch charakterisiert.) ist methodologisch wichtig und erweist die Falschheit des grössten Teils der bisherigen (idealistischen) psychoanalytischen Soziologie. Dabei wollen wir gar nicht davon reden. die die richtige Anwendung psychoanalytischer Denkweise und Kenntnisse auf gesellschaftliche Fragen versuchen. darunter einige. als jetzt. -. Wenn Analytiker. nichtneurotische Phänomene untersuchen. Ein Fehler. Es wäre ein Wunder. mit dynamisch-ökonomischem Denken naturwissenschaftliche Psychologie zu treiben. sind Gegenstand der Massenpsychologie. durch falsche Auffassung des Triebbegriffs abgerissen werden könnte. Eine psychologische Beschreibung muss daher stets aktuelles Erleben und Struktur beschreiben. aber Schuld daran ist nur die falsche Massenpsychologie. die uns das Wesentlichste an der Trieblehre dünkt. was er aktuell erlebt. sind für den mit der Sache nicht Vertrauten schwer darzustellen. sich mit diesen Themen näher zu befassen.h. die ausdrücklich als solche bezeichnet werden. was immer es sei. "insofern er einer Masse angehört". die in bürgerlichen Psychologien herumspuken und den "Einzelseelen" entgegengesetzt werden. Sie unterscheidet sich von der Einzelpsychologie nur dadurch. Man hüte sich nur davor. nur mit bestimmten schematischen Reaktionen antwortet. G. der sich schwer rächen kann. dass er auf aktuelle Erlebnisse nicht adäquat reagiert. lassen sie . Deren Wesen können wir nur in dem Versuch erblicken. Nein. dass solche Rückfälle innerhalb der Psychoanalyse in ruhigeren Zeiten weit seltener waren. Immerhin sind verschiedene solcher marxistisch erfreulich eindeutiger Arbeiten erschienen. die in seiner Kindheit entstanden sind. als die Psychoanalyse ausser einem bewussten Seelenleben auch ein unbewusstes entdeckte. Es kommt also auf die Erfassung dieser Kindheit an. seelisches Geschehen spielt sich für den Naturwissenschaftler immer nur im einzelnen Individuum ab. Fehler in der Theoriebildung wieder führen leicht zur Spekulation mit solchen von der Grundlage der Praxis abgelösten Begriffen und damit zur schädlichen Entfernung 58 vom Mutterboden der Empirie. dass es innerhalb der psychoanalytischen Literatur Erscheinungen gibt. wo viele Psychoanalytiker sich in ihrer materiellen Existenz bedroht sehen. dass die Kritik solcher Arbeiten bisher nicht immer eindeutig genug erfolgt ist. was er erlebt.Schon das Wort "Massenpsychologie" erregt manchmal Misstrauen und Unwillen. diese für das Wesentliche der Psychoanalyse zu halten. Deutlicher werden die Fehler bei Versuchen der Anwendung der Psychoanalyse auf Probleme der Massenpsychologie oder gar auf Fragen der Soziologie. die Psychoanalyse 59 versuche prinzipiell die seelischen Erscbeinungen zu klären aus dem Zusammenspiel von aktuellen Einflüssen und Triebstrukturen. manche Analytiker machen durch völlige Vernachlässigung des Aktuellen grobe Fehler). wo leicht die Brücke von der Psychologie zur Biologie.und andere Triebbedürfnisse dem "Überbau" zuzurechnen.Diese begriffliche Klärung ist von höchster heuristischer Bedeutung. Diese Triebstrukturen wieder setzen sich zusammen aus biologischen Gegebenheiten und den jeweiligen früheren Einflüssen. dass von Psychoanalytikern (auch von Freud) verfasste philosophische Werke. Nach diesen durchaus ungenügenden positiven Ausführungen über die Psychoanalyse. Die Streitfragen. und zwar zahlreichen und verschiedenen Massen an ? Insofern. Es ist marxistisch interessant. das solange Domäne des Idealismus gewesen ist. Das ist uns mit Freuds Arbeit "Massenpsychologie und Ichanalyse" endlich klar geworden.und sie ist gewiss notwendig -. Wenn wir von massenpsychologischen Phänomenen reden.

die alltäglich dem ungeheuren neurotischen Elend der Massen gegenüberstehen. die bewussten Denkweisen der Leute. dessen reale Lebensverhältnisse und bewusste Gedanken wir genau kennen (sonst könnten wir uns ja nicht in ihn einfühlen und nicht wissen.sich leicht dazu verleiten. aber neurosengewohnte Psychoanalytiker haben es übersehen. Vielleicht sind Neurosen und Komplexe doch nur Luxusangelegenheiten fauler Reicher. Denn soweit historische Ereignisse psychologischer Erfassung zugänglich sind. die Gesellschafts. ist bei ihnen das Strukturelle zwar -. bei denen es geradezu umgekehrt ist wie bei den Neurosen. dank des Satzes "die Ideologie einer Gesellschaft ist die Ideologie ihrer herrschenden Klasse" die "moralischen" Anschauungen im Proletariat denen des Bürgertums überall erschreckend ähnlich sind. Róheim fasste aber nicht nur den Primitiven als dem Zivilisierten ähnlicher auf. Wir haben in vielen Städten psychoanalytische Polikliniken. der von proletarischen Lebensverhältnissen und -anschauungen keine Ahnung hat.) Ich weiss. -.h. Aber wie macht man das ? Die Freudsche Psychoanalyse ermöglicht. Und selbst von diesen aktuellen Reizen wieder sind nur die von Belang. d. Eine Verallgemeinerung der psychoanalytischen Befunde könnte auch ein Hineinsehen von Sachverhalten. Wollte man also Menschen in einer ganz anderen Gesellschaftsordnung und unter fremden Kulturverhältnissen analysieren. d. und davor muss gewarnt werden. das an Menge dem materiellen Elend nicht nachsteht. dass manche Differenzen. "Strukturelle". so etwas glauben können.h. relativ ist die Triebstruktur des Menschen im Laufe der historischen Zeiten die gleiche geblieben. die für das Grossbürgertum Geltung haben. nicht derart beschränkte Ärzte Proletarier analysiert und festgestellt haben. erforschen.und Kulturverhältnisse. dass dies durch einen Versuch richtiger psychoanalytischer Geschichtsforschung besser zu demonstrieren wäre als nur abstrakt. dass die von der Psychoanalyse ermittelten naturwissenschaftliehen Gesetze der menschlichen Seele Allgemeingültigkeit haben und für alle Gesellschaftklassen gelten. so müsste man erst das "Aktuelle". also die. wie Ärzte mit proletarischer Praxis. sondern durch Psychoanalyse einzelner Individuen die Kultur. d. in die proletarische Welt bedeuten. verschieden durch die materiellen Verschiedenheiten verschiedener Gesellschaften. bei denen das Strukturelle relativ nebensächlich und einzig das Aktuelle relevant ist. auch einen Proletarier ebenso wenig verstehen kann. wie Róheim die Primitiven.Róheim aber strebte das Gegenteil an. Es ist auch ein Irrtum zu glauben. Ein extremes Beispiel für die Folgen solcher Fehler sei noch angeführt: Der psychoanalytische Ethnologe Róheim hat eine sehr kostspielige Expedition zu verschiedenen Primitiven unternommen.h. die keine ernsten Sorgen haben. könnte man in Psychoanalysen das Unbewusste. dass auch die Neurosen unserer Gesellschaft in verschiedenen Klassen einander erstaunlich ähnlich sind. d. Man könnte etwa sagen: Die Psychoanalyse ist an reichen Patienten entdeckt worden. die. Geschichte zu erklären. in idealistischer Weise aus den Strukturen. die von dieser ebenso verschieden ist wie die der Primitiven von der unsrigen. die äusseren Reize.Für denjenigen. noch dazu erfahren. Dieses ist der Hauptfehler aller solcher abzulehnender Arbeiten. der die materialistische Geschichtsauffassung erfasst hat. die unentgeltlich behandeln.Es ist eigentlich ganz unbegreiflich. und dass. Dieses Übersehen führte zu Versuchen. also die wirklichen materiellen Verhältnisse. insbesondere für alle historisch bedeutsamen massenpsychologischen Erscheinungen.h. Proletarier wären nicht psychoanalysiert worden. sondern nur auf einige solche Versuche hinweisen. Wenn man sich damit so lange abgegeben hat. Er wollte zum ersten Mal Psychoanalyse im ethnologischen FieId-Work anwenden. sondern er wollte durch seine . Die Proletarier aber leben in einer Welt. aber eben nur als Konstante. Richtig ist zwar. dass bereits viele. jedenfalls ähnlich genug. nicht zu sehen. Auch bei der Abweisung solcher Methodik könnte die Kritik übers Ziel hinausschiessen. Das ist ein ebenso merkwürdiges und nur gesellschaftlich zu erklärendes Nichtsehenwollen wie das Übersehen der infantilen Sexualität. -. Das gilt für alle massenpsychologischen.wie gesagt -. d. Von Belang dagegen ist nur das Aktuelle. wie seine Assoziationen zu verstehen sind) auch seine unbewussten Seelenvorgänge zu erraten. die massenpsychologisch bedeutsam werden. den triebbedingten "Komplexen" Einzelner. Es gibt aber eine Kategorie von Phänomenen. der sie entstammen.h. als er war. lange und genau studieren. (Aber es wäre wieder ein Fehler der Kritik. in verschiedener Weise auf die relativ konstanten Strukturen einwirken. um einem Menschen von gewöhnlicher Einfühlungsbreite Einfühlung in Angehörige verschiedener Gesellschaftsklassen zu ermöglichen. Es ist aber auch richtig. Er wollte nicht die Kenntnis der Kultur zur Psychoanalyse benutzen. Natürlich las er nur unsere Komplexe in die Primitiven hinein. und viele proletarische Krankengeschichten sind bereits von Psychoanalytikern publiziert worden. auch auf diesen Gebiete das Aktuelle neben dem Strukturellen geringzuschätzen. ist das klar. so auf die schöne Arbeit von Fromm über "Die Entwicklung des Christusdogmas" und auf manche Stellen in Reichs "Massenpsychologie des Faschismus". 61 dass ein ganz in bürgerlichen Vorurteilen steckender Analytiker. dass man ein wirklicher Kenner ihrer Kultur geworden ist. die es dennoch gibt.als Naturkonstante in Betracht zu ziehen. -. die in gleicher oder ähnlicher Weise ganze Gruppen von Individuen treffen. dass die Einwirkungen der materiellen Verhältnisse auf die psychischen Strukturen der Menschen diese in bestimmter Weise denken und handeln und dadurch 60 als Subjekte der Geschichte wirksam werden lassen. aber ich kann an dieser Stelle nicht solche Beispiele geben. aus den freien Assoziationen eines Menschen. sich tatsächlich auf die verschiedenen Lebensverhältnisse des bürgerlichen und des proletarischen Kindes zurückführen lassen. sie kann also nicht wesentlich sein für das Verständnis der Veränderungen innerhalb dieser Zeiten. nun ins entgegengesetzte Extrem zu verfallen und Geschichte lediglich ökonomistisch zu machen.

eine Lücke klaffte. Nichts ist falscher als das. Fehler einzelner Psychoanalytiker weiter zu erörtern und zurückzuweisen. so ist die Aufgabe dieser Arbeit erfüllt. die unternommen wird. und der Marxist. Deshalb möchte ich nun damit aufhören. wirkt in hunderterlei Formen direkt und indirekt als Reiz auf das menschliche Seelenleben ein. wo bisher. sich mit dieser Wissenschaft etwas näher zu beschäftigen. wie etwa durch Psychoanalyse von Proletariern das Wesen des Proletariats zu ergründen. Wenn ich diese Behauptung glaubhaft gemacht und dazu angeregt habe. sondern reduziert die psychologischen Tatsachen selbst in historischmaterialistischer Weise. Von Versuchen. nämlich an einer Stelle. die Erklärung und Bekämpfung des Krieges durch psychoanalytisches Studium des Sadismus zu betreiben. ordnet also die Psychologie an einer bestimmten. wäre ein gefährlicher Dummkopf. aber die Verurteilung solchen Unsinns darf nicht zur Verurteilung der Psychoanalyse führen. als die Naturwissenschaft seiner Zeit so gründlich wie möglich zu studieren. auch in der Physik. Man hört auch oft den Einwand: In einer Zeit wie der gegenwärtigen könne man sich nicht den Luxus gönnen. Wie das geschieht. aber dank ihrer eigenen Gesetzlichkeit dazu nun nicht mehr in der Lage ist. sind die Basis alles dessen. Wichtiger ist das Positive der Psychoanalyse: Was sie uns gibt und was nur sie uns geben kann. verdient die Aufmerksamkeit jedes. die für ihn von besonderer Wichtigkeit ist. und dieser wirkt auf die Basis zurück. . Das geht natürlich ebenso wenig. Und die Psychoanalyse enthält den Keim zu einer Naturwissenschaft. die sich in den verachteten Gefühlen spie62 geln. das dadurch in bestimmter und gesetzmässiger Weise verändert wird. um diese Bedürfnisse zu stillen. und die Produktion. was in der menschlichen Gesellschaft geschieht. die Gefühle von Einzelmenschen jahrelang zu studieren. Bürgerliche Vorurteile gibt es überall in der bürgerlichen Wissenschaft. mangels einer dialektischmaterialistischen Psychologie. Der Marxist kann gar nichts Besseres tun. Die materielle Basis setzt sich in den Überbau im Menschenkopf um. der die Naturwissenschaften als "bürgerlich" abtun wollte. sind wir dialektisch-materialistische Psychoanalytiker bereits mehrmals öffentlich genug abgerückt. schon von Marx angedeuteten Stelle der Lehre von den gesellschaftlichen Vorgängen ein. zur Naturwissenschaft von der menschlichen Seele. und deshalb ist die Physik doch als Grundlage der sozialistischen Technik unentbehrlich. Die menschlichen Bedürfnisse.Psychoanalysen die "primitive Kultur" ergründen. Sie setzt nicht eine "psychologische" Auffassung der historisch-materialistischen entgegen. der an gesellschaftlichen Vorgängen interessiert ist. Die Psychoanalyse gibt uns die Mittel hierzu.