Warten auf die neue Regierung

Slowakei >

Neue Exportstrategie

TSchechien >

Schuldenbremse in der Verfassung

Polen >

Schulden werden refinanziert

Ungarn >

Dezember 2011 n www.estandort.com

Bei volatilen Märkten zählen clevere Produktund Lösungsstrategien. Die besten hat Österreichs führende Business-Bank.
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Aus dem Inhalt

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4 Analyse: Auswirkungen

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der Krise in der Region
Seite 16 4

Tschechien: Kein Euro in naher Zukunft Polen: Positives Wirtschaftswachstum von rund 3 % Ungarn: In schwierigem Fahrwasser

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4 Analyse: EU – Fördermittel

noch nicht abgerufen

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Slowakei: Wachstumslokomotive verlangsamt sich

Seite 18 4

VERLAG: Standort, s.r.o. Záhradnicka 64 821 08 Bratislava
Herausgeber: Miroslav Pavel pavel.brandys@seznam.cz Geschäftsführer: Slavomír Malièkay smalickay@estandort.com REDAKTION TomᚠKurtanský tkurtansky@estandort.com

Editor: Alexandra Mostýn mostynka@yahoo.com GRAFISCHE GESTALTUNG Artwell Creative, s.r.o. www.artwell.sk HERSTELLER Druckerei Komáròanské tlaèiarne, a.s. www.komtlac.sk Erscheinungstermin: 7. Dezember 2011

Redaktionsrat:
Miroslav Pavel, Herausgeber Michael Kern, Hauptgeschäftsführer der AHK Polen Patrick Sagmeister, Österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Bratislava Josef F. Aregger Geschäftsführer der Firma Mattig Management Partners s.r.o. in Bratislava Peter Kollárik, Ehemaliger Geschäftsführer der Firma Siemens Slowakei Gábor Zászlós, Vorstandsvorsitzender der internationalen Firma Trigranit Slowakei

Analyse

Mittel- und Osteuropa (CEE) ist für neue Turbulenzen gerüstet
Der Schuldenstand war in der Region nie ein Thema
Drei Jahre nach der LehmanPleite hat der Finanzmarkt neuerlich mit schweren Turbulenzen zu kämpfen. Der wachsende Schuldenberg der Industrieländer und zu viele unbeantwortete Fragen über die kün ige Gestaltung des Euroraumes haben die Unsicherheit an den Märkten erhöht.
Die globale wirtscha liche Stimmung hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Dazu kommt, dass die Finanzmärkte gerade mit der schlechtesten Situation seit der Spannungsspitze im März 2009 konfrontiert sind. Während der Inter-Bankenmarkt wieder gelähmt ist, sind CDS bei Staatskrediten inzwischen sprungha angestiegen. Die wachsende Verschuldung westlicher Volkswirtscha en und zu viele unbeantwortete Fragen hinsichtlich der Zukun der Eurozone tragen dazu bei, dass diese Unsicherheit noch weiter ansteigt. Dies hat direkte Folgen für eine Reihe wirtscha licher Entscheidungen, vom angeschlagenen Vertrauen der Verbraucher über Investitionen in der Fertigungswirtscha , bis hin zu einer abnormalen Risikoaversion, höheren Finanzkosten und einer weltweiten Präferenz von Cash oder anderen liquiden Mitteln. zweiten Quartal, verö entlicht im September, zeigte, dass das BIP-Wachstum in vielen CEELändern einzig von Investition und Export abhängt, während Konsum, sowohl von Seiten der privater Haushalte als auch des Staats stagnierte oder sogar zurückging. Die düsteren globalen Prognosen haben auch unsere Forecasts beeinusst, die nach unten korrigiert wurden. Das kra loseste Wachstum für 2012 wird für Ungarn vorausgesagt, wo, außer globalen Faktoren, auch örtliche politische Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen. Vor allem das FX-Hypotheken-Rückzahlungsprogramm sollte in einer Aushöhlung des Bankenkapitals resultieren, was sich als ein einschränkender Faktor bei der Vergabe von Krediten und damit auch der Investitionen zeigen wird. Die anhaltende Krise hat die Unsicherheit erhöht, was unmittelbare Folgen für die gesamte wirtscha liche Entscheidungskette hatte – angefangen von der Eintrübung der Konsumentenstimmung über die Investitionen in die Sachgütererzeugung bis hin zu einer hohen Risikoaversion, höheren Finanzierungskosten und einer weltweit starken Präferenz für Cash und sonstige hoch liquide Anlagen. Das Wachstum der CEE-8 Volkswirtscha en wird sich nächstes Jahr gegenüber 2011 weiter abschwächen. Dennoch sollte die CEE-Region – mit Ausnahme Ungarns, wo die hohe Rechtsunsicherheit eine schwere Belastung darstellt – im nächsten Jahr rascher als der Euroraum wachsen.

Juraj Kotian

Seit 2007 arbeitet er als Direktor der Abteilung „CEE Macro and Fixed Income Research“ bei „Erste Bank“ in Wien. Davor war er Chefökonom bei der slowakischen „Erste Bank“-Tochter „Slovenska sporitelna“, der grössten Bank in der Slowakei. Er ist stellvertetender Vorsitzender und Gründungsmitglied der „Assoziation slowakischer Wirtschaftswissenschaftler“ und funngierte in der Vergangeheit als Mitglied des volkswirtschaftlichen Prognosekomittees des slowakischen Finanzministeriums. 

» Düstere Prognosen

Diese Faktoren bremsen das Wirtscha swachstum, das schon im zweiten Quartal rückgängig war. Der Zusammenbruch des BIP im
Zentrale Die Erste in Wien

» Sorgenkind Haushalt

Polen und die Ukraine zeigen zwar weiterhin ein starkes Wachstum. Das Leistungsbilanzde zit, das vor allem durch Auslandskredite nanziert

wurde, sollte bald von der globalen Entschuldung betro en werden. Das sollte die Länder dazu bringen, das Leistungsbilanzde zit rapide zu senken, falls sich die Stimmung nicht verbessert. Auf den ersten Blick mag die aktuelle Lage der Zeit nach dem Zusammenbruch Lehmans ähneln, da die Ansteckungswege die gleichen sind – die Möglichkeit eines Einbruchs der weltweiten Nachfrage und ein plötzlicher Stillstand, wenn nicht sogar eine Umkehrung der Kapitalströme. Die CEE-8 (außer Polen) brachen 2009 um durchschnittlich 5 Prozent ein, einen Prozentpunkt mehr, als die Eurozone. Sollte sich die Konjunktur im Euroraum stark abschwächen, werden auch Mittel- und Osteuropa nicht ungeschoren davon kommen. Diesmal sollte sich CEE aber (im Vergleich zum Euroraum) aus den folgenden drei Gründen wesentlich besser schlagen als in der Zeit nach der Lehman-Pleite: Niedrigere Staatsverschuldungsquoten, Fortschritte bei der Sanierung der Staatshaushalte und abgebaute Leistungsbilanzde zite. Die staatlichen Haushaltsde zite haben sich während der Krise in den CEE-Ländern ausgeweitet, sind aber deutlich unter jenen der proble-

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matischeren Länder des Euroraums geblieben. Der Schuldenstand war nie ein ema für CEE, bis auf Ungarn, wo aber die Schuldenquote noch immer bis 15 Prozent unter dem EurozoneDurchschnitt liegt. In anderen CEE-Staaten liegt die Schuldenquote weit unter der von Maastricht geforderten 60 Prozent. In der Zwischenzeit haben jene Regierungen, die am stärksten dem Druck des Marktes (und jenem des IWF) ausgesetzt waren, entscheidende Schritte zur Sanierung des Staatshaushalts gesetzt und ihre strukturellen De zite auf das vor der Krise übliche Niveau gedrückt. Das eindrucksvollste Ergebnis wurde in Rumänien erzielt, wo das strukturelle De zit von fast 9% des BIP im Jahr 2007 auf etwa 3,7% des von der Europäischen Kommission für 2011 erwarteten BIP reduziert wurde. Auch Ungarn hat wesentliche Fortschritte gemacht, wenn auch nur auf Grund einmaliger oder temporärer Maßnahmen, die o auch negative Auswirkungen auf das Wirtscha swachstum hatten. Diesen Maßnahmen werden echte Reformen und Einsparungen bei staatlichen Ausgaben folgen müssen.

Grafik:
5

Leistungsbilanz
2,8

(Quelle: Die Erste)

0
-1,4 -2,4 -4,7 -4,4 -4,4 -4,2 -2,2

-5
-7,0

-3,4 -4,4 -7,2 -6,9 -5,9 -8,5 -5,3

-10

-15
-16,2

-13,4

-20

2007

2011F

Serbien

Rumänien

Kroatien

Ungarn

Türkei

Slowakei

Polen

Tschechien

Ukraine

Grafik:

Devisenreserven
6-2008 8-2011
100,9

» Anderer Zyklus

(Quelle: Die Erste)

Die Leistungsbilanzde zite, die in der Vergangenheit die Achillesferse einiger CEE-Länder darstellten, konnten abgebaut werden. Dies hat den Bedarf der CEE-Länder an frischem Auslandsgeld, der sie in der Vergangenheit abhänging machte, wesentlich reduziert. Hier wurden Fortschritte viel rascher als im Rest Europas erreicht. Viele CEE-Staaten haben inzwischen weit höhere Devisenreserven. Das relevanteste Argument dafür, dass die Reaktion der Region CEE auf den globalen Konjukturabschwung anders oder weniger streng (in Bezug auf die Eurozone) als in der Post-LehmanKrise sein sollte, besteht darin, dass sich die CEE Volkswirtscha en nun in einer völlig anderen Phase des Konjunkturzyklus als vor drei Jahren be nden. Damals wurde CEE von einem starken externen Schock erfasst, gerade als oder kurz nachdem sie einen wirtscha lichen Höhepunkt erreicht hatten. Außerdem operieren die CEEVolkswirtscha en nahe oder sogar geringfügig unter ihrem Potenzial, während ein Jahr vor der Lehman-Pleite die Output-Lücke zwischen 2,3% und 10% betrug. Wir glauben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Konjunkturabschwächung mit ähnlicher Schärfe wiederholt, gering ist, da die Investitionsraten bereits deutlich zurückgegangen sind – von dem Vorkrisenhöhepunkt von 30% des BIP auf ein neutraleres Niveau von 20% des BIP. Es ist kaum anzunehmen, dass der Schaden, der durch die zögerlichen Fortschritte bei der Lösung der Euroraum- Schuldenkrise entsteht, zur Gänze wettgemacht werden kann. Sollte jedoch eine Lösung gefunden werden, die die Märkte beruhigt, könnte dies einige Zentralbanken in CEE in die Lage versetzen, ihre Zinsen zu senken. Wir meinen, dass die CEE-Länder jetzt viel besser auf die Bewältigung der Krise vorbereitet sind als vor drei Jahren. Angesichts der Reduzierung der skalischen und der externen Ungleichgewichte sollte der wirtscha liche Schrumpfungsprozess nicht so dramatisch wie 2009 ausfallen. Juraj Kotian

120

100
79,4

80

60
47,0 39,4 37,7 42,7

54,1

40

34,7 36,6 27,3

20

15,7 16,2

0

Rumänien

Tschechien

Ungarn

Kroatien

Polen

Ukraine

Grafik:

Auslandsverschuldung
1041%

(Quelle: Die Erste)

308%

400% 300% 200% 100%

397% 286%

500%

521%

600%

244%

230%

206%

204%

197%

190%

181%

178%

164%

157%

156%

142%

118%

113%

100%

75%

66%

56%

49%

United…

Slowenien

Kroatien

Norwegen

Slovakia

Holland

Spanien

Italien

Polen

Malta

0%

Deutschland

Tschechien

Schweden

Rumänien

Irland

Belgien

Schweiz

Ungarn

Portugal

France

Griechenland

Österreich

Dänemark

Finnland

Türkei

39%

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Analyse

EU-Fonds in CEE: Chance oder Frust
Die meisten EU-Fonds werden an öffentliche Institutionen ausgezahlt
Die Strukturfonds der Europäischen Union sind ein wichtiges nanzielles Instrument, das Mittel- und Osteuropa helfen soll, die alten EU-Mitgliedsstaaten aufzuholen. In der EU selbst erwecken die Fonds positive wie auch negative Reaktionen. Positiv aufgenommen wird die Möglichkeit der Förderung, negativ, die sie umgebende Bürokratie und Korruption. Die EU-Strukturfonds sind in CEE eine Frage von nationaler Bedeutung. Da dies ein eher neues Phänomen in der Region darstellt, entwickelt es sich nach dem Prinzip „aus Fehlern lernen“. Bislang werden die Fonds nicht so genutzt, wie geplant. Firmen, die von den Fonds pro tieren möchten, sollten exibel und ausdauernd vorgehen: ihr Erfolg hängt vor allem von einem guten Plan ab.
Grafik:

EU-Fonds in den Visegrad-Staaten

(Quelle: Polen und seine Fonds, Ministerium für Regionalentwicklung)

(in Milliarden EUR)

25.3 26.7
Tschechien Ungarn Polen Slowakei

11.6 67.3

>> Voraussetzung ist, dass das Unternehmen im betreffenden CEE-Land registriert ist
en Mitgliedsländern in den Jahren 2004 und 2007, wurden alle Neuzugänge als „ärmer‘ eingestu , mit der Ausnahme der Hauptstadtregionen Prag, Bratislava und Budapest. Die EU arbeitet mit so genannten „Programmperioden“. Während die jetzige Periode von 2007 bis 2013 läu , wird die neue, 2014 bis 2020 schon vorbereitet. Dabei de niert jedes Mitgliedsland, wie es die Fonds in der betre enden Phase nutzen will. Bevor es soweit kommt, müssen die Pläne in Brüssel abgesegnet worden sein. Mehr als die Häl e des gesamten EU-Budgets für Strukturfonds-Projekte ießen in der Periode 2007 – 2013 nach CEE. In Zeiten der Krise sind die etwa 177 Milliarden Euro ein willkommener Zuschuss für die Länder der Region. Umso erstaunlicher, dass viele Länder die Fonds gar nicht voll ausschöpfen. Ende 2010 wurden nur 17 Prozent der verfügbaren Fonds ausbezahlt. Am besten hier punkten die Baltischen Staaten, während Rumänien das Schlusslicht bildet. Die Projekte die kontraktiert sind d.h. cca 50% des Gesamtbudget (zur Erklärung: nicht ge ossen, sondern kontraktiert, d.h. von den 50% kontraktierten Projekten sind 17% ausbezahlt). Aber die CEE-Länder werden noch viel Arbeit damit haben, diese Gelder auch auszugeben. Manche von ihnen bemühen sich nun, die Bürokratie etwas zu verschlanken, um die Nutzung der Fonds zu beschleunigen.

» EU Fonds und CEE: wenig genutzt

Die Regionalfonds der EU sollen hauptsächlich „ärmeren Ländern“ dienen: Regionen, in denen das BIP weniger als 75 Prozent des EU-Durchschnitts beträgt. Beim EU-Beitritt von zehn neuGrafik:

Welcher Fonds zu welchem Ziel?

Ziele, Strukturfonds und Instrumente 2007 – 2013

(Quelle: website European Commission)

Ziel

Strukturfonds und Instrumente Kohäsionsfond

Konvergenz

ERDF

ESF

Regionale Wettbewerbsfähigkeit Arbeitsbeschaffung Europäische Territoriale Kooperation

» Die Vorteile nutzen
ERDF ESF

ERDF

Welcher Unternehmer würde seine Aktivitäten nicht gerne mit nicht-rückzahlbaren Fördergeldern von der EU nanzieren? Agenturen zur Investitionsförderung erzählen gerne Erfolgsgeschichten von Firmen, die sich ihre Hi-Tech Ausrüstung über EU-Gelder nanzierten. Städte und Gemeinden o erieren (nicht nur) ausländischen Investoren fertige „Business Parks“, die sie dank der EU-Fonds erstellen konnten.

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So warum nicht die EU-Fonds in CEE nutzen? Die meisten der EU-Fonds für den Privatsektor fokussieren auf typischen Investitionen, wie Produktionssteigerung, Forschung und Entwicklung, Energiesparen. Aber auch Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern sind Bereiche, bei denen EU-Fonds helfen können. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen im betre enden CEE-Land registriert ist. Wieviel die EU an einem bestimmten Projekt nanziert, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Standortwahl oder staatliche Investitionsförderung. Gewöhnlich kommen die Fonds für etwa 35 bis 75 Prozent der Kosten auf. Es ist aber auch möglich, von den Strukturfonds zu pro tieren, ohne sich selbst um Fördergelder zu bewerben. Durch die Teilnahme an EU- nanzierten Projekten zur Exportförderung, Business-Start-Ups EU-finanzierten Industrieparks oder durch Kooperationen mit F+E Agenturen. Bei einer Co-Finanzierungsrate von bis zu fünf Prozent für non-Pro t Organisationen oder NGOs, kann der Bene t für eine Firma beträchtlich sein. Eine weitere Frage ist die der Verwendung der Mittel: die meisten EU-Fonds werden an öffentliche Institutionen ausgezahlt, die sie benutzen um verschiedene Infrastrukturarbeiten oder Dienstleistungen zu tätigen. Selbst wenn Fonds an Privatunternehmen vergeben werden, müssen diese sich, so will es Brüssel, an einer ö entlichen Ausschreibung beteiligen. So stimuliert die EU sowohl Transparenz als auch den Markt für Zulieferer. Daher ist es möglich, die Frage der EUFonds von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten, selbst wenn es nicht immer gelingen sollte, sich selbst um konkrete Fördergelder zu bewerben.

Grafik:

Nach Regionen
Konvergenz Phasing-Out Phasing- In Wettbewerbsfähigkeit

(Quelle: website European Commission)

» Flexibilität ist gefragt

Nur weil es möglich ist, von EU-Fonds zu pro tieren, bedeutet das nicht, dass sich der Erfolg automatisch einstellt. Wir wissen von einigen Unternehmen, deren Erfahrungen mit den Fonds nicht gerade positiv ausgefallen sind. Das bedeutet auch Zeit, Geld und Energie, die an einen erfolgslosen Antrag verschwendet wurden oder Frust während der Durchführung eines Grafik:

Projekts mit all seinen komplizierten Vorgaben. Obwohl die EU Firmen durch ihre Fördergelder unterstützen will, ist die Arbeit mit den Strukturfonds bedingt durch viele Vorschri en und einigem an Prozedere. Viele Leute glauben fälschlicherweise, dass die Brüsseler Bürokratie das System unnötig kompliziert. Dabei überlässt die Europäische Kommission den Grossteil der Verantwortung und der Organisation der Fonds den einzelnen Mitgliedsstaaten. Die CEE-Länder sind dabei

noch am Lernen und kämpfen mit Schwierigkeiten in ihrer Rolle als Nutznießer und Manager der Fonds. Auslandsinvestoren sollten darauf Acht geben, dass die Fonds den Spezi ka der einzelnen Länder unterliegen. Sämtliche Formulare sollten daher in der Landessprache eingereicht werden. Alle Vorschri en und Vergaben sind der jeweiligen nationalen Gesetzgebung untergeordnet, was nicht unbedingt mehr Transparenz oder weniger Bürokratie bedeutet.
Quelle: www.nsrr.sk

Implementation der Strukturfonds in der Slowakei nach OP (Operationelles Programm) 2007-2013 zum 31.10.2011 in %
17,28 28,22 27,91 20,75 29,62 18,48 18,16 9,17 5,11 13,31 4,74 32,07 29,24 41,34 65,05 50,56 61,26 81,63 53,65 81,09 85,78 63,59 87,04

Gemeinsames nationales strategisches Ramenprogramm (NSFR) Regionales Operationelles Programm Operationelles Programm Gesundheitswesen Operationelles Programm Beschäftigung und soziale Eingliederung Operationelles Programm Technische Unterstützung Operationelles Programm Verkehr Operationelles Programm Region Bratislava OP Umwelt OP Bildung OP Forschung und Entwicklung OP Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum OP Informatisierung der Gesellschaft vereinbart zertifiziert 0 10

98,3

20

30

40

50

60

70

80

90

100

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7

Analyse
Entscheidend für Unternehmer ist die Planung und zeitliche Einteilung ihres Business-Plans. Die Arbeit mit EU-Fonds ist meist eine große Herausforderung. Denn der Lebenszyklus eines EU-Projekts hängt größtenteils von (regionalen oder überregionalen) Behörden ab, die die Ausschreibungen tätigen und später evaluieren. In der Praxis bedeutet das, dass die Bewertung von Projektanträgen sehr lange dauern kann (bis zu einem Jahr ist nicht ungewöhnlich), Erik Heidema wie auch die Auszahlung der FörderErik Heidema (1969) gelder selbst. Das Projekt sollte nach studierte Wirtschaftsgeoseiner Fertigstellung mindestens ein graphie in den Niederlanden und Brüssel, wo er paar Jahre weiterlaufen, sonst muss 1993 seinen Magisterein Teil der Gelder zurückgezahlt abschluss machte. Bevor werden. All diese Faktoren müssen er 2004 zu VVMZ kam, in Betracht gezogen werden, um von arbeitete er im Bereich EU Fonds zu pro tieren. Hospitality Management. Im Jahre 2007 wurde Auf jeden Fall sollte eine unterEric Partner bei VVMZ nehmerische Tätigkeit in CEE nicht in Bratislava, wo er sich von EU-Fonds abhängig gemacht auf Firmenentwicklung, werden. Die Fonds sind eher ein Beratung, ProjektmanaTüpfelchen auf´s i, ein Vorteil, der gement und regionale Wirtschaftsentwicklung als Teil der geplanten Aktivitäten spezialisiert.  genutzt werden kann. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Möglichkeiten der Förderung durch EU-Fonds zu kennen, um keine Gelegenheit zu verpassen. Am besten ist es, mit einem erfahrenen Partner vor Ort zu kooperieren, und so die Erfolgsaussichten auf dem Markt mit Hilfe der EU zu erhöhen. Erik Heidema
29.11.2011 14:48 StrÆnka 1
Europarlament in Brüssel

VVMZ
ist eine internationale Unternehmerberatung, die seit 1993 in Mittel- und Osteuropa tätig ist. Die Firma spezialisiert sich auf Betriebsberatung, Vergabeverfahrens, Projektmanagement, Projektfinanzierung und Immobilien.

VVMZ spol. s r.o.
Grösslingova 7 81109 Bratislava Slowakei Tel: +421 (0)2 5441 5050 Email: heidema@vvmz.com www.vvmz.com

Inzerat landes.qxp

Auswirkungen der Krise in den Staaten der Visegrad-Gruppe im Jahr 2012
Investoren können attraktive Bedingungen insbesondere im Bereich der lohnintensiven Fertigung erwarten
Die Krise in Griechenland hat nicht nur einge eischte Euro-Befürworter zweifeln lassen, sondern auch einige Parlamente auf den Boden der Realität zurückgeholt. Auswirkungen hat dies auch auf potenzielle oder gegenwärtige Investoren, die in vielen Ländern Osteuropas auf investitionsfördernde, aber konsumzurückhaltende Bedingungen tre en.

>> Im Mittel können die osteuropäischen Staaten bei höheren Wachstumsraten eine „gesündere“ Staatsbilanz vorlegen
erfolgen. Ferner sollen Kündigungsmöglichkeiten erleichtert werden. Orban schränkt die Rechtssicherheit ein, fördert das Unternehmertun und die Mittelschicht, jedoch zu Lasten der Unterschicht. dungsquote von etwa 44,5% erzielen. Die derzeit noch amtierende Regierungskoalition schlug ebenfalls einen Kurs zu Gunsten der Besserverdiener ein. Die Opposition forderte als Gegenleistung für ihre Zustimmung zum Euro-Rettungsschirm Neuwahlen, die im März nächsten Jahres statt nden werden. Die sozialdemokratische Opposition erho sich den realistischen Wechsel auf die Regierungsbank. Im Falle der Neuwahlen sollen Entscheidungen der amtierenden Regierung revidiert werden.

» Tschechien mit einem Anstieg der
Lebenshaltungskosten von 2%

Tschechien erwartet im Jahr 2011 eine prognostizierte Staatsverschuldung von etwa 40% des BIP. Mit der Steuerreform 2008 hat Tschechien bereits die Körperscha ssteuer Die bisher mancherorts stiefmütterlich stufenweise auf nun 19% reduziert. Der erbehandelte Kennzahl der Staatsmäßigte Umsatzsteuersatz wird verschuldung rückt nun in den im Jahr 2012 von 10% auf 14%, Jens Jungmann Fokus. Im Vertrag von Maastricht im Jahr 2013 sogar auf 17,5%, ist als Geschäftsführenvon 1992 haben die EU-Mitangehoben. Allein dadurch der Partner von Rödl & Partner für die Beratung in gliedsstaaten eine maximale rechnet Tschechien mit einem Mittel- und Osteuropa und Staatsverschuldung in Höhe von Anstieg der Lebenshaltungskoden GUS-Staaten zustän60% des Bruttoinlandsproduktes sten von 2%. dig. Er verfügt er über (BIP) vereinbart. Deutschland 20- jährige Erfahrung selbst muss sich mittlerweile eine In Polen wird die in der Beratung und Prüfung von Unternehmen Verschuldung von über 80% vorStaatsverschuldung sämtlicher Branchen und werfen lassen. um etwa 2% Punkte steigen Größen in Mittel- und Im Mittel können die osteuPolen wurde bisher von der Osteuropa. Der CPA, ropäischen Staaten bei höheren Krise weitestgehend verschont, hat CFE, CFI, CICA sowie Wachstumsraten eine „gesündere“ dadurch allerdings versäumt, ReWirtschaftsprüfer nach polnischem, rumänisStaatsbilanz vorlegen. formen frühzeitig einzuleiten. Die chem und ukrainischem Einführung des Euro ist für 2015 Recht begann seine In Ungarn Einsparungen geplant, die Konvergenzkriterien Berufstätigkeit bei einer im öffentlichen Bereich werden bisher gut erfüllt. Aus diegroßen deutschen Mit einer erwarteten Staatsverser Sicherheit überraschte nun ein Wirtschaftsprüfungsgeschuldung von knapp 76% des BIP viel zu hoher Neuverschuldungssellschaft. Anschließend war er für eine der Big ist die Lage in Ungarn noch kritisch. grad von 8% im vergangen Jahr. 4 Gesellschaften tätig. Premier Viktor Orban der rechtsgeDie Staatsverschuldung wird im Diese Tätigkeit führte ihn richteten FIDESZ-Partei hat einige Jahr 2011 um 2%-Punkte auf etwa über Dresden, Stuttgart, Reformen eingeleitet, die insbe57% steigen. Der nun wiedergeBoston und Posen nach sondere den Besserverdienern und wählte Ministerpräsident Donald Warschau.  Unternehmen zu Gute kommen. So Tusk wird nach Vorstellung seines führt Ungarn den einheitlichen EinKabinetts Polen unter Betrachtung kommenssteuersatz von 16% ein, der Verschuldungskriterien zum während Sozialleistungen auf den modernen Staat formen müssen. Prüfstand kommen. Einsparungen sollen auch im ö entlichen Bereich, Neuwahlen im März im Arbeitsmarkt, bei den Renten, in der Slowakei im öffentlichen Transport-, BilMit stringenter Finanzpolitik dungs- und Gesundheitswesen wird Slowakei eine Staatsverschul-

» Die Verbrauchsgüterbranche erwartet
Die vorgenannten Staaten der sogenannten Visegrád-Gruppe sind nicht gleichermaßen von der Eurokrise betro en, da lediglich die Slowakei zur Eurozone zählt. Der Rettungsschirm sieht einen für die Slowakei beträchtlichen Ha ungsbetrag von 7,7 Milliarden Euro, also 12% des BIP, vor. Deutlich erkennbar ist in allen Staaten der eingeschlagene unternehmensfreundliche Kurs. Investoren können damit attraktive Bedingungen erwarten, insbesondere im Bereich der lohnintensiven Fertigung. Die Verbrauchsgüterbranche erwartet schwierigere Bedingungen, insbesondere für substituierbare Güter. Deshalb gilt es, Nischen zu besetzen, eigene Marktvorteile zu nutzen und sich vom Wettbewerb abzugrenzen. Jens Jungmann

schwierigere Bedingungen

»

»

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»

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Slowakei

MITTELEUROPA

Slowakei: Wachstumslokomotive verlangsamt sich
Warten auf die neue Regierung
Noch bis vor wenigen Monaten wurde der Slowakei eine baldige Rückkehr zu den rosigen Wachstumsraten der Vorkrisenzeit prophezeit. Doch das europäische Schuldendrama und die sich anzeichnende Abkühlung der Weltwirtscha haben den Optimismus zuletzt spürbar gedämp . Wachstum ja, aber nur noch moderat. Weiterer Abbau der Staatsschulden? Kommt darauf an, wer das Land ab nächstem Frühjahr regiert. Trotz aller Unsicherheit verspricht der Standort Slowakei deutschen Unternehmen nach wie vor Potenzial. Wer jetzt einen Markteintritt erwägt, sollte auch an die Fördermöglichkeiten denken.
im nächsten Jahr nichts ändern sollte. Die Arbeitslosenquote stagniert bei über 13 Prozent. Besorgnis erregend ist vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die mit mehr als 30 Prozent ganze zehn Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau liegt. geringe Reallohnwachstum sorgen auch 2012 für eine verhaltene Konsumfreudigkeit der privaten Haushalte. All das sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Slowakei ein interessanter Standort für Investitionen bleibt. Das Land protiert weiterhin von seinen günstigen Produktions- und Lohnkosten, dem einfachen Steuersystem mit niedrigen Sätzen und einem liberalen Arbeitsrecht. Die slowakische Industrie ist im Land traditionell gut aufgestellt. So konnte sie im September allen Rezessionsängsten trotzen und ein 7,4prozentiges Produktionswachstum verglichen mit dem Vorjahr hinlegen. Selbst im Vergleich zum Vormonat betrug das Wachstum noch über drei Prozent. Besonders zulegen konnten dabei die Sparten Maschinenbau, Elektronik und

» Die slowakische Industrie ist im Land
Weiterhin ohne Impulse bleibt der private Konsum. Zwar soll sich die Wachstumsrate 2012 im Vergleich zu diesem Jahr erhöhen, mit schätzungsweise einem Prozent fällt sie allerdings zu gering aus, um die nachlassende Export- und Investitionsdynamik zu kompensieren. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, die Konsolidierungszwänge der ö entlichen Haushalte und das

traditionell gut aufgestellt

>> Trotz aller Unsicherheit verspricht der Standort Slowakei deutschen Unternehmen nach wie vor Potenzial

» Wirtschaftsausblick 2012

2012 kann die slowakische Wirtscha ihr hohes Wachstumstempo der letzten beiden Jahre (2010: 4,0%; 2011: ca. 3,0%) nicht mehr aufrecht erhalten. Optimistische Schätzungen gehen von einem Wirtscha swachstum in Höhe von rund zwei Prozent aus, nüchterne Prognosen sehen das Wachstumspotenzial bei maximal einem Prozent. Hauptursache für die nachlassende Dynamik ist der zu erwartende Rückgang im Welthandel. Die hohe Auslandsnachfrage nach slowakischen Gütern hatte sich bis dato als die treibende Kra der heimischen Wirtscha erwiesen. Doch im nächsten Jahr steigen die Exporte nur noch moderat. Damit einhergehend ist eine nachlassende Investitionsaktivität der Unternehmen. Zugleich entspannt sich der Druck auf die Verbraucherpreise. Bedingt durch hohe Öl- und Energiepreise sowie Sparmaßnahmen der Regierung el die In ationsrate im EU-Vergleich zuletzt überdurchschnittlich hoch aus (2011: ca. 4,0%). 2012 dür e sie sich in Anbetracht der geringeren Konjunktur auf einem preisstabilen Niveau von etwa zwei Prozent einpendeln. Wenig verheißungsvoll ist dagegen die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Der im Frühjahr eingesetzte Aufwärtstrend bei der Beschä igung dür e bereits in der zweiten Jahreshäl e 2011 zum Erliegen gekommen sein, woran sich auch

Banská Bystrica, Mittelslowakei

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Slowakei

Magazin für Investitionsberatung

TAB: PROGNOSE AUSGEWÄHLTER WIRTSCHAFTSINDIKATOREN
Indikator BIP (Wachstum, real) Privater Konsum (Wachstum, real) Staatskonsum (Wachstum, real) Anlageinvestitionen (Wachstum, real) Exporte (Wachstum, real) Importe (Wachstum, real) Beschäftigungsquote (Zunahme; LFS) Arbeitslosenquote (LFS) Bruttolöhne (Wachstum, nominal) Bruttolöhne (Wachstum, real) Inflationsrate (HICP) Tatsächlich 2009 -4,8% 0,0% 2,8% -10,5% -19,8% -22,9% -2,8% 12,1% 3,0% 1,4% 0,9% Tatsächlich 2010 4,0% -0,3% -0,1% 3,6% 21,5% 22,5% 1,2% 14,4% 3,2% 2,2% 0,7% Prognose 2011 3,0% -0,2% -3,4% 4,6% 9,4% 6,3% 1,7% 13,4% 3,1% -0,7% 4,0% Prognose 2012 2,2% 1,1% -0,7% 2,4% 5,7% 4,9% 0,2% 13,4% 3,3% 0,7% 2,5%

Quelle: eurostat, Finanzministerium SR, 2011
Bratislava

Metallverarbeitung. Die drei Automobilhersteller Volkswagen, Kia Motors und Peugeot Citroёn haben zuletzt krä ig in ihre slowakischen Standorte investiert und geben weiterhin den Takt in der lokalen Wirtscha vor.

» Auswirkungen

Grafik:

* Prognose

Entwicklung des Haushaltsdefizits in % des BIP

Quelle: eurostat, Finanzministerium SR, 2011

0,0% -1,0% -2,0% -3,0% -4,0% -5,0% -6,0% -7,0% -8,0% -9,0%
-8,0% -7,8% -2,8% -1,8% -2,1%

-3,2%

-3,8% -4,9%

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011*

2012*

Wie in vielen anderen Ländern auch stieg die Staatsverschuldung während der Wirtscha skrise drastisch an. 2009 und 2010 lag das Haushaltsde zit bei jeweils rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nach den Parlamentswahlen im Juni 2010 legte die neue slowakische Regierung unter Ministerpräsidentin Iveta Radičová ein umfangreiches Sparpaket auf, das auf Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen gleichermaßen setzte, um die ö entlichen Kassen zu sanieren. In diesem Jahr soll das De zit nach den Haushaltsplänen des Finanzministeriums auf 4,9 Prozent des BIP sinken, im kommenden Jahr auf 3,8 Prozent. Besonders die Prognose für 2012 erscheint aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt fragwürdig, und das aus mehreren Gründen. Die Abstimmung des slowakischen Parlaments über die Erweiterung des Euro-Rettungsschirmes brachte die Regierung im vergangenen Oktober zu Fall. Das Kabinett von Iveta Radičová ist zwar bis zu den Neuwahlen im März 2012 weiterhin kommissarisch im Amt, jedoch ist bis zuletzt unklar geblieben, ob für die Verabschiedung des Haushaltsentwurfs 2012 eine Mehrheit im Parlament zustande kommt. Sollte die Regierungskoalition die Abweichler in den eigenen Reihen nicht auf ihre Linie bekommen, gilt es als wahrscheinlich, dass das Finanzministerium seinen Haushaltsentwurf zurückzieht und die Slowakei im kommenden Jahr auf Basis des diesjährigen Haushalts wirtscha en müsste. In Anbetracht der rückläu gen Wachstumsprognosen mutet das avisierte De zitziel von 3,8 Prozent sehr ambitioniert an. Jüngsten Kalkulationen des Wirtscha sministeriums zufolge ist im kommenden Jahr mit 700 Mio. Euro an Steuermindereinnahmen zu rechnen. Ministerpräsidentin Radičová kündigte bereits an, o en für sämtliche Vorschläge zur weiteren Konsolidierung zu sein. Die langfristigen Folgen für die Wirtscha werden erst ab März 2012 absehbar sein, sobald eine neue Regierung und ihr Programm stehen. Die große Abgabenreform etwa wurde in Folge des Regierungszusammenbruchs auf Eis gelegt.
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der Schuldenkrise

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Slowakei

MITTELEUROPA

Noch rechtzeitig verabschiedet wurde die Novel- der Programme sind die inhaltlich zuständigen le des Investitionsfördergesetzes. Darin bekann- Ministerien. te sich die Regierung vorläu g zur Der größte Anteil kommt dem weiteren Gewährung von Beihilfen Ausbau der Infrastruktur zugute. Dr. Guido Glania als Instrument der InvestitionsförSchwerpunkte im OperationsproDr. Guido Glania, derung, jedoch mit der Prämisse, gramm „Verkehr“ sind der Strasgeboren 1970; Studium und Promotion der diese in Zukun schrittweise hersenbau und die SchienenmoderVolkswirtschaftslehre an unterzufahren. Im Rahmen der nisierung. den Universitäten Köln Novelle wurden die MindestinveAn zweiter Stelle rangiert das und Nürnberg; 1993 bis stitionsvolumina deutlich gesenkt Operationsprogramm „Umwelt“, 2003 Bundesverband der und zugleich der mögliche Bezugsdas insbesondere die Bereiche Deutschen Industrie (BDI) in Berlin, handelspolitiszeitraum für Steuerbegünstigungen Umweltschutz, Wasserwirtschaft cher Referent; 2003 bis von fünf auf zehn Jahre erhöht. und Energiee zienz begünstigt. 2008 Büro des BDI in In diese Sparte fallen auch die Brüssel, Bereichsleiter EU-Fördermittel emen Abfallwirtscha und erAußenwirtschaft und noch nicht abgerufen neuerbare Energien. Entwicklungspolitik; 2008-2011 Alliance for Neben der staatlichen InvestiLetzteres spielt zusätzlich im Rural Electrification in tionsförderung können expanOperationsprogramm „WettbeBrüssel, Generalsekredierwillige Unternehmen auch mit werbsfähigkeit und Wirtscha stär. Seit März 2011 Unterstützung der Europäischen wachstum“ eine Rolle, dem eiGeschäftsführendes Vorstandsmitglied der Union rechnen. In der laufenden gentlichen Förderprogramm für Deutsch-Slowakischen Programmperiode bis einschließUnternehmensinvestitionen. Mit Industrie- und Handelslich 2013 sind in der Slowakei zahlder Unterstützung von Innovatiokammer in Bratislava.  reiche Mittel aus den EU-Fonds nen soll dem verarbeitenden Genoch nicht abgerufen. Daher dür e werbe, dem Energiesektor sowie in den nächsten beiden Jahren eiausgewählten Dienstleistungssegniges in Bewegung kommen. Das menten zu einer höheren Wettbegesamte Fördervolumen von über werbsfähigkeit verholfen werden. elf Milliarden Euro verteilt sich Antragsberechtigt sind kleine auf elf Operationsprogramme, die und mittelständische Unternehwiederum in mehrere Prioritätsmen (KMU) im Sinne der EUachsen untergliedert sind. Träger De nition. Bei der Förderung

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handelt es sich um nicht rückzahlbare Finanzbeihilfen im Wert von maximal 40 Prozent des Projektwertes bei Vorhaben in der Westslowakei und maximal 50 Prozent des Projektwertes in der Mittel- und Ostslowakei. Dabei ist nicht entscheidend, in welcher Region das Unternehmen seinen Sitz hat, sondern der Realisierungsort des Projektes. Es gelten zwei Förderschemata für private Unternehmen: Im Rahmen der oben beschriebenen Fördergrenzen für größere Investitionen; im Rahmen des „de minimis“Schemas, das einem Unternehmen maximal eine Unterstützung von 200.000 Euro innerhalb von drei Jahren erlaubt, was vor allem kleinere Firmen anspricht.1 Guido Glania
Vgl. Bundesministerium für Wirtscha und Technologie: EU-Fördermittel für die osteuropäischen Mitgliedstaaten, Berlin 2008, S. 120.
1

Deutsch-Slowakische Industrieund Handelskammer
Námestie SNP 13 SK-811 06 Bratislava Tel.: +421 2 2065 5533 Fax: +421 2 2065 5542 E-Mail: info@dsihk.sk Web: www.dsihk.sk

Grenzüberschreitender Rechtsschutz – Einstweilige Maßnahmen im internationalen Rechtsverkehr
genheit der Vorwurf erhoben, dass der Konstituierungsvorgang eines Schiedsgerichts zu viel Zeit in Anspruch nimmt und Rechtsschutz dadurch erst (zu) spät erreicht werden kann. Die Internationale Handelskammer in Paris (ICC) trägt diesem Umstand nunmehr in ihren mit Wirkung zum 01.01.2012 überarbeiteten Schiedsregeln Rechnung und hat die Rolle eines „Emergency Arbitrator“ gescha en. Dieser wird nach den Regeln innerhalb von nur zwei Tagen durch die ICC bestellt und hat seine Entscheidung innerhalb von 15 Tagen nach Erhalt des Aktes zu tre en. Den Parteien einer Schiedsvereinbarung steht damit in Zukun neben dem Gang zu den staatlichen Gerichten (dieser bleibt für einstweilige Maßnahmen selbst bei Bestehen einer Schiedsvereinbarung unbenommen) eine echte Alternative zu Verfügung, sich rasch und e zient Rechtsschutz zu verscha en. Aufgrund der relativ hohen Kosten dieses Verfahrens (Richtwert USD 40,000) ist dieses allerdings vorwiegend für große Streitigkeiten gedacht, bei denen ein erhöhter Bedarf nach Vertraulichkeit besteht. Für alltägliche Auseinandersetzungen mit kleinen und mittleren Streitwerten, wird in naher Zukun der einstweilige Rechtsschutz vor den staatlichen Gerichten weiterhin günstiger und rascher zu bekommen sein.

Dr. Christian W. Konrad

Rechtsanwalt und Solicitor, Partner der Kanzlei Konrad & Justich

Die Auswirkungen der Finanzkrise machen sich auch und vermehrt in der Beratungstätigkeit des Anwalts in Zentral- und Osteuropa bemerkbar. Häu ger als früher suchen Mandanten kurzfristig Schutz vor ungerechtfertigter Ziehung von Bankgarantien, dem Abruf von Sicherheitsleistungen und ähnlichem. In Zeiten, in denen Finanzmittel knapp sind und der Finanzierungsrahmen limitiert ist, kommt daher dem einstweiligen Rechtsschutz große Bedeutung zu. Darunter versteht man allgemein, dass mit einer (schieds-) gerichtlichen Maßnahme ein bestehender Zustand gesichert wird, so beispielsweise das Nichtgewähren einer geleisteten Garantie. Die rechtsschutzsuchende Partei hat die Möglichkeit, diese vor staatlichen Gerichten und, unter Umständen, auch vor Schiedsgerichten zu beantragen. Naturgemäß spielt dabei Zeit die entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang wurde im Bereich der Schiedsgerichtsbarkeit in der Vergan-

Dr. Konrad ist österreichischer Rechtsanwalt, englischer Solicitor und als Euroadvokat in der Tschechischen und Slowakischen Republik zugelassen. Seine Spezialgebiete sind internationales Wirtschaftsrecht und internationale Handels- und Investitionsschiedsgerichtsbarkeit. Er vertritt Privat- und Industrieunternehmen sowie internationale Organisationen in Streitfällen und berät bei fehlgeschlagenen Investitionen und Joint Ventures in Zentral- und Osteuropa sowie bei der Vollstreckung und Sicherung von Ansprüchen aus Schiedssprüchen und Gerichtsurteilen. 

Konrad & Justich
Dr. Christian W. Konrad Weihburggasse 4 / 10, 1010 Wien E-Mail: christian.konrad@kj-legal.com Web: www.kj-legal.com

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Tschechien

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Tschechien will den Euro in naher Zukunft als Währung nicht einführen
Neue Exportstrategie für die Jahre von 2012 bis 2020 wird ausgearbeitet
Noch im Frühjahr 2011 war die tschechische Wirtscha deutlich auf Wachstumskurs und man blickte optimistisch in die Zukun . Tschechien gehörte zu jenen EU-Ländern, welche die internationale Wirtscha skrise 2009 gut bewältigt haben – nach dem Rezessionsjahr 2009 (-4,1%) ist die Wirtscha Tschechiens 2010 um 2,3% und im 1. Halbjahr 2011 um 2,5% gewachsen. Als Exportnation mit einer grundsätzlich gesunden Wirtscha hat sich Tschechien aus der internationalen Wirtscha krise „herausexportiert“, vor allem die gute Konjunktur Deutschlands hat Tschechien bei der Bewältigung geholfen.
Durch die Schuldenkrise in der Eurozone und die Verlangsamung der Konjunkturdynamik in wichtigen Exportabnahmeländern Tschechiens ist es auch zu einer Abkühlung der wirtscha lichen Dynamik in Tschechien gekommen. Laut der Ende Oktober verö entlichten makroökonomischen Prognose des tschechischen Finanzministeriums soll die tschechische Wirtscha 2011 nur mehr um 2,1 % und 2012 nur mehr um 1% wachsen. Bei dieser Prognose handelt es sich sogar um eine optimistische Variante, es könnte sogar ein Nullwachstum bzw. eine Rezession geben - je nachdem wie schnell und mit welchen Folgen es gelingen würde, die Situation in den Problemländern der Eurozone zu lösen. Die neuen Prognosen stellen gegenüber der vorangegangenen Prognose eine deutliche Verschlechterung dar - noch im Juli 2011 wurde für 2012 ein Wachstum von 2,5% vorausgesagt. Für das laufende Jahr wird mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1,9% gerechnet, 2012 könnte die In ationsrate 3,2% erreichen - vor allem wegen der Anhebung des ermäßigten Mehrwertsteuer-

TAB: TSCHECHIEN – BUDGETDEFIZIT
in % des BIP 2008 -2,2 2009 -5,8 2010 -4,8 2011 -3,7 2012 -3,5
Quelle: Tschechisches Finanzministerium

satzes von derzeit 10% auf 14%. Natürlich wird sich eine wirtscha liche Stagnation auch auf die Beschä igung auswirken und es wird mit einer Arbeitslosenrate von rund 8% gerechnet.

da einerseits Tschechien gegenwärtig nicht die EU-Konvergenzkriterien erfülle und andererseits sich die Währungsunion immer mehr zu einer Transferunion oder gar einer Schuldenunion entwickeln würde. Laut MinisterpräsiÜber 80% der Exporte gehen in die EU dent Petr Necas wäre in den Euro-Ländern vor Tschechien ist von der Schuldenkrise in der allem eine größere Koordinierung der FiskalEuro-Zone zwar nicht direkt betro en, durch und Wirtscha spolitik - die zu einer Erhöhung seine o ene Wirtscha sind aber der Fiskaldisziplin führen würde die Stabilität und die Funktionsfä- notwendig. Laut einer im Herbst Dr. Nikolaus Seiwald higkeit der Eurozone für das Land 2011 durchgeführten Umfrage der Er absolvierte die von vitalem Interesse. Es wird auch Wirtschaftskammer Tschechiens Wirtschaftsuniversität befürchtet, dass die Schuldenkrise ist derzeit auch mehr als die HälfWien mit Abschluss zum Doktor. Seine AHK Karriere in eine internationale Wirtscha ste der tschechischen Firmen - vor begann als Exportleiter in krise übergehen könnte, die auch allem KMU - gegen eine Euro-Einder Möbelindustrie und dann die tschechische Wirtscha hart führung, für den Euro ist nur ein bei der Wirtschaftskammer tre en würde. Durch seine sehr knappes Drittel. Unter den großen Österreich, Außenwirtexportorientierte Wirtscha – die tschechischen Firmen sind 48 % schaftsorganisation mit Posten als Stellvertretenüber 80% der Exporte in die EU für eine Einführung des Euros, da der Handelsdelegierte in ausführt – ist Tschechien durch die sie ökonomisch mit der Eurozone Belgrad, Neu Delhi und Wirtscha szyklen in den EU-Länverbunden sind. Moskau. 1986 wurde er dern sehr verletzbar. Um die AbHandelsdelegierte in Harahängigkeit des tschechischen ExDerzeit zahlreiche Reformen re mit der Zuständigkeit Ostafrika. 1996 wechselte ports vom europäischen Markt zu bei Verwaltung, Steuern, er als Regionalmanager verringern, wird derzeit auch eine Pensionen und Gesundheit Osteuropa in der Außenneue Exportstrategie für die Jahre ausgearbeitet wirtschaftsorganisation von 2012 bis 2020 ausgearbeitet. 2010 lag das De zit der tscheder Wirtschaftskammer Laut dieser Strategie sollen nicht chischen öffentlichen Finanzen Österreich und ab 1999 nur die Exportzielländer erweitert, bei 4,8 Prozent. Für 2011 wird ein wurde er Wirtschaftsdelegierter in Abu Dhabi für sondern auch die kleineren und Budgetde zit von weniger als 4% die Länder V.A.E, Oman, mittleren Unternehmen stärker in des BIP erwartet, für 2012 rechnet Qatar und Pakistan. Ab den Export eingebunden werden. die Regierung mit 3,5 %, für 2013 2006 arbeitet er als mit 2,9% und für 2014 mit 1,9%. Wirtschaftsdelegierter Mehr als die Hälfte der Um das Staatsbudget zu saniein Prag. tschechischen Firmen ist ren und die Konkurrenzfähigkeit gegen eine Euro-Einführung Tschechiens zu erhöhen, werden Angesichts der Probleme in derzeit zahlreiche Reformen bei der Eurozone will Tschechien den Verwaltung, Steuern, Pensionen Euro in naher Zukun auch nicht und Gesundheit ausgearbeitet. Die als Währung einführen. Die RegieTschechische Republik hat auch rung lehnt es derzeit auch ab, ein Mitte 2011 von der Ratingagentur konkretes Datum für einen Beitritt Standard & Poor‘s für ihre Budzur Währungsunion festzulegen, getpolitik ein großes Lob erhalten.

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TAB: TSCHECHIEN - WIRTSCHAFTSAUSSICHTEN
Kennzahl Wirtschaftswachstum Inflationsrate Arbeitslosenrate 2011 +2,1% 1,9% 6,9% 2012 1,0% 3,2% 7-8% 2013 2,0% 1,6% 7,0% 2014 3,3% 2,1% 6,7%

Quelle: Tschechisches Finanzministerium

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Tschechien

Magazin für Investitionsberatung
Prag

Die Agentur stu e die Bonität des Landes um zwei Stufen von A auf AA- hinauf und versah die Note zudem mit einem stabilen Ausblick. Die Verbesserung geht zwar auch auf neue Bewertungsmethoden von S & P zurück, die Agentur lobte jedoch ausdrücklich die geplanten Haushaltsreformen sowie den soliden wirtscha lichen Ausblick.

Gegensatz zu den nationalen Investitionsanreizen können die Antragsteller nur inländische Unternehmen sein, die Projekteinreichungen in den einzelnen Programmen können nur in einzelnen, zeitlich befristeten Ausrufungsrunden gestellt werden und es besteht ein Wettbewerb zwischen den Antragstellern, da die Budgetmittel begrenzt sind.

» Die Institution des strategischen
Trotz der Sparmaßnahmen wurden nach vielen Diskussionen die nationalen Investitionsförderungen beibehalten und der Kreis der möglichen Empfänger von Investitionszulagen ausgeweitet, die Gesetzesnovelle soll 2012 in Kra treten. Während die Förderungen derzeit nur Produktions rmen im Bereich der verarbeitenden Industrie beantragen können, sollen sich kün ig auch Firmen im Bereich Forschung und Entwicklung und strategische Dienstleistungen - wie etwa So ware-Entwicklung oder IT-Lösungen - um eine Förderung bewerben können. Der Zeitraum für die Steuervergünstigung soll von fünf auf kün ig insgesamt zehn Jahre verlängert werden. Daneben ist auch die Institution des strategischen Investors vorgesehen, der direkte Investitionszuschüsse erhalten kann. Laut Experten ist die Verabschiedung der Investitionsanreiz-Novelle ein Schritt in die richtige Richtung um Investoren anzulocken. Neben den nationalen Investitionsanreizen, die sowohl ausländischen als auch inländischen Firmen o en stehen, gibt es in Tschechien auch Fördertöpfe für unternehmerische Projekte, die aus den EU-Strukturfonds gespeist werden. Im

Investors vorgesehen

» Die Fördermittel
auf KMU gezielt

sind grundsätzlich

Die derzeitige Förderperiode hat 2007 begonnen und dauert noch bis 2013. Für direkte Unternehmensförderungen ist mit einem Volumen von knapp EUR 3 Mrd. vor allem das Operationsprogramm „Unternehmen und Innovationen“ (Operační Program Podnikaní a Inovace, OPPI) bestimmt. Im Rahmen von OPPI gibt es 15 Unterstützungsprogramme, die von tschechischen Firmen für die Mit nanzierung von Unternehmensprojekten beantragt werden können. Die Fördermittel aus OPPI sind grundsätzlich auf KMU gezielt, große Unternehme mit mehr als 205 können sich dann bewerben, wenn durch die jeweilige Programmausschreibung zugelassen wird. Chancen haben Projekte, die auf dem gesamten Gebiet der Tschechischen Republik realisiert werden, mit Ausnahme von Prag. Derzeit können Bewerbungen in folgenden OPPI-Programmen eingereicht werden: INNOVATIONEN (gefördert werden Produktinnovationen und die Verbesserung der Effektivität von Produktions- und Dienstleistungserbringungsprozessen), ICT (gefördert werden Investitionen für Gründung oder Ausbau von IKT, bspw. So ware- oder Datencenter), SCHULUNGSZENTREN (gefördert wird der Ausbau

der Infrastruktur für Schulung der Mitarbeiter), BERATUNG (gefördert werden die Inanspruchnahme von Beratungsdienstleistungen und MARKETING (gefördert wird die Inanspruchnahme von Marketingdienstleistungen). Detaillierte Informationen zu den einzelnen Förderungen sind auf folgenden Internetadressen zu nden: www.strukturalni-fondy.cz und www.czechinvest.org. Damit ein Förderantrag Erfolg hat und sich gegen die Konkurrenzanträge durchsetzt, ist nicht nur ein interessantes Projekt wichtig, sondern es sind auch sehr genaue Kenntnisse der Antragsbedingungen notwendig – hier kann die Inanspruchnahme eines versierten Förderberaters empfehlenswert sein. Auch wenn durch die gegenwärtige Situation in der Eurozone eine Abkühlung der wirtscha lichen Entwicklung Tschechiens zu spüren ist, bleiben aufgrund der gesunden Wirtscha sstruktur und dem Nachholbedarf die Aussichten in Tschechien vielversprechend und österreichische Firmen tun gut daran, die Möglichkeiten in unserem Nachbarland zu nutzen. Nikolaus Seiwald

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Polen

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Polen hat eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert
Die aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr 2011 belegen, dass sich Polen weiterhin auf Erfolgskurs be ndet! Nach einem realen BIP-Wachstum von 3,8% im Jahr 2010 legte die polnische Wirtscha heuer wieder um 4,4% zu (Jan.-Juni 2011). Die Krä e hinter diesem Wachstum waren allen voran die Bauwirtscha (+15,6%) und die Exporte (+13,2%). Aber auch die Finanzwirtscha , der Einzelhandel und die Anlageninvestitionen entwickelten sich sehr positiv. Mit einer derartig soliden Basis sollte auch im Gesamtjahr 2011 ein Wirtscha swachstum von rund 3,5% machbar sein.
Das Ergebnis der im Oktober abgehaltenen Parlamentswahlen bringt in erster Linie Stabilität und die Fortsetzung der bisherigen Wirtscha spolitik. Aber die Auswirkungen der anhaltenden Unsicherheit auf den internationalen Märkten und die allgemeine schlechtere Konjunktur werden mittelfristig auch in Polen zu spüren sein. Polnische Experten rechnen weiterhin mit einem Wirtscha swachstum von 2,5 – 3% im kommenden Jahr. Die In ation betrug im ersten Halbjahr 4,2% und lag somit nicht mehr innerhalb dem von der polnischen Nationalbank festgelegten Rahmen von 1,5 – 3,5%. Die Treiber hinter der Preissteigerung waren vor allem höhere Rohsto preise, die Inlandsnachfrage, die Abwertung des Zloty und eine Erhöhung des MwSt.-Satzes per 1.1.2011. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Prognosen des Wirtscha sministeriums und der Nationalbank nicht zu optimistisch sind. So rechnen erstere mit einem HICP von 3,5% für 2011 und die Nationalbank geht davon aus, dass die In ation innerhalb der nächsten sechs Monate auf das Wunschniveau von 2,5% zurückgehen sollte. Ende Juni 2011 waren 12,6% (nationale Berechnungsmethode) der Personen im erwerbsfähigen Alter arbeitslos (Gesamtjahr 2010: 12,1%). Bisher haben sich somit die Befürchtungen einer Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation nicht bewahrheitet. In den kommenden Jahren dür e sich dieser Wert in denselben Bahnen bewegen (Prognose 2011: 11,8%, 2012: 11,6%). Der polnische Außenhandel scheint sich zu erholen. Die Zuwachsraten im ersten Halbjahr lagen über jenen für das Gesamtjahr 2010. In den ersten zwei Quartalen 2011 stiegen die Exporte um 13,2% und die Importe um 14,0% an. Laut letzten Zahlen hat sich das Handelsbilanzde zit im August erneut verringert. Man sollte jedoch die steigenden Rohsto preise und die Verschlechterung der Weltwirtscha im Auge behalten, da diese einen Rückgang der polnischen Exporte mit sich bringen können. So gehen einige Prognosen von einer Verschlechterung der Handelsbilanz aus (2011 -19,7 Mrd. USD / ca. 14,5 Mrd. EUR, 2012 -24,0 Mrd. USD / ca. 17,7 Mrd. EUR). Derzeit hil zwar der schwache Zloty den polnischen Exporteuren – er hat in den ersten neun Monaten des Jahres 9% an Wert gegenüber dem Euro verloren. Auf Dauer könnten sich die Wechselkursschwan-

© Volkswagen Poznań

Die neue Regierung muss sich mit den Problemen des Arbeitsmarktes und des Gesundheitssystems auseinandersetzen
kungen aber negativ auf die polnische Wirtscha auswirken.

» Ausländische Direktinvestitionen

O zielle Zahlen zu den ausländischen Direktinvestitionen in Polen (ADIs) liegen derzeit für das Gesamtjahr 2010 vor. Demnach beliefen sich die ADIs auf 6,7 Mrd. EUR (2009: 9,9 Mrd. EUR). Der Löwenanteil el auf die EU mit 5,7 Mrd. EUR. In den ersten acht Monaten 2011 verzeichnete Polen einen Zuwachs an ADIs von 28,5%. Für das Gesamtjahr rechnet das Finanzministerium mit ADIs in der Höhe von rund 10 Mrd. EUR. Polen wird unserer Meinung nach auch weiterhin für ausländische Investoren interessant bleiben. Polen bietet ausländischen Investoren ein attraktives Umfeld: ein großer Binnenmarkt, politische Stabilität, gut ausgebildete Arbeitskrä e, ein ambitioniertes Privatisierungsprogramm und Sonderwirtscha szonen, um nur einige der Vorteile des Investitionsstandorts Polen zu nennen.

>> Im Gesamtjahr 2011 sollte ein positives Wirtschaftswachstum von rund 3% machbar sein
Warschau

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Polen

Magazin für Investitionsberatung

» Schuldenkrise

Gefährlich könnten die Auswirkungen einer Abschwächung der Weltwirtscha auf den polnischen Staatshaushalt werden. Im Jahr 2010 lag das Budgetde zit des Staatshaushaltes (ESA) bei 7,9% und dies trotz eines Wirtscha swachstums von beachtlichen 3,8%. Die Situation wird sich nicht großartig verbessern und man rechnet mit einem De zit von ca. 6%. Die Gesamtverschuldung (ESA) belief sich im abgelaufenen Jahr auf rund 53% und Prognosen rechnen mit einem Anstieg auf über 55% im Jahr 2011. Wenn dies eintritt, muss die Regierung eingreifen und den Rotsti ansetzen. Polen gehört nämlich zu jenen Ländern Europas, die eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert haben; diese grei ab 60% (nationale Berechnung). Aber schon ab einer Verschuldung von 55% (nat. Berechnung) müssen erste Maßnahmen getro en werden. Letzten Zahlen des polnischen Finanzministeriums zufolge soll das Budgetde zit 2011 bei rund PLN 28 Mrd. (ca. EUR 6,5 Mrd.) liegen und somit unter dem Plan von PLN 40,2 Mrd. (ca. EUR 9,3 Mrd.). Grund dafür sind in erster Linie höhere Steuereinnahmen. Eine der ersten Aufgaben der neu gewählten Regierung ist die Verabschiedung eines Budgets für 2012, das Druck von den Staats nanzen nimmt und die Verschuldung stabilisiert. Das Budgetde zit soll höchstens 3% betragen, und zur Erreichung dieses Ziels werden sowohl Kürzungen auf der Ausgabenseite als auch höhere Einnahmen notwendig sein.

Grafik:
3,5 3 2,5 2 1,5 1 0,5 0

Bilaterale Handelsbeziehungen
26,50% 25,90% 17,00% 8,60% 12,30% 8,00% 12,10% 21,50%

(Quelle: Statistik Austria)

30,00% 20,00% 20,00% 10,00% 0,00% -10,00% -20,00% -24,60% -27,40% -30,00% 2010 2011 P

2006

2007

2008

2009

Österreichische Exporte nach Polen (Mrd. EUR) Veränderung Exporte gegenüber Vorjahr

Österr. Importe aus Polen (Mrd. EUR) Veränderung Importe gegenüber Vorjahr

>> Polen ist aus der letzten Krise – welche hierzulande auch die „samtene Krise“ genannt wird – gestärkt hervorgegangen
gemeinsam mit Schweden derzeit die einzigen Nicht-Euro-Länder sind, die eine Beteiligung am Euro-Rettungsschirm zugesagt haben. Generell wird die polnische EU-Präsidentscha nicht nur in Polen als Erfolg gesehen, und Polen hat sich als berechenbarer und in der Vorbereitung und Umsetzung der Präsidentscha als professioneller Partner erwiesen. wäre, die EU-Mittel über präferenzielle Kredite mit Sonderkonditionen zu vergeben. Zur Vergabe von Förderungen ist aber nicht nur der Zentralstaat ermächtigt, sondern auch die Wojewodscha en, welche ihrerseits regionale operationelle Programme de niert haben, die den Besonderheiten der jeweiligen Region Rechnung tragen. Egal auf welche Art die Mittel in Zukun vergeben werden, eines bleibt gleich: Für eine erfolgreiche Antragstellung sollte man unbedingt mit einen spezialisierten Dienstleister - sogenannte Förderberater – zusammenarbeiten. Diese Unternehmen helfen österreichischen Firmen bei der Identi kation der richtigen Programme und bei einer erfolgreichen Antragstellung. Polen ist aus der letzten Krise – welche hierzulande auch die „samtene Krise“ genannt wird – gestärkt hervorgegangen und ist auch für die Zukun gut gewappnet. Ein großer und aufnahmefähiger Binnenmarkt, Mittel aus den EU-Strukturfonds und eine geringere Exportabhängigkeit als andere Länder im MOEL-Raum werden Polen helfen, die anstehenden Probleme zu meistern. Wenn die notwendigen Reformen angegangen werden – wovon wir ausgehen – bleibt das Land auch für Exporteure und ausländische Investoren weiterhin sehr interessant. Ernst Kopp

EU-Strukturfonds Die neue Regierung wird sich auch mit den Polen hat bekannterweise in den letzten Problemen des Staatshaushalts, des Arbeitsmarktes und des Gesundheitssystems einge- Jahren stark von EU-Förderungen pro tiert. hend auseinandersetzen müssen. Die Fragen In der letzten Periode 2007 – 2013 standen des Rentenantrittsalters und die Reform des Polen Fördermittel in der Höhe von rund 67 Gesundheitswesens müssen angegangen wer- Mrd. EUR zur Verfügung. Die Prioritäten lieden. So hat Premierminister Tusk bereits vor gen dabei auf den vier Schwerpunktthemen: Innovative Wirtscha , Humankaden Wahlen neue Maßnahmen bei pital, Infrastruktur und Umwelt der Sozialhilfe und ein Programm Dr. Ernst Kopp und Entwicklung des ländlichen für die ältere Bevölkerungsschicht ist seit September Raums. Bis 2013 sind aus diesem angekündigt. 1996 in der AussenwirtTitel noch rund 15 Mrd. EUR zu schaftsorganisation der vergeben. Experten rechnen aber Euroeinführung WKÖ beschäftigt. mit einem vergleichsweise gerinDie polnische Regierung sieht Nach Stationen in Rom, geren Au ragsvolumen im nächderzeit davon ab, sich auf einen Honkong und Moskau als Stellvertreter des sten Jahr auf Grund der FinanTermin für die Einführung des EuWirtschaftsdelegierten zierungssituation. So wurde z.B. ros festzulegen. Man spricht sich und einem einjährigen der Zuschuss des Staates für den immer noch für die Einführung des Einsatz als Konzipient Bau von Straßen von 50% auf 40% Euro aus, möchte jedoch damit abin einer renommierten reduziert und in Folge sind die warten, bis man einerseits alle VorWiener Wirtschaftskanzlei ist er seit September Finazierungsanträge bereits um aussetzungen erfüllt (derzeit erfüllt 2007 als Österreichischer 44% zurückgegangen. Für ProjekPolen nur das Maastrichtkriterium Wirtschaftsdelegierter in te im Eisenbahnbereich sind noch der langfristigen Zinsen) und bis Polen tätig.  größere Beträge vorhanden, es ist sich andererseits die Lage im Euroaber eher unwahrscheinlich, dass Raum etwas stabilisiert hat. es in diesem Sektor noch größere Den Beschlüssen des Euro-GipAusschreibungen geben wird. fels im Oktober steht Polen generell positiv gegenüber; diese geben Im neuen EU Finanzrahmen Raum für einen gewissen Optimis2014-2020 sollen Polen dann wiemus. Erfreulich ist für die polnische der bis zu EUR 80 Mrd. zur VerRegierung auch, dass diese wichtifügung stehen. Fraglich ist jedoch, gen Entscheidungen während der ob der Staat weiterhin am Modell polnischen EU-Ratspräsidentscha der Ko nanzierung festhalten getro en worden sind. Man darf will bzw. kann. Eine Möglichkeit auch nicht vergessen, dass Polen

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Ungarn

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In schwierigem Fahrwasser
Ungarn muss Wachstum vorerst dem Stabilitätsziel unterordnen
Ungarns Exportwirtscha bricht derzeit alle Rekorde, die Binnennachfrage hingegen kommt nicht in Gang. Die Wirtscha spolitik kämp mit einem fundamentalen Zielkon ikt: sie muss eisern sparen, und will zugleich das Wachstum ankurbeln. Und das alles inmitten höchst nervöser internationaler Finanzmärkte. „Unorthodoxe“ Maßnahmen sollen das Dilemma lösen, sorgen aber zugleich für einige Verunsicherung.
Ungarns Überschuss beim Handel mit Waren und Leistungen erreichte im ersten Halbjahr des Jahres sagenha e zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes – doppelt so viel wie im Exportland Deutschland! Unter Europas Volkswirtscha en scha en nur Irland, Norwegen und die Schweiz noch höhere Überschüsse – die EU-Kommission spricht von einer „astronomischen Leistung“. Dabei war Ungarns Handelsbilanz noch bis 2006 chronisch de zitär – heute sind die Ausfuhren der wichtigste Pfeiler des Wirtscha swachstums. Doch trotz dieser beeindruckenden Exportstärke gilt Ungarn derzeit als eine der verletzlichsten Volkswirtscha en in der Europäischen Union. Grafik:

>> „Unorthodoxe“ Maßnahmen sollen das Dilemma lösen, sorgen aber zugleich für einige Verunsicherung
Warum? Hauptgrund ist die hohe Staatsverschuldung. Im September lag sie bei 82% der Wirtscha sleistung – mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der anderen osteuropäischen EU-Länder. Um Vertrauen an den Märkten zu scha en, hat die ungarische Wirtscha spolitik die Konsolidierung der Staats nanzen zur obersten Priorität erklärt. Das Wort „Sparpaket“ ist zwar im Sprachgebrauch der Regierung absolut tabu, doch faktisch hat Ungarn in den vergangenen Monaten einige „Haushaltskorrekturen“ vorgenommen, die es in sich haben. Solche Einschnitte dämpfen natürlich die Binnennachfrage. Ein beträchtlicher Teil der privaten Haushalte kämp schon jetzt mit der Bedienung seiner Fremdwährungskredite, zusätzliche Belastungen würden die Kau aune weiter belasten. Unternehmen können kaum abschätzen, wie sich Inlands- und Auslandsnachfrage entwickeln werden, und halten sich daher auch bei den Investitionen zurück. Und der Staat und die Kommunen haben selbst kaum Geld, um zusätzliche Au räge zu vergeben. gute Geschä e erwartet. Regierung, Europäische Kommission und zahlreiche Experten rechnen damit, dass die Ausfuhren erneut um acht Prozent steigen können. Weil die Einfuhren wohl in etwas geringerem Tempo zunehmen dür en, wird der Ausfuhrüberschuss noch höher ausfallen als im laufenden Jahr. Gestützt werden diese Erwartungen z.B. dadurch, dass Ende 2011, Anfang 2012 mehrere Großinvestitionen fertiggestellt wurden oder werden, deren Produktion fast ausschließlich in den Export gehen wird. Dazu gehören z.B. neue Fertigungsstätten von Bosch, eine Montagewerk von Mercedes oder neue Kapazitäten des Reifenherstellers Hankook. Doch neben solchen vielversprechenden Entwicklungen belasten auch mehrere Unsicherheitsfaktoren die Aussichten für 2012. Einer ist die Entwicklung der Auslandsnachfrage. Ungarn setzt 90% seiner Exportgüter in Europa ab, darunter mehr als drei Viertel in der EU. Dort aber werden laut EU-Kommission die Einfuhren im kommenden Jahr um weniger als drei Prozent wachsen. Die erfreuliche Ausnahme: in Deutschland, dem mit Abstand größtem Abnehmer ungarischer Waren, sollen die Einfuhren um fast 6% steigen. Angesichts der starken Korrelation zwischen der deutschen Konjunktur und der ungarischen Exportleistung (siehe Infogra k) gibt das Grund zur Zuversicht. Auch die Nachfrage in den neuen EU-Mitgliedsstaaten – auf sie entfällt bereits ein Fün el aller ungarischen Exporte – könnte deutlich schneller wachsen als in den alten EU-Ländern und somit Ungarns Absatzchancen verbessern.

» Unsicherheitsfaktoren für die Aussichten
Da ist es beruhigend, dass zumindest die Exportwirtscha auch im kommenden Jahr

im nächsten Jahr

Saldo des Handels mit Waren und Leistungen
(in Prozent des BIP, gleitender 12-Monatsdurchschnitt)
Quelle: Eurostat

10 8 6 4 2 0 -2 -4 -6 -8

Dienstleistungen Waren

» Refinanzierung der bestehenden
Unsicher bleibt hingegen die Finanzierungssituation des Staatshaushaltes. Mit Hilfe bereits beschlossener oder geplanter Steuermaßnahmen und Sparbeschlüssen wird Ungarns Haushaltsde zit im kommenden Jahr wohl erstmals unter der 3-Prozent-Marke bleiben. Mehrere Steuern wurden angehoben, neue eingeführt, die Mehrwertsteuer steigt 2012 auf den europäischen Rekordsatz von 27%. Auf der anderen Seite werden Sozialhilfe oder Berufsunfähigkeitsrenten an strengere Bedingungen geknüp , staatliche Museen und Kultureinrichtungen müssen ein Fün el der Beschä igten entlassen – die Liste ist lang. Ob all diese Maßnahmen auch dann noch ausreichend sind, wenn das Wirtscha swachstum geringer ausfällt als geplant, bleibt abzuwarten. Sicherheitshalber hat der Finanzminister erst einmal eine hohe Reserve in den Haushalt eingestellt. Doch auch die laufende Re nanzierung der

Schulden

2000Q4

2001Q4

2002Q4

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2005Q4

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2007Q4

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Ungarn

Magazin für Investitionsberatung

bestehenden Schulden am Markt bleibt eine schwierige Aufgabe – erst recht inmitten der europäischen Schuldenkrise. Frisches Geld am Markt aufzunehmen wird für Ungarn nicht nur schwerer, sondern auch teurer. Mitte November musste der Staat schon Renditen von bis zu 8,8% für neue Anleihen bieten – auf Dauer ist dies kaum nanzierbar. Möglicherweise wird Ungarn daher nach 2008 erneut auf die Hilfe des Internationalen Währungsfonds und der EU angewiesen sein.

akzeptieren müssen, noch dazu zu einem Wechselkurs, der mehr als ein Fün el unter dem aktuellen Marktkurs liegt. Die Verluste für die Finanzinstitute sind immens, und dür en deren Bereitscha , vor allem aber deren Fähigkeit zur Kreditvergabe an die Wirtscha weiter einschränken. Angesichts der wenig kalkulierbaren internationalen Märkte sucht die Regierung nach Wegen, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Große Ho nungen hatte man auf die Reform der Einkommenssteuer gesetzt. Anfang 2011 wurde eine „ at tax“ von 16% eingeführt, was die Bürger im laufenden Jahr um ca. 400 Milliarden Forint – immerhin eineinhalb Prozent des BIP – entlasten wird. Doch dieses Geld ießt nicht in den Konsum, sondern in die Tilgung von Krediten, höhere Verbrauchssteuern

Dirk Wölfer

» Binnennachfrage bleibt Sorgenkind

Und schließlich stellt auch die Entwicklung des Wechselkurses des Forint ein schwer zu kalkulierendes Risiko dar. Problematisch ist dies vor allem deshalb, weil zwei Drittel aller privaten Hypothekendarlehen auf Fremdwährungen lauten. Durch die Abwertung des Forint haben sich Zinsen und Tilgungen massiv – teilweise um die Häl e – verteuert, immer mehr Kreditnehmer können ihre Schulden nicht mehr bedienen. Die Regierung hat deshalb im Herbst per Gesetz erzwungen, dass Banken die vorzeitige, vollständige Ablösung von Devisenkrediten Grafik:

Seit 2004 Bereichsleiter Kommunikation bei der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer. Zuvor arbeitete er acht Jahre lang bei Standard & Poor’s MMS in Frankfurt, zuletzt als Abteilungsleiter für die Konjunkturund Kapitalmarktanalyse Osteuropas. Dirk Wölfer erwarb sein Diplom als Volkswirt an der Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest und verfügt außerdem über eine Ausbildung als Journalist. 

Entwicklung der ungarischen Ausfuhren und des IFO-Geschäftsklima-Index
(Veränderung zum Vorjahr in Prozent, gleitender 3-Monatsdurchschnitt)
Quelle: Ifo, KSH

50 40 30 20 10 0 -10 -20 -30 -40

Ifo-Index

ungarische Ausfuhren *

oder ins Sparschwein. Beim Einzelhandel kommt so gut wie nichts an, der Wohnungsbau ist fast zum Erliegen gekommen. Aber auch dem Staat als öffentlichem Au raggeber sind bei der Generierung von Nachfrage die Hände gebunden. Die Verwaltungen müssen bei den laufenden Ausgaben sparen, es gibt kaum noch Großau räge im Verkehrssektor oder der IT-Infrastruktur. Dies spürt vor allem die Bauwirtscha . Die Produktion schrump seit Jahren und ist heute um ein Drittel niedriger als 2005. Die Regierung plant zwar neue Instrumente zur Wohnungsbauförderung, doch Experten zweifeln, ob dies einen nennenswerten Impuls für die Bautätigkeit geben kann. Auch auf der Nachfrageseite bleibt damit als einzige reale Kra die Investitionstätigkeit der Privatwirtscha . Das verarbeitende Gewerbe steigerte seine Investitionen im ersten Halbjahr um stattliche 29%, die Energie- und Wasserversorger um 13%. Doch dies wird nicht reichen, die fehlenden Investitionen der ö entlichen Hand zu kompensieren, gesamtwirtscha lich werden die Investitionen 2011 wohl um 4-5% sinken, im kommenden Jahr bestenfalls stagnieren, eher jedoch abermals leicht zurückgehen. Doch egal, ob Ungarns Wirtscha im kommenden Jahr um ein halbes Prozent wächst oder auch schrump : der größte Erfolg wird darin bestehen, die Stabilität der Staats nanzen zu sichern. Das kann unter Umständen weitere Belastungen für Bürger und Unternehmen bedeuten, doch auch dies wäre in jedem Fall die bessere Alternative. Dirk Wölfer

Deutsch-Ungarische Industrieund Handelskammer
Tel.: +36/1/345-7624 Fax: +36/1/345-7614 H-1024 Budapest, Lövőház u. 30 E-Mail: woelfer@ahkungarn.hu www.duihk.hu

Mrz 97

Mrz 00

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-50

Sep 10

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TAB: WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG UNGARN
(Veränderung zum Vorjahr in %) BIP Inlandsverbrauch Private Konsumausgaben Staatliche Konsumausgaben Brutto-Anlageinvestitionen Ausfuhren Einfuhren Haushaltssaldo (in % des BIP) Bruttoverschuldung des Staates (% des BIP) Arbeitslosenrate (%)

Prognosen der Europäischen Kommission (November 2011)
2011 1.4 -0.8 0.2 -0.9 -4.9 9.1 7.1 3.6 75.9 11.2 2012 0.5 -0.8 -0.8 -0.7 -1.0 7.2 6.4 -2.8 76.5 11.0 2013 1.4 0.7 0.3 0.9 1.8 7.9 7.9 -3.7 76.7 11.3
Quelle: Europäische Kommission

Dez 97

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Jun 11

Jun 99

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Erfolgsgeschichte

Stetige und gute Arbeit zahlt sich auf Dauer aus
Über die Gründung und die unternehmerischen Aktivitäten einer mittelständischen deutschslowakischen Firma hat Standort mit Heinrich Freiherr von Hollen gesprochen
Es ist etwas ungewöhnlich für einen ehemaligen deutschen Berufso zier eine Firma in der Slowakei zu leiten. Wie haben Sie angefangen? Der Ausgangspunkt war „ die kleine Kampfgemeinscha “, also unser Anfang bei Volkswagen Slowakei. Wir hatten das Glück, uns in den Anfangsjahren entwickeln zu können. Es gab damals nur drei Nacharbeits rmen, heute gibt es mindestens sechzehn. Der persönliche Bekanntheitsgrad – unterlegt durch Leistung – erleichterte dies sehr. Die hierarchische Gliederung – Leitung, Direktor der Filiale, Techniker, Teamleiter, Vorarbeiter und Mitarbeiter mit wenig Unterstützungspersonal wie Dispatcher, QS und Buchhaltung haben wir beibehalten. Sie ist exibel genug, um schnell auf alle Anforderungen reagieren zu können. In Trnava entstand ein Werk von PSA, wo wir damals als einziger Dienstleister anfangen konnten. Ebenfalls bei KIA sind wir präsent. Und ich möchte auch mein persönliches Hobby erwähnen, in Bratislava restaurieren wir Oldtimer. erleichtern dies. Eine kleine Firmenzeitung vertie das alles. Welche Dienstleistungen bieten Ihre Firmen an? Für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer sind wir ein Dienstleister, der ihnen bei der Qualitätssicherung hil . Dazu gehören in erster Linie Sortierungen und Nacharbeiten. Der Ablauf: an einem Zulieferteil wird ein Problem festgestellt, meistens am Band, daher der immense Zeitdruck. Das Band darf nie stehen! Der Zulieferer und das Werk besprechen Lösungsmaßnahmen. Hier kommen wir dann zum Tragen. Im Jahr 2010 hatten wir 5033 verschiedene Au räge für über 680 Firmen abzuwickeln. Es sind einfache Arbeiten: passt die Mutter auf die Schraube? Oder komplexe Aufgaben: um einen Träger zu tauschen Aus- und Einbau des Armaturenbrettes. Bei Problemen in der Produktion richtet sich die Aufmerksamkeit aller Beteiligten auf den Ort des Geschehens. Das ist sehr spannend. Neben den Kernaufgaben stellen wir Personal für z.B. Bauteilverantwortliche und Zuliefer rmen, Ingenieure, Lakierer, Schweisser, Gabelstaplerfahrer usw. Aufgrund der heutigen Schuldenkrise erwarten die Firmen Probleme bei Produktion und beim Verkauf . Welche Lehre haben Sie aus der Krise 2008 gezogen? Im Oktober 2008 kam der überraschende Einbruch. Die Dienstleister sind die ersten, die das zu spüren bekommen, da die Firmen versuchen, ihr eigenes Personal einzusetzen und damit zu sparen. Besonders setzte sich dieser Trend in 2009 fort. Wir mussten bis zu 30 Prozent unseres Personals freisetzen. Eine schwere Entscheidung. Zwei bis drei Monate überbrückten wir durch Extrazahlungen. Gute Mitarbeiter zu verlieren ist das Schlimmste, was einer Firma passieren kann. Die Familie wird auseinandergerissen. Wegen der Krise haben sich die Preisverhandlungen wesentlich verschär . Seitens der Einkäufer wird unglaublicher Druck ausgeübt. Hinzu kommt, dass sich auf dem Feld der Dienstleister auch weniger leistungsfähige Firmen betätigen, die nur über den Preis auf den Markt drängen. Da die Automobilindustrie keinen einheitlichen Maßstäbe (wie z.B. ein Gütesiegel) für unsere Art Firmen hat, bekommt man das Gefühl, dass die Qualität bei der Auswahl hinter dem Preis zurücksteht. In 2011 ist die Produktion deutlich hoch gegangen. Die Frage ist nur, wann kommt aufgrund der erwähnten Krise in der Eurozone der nächste Einbruch? Viele Unwägbarkeiten.

Inzwischen sind Sie auch ins Ausland expandiert… Unsere erste Tochter arbeitet in Tschechien für ŠKODA Mladá Boleslav und die dortigen Zulieferer. Als Volkswagen ein Werk in Kaluga in RUSSLAND erö nete, waren wir mit unserer Tochter GOLLEN RUS dabei. Insgesamt haben wir schon 580 Mitarbeiter. Zu jeder Zeit dieser Entwicklung war es das oberste Ziel der Firmenleitung, den engen persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern aufrecht zu halten. Auf Grund der großen Entfernungen nicht immer leicht. Aber Veranstaltungen, Schulungen, persönliche Besuche und Gespräche und nicht zuletzt die Vertrauensleute

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Heinrich Freiherr von Hollen
TAB: DIE UMSÄTZE FÜR IN DEN
2006 2007 2008 2009 2010

LETZTEN 5 JAHREN BETRUGEN
4,5 Mill € 5,3 Mill € 5,9 Mill € 4,7 Mill € 7,0 Mill €

Was ist Ihr Fazit nach zehn Jahren als Dienstleister in der Automobilindustrie in Mittel- und Osteuropa? Es hat sich gezeigt, dass stetige und gute Arbeit sich auf die Dauer auszahlt. Dazu gehört auch, dass man zu Fehlern steht, keine Mauschelein zulässt, auf Kundenwünsche eingeht und zu seinem Wort steht. Natürlich ist bei allem Druck seitens der Bescha er eine gesunde Portion Selbstbewusstsein angebracht. Auf kurzfristige Erfolge gerichtete Aktionen sollte man tunlichst vermeiden. In dem Kreis der Qualitätsbeau ragten der verschiedenen Werke tri man sich immer wieder. Im Laufe der Jahre vergrößert sich dieser Kreis stetig. Damit wird der gute – oder auch schlechte – Ruf einer Firma weitergegeben. Unsere Firma HOLLEN steht und fällt mit der Qualität des Personals und dessen Bereitscha , sich voll einzusetzen.

Ihre Firma arbeitet in verschiedenen Ländern wie der Slowakei, Tschechien und auch Russland. Wie stellen sich für Sie die Unterschiede dar?
Bestand das Abitur in Braunschweig und beendete eine landwirtschaftliche Lehre 1960. Anschliessend war er Bundeswehroffizier – PanzerAufklärer. Nach Verwendungen in der Truppe aber auch bei der NATO verliess er 1987 die Bundeswehr, um den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb in Norddeutschland zu führen. Mit der Slowakei kam er 1995 erstmalig in Berührung, als er auf einem slowakischem Truppenuebungsplatz bei Zvolen während zweier Jahre Soldaten aus Pakistan und Bangladesh für die UN in Bosnien ausbildete. 2001 gründete er in Bratislava die Firma HOLLEN s.r.o., die als Dienstleister für die Qualitätssicherung in der Automobilindustrie arbeitet.

Die Automobilindustrie ist so verzahnt, dass die Prinzipien der Produktion und der Nacharbeit überall fast gleich sind. Daher gibt es auch einen „Rippele ekt“ bei Markteinbrüchen. Es tri alle. Daher ist es für uns egal, in welchem der genannten Länder wir unseren Hauptstandort haben. In der EU gibt es jetzt nur unwesentliche Unterschiede in den rechtlichen Arbeitsbedingungen. Au älliger sind die Unterschiede in den Leistungen der Mitarbeiter, wobei unseren Erfahrungen nach die Slowaken an der Spitze liegen, was Einsatzbereitscha betri . Mit Abstand am mühsamsten war und ist Russland. Dies gilt besonders für die rechtliche Seite im weitesten Sinne. Es ist alles anders. Ebenfalls fehlt die Bindung der Mitarbeiter an die Firma. Etwas, was hier unsere Stärke ist.

HOLLEN s.r.o.
Kosatcová 24/A 841 07 Bratislava Slowakei Tel: 00421 2 645 38 664 Fax: 00421 2 645 38 648 Mob: 00421 905 902 093 e-mail: hollen@hollen.sk www.hollen.sk www.oldtimer-hollen.sk

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MITTELEUROPA

Neue Entwicklungen im Bereich Outsourcing administrativer Tätigkeiten
Über die Aktivitäten und Pläne des slowakischen Beratungsunternehmens ACCACE in Mittel- und Osteuropa hat STANDORT mit dem Firmeninhaber Jiri Majer gesprochen.
Warum haben Sie sich für Outsourcing entschieden? In diesem Bereich scheint es auf den ersten Blick nicht viel Platz zu geben und eine Konkurrenz für die Big 4 (KPMG, Deloitte Touche, PricewaterhouseCoopers., Ernst & Young) können Sie, bei aller Ehre, nicht wirklich darstellen? Wir wollen unseren eigenen Weg gehen, und dafür sehe ich Platz am Markt. Für die BIG 4 ist das Hauptgeschä Audit und Beratung bei grossen Transaktionen. Wir konzentrieren uns auf Outsourcing von Buchhaltung, Gehaltsverrechnung und damit einhergehender Steuerberatung. Wir bieten Firmen in unserer Region, d.h. Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Rumänien und Ukraine, Buchhaltung in koordinierter, zentraler Form an. Der Vorteil ist, dass die Unternehmen für mehrere Staaten einen Partner haben. Die Unternehmen sagen uns, welches Reporting sie haben wollen, welche speziellen Anforderungen an die Abwicklung der Buchhaltung sie haben, und unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass in den verschiedenen Ländern mit spezi schen legislativen Rahmenbedingungen konzern/ rmeninterne Vorgaben bei gleichzeitiger Einhaltung gesetzlicher Anforderungen der konkreten Länder erfüllt sind. Sie scha en es, die Buchhaltung der regionalen Märkte zu vereinheitlichen? Ich glaube, dass wir in diesem Sinn der optimale Partner für Manager sind, die als Finanzleiter für mehrere Staaten in dieser Region zuständig sind. Wir sind in der Lage, unseren Kunden die Buchhaltungsdaten online zur Verfügung zu stellen, egal ob der Verantwortliche in Wien, Hamburg, Prag oder London sitzt. Wie können Sie einen derart anspruchsvollen Service gewährleisten? Die Finanzabteilung ist laut. Vertrag unsere Verantwortung und der Kunde zahlt uns grund der faktischen Online-Abru arkeit dafür. Unsere Mitarbeiter können, müssen der Buchhaltungsdaten auch kleineren Firaber nicht vor Ort tätig sein, das hängt vom men die nanziellen Ergebnisse jederzeit zur Wunsch unserer Kunden ab. Wichtig ist, dass Verfügung stehen und sie aufgrund dessen der Kunde nicht die gesamte So ware kaufen die Ausrichtung Ihrer Unternehmenstätigund eine eigene Buchhaltung au auen muss. keit korrigieren können. Ausserdem werden Die Dokumente werden lt. lokalen Regelungen die Buchhaltungsdaten auch mit den übrigen verbucht. Wir sind in der Lage, dann das Re- Systemen in der Firma (ERP, CRM, Web) geporting fuer ausländische Investoren sicher- teilt, was sich durch Einsparungen in Logistik, zustellen, diese Dienstleistung ist Versand, Einkauf, Lagerung oder sehr gefragt. Mit anderen Worten, im Produktionsprozess äussern Jiri Majer die Ergebnisse aus der regionalen kann. Eine automatisierte Buchhat sich vor einigen Buchhaltung werden von uns haltung bringt also nicht nur in Jahren entschieden, sich dem Bereich Outsourcing an die Bedürfnisse der Zentrale der eigentlichen Buchhaltungsadiverser administrativer in London oder der deutschen genda direkte Einsparungen, sonTätigkeiten Buchhaltung angepasst. dern auch aufgrund der Synergie (Lohnverrechnung, mit weiteren UnternehmenstätigBuchhaltung, Warum kann keiten. Steuerabwicklung, IT-unterstützte Outsourcing bzw. automatisierte Unternehmensplanung, Buchhaltung günstiger sein als Ab welchem e-workflow) zu der traditionelle Weg? Dokumentvolumen ist widmen. Der ehemalige eine Automatisierung der Gesellschafter eines Zu den Personalkosten (LöhBuchhaltung sinnvoll? tschechischen Beratungsunternehmens ne, Steuern und Abgaben für Tacoma Consulting. Arbeitnehmer) müssen Sie noch Die ktive Grenze, ab der Jiri Majer hat vor 6 die Kosten für Infrastruktur, SW, es sich lohnt, sehen wir bei ca. Jahren seinen Anteil an HW, Miete für Räume, Schulun15.000 Dokumenten pro Jahr. Ein diesem Unternehmen gen, ständige Aktualisierung der Vorteil kann sich jedoch auch bei verkauft und sein gesetzlichen Vorschri en usw. kleineren Volumina in Form einer eigenes gegründet - ACCACE. Heute ist das hinzurechnen. Grundsätzlich besseren Ubersichtlichkeit oder Unternehmen in über gilt, dass eine Firma mit hundert geringerer Kosten für die Lage5 Märkten mit und mehr Angestellten bei der rung alter Rechnungsdokumente Vollfilialen tätig, die Führung der Buchhaltungsagenergeben. Ausserdem ist das EDIMitarbeiteranzahl stieg da über Outsourcing bis zu 25% Format gemäss der Gesetzgebung von anfänglich 20 in der Slowakei auf mittlerweile der Kosten einsparen kannn. z.B. der tschechischen Republik über 250 in der Region. Ausserdem hil Outsourcing daein Format, bei dem die Authen bei, Schwachpunkte auch im Dotizität (das Dokument wurde kumenten- und Datenumlauf zu tatsächlich von demjenigen ausidenti zieren. gestellt, der es unterzeichnet hat) und die Integrität (es wurde bei Können Sie über Ihre der Zustellung nicht verfälscht) Aktivitäten auch die Papier ut erhalten bleibt, und damit für reduzieren? den elektronischen Verkehr mit diversen Behörden akzeptiert. Ja, über eine Umstellung der Buchhaltung auf automatisierte Verarbeitung minimiert man die Wer zählt zu Ihren manuelle Arbeit im ZusammenKunden? hang mit der Anscha ung der Dokumente für die Buchhaltung, Im Wesentlichen grosse ausda einen erheblichen Teil der ländische Investoren, z.B. TochTätigkeiten der Computer überterunternehmen von börsennonimmt. Die meisten Transaktierten Unternehmen. Darüber tionen werden in Form von EDI hinaus Immobilieninvestoren (elektronischer Datenaustausch) und Developer. Ausserdem Hanverbucht. Ein unumstrittener delsgesellscha en im Sinne von Vorteil ist die Tatsache, dass aufRegionalvertretungeen, die als

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MITTELEUROPA

TAB: Vergleich der standardmäßigen und der EDV-mäßigen Bearbeitung der Buchhaltung

Quelle: Accace

>> Grundsätzlich sehen wir einen klaren Trend zu einer verstärkten Outsourcingtätigkeit
Importeure, Grosshändler und Distributeure funktionieren. Eine dritte Säule sind Personalagenturen, Firmen aus dem Bereich IT bzw. Produktionsbetriebe mit einigen Hunderten/ Tausenden Mitarbeitern. Wo haben Sie Ihre eigenen Büros? In den Hauptstädten der Länder, in denen wir vertreten sind, Prag, Bratislava, Budapest, Bukarest, Warschau und Kiew, ausserdem ein Outsourcingcenter in Brno. Welche Entwicklungen sehen Sie im Bereich Outsourcing administrativer Tätigkeiten? Grundsätzlich sehen wir einen klaren Trend zu einer verstärkten Outsourcingtätigkeit, getrieben nicht nur durch die Wirtscha skrise und damit verbundene Sparmassnahmen, aber auch durch Faktoren wie –stark intensivierte Prüfung durch lokale Steuerbehörden in allen EU-Ländern, in Deutschland und Notwendigkeit von rechtzeitiger Abklärung potentieller Risiken bzgl. rmeninterner Transaktionen (Verp ichtung zur Transferpreisdokumentation) -laufende Änderungen in der Sozial- und Krankenversicherungsgesetzgebung in den jeweiligen Ländern, Ha ung der Geschä sführer fuer Richtigkeit der Abrechnungen (gilt für alle Bereiche) - ema Datensicherheit/Backup von gespeicherten Informationen - Notwendigkeit der Verfeinerung von Planungsprozessen (über Installation von ERPSystemen wie z.B. MS Dynamic NAV) - bessere Kalkulierbarkeit von Budgets im Fall von klaren Kalkulationsgrundlagen, Z.B. Kosten für Outsourcing der Lohn/Gehaltsagenda pro Mitarbeiter, Reduktion von Fixkosten - Notwendigkeit von intensiverer Kontrolle von Tochterunternehmen, um potentiellen

Risken (Wirtscha skriminalität/Bestechung) rechtzeitig entgegenzuwirken - neue, eigene Entwicklungen im Bereich e-documentation, e-work ow, und elektronische Buchhaltung über EDI, damit verbundene Kostenersparnisse von ca. 50% und mehr - bei Outsourcing bestimmter Bereiche übernimmt Accace die Ha ung für die Richtigkeit dieser Prozesse, dies ist auch durch eine entsprechende Versicherung abgedeckt, i.e. der Geschä sführer wird in diesen Bereichen entlastet und kann sich mehr dem Kerngeschä widmen.

Accace International Headquarters
Oswald Brandstetter Leiter Deutsche Kunden City Business Center 1., Karadžičova 8, 821 08 Bratislava, Slovakia Phone: +421 2 325 53 000 Fax: +421 2 325 53 001 Mobile SK: +421 9 058 36 193 E-mail: Oswald.Brandstetter@accace.com Web: www.accace.com

TAB: Berechnung der Effektivität der EDV-mäßigen Buchhaltung bei einer Anzahl von ca. 50.000 Dokumenten pro Jahr

Quelle: Accace

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