Guten Tag, Ihr möchtet ein Musicalstudium absolvieren, wisst aber noch nicht, wie ihr euch am besten

auf eine Aufnahmeprüfung an einer staatlichen Schule vorbereitet? Dann lest weiter, ich habe eine kleine Anleitung mit Tipps entworfen, damit jeder von euch seine Chancen eventuell erhöhen kann, um seinem Traum näher zu rücken. Ich hoffe, dieser Guide hilft euch eventuell Fragen zu beantworten, die ihr euch hinsichtlich der Aufnahmeprüfungen gestellt habt. Ansonsten beantworte ich auch gerne Fragen per Mail.

Folgendermaßen ist der Beitrag aufgegliedert: 1. Einleitung in den Bereich Musical 2. Wie sieht eine Prüfungssituation aus? 3. Gesang- / Stimm- und Liederempfehlung a. Bewusstmachen des Stimmapparats b. Lieder finden c. Staging bei Liedern d. Noten und Playbacks e. Don‘ts 4. Tanz a. Was lernt man im Studium? b. Was wird bei Prüfungen erwartet? c. Wie bereite ich mich am besten darauf vor? 5. Schauspiel a. Wie man sich auf einen Monolog vorbereitet b. Was bei einer Prüfung erwartet wird (Monolog) c. Was bei einer Prüfung erwartet wird (Improvisation) 6. Musiktheorie a. Was wird von den Hochschulen erwartet? 7. Hochschulen und deren Voraussetzungen a. Einleitung b. Berlin c. Osnabrück d. Essen e. München f. Wien g. Leipzig 8. Wie soll man das alles schaffen? Vorbereitungsschulen!

1. Einleitung
Ein Musicaldarsteller zu werden ist ein Traum von vielen, doch der Weg dorthin ist sehr schwer. Die Ausbildungsplätze sind rar, die Konkurrenz hart und die Berufssicherheit leider nicht gegeben. Man kann es schaffen, Musical zu seinem Beruf zu machen, doch ist der Weg sehr fordernd. Im Berufsalltag muss man Fertigkeiten im Bereich Gesang, Tanz, Schauspiel und natürlich eine grundsätzliche Musikalität mitbringen. Die diversen Bereiche werden in den Ausbildungsstätten intensiv trainiert. Gerade die staatlichen Universitäten gelten als renommiert und bringen jährlich viele erfolgreiche Musicaldarsteller auf den Markt. In den folgenden Abschnitten werde ich über die Aufnahmeprüfungen an staatlichen Schulen berichten und euch sagen, was für Wissen ihr euch aneignen solltet, bevor ihr euch an die Prüfungen traut. Dabei sollte euch bewusst sein, dass leider viele Entscheidungen im Musicalbereich sehr subjektiv sind. Es kann sein, dass ihr in euren Augen alle Voraussetzungen erfüllt, doch die Jury euch trotzdem abweist. Macht euch nicht dafür fertig, denn die meisten Studenten an staatlichen Schulen haben nicht nur ein Jahr Aufnahmeprüfungen gemacht. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und solltet ihr an einer Universität nicht angenommen werden, kann es trotzdem sein, dass ihr euch im folgenden Jahr so verbessert, dass ihr im nächsten Jahr bessere Chancen habt.

2. Wie sieht eine Prüfungssituation aus?
Bei allen Schulen sieht eine Aufnahmeprüfung ähnlich aus. Der einzige Unterschied ist, dass die Reihenfolgen und die Anzahl der einzelnen Leistungsnachweisen differenziert. Folgendermaßen läuft es ab: zuerst bewerbt ihr euch an der jeweiligen Schule per Post. Am besten verschickt ihr die Unterlagen per Einschreiben, damit sie auch sicher ankommen. Als nächstes bekommt ihr meist ein paar Wochen vor der Prüfung einen Brief, in dem steht, an welchem Prüfungstag ihr drankommt. Wenn ihr am Prüfungstag ankommt, müsst ihr euch erst einmal anmelden. Eigentlich sind immer aus dem aktuellen 1. Jahrgang Betreuer da, die ihr zur Not auch um Hilfe beten könnt. Bei vielen Schulen bekommt ihr eine Bewerbernummer, die ihr euch an eure Kleidung macht. Meistens besteht die erste Runde aus einem Vortrag von einem, bzw. mehreren Liedern. Dafür bekommt ihr manchmal einen Einsingraum zur Verfügung gestellt, in dem ihr euch selbst einsingen könnt. Wenn ihr dann hineingerufen werdet, stellt ihr euch zentral auf die Bühne. Nun sitzt die Jury vor euch. Ihr stellt euch mit Namen, Alter, Heimatort und Bewerbernummer vor und sagt anschließend, was ihr vorbereitet habt. Bei vielen Hochschulen dürft ihr euer erstes Lied selbst auswählen. Es ist möglich, dass ihr schon nach zehn Sekunden unterbrochen werdet. Vielleicht wird euch etwas gesagt, was ihr anders machen sollt, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht singt ihr auch nur zehn Sekunden in der ersten Runde. Das ist weder positiv noch negativ. Entweder, sie haben direkt erkannt, dass ihr eine sehr gute Stimme habt, oder eben nicht. Also macht euch nicht zu viele Gedanken, das Ergebnis erfahrt ihr sowieso ein bisschen später.

Ihr werdet durch den ganzen Ablauf der einzelnen Prüfungen von den jeweiligen Betreuern begleitet. Ihr müsst also keine Angst haben, dass ihr irgendetwas nicht versteht oder ähnliches. Wenn ihr Fragen habt, wendet euch an das Team vor Ort. Auf das Outfit muss auch geachtet werden. Beziehungsweise, zieht euch so an, wie immer. Wer sich übertrieben schminkt, sich Abendkleider anzieht oder meint, man müsse wie bei einer Show aussehen, wirkt leider sehr aufgesetzt. Das sind die Leute, die oft als erstes rausfliegen (und das leider nicht aufgrund des fehlenden Talents). Kommt so, dass ihr euch zeigt. Zieht euch Kleidung an, die ihr sonst auch gerne anhabt, in denen ihr euch wohlfühlt. Denkt nicht, ihr müsst euch irgendwelche Accessoires anziehen, damit sich die Jury an euch erinnert. Ihr sollt natürlich gepflegt aussehen, aber mehr Wichtigkeit hat das Outfit nicht. Kurz gesagt: Bleibt natürlich. Wenn ihr irgendwann eventuell ausgeschieden seid, erwartet euch meistens ein Feedback. Entweder es wird vor Ort ein Live-Feedback gegeben, bei dem die Jury euch sagt, wo sie Verbesserungsbedarf sieht. Es kann auch sein, dass ihr per Post ein Feedback zugeschickt bekommt. Dort ist dann ausgewertet, was die Jury zu kritisieren hat. Dabei müsst ihr euch immer bewusst machen: Die Jury sieht sich während einer solchen Aufnahmeprüfung mehrere hundert Bewerber an. Darum hat sie nicht sehr viel zeit, um jeden einzelnen zu bewerten. Es kann also sein, dass ihr auf Kritik stoßt, mit der ihr nicht gerechnet habt. Versucht, diese Kritik zu reflektieren, darüber nachzudenken und dann zu beschließen, ob sie euch etwas bringt oder nicht. Es kann auch immer sein, dass man nur einen schlechten Tag hatte und die Juroren dies nicht erkannten. Kurz: Denkt über die Kritik nach, aber seht sie nicht als allmächtiges Urteil. Jede Bewertung ist subjektiv.

3.Gesang-, Stimm- und Liederempfehlung
a. Bewusstmachen des Stimmapparats Die Stimme ist eines der wichtigsten Attribute im Musicalbereich. Daher nimmt sie auch ein dementsprechendes Gewicht bei den Prüfungen ein. Solltet ihr bis jetzt noch keinen Gesangsunterricht gehabt haben, dann nehmt ihn euch falls möglich. Dabei geht es erstmals hauptsächlich darum, dass ihr ein Gefühl für eure Stimme bekommt. Ihr sollt euch bewusstmachen, was eure Stimmlage ist, denn natürlich kann nicht jede Stimme alle Stimmlagen singen. Dabei solltet ihr loslassen von eventuellen Traumrollen, die ihr gerne spielen würdet und erst einmal für euch feststellen, was euer persönlicher Gesangsbereich ist. Ausbaufähig ist jeder. Außerdem solltet ihr wissen, was der Unterschied zwischen einer Brust- und Kopfstimme ist. Dieses Wissen bildet die Grundlage für eure Stimme und für euer Song-Repertoire. Ein regelmäßiger Gesangsunterricht ist die beste Voraussetzung für ein schnelles Kennenlernen und Kontrollieren der Stimme. b. Lieder finden Für die Prüfungen an allen Schulen, privat wie staatlich, wird natürlich verlangt, dass einige Musicalsongs vorbereitet werden. Wie viele Lieder vorbereitet werden müssen, hängt von der jeweiligen Schule ab.

Um nochmal auf euren Stimmapparat zurückzukommen, empfehle ich euch direkt, euch Lieder zu suchen, die ihr sicher singen könnt. Es bringt in der Prüfung nichts, wenn ihr die schönsten Broadway-Hits präsentiert, nur leider nicht alle Tonhöhen trefft. Dadurch zeigt ihr der Jury eher, dass ihr es nicht könnt, anstelle eurer Fähigkeiten. Deswegen: Sucht euch Lieder, mit denen ihr euch stimmlich sicher fühlt. Dazu solltet ihr eure Grenzen kennen und diese möglichst nicht überschreiten. Der nächste Aspekt in der Liedersuche ist die Typfrage. Wenn ihr nach Liedern sucht, sucht ihr auch nach Rollen. Ihr solltet euch überlegen, welche Person ihr während des Songs darstellt. Passt die Rolle zu euch, zeigt ihr der Jury direkt, dass ihr vom Typ her in den Beruf passt. Zusammenpassen heißt jedoch nicht zwangsläufig optisch, sondern auch vom Auftreten und der Stimmfarbe her. Um aufzufallen, wollt ihr natürlich auch Individualität zeigen. Das zeigt sich besonders im Gesangund Schauspielbereich bei den Prüfungen. Wie soeben beschrieben, sucht ihr euch Rollen, die euch repräsentieren. Dazu gehört auch, dass ihr euch Zeit nehmt für das Finden der einzelnen Lieder und Stücke. Das Spektrum an Musicals reicht sehr viel weiter in die Vergangenheit als die Broadway-Hits der letzten Jahre. Mit anderen Worten: Wicked, Cats, König der Löwen, Les Misérables Tarzan, Tanz der Vampire, Elisabeth und die ganzen anderen erfolgreichen Musicals kann jedes Mitglied jeder Jury schon auswendig mitsingen. Jedes Jahr tragen unzählige Bewerber die gleichen Songs vor. Das heißt nicht, dass diese Musicals schlecht sind, ganz im Gegenteil, doch bedeutet es auch, dass die Jury die Lieder schon sehr oft gesehen haben. Erstens sind sie dadurch schnell gelangweilt, außerdem haben sie schon sehr gute Performances dieser Songs gesehen, was euch nur schwer gut aussehen lässt. Merkt euch: Es gibt genug andere Songs, die nicht jedes Jahr von der Konkurrenz gesungen wird, die euch trotzdem gut repräsentieren. Also schaut weiter nach Musicals, nehmt nicht die ersten Lieder, die euch gefallen. Wenn ihr euch fragt, wo ihr mehr Musicals findet, dann schaut z.B. in Bibliotheken nach, da findet ihr auch oft die Noten zu den Stücken. Natürlich bietet euch das Internet auch ein breites Spektrum an Musicals, Klassiker sowie neue Stücke. Später folgt noch eine kleine Liste an Songs, die ich mal unter dem Begriff „Don’ts“ zusammengefasst habe. Damit meine ich genau solche Lieder, die so oft vorbereitet werden, dass sie der Jury oft zum Halse heraushängen. c. Staging bei Liedern Wenn ihr schöne Lieder gefunden habt, müsst ihr euch oft auch ein Staging überlegen, denn: Ihr singt das jeweilige Lied nicht, sondern ihr performt es. Das bedeutet, dass ihr nicht stur auf der Bühne stehen und euch nur auf die Stimme konzentrieren werdet, sondern auch etwas verkörpert. Die Jury bewertet das Gesamtpaket, nicht nur die Stimme. Staging bedeutet nicht, dass ihr bei jedem Lied stets rumlauft und in ständiger Bewegung seid. Auf keinen Fall. Gerade bei Balladen wirkt es oft viel mehr, wenn man steht und nicht rumläuft. Merke: Weniger ist oft mehr. Um zu überlegen, was ihr am besten bei einem Lied macht, müsst ihr die Rolle gut kennen. Was empfindet die Person, die ihr verkörpert, in diesem Moment? Was ist ihr passiert? Ist sie wütend, traurig, eingeschüchtert? Über so etwas müsst ihr nachdenken und es muss euch klarwerden, wie ihr euch in der Situation fühlt. Oft ist es auch eine Interpretationsfrage, da manche Lieder auf verschiedene Weisen dargestellt werden können. Diese Entscheidung liegt dann natürlich bei euch.

Bei vielen Liedern werdet ihr euch bewegen wollen, was auch sehr gut ist. Jemand, der gerade einen Wutausbruch während des Liedes verspürt würde auch nicht auf der Stelle stehen. Euch muss jedoch bewusst sein, dass eine Bewegung nicht nur durch den Körper dargestellt wird. Ihr müsst euch so in die Situation hineinfühlen, dass man euch die gezeigte Emotion glaubt. Das beinhaltet nicht nur Gestik, sondern auch Mimik und Energie. Wenn ihr euch in der Situation gerade so fühlt, dass ihr beispielsweise einen Freudensprung machen würdet, dann tut es. Aber mit voller Energie. Außerdem müsst ihr euch abtrainieren, euch von außen zu betrachten. Wenn ihr euch selber beim performen denkt „Das ist echt peinlich.“, dann merkt man euch das sofort an. Abschließend ist beim Staging wichtig zu sagen, dass bei einer Prüfung nicht gewollt ist, dass ihr ein Kostüm mitbringt. Ihr sollt euch nicht für ein Lied oder eine Rolle schminken oder in ein Kostüm werfen. Kostüme schränken euch lediglich ein. Die Jury möchte Euch kennenlernen, nicht die Rolle. Um es zu verdeutlichen, stelle ich mal in den Raum, dass viele Juroren Bewerber mit Kostüm direkt als Amateure bezeichnen und abhaken. d. Noten und Playbacks Bei allen Aufnahmeprüfungen ist es wichtig, dass man seine Noten dabei und richtig bearbeitet hat. Damit meine ich, dass man die Notenblätter geklebt und eventuell gestrichene Passagen deutlich markiert hat, damit der Korrepetitor Änderungen schnell erkennt. Das ganze hilft euch auch, da ihr sonst unnötige Störungen während eurer Performance erlebt. Playbacks sind an keiner staatlichen Schule erlaubt. Der Sinn dabei ist, dass die Jury sehen möchte, dass man mit euch zusammen Musik machen kann. Das bedeutet, dass man aufeinander achtet beim aktiven Musizieren und nicht etwas auswendig Gelerntes einmal abspielt. e. Don’ts Wie oben schon erwähnt, habe ich hier eine Liste von Liedern erstellt, die sehr oft bei Prüfungen präsentiert werden. Das Nennen dieser Lieder bedeutet keineswegs, dass sie schlecht oder unbeliebt sind, doch werden sie halt so oft gehört, dass viele Juroren schon anfällig dafür sind. Dann passiert es, wenn man sich vorstellt und sagt, welches Lied man singt, dass die Jury schon innerlich eine Ablehnung spürt, da sie das Lied nicht mehr hören können. Außerdem haben sie schon viele gute Performances gehört, mit denen man gleich verglichen wird. Oft symbolisieren die Lieder für die Jury auch, dass der Bewerber sich nicht viel Mühe beim Liedersuchen gegeben hat und sich nicht gut selbsteinschätzen kann. Dies bedeutet nicht, dass man die Lieder nicht singen darf. Natürlich kann es auch die gegenteilige Wirkung haben. Es kann einem sehr viel bringen, wenn man Lieder, die oft schlecht präsentiert werden, sehr gut darbietet. Dann kann es einen sehr aufmunternden Effekt auf die Jury haben. Natürlich wirkt es dann auch so, als hätte man sich besonders gut eingeschätzt und beim Liedersuchen viel Mühe gegeben.

Hier die Liste: Frauen: Cabaret – Maybe this time Cats - Memory Elisabeth – Ich gehör nur mir, Garnichts Fame – Out here on my own Hairspray – Good morning Baltimore Les Misérables – On my own Little Shop of Horrors – Somewhere that’s green Mozart – Irgendwo wird immer getanzt My fair Lady – I could have danced all night, Just you wait Wicked – Popular, Defying Gravity, The Wizard and I Wild Party – Maybe I like it this way

Männer: Hercules – I can go the distance Joseph and the amazing technicolor dreamcoat – Close every door Les Misérables – Empty Chairs at empty tables Lion King – Endless Night Tanz der Vampire – Unstillbare Gier, Für Sarah We will rock you – I want to break free West Side Story – Maria Wicked – Dance through life

4. Tanz
a. Was lernt man im Studium? Der Tanzbereich nimmt ebenfalls einen großen Teil der Praxis im Musicalstudium ein. Es gibt keine Ausbildungsstätte für Musical, in der Tanz keinen Einfluss nimmt, da jeder Darsteller später eventuell auf der Bühne tanzen muss. Die wichtigsten Tanzarten dabei sind Jazzdance, Ballett und Stepptanz. Je nach Schule gibt es auch noch weitere Tanzarten, die man während des Studiums lernt. Der Schwerpunkt der Tanzausbildung liegt dabei im Ballett und Jazzdance, da die meisten Musicalchoreographien auf diesen Tanzarten basieren. b. Was wird bei den Prüfungen erwartet? Bei den Prüfungen sind die tänzerischen Erwartungen meist relativ gering. Stepptanz wird nicht überprüft, jedoch gibt es meistens eine Einheit Ballettunterricht und eine Einheit Jazzdance (meistens noch mit einer Diagonale, im Finale oft mit einer Choreographie). Bei diesen Tanzeinheiten wird meist Wert auf das Gesamtpaket gelegt. Es ist kein Problem, wenn man noch nicht jedes technische Detail kennt, solange man dem Bewerber Spaß ansieht. Außerdem ist es natürlich wichtig, dass man Ehrgeiz zeigt, sich nicht von anderen Bewerbern ablenken lässt. Generell sollte man die gesamte Aufnahmeprüfung nur in Hinsicht auf sich selbst sehen. Gebt euer bestes und vergleicht euch nicht mit anderen. Im Endeffekt ist ein ganz wichtiger Bewertungspunkt im Tanzbereich, ob der Bewerber fähig ist, sich schnell viele Sachen zu merken, dabei Spaß zu haben und seinen Tanz durchzuziehen. Was allerdings einschüchternd sein kann ist, dass viele der Mitbewerber seit Jahren tanzen und ein sehr selbstbewusstes Auftreten haben. Dieses Selbstbewusstsein muss jeder von sich zeigen, egal, auf was für einem Level man im Tanzbereich ist. c. Wie bereite ich mich am besten darauf vor? Um in einer Prüfung von sich zu überzeugen, sollte man am besten schon Vorwissen in den Tanzarten mitbringen. Das erwerbt ihr am schnellsten, wenn ihr so viel Tanzunterricht nehmt, wie ihr könnt. Sucht euch eine Tanzschule, die Ballett und Jazz anbietet und versucht es so eifrig zu betreiben, wie es geht. Durch ein regelmäßiges Training lernt ihr schnell die Basisbewegungen kennen und wisst, worauf ihr technisch achten müsst. Wenn man sich um die einzelnen Bewegungen wenige Gedanken machen muss, hat man mehr Energie, die man auf Ausdruck setzen kann.

5. Schauspiel
a. Wie man sich auf einen Monolog vorbereitet Zum Beginn eines Monologs muss man natürlich erst einmal einen finden. Bei der Suche nach Texten, solltet ihr natürlich -ähnlich wie beim Lieder suchen- darauf achten, dass die Rolle zu euch passt. Hier ist es auch sehr wichtig, dass sie von den Rahmenbedingungen zu euch passt. Damit meine ich zum Beispiel das Alter. Wenn ihr einen Monolog gefunden habt, müsst ihr euch die Situation der Rolle klarmachen. Am besten ist es, wenn ihr das gesamte Werk lest, damit ihr genau wisst, was zum Zeitpunkt des Monologs in der Person vorgeht. Dann geht ihr mit den „W-Fragen“ weiter. Wann spielt das Stück? Wo spielt die Szene? Wer ist die Person? Was macht sie aus? Warum sagt sie das, was sie sagt? Solltet ihr die Szene dann einigermaßen im Kopf definiert haben, könnt ihr mit dem Text und dem Staging fortfahren. Ihr müsstet in der Lage sein, wenn jemand fragt, beantworten zu können, warum ihr eine bestimmte Bewegung zu dieser gewählten Textpassage macht. Kurz gesagt: Ihr musst euch bewusst machen, wenn ihr euch bewegt, mit welcher Intention ihr euch bewegt. Requisiten müsst ihr euch auch überlegen. Grundsätzlich besteht die Regel: Benutze alles, was du brauchst. Je weniger Requisiten, desto besser. In manchen Monologen braucht man Requisiten, aber bleibt möglichst schlicht. Die Jury hat viel Fantasie. b. Was in einer Prüfung erwartet wird (Monolog) In einer Prüfung wird in einem Monolog auf mehrere Sachen geschaut. Erstens auf den Rahmen, in dem ihr spielt. Ob die Rolle zu euch passt, ob sich der Monolog für eine solche Prüfung anbietet. Zweitens ist ein Punkt, ob man euch glaubt, was ihr spielt. Dabei ist es wichtig, dass ihr euren Monolog so natürlich wie möglich darstellt. Natürlich neigt man bei manchen Monologen beim Spiel zu übertreiben, doch bei den meisten Texten sieht das nur schlecht gespielt aus. Überlegt euch einfach, wie ihr in einer solchen Situation reagieren würdet. Damit meine ich, dass ihr keine riesigen Bewegungen macht, nur, weil ihr auf der Bühne steht. Gerade moderne Monologe sind meist aus Alltagssituationen genommen. Dabei werden dann Menschen dargestellt, wie man sie jeden Tag im Supermarkt trifft. Also muss man nicht übertreiben, sondern sich so wie immer benehmen. c. Was in einer Prüfung erwartet wird (Improvisation) In den späteren Runden wird an allen Schulen im schauspielerischen Bereich (meist in kleinen Gruppen) improvisiert. Dabei bekommt ihr Aufgaben, denen ihr möglichst spontan nachkommen müsst. Oft werden auch Aufgaben gewählt, die euch auf dem ersten Blick sehr merkwürdig erscheinen werden. Dann ist es wieder wichtig, sich nicht von außen zu betrachten. Vielleicht denkt ihr euch „Man, sehe ich grad doof aus“. Das müsst ihr euch einfach abgewöhnen. Außerdem ist es wichtig, dass ihr euch selbst darstellt. Macht das, was euch in den Sinn kommt. Überlegt nicht, was die Jury jetzt wohl sehen möchte. Habt Spaß an der Aufgabe und lasst euch einfach darauf ein.

6. Musiktheorie
a. Was wird von den Hochschulen erwartet? Musiktheoretisches Wissen ist für jeden Musiker wichtig. Musicals können vom Musiktheoretischen her sehr komplex sein. Darum hat man im Studium auch die Fächer Musiktheorie und Gehörbildung. Bei den Prüfungen wird meistens relativ wenig verlangt. Abgesehen von wenigen Schulen, die eine Klausur in den beiden Fächern abverlangen, überprüfen die meisten Schulen generell die Musikalität der Bewerber. Da kommen dann Aufgaben wie Vom-Blatt-Singen, Rhythmus-Vom-Blatt-Klatschen oder Intervalle nachsingen. Das reicht meistens. Wenn ihr euch jedoch intensiv vorbereiten wollt, dann solltet ihr trainieren, Intervalle zu hören, Rhythmus zu hören/klatschen. Ihr solltet den Quintenzirkel kennen und die Notensysteme im Violinund Bassschlüssel. Das ist das Basiswissen, das eigentlich von euch erwartet wird. Allerdings ist die Gewichtung der musiktheoretischen Prüfung sehr gering.

7. Hochschulen und deren Voraussetzungen
a. Einleitung Im folgenden Abschnitt werde ich euch die sechs deutschsprachigen, staatlichen Hochschulen vorstellen, an denen es die Möglichkeit gibt, Musical zu studieren. Es ist wichtig zu sagen, dass jede Schule echt gut ist. Jeder Student dieser Schulen sollte sich glücklich schätzen, dort studieren zu dürfen. Natürlich gibt es kleine Unterschiede im Stundenplan zwischen den Schulen. Im Großen und Ganzen tut sich dort jedoch nichts und jeder Bewerber sollte sich für jede dieser Hochschulen bewerben. Am Ende des Studiums gibt es jedes Jahr ein Intendantenvorsingen (kurz IVO), bei dem jede Schule ihren Abschlussjahrgang präsentiert. Dort werden dann sehr viele Intendanten und Dirigenten eingeladen und die neuen Absolventen haben direkt die Möglichkeit, in den Arbeitsmarkt aufgenommen zu werden und vom IVO aus gebucht zu werden. Ab und zu bieten die Schulen auch Workshops an, oder haben Informationstage für Musicalinteressenten. Solche Angebote findet ihr auf der jeweiligen Hochschulseite. b. Berlin Name der Schule: Universität der Künste (UDK Berlin) Website: www.udk-berlin.de Vorzubereiten: Lieder: Tanz: Szenen: 3 unterschiedliche Gesangsstücke / eines mindestens in deutscher Sprache 2 unterschiedliche Choreos / 1-3 Minuten / Tonträger selbst mitbringen 2 1 Schauspielszene + 1 Szene, welche Gesang, Tanz und Schauspiel enthält

Musiktheorie: Dur-Moll-Dreiklänge / Melodien nachsingen, Rhythmus nachklatschen

c. Osnabrück Name der Schule: Hochschule Osnabrück Website: ifm.hs-osnabrück.de Vorzubereiten: Lieder: Tanz: Szenen: 3 / mindestens eines deutsch / ein Uptempo / eine Ballade vor Ort ein 90 minütiges Ballett- und Jazztraining 2 /eine klassisch / eine modern

Musiktheorie: 2 Klausuren in Musiktheorie und Gehörbildung (je 45 Minuten) / Muster auf Website d. Essen Name der Schule: Folkwang Universität der Künste Essen (FUK Essen) Website: www.folkwang-uni.de Vorzubereiten: Lieder: Tanz: Szenen: 2 / ein Uptempo / eine Ballade / mindestens eines Deutsch vor Ort ein 90 minütiges Ballett- und Jazztraining 2 / eine klassisch / eine modern

Musiktheorie: Melodien nachsingen / Rhythmus nachklatschen / Oktavieren / Improvisieren e. München Name der Schule: Bayerische Theaterakademie August Everding München Website: www.theaterakademie.de Vorzubereiten: (Da die Münchener Schule im Jahr 2012 Auf das Sommersemester umsteigt, nimmt sie erst im Herbst 2012 für das Sommersemester 2013 auf) f. Wien

Name der Schule: Konservatorium Wien Website: www.konservatorium-wien.ac.at Vorzubereiten: Lieder: Tanz: Szenen: 3 / davon zwei auf Deutsch vor Ort lernt man eine Choreographie 2 / vom Charakter unterschiedlich (bsp. Klassisch / modern)

Musiktheorie: Vom-Blatt-Singen / Rhythmus-Vom-Blatt-Klatschen / Melodien nachsingen

g. Leipzig Name der Schule: Hochschule für Musik und Theater Leipzig Website: www.hmt-leipzig.de Vorzubereiten: Lieder: 4 / zwei Uptempo / zwei Balladen / aus verschiedenen Stilepochen / Zusätzlich 1 klassisches Lied Tanz- und Bewegungstest vor Ort 1 Szene auf Deutsch

Tanz: Szenen:

Musiktheorie: Intervalle hören / Akkorde in Grundstellung / Melodie- und Rhythmusdiktat / Taktarten feststellen / Vom-Blatt-Singen / Außerdem: 2-4 Klavierstücke aus Pop- und Originalliteratur

8. Wie soll man das alles schaffen? Vorbereitungsschulen!
So, wenn ihr euch jetzt im Großen und Ganzen denkt: „Wie soll man das denn alles schaffen?“, dann gebe ich euch noch einen Tipp zum Abschluss: Es gibt Vorbereitungsschulen. Diese sind darauf spezialisiert, Leute auf Musicalaufnahmeprüfungen vorzubereiten. Man hat quasi wie im Musicalstudium Gesangs-, Tanz-, Schauspiel- und Musiktheorieunterricht. Viele Leute, die jedes Jahr angenommen werden waren vorher auf einer dieser Vorbereitungsschulen.

Ich hoffe, ihr konntet etwas aus diesem Guide mitnehmen und fühlt euch eventuell sogar etwas sicherer in Hinsicht auf solche Prüfungen. Mit freundlichen Grüßen, Janedoe