© Uwe Fengler

Kalte Bratwurst
Früher konnte sie mir nicht heiß genug sein, eine Bratwurst. Eigentlich schmeckte sie mir aber immer besser als Grillwurst. Wenn sie so ganz ohne Fett gebraten auf irgendeinem Grill rumlag, nach Möglichkeit auch noch leicht aufgeplatzt, gefiel sie mir am Besten. Und natürlich musste sie kleingeschnitten in einer richtig scharfen Soße rumschwimmen. Und dazu schmeckte ein Brötchen und ein Glas kalte Milch besser als Pommes

mit Mayo. Unter richtig scharf verstand ich natürlich extrem scharf. Nicht etwa so ein paar Tropfen harmlosen Tabasco, der mit 2500 – 5000 Scoville auch nicht wirklich scharf auf meine verwöhnte Zunge wirkt. Auch Jalapeno-Chili ist nicht wirklich schärfer. Und Piri-piri hauen mich auch nicht richtig um, obwohl: Die haben in der Regel schon über 50 000 Scoville. Scoville ist übrigens eine Maßeinheit, mit der die Schärfe von Paprikafrüchten bestimmt wird. Ein kleiner Vergleich: Peperoni haben nur ein paar 100 Scoville.

Habaneros können bei mir da schon eher punkten, die haben auf jeden Fall ein paar 100 000 Scoville und verleihen damit meinem Currywurstgericht gerade die Schärfe, mit der ich gut leben kann! Und diese Wurst ist in der Öffentlichkeit wirklich selten zu bekommen. Die meisten Imbisswirte, denen ich sage, dass meine Currywurst möglichst scharf sein soll, geben einfach eine dreifache Menge Currypulver auf die Soße. Aber Curry ist nicht scharf. Mit etwas Glück bekomme ich manchmal etwas Cayennepfeffer auf meine Wurst – die über 10 000 Scoville spürt meine Zunge aber kaum.

Aber seit gestern ist alles anders. Gestern Abend habe ich einen Bratwurst – Sauerkraut Auflauf gemacht. Meine Portion habe ich vor dem Verzehr natürlich leicht nachgeschärft. Da war meine Essenswelt wirklich noch in Ordnung. Irgendwann während unseres Fernsehabends begab ich mich dann aber in die Küche und sah dort die Reste meines Auflaufes, inzwischen kalt geworden. Ich pickte mit meinen Fingern ein Stück Bratwurst heraus und stellte fest: Kalte Bratwurst schmeckt. Sie muss auch gar nicht richtig scharf sein, aber gut gewürzt ist natürlich nicht schlecht.

Ein zweites Stück und ein Drittes folgten. Ich kann mich wirklich an kalte Bratwurst gewöhnen. Beim Kauen denke ich, das dies auch ein vorzügliches Frühstück sein könnte. Also stelle ich mich in der Nacht noch an den Herd und brate eine Wurst. Bis zum nächsten Morgen ist sie tatsächlich kalt. Als ich mein Frühstück zu bereite, teile ich die Wurst zunächst in der Mitte, schneide dann die beiden Hälften jeweils der Länge nach durch. Nun habe ich vier Teile Wurst vor mir liegen. Schnell schneide ich ein Brötchen

auf. Zwischen die Brötchenhälften lege ich zwei Teile der Bratwurst. Ein erster herzhafter Biss … Ich habe ganz vergessen etwas Scharfes auf die Wurst zu streichen; z.B. Chillisenf. Es schmeckt auch so … … Und zwar vorzüglich. Kalte Bratwurst ist einfach nur gut!
© Uwe Fengler

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