Bezirksamt Hamburg-Mitte

Fachamt Management des öffentlichen Raumes

Stand 28.09.2011

Situation am Hauptbahnhof – Konzept Sicherheit und Ordnung

Ausgangssituation Das Umfeld des Hamburger Hauptbahnhofes und dabei insbesondere die überdachten Vorplätze auf der Ost- und Westseite sowie die Tunnelanlagen zur Mönkebergstraße und am Glockengießerwall werden in starkem Maße und zunehmend von Obdachlosen, Alkoholikern u.a. belagert. Hierunter leidet nicht nur das subjektive Sicherheitsempfinden der Passanten, sondern es sind auch objektive Störungen der öffentlichen Ordnung durch wildes Urinieren, verbale Übergriffe, aggressives Betteln etc. festzustellen. Letztlich wird auch das Bild, das sich den zahlreichen Touristen dieser Stadt präsentiert, nachhaltig beeinträchtigt und die Beschwerden häufen sich. Derzeit nutzen täglich rund 450.000 Reisende und Besucher den Hamburger Hauptbahnhof. Daher wurde die aktuelle Situation in den letzten Wochen in mehreren Medienberichten aufgegriffen.

Verantwortungsbereiche Die Umsetzung der Hausordnung im Hamburger Hauptbahnhof ist durch die DB Sicherheit GmbH täglich 24 Std. durch ausreichende personelle Bestreifung sichergestellt. Darüber hinaus ist in der Wandelhalle die Firma Martens als privater Sicherheitsdienst tätig. Für die Herstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Zusammenhang mit dem Bahnverkehr ist zudem die Bundespolizei zuständig, die im Hamburger Hauptbahnhof über eine eigene Wache verfügt. Die Hamburger Hochbahnwache (HHW) besetzt die U-Bahn-Haltestellen Hauptbahnhof-Nord und -Süd durchgehend mit einer Doppelstreife. In beiden Haltestellen sind Stützpunkte eingerichtet, die im Regelfall von 8 bis 24 Uhr mit jeweils einem Mitarbeiter besetzt sind. Weiterhin erfolgen im Regelfall von 12 Uhr bis

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Betriebsschluss stündlich zusätzliche Präsenzstreifen von zwei Personen des Verfügungsdienstes unter Mitführung eines Diensthundes. Das Polizeikommissariat 11 der Polizei Hamburg setzt auf der Ostseite des Hauptbahnhofes an allen Wochentagen im Früh- und Spätdienst (5.30 Uhr bis 1 Uhr) jeweils einen Beamten in der Sicherheitswache am Hauptbahnhof ein. Ferner befindet sich grundsätzlich ein Beamter des Besonderen Fußstreifendienstes (BFS) an fünf Tagen in der Woche zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlicher Einsatzdauer im Bereich des Hauptbahnhofes im Einsatz. Das Polizeikommissariat 14 der Polizei Hamburg ist in vergleichbarer Besetzung ohne die Sicherheitswache- auf der Westseite des Hauptbahnhofes tätig. Daneben sind lageabhängig weitere Kräfte beider Polizeikommissariate sowie anlassbezogen Zusatzkräfte der Zentraldirektion und der Bereitschaftspolizei tätig. Der Bezirkliche Ordnungsdienst des Bezirksamtes Hamburg-Mitte setzt im Rahmen seiner personellen Möglichkeiten regelmäßig auf den angrenzenden Flächen rund um den Hauptbahnhof Mitarbeiter im Schichtplan ein. Somit sind im Bereich Sicherheit und Ordnung einschließlich des privaten Dienstes insges. 7 Einrichtungen tätig. Die Bahnhofshalle einschließlich der Außenwände, Bahnsteige und Schienen ist Privatbesitz der DB AG, somit die DB Station&Service AG für die Ausübung des Hausrechtes zuständig. Hinsichtlich der Haltestellen Hauptbahnhof-Nord und -Süd einschließlich der Bahnsteige, Verteilerebenen und Schienen, ebenso für die Auf- und Abgänge bis auf die Fußgängertunnel Glockengießerwall und Mönkebergstraße, übt die HHW das Hausrecht aus. Die Polizei Hamburg ist im gesamten Bereich der Freien und Hansestadt Hamburg für die Strafverfolgung und die Gefahrenabwehr zuständig. Die Bundespolizei hat die Aufgabe, auf dem Gebiet der Bahnanlagen der Eisenbahnen des Bundes Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren. Der Bezirkliche Ordnungsdienst ist auf den öffentlichen Flächen (im anl. Lageplan braun dargestellt, zuzüglich Ernst-Merck-Brücke sowie Steintordamm) zuständig.

Rechtliche Situation Die Bundespolizei darf/muss bei konkreten Gefahrenzuständen sowie bei Vorliegen von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten einschreiten. Gleiches gilt für die Polizei Hamburg.

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Trinken, Lärmen, Stehen, Sitzen und Liegen in der Öffentlichkeit allein ist weder eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit noch Sondernutzung. Die Polizei Hamburg hat somit keine Rechtsgrundlage, dennoch könnte sie bei bestimmten Rahmenbedingungen die Sicherheitsdienste bei der Durchsetzung des Hausrechtes unterstützen. Auch für das Einschreiten des Bezirklichen Ordnungsdienstes bedarf es objektiver Ordnungswidrigkeits-Tatbestände. Die DB ist zwar außerhalb des Bahnhofes nicht zuständig, aber dennoch bereit auch in den überdachten Außenbereichen sowie dem Mönckebergtunnel tätig zu werden, sofern ihr für diese Flächen eine Sondernutzungserlaubnis erteilt würde und in einer Vereinbarung Unterstützungsleistungen sämtlicher vorgenannter Sicherheitskräfte festgelegt werden. Die Rechtsämter der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) sowie des Bezirksamtes HH-Mitte sind zu der Auffassung gelangt, dass der DB eine Sondernutzungserlaubnis mit entsprechender Zweckbestimmung erteilt werden könnte, so dass die Sicherheitsdienste dann auch in den beschriebenen Bereichen außerhalb des Hauptbahnhofes tätig werden könnten.

Lösungsschritte In einem mehrstufigen Konzept sollen grundsätzliche Verbesserungen für das Umfeld des Hauptbahnhofes umgesetzt werden. 1. Sondernutzungserlaubnis

Das Bezirksamt HH-Mitte erteilt der DB für 3 Monate für die überdachten Bereiche außerhalb des Hauptbahnhofes und für den Tunnel Mönkebergstraße eine Sondernutzungserlaubnis mit der Zweckbestimmung „ Maßnahmen im Interesse des Bahnhofsmanagements“.

2. Temporäre Aufstockung der DB-Sicherheit

Die DB ist bereit für 3 Monate auch auf den Sondernutzungsflächen tätig zu werden und hierfür ca. 43.000,-€ aufzuwenden.

3. Hilfsangebote der Sozialdienststellen

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Das Bezirksamt HH-Mitte erstellt in Zusammenarbeit mit den betroffenen Fachbehörden eine Liste sozialer Hilfsangebote im Umfeld des Hauptbahnhofes, mit Nennung von Ansprechpartnern und notwendigen Kontaktdaten. 4. Bauliche Maßnahmen

Das Bezirksamt HH-Mitte setzt sich seit geraumer Zeit für eine Schließung des Tunnels Glockengießerwall ein. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) hat hierzu 3 Varianten erarbeitet und nunmehr wird gemeinsam eine dauerhafte Schließung der Tunnelanlage geprüft.

5. Trinkerraum Das Bezirksamt HH-Mitte möchte in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof eine geeignete Räumlichkeit in einen Trinkerraum umwandeln, um den Ordnungskräften die Möglichkeit zu eröffnen, der Zielgruppe ein angemessenes Ausweichangebot unterbreiten zu können. 6. Kooperation der Sicherheitskräfte

Die für Sicherheit und Ordnung innerhalb und außerhalb des Hauptbahnhofes tätigen Kräfte koordinieren ihre Einsätze untereinander, legen im Detail die Einsatzzeiten und Kapazitäten fest, unterstützen sich gegenseitig und benennen hierfür Ansprechpartner.

Ausblick Nach Beendigung des dreimonatigen Einsatzes der DB und der weiteren Sicherheitskräfte erfolgt eine Evaluation . Über die Fortführung der Maßnahme soll anschließend entschieden werden.

Zusätzliche Abreden Eine Information der Öffentlichkeit über eingeleitete Maßnahmen soll in geeigneter Weise erfolgen. Dies stimmen die jeweiligen Pressestellen untereinander ab. Auch wäre zu prüfen, ob im Bahnhof evtl. der Verkauf von Alkohol untersagt werden könnte.

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