Jahrbuch der Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft

Herausgegeben von Elisabeth Hybašek und Kurt Salamun

Jahrgang 1 (1988) VWGÖ - Wien

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Gefördert durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in Wien und durch den Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs auf Antrag der Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft Umschlagbild: Karl Jaspers-Archiv, Basel © Eigentümer: Österreichische Karl-Jaspers-Gesellschaft Verlag und Herstellung: Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ), A-1070 Wien, Lindengasse 37 ISBN 3-85369-727-5

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Inhaltsverzeichnis VORWORT DER HERAUSGEBER VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN ARTIKEL Elisabeth Hybašek (Graz): Zum Leben von Karl Jaspers Karl Jaspers: Einsamkeit (Nachlassmanuskript) Hans Saner (Basel): Zur Dialektik von Einsamkeit und Kommunikation bei Karl Jaspers Alexander Schwan (Berlin): Existentielle und politische Freiheit. Zur politischen Philosophie von Karl Jaspers Kurt Salamun (Graz): Ethische Komponenten in der Philosophie von Karl Jaspers BUCHPRÄSENTATION: Karl Jaspers: Die Schuldfrage - mit Textauszügen BERICHTE: Kazuteru Fukui (Tokio): Über die Tätigkeit der Jaspers Society of Japan Giorgio Pelizo (Padua): Jaspers-Forschung in Italien (1984 - 87) Kurt Salamun (Graz): Bericht über die 2. Internationale Jaspers-Konferenz in Brighton (England) MITTEILUNGEN: Mitglieder des Vorstandes und des wissenschaftlichen Beirats Grußadressen Aktivitäten der Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft Kontakte Vorschau 113 114 116 119 108 6 32 53 68 89 3 4

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Arztes. aber sie kann nicht als bloßer Wissensstoff gelehrt und gelernt werden. Denn obwohl Jaspers neben Martin Heidegger der bedeutendste Existenzphilosoph des deutschen Sprachraums ist. dass seine Gedanken in zu geringem Ausmaß rezipiert und weiterentwickelt wurden. Unser Anliegen ist es. die Philosophie von Jaspers' einer breiteren Öffentlichkeit näherzubringen. Philosophie kann für Jaspers daher nur an den einzelnen Menschen appellieren. Unser Jahrbuch stellt es sich nicht nur zur Aufgabe. Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur. dass Jaspers Deutschland bald nach dem Krieg verließ und eine Berufung an die Universität Basel annahm. Philosophie könne nicht in Form einer Lehre vermittelt werden. dass sie . sondern dient auch dem Zweck. Psychologen und Humanisten Karl Jaspers einem breiteren Interessentenkreis zugänglich zu machen. Anlass zu einer erneuten Diskussion über die philosophischen Grundfragen des menschlichen Lebens geben. Im Unterschied zu Heidegger hat Jaspers keine akademische Schülergeneration hinterlassen. Vielleicht hat aber auch Jaspers' Philosophieverständnis dazu beigetragen. wenig beachtete Gedanken und Schriften von Jaspers wieder ins Gedächtnis zu rufen und konstruktiv weiterzudenken. 4 .unter Berücksichtigung der Anforderungen unserer heutigen Zeit -. Er war stets der Ansicht. Glaubensgehalte zu erhellen und sich mit den grundlegenden Lebensfragen des Menschen zu befassen. die Gedanken des Philosophen. hat sein Denken im Vergleich zu dem Heideggers noch bei weitem nicht die gebührende Resonanz und Würdigung erfahren. was ihm viele seiner Kollegen verübelten. im Gegensatz zu den Wissenschaften käme es ihr zu. die sein Denken an den deutschen Universitäten weiterentwickelt hätte. Dies hängt unter anderem damit zusammen.Vorwort der Herausgeber Die Österreichische Karl-Jaspers-Gesellschaft wurde im Juni 1987 mit dem Ziel gegründet. in der Hoffnung. diese in der wissenschaftlichen Forschung intensiver auszuwerten.

München 1951. Auflage 1958. Zürich 1950.6.3. Reden und Aufsätze.3. . Bandes der 'Philosophie". München 1962. 4. Bd. Die Atombombe und die Zukunft des Menschen. Existenzphilosophie. Auflage Berlin/Heidelberg/ New York 1971.5. 5 .Abkürzungen der in diesem Band zitieren Bücher von Jaspers Aut AZM BR C Ch E EiPh GSZ IE Philosophische Autobiographie. Schicksal und Wille.Lizenzausgabe Frankfurt/ Hamburg 1955. Fünf Vorlesungen. Berlin 1919. Zwölf Radiovorträge. .4. PW RA Sch Schw VE UZG W Psychologie der Weltanschauungen. Nachlass. Hrsg. v.. . Vortrag 1915/16. Auflage 1982. .4.23. München 1970. Erster Band. Auflage und Neuausgabe München 1973. . . Individuum und Einsamkeit.2. Hrsg. 1983. Auflage 1963. Rechenschaft und Ausblick. Berlin 1932. 390 – 409. Unkorrigiertes Typoskript "Communikation'. Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung. . Die Schuldfrage. Zürich 1949. . Aufl. .5. Groningen 1935. Berlin 1931. München 1958. Lebensfragen der deutschen Politik. Drei Vorlesungen.147/1983 .6. . Einführung in die Philosophie. Vorstufe zum Kapitel "Kommunikation' des 2. Chiffren der Transzendenz. Hans Saner. Hans Saner. Bd. 1983. Politisches Bewusstsein in unserer Zeit.Chancen. München 1963. Vom Ursprung und Ziel der Geschichte. München 1977. . München 1967. Auflage Berlin/New York 1974. Autobiographische Schriften.8. Aufl. Auflage 1977. II: Existenzerhellung. Wohin treibt die Bundesrepublik? Tatsachen . München 1947. Philosophische Logik. III: Metaphysik. Erweiterte Neuausgabe. Aufl. . I: Philosophische Weltorientierung. Aufl. LdP PGO Ph I-III Philosophie. Berlin/Heidelberg/New York 1973. 3 Bde. 1979. Vernunft und Existenz. Berlin/Leipzig 1938. Die geistige Situation der Zeit. Heidelberg/Zürich 1946. Von der Wahrheit.Neuausgabe München 1987. S.Gefahren . Neuausgabe München 1986. Auflage 1967. v. Unter dem Titel 'Einsamkeit' veröffentlicht in: Revue International de Philosophie 37. Bd.2.fac. München 1966.

der sie verbreitet. und schließlich die Konsequenzen. denen der Mensch Jaspers sich verdankt und der Philosoph Jaspers in seinen zahlreichen philosophischen Schriften Rechnung getragen hat.. zumal der Existenzphilosoph. Beide Elternteile stammten aus diesem vom Meer und der Ebene der Marschen geprägten Landstrich. wenn ihre angestrebte Umsetzung ins praktische Leben in allzu krassem Gegensatz zur Lebensform ihres Urhebers steht. Insofern ist jeder Philosoph Vorbild.oder. So versteht es sich. sich nicht außerhalb seines Denkens zu stellen. die sich aus dieser Haltung für den Umgang mit dem Mitmenschen ergeben. philosophischen Gedanken zu trauen und sich ihnen anzuvertrauen. 'Im Umgang mit dem Meer'. sie bewährt sich nur dort. Die Sorge um den einzelnen Menschen. Was er wird. so lässt doch der Grad ihrer Umsetzung im Leben dessen. Auch wenn philosophische Ideale ihre Richtigkeit und Leitfunktion nicht einbüßen. der sie entworfen hat. sich zerstreuen und ins Nichts zerrinnen. Entschlüsse. dass die Lebensgeschichte der einzelnen Existenzphilosophen einen Faktor darstellt. Weitkrieges in Deutschland und Frankreich verbreitet haben. die für das Ausmaß an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Februar 1883 in Oldenburg nahe der Nordseeküste geboren. Es ist also keineswegs verwunderlich. fordert von dem. bilden den Angelpunkt ihres Philosophierens. seine Suche nach Halt und Sicherheit in einer Welt.. dass das Individuum im Zentrum ihrer philosophischen und literarischen Schriften steht. Kindheit und Jugend Karl Jaspers wurde am 23. Albert Camus und Jean-Paul Sartre die Frage stellen muss. wo sie ihren Niederschlag im persönlichen Leben dessen findet. Dort ist keine 6 . allgemeingültige Wahrheit im Sinn einer wissenschaftlichen Beweisbarkeit. das eine Philosophie besitzt. gemeinsam. der sowohl für das Verständnis ihrer Philosophie unerlässlich ist. wenn ihnen zuwider gehandelt wird. Das Meer ist Gleichnis von Freiheit und Transzendenz . In einem Brief an seinen einstigen Schüler und späteren Freund. in der das Individuum im Mittelpunkt steht. Eine Philosophie.Elisabeth Hybašek (Graz) Zum Leben von Karl Jaspers Obwohl man sich bei so unterschiedlichen Denkern wie Karl Jaspers. Martin Heidegger. wenn in Anbetracht dieses vom einzelnen Menschen ausgehenden und sich auf ihn richtenden Denkens der Philosophierende selbst eine besondere Bedeutung erlangt. die sich aufbauen . schreibt Jaspers. ausschlaggebend ist. die ihre Lehren vor und während des 2. den Chirurgen Renato de Rosa. vielleicht kann man sogar sagen für die Wahrheit ihrer philosophischen Gedanken."1 Ich möchte nun im folgenden den Lebensweg von Jaspers anhand jener inneren Wendungen.bare. der sie vertritt. Leid und Entbehrungen aller Art. schreibt Jaspers: 'Schließlich verdankt der Mensch zu einem guten Teil sich sich selbst. die durch die Abwesenheit einer sinnstiftenden göttlichen Instanz gekennzeichnet ist.. seine Haltung gegenüber Tod. Natürlich handelt es sich dabei nicht um eine objektiv nachweis. ist das Ergebnis unendlich zahlreicher innerer Wendungen. 'liegt von vornherein die Stimmung des Philosophierens . ist doch all diesen Denkern. verfasste Monographie 'Karl Jaspers'. ob man überhaupt von einer einheitlichen philosophischen Strömung der Existenzphilosophie sprechen kann. Entschlüsse und Führungen nachzeichnen. Denn es fällt schwer. Dabei stütze ich mich hauptsächlich auf die beiden autobiographischen Schriften von Jaspers 'Schicksal und Wille' und 'Philosophische Autobiographie' sowie auf die von seinem letzten persönlichen Assistenten in Basel. die Frage nach seiner Freiheit in einer Zeit politischer Unfreiheit und Unterdrückung. als auch für deren Entwicklung. nämlich Hans Saner.. wohl aber um eine Wahrheit in Form einer individuellen Bewährung und Wahrhaftigkeit. Führungen. Rückschlüsse auf ihre Ernsthaftigkeit und auf die intellektuelle Redlichkeit und das moralische Anspruchsniveau ihres Urhebers zu. wenn der Mensch schlecht lebt.

gegen 'erstarrte Gehäuse'. Diese Grundstimmung von Freiheit und Offenheit. war uns Vorbild. Studium Den Abschluss seiner Gymnasialzeit quittierte Jaspers mit großer Erleichterung. . Diese Grundhaltung sollte Jaspers beibehalten. 'Ich war schon krank. die für ihn seit jeher eine Bedrohung dargestellt hatte. bedächtigen Mann ergänzte. die durch unbedingtes Pflichtgefühl gleichermaßen wie durch die Ablehnung jeder übergeordneten Autorität. seien es die Gehäuse kirchlicher Institutionen oder jene totalitärer Parteien. So glücklich Jaspers trotz seiner oftmaligen Krankheiten in seiner frühen Jugend war. Sosehr sich Jaspers auch bemühte. Die ersten Zusammenstöße mit Lehrern und vor allem mit dem Direktor ließen nicht lange auf sich warten. geprägt war (Jaspers' Vater trat mit 71 Jahren aus der Kirche aus). 'Mein Vater. Endgültig verschärfte sich das Schulklima als Jaspers sich weigerte. noch war er körperlich in der Lage" die Strapazen der Jagd auszuhalten. zielstrebiger Mensch. wuchs Karl Jaspers. mit seinen beiden jüngeren Geschwistern Erna und Enno auf. hatte Ekzeme und neigte zu Infektionskrankheiten. unbeabsichtigt von ihm. die er teilweise am Land bei den Großeltern Tantzen in Heering und in dem schlossartigen Gebäude der Großeltern in Jever verbrachte. mit einem 'über alle Konventionen hinausgehenden Verständnis' für ihre Kinder beflügelte Frau. eine gebürtige Tantzen. In seinen Schriften erhebt er immer wieder Einspruch gegen Institutionen und geschlossene Systeme. unbewusst für uns. liebevolle. . nun war er auch vom Kreis seiner Mitschüler ausgeschlossen. Beides darf es nicht geben! Daher war unser Vater unendlich geduldig gegenüber meinem Widerstand. wie ihn die Eltern nannten. Nach seinem Studium der Jurisprudenz wurde er schon früh. fand Jaspers auch in seinem Elternhaus vor. warum das vernünftig sei' (SchW 16f. Wenn ich widersprach.Schon damals festigte sich Jaspers' tiefe Abneigung gegen Institutionen und Parteiungen. die sich in geradezu idealer Weise mit ihrem ruhigen. auch jener der Kirche. der Jaspers 'unsägliche Mühe' machte. seine Kämpfe allein Schwäche im deutschen Aufsatz. die den einzelnen mundtot machen und fraglose Unterwerfung unter ihre Regeln verlangen. ohne Bezugnahme auf eine objektive Autorität. ungefähr 10 Jahre unabhängig zu studieren. Dort fand er jene Stimmung von 'devotem Gehorsam' vor. Schon vor seinem Abgang von der Schule eröffnete ihm sein Vater anhand seiner Vermögensverhältnisse. Jaspers entschied sich für das Studium der Jurisprudenz und machte sich 1901 auf den Weg nach Freiburg. ohne es zu wissen.Jaspers war also keineswegs ein Musterschüler. Schon während der Gymnasialzeit hatte sein Vater ihn zur Ablenkung von seinen Schulproblemen und zur Erleichterung seiner Einsamkeit. Schon früh mussten sich die Eltern um ihn wegen seiner schwachen Gesundheit Sorgen machen. dass es ihm möglich sei. Kally. war ein korrekter. als er mit sechs Jahren zur Schule musste. so unglücklich war er. Trotzdem blieb ihm die 'Vorschule' in guter Erinnerung. die neben der Malerei sozusagen das eigentliche Leben seines Vaters darstellte. Sein Gesundheitszustand war damals bedenklich. war in späteren Jahren nie mehr etwas zu merken. Amtshauptmann in Budjadingen und später Bankdirektor in Oldenburg. in das er 1892 eintrat. die den Menschen eine scheinbare Sicherheit vorgaukeln und ihnen jede Verantwortung über ihr Handeln abnehmen. verschiedentlich auf die Jagd mitgenommen. endlich war er frei. anders jedoch das Gymnasium. ständig litt er unter Hustenanfällen.). weder war er ein geschickter Jäger. stammte aus einem seit langer Zeit in Heering (Budjadingen) ansässigen Bauerngeschlecht. Ohne Kirche. die sein Vater immer angeprangert hatte. Jaspers' Vater. Das Gewehr sicher festzuhalten beim 7 . galt als das Böseste die Unwahrhaftigkeit. kam nicht der Befehl. In dieser liberal-konservativen Atmosphäre. Sein Vater überließ es ihm. in die er durch die Konflikte mit Lehrern und Schülern geraten war. Und als fast ebenso schlimm: blinder Gehorsam. mit 29 Jahren. dessen Vorfahren im Jeverland beheimatet waren. sondern die Begründung. den offenen Horizont.Fesselung' (SchW 16). Seine Mutter. Sie war eine temperamentvolle. einer der drei beinahe obligatorischen Schülerverbindungen beizutreten.

und Jaspers vertrug nur leichte Kost. musste Jaspers jede Hoffnung auf ein normales Leben aufgeben: der Verzicht auf jegliche physische Anstrengung. Wenn er leben wollte. mit denen Jaspers fingen musste. muss ich für strengste Ordnung unter Vermeidung des Schädlichen sorgen. was er rund 20 Jahre später zum Angelpunkt seiner Lehre von den Grenzsituationen des menschlichen Lebens machte. Nach anfänglichem Zögern informierte Fraenkel Jaspers über den Ernst seiner gesundheitlichen Situation. sie fast ohne Bewusstsein richtig zu behandeln und zu arbeiten. dass ein zu angestrengter Kampf die Krankheit wieder zum Ausbruch führen würde. Unerträglich für die meisten Menschen.). wenn ich der normalen Lebensführung der Gesunden folgte. muss ich das Schädliche wagen. er konnte weder wandern. Zwischen diesen beiden Polen verlief mein Dasein. eine gleichsam spartanische Lebensführung. Jedes Übertreten dieser Richtlinien musste Jaspers mit Fieberanfällen. Was tun! Aus der verkrüppelt aufgewachsenen Pflanze so viel zu machen. will ich am Leben bleiben. Zunächst unterwarf er sich fraglos den Behandlungsmethoden der Ärzte. der ihm kaum erlaubte regelmäßigen Studien nachzugeben. er musste um jede Aktivität kämpfen und lief permanent Gefahr. worauf es in der Behandlung ankommt. griffen in jede Stunde ein und in alle Pläne' (Aut 12f. ohne an sie zu verfallen. der an die äußerste Grenze seiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit getrieben wird. sowie das stündliche Aushusten des in der Lunge sich ansammelnden Schleims wurden zu unerlässlichen Bedingungen des Überlebens. 8 . Obwohl Jaspers seine Krankheit geradezu heroisch bekämpfte. noch tanzen. Die Notwendigkeiten. körperlich den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen zu sein. keine Produktivität . Alles musste nach ihr gerichtet werden. als Jaspers auf seinem Weg nach Freiburg in Badenweiler Dr. die aus der Krankheit folgten. das Leben einzurichten unter den Bedingungen dieser Krankheit. die die Trennlinie zwischen dem Sich-Fallen-Lassen angesichts des Nichts. Wie Jaspers auf den Befund seiner Krankheit reagierte. Einzig einige Tagebucheintragungen geben Zeugnis von den inneren Qualen. Die Konsequenzen der Krankheit waren natürlich weitreichend. Langsam lernte ich die Verfahren. noch reiten.Zielen. Allmählich erwuchs daraus ein Kampf um die 'Befreiung von der autoritativen Form der Wissenschaft des Arztes'. dass auf diese Weise die Krankheit zum dominierenden Faktor seines Lebens wurde. Die Krankheit durfte durch Sorge um sie nicht zum Lebensinhalt werden. Unmöglich war die richtige Durchführung. Ich las eine Abhandlung von R. Eines Tages fand ich mich in einem Wald allein und weinte und fühlte. Blutspucken und einer akuten Lungenerkrankung bezahlen. an jene Grenze. Immer wieder machte ich Fehler. ist schwer zu beschreiben. Die Aufgabe war. um sein Leben in der von ihm geführten Form zu bewältigen: 'Ich bin ein toter Mensch. Keine seelische Einstimmigkeit mehr mit irgendeinem Freunde. der Ausweglosigkeit. Zudem war der Verdauungsapparat angegriffen. keine Liebe zu einer Frau. Bronchiektasen der Lunge. ist die ganze Tragweite dieses Kampfes für den Außenstehenden wohl kaum nachfühlbar. Albert Fraenkel. Ich begriff. sich stets daraus zurückzugewinnen. Das Bewusstsein.. als ob sie nicht da sei. die bis ins Detail meine Krankheit beschrieb und die Prognose stellte: spätestens in den dreißiger Jahren ihres Lebens gehen diese Kranken an allgemeiner Vereiterung zugrunde. einen Freund der Familie. 'Jetzt lernte ich. Die Lebenserwartung war auch bei regelmäßiger Lebensführung nicht hoch. die ich zum Teil selbst erfand. was leicht und in größerem Maße die Gesunden tun' (SchW 135). angegriffene Nieren. Dieses Bewusstsein sollte sich in deprimierender Weise bestätigen. Damals bereitet sich in Jaspers das vor. Erst der Mensch. dass sie zu einem kleinen Teil mitwirkt an dem. stieg in mir auf' (SchW 21). noch schwimmen.Ich kann nicht! Aber ich wusste nicht eigentlich wie und warum. Jaspers musste sich von allen Unternehmungen mit seinen Freunden distanzieren. musste aber bald erkennen. oft zu versagen durch Zulassen der Ermüdung und der Vergiftung des Körpers. als irgend möglich ist.. und dem Sich-Ergreifen und Sich-Wandeln gerade in dieser Situation bildet.hat es noch Zweck für mich zu leben . und es war notwendig. Virchow. das ging über meine Kräfte. sekundäre Herzinsuffizienz. es wackelte immer. besuchte. Will ich arbeiten. Es war unumgänglich. sie einordnen in den Zusammenhang der Gesunden und helfen.

verlor sie ihre erste Freundin.seine körperlichen Kräfte optimal zu nützen. er war nicht länger ausgeschlossen und einsam. Nun war es sein Plan. Er hatte ein Studium gefunden.wird wirklich Mensch. Und wenn Jaspers 1932 in seiner 'Philosophie' sagt. meiner Krankheit ganz allein verdanke ich es. durch 'passend verteiltes Schwänzen' der Vorlesungen eigenständig zu studieren und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. 'mein Gebiet ist der Mensch.Diesem Arbeitsstil verdankte er eine ungeheure Produktivität. als sie 20 war.. hatte er nichts mehr mit dem vereinsamten kleinen Jungen. der im Wald weinte. ist existierend getan' (PhII 223). wobei er das Schwergewicht auf die eigene Anschauung legte. er hatte seine Krankheit in dem Sinn bezwungen. An jedes Negative ist ein dazugehöriges Positives gebunden. hatte keine Einwände. zu nichts anderem hätte ich dauernd Fähigkeit und Lust. als er sich in Sils-Maria dazu entschloss.“2 Und noch etwas lernte Jaspers in dieser Zeit. wäre es sein Wunsch gewesen. 'In den sechs Jahrzehnten hat er über dreißig Bücher veröffentlicht von insgesamt etwa 12000 Druckseiten. von 1903 . 1909 erfolgte nach Absolvierung des praktischen Jahres. . um vielleicht auf diesem Weg die akademische Laufbahn ergreifen zu können. So studierte Jaspers ab 1902 Medizin in Berlin. "Kuraufenthalte helfen nichts. durch kontinuierliches. wenig später nahm sich ihr Jugendfreund. Sie war 28 Jahre und war als eines von neun Kindern in einer orthodoxen jüdischen Kaufmannsfamilie aufgewachsen.er konnte täglich höchstens sieben Stunden arbeiten. dem er seinen Entschluss in Oldenburg vortrug. Grenze seiner Möglichkeiten in aller Härte erleben musste. sofern sie erschlaffen' (SchW 133).. Der Mensch ist das. dass ich wenigstens zum Nachdenken gebracht wurde. stellte ihn 1907 seiner Schwester Gertrud Mayer vor. wenn er in einem Brief schreibt: '. Die von Fraenkel verordneten Kuraufenthalte in Italien. Naturwissenschaften und Philosophie zu studieren. von wo er nach München fuhr. was er aus sich macht. das Leben und auch ein weiteres 9 . Ernst Mayer. seine Approbation als Arzt. als er mit ihr zu leben gelernt hatte und kontinuierlich arbeiten konnte und. der Dichter Walter Calé. was wohl das Wichtigste war. und im Herbst 1902 in Sils-Maria benützte er weniger dazu sich zu erholen. niemals aussetzende hygienische Lebensführung an. In dieser Zeit lernte es Jaspers. als vielmehr seine kunstgeschichtlichen und philosophischen Kenntnisse zu erweitern. und von dieser Zeit war ein Teil der Philosophie und Dichtung vorbehalten . Der Nachlass umfasst an die 35000 Blätter und einige tausend Briefe. Nach seinem Aufenthalt bei Dr. starb ihre ältere Schwester. nur 'was angesichts des Todes wesentlich bleibt.1906 in Göttingen und von 1906 1908 in Heidelberg. Kuren schaden. Für Jaspers hatten seine Kuren insofern weitreichende Folgen. die in so frühen Jahren wohl nur ein Mensch erlangen kann. der selbst dir. zeugt dies von einer Einsicht in die Grundproblematik des menschlichen Lebens. er wurde sich bewusst. wo er sein Staatsexamen ablegte. vielmehr kommt alles auf die dauernde. ein Studienkollege von Jaspers. Als sie noch ein Kind war. gemein.'3 Psychiatrische Arbeit Als Jaspers sich 1908 nach Absolvierung des Staatsexamens als Medizinalpraktikant an die Psychiatrische Klinik in Heidelberg meldete. während dem er seine Dissertation 'Heimweh und Verbrechen' verfasste. das seinen Interessen entsprach. Sein Vater. Fraenkel in Badenweiler verbrachte Jaspers den Sommer in Norderney und Oldenburg. um nochmals genauso erfolglos wie in Heidelberg sein Jusstudium aufzunehmen. Er beschäftigte sich lieber mit Philosophie und Kunstgeschichte und wurde Mitglied eines literarischen Vereins. seiner ziellosen Bummelei ein Ende zu machen und Medizin zu studieren. war sein anfängliches Interesse an diesem Fach ziemlich geschwunden. Er lernte es. ohne dieselbe wäre ich ein dummer Esel' (SchW 141). Als er dann im Wintersemester sein Studium der Jurisprudenz in Heidelberg aufnahm. über das Medizinstudium zur Psychiatrie und Psychologie überzugehen. Diese Einsicht kündigt sich bereits 1901 an. Hätte er sich für begabter gehalten. konzentriertes Arbeiten . Schon früh war sie mit den härtesten Schicksalsschlägen konfrontiert worden. Er hat die Wahl. um direkt die akademische Laufbahn einzuschlagen.

der als Kampf zugleich Liebe ist. Nachdem er sein praktisches Jahr abgeleistet hatte. stand auf. entschloss sie sich Nervenpflegerin zu werden. Vielleicht kann man sich davon am besten ein Bild machen. Man kann sicher ohne allzu groß Spekulation sagen. die mir in ihrer ruhigen Klarheit. übernahm Franz Nissl. Dort spricht Jaspers vom Risiko restloser Offenheit. Von Griesinger her galt der Satz 'Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten'. ist für den Außenstehenden kaum abschätzbar. dass das Gespräch bald auf groll Grundfragen des Lebens kam. Band von Jaspers' 'Philosophie' liest. Sie saß an einem großen Schreibtisch. 1907. den Adel ihrer Seele in der Erscheinung auszusprechen schienen. vom unbedingten Akzeptieren des anderen in seiner Andersheit. Rüdin zeigte die Bedeutung krankhafter Erbanlagen für die Entstehung der Schizophrenie. wenn man jene Passagen im 2. die von der Selbstverwirklichung des Menschen in existentieller Kommunikation handeln.). den Gertrud auf das philosophische Schaffen von Jaspers ausgeübt hat. Sie begrenzt den Kampf auf die existentielle Kommunikation. um das Selbstsein des Anderen so gut wie um das eigene. den Eintretenden noch den Rücken zuwendend. vom liebenden Kampf.. Schwermut. so dass für die Öffentlichkeit die nächsten Freunde sein können.' Bei ihm handelt es sich 'um restlose Offenheit.. Im Kampf der Kommunikation ist eine unvergleichliche Solidarität . die immer das Geheimnis zweier ist. ob einer sie ohne den anderen hätte denken können. um die Ausschaltung jeder Macht und Überlegenheit. Gertrud Mayer begegnete. Von der ersten Stunde an war ein unbegreiflicher. vom Ablegen aller Masken und Vorbehalte. neben einer Reihe von Aufsätzen und kleineren systematischen Arbeiten sein Buch 'Allgemeine Psychopathologie" (1913). war die Psychiatrie auf dem Stand einer klinischen Empirie ohne einheitliches wissenschaftliches System. widmete sich Jaspers nun ganz seiner Arbeit. als ich mit ihrem Bruder zum erstenmal zu ihr ins Zimmer trat.. von Freud her drangen unter massivem Widerstand die Anfänge der analytischen Psychiatrie nach der Schweiz und nach Deutschland. Das Ausmaß des Einflusses. Unvergesslich für mich der Augenblick. beschäftigte er sich hauptsächlich mit der methodischen Klärung der psychiatrischen Forschungsansätze. ohne Konvention unbewusst das reinste Wesen. das Abitur nachholen und Philosophie studieren zu wollen. Selbstbewusstsein. mit dem unter Heranziehung aller 10 . Saner berichtet: 'Als Jaspers seine Forschungsarbeit begann. soziologischen Momenten. die am entschiedensten um Existenz miteinander ringen in einem Kampfe. Schon einen Monat später verlobten sich Karl Jaspers und Gertrud Mayer und 1910 erlaubte es ihnen die finanzielle Situation endlich zu heiraten. alles verwandelte sich. In diesem Kampf wagen beide rückhaltlos sich zu zeigen und infragestellen zu lassen . bei dem Gewinn und Verlust gemeinschaftlich sind' (PhII 65f. bald erklärend aufwies. vom permanenten Ringen miteinander um Wahrhaftigkeit. Bleuler versuchte das analytische Verstehen auf die Schizophrenien auszudehnen. Weil eine ihrer Schwestern unheilbar geisteskrank war. 'Der Prozess des Offenbarwerdens in der Kommunikation ist jener einzigartige Kampf. ohne Gebärde. als ob wir uns schon lange gekannt hätten. als ich 24 Jahre alt. die Jaspers mit seiner Frau sein Leben lang geführt hat. diesen als Assistenten. doch nach eineinhalb Jahren entschied sie. Ich folgte jeder ihrer Bewegungen. die Jaspers an der Heidelberger psychiatrischen Klinik verbrachte. sind das Produkt einer jahrelangen gemeinsamen Auseinandersetzung über die Grundfragen des menschlichen Lebens. Das Resultat dieser Arbeit war. physiologischen.“4 Jaspers unternahm es nun. Es war wie selbstverständlich. die man bald verstehend. schlug langsam ein Buch zu und wandte sich uns zu. Von der Beziehung mit Gertrud Mayer beflügelt.befreundetes Ehepaar starb. die man in Jaspers' Büchern lesen kann. 'Einsamkeit. der Chef der Klinik. wobei sich nicht sagen lässt. nie als möglich erwarteter Einklang zwischen uns' (Aut 15). die Vielfalt der theoretischen Ansätze zu sichten und systematisch zu gliedern. Gaupp erklärte die Paranoia aus Charakter. In der ganzen Wissenschaft herrschte ein Durcheinander aus anatomischen.. und viele jener Gedanken. In den sechs Jahren. der an Jaspers' Dissertation Gefallen gefunden hatte. Milieu und Erlebnis. von Kraepelin her die Gruppierung der Geisteskrankheiten in die beiden Gruppen der Schizophrenien und der Manien. dass es diese Form von Kampf war.

jenes Mannes. wobei sich aber nicht leugnen lässt. als Ordinarius für Philosophie nach Heidelberg berufen wurde. Zwar sollte sie methodisch präzise vorgehen. Die Methoden. ging es Jaspers eher um den systematischen Aufweis und die Analyse von grundlegenden Haltungen des Menschen der Welt gegenüber. Obwohl darin viele Probleme seiner späteren Existenzphilosophie vorweggenommen sind. er war Voluntärassistent. als um das Anbieten einer bestimmten. dass sich bestimmte subjektive Wertgesichtspunkte in diesem Buch bereits abzeichnen. dass er während dieser Zeit kein Gehalt bezog.Forschungsmethoden und der wissenschaftlich überprüfbaren Ergebnisse eine durchgängige Systematisierung des Bereiches der Psychopathologie möglich geworden war. In ihm fand er einen Vertreter der wissenschaftlichen Philosophie vor. die Möglichkeiten verschiedener Weltanschauungen zu durchleuchten. der sie denkt. was er unter verstehender Psychologie subsumierte. von ihm als wertvoll erkannten Weltanschauung. obwohl ihm sein Buch noch nachhaltiges Ansehen eintragen sollte. Der Weg zur Philosophie Mit der 'Allgemeinen Psychopathologie' habilitierte sich Jaspers 1913 nicht an der medizinischen Fakultät. doch niemals konnte man von der Philosophie erwarten. Zunehmend wird auch klar. Ab dem Sommer 1914 hielt er Vorlesungen über Sinnespsychologie. der Jaspers habilitiert hatte. Er las über Sozial. Kam der Wissenschaft die Aufgabe zu. Religionspsychologie und Moralpsychologie. Vielmehr spürt der Leser. Jaspers' Anspruch an die Philosophie war nämlich ein ganz anderer. Neben der empirischen Psychologie wurde für ihn aber das. was eigentlich Aufgabe der Wissenschaften war: allgemeingültige. der 1916 als Nachfolger von Wilhelm Windelband. entlehnte er aus der Phänomenologie Husserls und von Dilthey. mit dem ganzen persönlichen Einsatz dessen. sein. dass Jaspers selbst diese Schrift als die früheste 'der später so genannten modernen Existenzphilosophie' bezeichnete. der der theoretisch erklärenden Psychologie eine beschreibende und zergliedernde gegenübergestellt hatte. Dieses Buch wurde unbewusst mein Weg zur Philosophie' (Aut 32). war aber aufgrund seiner Krankheit von einem regelmäßigen Dienst entbunden worden. In diesem Buch versuchte Jaspers mit Hilfe der verstehenden Psychologie. unpersönlichen Verstandesdenken bedürfen. sollte die Philosophie menschliche Glaubens. was Jaspers von seiner psychiatrischen Arbeit in Heidelberg profitiert hatte. Auch wenn die "Psychologie der Weltanschauungen' eine theoretische Übersicht über die einzelnen Typen von Weltanschauungen bieten soll. Kein Wunder also. zwingende Erkenntnisse auf den einzelnen Wissensgebieten zu erlangen. dass seine Erfahrungen unmittelbar aus dem Alltag gegriffen sind. sein eigenes Philosophieverständnis zu klären. sind doch seine Analysen niemals abstrakt und weitfern. das alte von Jaspers' späteren philosophischen Schriften auszeichnet. Die Psychiatrie war nun als Wissenschaft konstituiert und Jaspers' Forschungstätigkeit abgeschlossen. Während seiner Forschungsarbeit hatte Jaspers Zugang zu allen Bereichen der Klinik. und zwar für das Fach Psychologie. Jaspers machte es sich vor allem zur Aufgabe. zwingende Erkenntnisse zu liefern. Das brachte es mit sich. Dies ist ein Merkmal. die Reichweite und Grenzen der beim Verstehen und Erklären von psychischen Phänomenen angewandten Methoden abzustecken. Und in letzter Konsequenz: 11 . Philosophie begann für Jaspers dort.und Wollensgehalte erhellen und Lebensziele vermitteln. von immer größerer Bedeutung. Unter dem Titel 'Psychologie der Weltanschauungen' habe ich sie nach dem Ende des Krieges 1919 veröffentlicht. Gedächtnispsychologie und Ermüdungsuntersuchungen und pathographische Vorlesungen über kranke Persönlichkeiten. die eines distanzierten. Einen ersten Gegner seines Buches hatte Jaspers in dem Neukantianer Heinrich Rickert. und er sie mit einem subtilen psychologischen Gespür theoretisch umgesetzt hat. die mir die wichtigste wurde. 'Unter diesen Vorlesungen war eine. Sie muss im Gegensatz zu den Wissenschaften. sondern an der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg.und Völkerpsychologie. was Jaspers half. deren Jaspers' sich bediente. wo alle Wissenschaft versagte. ein engagiertes Denken.

Wissenschaft ist Wissen. nachdem er zwei Berufungen auf Lehrstühle für Philosophie in Greifswald und Kiel abgelehnt hatte. Er verkörperte für Jaspers den Philosophen schlechthin und war ihm Zeit seines Lebens Vorbild. abwertend über Weber äußerte. die Philosophie zum Lebensberuf zu machen. seine Studenten an der Entstehung und Entwicklung philosophischer Denkschritte teilhaben zu lassen. Kant und später auch Kierkegaard und Hegel. Lehrstuhl für Philosophie 1922 mit Karl Jaspers besetzt wurde. 1922. musste sich Jaspers nun unter seinen Fachkollegen bewähren. Aut 38).6 In seinen Vorlesungen versuchte er nie. Als sich Rickert nach der Gedenkrede. Plotin.5 Seine Trennung von Erkennen und Werten.in dessen Haus Jaspers und Rickert des öfteren zusammengetroffen waren -. Viele der in den 'Erinnerungen an Karl Jaspers' abgedruckten Berichte zeugen von der Faszination. hatte damals wahrlich keinen leichten Stand. kam es zum endgültigen Bruch (vgl. bevor man sich eigenen philosophischen Überlegungen hingab. Zwar gab Jaspers noch zwei Schriften. Nun begann ich. Er. die Jaspers auf Max Weber hielt . Nietzsche. Philosophie ist dort. Schon 1920 war Jaspers in der Nachfolge von Hans Driesch gegen Rickerts Willen Extraordinarius geworden. Das philosophische Rüstzeug musste erst gründlich erworben werden. die bereits in Manuskriptform vorlagen. verschiedene Philosophen zu studieren. Gegen alle meine früheren Zielsetzungen wagte ich es. Der Nationalökonom und Soziologe Max Weber. wurde Jaspers nun Ordinarius für Philosophie in Heidelberg. Meine Aufgabe wurde mir deutlich. jedoch eigenständiges philologisches Arbeiten am Text. Schopenhauer. wo sie ihren endgültigen Sinn erreicht. Wohl hatte er schon früh begonnen. durchweg ein Erörtern von Dingen. hatten sich in einem nie erwarteten Ausmaß erfüllt. Kant und Kierkegaard und begann 1927 mit einem Grundriss der gesamten Philosophie. die er damals in Sils-Maria geschmiedet hatte. als nach dem Weggang von Heinrich Maier der 2. sowohl als Wissenschaftler. aber dann stellte er für längere Zeit seine Publikationen ein. sein 'illusionsloses Sehen'. der schon bei Jaspers' Habilitation ein Begutachter der 'Allgemeinen Psychopathologie" gewesen war. sein intellektuelles Gewissen wurden zum Ausgangspunkt vieler von Jaspers' philosophischer Gedanken (vgl. der für Jaspers gleichsam charismatische Größe erlangte. 12 . Glauben. und forderte seinerseits von ihnen präzises. sein Ideal der wertfreien Wissenschaft. die er eng am Text in freier philosophischer Reflexion nachvollzog. als auch als Mensch. aber ich war 'in der Tat nach meinem eigenen Maßstab unfertig. Schelling. RA 15). Schelling. Kein Wunder also. gleichsam fertiges Wissen und philosophische Uhrmeinungen vorzutragen. an der er seit 1924 in enger Zusammenarbeit mit Ernst Mayer schrieb. dem jene Gedanken zugrunde lagen. war ein Mann. Er verlieh ihnen das Gefühl. das Studium der Philosophie auf neue und gründlichere Weise zu unternehmen. teils systematisch. fast vierzigjährig. Philosophie Ohne je ein akademisches Studium der Philosophie absolviert zu haben. nämlich 'Strindberg und van Gogh' (1922) und 'Die Idee der Universität' (1923). Wissenschaft zu sein. er las Hegel. die den Inhalt seiner 1931/32 erschienenen dreibändigen 'Philosophie' ausmachen. die für die Grundfragen unseres Daseins nicht wesentlich sind' (Aut 40). Seine Vorlesungen waren teils historisch. sondern mit dem Anspruch. Endgültig verschärfte sich das Klima zwischen Rickert und Jaspers jedoch als 1920 Max Weber starb. demgegenüber Jaspers tiefste Bewunderung und unumschränkte Verehrung hegte. Diese unterschiedlichen Auffassungen von Jaspers und Rickert führten zu permanenten Auseinandersetzungen. darunter Spinoza. wie mir schien. heraus. alle seine Pläne. keine eigentliche Philosophie. der mit grenzenloser Sachlichkeit und Rationalität stets um die Grenzen des Wißbaren Bescheid wusste. die er damit auf seine Studenten ausübte. der Autodidakt. Die Professorenphilosophie war. unmittelbar in den philosophischen Denkprozess miteinbezogen zu sein. dass Rickert auf das heftigste opponierte. sondern es war ihm ein Anliegen.

brauche ich nicht zu schildern. Mit seiner 'Philosophie' hingegen wurde Jaspers' Ruf als Existenzphilosoph gefestigt. Es kam zu einigen freundschaftlichen Treffen. Er war zunächst empört. das werden sie verstehen. 'Ja. dass Rickert im Alter zunehmend seine Hörerschaft verlor. Für uns wurde die Sache plötzlich anders. mir zu sagen. erklärte Jaspers als Reaktion auf manche kritische Stimmen später wie folgt: 'Im September 1930 wurde das Büchlein fertig. In diese Zeit in Heidelberg fiel auch die Freundschaft mit Martin Heidegger. dem Soziologen Alfred Weber. wurde im Krieg sehr groß. und viele Studenten zu Jaspers abwanderten. Langsam begann auch die Kollegenschaft Jaspers zu akzeptieren. 1933 wurde Jaspers von der Mitwirkung in der Universitätsverwaltung ausgeschlossen. den er 1920 bei Husserl in Freiburg kennen. 3: 'Metaphysik'). Bd. Beim Schreiben der Schrift wusste ich einiges vom Faschismus. und ich fragte: 'Darf ich die Akte ansehen?' und meinte zu hören. Wollen sie das doch bitte in Berlin berichtigen. dass es ohne Auftrumpfen doch immer so wirkt. Natürlich kann ich ihre Auffassung von den Juden nicht billigen. als sich Heidegger 1933 kurzfristig für den Nationalsozialismus engagierte. obwohl es sich um eine Zeitanalyse handelte. Den Umstand. Wie haben wir in dieser Welt gelebt? Prinzip: Die einzige Möglichkeit zu überleben ist. Jaspers verkehrte unter anderem mit dem Archäologen Ludwig Curtius. nicht zuletzt aufgrund seiner zwar oft unbequemen. wenn es nötig ist. Von den Vernehmungen durch die Gestapo erinnere ich mich etwa. dem Indologen Heinrich Zimmer. noch andere realpolitische Gegebenheiten in Europa berücksichtigt sind. aber ich bin ein loyaler Staatsbürger" (SchW 35f. um am Erlebnis des Philosophierens teilzuhaben. Er war offenbar von Berlin veranlasst. das ist ein großes Problem! 'Worauf er: 'Ich will ihnen auch gar nicht raten' und seinen Kopf senkte.7 Die Zeit des Nationalsozialismus 1931/32 erschien nicht nur Jaspers' dreibändige 'Philosophie' (Bd 1: 'Philosophische Weltorientierung. hatte ich die Akte in der Hand.Als Ernst Mayer im Sommer 1933 Jaspers gegenüber meinte. Ich sagte: 'Da steht. das Einfachste wäre doch und alle Probleme wären gelöst. dem Germanisten Friedrich Gundolf. aber dann schnell wieder beruhigt. 'Man wird uns Juden eines Tages in Baracken bringen und die Baracken anzünden'. sehr wenig vom Nationalsozialismus. und der Jaspers' Abneigung gegen den Neukantianismus Rickerts teilte. 1937 wurde er zwangspensioniert. 'Was dann geschah. dessen Wahnsinn ich in Deutschland noch für unmöglich hielt' (Aut 72). dem Soziologen Emil Lederer. aber unbestechlich sachlichen Haltung in universitätsinternen Belangen. Seinen Ausschluss von der bereits politisierten Universität 13 . ab 1939 wurde ihm ein inoffizielles. ich sei ein Staatsfeind. Unsere ständige Lebensgefahr war unzweifelbar. Wie er wieder hereinkam. hielt er dies noch für völlig unmöglich. während derer die Stimmung laut Jaspers zwischen gegenseitiger fachlicher Befruchtung. sondern sagte: 'Ja. Ich hatte sie schnell durchgeblättert. Aut 92-111). Ich bin ein loyaler Staatsbürger. dem Juristen Gustav Radbruch.' Es war ein Missverständnis. rückhaltloser Offenheit und einer Gesinnung der Solidarität einerseits und einer eigentümlichen Distanziertheit. . aber sich so benehmen.). wie der junge Bursch vor seinen Akten saß. wenn ich mich scheiden ließe. dem Theologen Martin Dibelius und dem Psychiater Viktor von Weizsäcker.So erklärt es sich auch. dass in diesem als tausendstes Göschen-Bändchen erschienen Buch weder vom Aufstieg des Nationalsozialismus die Rede ist. Worauf ich gar nicht empört war. Diese Beziehung brach abrupt ab. Da stand aus Berlin.gelernt hatte. nicht aufzufallen! Den NaziBehörden gegenüber sich natürlich jede Lüge erlauben. 1938 mit der 'Kristallnacht'. Seitdem wuchs die Angst. ab 1943 ein offizielles Publikationsverbot auferlegt. denn meine Frau ist Jüdin. Dann ging er hinaus. Bd 2: 'Existenzerhellung’. sondern auch der kleine Band 'Die geistige Situation der Zeit'. Befremdlichkeit und Verständnislosigkeit andererseits schwankte (vgl. gerade als die für den Nationalsozialismus zum erstenmal erfolgreichen Wahlen zum Reichstag bekannt wurden. Schritt für Schritt. dass es verborgene Würde hat. dass man auf mich als Staatsfeind besondere Aufmerksamkeit richten müsse.

was uns tief demütigt' (RA 162 f. haben nicht geschrien. das stets bereit lag. auf die Straße gegangen. Sie möchte die Erlaubnis von mir. nicht der ihre. 'Gertrud kommt immer wieder auf den Gedanken: sie allein wolle sterben. weder sollte seine Frau der Gestapo in die Hände fallen. Mächte. dass ihr Abtransport in ein Konzentrationslager für den 14. wovon Jaspers' Tagebuchaufzeichnungen aus dieser Zeit Zeugnis geben. der an der 'unvergänglichen Idee der 14 . Wir haben es vorgezogen. wie er es selbst nannte (Aut 75). Inzwischen war Jaspers 62 Jahre alt. Ihm ging es um einen Neubeginn der Universität. Dass wir leben. März 1945 wurde Heidelberg von den Amerikanern besetzt. Diese Solidarität ist absolut' (SchW 158). Einige Male erwog Jaspers auch Möglichkeiten der Emigration. aber dennoch musste sich die Familie Jaspers mit dem Rückzug in die Einsamkeit abfinden. entwarf Satzungen und führte zahllose Gespräche. Aber ich kann es nicht dulden. dass er nun den Kontakt zu seinen Studenten verlor. unser Tod hätte nichts helfen können. da auf der ganzen. während des Krieges radikal nazifizierten Universität nur 22 Dozenten übrig geblieben waren. die nie etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt hatten. Der befreundete Arzt Dr. Wir sind nicht. Wohl erhielt Jaspers viele Zeichen der Solidarität. Schon drei Tage nach der Besetzung Heidelbergs durch die Amerikaner trat auf Jaspers' Anregung hin eine Kommission von 13 Professoren. Waltz verschaffte ihnen Zyankali. Im August 1945 wurde der Chirurg Karl Heinrich Bauer zum ersten Rektor gewählt. ist unsere Schuld. desto mehr spitzte sich die Situation für Jaspers und seine Frau zu. Im März erhielten sie Über einen Freund Nachricht. und einige wenige Freunde und Schüler versuchten ihm und seiner Frau das Leben so gut es ging zu erleichtern. So gut es ging hatte er mit seiner Frau während dieser schrecklichen Zeit intensiv gearbeitet. allein die Welt verlassen zu dürfen. noch würde er seine lebenslange Solidarität mit ihr bei diesem letzten Schritt brechen. verfasste Artikel. Der Gedanke an den gemeinsamen Selbstmord wurde immer beherrschender. unter denen auch Jaspers war. im Jänner 1946 wurde die Gesamtuniversität wiedereröffnet. Auch löste sein Ausschluss unter seinen Schülern und Kollegen große Entrüstung aus. Je länger der Krieg dauerte. das als Billigung des Regimes hätte verstanden werden können. die sie zwingen zu sterben. sie wolle nicht zugleich mich vernichten . ohne je ein Wort öffentlich geäußert zu haben. in die Öffentlichkeit zu treten. Am 30. Jaspers arbeitete unermüdlich. 'Wir Überlebenden haben nicht den Tod gesucht. Wir wissen vor Gott. Daneben edierte er auch eine Neufassung seiner 1923 erschienenen Schrift 'Die Idee der Universität'. aber die Bürde einer großen Schuld blieb auf Deutschland lasten.). Das Ziel einer konsequent entnazifizierten Universität stellte sich jedoch als illusorisch heraus. als unsere jüdischen Freunde abgeführt wurden. bis man auch uns vernichtete. verbaut. hielt Reden. Jaspers hatte den Krieg überstanden. am Leben zu bleiben mit dem schwachen. wenn auch richtigen Grund. die sich die Neubegründung der Universität zur Aufgabe machten. 'Ein Deutscher kann es nicht vergessen.mein Tod quält sie. töten auch mich. April geplant sei. Die letzten Jahre In Deutschland Der Krieg war vorüber. Neben einer Neubearbeitung der 'Allgemeinen Psychopathologie' schrieb Jaspers am ersten Band seiner 'Philosophischen Logik' ('Von der Wahrheit'). dass er mit seiner Frau sein Leben den Amerikanern verdankt gegen Deutsche. die im Namen des nationalsozialistischen deutschen Staates ihn vernichten wollten' (Aut 74). Mit dem Publikationsverbot war die letzte Möglichkeit. in der die Vernunft zum alles verbindenden Element wird. aber auch ohne je öffentlich Kritik an diesem geübt zu haben.bedauerte Jaspers nicht sosehr als die Tatsache. Deutschland gemeinsam mit seiner Frau zu verlassen. aber ab 1943 wäre es ihm nicht mehr möglich gewesen. Eines stand für Jaspers immer außer Zweifel. Er hatte sein Leben nicht aufs Spiel gesetzt und war bereit gewesen 'zur schuldvollen Passivität'. zusammen. dass sie stirbt ohne mich. was sich schon 1935 in seiner Vorlesungssammlung 'Vernunft und Existenz“ und 1938 in dem Buch 'Existenzphilosophie' ankündigt.

aber die Möglichkeit zur sittlichgeistigen 'Umkehr' lag bei jedem einzelnen Deutschen. In der philosophischen Analyse spaltet sich dieses ungegenständliche umgreifende Sein in sieben 'Weisen des Umgreifenden' auf: in das 'Umgreifende' des Daseins. weit ohne Erfolgsaussicht. parteilich ungebundenes und selbstkritisches Denken ermöglichen (vgl. des Bewusstseins überhaupt. Diesen Geist des Neubeginns und der moralischen und geistigen Neuorientierung forderte Jaspers nicht nur für die Universität.oder Völkerrecht gelten. sondern durch beides in einem als das. wie sie regiert werden. wirkliche Verbrechen unter den Tisch zu kehren und in die resignierte Passivität des Achselzuckens zu versinken. ungemein einfach. das unmöglich scheint. 1945 gründete Jaspers zusammen mit Dolf Sternberger die Zeitschrift "Die Wandlung.Universität' orientiert sein sollte. ohne in irgendeiner Form schuldig zu werden. Jaspers hielt eine solche Umkehr für unerlässlich. jene Räume des Wissens und Wissenkönnens zu erhellen. Etiot. woraus das Gegenständliche sowohl wie das auf dieses gerichtete Denken des Subjekts entspringt. nannte ich das Umgreifende. Die moralische Schuld betrifft die Handlungen des einzelnen Menschen.H. die als Natur. muss ein Denken vollzogen werden. Die Schuld wird am Ausmaß der Anwendung von Gewalt in der inneren und äußeren Politik. Als metaphysische Schuld bezeichnet Jaspers die solidarische Mitschuld und Mitverantwortung für das Böse. Dieses spricht weder durch das Objekt noch durch das Subjekt je für sich. des 15 . weil sie die jedem Denken zugrundeliegende Subjekt-Objektspaltung 'umgreifen'. auf die wir gerichtet sind. jener erste Band der 'Philosophischen Logik'. Bertolt Brecht. der doch wiederum. Wissenschaftlichkeit mit dem Wissen um die Grenzen aller Wissenschaft. andererseits um die Absteckung der Räume des Denkens. um die Schuld auszuarbeiten. in dem er vier Typen von Schuld unterscheidet. Martin Buber. was die Transzendenz ist zugleich des Bewusstseins wie des Seins. Eine solche Ansicht konnte nur dazu dienen. Carl Zuckmayr. In ihr veröffentlichten so renommierte Persönlichkeiten wie Hannah Arendt8. nicht 'verhindert. es gäbe eine Kollektivschuld. ein 'einfaches Anknüpfen an den Zustand vor 1933' durfte nicht geschehen. Als kriminelle Schuld bezeichnet Jaspers Verbrechen. Die politische Schuld erwächst aus den Handlungen der Staatsmänner und in der Konsequenz auch der Staatsbürger. dafür ist allein Gott die Instanz. die Mitverantwortung für die Art und Weise. Die politische Macht lag noch bei der Militärregierung. Geistige Unabhängigkeit sollte die neue Universität auszeichnen. und schließlich sollte die Lehr. die selbst nicht mehr gegenständlich gedacht werden können. die soviele Deutsche durch das Herrschaftssystem des Nationalsozialismus auf sich geladen hatten. sowie an der Anerkennung jener Normen. 1946 veröffentlichte der nunmehr politische Schriftsteller Jaspers sein Buch 'Die Schuldfrage'.und Lernfreiheit allen ein eigenständiges. W. Einerseits ging es Jaspers also um die Klärung der Formen und Methoden des Denkens.). für die dieser die Verantwortung auch in der Frage des Gehorsams gegen den Staat hat. Das. das auf der Welt geschieht. die als Gesprächsforum für die angestrebte Erneuerung gedacht war und bis 1949 bestand. 'in denen erst Wissen möglich ist. das Selbstverständlichste ist' (Aut 88f. Wir denken in Gegenständen. Thomas Mann.S. die alle Deutschen gleichermaßen betraf. tragen. In ihr ging es Jaspers darum. gemessen. RA 161-173). Er wehrte sich jedoch gegen die Auffassung. Dass der Mensch nicht leben kann. und das der einzelne Mensch. Ihre Instanz ist das Gewissen. Auden. Das ist ein schwierig zu vollziehender. Instanz für die Beurteilung solcher Handlungen ist das Gericht. Die Aufgabe aber der philosophierenden Grundoperation ist zu allen Zeiten. einmal begriffen. Humanität als 'die Ehrfurcht vor dem Menschsein'. an dem Jaspers während des Krieges gearbeitet hatte. 'Um in den Raum der Ursprünge zu gelangen. sondern beides in sich fasst. die als objektiv nachweisbare Handlungen gegen die Gesetze eines Staates verstoßen. sondern erwartete ihn vom gesamten deutschen Volk. das Philosophieren selbst erst klärender und eigentlich auch ermöglichender Grundgedanke. über das nur Gegenständliche zu transzendieren zu dem. die selbst aber nicht gewusst werden' (W 158). was weder Gegenstand (Objekt) noch Denkakt (Subjekt) ist. 1946 erschien die neubearbeitete 'Allgemeine Psychopathologie' und 1947 'Von der Wahrheit’. Jean-Paul Sartre und Albert Camus Beiträge. T.

Am 21. die 1948 in Buchform erschienen. der Welt und der Transzendenz sowie in die Weise des 'Umgreifenden der Vernunft'.. Seine Produktivität war ungeheuerlich. 1947 hielt Jaspers in Basel fünf Gastvorlesungen über den . 'Aber in dieser Zeit nach den zwölf Jahren der Verbrechen in der durch eigene Verantwortung herbeigeführten Katastrophe trat doch fast nur der egoistische Daseinswelle in Erscheinung. Vielmehr spürte Jaspers einen immer größer werdenden 'Abstand in der Denkungsart' zwischen seinen Kollegen und sich. Er fand „eine freie Luft' für sein Leben und seine Arbeit vor. Aus seinen Arbeiten zur Geschichte der Philosophie sei hier vor allem sein 1957 16 . aber hier und da geheime Wut und Bosheit.. und Jaspers selbst meinte. 800 . die mit einer scharfen Kritik an kirchlichen Institutionen und deren Machtansprüchen verbunden ist. die Studenten verehrten ihn und des öfteren kamen ihn Freunde besuchen. darunter vor allem Hannah Arendt mit ihrem Mann und Jeanne Hersch. interessieren. den er 1948 annahm.Geistes. sich nicht für den Gang der Dinge. Zunächst einmal suchte Jaspers ein Klima von 'Ruhe und Freiheit und nichts als Philosophieren . Von den Nazi-Massenmorden an Juden wollte man nichts wissen oder interessierte sich nicht dafür. In Basel fühlte Jaspers sich glücklich. Jaspers hielt seine Vorlesungen von 1948 bis zum Herbst 1961. und was wir darin tun können. der Existenz. was mir in Basel gelungen ist. ergänzt werden. Man nahm nicht Abschied von dem totalen Verbrecherstaat. zu dem wir geworden waren. 'Wir sind missbraucht worden. 1965 'Die kleine Schule des philosophischen Denkens'. aber nicht sich besinnen. Es war. gleichzeitig alle Grundkategorien späteren Denkens und alle Weltreligionen entstanden sind. Christus. nämlich eine Kategorienlehre und eine Methodenlehre. kam nicht zum Bewusstsein. um nur einen Teil davon herauszugreifen: Mit 'Vom Ursprung und Ziel der Geschichte' (1949) legte er eine moderne Geschichtsphilosophie vor. entfachte einen Sturm der Entrüstung. Basel Dass nun gerade jener Mann Deutschland den Rücken kehrte. nämlich von ca.er sollte die Nachfolge Paul Häberlins antreten -. im Zuge dessen Jaspers nicht gerade mir den feinsten Mitteln abqualifiziert wurde. Das wurde mit den Jahren schlimmer' (SchW 174).' Es gab selten eine Würde.philosophischen Glauben'. Sie wollten leben. 1967. die Fakultät und der Senat mit allen erdenklichen Mitteln zum Bleiben überreden wollten. 'Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung’ (1962) bietet eine intensive Auseinandersetzung mit der Religionsphilosophie. die das Band aller Weisen des Umgreifenden bildet. in Heidelberg tun können' (SchW 183). Und schließlich vermisste er zutiefst die von ihm sehnlich erwartete radikale Umkehr vieler Deutscher. Der erste Band der 'Philosophischen Logik' sollte später durch zwei weitere. Über die Gründe seines Abschiedes von Heidelberg äußerte sich Jaspers erst spät. Sie sind vielfältiger Natur. noch länger in einem Staat zu leben. sich nicht ändern. dass in einem annähernd gleichen Zeitraum. . also bis zu seinem 79-igsten Lebensjahr. deren zentrale These von der 'Achsenzeit' davon ausgeht.200 v. März 1948 verließ Jaspers Heidelberg. der zuvor vehement für eine sittlich-geistige Umkehr der Deutschen plädiert und bei dieser Aufgabe Vorbildfunktion erlangt hatte. er stieß auf kein Verständnis für die Probleme seiner Frau. als ob Stimmung und Charakter der Menschen sich überhaupt nicht geändert hätten. 'Die Frage: Warum gingen wir von Heidelberg nach Basel? ist trotz vieler Gründe am Ende nicht zu beantworten' (SchW 181). Außerdem war die ständige Konfrontation mit den Erinnerungen an die grausamen Ereignisse während der Kriegszeit für ihn und seine Frau voller Schmerz. 1950 erschien Jaspers' Radiovorlesung 'Einführung in die Philosophie'. Im selben Jahr erhielt er einen Ruf nach Basel. der Rektor. Was da grundsätzlich mit uns Deutschen durch uns geschehen war. der Stadtrat. Alle Nazis schoben die Schuld auf Hitler. obwohl ihn die Heidelberger Unterrichtsverwaltung. der sie und ihresgleichen in so grausamer Weise verfolgt hatte. beide sind nur bruchstückhaft im Nachlas vorhanden. Nie hätte ich das. An der Universität war auch keine Rede von jener geistigen Neugründung. die Jaspers mit aller Kraft angestrebt hatte. ohne Teilnahme an irgendeinem Willen zur Umkehr.

(vgl. ging Jaspers aber nicht näher auf den Brief ein. die ihn im Westen und im verstärkten Ausmaß im Osten. die Kandidatenauslese der Parteien. 17 . Aus Angst letztlich als Propagandamittel missbraucht zu werden. um Friedensbemühungen und -wünsche an der Basis zu unterlaufen und einer militärischen Elite Machtbefugnisse in die Hände zu spielen. die das Volk vom politischen Prozess ausschließt. Weiters spricht sich Jaspers in seinem Buch sowohl für die Abkehr vom obrigkeitsstaatlichen als auch vom nationalstaatlichen Denken aus. die Fünf-Prozent-Klausel. Damit war für Jaspers klar. Zur Kritik meiner Schrift 'Wohin treibt die Bundesrepublik?" (1967). Diese ergibt sich für Jaspers aus der Gefahr der Selbstvernichtung des Menschen durch den Atomkrieg und/oder aus der Gefahr der Errichtung eines weltweiten totalitären Herrschaftssystems. dass die von ihm geforderte radikale Abwendung vom nationalsozialistischen Verbrecherstaat nicht in dem von ihm gewünschten Maß stattgefunden hatte. Das Klima verschärfte sich mit seiner 1960 erschienenen Schrift 'Freiheit und Wiedervereinigung'. in dem die Möglichkeit der Freiheit und Selbstverantwortlichkeit des Menschen ein für allemal verloren geht. sondern bestätigte nur höflich seinen Empfang.letzteres war ja schon in seiner Kritik am Wiedervereinigungsgedanken deutlich geworden.10 Auf die sachlichen Reaktionen auf sein Buch antwortete Jaspers mit der Schrift 'Antwort. Ulbricht ging in einem Brief aber weniger auf Jaspers' Buch ein. das nur einen Teil seines immensen Projekts einer 'Weitgeschichte der Philosophie' darstellt.9 Obwohl Jaspers nun in Basel beheimatet war.a. bei der eine Verjährung von Naziverbrechen in Erwägung gezogen wurde. die volksverdummende Reklamewerbung bei Wahlen u. Als er sich jedoch 1960 in einem Interview mit Thilo Koch gegen die geschichtliche Berechtigung der Wiedervereinigung aussprach. 'So sieht Jaspers in den Notstandsgesetzen ein mögliches Mittel. Er verlangte sowohl die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als auch die der DDR als eines eigenen deutschen Staates. dass eine dieser Reaktionen aus Ostdeutschland kam. Seinen Unmut äußerte er 1965 in seinem Buch 'Wohin treibt die Bundesrepublik?'. Weitere wichtige Teile davon wurden 1981 von Hans Saner aus dem Nachlass herausgegeben. als auf die Möglichkeit einer Aussprache zwischen SPD und SED. G. die staatliche Parteienfinanzierung. Interessant ist. die mangelnde Effizienz der parlamentarischen Kontrolle bei politischen Skandalen. kritischen Interesse. Als Symptome für das Entstehen einer Parteienoligarchie. der bürgerliche Klassenfeind war zum 'Handlanger des Kommunismus' geworden. . Walter Ulbricht. Wieder fordert Jaspers die Selbstbesinnung der Menschen anhand dieser Grenzsituation und ihre sittliche Umkehr. Zudem war mit K. verfolgte er die Entwicklungen in der Bundesrepublik mit großem. Seine Polemik gegen den Parteienstaat ähnelt in vielem der Kritik von R. der Parteienprotektionismus bei der Vergabe von Staatsposten. für die Jaspers in der Zeitung 'Weit am Sonntag' plädiert hatte.erschienenes Buch 'Die großen Philosophen' hervorgehoben. warnte er vor der Entwicklung der Bundesrepublik zum autoritären Staat. Anlass dazu war wohl die Verjährungsdebatte des Bundestages.11 Zu dieser Zeit schloss Jaspers wohl auch innerlich mit dem politischen Fall Deutschland ab. BR 130)'. Statt dessen zog er sich die Kritik der Linken zu. als Philosophen der CDU und Nato sowie als einen von bürgerlicher Dekadenz geblendeten Klassenfeind abqualifizierte. die jeder freiheitlichdemokratischen Staatsauffassung zuwiderlaufen. Was seine Kritik am obrigkeitsstaatlichen Denken betrifft. Kiesinger ein ehemaliges NSDAP-Mitglied im Rahmen einer CDU-SPD-Koalitionsregierung zum Bundeskanzler gewählt worden. das konstruktive Misstrauensvotum. Darin geht Jaspers in Weiterführung seines philosophischen Konzepts der Grenzsituationen aus der 'Philosophie' davon aus. Sein 1958 erschienenes Buch 'Die Atombombe und die Zukunft des Menschen' erregte großes Aufsehen. Auch Jaspers' viel zu wenig beachtete politische Schriftstellerei erlebte einen Aufschwung. zog er sich gleichermaßen den Zorn der Rechten zu. sie machte ihn gleichsam zur öffentlichen Person. dass die gesamte Menschheit in einer universalen Grenzsituation stehe. und zwar vom damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR und Parteichef der SED. die jedoch wenig beachtet wurde. werden angeführt: die Bildung einer Koalition der Großparteien. Michels an den Funktionärsoligarchien im Parteienstaat.

dem im September ein zweiter und im Oktober ein dritter folgte. In den nächsten beiden Tagen wurde er immer schwächer. obwohl er bereits bewusstlos war. den er immer wieder selbst diagnostizierte und verstehen wollte.c. Seinen 80-igsten Geburtstag am 23. die Jaspers. és lettres der Universität Genf ernannt worden. Von seinem Gehalt allein hätte er nie leben können. . Ich war wie ausgeliefert und konnte das Geschehen nicht durchschauen.Abschied Für Jaspers und seine Frau war Basel zur neuen Heimat geworden. Weil ich das weiß. für die er im Augenblick jeden Maßstab verliert. die durch einen ersten Schlaganfall im August verstärkt wurde. Ich bin froh.Aber ich will ihnen sagen. liebevoll besorgte Haushälterin Erna Möhrle.12 Ab November wurde sein Zustand immer schlechter. von denen allein Jaspers die Ordensauszeichnung der Bundesrepublik ablehnte. in das er sich auf Beschluss von Bund und Kanton für 3000 Franken einkaufen durfte. März auf dem Friedhof 18 . und er hatte ein medizinisches Interesse am eigenen Krankheitsverlauf. kann ich das Geschehen hinnehmen . Eine beginnende Atrophie der Oberund Unterschenkelmuskulatur führte dazu. die für ihn der 'Clou des Geburtstages' war. es könnte nochmals eine Besserung eintreten. Er war sich bewusst. Zudem trat eine Schwächung seines Gedächtnisses ein. neben motorischen Aphasien traten aufgrund der starken Schlafmittel auch Wahnvorstellungen auf. Einzig ein persönlicher Assistent wurde ihm zur Verfügung gestellt. mussten die Cortisondosen möglichst gering gehalten werden. Da ständig die Gefahr von Darmblutungen bestand. und auch ihn konnte er nie für sich allein beanspruchen. Seine Frau saß an seinem Bett. und auch an wissenschaftlichen Hilfskräften mangelte es. obwohl Basel nicht allzu viel für ihn tat. was eine weitere Reihe von Ehrungen zur Folge hatte. er war dankbar für alle Neuigkeiten. Da liegt einer. als der Arzt am 26. Begraben wurde Jaspers am 5. Bei mir geht ein Prozess vor sich. und dann widerfahren ihm Dinge im Alter. h. in der Hoffnung. sodass Jaspers nur mehr für kleine Zeitspannen schmerzfrei war.c. sobald er sie in Momenten der Klarheit erkannte. h. als er 85 Jahre alt wurde. der in der Jugend eine Psychopathologie geschrieben hat. Ab 1965 verschlechterte sich Jaspers' Gesundheitszustand zunehmend. durch eine Reduzierung der Schlafmittel erfolgreich bekämpfte. dass ich es erleben darf'. Es war ihr Geburtstag und dauernd trafen Blumen ein. die Saner ihm von der Universität und der Welt der Philosophie brachte. der Universität Paris und zum Dr. Schon 1958 hatte er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Nach einer vorübergehenden körperlichen Besserung im Dezember trat im Februar ein erneuter Schlaganfall auf. kann das Alter und die Krankheit alles Mögliche bringen. die das letzte Zeugnis seiner gelebten Philosophie waren'.ohne nur Opfer zu sein. dass sein Tod nahe bevorstand. war Ehrenmitglied der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt geworden und Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences in Boston. Ich bin machtlos gegen ihn. Februar um 13 Uhr 43 seinen Tod feststellte. Februar verbrachte er noch in einer heiter ruhigen Stimmung. mit welcher philosophischen Haltung man mir gegenüberstehen soll: Wenn man bald neunzig ist. da mein Schicksal ironisch wird.13 Trotz seiner Krankheit war Jaspers an seiner Umwelt noch lebhaft interessiert. In einer solchen klaren Phase sagte er zu Saner: 'Nun kommt die Zeit. sodass er sogar einige Freunde empfangen konnte. durch den Jaspers nun beidseitig gelähmt war. dass er bald nur mehr am Stock und später mit einem Gehbock aus Leichtmetall gehen konnte. und das. Zu den chronischen Bronchiektasen und der Divertikulose des Dickdarms war eine rheumatoide Arthritis der rechten Hand getreten. 1967 bewarb er sich um das Basler Bürgerrecht. Seine Emeritierung erfolgte 1961. Nach gemeinsamen Überlegungen mit seiner Frau hatte Jaspers die Möglichkeit des Selbstmords verworfen und war nun dazu bereit. auch die letzten Phasen seines Krankseins zu erleben 'mit einer Souveränität und Würde. Auch diese Zeit meines Lebens hat ihr Schönes an sich. Besondere Freude machte ihm seine langjährige. die Jaspers das Schreiben erschwerte. Das Schreiben wurde ihm zunehmend schwerer und ab 1968. musste er auf größere literarische Arbeiten verzichten. 1959 hatte er den Erasmuspreis erhalten und war zum Dr.

Denken im Blick auf Max Weber. Erste Aufschlüsse darüber gibt: Dieter Henrich. 2) Hans Saner. 19 . München 1978. München 1985. ich weiß nicht woher.'manche seiner Sätze . S. S. einen Spruch aus dem Mittelalter zitierend: 'Ich komme. beschreibt Jaspers in seinem Buch 'Philosophische Autobiographie'. In: Jeanne Hersch.. in einem Reihengrab. der 1985. Anmerkungen 1) Renato de Rosa. S. in das Sachliche und in das Stilistische' ging. 47 . Geburtstag in Basel und Heidelberg. 3) Ebda. 5) Es ist noch weitgehend ungeklärt. (Hrsg. Notizen zu Martin Heidegger. In: Klaus Piper u. in welchem Grad Jaspers bei seiner in 'Die Atombombe und die Zukunft des Menschen' vorgetragenen Totalitarismuskritik wichtige Gedanken von Arendt übernommen hat. Karl Jaspers in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten... Dabei ist nach wie vor fraglich. Hans Saner. ich weiß nicht wohin. Hannah Arendt . München 1985. München 1986. 10) Kurt Salamun. Symposion zum 100.O. 106. und zu dessen deutscher Ausgabe 'Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft' (1955) Jaspers das Vorwort verfasste.). Erinnerungen an Karl und Gertrud Jaspers. wenn auch ungleich kritischeren Weber-Bildes gewandelt hat. v. ich weiß nicht wer. 6) Den Einfluss seines Freundes Ernst Mayer auf seine 'Philosophie'. 9) Vgl. und weiche Konsequenzen dies für sein Verständnis von Webers Werk mit sich bringt. Es wäre sicherlich eine wissenschaftlich ergiebige Aufgabe zu untersuchen. in welchem Ausmaß sich Jaspers' Einschätzung von Max Weber in späteren Jahren zugunsten eines neuen. Karl Jaspers. politischer Denker. korrespondierte. Wie Jaspers oft sagte. 22.a. Ich sterb'. was zu zahlreichen Besuchen führte. 10 Jahre nach Arendts Tod. .Hörnli. deren Buch 'The Origins of Totalitarianism' 1951 erschienen war. wie stark Jaspers in seinen politischen Urteilen von Arendt beeinflusst wurde. Hans Saner). München 1974.). 118. München 1977. Karl Jaspers. Einen differenzierteren Einblick in das seht ambivalente Verhältnis von Martin Heidegger und Karl Jaspers wird erst die Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen beiden ermöglichen. 207-231. Karl Jaspers. waren über alt die Jahre mit der Familie Jaspers in brieflichem Kontakt und wurden während Jaspers' Zeit in Basel zu deren vertrautesten Freunden. S. 4) Ebda. dass ich fröhlich bin' (Ch 12). S. die ihn bewegten. Arzt. S. Briefwechsel 1926-1969. Philosoph. die gerade von Hans Saner und Walter Biemel vorbereitet wird. sie versuchte nicht nur durch die Publikation seiner Nachkriegsaufsätze seinen Namen in den USA bekanntzumachen. 61. Hans Saner (Hrsg. 8) Hannah Arendt war eine Schülerin von Jaspers. 28. sondern sie war es auch. a. mit der Jaspers ab 1945 über alte politischen und philosophischen Fragen. S. die von Tagen und Wochen intensivster Gespräche geprägt waren.).. Ich bin. Ich geh'. herausgegeben wurde.Karl Jaspers. 129. die 1928 bei ihm promovierte und 1941 in die USA emigrierte. differenzierteren. Hamburg 1970. der 'bis in den Aufbau der Kapitel. Hannah Arendt versorgte Jaspers nach Kriegende nicht nur laufend mit Lebensmittelpaketen. ich weiß nicht wann. Jan Milic Lochmann.53. Hans Saner (Hg. Heinrich Bluecher. das er lang zuvor gekauft hatte. 7) Vgl. S. Lotte Köhler. Erinnerungen an Karl Jaspers. Sie und ihr zweiter Mann. gingen in meine 'Philosophie' über' . Reiner Wicht (Hg. Mich wundert's. Davon zeugt auch der umfangreiche Briefwechsel zwischen Jaspers und Arendt.

wurzelgebundenen. * 20 .tritt. Er fühlt sich seines materiellen und seelischen Nährbodens beraubt.11) Jaspers' Artikel in der 'Welt am Sonntag' ist ebenso wie Ulbrichts Brief und Jaspers' Antwort darauf abgedruckt in: Karl Jaspers. Wahrheiten. trotz 'Gottes'. Erinnerungen an Karl Jaspers. heroische Einsamkeit des Menschen. . Wer aus der primitiven als absolut empfundenen Form gesellschaftlichen Daseins ausgestoßen ist. richtet eine Distanz auf. Jg. und zwar unter dem Titel 'Einsamkeit.entweder zurück zum bloß gesellschaftlichen Dasein unter Aufgabe der Individualität. unbeweglichen und festbestimmten Sein gleichsam in animalischer Beweglichkeit den verschiedenen Daseinsmöglichkeiten gegenüber. Insofern der Mensch Gesellschaftswesen ist . 147/1983 . der seine Leistung und sein Schicksal erfüllt trotz der Gesellschaft und trotz der Welt gegenständlicher Forderungen. sich verstehend mit dem Drange: die Individualität zu erhalten und zugleich der Einsamkeit zu entrinnen. 321. sondern darauf. empirische Prius ist -. München 1967. anschließt.fac. gibt es nichts. zumal für jede menschliche Existenz das Sein als Gesellschaftswesen das zeitliche. Nr. Kirchen und solcherart Gemeinschaften. Einsamkeit kann es nur geben. Die Herausgeber danken Herrn Dr.indem er sich. Aufgabe der Einsamkeit ist Aufgabe des Ich. 323.fühlt sich nicht als Individualität. zu anderen Individuen. der Jaspers' öffentliche Reaktion auf Ulbricht darstellt. das irgendwie selbst. der er nicht mehr angehören darf. 37.bewusst gegenüberstellt. 390. aber gibt es beides. sich verzerrend. Ein Verständnis erfolgt gegenseitig ganz unproblematisch mit vollkommener Sicherheit. München 1974.und wir alle sind es zu erheblichem Teil.). bedingungslos sich opfernd. wenn es sich damit gleichzeitig den Inhalten. fühlt sich vielleicht wie tot. Erst wenn der Mensch sich seinem gesellschaftlichen Dasein als selbstbewusstes Individuum gegenüberstellt. zu der er sich zurücksehnt.409. entsteht Einsamkeit: und zwar einerseits gewollte. Wer „Ich“ sagt. wo es Individuen gibt. Forderungen. 151-167. Antwort. aus der der Mensch herausstrebt. in: Revue International de Philosophie. rechtlos und vogelfrei ist . an sich. wenn es im Gegensatz zu seinem früheren pflanzenhaften. auf eigene Verantwortung möglich ist. In: Klaus Piper u. Außerhalb der Sphäre dessen.die Lust zur Individualität und damit den Drang in die Einsamkeit und das Leiden an der Individualität und damit den Drang aus der Einsamkeit. 31 Karl Jaspers Einsamkeit* „Ich“ sein heißt einsam sein. sondern lebt noch ganz in jener Einheit. Auch ist dort jener Aufsatz aus der 'Zeit' abgedruckt. Hans Saner für die Abdruckgenehmigung in diesem Band. Zur Kritik meiner Schrift 'Wohin treibt die Bundesrepublik?'. S. 12) Hans Saner. 13) Eb da. ob einer sich als Individuum fühlt und weiß. Individuelles Leben und soziales Leben ist hier dasselbe. (Erschien Dieses Manuskript aus dem Nachlass (Vortrag 1915/1916: Individuum und Einsamkeit) wurde erst einmal. Irans Saner (Hg. S. veröffentlicht.der Weit des Gegenständlichen . fühlt sich nicht in unserem Sinne einsam. aber nicht als einsames Individuum. worin das Verständnis eben allgemein einfach da ist. 4.oder drängend zur Kommunikation mit anderen Menschen. Sterben können. S. zieht einen Kreis um sich. Dabei kommt es immer nicht auf das Individuum-Sein an. festen Organisationen. andrerseits erlittene Einsamkeit wider Willen. Leistungen . Wo es Individuen gibt. ist er nicht als Individuum seiner Besonderheit bewusst und ist er nicht einsam. S.

und wenn es existiert. 'Eindrucksich'. Am Ende der unendlichen Bewegung mag die Idee einer Totalität des Ich. 'Leistungsich'. eine Kommunikation jenseits aller besonderen 21 . erreichen. was wir meinen. kennen wir es nicht. tun. eine Auffassung von uns. der Identität und Kontinuität. ein Weg. den Problemen selbst kommen wir nur näher. in dem die Totalität von Ich und Du ergriffen. um überhaupt in Aktion zu treten. Wenn wir für unser Ego etwas wünschen. ordnen kann.die Beziehung von Einsamkeit und Individualität anfangs als Tautologie. in welcher gegenständlichen Sphäre vollzieht sich die Kommunikation? Etwa in der intellektuellen. sondern nur seine Oberfläche der verschiedenen Egos. der Einfachheit). der Aktivität. eine Sammlung verschiedener Egos. der nur Sinn in der Analyse konkreter Einzelfälle hat.als etwas momentan Lebendiges und potentiell vielleicht einmal Wieder. dies Werk hat Geltung überhaupt. dass wir als Ich immer ein Schema. Mit solchen abstrakten Formeln kann man wohl den weitesten Bereich des uns interessierenden Problemkreises abstecken. er schafft sein Werk allein. Dagegen gibt es das subjektive Erlebnis . 'sexuelles Ich'. die uns zum Schaden des eigentlichen Ich mehr interessieren als unser Ich selbst. usw. aber damit macht das Ich selbst einen Wandlungsprozess durch. der erotischen. Jene im allgemeinen formulierte Bewegung müssen wir uns gleichsam an einzelnen Punkten erstarrt denken. so tun wir es für eins oder mehrere dieser Auffassungsschemata für unser Ego. der ethischen Sphäre usw.? Denn die Kommunikation geschieht nur durch das Medium gemeinsamer Gegenständlichkeit hindurch. infolge dessen das neue Ich wiederum einsam ist – „nur wer sich wandelt. der Versuch direkter Gemeinschaft .Wenn wir uns klar zu machen suchen. (So ist zum Beispiel ein Gegensatz zwischen der Einsamkeit des intellektuell-kontemplativ Schaffenden und der Einsamkeit des Aktiven. und so fort ohne Aufhalten. eines abgeschlossenen Ich in vollendeter Kommunikation stehen .aber wenn dieser Weg einmal betreten ist. so ist unser inhaltliches Ichbewusstsein schwankend. Der Aktive ist auf Gegenwirkung und Mitwirkung der Menschen angewiesen. deren Erfüllung diese Tautologie aufheben würde). das Leben Begleitendes -.meinen: wenn wir von den formalen Eigenschaften des Ichbewusstseins absehen (des Ich im Gegensatz zu Außen. Dazu helfen dem konkreten Einzelfall gegenüber vielleicht zwei in gegenseitiger Korrelation stehende Gesichtspunkte: 1) Wir können der konkreten Tatsächlichkeit gegenüber erstens fragen: welches 'Ich' ist einsam? . vielfach. wissen wir nicht. wenn wir uns bemühen. ist die Einsamkeit faktisch niemals mehr als für Augenblicke aufzuheben. die man zum Beispiel in Gruppen als „soziales Ich'. einen Teil. so sehen wir in einen Abgrund: wir bemerken alsbald. so zeigt sich hier eine Aufgabe. der Kommunikation in einzelne Sphären wäre einzuwenden: jemand kann für alle seine Egos in dem gemeinten Sinn und in allen Sphären in Beziehung zu anderen Individuen stehen und ist doch subjektiv und objektiv einsam. eine Art . wenn wir 'Ich' und 'Du' sagen. um die Möglichkeiten der Einsamkeit und der Aufhebung in Kommunikation zu fassen. in der er sich beruhigt auch ohne Widerhall (Spinoza).Wir würden also die Arten des Ich kennen lernen und damit die konkreten Einsamkeiten erfassen müssen. daraus entspringt ein neues Hinaustreten zu anderen aus der neuen Icheinsamkeit hinaus. Er ist absolut einsam ohne Widerhall. kann nicht schaffen und kann keine Einsicht in Geltung seines Tuns haben (es sei denn durch Wahnbildungen). Gegen solche Auflösung des Ich in einzelne Egos. bleibt mit mir verwandt“ -. sie langsam konkreter zu fassen. Ob ein Ich an sich existiert.kehrendes.vielleicht dazu ganz falscherweise . wenn wir uns fragen: was ist 'Ich'? wer ist 'Ich'?.zerfließt im Nichtigen. Damit gerät der Mensch in eine unvermeidliche und unendliche dialektische Bewegung: er hebt in Kommunikation mit anderen seine Isoliertheit als Ich auf. 'Körperich'. 'Augenblicksich'. .der sich doch immer wieder zufällig aufgelesener Gegenständlichkeiten bedient . 2) Wir können fragen. Der erstere kann allein sein.

fördern.natürlich nicht entschleiert. Dieses Verstehen ist praktisch. Sodass es alle möglichen bewussten Maßnahmen gibt. wird sich kaum als ein solches Erlebnis erfassen lassen. so unmittelbar mit dem andern mitzuleben. lassen sich etwa in die Kategorien des Verstehens.jede Reflektiertheit. sodass er ohne weiteres. in ihr zu verharren-.gen. 1) Das Verstehen ist eine . Man könnte sie als einen Grenzfall definieren und an ihrer realen Existenz zweifeln. Sichrechtfertigen. oder umgekehrt. Sie sind Sache des Schicksals. metaphysische Deutung würde in solchen Erlebnissen die Existenz eines 'Ich an sich' erwiesen sehen und in solchen Kommunikationen dieser Iche hinter allen den Egos des Alltags vielleicht metaphysische Vorgänge erblicken. wie das instinktive Jonglieren oder Billardspielen zu dem physikalischen Berechnen und Analysieren der mechanischen Bedingungen und Möglichkeiten. als eigentliche Kräfte fassen.Gegenständlichkeit wenigstens subjektiv erlebt wird. von sich und vom andern nichts zu sagen weiß. Die Motive des Drangs zur oder aus der Einsamkeit im einzelnen Falle. Das instinktive Verstehen bedeutet eine unmittelbare Kommunikation. dass er immer gleichsam am Hebel der Seelenmaschine sitzt und nicht wirkungslos an peripheren Teilen anfasst. ist zweifelhaft. hinter dem tiefliegende Kräfte der Seele wirksam sind. als ob er es selbst wäre. die hinter den Motiven stecken. Sie sind auch im einzelnen konkreten Falle nicht etwa objektiv erkennbar. eingreifen. Solche Erlebnisse sind nicht durch Willen zu erreichen. kann aber Mittel für spätere Kommunikation 22 . die Motive zu dieser Aktivität in den Voraussetzungen. Das Geheimnis solcher Erlebnisse wird dadurch . durch ihre prägende Wirkung für den Menschen als etwas gekennzeichnet.aber nicht in anderer Weise wie bei allen psychischen Erlebnissen . und alles Konkrete. als Grundlagen der Macht und der Liebe. der Einsamkeit zu entrinnen: Beichten. Täuschen. Eine objektive. würde man zunächst durch die Frage nach der Art des Ego (welches Schema der Ichauffassung) und die Frage nach der oder den Sphären der Kommunikation auf begrenzte Möglichkeiten einschränken. gleichsam. Bedürfnisse. sondern es besteht in Wechselwirkung eine Kommunikation so unmittelbarer Art.dem Grade und der Breite nach in der Anlage sehr verschiedene Fähigkeit des Menschen. ohne alle Reflexion. das der Analyse unterworfen wird. Konflikte entstehen. Maske vornehmen usw. identifizierbar. dass als Basis eine Kommunikation im Gegenständlichen da ist. dass er instinktiv immer. hemmen kann auf solche Art. weiß. jeder Eingriff würde sie im Kern zerstören. Im Gegenteil.Ob solches außerhalb der Geschlechtsliebe vorkommt. Schweigen. Motive. einwirken. durch Willen zu Störendes. Es hat nur subjektive. Die Kräfte. wenn sie mehr sein wollen als ein unverbindlicher Ausdruck des Erlebten in Form des 'als ob'. . dass als Basis jedenfalls auch viele der oberflächlichen Egos zueinander in Beziehung getreten sind. führen zu nichts für die Erkenntnis Relevantem. gar nicht rationale. dass etwa der Verstehende befragt. Mehr oder weniger haben alle Erlebnisse und auch die Erlebnisse der Beziehung von Seele zu Seele etwas Unwillkürliches. in nachträglicher Besinnung unheimlicher Charakter kommt in Goethes Versen an Frau von Stein zum Ausdruck: 'Denn Du warst in abgelebten Zeiten meine Schwester oder meine Frau'. Eine im Bereiche der uns zugänglichen Gegenständlichkeiten verharrende Betrachtung würde nach Bedingungen für solche Erlebnisse suchen und jedenfalls finden. was im andern für Gefühle. Der Erlebende braucht solche Formeln und Glaubensinhalte nicht. unsere bewussten Lenkungen und Entschlüsse wenigstens mit. Aber bei allen anderen wirken doch in der Grundlage unsere aktiven Impulse. hebt selbst die Kommunikation auf. Solche Deutun. Es verhält sich zum Verstehen. in dem mir ein anderer Mensch Gegenstand wird. bejahen. gar keine objektiven gewissen Merkmale. das gegenständliche Verstehen rückt den andern in Distanz von mir. Siechaussprechen. Ihr im Augenblick völlig selbstverständlicher. Es ist nicht gegenständlich. Solche Erlebnisse sind faktisch: sie sind durch die Ergriffenheit des Menschen durch ihre Nachwirkung. verneinen. in gegenständlichen Formeln Auskunft zu geben. oder besser. gar nicht reflektierte Evidenz. wie mystische Erlebnisse. In solchem Verstehen ist der andere Mensch mir nicht Gegenstand.

eine Gesinnung. Der Herr dagegen entrinnt der Einsamkeit. Bricht in einem solchen Typus doch das Bewusstsein der Einsamkeit durch. sondern in der gänzlichen inneren Beziehungslosigkeit bloßer Gewalt. Er will letzthin nicht mehr Individuum. die er von ihm erwartete. die Aufgabe. dass er nicht die Qualitäten hat. der Forderungen und des Trinkgelds. dass der Herr doch nicht ewig und unverletzlich Herr ist. Das Verstehen ist keine eigene Kraft. sondern immer ein richtungsbestimmtes. als alles ein Teil von ihm wird -. Er steht in seiner Gesinnung im Gegensatz zu dem Menschen. für den Machtwillen und die Liebe. die er doch nur in seiner Erweiterung zur Welt zur Welteinsamkeit steigern will . Wobei zu bedenken wäre. zerstören zu müssen. von daher findet er sich mit den Mängeln des Unterwerfungszustands in dieser Weit. Von diesen Kräften suche ich für zwei.werden. eine Voraussetzung. sondern zerstört.ist Basis und Medium für die Kräfte der Beziehung zwischen Menschen. aber auch gelten lässt. indem er seine Einsamkeit zur Welleinsamkeit steigert. der vor allem erst einmal er selbst bleiben oder werden will. der ihm ebenbürtig ist. Wenn ich Sklaven als Vieh halte und als Werkzeuge benutze. Die Instinkte sind analog.oder von LiebesInstinkten sein.ob instinktiv oder gegenständlich . indem er alle andern assimiliert. und mag dies Selbst auch nur ein Sandkorn gegenüber einem Felsen sein. Seine Einsamkeit findet im Religiösen ihr Ende. wenn der erfahrne Schneider ganz reflexionslos die Bedürfnisse seines Kunden. wo er nicht assimilieren kann. es kann im Dienste ganz momentaner. Er muss ganz auf sich stehen. So legt er eine Wüste um sich. und er empfindet es als eine Tragik. sondern das Dasein anderer nicht Assimilierter. gleichsam für sich ein Teil. 23 . der den Ueberwundenen noch irgendwie in seinem Reiche gelten lassen will. In der Güte gegenüber dem Untergebenen.worin die ursprüngliche Einsamkeit nur insofern aufgehoben ist. wenn es irgend geht. wenn ich mich irgendwie an seelische Kräfte im andern wende. die dem Vorigen als stolzer Hochmut das schlechthin Böse sein muss. was im Holofernes typisiert ist: er sehnt sich nach einem Feinde. mit dem er nichts zu tun haben will. stehe ich zwar nicht in diesem Machtverhältnis. einem Gewaltherrscher unterwirft. einer katholischen Kirche. den er übrigens als Unterwerfungszustand bejaht. der andere ist. praktischer Bedürfnisse stehen. indem er sein Ich zu einem Riesenorganismus. Der sich Unterwerfende muss erfahren. Er entrinnt der Einsamkeit. Er unterwirft sich daher statt einem Menschen einem Gott oder der menschlichen Institution. sie als Teile von sich unterwirft. erweitert. ab. die die Einsamkeit irgendwo aufhebt. Das instinktive Verstehen kann die Basis von Macht. Das Verstehen . Formeln: von ihnen aus werden die entgegengesetzten Typen des unbedingten Drangs aus der Einsamkeit und zur Einsamkeit begreiflich. indem er sie in Abhängigkeit von einer Autorität. Der Machtgewaltige gewinnt nicht die Herrschaft über alles. Er bewahrt Individualität im Peripheren. was er achten kann. ob er sich einem Führer. In keinem von beiden Fällen ist das Verstehen ein totales. die mögliche Höhe der aufzuwendenden Kosten. dass Einsamkeit als solche ja nur ein formales Verhältnis ist und der Gegenstand des Drangs nicht die Einsamkeit oder die Kommunikation. einem Meister. Beide können dies Ende nie erreichen. um ihn als Ueberwundenen. im letzten Augenblick noch ritterlich als Retter. B. z. der Kellner Geschmack. sondern Teil sein. wo seine Einsamkeit zu Ende sein könnte. in der Demut gegenüber dem Herrn gibt es beispielsweise solche Kommunikation. 2) Die Macht bringt die Menschen in Kommunikation auf ungleiches Niveau. sondern inhaltlich der Mensch. oder dass er ihn nicht als einen assimilierten Teil gelten lässt. so kann er äußersten Falles erreichen. Er erlebt in der Assimilation von Menschen die Richtung dahin. Ihr steht nicht das Alleinsein im Wege. außerhalb deren nichts mehr ist. zu erhalten. die von diesem Gott abgeleitet wird. einem Herrscher bringt und darin vergeht. trotzt selbst Gott. die je nach ihrer Entwicklung alles folgende beeinflusst. in dem alle andern Teile von ihm selbst sind. bei seinem Gaste fühlt etc. ist. in der Wurzel hat er sie aufgegeben. die Schöpfung. wohl aber. Auf entgegengesetzte Weise entrinnen hier beide der Einsamkeit: der eine entrinnt seiner Individualität.

weil von ihnen immer gesprochen wurde. sondern Prüfung. der König könnte sich damit nicht zufrieden geben. ungleich als lndividualitäten müssen Liebende sein. Voraussetzung. Nicht zu unterwerfen. Aber als so konstruierter Typus ist sie gewöhnlich nicht vorhanden. keinerlei Höherstellung. Gleich im Sinne der Machtverhältnisse. was zuvor ungleich war'.'. Abrücken. Der Kampf in der Liebe bedient sich nicht aller Mittel.Hier ist das Bedürfnis nach dem andern auf dem gleichen Niveau in der paradoxen Form der Sehnsucht nach dem Feinde da.): 'Denn erst in der Liebe wird das Verschiedene gleich gemacht. Der Kampf um Macht will Unterwerfung und Assimilation. was der König eben vergessen wissen wollte: dass er König war und sie nur ein armes Mädchen . die konkreten Erscheinungen schneller und präziser aufzufassen: Wenden wir uns nunmehr direkt an unsere unmittelbaren Erfahrungen. Und sie entbehren der konkreten Anschaulichkeit. Aber ich glaube. typischen Gesichtspunkte dienlich sind. gibt der Liebe ein weiteres Charakteristikum. Geschichte vom König und Mädchen: 'Einsam bewegte dieser die Sorge in seinem Herzen: ob wohl das Mädchen nun auch glücklich werde. dass die Liebenden einander nicht bekommen können. sondern darin. sondern Offenheit.. Wechselseitigkeit ist überall Bedingung.. aber halb erlebt als Ausdruck unseres Macht. wenn sie in Liebe gleichmacht.. es ist ein Trotz im kleinen. wenn sie das gleiche vereint. ob es Freimütigkeit genug besitze. einen Wertakzent für die Einsamkeit und andrerseits ein leidenschaftliches oder verzweifeltes Drängen aus der Einsamkeit.und Eigenwillen-Instinktes: es liegt darin ein Distanznehmen. Aus ihrem Wesen ist es zu verstehen. Nur hier nimmt das Verstehen diese Richtung auf Totalität an. welche Sachlichkeit erfüllt ist. Dass das Verstehen zur Totalität drängt. was Kierkegaard schreibt (6. Dieses Unglück trifft die Liebe ins Herz und verwundet für eine Ewigkeit'. recht vergnügt sein möchte.. denn wahrhaft unergründlich ist erst die Liebe. Seine Moral ist: die Sache und das Individuum sprechen zu lassen. ein trotziges für sich Sein gegenüber den Menschen. Sie sind ganz einseitig und ins Extrem getrieben. um nie sich an das zu erinnern. Leicht schlägt zwar dann die Liebe um in Güte und Ritterlichkeit. als sie zu verlieren . eine Aufhebung der Einsamkeit ohne Vernichtung.. die sich nicht mit dem begnügt. der Hinterlist. sondern zu erwecken. der Täuschung. ihr Wohltäter zu sein. eben weil er sie liebte. Das formale Resultat ist die Hauptsache. aber damit sind Machtinstinkte . absolutes sei. Etwas umgedeutet würde dem Gesagten entsprechen. 'Denn die Liebe jauchzt auf. dass sie einander nicht verstehen können . erst in der Gleichheit oder in der Einheit ist das Verständnis vorhanden'. Alle Würde der Einsamkeit hat bei uns eine doppelte Quelle: Es ist der letzte Abglanz eines erweichten heroischen Menschentypus in uns. als ob das wirksame und gemeinte Ich ein totales. vielmehr mit Entwicklung der Individualität. wie er im großen beim Herrn dem Gott 24 . dass es zu Nichts würde. . Er bedient sich unbedenklich aller Mittel. dass die gewonnenen. wenn auch in ganz anderer Weise. Gewalt ist das Entscheidende. die sich damit gegenseitig auf vollkommen gleiches Niveau stellen.. und weil es ihm schwerer wäre.'Das Unglück liegt nun nicht darin. was der Gegenstand der Liebe in seiner Torheit vielleicht als seine Seligkeit preisen möchte. die Würde der Einsamkeit wird Naht. ist gleichgültig. dass der Liebende keine Anbetung. so finden wir im Leben überall eine Würde der Einsamkeit. 23 ff. sie triumphiert. nicht Gewalt.nicht Kampfinstinkte . Dies Bedürfnis nach dem andern auf dem gleichen Niveau ist ein konstituierendes Merkmal der Liebe: 3) Die Liebe ist eine Beziehung zwischen Menschen.zur Geltung gekommen und die Liebe damit aufgehoben oder beiseite gedrängt. Denn wenn auch das Mädchen dabei. Dass der Mensch verstehen kann. Die so konstruierten Typen sind der Wirklichkeit noch ziemlich fern. Die Liebe ist die einzige Aufhebung der Einsamkeit bei erhaltener Individualität. nicht Täuschung und Kriegslist. Verehrung verträgt. was nicht er selbst ist. ist eine Bedingung der Möglichkeit der Liebe.. Verstehen ist hier wie beim Machtverhältnis. Wahrheit und Echtheit. die wir uns nicht assimilieren können..

Man schweigt. ein Leben vor dem Zuschauer. Eine andere Quelle der bewahrten Einsamkeit ist die Gesinnung. den man dabei gar nicht mehr sieht. dass Machtinstinkte befriedigt werden. das gestattet sich der Mensch nur. wie durch unechte. die nur allzu leicht mitten im Erlebnis überschritten wird. Es findet nur eine ganz einseitige und unechte Kommunikation statt. erstrebt man seine Existenz als Bild in den Köpfen der andern. der instinktiv in der Kommunikation die eigene wirkliche Substanz erfahren lässt.wertseins.. dass man vornehm ist (Nietzsche). erhebende Gefühl der Leistung. Die Kommunikation zwischen Menschen soll nicht profaniert werden durch Fälschungen. offne und von außen leicht bedeckte Entwicklung der eigenen Seele. man sucht irgendwie zu versinken. und zwar erspart sie alles dies auf relativ billige Weise. . Wenn das nicht im Prozess der Liebe geschieht. nach Kommunikation auf gleichem Niveau. statt sie wachsen zu lassen.gegenüber sein mag. ungeduldig und beflissen sucht man sie sofort zu realisieren. weil man sich und andern zeigen will. die Einsamkeit aufzugeben.indem man sie vor dem andern. Unterlegenheiten etc. Man genießt innerlich vor sich eine Überlegenheit im Schweigen. Mensch. durch ein Nichttun. sich hasst. . sprechen. wenn Situation.Oder man will sich klarer fühlen und sucht Kommunikation der Reaktion wegen. erst im anderen finden. Diese Geste der schweigenden Vornehmheit erspart einem Aufdringlichkeiten. . der andere tritt nicht in der Kategorie der Liebe 25 . starker Erschütterungen. bemächtigen sich die heterogensten Triebkräfte der Mittel der Kommunikation: man will sich. würdelose Situationen. wo äußerlich keine Überlegenheit möglich ist. Reibungen und Selbstprüfungen. ausbreitet. heißt Vornehmheit im Sinne des Geistes der Macht und des Herrseins fördern. Und eine ebensolche haarscharfe Linie trennt das Wagnis des nur die echte Kommunikation Wollenden von dem Selbstwegwerfen in dem sich prostituierenden Sichausschütten aus undiszipliniertem Drang. Und wenn aus anderen Gründen geschwiegen werden soll. Aus dem Bewusstsein von Wert und Würde der Liebe und der Stufen der Kommunikation wird Einsamkeit vorgezogen. Blamagen. Dieses Drängen aus der Einsamkeit heraus ist selten das Symptom der reinen Sehnsucht nach Liebe. weil man sich gar nicht als Substanz fühlt. restlose Offenheit zu gewähren und zu dulden. hinaus will. des Mehr. sich selbst vorgespielte. Oder man will nur sich entrinnen. Wenn auch die Disziplin des Schweigens vielfach äußerst anstrengend ist. schamlosen Ergießung alter Erlebnisse und phantasierten Erlebnisse. nicht wirkungskräftige und nachwirkende Beziehungen. tiefer Wendungen und genießt schließlich ganz unechte Elaborate der ungehemmten. statt des Eigenlebens. Aber diese Gesinnung streckt immer gleichsam ihre Fühler aus. sie wirft sich wohl mal jemandem in falschem Enthusiasmus an den Hals. sich wichtig und problematisch machen und eine Existenz als problematischer Charakter in dem Aufmerksamkeitszentrurn der Umgebung. sie wagt es. um sich nachher schämen zu müssen. im Allgemeinen. wenn die Beziehung der Liebe lebendig werden kann. bemächtigen sich leicht die Machtinstinkte der Gelegenheit und Finden ihrerseits hier einen Genuss. sich nicht verschwenden zu wollen: die Einsamkeit aufgeben. so wird sie relativ leicht gerade dadurch. liegt zwischen der Einsamkeit als Wille zur echten Kommunikation in Liebe und der Einsamkeit als Selbstgenuss von Machtinstinkten. auch um den des Betrogenwerdens und Betrügens. wo nur entartete und gefälschte Befriedigung möglich wäre. statt zu leben und sie als Lebenselement wirken zu lassen. Und eine haarscharfe Linie. Das Schweigen in diesem Sinne. um jeden Preis. Grade wenn der Inhalt des Eigentlichen zurücktritt gegenüber dem bloß formalen Willen: aus der subjektiven Einsamkeit heraus. man bedient sich weihevoller Formen. für das man belohnt wird durch das angenehme. oft mit ästhetischen und Anstandsmotiven begründet. fördern.Man will sich zum Gegenstand. . einmal würdelos erscheinen zu müssen. der nur aus der Einsamkeit. alles steigernde Umgestaltungen der eigenen seelischen Realität .Man begreift das Wesen der Liebe und der Kommunikation echter Art. weil man sich nicht erträgt. im Aufopfern. statt einer Existenz in sachlicher Aktivität. sucht sie zugleich reflektiert zu genießen.ähnlich wie zwischen der Liebe und der Güte und Ritterlichkeit. geschieht folgendes: statt zu sein. sie wagt ein Debakel. wo Menschenseelen vielleicht sich treffen möchten. Inhalt an Ernst und an Notwendigkeit adäquat ist der Bedeutung.

die sich fälschender Weise der Formen der Kommunikation bedienen. um zum Schluss in fortgesetzter Einsamkeit nur klar zu fühlen und zu wissen. Maßstab.. aber nicht auf gleichem Niveau. . wer und was man ist. um doch etwas zu finden und zu fassen . würdelos. weil man keine andern Menschen sieht und infolgedessen sich selbst nicht sieht. Reelles dazwischen kommt . geeignet . der Nervenarzt. dass er eine Macht hat. von der Seite des andern her die Selbstentschleierung zulassen. um den Überlegenheitsgefühlen der andern. die mit ihm Mitleid haben.Man sucht nach Bestätigung des eigenen Werts. auf gleichem Niveau ist oder nicht. sich ihnen einseitig offenbarend. man probiert nur viele Menschen durch. egozentrisch oder alterozentrisch. Ob eine Kommunikation im Reiche der Liebe erlebt und gemeint ist oder nicht. Und man wählt aus. ohne Atmosphäre. wie und mit wem man in Kommunikation tritt und was man anvertraut. der Familie. die durch ihre Art und ihr Auftreten sich gleichsam dazu anbieten. für das Keimhafte und Einsamkeitsüberwindende. gegenseitig. so kann die Kommunikation in vorwiegend eigenem oder im Interesse des andern sein. sondern der Autorität 26 . so doch noch fühlend. die prominenten auffälligen Persönlichkeiten. unter denen man seine Wertpositivität am meisten fühlt. das Machtbedürfnis. So bemächtigen sich des Kommunikationsdranges . Da die elementarsten Bedürfnisse der materiellen Selbsterhaltung und der übrigen egoistischen Interessen sich am längsten echt erhalten. Der Drang aus der Einsamkeit heraus gewinnt hier die Vielgestaltigkeit des Unechten. . ohne Gleiches mit Gleichem zu vergelten. hin und her reagierend. tiefe Augenblicke. man sehnt sich. Wie man beim Abschnüren alles Wurzelhaften. das Rauschbedürfnis etc. Man kann aber auch des andern wegen. das in ihr liegt. sondern wird bloß Mittel. der Rasse usw. ja man ist verlegen und überrascht.wenn nur nichts Reales. . Man strömt zu solchen Menschen. Wessen Bedürfnisse nicht gesehen und nicht respektiert werden. dafür ist ein formales Merkmal: ob sie.Wer leidet. die allem Maß und Sicherheit geben. Man sucht Halt.in den Formen der Geselligkeit einen täuschenden Schein der Kommunikation zu entwickeln. wird schließlich Schlichtheit. kein Sinn für die Stimmung dieser Atmosphäre. bedächtigen Gespräche über nichts. . will sich das Leid. nachdem diese Kräfte. Echtheit. geistige Armut und Atmosphäre gemacht und gewollt. Menschen sehen zu lernen. der langsamen. gleichsam geile Schüsse nach allen Seiten des Geistigen treibt. der Leid verborgen hält. auszuweichen). um sich selbst zu sehen. Statt dessen sind die reichen geistigen Mittel. das heißt diejenigen Bedingungen.so wird man hier seelenhaft aus Seelenlosigkeit. der Heimat. danach. wenn man kein inneres Selbstbewusstsein hat. Ist sie es nicht. will sich Geltung verschaffen. das nicht nachgemacht werden kann. hier finden sich die scheinbar fremdesten Dinge zusammen: Geselligkeit im Sachlichen.wie auch sonst bei dem meisten Seelischen -: was steckt dahinter? Es steckt fast immer noch etwas dahinter. welches die günstigsten Existenzbedingungen für einen sind. In dieser Situation befinden sich etwa der Priester. kann man so beim selben Menschen die weihevollste Gemeinschaft neben völliger Liebelosigkeit beobachten. man will das Gleiche gar nicht von der andern Seite. die sich kaum noch einfangen lässt. kann er einen fragen: können sie mir das Wesentliche in drei Worten mitteilen? Kein Sinn für die erfüllte intellektuelle Armut der bloßen Atmosphäre.Man leidet. übergeistig aus Reaktion wird. Rechtfertigung.in Beziehung zu einem. Wenn etwa jemand neu zu dem Gespräch hinzukommt. durch Mitleid der andern erleichtern.wie früher des Dranges zur Einsamkeit die heterogensten Kräfte: die Sexualität. oder durch Mitleid der andern sich Vorteile verschaffen (im Gegensatz zum Machtinstinkt. lebt immer in einem Thema. und da es nichts gibt. So dass es schließlich die unechte Echtheit gibt und man sich in dem vielfach sich überschlagenden Scheinwesen kaum noch zurechtfinden kann.Man ist wurzellos. Vom Geistigen her wird dann diese ganze Situation begriffen. man sucht Aufhebung der Einsamkeit. bedeutende Formeln. wenn es auch nur in Ansätzen versucht wird. Rat. Die meisten Kräfte. Man wird immer fragen . sind egozentrisch. die der rezeptive Erwerb der jetzt so leicht zugänglichen Schätze des menschlichen Geistes an die Hand gibt. und als Reaktion darauf erstrebt man weihevolle Seelenhaftigkeit.

dessen Zweck vereitelt sein. dass beide in Karikaturen unter den heutigen Nervenärzten anzutreffen sind. dass die Patienten unter ihren Nervenärzten und Beratern anderer Art so viele Christusköpfe zu finden meinen). Jesus ist machtberauschter Prophet und demütig. autoerotisch etc. aber Über. diese fordert Gegenseitigkeit. Er fühlt sich als Prophet. zu dem der Patient aus irgendwelchen Motiven Vertrauen gefasst hat. Vorbild zu sein. schließlich. hat weiter keine Schwierigkeiten. als alles wegwerfende Demut (des umgekehrten Machtinstinktes) in sich opfernder Liebe. er hat auch nicht Schüler als Anhänger und Nachbeter.faktisch mehr oder weniger hoffnungslos . individuellen Wesens nehmend oder ihm vielmehr diese Bürde abnehmend. (Es ist nicht zufällig. er weist es von sich. ich weiß. der was bei dieser Tätigkeit schwierig ist . als Autorität für die anderen. Er billigt es sich zu.zwei Typen möglich. prüfen kann Sokrates. und zwar in den alleräußersten extremsten Polen: als alles assimitierende Macht des Vorbilds und Propheten. Jesus nimmt sich als Vorbild. macht sich selbst bei jeder Konsultation zum Gegenstand psychologischer Analyse und kann sehr verschieden reagieren. bleibt die Gegenseitigkeit aus. Wer aber diese Machtinstinkte fühlt und sie als ihm unerlaubt ablehnt. Sokrates die äußerste Bescheidenheit. ob es etwas solches gibt. Mitteilen. . die sich ihm anhängen möchten. eben jeden Nächsten. wie Jesus zur ruhigen Sicherheit unter dem Vorbild. Sokrates keines von beiden. dass ich nichts weiß. handelt es sich nicht um ein Heraustreten aus der Einsamkeit. beim rastlosen Sichaussprechen vor dem Nervenarzt. sondern nur die Keime und Kräfte beim andern wachrufen will. Bleiben wir bei dem Beispiel des Nervenarztes.gegenüber.wie in allen analogen Beziehungen von Mensch zu Mensch . alle Geheimnisse verhandelt werden). Sokrates weist es von sich. Vergehen des Individuellen. Er ist in einer paradoxen Situation: seine Tätigkeit spielt sich in der Kategorie der Liebe ab. Wirkungen erwünschter Art zu erzielen. Arzt und Patient befinden sich in entgegengesetzter Situation: der Patient gehört zum egozentrischen Typus. reagiert auf sie mit dem Drange nach Gegenseitigkeit und kann sich davor nur bewahren durch das klare Wissen der Sinnlosigkeit: dem Patienten würde es dauernd unwillkommen. eine Gegenseitigkeit würde auch bei faktisch zu großer Ungleichheit nicht zu erreichen sein.sich einen Rest von Anstand bewahrt. Jesus ist die äußerste Steigerung einer Art der Machtmöglichkeiten. er ist zumeist. doch ohne Gegenseitigkeit. fragen. wenn er die mäeutische Methode der Erweckung des andern anwendet. das heißt jedermann ohne Ansehen der Individualität. Klärung in einer Sache. es ist nicht zufällig. die nicht etwas von ihm auf andere übertragen. Prophet zu sein. steht auf eigenen Füßen! Das ist seine Antwort an die Autoritätslustigen. so treten fast automatisch die Instinkte des Machtgenießens auf. die medizinische Wissenschaft (Arzt und Patient haben gleichsam ein stillschweigendes Abkommen getroffen. sondern innerlich selbstbewusste 27 . In der Rolle des Nervenarztes sind . dass er Aufhebung der Einsamkeit bei Gegenseitigkeit auf gleichem Niveau unter Erhaltung und Entwicklung des Individuellen ist mit dem letzten Erlebnis. So muss er sich . dem andern unmittelbar zu helfen. introvertiert. Er erzieht zur vollen Verantwortung der Individualität. deren Endziel die Aufhebung der Notwendigkeit solcher Situation für den Patienten ist. Der Nervenarzt.und Unterordnung will er nicht. ihm seine Würde als eines selbständigen. Er sagt. in der Form der Machtsituation. die in der Geschichte am drastischsten durch Sokrates und durch Jesus repräsentiert sind. Er ist der alleinige Weg für alle. der diese Macht in seiner Situation genießt und sich erlaubt. und ob er berechtigt ist). dass unter dem Namen des medizinisch Relevanten alle Herzensbedürfnisse. daher statt des Menschen die Institution gemeint ist: die Kirche. Soweit einfach Rat. jedoch wird dieser Austritt subjektiv stark erlebt beim Beichten. wie sich selbst. wie man neuerlich sagt.Die Liebe bei Jesus ist davon das Gegenteil. Der Nervenarzt. . das des Ausdrucks nicht bedarf und den Ausdruck nicht mag: als ob das Individuum etwas Substantielles sei und werde. Er liebt den Nächsten.bemühen in der Gesinnung der menschenfreundlichen Liebe. Mitteilung von Sachlichkeiten gesucht wird. Alle dürfen sich an ihn hängen.Wir haben den Begriff der Liebe in dem Sinne gebraucht (es ist die Frage. Die Liebe ist einfache unbedingte Aufopferung. Sie ist in der Sphäre der Macht gelegen.

Geistesarmut. auch nicht von Gott. wie als ob es direkt sei. die ihre Grenzen nicht überschreitet. der dem sokratischen Typus folgt. des Ausdrucks. Medium. der Inhalte. ist Liebe und Verstehen am sichersten und lebendigsten.Individualität.Die kontemplative Freundschaft beschaulich-theologischer Mönchsorden. dann würde es leer bleiben. Inhalt aber all das als Grundlage: dazu muss das gegenseitige Verstehen und die Liebe kommen. Hier bedarf es der Vergegenwärtigung einiger Unvermeidlichkeiten dieser Art der Kommunikation. ansehen darf. tritt eine fortschreitende sachliche Verarmung ein. die die Liebe selbst als direktes. Wir erinnern uns. Folgen wir jetzt weiter den Möglichkeiten einer Kommunikation in der Sphäre einer Liebe bei erhaltener Individualität. auf denen man gleichsam ausruhen könnte. Die Liebe zwischen Menschen entleert sich. sei es des Handelns. unmittel. Der Nervenarzt. dass das Leben im Verstehen aufgehen könne. Der Nervenarzt nun. und wenn sie dann einen sokratischen Typus finden.wenn er aber hier zur Seele führt.so allein entsteht erst Material. Im ersteren Falle ist der Lebensprozess oft verständnislos . ändern zu können. die alle zu einer bestimmten Form der Erstarrung. als Offenheit dem Unbewussten gegenüber zu neuer Formung des Rationalen führen muss. seine Einsamkeit aufhebend. . Gestalten . Er entwickelt zugleich jene wohlbekannte Christuskarikatur in Wesen und Kopf. kontemplative. erotische Gemeinschaft. 28 . als Gipfel und Inhalt des Lebens zu Kulturlosigkeit. erwecken zu können. Es ist der Gegensatz in den Arten der Kommunikation: ob durch die Sache zur Seele. Denn dieses Bild scheint so nicht wirklich sein zu können. die man aber alsbald nicht mehr als endgültige Erfüllungen. Während der Prozess nun fortwährend als Offenheit der Gefühle und Gefühlsnuancen. Um geläufige Beispiele zu nennen: die Freundschaft des Handelns. Denn jener Drang autoritativer Bindung. sonst bleibt alles seelenlos und vom Gefühl der Einsamkeit her sinnlos. der Sokratestypus meint nur. zur Liebe ohne Individualität und Gleichheit. Der Jesustypus meint. sondern durch die Sphären der Gegenständlichkeiten hindurch. Er wird nur relativ wenige finden. wird oft Offenheit und Verstehen selbsttäuschend gesucht. ist selbstverständlich. treibt ja so viele zum Nervenarzt statt zur katholischen Kirche. Aber darin ist kein Verharren möglich. Man könnte auch so sagen. Im letzteren Falle. ist in einer fast dauernd paradoxen Situation.es ist ein Missverständnis. der dem Jesustypus folgt. zu einer Art Sackgasse führen können: 1) Das Verstehen von Mensch zu Mensch geht nicht direkt. des Schaffens. der Entleerung. animalischem Wesen notwendig hinführend. Selbstoffenbarung in Einseitigkeit. Es ist die Erstarrung und Entartung der Liebe. 2) Zu den Bedingungen des Verstehens gehört vollständige Offenheit sich selbst und dem andern gegenüber. Es verhält sich hier genau so wie bei den mystischen Phänomenen überhaupt: als Quelle manchmal fruchtbar. Ethische. sich nicht abhängig macht. Das Ineinsschlagen der Seelen bedarf einer Basis. wird tot. um Verstehen zu erzielen und aufrecht zu erhalten. und niemanden anders von sich abhängig macht. können sie nicht auf ihre Kosten kommen. Leben ist vielmehr Handeln. oder ob erst durch die Seele die Sache Interesse hat. die Freundschaft Gelehrter. in direkter Beziehung ohne alles Weitere in Gemeinschaft existieren zu können. einer Voraussetzung und eines Mediums. dass wir gleich im Anfang hier einen unendlichen Weg sahen. ein hier nur in hypnotischer oder erotischer Abhängigkeit eigentlich zu erhaltender Zustand. wird seinen Patienten genug tun: die Einsamkeit ist aufgehoben unter Verlust der Individualität. wenn es bewusst so empfunden wird. Dazu gehört unter anderem der rationale Apparat. wenn sie sich der gegenständlichen Sphäre berauben und glauben. den Menschen. Wohl geschieht schließlich das Ineinsschlagen. alle haben sie ihre gegenständliche Sphäre als Voraussetzung. Dass es dem Jesusbild der Geschichte nirgends entspricht.bares Phänomen zum Lebensinhalt macht. Denken. die ihm als Patienten adäquat sind. Schaffen. der nie ans Ende kommt trotz augenblicklicher Erfüllungen. ethische Verbindung zwischen Brutus und Cassius. wie sie unserer Zeit gelungen ist.

sogar so. wenn sie überhaupt lebendig bleiben sollen.in Formeln. Zwei Menschen treffen sich . Abgesehen davon. Man schließt: Verständnis ist gegeben.wie ja Gedanken. Dagegen ist Verstehen an eine vollkommene Hingabe der Gefühle gebunden. Statt des Sichverstehens und gegenseitigem Sehens in den Sachen tritt ein dialektischer Kampf ein der. bedarf zwar als eines Mittels unter anderen auch des rationalen Apparats. Taten. um die Einsamkeit weiter aufzuheben. nie sind sie endgültig. Man sagt. im geistigen Kampf. Ohne ihn gäbe es überhaupt keine Kommunikation. Immer wieder wird begonnen. seine Existenz geradezu in Frage zu stellen. sondern ein Kampf positiver. im Versuch. fast immer unendlich ist -. Das Verstehen und die Liebe haben einen unendlichen Weg. Immer wächst durch Liebe das Verstehen. nicht bewusst Unwahres sagt. ist doch auf alle Fälle durch solches Erlebnis nur eine Basis gegeben. momentanen Aufgehobenseins jeglicher Einsamkeit 29 . nie endgültiger Besitz. Dies ist eine Sackgasse und Selbstbetrug: das Verständnis bleibt völlig gebunden an Logik. Wir hatten die Vorstellung. Endlos ist das gegenseitige Tieferbohren. des sich Herumdrückens um das Eigentliche und Problematische. Das Sein drückt sich allein unfehlbar im Erleben aus und bedarf dann solcher abstrakter Worte und Formeln nicht mehr. wir haben uns missverstanden. nicht von Liebe dirigiert wird. dass es sich um eine Täuschung handeln kann durch zufällige Gemeinsamkeit gewisser konkreter Inhalte. die sich durch solche Technik erst an das Licht ziehen. im Hingreifen an die Wurzeln der Seele des andern. Die Augenblicke momentaner Erfüllung. Errungen werden sie nur im Kampf. und nur in der Sphäre der beiden gemeinsam zugänglichen. auf der das fortwährende Ringen stattfinden muss. dass. Andeutungen genügen. des andern Arbeit schätze. es ist. gern mit ihm zusammen sei etc. die Seele an sich. wie gern man sich habe. sondern immer wieder sind sie zu erringen. aber wird getötet durch das normale zweckhafte Denken. und im lebendigen Reagieren auf entsprechende Versuche von der anderen Seite. Man sagt. um viel zu verstehen und offen zu sein: wir wollen uns mal klar aussprechen. Pläne in solcher Kommunikation der Seelentiefen ihren Grund haben können. als ob von Geburt her die Beiden zu einander gehörig seien. das immer von Interessen. Das wortlose Verstehen ist immer das Resultat solchen Kämpfens und Bemühens oder glücklicher Ausgangspunkt. So tritt dann die Forderung der Offenheit und ein halbes Leisten der Offenheit ein. (Objektiv gegenständlich formuliert: Selbsterkenntnis und Nächstenliebe geben Hand in Hand). durch Liebe die Seele. die Kommunikation zu prüfen. so breit auch ihr Grund und so fest er ist. Danach kann eine endgültige Aufhebung der Einsamkeit tatsächlich nicht erreicht werden.bis dahin einander unbekannt sie verstehen sich mit wenigen Worten. ohne dass das Resultat erzielt würde. 3) Das Verstehen und die Liebe sind nie endgültige Gegebenheit. Der rationale Apparat als solcher ist ein unentbehrliches Mittel. eine Methode des Seelenunterdrückens. Dieses Bohren ist nur gegenseitig möglich. und damit umgekehrt bedarf das Verstehen neuer Impulse. Die Fixierung auf den rationalen Apparat vermehrt die Täuschung durch Verwechslung von Sagen und Sein. sich verstehe. wenn einmal mit der lndividualisierung Einsamkeit entstanden ist. Es ist ein Kampf nicht um Macht. konkreten Gegenständlichkeiten möglich. Immer neu gedeihen sie auf der früheren Basis momentweiser Erfüllung.indem man die rationale Offenheit betont. wie die akzentuierte Logik. im Sichhingeben und Hinhören. begrenzt sich und erstarrt . dass die unbewussten Instinkte die Offenheit des andern als Mittel für eigene nicht gesagte Zwecke ausnutzen. Rückt man ihn aber ins Zentrum. so ist man in eine Sackgasse geraten. aber sein eigenes Unbewusstes absperrt. des Entweichens. dauernder Ruhebesitz. der Weg zur Aufhebung der Einsamkeit ein unendlicher ist (die Idee der total entwickelten Individualität mit totaler Gegenständlichkeit und vollständiger Kommunikation). wo das Verstehen und die Liebe aufhört. konkreter Kräfte. beschränkt sich auf logische Inhalte. so erst Ausdruck gewinnen . empfinden eine überraschende Schnelligkeit des Ineinsschlagens. legen wir uns die Sache doch mal deutlich zurecht. Es ist eine Methode des Gewinnens von Machtpositionen im Intellektuellen.

Die Einsamkeit mit Gott war im Calvinismus eine Hemmung der seelischen Gemeinschaft unter Menschen. die Einsamkeit zu verlieren. Gerade. Wieder sind wir in die Konstruktion der extremen Typen geraten. einer Stufe entsprechen. Kierkegaard lehrt. welche letzte Position der Mensch in der Weitanschauungsfrage einnimmt. dass das Religiöse eine absolut individuelle. in 30 . So kann der Mensch Freund und doch einsam sein. Unterordnung. Aber tatsächlich bleibt er irgendwo. könnte vielleicht daran glauben. Kompromissen und Halbheiten wird ausgewichen. 2) Die Einsamkeit aus schicksalsmäßiger Isolierung. sei es des Heros. dass sie nur augenblickshaft ist. Der andere vielleicht tot. wird er objektiv immer einsamer. dass bei glücklichem Geschick die Einsamkeit aufhebbar wäre. Nur unter Erfüllung des gleichen Maßes kann der Mensch aus der Einsamkeit heraus. dass sich alsbald andere Schichten der Seele fühlbar machen. während er subjektiv sein Leben als das Eine empfindet. Es fand sich nie die Tiefe des Verstehens und der Liebe. Dieser Vorgang steht in einer doppelten. oder sucht es. was es heißt. sucht das Ich vorwärts den unendlichen Weg der Erweiterung und Vertiefung seiner Substanz zu beschreiten in Macht oder in Liebe. der letzten Einsamkeit abzuhelfen. wer stärkste Kommunikation in Freundschaft. die zunächst einsam sind und so fort ins Unendliche. oder ist das Ich bloß Phänomen und letzthin aufzulösen? Ist das Ich unabhängig oder abhängig? Dementsprechend: Erweitert das Ich in sich die Einsamkeit zur Welteinsamkeit. Nicht einsam in der unauslöschbaren erlebten Beziehung. entgegengesetzten Wirkung zu der Kommunikation unter Menschen: sie verstärkend und sie aufhebend. Dies einmal Erlebte wird Maßstab für alles folgende. Ist im Ich etwas Letztes. sei es des in Kommunikation der Liebe stehenden Menschen? Oder findet die Einsamkeit. Hier im Religiösen entscheidet sich auf gesteigerter Stufe. im Auflösen des Phänomens? Das heißt praktisch. als Symbol. war nicht einmal eine direkte Beziehung möglich. ohne Glauben an die einzelne andere Persönlichkeit. die einer Lebenslage. ist sogar eine der stärksten Triebkräfte. Subjektive und objektive Einsamkeit müssen sich hier in einzelnen Fällen ins Äußerste gesteigert haben. die als Medium. Sonst würde er dieses Heraustreten als Befleckung empfinden. Und mit diesem Gotte. So kann das Religiöse ein Mittel werden. . ohne Vertrauen. insofern die Einsamkeit subjektiv im Verkehr mit Gott völlig geschwunden ist und in extremen Fällen grade bei objektiver Einsamkeit bestehen kann. Er selbst hat vollständige Einsamkeit in seinem Leben verwirklicht.Das Religiöse hebt aber die Kommunikation auf. seine Individualität wieder zu verlieren: in Autorität. die Einsamkeit nur zu verstärken. nicht einsam zu sein. statt in der Idee der Totalität des Individuums. in Liebe erlebt hat. Liebeskommunismus und Klostergemeinschaft sind religiös ebenso möglich und mit Kraft begabt wie völliges Einsiedlertum. Das Religiöse verstärkt die Kommunikation. In dieser letzten Einsamkeit hat das Religiöse eine seiner Wurzeln. inkommunikable Angelegenheit des Einzelnen mit Gott sei. sinnlich-anschaulich in der Kommunikation mit den Menschen befriedigt wird. die wir mit den gewonnenen Kategorien ohne weiteres deuten können: 1) Die Einsamkeit als Schicksalsresultat nach tiefstem Verstehen. rückwärts gewandt. In Gottesgemeinschaft. ihre Auflösung in der Vernichtung des Ich. wie es ein Mittel ist. Stellen wir zum Schluss noch einige Arten von Einsamkeit nebeneinander. irgendwie einsam. Organisation etc. geben die subjektiv tiefste Befriedigung: der Mensch weiß es durch sie. sofern es aus dem Drange entsprungen ist. fühlt.sind eben Augenblicke. wo die Einsamkeit nicht ist. und weil dieser Drang konkret. Der Mensch findet eine letzte Aufhebung seiner Einsamkeit in der Beziehung zu Gott. Wer faktisch überall sehr einsam ist. dem Deus absconditus. als Ableitung der religiösen Kommunikation erlebt wird. ist hier das Absolute an der Wurzel ergriffen. ohne Liebe lebte die calvinistische Gemeinschaft nur im Sachlichen und in der Beziehung auf Gott.

Man redet von allem. Äußerlichen. Kein Strahl der Gottheit erscheint mir in dieser Nacht . . 'Ich sehe nichts vor mir. in dem mir nicht bloß die Außenständigkeit. die nichts mehr wünschen kann. Deshalb kann für ihn das Andere des Subjekts nie bloß ein Objekt sein. sondern es ist selber ein Subjekt. Man sagt alles. Liebesarm.Naturverständnis. immer reflexive Einsamkeit und damit eine Grenzerfahrung der Kommunikation: nämlich 'Selbstkommunikation' (Phil 55).. mit dein ich mich dem anderen bewusst entgegensetze . eine andere Reaktions.und Gefühlsweise. 3) Die Einsamkeit als Verhärtung bei Nichtverstehenwollen wegen der Herrschaft der individuell-praktischen Interessen.. nichts hinter mir.Aber so entspringt auch erst die tiefgreifende Selbstgestaltung. so wären Formen der Kommunikation zu irgendwelchen Entitäten. Aber in einem qualifizierten Sinn entsteht für ihn Einsamkeit erst durch den Austritt aus der Naivität. sie ist ganz sicher ein Verhältnis eines menschlichen Subjekts. Es ist die erstarrte Isolierung des ganzen Menschen zu Gunsten des praktischen Ego.. Wäre sie ein einseitiges Verhältnis: eine Beziehung eines Subjekts zu . in der ich mich in der schrecklichsten Einsamkeit befinde. wo plötzlich die Seele auftaucht. was das Wort ja sagt. keinerlei Aufschwung. aber so erblüht sie auch erst als Seele. als das Gefühl meiner Schuld . Ängstlich. gleichgültig oder deprimiert... kein Verhältnis ist. Zwar spricht Jaspers gelegentlich von Arten solcher Einsamkeit: vom 'soziologischen Isoliertsein' (Phil 61).. b) Resultat: eine andere Seele. wirklich sein möchten. das Sündenbewusstsein als Erschütterung und Verzweiflung. wird ein armer Ersatz gefunden. Wir finden ihn in dem Harfenspieler Goethes.Man sieht hier deutlich: Das Verstehen und der Drang dazu ist die eigentliche Innerlichkeit im Gegensatz zu noch so wortreichem. noch so liebenswürdigem Verkehr im Äußern. möglich. Während die unvermeidliche Folge des Verstehens aufs Tödlichste gehasst wird: das Begreifen der eigenen irreparablen Defekte. als qualifizierte Einsamkeit. als eine unendliche Nacht. Dazu steht im Vortrag über Individuum und Einsamkeit von 31 . Damit stelle ich mich auch mir gegenüber. Enge des Herzens.“ 1915 – 1916 Hans Saner (Basel) Zur Dialektik von Einsamkeit und Kommunikation bei Karl Jaspers Was immer Jaspers unter Kommunikation verstanden haben mag. Stolz und gewaltsam.und zwischenmenschlichen Wechselverhältnisse. vom 'isolierten Menschenwesen' (Phil 56) oder auch von der naiven Einsamkeit... Chaotisch. Nichts ist mir grausamer als Freundschaft und Liebe. rief er aus. z. Auf diesem Wege leidet die Seele furchtbar. Sie ist. Jaspers versteht indes unter Kommunikation immer ein wechselseitiges Verhältnis. nur nie das Wahre. dass Einsamkeit.. das Bewusstsein der Schuld seiner selbst. nur nie vom Wesentlichen. Somit ist auch sie ein Verhältnis. 4) Zuletzt denken wir uns den Typus der äußersten Einsamkeit. dass ich Ich bin. im Unterschied zu Kommunikation. . Sie ist. in irgendeiner Sphäre. B. kein Gefühl bleibt mir. Einsamkeit ist insofern ein Getrenntsein. die mich umgeben. c) Härte. sondern die Eigenständigkeit bewusst wird. a) Als Verschlossenheit beginnend. dass die Erscheinungen. und zwar des Ich zu sich selbst. ein Verhältnis mit .. sondern bloße Verhältnislosigkeit. . Die Formen der Kommunikation sind die Formen der mit. als Vergehen von allem. der auf den Beobachter rührend wirkt. Es könnte nun scheinen. denn sie allein locken mir den Wunsch ab. schuldvoll für Augenblicke empfunden. zu Tieren oder Pflanzen.und nun 'Ich' sage und weiß. durch jenen Schritt.

Kommunikation wäre dann Einssein. 'Körper-Ich'. müssten die lndividualitäten. Die zweite Frage. die sich verbinden. Jedes ist die Bedingung und der Pol des Anderen. Einsamkeit wäre nur noch Isolation und darin Verlust des Anderen. und die Distanzierung. mussten die lndividualitäten sich darin verlieren. die zusammenführt. Jedes Verändern aber ist ein Verlassen. Gäbe es nur Distanz. Selbstverhältnis durch das reflektierte Ich-Sein der Subjekte. so wies er die Erhellung der nichtobjektivierbaren Kommunikation als ein Geschäft für Metaphysiker zurück. Damit sind Einsamkeit und Kommunikation dialektisch miteinander verbunden: Wer nicht durch Einsamkeit Ich wird. dass mit dem Wechselverhältnis auch der Andere sich verändert. zieht einen Kreis um sich. und muss als Neuer sich und den Anderen aus der Einsamkeit neu gewinnen. Wer 'Ich' sagt. und ich mich ebenso. vom „sexuellen Ich'. aber die Einsamkeit nur kennen. Die Antwort kann nur heißen: in allen Sphären des Ich. das als solches aber nicht objektivierbar ist. 'das subjektive Erlebnis' (ibid. Er ist unendlich 'wegen der Unendlichkeit der Existenz' (Phil 69): Selbstsein ist nur als Selbstwerden. hat Jaspers zeitlebens ein und dasselbe Verfahren angewandt. In der Sprache der Existenzerbellung heißt das: 'Die Kommunikation findet jeweils zwischen zweien statt. richtet eine Distanz auf. ist nicht fähig zur Kommunikation. löst sich in der Reflexion für diese prismatisch in eine Vielfalt von nicht mehr konkreten und nicht mehr totalen IchSchemata auf: wir sprechen dann von verschiedenen Egos: vom 'sozialen Ich'. In diesem Prozess gibt es keine Ruhe. Gäbe es nur Verbindung. wer nicht in Kommunikation steht. heißt: "In welcher Sphäre vollzieht sich Kommunikation?' (IE 392). nicht Mitsein und dadurch Selbstverlust. die Existenzen. das doch Individuum sein sollte.die zueinander kommen aus der Einsamkeit. mithin etwas Unteilbares. verlässt man sich und ihn . Jaspers setzt also schon in der Frühzeit einer unbestimmten Anzahl von objektivierbaren Egos die Idee eines eigentlichen.'und so fort ohne Aufhalten' (IE 391). und jedes Verlassen erzeugt Einsamkeit. kann nicht einsam und nicht Ich sein. sondern nur seine Oberfläche der verschiedenen Egos. vom 'Augenblicks-Ich" usw. Ich zeige seine Genealogie im schon genannten Vortrag von 1915 auf. Wo es Individuen gibt. ineinander fallen. Kommunikation ist das paradoxe Zusammenwachsen. . so sagt er. in dem 'die Totalität von Ich und Du ergriffen' wird. weil sie in Kommunikation stehen' (C 60). wissen wir nicht. Aufgabe der Einsamkeit ist Aufgabe des Ich. denn er möchte der psychologische Betrachter des seelisch Konkreten sein. totalen Ich entgegen. muss man sich die dialektische Bewegung "gleichsam an einzelnen Punkten erstarrt denken'. Es gibt offenbar. Die metaphysische 32 . Wir können erstens fragen: 'Welches 'Ich' ist einsam?' Der Reflexion öffnet sich nun ein Abgrund. aber zwei bleiben. das die Distanz vergrößert. wo es Individuen gibt.1915: "Ich' sein heißt einsam sein. Jaspers führt da aus: Um die 'Möglichkeiten der Einsamkeit' und der Kommunikation zu erfassen. aber gibt es beides: die Lust zur Individualität und damit den Drang in die Einsamkeit und das Leiden an der Individualität und damit den Drang aus der Einsamkeit' (IE 390).ist darin wechselseitig einsam -. als neuen Anstoß der Verbindung . Kommunikation ist also das Wechselverhältnis zweier Selbstverhältnisse: Wechselverhältnis durch die Verbindung der Subjekte. wie er damals das nicht-objektivierbare Ich als einen Ungegenstand der Reflexion abgewiesen hat. LeistungsIch'. Das Ich. Dazu verhelfen uns "zwei in gegenseitiger Korrelation stehende Gesichtspunkte'. keine Sicherheit und kein abschließendes Geworden-Sein. Er bedenkt es deshalb kaum. Die jeweiligen Subjekte sind ihrerseits schon Verhältnisse zu sich selbst. (IE 392). Aber so. Dadurch. Kommunikation ist somit nicht nur ein Wechselverhältnis von zwei Subjekten. Um nun die verschiedenen Arten von Kommunikation und Einsamkeit in den Griff zu bekommen. und wenn es existiert. 'Ob ein Ich an sich existiert. kennen wir es nicht. Einsamkeit kann es nur geben. Das Miteinandersein von Kommunikation und Einsamkeit hat noch einen anderen Grund: Alle Kommunikation ist für Jaspers 'ständig bewegt' (VE 73) und damit ein Prozess der Veränderung. die uns zum Schaden des eigentlichen Ich mehr interessieren als unser Ich selbst' (IE 392). die der junge Jaspers im Hinblick auf Einsamkeit und Kommunikation stellt.) einer Kommunikation 'jenseits aller besonderen Gegenständlichkeit'.

Sie bricht damit die Intimität der Existenzen auf und macht sie weit für das Handeln in der Weit. Ab den frühen dreißiger Jahren wird der Fächer der Egos um die Vernunft ergänzt. .und das weist auf den ursprünglich intimen Charakter seiner existentiellen Kommunikation als einem 'Geheimnis jeweils Zweier' (Phil 65) hin. das Schwergewicht eher auf dem Pol der Einsamkeit. Übrigens sagt Jaspers von solchen 'Kommunikationsmysterien' . Offenbar lag für den jungen Jaspers. Denn solche Erlebnisse sind weder 'objektiv erkennbar' noch 'durch Willen zu erreichen'. weil in ihnen die Problematik der Einsamkeit breiter entfaltet ist als später. dass der Hiatus zwischen lmmanenz und Transzendenz des Ego nicht überbrückt werden kann. Er nennt das erste später umfassender Dasein. wenn sie mehr sein wollen als ein unverbindlicher Ausdruck des Erlebens in Form des 'als ob'. sondern nur mit ihm und durch es. 'Sie sind Sache des Schicksals. Wir können sie vereinfacht auf die Formel bringen: das eine ist nicht ohne das andere. nie ganz befriedigend bestimmt. Für die Analyse der existentiellen Kommunikation greife ich hauptsächlich auf die 'Philosophie' zurück. 33 .Von „Vernunft und Existenz“ an (1935) aber setzt sich die Dominanz der Kommunikation durch. Man könnte sie als einen Grenzfall definieren und an ihrer realen Existenz zweifeln' (ibid. die Jaspers über alle Zeiten durchhält.'Solche Deutungen. die nun den Riss zwischen lmmanenz und Transzendenz als Band umspannt und universale Kommunikation aller Vernünftigen ermöglichen soll. Die fast beliebige Anzahl der psycho. führen zu nichts für die Erkenntnis Relevantem" (ibid.. Philosophie als reflexives Bemühen ist fortan eine offene Systematik der Kommunikation. Ich orientiere mich nun für die Analyse der objektiven Formen der Kommunikation vor allem an den Schriften nach der 'Philosophie'. und zwar so radikal. 'Ob solches außerhalb der Geschlechtsliebe vorkommt. 'Wahrheit'. ein Ego der erkennenden Mittel-Zweck-Relation und ein Ego.). das Jaspers so selber nur teilweise und in verstreuten Ansätzen entwickelt hat. Sie alle sind durch einen qualitativen Sprung vom eigentlichen Ich. das zweite eingegrenzter Bewusstsein überhaupt und das dritte.In der 'Existenzerhellung' von 1932 halten sich die beiden Pole in etwa das Gleichgewicht. auch der Einsamkeit. eine bi-polare Dialektik. In gewissem Sinn beschreibt die Philosophie der Grenzsituationen die Not des Einsamen angesichts der Unausweichlichkeit des Todes.und der KommunikationsReflexion. von 1919 seine Philosophie der Grenzsituationen bereits entfaltet wird. so müssen wir wohl annehmen. auf ein Ego als manipulierendes Handlungszentrum. Für die allen zughörigen Formen der Einsamkeit aber halte ich mich vermehrt an frühe Schriften einschließlich der 'Philosophie'.logisch objektivierbaren Egos reduziert er vorerst auf drei. bedingt durch seine Krankheit und durch seine Arbeit als Psychiater. weil alles Existentielle in ihr am intensivsten erhellt wird. eigentliche. dass sein Vortrag über Individuum und Einsamkeit allen Arbeiten über Kommunikation vorausgeht. wie mystische Erlebnisse . sowie die ebenso unobjektivierbare Kommunikation der Existenzen zum zentralen Gegenstand der Ich-. Quer zu dieser Entwicklung gibt es indes gewisse Grundverhältnisse von Einsamkeit und Kommunikation. der Schuld und des Kampfes in einer antinomisch zerrissenen Welt. und unter ihrem Schwergewicht tritt die Einsamkeit als Konstitutiv der Existenz in den Hintergrund. dass in der 'Psychologie der Weltanschauungen. der Existenz. getrennt.Deutung sähe in dieser Kommunikation 'hinter allen Egos des Alltags' (IE 393) eine Verbindung der "Iche an sich'. weil die endgültige Terminologie und die damit verbundenen Differenzierungen erst in ihnen entfaltet sind. 'Freiheit'. das ins Wissen Gehalt und Ganzheit trägt..). der Einsamkeits. . und beide sind nur im fortgesetzten Werden und Vergehen. Nun werden alle tragenden Begriffe dieses Denkens: 'Vernunft'. Geist. nicht mehr objektivierbare Ich als Existenz. und auch kein Zufall. Jedes dieser Egos entwickelt seine spezifische Form der Kommunikation und. Ich zeige also etwas. aber die Philosophie der Kommunikation noch nicht. Aber. Für den Existenz-Philosophen Jaspers werden nun gerade das totale. des Leidens. übrigens im Rahmen einer deutlich nachweisbaren Entwicklung. 'philosophischer Glaube'. ist zweifelhaft' (IE 393). mit dem Begriff der Kommunikation verknüpft. Es dürfte kein Zufall sein.

Seine Demut vor dem Herrn ist nichts anderes als der Versuch. dass ihre Kommunikation zugleich Einsamkeit ist. Dies ist für Jaspers meist nur in den Formen der Macht realisierbar. aber noch nicht zu ihrem Eigentlichsein. In dem Maß. Ich als 'Dasein" ist das Handlungszentrum. der allein nicht zu handeln vermag und doch eine aktive Individualität ist. aber dieser Prozess wird ihm zum Wachsen der Einsamkeit.Oder die Einsamkeit dessen. was das Ego des Daseins sei. bald zweckmäßig. aus dem er sich nur retten kann. Wenn er ihn aber gelten lässt. In diesen Gemeinschaften ist das Problem aller Subjekte. in dem alle anderen Teile von ihm selber sind. Eine ganze Skala von Einsamkeiten hält diese Kommunikation in Bewegung.). Die Not bindet zusammen gegen die alle gemeinsam bedrohende Natur und gegen die anderen Gemeinschaften' (W 375). Aus seinen 'vitalen Sympathien und . ist seine einsame Tragik. um mit ihm tätig verbunden zu sein' (VE 86). die im Rahmen des alltäglichen Bewusstseins und Sprechens immer bloß situativ begrenzte Zustimmung schafft. erweitert er 'sein Ich zu einem Riesenorganismus' (IE 395). dann müssen sie damit fertig werden. die bloß ein Alleinsein ist. das die Sphäre des ganzen Daseins durchherrscht: im Machtverhältnis von Herr und Knecht: Der Herr entrinnt seiner Einsamkeit. welche Formen der Kommunikation es eingehe und welche Arten der Einsamkeit es erleide. Schon ihr ist aber die Triebkraft als Sehnsucht inhärent. was ein jeder dafür hält) findet sich wieder im Anderen. wieder in die Geborgenheit einer Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Und analog ergeht es dem Knecht. 'wie man sich mit dem Anderen versteht. der dem einheitlichen Wollen zur Geltung verhilft. der ihm ebenbürtig wäre. durch Unterwerfung an der Größe des Anderen teilzuhaben und so mit ihr in Kommunikation zu treten. Die Exkommunikation aus der naiven Gemeinschaftlichkeit erzeugt eine ebenso naive Einsamkeit. Am deutlichsten aber wird die Dialektik von Einsamkeit und Kommunikation in jenem Grundverhältnis sichtbar. der andere in bescheidener Distanz. indem er andere assimiliert und unterwirft. das Jaspers mit Kant 'Bewusstsein überhaupt' nennt. wie er dies tut. indem er mit dem Herrn bricht und nun in die alte Einsamkeit tritt. vergeht er in seinem Eigensein. kennzeichnet diese Gemeinschaft. Der mehr oder weniger reflektierte Eigensinn. wie man dasselbe wollen kann. Dass er in ihm dann das zerstören muss. Es ist das logisch gereinigte und 34 .. sucht. das bald manipulativ. sucht die Mitkraft eines Partners und verlässt sie wieder. wenn ich nun als erstes frage. Das Grundschema der Kommunikation zeigt sich hier wie folgt: das Wechselverhältnis ist vertikal und asymmetrisch.. Aber indem er es tut. vernichtet sich und den anderen. Daseinskommunikation entwickelt deshalb eine pragmatische und machiavellistische Moral des Kampfes. zuweilen bewusst. Daseinskommunikation ist insofern nur mit Einsamkeit. was er noch achten könnte. er kommt an die Grenze des Nicht-mehr-Seins. Wer diese Spannung nicht aushält. bald individuell und bald sozial. in Spannung mit dem Gemeinsinn. den Feind. .. er steigert 'seine Einsamkeit zur Welteinsamkeit' (ibid. Aus ihr assimiliert er in der Daseinskommunikation erneut Menschen. Unklarer wird das Verhältnis von Einsamkeit und Kommunikation im Hinblick auf jenes Ego.In der lebenslangen Entfaltung der Dialektik von Einsamkeit und Kommunikation ist somit beides zu finden: Entwicklung und Permanenz. der den Anderen. und die Selbstverhältnisse sind bloß Verhältnisse empirischer Egos zu ihrem Eigensein. Ich möchte es zumindest nicht vergessen.Die Einsamkeit des bloßen Eigensinns bricht bei Gelegenheit die Verbindung und sucht sogleich in anderer wieder zur Geltung zu kommen. Versuchen aber beide das Maß zu halten: der eine in Güte. zuweilen unbewusst Leben erlebt und Leben sichert: das Subjekt der Alltäglichkeit. ist nur seine frühere Einsamkeit neu da. Nun wird er zum Holofernes. Interessen' (VE 79) geht es Verbindungen ein: 'Das eigene Interesse (oder das. Auf sie hin müsste man Jaspers' Schriften zugleich diachron und synchron auslegen. angelegt auf Sieg und Niederlage und abgesichert in Autorität und Gehorsam. die ihn erneut in eine Unterwerfung treibt.

. heißt auch. sondern als dauerhafter defizienter Modus der Kommunikation. Wo sie preisgegeben wird. Erkenntnis ist ein unabschließbarer Prozess. was er erkennen will. wenn ein anderer Verstand mein Denken auch denkt. Wo es aber kein Wechselverhältnis gibt. bedeutet. dass das Bewusstsein überhaupt nur zu einer Abart der Selbstkommunikation fähig ist . sondern nur das numerische Allein. somit beliebig vertretbare. in dem der Kampf der Suchenden ausgetragen wird. 2. Das Bewusstsein überhaupt ist bloß die Form eines Bewusstseins. Vielleicht hat der junge Jaspers dies angedeutet. Er hat ihn entwickelt von drei Voraussetzungen her: 1. Als inhaltliches Bewusstsein aber ist es in der Vielzahl nicht identisch. Bewusstsein ist "nicht ohne Gegenstand' (Phil 55). Er verzichtet auf alles Ideologische. dann kennt auch die Kommunikation des Bewusstseins überhaupt ihre Einsamkeiten. bleibt nur die Übernahme des Erkannten von Autorität. die Gemeinschaft 'gleichgültig' (VE 79). 2. dass es in Menschengestalt konkret wird. Sie brechen den defizienten Modus der Kommunikation auf und geben ihr die volle Struktur zurück: . was identisch ist. da wird nicht nur. Auch dieser Kampf hat seine Moral. in der er sich beruhigt ohne Widerhall' (IE 392). gleichsam nur punktuelle Ich des objektiven Erkennens.Dass Erkennen des Bewusstseins überhaupt ein unabschließbarer Prozess ist. die zweiten drei auf den dynamischen Forschungsprozess. Diesen Voraussetzungen hielt er aber an vielen Stellen seines Werks fast konträre entgegen: 1. er schafft sein Werk allein. weil sie wissen. und sein einziger Sieg ist das Erreichen der Richtigkeit . Die ersten drei Voraussetzungen zielen auf das eher statische Wissen. Seine Fairness liegt in der begründeten Argumentation und im Respekt vor der Faktizität. setzt sich der Überprüfbarkeit aus. sondern weiß. als er vom "intellektuell Schaffenden' sagte: 'er kann allein sein.. 3. Das Selbstverhältnis ist insofern noch gewahrt. in das man das Licht hineinträgt. in dessen Identität sich die Wissenden finden. als Bewusstsein überhaupt nicht nur weiß. Und nun werden die Wechselverhältnisse möglich: die unterschiedlichen Voraussetzungen. so muss man hier fragen. Zielvorstellungen begegnen einander in Gestalt ihrer wissenschaftlichen Verfechter. die auch Selbstverhältnisse sind. anerkennt das Zwingende und durchschreitet das Wissbare bis an die Grenzen der Wissbarkeit. sondern höchstens mir Wege zum Selbsterkennen freilegen. Es gelangt zu zwingender Sachkenntnis. dass sich die Struktur der Kommunikation hier reduziert auf eine beliebige Vielzahl beliebig auswechselbarer Selbstverhältnisse des einen und gleichen Ego. die ich noch einmal selber nach-erkennen muss. dass es nicht ohne Inhalt ist. noch in ein Wechselverhältnis treten? Voraussetzung der Wechselseitigkeit ist doch immer die Andersheit. Es ist daseinsunabhängig. Wo 35 . Es scheint also. Kommunikation des Bewusstseins überhaupt kann insofern auch verstanden werden als der wechselseitige Kampf konkreter Erkennender. Es scheint mir nachweisbar zu sein.dies aber nun nicht als Grenzfall. Dass jeder selber denken muss. wie Jaspers sagt.Dass Bewusstsein nicht ohne Gegenstand ist.. dass dieser Prozess jeweils am Rand des Dunkels ausgetragen wird.bis auf weiteres .Dass Bewusstsein überhaupt in der 'Vielzahl seines Daseins' auftritt. Inhaltsweiten. .ein ebenfalls defizienter Modus der Einsamkeit ganz ohne Antrieb.deshalb überall identische. und die ruhende Verbundenheit in der Identität des Erkannten ist nur ihr Grenzmoment. Bewusstsein überhaupt ist nur 'in der Vielzahl seines Daseins' (W 376). dies Werk hat Geltung überhaupt. und nicht auf dem hellen Feld des längst Erkannten. muss auch bedeuten. dass es weiß und wie es weiß. ob und wie sie wissen. sondern da kann es auch keine qualifizierte Einsamkeit geben. Wie kann. sondern nur Identität. ist die unaufhebbare Einsamkeit im Prozess alter Erkenntnisgewinnung. der sich sofort als inexistent erweist. 3. dass Jaspers vor allem diesen defizienten Modus einer Kommunikation des Bewusstseins überhaupt bedacht hat. Kein Anderer kann für mich erkennen. eine Form des Sich-Verlassens in seiner Erkenntnisfähigkeit.sein im Forschen . Methodenkonzepte. Die Kommunikation ist der nun entstehende Kampf um Einsicht. Falls das zutreffen sollte. Von da her müsste man sagen.

oder ästhetische Gebilde. Sie bleibt ein Geschenk des Schicksals. wird das Gewusste auch schon gleichgültig und treibt beide hinaus in den neuen Prozess. als Ausnahme. Vergleicht man die Struktur existentieller Kommunikation mit derjenigen der objektiven Kommunikationen. die es dem anderen schwer macht (Phil 66). Es wurde nun systematisiert als Sprungbrett in eine transzendierende.. sagte. weckt jeder den Drang seiner Sprengung und damit den Drang in die Einsamkeit. Existenz als Selbstsein. dass sich hier die ganze Struktur der Kommunikation wiederfindet. Ihr Ursprung ist . dass. das. in Auseinandersetzung mit Hegel. sondern sie kennt auch das Ungenügen dessen.vom Standpunkt der Sachlichkeit .denn er ist zu allverbindend . obwohl sie ein Handeln von Mensch zu Mensch ist.). quasi-theoretischer Art. eine metaphysische Kommunikation der 'selbstseienden Wesen' (W 370). Indern anderer Geist durch Ideen überzeugt wird.weder planbar noch willentlich machbar. ist nicht eine 'feste Seinssubstanz' (Phil 70). Solche Ganzheiten können praktischer Art sein. . Gehalt.ich mich aber ganz mit dem Anderen im Wissen treffe. wie Weltanschauungen und Philosophien. Aber wie steht es mit der Einsamkeit? Jaspers spricht. Existentielle Kommunikation ist so . aufzuzeigen. der Einsamkeit entronnen ist. Es wäre leicht. und das Wagnis der Hingabe sie doch preisgibt. nirgends von ihr und so ließe sich denn vermuten. die Kirche. der 'ohne Machtwillen' und 'unter gegenseitiger Auslieferung aller Waffen' auf 'gleichem Niveau' (W 376) in 'restloser Offenheit' (Phil 65) geführt wird. des Wissens und des Lebens bringt. Eigentlichkeit entdeckt sie dort und nur dort.Jaspers nennt. Seine Substanz ist die Liebe. wie etwa die Familie. 'Geist' jenes Ego. aber in 'unvergleichlicher Solidarität' (Phil 65) seine Kräfte steigert und sein Wesen als das zur Erscheinung bringt. die also einsam ist durch totalen Verzicht auf Gemeinschaft des objektiven Geistes. Er ist nun von etwas erfüllt und vergisst darin leicht. Deshalb die metaphysische Aussage: Existenz ist nicht ohne Transzendenz. in dem sie unweigerlich wieder einsam sind. Wäre diese Einsamkeit nicht immer neu lebendig. der in solchen Kommunikationen steht. Dann verwandelt sie das sachliche Nichts in eine metaphysische Grundlosigkeit. soweit ich sehe.als nicht abgleitender 'liebender Kampf' . sondern als sokratische Liebe. so zeigt sich zwar die Gleichheit: auch sie ist ein Wechselverhältnis von 36 . die. Dieses verbleibende Defizit charakterisierte er später als Ungenügen an allen Formen der immanenten Kommunikation.'das Nichts' (Phil 71) und ihr Prozess . aber weder als klassischer Eros . mithilfe endlicher Ideen. Aber dieser Schluss wäre durch die Preisgabe der Dialektik und durch den Einstieg in ein harmonisches Ganzes geradezu ein Attentat auf Jaspers' Philosophie. der ständig eines Stachels bedarf Dieser Stachel ist der Kampf. Probleme stellen sich auch angesichts der Kommunikation des Geistes. die der Ursprung als Transzendenz ist.objektiv . und in allen Sphären in Beziehung stehen und ist doch subjektiv und objektiv einsam' (IE 392 f.'eine Schöpfung aus Nichts' (Phil 70). Sie kennt nicht nur jene Gestalt. das Ich der Eigentlichkeit des Menschen. wo sie Sachlichkeit aufgibt. Existenzerhellung würde deshalb als Sachwissen buchstäblich ins Leere laufen. die für Jaspers zugleich die philosophisch relevanteste und die rational unfasslichste Kommunikation war. Ordnung und Ganzheit in das Vielerlei des Verstehens. Nicht allein die Kommunikation des Geistes leidet an diesem Ungenügen. was es der Möglichkeit nach ist. wer als ein Glied mit anderen Gliedern in einem Ganzen steht. geht er Kommunikation ein und nimmt Teil an Ordnungen und Ganzheiten. Schon der Psychologe Jaspers. Er ist Kampf miteinander umeinander und auch füreinander. Da keiner dieser Organismen das Ganze ist. in dem die Härte des Distanzierens die 'Würde der Einsamkeit' (Phil 78) erhält. überhaupt in keiner bergenden Ganzheit steht. der doch alles Nichtobjektivierbare bewusst mied. Existentielle Kommunikation nun ist jener wechselseitige Prozess des Selberwerdens. dass dieses 'ein Ganzes' ist. so müsste der Gehalt der Kommunikation des Geistes und damit diese selber in toten Sinngehäusen absterben. 'Jemand kann für alle seine Egos .. der Staat. aber nicht 'das Ganze' (VE 79).noch als christliche Caritas .denn sie ist eine versteckte Form der Macht -. mithilfe deren exemplarisch gesehen oder verstanden wird.

Selbstverhältnissen. In ihm zerbricht nicht nur Kommunikation: 'Ich selbst zerbrach.Als qualifizierte. 'wenn ich nur ich bin' (Phil 56). Insofern Existenz nicht ohne Transzendenz ist und nur in Kommunikation wird. . das dialektische Korrektiv. als mir Kommunikation zerbrach' (Phil 82). aber die Selbstverhältnisse und das Wechselverhältnis sind nun unendlich. immer einsamen Tod. Da dieser Prozess nicht von den Partnern allein bestimmt wird. .im Dasein notwendig 'öffentlich'. in allen objektiven Kommunikationen immer noch allein zu sein. moralistischer Überheblichkeit oder szientistischer Plattheit . Aus einem wachsenden Ungenügen auch noch an existentieller Kommunikation entwirft Jaspers deshalb die Idee einer Kommunikation der Vernunft. der als Drang. Kierkegaard mit Kant zu verbinden. freilich ohne Kommunikation mit ihr. dass ich in aller Gemeinschaft ich bleiben muss. oder in der vermeintlichen Einsicht.oder. 'die tiefste Wahrheit ist.Als die Gewissheit. Andrerseits ist Vernunft selber ohne Substanz und verliert sich leicht in der 'Verblasenheit. ist sie der 'unaufhebbare Pol' (Phil 29) aller Verbindung. dass ich also nicht allein ich selbst werden kann (Phil 74). religiöser Ausschließlichkeit. dass ich 'veröden' muss.) hat und darin auch widervernünftig (VE 61) sein kann.der Versuch. Da die Kommunikation der Vernunft. der "in gleicher Tiefe' erfolgen kann 'wie das Wirklichwerden der Kommunikation' (Phil 81). Das ist historisch betrachtet . existentielle Einsamkeit ist sie eine Grenzmöglichkeit von Kommunikation: 'Selbstkommunikation' (Phil 55). stehen in der existentiellen Kommunikation die Selbstverhältnisse und das Wechselverhältnis in Bezug zu Transzendenz. Weite und Verbindung. Ich harre dann gleichsam auf ihn. Als das Gefühl. als Ausnahme. an dessen Grenze mit aller Kommunikation allerdings auch alle Einsamkeit verschwindet. dann den Prozess aus der Erinnerung weiter: allein und doch in Kommunikation. in ihrer Geschichtlichkeit eng wird und in ihrem Eigenwillen sich abschließt.sei es aus weltanschaulichem Fanatismus.immer der schuldhafte Abbruch der Kommunikation. dass es keine Menschen mehr gibt. meine Einsamkeit in einem 'einsamen Selbstwerden' (Phil 79) transzendierend. dass ich keine Menschen mehr habe. Da alle Existenz ihre geschichtliche 'Enge' der Erscheinung (Phil 58f. in den Leib der Objektivität eingehen muss. Schließlich gibt es das Wissen um den eigenen.Ich kann in der Erfahrung. die zwar 'bei wenigen beginnt'. ist Vernunft. und das Wechselverhältnis ist horizontal. zum Gegenpol der Kommunikation selber wird.Im unendlichen Prozess der Kommunikation aber ist sie die jeweils neue Einsamkeit. und nun schattet alles Selbstwerden zur Einsamkeit ab. und als Erfahrung.die sokratische Polemik . wie auch die existentielle. als der unablässige Drang zu Helle. so dass sie eine einzige Gemeinschaft würden' (Phil 63).und Anderswerden mit sich bringt. wird ihr Kampf . die alles Selbst. Er stiftet die Verbindung. . Man hört den Anklang: das ist das Kierkegaardsche Selbstverhältnis plus Kommunikation . heroisch einsam auf alle Surrogate verzichten (Phil 80) und darin. Vernunft muss existentiell und Existenz muss vernünftig werden. wenn Wahrheit Kommunikation stiften soll. die Kommunikation wieder zu verlassen. ist sie der ‚Bereitschaftswille' (Phil 61) zur und der Drang in die Kommunikation. . Jaspers sagt dort.die Bewegung von zwei Einzelnen. dass. In keiner anderen Kommunikation spielt für Jaspers die Einsamkeit eine so entscheidende und paradoxe Rolle. die nicht Ausnahmen sein wollen. hat in ihm die Einsamkeit unbestimmt viele Gesichter: Der kommunikative Prozess kann im Partner erlahmen. sondern wesentlich vom Schicksal. was alle Menschen verstehen können. die nun als einzige keine Form der Einsamkeit mehr zu kennen scheint. Ohne das Existenz jede Kommunikabilität verliert. In alle Verhältnisse dringt zudem eine neue Dimension. Die Vernunft wird bei Jaspers gleichsam als die Siamesische Zwillingsschwester der Existenz gedacht. Wo Existenz in ihrer Substanz dunkel bleibt. . droht überdem . in eine solche Einsamkeit eintreten. dass ich nun die Leere der lchheit als Möglichkeit 'des Nicht-Seins' (Phil 79) erfahre und darin allererst den Antrieb zur Kommunikation finde. die andere Kommunikation voraussetzt und begründet. aber 37 . Das Programm einer universalen Kommunikation war übrigens schon in der 'Philosophie' angekündigt.Ich kann durch Tod des Anderen allein übrigbleiben und vollziehe.

sind die offene und verlässliche kommunikative Ich. oder die menschliche Kommunikation erlahmt im Genügen an ihr. auch eine philosophische Wahrheit? . Kommunikation ist nicht ohne Bewusstsein und Erleben der Grenzsituationen. gemieden werden. durchdrungen von Vernunft und Existenz. Eine gewisse norddeutsche. zeigt sich auch Schuld. die sich auszuschließen scheinen. und in den Kommunikationen.."Selbstsein . Und wenn Kommunikation im umgreifenden ordo je schon gegeben ist . auf dem Hintergrund der analogia entis. Die vernünftige Welt wird erst Möglich durch 'die in sich wachsende Kraft der Polarität von Einsamkeit und Kommunikation' (AZM 471). die ich kurz Revue passieren lasse: Warum soll Kommunikation auf Wechselverhältnisse unter Menschen begrenzt sein? Ist nicht das Zwiegespräch mit der Natur ebenso eine Erfahrung der Weltfrömmigkeit wie das Zwiegespräch mit Gott eine Erfahrung des personalen Theismus? Ist nicht der alte ordoGedanke. ist nichts anderes als bedingungslos in Kommunikation sein' (VE 87).dann ist sie nicht mehr aufgegeben. Für den Raum des Daseins billigt er ausdrücklich den machiavellistischen Kampf. in alle Staaten und Kirchen und Genossenschaften' (AZM 308) eindringt. wandlungsfähig und kommunikationsfähig werden. universale Kommunikation zur kosmischen und ontologischen Verbundenheit des Seins wird. Die Vernunft hat darin Einsamkeitsfähigkeit als Aufgabe: als Kraft. weil sie nicht die Totalität sind. Gemeinsam sind sie eine Chiffre des Eigentlichseins . weil sie in ihrer Endlichkeit nicht mit allen in Kommunikation treten können.. nicht helfen' (Phil 88) kann. das aus der Einsicht lebt. in dem. Das harmonische Weltverständnis jenseits der Grenzsituationen zerbricht die 'unbedingte Aktivität" (Phil 106). wird sie entweder degradiert (Phil 166f. Ihre Verbindungen bleiben auch immer noch dem Zufall überlassen.ist Einsamkeit nicht überwunden. ein gnadenloses 'Schwermachen'. indem sie 'in alle Organisationen . Kommunikation ist so immer im Rahmen und auf der Basis von Grenzsituationen.. Diese Zerbrochenheit bringt in Jaspers' Kommunikationsphilosophie eine herbe Luft. In ihren Verbindungen ist Kampf das vorantreibende Medium. Ein aristokratischer Stolz und eine oft etwas fassadenhafte Würde passen eigentlich nicht zur Grundeinsicht. weil sie sterblich sind. die allein standhält in einer noch nicht vernünftigen Welt. weil sie kontingente Wesen sind. Jaspers lässt zwar für all das ein als-ob gelten. Denn wenn Transzendenz 'als ein Du zu nahe gebracht" wird. In der existentiellen Kommunikation ist zwar viel vom 'liebenden Kampf' die Rede..'schließlich zur Gemeinschaft Aller wird' (AZM 303).Fritz Kaufmann' hat mit philosophischer Eindringlichkeit diese Fragen aufgeworfen und sie mit dem Entwurf eines Kosmos der Kommunikation beantwortet. aber diese Liebe ist ein Prozess ohne Mitleid. und zwar um der Kommunikation willen.sie bleibt ein Weg .und Sozialwelt: 'die universale Bedingung des Menschseins' (VE 59). Deshalb muss es. so dass alle offen.. vor allem in der existentiellen. sondern sie alle.). dass wir endliche und damit bedürftige Wesen sind. Gegen Jaspers' Kommunikationsphilosophie und ihre dialektische Verbindung mit der Einsamkeit sind eine Reihe von Einwänden erhoben worden. dass ihm diese Chiffre des Seins als unwahr gilt. dass ich 'dem existierenden Selbst . das ist geradezu 'Voraussetzung eigentlicher Kommunikation" (Phil 105). gehören wirklich zusammen: 'Grenzsituationen erfahren und Existieren ist dasselbe' (Phil 204). Forschung nicht mehr das Reich des beliebigen Erkennens und Geist nicht mehr die Welt der Gehäuse. 38 .. Auch im Prozess zu dieser Welt .2 Aber es kann kein Zweifel bestehen.in seiner Dialektik von Unendlichkeit und Zerbrochenheit. Andrerseits wird die Wahrheit der Grenzsituationen in und aus den Kommunikationen erhellt und erfahren und nicht außerhalb ihrer. für den die Totalität des Seins von der Sympathie und der Liebe der Transzendenz durchwaltet ist. Beide aber sind miteinander ähnlich dialektisch verflochten wie Einsamkeit und Kommunikation: Die Menschen verbinden sich. Die beiden Sätze... ohne Barmherzigkeit und ohne Selbstlosigkeit. protestantische Distanz des Herzens scheint hier die Mitmenschlichkeit aller Wärme zu berauben und das Dasein aller Menschenliebe. Dasein ist dann nicht mehr das Reich der bloßen Machtpragmatik.

Sie alle sind die Kehrseite der Macht. Fritz Kaufmann. 193 ff. Wenn man schon einsieht. mit betont antinationaler und 39 . 'Leicht schlägt zwar . Stuttgart 1957. 782 ff.. aber auch 'Egozentrie' das Grundmerkmal der existentiellen Kommunikation verloren haben. Jesus degradiert die Liebe in der Caritas und damit die Liebenden und die Geliebten. von 1919 bis 1921 und von 1945 bis 1946 Ministerpräsident von Oldenburg. ja ihre Kategorie der Liebe versteht sich. dass Politik alles ist.A. und zwar dezidiert freisinnig-liberalen Elternhaus in Oldenburg.. Stuttgart 1957. heißt es schon 1915. Die Bewahrung des Einzelnen und seiner Freiheit wird so zum Maß der Politik. Schilpp (Hrsg. 'Mitleid'. Karl Jaspers. Schilpp (Hrsg. Sie hat ihrerseits eine Transzendenz im Überpolitischen und muss sich an der Vernunft orientieren. sein Vater.. 756 ff. aber damit sind Machtinstinkte . in das alle Kommunikation mündet? Ist Kommunikation nicht der 'hoffnungslose Versuch einer Gemeinschaft der Einsamen' (Phil 62)? Jaspers hätte das weder bejaht noch verneint. dass so alle Philosophie doch wieder konkret und politisch werden muss: warum dann nicht ganz Politik und Soziologie? Dass sich aber Philosophie in der Politik bewähren muss. A. 'Selbstlosigkeit'. die sich in den großen Bewegungen dieses Denkens zeigen lässt.. Sie kennt kein Letztes . Bleibt also die Einsamkeit . zumindest in frühen Jahren. Er hätte vielleicht geantwortet: Wer so fragt. Diese Philosophie des Selbstseins lebt aus einem nicht-christlichen Ethos. Deshalb gilt die Paradoxie. In: P. dass Kategorien wie 'Güte'. hat die Dialektik bereits verlassen. 821 ff. Zur politischen Philosophie von Karl Jaspers I. der Dunkelheit des Weltseins und der Sprachlosigkeit der Transzendenz nicht das Letzte. Anmerkungen 1) Vgl. weil diese der Leib von Vernunft und Existenz ist. transzendiert in den Bereich des Unobjektivierbaren und re-inszendiert in die Objektivität.). S. Mehrere seiner väterlichen Vorfahren hatten lokale politische Ämter inne. ein Bruder seiner Mutter ist Theodor Tantzen. um vernünftig politisch sein zu können. stand Politische Philosophie doch nicht an seinem Beginn. Und das wird später nicht gemildert: 'Ich wollte nicht Kommunikation. die Liebe um in Güte . aufgegeben oder beiseite gedrängt' (IE 397). und die Liebe (ist) . In der Familie wurde viel politisch diskutiert. und das Recht auf Selbstsein wird zu ihrer Grenze. als bewusst anti-christlich. zur Geltung gekommen. Sie muss philosophisch werden. 'Alterozentrie'. ist in ihr untergegangen. Zwar stammt Karl Jaspers aus einem politischen. Es geht aus vom faktisch Gegebenen. war oldenburgischer Stadtratsvorsitzender und Landtagsabgeordneter. S. heißt noch nicht. Jurist und Bankdirektor. 2) Karl Jaspers. Antwort.. Sokrates ist der philosophisch Liebende. darum will ich schließlich Mitleid' (Phil 88).es sei denn die Bewegung selber.. nämlich. Karl Jaspers.angesichts der Sterblichkeit des Menschen.im Unterschied zur vieldiskutierten 'Kehre' bei Heidegger durch kontinuierliche Entwicklung ohne wesentliche Brüche und Umschwünge charakterisiert ist.. Alexander Schwan (Berlin) Existentielle und politische Freiheit... dass zwei Selbste einander 'auf gleichem Niveau' (IE 3%) begegnen.. Karl Jaspers und die Philosophie der Kommunikation. Formen der Objektivation des Mitmenschen. Mit diesem Stolz ist vielleicht auch eine Inkonsequenz verbunden. Wer ganz in der Politik aufgeht. Obwohl Jaspers' Philosophieren ..).Er hätte auf solche Vorwürfe wohl geantwortet. danach Minister in der ersten niedersächsischen Landesregierung. In: P.

freiheitsbedrohenden Wiederherstellung von Einheit. doch seine Skepsis war groß. seinem ersten Buch. In der damals sehr renommierten Heidelberger Philosophischen Fakultät hatte Jaspers häufig Streit mit der Mehrheit seiner Kollegen wegen deren deutsch-nationaler Haltung. Die Weimarer Republik hatte im Grunde auch er wie viele deutsche Intellektuelle mangels eines inneren Verhältnisses zur parlamentarischen Demokratie soweit schon aufgegeben. obwohl er weder den philosophischen Doktor noch die philosophische Habilitation erworben hatte. ständig gegenwärtig.antiimperialer Zielrichtung. doch konnte er der konkreten Befindlichkeit der Republik auch keine positiven Aspekte abgewinnen. Autorität und Gehorsam würde in der Mitte hallen können.und Endphase der ersten demokratischen Republik auf deutschem Boden vor der Verführung durch Bolschewismus und Faschismus. In dieser Schrift ist sehr grundsätzlich von der Bedrohung. Die Zwanziger Jahre waren einer regen Lehrtätigkeit. dem Ohnmachts. Göschen-Bändchen. um allererst die Voraussetzungen für ein politisches Leben unter demokratischer Ordnung zu schaffen.1920 eine Professur für Philosophie in Heidelberg. Jahrhundert bezeichnet. der Fragwürdigkeit der modernen geistigen und politischen Weit die Rede. verlor 1937 seinen Lehrstuhl und erhielt 1938 Publikationsverbot. Er warnte in der Krisen.gegen den erbitterten Widerstand des Neukantianers Heinrich Rickert . vom Kriegsdienst aus gesundheitlichen Gründen ausgeschlossen. Jaspers hat diese philosophischen Voraussetzungen tatsächlich erarbeitet. Wirksam werden konnte er damit erst nach 1945. Jaspers wurde 1933 sofort aus der akademischen Selbstverwaltung ausgeschlossen. ganz auf systematische und geschichtliche Probleme der Philosophie konzentriert. Aber er erlangte Berühmtheit mit der 1931 erschienenen Schrift 'Zur geistigen Situation der Zeit'. innerhalb dessen sich sein Interesse sehr bald auf die damals entstehende Psychiatrie richtete. 'Existenzerhellung' und 'Metaphysik'. Die Zeit der inneren Emigration zwischen 1933 und 1945 wurde für Jaspers zur kathartischen 40 .an einer seltenen. wandte sich nach kurzen rechtswissenschaftlichen Versuchen einem ganz unpolitischen Medizinstudium zu. Schließlich bekannte er sich zwar zum bewussten Mitleben in dem glanzlosen Staat. Aber der junge Jaspers. der dreibändigen 'Philosophie' mit den Teilen 'Philosophische Weitorientierung'. Als Ausweg aus der Misere sah Jaspers damals nur. von dem sechs Jahre jüngeren Heidegger in einer großen Rezension gewürdigt. in der existentieller Verantwortung kein Raum gelassen werde. gewidmet. im Falle einer Verhaftung seiner jüdischen Frau gemeinsam mit ihr aus dem Leben zu scheiden. ob der Staat sich zwischen einem Verfall ins Chaos und einer diktatorischen. Er lebte zurückgezogen in Heidelberg. Das in Ansatz und Gedankenführung schon deutlich philosophische Buch verschaffte Jaspers .). die Kompromisslerei und das flüchtige Verhandeln kein langfristiges Handeln und keine dauerhafte Autoritätsbildung mehr möglich mache. habilitierte er sich 1913 und wurde. 1919 erschien seine 'Psychologie der Weltanschauungen'. die sich 1933 als Täuschung herausstellte und zerbrach (ähnlich wie die zwischen den 'dialektischen Theologen' Karl Barth und Friedrich Gogarten). Ansonsten verzichtete Jaspers in dieser Zeit der Weimarer Republik auf ein politisches Engagement. der von früher Jugend bis in sein hohes Alter . dass der jeweilige ausweglose Mehrheitswille. Jaspers' Kritik wendete sich aber ins Prinzipielle. dass die auf ihr Ende erfolgende Unterbrechung seines eigenen freien philosophischen Wirkens in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft von ihm selbst zu seinem Teil nicht verhindert werden konnte.er ist 86 Jahre alt geworden . dem 1000. der Abgründigkeit. die Existenz philosophierend zur Erfahrung ihres Selbstseins in Freiheit zu bringen. Er wurde Forschungsassistent an der Heidelberger Psychiatrischen Klinik. was beide zu einer Geistesverwandtschaft zusammenführte. als deren gefährlichste Krisensymptome das 'Massendasein' und die 'Massenordnung’ benannt werden (GSZ 32 ff. unheilbaren Lungenkrankheit litt. Der innere Zustand der Weimarer Republik war Jaspers Ausdruck der desolaten 'Massenordnung'. Mit der 'Allgemeinen Psychopathologie'. wenn er beklagte. und der Ausarbeitung des ersten Hauptwerkes. 1916 in Heidelberg Extraordinarius für Psychologie.und Endbewusstsein. später als das erste Werk der Existenzphilosophie im 20.

B. wie es sich für Jaspers unter dem Eindruck des Scheiterns der ersten deutschen Demokratie . Februar 1969. um das Verhältnis von Philosophie und Politik inhaltlich die in ihm zentrale Zusammengehörigkeit von existentieller und politischer Freiheit . herausgebildet hat. Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft widmete sich Jaspers sofort aktiv dem Wiederaufbau der Heidelberger Universität. erwarb er mit seiner Frau das Basler Bürgerrecht. die das 'Dritte Reich" schließlich nur dadurch überlebt hatte.und des zweiten demokratischen Versuches. dass er in den sechziger Jahren mehr und mehr von Befürchtungen erfüllt wurde. an die sich 'Vom Ursprung und Ziel der Geschichte' und 'Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung' sowie verschiedene andere. z. konnten die Rehabilitierung und Rückkehr allzu vieler kompromittierter Professoren an die Heidelberger Universität nicht ertragen. zwei Jahre vor seinem Tod. philosophiegeschichtliche Arbeiten anschlossen. sollte Kulturminister in Stuttgart werden. die Vorbereitung der Notstandsgesetze und ähnliches bewogen ihn. was er aber wegen seiner gesundheitlichen Behinderung ausschlagen musste (Minister wurde dann Theodor Heuss). Geburtstag seiner vier Jahre älteren Frau. so insbesondere von 'Vernunft und Existenz' und der Philosophischen Logik unter dem Titel 'Von der Wahrheit'. die Bildung der Großen Koalition unter einem ehemaligen Parteigenossen als Bundeskanzler. um einen Ruf nach Basel anzunehmen. gab er die deutschen Pässe zurück. Ein besonders signifikantes Zeugnis politik-philosophischen Denkens habe ich noch nicht erwähnt. einen geradezu 'koboldischen Lärm' (LdP 172). Offenkundig waren es die vielen vehementen Anfeindungen. 1956 und 1958 griff er kritisch in die Antiatomtod-Kampagne ein mit einem viel beachteten Radiovortrag und Buch über 'Die Atombombe und die Zukunft des Menschen'. Jaspers' Dankrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahre 1958. Freiheit und Friede' (LdP 158 170).zu skizzieren. 41 . Von Basel aus nahm Jaspers aber lebhaften Anteil an der politischen Entwicklung der Bundesrepublik. Doch 1948 verließ er Heidelberg. Sie können wir zum Ausgang nehmen.der nationalsozialistischen und dann in der DDR der kommunistischen . am 26.Periode in seinem politischen Denken.reiche philosophisch begründete Stellungnahmen. trotz wesentlich schlechterer finanzieller und personeller Ausstattung des dortigen Lehrstuhls. 1960 war er dann einer der ersten wenn nicht der erste Autor mit breiterer Publizität überhaupt der das nationalstaatliche deutsche Wiedervereinigungspostulat grundsätzlich infragestellte und für die Anerkennung der Oder-NeißeGrenze eintrat . ist er in Basel gestorben.der Weimarer Republik -. Am 90. als sie mit nationalistischen Tönen vermischt waren. um eine auf die Förderung von mehr Freiheit in Osteuropa gerichtete Politik zu ermöglichen. insbesondere aus der DDR.lange vor der SPD -. dass sie sich längere Zeit bei Freunden versteckt hielt. wie er selbst schrieb. 1967. II. Diese Streitschrift und die ein Jahr später erschienene 'Antwort' auf ihre Kritiker sind in erster Linie Zeugnisse von Jaspers' tiefer persönlicher Enttäuschung und Verbitterung im hohen Alter. die ihn um so mehr trafen. der Etablierung zweier totalitärer Herrschaften auf deutschem Boden . 1966 mit der Streitschrift "Wohin treibt die Bundesrepublik?' eine überzogene und durch die weitere Entwicklung größtenteils ins Unrecht gesetzte Attacke auf die ganze westdeutsche politische Kultur zu reiten. das Hin und Her der Verjährungsdebatte. Er und insbesondere seine Frau. Deutschland könne einen Rückfall in die braune Diktatur erleiden. also in der Bundesrepublik. Sie war zugleich die Phase der Ausarbeitung wichtiger weiterführender philosophischer Schriften und Werke. die ihm von der Linken. hielt mit großem Publikumsecho Vorlesungen und Vorträge über die 'Schuldfrage' und die 'Idee der Universität'. vor allem durch zahl. Der Auftrieb für die NPD. den wütenden Vorwurf eines 'NATOPhilosophen' eintrugen. Sein Fernseh-Interview mit Thilo Koch und seine Schrift 'Freiheit und Wiedervereinigung' entfachten damals. Vor 30 Jahren also hielt Jaspers in der Frankfurter Paulskirche diese Friedenspreisrede unter dem bezeichnenden Titel 'Wahrheit.

Das existentielle. gewinnt gemeinschaftliche Gestalt in der republikanischen Regierungsart. Jaspers begreift die Herkunft der geistigen Situation im 20. in ihre Dialektiken und Umstürze. an die Voraussetzung der Mitverantwortung der menschlichen Existenz. 'das wie das Nichts ist und nur in Verneinung (dem Absurden. Die eine Wahrheit im Ganzen ist nicht verfügbar. wofür Kierkegaard und Nietzsche den stärksten Ausdruck finden: Sie ‚verzehren' alles Bestehende durch die 'schwindelerregende Bewegung' hin zu einem außerweltlichen Christentum. d.die staatliche Ordnung und ihre Sicherung .rede hinaus auf seine philosophischen Hauptwerke ('Philosophie'. 'Vernunft und Existenz'. der inneren und äußeren Sicherheit. durch die Art und Weise ihres Lebens in Wahrheit und Freiheit (LdP 170). mit der Wirklichkeit unserer Wahrheit seien wir immer nur auf dem Wege.existentiellen und sozialen . dem Märtyrersein) und im negativen Entschluss sich zeigt' (Kierkegaard) oder zur nihilistischen Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen.und Friedensgedanken verknüpftes Wahrheitsverständnis begründen? Diese Fragen verweisen über die Friedenspreis. Freiheit ihrerseits aber ist allein durch Wahrheit (LdP 159ff. Die uns zugängliche Wahrheit ist stets pluralistischer Struktur. mit der ein von allen bisherigen Fesseln sich freimachender Wille zur Macht seine neue Dogmatik begründet (Nietzsche). soziale und politische Leben wird somit zunächst wesentlich an das Geschehen von Freiheit gebunden. die sich durch Sören Kierkegaards und Friedrich Nietzsches radikale Infragestellung des traditionellen europäischen Denkens ereignet hat. Jahrhundert diese geistigen und ineins damit die politischen Autoritäten zerfallen. Nur so verstanden setzt sich unsere jeweilige Wahrheit nicht dogmatisch an die Stelle der einen Wahrheit. das im Sein. a. behauptet sich gegen Unterdrückung durch fremde Staaten. sie soll vielmehr der Wahrheit dienen und ihr entspringen. sie appelieren um einer unbedingten Wahrhaftigkeit willen 42 . Was besagt dies? Jaspers erklärt auch: Der äußere Friede . h. so sind seit dem 19. sondern es begegnet sich vielfach Wahrheit in geschichtlichen.In seiner Friedenspreisrede interpretiert Karl Jaspers das Verhältnis von Philosophie und Politik inhaltlich als eine wechselseitige Beziehung von Wahrheit. Dazu gebe ich im Folgenden nur die wichtigsten. Im Ganzen dieser drei Momente ist Freiheit wirklich" (LdP 160). Sofern alle drei Momente zusammenkommen.). eines jeden Einzelnen.und Verfassungsform in Jaspers' Sicht die Chance. gewinnt die Demokratie als Lebens. in Gott oder in der Vernunft erblickt wurde. ob die Unwahrheit selber zu einem Moment der Wahrheit werden könnte' (LdP 161). Er bindet die Möglichkeit des Friedens. partiellen Gestalten. um auf unser engeres Thema hinzuführen.). Freiheit ist umgekehrt bei Jaspers als immer auch politisch sich artikulierende und allein so gesicherte Freiheit bestimmt. Beide stellen die metaphysische Wahrheit aber aus der Tiefe der Existenz infrage. Gründeten zuvor alle Wahrheitsauffassungen in der Gewissheit eines tragenden Fundaments. dieser Friede aber ist allein durch Freiheit. das doch Verbindlichkeit ermöglicht und nicht relativistisch-beliebig-gleichgültig ist. Verständigung und Ordnung. Freiheit am besten zu realisieren. Jahr. sie bleibe eine stets zu suchende. kann dann die entscheidende Annäherung an die im Ganzen entzogene Wahrheit bedeuten. niemand habe sie. aber sie ist auf die eine verborgene Wahrheit bezogen und in ihr transzendent begründet. zu erkennen und zu bejahen. Er selbst aber gibt die Auskunft. bis zu der Paradoxie.Frieden der Menschen. In neueren Zeiten denken sie sich ein in ihre Fragwürdigkeiten. Wie ist das zu verstehen? Wie kann Jaspers ein solches integral mit dem Freiheits. 'Seit dem Altertum handeln Philosophen immer wieder von der >Wahrheit<. Diese Freiheit nun wird vom beliebigen Meinen und Wollen der Subjekte abgegrenzt. Freiheit und Friede. unumgänglich erscheinenden grundlegenden Hinweise. Dies zu erfahren. III.ist nicht ohne inneren .hundert und seines eigenen Philosophierens von der Wende her. "Freiheit beginnt als Freiheit des einzelnen. Was aber ist Wahrheit? Jaspers antwortet. 'Von der Wahrheit'. 'Vom Ursprung und Ziel der Geschichte' u. gewinnt sie vielmehr ihr je eigenes relatives Maß.

in sich spannungsvolle Geschehen ist es das Zugleich von Konstitution und Entzug. Ideen und Weltanschauungen entfaltenden „Geistes“. und zwar durch das „Umgreifende. IV. Von diesem Ausgangspunkt stellt Jaspers – formal identisch mit Martin Heidegger . und zwar in den Weisen des (materiellen) „Daseins“.. verunsichert sie aber zugleich. dass 'wir' sind. 'Alles. Die Sphären des Daseins und des Geistes schränken die Rationalität des Bewusstseins ein und verlebendigen sie.. als das es gegenüber allem Seienden entgrenzt ist. Das. Diese Sub-jektivität ist zutiefst infragegestellt.die Frage nach dem „Sinn von Sein“1. des (wissenschaftlichen) „Bewusstseins überhaupt“ und des sich in geschichtlichen Werken. Ihre Isolierung und ihre Verabsolutierung führen zum materialistischen' wissenschaftlichen (bzw. Das Sein selbst ist fragwürdig geworden. das wir sind'. ist doch für uns stets noch in einem Anderen. was er in den Weisen des Umgreifenden zu sein vermag. Wir gewinnen keinen Standpunkt. kann sie niemand beanspruchen. es ist also zunächst das „Umgreifende“ alles Auftretens von Seiendem. der Horizont. die allgemein und objektiv erkennbaren Gehalte müssen vielmehr bewahrt und ausgetauscht werden.. So entzieht sich das Sein in einen letzten Horizont. Aber dieses für die gesamte neuzeitliche Philosophie maßgebliche „Umgreifende. und keine Folge von Standpunkten. Auch die einzelnen Weisen des Umgreifenden dürfen demzufolge nicht absolut. E 13 ff. das in seinen Horizont tritt und diesen erst zu dem werden lässt. jedes endgültige Verweilen aufzugeben. bleibt sie eine stets zu suchende.. Entgegenkommende. indem es zugleich alle in seine Grenzen weist. ist nicht alles. durch deren Gesamtheit sich das Sein auch nur indirekt als geschlossen kundgäbe (VE 35). ist doch seinerseits nie ohne den Bezug auf das Andere. Sein Denken geht nun ebenfalls davon aus. deren Ganz hier nicht darstellbar ist. begegnet sich vielfach Wahrheit in geschichtlichen. Deshalb eben sind wir mit jeder einzelnen Erkenntnis (und sei sie noch so komplex oder verstehe sie sich als noch so allgemeingültig) immer nur auf dem Wege. der das Erreichte einschließt. geht weiter und zwingt. Die Erfahrung der unauflöslichen Spannung beider Seiten ermöglicht überhaupt erst Wahrheit.. . wenn sie sich 43 . die strenge Bezogenheit der Seinsfrage auf „das Sein. Auch die neuzeitliche Subjektivität bedarf der Weit als gleichursprünglichen Seins. VE 35 fl. VE 43. in das zuletzt Umgreifende. wissenschaftstheoretischen) oder geschichtsphilosophischen Dogmatismus (der Marxismus hat in seinen verschiedenen Versionen Anteil an allen drei Dogmatismen) Bewusstsein und Geist ohne die Daseinswirklichkeit und ihre materiellen Bedingungen waren irreal. was uns Gegenstand wird. als dieses eine sich in die Vielfalt erstreckende. das wir selbst sind“. 'Dasein. relativen Gestalten. „Bewusstsein“ allein wäre abstrakt. Dasein und Geist ohne diese Rationalität wären umgekehrt widermenschlich und gefährlich. Seine dieser Frage nachgehende Philosophie analysiert in einer Vielzahl von Schritten. partiellen. das das „Sein selbst“ ist) in vielfältigen Weisen. ist immer in irgendeiner Weise der Horizont innerhalb dessen Seiendes begegnet. was wir selbst sind. Damit werden sie bei aller Kritik zum Anstoß für Jaspers’ Philosophieren. ist die eine Wahrheit im Ganzen nie verfügbar. Wahrheit ist dann das Geschehen der Begegnung beider Grundweisen des Umgreifenden (dessen. sondern nur im relativierenden Bezug aufeinander verstanden werden. 'Geist' allein wäre historistisch missverstanden. und dessen. Ganz im Geiste Kants sagt Jaspers.). Angesichts dieser Beziehungen und Spannungen fragt sich nun dringlich: Was ist der Einigungspunkt der drei Weisen des Umgreifenden (das wir sind).an den Einzelnen (VE 12). von dem das geschlossene Ganze des Seins überblickbar würde. CH passim). Dieses ins Geheimnis entrückte Sein heißt „Transzendenz“ die nur in 'Chiffren' indirekt ausgesagt und zur entbergend („erhellend“) verborgenen Wahrheit gebracht werden kann (W 107ff. allein wäre materialistisch oder positivistisch. Wohin wir auch kommen. das das Sein selbst ist' (W 47 ff. dass die Existenz sich angesichts der Erfahrung der Ve3runsicherung aller Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten nicht mehr auf die eine Wahrheit im Ganzen verlassen kann.

sofern ich in dieser Weisen des Umgreifenden ausgesetzt bin und ihr Zusammenspiel zu dem meinigen mache. Es ist an den Augenblick gebunden und verleiht ihm gerade unbedingte Bedeutsamkeit. Scheitern und Schuldigsein eingestiftet. diese Grenze ihrer Freiheit zu sehen und sich angesichts ihrer zur Universalität und Offenheit hin zu überschreiten. Die Auskunft von Jaspers bekanntlich. 'eigentlich'. des Leidens. es ist ihr nicht erlaubt. Das gerade eröffnet ihr die Dimension der Freiheit. aber nicht in Gegebenheit. Sie steht dauernd zwischen Verfehlung und Versagen einerseits sowie Gewinn und Verwirklichung andererseits. Sie darf nicht 'ersticken' an irgendeiner Weise des Umgreifenden. Und indem ich mich in dieser Jemeinigkeit begreife und übernehme. Ihr eignet eine wesenhafte Unvollendbarkeit zufolge ihrer Endlichkeit. Werken. dieser Grund sei die Existenz (W 76 ff. mir aneigne. die gleichgültig bleiben. sich nicht ein für allemal eingrenzen darf. gelange ich in mein Selbstsein. Die Schärfung des Grenzbewusstseins erscheint möglich besonders in den Grenzsituationen (des Sterbens. Dieses mein Verhalten ist je und je zur Entscheidung gestellt.. Wäre sie ganz und gar vollendet. die sie ergreifen soll. nicht am Geist zugunsten sich schließender. Existenz ist Selbstsein. unablässig offen zu sein gegenüber Anderem. der sich in seiner bloßen Enge zweckhaft und doch blind behauptet. Bewusstsein und Geist in der Welt. verabsolutierender geschichtlicher Totalität (VE 48). wie sich das Zusammen. meines Fühlens. indem ich jeweils konkret entscheide. Ideen des Geistes. Geist bin und wie ich mich in diesen Sphären verhalte. obwohl sie doch einander auch eingrenzen und modifizieren? Es stellt sich die Frage nach dem Grund und boden. unverwechselbar. des Kampfes. was ich als Dasein. und zwar einer gebundenen Freiheit (Phil 175 ff. Als Existenz hafte ich selbst für das. Täte sie dies. mir anverwandle. so würde sie sich verfehlen. eigentliche Existenz jemeiniges Selbstsein als der Grund aller meiner Akte. LdP 159 f. die Versteifung auf sich selbst. als ständige Aufgabe. des Zufalls.wirklicht sich verantwortliche Existenz. sie kann sich selbst treffen und verfehlen zufolge ihrer Aufgegebenheit. Existenz ist somit das erfüllte Sein. sondern in Aufgegebenheit. absolut und ein für allemal bei sich oder wäre sie umgekehrt nur 44 . Und sie steht ständig immer schon in beidem: im Modus der Eigentlichkeit und der Uneigentlichkeit. der Schuld).durchdringen sollen. gegenüber der Gegenständlichkeit und vor der Transzendenz. indem ich es austrage. und zwar versagt sie eben im Ergreifen. also gegenüber den Forderungen der Daseinswirklichkeit. Darum ist der Existenz ein dauerndes Ungenügen. den allgemeingültigen Wahrheiten des Bewusstseins und den geschichtlich-epochalen Leistungen. GSZ 172. an Gültigkeit in der Zeit. In solcher Entscheidung ver. wo sich dieses Verhältnis ereignet. Es kommt für sie darauf an. aber zugleich in der Einsicht des ständig möglichen und auch faktisch sich ereignenden Rückfalls in die Begrenzung. 74). Sie versagt notwendig immer auch gegenüber der Wirklichkeit. RA 293 ff. nicht am Dasein zugunsten des Daseinswillens. sich nicht in sich abschließen. Denkens und Handelns als Dasein. werde ich ich selbst.spiel der verschiedenen Weisen des Umgreifenden vollzieht. Darum kann Jaspers sagen: Existenz ist "die Paradoxie der Einheit von Zeitlichkeit und Ewigkeit' (VE 45). Damit wird sie zum konkreten Einigungspunkt und Ursprung dessen. nicht am Bewusstsein überhaupt zugunsten endloser Richtigkeiten. also auf jemeinige Art. gewinne ich meine Identität. Phil II passim). unter Berücksichtigung der sie mitbestimmenden Vorgegebenheiten. somit ein Moment an Ewigkeitsgehalt. Sie bleibt so im ständigen Ausstand ihrer selbst als Möglichkeit. Bewusstsein überhaupt. Sie werden zur Anzeige der Unverfügbarkeit der Existenz. Das tue ich. Sie erreicht aber eine relative Vollendung gerade im Versuch. insofern immer wieder zu befreien. mir zu eigen. Existentielles Handeln erfüllt den Augenblick und hat sich immer wieder neu von Situation zu Situation zu entscheiden. es bei etwas bewenden zu lassen. wo es je und je ins Spiel kommt.. die sich gerade deshalb nicht auf sich versteifen. Existenz bin ich.. Darin liegt die eigentümliche 'Gebrochenheit' der Existenz. die Insistenz (VE 57.): Existenz vermag sich nie bei einem einmal gefundenen Zustand zu beruhigen. unablässig sich wieder zu entgrenzen. wie es sich abspielt. Existenz lebt in der Bewegung von unablässiger Entschränkung und Begrenzung zugleich. VE 43 ff..

Existentielle Kommunikation wird bei Jaspers zunächst als Verhältnis von Ich zu Ich begriffen. Unter diesem Terminus kommt für Jaspers der Andere. eigentlicher sozialer Bezug sein soll. wenn sie sich in ihrer Wahrheit nicht verfehlen wollen. ihre Freiheit und Verantwortung müssen im sozialen Bezug immer enthalten . absolut bedeutsam. kommen die anderen Menschen. Existentielle Wahrheit. so gäbe es keine existentielle Freiheit. V. innerhalb ihrer ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen und ihrem Lebensinteresse zu folgen versuchen. Sie wird zur Form ihrer eigentlichen Wirklichkeit als Freiheit. kraft deren Menschen immer schon faktisch in einer Gesellschaft und unter einer Ordnung leben. Die Offenheit ist Anzeige solcher Relativierung und insofern gerade unendlich wichtig. Die Wahrheit ist folglich nicht anders denkbar als das Geschehnis der vielen existentiellen Wahrheiten und ihrer Überlieferung. aber darin zugleich ihrer höchst bedeutsamen. ihrer bleibenden Ausständigkeit.). Unvollendbarkeit und Aufgegebenheit. existentielle Freiheit verweist. wie die Existenz in konkreter Entscheidung handelt. Bereicherung. LdP 161. der es um ihre Eigentlichkeit geht. intersubjektives Bewusstsein und gemeinschaftlichen Geist: sie bewirkt im Geltungsbereich 45 . Hier besteht ein unübersehbares Faktum. die sie nur erlangt in der relativen Verwirklichung als Offenheit in und bei allem konkreten Handeln.sein. Aber erfasst und ergriffen wird es erst (wie ebenfalls die Tatsache. d. des Bewusstseins und des Geistes. wenn es ein echter. die Sozialität der Existenz. dass auch die Erkenntnisse des Bewusstseins nur intersubjektiv und dass die geschichtlichen Werke des Geistes nur gemeinschaftlich zu leisten sind) in der kommunikativen Offenheit der Existenzen. um so zu sich zu kommen (VE 61ff. zwar ganz und gar an den geschichtlichen Augenblick gebunden. also sofern sie kommunikativ sind.sowohl von ihm betroffen wie für ihn bestimmend . Die Offenheit ist die andere Seite der Unvollendbarkeit der Existenz. Die notwendige und stets aufgegebene Offenheit nun weist die Existenz in die Kommunikation (PhII 50ff. Aufbrechen von Standpunkten bedacht. existentielle Freiheit sind so im Grunde dasselbe. auf Weitergabe. Die Freiheit der Existenz ist Folge ihrer 'Gebrochenheit'. das sie allerdings aufnehmen müssen. dann soziale Bezug ein notwendiges Postulat. Kommunikation ist bei Jaspers eine Wesensfolge des Wesens der Existenz. der Mitteilung. existentielle Kommunikation. jedoch zusammengehörigen Relationen: Existentielle Wahrheit ist nur vor der transzendenten Wahrheit. Wahrheit geschieht nur in der Offenheit der Kommunikation von Existenz zu Existenz. Form einer Relativierung dessen annehmen kann. die in ihr sich überschreiten. nur Schuldigsein. Darin liegt dann auch die Wahrheit der Existenz und damit für Jaspers die wesentliche Anzeige für die transzendente Wahrheit.. Die Wahrheit ist werdende Wahrheit. im Aufbrechen der Insistenz. auf politische Freiheit. das zu Dasein und Welt gehört. 169f. VE 59ff. ohne Durchsetzenwollen von Positionen. wie wir sehen werden. Gesellschaft und dann auch Staat und Recht in den Blick. nie im Einzelnen und im Ganzen gelingend. aber transistorisch.lnsistenz. Die existentielle Kommunikation wird dann zum Gestaltprinzip für soziales Dasein. existentielle Kommunikation erfüllt die Kommunikationsweisen des Daseins. das diese Iche miteinander aufnehmen.h.. In den sozialen Bezug geht die Daseinswirklichkeit mit ein. die immer nur die. Sie erlaubt keine dogmatische Verhärtung. Für diese ist Kommunikation. Aufnahme. nur Scheitern. des Austausches. sondern nur relativ im Geschehnis des Hinübers und Herübers der Kommunikation.). Die Existenz des je Einzelnen. ist der dialogische. von Existenz zu Existenz übergehend. das Sichzueigensein der Existenz. die Unwahrheit in der allgemeingültigen und verbindlichen Erklärung gerade einer einzigen 'Wahrheit' (EiPh 117ff. Es geht dabei um die Eigentlichkeit.). dennoch relativen und relativierenden Entscheidungsfähigkeit. Die Wahrheit liegt im grenzenlosen Kommunikationswillen. ihrer eigentlichen Verwirklichung in der Weit. Aber sie zeigen die Existenz in unterschiedlichen.

wieweit und unter welchen Voraussetzungen in ihnen existentielle Kommunikation zum Vollzug gelangen kann. führt aber auch zu Auseinandersetzungen in der Form des 'liebenden Kampfes'. dann verlieren sie gerade ihren von der Existenz her konstituierten und auf sie bezogenen Wert. was 'man' in dieser und jener Situation zu tun hat. bedarf von sich her bestimmter Formen und Einrichtungen.). Der Orientierungsgrund für deren jeweiliges Maß bleibt die individuelle. Recht und Politik als Daseinswirklichkeiten. Es muss immer offen bleiben für seine Begrenzung. Sie artikulieren sich in einer Vielfalt von Regeln. Gestaltung und Verantwortung der Kommunikation. Individualität und Soziabilität gehören beim späteren Jaspers . Existenz versteht sich als Individuum. Es gilt einerseits: Existenz ist auf freie Kommunikation verwiesen. zu erfüllen. Der Mensch ist damit . in der wiederum politische Verantwortung gründet (UZG 148 ff. worin ich nur Funktionen erfülle und dem Anderen als Subjekt 46 . den Ausgleich. die ein festes Gepräge annehmen und objektiv.2 Jaspers spricht betont von der Würde des Einzelnen. Erst daraus entspringt wesentliches Mitsein. um sie immer wieder existentiell auszufüllen. RA 293 ff. das existentielle Handeln zu ersetzen. gegenständlich werden.strikt zusammen. werden nun daran gemessen. Dadurch ist auch eine unverkennbare Distanz zwischen den Individuen als Existenzen gegeben. Fehlte eines dieser beiden Freiheitsmomente (das Freisein-für und das Freisein-von). Werden sie überschätzt und absolut gesetzt. in denen der Mensch faktisch lebt und mit denen er alltäglich umgeht. Die objektive Daseinswirklichkeit der Sozialgestalten. Sie muss danach gestaltet werden. die in gültiger Weise eine gegenseitige existentielle Entsprechung vorzeichnen. die Kommunikation freier Existenzen. sogar der Einsamkeit (PhII 79ff. was sie ihrem Wesen nach ist. Anders gesagt: Existentiell-kommunikative Freiheit bedingt. das sich als diese übernehmen muss und so zu sich in Eigentlichkeit zurückkehrt.in die soziale Daseinswirklichkeit hineingestellt. Staat. das wir sind' den Kompromiss. die Vermittlung. je für sich.). Man könnte ihr Verhältnis mit Martin Buber als eines von Urdistanz und Beziehung charakterisieren. die frei füreinander sein können. das eine Seite der Wirklichkeit der Existenz ist. kommunikative. alle) abzunehmen. beschwören auch immer die Gefahr herauf. d. der Existenz die Entscheidungen (allzu viele.h.. Die Sozialgestalten sind in ihrer Objektivität und Normativität Medium der existentiellen Verwirklichung. Staat. aber grenzenlos offene Existenz (eine Monade mit Fenster). wenn alles Objektive und Normative gerade auf einen Selbstwert verzichtet. Immerhin: gemeint ist immer die Existenz. das Bezogenheit ist. politische Welt" hat ihren wahren Sinn aber 'immer wieder nur in der wirklichen Situation des Daseins eines je Einzelnen" und verweist so auf dessen je besonderes Wirklichwerden in ihr (PhI 76). Zwar möchte Jaspers die besondere Eigenart des alltäglichen Miteinander keineswegs auflösen. im Vollzug der Kommunikation (also eine Monade. Und zwar muss sich jede Existenz. die ganze "technische. Kirche usw. so wäre keine echte Offenheit von Existenz zu Existenz. also existentielle Verhalten und Sein nicht schon das Verhalten und Sein nach den Regeln und Vorschriften dieser äußeren Bestimmtheit. die erst sie selbst wird hinsichtlich dessen. Das Dasein. Inwiefern? Kommunikation ereignet sich geschichtlich in einer Mannigfaltigkeit von Sozialgestalten. Familie. Verhaltensweisen und Institutionen (wie Freundschaft. Doch ist das eigentliche soziale. die ganz und gar Fenster ist). also auch keine existentielle Kommunikation und keine freie Verantwortung. Das aber ist dann möglich. Gemeinde. Diesem Satz korrespondiert aber auch umgekehrt der Satz. nicht nur faktisch . die wissen lassen.dieser drei 'Weisen des Umgreifenden.aus dem Geheiß seiner Existenz. gesellschaftliche.nach 1933 . erfordert und gestaltet politische Freiheit. wirtschaftliche. weil sie auch frei voneinander und voreinander sind. Berufskollegenschaft. also in jeweiliger Freiheit und Eigentlichkeit. dass die Formen der Kommunikation Existenz zum Vollzug gelangen lassen. aber auch nur dies legitimerweise. VI. also freiheitlichen Charakters sein müssen. in eigener Übernahme. weil keine verantwortliche Freiheit. auch der Andere so gewinnen. Gesellschaft. Diese Gestalten.).

VII. wie Jaspers es sieht.zur Geltung gebracht (PhII 350ff. muss vielmehr auch im 'daseinsnotwendigen Umgang' (W 549) die Kommunikation als Aufgabe offen halten. h. die entscheidende objektive Daseinswirklichkeit ist für Jaspers der Staat. Verbänden. Was aber besagt das konkret für die Sozialgebilde? 1. kurz den gesellschaftlichen Formationen. dass dessen Ordnung nicht . das mannigfache Miteinander eint. Gruppen. Das bedeutsamste Sozialgebilde. weder mich noch ihn in die Objektivität des Sozialgefüges verschließen lassen. Dazu gehört ganz wesentlich die Ausübung von Macht.). 12ff. muss die 'Offenheit behalten und bereit sein zu existentieller Kommunikation. Vereinen. Sie müssen in ihrem Anspruch so sehr als möglich und tunlich zurückgenommen werden. mit der Relativierung der Sozialgebilde gerade ihre existentielle Relevanz . sich selbst geschichtlich auf Zeit einzugrenzen. Aufgabe des Staates ist also die je geschichtliche Raumfreigabe für das individuelle und gemeinschaftliche Leben der Existenz. Das verweist schon aus dem Wesen der Sache. also für seine Verwirklichung in der mitmenschlichen Kommunikation. was öffentlich allgemein und gültig ist. von Existenz zu Existenz. dass nicht nur eine einzige Daseinsgestalt wirklich und keine einzige endgültig möglich ist und dass es keine ein für allemal bestandhafte und gültige Ordnungsgestalt geben kann. Ich darf in ihnen nicht die ursprüngliche Offenheit auf den Anderen verlieren. Ihn zeichnet in charakteristischer Weise die Fähigkeit. sie muss sich selbst durchsetzen. Hinter dieser Raumfreigabe hat die Machtausübung dann so weit als möglich zurückzutreten. d. Aus der immer wieder neuen und anderen Situation des Zusammenwirkens und Gegeneinanderstehens von vielen Einzelnen in der Gesellschaft ergibt sich für Jaspers. Diese Relativierung aber versteht sich wiederum als eine dauernd bevorstehende Leistung.. sein kann (GSZ 164 ff. sie bändigt aber auch die Kräfte. sondern ihre verantwortliche Übernahme in der Weise ihrer Relativierung ist geboten. mit dem vollen Einsatz meiner Existenz. die ansonsten ungezügelt in der Gesellschaft wirken und gegeneinander kämpfen. die die Menschen einer Gesellschaft in Beziehungen der Über.. sich zurückzunehmen. sondern je und je neu situationsgemäß und geschichtlich zu wählen und zu entscheiden ist. Er ist die umschließende und umfassende Form des gemeinschaftlichen Lebens über Familie. 2.wieder. Diese Ausübung von legitimer Macht ist immer umkämpft. So wird.nach einem allgemeinen Plan für immer und für alle' (PhII 366) und eindeutig abzuleiten. die 'unverbindliche Berührung des Sichtreffens in der Menge' (W 549) gehören in das Dasein selbst.nämlich für die freie Kommunikation der Existenz .und Unterordnung bringt. Also nicht der Rückzug aus ihnen. das Recht und die Notwendigkeit zu autoritativer Verfügung aus. Die sinngemäße Machtausübung des Staates erweist sich deshalb als Ordnungsmacht. 144ff... auf ein Zwiefaches: Erstens zeigt sich. möglich und notwendig ist' (PhI 128).gegenüber bleibe und ihn zum Objekt mache. die das gemeinschaftliche Leben umfassend ordnet.. Zwar kann ich mich nicht gegenüber jedem Menschen und in jedem Augenblick als Selbst verhalten. die geschichtliche Entscheidung über die konkrete Gestalt und Wirklichkeit der Ordnung jeweils herbeizuführen und damit den "Raum für Existenz" erst zu schaffen (PhII 364). Aber diese unumgänglichen Weisen des alltäglichen Miteinander dürfen sich nicht verselbständigen. wo sie . GSZ 78 ff. was der Einzelne dem Anderen ursprünglich. aus dem Wesen dieser Daseinswirklichkeit. Politik hat es also stets mit Kampf zu tun und zielt auf die Zügelung und auf das Unter-Regeln-Bringen des Kampfes (Ph II 241 ff. Die Ordnungsaufgabe des Staates besteht angesichts der gesellschaftlichen Kampfsituation immer und immer . 47 .). sie müssen ihrerseits verantwortlich im öffentlichen Miteinander gestaltet und gelebt werden. Damit wird es zum Sinn und zur Aufgabe der Macht. Die eigentliche Sozialität und Solidarität sieht Jaspers nicht schon wirklich durch das.). sondern durch das. der 'Umgang in den Rollen und Masken der geselligen Regeln und Konventionen' (W 484).

also: existenz-philosophisch legitimiert . Der Rechtsstaat ist dann jener Staat. sondern aus dem kommunikativen Selbstsein der Existenz ergibt. grundlegenden und unumstößlichen Postulat der Politischen Philosophie von Karl Jaspers (UZG 156 ff. für diesen Sachverhalt aufgeschlossen zu sein. wenn Machtausübung geschieht in der Praxis möglichsten Machtverzichts. Das bedeutet aber gerade für alle Rechtssetzungen. Diesem Anspruch steht eine Verpflichtung zur Teilnahme gegenüber. Darum kommt es für das Recht darauf an. so lautet Jaspers' politisch-ethische Forderung. gesichert.Macht ausübt. gerade nur dann Recht zu sein. dass es durch Mitwirkung und Zustimmung aller. sofern es klar gesetztes Recht ist. Diese muss offen gehalten. Er tut es konkret so wenig wie möglich und so viel wie nötig. für die es gilt. Das zweifache Wesen der Machtausübung trägt seine Spannungseinheit dann angemessen aus und es bleibt dann in seinem es rechtfertigenden Bezug zur Existenz. Sie müssen von dem Verzicht darauf geleitet sein. verfügbares und einklagbares Recht.). wenn es die Unabschließbarkeit menschlicher Ordnung. Dieses aber ist je und je anders im Hinblick auf die Regelung des situations. um relativ glücken zu können. aussetzen und demgemäss fortlaufend modifizieren. um gerade nicht restlos zu scheitern. Sie ist dann geneigt. die sich nicht so sehr vom Staat und vorn Recht her. und sie haben fortwährend in ihren Setzungen zu scheitern. Materialiter ist das Recht nicht im einzelnen gültig bestimmbar. Das tut sie. Es ist hier also auch keineswegs einer Vergleichgültigung von allem das Wort geredet. sondern seine wesenhafte Gebrochenheit durch Selbstbeschränkung und durch die ständige Gehaltenheit in die Möglichkeit des Unrechts kennt. Das Recht ist überschaubares. Seine Wahrheit besteht in der Paradoxie. aber an die freie Kommunikation der Existenz und damit an die Würde des Menschen als sich selbst entscheidender und übernehmender Existenz. zum Element des Rechts werden. Selbstbestimmung. der legitim . und es muss sich gerade als geschichtliches Recht verstehen. Die Menschenwürde hat für Jaspers den Charakter der Möglichkeit zu existentieller Selbstentscheidung. Die notwendige Ordnungssicherung führt aber immer in die Versuchung zur Behauptung der Macht um ihrer selbst willen. Der Rechtsstaat wird somit zum erklärten. um für andere offen zu bleiben. indem sie ausdrücklich gemacht wird. anzeigt. Aber unabdingbares formales Kriterium für sein gültiges Zustandekommen als geschichtliches. Nur in ihr und mit ihr. d. wenn sie auf sich insistieren. die es doch gewährleisten soll. indem sie sich streng unter das Recht fügt. durch sie das ganze Leben des Menschen ein für allemal in Ordnung bringen zu können und zu wollen. Sie verfehlt damit das geschichtliche Sein ihres Wirkens und ihrer Möglichkeiten.). um sich nicht wieder zu übernehmen und absolut zu setzen. überschaubar. also als moralische Forderung (UZG 156 ff. ist es also in der Wahrheit. h. Es ist also geschichtlich. auf die Freiheit der Existenz bezogenes Recht ist für Jaspers.Zweitens muss um der Sicherung des freigegebenen Raumes willen die Ordnung ja auch gewährleistet sein. gehütet werden. wenn sie sich selbst bändigt. muss sie durchgesetzt und auf Zeit behauptet werden. wenn es sein fortwährendes In-Bewegung-sein durchhält. Die Macht muss ganz und gar. Sie werden. also unter der Voraussetzung politischer Freiheit gesetzt wird. Dieses Recht und 48 . alle freien Bestrebungen zu unterdrücken. ist es richtiges Recht. Aber zugleich eignet ihm eine unverzichtbare. Der Rechtsstaat und seine Ordnungsmacht haben sich an den Anspruch der Einzelnen zu binden. berechenbar und damit für alle Bürger verfügbar gemacht (wenn auch immer nur mehr oder minder). immer auch wieder scheitern. dass sie sich immer wieder neu dieser Selbstbestimmung und Selbstentscheidung der Existenz öffnen. Sie haben also fort und fort transitorisch zu sein. unaufgebbare und bleibende Bindung: an die Ermöglichung der existentiellen Freiheit. wenn es nicht die einzig richtige Welteinrichtung intendiert.und zeitbedingten gemeinschaftlichen Lebens. Ihm muss seine eigene Vorläufigkeit dauernd eingestiftet bleiben. sie verfehlt vor allem aber ihren Sinn: die freie Kommunikation der Existenz zu sichern. aktiv teilzunehmen am Leben der Gesamtheit. Unter der Herrschaft des Rechts wird die Machtausübung beschränkt. wenn es auf endgültige Erfüllbarkeit und Vollendbarkeit verzichtet.

in dem er die These vertreten hat. Sie darf sich nicht dadurch aufgeben und darf nicht zulassen. Notwendig ist die Sorge alter für die Freiheit. nie von selber zufallende. VIII. die problemlose Befriedigung aller menschlichen Lebensbedürfnisse gilt Jaspers nicht nur als unmöglich. Demokratie nicht will?' Er antwortet: 'Das scheint nicht möglich in Klarheit des Wollens. existentielle und politische) Verantwortung aufgenommen ist' (UZG 164). Die Wiedervereinigung sei. Denn sie ist das kostbarste. wo sie zum Bewusstsein gekommen und in die (sc. dass die Demokratie niemals zu den Mitteln ihrer die Freiheit bedrohenden Gegner greifen darf. Eine vollständige und vollkommene Wohlfahrt aller. politischen) Freiheit. Jaspers stellt die zentrale Frage: 'Wenn aber ein Volk in der Tat Freiheit. dass die Bürger in vermeintlich freier Entscheidung die politische Freiheit abschaffen und einem Zwangsstaat zustimmen oder sich seiner Hegemonie fügen. Ein solcher stabiler Zustand. gefunden durch Mehrheitsentscheid unter weitestgehender Berücksichtigung von Minderheitsmeinungen. Sie hat sich aber in unserer geschichtlichen Zeit. als gar nicht wünschenswert. Dessen mit staatlicher Autorität verbundener Totalitätsanspruch gefährdet die Freiheit der Existenz noch tiefer als der materielle Wohlfahrtsstaat. Ebenso muss Jaspers jeden Weltanschauungsstaat verurteilen. In eine heftige. um der kommunikativen Entfaltung der Existenz Raum zu geben. sondern orientiert sich politisch-ethisch. gemessen am Gut der Freiheit. dass die politische Freiheit der Deutschen in der DDR gewonnen würde. Und er fährt fort: 'Hier aber liegt die dauernde Infragestellung der (sc. Der Rechtsstaat muss die politische Freiheit einräumen und sich in seiner Ordnungspolitik auf allgemeinen Konsens und Kompromiss. würde in Wahrheit ohne Befriedigung sein. Sie ist nicht für jede Zeit und alle Umstände geeignet. die immer auch Wahrheit der scheiternden Existenz vor der unendlichen Transzendenz bleibt. gegen alle autokratischen und totalitären Tendenzen von innen und außen zur Wehr zu setzen . gleichgültig (breiter ausgeführt in der Abhandlung 'Freiheit und Wiedervereinigung'. Jaspers betont die geschichtliche Unbedingtheit einer wohlverstandenen politischen Freiheit. Darum ist die dem freiheitlichen Rechtsstaat angemessene Staatsform die demokratische. Sie kann nur bewahrt werden.281). Uns interessiert hier an dem besonders exemplarischen Anwendungsfall die existenzphilosophische Begründung für diese Einstellung.denn diese Tendenzen leben aus einem weitgehenden oder völligen Mangel an freier Kommunikation -. Er ist der Gipfel politischer Unfreiheit. wo immer möglich im Sinne unmittelbarer Demokratie. stützen. aber auch das nur in der Weise. In diesem Zusammenhang lehnt Jaspers den (totalen) Wohlfahrtsstaat klar ab.diese Pflicht zur aktiven Teilnahme sind Kernelemente der politischen Verantwortung der Existenz. in dem es kein existentielles Wagnis gäbe. nicht automatisch sich erhaltende Gut. Diese Staatsform kann aber auch wiederum nur relative geschichtliche Gültigkeit beanspruchen. in dem der Mensch nichts mehr selbst in Freiheit zu entscheiden und damit zu verantworten hätte. die deutsche Politik solle auf die Wiedervereinigung von Bundesrepublik und DDR verzichten unter der Voraussetzung. erregte Diskussion ist Jaspers durch sein 1960 im Fernsehen gesendetes Interview mit Thilo Koch geraten. LdP 171 . als "republikanische Regierungsart" (LdP 159f. in dem alles geordnet ist und das vollkommene Glück aller herbeigeführt oder angestrebt wird. sondern nur in der Vernebelung durch Nöte und Leidenschaften'. sondern auch aus dem Gedanken der Wahrheit. in Großstaaten als parlamentarische Demokratie. und zwar an dem Maßstab der Raumfreigabe für die Verwirklichung der Existenz als wesentlicher Aufgabe 49 . der sich von einem religiösen oder philosophischen Bekenntnis bestimmen lässt. Recht.). das aber mit vollem Gewicht und Vorrang. Sie richtet sich nicht so sehr auf politische Zweckmäßigkeiten. in der sie ein hoher allgemeiner Bildungsstand möglich und zur existentiellen Aufgabe macht.

sondern aus dem der Macht. namentlich den Staat. rechtsstaatliche. zur gegenseitigem Offenheit. sondern grundsätzlich nicht wünschenswert.zum Segen ihrer Freiheit und der Freiheit Europas. der als freiheitliche. stark und stabil sein. der sich die vielen geschichtlich-existentiellen Wahrheiten anzunähern haben. sondern nur der Deutschen. Die Zielsetzung dieser frühzeitig von Jaspers geforderten Ostpolitik liegt ausdrücklich darin. Die heute bestehenden zwei deutschen Staaten (also die Bundesrepublik und die DDR) müssen nur gerade so groß. Dabei geht es ihm nicht nur um die Ausschaltung oder Einschränkung der Waffengewalt. die Schweizer und dann die Österreicher aus dem Reichsverband ausgeschieden . die auch die Sozialgestalten zu prägen haben. aber nicht auf autonom-nationaler Basis. Der Weg. die in politischer Verantwortung wiederum für seine Gestaltung sich realisiert. Die verbrecherische Politik Hitlers hat die territoriale Einheit Deutschlands nicht nur politisch verspielt. zugleich in ständigem Schuldigsein. und zwar für die Deutschen selbst wie für die Nachbarvölker. Eine freiheitliche westeuropäische Konföderation soll einen Nichtangriffspakt und ein Sicherheitssystem mit Osteuropa anstreben. nämlich als eine Bedrohung ihrer inneren bzw. also politische Freiheit gewährleistet. zur Kooperation und zur Unterstellung des eigenen Interesses unter übergreifende Rechtsund Schlichtungsinstanzen. äußeren politischen Freiheit. um das Leben ihrer Bewohner gemäß dem Staatssinn innerhalb einer west. Offenheit. die einen abendländischen Auftrag gewinnen. zur weltweiten Publizität. aus 'Blut und Eisen'. pluralistische Demokratie seine Machtausübung möglichst eingrenzt und zugleich existentielle Teilhabe an ihr einräumt. Unter diesem Gesichtspunkt gilt für Jaspers: Die Wiederherstellung des deutschen Nationalstaates. Mit einem europäischen Sicherheitssystem will Jaspers eine kontrollierte Abrüstung verbunden sehen. ist nicht nur praktisch unmöglich und politisch inopportun. sondern auch als moralisch gefährlich erscheinen lassen. dazu bedarf es auch einer begrenzten Verteidigungsstreitkraft.und osteuropäischen Konförderation angemessen schützen zu können. dass Ostdeutschland ein freiheitlicher Rechtsstaat und damit erst ein legitimes Staatswesen werden könne. wie er von Bismarck begründet wurde. Fassen wir zusammen: Die Existenzphilosophie von Karl Jaspers erfährt aus der Spannung der Grundweisen des 'Umgreifenden" die Wahrheit im Ganzen als in Transzendenz entzogene. Denn diese führt zur Einschränkung der nationalstaatlichen Souveränität. dies zu erreichen. 50 . Der Sinn deutscher Politik muss schon in Ansehung der Last der Vergangenheit in der Überwindung der Insistenz und puren Machtbehauptung zugunsten einer Einfügung Deutschlands in eine Konföderation freiheitlicher Staaten gesucht werden. Dabei ist die weitere staatliche Aufteilung des deutschen Raumes in Kauf zu nehmen und positiv einzuschätzen. entstanden. Entscheidungsbereitschaft und Selbstrelativierung der verantwortlichen Existenz in ihrer endlichen Freiheit werden zu ethischen Hauptmaximen. sondern gerade auch um die Kontrolle als Mittel der internationalen Politik in einem freiheitlichen Geiste. Denn der deutsche Nationalstaat ist historisch nicht aus dem Gedanken der Freiheit (der Paulskirche). das totalitäre Zwangssystem in der DDR aufrechtzuerhalten. im Geschehen der Kommunikation. Schon früher sind die Holländer. Denn die gesamtdeutsche Freiheit kann und darf nur ohne jegliche Machterweiterung erstrebt und errungen werden. ohne sich aus dem Verband der osteuropäischen Staaten zu lösen. also an den Grundkriterien der politischen Freiheit. Die Zukunft könnte so aufgrund der modernen technischen Mittel und der weltweiten politischen Dimensionen immer offenere. die es der Sowjetunion in glaubwürdiger Weise unnötig machen können. und zwar im Durchbrechen der Insistenz. zugleich föderativ sich gliedernde Gestaltungsmöglichkeiten für politische und zugleich existentielle Freiheit und Verantwortung eröffnen. geht über eine verbindliche Anerkennung der Oder-Neisse-Grenze. Es gibt keine Kontinuität der deutschen Staatsgeschichte.eines Staatswesens und der aktiven Mitwirkung der Existenz an der Erfüllung dieser Aufgabe. Kommunikationswille. parlamentarische. wenn sie auf eigene politische Macht möglichst verzichten.

Martin Buber. politische Freiheit gründet in existentieller Freiheit. die für die Entwicklung von zwei zentralen Begriffen seiner späteren Existenzphilosophie von großer Bedeutung waren: des Begriffs der Grenzsituationen menschlichen Lebens und des Begriffs der existentiellen Kommunikation. Aufl. Kurt Salamun (Graz) Ethische Komponenten in der Philosophie von Karl Jaspers1 Existenzphilosophen wie Sartre. 473 . die sein Denken und Philosophieren entscheidend geprägt haben. Immer wieder machte ich Fehler. 1 ff. S. Camus und auch Jaspers haben immer wieder betont. die auf die Konzeption dieser beiden Begriffe einen großen Einfluss hatten. ohne an sie zu verfallen. die aus der Krankheit folgten. Die permanente Konfrontation mit der Möglichkeit.483. veröffentlicht. Wie sehr die Krankheit sein ganzes Leben bestimmt hat. So bedingen beide sich wechselseitig. 2 (1987).. Marcel. waren eine lebensbedrohende Krankheit und seine sehr glückliche Ehe mit Gertrud Mayer. Deshalb tut die Demokratie not. Anmerkungen 1) Vgl. 6. Heidelberg 1951. 2. Die Notwendigkeiten. Sie gehören als die zwei Seiten der endlichen. Zwei weitere Faktoren in Jaspers' Leben. Schuld grundlegend für die menschliche Existenz sei. fasc. politische Freiheit ist nur durch existentielle Freiheit lebendig und auf Dauer wirklich. beschreibt Jaspers in seiner "Philosophischen Autobiographie' einmal folgendermaßen. und zwar in deren internationaler Ausgabe 'SYNTHESIS PHILOSOPHICA'. Die Krankheit durfte durch Sorge um sie nicht zum Lebensinhalt werden. vol. Kampf. muss man vor allem berücksichtigen. sie fast ohne Bewusstsein richtig zu behandeln und zu arbeiten. hatte keinen geringen Einfluss auf die Konzeption der existenzphilosophischen Vorstellung. Fragt man hinsichtlich der Lebensgeschichte von Jaspers nach den wichtigsten Faktoren und Ereignissen. 2) Vgl. sondern zunächst Medizin studierte und nach Abschluss des Medizinstudiums einige Jahre als Forschungsassistent an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Heidelberg gearbeitet hat. Was die Ehe mit Gertrud Mayer 1 Dieser Artikel wurde zum ersten Mal in der Zeitschrift der Kroatischen Gesellschaft für Philosophie und der Vereinigung der Philosophischen Gesellschaften Jugoslawiens 'FILOZOFSKA ISTRAZIVANJA'. Leiden. Von Kindheit an war ich organisch krank (Bronchiektasen und sekundäre Herzinsuffizienz) . 1916 wurde Jaspers zunächst außerordentlicher Professor für Psychologie an der Universität Heidelberg und erst 1920 Professor für Philosophie. Existentielle Freiheit ist nur in politischer Freiheit gesichert und auf Dauer realisierbar. Urdistanz und Beziehung. Die Aufgabe war. 12 ff.). Tübingen 1949. begrenzten Freiheit des Menschen strikt zusammen. Sein und Zeit.Existentielle Freiheit erheischt politische Freiheit. als ob sie nicht da sei. dass er seine berufliche Laufbahn nicht gleich als Philosoph begonnen hat. 51 . dass ihr Philosophieren auf das engste mit ihrem persönlichen Erleben und mit ihrer individuellen Lebenspraxis zusammenhänge und deshalb auch nur aus diesem Kontext heraus verstehbar sei. Alles musste nach ihr gerichtet werden. Wie könnte es auch anders sein? Doch droht dieser Zusammenhang heute wieder aus dem Blick zu geraten. der Schwester eines Studienfreundes aus jüdischer Familie. 'Alle Entschlüsse meines Lebens waren mitbedingt durch eine Grundtatsache meines Daseins. dass das Erleben von Grenzsituationen wie Tod. griffen in jede Stunde meines Lebens ein und in alle Pläne' (Aut 12f. weil Jaspers während seiner Tätigkeit als Psychiater und als Psychologe eine Reihe von wertvollen Einsichten in psychische Phänomene und Prozesse gewonnen hat. S. Martin Heidegger. S. Dieses biographische Detail ist deshalb wichtig.. aufgrund dieser Krankheit zu sterben.

wie Jaspers im 3. vielleicht dazu der ganze dritte Band der 'Philosophie'. oder wie er im Anschluss an Kant sagt. Macht-. dass der Mensch in einem Zustand naiver. trieb. der letzte persönliche Assistent von Jaspers in Basel und Herausgeber vieler seiner Schriften. wie dem Erleben von Grenzsituationen. so z.. wie sie sich vor allem in den Werken von Plato. dass es vier Dimensionen oder Seinsweisen gibt. Geltungs. mit dem wir auf das 52 . existentiellen Kommunikation in wesentlichen Aspekten mitbestimmt. mit den Gefahren des Totalitarismus und der Atombombe. der Möglichkeit einer weltweiten Kommunikation und einer Weltfriedensordnung.betrifft. Plotin. Hans Saner. immer größer. Gegen Ende des Krieges wurde die Gefahr für ihn und seine jüdische Frau. der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands. Als zweite Seinsweise nach der triebhaft-vitalen Körperlichkeit. deren Denkmotive in seiner Philosophie nicht immer bruch. Band seines existenzphilosophischen Hauptwerkes 'Philosophie' (1932) schreibt.und widerspruchslos miteinander verknüpft sind. in denen sich das Menschsein verwirklicht: Der Mensch ist immer zunächst 'bloßes Dasein' oder 'biologisches Dasein'.2 In dieser allgemeinen biographischen Einleitung muss abschließend noch darauf hingewiesen werden. so hat diese tiefe emotionale und auch geistige Beziehung bei Jaspers die Konzeption des Begriffs der zwischenmenschlichen.und instinktgesteuerter Unmittelbarkeit und fragloser Unbekümmertheit lebt. er erhielt 1937 ein Lehrverbot und 1938 ein Publikationsverbot auferlegt. dass Jaspers von sehr verschiedenen Traditionen beeinflusst worden ist. das 'Bewusstsein überhaupt'. mit der Schuldfrage des deutschen Volks am Nationalsozialismus. das Bewusstsein ist primär auf nächstliegende Zwecke der Lebenserhaltung und 'Daseinsausbreitung' gerichtet. Von beträchtlichem Einfluss für die Entwicklung von Jaspers war nicht zuletzt auch die Erfahrung mit dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland.und Genussinteressen bestimmen das Leben. der Verwirklichung persönlichen Selbstseins und individueller Freiheit usw. Das Selbstbewusstsein erschöpft sich im biologischen Dasein weitgehend in der Identifikation mit der Körperlichkeit. Ein Kennzeichen dieser Seinsweise besteht auch darin. dann die Tradition der Rationalismuskritik. wie sie in den Werken von Nietzsche und Kierkegaard zum Ausdruck kommt. und schließlich auch die Tradition der europäischen Aufklärungsphilosophie und des politischen Liberalismus. Auf dieser Stufe des Menschseins dominiert. sowie vor allem auch mit der Idee der Demokratie und damit verbundenen Wertvorstellungen. wäre ohne die Verbundenheit mit der Lebensgefährtin in dieser Tiefe ungesagt gebliebenen’. B. meint über den Einfluss dieser Beziehung: 'Was über Kommunikation und Liebe gesagt wird. konzentriert war. seine Philosophie von einem existentiellen Denken zu einer 'Philosophie der Vernunft' und einer politischen Philosophie weiterzuentwickeln. der rücksichtslose vitale Daseinswille' (PhIII 108). Schelling und Hegel manifestiert. Während seine existenzphilosophische Denkperiode auf die Beschäftigung mit Problemen der individuellen Existenz. Jaspers wurde bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 von allen Verwaltungsaufgaben an der Universität Heidelberg ausgeschlossen. Zu diesen verschiedenen Traditionen gehören die Tradition der spekulativen Seinsmetaphysik. beschäftigt sich sein späteres Denken mit öffentlichen Angelegenheiten und politischen Problemen. die über Kant als Aufklärer und über Max Weber in Jaspers' Philosophie eingeflossen sind. Die Erfahrung des Nazi-Terrors bildete nach 1945 die primäre Motivation für Jaspers. Verwirklichungsdimensionen des Menschseins Eine wichtige philosophisch-anthropologische Vorannahme in Jaspers' Existenzphilosophie. die mit ethischen Aspekten in seinem Denken unmittelbar zusammenhängt. in ein Konzentrationslager deportiert zu werden. liegt in der Auffassung. hebt Jaspers die Verstandesdimension hervor. Jaspers schreibt dazu in seinem Buch 'Von der Wahrheit' (1947): 'Wir sind Bewusstsein überhaupt als das in allen eine und gleiche Bewusstsein. der intimen zwischenmenschlichen Kommunikation mit einem anderen Menschen.

wie der Mensch seine jeweilige Existenz bzw. . wahrnehmend. die ihn als bloßes Dasein kennzeichnet. Genauso wie für Kant die apriorischen Anschauungsformen und Verstandesbegriffe formale Strukturelemente des Bewusstseins bilden. Hier können diese philosophiegeschichtlichen Bezüge nicht näher ausgeführt und auch keine wirklich differenzierte Analyse der einzelnen Aspekte von Jaspers' Existenzbegriff gegeben werden. W 71f. die Jaspers bei der Konzeption seines Existenzbegriffs bestimmt haben. Diese dienen als ordnende Sinnbezüge für die Vielfalt der Erfahrungen. Als charakteristisch für Grenzsituationen ist der Umstand anzusehen.. dass uns in jedem seiner Akte ein Allgemeingültiges aufleuchtet' (W 65). Ich kann hier nicht auf die Einflüsse genauer eingehen. unvertretbare Weise (Möglichkeit) des wahren Menschseins. dass. Die dritte Seinsweise. als es nächstliegende. transobjektive Dimension des eigentlichen Selbstseins. die abgesehen von allem Inhaltlichen der Erfahrung und aller individuell-subjektiven Besonderheit das erkennende Subjekt auszeichnen und die Gegenstandserkenntnis erst ermöglichen.). Das Konzept der Grenzsituationen Jaspers hat den Begriff der Grenzsituation bereits in jenem Buch differenziert entwickelt. ist die Dimension des Geistes. dialektischen Beziehungsverhältnisses. begrenzende Formung in die Endlosigkeit des Bewusstseins überhaupt. auf identische Weise es meinend. Diese Dimension ist der Bereich der Ideen. dass alle gängigen und eingeübten Verfahren zum Bewältigen und 53 . Sie ist die ungegenständliche. Hier zeigt sich wohl einer der deutlichsten Einflüsse von Kant auf Jaspers. was die Rahmenvorstellungen dieses Existenzbegriffs betrifft. Im Aufschwung zur Existenz verwirklicht der Mensch seine höchst individuelle. dem bloßen Dasein und dem Bewusstsein überhaupt. die 'Exstenz'. intelligiblen Welt der Freiheit. Jaspers nennt die Seinsweise des Bewusstseins überhaupt auch einmal das 'lchsein überhaupt. Kant und Kierkegaard die wichtigsten ldeenbringer waren: Kant mit seiner Unterscheidung zwischen der kausal determinierten Welt der Erscheinung und der kausal nicht determinierten. nicht mehr empirisch-rational erfassbar. Der Mensch ist aus der dumpfen Naivität und Fraglosigkeit erwacht. In dem Buch 'Psychologie der Weltanschauungen' (1919) lässt sich noch am deutlichsten erkennen. die Zusammenhang schaffen 'in den vielfachen endlichen Zwecken meines Tuns. das er selber noch als Werk einer verstehenden Psychologie aufgefasst hat. In unserem Zusammenhang ist daran nur wichtig. aufbaut. fühlend. er gestaltet und ordnet Erfahrungen und Sinneseindrücke mittels umfassender Wertvorstellungen und weltanschaulicher Orientierungsrahmen. Während die drei bisher hervorgehobenen Seinsweisen den Menschen als empirisch-rational erfahrbares Wesen ausmachen. allgemeingültigen logischen Denken. die auf den beiden bisher genannten. sowie mit seinem Ideenbegriff. im Erleben von Grenzsituationen und 2. gerichtet sind derart.gegenständlich gewordene Sein. bedeutet für Jaspers das Bewusstsein überhaupt die notwendige Bedingung dafür.. Kierkegaard mit der Auffassung von der menschlichen Existenz als eines prozesshaften. Einheit in die Zerstreutheit des Wissbaren und Erfahrbaren' bringen (vgl. dass es für Jaspers letztlich zwei grundsätzliche Möglichkeiten gibt. Während im bloßen Dasein das Bewusstsein nur in dem Sinne ein intentionales ist. dass Menschen etwas identisch meinen und als allgemeingültig akzeptieren können. Sie ist für Jaspers die Dimension der Sinnvorstellungen und Ideen. dem Leben dienliche Zwecke vorstellt. das die Subjektivität als Bedingung allen Objektseins bedeutet" (PhI 13). bedeutet die Stufe des Bewusstseins überhaupt den Aufstieg zu einem klaren und zwingenden. denn der Begriff des Bewusstseins überhaupt ist dem Begriff des 'transzendentalen Ich' oder des 'transzendentalen Bewusstseins' aus der Kantischen Erkenntnislehre sehr ähnlich. in der existentiellen Kommunikation mit einem anderen Menschen. ist die vierte von Jaspers unterschiedene Seinsweise. nämlich in der schon genannten 'Psychologie der Weltanschauungen'. sein unvertretbares eigentliches Selbstsein verwirklichen kann: 1. Als Träger von Ideen schafft sich der Mensch Sinnzusammenhänge.

Durch Konfrontation mit Grenzsituationen und das Scheitern aller eingeübten rationalen Problemlösungsverfahren kann der Mensch auf die nicht-objektivierbare Dimension seiner Innerlichkeit und Freiheit zurückgeworfen werden. dass Jaspers dem Erfahren von Grenzsituationen trotz aller bedrückenden und negativen Emotionen. Man könnte die Funktion dieser moralischen Werte in seiner Existenzphilosophie so deuten.). die Jaspers hier nicht mehr die Grenzsituation der antinomischen Struktur des Daseins nennt. sich diese Werte im jeweils eigenen Prozess existenzerhellender Selbstreflexion anzueignen und zum Leitfaden seines praktischen Handelns zu machen. des Zufalls und der Schuld.h. Alle Versuche der rationalen Moralbegründung im Rahmen einer expliziten Ethik münden für Jaspers letzten Endes nur in 'Gehäusen' von Weitbildern. Der Mensch. Philosophie muss die rationalen objektiven Gehäuse der Weltbilder immer wieder aufbrechen. welche die individuelle Freiheit einengen. Jaspers nennt in der 'Psychologie der Weltanschauungen' die besonderen Grenzsituationen des Kampfes. des Todes. eine explizite Ethik in Form einer Lehre von moralischen Werten zu entwickeln. d. PW 220. die damit verbunden sein mögen. dass in seiner Philosophie überhaupt keine ethischen Komponenten vorhanden sind und nicht auf moralische Werte bezug genommen wird. An dieser Auffassung wird ein radikal-liberaler und anti-degniatischer Grundzug in Jaspers' Denken deutlich. von vorn herein abzulehnen. Die Tatsache. Jaspers hat sich von seinem Philosophieverständnis3 aus dagegen gewehrt. womit die individuelle Wertentscheidung gleichsam suggestiv in eine ganz bestimmte Richtung hin vorstrukturiert wird. stößt darin auf prinzipielle Grenzen seines Daseins. sowie als allgemeine Grenzsituationen die antinomische Grundstruktur des Daseins und das Leiden. davon etwas abweichend. letzten Endes einen positiven Akzent gibt. aus der er neue 'Lebenseinstellungen und Lebensgesinnungen' für das Überwinden der jeweiligen Grenzsituation entwickelt (vgl. existentielle Selbstwahl. Fragwürdigkeit und Endlichkeit seine". Leiden. dass sie notwendige (nicht hinreichende) Bedingung für den Aufschwung zum eigentlichen Selbstsein in Grenzsituationen und der existentiellen Kommunikation sind und dass Jaspers an jeden Einzelnen indirekt appellieren will. Kampf und Schuld. von der aus er allen Erschütterungen durch Grenzsituationen standzuhalten vermag. er scheitert mit allen rationalen Strategien zur Lösung von kritischen Situationen und Problemen. Er gewinnt dort einen letzten Halt und eine neue 'Kraft des Lebens'. Solche Werte sind gerade in seinen Ausführungen über die beiden grundsätzlichen Möglichkeiten der menschlichen Selbstverwirklichung offensichtlich. nicht auf Kosten von trügerischen Gefühlen der Geborgenheit. Für uns ist am Begriff der Grenzsituation wichtig. sowie die einzelnen Grenzsituationen: Tod. Dies lässt ihm die Ungesichertheit. 54 . und schließlich jene Grenzsituation. Aus seiner Sicht ist jedes philosophische System. 262f. der von Grenzsituationen betroffen wird und sie bewusst erlebt. bedeutet aber nicht. von selbstzufriedener Sicherheit und Selbstgewissheit preisgegeben werden. wie kritische Selbstreflexion und Existenzerhellung eigenverantwortliche. damit darin die zum eigentlichen Menschsein gehörenden dynamischen Prozesse. als primäres Ziel alles Philosophierens hinstellt. In dem späteren Werk 'Philosophie' werden. das eine Rangordnung von Werten aufstellt. Es stellt bestimmte Werte als objektiv gültig hin und legt ihre Akzeptanz nahe. bestimmte Werte gegenüber anderen als vorziehenswert auszeichnet. dass sich Jaspers gegen jede rationale Moralbegründung in Form einer ethischen Lehre von moralischen Werten ausspricht. sondern 'die Grenzsituation der Fragwürdigkeit allen Daseins und der Geschichtlichkeit des Wirklichen überhaupt'. unterschieden: die Grenzsituation der geschichtlichen Bestimmtheit der Existenz. Daseins bewusst werden.Verändern von Situationen versagen. unbedingte Weilentscheidung in existentieller Freiheit. Pluralität von Wertstandpunkten und größtmöglicher Offenheit für verschiedene Möglichkeiten individueller Selbstverwirklichung. weil es die individuelle Entscheidungsmöglichkeit und Wahlfreiheit einschränkt. aus dem heraus er die Bewahrung von individueller Entscheidungsfreiheit.

dass eine gelingende zwischenmenschliche Kommunikation voraussetzt. die wesentliche humane Wertstandards seines gesamten philosophischen Denkens ausmachen. zu einer 'nicht aufhörenden Forderung zum Anderswerden" und zum ständigen Impuls. "tiefere Heiterkeit' und Tapferkeit (vgl. um das es dabei geht und das Jaspers nicht mit 'bloßem soziologischen Isoliertsein' verwechselt wissen möchte. mit eigentlichen Haltungen und Reaktionen kontrastiert.und Entpersönlichungstendenzen gekennzeichnet ist.In der Beschreibung der Grenzsituationen im Grenzsituationen-Kapitel der 'Philosophie' werden mehrere Lebenseinstellungen und Grundhaltungen genannt. erwähnt Jaspers als positiven Kontrast zum listen. den liegenden Kampf um Offenheit gegenüber sich selber und anderen. Band der 'Philosophie" heißt. dass es für die Selbstverwirklichung notwendig auch des Moments der Innerlichkeit. die mit dem Konzept der Existenzverwirklichung in der Kommunikation verbunden sind. den man als Appell zum Wagnis einsamer Selbstbesinnung und eigenständiger. 'Gelassenheit im Wissen des Endes'. ekstatische Lebensgier oder das Abkapseln gegenüber emotionalen Erschütterungen genannt. zunächst als abzulehnende Haltungen nihilistische Verzweiflung.und betrugreichen und oft auch gewaltsamen Kampf um Daseinsinteressen. Das Konzept der existentiellen Kommunikation Aus Jaspers’ Ausführungen über die existentielle Kommunikation kann man ebenfalls moralische Werthaltungen rekonstruieren. sei es des bevorstehenden eigenen Todes oder des Todes eines nahestehenden Menschen. wo dies nicht möglich ist. Gespaltenheit und Widersprüchlichkeit des Daseins. So werden in bezug auf die Grenzsituation des Todes. in innerer Aneignung tapfer zu ertragen. dann kommt darin die Einsicht zum Ausdruck. die mit dem Bewältigen von Grenzsituationen notwendig verbunden sein müssen. PhII 253). PhII 222 f. der autonomen Selbstbesinnung bedarf und dass dieses Moment in einer Zeit. der schöpferischen Sammlung und Meditation. dass man erlebte Widersprüche und Gegensätzlichkeiten im Leben verdrängt oder durch Konstruktion von harmonistischen Weltbildern verschleiert. Was die Grenzsituation des Kampfes betrifft. als positive Grundhaltungen hervorgehoben: Leiden nach Kräften so weit wie möglich zu bekämpfen und. Im Hinblick auf die Grenzsituation der Schuld wird verlangt. dass die Kommunikationspartner in der Lage sein müssen. die Freiheit und das eigentliche Selbstsein immer wieder anzustreben und zu verwirklichen (vgl. Damit meint Jaspers eine illusionslose Einstellung. Wenn Jaspers wiederholt betont. die von der Selbstverwirklichung wegführen. unkritischer Schuldzuschreibung an andere oder Schuldverdrängung. die auch auf jede Hoffnung. der Tod sei bloß Übergang in ein anderes Leben. Der Grenzsituation 'der Fragwürdigkeit des Daseins und der Geschichtlichkeit des Wirklichen überhaupt' darf man nach Jaspers nicht so begegnen. wie sie Jaspers in der Schrift 'Die geistige Situation der Zeit' (1931) beschrieben hat. auf das höchste gefährdet ist. im Gegensatz zu oberflächlichen Selbstrechtfertigungen.4 Zu den ethischen Komponenten. als eigentliche Grundhaltungen dagegen werden hervorgehoben: 'innere Aneignung' des Todes. auch als 55 . Bezüglich der Grenzsituaiatioig des Leidens werden im Gegensatz zu Verhaltensweisen. Nivellierungs. dass er dabei uneigentliche Haltungen. nicht von außen manipulierter Selbstreflexion bezeichnen könnte. wie es im 2. sondern vielmehr mit einer Grundeinstellung. die durch Vermassungs-. gegen alle Widerstände in der Weit. ja sie sogar als Bedingung der Möglichkeit für die Selbstverwirklichung in einem positiven Licht sieht. Nur ein Sterben ohne geoffenbarte Sicherheitsgarantie auf ein Weiterleben im Jenseits und ohne Selbsttäuschung ist Jaspers' Überzeugung nach ein 'wahrhaftes Sterben'. gehört ein Appell. bewusst verzichtet. Einsamkeit zu ertragen und Einsamkeit letztlich sogar als Voraussetzung der existentiellen Kommunikation angesehen wird.). Man könnte das Innerlichkeitsphänomen. die Leiden verdrängen oder in Anbetracht seiner Sinnlosigkeit zu lethargischer Passivität führen. die die Existenzverwirklichung ermöglichen. die Verantwortung für Schuld bewusst auf sich zu nehmen. die die ganze Widersprüchlichkeit des Lebens akzeptiert. Dann wird die Zerrissenheit. Es ist für Jaspers' Darstellungsweise typisch.

nicht fremdbestimmten Selbstbesinnung bezeichnen. d. in dem Buch 'Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung: 'Sich dem Offenbarungsglauben zu versagen. Fasst man die hier hervorgehobenen Appelle zusammen. bildhafte Gottesvorstellung ab. Dieser philosophische 56 . die unter Berufung auf Offenbarungsgehalte bestimmte moralische Regeln und Wertstandpunkte als verbindlich vorzuschreiben trachtet.. dass Existenzverwirklichung im Kommunikationskonzept von Jaspers notwendig an folgende moralische Einstellungskomponenten oder Grundhaltungen gebunden ist: 1.. die Bereitschaft zu einem nichtegoistischen Engagement für Andere. unmittelbares Seinsvertrauen und fundamentale Lebenszuversicht zu interpretieren ist. wie sozialem Status. muss auf die reale Offenbarung verzichten . sie ohne tarnende Rückversicherung.h. Dass dies nicht destruktive Konsequenzen für einen Kommunikationspartner hat. von welcher man sich keine inhaltliche Vorstellung machen kann und darf.persönlichen Mut zur meditativ-schöpferischen Einsamkeit und zur autonomen. Ideologien und Weltanschauungssystemen ablehnt. Wertvorstellungen usw. im ausdrücklichen Gegensatz zum betrügerischegoistischen Daseinskampf. denn in jedem.. u. Deshalb schreibt er z. Taktik und Verschleierungsmanöver der Kritik auszusetzen. Als weiterer moralischer Aspekt des Kommunikationskonzepts wäre der Appell zur vorbehaltlosen gegenseitigem Offenheit zu nennen.. solidarischen Kampf auf der existentiellen Ebene. 2. Anstelle eines religiösen Glaubens an einen bestimmten Gott und seine Offenbarung in der Zeit. weil ihn der andere für egoistische Ziele instrumentalisiert und die eigenen tarnenden Rückversicherungen nicht preisgibt. setze ich Ursprung und Eigensein voraus' (PhII 25). Im Kommunikations-Kapitel der 'Philosophie' heißt es dazu: 'Es ist Ausdruck des Existenzbewusstseins. einem anderen Menschen bedingungslos mitzuteilen und von ihm infragestellen zu lassen. 3. weil sie für ihn eine illegitime Vergegenständlichung der Transzendenz bedeutet. Vermögensverhältnissen usw. Für den philosophischen Glauben ist jede Offenbarungsreligion.B. bereits in einem gewissen Sinne dogmatisch und autoritär. dafür sollen in Jaspers' Kommunikationskonzept die Postulate der Gegenseitigkeit und der Wahrhaftigkeit sorgen.. wie in mir. Dieser Menschentyp. Freiheit und Transzendenz Die hier hervorgehobenen moralischen Grundhaltungen sind bei Jaspers konstitutive Bestandteile der Lebensgesinnung eines humanistisch-liberalen Menschentyps. einen anderen Menschen in der Möglichkeit seiner Selbstverwirklichung als prinzipiell gleichrangig anzuerkennen. individuellen Selbstverwirklichung eingeschränkt werden. mit jedem. den Jaspers als Ideal vor Augen hat. trotz seiner Verschiedenheit in miteinander vergleichbaren äußeren Belangen. könnte man sagen. Denn durch den Offenbarungsanspruch werden ganz bestimmte Wertstandpunkte verabsolutiert und der dabei erhobene Absolutheitsanspruch ist mit dem Freiheitsverständnis von Jaspers unvereinbar. 4. der ein Glaube an eine gänzlich ungegenständliche Transzendenz ist und primär als spontanes. sondern die Folge des Glaubens der von der Transzendenz als frei geschaffenen Existenz. Jaspers plädiert für die Bereitschaft. Damit hängt auch der Appell zum uneigennützigen Engagement für den anderen zusammen. auf gleiches Niveau trete. der jede Fixierung in die 'rationalen Gehäuse' von objektiven Weltbildern. Der philosophische Glaube ... eigene Ansichten. weil dadurch Möglichkeiten der freien. Jaspers spricht von einem liebenden. sofern ich Kommunikation suche.. ist nicht die Folge von Gottlosigkeit.. zeichnet diesen Menschen ein philosophischer Glaube5 aus. nichtfremdbestimmten Selbstbesinnung. Dieser impliziert zugleich den Appell zur Anerkennung der prinzipiellen Gleichrangigkeit des Kommunikationspartners. zw. die Bereitschaft. anderen Menschen ohne tarnende Rückversicherungen zu begegnen und eigene Ansichten und Überzeugungen vorbehaltlos infragestellen zu lassen. dass ich . Überzeugungen. mag er sonst in vergleichbaren Dingen weit über mir oder unter mir stehen. den Mut zur meditativ-schöpferischen Einsamkeit und autonomen. den Willen zur Offenheit als Bereitschaft. lehnt auch jede inhaltliche.

eine zentrale Rolle.Glaube. aus dem heraus man mit Arroganz und Ekel auf die ach so banale Weit herabschaut und sich nicht mehr permanent darum bemüht. Gerade die existenzerhellende philosophische Reflexion zeige ihm die Grenze seiner Freiheit in der Transzendenz. dass er nicht der letzte Seinsgrund ist. permanent an der Universalisierung der moralischen Werthaltungen zu arbeiten. noch eine 'Ethik der Intimität' verknüpft ist6. Die Transzendenz gibt dem Menschen keine Glaubensinhalte oder moralischen Gebote vor. Aus der Perspektive einer immanenten Interpretation könnte man sagen. wenn er sagt. Man könnte an diesem Punkt der Darstellung vielleicht einwenden. Der Begriff der Vernunft spielt im existenzphilosophischen Hauptwerk 'Philosophie' noch keine systematische Rolle. wenn der Mensch im Bewusstsein seiner Freiheit maßlos in seinen Ansprüchen auf Machtausübung und Naturbeherrschung würde oder sich in elitärer Selbstüberschätzung und Überheblichkeit als zu erhaben dünkt. existenzphilosophischen Ansatzes. bleibt angewiesen auf Kommunikation unter Menschen. Sie hat primär die Funktion. Mit dem Einführen dieses Vernunftbegriffs hat Jaspers zweifellos eine bedeutsam Erweiterung und Ergänzung seines ursprünglichen existenzphilosophischen Denkansatzes vorgenommen. wird nicht Autorität. für deren Befolgen er ihr gegenüber verantwortlich wäre. die er nach 1945 als Vernunftphilosophie und politische Philosophie entwickelt hat. bedeutet bei ihm nicht die Konstitution irgendeines inhaltlichen Abhängigkeitsverhältnisses und damit eines Verantwortungsverhältnisses gegenüber der Transzendenz. Die Vernunft erhält die Aufgabe. in vielen Gestalten auftretend. Die in der Privatheit des subjektiven Bewältigens von Grenzsituationen und in der Intimität der zwischenmenschlichen Ich-Du-Beziehung verwirklichten moralischen Einstellungen und Verhaltensweisen sollen mittels Vernunft in öffentliche und politische Lebensbereiche übertragen und dort zur Geltung gebracht werden. in dieser Welt wenigstens schrittweise jenen humanen Werten zum Durchbruch zu verhelfen. die in der Existenzphilosophie als notwendige Bedingungen der Möglichkeit individueller Selbstverwirklichung angesehen werden. er taucht erst in der Schrift 'Vernunft und Existenz' aus dem Jahr 1935 auf und wird dann in dem Buch 'Von der Wahrheit' 1947 von zentraler Bedeutung. dass sich die Existenz in der Möglichkeit ihrer Selbstverwirklichung und Freiheit von der Transzendenz her als 'geschenkt' erlebt. es wirkt vor allem der Tendenz entgegen. von dem Jaspers spricht. sich in die täglich von neuem stellende Aufgabe der Weltorientierung und der Alltagskommunikation einzulassen. die subjektive Schlagseite dieses Ansatzes zu mildern. Darauf kann man meiner Ansicht nach folgendes antworten: Das Erleben oder lnnewerden der Transzendenz. den Menschen in seinem permanenten Bemühen um Selbstverwirklichung nicht erlahmen zu lassen und die Verabsolutierung des Ich in der existentiellen Freiheit zu verhindern. wie dies der langjährige Heidelberger Politikwissenschaftler Dolf Sternberger einmal formuliert hat. sich in ein Gehäuse elitärer Selbstgenügsamkeit und Selbstzufriedenheit zurückzuziehen. nicht Dogma. verbindet sich damit im Kontext des Vernunftbegriffs eine Ethik des öffentlichen Verhaltens. Moral und Politik Die bisher hervorgehobenen moralischen Aspekte von Jaspers' Existenzphilosophie spielen auch in seiner späteren Philosophie. aber nicht notwendig miteinander beten müssen' (PGO 110). Er hat damit auch wesentlich dazu beigetragen. Vorstellung vom eigentlichen Menschsein verbunden sind. Eine solche Verabsolutierung wäre gegeben. dass Jaspers von einer Abhängigkeit der menschlichen Existenz und ihrer Freiheit von der Transzendenz spricht. Während mit dem Kommunikationsgedanken im Kontext des frühen. Über die Vernunft vermittelt. Das Innewerden der Transzendenz macht dem Menschen deutlich. dass ein von Jaspers neu eingeführter Vernunftbegriff das Bindeglied zwischen seiner Existenzphilosophie und seiner politischen Philosophie darstellt. sollen individuelle Werte und 57 . Vernunft. sondern als Vernunftphilosophie verstanden wissen. die mit Jaspers. ab 1950 möchte Jaspers sein philosophisches Denken selber nicht mehr als Existenzphilosophie. die notwendig miteinander reden.

Werthaltungen, wie Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufsichnehmen persönlicher Verantwortung, Mut zur autonomen Selbstbesinnung. Bereitschaft zur vorbehaltlosen Offenheit gegenüber einem Kommunikationspartner, das uneigennützige Engagement für den anderen, Anerkennung der prinzipiellen Gleichrangigkeit eines Kommunikationspartners usw., zu den normativen Voraussetzungen eines öffentlichen, politischen Denkens und einer möglichst universalen Kommunikation werden, bei der es nicht zuletzt auch um die Lösung von Problemen geht, die die ganze Menschheit betreffen. In der ersten politischen Schrift, die Jaspers nach 1945 publiziert hat, in der er sich mit der Schuldfrage des deutschen Volks am Nationalsozialismus auseinandersetzt, sind unschwer Bezüge zu seiner früheren Existenzphilosophie zu erkennen. So deutet er die Ära des NaziRegimes in Deutschland als eine Grenzsituation für jeden deutschen Staatsbürger und für das deutsche Volk insgesamt. Diese Grenzsituation ist nicht mit Hilfe von oberflächlichen Verdrängungsstrategien, Schönfärberei, illusionistischer Selbsttäuschung usw. zu bewältigen. Es bedarf dazu vielmehr eines ehrlichen Selbstreflexionsprozesses, der durch illusionslose Wahrhaftigkeit und die Bereitschaft, für das Geschehene Verantwortung zu Übernehmen, gekennzeichnet sein muss und bei dem die historischen, sozialen, wirtschaftlichen und psychischen Voraussetzungen der Entwicklung zum NS-Regime in einem 'inneren Handeln' aufgearbeitet werden müssen. Dieser Reflexionsprozess, den jeder Einzelne bei gleichzeitigem Prüfen seines individuellen Schuldanteils leiten muss, und der zugleich auch ein öffentlicher Diskussions- und Aufklärungsprozess sein soll, wird von Jaspers als notwendige Bedingung für die moralische und politische Umkehr des deutschen Volks nach der Katastrophe des Nationalsozialismus angesehen. Jaspers selbst kommt bei diesem Reflexionsprozess zu einem differenzierten Schuldbegriff, der gleichzeitig auch allzu pauschale und undifferenzierte Schuldzuweisungen in die Schranken zu weisen geeignet ist, wenn er zwischen krimineller Schuld, politischer Schuld, moralischer Schuld und metaphysischer Schuld unterscheidet (vgl. Sch 31 ff.). Das Denkmotiv von der Grenzsituation und der Notwendigkeit einer sittlich-moralischen und politischen Umkehr findet sich bei Jaspers aber nicht nur auf das deutsche Volk bezogen und auf dessen negatives Grenzerlebnis des Nationalsozialismus. In seinem Buch 'Die Atombombe und die Zukunft des Menschen' (1958) vertritt er die These, dass die gesamte Menschheit in einer Grenzsituation stehe. Diese gleichsam universale Grenzsituation ergibt sich aus zwei in der Gegenwart zu realen Gefahren gewordenen Möglichkeiten, die es in der bisherigen Menschheitsgeschichte noch nie gegeben hat: 1. aus der Möglichkeit der totalen Selbstvernichtung der Menschheit durch den Atomkrieg, und 2. aus der Möglichkeit der Errichtung eines weltweiten totalitären Herrschaftssystems, in dem alles, was eigentliches Menschsein bedeutet (Freiheit, Selbstverantwortung, Menschenwürde, liebende Kommunikation usw.) zunichte gemacht wird. Diese beiden Gefahren, die im Gefolge der wissenschaftlich-technischen Entwicklung, die Jaspers aber keineswegs einseitig negativ zeichnet (vgl. AZM 46ff.), entstanden sind, haben eine in der bisherigen Geschichte noch nie dagewesene Krise der gesamten Menschheit heraufbeschworen. Um sie meistern zu können, bedarf es zunächst des Bewusstwerdens und der existentiellen Aneignung der universalen Grenzsituation durch möglichst viele Menschen, und es bedarf schließlich auch einer sittlich-moralischen Umkehr, eines radikalen Wandels der 'sittlich-politischen Denkungsart'. Die von ihm intendierte, moralisch-politische Umkehr verlangt die Abwendung von der 'alten Politik', die Jaspers im Gefolge von Max Weber in erster Linie als Machtpolitik versteht. War alle bisher praktizierte Politik primär Kampf um Durchsetzung von Interessenund Machtansprüchen, so muss die "neue Politik", die auf einen Weltfriedenszustand hinarbeiten soll, über alle partikularen Gruppeninteressen und Machtambitionen hinaus, vom 'Überpolitischen' her bestimmt sein. Wenn im Zusammenhang mit dem Begriff des Überpolitischen von Ethos, sittlicher Idee, Opfermut, Vernunft, usw. die Rede ist, will Jaspers damit auf jene höhere, existentiell-moralische Dimension verweisen, die für ihn das eigentliche Menschsein bedeutet und von der aus die 'bloße Politik', die stets nur Machtpolitik oder perspektivenlose, pragmatische Realpolitik ist, permanent überformt werden muss. 58

Worin liegen aber nun die Hauptcharakteristika der neuen, vernunftgeleiteten Politik, die an die Stelle der alten Politik treten muss, wenn die Menschheit die universale Grenzsituation bewältigen will? Für Jaspers ist diese Politik notwendig mit der Idee der Demokratie und einem Pluralitätsideal verbunden, das auch für seine Philosophie des Umgreifenden, seine Wahrheitsauffassung und den Vernunftbegriff kennzeichnend ist. Ich kann dieses Pluralitätsideal hier nicht näher erörtern,7 für unsere Fragestellung sind hier nur die moralischen Aspekte der neuen vernünftigen Politik von Interesse. In Anbetracht der Werthaltungen und moralischen Appelle, die wir im Zusammenhang mit dem Selbstwerden in Grenzsituationen und in der Kommunikation bereits kennengelernt haben, kann man im Bezug auf Jaspers' Idee einer vernunftgeleiteten Politik nun folgende Konsequenzen ziehen: Eine solche Politik sollte auf einem beachtlichen Maß an Gelassenheit, illusionsloser Tapferkeit und persönlichem Mut zur autonomen, kreativen Selbstbesinnung beruhen. Diese moralischen Einstellungen, die es dem einzelnen in der existentiell-privaten Lebensdimension ermöglichen, mit Grenzsituationen fertig zu werden, sollen im öffentlichen Leben die politisch Handelnden davor bewahren, in Krisensituationen den Kopf zu verlieren und sich zu blindemotionalen Handlungen hinreißen zu lassen; sie sollen auch davon abhalten, sich in einer Krisensituation gleich an den ersten sich bietenden Ausweg zu klammern, ohne dessen Folgen genügend überlegt zu haben. Diese moralischen Grundeinstellungen hatte zweifellos auch Jaspers' großes Vorbild Max Weber in seinen Überlegungen zur Politik im Auge, wenn er in seiner berühmten Schrift 'Politik als Beruf' im Gegensatz zum ‚steril aufgeregten politischen Dilettanten' jenen Politikertyp hervorhebt, der im politischen Handeln 'Augenmaß' besitzt und die Fähigkeit, 'die Realität mit innerer Sammlung und Ruhe auf sich wirken zu lassen, also der Distanz zu den Dingen und Menschen'.8 Diese Qualität der Distanz wird von Weber vor allem auch als Fähigkeit zur Distanzierung gegenüber sich selbst verstanden, d.h. gegenüber illusionären Wunschvorstellungen, Selbsttäuschung und Eitelkeit, sowie gegenüber dem Streben nach Macht zum Zwecke ‚persönlicher Selbstberauschung.' Aus Jaspers' Sicht würde die vom Politiker geforderte Qualität der Distanz aus den einsamen Selbstreflexionsprozessen erwachsen, die mit dem Durchstehen von Grenzsituationen verbunden sind. Gelassenheit, Tapferkeit zum ehrlichen und illusionslosen Einschätzen der Realität, sowie Mut zur autonomen, nicht fremdbestimmten Selbstbesinnung, erscheinen damit nicht bloß als notwendige Bedingung für die individuelle Selbstverwirklichung, sondern auch für die Distanzfähigkeit, die den Politiker im öffentlichen Handeln auszeichnen soll. Dass der Begriff der Distanzfähigkeit übrigens auch im Denken Max Webers stark moralisch imprägniert ist, zeigt dort seine enge Verbundenheit mit dem Begriff der intellektuellen Redlichkeit. Weitere moralische Einstellungen und Verhaltensappelle die der politischen Philosophie von Jaspers zufolge über die Vernunft öffentlichkeitswirksam werden sollten, sind: die grundsätzliche Bereitschaft zum Aufsichnehmen von Verantwortung; diese Einstellung ist nicht nur für das individuelle Selbstwerden in der Grenzsituation der Schuld bedeutsam, sondern sollte als verantwortungs-ethische Grundhaltung, wie sie Max Weber im Gegensatz zum gesinnungsethischen Fanatismus gefordert hat, auch eine zentrale Rolle im politischen Entscheiden und öffentlichen Handeln spielen. Jaspers plädiert dabei offensichtlich für das Prinzip der individuellen Verantwortlichkeit, weil nur die Orientierung an diesem Prinzip der Kultur der Verantwortungsflucht und den mannigfachen Anonymisierungstendenzen von Verantwortung in den komplizierten und schwer durchschaubaren Entscheidungsprozessen in demokratischen Massengesellschaften entgegenwirken kann. Verzichtet man von vorn herein auf das Prinzip, Verantwortung konkreten Individuen nach dem Verursacherprinzip zuzurechnen, leistet man nur jenen Vorschub, die sich aus der persönlichen Verantwortung für die Folgen von getroffenen oder nicht getroffenen Entscheidungen wegstehlen wollen, indem sie sich auf anonyme Instanzen berufen, wie unwiderstehliche Sachzwänge, kollektive Gruppenprozesse, angeblich irreversible Geschichtsgesetze, nicht änderbare Mächte des Schicksals usw. Sicherlich darf die Orientierung am Prinzip der individuellen Verantwortlichkeit nicht so einseitig und dogmatisch erfolgen, dass bei der nachträglichen 59

Analyse von Entscheidungssituationen und ihrer Folgewirkungen immer nur ein Schuldiger als Verursacher und Sündenbock eruiert werden muss, damit diesem Prinzip Genüge getan ist. Anstelle einer solchen monokausalen Zurechnung von Verantwortung muss eine graduell abgestufte und differenzierte Zuschreibung von individueller Verantwortung angestrebt werden, wie dies ja auch in jedem Rechtssystem zum Ausdruck kommt, wo verschiedene Grade von Schuld durch graduell abgestufte Sanktionen bestraft werden. Genauso wie es in einem humanen Rechtssystem keine Kollektivstrafen geben darf, sollte es in einer humanen Gesellschaft auch keine kollektiven Schuldzuweisungen und keine kollektiven Verantwortungszurechnungen geben, bei denen alle Individuen, die eine Gruppe oder gar ein Volk bilden, im gleichen Ausmaß für Handlungen und deren Folgen verantwortlich gemacht werden. An weiteren Werthaltungen, für die Jaspers plädiert, sind zu nennen: Ein Lebensernst und ein Maß an Geduld, die nicht nur den Einzelnen in der Gren7situation des Leidens auszeichnen sollten, um mit dieser Situation psychisch fertig zu werden, sondern auch den politisch Handelnden, damit er Enttäuschungen und Erlebnisse des Scheiterns in der Politik ohne Verbitterung, Resignation und Menschenverachtung zu verkraften vermag. Aus dem Appell zur Offenheit und zum liebenden Kampf in der existentiellen Kommunikation lässt sich hinsichtlich der moralischen Erneuerung der Politik die Forderung ableiten, anderen Menschen, Gruppen und Völkern im politischen Denken und Handeln mit ehrlichem Bemühen um gegenseitiges Verstehen zu begegnen, damit jene Basis an Vertrauen aufgebaut wird, die für das gemeinsame Lösen von öffentlichen Anliegen und politischen Problemen im Weltmaßstab unerlässlich ist. Dabei gilt es permanent gegen politische Betrugs- und Verschleierungsmanöver, gegen verengte gruppenegoistische lnteressenperspektiven, ideologische Absolutheitsansprüche, Feind-Bilder, polarisierende Deutungsschemata usw. bei sich selber, der eigenen Gruppe, dem eigenen Volk anzukämpfen, genauso wie es gutwillige und kompromissbereite politische Gegner und Konkurrenzgruppen durch ehrliche Vertrauensbeweise indirekt zu unterstützen gilt, derartige kommunikationshemmende Faktoren gleichzeitig auch in ihren Reihen abzubauen. Was Jaspers in der existentiell privaten Lebensdimension unter 'Niveaugleichheit' und 'existentieller Solidarität' zwischen zwei Kommunikationspartnern versteht, würde in den Bereich des öffentlich-politischen Verhaltens übertragen, folgende moralische Appelle bedeuten: andere Menschen und Völker in ihren Eigenarten, Besonderheiten und spezifischen Lebensformen möglichst vorurteilslos ernst zu nehmen und zu achten, ihre ethnische, sprachliche und kulturelle Andersartigkeit vorbehaltlos zu respektieren, was vor allem auch in bezug auf Minderheiten im eigenen Staatsbereich gilt; die prinzipielle Gleichrangigkeit von Fremdgruppen in ihrer Entwicklungsmöglichkeit im Vergleich zur Eigengruppe bedingungslos anzuerkennen (d.h. sich für den Abbau von ethno-zentrischen Einstellungen und Vorurteilen einzusetzen); sich für die Verbesserung der Entwicklungschancen von anderen Menschengruppen und Völkern uneigennützig zu engagieren-, d.h. u.a. auch die überhebliche Almosenmentalität und die erniedrigende Bevormundungsattitüde bei der Unterstützung von wirtschaftlich unterentwickelten Gruppen und Völkern abzulegen; und als letzter hier genannter moralischer Appell der Appell, kulturimperialistischen Tendenzen, die die kulturelle Eigenart von Fremdgruppen nivellieren, konsequent entgegenzutreten. Die hier hervorgehobenen ethischen Komponenten in der Existenzphilosophie und im politischen Denken von Jaspers sind bei ihm letztlich der Ausdruck eines Welt- und Menschenbildes, dessen Hauptcharakteristikum in der Überzeugung liegt, dass es kein dogmatisch-fixiertes, perfektionistisches Idealbild des wahren Menschseins oder der einzig richtigen politischen Ordnung geben kann und darf. Vorstellungen darüber können nur Orientierungsideale sein, die stets korrigierbar sein müssen und an die es immer nur graduelle Annäherungen geben kann. Genauso wie der Mensch in seiner individuellen Selbstverwirklichung nie vollendet ist, vermag er als moralisches Wesen, das privat und öffentlich handelt, oder als wissendes und politisch denkendes Wesen, das gesellschaftliche und politische Institutionen plant und errichtet, nie vollkommen zu sein. Das Anerkennen der 60

Über Aufgaben deutscher Politik. 569 ff. 6) Dolf Sternberger. In: Hans Saner (Hrsg. Sicherlich kann man gegen Jaspers mit Recht den Vorwurf erheben. 5) Vgl. zw. Februar 1969. die diese Seiten von Jaspers' Philosophie bisher herausgearbeitet haben. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. 3) Zur Diskussion und kritischen Auseinandersetzung mit diesem Philosophieverständnis vgl. sind u. Ehrlich. die Politikwissenschaftler. München 1907. indem sie ihn als einen weltfremden Moralisten abkanzelten. Neuausgabe München 1983. u. Existenzerhellung und philosophische Anthropologie. Aufl. s. Zürich 1949. 134. S. Franz-Peter Burkard. Karl Jaspers in der Diskussion. In: Klaus Piper (Hrsg. (Karl Jaspers-Symposium anlässlich d. Vernunft und Wiedervernunft in unserer Zeit. 1967. Würzburg 1982.). dass es immer wieder auch notwendig ist. Amherst 1975. Anmerkungen 1) Hans Saner. S. nach moralischen Wertstandards und Leitprinzipien von Politik zu fragen und politisches Handeln an solchen Wertstandards zu messen. Februar 1983 . Existentielle und politische Freiheit. Untrennbarkeit von Vernunft und Existenz. 2. Hoffnung und Sorge. 35 (I9B4). dazu mein oben genanntes Buch über Jaspers.: Leonhard H. Karl Jaspers. Graz 1985. Geburtstags). Jaspers und der Staat. 1982. 6. 8. Politisches Bewusstsein in unserer Zeit. Karl Jaspers. Dieser Aufgabe ist Jaspers sicher gerecht geworden. Politiker und Journalisten gegen ihn erhoben haben. Schriften zur deutschen Politik 1945 1965. Pluralität. Oldenburg 1983. Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung. Versuch einer Auseinandersetzung mit Karl Jaspers. folgende Konsequenzen: 1. Karl Jaspers: Philosophy as Faith. Autobiographische Schriften.a. In: Rudolf Lengert (Hrsg. Freiheit und Wiedervereinigung. 51. es wird jede dogmatische Fixierung in ein perfektionistisches Idealbild vorn Menschen oder einer bestimmten Gesellschaftsform. dazu die Bücher von Jaspers: Die Schuldfrage.16. 61 . Die Atombombe und die Zukunft des Menschen. Jeanne Hersch. für das Zustandekommen einer weltweiten Kommunikation und eines Weltfriedenszustandes plädiert. Die Existenzphilosophie von Karl Jaspers als geistige Grundlegung der pluralistischen Demokratie. München 1958. Zur politischen Haftung Deutschlands. 1981. sowie: Alexander Schwan. eine solche Fixierung erscheint als unrealistisch und letztlich "unmenschlich'. lassen aber den Umstand außer Acht. 23. strikt abgelehnt. S. Offenheit und Demokratie. Vom Ursprung und Ziel der Geschichte. 2) Vgl. Philosophie der Freiheit. im Gegensatz zu defätistischen und passiven politischen Glaubenshaltungen wird für die Notwendigkeit des aktiven und konsequenten Eintretens für mehr individuelle Freiheit. Aufl. 13. München 1960.. Neuauflage München 1987.). S. 8) Max Weber. Das Menschenbild bei Karl Jaspers. München 1963. München 1963. Politik als Beruf. wie sie politische Extremismen oft nahelegen. München 1950.22-45. Solche Vorwürfe. Wohin treibt die Bundesrepublik? Tatsachen-Gefahren-Chancen. München 1965. Vorwort. Werk und Wirkung.a. Ethische Existenz bei Karl Jaspers. 7) Vgl. München 1966. S. Schicksal und Wille. Berlin 1968.). er sei in seinem späteren politischen Denken relativ allgemein und abstrakt geblieben. Elisabeth Hybasek. v. u. 100. weil er keine konkreten institutionellen Lösungsvorschläge zur Bewältigung politischer Probleme gegeben hat und in seinen Überlegungen den komplizierten Entscheidungsmechanismen in den realen politischen Prozessen nicht gerecht geworden ist. die Jaspers ähnlich wie sein großes Vorbild Max Weber vertritt. Hrsg.prinzipiellen Unvollkommenheit und Fehlbarkeit des menschlichen Wesens hat für die liberale Weltanschauung. Heidelberg/Zürich 1946. 4) Andere Autoren. sowie: Otto-Friedrich Bollnow. Zürich 1948. 7. München 1973. Aufl. mein Buch über Jaspers: Karl Jaspers. dazu die beiden Bücher von Jaspers: Der philosophische Glaube. S. Hans Saner. In: Karl Jaspers.93ff. 211. München 1985.

sie ergibt sich aus so komplexen psychischen Phänomenen wie der bequemen Selbsttäuschung über die Ziele und die inhumane Herrschaftspraxis des NS-Regimes. dass die Kollektivschuldthese nur allzuleicht den Effekt haben könne. Im Gefolge der Unterscheidung von vier Schuldbegriffen (kriminelle Schuld. wo der andere getötet wird'. die nur im je individuellen Fall unterschieden werden können' (48). Nazi-Verbrechen von Einzelpersonen zu bagatellisieren weil ja ohnedies alle Deutschen mit Schuld beladen seien. die bei der Bildung eines eigenen Urteils über diese Problematik äußerst hilfreich sein können. um es im großen Zufassen in der Weise eines schlechten Richters zu beurteilen“ (19). zeigt seine Feststellung über die Parteimitgliedschaft bei der NSDAP. Damit nimmt Jaspers schon seine später explizite Ablehnung einer deutschen Wiedervereinigungsdoktrin vorweg. So wendet sich Jaspers entschieden gegen eine pauschal diskreditierende Kollektivschuldthese. die Jaspers in einer vielbesuchten Vorlesung im Wintersemester 1945/46 an der Universität Heidelberg über die Schuld des deutschen Volks am Nationalsozialismus gehalten hat. Warnungen davor.) oder 'der' Deutschen oder 'der' Österreicher am nationalsozialistischen Terror-Regime. etwa politischer oder wirtschaftlicher Zwecke als Waffe benützt werde . finden wir in dieser Schrift interessante Gedanken und Unterscheidungen. moralische Schuld. der Unbedingtheit einer blinden nationalen Anschauung. 'wenn ich überlebe. In seinen Reflexionen über diese Schuldbegriffe und deren differenzierende Anwendung auf die Schuld des deutschen Volks am Nationalsozialismus finden sich eine Fülle von interessanten Hinweisen und Einsichten: so z. Jaspers trat später entschieden gegen eine Verjährung von NS-Verbrechen ein. spricht Jaspers auch noch von metaphysischer Schuld. wenn sie im Dienste anderer. Politische Schuld haben alle Staatsbürger des NSStaats. nicht verhindert haben. wo die 'Solidarität mit dem Menschen als Menschen' verloren geht. In Anbetracht der heute neu aufgeflammten intensiven öffentlichen Diskussion über den Schuldanteil einzelner Personen (Martin Heidegger. Kurt Waldheim usw. sie müssen durch die Gerichte der Siegermächte und durch eine neu aufgebaute deutsche Gerichtsbarkeit unnachsichtig bestraft und abgeurteilt werden. in welchem Zusammenhang und aus welchen Motiven jemand Parteimitglied wurde. Moralische Schuld ist nur dem Einzelnen zuschreibbar.BUCHPRÄSENTATION: Karl Jaspers Die Schuldfrage Diese Rubrik dient zur Vorstellung einzelner Bücher und Schriften von Jaspers. politische Schuld. Die Schrift 'Die Schuldfrage' erschien erstmals 1946 und fasst die Überlegungen zusammen. 62 . Dass Jaspers auch hier noch weiter zu differenzieren bemüht ist. der teilweisen Billigung des Nationalsozialismus. Er sieht sie dort gegeben. Jedes Jahr und jede Situation hat seine eigentümlichen Entschuldigungen und eigentümlichen Belastungen. dies impliziert eine kollektive Haftung für die vom NS-Staat verursachten Schäden und deren materielle Wiedergutmachung und selbstverständlich auch die Anerkennung der durch die Siegermächte festgelegten Grenzen. dass die Anklage gegen das deutsche Volk nicht 'wahrhaftige sei. die während der NS-Ära Verbrechen begangen haben. dem Mitläufertum usw. der 'Halbheit und gelegentlichen inneren Angleichung und Abfindung' mit dem bestehenden NS-System. Verantwortlichkeiten. als dies Mitte der Sechzigerjahre in der BRD öffentlich diskutiert wurde. weil sie die Errichtung dieses Staates bzw. Haftungen und Bestrafungen an: Kriminelle Schuld haben alle jene Deutschen. durch die „alles stufenlos auf eine einzige Ebene gezogen wird. wobei stets eine Auswahl von markanten Textstellen aus dem betreffenden Werk mit abgedruckt werden. dessen zeitweises Funktionieren ermöglicht bzw. 'Es ist für den Sinn des Mitgebens entscheidend.B.ein Hinweis. metaphysische Schuld) stellt er eine Reihe von differenzierenden Überlegungen über unterschiedliche Schuldanteile. Um den Begriff der moralischen Schuld nicht zu sehr auszuweiten.

habe ich die moralische Verantwortung. geführt und gestört von Gefühlen. sind zuerst Menschen und dann Deutsche. (16) Auf das Gefühl als solches ist kein Verlass. weder im kriminellen. irgendeinen 'Richterstuhl in der Weit' anzuerkennen oder Forderungen nach der notwendigen moralischen Umkehr zu akzeptieren. will heraus aus dem Elend. Die kategoriale Beurteilung als Volk ist immer eine Ungerechtigkeit. dass unser eigenes Leben in Not und Abhängigkeit seine Würde nur noch durch Wahrhaftigkeit uns selbst gegenüber haben kann. ständig begleitet. Einmütigkeit durch Miteinanderreden und Verstehen führt zur Gemeinschaft. Ein Volk als Ganzes kann nicht schuldig und nicht unschuldig sein. 'wenn sie gleichsam als Leistung von außen fälschlich verlangt wird' (28). Jaspers' Auffassung von menschlicher Würde zufolge muss diese Umkehr aus Eigeninitiative und nicht auf Druck von außen erfolgen. kann uns nicht gleichgültig sein. die der Objektivität des Wissbaren und Denkbaren ausweicht. (17) Ein Volk kann nicht zu einem Individuum gemacht werden. Das Ergreifen des Gemeinsamen im Widersprechenden ist wichtiger als die voreilige Fixierung von sich ausschließenden Standpunkten. nicht sittlich oder unsittlich handeln. Ja. aus dem wir jeweils verlässlich zu leben vermögen. noch im politischen (hier haften nur die Bürger eines Staates). bereit bleiben. Sich auf Gefühle zu berufen ist die Naivität. die ich vollziehe. Niemals gilt schlechthin 'Befehl ist Befehl'. Copyright R. auch für politische und militärische Handlungen. der im NS-Staat gelebt hat. Unsere Menschenwürde verpflichtet uns. miteinander zu reden. Piper & Co. die ich doch immer als dieser einzelne begehe. die Forderung nach einem ehrlichen Selbstreflexionsprozess (einer inneren 'moralischen Umkehr') jedes Menschen. wobei es den eigenen Schuldanteil gewissenhaft zu prüfen und einzubekennen gilt. Das heißt. sondern immer nur die Einzelnen aus ihm. nicht Verbrecher sein. (14) Man mag nicht hören von Schuld. Von der politischen Haftung Deutschlands. sondern hören. wir wollen das uns Widersprechende geradezu aufsuchen. mit denen man die Unterhaltung als aussichtlos beendet. aber nicht nachdenken. Textauszüge aus: Karl Jaspers Die Schuldfrage. auch wenn sie befohlen sind (obgleich je nach dem Maße von Gefahr. kommen wir zum wahren Gefühl. sie 63 . aber nicht noch mit Schuld beladen werden dürfte. sie verfliegt als Schein in der Katastrophe. in der Frage unserer Schuld klar zu sehen und die Folgerungen zu ziehen. Wie vielmehr Verbrechen Verbrechen bleiben. noch im moralischen Sinn. man ist nicht betroffen von der Wellgeschichte. zu neuer Einsicht zu kommen. Ein Volk kann nicht heroisch untergehen. als ob man nach so furchtbarem Leid gleichsam belohnt. will [eben. für die moralische und metaphysische Schuld. Allerdings spricht sich Jaspers dagegen aus. denn wir wissen uns zur Menschheit gehörig. Wir wollen lernen. (16) Für Handlungen.wie leicht öffentliche moralische Anschuldigungen in der Politik als wirksame Waffe eingesetzt und zur Verfolgung spezifischer Eigeninteressen instrumentalisiert werden können. Erst nach allseitigem Durchdenken und Vergegenwärtigen einer Sache. und zwar für alle meine Handlungen. (15) In der Tat sind wir Deutschen ohne Ausnahme verpflichtet. Erschienen im Verlag Piper als Band 698 SP (= Serie Piper). auf Gründe hören. Wir wollen nicht nur behaupten. Wir wollen uns innerlich versuchsweise auf den Standpunkt des andern stellen. Es ist eher eine Stimmung. die jeder für sich aufarbeiten muss. von Vergangenheit. München 1987 (Neuausgabe). Wichtiger aber noch ist uns. Erpressung und Terror mildernde Umstände gelten). wir wollen nicht nur unsere Meinung wiederholen. Schon was die Weit über uns denkt. (7) Einheit durch Zwang taugt nichts. Man will einfach aufhören zu leiden. sondern im Zusammenhang nachdenken. die standhält. was der andere denkt. jedenfalls getröstet werden müsste. so bleibt jede Handlung auch der moralischen Beurteilung unterstellt.

ist nicht in Distanz kalter Analyse erlaubt. Er hat sich als Übersetzer von Jaspers' Büchern 'Metaphysik'. will es sich nicht sagen lassen. musste sich einfügen. sondern eher ein Gnadenakt des Staates. 3 erschienen ist. an dem auch japanische JaspersForscher teilnahmen) organisatorisch umgeändert und Ende März 1984 in Tokio neu gegründet worden. wie die Lage etwa 1936 oder 1937 aussah. (25) Niemand braucht in moralischer und metaphysischer Schuld einen Richterstuhl in der Weit anzuerkennen. Darin sind jeweils Beiträge von japanischen Jaspers-Forschern abgedruckt. Die Welt ist bis in die kleinen Alltagsumstände hinein voll von Beziehungen für die Urheberschaft eines Unheils. Wir dürfen uns vergegenwärtigen. äußerlich. so ist das wahr.ebenfalls untätig geschehen ließen. 64 . Kazuteru Fukui (Tokio) Über die Tätigkeit der Jaspers Society of Japan Die seit 1951 gegründete Forschungsgesellschaft 'Jaspers Society of Japan' ist nach dem Jubiläum zum 100. Zum Präsidenten ist Professor Saburob Suzuki gewählt worden.setzt voraus eine falsche Substantialisierung . Man will sich nicht zu nahe treten lassen. anderen Vorwürfe zu machen. Nur ein Krieg konnte das Regime umwerfen.ohne unter Terror zu stehen . Ein Jaspers-Symposion unserer Gesellschaft findet jeden Herbst an der Universität Waseda statt. was sie.untätig dabeigestanden. weil es in einem anderen Staate geschah. Und wenn er es sich sagen lässt. Der Deutsche. nicht als eine sie betreffende Sache ansahen. der den Betreffenden zuließ. (65) Wir sind empfindlich gegen Vorwürfe und leicht bereit. verdient gemacht und ist zur Zeit in Japan einer der bedeutendsten Jaspers-Forscher. in welchem Zusammenhang und aus welchen Motiven jemand Parteimitglied wurde. als die Verbrechen begangen wurden und als das Regime sich befestigte. das bis Vol. der nicht völlig abseits stehen oder seinen Beruf verlieren oder sein Geschäft schädigen wollte. dass wir .unter dem Terror . Es ist für den Sinn des Mitgehens entscheidend. Auch wer Schuld hat. Geburtstag von Karl Jaspers im Jahre 1983 (in Basel und Heidelberg fand aus diesen Anlass ein großer Jubiläumskongress statt. Alle wollten Frieden. Alle Mächte paktierten mit Hitler. Jedes Jahr wird von unserer Gesellschaft auch das Organblatt 'Kommunikation' veröffentlicht. ja unabsichtlich förderten. konnte schwer nein sagen. ohne innere Zustimmung. (72) BERICHTE. Ein 'Abzeichen' war nötig. zumal die Jüngeren. 'Existenzphilosophie' usw. (48) Wenn man uns vorwirft. Die Partei war der Staat. dass die anderen . will er es sich nicht von jedem sagen lassen. Jedes Jahr und jede Situation hat seine eigentümlichen Entschuldigungen und eigentümlichen Belastungen. Wer damals aufgefordert wurde beizutreten.sie hat eine Entwürdigung des Menschen als einzelnen zur Folge. aber man ereifert sich im moralischen Beurteilen der anderen. Die Zustände schienen unabsehbar beständig. die nur im je individuellen Fall unterschieden werden können. Bis heute traten etwa 120 Mitglieder in diese Gesellschaft ein. (26) Man muss sich vergegenwärtigen. Was vor liebenden Menschen in nächster Verbundenheit möglich ist. Jetzt war die Zugehörigkeit zur Partei oder zu Berufsverbänden nicht mehr ein politischer Akt.

das gesamte Wissen und Handeln des Menschen zu interpretieren im Problem des Einzelnen. Der Autor spricht von dem Bemühen des Philosophen. Esistenza e transcendenza. Jaspers besitzt nämlich.welches ständiges Bemühen ist. denn Jaspers ist bemüht. auf das sich die gespaltene Struktur der Existenz gründet. zur 'Transzendenz'. Die Autorin schreibt. In diesem Zusammenhang untersucht Penzo das Verhältnis zwischen Philosophie und Theologie in Jaspers' Denken. Der Titel des Werks ist: Arte e alienazione. 65 . Penzo hält die ontologische Dynamik der Kommunikation für äußerst wichtig. durch die der Mensch stets in der Entfremdung lebt. Eine weitere Arbeit. Die Philosophie ist für Jaspers ein Streben nach einem nie abgeschlossenen Ganzen. Am Beispiel der Ästhetik. In der polaren Dialektik zwischen diesen beiden Momenten besteht nach Penzo die für Jaspers typische Hermeneutik. im Mythos und in der Geschichte das zersplitterte Sein aufzuspüren. in dem der Mythos und die Chiffre eine große Rolle spielen. nicht zutrifft. (Studium. Der Horizont des Überpolitischen schließt die Frage nach dem Schicksal des Menschen mit ein. die vor allem die psychopathologischen Aspekte im Werk von Jaspers behandelt. ein besonderes methodologisches Bewusstsein und ein klares Wissen um die begriffliche Autonomie der Wissenschaft im Verhältnis zur Philosophie. die Existenzphilosophie sei gegen die Wissenschaft. Ihre Absicht ist es. Penzo beschäftigt sich auch mit dem politisch-sozialen Aspekt in der existentiellen Perspektive des Einzelnen und seiner Freiheit. Napoli 1985. versucht die Autorin in ihrem Buch darzulegen. Roma 1985. Aus der Dialektik von Wissenschaft und Philosophie entspringt ebenso die enge Beziehung zwischen Philosophie und Theologie. sondern auch das Problem des Schicksals des philosophischen Denkens als solches aufzuzeigen. Giannini Ed. der positive Nihilismus von Jaspers. der Beziehung zwischen Autorität und Freiheit. Daher bezeichnet er seine Philosophie als philosophischen Glauben. In der ausführlichen Einleitung zeigt der Verfasser auf. versucht Jaspers in der Kunst. der Pädagogik und am Beispiel eines der 'großen Philosophen' (Nietzsche) wird in kurzen Linien die umfangreiche Problematik von Jaspers skizziert. Ebenfalls von G. dass auf Jaspers das Urteil. veröffentlichte 1984 Paola Ricci Sindoni. Penzo ist das Bändchen: Jaspers. weil er Wissenschaftler und Philosoph war. einen philosophischen Raum auszumachen. von seiner 'Allgemeinen Psychopathologie' an bis zu seinen zahlreichen philosophischen Werken herausgearbeitet.Giorgio Penzo (Padua) Jaspers-Forschung in Italien (1984-87) In den letzten Jahren sind in Italien einige größere Arbeiten über Jaspers erschienen. der eine Überwindung des negativen Nihilismus sein will: seine 'Theologie der Liberalität'. in dem der Mensch lebt. der über die Wissenschaft und deren totalisierenden Anspruch hinausgeht. Penzo widmet der Chiffre als symbolischer Sprache der Transzendenz ein ganzes Kapitel. In diesem Buch wird das methodologische Bewusstsein von Jaspers. und zwar am Beispiel des Geisteskranken und des Künstlers. außer der Existenz und der stets an den Verstand gebundenen Vernunft auch die Transzendenz zu erhellen. Die Problematik dieser existentiellen Spaltung. Zunächst eine systematische Studie von Giorgio Penzo II comprendere in Karl Jaspers e il problema dell'emteneutica. das seinen Hauptakzent in der scharfen Unterscheidung zwischen Erklären und Verstehen hat. der zur Transzendenz hin offen ist und dessen Freiheit sich in der Kommunikation verwirklicht. Hier kommt der antidogmatische Charakter dieser Philosophie zutage. zum 'Scheitern'. Da die herkömmliche Rationalität unzulänglich geworden ist. Armando.. Roma 1985). denn 'in diesem hermeneutischen Horizont zeigt sich das existentielle Denken einzig und allein in der Dimension des Einzelnen'. Estetica e patografia in Jaspers. dass Jaspers' Philosophie immer bewusste Symptomatologie des Zustandes ist. Im dritten Teil werden Anregungen zur Vertiefung des Studiums von Jaspers' Denken gegeben. eine Einführung in Jaspers' Philosophie. nicht nur die Ästhetik von Jaspers zu skizzieren. Dies führt hin zur 'Grenze'. Penzo sieht die Einheit von Jaspers' Denken .

zusätzlichen Aufschluss über die gegenseitige Beziehung und Einschätzung bringen wird. Geburtsjahr von Heidegger. Kazuteru Fukui 66 . in dem Bemühen dieser Philosophen äußerte. die organisatorische Hauptarbeit leisteten Leonard H. Für diese Tendenz waren Vorträge repräsentativ. und 24. Ehrlich (Amherst. Chile). Da das gegenseitige Verhältnis dieser beiden Philosophen im Jahr 1989 aus aktuellem Anlass (100. die sich in dem ausschließlichen Bemühen äußert. oder die antidogmatische Grundtendenz von Jaspers' Denken sowie Überlegungen aus seiner politischen Philosophie zur kritischen Analyse einer dogmatisierten nuklearen Abschreckungsdoktrin herangezogen wurden (Walters). der in Verabsolutierung der Idee der individuellen Freiheit für ökologische und soziale Fragen blind wird (Riesterer). sowie in der systematischen Auseinandersetzung mit zentralen Denkmotiven seiner Philosophie. Andreas Cesana (Basel. war Heidegger. die immanenten Beziehungen zwischen einzelnen Begriffen und Gedankenmotiven im Werk von Jaspers mit größtmöglicher philologischer Exaktheit herauszuarbeiten und eventuell auch noch Strukturähnlichkeiten zu Gedanken bei den anderen Philosophen aufzuweisen. ist zu hoffen.Folgende Vorträge wurden auf dieser Konferenz gehalten: Enrique Arriagada-Kehl (Santiago. Ehrlich (University of Massachusetts/Amherst) und Richard Wisser (Universität Mainz). Hanna Buczynska-Garewicz (Worcester. MA/USA). 'Philosophie als dritter Weg. Schweiz). Die Schwerpunkte der Konferenz lagen im Vergleich der Philosophie von Jaspers mit dem Denken anderer Philosophen. Bemerkenswert war auch das rege Interesse von einigen Philosophen aus der Sowjetunion an der Philosophie von Jaspers. MA/USA). oder der Versuch gemacht wurde. die Tendenz. 'Being and Truth in Jaspers and Heidegger'. Auf dieser Konferenz wurden genauso wie in den bisherigen Publikationen über Jaspers wieder zwei (Grundtendenzen der Jaspers-Forschung deutlich: 1. Gedanken aus dem Werk von Jaspers nicht nur möglichst adäquat zu rekonstruieren. als auch in systematischer Absicht Ähnlichkeiten und gravierende Unterschiede in ihrem Denken herausgearbeitet. in denen z. dass die Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen den beiden. wobei der Vortragende davor warnte. Leonard H.a. 20. Ein Vortrag beschäftigte sich mit dem ambivalenten Verhältnis von Jaspers zu Heidegger. Der zweite Philosoph.B. Es wurden sowohl Einflüsse von Nietzsches Werk auf Jaspers. Als veranstaltende Organisationen fungierten die Jaspers Society of Japan. 'Jaspers and Nietzsche on Freedom and Necessity'. Weltkongresses für Philosophie in Brighton (England) die 'Second International Jaspers Conference' statt. die Karl Jaspers Society of North America und die Karl Jaspers-Stiftung in Basel. die Idee einer Chiffernsprache aus der Metaphysik von Jaspers als Impuls für die Entwicklung von künftigen ökumenischen Denkhaltungen interpretiert wurde (Schrag). dass die Beziehung von Jaspers zu Nietzsche den Interessenschwerpunkt mehrerer Konferenzteilnehmer bildete. sondern auch auf ihren Stellenwert für aktuelle Probleme und Gegenwartsfragen zu prüfen und sie in diesem Zusammenhang eventuell auch konstruktiv weiterzudenken. mit Jaspers-Forschern aus westlichen Ländern in einen kontinuierlichen Gedankenaustausch über Ergebnisse der Jaspers-Forschung zu treten.Kurt Salamun (Graz) Bericht über die 2. 'Authenticity: Nietzsche's Influence on Jaspers'. mit dessen Denken Jaspers' Philosophie mehrfach kontrastiert wurde. das sich u. August 1988 fand im Rahmen des XVIII. das kritisch-liberale Potential in Jaspers' Philosophieren für die Kritik an einem einseitigen Liberalismus fruchtbar zu machen. . Internationale Jaspers-Konferenz in Brighton (England) Am 21. Die starke Nietzsche-Renaissance in den vergangenen Jahren spiegelte sich in dem Umstand wieder. die Kritik von Jaspers an Heidegger isoliert vom historischen Kontext der Beziehung dieser beiden Denker und unabhängig von ihrem spezifischen Philosophieverständnis zu sehen (Wisser). die zur Zeit von Hans Saner und Walter Biemel vorbereitet wird. eine Tendenz zu einer gewissen Jaspers-Scholastik. eine erste Konferenz war bereits während des Wellkongresses für Philosophie in Montreal im Jahr 1983 veranstaltet worden. Todesjahr von Jaspers) voraussichtlich stärker im Blickpunkt der Forschung stehen wird. 2.

10801 67 . Kurt Salamun. BRD). Philosophie und Fundamentaltheologie d. Denzaburo Yoshizawa (Tokio. Pepper (New Rochelle. 'Jaspers und Heidegger. NIA/USA). Dr. Dr. Jaspers. F. Richard Wisser (Mainz.h. Walter Schweidler (München. Josef Schmuck. Macho. Hermann Josef Seideneck (Ferna. Walter Pieringer. Doz. DDR). Peter Kampits. medizinische Psychologie und Psychotherapie d. 'Kritische Betrachtung des neuzeitlichen Geistes und nochmalige Überlegung zur Vernunft'. Vizepräsident: Doz. Juli 1987: „Ich freue mich über Ihre Nachricht sehr. Janos Kelemen (Budapest.Der Gottesgedanke im philosophischen Werk von Karl Jaspers'. Be assured your American colleagues share these wishes. Kurt Salamun (Graz. Wittgenstein und die Ethik des Augenblicks'. Ich wünsche Ihnen. D. Inst. Südafrika). Dr. dass damit Ihre Jaspers-Forschung in Österreich sich in Hinkunft immer weiter entwickeln wird. Elisabeth Hybasek. Saburoh Suzuki (e. Universität Graz. 'The 'Thing-in-itself and the 'Encompassing'. Philosophie d. Philosophy and Ethics'. dass die Österreichische Karl-Jaspers-Gesellschaft offiziell gegründet worden ist. wenn wir unsere Organblätter gegenseitig von jetzt an tauschen könnten. Japan). 'Jaspers' and Heidegger's Religions Hermeneutics'.) Präsident der Jaspers Society of Japan. Dr. Prof. 1. MITTEILUNGEN. Universität Wien. "Freedom and Responsibility in the Philosophies of Karl Jaspers and Friedrich Nietzsche'. lnst. and the Comparative Philosophy of Religion'. Inst. Doz.Y. 'Jaspers. Universität Graz. Philosophie d. lnst. f. Riesterer (Indianapolis.' George B. Japan). (e. Gregory J. f. Oswald 0. 'Jaspers' Concern with Nietzsche's Philological Psychology'. Gunter Iberer. Schrag (Nashville. 'Karl Jaspers and the Crisis of Contemporary Liberalism'. New York). 23. 'Das Wagnis der Schwebe . Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Grußadressen: (anlässlich der Gründung der 'Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft' im Jahr 1987) Sayama. Dr. 'Jaspers and Modernism: A Reply to Habermas'. TX/USA). lnst. Universität Graz.' Prof. Alan M. TE/USA). Eine Aufgabenstellung als Problemaufriss". Universität Graz. Berthold P. Saitama-ken. Walters (San Antonio. 'Hegel. Ungarn). Ich gratuliere zu dieser schätzenswerten Initiative. Shinji Hayashida (Tokio. lnst. Krystina Gorniak (Posen. Dr. Philosophie d. 'Jaspers. IN/USA). BRD).(Tokio. Juli 1987: "It is a source of deep professional satisfaction to learn of the Yearbook that the Karl Jaspers Society of Austria is publishing. Ph. 'Jaspers' Cipher and Levinas' Trace'. Dr.. Japan New Rochelle. f. Universität für Bildungswissenschaften Klagenfurt. f. Generalsekretärin: Dr. Permit me to express every best wish for success in your undertaking.h. Mitglieder des Vorstandes und des wissenschaftlichen Beirats: Präsident: Prof. 'Moral Aspects of Jaspers' Political Philosophy. Und auch ich würde mich freuen.) Chairman of the Jaspers Society of North America Iona College New Rochelle. Knut Radbruch (Kaiserslautern. 'The Role of 'Conversion' in the Nuclear Age: Political and Theological Dimensions in the Thought of Karl Jaspers'. f. George B. Olson (Boston. Adolph Lichtigfeld (Johannesburg. and that interest in Jaspers' philosophizing is being advanced. Pepper. 'Ein mathematischer Blick auf die Philosophie von Kant und Jaspers'. Polen). Thomas H. N. Österreich). Japan). BRD). Erzichungswissenschaften d.

31. Leonhard H. die jeweils zwischen Weihnachten und Neujahr stattfindet. Polen. Ich gratuliere Ihnen zu dieser Initiative und wünsche Ihnen vollen Erfolg. Eastern Division. Informationsaustausch mit Jaspers-Forschern in der BRD.Stiftung Basel. Die Karl Jaspers Society of North America hat üblicherweise eine jährliche Tagung im Zusammenhang mit der Jahrestagung der American Philosophical Association. Dr.12. indem sie ihr Menschsein erhellen und vertiefen. Dr. August 1987: 'Die Gründung einer Österreichischen Karl Jaspers-Gesellschaft freut mich sehr. in der BRD. Hans Saner (Basel). Spanien und den USA. u. dass sie bald auf kräftigen Beinen zu stehen kommt. die Erfolge der Wissenschaft und Technik zu bejahen. August 1987: 'Ich gratuliere zur Geburt der Österreichischen Jaspers-Gesellschaft und hoffe. Dr. Frankl) wandte sich mit dem Anliegen an uns. 68 .1988: Prof. Chile. Jeanne Hersch (e. Kurt Salamun. Dr.5.h. Schweiz. Universite de Geneve Departement de philosophie Aktivitäten der Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft: Seit der Gründung der Gesellschaft wurden folgende Vorträge veranstaltet: 28.' Prof. zur Jaspers Society of Japan und zur Jaspers Society of North America. in Jugoslawien und den USA. Kontakte: Kontaktaufnahme zur Karl Jaspers-Stiftung in Basel.h. Zur Politischen Philosophie von Karl Jaspers (in diesem Band abgedruckt). Kurt Salamun: Zum Menschenbild in der Philosophie von Karl Jaspers. Alexander Schwan (Berlin): Existentielle und politische Freiheit. Berichte) teil und hielt 1987 und 1988 mehrere Vorträge über die Philosophie von Jaspers.Amherst. 16.4. Dr. zw. Meiner Meinung nach ist Jaspers unter den großen zeitgenössischen Denkern derjenige. MA 01003 Geneve. 24. die Publikationsorgane auszutauschen und Vorschläge für eine engere wissenschaftliche Kooperation auszuarbeiten. Italien. ohne irgendeinem modernistischen Aberglauben zu verfallen.' Prof. der am meisten unseren jungen Zeitgenossen helfen kann.) Präsidentin der Karl Jaspers.1987.) University of Massachusetts at Amherst Department of Philosophy Amherst. Ehrlich (e. Die Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse (Ehrenvorsitz: Viktor E. nahm an der Second international Jaspers Conference (vgl. Der Präsident der Gesellschaft. Briefverkehr mit am Denken von Jaspers interessierten Privatpersonen (Lektüreberatung). Prof. Dr.Zur Dialektik von Einsamkeit und Kommunikation im Werk von Karl Jaspers (in diesem Band abgedruckt) 20.1988: Prof.

Wien/Köln/Graz 1988 u.-9.a. Roma 1985. Il comprendere in Karl Jaspers e il problema dell’ermeneutica. Jaspers. (rowohlts monographien 169). Von der natürlichen Dissidenz des Kindes. Saner. München 1978. Grundwerte der Demokratie. Karl Jaspers. u. Spanische Ausgabe: Barcelona 1987. Kazuteru: Prof. Herausgeber von zwei italienischen Sammelbänden über Jaspers. Mitglied des Vorstandes der Jaspers Society of Japan.. Verfasser der Bücher: Ideologie – Wissenschaft – Politik. November 1989 Die Mitglieder werden rechtzeitig ein detailliertes Informationsblatt erhalten. Penzo. (japanisch) Hybasek. Köln 1965. Basel 1979.Vorschau: Neben der Veranstaltung von Vorträgen und den Arbeiten an einem weiteren Band des Jahrbuches wird der Schwerpunkt unserer Arbeit in der Vorbereitung eines Internationalen Jaspers-Kongresses liegen. u. Verfasser der Bücher: Dialettica e fede in Karl Jaspers. Studien zur philosophischen und theologischen Grundlegung freiheitlicher Politik. Verfasser des Buches: Das Schicksal der Vernunft in der deutschen Geistesgeschichte. Lehrbeauftragter an der Kunsthochschule Basel. Geburt und Phantasie. Giorgio: Prof. für Philosophie an der Universität Graz. Für Geschichte der Philosophie an der Universität Padua (Italien). Sozialphilosophische Studien. Karl Jaspers.a. Schwan. München 1967. von 1962 – 69 Privatassistent von Karl Jaspers. der 1989 anlässlich des 20. Salamun. Voraussichtlicher Termin des Internationalen Jaspers-Kongresses: 6. Roma 1985. phil. Tokio.. Weltanschauungstheorie und Politik. für Philosophie an der Universität Tmagawa.a. phil. Verfasser der Bücher: Kants Weg vom Krieg zum Frieden. Bologna 1981. Hans: Dr. u.a. Präsident der Österreichischen Karl-JaspersGesellschaft. Todesjahres von Jaspers in Graz stattfinden wird. Die Autoren dieses Bandes: Fukui. Graz/Wien/Köln 1975. Elisabeth: Dr. Reinbeck 1970. Hamburg 1976. Verfasserin des Buches: Das Menschenbild bei Karl Jaspers. Verfasser der Bücher: Politische Philosophie im Denken Heideggers. Graz 1985. für Geschichte der politischen Theorien an der FU Berlin. Generalsekretärin der Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft. nun Verwalter des Jaspers-Nachlasses und Herausgeber der Nachlassschriften. Ideologie und Aufklärung. Wahrheit – Pluralität – Freiheit. Alexander: Prof. München 1985 (Beck’sche Schwarze Reihe 508). Kurt: Prof. (Dissertation der Karl-FranzensUniversität Graz 66). Orientierungsversuch im Pluralismus. Esistenza e transcendenza. Tokio 1986. 69 .

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