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Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen

Studiengang Technische Redaktion 6. Semester SS 2001

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen Studiengang Technische Redaktion 6. Semester SS 2001 Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe

Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Thema:

Damaszener Stahl

Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen Studiengang Technische Redaktion 6. Semester SS 2001 Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe

Ilka Siegling, Sylvie Haase

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Einführung..............................................................................................................

4

 
  • 2 Geschichte

5

  • 3 Stahl.......................................................................................................................

5

3.1

Das Gefüge

5

3.2

6

3.3

Herstellung von

6

  • 4 Fertigung der Klinge

7

4.1

Kurzer

7

4.2

Das

8

4.3

8

4.4

8

4.5

Tordieren

9

4.6

Klinge zusammensetzen......................................................................................10

4.7

Härten................................................................................................................11

4.8

Schärfen.............................................................................................................11

4.9

Damast ausziehen...............................................................................................11

4.9.1

Hoch-Tief-Ätzen .........................................................................................11

4.9.2

Burnieren....................................................................................................12

  • 5 Musterbildung ........................................................................................................13

  • 6 Was war anders in Japan? .......................................................................................16

6.1

Schmiedevorgang................................................................................................16

6.2

Härten................................................................................................................17

6.3

Polieren..............................................................................................................17

  • 7 Was war anders in Indonesien? ................................................................................17

7.1

Pamortechnik......................................................................................................17

7.2

Ätzen.................................................................................................................17

  • 8 Wootz....................................................................................................................19

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

9 Probleme................................................................................................................20

  • 9.1 Die Stahlherstellung............................................................................................20

  • 9.2 Die richtige Temperatur ......................................................................................20

  • 9.3 Das Falten..........................................................................................................20

  • 10 Eigenschaften.........................................................................................................21

  • 11 Warum hat man aufgehört? .....................................................................................21

Literaturliste ..................................................................................................................22 Bildernachweis ..............................................................................................................22

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

  • 1 Einführung

Heute gibt es viele unklare Vorstellungen über die Herkunft und die Eigenschaften von Damaszener Stahl, oder überhaupt über die Kultur- und Zeitepochen, in denen Damaszener Stahl hergestellt wurde.

Eines ist klar, die Waffen aus Damaszener Stahl wurden nicht in Damaskus hergestellt, wie der Name vermuten lassen könnte. Damaskus war vielmehr ein bedeutender Handelsplatz im Orient und damit ein wichtiger Waffenumschlagplatz.

Es gibt unendlich viele Varianten von Damaszener Stahl. Sie unterscheiden sich durch ihre Qualität, die Herstellung, das Aussehen und den Verwendungszweck. Allen gemein ist aber die mehr oder weniger gemusterte Oberfläche, die den inneren Aufbau der Waffe wider- spiegelt.

Es gibt zwei Grundtypen von Damaszener Stahl.

Der häufiger vorkommende und ältere ist der Schweißdamast, auch Schweißverbundstahl genannt. Er wurde von den Normannen, Alemannen, Franken, Samurai, den Römern und in Indonesien verwendet.

Der zweite Typ ist das Wootz, auch Tiegelschmelzstahl oder Kristallationsdamast genannt. Daraus bestehen die indisch-persischen Blankwaffen aus der Mogulzeit.

Lange Zeit war in der westlichen Welt die Kunst, Damaszener Stahl zu fertigen, verloren. Erst als nach den Kreuzzügen Waffen mit Wootzklingen nach Europa kamen, hat man versucht, diese nachzuschmieden. So kam es zu einer Wiederbelebung des Damastes.

Abbildung 1 zeigt eine europäische Klinge aus Damaszener Stahl.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik 1 Einführung Heute gibt es viele unklare Vorstellungen über

Abbildung 1 Europäische Klinge

  • 2 Geschichte

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Es ist schon bis in die frühe Eisenzeit hinein belegt, daß mehrere kleine Eisenmengen zu einem größeren Teil zusammengeschweißt wurden. Aber warum?

In Grönland, Sumer und Ägypten gewann man Eisen von Meteoriten. Dann hat man dort versucht, das Eisen aus Stein zu gewinnen. Aber man konnte das Eisen nicht schmelzen, die dafür erforderliche Hitze 1535 °C war einfach nicht zu erreichen.

Dieses Problem hatten auch die Menschen in anderen Gebieten. Sie nutzten zur Erzgewin- nung Rennfeuer. Dabei erhielten sie aber nur kleine, verschlackte Eisenteile, die Luppen. Schmiedete man diese Teile aber gut durch, erhielt man recht reines, weiches Eisen. Das war besser als die damals übliche Bronze, wie sie die Germanen, Griechen und Römer nutzten.

Weil von den Luppen nur wenige 100 Gramm brauchbar waren, hat man zuerst nur kleine Gegenstände gefertigt. Dann aber machte man eine Entdeckung: Man kann mehrere Eisen- stücke, z. B. mehrere Luppen und wiederverwendetes altes Eisen, zu einem verbinden, und so durch Feuerschweißen ein großes Stück Eisen erhalten.

Außerdem merkte man, daß das Eisen sehr unterschiedlich beschaffen war. Es konnte hart oder weich sein, warm- oder kaltbrüchig, und verschiedene Farben haben. Aus der Erfahrung zeigte sich, daß hartes Eisen gut für Messer war, aber sehr spröde. Es blieb lange scharf, konnte mehr aushalten, aber bei Überlastung durchbrechen, und die Bruchstücke trafen dann nicht nur den Feind.

Weiches Eisen dagegen war zäh. Das war schlecht für Schwerter, denn die würden verbiegen und beim Kampf tiefe Kerben davontragen.

Das Ziel der Schmiede war also, diese beiden Eigenschaften zu kombinieren. So entdeckte man den Verbundstahl. Er wurde bis zur hohen Perfektion entwickelt, zum Beispiel von den Römern, aber das hat sehr lange gedauert.

Das bisher älteste gefundene Exemplar von Damast stammt von 500 v.Chr. Es ist ein keltisches Schwert aus Streifendamast.

  • 3 Stahl

Damaszener Stahl besteht immer aus mindesten zwei Stahlsorten, normalerweise einem kohlenstoffreichen und einem kohlenstoffarmen Stahl (Eisen). Wie man das Eisen hergestellt hatte, wurde schon erklärt, kommen wir nun zum kohlenstoffreichen Stahl.

  • 3.1 Das Gefüge

Für die Eigenschaften eines Materials ist das Gefüge verantwortlich. Es wird durch Fremd- atome und Wärmebehandlung beeinflußt. Das Gefüge besteht aus einzelnen Körnern, die aus einem Gitter aufgebaut sind, das sich aus einzelnen Elementarzellen zusammensetzt. Die Elementarzelle besteht beim Stahl aus Eisenatomen und Fremdatomen. Diese Fremdatome tragen zur inneren Verspannung bei, erhöhen also die Härte.

Die Eisenatome können sich in zwei unterschiedlichen Formen zu den Elementarzellen anordnen:

  • 1. dem kubischraumzentrierten Alpha-Eisen,

  • 2. dem kubischflächenzentrierten Gamma-Eisen.

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Welche Form gebildet wird, ist abhängig von der Temperatur und den Legierungselementen. Reines Eisen liegt bei Raumtemperatur als Alpha-Eisen vor (Ferrit). Bei 906 °C verwandelt es sich in Gamma-Eisen (Austenit). Das wiederum verwandelt sich bei 1401 °C in kubisch- raumzentriertes Delta-Eisen, das bei 1528 °C schmilzt.

  • 3.2 Kohlenstoff

Kohlenstoff (C) ist das wichtigste Legierungselement. Es ist etwas größer als die Zwischen- gitterplätze, die es einnimmt. Bedingt durch Größe der Elementarzelle kann Alpha-Eisen bis 0,018 % C und Gamma-Eisen bis ca. 1,7 % C lösen. Kann kein C mehr eingelagert werden, hat man Eisenkarbid (Fe 3 C). Dieses Gefüge nennt man Zementit.

  • 3.3 Herstellung von Stahl

Zur Blütezeit von Damaszener Stahl war die Stahlherstellung ein sehr komplizierte Angele- genheit.

Eisen kommt in der Natur nur als Verbindung (Oxid) vor. Mit den damals maximal verfüg- baren 1200 °C konnte man das Eisenoxid reduzieren, aber man konnte kein flüssiges Eisen erhalten. Statt dessen entstehen kleine Eisenpartikel, eingeschlossen in die Eisenblüte (Eisen- oxid, Schlacke und unverbrannte Holzkohle). Durch viel Schmieden erhielt man dann das recht reine, weiche Eisen. Hämmerte man bei hoher Temperatur weiter auf diesem Eisen herum, erhielt man Schmiedeeisen. Ohne zu wissen, was man tat, hat man den C-Gehalt von ca. 0,1 % auf 0,9 % erhöht. Dadurch stieg die Festigkeit um eine Dreifaches.

Man konnte das Eisen dann immer noch nicht schmelzen. Aber es hat sich herausgestellt, daß das Eisen, wenn man es lange im Holzkohlefeuer glühen läßt, noch fünfmal härter wird. Dieser Vorgang heißt Tempern. Dabei läßt man C (oder auch Phosphor, oder beides, es hängt wohl von der Region ab) über die Oberfläche eindiffundieren. Dafür läßt man das Eisen, oder auch gleich das ganze Schwert, lange bei hoher Temperatur im Holzkohlefeuer rösten. Was dabei im Eisen passiert, ist die Zementation. Viel C löst sich im Austenit, aber nur an der Oberfläche. Kühlt man das Eisen dann ganz schnell ab, hat das C keine Zeit, sich umzuorganisieren. Man erhält dann Ferrit, aber mit relativ viel C. Dieses Gefüge hat eine stark gestörte Gitterstruktur, genannt Martensit.

Dann macht man das Eisen noch einmal heiß, aber nicht so heiß wie beim Tempern, und hämmert darauf herum. Dabei manipuliert man die Versetzungen im Eisen. Heraus kommt ein Stahlschwert.

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  • 4 Fertigung der Klinge

    • 4.1 Kurzer Ablauf

      • 1. Das Schweißpaket wird zusammengestellt.

      • 2. Das Schweißpaket wird zusammengeschweißt, der Vorgang heißt Feuerschweißen.

      • 3. Das Schweißpaket wird gefaltet, um die Lagen zu erhöhen.

      • 4. Die Stäbe werden tordiert.

      • 5. Das Schwert wird zusammengeschmiedet.

      • 6. Das Schwert wird gehärtet.

      • 7. Dann wird das Schwert geschärft.

      • 8. Am Ende wird das Schwert geätzt, um das Muster sichtbar zu machen.

Abbildung 1 zeigt einige Schritte des Ablaufs am Werkstück.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik 4 Fertigung der Klinge 4.1 Kurzer Ablauf 1. Das

Abbildung 2 Der Ablauf

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  • 4.2 Das Schweißpaket

Das Schweißpaket besteht aus zwei oder mehr Sorten Stahl. Der Stahl unterscheidet sich durch den C-Gehalt (alternativ Phosphor) oder die Legierungsbeimengungen (Wolfram, Nickel, Mangan).

Die Stahlsorten setzt man in Lamellen- oder Strangform zusammen, immer abwechselnd. Für gewöhnlich beginnt und endet man mit dem weichen Stahl. Um das Paket wickelt man einen hitzebeständigen Draht, der es zusammenhält.

Üblich ist ein 3-5 kg schweres Schweißpaket. Wieviel man auf einmal verarbeiten kann, ist abhängig von der aufwendbaren Kraft, also den Hämmern, die einem zur Verfügung stehen, und der Wärmequelle.

  • 4.3 Feuerschweißen

Das Feuerschweißen basiert auf einem Diffusionsvorgang. Das bedeutet, das C wandert von hoher zu niedriger Konzentration, um die Dichte und Konzentration auszugleichen.

Bringt man zwei metallene blanke Oberflächen in Kontakt, und setzt sie hoher Temperatur und Druck aus, dringen die Atome in die andere Oberfläche ein. Es entsteht eine quasi- homogene Verbindung. In der Schweißnaht befinden sich oft feine Oxidationseinschlüsse, die das Gefüge stören. Deshalb setzt man ein Flußmittel, ein Schweißpulver, ein. Früher verwendete man Quarzsand, heute Borax. Möglich sind aber auch Sand, Lehm und Glas- pulver.

Borax ist bei Raumtemperatur fest, schmilzt aber auf heißem Eisen. Dadurch bildet sich ein glasartiger Überzug, der den Stahl vom Sauerstoff abschließt. Zunderschichten werden damit vermieden, und Borax kann auch kleinere Zunderschichten auflösen.

Beim Schweißen wird das Borax aus der Schweißzone gepreßt, dabei schwemmt es Fremd- partikel mit aus. Durch das Schweißmittel ist auch Schweißen bei relativ niedrigen Tempera- turen möglich. Die Gefahr, daß das Material verbrennt, ist dann niedriger. Überhitztes Mate- rial sieht im Damastmuster einfach nur grau und verwaschen aus.

Um das Paket auf Schweißtemperatur zu bringen, ist viel Erfahrung nötig. Ist das Paket weißglühend, bringt man schnelle Hammerschläge an, immer von der Seite beginnend, damit das Flußmittel gut abfließen kann.

Ist die Temperatur zu niedrig, verbinden sich die Stahlsorten nicht richtig, das Eisen ist nicht weich genug und kann sich bei weiterem Schmieden lösen.

Bei zu hoher Temperatur dringt Sauerstoff ein, die Körner wachsen unkontrolliert, das C brennt aus. Der Stahl ist dann nicht mehr hart.

Um eine Schweißung durchzuführen, sind oft mehrere Hitzen erforderlich, denn unter 800 °C wird der Stahl spröde und reißt. Am Besten ist das Material zwischen 800 und 1250 °C bearbeitbar.

  • 4.4 Falten

Das Schweißpaket wird ausgeschmiedet, so daß es doppelt so lang ist und nur halb so stark. Mit einem Keil wird es längs oder quer geteilt. Die beiden Hälften klappt man aufeinander. Diesen Vorgang nennt man Falten. Dabei wird die Zahl der Lagen verdoppelt. Die Hälften schmiedet man zusammen, reckt sie zu einer Stange aus und wiederholt die Faltung. Beginnt man mit drei Lagen, und macht sieben fehlerfreie Faltungen durch, erhält man 384 Lagen.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Durch Verluste beim Schmieden ist die reale Zahl aber niedriger. In Europa sind 300 bis 400 Lagen üblich. In Japan haben die Klingen 1000 Lagen, aber es wurden auch schon welche mit bis zu 1,2 Millionen Lagen gefunden. Das entspricht etwa 18 Faltungen.

So erhält man den einfachsten Damast, den Lagendamast.

Durch das Falten erhält das Endmaterial gleichmäßig die Eigenschaften aller Ausgangsma- terialien, das heißt, die Gefüge wechseln sich möglichst oft innerhalb des Materialstückes ab.

4.5 Tordieren

Den ersten Einfluß auf das Muster traf man schon mit der Wahl der Zahl der Lagen. Außer- dem kann man die Stäbe tordieren, oder Material wird weggenommen (spanabhebend oder heißstempeln), oder man kombiniert diese Techniken.

In Europa war das Tordieren sehr beliebt.

Man nimmt einen ausgereckten Stab mit einem Durchmesser von etwa 6-10 mm. Der Stab kann rund, vierkantig oder achteckig sein. Man bringt den Stab zum Glühen dreht ihn mit einem Wendeeisen ein, das heißt, man tordiert ihn. Dabei kann man rechts oder links drehen, grob oder fein, ganz oder teilweise, oder wieder alles mischen.

Den tordierten Stab kann man dann flachschleifen, so entstehen verschiedene Muster. Abbil- dung 3 zeigt die verschiedenen Abschliffstadien. In Abschnitt a sieht man den Querschnitt, in Abschnitt b die abgeschliffene Oberfläche des Stabes. Im letzten Bild hat man bis 50 % heruntergeschliffen. Schleift man weiter, kehren sich die Muster wieder um.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Durch Verluste beim Schmieden ist die reale Zahl aber

Abbildung 3 Abschliffstadien

Durch die Torsion beeinflußt man aber nicht nur das Muster. Bei einem tordierten Stab gehen die Schweißnähte nicht so leicht auseinander, da vieles von dem Oxid, das beim Schweißen produziert wurde, frei wird und abblättert. Außerdem kann man schon die Quali- tät der Stäbe beurteilen, sind sie schlecht, hört man es ihnen an. Das behaupten jedenfalls die Schmiede. Außerdem verteilt man, wenn man mit getemperten Stäben arbeitet, noch einmal das C.

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  • 4.6 Klinge zusammensetzen

Eine Klinge kann aus einem einzelnen tordierten Stab bestehen, wird aber meistens aus mehreren Bahnen zusammengesetzt. Man kann verschiedene tordierte mit nicht tordierten Stäben kombinieren, oder auch Stäbe aus nur Eisen und nur Stahl dazwischen setzen.

Abbildung 4 zeigt die Querschnitte typischer Klingenkombinationen.

Für die beste Nutzbarkeit hat das Schwert einen damaszierten Kern, aber an den Schneiden nur Stahl.

Hat man das Klinge zusammengestellt, wird alles zusammengeschmiedet. Dann schleift man die Klinge ab. Das Muster der ganzen Klinge ist jetzt entstanden, aber noch nicht sichtbar.

Den Rohling muß man noch in Klingenform bringen. Dafür kann man ein Gesenk benutzen. Das glühende Stück Stahl wird zwischen Ober- und Unterteil gelegt, mit ein bis zwei Schlä- gen erhält es die Klingenform. Den Bart stanzt man aus. Hat man kein Gesenk, macht man alles mit Hand, durch Hämmern und Feilen.

Am Ende kann man noch eine Blutrinne anbringen. Die war nicht etwa dazu da, daß das Blut besser abfließen konnte, sondern um das Gewicht zu reduzieren. Spätere Klingen sind breiter als frühere, um den Schwerpunkt mehr zum Griff hin zu verlagern, dadurch wurden sie auch schwerer. Die Blutrinnen wurden eingeschmiedet oder ausgefräst.

Anfangs bestand noch die ganze Mitte der Klinge aus Damast. Als man aber zu Damaszener Stahl zu Schmuckzwecken überging, hat man nur noch dünne Schichten aus Damast auf die Klingen geschmiedet, wie man ab Querschnitt g sehen kann.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik 4.6 Klinge zusammensetzen Eine Klinge kann aus einem einzelnen

Abbildung 4 Klingenquerschnitte

  • 4.7 Härten

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Die einfallsloseste Art, ein Schwert zu härten, war, es in Wasser zu tauchen. Jeder Schmied hatte seine eigene Rezepturen, die er auch wie ein Geheimnis pflegte.

Eine Möglichkeit ist, das Schwert hellrot zu glühen. Dann legt man es in einen Haufen angefeuchteten Kohlenstaub, Danach wird das Schwert in reinem kalten Wasser abgekühlt. Möchte man danach noch etwas am Schwert verändern, muß man es noch einmal so weit erhitzen, bis die Oberfläche anfängt, rot zu werden.

Eine andere Möglichkeit ist es, die Klinge mit einem Teig aus gleichen Teilen Barilla, gepul- verten Eierschalen, Borax, Kochsalz und rohem Soda zu belegen. Dann glüht man die Klinge schwach rot. Sobald sie dunkelbraune Hitze erreicht, löscht man sie in Brunnenwasser.

  • 4.8 Schärfen

Nach dem Härten ist die Klinge noch stumpf , etwa 0,5 mm dick an der Schneide. Dort soll eine gleichmäßig breite Fase von normalerweise 2 mm entstehen. Diese Breite ist abhängig vom Scharfschleifwinkel.

Man hat wieder mehrere Möglichkeiten. Man kann durch rotierende Abziehsteine schärfen, oder aber von Hand, mit Diamantfeilen, Ölsteinen, Schleifsteinen oder neuerdings auch Hartkeramikstäben.

Eine besonders schöne Fase erhält man durch die Schlußpolitur mit einer harten Filzpolier- scheibe und Polierpaste.

Man darf die Schneide nie gegen die Drehrichtung halten!

  • 4.9 Damast ausziehen

Mit Damast ausziehen meint man das Ätzen der Klinge. Erst dadurch wird das Muster sichtbar.

Je nach Zusammensetzung des Stahls oder Eisens oder je nach gewünschtem Effekt, werden andere Ätzmittel verwendet. Wenn man die Zeichnung einer Klinge künstlich hervorhebt, verliert diese ihren metallischen Glanz.

4.9.1 Hoch-Tief-Ätzen

Je nach Konzentration des Ätzmittels zeigt sich das Muster mehr oder weniger schnell. Ist das Ätzmittel von höherer Konzentration, ätzt sie den Stahl schneller an, das Ergebnis ist also schneller erreicht. Der Nachteil einer höher konzentrierten Säure ist, daß die Ätzkanten nicht so eben und gleichmäßig verlaufen wie bei einer niedrigeren Säurekonzentration mit längerer Einwirkzeit.

Bevor man mit dem Ätzen beginnen kann, muß die Klinge restlos von Fett befreit sein. Dafür reibt man sie zunächst mit trockenem Kalk, dann mit Wasser und Tabaksasche ab. Man löst Eisensulfat in Wasser, bestreicht damit die Klinge und wäscht sie danach schnell mit klarem Wasser ab. Diesen Vorgang wiederholt man acht bis zehn mal.

Man kann die Struktur auch mit verdünnter Salpetersäure sichtbar machen. Diese Säure greift wegen des höheren Kohlenstoffanteils den Stahl an. In der Türkei bedeckt man die Klinge mit einem einen Brei, der sich Zamk nennt, er besteht aus mit Wasser geknetetem Alaun.

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Eine weitere Möglichkeit ist, die Klingen in verdünnte Schwefelsäure zu legen. Bei dieser Methode muß man allerdings beachten, daß die Säure schwerer ist als das Wasser, also sinkt sie mit der Zeit nach unten. Um eine gleichmäßige Ätzung zu erreichen, muß man die Lö- sung öfter schwenken oder umrühren und die Klingen wenden. Auch hier greift die Säure den kohlenstoffreicheren Stahl an, so bleiben die Eisenteile der Klinge erhaben.

Um das Ätzmittel zu neutralisieren und von der Klinge zu entfernen, wird sie mit kochendem Wasser abgebrüht. Nun macht man den Damast sichtbar, indem man die Klinge schwarz lackiert oder sie mit einer harten Bürste oder einem Bimsstein weiß reibt.

4.9.2 Burnieren

Eine andere Möglichkeit, den Damast sichtbar zu machen, ist das Burnieren (Bräunen) einer Klinge. Hierbei ist das Eisen nicht über den Stahl erhaben, sondern er bekommt eine bräun- liche Färbung. Es gibt rötlichbraune und grünlichbraune Burnierungen.

Um eine grünlichbraune Burnierung zu erhalten, mischt man 10g festes Antimonchlor mit 100g Olivenöl. Diese salbenartige Mischung trägt man auf das blanke Metall auf und läßt sie mehrere Stunden einwirken. Der gebildete Überzug wird mit feinen Stahlbürsten bearbeitet. Das Einstreichen und das Bürsten wiederholt man einige Male, dadurch verstärkt sich der Überzug. Diese Schicht wäscht man nach der Einwirkzeit ab, trocknet die Klinge und reibt sie mit Leimöl ein.

Eine rötlichbraune Burnierung erhält man, wenn man eine 2%ige Eisenchloridlösung oder festes Eisenchlorid verwendet. Auch kann man anstelle des Eisenchlorids 14%ige Salpeter- säure mit Weingeist, Kupfervitriol und Eisenfeilspähnen mischen, diese Mischung zwei bis drei Tage stehen lassen und dann mit einem feinen Lappen oder einem Schwamm auf die Klinge auftragen. Die bestrichene Klinge setzt man 24 Stunden der Luft aus, bevor man den Brei mit einer harten Bürste entfernt. Diesen Vorgang wiederholt man noch ein- bis zweimal, ja nach Stärke der Burnierung nach dem zweiten Durchgang. Ist der Bräunungsvorgang ab- geschlossen, reibt man die Klinge sorgfältig sauber und legt sie zur Neutralisation kurz in leicht alkalisches kochendes Wasser. Nach der Reinigung trocknet man die Klinge und reibt sie mit Polierholz ab, erwärmt sie auf knapp 100 °C und trägt einen Schutzlack auf. Sobald der Lack trocken ist, reibt man die Oberfläche mit einem Polierstahl, damit sie glänzt.

Nutzt man phosphorreiches Eisen, ist der Kontrast zwischen noch größer. Außerdem kann man auch Muster in gleichen Stahlteilen erkennen, wegen Einschlüssen und Spurenelemen- ten vom Schweißpulver.

Wird nicht geätzt, sondern nur geschliffen und poliert, nennt man den Damast „Verdeckter Damast“, denn die Struktur ist nicht zu sehen. Man sagt auch, die Klinge ist „blank gefegt“.

Damit ist die Klinge fertig!

Sie kommt dann zu einem Schwertfeger, der den Griff, den Knauf und die Parierstange anbringt.

5

Musterbildung

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Jedes Muster im Damast wird erst durch den Abschliff besonders interessant und lebhaft.

Für die Musterprägung gibt es zwei Verfahren. Das erste ist spanabhebend. Dabei werden in den Rohdamast in regelmäßigen Abständen Kerben oder Rillen eingefeilt, gesägt, gefräst oder geschliffen. Die übrigen Erhöhungen werden dann flachgeschmiedet.

Die zweite Möglichkeit ist das Heißstempeln. Im glühenden Zustand werden in den Damast zum Beispiel Querrippen eingeprägt, die man nach dem Erkalten abschleift. Dieses Verfah- ren verschlingt weniger Material als das Spanabheben. Abb.13 zeigt das Verfahren für den Damast Große Rosen. Oben rechts beginnend: Wilder Damast, Große Rosen gestempelt, geschliffen, geätzt.

Beispieltabelle für Muster

Damastart

Herstellung

Bild

Banddamast

aus Lagendamast

Abb. 5

Blumendamast

  • a) tordierte Stäbe werden heißgestempelt: große und kleine Rosen

Abb. 10

Abb. 6

  • b) Mosaikdamast, der Blumen aufweist

Frauenhaardamast (Wellenlinie wie gewelltes Haar)

abwechselnd eine Drehung links und rechts, in Abstand von nur wenigen Zentimetern

Abb. 7

Gestreifter Damast

hochkant gestellte Damastlamellen

Abb. 8

Inschriftendamast (Namen oder Ze ichen kehren immer wieder)

aus dünnen Vierkantstäben Schriftzug nach Raster schon in Schweißpaket zusammenlegen, tordieren, auf Mitte schleifen

Abb. 9

Stufendamast

spanabhebend oder heißstempeln, z.B. auch Rosendamast

Abb. 10

Türkischer Damast

Solinger Begriff für allen Damast, der aus mehreren

Abb. 11,

Bahnen tordierten Damasts besteht

12

Wilder Damast

keine willentliche Musterbeeinflussung, Muster ergibt sich nur durch Schleifen

-

Wurmbunt

frühmittelalterliche Damaszierung, bunte Klinge, in der sich kräuselndes Gewürm zu sehen glaubt, tordiert

Abb. 1

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.
Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.
Abb. 5 Abb. 6
Abb. 5
Abb. 6

Abb. 7

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.

Abb. 8

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.

Abb. 9

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.

Abb. 11

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.

Abb. 10

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb.

Abb. 12

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Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abbildung 13 Heißstempeln 15

Abbildung 13 Heißstempeln

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  • 6 Was war anders in Japan?

6.1 Schmiedevorgang

Das Rohmaterial ist Eisensand, der mit Holzkohle im Rennherd geschichtet wird. Man erhält nur wenig Roheisen, schlägt es in kleine Stücke und schmilzt es wieder im Holzkohlefeuer ein. Der entstehende Rohluppen wird in Wasser abgeschreckt.

Dann zerbricht man den Rohluppen, um die Qualität zu beurteilen (Aussehen der Bruchstel- len). Die Rohluppen werden sortiert, zum Schmied gebracht, der wählt die passenden aus und raffiniert sie zum Klingenstahl.

Das kleingeschlagene Roheisen kommt auf eine dünne Eisenplatte. Das ganze wird feuer- geschweißt und bis zu 15 mal gefaltet. Für ein Stück Rohmaterial muß man vier solcher Stücke fünf mal verschweißen. Durch das viele Falten hat das Material eine damastartige Oberfläche, die Japaner nennen sie Hada.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik 6 Was war anders in Japan? 6.1 Schmiedevorgang Das

Abbildung 14 verschiedene Hada, von oben links: Masame Hada, Itame Hada, Mokume Hada, Ayasugi Hada

Aus dem Rohmaterial und einer zweiten (und manchmal auch dritten) Materialsorte wird das Schwert zusammengesetzt. Die Sorten haben unterschiedliche Härte. Nur der Schmied kennt die Zusammensetzung seines Schwertes. Es gibt aber geläufige Formen. Die üblichste ist das Honsanmai. Der berühmte Schmied Masamune nutzte das Muster Soshu Kitae.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik 6 Was war anders in Japan? 6.1 Schmiedevorgang Das

Abbildung 15 Muster für japanische Schwerter

  • 6.2 Härten

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Dafür bestreicht man die Klinge einige Millimeter dick mit einem Brei aus Ton, Polierstein, Holzkohle und feinstem Flußsand. Wenn der Brei fast trocken ist, schabt man die Schneide frei. Ist der Brei richtig trocken, kann die Klinge gehärtet werden. Dafür führt man sie mit der Schneide nach unten langsam durch Glut. So kommt die Klinge langsam und gleichmä- ßig auf Härtetemperatur. Dann taucht man sie ins Wasser. Die Klinge hat dann eine glasharte Schneide, aber einen relativ weichen Kern. Danach wird die Klinge geschliffen, dabei ver- braucht man 15 Schleifsteine.

  • 6.3 Polieren

Es gibt die Druckpolitur mit einem Polierstein, dabei gibt man mehlfeines Steinpulver mit Öl vermengt zu. Oder man poliert mit einer Polie rnadel aus Polierstahl und pulverisiertem Hammerschlag und Öl. Danach kommt die Feinarbeit mit Reispapier und Kalksteinpulver.

Die Damaszierung ist bei japanischen Klingen selten sichtbar, denn sie sind nicht geätzt. Ätzt man aber trotzdem, ist das Muster sehr fein, oder trotzdem kaum sichtbar, weil es so viele Lagen gibt. Die Skizzen der Hada in Abbildung 14 sind sehr grob gehalten, damit man überhaupt etwas erkennt.

  • 7 Was war anders in Indonesien?

    • 7.1 Pamortechnik

In Indonesien nutzt man die Pamortechnik, das heißt, es werden zwei Sorten Stahl verwen- det, von denen eine Nickel enthält.

Man unterscheidet vier Techniken:

  • 1. Verwenden von Meteoreisen,

  • 2. Verwenden von nickelhaltigem Stahl,

  • 3. Verwenden von reinem Nickel,

  • 4. nur Stahl und Eisen verwenden („Falscher Pamor“).

Die letzte Methode ist die herkömmlichste und vergleichbar mit dem europäischen Damast.

Auch in Indonesien beeinflußt man das Muster. Es gibt zum Beispiel wilden, gestreiften und wellenförmig eingefeilten Damast.

  • 7.2 Ätzen

Bei einem Kris in Indonesien sind die Metalle anders zusammengesetzt, er erfordert also auch eine andere Zusammensetzung des Ätzmittels. Typischerweise ist ein Kris schwarz mit hellen Adern. Das Ätzmittel ist Arsen, das in Limonensaft gelöst wird. Die Klinge wird entweder mit Hilfe eines Pinsels mit dieser Lösung bestrichen oder in eine Holzschale mit der Lösung getaucht, bis sie die richtige Schwärzung hat. Die dunklen Stellen eines Kris sind das Arsen, die hellen Stellen sind aus Stahl mit einem gewissen Nickelanteil, der den Arsenniederschlag nicht annimmt.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Abbildung 16 Krise 18

Abbildung 16 Krise

8

Wootz

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Wootz gibt es wahrscheinlich seit dem 14. Jh. n. Chr. in Indien.

Wootz ist das erste Beispiel der Welt für homogenen hoch C-haltigen Stahl. Durch das viele C hat Wootz einen niedrigeren Schmelzpunkt. Das Eisen wird im Tiegel eingeschmolzen, daher kommt auch der Name Tiegelschmeldamast. Damit hatten die Inder einen Vorteil gegenüber dem Rest der Welt. Sie brauchten nicht zu schweißen und zu falten, um mehr Masse zu erhalten und zu zementieren.

Das Muster im Wootz entsteht durch das Zementit: Es ist nicht das Zeichen für verschiedenen Stahl wie beim Schweißdamast, sondern man sieht direkt die kristalline Struktur. Welches Muster man erhält, ist abhängig von der Dauer der Feuereinwirkung.

Streifiger Damast

Die Zeichnung besteht vorherrschend aus geraden Linien.

Gewässerter Damast

Die geraden Linien werden kürzer und vermischen sich mit krummen. Dieser Damast hat dem Wootzstahl den englischen Namen Watered Steel verpaßt.

Wellendamast

Die krummen Linien häufen sich, gebrochene Punkte oder Linien treten auf.

Netzdamast

Die gebrochenen Linien werden kürzer oder gehen in Punkte über und treten in Mengen auf, so daß stellenweise querlaufende netzähnliche Muster entstehen.

Stufendamast

Aus Punkten bestehende Quernetze vergrößern sich bis zu traubenartigen Gebilden oder verbreiten sich fast über die ganze Klinge. Es bilden sich nahezu gleich große und gleich gemusterte Stufen.

Innerhalb der Muster wird noch durch Feinheitsgrad und Farbnuance unterschieden.

8 Wootz Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik Wootz gibt es wahrscheinlich seit dem 14.

Abbildung 18 Wootzmuster Gewässerter Damast

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

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Probleme

Die Chancen, ein minderwertiges Schwert zu erhalten, sind mit Damaszener Stahl höher als mit homogenem Stahl, denn die Herstellung ist ein sehr komplizierter Prozeß. Das heißt, es kann viel schiefgehen.

  • 9.1 Die Stahlherstellung

Nimmt das Eisen bei der Stahlherstellung zuviel C auf (3-4 %), erhält man Gußeisen. Das ist flüssig, leicht verarbeitbar aber spröde.

Kühlt man nach dem Tempern zu langsam ab, wandelt sich das Austenit zu Ferrit. Aber mit zuviel C entsteht Ferrit mit weniger C als heißes Austenit, und eine neue Phase, Zementit. Beides ergibt Perlit, und das ist nur so gut wie Bronze.

Beim Tempern kommt das C nur an die Oberfläche vom Stahl. Durch Falten und tordieren wird es aber besser im Schwert verteilt.

  • 9.2 Die richtige Temperatur

Bei zu hoher Temperatur während des Schweißens ruiniert man den Stahl. Bei zu niedriger Temperatur halten die Schweißnähte nicht. Zwischen den Schichten können sich Verschmut- zungen ansammeln.

Überhaupt ist der richtige Stahlmix wichtig. Man muß einen Kompromiß eingehen zwischen Härte und Aussehen der Klinge. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Legierungen über- haupt miteinander kompatibel sind. Ein Stahl ist schon schwer zu bearbeiten, zwei noch viel schwerer. Jeder Stahl hat seine eigene Temperaturspanne für die Wärmebehandlung. Bei verschiedenen Stählen wird das Fenster für ein erfolgreiches Wärmebehandeln beider Stähle kleiner. Passen die Fenster nicht zusammen, muß man das kleinere Übel wählen.

  • 1. Die Klinge wird nicht ganz hart. Dann könnte sich der Stahl verzerren, wenn sich das Martensit bildet, der andere Stahl kann dabei etwas herumgezogen werden. Als Ergebnis ist die Klinge an der Schneide nicht so hart wie erwartet.

  • 2. Die Klinge wird zu sehr beansprucht. Dann ist die Klinge hart, aber es gibt viele Span- nungen. Selbst winzige Risse in den Schichten, die nicht bemerkt werden, lassen das Schwert eines Tages auseinanderfallen.

    • 9.3 Das Falten

Beginnt man mit vier Lagen und faltet man zehnmal, erhält man theoretisch 2.097.152 Lagen. Beim Feuerschweißen diffundiert aber das C. Bei zu vielen Lagen vermischen sich die benachbarten Lagen zu gut, man erhält nach und nach die Eigenschaften von homoge- nem Stahl, was aber beim Damaszener Stahl ja nicht erwünscht ist, der Vorteil der Schichten durch die unterschiedliche Härte ist dann weg.

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Eigenschaften

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Damaszener Stahl zeichnet sich durch seine bleibende Schärfe, Zähigkeit und gleichzeitige Härte aus.

Damaszener Stahl kann so gut sein, wie jeder einzelne verwendete Stahl, aber nicht besser.

Damaszener Stahl ist anfällig für Flugrost, deshalb muß man die Klingen gut einölen.

Unter der Voraussetzung, daß im Schmiedefeuer keine wesentliche Auf- und Entkohlung passiert, ist der Stahl ähnlich wie Monostahl, aber mit einer gewissen Langfaserigkeit bzw. Zeilenstruktur. Für lange Stahlstangen ist das nur gut.

Damaszener Stahl zeigt beim Kerbschlagbiegeversuch bedeutend höhere Werte als ver- gleichbare Stähle. Die Werte für Härte, Zugfestigkeit, Bruchspannung, Kerbschlagbiege- versuch, Formänderungsarbeit usw. sind aber immer bei unterschiedlichen Lagenzahlen am besten. Wieder muß man die beste Kombination herausfinden. Systematische Untersuchung kosten aber viel Zeit und Geld, außerdem sind nur wenige Schwertbesitzer bereit, ihre Klingen dafür herzugeben. Deshalb gibt es nur wenige Untersuchungsergebnisse.

Die Eigenschaften hängen auch von der Zahl und Art der verwendeten Materialien (mangan- legierte Stähle, Wolframstahl, Nickelstahl) ab.

Mit der Zusammensetzung der Klinge aus verschiedenen Stäben kann man die Härte bewußt verteilen. Spitze und Angriffsschneide sind härter, der Klingenrücken ist am weichsten, wenn es einen gibt.

Die unterschiedliche Gefüge wechseln möglichst oft innerhalb der Materialstärke ab, aber nicht so oft, daß das Material quasi-homogen wird.

Nicht zuletzt stellt man den Damaszener Stahl wegen seiner Schönheit her.

  • 11 Warum hat man aufgehört?

Man ist nicht einfach nur faul geworden, auf diese komplizierte Art zu schmieden. Man hat auch nicht Qualität durch Quantität ersetzt, um die großen Armeen mit Waffen auszurüsten. Statt dessen wurden durch verbesserte Technik die Luppen immer größer. Deshalb war das Feuerschweißen nicht mehr nötig, und so konnte man einfach viel effizienter produzieren. Es war eben einfacher, homogenen Stahl zu nutzen. Wenn man später noch Schwerter aus Damaszener Stahl schmiedete, dann nur zu Schmuckzwecken.

Außerdem konnte man mit der Entwicklung des Bessemer Prozesses soviel Stahl herstellen, wie man brauchte.

Damaszener Stahl – Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik

Literaturliste

Sachse, Manfred: Damaszener Stahl: Mythos, Geschichte, Technik, Anwendung. – 1. Aufl. – Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW, Verl. für Neue Wiss., 1989

Sachse, Manfred: Alles über Damaszener Stahl. – 1. Aufl. – Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW, Verl. für Neue Wiss. GmbH., 1993

http://www.techfak.uni-kiel.de

http://www.wteo.org/Seiten/Wissen4.html

http://www.damaszener.de/Information/information.html

http://www.isd.uni-stuttgart.de/~tardy/schmieden/

http://japanesesword.homestead.com/files/laminate.htm

http://swordforum.com

Bildernachweis

Abb. 1-6, 10-14, 16, 18: Sachse, Manfred: Damaszener Stahl: Mythos, Geschichte,

Technik, Anwendung. – 1. Aufl. – Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW, Verl. für Neue Wiss.,

1989

Abb. 7-9, Titelbild: Sachse, Manfred: Alles über Damaszener Stahl. – 1. Aufl. – Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW, Verl. für Neue Wiss. GmbH., 1993

Abb. 15: http://japanesesword.homestead.com/files/laminate.htm