6 Mechanische Eigenschaften

Bei der Wahl der Legierung und der Halbzeugart für den jeweiligen Anwendungsfall sind neben der Beurteilung der Verarbeitungseigenschaften, wie Verformbarkeit, Schweißbarkeit und Zerspanbarkeit, sowie des Korrosionsverhaltens unter den beabsichtigten Einsatzbedingungen vor allem die Kenntnis der Festigkeits- und Duktilitätseigenschaften von Bedeutung. Die letzteren beiden Eigenschaften bestimmen sowohl die Auslegung des Bauteils als auch das Umformverhalten und das Verhalten unter Mißbrauch und Crash. In diesem Kapitel wird zunächst auf die Ermittlung der Festigkeitseigenschaften eingegangen und die Stoffgesetze betrachtet, die das Verhalten der Aluminiumlegierungen bei plastischer Verformung beschreiben. Weiterhin wird der Begriff der Duktilität behandelt, der für die Verarbeitung und für die Bauteilsicherheit eine entscheidende Rolle spielt. Wenn auch die Duktilität mit verschiedenen Kennwerten ausgedrückt wird, so ist letztlich der Bruchvorgang entscheidend, der durch das Gefüge, die plastische Vorgeschichte und den Spannungs- und Dehnungszustand beeinflußt wird. Der duktile Bruchvorgang durch Zugbeanspruchung („Modus I“) wird gemeinhin als Folge von Lochbildung und Lochwachstum in dem überbeanspruchten Werkstoffvolumen verstanden. Die Duktilität als Grenzmaß der plastischen Verformbarkeit wird – neben den Einflüssen des Spannungs- und Dehnungszustandes – allerdings durch Gefügeparameter beeinflußt und ist dadurch abhängig von den Herstellungsbedingungen und dem Werkstoffzustand. Auf diese Werkstoffeinflüsse wird besonders eingegangen. Schließlich wird das Verhalten unter zyklischer Beanspruchung betrachtet, das für Leichtbaukonstruktionen große Bedeutung hat. Die Mechanismen des Ermüdungsvorgangs und -bruchs werden ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Gefügeeinflüsse behandelt mit dem Ziel, Auswirkungen von Werkstoffzustand und Verarbeitungsbedingungen, z.B. durch mechanische Bearbeitung und Schweißen, auf das Schwingfestigkeitsverhalten verständlich zu machen.

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6 Mechanische Eigenschaften

6.1 Statische mechanische Kennwerte
Festigkeit und Verformbarkeit eines Werkstoffs sind abhängig vom Spannungs- und Dehnungszustand der jeweiligen Beanspruchungsart. Es ist daher üblich, die grundlegenden Festigkeitseigenschaften bei einem definierten Spannungszustand zu beschreiben, wozu der einachsige Zugversuch dient. Zugleich erhält man aus dem Zugversuch Aussagen über das Verfestigungsverhalten des Werkstoffs, d.h. über die Abhängigkeit des Verformungs- oder der Fließspannung vom Verformungsgrad. Zur Extrapolation der Fließspannung auf größere Verformungsgrade und zur Übertragung auf mehrachsige Beanspruchungszustände können weitgehend werkstoffunabhängige Berechnungsansätze herangezogen werden.
Festigkeitswerte

Grundlage für die Festigkeitsermittlung ist das (quasi-statische) Spannungs-Dehnungsdiagramm des Werkstoffs, das an genormten Zugprobestäben und nach genormten Durchführungsbestimmungen ermittelt wird [DIN EN 10002-1]. Als charakteristische Festigkeitsmerkmale werden daraus die 0,2% Dehngrenze, Rp0,2, und die Zugfestigkeit, Rm, bestimmt, s. Bild 6.1.1, die bei einer bleibenden Dehnung von 0,2% bzw. bei Höchstlast aus dem Last-Verlängerungsdiagramm durch Bezug auf die Ausgangsabmessungen der Probe, Querschnitt F0 und Meßlänge L0, ermittelt werden.

Bild 6.1.1 Definitionen im Spannungs-Dehnungsdiagramm für Aluminiumwerkstoffe

Da Aluminiumlegierungen – mit Ausnahme von AlMg-Legierungen – keine ausgeprägte Streckgrenze (Lüdersdehnung) haben, wird die Dehn-

6.1 Statische mechanische Kennwerte

281

grenze Rp0,2 als Bemessungskennwert bei einer 0,2% bleibenden Verformung gegenüber dem rein elastischen Verhalten ermittelt. Dieses „Setzen“ kann für die Stabilität von Druckstäben bereits kritisch sein. Für Stabilitätsrechnungen mit finiten Elementen wird daher das Spannungs-Dehnungsgesetz im Bereich und unterhalb der 0,2%-Dehngrenze üblicherweise durch das Ramberg-Osgood Werkstoffgesetz dargestellt. Näheres hierzu s. z.B. (Valtinat 2003). Eine Bestimmung der Stauchgrenze für Aluminium und seine Legierungen ist unüblich, da Dehngrenze und Stauchgrenze – anders als bei anderen Strukturwerkstoffen – nahezu identisch sind, s. Bauschingereffekt, Abschn. 3.1 und 6.4.
Bruchdehnung

Als Maß für die Duktilität dient die Bruchdehnung, A, die sich aus einem Anteil gleichmäßiger Dehnung der Meßlänge und – nach Erreichen der Maximallast – einer lokalen Einschnürdehnung zusammensetzt. Dadurch ergibt sich eine Meßlängenabhängigkeit der Bruchdehnung, die je nach Wahl des Probestabes als A5 oder A10 (kurzer bzw. langer Proportionalstab nach DIN 50145 (alt)), bzw. als A50 oder A80 (Meßlänge 50 mm bzw. 80 mm nach DIN EN 10002-1) bezeichnet wird und unterschiedliche Wertangaben beinhaltet. Durch die Meßlängenabhängigkeit ist die Bruchdehnung folglich kein grundlegender Duktilitätswert, kann aber als Verformbarkeitsmerkmal für vergleichende Qualitätsbeurteilung herangezogen werden. In den einschlägigen Normen über Aluminium und Aluminiumlegierungen – s. Anhang Tabelle A.3 – findet man garantierte Mindestwerte für 0,2-Dehngrenze, Zugfestigkeit und Bruchdehnung der handelsüblichen Aluminiumlegierungen, Formate und Halbzeuge, die als Grundlage für konstruktive Berechnungen und für Regelwerke herangezogen werden müssen. Die Mindestwerte ergeben sich durch Auswertung einer statistisch signifikanten Anzahl von Prüfungen verschiedenster Chargen, die auch den Einfluß der Materialdicke und der unterschiedlichen Produktionsabläufe bei verschiedenen Herstellern berücksichtigen. Gegenüber den Mindestwerten sind die Mittelwerte oder „typischen“ Werte aussagefähiger für das Werkstoffverhalten, da sie die gegenläufige Abhängigkeit von Festigkeit und Duktilität richtiger wiedergeben. Typische Festigkeitseigenschaften für zahlreiche handelsübliche Knetlegierungen enthält Tabelle A.1.2 (Anhang).
Gleichmaßdehnung

Die Gleichmaßdehnung, Ag, stellt das Werkstoffverhalten unter definiertem einachsigen Spannungszustand dar. Als Werkstoffkennwert für die

282

6 Mechanische Eigenschaften

Verformbarkeit ist die Gleichmaßdehnung deshalb aussagefähiger als die Bruchdehnung, die die lokale Dehnungskonzentration im Einschnürbereich unter dem dort herrschenden mehrachsigen Spannungszustand enthält. Der Wert der Gleichmaßdehnung aus dem einachsigen Zugversuch ändert sich jedoch mit dem Spannungs- und Dehnungszustand, s. Verlauf der Grenzformänderungskurve in Abschn. 6.7.3. Die Gleichmaßdehnung, Ag, wird entsprechend den Definitionen in Bild 6.1.1 bei Maximallast (dP = 0) erreicht. Moderne Zugprüfmaschinen erlauben die automatische, rechnergestützte Auswertung des Zugversuchs und ergeben zuverlässige Werte für die Gleichmaßdehnung, sofern entsprechende Filter zum Ausgleich von dynamischen Reckalterungserscheinungen im Rechnerprogramm vorgesehen sind (Aegerter et al. 2003). Wie unter Abschn. 6.2 beschrieben ist die Gleichmaßdehnung auch Ausdruck des Verfestigungsvermögens des Werkstoffs. Die Gleichmaßdehnung erreicht bei Aluminiumknetlegierungen höchste Werte in den Zuständen lösungsgeglüht und weichgeglüht und nimmt mit zunehmender Kaltverfestigung und Aushärtung ab.
Brucheinschnürung

Die Brucheinschnürung, Z, wird häufig als grundlegender Duktilitätswert oder als Maß für die Grenzverformbarkeit des Werkstoffs betrachtet, da sie die Verformbarkeit im Augenblick des Trennbruchs darstellt. Der Wert der Brucheinschnürung enthält die Auswirkungen der mikrostrukturellen Vorgänge der Bruchbildung und gibt Hinweise auf das Bruchverhalten. Als Brucharten treten der Einschnürbruch (Tasse-Kegel-Bruch), der Scherbruch oder ein Mischbruch beider Arten auf. Für die Aussagefähigkeit und Vergleichbarkeit der Brucheinschnürung sind die Probenform sowie die Bruchart und -lage zu berücksichtigen, s.a. Abschn. 6.3. Durch die bei duktilen Werkstoffen auftretende Einschnürung unterliegen die Bruchmechanismen dem Einfluß des Spannungszustands, der zur Probenachse hin an Mehrachsigkeit zunimmt. Die Ermittlung der Brucheinschnürung erfolgt durch das manuelle Ausmessen der Bruchfläche, Fbr, des Zugstabes mit üblicher Meßtechnik, lichtmikroskopisch oder mit Tastern. Die Brucheinschnürung, Z, errechnet sich durch Bezug der Querschnittsänderung F0 – Fbr auf den Ausgangsquerschnitt, F0, nach der Beziehung Z = (F0 – Fbr)/F0.100 [%] (6.1.1)

Die sog. „wahre“ Bruchdehnung ϕbr errechnet man aus Z als logarithmische Formänderung wie folgt:

6.1 Statische mechanische Kennwerte

283

ϕbr = ln(1/1-Z) = ln(F0/Fbr)

(6.1.2)

Während bei zylindrischen Probenquerschnitten und mäßiger Anisotropie die Ermittlung von Z relativ zuverlässige Meßwerte ergibt, ist bei dünnen Flachproben dieser Duktilitätswert mit einer gewissen Meßunsicherheit behaftet. Hinzu kommt, daß die Einschnürzone bei Flachproben normalerweise nicht senkrecht zur Probenachse verläuft, sondern unter einem Winkel, der theoretisch bei einem isotropen Werkstoff 54,7° beträgt (Hill 1950, McClintock et al. 1966). Abweichungen vom theoretischen Winkel lassen auf Textureinflüsse schließen. In der Praxis streuen die Winkel der Einschnürung bei Flachproben zwischen 52° und 66° (Webernig et al. 1986). Durch Ermittlung der Brucheinschnürung kann man die „wahre“ Bruchfestigkeit, σbr, bestimmen. Wenn die Bruchlast, Pbr, im Zugversuch mit ausreichender Genauigkeit ermittelt werden kann, ergibt sich die Bruchfestigkeit („Reißfestigkeit“), Rbr, durch Bezug auf die Bruchfläche Fbr. Allerdings wird die Bruchlast durch den mehrachsigen Spannungszustand erhöht. Die Korrektur der experimentellen Meßwerte auf den einachsigen Spannungszustand wird üblicherweise nach dem Vorschlag von Bridgman (Bridgman 1952) anhand der halbempirischen Formel
σ br = Pbr / Fbr (1 + 2R/rn ) ⋅ ln(1 + rn /2R )

(6.1.3)

vorgenommen, indem das Verhältnis des Radius des Probenquerschnitts, rn, zum Radius der Einschnürzone, R, ermittelt wird, s. Bild 6.1.2. Für die Bridgman-Korrektur ist daher die Ermittlung des kleinsten Einschnürradius, R, erforderlich.

Bild 6.1.2 Bezeichnungsweise zur Korrektur nach Bridgman

284

6 Mechanische Eigenschaften

Kennwerte des Torsionsversuchs

Der Torsionsversuch eignet sich vornehmlich für die Ermittlung von Fließkurven – s. Abschn. 6.2 –, liefert aber auch zuverlässige Informationen über die wahre Duktilität des Materials, da bis zum Bruch keine Einschnürung entsteht und deshalb der reine Scherspannungszustand unverändert bleibt. Er wird an Probestäben mit zylindrischer Meßlänge durchgeführt, s. Bild 6.1.3. Problematisch ist der Gradient der Scherung γ und Schubspannung τ über dem Probenradius R, dem bei der Auswertung des Versuchs Rechnung getragen werden muß. Die Scherbruchdehnung γmax beim Probenbruch bezieht sich auf den Durchmesser der Probe. Nach Umrechnung über ein Fließkriterium in die Vergleichsdehnung entspricht sie der „wahren“ Bruchdehnung ϕmax des Materials bei einem Mehrachsigkeitsgrad T = 0 (s. Abschn. 6.7.1). Der Torsionsversuch ist vor allem dann sinnvoll, wenn einerseits eine vollständige Fließkurve des Materials bestimmt werden soll und andererseits genügende Materialdicke vorliegt (Schmiedeteile, Strangpreßteile, Platten). Die Torsionsfließkurven eignen sich besonders für die Berechnung oder Abschätzung des Kraft- und Arbeitsbedarfs beim Kaltfließpressen, bei dem hohe Umformgrade auftreten können, s. Kap. 11. Im Anh. A.1.7 sind Fließkurven für verschiedene Legierungen in unterschiedlichen duktilen Ausgangszuständen dargestellt, die im Torsionsversuch ermittelt wurden.

Bild 6.1.3 Zur Definition der Größen im Torsionsversuch

Für die Umrechnung von Drehmoment Mt in Schubspannung τ kann der Ansatz von Ludwik und Scheu (Ludwik et al 1925) gewählt werden
τ=
1 2 ⋅ π ⋅ R3 ⎡ d Mt ⎤ ⋅ ⎢3M t + γ R ⋅ ⎥ dγ R ⎦ ⎣

(6.1.4)

mit τ = Schubspannung [N/mm²], R = Radius der Probenmeßlänge, L =

10-3 s-1 und ausgewertet nach verschiedenen Fließkriterien sowie im Zugversuch (Rp0. 6. Mt = Drehmoment [Nm].1. Abschn.1. s.10-4 s-1 .9 %. Rm = 271 N/mm².B.1. von der Legierungszusammensetzung und dem Werkstoffzustand ab. A5 = 18. der Schubspannungshypothese von Tresca oder der Gestaltänderungsenergiehypothese von v. Die Scherung γR errechnet sich aus γR = φ ⋅R L = 2 ⋅ π ⋅U ⋅ R L (6.1. hängt u. z.1 enthält Vergleichsangaben für verschiedene Aluminiumlegierungen im Zustand weich. Z = 40 %) mit dϕ/dt = 5. Die unter reiner Scherung im Torsionsversuch ermittelten „wahren“ Bruchdehnungswerte sind deutlich höher als die Werte aus der Einschnürung im Zugversuch. Tabelle 6.5) mit U = Zahl der Umdrehungen.4 zeigt eine bessere Übereinstimmung mit der nach v. Bild 6.1 Statische mechanische Kennwerte 285 Meßlänge der Probe.4 Fließkurven der Legierung EN AW-6082-T4 (Schmiedeteil) in doppellogarithmischer Darstellung ermittelt im Torsionsversuch mit dϕ/dt = 8. γR = Scherung bei Radius R und φ = Verdrehwinkel. Die Umrechnung von Schubspannung τ in Normalspannung kf (Fließspannung) erfolgt mit Hilfe eines geeigneten Fließkriteriums.1. Mises berechneten Fließkurve.7.2 %.a. Ag = 13.2 = 181 N/mm². Der Vergleich der Fließkurven aus Legierung EN AW-6082-T4 mit der aus dem Zugversuch ermittelten Fließkurve in Bild 6. Mises. Welches Fließkriterium die bessere Übereinstimmung mit den Zugversuchsergebnissen liefert.6.

46 0.1.85 1. sondern auf die momentanen Probenquerschnitte und -längen (F.und Torsionsversuch Legierung EN AW1050A-0 2017A-0 3003-0 5754-0 5049-0 6060-0 6061-0 6082-0 7020-0 7075-0 *) Rm Rp0.5 32 29 30 27 35 29 27 25 Z [%] 95 57 84 81 53 77 63 70 51 45 ϕBr [–] 2. nämlich das Verfestigungsvermögen und die Anisotropie der mechanischen Eigenschaften.89 2.10 2.59 *) ϕmax *) [–] 3.83 1.1 Wahre Bruchdehnung im Zug.12 1. Anisotropie.oder Warmaushärtung erzeugt.65 1. Abgesehen von den zuvor genannten Festigkeits.76 1.66 0.20 0. 3.20 ϕ max = γmax /2 (n.84 1. Abschn.286 6 Mechanische Eigenschaften Tabelle 6. Wegen der größeren plastischen Formänderungen werden Spannungen und Dehnungen nicht auf die Ausgangsdimensionen (Meßlänge L0 und Meßlängenquerschnitt F0). Verformbarkeit Das plastische Verhalten der Aluminiumwerkstoffe wird bestimmt durch Verfestigungs.45 1. Tresca) Duktilität im Zugversuch ϕBr = ln(1/(1-Z). die für die Beschreibung des plastischen Verhaltens bei größeren Formänderungen von erheblicher Bedeutung sind.2. Dieser Zustand wird durch Weichglühen oder – bei aushärtbaren Legierungen – durch eine Lösungsglühung und anschließende Kalt. Das für das plastische Verhalten verantwortliche Versetzungsverhalten kann sich jedoch im Weichzustand deutlich vom Versetzungsverhalten im Aushärtungszustand unterscheiden und dadurch letztlich auch den Bruchvorgang unter statischen und zyklischen Beanspruchungen beeinflussen. Duktilität im Torsionsversuch 6.99 1.71 0.99 0.und Entfestigungsvorgänge.25 1.92 2.24 3. Beide Prozesse werden entscheidend von der Legierungszusammensetzung und vom Gefügezustand beeinflußt. Verfestigung.2 Fließkurve. Als Ausgangszustand für die Betrachtungen zum plastischen Verhalten wird üblicherweise der unverformte. rekristallisierter Zustand gewählt. der sich durch eine geringe Anfangsdichte an Versetzungen auszeichnet. Die Beziehung zwischen den auf die .1.2 [N/mm²] [N/mm²] 62 105 120 206 77 141 78 203 80 213 65 100 44 115 84 140 76 180 82 212 A5 [%] 48 19. s.und Duktilitätswerten können aus dem Zugversuch zwei weitere Werkstoffangaben entnommen werden. L) bezogen und als „wahre“ Spannungen und Dehnungen (oder Formänderungen) bezeichnet.

zwischen ε = 5 und 15% plastischer Dehnung oder zwischen ε = 2% und (Ag – 1) %.2. J.ϕ n (6.3) Fließkurve Durch Umrechnung der Spannungs-Dehnungskurve (σ = f(ε)) über dem Bereich der Gleichmaßdehnung in die „wahre Spannungs-Dehnungskurve“ erhält man die sog. σ = P/F0. ϕ.2. und Dehnungen. Der Verfestigungsexponent. Verformbarkeit 287 Ausgangsdimensionen bezogenen Spannungen.4a) Hierin bedeuten n der Verfestigungsexponent. Zu Vergleichszwecken sollte daher der n-Wert mit dem Dehnungsbereich der Auswertung gekennzeichnet werden.H. n. σ0 die Fließgrenze bei ϕ = 0 und K eine Konstante („Verfestigungskoeffizient“). Anisotropie. Ludwik bzw.ϕ n bzw. Die Beziehung zwischen Fließspannung und logarithmischer Formänderung kann näherungsweise durch eine parabolische Funktion ausgedrückt werden: kf = σ0 + K. Verfestigung. und als „logarithmische Formänderung“ bezeichnet. kf = K. z. σw. ε = (L – L0)/L0. und den „wahren“ Spannungen. Empfehlungen für die Auswertung .2. Fließkurve kf = f(ϕ) des Werkstoffs.2) Die Größen σw und ϕ werden in der Umformtechnik als „Fließspannung“. und Dehnungen. bezogenen Dehnungsinkremente.1) (6. L.2. wurde zuerst (1909) von Ludwik (Ludwik 1909) vorgeschlagen: σw = σ(ε + 1) (= kf) ϕ = ln(ε + 1) (6. Hollomon zugeschriebenen Fließgesetze bilden sich bei doppelt logarithmischer Auftragung als Gerade mit der Steigung n ab. kf. Die logarithmische Formänderung ϕ ergibt sich aus der Integration aller auf die momentane Meßlänge.L0: ϕ= L0 ∫ L dL L = ln = ln(ε + 1) L L0 (6. dL.B.6. ist jedoch bei genauerer Analyse über der gesamten Fließkurve nicht konstant. Diese P.2 Fließkurve.4b) (6. über der Gesamtlängenänderung L .2. Der n-Wert wird daher je nach Übereinkunft für einen bestimmten Dehnungsbereich ausgewertet.

4b)).4) und dσw/dϕ = n. ϕn-1 ergibt sich n = ϕ = ϕg bzw.5) mit F = momentanem Probenquerschnitt bei Höchstlast P. Weiche Werkstoffzustände liefern günstige n-Werte. Kaltverfestigungen. ist günstig für alle Umformvorgänge und verzögert die plastische Instabilität. L = momentaner Meßlänge. dσw/dϕ = σw Aus Gl. F (6. Der n-Wert beschreibt das Verfestigungsvermögen des Materials und beeinflußt die Gleichmaßdehnung. Unterstellt man der SpannungsDehnungskurve in Bild 6. vermindern den n-Wert deutlich. auch geringe Verfestigungsgrade. Ag. σw = „wahre“ Spannung (Fließspannung.2.K.1.dF + F.h.2. (6. Abgesehen vom Werk- . (Gl. das Versagen durch Einschnürung und Bruch.05 und 0.2.6b) (6.B.dσw = 0 bzw. d.6a) Ein hoher n-Wert entspricht also einer hohen Gleichmaßdehnung. ISO 10 275.288 6 Mechanische Eigenschaften des Verfestigungsexponenten enthält z.4.6c) (6.1 das Ludwik-Hollomonsche Fließgesetz. Je nach Aluminiumlegierung und Werkstoffzustand ergeben sich n-Werte zwischen 0. (6. erhält man bei Höchstlast (dP = 0) eine Äquivalenz zwischen nWert und (logarithmischer) Gleichmaßdehnung (Dieter 1961): P = σw . dσw/σw = − dF/F = dL/L = dϕ bzw.2.1. kf) und ϕg = „wahre“ (logarithmische) Gleichmaßdehnung bei Höchstlast gilt: dP = σw. Ag = en – 1 (e = Eulersche Zahl) (6.2.

Bild 6. wobei die Zugproben in drei verschiedenen Orientierungen zur Walzrichtung entnommen wurden. Schmieden). Die Zuverlässigkeit der Extrapolation setzt jedoch eine möglichst genaue mathematische Übereinstimmung mit der experimentellen Fließkurve voraus.1.2.2. Bild 6. gestreckt oder Fasergefüge – Einfluß auf die Orientierungsabhängigkeit der Fließkurve. Darüber hinaus haben Korngröße und -form – globulitisch. Die mathematische Modellierung des Fließgesetzes ermöglicht die Extrapolation der Fließkurve über die Gleichmaßdehnung des Zugversuchs hinaus. Wie die Fließkurven in Bild 6. Strangpressen. Verfestigung. Bild 6.2.2 Fließkurve. aber gegenüber dem Fließgesetz von Ludwik-Hollomon komplexeren Funktionsansätzen hat sich der Ansatz von Voce (Voce 1948) für Aluminiumlegierungen als besonders geeignet herausgestellt.1 zeigen. Unter den verschiedenen alternativen. Die Intensität des Orientierungseinflusses ist abhängig von der Legierungszusammensetzung und vom Werkstoffzustand sowie von den Herstellungsbedingungen (Walzen. Die Fließkurven wurden mit Hilfe der Ludwik-Beziehung extrapoliert.a .2.2. s. die auf Textureinfluß beruhen. Bild 6.6. Anisotropie. was für höhere Umformgrade sowie für FEM-Rechnungen von Verformungsprozessen erforderlich sein kann. Verformbarkeit 289 stoffzustand wird der n-Wert von der Legierungszusammensetzung und der Korngröße beeinflußt. ist das Fließverhalten Orientierungseinflüssen in der Blechebene unterworfen. s.1.1.2.a und b zeigt beispielhaft Fließkurven von Walzblechen der Aluminiumlegierungen EN AW-5754-O und EN AW-6016-T4.

S.290 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6. Hydro Aluminium Deutschland GmbH) Bild 6.1 Fließkurven von Blechwerkstoffen der Legierungen a) EN AW-5754-0 und b) EN AW-6016-T4 in verschiedenen Orientierungen zur Walzrichtung.2 Extrapolation der Fließkurve der Blechlegierung EN AW-5754-0 mit den Fließgesetzen von Ludwik.. Hydro Aluminium Deutschland GmbH) . Tabelle 6.1 (Quelle: Keller. Hockett-Sherby und Voce.2.2.. Die Fließkurven wurden mit Hilfe der Ludwik-Beziehung extrapoliert (Quelle: Keller.2. Koeffizienten s.2. S.b Bild 6.1.

4 134. Anisotropie.7 432.006 0. φ). 90°) als auch unter 45° zur Walzrichtung ermittelt. ϕt.3 427. (1 . Er wird daher sowohl in Walzrichtung (WR.2 nach Ludwik. Hydro Aluminium Deutschland GmbH) Legierung Orientierung Ludwik Rp0.293 kf = kfS .9 264.5 2829 2616 2641 Von besonderem Interesse für die Beschreibung des plastischen Verhaltens ist die sog.1 Koeffizienten der verschiedenen Fließkurvenextrapolationen in Bild 6.0 160. quer zur Walzrichtung (QR.2 Fließkurve. Prüfbestimmungen enthält die Norm ISO 10 113.4 138. rekristallisierten Zuständen vor.300 0. Bei einem Wert von r = 1 liegt isotropes Verhalten vor.(kfS .948 0.0 88.exp(-Θ0. φn) 89.006 0.2. Der r-Wert ist texturabhängig und ändert sich folglich mit der Orientierung in der Blechebene.9 186. wodurch bei Streckziehvorgängen plastische Instabilität durch Einschnürung begünstigt wird.2.7) In modernen Prüfmaschinen kann der r-Wert kontinuierlich oder bei bestimmten Verformungsgraden ermittelt werden.2. r.09 12.2 87.30 0. exp(-m . erhält man gemäß . zur Dickenrichtung. eines Zerreißstabes bei einer bestimmten Längsdehnung. S. ϕb. „senkrechte Anisotropie“.9 275. im Bereich der Gleichmaßdehnung: r= ϕb ϕt (6.2. φ > φ*: kf = K.947 kf = kf0 + (kf1 + Θ1. Den mittleren r-Wert. rm. In diesem Fall ist der Fließwiderstand in Blechdickenrichtung geringer als in Breitenrichtung.006 451.297 0.9 86. 0°).kf0). ϕl .. Hockett-Sherby und Voce am Beispiel der Legierung EN AW-5754-O (Quelle: Keller.1 140. haben allerdings in diesen Zuständen rWerte < 1. Verformbarkeit 291 Tabelle 6.938 0. Gut umformbare Aluminiumwerkstoffe liegen meistens in geglühten.15 12. Verfestigung. φn 97 93 95 0. Sie ist definiert als das Verhältnis der logarithmischen Formänderungen in Breitenrichtung.7 263.2 MPa φ* – K MPa n – Hockett-Sherby kf0 MPa kfS MPa m – n – Voce (modifiziert) kf0 MPa kf1 MPa Θ1 MPa Θ0 MPa AlMg3-O/H111 0° zur WR 45° zur WR 90° zur WR φ < φ*: Rp0.6 193.6.7 0.6 85.2 12. φ/ kf1)) 91.

herstellerabhängig.292 rm = 6 Mechanische Eigenschaften r0° + 2 ⋅ r45° + r90° 4 (6. Die Höhe und Verteilung des r-Wertes in der Blechebene hat Auswirkungen auf die Form der Fließortkurve und kann zur groben Bestimmung der Fließortkurve herangezogen werden. Die r-Werte wurden bei der jeweiligen Gleichmaßdehnung ermittelt.bzw.3 Senkrechte Anisotropie r in Abhängigkeit von der Orientierung zur Walzrichtung für verschiedene Legierungen bzw. Allerdings hängt der r-Wert stark von den thermo-mechanischen Parametern des verwendeten Walzprozesses ab und ist deshalb produkt.3. Tabelle A. Werkstoffzustände. Bild 6. QR = quer zur Walzrichtung Allgemein ist ein möglichst hoher und gleichmäßiger r-Wert in der Blechebene für gutes Umformverhalten vorzuziehen. vgl. Die Variation des r-Wertes in der Blechebene wird als ebene Anisotropie.1.2.2. ∆r.2. Kaltverfestigte Legierungen haben allgemein eine stärkere Orientierungsabhängigkeit als Legierungen in weich. bezeichnet und ausgedrückt durch: .oder lösungsgeglühten Zuständen.8) Beispiele für die Orientierungsabhängigkeit der senkrechten Anisotropie zeigt Bild 6.6. Bei größeren r-Wertunterschieden bilden sich beim Tiefziehen von Näpfen Zipfel und meßbare Schwankungen in der Wanddicke aus. WR = Walzrichtung.

a. 2002). Näheres hierzu s. Abhängig von der Art der Kaltverformung bildet sich bei hohen Verformungsgraden eine diskrete Verformungstextur heraus. rm. das durch die Zunahme der Leerstellendichte begünstigt wird.1.2. 3. Durch Zulegieren von substitutionsmischkristallbildenden Elementen. Der spezifische Vorgang der Umwandlung von Zellwänden in Subkorngrenzen ist umstritten. wird aber vermutlich durch Versetzungsklettern gesteuert. Der Verfestigungsprozeß wird daher zunehmend überlagert von einem dynamischen Erholungsprozeß. König et al.6.6 (Anhang) enthält r-. mit denen mathematische Modellierungen entwickelt werden konnten (Zehetbauer 1993. bis durch dynamische Erholung ein Sättigungszustand eintritt. 1995). Schließlich wandeln sich die Zellwände in konkrete Subkorngrenzen um. Mit der Zunahme der Versetzungsdichte und der Reaktion der Versetzungen untereinander wird der Fließwiderstand erhöht.1. s. Die Bildung von Versetzungszellen wird durch Quergleiten von Versetzungen begünstigt.9) Die ebene Anisotropie ∆r kann positive oder negative Werte annehmen.6. was sich in einer Abflachung der Fließkurve äußert.1. Mit zunehmender Verformung verringert sich die Zellgröße.B. Über die Evolution des Gefüges im Verlauf der Fließkurve von unlegiertem und niedriglegiertem Aluminium gibt es relativ gesicherte Vorstellungen. Tabelle A. z.B. (Pöhlandt et al. einschlägige Fachliteratur. das bei Aluminium aufgrund seiner hohen Stapelfehlerenergie besonders ausgeprägt ist. gleichzeitig kommt es zu energetisch günstiger Anordnung und gegenseitiger Auslöschung von Versetzungen. s. a. die Versetzungsdichte im Zellinneren nimmt zu.und ∆r-Werte sowie die zugehörigen charakteristischen Werte der Fließkurven von einer Reihe verschiedener Aluminiumblechlegierungen. Nes et al. Verfestigung. 1990. Anisotropie. Verfestigungsverhalten Verformungsverfestigung ist das Ergebnis von Versetzungsmultiplikation und der Anordnung der Versetzungen in bestimmten Strukturen. in AlMg-Legierungen. z. wodurch die Lage der Zipfel zur Walzrichtung bestimmt wird. Bild 3. Abschn.2 Fließkurve. Im weiteren Verlauf erhöht sich die Versetzungsdichte der Zellwände und die Mißorientierung zwischen den Zellen nimmt bis zu einem Sättigungswert von 3–4° zu. wird das Verfestigungsverhalten deutlich ver- . In Reinaluminium arrangieren sich bereits bei geringen Verformungsgraden die Versetzungen in einer Zellstruktur mit diskreter Zellgröße und Versetzungsdichte der Zellwände sowie mit einer geringen Versetzungsdichte im Zellinneren. Verformbarkeit 293 ∆r = r0° − 2 ⋅ r45° + r90° 2 (6.

Abschn. was wiederum dazu beiträgt. was durch einen . obwohl die Ausscheidungsphasen noch schneidfähig sind. die Verringerung der freien Weglänge der Versetzungsbewegung und das planare Gleitverhalten trotz hoher Stapelfehlerenergie angesehen.2. Als wichtigste werden die Bremswirkung der gelösten Fremdatome auf die Versetzungsbewegung. 2003). Im Kaltaushärtungszustand bzw. 3. die deren Bewegung behindert und außerdem die dynamische Entfestigung unterbindet (Deschamps et al.1.1. Dieser Vorgang erzeugt zunächst eine größere Versetzungsdichte. „Versetzungszellen“. wodurch der Fließwiderstand erhöht wird. aber das Verfestigungsvermögen nimmt bei weiterer Verformung infolge des frühzeitigeren Einsetzens von dynamischer Entfestigung ab (Dumont et al. s. Ein Anzeichen hierfür ist die häufig überproportionale Abnahme der Zugfestigkeit im Verhältnis zur 0. Bei vollständiger Kohärenz (Cluster und GP-Zonen bei der Kaltaushärtung oder bei unvollständiger Warmaushärtung) schneiden Versetzungen die Ausscheidungszonen in der Gleitebene und vernichten dadurch deren blockierende Wirkung. Mit dem teilweisen oder vollständigen Verlust der Kohärenz bei Überalterung (Zustand T7) wird der Übersättigungsgrad des αMischkristalls gering.und Entmischungsgrad nehmen diese Einflüsse ab. Das Verfestigungsvermögen sollte dadurch abnehmen. und der Fließwiderstand erhöht sich im frühen Stadium der Verformung. Deshalb wird vermutet. Abschn. daß bei der plastischen Verformung eine dynamische Ausscheidung an Versetzungen verursacht wird. daß Versetzungen die Ausscheidungspartikel nun leichter „umgehen“ können.2. Die Folge dieser Einflüsse ist ein hohes Verfestigungsvermögen sowie eine hohe Gleichmaßdehnung im Zustand T4. In Gegenwart von Sekundärausscheidungsphasen hängt das Verfestigungsverhalten stark vom Kohärenzgrad und der Stabilität der Partikel ab (Cheng et al. Möglicherweise kann neben dem Versetzungsschneiden der Aushärtungszonen auch die Bindung von eingeschreckten Leerstellen an Cluster und GP-Zonen ein mehr planares Gleitverhalten erzeugen. Bild 3. 1999).4. bei Teilaushärtung ist außerdem noch ein deutlicher Grad an Übersättigung gelöster Fremdatome vorhanden.2%Dehngrenze im Bereich der Überhärtung. Näheres s. wodurch gleichzeitig der dynamische Entfestigungsprozeß erschwert wird. 2003).294 6 Mechanische Eigenschaften ändert. Typisch für die Zunahme der dynamischen Entfestigung in überhärtetem Material ist auch die verringerte Gleichmaßdehnung. Mit zunehmendem Aushärtungs. 3. Dadurch wird das Quergleitverhalten begünstigt. was aber im Gegensatz zu dem tatsächlich beobachteten hohen Verfestigungsvermögen nach Kaltaushärtung (T4-Zustand) steht. Verantwortlich hierfür ist eine Reihe von Faktoren.2. Abschn. s. Im vollwarmausgehärteten Zustand (T6) ist das Verfestigungsvermögen am geringsten.

2 Fließkurve.2. verringern sich Gleichmaßdehnung und Bruchdehnung Bild 6. Die deutliche Zunahme der Brucheinschnürung Z bzw. der Bild 6. Verformbarkeit 295 Vergleich der Spannungs-Dehnungskurven in Bild 6.2. Rundproben in Walzrichtung aus 35 mm dicken Walzplatten (Ostermann 1975) .5 Einfluß des Aushärtungsverlaufs auf die Abhängigkeit der wahren Bruchdehnung ϕBr und des Verfestigungsexponenten n von der 0.4 Einfluß von Teilaushärtung (Zustand T64).6. Während im Verlauf der Aushärtung die Brucheinschnürung zunimmt. Vollaushärtung (Zustand T6) und Überhärtung (Zustand T7X) auf die Spannungs-Dehnungskurve für AlMgSi0. Anisotropie. Verfestigung.2.2%-Dehngrenze bei der Legierung 7075.5 widerspiegelt.4 deutlich wird und sich auch in dem niedrigeren Verfestigungsexponenten n in Bild 6.5 (6060)-Legierungen.2.

Die höhere Duktilität von überhärtetem Material als Folge der frühzeitig einsetzenden und verstärkten dynamischen Entfestigung wird jedoch begleitet durch eine plastische Instabilität. aus Daten von (Liu et al. teilausgehärteten Legierungen fördert die Lokalisierung der Verformung in Gleitbänder und verzögert das Eintreten dynamischer Erholung.2. aber auch für das Verständnis des Versagensverhaltens bei quasi-statischer. Verglichen bei gleicher 0. Umgekehrt verringert ver- Bild 6. Die Behinderung des Quergleitmechanismus in AlMgLegierungen oder in kalt. 2004) .6 Einfluß von Aushärtung und Überhärtung auf die Brucheinschnürung der Legierung AA6061 (AlMgSiCu) im Zugversuch.296 6 Mechanische Eigenschaften wahren Bruchdehnung ϕBr bei Überalterung steht in Gegensatz zum Verhalten der Gleichmaßdehnung oder des Verfestigungsvermögens.bzw. d.2%-Dehngrenze nimmt die Duktilität durch Überhärtung gegenüber dem kalt. teilausgehärtetem Werkstoffzustand erheblich zu. Hierbei handelt es sich um ein generelles Verhalten von aushärtbaren Legierungen.2.h.bzw.8. wie die Bilder 6. Die vorstehende Betrachtung der Verfestigungs. dynamischer und schwingender Beanspruchung. die Verformung konzentriert sich zunehmend auf kleinere Materialbereiche (nicht zu Verwechseln mit Dehnungslokalisierung in Gleitbändern) bis zum Eintritt des Bruchs.7 zeigen. Die Folgen sind ein stärkeres Verfestigungsvermögen und eine höhere Gleichmaßdehnung.2.2. Man erkennt dieses Verhalten deutlich an der Spur der Meßlängenmarkierung auf der Probe D der überalterten Torsionsprobe aus Legierung EN AW-7075 in Bild 6.5 bis 6.und Entfestigungsvorgänge bei der plastischen Verformung und ihre Abhängigkeit vom vorliegenden Feingefüge ist die Grundlage für die richtige Wahl des Werkstoffzustands für die Kaltumformung.

J.2.8 Torsionsproben (Meßlänge 120 mm.7 Brucheinschnürung Z = (F0 – F)/F0 in Abhängigkeit von der 0. D: stark überhärtet durch Stufenaushärtung 120°/175 °C (~T73). B: voll ausgehärtet bei 120 °C (~T6).2 Fließkurve. ϕmax entspricht der Vergleichsdehnung beim Probenbruch .6. Durchmesser 7 mm) aus Walzplatten der Legierung EN AW-7075 in unterschiedlichen Aushärtungszuständen. Nach D.2. A: teilausgehärtet bei 120 °C (~T63). Verfestigung. Anisotropie. gemessen im Zugversuch an 1 mm dicken Blechproben.und Warmaushärtung der Legierung AA6111. Lloyd (Lloyd 2003) Bild 6.2%Dehngrenze bei Kalt. Punktierte Linien deuten eine lineare Skalierung für den jeweiligen Aushärtungsbereich an. Verformbarkeit 297 Bild 6. C: leicht überhärtet durch Stufenaushärtung 120°/175°C (~T79).

von der Zusammensetzung sowie vom Makro. und der Prozeß der dynamischen Entfestigung beginnt frühzeitiger. infolge von groben Korngrenzenausscheidungen. verformungsarmer Bruch auftreten. Bei ungünstigem Zusammenwirken dieser Faktoren kann ein quasispröder. spröder Bruch kann bei stark heterogenem Gußgefüge auftreten. 6.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten Das allgemeine Bruchverhalten von Aluminium und seinen Legierungen entspricht dem für Metalle mit kfz-Gitter typischen duktilen Verhalten.298 6 Mechanische Eigenschaften stärktes Quergleitverhalten das Verfestigungsvermögen.und Dehnungszustand. der Bruchvorgang erfolgt nach einer plastischen Verformung und verläuft transkristallin. z. 2003.und Mikrogefüge und vom Verfestigungs. im Fahrwerksbereich – müssen Mißbrauch durch globale Verformung ertragen können und nicht durch sprödes Bruchverhalten versagen. Spannungsrißkorrosionsempfindlichkeit. und die Duktilität (definiert als Brucheinschnürung) nimmt zu. da die vorablaufenden plastischen Prozesse. ausgeprägten ausscheidungsfreien Korngrenzensäumen. Deschamps et al. 2001). Die Kenntnis der vorstehenden Einflußfaktoren auf das Bruchverhalten hat daher Bedeutung sowohl für die . Bleisprödigkeit oder Lotbrüchigkeit (Jiang et al. energieverzehrender Bruch gefordert.bzw. Die plastische Verformung kann zuvor das Gesamtvolumen erfassen oder unmittelbar vor dem Bruch in einer starken Lokalisierung auftreten. Aushärtungszustand. d. ist aber bei Knetlegierungen ausnahmslos auf interkristalline Bruchform oder Bruchanteile zurückzuführen und beruht in der Regel auf vermeidbaren Anomalien des Gefüges. die neben der Legierungsfestigkeit von zahlreichen Einflußfaktoren bestimmt werden. von Temperatur und Verformungsgeschwindigkeit. Verformungsarmer.B. Im konkreten Fall ist das Bruchverhalten der Aluminiumwerkstoffe daher ein sehr komplexes Thema. Sicherheitsteile – z. Transkristalliner spröder Spaltbruch tritt bei Aluminium wie bei den meisten Metallen mit kfz-Gitter – unabhängig von der Temperatur – nicht auf. Zwischen den duktilen verformungsreichen und verformungsarmen Bruchformen gibt es jedoch gleitende Übergänge. Aus anwendungstechnischer Sicht wird üblicherweise ein verformungsreicher.h. Als Folge tritt lokal plastische Instabilität mit „diffuser“ Dehnungskonzentration (Einschnürung) ein.B. der Bruchvorgang selbst und der Energieverzehr beim Rißfortschritt (Bruchzähigkeit) von zahlreichen Einflußfaktoren abhängig sind: • • • • vom Spannungs.

Die Bildung des Scherlippenrandes unterliegt einem maximalen Schubspannungskriterium.3.3. s.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 299 Formgebung und Verarbeitung als auch für die Anwendung und das Einsatzverhalten von Aluminiumbauteilen. die sich in unterschiedlichen Bruchflächenausbildungen an Zerreißproben im normalen einachsigen Zugversuch darstellen. deren grundsätzliche Merkmale aber auch bei anderen quasi-statischen Bruchzähigkeitsuntersuchungen auftreten. Das mechanische und Bruchverhalten unter mehrachsigen Spannungszuständen sowie unter erhöhten Beanspruchungsgeschwindigkeiten wird in den Abschn. übertragen werden. Gefüge und Zustand in Zusammenhang gebracht werden. umgeben von glattflächigen Scherlippen mit ca. Makroskopische Bruchphänomene Makroskopisch kann das Bruchverhalten der Aluminiumwerkstoffen nach verschiedenen Bruchtypen unterteilt werden. Der Anriß beginnt in Probenmitte der Einschnürzone und breitet sich radial aus. Dieser Bruchtyp entsteht häufig bei dünnwandigen Proben .oder Tassen-Kegel-Bruch (Cup-and-cone fracture). Die verschiedenen Brucharten sind schematisch in Bild 6. Dieser Einschnürbruch ist makroskopisch gekennzeichnet durch eine innere rauhe Bruchfläche senkrecht zur Zugrichtung (Richtung der Hauptnormalspannung).5.B. linear-elastischen und elastisch-plastischen Rißbruchmechanik wird nur am Rande behandelt und geht über den vorgesehenen Rahmen des Buches hinaus.7 beschrieben. Bild 6. Der Zugversuch ist die wichtigste praktische mechanische Werkstoffprüfung und die auftretenden Erscheinungen können zumindest qualitativ auf andere Beanspruchungsarten. die beim einachsigen Zugversuch auftreten und mit Legierungen.6. Trichter. Im folgenden wird zunächst eine Übersicht über die wichtigsten makroskopischen und mikroskopischen Phänomene des Gewaltbruchs von Aluminiumlegierungen gegeben.1 dargestellt: • Typ A ist der klassische duktile Trennbruch. 6.5 bzw. der sog. 6. auf den Biegevorgang oder die Blechverformung. und wird überwiegend an Rundproben mit deutlicher Einschnürzone beobachtet. 45° Neigung der Scherbruchfläche zur Probenachse. z. 45° Neigung zur Zugrichtung (Richtung der maximalen Schubspannung). Das Bruchverhalten aus der Sicht der quantitativen. der charakteristisch für niedrig legierte und sehr reine Werkstoffe sowie für warmausgehärtetes und überhärtetes Material mit handelsüblicher Reinheit ist. Als auslösendes Bruchkriterium wird gemeinhin die maximal ertragbare Normalspannung angenommen. Beim Tassen-Kegelbruch handelt sich also um einen Mischbruch. • Typ B ist der Scherbruch mit ca.

2. da das Verfestigungsvermögen die Querschnittsminderung nicht mehr ausgleicht. s. 6.12. Als Bruchkriterium wird die maximal ertragbare Schubspannung zugrunde gelegt. kf) erreicht (s. Bilder 6.3. Gl.3.6a) σw/dϕ = σw ). Dieser Bruchtyp tritt häufig bei sehr heterogenen Gußlegierungen auf oder bei Walzplatten aus hochfesten Legierungen in Dickenrichtung (ST-Richtung). (6. • Typ D ist charakteristisch für „sprödes“ Bruchverhalten mit geringer Dehnung und höchstens geringfügiger Einschnürung. Typ „C“: Abschnürbruch. teilausgehärteten Legierungen.1 Schematische Darstellung der bei Aluminiumknetlegierungen und Gußlegierungen vorkommenden Brucharten. Typ A. Abschn. • Typ C entsteht infolge nahezu vollständiger Abgleitung bzw. Havner 2004).2. Typ „B“: Scherbruch. Typ „A“: Normalbruch (Tassen-Kegelbruch). Nach einem Vorschlag von Considère aus dem Jahre 1885 beginnt die Einschnürung von Zugproben. Eine geringfügige geometrische oder werkstoffliche Inhomogenität führt dann zu einer plastischen Instabilität. niedrig legierte Werkstoffe. Bild 6. wenn die Verfestigung σw/dϕ den Wert der Fließspannung σw (wahre Spannung. . Der Bruchtyp D ist ein Extremfall des normalen Trennbruchs.300 6 Mechanische Eigenschaften und nach nur schwacher Einschnürung. Einschnürung und beschränkt sich auf Reinstaluminium oder sehr reine. Typ „D“: Sprödbruch Der duktile Trennbruch wird durch eine lokale Einschnürung des Materialquerschnitts eingeleitet.3. Die Einschnürung beginnt in der Zugprobe bei Höchstlast und wird durch eine örtliche geometrische oder – bei technischen Werkstoffen – durch eine werkstoffliche Inhomogenität ausgelöst (Considère 1885. Der Scherbruch ist typisch für das Verhalten von mittelfesten naturharten und von kaltausgehärteten bzw.9 und 6.

Die Orientierung der intensiven Scherbänder über größere Materialquerschnitte hinweg muß nicht explizit mit der kristallographischen Natur der individuellen Körner in Beziehung stehen. Bild 6. Abschn.2 Lokalisierung von Verformung (Gleitstufen und Scherbänder) in der Einschnürzone von zuvor chemisch polierten Zerreißproben aus Legierung AlZn5.2 zeigt grobe Gleitstufen an der Oberfläche der hochfesten Legierung EN AW-7075 auf Reinstbasis und in handelsüblicher Reinheit. 6.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 301 Lokalisierung der plastischen Verformung als Vorstufe zum duktilen Bruch Der duktile Trennbruch durchläuft mehrere Stadien. a) Legierung auf Reinheitsbasis 99.5MgCu-TMT (7075) in zwei Reinheitsvarianten.99%.6. 1986-a. sondern wird durch die makroskopischen Gesetze der Mechanik (Schmidsches Schubspannungsgesetz) gesteuert. Hierunter zählen die gröberen Primär- . 1986-b). die auf unterschiedlichen Skalierungsebenen entstehen kann: auf der mikroskopischen Skala als kristallographisch orientierte Gleitbänder in einzelnen Körnern. a) b) Bild 6. b) technische Legierung (Probenachse vertikal) (Ostermann 1975) Lochbildung und Lochwachstum Die Bildung grober Gleitbänder hängt ursächlich mit dynamischer Entfestigung zusammen (s. Der Ausgangspunkt ist bei Beginn der Einschnürung die Lokalisierung der plastischen Verformung.3. auf der makroskopischen Skala als Scherband über mehrere Körner und Kornlagen hinweg. eingehend untersucht (Korbel et al. die durch die Verformung der umgebenden Matrix zertrümmert werden oder deren Bindung zur Matrix aufgebrochen werden. Korbel et al.3. Die Entwicklung solcher Scherbänder wurde an AlMg-Werkstoffen von Korbel et al.2) und hat in technischen Legierungen ihren Ursprung an eingebetteten intermetallischen Phasen.

wodurch das Lochwachstum bei weiterer Dehnungszunahme gestört wird. daß bereits nach 5 bis 10 % Verformung etwa 40 bis 50 % aller Primärphasenpartikel in ausgehärteten Legierungen fragmentiert sind.(T. Als kritische Faktoren für das Lochwachstum haben sich weiterhin die Form und die Art der Verteilung der Partikel erwiesen. Für die Intensität des Partikelbruchs spielen die Legierungsart und -festigkeit eine Rolle.302 6 Mechanische Eigenschaften phasen (1–40 µm) und die feineren Sekundärphasen bzw. Das Reißen der Ligamente geschieht bei duktilen Werkstoffen durch Abschnüren. 2004).2 µm).und Kaltumformprozesse bei der Halbzeugherstellung sind die aus der Erstarrungsseigerung stammenden Primärphasen zeilenförmig gestreckt. Durch weitere Verformung kommt es in beiden Fällen zur Bildung von Hohlräumen und zu deren Wachstum.3. Durch die jeweiligen Warm. im Kern der Einschnürzone einer glatten Zugprobe. bei hochfesten.(L-). 2003.B. bei der die jeweils größte Schädigung durch das Partikelfeld fortschreitet und sich die Hohlräume zum Trennbruch vereinigen. Art und Form bereits bei geringer Kaltverformung. Nach neueren Vorstellungen wird der Schädigungsprozeß durch die Matrixfestigkeit bestimmt: bei weichen. 1974).(ST-) Richtung. TL. .und hochfesten Legierungen überwiegend ein Bruch der spröden Partikel (Balasundaram et al. Danach folgt eine Auswahlphase. s. wobei die gröberen bereits nach 1 bis 2 % Verformung gebrochen sind (Stone et al.3. sondern auch von der Anordnung und Größenverteilung und insbesondere von der Zahl der gröbsten Partikel im kritischen Probenquerschnitt abhängig. wo sich innerhalb der Einschnürzone ein hydrostatischer Zugspannungszustand ausbildet. Die unterschiedliche Anordnung dieser Phasen in den Orientierungsrichtungen des Halbzeugs oder Bauteils ist Ursache für eine Anisotropie der Bruchdehnungs. Bei einer ungekerbten oder schwach gekerbten Zugprobe beginnt die Lochbildung daher in Probenmitte.bzw. Das laterale Wachsen der Hohlräume wird durch einen mehrachsigen Spannungszustand – z. Die spröden Primärphasenpartikel brechen je nach Größe. im Einflußbereich von Kerbspannungen oder vor einer Rißfront – beschleunigt. Dispersionsphasen (20 nm–0. Franciosi et al. Die Hohlraumbildung beginnt bei den gröbsten Partikeln bzw. Quer. Je gröber diese intermetallischen Phasen vorliegen. dagegen bei mittel. Die Brucheinschnürung ist daher nicht nur vom Volumenanteil an intermetallischen Fremdphasen. und der Bruch vorzeitig einsetzt. Untersuchungen haben gezeigt.oder LT-) und Kurzquer. desto größer sind die Lochdurchmesser und um so früher beginnt das Reißen der dazwischen liegenden Ligamente. der größten Partikelanhäufung. Beispiel in Bild 6. weniger duktilen Legierungen auch durch Abscheren entlang von Gleitebenen. niedrig festen Legierungen findet hauptsächlich eine Trennung der Bindung Partikel/Matrix statt.und Brucheinschnürungswerte in Längs.

da bei der Hohlraumbildung die hydrostatische Komponente gering ist. fragmentierten Phasenpartikel erkennen. flache und gestreckte Grübchen charakterisieren den Scherbruch von Scherbändern.4a. Bild 6.oder Grübchenstruktur der Bruchfläche charakteristisch. s. Feinere.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 303 Bild 6. Sehr feine.4 Stereoelektronenmikroskopische (REM) Aufnahme des duktilen Wabenbruchs an Zerreißproben aus einem Schmiedeteil der Legierung EN AW-6082T6. Bild 6.3.3 Längsschliff durch den Faserverlauf eines Schmiedeteils aus Legierung EN AW-6082-T6 mit zeilenförmiger Anordnung von AlFeSi und Mg2Si Primärphasen Mikroskopisch ist für den duktilen Bruch die Waben.3. Im Innern der Waben sind die teilweise zertrümmerten intermetallischen Primärphasenpartikel erkennbar Die Grübchengröße ist kennzeichnend für die Größe der Fremdphasenpartikel.3. die makroskopisch ein rauhes Bruchbild ergibt. aber auch für die Duktilität der Matrix und die Bruchart.3. etwa 1 µm große Grübchen ergeben sich beim .4b.6. Am Grunde der einzelnen Waben kann man die lochbildenden.T. z. a) b) Bild 6.

5 Hochreine und hochfeste Legierung X7075-T6. Bei hochfesten. warmausgehärteten Legierungen und nach Überhärtung nimmt die Neigung zu Korngrenzenbruch zu. a) Gleitbandriß an der Oberfläche in der Nähe der Scherlippe einer Zerreißprobe (Lichtoptische Aufnahme).B.und höherfeste Aluminiumwerkstoffe mit erheblichen Korngrenzenausscheidungen – z. Ausscheidungsfreie Zonen (AFZ.304 6 Mechanische Eigenschaften Bruch von Gleitebenen und Gleitbändern auf kristallographisch orientierten Bruchflächen.5 und 1 µm) und wird wahrscheinlich durch die Lochbildung der wesentlich feineren Dispersionsphasen (z. vgl. Al6Mn.B.6) an Korngrenzen begleiten meistens den Prozeß der Korngrenzenausscheidung bei aushärtbaren Legierungen und erhöhen ebenfalls den interkristallinen Bruchanteil.6. Fraktographisch zeichnen sich auf der Bruchfläche neben duktiler Wabenstruktur Ausscheidungsphasen auf den glatten Korngrenzenflächen ab. Mit zunehmendem interkristallinem Bruchanteil wird die Brucheinschnürung eingeschränkt.1.3. a) b) Bild 6.3. Abschn. Bild 6. b) Feine Wabenbildung auf den Scherbruchflächen (REM Aufnahme) (Ostermann 1975) Mittel.5 zeigt einen solchen Fall bei der hochreinen und hochfesten Legierung X7075-T6.6. Bild 6. Man findet fraktographisch eine sehr feine flache Wabenstruktur auf den . Bild 6.3. s. 3. s.3. Gegenüber den technisch reinen Qualitäten ist die Wabenstruktur der Bruchfläche um mehr als eine Größenordnung feiner (Grübchendurchmesser zwischen 0. bei höher legierten AlMgSi-Legierungen nach unzureichender Abkühlung von der Lösungsglühtemperatur – neigen zu einem Mischbruch mit transkristallinen und interkristallinen Bruchanteilen.a und b.c. Al7Cr und Al3Zr) bestimmt.

3.5-T6 Legierung. der sich auch negativ auf die Verformbarkeit und die Zähigkeitseigenschaften auswirkt.7. Scharf et al. Es handelt sich hierbei um einen grundsätzlich duktilen. Die negative Wirkung ausscheidungsfreier Zonen ist um so größer. fast vollständig transkristalliner Wabenbruch (AlMg1Si0.5-T6).5-T6). und b. 1982) Korngrenzen. 1982) .3. jedoch wegen des geringen Verformungsvolumens um einen energiearmen Bruchvorgang. s. c) verformungsarmer Mischbruch mit hohen interkristallinen Anteilen (hochfeste Legierung EN AW-7075-T6) (Quelle der Bilder a.3. b) verformungsarmer Mischbruch mit transkristallinen und interkristallinen Anteilen (AlMg1Si0. ähnlich wie beim Gleitbandbruch. wodurch ein relativ breiter ausscheidungsfreier Saum entlang der Korngrenzen entsteht (Scharf et al.7 „Duktiler“ Korngrenzenbruch entlang ausscheidungsfreier Zonen bei Mn-freier AlMg1Si0.6 Stereoelektronenmikroskopische Aufnahmen typischer Bruchflächen von duktilen und spröden Werkstoffzuständen: a) duktiler. Demnach wirkt sich eine ungenügende Abschreckung nach der Lösungsglühung besonders negativ auf das Bruchverhalten bei maximaler Warmaushärtung (T6 Zu- Bild 6. je schmaler die Zone und je härter die Kornmatrix ist.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 305 a) b) c) Bild 6.6. Bild 6.5Mn0. Das Material für die verwendeten Kerbschlagproben wurde lösungsgeglüht und an Luft abgekühlt.

1.3. und die Dicke der ausscheidungsfreien. einen kritischen Wert der Schubspannung überschreiten und unter der Wirkung der Normalspan- . VAW aluminium AG.8. hochreinen AlZnMg-Variante dar. Bilder 6. entsteht durch Bildung.h. s. Die dadurch rauh bis faserig erscheinende Bruchfläche verläuft senkrecht zur Hauptnormalspannung.306 6 Mechanische Eigenschaften stand) aus. verformungslose Bruch ist meistens gekennzeichnet durch vollständig interkristalline Bruchverläufe. Der interkristalline Bruchanteil verringert sich dadurch tendenziell. Bild 6.2.9) als Folge von Spannungsrißkorrosion) (Quelle: B. durch Einschnüren oder Abscheren der Matrixligamente zwischen den Hohlräumen. Ein Beispiel für diese Versagensart ist der Spannungsrißkorrosionsbruch von Legierungen der Gattung AlZnMg(Cu). 6. Die Bildung der Scherlippen beim Tassen-Kegel-Bruch geschieht in dem Moment. Der bei Aluminiumlegierungen untypische spröde. bei dem die Kohärenz der Körner durch die gleichzeitige Wirkung von Zugspannungen und eindiffundierendem Wasserstoff aufgehoben wird. was zusammengenommen die Brucheinschnürung verbessert.3. ist aber deutlich höher als im teilausgehärteten Zustand bei gleicher Streckgrenze.7 in Abschn. Typ A in Bild 6. Wachstum und Koaleszenz der Hohlräume.3. 45° Neigung bilden. d. Grzemba. Bonn) Der Einschnürbruch Der Einschnürbruch. Bei starker Überhartung (T7 Zustand) nimmt die Matrixhärte ab.2. Bild 6.2. in dem sich ausgehend von dem inneren Trennbruch intensive Scherbänder unter ca.4 bis 6.8 stellt einen solchen interkristallinen Bruch von einer SpRK-empfindlichen. weichen Korngrenzenzonen zu. Verformungsloser interkristalliner Sprödbruch bei AlZn5Mg3 (Basis Al99.

KIc. Bilder 6. 7xxx) vor. Die Rißzähigkeit.3.15.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 307 nungskomponente aufreißen. B. den Aufreißversuch (Navy Tear Test nach Kahn).3. z. durch einen Schlagbiegeversuch oder Kerbschlagbiegeversuch (Scharf et al. 1982). befriedigender Gleichmaßdehnung und deutlich vorhandener Einschnürung der Energieverzehr des eigentlichen Bruchvorgangs gering ist und der Rißfortschritt in einem Konstruktionsbauteil verformungsarm bis spröde verlaufen kann. in denen diese Legierungen eine . voll warmausgehärteten Legierungen (T6 Zustand) wird das Lochwachstum durch Gleitbandbruch der Matrixligamente zwischen den Hohlräumen begrenzt. gleichmäßige Verteilung sowie große Partikelabstände verbessern die Brucheinschnürung.6 und 6. Der Grund ist. die Messung des J-Integrals. Bei der Warmaushärtung und Überhärtung erreicht das Verfestigungsvermögen ein Minimum. Korngrenzenbruch erfolgt je nach Anteil und Art (vgl. Bei hochfesten. Der Einschnürbruch kennzeichnet den duktilen Trennbruch und herrscht bei höherfestem. oder auch linearelastische (KIc. letztere allerdings mit einem höheren Prüfaufwand. daß der Energieverzehr beim Einschnürbruch sehr unterschiedlich ausfallen kann.3. Auch interkristalline Bruchanteile wirken sich beim Einschnürbruch aus und reduzieren die Brucheinschnürung. 6xxx. Bessere Auskunft über den Energieverzehr beim Gewaltbruch gibt daher die Messung eines Bruchenergiewertes. 1967) begünstigt geringes Verfestigungsvermögen das Lochwachstum. auch den Gleitbandbruchmodus. Charakteristisch ist die Lochbildung an spröden Fremdphasen. Der kritische Dehnungsbetrag für das Auslösen des Scherbruchs ist abhängig vom Werkstoffzustand und Gefüge sowie von geometrischen Einflüssen und vom Spannungszustand. Auch der Gleitbandbruch ist energiearm. Problematisch für die Aussagekraft der Brucheinschnürung ist. z. Kc) und elastisch-plastische Bruchzähigkeitswerte.B. Bild 6.2%-Dehngrenze höher für teilausgehärtete Zustände als für überhärtete Zustände (Develay 1972). s. 2003) und evtl. 2000). So ist es möglich. daß der Energieverzehr des lokalen Bruchvorgangs durch die Größe der plastischen Zone an der Rißfront bestimmt und dadurch in seiner Wirkung beim Rißfortschritt vervielfacht wird (Zehnder et al.7) energiearm und wird durch den Wert der Brucheinschnürung nur ungenügend angezeigt. Außerdem fördert ein mehrachsiger Spannungszustand den interkristallinen Bruchanteil (Pardoen et al. Geringere Phasenanteile und Partikelgrößen. warmausgehärtetem und überhärtetem Material (Legierungen der Gruppen 2xxx. Der quantitative Wert der Brucheinschnürung reagiert bei vergleichbarer Legierungsfestigkeit und Zustand sensibler auf die Qualität der Gefügeausbildung als die Bruchdehnung. daß trotz normgerechter Bruchdehnung.6. von 2xxx und 7xxx Legierungen ist bei vergleichbarer 0. Nach (Tetelmann et al. sowie Lochwachstum und Koaleszenz.

z. Im Gegensatz zu warmausgehärteten Legierungen haben kaltausgehärtete Legierungen weniger Korngrenzenausscheidungen und geringere Neigung zu interkristallinen Bruchanteilen. Bild 6. Abschn.9 Scherbruch einer Zugprobe aus 2mm dickem Blech der Legierung AA6111-T4.B. teilausgehärteten Legierungen und entsteht nach vergleichsweise hoher Gleichmaßdehnung.2. Der Scherbruch Der Scherbruch.308 6 Mechanische Eigenschaften deutliche Tendenz zu interkristallinen Bruchanteilen haben (Rosenfield et al. Ag. . Die geringere Wabengröße ist vermutlich mit dem geringeren hydrostatischen Spannungszustand und mit der Lokalisierung der Verformung in dem relativ schmalen kritischen Scherband zu erklären. Bild 6. um die Scherbandbildung im Korngefüge sichtbar zu machen (Quelle: Sarkar et al.2. Dieses Verhalten würde sich nicht als Schlußfolgerung aus den höheren Brucheinschnürungswerten im T7 Zustand ableiten lassen. bei Zugproben unter 45° wird ebenfalls durch Lochbildung und Lochwachstum ausgelöst.9.5 in Abschn.B. die in diesen Fällen auf behinderte dynamische Entfestigung zurückgeführt wird (s. z. die sich nach dem Beginn der Einschnürung durch Lokalisierung der Verformung in einem kritischen Scherbandbereich entwickeln (engl. 2004. vgl. „void sheeting“) (Sarkar et al. Bron et al. 1973). Sie sind auch aus diesem Grunde duktiler bzw. EN AW-5754-0 und EN AW-5182-0.3. 2004). Die Probe wurde geätzt. Allerdings sind gegenüber dem duktilen Trennbruch bei vergleichbaren Fremdphasenanteilen und Größenverteilungen der Partikel die Löcher kleiner und in Abscherrichtung teilweise elliptisch ausgezogen. sowie von kaltausgehärteten bzw. 6. 2004) Der Scherbruch ist typisch für das Versagen von mittelfesten naturharten AlMg-Legierungen.3. Bild 6. besitzen eine hohe Rißzähigkeit.

3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 309 6. Außerdem haben kaltausgehärtete Legierungen eine geringere Neigung zu interkristallinem Bruch als warmausgehärtete. . jedoch im T4-Zustand und bei mittelfesten AlMg-Legierungen der Scherbruch vorherrschen. 2024-T4.2). Teirlinck et al. z. 3. setzt dynamische Entfestigung ein und es kommt zur Bildung von groben Gleitbändern und von Scherbändern. interkristallinen Bruch über den verformungsreichen Scherbruch bis zum völlig duktilen.6. ist festzustellen. plastischen Abschnürbruch verändert werden kann.B. Abschn.und T7-Zustand der Tassen-Kegel-Bruch. die einen Übergang von einem zum anderen Bruchmodus verursachen können. tritt bei niedrig legierten Werkstoffen der Bruch als eine vollständige Abgleitung bzw. ist weniger das geringere Partikelvolumen als der größere Partikelabstand für die verbesserte Duktilität maßgebend. Bei aushärtbaren Legierungen im Zustand T4. als Tassen-Kegelbruch mit hoher Einschnürung ein (Sarkar et al. z. Übergang vom Normalbruch zum Scherbruch Wenn auch vorstehend die Zuordnung der beiden Brucharten zu Legierungsgruppen und werkstofflichen Zuständen vorgenommen wurde. die als werkstoffliche und geometrische Inhomogenität den Einschnürvorgang und gleichzeitig den Scherbruch einleiten. sind − − Spannungszustand. Wichtige Einflußgrößen. Diese Merkmale erklären. (Teirlinck et al. 1988) haben gezeigt. Primärphasenanteil. wodurch das Scherbruchkriterium als Bruchkriterium bevorzugt wird. daß durch Überlagerung des Bruchvorgangs mit entsprechend hohem hydrostatischen Druck der Bruchmodus von einem vollkommen spröden.B. Bei geringerem Volumenanteil von Fremdpartikeln. daß beide Brucharten in ein und demselben Material auftreten können. z. 2001). 1977).3) diffuse Scherbänder über dem Probenquerschnitt ausgelöst. Das durch hohe Gleichmaßdehnung gekennzeichnete höhere Verfestigungsvermögen hemmt zudem Lochwachstum und -koaleszenz (Tetelmann et al.2. s. s. bevor Koaleszenz durch Abschnüren oder Mikroscherbruch einsetzt (Nakai et al.B. wodurch ein größeres Lochwachstum möglich ist. Bei AlMgLegierungen werden durch dynamische Reckalterung (PLC-Effekt. 2000). 1967). In jedem Fall wird auch in Legierungen mit Scherbruchmodus durch geringere Anteile an Fremdphasen die Duktilität und Bruchzähigkeit verbessert. (Staley et al. daß bei aushärtbaren Legierungen im T6. in Legierungen mit reinerer Metallbasis. Nachdem die Gleichmaßdehnungsgrenze überschritten ist und die Einschnürung beginnt.

und Bruchzähigkeitsklasse EN AW-2024-T4 findet der Übergang bei einer Materialdicke von etwa 5 bis 10 mm statt. Bei weiterem Rißverlauf wechselt der Bruchmodus zu einem Scherbruch unter 45°. REM Bilder zeigen die gröbere und feinere Wabenstruktur in den beiden Bruchzonen Primärphasenanteil. s. Der Gehalt an Primärphasen hat Einfluß auf den Bruchmodus.10 zeigt schematisch den Übergang zwischen den beiden Brucharten bei einer scharf gekerbten Flachprobe.bis hochfesten Legierung (schematisch).3. (El-Magd et al.bis mittelfesten Legierungen der Einschnürbruch. Bild 6. z. Dieser Übergang ist abhängig vom Verhältnis der Größe der plastischen Zone im Rißgrund zur Materialdicke. Bei Legierungen der Festigkeits. Die Rißfront wechselt dabei aus einem ebenem Dehnungszustand (Normalbruchfläche) in einen ebenen Spannungszustand (Scherbruchfläche). 2001).3. Bei scharf gekerbten Zugproben herrscht im Kerbgrund ein mehrachsiger Spannungszustand.310 6 Mechanische Eigenschaften − − Temperatur und Verformungsgeschwindigkeit. bei hohem Partikelgehalt und geringem Partikelabstand der Scherbruch- .10 Übergang zwischen Normalbruch und Scherbruch am Beispiel einer scharf gekerbten Blechprobe aus einer mittel.B. Es entsteht im Kerbgrund zunächst ein Anriß senkrecht zur Hauptnormalspannung. Bei niedrigem Partikelgehalt und großem Partikelabstand überwiegt bei niedrig. Spannungszustand. Bild 6.

kaltverfestigte Legierung EN AW-5083-H116 dargestellt (Clausen et al. der dynamische Entfestigungsprozeß nimmt zu.6.6. Gleichzeitig werden aber Bruchdehnung und Brucheinschnürung durch den stabilisierenden Einfluß der Verformungsgeschwindigkeit auf die Fließspannung deutlich erhöht.11 Einfluß von Kaltverformung auf die Brucheinschnürung von 2mm dickem Walzmaterial aus Legierung AlMg3 (AA5754-0) mit unterschiedlichem FeGehalt nach (Sarkar et al. s. 2001) Temperatureinfluß. wie Untersuchungen an der Legierung AlMg3 mit niedrigem und hohen Fe-Gehalt zeigen (Sarkar et al. Als Folge ändert sich der bei niedrigen Temperaturen typische Scherbruch in einen Einschnürbruch.12 Wechsel von Scherbruch zu Einschnürbruch bei unterschiedlichen Temperaturen bei Legierung EN AW-5083-H116. nach (Clausen et al.3. Bild 6.11. Abschn. Bild 6.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 311 modus.3. 2004) . Dieses Verhalten ist in Bild 6.2Dehngrenze und das Verfestigungsvermögen ab. 6. 2004).3. gilt jedoch auch für deren weiche Zustände (Heller 1988).12 für die naturharte. vgl. 2001).3. Bei Temperaturen über 100 °C nehmen die 0. Bild 6.

312

6 Mechanische Eigenschaften

Verformungsgeschwindigkeit. Bei hoher Verformungsgeschwindigkeit nimmt die Duktilität von Aluminiumlegierungen generell zu. (Eine Ausnahme sind einige hochfeste AlZnMgCu-Legierungen). Bei mittelfesten AlMg-Legierungen geschieht eine signifikante Zunahme der Brucheinschnürung allerdings erst bei Verformungsgeschwindigkeiten deutlich über 1 s-1, s. Bild 6.5.7. Gleichzeitig wechselt der Bruchmodus von Scherbruch zu Einschnürbruch, s. Bild 6.3.13 (Clausen et al. 2004). El-Magd et al. (ElMagd et al. 2001) und Hooputra et al. (Hooputra et al. 2004) ermittelten Fließkurven im Hochgeschwindigkeitszug- und -stauchversuch an den Legierungen EN AW-6061-T6, EN AW-6082-T6 und EN AW-7108-T6 und fanden bei Dehnraten über 25 s-1 nach anfänglich positiver Dehnratenempfindlichkeit, s. Abschn. 6.7, eine negative Dehnratenempfindlichkeit bei höheren Verformungsgraden und damit eine abnehmende Fließspannung, was sie auf adiabatische Erwärmung durch die plastische Arbeit zurückführten. Der Übergang von positiver zu negativer Dehnratenempfindlichkeit entlangt der Fließkurve scheint abhängig von der Dehngeschwindigkeit zu sein, d.h. ϕ ≈ > 0,5 bei 30 s-1 und ϕ ≈ > 0,2 bei 100 s-1.

Bild 6.3.13 Wechsel von Scherbruch zu Einschnürbruch durch hohe Dehngeschwindigkeit bei Legierung EN AW-5083-H116, nach (Clausen et al. 2004)

Zusammenfassend ist festzuhalten, • daß die Bruchform (duktiler Trennbruch, Scherbruch) und das Bruchverhalten (transkristallin, interkristallin) sowie der Bruchmechanismus (Lochbildung, Gleitbandbruch) im einachsigen Zugversuch mit unterschiedlichen Legierungen und Werkstoffzuständen beobachtet werden

6.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten

313

können und wichtige Hinweise für die qualitative Beurteilungen bzgl. Duktilität und Verformbarkeit geben, • daß die Duktilitätswerte des einachsigen Zugversuchs aber nicht auf die Verhältnisse bei mehrachsigen Spannungszuständen übertragbar sind – hierzu wären Kerbzug- oder Kerbbiegeversuche und elastisch-plastische Bruchmechanikversuche aussagekräftiger –, • daß die Einflüsse von Temperatur und Verformungsgeschwindigkeit bei der Übertragung der unter „normalen“ Bedingungen gemessenen Brucheigenschaften auf praktische Anwendungsfälle berücksichtigt werden müssen, • daß die Verwendung von Bruchkriterien (kritische Normalspannung, maximale Schubspannung, Brucheinschnürung) aus dem Zugversuch für die FE-Berechnung von Sicherheitskomponenten problematisch ist.
Versagenskriterien

Die Festlegung und Ermittlung des jeweils zutreffenden Versagenskriteriums ist nach den vorstehenden Betrachtungen noch problematisch. Für den duktilen Trennbruch sind mittlerweile zahlreiche rechnerische Modellierungen verfügbar. Die rechnerischen Ansätze gehen zurück auf die Modellierung von Lochbildung und -wachstum von McClintock (McClintock 1968), Gurson (Gurson 1977), Needlemann und Tvergaard (Needleman et al. 1984, Needleman et al. 1987, Tvergaard 1990), die viele der metallurgischen und mechanischen Einflußgrößen berücksichtigen. Verfeinerungen durch Berücksichtigung der Partikelform, Größenverteilung, interkristalliner Rißanteile sowie ausscheidungsfreier Zonen wurden entwickelt (Agarwal et al. 2003, Zehnder et al. 2000, Jain et al. 1999, Pardoen et al. 2003, Dumont et al. 2004, Wen et al. 2005). Die eingehende Behandlung dieser Thematik geht jedoch über den Rahmen dieses Buches hinaus, und es wird auf die angegebene Fachliteratur verwiesen. Für den Fall des Scherbruchs, der bei vielen praktisch eingesetzten, duktilen Aluminiumlegierungen den vorherrschende Bruchmodus darstellt, gibt es noch deutliche Ambivalenzen. Der Stand der Anwendbarkeit der verschiedenen Bruchkriterien für die FE-Modellierung nach heutigen Design Codes (ABAQUS, LS-DYNA, PAM-CRASH, CrachFEM) wurde von Wierzbicki et al. (Wierzbicki et al. 2005) analysiert. Sie untersuchten sieben verschiedene Bruchkriterien und kalibrierten sie durch Untersuchungen an Plattenmaterial der Legierung AA2024-T351. Für mehr Sicherheit in den Schlußfolgerungen wäre es wünschenswert, die gleichen Untersuchungen und Analysen auch an einer mittelfesten Legierung, z.B. EN AW5754-0 zu wiederholen.

314

6 Mechanische Eigenschaften

Da viele Leichtbaustrukturen aus dünnwandigen Bauteilen bestehen, ist die zuverlässige Bestimmung eines Bruchkriteriums mit Flachzugproben von erheblicher Bedeutung für die FE-Modellierung. Aus diesem Grunde wurde vorgeschlagen, mit Hilfe der Bruchfestigkeit, Rbr, und der Gleichmaßdehnung, Ag, – s. Bild 6.1.1 – aus Werten des Spannungs-Dehnungsdiagramms ein Bruchkriterium, CFS (critical fracture strain), zu berechnen, das die „wahre“ Bruchdehnung in Dickenrichtung wiedergibt. Es wurde dabei angenommen, daß im Bereich der Gleichmaßdehnung die Dehnungen in Breiten- und Dickenrichtung proportional sind, die „wahre“ Fließspannung und die Breitendehnung nach beginnender Einschnürung konstant bleiben (Yeh et al. 1999).
Ag ⎤ ⎡R CFS = − ln ⎢ br (1 − )⎥ 2 ⎦ ⎣ Rm

(6.3.1)

mit Rbr, Rm und Ag als Bruchfestigkeit, Zugfestigkeit und Gleichmaßdehnung entsprechend den Definitionen in Bild 6.1.1, Abschn. 6.1. Eine modifizierte Form unter Berücksichtigung von Breiten- zu Dickeneinschnürung entsprechend dem Anisotropiewert, r, führt zu folgender Beziehung:
⎡ R /R CFS = − ln ⎢ br m 1 − 1+ r ⎢ ⎢ ⎣ (1 + Ag ) ⎤ ⎥ ⎥ ⎥ ⎦

(6.3.2)

Beide Beziehungen, Gl. (6.3.1) und (6.3.2), ergeben annähernd die gleichen Werte. Bei vernachlässigbarer Anisotropie (r ≈ 1) sowie bei geringem Wert von Ag (Ag << 1) läßt sich Gl. (6.3.1) aus Gl. (6.3.2) herleiten (Hopperstad 2003). Zur sicheren Ermittlung der nominellen Bruchfestigkeit, Rbr, müssen allerdings besondere Anforderungen an die Zerreißmaschine bezüglich hoher Steifigkeit und hoher Meßwerterfassungsfrequenz der MaschinenSoftware gestellt werden. Der errechnete CFS-Wert nach den obigen Beziehungen wird im wesentlichen durch das Verhältnis von Rbr zu Rm bestimmt und nur zu einem geringen Teil von der Gleichmaßdehnung Ag. Experimentelle Ergebnisse zeigen, daß zwischen dem Wert der gemessenen Brucheinschnürung, Z, und dem errechneten CFS-Wert zwar ein grober Zusammenhang besteht, die gemessene Brucheinschnürung aber in der Regel deutlich über dem CFS-Wert liegt.

Es handelt sich dann um einen stabilen Rißfortschritt. Geschieht der Rißfortschritt allein durch die Umsetzung der im Bauteil und im Spannungsfeld um den Riß enthaltenen elastischen Energie. Im Zusammenhang mit den Methoden der linear-elastischen und elastisch-plastischen Bruchmechanik können geeignete Kennwerte für die Auslegung bruchsicherer oder betriebsicherer Bauteile und Konstruktionen verwendet werden. Dieser unangenehme Fall kann beispielsweise bei Druckbehältern aus AlMgSi-Legierungen auftreten. spröden Rißfortschritt. Die für den Rißfortschritt aufzuwendende Arbeit dient als Maß für die Beurteilung der Bruchzähigkeit.14 Gegenüberstellung von Critical Fracture Strain (CFS) und Brucheinschnürung für ein Reihe von Aluminiumknet. die sich lokal in Verformungsarbeit in der plastischen Zone an der Rißspitze oder im Restquerschnitt des Bauteils umsetzt.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 315 Bild 6. Im Rahmen dieses Abschnitts soll das Rißfortschrittsverhalten jedoch nur als Hilfsmittel für die Beurtei- . wenn diese einen zu geringen Gehalt an Mn oder an Elementen mit vergleichbarer metallurgischer Wirkung und einen hohen Anteil an Korngrenzenbruch aufweisen.6. handelt es sich um instabilen.und Gußlegierungen (aus verschiedenen Datenquellen) Zähes Bruchverhalten Ein stabiler Rißfortschritt ist die Voraussetzung für zähes Bruchverhalten von Konstruktionen. Dabei kann sich der Riß verzweigen. Man spricht von einem zähen Bruchverhalten. wenn zur Aufrechterhaltung des Rißfortschritts laufend äußere Arbeit aufgebracht werden muß.3. da bei Entlastung der Rißfortschritt zum Stillstand kommt. und das Bauteil in mehrere Bruchstücke zerspringen.

. das ausgehend von der Maximalkraft in die Bereiche des Rißbeginns und des Rißfortschritts unterteilt wird. der mit einer gekerbten Normprobe durchgeführt wird. Bei der Aufreißprobe wird ein Last-Verlängerungs-Diagramm aufgenommen. in dem die Rißfortschrittsenergie gegenüber der entsprechenden 0.10 dargestellt. Eine relativ einfache Methode zur Ermittlung der Rißfortschrittsenergie als qualitativer Vergleichswert für die Bruchzähigkeit stellt der Aufreißversuch (Navy-Tear-Test nach Kahn) dar.16.3. wie in Bild 6. wird nur die Fläche der Rißfortschrittsarbeit ausgemessen. für die Qualitätsüberprüfung herangezogen werden.2%-Dehngrenze des jeweiligen Materials aufgetragen wurde (Kaufman et al. 1970). Da der Bereich des Rißbeginns empfindlich auf die Probenpräparation (Kerbradius) reagiert.3. Wenn sich zwischen Anriß und Rißfortschritt der Bruchtyp ändert.3. Bild 6.316 6 Mechanische Eigenschaften lung der richtigen Werkstoffwahl bzw. Die Bruchmechanikprüfungen verlangen dagegen meistens wesentlich dickere und größere Proben. Bild 6. die zudem noch durch einen Schwingungsanriß vorgeschädigt werden müssen.3. die Rissfortschrittsarbeit über einer festgelegten Rißverlängerung für Vergleichszwecke zu ermitteln.15 Prüfung des Rißfortschrittsverhaltens mit der Aufreißprobe nach Kahn Eine Übersicht über das Spektrum gemessener Werte der Rißfortschrittenergie mit der Aufreißprobe an Aluminium und seinen Legierungen zeigt Bild 6. die wegen ihrer kleinen Abmessungen aus den meisten Halbzeugen herausgearbeitet werden kann. s.15. ist es zweckmäßig.

3. . vielmehr von Bedeutung ist hohe plastische Verformungsarbeit. Sie werden überwiegend für untergeordnete konstruktive Zwecke sowie für funktionale Anwendungsbereiche. Duktilität allein ist demnach kein ausreichendes Kriterium für zähes Rißfortschrittsverhalten. Je weiter diese Gruppe zu höheren Festigkeitswerten verschoben ist. 150 bis 250 N/mm² erzielt werden.16 Rißfortschrittsenergie von Aluminiumlegierungen. Weiterhin sieht man den bekannten Zusammenhang zwischen Festigkeit und Zähigkeit. sofern man die Daten jeweils einer Legierungsgruppe betrachtet. Die günstigste Kombination von Rißzähigkeit und Festigkeit bieten die AlZnMg-Legierungen (Gruppe 7xxx).6. Betrachtet man die Gesamtheit der Rißzähigkeitsdaten.6 mm dicken Blechproben Man erkennt zunächst. Es wird somit auch deutlich. daß die optimalen Zähigkeitswerte im 0. Die AlMg. um so günstiger ist das Produkt aus Rißzähigkeit und Festigkeit. so erkennt man auch. Wärmetauscher und Behälter der chemischen Industrie verwendet.2%-Dehngrenzenbereich von ca. daß die Gesamtheit der Versuchsdaten sich den verschiedenen Legierungsgruppen zuordnen lassen. daß die AlMn-Legierungen und Reinaluminium in der Regel nicht zu den bevorzugten Konstruktionslegierungen zu zählen sind. nach (Kaufman et al.und AlMgSi-Legierungen (Gruppen 5xxx bzw. 6xxx) bestreiten das Mittelfeld.3 Bruchvorgang und Bruchverhalten 317 Bild 6. sollte man sich Rechenschaft über ausreichende Bruchsicherheit geben. Die schlechteste Kombination gilt für die sehr duktilen unlegierten Aluminiumsorten sowie für die AlMn-Legierungsgruppe (Gruppe 3xxx). Verpackung. Aufreißversuch an 1. 1970). Geht man über diesen Bereich hinaus. nämlich die Abnahme der Rißfortschrittsenergie mit zunehmender Festigkeit.

20 unter Berücksichtigung konstruktiver . Der qualitativ richtig ermittelte Zusammenhang zwischen den gemessenen Werten der Kahn-Aufreißprobe und den R. Dieses als „Materialermüdung“ bezeichnete Verhalten wird ausgelöst durch örtliche plastische Ereignisse im Oberflächenbereich des Bauteils.h. als die Schädigung des Materials sich nur auf die unmittelbare Randzone beschränkt und das übrige Materialvolumen praktisch unbeeinflußt ist. 6.B. Die Entfernung einer 50 bis 500 µm dicken Oberflächenschicht von schwingbeanspruchten Proben erhöht die Lebensdauer wieder auf die des ursprünglich ungeschädigten Materials (Raymond et al. d. an konstruktiven. 5. Im Bereich höchster und ultrahoher Lebensdauer (N> 107 LW) wurden bei glatten Proben jedoch systematisch auch Rißausgangsorte unterhalb der Oberfläche festgestellt (Pyttel et al. s. die zu einer Rißbildung führen. hierzu auch Korrosionsermüdung.4.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen Während Konstruktionen bei statischer Überbeanspruchung durch Beulen. Kap. 16. Die Lebensdauer des Bauteils. Abschn. fertigungs. (Mughrabi 1992). z. 1963). 2006).oder korrosionsbedingten Kerben. Der Begriff „Ermüdung“ ist insofern irreführend.7. die zur Rißbildung an der Oberfläche führen. Für die ingenieurmäßige Berechnung der Lebensdauer von Bauteilen oder Konstruktionen unter wechselnder oder schwingender Beanspruchung wurden Konzepte und Regelwerke entwickelt. plastische Verformung oder durch Bruch („Gewaltbruch“) versagen können. sind daher von besonderem Interesse. Knicken. kann durch wiederholte oder schwingende Betriebsbeanspruchungen ein Versagen bereits bei elastischen Beanspruchungen deutlich unterhalb der makroskopischen Fließgrenze des Materials auftreten.318 6 Mechanische Eigenschaften Vergleichende Untersuchungen an unterschiedlich zähen Varianten der Legierung EN AW-2024-T4 (Bron et al.bzw. die in Kap. 2004) mit Kahn-Aufreißproben und Zugproben mit Mittenanriß nach ASTM E 561:1999 zeigten übereinstimmende Bruchlagen und -typen sowohl beim Rißbeginn als auch beim Rißfortschritt. KcWerten der ASTM-Probe läßt sich möglicherweise durch weitere Modellierung des Bruchvorgangs bei Aufreißproben quantifizieren. sowie durch Unregelmäßigkeiten einer Schweißnahtausführung. Die lokalen Ereignisse. ist dabei abhängig von der Höhe der Beanspruchungsamplitude und nimmt mit zunehmender Amplitude ab. Ermüdungsschädigung durch wechselnde Lasten werden häufig verschärft durch örtliche Überbeanspruchung. s. die Anzahl der ertragbaren Lastwechsel bis zum Eintritt des Versagensfalls.

Bemessung und Konstruktion von Aluminiumtragwerken. Wöhlerkurven an Proben oder Bauteilen ermittelt. Teil 1-3: Ermüdungsbeanspruchte Tragwerke] verwiesen werden Die Entstehung des Schwingfestigkeitsversagens ist also durch zwei Stadien gekennzeichnet: die Anrißphase und die stabile Rißfortschrittsphase. Hierzu werden sog. s. die schließlich in den (instabilen.6. Als Grundlage dafür sollen im vorliegenden Kapitel die werkstofflichen Grundlagen der Schwingfestigkeit im Vordergrund stehen.4.3. die die Lebensdauer in Abhängigkeit von der Beanspruchungshöhe und -art wiedergeben. die heute üblicherweise auf der Grundlage der linear-elastischen Bruchmechanik durchgeführt wird. Außerdem bilden sich bei höheren Spannungsausschlägen gewöhnlich mehrere Anrisse. Für Berechnungen der Lebensdauer von Komponenten oder Konstruktionen werden einerseits die möglichst genaue Festlegung der Betriebsbeanspruchung benötigt und andererseits Angaben für die betreffende Legierung. Begründer der Schwingfestigkeitsprüfung im Eisenbahnwesen). Nach Forsyth wird diese Einteilung des Schwingungsbruchvorgangs als . 1819–1914. plötzlichen) Restbruch mündet. die je nach Beanspruchungsart entweder als spannungskontrollierte oder als dehnungskontrollierte Wöhlerkurven ermittelt werden (benannt nach August Wöhler. 6. Bei größeren Bauteilquerschnitten oder Konstruktionen und auch bei Material mit scharfen Oberflächenkerben kann jedoch weniger die Anrißbildung als die Dauer des „stabilen“ Rißfortschritts für die Lebensdauer ausschlaggebend sein. Wegen der meistens geringen Querschnittsabmessungen der Prüfkörper wird die im Wöhlerversuch ermittelte Bruchlastwechselzahl hauptsächlich durch die Anrißbildung bestimmt. Abschn.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 319 Maßnahmen behandelt werden. wo bis zu 99% der Lebensdauer durch die Vorgänge der Anrißbildung bestritten werden. Dies gilt besonders im Bereich hoher Lastwechselzahlen. Neben der Wöhlerkurve ist daher die Ermittlung des Rißfortschrittsverhaltens für die Lebensdauerberechnung wichtig. Für die Bestimmung der noch erträglichen Größe eines Anrisses in einer Konstruktion (engl. damage tolerant design) mit Hilfe der Methoden der linear-elastischen und elastisch-plastischen Bruchmechanik geben die Rißzähigkeitseigenschaften der Werkstoffe Auskunft. Im Rahmen dieses Buches muß allerdings auf eine eingehende Behandlung dieser Thematik verzichtet und der Leser auf die einschlägige Fachliteratur und bestimmte Regelwerke (prEN 1999-1-3: 2005. Bei hohen Spannungsausschlägen und folglich kürzerer Lebensdauer ist der Anteil der Anrißphase an der Gesamtlebensdauer kürzer als bei geringen Spannungsausschlägen und hoher Bruchlastwechselzahl. von denen sich einige zu einem Hauptriß vereinigen können.

320 6 Mechanische Eigenschaften „Stage I“ und „Stage II“ Crack Growth bezeichnet (Forsyth 1962). als ihnen unterschiedliche Mechanismen zugrunde liegen und diese durch die metallurgischen Eigenschaften des Materials. Merkmal des Stadium I ist eine kristallographisch orientierte Rißlage auf Ebenen. der auf den Anriß wirkenden Spannungsintensität ∆K abhängig. aber auch vom spezifischen.1 Die Stadien des Ermüdungsbruchs nach C.4. durch die Art der Beanspruchung und die Lage des Anrisses zur Hauptbeanspruchungsrichtung auf unterschiedliche und manchmal gegenläufige Weise zum Bruchvorgang und damit zur Lebensdauer des Bauteils beitragen. Bild 6. Der Übergang vom Stadium I (Anrißphase) zum Stadium II (Rißfortschritt) ist hauptsächlich von der Höhe des Spannungsausschlags ∆σ (= 2·σa. Bild 6. Laird (Laird 1967) Um das Schwingfestigkeitsverhalten der verschiedenen Aluminiumlegierungen und Werkstoffzustände sowie Einflüsse durch Verarbeitungsmaßnahmen besser einordnen zu können und um eine Verständnisgrund- . σa = Spannungsamplitude) bzw. die in einem definierten Zusammenhang mit den primären Gleitsystemen des Materials stehen. Die Unterteilung des Ermüdungsbruchvorgangs in die beiden Stadien ist in sofern von Bedeutung. Im Stadium II folgt der Riß überwiegend einer Richtung senkrecht zur Hauptnormalspannung und ist bei duktilen Werkstoffen auf der Bruchfläche durch charakteristische Rastlinien gekennzeichnet.1 illustriert nach Laird schematisch diese Stadienfolge des Ermüdungsbruchs von Metallen (Laird 1967).4. durch das Gefüge beeinflußten Gleitverhalten. die Dimensionen des Bauteils.

6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen

321

lage für die verschiedenen Lebensdauerberechnungskonzepte zu haben, werden zunächst in Abschn. 6.4.1 die charakteristischen Merkmale des Ermüdungsverhalten von Aluminium zusammengefaßt und eine Verbindung zwischen den zugrundeliegenden Mechanismen und charakteristischen Gefügemerkmalen aufgezeigt. Die Grundlage der Anrißbildung und des Rißfortschritts bildet das zyklische Verformungsverhalten des Werkstoffs, das sich vom quasi-statischen Dehnungsverhalten hinsichtlich der Versetzungsreaktionen unterscheidet und üblicherweise durch die zyklische Spannungs-Dehnungskurve dargestellt wird, s. Abschn. 6.4.2. Die zyklische Spannungs-Dehnungskurve bildet die Verbindung zwischen der Spannungs- und Dehnungswöhlerlinie des Werkstoffs. 6.4.1 Phänomenologie der Ermüdungsschädigung Das zyklische Verformungsverhalten von Aluminium und seinen Legierungen ist in zahlreichen grundlegenden Untersuchungen an Einkristallund Bikristallproben untersucht worden, da sich hierdurch sekundäre Einflüsse von Korngrenzen, Textur, Dispersions- und Verunreinigungsphasen ausschalten lassen. Die Übertragung dieser Erkenntnisse auf polykristalline, technische Legierungen ist jedoch wegen der zahlreichen Einflußfaktoren sehr komplex. Es müssen sowohl die Höhe der Spannungs- oder Dehnungsamplituden als auch die gegebene Legierungszusammensetzung, Korngröße, Textur, Warmverformungsgefüge, Grad der Vorverfestigung, Gegenwart verschiedener Gefügeelemente und – bei aushärtbaren Legierungen – der Ausscheidungszustand berücksichtigt werden. Alle diese Faktoren haben Auswirkung auf das spezifische Gleitverhalten und auf die Art von Versetzungsreaktionen, die das örtlich eintretende Ereignis der Anrißbildung vorbereiten. In reinem, unlegiertem Aluminium und in einphasigen Legierungen ist das zyklische Verformungsverhalten bei niedrigen Dehnungs- oder Spannungsamplituden gekennzeichnet durch Reaktionen von Versetzungen mit Punktfehlern (Leerstellen, Legierungsatome) in den aktiven, primären Gleitsystemen, bei höheren Amplituden dominiert die Wechselwirkung zwischen Versetzungen (Chicois et al. 1986). In ausgehärteten Legierungen treten dazu die Versetzungsreaktionen mit den Ausscheidungsphasen und verändern sich mit dem Ausscheidungszustand (Starke et al. 1989). In technischen Legierungen werden diese lokalen plastischen Vorgänge in aller Regel durch Primärphasen oder andere Spannungs- oder Dehnungskonzentrationen ausgelöst (s. unten). Im folgenden werden die grundsätzlichen Vorgänge und die einwirkenden Gefügeeinflüsse betrachtet, um eine

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6 Mechanische Eigenschaften

qualitative Beurteilung der Auswirkungen von Wärmebehandlungen und Verarbeitungsschritten zu ermöglichen.
Grundlegende zyklische Verformungsvorgänge in Aluminium und Aluminiumlegierungen

Unter der Wirkung von wechselnden Zug- und Druckspannungen werden zunächst diejenigen Gleitsysteme aktiviert, in denen durch günstige Orientierung zur Hauptbeanspruchungsrichtung die kritische Schubspannung für Versetzungsgleiten überschritten wird. Die dadurch erzeugten Gleitvorgänge sind besonders an der freien Proben- oder Bauteiloberfläche wegen der nur partiellen Verformungsbehinderung ausgeprägt. Die Hin- und Herbewegung von Versetzungen durch die Dehnungsumkehr verursacht in der äußeren Kornlage Versetzungsreaktionen und -vervielfältigung, die in den aktivierten Gleitebenen dichte Ansammlung von Versetzungsringen, Versetzungsdipolen und Leerstellen hinterlassen. Schließlich kommt es zu Versetzungsaufstauungen an Hindernissen, wie Versetzungswällen, Korngrenzen sowie Dispersions- und Primärphasenpartikeln. Durch die ausgeprägte Neigung des Aluminiums zum Versetzungsquergleiten werden im unlegierten und niedrig legierten Werkstoff Versetzungszellstrukturen erzeugt, die in Reinaluminium bereits nach ersten Lastwechseln nachweisbar sind und nach einem geringen Prozentsatz der Bruchlastwechselzahl eine stabile Größe annehmen. Ihre Abmessungen nehmen in einphasigen Legierungen mit wachsender Dehnungsamplitude ab. Die Zellwände werden mit zunehmender Zahl von Dehnungswechseln diskreter. Gleichzeitig fördern die erzeugten Leerstellen das Klettern von Versetzungen und deren energetisch günstigere Anordnung in Subkorngrenzen. Somit finden neben zyklischen Verfestigungsvorgängen zunehmend auch dynamische Erholungsvorgänge statt. Einigkeit herrscht darüber, daß die Anrißbildung durch Erreichen eines kritischen Zustandes in den zyklisch erzeugten Zellwänden oder Subkorngrenzen den grundsätzlichen Schädigungsmechanismus der Materialermüdung von unlegiertem, homogenen Aluminium darstellt (Zhai et al. 1996). Der Bruchverlauf ist demnach grundsätzlich transkristallin. Mit höherem Legierungsgehalt, z.B. bei mittelfesten AlMg-Legierungen, und besonders bei ausscheidungsgehärteten Legierungen wird die Versetzungszellbildung dadurch verzögert, daß durch niedrigere Stapelfehlerenergie oder durch Versetzungsschneiden von kohärenten Ausscheidungen das Quergleiten behindert wird. Es herrscht ein mehr (quasi-)planares Gleitverhalten vor. Das Schneiden von kohärenten Ausscheidungen führt zu deren Rückbildung. Der Gleitwiderstand verringert sich, wodurch die Versetzungsreaktionen in der aktiven Gleitebene zunehmen. Die Kine-

6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen

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tik der Versetzungsbewegung in den Gleitbändern wird durch die Interaktion von Versetzungen mit gelösten Legierungselementen beeinflußt (Kaschner et al. 2002). Das Hin- und Hergleiten von Versetzungen in den aktivierten Gleitebenen erhöht die Versetzungsdichte, verursacht Verfestigung und löst Gleitvorgänge in benachbarten Gleitebenen aus, die sich zu Gleitbändern mit hoher Versetzungsdichte vereinigen, s. die nachfolgende Beschreibung des Phänomens der „persistenten Gleitbänder“. In diesen Gleitbändern laufen zyklische Verfestigungs- und Entfestigungsprozesse ab, und man beobachtet eine dafür typische Zellstruktur in diesen bis zu wenigen µm dicken Gleitbändern (Forsyth 1963, Stubbington et al. 1966). Die Konzentration von Versetzungen in Gleitbändern wird als Vorstufe für die Bildung von Schwingungsanrissen angesehen. Die Rißausbreitung erfolgt in den Gleitbändern (Lindigkeit 1979). Der insbesondere bei ausgehärteten Legierungen häufig auch beobachtete interkristalline Anriß im Stadium I weist eher auf eine geschwächte Konstitution der Korngrenzen hin. Auch durch korrosiven Einfluß in diesem Stadium kann der Rißverlauf interkristallinen Charakter haben.
Persistente Gleitbänder

Anfänglich zyklische Verfestigung mit anschließender Entfestigung wurde bei zahlreichen Untersuchungen von unverformten Ein- und Vielkristallen aus Reinaluminium, u.a. von (Snowden 1963, Ryum et al. 1996, Ryum et al. 1996, El-Madhoun et al. 2003) und aus aushärtbaren AlCu-Legierungen (Abel et al. I 1966, Abel et alt. II 1966, Morris et al. 1989) im Kurzzeitund Langzeitfestigkeitsbereich festgestellt. Die Gleitbänder treten in der äußeren Kornlage an die Oberfläche und erzeugen Extrusionen und Intrusionen, die als „persistente Gleitbänder“ bezeichnet werden (PSB, engl. persistent slip bands). Das Auftreten solcher PSB ist jedoch abhängig von Legierungsart, Legierungsgehalt und Werkstoffzustand. Wie bereits erwähnt, entwickelt unlegiertes, weichgeglühtes Aluminium infolge seines ausgeprägten Quergleitverhaltens sehr schnell eine mehr oder weniger grobe Versetzungszellstruktur, die bereits nach wenigen Lastwechseln abgeschlossen ist. Persistente Gleitbänder sind bei Reinaluminium nicht so ausgeprägt wie bei Legierungen und werden – wenn überhaupt – erst gegen Ende der Lebensdauer beobachtet. Im Gegensatz dazu bilden sich in ausscheidungsgehärteten Legierungen ausgeprägte PSB, wie Bild 6.4.2 am Beispiel einer AlZnMg-Legierung illustriert (Forsyth 1963). Die Mikrostruktur solcher PSB zeigt eine charakteristische Versetzungsstruktur, die durch eine leiternartige Anordnung von parallelen Zellwänden beschrieben werden kann. Das Zellinnere ist gefüllt mit unregel-

Diese Vermutung scheint sich durch den ähnlich . (Basinski et al. Während sich die zyklische Verformung in den PSB konzentriert. Bild 6. Dadurch verlieren die Ausscheidungen ihre gleitbehindernde Wirkung.und Herbewegung auf. 1996). die Rückstellkräfte der Versetzungshindernisse sind gering. Durch die Rückbildung der GP-Zonen in den Gleitbändern dürfte sich das Gleitverhalten jedoch innerhalb der Gleitbänder dem des Reinaluminiums angleichen. Dichte und Intensität der Dehnungskonzentration in den Gleitbändern sind abhängig vom Ausscheidungszustand. T6.5-Legierung (Quelle: P.B.324 6 Mechanische Eigenschaften mäßig angeordneten Versetzungen. die jedoch durch zunehmende Verfestigung bis zum Erreichen eines Sättigungswertes kompensiert wird.2 Lichtmikroskopische Aufnahme von persistenten Gleitbändern auf der Oberfläche einer ausgehärteten AlZn7. Aus der anfänglich dichten Schar feiner Gleitbänder entwickeln sich zum Ende der Lebensdauer hin grobe. In Legierungen mit kohärenten Ausscheidungen (z. Eßmann et al.J. 1992.5Mg2. T7) haben je nach Grad der Kohärenz der Ausscheidungen unterschiedliche Einflüsse auf das zyklische Verformungs.und Schwingfestigkeitsverhalten. T4 Zustand) schneiden Versetzungen die Zonen und lösen diese durch weitere Hin. 1963) Einfluß des Aushärtungszustands auf die Schädigungsentwicklung Verschiedene Aushärtungszustände (z.4.B. (Für einen weitergehenden. Forsyth.h. z. persistente Gleitbänder.B. weist die umgebende Matrix kaum Verformungsmerkmale auf. T4. d.E. allgemeinen Überblick über charakteristische Eigenschaften und über Reaktionen von Versetzungen und Punktdefekten innerhalb von persistenten Gleitbändern bei Metallen sei auf die einschlägige Literatur verwiesen.

wodurch der Aufbau einer stabilen.oder Partikelgröße und vom Volumenanteil ab. Die Heterogenität des erzwungenen quasi-planaren Gleitverhaltens hängt vom Grad der Kohärenz. Man erwartet in diesem Fall einen verstärkten Bauschinger-Effekt. Die feine Gleitbandstruktur im T4-Zustand wird mit zunehmender Warmaushärtung gröber. Duva et al.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 325 geringen Bauschinger-Effekt von weichgeglühtem Reinaluminium und von kaltausgehärteten Legierungen zu bestätigen (Abel et al. Die Auswirkungen auf die Anrißbildung und letztlich auf die Schwingfestigkeit hängen von der Verteilung.h. 1964. Abschn.1). die stärkere Lokalisierung der Verformung infolge von Teil. Verschiedene Autoren berichten von ausscheidungsfreien Zonen in den groben Gleitbändern in warmausgehärteten Legierungen. Durch Kaltaushärtung (T4 Zustand) entstandene GP(I)-Zonen sind kleiner (1–2 nm) und leichter von Versetzungen zu schneiden als durch Warmaushärtung (T6 Zustand) erzeugte GP(II)-Zonen oder teilkohärente Ausscheidungen mit Größen von 10–20 nm (s. Diese plastische Instabilität in den groben Gleitbändern führt dann unmittelbar zur Anrißbildung. Planares Gleitverhalten ist theoretisch verbunden mit stärkeren Rückstellkräften an Versetzungshindernissen und bewirkt eine intensivere Reversibilität der Versetzungsbewegung. daß die Reversibilität der Versetzungsbewegung in den Gleitbändern durch Versetzungsreaktionen mit den gelösten Legierungselementen eingeschränkt wird. von der Zonen. Eine Analogie mit dem planaren Gleitverhalten von Metallen mit niedriger Stapelfehlerenergie ist daher problematisch. Sonsino 1983). Zahl und Feinheit der sich bildenden PSB und vom Entfestigungsprozeß innerhalb der PSB ab. 3. Dagegen setzt bei voll warmausgehärtetem Material die Entfestigung sehr spät ein. Durch volle Warmaushärtung (T66 Zustand) nimmt zwar sowohl die . die durch erneutes Aushärten wieder mit Ausscheidungen gefüllt werden können.6. löst aber wegen der höheren Versetzungsdichte in den gröberen Gleitbändern eine frühzeitigere plastische Instabilität aus als bei kaltausgehärtetem Material. I 1966. Das feinere quasi-planare Gleitverhalten von kaltausgehärtetem Material äußert sich in einer hohen zyklischen Verfestigung und in einer graduellen Entfestigung vor Beginn der Anrißbildung. Als Folge davon ist mit zunehmendem Aushärtungsgrad das zyklische Verformungsverhalten durch eine Vergröberung und höhere Versetzungsdichte der Gleitbänder gekennzeichnet (Clark et al. Der nur gering ausgeprägte Bauschinger-Effekt von GP-Zonen-gehärtetem Aluminium steht dazu im Widerspruch und läßt vermuten. Die Vergröberung der Gleitbandstruktur. 1988). nicht reversiblen Versetzungsstruktur verzögert wird (Starke et al. 1989).oder Vollaushärtung bei der Warmauslagerung ist demnach eher gradueller Natur und beruht nicht auf einer grundlegenden Änderung des Mechanismus. d.

allerdings verringert sich das Verhältnis von ertragbarer Schwingfestigkeitsamplitude zur statischen Zugfestigkeit. I 1966). sind Voraussagen über den Einfluß des Aushärtungszustandes auf den Ermüdungsvorgang allein auf der Basis von Versetzungsmechanismen problematisch. was sich in einem höheren Bauschinger-Effekt zeigt (Abel et al. Allerdings wurden auch gegenteilige Trends gefunden. ermittelt an 150 mm dicken Platten aus Legierung 7050T6 und -T7 in ST-Richtung (Lin et al. wodurch die Versetzungsdichte zunimmt. sondern müssen den tatsächlich vorliegenden Gefügezustand mitberücksichtigen. teilausgehärteten Material zu.4 für den Zustand T64 (teilausgehärtet) auf σa/Rm ≈ 0. daß durch Überalterung weichere ausscheidungsfreie Säume an den Korngrenzen entstehen können oder sich verbreitern. Da dieser Effekt entscheidend durch Rekristallisationsgrad und Korngröße mitbestimmt wird. Dichte und Aufstauung von Versetzungen an den nicht mehr schneidfähigen Ausscheidungsphasen verstärken sich. Im Ergebnis sollte demnach eine Überhärtung (T7 Zustand) die Anrißbildung verzögern und sich positiv auf die Lebensdauer auswirken. wenn auch die Effekte relativ gering sind. Mit dem Verlust der Ausscheidungskohärenz durch Überalterung (T7 Zustand) nimmt die Partikelgröße zu und der Partikelabstand vergrößert sich (bleibt aber um ein Mehrfaches geringer als der Abstand zwischen den sog. z. 2003). die Rückstellkräfte dieser Versetzungshindernisse nehmen zunächst zu. Bei mechanistischer Betrachtungsweise sind jedoch die kinetischen Abläufe der Vorgänge von zyklischer Verfestigung und plastischer Instabilität in den Gleitbändern bestimmend für den zeitlichen Beginn der Rißbildung und unterliegen den Einflüssen des Gefügezustandes. Dispersionsphasen. . unten).3 für den Zustand T66 (Jiang et al.B. die bei entsprechend günstiger Lage zur Hauptbeanspruchungsrichtung zusätzliche Orte für Dehnungslokalisierung und Anrißbildung darstellen. Nach Untersuchungen an Al-4%Cu Einkristallen verstärkt sich dadurch anfänglich die Verfestigungsrate (Abel et al. Die Instabilität der Ausscheidungen in aushärtbaren Aluminiumlegierungen wird häufig als Begründung für das gegenüber anderen Werkstoffen niedrigere Verhältnis der Schwingfestigkeit zur Zugfestigkeit angeführt. 1998). und dynamische Entfestigung sowie die Entwicklung nicht reversibler Versetzungsstrukturen dürften sich beschleunigen. Das Verformungsverhalten wird homogener. Diese können damit in Zusammenhang stehen.326 6 Mechanische Eigenschaften statische Festigkeit als auch die Schwingfestigkeit gegenüber dem kaltbzw. Versetzungen werden an den Hindernissen zu verstärktem Quergleiten gezwungen. s. für Legierungen EN AW-6063 und 6082 bei 5x105 LW und R = 1 von σa/Rm ≈ 0. II 1966). Der Übersättigungsgrad gelöster Legierungselemente hat sich deutlich verringert. Schwingfestigkeitsergebnisse. scheinen diese Schlußfolgerung zu bestätigen.

4.4. sowie geringere Volumenanteile an Primärphasen in Legierungen auf reinerer Basis positiv auf die Schwingfestigkeit oder Lebensdauer aus. Sie können von Versetzungen nicht geschnitten.4. 6.B. daß gröbere Primärphasen durch die vorhergehende Warm. Die in Bild 6. Bild 6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 327 Einfluß von Dispersionsphasen Die bei der Barrenglühung entstehenden.6. wo die Bildung von groben Gleitbändern wirksam unterdrückt wird (Jiang et al. Hinzu kommt. durch höhere Durchknetung bei der Warmumformung oder auf pulvermetallurgischem Wege erzielt werden können. Dieser erstreckt sich über die gesamte Fließkurve und bedeutet. Bekanntlich wirken sich feinere. homogen verteilte Primärphasen. die in ihrem unmittelbaren Umfeld Spannungskonzentrationen erzeugen. 1998). wodurch sich signifikante Verbesserungen der Lebensdauer ergeben (Kim et al. die eine Umordnung der Versetzungsstruktur ermöglicht. Abschn. Bauschinger-Effekt.6. Einfluß von Primärphasen Eine weitere Ursache für die Entwicklung von lokalen Dehnungskonzentrationen stellen spröde. Einfluß von Kaltverfestigung – Bauschinger-Effekt Die Wirkung einer mechanischen Vorverfestigung auf das zyklische Spannungs-Dehnungsverhalten hängt von der Stabilität der erzeugten Versetzungsstruktur ab. Es findet eine Versetzungsbewegung in entgegengesetzter Richtung statt. die Fragmente durch die Schwingbeanspruchung sich gegeneinander in der Matrix verschieben und so zu verschärfter Gleitbandbildung beitragen oder bereits Anrisse darstellen können. daß die durch einsinnige Verformung erzeugte Versetzungsanordnung bei einer Dehnungsumkehr nicht stabil ist (Haasen 1994). 2003). thermisch stabilen Dispersionsphasen in Mn-. Alle Metalle zeigen bei Dehnungsumkehr im statischen Versuch eine mehr oder weniger starke Erniedrigung der Fließgrenze – der sog. Cr.und Zr-haltigen Legierungen bewirken ebenfalls ein homogeneres Verformungsverhalten. die z. Auf gleiche Weise wirken die Dispersionsphasen in der AlMgSi-Legierung EN AW-6082-T6. daß es in einem ge- . intermetallische Phasen in technischen Legierungen dar.2 dargestellten groben PSB in AlZnMg-Legierungen können durch MnAl6-Dispersionen sehr stark verfeinert werden. s.und Kaltverformung aufbrechen. sondern nur umgangen werde.2) bedeutet nicht. durch schnellere Erstarrung des Gußvormaterials. Auf diese Weise beschleunigen Primärphasen das Erreichen eines kritischen Gleitbandzustandes und verringern dadurch die Lebensdauer. Selbst eine stabile Sättigungshysterese (s.

Ein solches Verhalten ist typisch für naturharte Aluminiumlegierungen.4. Bei Legierungen mit MnAl6-Dispersionen wird ein positiver Effekt der Kaltverfestigung auf die Schwingfestigkeit oder Lebensdauer erzielt.002) entwickeln sich Zellstrukturen. niedrig legiertem bzw. Versetzungsstrukturen in kaltverfestigtem.3 zu ent- Bild 6. Bild 6.4. 1963).p > 0. Bei hohen plastischen Dehnungsamplituden (εa.328 6 Mechanische Eigenschaften gebenen Dehnungszyklus keine verfestigenden Versetzungsreaktionen mehr gibt. daß Bauschinger-Effekt und dynamische Entfestigung stark genug sind. wie aus der Lage der Wöhlerkurven der Legierung EN AW-3004 (AlMn1Mg1) in den Zuständen weich und halbhart in Bild 6. die bei vergleichbarer plastischer Gesamtdehnung gröbere Dimensionen haben als nach einsinniger. um die Verfestigung zu kompensieren (Avery et al.4.7) weitgehend rückgängig gemacht. unlegiertem Aluminium gleichen sich bei Dehnungsumkehr denen von weichgeglühtem Material an. Obwohl die grundlegenden Versetzungsmechanismen bei statischer und zyklischer Verformung gleich sind. es bedeutet nur. Alcoa) . Die durch höhere Kaltverformungsgrade erreichte Verfestigung wird bis zum Erreichen der Sättigungshysterese (s. Die Gegenwart von Dispersionsphasen scheint jedoch das sich einstellende Versetzungszellgefüge und damit den Grad der Entfestigung zu beeinflussen.3 Einfluß von Kaltverfestigung auf das Umlaufbiegeverhalten ungekerbter und gekerbter Proben aus einer AlMn1Mg1-Legierung (AA3004) (n. unterscheiden sich die resultierenden Versetzungsstrukturen deutlich. quasi-statischer Verformung (Plumbridge 1970). Kaltverfestigte Aluminiumlegierungen unterliegen daher einer zyklischen Entfestigung.

3%) beobachtet. Nach Sonsino (Sonsino 1983) ist die Stauchgrenze einer um 5% gereckten. Streckgrenze und Stauchgrenze sind annähernd gleich. daß die Schwingfestigkeit durch eine Kaltverfestigung bei den naturharten.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 329 nehmen ist.6.5Mn-Legierung (AA5083. Bei aushärtbaren Legierungen treten gegenüber dem Ausgangszustand durch moderate Kaltverformung keine gravierenden Veränderungen ein (Pedersen et al. wobei die Höhe des Kaltverfestigungsgrades zwischen 10 und 70% praktisch keine Rolle spielte. Mn-Gehalt des Versuchsmaterials 0. wobei die Werte des unverformten Materials leicht unterschritten werden. 2004). Bei dem kaltverfestigten Material fanden Laird und Krause zudem nach anfänglicher zyklischer Entfestigung eine zyklische Verfestigung. mit der Behinderung von Gleitvorgängen über Korngrenzen hinweg in die benachbarten Körner (Quergleitverhalten) und mit der Konsistenz der Korngrenzen (Schwächung durch Belegung mit interkristallinen Phasen oder durch Wasserstoffversprödung) in Zusammenhang stehen. Gemeinhin wird durch Feinkör- . wurde auch bei der AlMg4. aber auch mit der Interaktion zwischen Ermüdungsanrissen und Korngrenzen (kristallographische Kurzrisse mit Abmessungen der Korngröße). 3-fache Lebensdauersteigerung durch Kaltverfestigung. eine ca. Die Legierung AlCu4Mg1-T4 verhält sich im unverformten Zustand zyklisch verfestigend. Einfluß der Korngröße Der Korngrößeneinfluß auf das zyklische Verformungsverhalten – ebenso wie auf die Schwingfestigkeit und auf das Rißfortschrittsverhalten – wird bestimmt durch diejenigen Schädigungsmechanismen. kaltausgehärteten Legierung AlCu4Mg1-T4 (EN AW-2024) nahezu identisch mit der Stauch. Verallgemeinernd läßt sich daher feststellen. 1970). die sie auf dynamische Reckalterung durch den Mg-Gehalt der Legierung zurückführten (Laird et al. Der Bauschinger-Effekt ist bei Aluminiumwerkstoffen allgemein deutlich schwächer ausgeprägt als bei Stahlwerkstoffen. nach einer Kaltverformung tritt jedoch eine zyklische Entfestigung ein. deren Entwicklung und Wirksamkeit direkt oder mittelbar mit der Ausdehnung der aktiven Gleitsysteme (begrenzt durch den Korndurchmesser). technisch relevanten Legierungen eher positiv beeinflußt wird. Der gleiche Effekt. Die dynamische Reckalterung wirkte sich besonders bei hohen Lastwechselzahlen und mit zunehmendem Kaltverfestigungsgrad deutlich stärker aus als bei weichgeglühtem Material und verursachte dadurch ein den ferritischen Stählen analoges Dauerfestigkeitsverhalten.und Streckgrenze des unverformten Materials. Dies wirkt sich im Kurzzeitschwingfestigkeitsbereich um 10³ Lastwechsel in einer geringfügig verkürzten Lebensdauer aus.

Die nur geringe Korngrößenabhängigkeit der Schwingfestigkeit von unlegiertem und niedrig legiertem Aluminium wird darauf zurückgeführt.330 6 Mechanische Eigenschaften nigkeit der Fließwiderstand erhöht. Lebensdauer von höher legierten und ausgehärteten Werkstoffen in den Zuständen T4 bis T6 dürften demnach empfindlicher auf Änderungen der Korngröße reagieren. daß Korngrößeneinflüsse auf das Schwingfestigkeitsverhalten häufig durch andere.4) mit der verbesserten Duktilität des feinkörnigen Materials erklärt. oben) überlagert werden. 3. daß in duktilen Werkstoffen Korngrenzen das Wachsen von Kurzrissen behindern. daß die zyklische Beanspruchung sich vornehmlich in der Bildung von Versetzungszellstrukturen auswirkt und die Blockierung der Versetzungsbewegung in Gleitbändern durch Korngrenzen keine Rolle spielt. Dieser Effekt wurde entsprechend den Coffin-Manson Gesetzmäßigkeiten (s. oder durch ausscheidungsfreie Korngrenzensäume (s. Letzteres kann man jedoch bei solchen Legierungen und Werkstoffzuständen erwarten. Der Korngrößeneinfluß auf das zyklische Verhalten und generell auf das Ermüdungsverhalten von Aluminium und seinen Legierungen ist daher sehr komplex und muß sehr differenziert betrachtet werden.3) gefunden. Abschn. . z. wenn die Ausdehnung der plastischen Zone oder des Spannungsfelds eines Ermüdungsanrisses sich über mehrere Körner erstreckt und die Chancen für eine Rißbildung an geschwächten Korngrenzen sich erhöhen. Es ist auch beobachtet worden. Bei Neigung zu interkristallinem Bruchverhalten kann jedoch eine feinere Korngröße unter Schwingbeanspruchung negative Auswirkungen haben. im überhärteten Zustand T7 dagegen weniger korngrößenabhängig sein. Es ist außerdem zu berücksichtigen.4. die – wie in Bild 6. wirksamere Gefügemerkmale. 1971). Ryum et al. 1996) und bei der Legierung AlMg3 (EN AW-5754) (Turnbull et al I 1995) auch ein Korngrößeneinfluß auf die Langzeitfestigkeit entsprechend der Hall-Petch-Beziehung (s. das plastische Verformungsverhalten homogener und die Duktilität verbessert. 6.B.4. Außerdem scheint die zyklische Spannungs-Dehnungskurve ebenfalls der Hall-PetchBeziehung zu gehorchen (El-Madhoun et al. In früheren Untersuchungsreihen wurde bei unlegiertem Aluminium und in spannungskontrollierten Wöhlerversuchen im Bereich der Langzeitfestigkeit kein Korngrößeneinfluß festgestellt (Pelloux 1969).2 gezeigt – zu mehr planarem Gleitverhalten neigen. Im Gegensatz dazu wurde bei neueren Versuchen an technisch reinem Aluminium (Turnbull et al. dagegen zeigte sich im mittleren und kurzen Zeitfestigkeitsbereich (< 105 Lastzyklen) eine Zunahme der Bruchlastwechselzahl bei feinkörnigem Material (Thompson et al. 2003). Abschn.1. Die Schwingfestigkeit bzw. II 1995. Primärphasen.

obwohl bekanntlich eine deutliche Verbesserung der Schwingfestigkeit und langsameres Rißfortschrittsverhalten beobachtet wird. die auf Abgleitungsfolgen in konjugierten Gleitebenen an der Oberfläche beruhen. Außerdem durchläuft der Anriß verschieden ausgedehnte innere Spannungsfelder. Die Bestimmung von Anrissen. Das Beispiel in Bild 6.4. So wurde durch Positronenspektroskopie festgestellt. ihre Lage.4. bei der die durch eine Kaltverformung erzeugten Gleitbänder durch die abschließende Warmaushärtung mit Ausscheidungen belegt und im Längsschliff durch Anätzen sichtbar wurden. daß Anrißbildung und -wachstum von den vorliegenden Gefügezuständen erheblich beeinflußt werden. Die Anrißbildung ist daher Gegenstand verschiedenster Modellvorstellungen über Bruchmechanismen. Ausdehnung und der Übergang zum Stadium II ist experimentell äußerst schwierig und nur zeitraubend zu ermitteln. auf der Schwächung der an der Kornoberfläche austretenden Gleitebenen durch Belegung mit Atmosphärilien während der Reversionsvorgänge oder auf der Erzeugung von Spannungskonzentrationen an den Oberflächenkerben der Gleitbandintrusionen. Ermüdungsanrisse – auch als Kurzrisse bezeichnet – haben eine Ausdehnung in der Größenordnung von wenigen µm bis zu Kornabmessungen. daß der kristallographische Anriß typischerweise entlang der zyklisch erzeugten Gleitbänder und Subkorngrenzen verläuft. Dieser Befund erklärt vielleicht auch die gelegentlich beobachtete Porenbildung im Zusammenhang mit dem Entstehen des Schwingungsanrisses (Zhai et al. und damit ein Bezug zum SWT-Schädigungsparameter hergestellt werden. 1995).6.4 zeigt deutlich die kristallographische Natur des Ermüdungsanrisses im Stadium I bei einer hochfesten AlZnMgCu-Legierung auf Reinstaluminiumbasis. Es wird deutlich. 1990). Der zum Anriß führende Grenzverformungszustand in den Gleitbändern könnte auch durch einen kritischen Wert des HystereseEnergieinhalts ∆σ ·∆ε gegeben sein. Viele Beobachtungen haben gezeigt. daß im Gegensatz zu statischen Bruchflächen die Rißflanken von Schwingungsrissen eine hohe Konzentration (∼ 4 ppm) von Leerstellen-Clustern enthalten (Egger et al. . s. Abschn. 2004). Entscheidend ist zweifellos die rein mechanische Ursache des Ermüdungsanrisses.4. da auch im Hochvakuum kein grundsätzlich anderes Verhalten gefunden wird. Einleuchtend ist auch der energetische Ansatz. der von einer kritischen Größe der inneren Energie der Gleitbänder durch Akkumulation von Kristallfehlern durch die fortdauernden reversiblen und nicht reversiblen Versetzungsbewegungen ausgeht (Venkataraman et al. 6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 331 Anrißbildung Der Übergang von persistenten Gleitbändern zu kristallographisch orientierten Ermüdungsanrissen des Stadium I ist das eigentliche Kernproblem der Schwingfestigkeitsforschung seit über 50 Jahren.

oder Warmaushärtung bei 120 °C. Zustand lösungsgeglüht.5. 2003). aber auch bei solchen Legierungen.a. Untersuchungen von Bomas (Bomas 1981) bestätigen.99).4. AlZn Mg(Cu)-Legierungen nach Kalt. die durch Zusammensetzung und Wärmebehandlung eine Neigung zu Spannungsrißkorrosion haben. der vermutlich auf die hohe Spannungskonzentration an den Auftrefforten von PSB an den Korngrenzen.B. stabilisiert 10 min. Interkristalline Rißanteile treten häufig bei AlMgSi-Legierungen mit Si-Überschuß und mit niedrigem Dispersionsgehalt auf (Jiang et al.4 Schwingfestigkeitsbruch mit Sekundärriß entlang von Gleitbändern im Stadium I. kaltverformt 15 % und warmausgelagert bei 120 °C bis zum Härtemaximum. wenn die Korngrenzen durch Ausscheidungsphasen. z. daß durch nicht ausreichende Abschreckung nach dem Lösungsglühen bei der Legierung EN AW-6005A die Schwingfestigkeit deutlich reduziert wird. stranggepreßt. Ostermann) Neben dem kristallographischen Anriß wurde in zahlreichen Studien ein interkristalliner Anriß beobachtet. (Quelle: F./120 °C.2. oder auf zyklische Dehnungskonzentration in ausscheidungsfreien Korngrenzensäumen zurückzuführen ist (Pedersen et al. 2004). Längsschliff mit Sekundärriß.5. ausscheidungsfreie Korngrenzensäume oder durch umgebungsbedingte Wasserstoffabsorption geschwächt sind. 3. s. Bild 6. Die Neigung zu interkristallinen Rißanteilen im Stadium I beschleunigt die Rißbildung und führt folglich zu niedrigeren Schwingfestigkeiten.4. s.332 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6. Legierung 7075 (Basis Al 99. Abschn. Interkristalline Rißanteile dürften demnach vor allem dann auftreten. abgeschreckt. .

s. Bild 6. Die höhere Schwingfestigkeit von Legierungen. die schließlich zum Anriß führen können. Bei geringem DAS (< 28 µm) wirken sich in AlSi7Mg die interdendritischen. SEM Aufnahme. kontrolliert durch die Erstarrungsgeschwindigkeit).4.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 333 Bild 6. Bild 6. 1969) .6 Ermüdungsrißentstehung an einer Primärphase in Legierung 2024-T4. 1969).9x104 Lastwechseln. K. bei gröberem DAS vor allem oberflächennahe Poren und Oxideinschlüsse (Zhang et al.6. Pedersen] In technischen Aluminiumlegierungen entstehen Ermüdungsanrisse im Gefüge fast immer an Stellen örtlicher Spannungskonzentrationen durch Gefügeinhomogenitäten. Lichtmikroskopische Aufnahme des Anrißortes (Grosskreutz et al. [n. eutektischen Si-Ausscheidungen aus. oben) (Grosskreutz et al.5 PSB-Anriß erzeugt Korngrenzenanriß in der Legierung EN AW-6063T6 nach 1. 2000). Bei Gußlegierungen sind die auslösenden Gefügeinhomogenitäten abhängig vom sekundären Dendritenarmabstand (DAS. Diese Spannungskonzentrationen lösen je nach Kornorientierung weit unterhalb der Streckgrenze Gleitvorgänge aus. Hierzu zählen bei Knetlegierungen insbesondere die Primärphasen (s.4.6.4.

B. der auf die durch die freie Oberfläche begünstigten Gleitvorgänge als notwendigen Rißbildungsprozeß hindeutet.t beaufschlagt und der resultierende Spannungsausschlag σa gemessen wird. 2004). Bei Gußwerkstoffen spielt neben der Homogenität des Gefüges die Existenz von Poren an der Oberfläche oder im oberflächennahen Bereich eine wichtige Rolle für die Schwingfestigkeit (Sonsino et al. selbst wenn im übrigen Querschnitt noch großvolumigere Poren vorhanden sein sollten (Gao et al. beschränkt auf die Materialoberfläche (Bathias et al.334 6 Mechanische Eigenschaften die auf reiner Metallbasis mit nur geringem Verunreinigungsanteil von Si und Fe oder auf Reinstbasis (Al99.und Kaltumformung bereits rißähnliche Mikrodefekte – z. Es ist damit zu rechnen. durch Bruch von Primärphasen – existieren. Andererseits ist die Rißbildung bei Aluminium und seinen Knetund Gußlegierungen immer. Halliday et al. 2004).7. s. Bild 6. daß in absehbarer Zeit auch für reale Konstruktionswerkstoffe der Rißbildungsprozeß und die anfänglichen Rißgrößen für die weitere bruchmechanische Ermittlung der Lebensdauer von Bauteilen rechnerisch zugänglich wird.4. Déprés et al. Manche Autoren gehen davon aus. Solche Mikrodefekte sollten jedoch im gesamten Materialvolumen verteilt sein. 2003). 1991). 2001) – ein Umstand. Chan 2003. indem die Probe mit einer konstanten ZugDruck-Dehnungsamplitude εa. Die Anrißbildung in kommerziellen Knetlegierungen ist seit langem Gegenstand kontroverser Diskussionen. 6. die sich nach einer gewissen Zahl von Dehnungswechseln als Sättigungshysterese herausbil- . 1976.2 Zyklisches Spannungs-Dehnungsverhalten Das zyklische Spannungs-Dehnungsverhalten wird an glatten.99) erschmolzen wurden. auch im Hochvakuum. belegt diese Tatsache. wo sie bei günstiger Orientierung infolge der hohen örtlichen Spannungskonzentration ebenfalls Anrisse verursachen müßten. Miller 1993. ungekerbten Zugprobestäben ermittelt.4. Die theoretischen Modellvorstellungen über die Phase der Anrißbildung werden zunehmend genauer und berücksichtigen auch verschiedene Gefügeeinflußfaktoren (Walgraef 2002. daß durch die Knetprozesse der Warm. Dabei erfolgt die Anrißbildung immer an der größten vorhandene Pore. Beim Durchlaufen eines Dehnungszyklus mit plastischen Dehnungsanteilen entsteht eine Spannungs-Dehnungs-Hysterese. die bei Schwingbeanspruchung oberhalb der „Dauerfestigkeitsgrenze“ zum sofortigen Rißfortschritt führen (Kitagawa et al.

Bild 6. Die Gesamtdehnungsamplitude εa. Bild 6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 335 Bild 6.t = εa. σa.4.1) Der Wert A (σa/εa. s. bei konstanter Dehnungsamplitude εa.4.p (6. εa.t) der Sättigungshysterese ergibt ein Wertepaar der zyklischen Spannungs-Dehnungskurve.t mit der Zahl der Dehnungswechsel für (a) einen zyklisch verfestigenden und (b) einen zyklisch entfestigenden Werkstoff det.7 Veränderung des Spannungsausschlags.p zusammen: εa.8.e + εa.4.8 Sättigungshysterese (links) und zügige und zyklische Spannungs-Dehnungskurven (rechts) eines zyklisch verfestigenden Werkstoffs .e und dem plastischen Dehnungsanteil εa.6.t setzt sich aus dem elastischen.4.

4. 2003) . (nach: C.9 wiedergegeben. wobei verschiedene Proben mit unterschiedlich hohen. Sonsino und Morgenstern.4. kaltverfestigte naturharte Legierungen dagegen zyklisch entfestigend (s. aber konstanten Dehnungsamplituden εa. Die zyklische Spannungs-Dehnungskurve unterscheidet sich deutlich von der quasi-statischen SpannungsDehnungskurve des Zugversuchs. dem sog.-Inst.336 6 Mechanische Eigenschaften Die zyklische Spannungs-Dehnungskurve wird mit sog. Incremental Step Test. oben). die nur mit dem ersten ¼-Zyklus der Spannungs-Dehnungs-Hysterese identisch ist. Bild 6. Alternativ und kostengünstiger kann die gesamte zyklische Spannungs-Dehnungskurve auch durch stufenweise Änderung der Dehnungsamplitude. Ob eine zyklische Verfestigung oder Entfestigung vorliegt. Abhängig von der stattfindenden zyklischen Verfestigung oder Entfestigung liegt die zyklische Spannungs-Dehnungskurve über oder unter der statischen SpannungsDehnungskurve. dehnungskontrollierten Versuchen ermittelt. ist abhängig von der Legierung und vom Werkstoffzustand. 1969). Ein Beispiel für das zyklische Verfestigungsverhalten der Blechwerkstoffe EN AW-5083-H111 und EN AW-6082-T6 ist in Bild 6. Flachproben 5 mm dick. an einer einzigen Probe ermittelt werden (Landgraf et al. Fh.9 Zyklische Spannungs-Dehnungskurven von EN AW-5083-H111 und EN AW-6082-T6. Nicht kaltverfestigte Aluminiumlegierungen in geglühten oder ausgehärteten Zuständen verhalten sich zyklisch verfestigend. für Betriebsfestigkeit (LBF).t beaufschlagt werden. Darmstadt.

nicht ausgehärteten Aluminiumlegierungen ist. daß unabhängig vom Grad der vorherigen Kaltverfestigung die zyklische Spannungs-Dehnungskurve nahezu identisch ist. Dieses Verhalten wird wiederum mit der ausgeprägten Neigung zum Quergleiten von Versetzungen infolge hoher Stapelfehlerenergie des Aluminiums begründet.b) mit n und n’ als Verfestigungsexponenten und K und K’ als Festigkeitskonstanten. zyklische Spannungsdehnungskurve. Rißfortschrittskurve Das Rißfortschrittsverhalten kann sehr gut mit den Methoden der linearelastischen Bruchmechanik beschrieben werden. Einen wichtigen Einfluß auf dieses Verhalten haben jedoch die Umgebungsbedingungen. zyklisch: ε a. die ausführlich in Abschn.und Wartungsmaßnahmen definiert werden können.2. jeweils für die zügige bzw. Mit Hilfe der Ramberg-Osgood Beziehung (Ramberg et al.4.4.2. da der Rißfortschritt bei .4. Im folgenden wird das grundsätzliche Rißfortschrittsverhalten von Aluminiumlegierungen behandelt.4. 5.9 eingetragen.a bzw.6. weil mit Hilfe der gefundenen Gesetzmäßigkeiten die Auslegung von Bauteilen und Strukturen sicherer gemacht werden kann und Inspektions. Für die Legierungen EN AW-5083-H111 und EN AW-6082-T6 sind die zugehörigen Werte in Bild 6. 6. deren Dimensionen von der jeweils angelegten Amplitude abhängig sind.7 – Korrosionsermüdung – beschrieben werden.2.b abgebildet werden: zügig: ε = bzw. Typisch für alle naturharten.t ⎛σ ⎞ = +⎜ a ⎟ E ⎝ K' ⎠ σ ⎛σ ⎞ +⎜ ⎟ E ⎝K⎠ 1 n (6. 1943) kann die Spannungsdehnungskurve im Bereich geringer plastischer Dehnungen für statische (“zügige”) und zyklische Beanspruchung durch die Beziehungen 6.4.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 337 Beim Erreichen der Sättigungshysterese bildet sich eine stabile Versetzungsstruktur heraus.4.2. 6.a) σa 1 n' (6.4.3 Rißfortschrittsverhalten Die Rißausbreitung unter Schwingbeanspruchung ist seit langem Gegenstand der Werkstofforschung.

4.4.3) Die Geometriefunktion Y ist in einschlägigen Tabellenwerken enthalten (Rooke et al. 1976.338 6 Mechanische Eigenschaften einem Spannungsniveau geschieht. Für einen elliptischen Anriß in einem unendlich ausgedehnten Körper ist Y = 1. da/dN. Bild 6.10 Schematische Darstellung der Rißfortschrittsprüfung und der ermittelten Rißfortschrittsgeschwindigkeit. bei konstantem R-Verhältnis . Bruchmechanische Kompakt-Zugprobe. die die Rißform und -lage im Bauteil berücksichtigt. Für die Berechnung des Rißfortschrittverhaltens werden Angaben über die Rißfortschrittsgeschwindigkeit pro Lastwechsel. in Abhängigkeit von der Schwingbreite der Spannungsintensität ∆K benötigt. da/dN.10 schematisch dargestellt. Newman et al.4. 1983. ∆K. da/dN. bei dem das Bauteil global nur elastisch beansprucht wird. Rißverlauf und daraus abgeleitete Rißfortschrittsgeschwindigkeit. ∆K. als Funktion der Schwingbreite der Spannungsintensität. N = Lastwechsel bedeuten. Murakami 1987). Die Schwingbreite der Spannungsintensität ∆K ist abhängig von der Schwingbreite der auf das rißbehaftete Bauteil wirkenden äußeren Spannung ∆σ = 2·σa und eine Geometriefunktion Y. ∆K = ∆σ ⋅ 2πa ⋅ Y (6. sind in Bild 6. als Funktion der Schwingbreite der Spannungsintensität. wobei a = Rißtiefe.

11 wiedergeben. 1961) mit der Beziehung Gl. Rastlinien gekennzeichnet.11 Rastlinien im Stadium II eines Ermüdungsbruchs bei der Aluminiumlegierung EN AW-7020-T5 .4. Bild 6. hierzu auch Abschn.4. Im Bereich II der Rißfortschrittskurve ist die Bruchfläche durch sog. der nach P.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 339 Die Rißfortschrittskurve kann man in drei Teilbereiche unterteilen. (6. Kurzrißproblematik). deren Abhängigkeit von ∆K einem unteren Grenzwert ∆K0 (engl.10. KIc beim abschließenden Gewaltbruch zustrebt. Bild 6. Bereich I betrifft sehr geringe Rißfortschrittsraten. Der Bereich III kennzeichnet den Bereich zunehmend instabilen Rißwachstums. Der Rißverlauf ist im allgemeinen transkristallin.4) wobei A eine Konstante und m die Neigung der Tangente darstellt.: threshold stress intensity. Paris (Paris et al.4) dargestellt werden kann: da m = A ⋅ (∆K ) dN (6. Das fraktographische Erscheinungsbild der Ermüdungsrißfläche im Bereich II ist beispielhaft im Bild 6. ∆Kth) zustrebt. s.4. Die Bruchfläche im Bereich III ist wie beim statischen Bruch durch Grübchenbildung gekennzeichnet.4. unterhalb dessen kein Rißfortschritt stattfindet (s. Der Rißfortschritt im Bereich I folgt den kristallographisch orientierten Gleitbändern korrespondierend mit den Beobachtungen zur Anrißbildung. kann jedoch bei entsprechend gestörter Ausbildung der Korngrenzen oder durch korrosive Einflüsse auch partiell oder vollständig interkristallinen Verlauf nehmen. Im mittleren Bereich II folgt die Kurve bei doppellogarithmischer Auftragung einem linearen Verlauf.6. das dem Grenzwert der bruchmechanisch definierten Rißzähigkeit Kc bzw.4.

5.12 für die Strangpreßlegierung EN AW-6005A-T6. Ein Beispiel für die Wirkung des Beanspruchungsverhältnisses R auf die Rißfortschrittskurve zeigt Bild 6.4. s.4 über der Rißverlängerung (a0 → a) und durch Ersetzen von ∆K aus Gl. Zur rechnerischen Vereinfachung – und um den Besonderheiten realer Rißfortschrittskurven einzelner Legierungen Rechnung zu tragen – wird die Rißfortschrittskurve in Sekantenzüge mit den Steigungen mi unterteilt. Die Datenpunkte sind dem Eurocode 9 entnommen [prEN 1999-1-3:2005] .4. der von der jeweiligen Mittelspannung abhängig ist.12 Rißfortschrittskurven für die Strangpreßlegierung EN AW-6005A-T6 (L-T) für die Spannungsverhältnisse R = 0.1 und R = 0. wird die Rißfortschrittskurve unterhalb des entsprechenden ∆KWertes unabhängig vom R-Wert.340 6 Mechanische Eigenschaften Ähnlich wie bei der spannungskontrollierten Wöhlerkurve ist die Lage der Rißfortschrittskurve abhängig von dem Beanspruchungsverhältnis R = Kmin /Kmax. wobei die Last in Strangpreßrichtung („L“) wirkt und Rißverlauf quer („T“) dazu verläuft (s. Durch abschnittweise Integration der Gl 6.3) kann die Lastwechselzahl N für die Rißverlängerung durch die Schwingbreite der äußeren Beanspruchung ∆σ errechnet werden.4.5.4. die Definition der Orientierungen bei Rißzähigkeitsprüfungen in Bild 2. Die Ursache dieser Abhängigkeit ist auf den Einfluß der Rißschließung beim Entlastungszyklus zurückzuführen. (6. Führt man die experimentelle Ermittlung der Rißfortschrittskurve mit einem Oberwert der Spannungsintensität Kmax durch. [prEN 1999-1-3:2005]. Bild 6.a.a.4).

dem Stadium II.6. In Bild 6. für die die Daten ebenfalls dem Eurocode 9 entnommen wurden [prEN 1999-1-3:2005]. AA1100-0) mit ausgeprägtem Quergleitverhalten hat einen deutlich höheren ∆K0 -Wert als kaltausgehärtetes Material mit quasi-planarem Gleitverhalten (z. Im Übergang zum Paris-Bereich.4.4. daß im Einzelfall werkstoffliche und versuchstechnische Einflußgrößen das tatsächliche Verhalten verändern können. schneiden sich jedoch die Rißfortschrittskurven und das Material mit planarem Gleitcharakter hat gegenüber dem Material mit Quergleitverhalten ein deutlich günstigeres Rissfortschrittsverhalten. Die Datenpunkte sind dem Eurocode 9 entnommen [prEN 1999-1-3: 2005] .13 sind weitere Rißfortschrittskurven verschiedener Halbzeuglegierungen dargestellt. AA2024-T4) (McKittrick et al. also im Bereich des kristallographischen Rißfortschritts. ∆K0 ist aber auch abhängig vom Gleitverhalten des Werkstoffs. von den Umgebungsbedingungen und der Prüftemperatur. z.13 Rißfortschrittskurven von verschiedenen Halbzeuglegierungen für R = 0.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 341 Der Schwellwert ∆K0 ist abhängig vom Spannungsverhältnis. Bild 6.B. Unlegiertes Aluminium (z.B.1 und für zwei verschiedene Beanspruchungsrichtungen. Die graphische Übertragung unterstellt dabei jeweils einen kontinuierlichen Kurvenzug in Analogie zur üblichen Repräsentation von Rißfortschrittsdaten. 1981). Die Abweichungen einzelner Datenpunkte von den kontinuierlichen Kurvenzügen deuten darauf hin. Die einzelnen Kurven unterscheiden sich hauptsächlich im Bereich geringer Rißfortschrittsgeschwindigkeiten im Schwellbereich.B. durch Reaktion mit den Umgebungsbedingungen.

14 (Carter et al. Metallurgische Aspekte des Rißfortschritts Beim Aufweiten eines Risses im Werkstoff bildet sich durch hohe Spannungskonzentration im Rißgrund eine plastische Zone aus. planarem Gleitcharakter günstigeres Rißfortschrittsverhalten als das überal- . Da die Bauteile zunächst nach der geringeren Steifigkeit und den niedrigeren schwingfestigkeitsbedingten Festigkeitswerten dimensioniert werden müssen. was im Einzelfall zu niedrigeren Rißfortschrittsgeschwindigkeiten des Aluminiumbauteils gegenüber dem Stahlteil führen kann. Mitarb. Die Ausdehnung rp der plastischen Zone ist abhängig von dem im Rißgrund herrschenden Dehnungs. s. hat ähnlich wie im Stadium I (Anrißbildung) einen Einfluß auf den Rißfortschritt. Nach (Knott 1973) kann die Ausdehnung rp der zyklisch erzeugten plastischen Zone unter ebenem Dehnungszustand an der Rißspitze ausgedrückt werden durch: ⎛ ⎞ ⎜ ∆K ⎟ r p = 0. an dem der Spannungsabfall die zyklische Dehngrenze Rp0. Dieses Verhalten wird besonders bei Versuchsdurchführung im Vakuum deutlich. oben). E. 1984).2 ' ⎟ ⎟ ⎝ ⎠ 2 (6. der Spannungsintensität ∆K und der lokalen Fließspannung und reicht etwa bis zu dem Ort. Starke Jr.2’ unterschreitet. wird im Gegensatz dazu der Rißfortschritt verlangsamt.4. weil – legierungsabhängig – der Umgebungseinfluß auf das Rißfortschrittsverhalten den eigentlichen Bruchvorgang überlagert. u. die zur Ausbildung der plastischen Zone führen. untersuchten teilausgehärtetes und überaltertes Plattenmaterial der Legierung AA7475 mit zwei verschiedenen Korngrößen (18 µm und 80 µm) unter Laborluft und im Vakuum.5) Die Art der Gleitvorgänge.033⎜ ⎜ R p0.A.und Spannungszustand. Bild 6.342 6 Mechanische Eigenschaften Im mittleren Bereich der Rißfortschrittskurve hat sich bei Vergleichen verschiedener Werkstoffarten herausgestellt. sind die den Rißfortschritt bestimmenden Spannungsintensitäten ebenfalls geringer. daß die Abhängigkeit da/dN von ∆K vor allem vom Elastizitätsmodul des Werkstoffs beeinflußt wird (Schwalbe 1980). Im Vergleich zu Stählen zeigt Aluminium wegen des geringeren E-Moduls demnach ein schnelleres Rißwachstum bei vergleichbaren Spannungsintensitäten ∆K. Dies bedeutet jedoch nicht. daß Aluminiumkomponenten gegenüber vergleichbaren Stahlkomponenten eine geringere Lebensdauer durch das Rißwachstum erfahren müssen. Dabei zeigte das teilausgehärtete Material mit grobem. Während planares Gleitverhalten die Rißbildung beschleunigt (s.4.

vor allem im teilausgehärteten Zustand. wodurch Versetzungsaufstauungen an Hindernissen in der plastischen Zone beim Entlastungszyklus eher aufgelöst werden als in Legierungen mit ausgesprochenem Quergleitverhalten (Starke et al. 1989). 1984) . daß bei feinkörnigem Material durch die Blockade der Korngrenzen der planare Gleitcharakter innerhalb der plastischen Zone sich nicht voll auswirken kann (Lindigkeit et al. 1979). nach E.1. 2001). wogegen bei dem grobkörnigen Material in Bild 6.6.und Überalterung im Schwellwertbereich der Spannungsintensität (da/dN zwischen 10-11 und 10-8 m/Zyklus) aus. Man nimmt an. Starke Jr. 1976).A.14 die Gleitlängen etwa der vier.4. Darüber hinaus verhält sich das grobkörnige Material günstiger als das feinkörnige. Bild 6. et al. wie auch Versuche an Luft und im Vakuum an der Legierung AA7049 bestätigten (Fonte et al. Das Verhältnis von Ausdehnung der zyklischen plastischen Zone zur Korngröße ist auch bei anderen Werkstoffen mit planarem Gleitcharakter ein deutlicher Einflußfaktor auf das Rißfortschrittsverhalten (Hornbogen et al.14 Rißfortschrittsverhalten der Legierung 7475 in teilausgehärtetem und überaltertem Zustand mit zwei unterschiedlichen Korngrößen in Laborluft und im Vakuum mit R = 0. (Carter et al. Besonders deutlich wirkt sich der mikrostrukturelle Unterschied zwischen Unter. Als Ursache wird die stärkere Reversibilität der Versetzungsbewegung in Legierungen mit planarem Gleitverhalten angesehen. homogenerem Quergleitcharakter.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 343 terte Material mit feinerem.bis fünffachen Ausdehnung der plastischen Zone entsprechen.4.

hinaus auszudehnen. Wächst der Anriß über das innere Spannungsfeld hinaus. Grobe DAS und Si-Partikel bewirken infolge der Rißschließeffekte höhere Schwellwerte ∆Kth für Langrisse und geringere Rißfortschrittsgeschwindigkeit da/dN im niedrigen ∆K-Bereich (Lados et al. die mit zunehmender Spannungsintensität ∆K abnimmt. Die physikalische Vorstellung dabei ist. Als grundlegendes Werkstoffverhalten wird jedoch das Rißfortschrittsverhalten von Langrissen angesehen. 1997). wurde geschlossen. das sich dem durch äußere Beanspruchung erzeugten Spannungsfeld überlagert. 6. als Dehnungswöhlerlinie be- . zum Stillstand kommt oder ein Minimum durchläuft und anschließend in das „normale“ Verhalten von Langrissen übergeht. etc. von Kerben ausgehende Risse verhalten. daß Kurzrisse sich wie kurze.4. daß Kurzrisse in einem lokalen inneren Spannungsfeld wachsen.4 Dehnungs-Wöhlerkurve (ε/N-Kurve) Die Abhängigkeit der Lebensdauer N von der Dehnungsamplitute εa. Aus diesem ungewöhnlichen Verhalten und der Beobachtung. daß sie anfänglich eine hohe Wachstumsgeschwindigkeit haben. allerdings spielt dabei die Homogenität des Gefüges eine überragende Rolle. Threshold Stress Intensity Wert. läßt sich durch Überlagerung mit der äußeren Beanspruchung das Rißfortschrittsverhalten der Kurzrisse aus dem Langrißverhalten ermitteln (Sadananda et al. Sind Größe und Verlauf der inneren Spannungsfelder bekannt. Phasen. daß die plastischen Gleitvorgänge vor der Rißfront intensiv genug sind. Die Quelle dieses inneren Spannungsfeldes können mikrostrukturelle Kerben oder Versetzungsaufstauungen sein sowie die Spannungskonzentration durch Extrusionen und Intrusionen von PSB an einer ungekerbten Oberfläche. ∆Kth –.t wird als dehnungskontrollierte Wöhlerkurve bzw. Kurzrißproblematik Das Wachsen eines Ermüdungsanrisses im Stadium I und darüber hinaus ist abhängig vom Überschreiten eines Schwellwertes der Spannungsintensität ∆K an der Rißfront. der mit Hilfe von Rißfortschrittsmessungen von Langrissen im Stadium II ermittelt wird. sich über die blockierenden Wirkungen von Korngrenzen. 2006). Im Gegensatz zum Rißfortschrittsverhalten von Langrissen zeichnen sich Kurzrisse dadurch aus. wird die äußere Beanspruchung für den weiteren Rißverlauf maßgebend.344 6 Mechanische Eigenschaften Al-Si-Mg-Gußlegierungen verhalten sich grundsätzlich ähnlich wie Knetlegierungen. Der Schwellwert der Spannungsintensität für den Rißfortschritt im Übergang von Stadium I zu Stadium II ist jedoch nicht identisch mit ∆K0 – dem sog.

s.p doppeltlogarithmisch über der Anrißlastwechselzahl1 NA auf. 1986). . Experimentelle Punkte beziehen sich auf Versuchsergebnisse bei Schmiedematerial aus Leg. die mit konstanten Dehnungsamplituden beaufschlagt werden bei R = εa.6) Trägt man εa.t.t = εa.p zusammen: εa. so daß NA = 2 Nf entspricht.e und einem plastischen Dehnungsanteil εa. Schädigungsparameter PSWT und Kerbgrundkonzept). Bild 6. Zur besseren analytischen Aussagefähigkeit der Wöhlerkurven sollte der einzelne Versuch am Ende der Anrißphase abgebrochen werden.p (6. EN AW-6082-T6 (Quelle: Grubisic und Lowak.4.6.e und εa.e + εa. Bild 6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 345 zeichnet und – wie das zyklische Spannungs-Dehnungs-Diagramm – an ungekerbten Proben.t.t setzt sich aus einem elastischen εa. Die Gesamt-Dehnungsamplitude εa.t.15 Dehnungswöhlerkurve mit elastischen und plastischen Dehnungsanteilen nach Coffin und Manson. Dehnungsgesteuerte Wöhlerkurven werden vor allem bei Lebensdauerberechnungen im Kurzzeitfestigkeitsbereich (<104 Lastwechsel) und Zeitfestigkeitsbereich (104 – 106 Lastwechsel) eingesetzt und können vorteilhaft bei Berechnungen der Lebensdauer von gekerbten Bauteilen verwendet werden (s. 1986) 1 In der Originalliteratur wird anstelle der Anrißlastwechselzahl NA die Zahl der Dehnungsumkehrungen Nf verwendet. erhält man nahezu lineare Abhängigkeiten der Anrißlastwechselzahl von den elastischen und plastischen Anteilen der Dehnungsamplitude.4.15 (Grubisic et al.4.min /εa. εa.max = -1 ermittelt.

σ’f und ε’f werden üblicherweise auf den ersten ¼ Zyklus bezogen.7) die Beziehung zwischen den Exponenten n’. der der statischen Spannungs-Dehnungskurve entspricht. e = (6. d.2b).346 6 Mechanische Eigenschaften Die „Gradengleichungen“ im log-log-Diagramm lassen sich wie folgt formulieren: σ 'f ε a. b und c (Morrow 1964) n' = b c (6. Gl. Es lag daher nahe.4.h.4. Letztere ergibt sich aus der Brucheinschnürung Z im statischen Zugversuch wie folgt: ε 'f = ln ⎜ ⎛ 1 ⎞ ⎟ ⎝1− Z ⎠ (6.9) und aus den Gln.10) Bei hohen Lastwechselzahlen NA > 105 wird der plastische Dehnungsanteil εa.1.6) ⋅ Nb A E ε a. Diese Gesetzmäßigkeiten wurden in den 60-er Jahren von Coffin (Coffin 1954) und Manson (Manson 1953/1954) erarbeitet.8) und ist damit identisch mit dem Maß für Duktilität ϕbr. Die Kompatibilität zwischen der zyklischen Spannungs-Dehnungskurve. (6. die Neigung der elastischen Dehnungswöhlergeraden b und der Spannungswöhlerlinie 1/k sind identisch: . ε’f eine Duktilitäskonstante.4. daß die (logarithmisch) lineare Abhängigkeit der Anrißlastwechselzahl von der elastischen Dehnungsamplitude εa.7) worin σ’f eine Schwingfestigkeitskonstante.6) und (6.4. (6.4. E den Elastizitätsmodul und die Exponenten b. den beiden Konstanten die physikalische Bedeutung aus dem Zugversuch zu geben.4. p = ε 'f ⋅ N c A (6.4.p an der Dehnungsamplitude εa.e maßgebend ist. Gl.und Spannungswöhlerlinie (S/N-Kurve) identisch. wobei σ’f als „wahre“ Bruchfestigkeit und ε’f als „wahre“ Bruchdehnung angenommen wurde.4.2). In diesem Lastwechselbereich sind Dehnungs. 6.t so gering. c die Neigungen der beiden Geraden darstellen. (vgl. und der Dehnungswöhlerkurve führt zu einer Beziehung zwischen σ’f und ε’f σ 'f = K ' ⋅ ε 'f n' (6.

verhalten sich diese Legierungen im hohen Zeitfestigkeitsbereich günstiger. z.4. wenn auch nicht im gleichen Verhältnis der statischen Zugfestigkeiten. s.4. das die Anrißbildung beschleunigen soll. Der Vorzug der Dehnungswöhlerkurve ist zudem die scheinbar geringere Streuung der Einzelwerte gegenüber der S/N-Kurve.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 347 b= 1 k (6. daß im höheren Zeitfestigkeitsbereich das ε/N-Verhalten der kalt. Trotz des quasi-planaren Gleitverhaltens.11) Mit diesen Gesetzmäßigkeiten der Dehnungswöhlerkurve (ε/N-Kurve) war die Hoffnung verbunden.und Gußlegierungen in Bild 6.4.und Gußlegierungen enthält Tabelle 6. In Bild 6. Im Kurzzeitfestigkeitsbereich sind die duktileren Werkstoffe den weniger duktilen Werkstoffen überlegen. eine durchgängige Darstellung der (Kurzzeit-) Ermüdung ausgehend vom Zugversuch bis hin zur S/N-Kurve zu erreichen.B. T6) Werkstoffe günstiger als das von nicht aushärtbaren Werkstoffen ist. Bild 6.4.4.1 . Die Auswertungen der ε/N-Kurven nach Coffin-Manson für eine Reihe von Knet.16 scheinen einen Bezug zur „wahren“ Dehnung εf (= ϕbr) im Zugversuch zu bestätigen.4.und warmausgehärteten (T4. 1987).und Gußwerkstoffe nach Literaturangaben. Die ε/NKurven von verschiedenen Knet.1.16 Dehnungswöhlerlinien für ausgewählte Knet. in (Boller et al.16 ist aber auch zu erkennen.6. Weitere Daten für die zyklische Spannungs-Dehnungskurve und zugehörige ε/N-Kurven findet man in der einschlägigen Literatur. Tabelle 6.

Werkstoffgruppen gültige Coffin-Manson-Parameter b und c zu definieren. Derartige verallgemeinernde Festlegungen sind nützlich für die erste Abschätzung des Schwingfestigkeitsverhaltens von Komponenten. LBF 1997.068 0.46 0.09 ----- 308 (0.04 0.072 75000 364 0.375 545 0.Zustand Rp0. sollten aber nicht für endgültige konstruktive Berechnungen zugrunde gelegt wer- .45·Rm ermittelt.110 1.28 199 0.4.257 451 0..-Inst. Datenquelle: ([1] Fh.087 69000 598 (0.09 0.159 69050 184 0.481 0.490 [5] [7] [1] [3] [2] [4] [5] [3] [8] [4] [4] [8] (0. [4] Grubisic et al.61 0.129 0.0351 70000 394 305 359 535 494 233 122 --0.39 0.43 0.910) [6] 270 0.33 0.115) (1.092 0.10 0.11 c (-) 0.644 0.098 0.04 0.23 0. [2] Fh.185) [6] 42100 T6 44100 F Aluminiumgruppe 1) 2) Daten in ( ) neu ausgewertet.27 0.467 631 689 994 489 --6.2' [Mpa] 69 421 430 n' (+) E K' σf' [Mpa] [Mpa] [Mpa] εf ' b (-) 0. 1989).901 1. einheitliche.0562 74000 392 (222) 0.78 1.12 0.143 0.43 724 0.347 745 709 278 228 1.1 Werkstoffkennwerte für die zyklische Spannungs-Dehnungskurve und Dehnungswöhlerkurve verschiedener Legierungen aus Literaturangaben und Neuauswertung1) Werk.109) (0. um so das Verhalten unter zyklischer Dehnungsbeanspruchung vorhersagen zu können. 2004) Die Ähnlichkeit der ε/N-Kurven verschiedenster Metalle und Legierungen hat dazu geführt. LBF 2002. 1969. manchmal auch für ε’f ein einheitlicher Wert festgelegt.41 0. In einer neueren Bewertung von 724 Datenreihen von Stählen.067 0.159 0.14 1.66 Lit.82·Rm bzw. für alle Werkstoffe bzw.613 0. [6] Endo et al. 0. s. 2) 2. [7] Wellinger et al.046 74550 478 0.129 70500 494 317 0.120 0.und 15 von Titanlegierungen und der verschiedenen Schätzansätze (Meggiolaro et al. [3] Kosteas et al.348 6 Mechanische Eigenschaften Tabelle 6. der Einschnürung ϕbr in Beziehung gesetzt.120 70327 888 0.2 Rm [Mpa] [Mpa] stoff 1100 2024 2024 5083 5083 6082 6082 6082 7020 7075 7075 H12 T4 T4 H111 H111 T6 T6 T6 T6 T6 T6 97 303 280 175 --303 310 348 --469 498 227 104 --110 476 455 303 --355 383 --579 576 265 168 --ϕbr Rp0.28 (348) 0.9x Rm --0. Gleichzeitig wurden die Parameter σ’f und ε’f durch statistische Auswertungen mit der Zugfestigkeit Rm bzw.13 0.75 0.-Inst. 2004) wurden mit Hilfe der Median Methode (statistische Mittelwertbildung) die Eckwerte der Coffin-Manson-Parameter neu angepaßt.12 0.1. Darüber hinaus wurden für die S/NKurve die Werte bei 103 und 105 Lastwechsel für die Gruppe der Aluminiumlegierungen mit 0. [8] Meggiolaro et al. 81 von Aluminium.48 0.4.53) 554 5.097 71016 978 0.106 76000 831 159 0.13 --- 0.07 71900 787 0. 1986.120 76000 257 0.43 0.056 0.208 1. 1971. [5] Boller et al. Tabelle 6.057 75000 435 0.07 0.

Der Schadensparameter PSWT basiert auf der Neuber-Regel für die nichtlineare Spannungs.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 349 den. wie metallurgische Einflußgrößen. Wetzel und Morrow vorgeschlagen (Topper et al. Schadensparameter definiert.7 „Einfluß von Kerben auf die Schwingfestigkeit“ näher erläutert. daß sie keine Beurteilung erlauben. Watson und Topper (Smith et al. etc) und Porosität. T7. Mit Hilfe der zyklischen Spannungs-Dehnungskurve und der Dehnungswöhlerlinie wurde ein sog. Ausscheidungszustand (T4.4.4.B. 6.4. T6.6.t ⋅ E ) 1 / 2 [MPa] (6. Der Schadensparameter wurde ursprünglich von Topper. Darüber hinaus haben solche einheitlichen Festlegungen den Mangel.12) Bild 6. 1970) üblich ist. obwohl heute die Bezeichnung des Schadensparameters PSWT nach Smith. 1969).17 Schadensparameter PSWT ermittelt an ungekerbten Zug-Druckproben bei R = -1 für verschiedene Aluminiumlegierungen. da sie im Zweifelsfall zu nicht-konservativen oder auch zu übermäßig konservativen Ergebnissen führen können.und Dehnungsverteilung in gekerbten Querschnitten und ist im Abschn. z. der insbesondere für die Abschätzung des Wöhlerverhaltens von gekerbten Proben und Bauteilen anhand der ε/N-Wöhlerkurve von ungekerbten Proben nützlich ist.und Dehnungsamplitude und Elastizitätsmodul: PSWT = (σ a ⋅ ε a. Die neueren Daten für EN AW-6082 und 5083 beziehen sich auf 5% Spannungsabfall als Abschaltkriterium und entsprechen etwa der Anrißlebensdauer NA. Der Parameter PSWT ist definiert als der geometrische Mittelwert aus Spannungs. das Schwingfestigkeitsverhalten beeinflussen. Für die anderen Daten gilt die Bruchlastwechselzahl . Reinheitsgrad.

σa (oder von der Schwingbreite der Lastspannungen.5 Spannungs-Wöhlerkurve (S/N-Kurve) Die Abhängigkeit der Anrißlastspielzahl NA von der Spannungsamplitude. daß für den Fall konstanter Lastamplituden ab einer Lastspielzahl von 5x106 LW die Langzeitfestigkeit („Dauerfestigkeit“) erreicht ist.4.350 6 Mechanische Eigenschaften Die Abhängigkeit der Lastwechselzahl NA von der Höhe des Schadensparameters PSWT folgt einem ähnlichen Verlauf wie die ε/N-Kurve.0Cu).4. wobei allerdings die Zeitfestigkeitsgerade mit einer geringeren Neigung (k2 = k1 + 2) .18. Die Zeitfestigkeitsgerade ist bei gegebenem Spannungsverhältnis R durch die Steigung 1/k und durch einen charakteristischen Schwingfestigkeitswert.17. 1-3:2004] gilt die Dauerfestigkeitsgrenze ab 5·106 LW definitionsgemäß für konstante Lastamplituden. Beispiele für einige Aluminiumknetlegierungen enthält Bild 6.13) Für den rechnerischen Nachweis geht man davon aus. Bei doppellogarithmischer Koordinateneinteilung wird die Wöhlerkurve im Bereich der Zeitfestigkeit annähernd geradlinig. was die rechnerische Behandlung erleichtert. Die Zeitfestigkeitsgerade läßt sich demnach durch folgende Gleichung darstellen: ⎛ ∆σ C Ni = NC ⋅ ⎜ ⎜ ∆σ i ⎝ ⎞ ⎟ ⎟ ⎠ k (6. die gesamte Wöhlerkurve in drei Teilbereiche einzuteilen: • Kurzzeitfestigkeit (bis 104 LW) • Zeitfestigkeit (104 bis 106 LW • Langzeitfestigkeit (Dauerfestigkeit. Die Konstruktionslegierungen EN AW-6082-T6 und EN AW-5083-H111 haben einen deutlich günstigeren Schadensparameter bei mittleren und hohen Lastwechseln als das sehr duktile. Für Betriebsfestigkeitsrechungen mit unterschiedlichen Lastamplituden gilt die Dauerfestigkeitsgrenze erst ab 1·108 LW. ∆σ = 2⋅σa ).4. 6. ∆σC / NC . niedrig legierte und kaltverfestigte AA1100H12 (Al99. Nach Eurocode EC9 [prEN 1999. obwohl Aluminiumlegierungen im allgemeinen keine ausgeprägte Dauerfestigkeitsgrenze haben (Ausnahme: verfestigte AlMg-Legierungen mit ausgeprägtem Portevin Le Chatelier Effekt). Es gelten die Begriffsdefinitionen lt.4. eindeutig gekennzeichnet. über 5·106 LW). wird als Spannungs-Wöhlerkurve (S/N-Kurve) bezeichnet. Bild 6. Es ist üblich.

Oberflächenbeschaffenheit und auch Versuchsdurchführung (Anriß oder Bruch als Abschaltkriterium) aus. die als Basis für die Aufnahme in Berechnungsregelwerke vereinbart worden ist. Auf diese Weise werden auch geringere Spannungsamplituden zur genaueren Lebensdauerbestimmung im Rahmen von Betriebsfestigkeitsrechnungen herangezogen. Außer den natürlichen Streuungen der Werte einzelner Versuchreihen wirken sich hierbei metallurgische Unterschiede. Pü = 97.B. sondern auch eine sichere Grenze der Überlebenswahrscheinlichkeit (z.19 zeigt ein Beispiel für die Streuung der Lastspielzahlen N bei gegebener Schwingbreite ∆σ für Konstruktionslegierungen der Gruppe Al-Mg-Si-T6 (6xxx).4.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 351 zwischen 5·106 LW und 1·108 LW verlängert wird. Bild 6. daß aufgrund einer genügend großen Probenzahl einer Versuchsserie eine statistische Auswertung erfolgen konnte. um für verschiedene Lasthorizonte nicht nur die mittlere Überlebenswahrscheinlichkeit (Pü = 50%). x -2s) zu ermitteln.18 Kenngrößen der Schwingfestigkeit in der Darstellung als SpannungsWöhlerkurve Generell ist die experimentelle Ermittlung der Schwingfestigkeitsdaten von spannungsgesteuerten Wöhlerversuchen mit erheblichen Streuungen behaftet.4. Voraussetzung für eine zuverlässige Berechnung der Lebensdauer anhand einer Wöhlerkurve ist deshalb. .7% entsprechend dem Mittelwert abzüglich der 2-fachen Standardabweichung.18 dargestellten Definitionen und der doppelt-logarithmischen Auftragungsart der Wöhlerlinie spricht man auch von normierter Wöhlerkurve.6. Bild 6. Probengröße.4. Bei Verwendung der in Bild 6.

4. Kap. Neuere Versuchsreihen weisen dagegen manchmal sowohl die Anrißkurve als auch die Bruchkurve aus. Mitteilung). wo Anriß. nach einer Literaturdatenauswertung von A. Eingezeichnet sind die S/N-Kurve und die charakteristischen Daten des EC9 für die Gruppe der 5xxx und 6xxx Legierungen unter Berücksichtigung des fatigue enhancement factors fR) = 1.19 Streubereich der S/N-Wöhlerdaten von 279 ungekerbten Axialproben der Gruppe AlMgSi im Zustand T6 bei R = 0. Ältere Versuchsreihen mit den üblichen Kleinproben beruhen meistens auf dem Bruchkriterium.2 (s. und zwar für ungekerbte und scharf gekerbte Proben (Morgenstern u. Beide Legierungen haben ungefähr die gleiche Zugfestigkeit Rm.4. Hobbacher (persönl.352 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6.20 enthält aus neueren Arbeiten Wöhlerdaten für die Legierungen EN AW-6082-T6 und EN AW-5083-H111. Typische Werte für ungekerbte Proben aus Strangpreßlegierungen 6xxx sind für die Bruch-Wöhlerlinie k = -7 und für die Anriß-Wöhlerlinie k = -8 bis -9. Gegenüber der ursprüngli- . unterscheiden sich jedoch erheblich in der Dehngrenze Rp0.und Bruch-Wöhlerlinien zusammenlaufen. 20) Bei der rechnerischen Verwendung der Daten ist darauf zu achten.2. Bild 6. ob die angegebenen Lastspielzahlen sich auf einen Anriß oder auf den Bruch der Probe beziehen. Im Bereich der Kurzzeitfestigkeit spielt der Rißfortschritt vom Anriß zum Bruch der Probe eine wesentliche Rolle im Verhältnis zum Langzeitfestigkeitsbereich. Kotowski 2003). Die Neigung der Anriß-Wöhlerlinie ist geringer als die der Bruch-Wöhlerlinie (kAnriß > kBruch).

Punktierte Linien entsprechen der Datenquelle 6. DVS 1608 u. Die Steigung der Anrißwöhlerlinie ist mit k* = -5.20 analog zum EC9 der Knickpunkt der Kurven bei ND = 5·106 LW sowie für die ungekerbten Proben die Steigung k = -7 gewählt. Bild 6. Die in Deutschland maßgebenden Regelwerke (DIN 4113.a.4.6 Langzeitfestigkeit („Dauerfestigkeit“) von Aluminiumwerkstoffen Abgesehen vom Flugzeugbau wurden Maschinen.6.0 entsprechend niedriger als die der Zeitfestigkeitsgeraden für Probenbruch mit k = -3.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 353 chen Darstellung (punktierte Kurven) wurden für die Wöhlerkurven in Bild 6.und Ingenieurbaukonstruktionen früher dauerfest und weitgehend unter dem Gesichtspunkt vorwiegend ruhender Belastung ausgelegt. Prüffrequenz f = 30 s-1 (Datenquelle: Morgensten und Kotowski 2003).20 Beispiel für normierte Wöhlerkurven für die Aluminium-Konstruktionswerkstoffe EN AW-6082-T6 und EN AW-5083-H111.4.4.2. Blechdicke 5 mm. Für die scharf gekerbten Proben der Legierung EN AW-6082-T6 lagen sowohl Daten über die Bruch-Lastspielzahl als auch über die Anriß-Schwingspielzahl vor.) gehen deshalb von vorwiegend ruhenden Lasten aus und berücksichtigen variable oder zeitabhängige .

Heute weiß man.und Scherbeanspruchung für alle genormten Aluminiumlegierungen.z-d = 0. die in entsprechenden Regelwerken oder Richtlinien als Kerbfallklassen (sog. Schweißnähten.5% entsprechen soll. d. Der Begriff „Dauerfestigkeit“ ist historisch geprägt durch das Verhalten der ferritischen Baustähle. wird heute nicht mehr aufrechterhalten. σD bei 107 Lastwechseln. Die Langzeitfestigkeit („Dauerfestigkeit“). Der Nachweis ausreichender Langzeitfestigkeit. Gleichermaßen gültig für Knet. daß bei Beanspruchung unterhalb der „Dauerfestigkeit“ keine Schädigung des Werkstoffs entsteht. Auch aus diesen Gründen findet die Lebensdauerabschätzung mit den Methoden der Betriebsfestigkeit zunehmende Anwendung.h. 1999) mit methodisch geschätzten Wechsel. gleichzeitig jedoch auch die Kerbempfindlichkeit. als Schwingfestigkeit bei 107 Lastwechseln) nimmt mit steigender statischer Festigkeit zu (~ 0. deren Schwingfestigkeit bei Lastspielzahlen über etwa 1x106 hinaus konstant ist. Die Langzeitfestigkeit („Dauerfestigkeit“) von Aluminium-Konstruktionslegierungen (definiert z. Man geht vielmehr davon aus. wie im Bild 6. 20. Dabei wird als normierte Wöhlerlinie eine einheitliche Steigung der Zeitfestigkeitsgeraden von k = 5.und Schwellfestigkeiten unter Zug-Druck-. Der Nennspannungsnachweis verwendet „zulässige Spannungen“ für Kerbfälle. Eine neuere Datenanalyse findet man in der FKM-Richtlinie von 1999 (Hänel et al. der einer Überlebenswahrscheinlichkeit von Pü = 97. etc. Kap.21 dargestellt ist.5). unterstellt unbegrenzt ertragbare Lastwechsel bei Beanspruchungsamplituden bis zur Höhe von σD.σ = 0. .und Gußlegierungen wird die Wechselfestigkeit bei 1·106 LW aus der genormten MindestZugfestigkeit Rm durch einen konstanten „Wechselfestigkeitsfaktor“ fw. FAT-Klassen) angegeben sind.30·Rm . wie Kerben. daß dieses Verhalten eher die Ausnahme als die Regel ist und daß die Schwingfestigkeit der Konstruktionswerkstoffe (auch der Stähle) allgemein bei Lastspielzahlen zwischen 106 und 109 weiter abnimmt (Bathias 1999.354 6 Mechanische Eigenschaften Zusatzbelastungen in den Kennwerten für die zulässigen Beanspruchungen. Die ursprüngliche Vorstellung.2). Biege.30 errechnet. s.4. sondern durch Korngrenzen oder andere Gefügeelemente blockiert werden. 2001). vermindert um Sicherheitsbeiwerte (in der Regel S = 1. σw. Bathias et al.h.. eine entsprechend hohe Lastamplitude dauerhaft ertragen werden kann. insbesondere von Schweißkonstruktionen.B. daß bei solchen Beanspruchungen entstandene Risse oder rißähnliche Gefügedefekte nicht bis zum vollständigen Bruch fortschreiten. sowie 2 Nennspannungen sind die sich aus den äußeren Kräften und Momenten ergebenden nominellen Spannungen im gefährdeten Querschnitt des Bauteils ohne Berücksichtigung von spannungserhöhenden Singularitäten.4xRp0. d. wird erbracht durch einen Vergleich der Nennspannungen2 in gefährdeten Bereichen mit den Dauerfestigkeitswerten. σD.

d. Bild 6. Diese Mittelspannungsempfindlichkeit. 6. wird definiert als Differenz zwischen den ertragbaren Spannungsamplituden bei wechselnder und schwellender Belastung im Verhältnis zur Mittelspannung bei Schwellbelastung: .45·Rm.21 Abhängigkeit zwischen Dauerfestigkeit und statischer Festigkeit von verschiedenen Aluminiumlegierungen geordnet nach zunehmender 0. Dieser Umstand bedeutet jedoch nicht. nach FKM-Richtlinie σw. infolge dessen die Lastspannungen geringer sind.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 355 eine Steigung im „Dauerfestigkeitsbereich“ zwischen 1·106 und 1·108 von k = 15 angenommen. M.4. daß der erreichbare Leichtbaugrad mit Aluminiumwerkstoffen zu Lasten der Ermüdungsfestigkeit der Konstruktionen geht. daß Aluminiumkonstruktionen überwiegend nach Steifigkeitsgesichtspunkten ausgelegt werden müssen.7 Mittelspannungsempfindlichkeit Eine Besonderheit der Aluminiumwerkstoffe ist die deutliche Abhängigkeit der ertragbaren Schwingungsamplituden von der Mittelspannung. Dies hängt ursächlich damit zusammen.h.2-Dehngrenze Im Vergleich zu Aluminiumwerkstoffen ist bei den Baustählen das Verhältnis von Wechselfestigkeit zur Zugfestigkeit deutlich höher.z-d = 0.4.6.

4. Nach W. Bild 6.2). erkennt man eine deutlich höhere Mittelspannungsempfindlichkeit der Aluminiumwerkstoffe gegenüber den Stahlwerkstoffen. Bild 6. W.22.7-H111 (Morgenstern und Kotowski 2003) ist die Mittelspannungsempfindlichkeit des Grundwerkstoffs. sie nimmt mit steigendem R-Wert zu.356 6 Mechanische Eigenschaften M= σ a ( R =−1) − σ a ( R =0 ) σ m ( R =0 ) (6. Sonsino.0 und 11. für Betriebsfestigkeit.14) wobei σa = Spannungsamplitude. Fh.5 unabhängig von der Kerbschärfe.4.22 Abhängigkeit der Mittelspannungsempfindlichkeit von der Festigkeit für verschiedene metallische Werkstoffe (n. Schütz ist die Streubreite von M etwa ±15% im Lastspielbereich zwischen 105 und 106 und bis zu einem Kerbspannungsfaktor von Kt = 5. LBF. Die Mittelspannungsempfindlichkeit steigt mit zunehmender Festigkeit des Werkstoffs. Schütz und C. s.-Inst.4.5Mn0. der WEZ und des Schweißgutes unabhängig von der Lastspielzahl (zwischen N = 104 und 107 LW) und von der Kerbschärfe (zwischen Kt = 1. Trägt man die Mittelspannungsempfindlichkeit gegenüber der Zugfestigkeit der Werkstoffe auf. σm = Mittelspannung und R = Spannungsverhältnis σu/σo Aus dem Spannungsverhältnis R und der Spannungsamplitude σa errechnet sich die Mittelspannung σm . Darmstadt) . Nach neueren Untersuchungen an MIG-Schweißverbindungen der Legierungen AlSi1MgMn-T6 und AlMg4.

d.25 besonders deutlich.h. unabhängig vom R-Wert ist.4. Ein Beispiel für den Strangpreßwerkstoff 6005A gibt Bild 6.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 357 Mittelspannungsunempfindlichkeit. EN AW-5083 und EN AW6082. Bei kompletten Datensätzen in Form von Haigh-. M = 0. also bei R = -1. Diese Situation ist vielfach bei kleinen und dünnwandigen Prüfkörpern gegeben. vor. Datenbasis: BS CP 118 Beim rechnerischen Nachweis der Schwingfestigkeit einer AluminiumKonstruktion muß diese R-Abhängigkeit berücksichtigt werden. wenn die Probekörper für die Wöhlerversuche relativ eigenspannungsfrei waren. Der Einfluß der Mittelspannung kann die Lebensdauer um mehr als eine Größenordnung verändern. zeigt das Bild 6. Goodman. daß die ertragbare Spannungsamplitude σa (bei gegebener Bruchlastwechselzahl) unabhängig von der Mittelspannung σm bzw. würde bedeuten.4.23 Einfluß der Mittelspannung auf die Bruchlastspielzahlen von Stumpfschweißverbindungen.4. Im vorliegenden Beispiel wird dieser Effekt unterhalb von R = 0. Andererseits möchte man die bei Schwellbeanspruchung (R = 0) ermittelten Werte auf andere niedrigere . Die R-unabhängige Übertragung dieser Ergebnisse auf Situationen mit positiver Mittelspannung kann unkonservativ sein. Welchen Einfluß die Mittelspannungsempfindlichkeit auf die Lebensdauer bei relativ eigenspannungsarmen geschweißten Kleinproben haben kann. da eine unsachgemäße Wahl der Schwingfestigkeitswerte unsichere oder überkonservative Konstruktionsauslegung ergeben würde.23.oder Moore-Kommers-Jasper (MKJ)-Diagrammen ist dies implizit enthalten. Bild 6.24.6. Legierungen: EN AW-5251. Smith-. In vielen Fällen liegen Schwingfestigkeitswerte bei reiner Wechselbeanspruchung.

s. Kurve D: MIG-Stumpfschweißnaht.358 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6. ist definitionsgemäß der Kehrwert der Mittelspannungsempfindlichkeit. Kurven beruhen auf Mittelwerten (Pü = 50 %) Spannungsverhältnisse übertragen können.24 MKJ-Diagramm für die Legierung EN AW-6005A-T6.4. Rv. nicht abgearbeitet.4. Die strichpunktierte Linie Bild 6. Kurve A: Grundwerkstoff bis 10 mm Dicke.25. M.4.25 Geometrische Beziehungen im MKJ-Diagramm . ohne eine zu konservative Auslegung zu riskieren. Näherungswerte erhält man durch Ausnutzen der geometrischen Beziehungen im Moore-Kommers-Jasper-Diagramm (MKJ). Bild 6. Der „virtuelle“ R-Wert. ohne Wärmebehandlung nach dem Schweißen.

Kε der Kerbspannungslehre.15) Selbst bei elastischer Nennspannung im Kerbquerschnitt wird bei duktilen Werkstoffen und schärferen Kerben die Fließgrenze im Kerbgrund überschritten. die auf Literaturangaben für einige mittelfeste Konstruktionslegierungen beruht. σDK. Mit Hilfe der Referenzkurve kann für eine gegebene Formzahl Kt ein Näherungswert für die Kerbwirkungszahl Kf entnommen werden. Bild 20. Bild 6.26). Bild 6. s.4.3.4.13.4. Kf < Kt σ DK (6. die vermutlich mit dem Gefügezustand (Aushärtungsgrad. Reinheitsgrad.27 enthält eine empirisch ermittelte Referenzkurve. Gleiches gilt für die übrigen Größen Kf . ihre Neigung kennzeichnet die Mittelspannungsempfindlichkeit M.6. s. Als Fließkurve des Werkstoffs muß dann die zyklische Spannungs-Dehnungskurve zugrunde gelegt werden (Diagramm rechts im Bild 6.t der Gesamtdehnungsamplitude im Kerbgrund. sondern auch für verschiedenartige Schweißverbindungen.26. gegenüber der Nennspannung σnenn erhöhte Kerbspannung σmax im Kerbgrund an: σmax = Kt · σnenn (6. 3 Für die Bezeichnung der Kerbformzahl wird im folgenden die international übliche Bezeichnung Kt anstelle von αk gewählt. σD. Die Abminderung der theoretischen Kerbspannung durch Plastifizierung wird durch die Kerbwirkungszahl Kf beschrieben. zur Dauerfestigkeit des gekerbten Stabes. Die Formzahl Kt 3) einer Kerbe gibt die mit Hilfe der Elastizitätstheorie errechnete. .4. wodurch durch Plastifizierung ein Spannungsabbau von σmax auf σa stattfindet.4. Kσ . Diese Darstellung hat Gültigkeit nicht nur für Grundwerkstoffwerte. definiert ist: Kf = σD .16) Die Kerbwirkungszahl Kf ist von der Formzahl Kt abhängig.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 359 gibt näherungsweise die Höhe der ertragbaren Spannungsamplitude bei unterschiedlichen R-Werten an. und schließt implizit eine weitgehende Unabhängigkeit der Mittelspannungsempfindlichkeit M vom Spannungsverhältnis R ein. daß Kf gewissen werkstofflichen Einflußgrößen unterworfen ist.4. d. 6.8 Einfluß von Kerben auf die Schwingfestigkeit Kerben verursachen örtliche Spannungserhöhungen und verringern dadurch die Schwingfestigkeit des Bauteils. Im Falle einer Wechselbeanspruchung entspricht σa der Spannungsamplitude und εa. Der Streubereich zeigt allerdings an. die durch das Verhältnis der Dauerfestigkeit des ungekerbten Stabes.h.

7 (EN AW-5083) . in denen die Wöhlerkurven auf Schwingspielzahlen für den Anriß (z. so ist doch mit einem annähernd konstanten Kf-Wert über einem größeren Lastwechselbereich (z. Wenn auch die statistische Sicherheit dieser Aussage noch weiterer Bestätigung bedarf.) zusammenhängen. 2004).B. N > 105 LW) auszugehen. Für Fälle. etc.B. scheint der Kf-Wert weitgehend unabhängig von der Lastwechselzahl N und daher auch auf den Zeitfestigkeitsbereich anwendbar zu sein (Morgenstern et al. Die Referenzkurve gilt für R = -1 und N = 5·106 LW.4.4. Bild 6.5Mn0. theoretischen Kerbspannung σmax und durch Plastifizierung des Kerbgrunds reduzierte Kerbspannung σa durch eine Kerbe mit Kerbradius ρ (links). Neuber-Regel für den Fall einer elastischen Nennspannungsamplitude (rechts) Textur. 5% Steifigkeitsabnahme) beruhen.26 Nennspannung σnenn.360 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6.27 Kerbwirkungszahlen Kf in Abhängigkeit von der Formzahl Kt nach verschiedenen Literaturquellen für die Legierungen AlSi1MgMn (EN AW-6082) und AlMg4.

Mit dem aus Gl. Bild 6.7-H112 aus neueren Untersuchungen (Morgenstern et al. s.18) Die dimensionslose Konstante s richtet sich nach der Belastungsart (Zug.5Mn0. Schub. Die fiktive Strukturlänge ρ* gilt als Werkstoffkonstante und ist daher abhängig von den Werkstoffeigenschaften. Durch diese Mikrostützwirkung wird die theoretische linearelastische Vergleichsspannung des Werkstoffelementes über einer fiktiven Strukturlänge ρ* durch eine mittlere Spannung ausgeglichen.oder Rundprobe) und der anzuwendenden Festigkeitshypothese (Tresca.4.4. Biegung. wodurch die Kerbwirkung reduziert wird. Probenform (Flach. Es geht zurück auf den Vorschlag von Neuber (Neuber 1936).3 wiedergegeben. Sie wird experimentell an scharf gekerbten Proben entweder nach dem Ansatz von Neuber (Neuber 1968a.4. invers von der Dehngrenze (Neuber 1968b).18) ermittelten fiktiven Kerbradius ρf läßt sich nun für gegebene Kerbradien ρ mit Hilfe von FEM Rechnungen oder mit analytischen Ansätzen die Kerbwirkungszahl Kf in Analogie zur theoretischen Formzahl Kt errechnen.a. daß ein hochbeanspruchtes Werkstoffelement am Kerbgrund durch Einbindung in seine quasi-starre Umgebung gestützt wird. b) oder nach Radaj (Radaj 1995) ermittelt: ρ ⎛K ⎞ ρ * = ⎢⎜ t ⎟ − 1⎥ nach Neuber s ⎢⎜ K f ⎟ ⎠ ⎣⎝ ⎡ ⎥ ⎦ 2 ⎡ 2 ⎤ (6. Neben Grundwerkstoffwerten (GW) wurden auch Werte für das Schweißgut (SG) und die Wärmeeinflußzone (WEZ) von MIGSchweißnähten gemessen.6. 2004) sind in Tabelle 6. Die Höhe dieser mittleren Spannung im Kerbgrund ergibt sich gegenüber der linear-elastischen Maximalspannung durch Ersetzen des realen Kerbradius ρ mit einem fiktiv vergrößerten Kerbradius ρf nach Gl.4.4. von Mises).26.4.20) Einige nach den Ansätzen von Neuber und Radaj ermittelten Werte von ρ* für die Werkstoffe AlSi1MgMn-T6 und AlMg4.4.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 361 Für die Berechnung der Kerbwirkungszahl Kf aus der Formzahl Kt wurde das Mikrostützwirkungskonzept entwickelt. Torsion). .2. (6. (6.19) ρ ⎛ K −1 ⎞ ⎟ − 1⎥ nach Radaj ρ * = ⎢⎜ t s ⎢⎜ K f − 1 ⎟ ⎠ ⎣⎝ ⎥ ⎦ ⎤ (6. u. Tabelle 6.4.18): ρf = ρ + s·ρ* (6. s.

35 3.7-H112 GW AlMg4. Eine solche Referenzdatenbank würde es erlauben.15 0.5 2 −ν 1 −ν 5 − 2ν + 2ν 2 2 − 2ν + 2ν 2 Normalspannungshypothese Schubspannungshypothese Gestaltänderungsenergiehypothese 1 1 Tabelle 6. Weitere systematische Untersuchungen der für den praktischen Gebrauch typischen Gefügezustände häufig verwendeter Legierungen bzw.33 3. Die Berechnung von Bauteillebensdauern mit Dehnungswöhlerlinien hat den praktischen Vorteil.2 4. Mit Hilfe der Kerbwirkungszahl Kf läßt sich die Lebensdauer von gekerbten Bauteilen auf der Grundlage von S/N-Kurven oder ε/N-Kurven ungekerbter Proben mit guter Zuverlässigkeit abschätzen.39 0.3 Ersatzstrukturlängen für einige Konstruktionswerkstoffe ρ [mm] (FEM) (σD/σDK) ρ* [mm] AlSi1MgMn-T6 GW AlSi1MgMn WEZ AlSi5 SG AlMg4.19 0.2 10.5Mn SG 0. weitere Erkenntnisse über den Gefügeeinfluß zu erlangen.3 eine gewisse Konsistenz mit den metallurgischen und mechanischen Eigenschaften der untersuchten Legierungen und ihrer verschiedenen Zustände.4.16 0. daß die Dehnungen in kritischen (Kerb-) Querschnitten eines Bau- .54 Die Ermittlung der Ersatzstrukturlängen erfordert eine hohe Anzahl von Einzelproben sowie die Erfassung der Anrißlebensdauer bei scharf gekerbten Proben.30 0. obwohl einige Werte um etwa 10% zu hoch erscheinen. Immerhin zeigen die Daten in Tabelle 6.91 0.40 0. Halbzeuge wären wünschenswert für die Verwendung der Ersatzstrukturlänge als Grundlage für die Abschätzung der Kerbwirkungszahl unterschiedlicher Kerbfälle.2 Mikrostützwirkungskonstante s nach Neuber Festigkeitshypothese Zug.60 4.23 0. um über eine ausreichende Wahrscheinlichkeitsanalyse die Lage der Wöhlerlinien und daraus die Kerbwirkungszahl mit genügender Genauigkeit zu bestimmen.5Mn0.4.15 11.& Biegung Torsion und Schub Rundstäbe mit Flachstäbe mit Kerben.27 0.4.2 10.00 4.2 11.2 11.35 Kt Kf Neuber Radaj ρ* [mm] 0.07 0. Löchern umlaufender Kerbe und Kehlen 2 2 1 2 2.07 0.362 6 Mechanische Eigenschaften Tabelle 6.07 0.24 0.

t /εnenn und σnenn = Nennspannung (Zugkraft/Netto-Kerbquerschnitt) σa = wahre Kerbspannung im Kerbgrund εnenn = σnenn /E. rechnerisch oder mit FEM ermittelt werden können.t = wahre Dehnung im Kerbgrund.22b) auch interpretieren als Index für gleiche Ermüdungsschädigung in einem gekerbten und ungekerbten Probekörper. (6.h.22a) K f (σ nenn ⋅ ε nenn ⋅ E ) 1/ 2 = (σ a ⋅ ε a . Man kann Gl. d.6.4.4.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 363 teils gemessen bzw. Dieses Örtliche Berechnungskonzept wird als Kerbgrundkonzept oder Kerbdehnungskonzept bezeichnet. ⎞ ⎟ ⎟ ⎠ 1/ 2 (6. Bei Schwingfestigkeitsberechnungen wird die Formzahl Kt in Gl. und über die zyklische Spannungs-Dehnungskurve aus der Dehnungswöhlerlinie die zu erwartende Lebensdauer abgeschätzt werden kann.t ⋅ E ) 1/ 2 (6. sonst aus zyklischer Spannungs-Dehnungskurve zu entnehmen εa.22b) Wenn bei hohen Lastspielzahlen (ab etwa 105 LW) sich Nennspannungen und -dehnungen im elastischen Bereich befinden. Die Lebensdauerberechnung bei elastisch-plastischer Beanspruchung im Kerbgrund mit Hilfe von Dehnungswöhlerlinie und zyklischer SpannungsDehnungskurve beruht auf der Neuber-Regel (Neuber 1961): Kt = (Kσ ⋅ Kε)1/2 (6.4. ε a . bei R = –1 werden im ungekerbten und gekerbten Probekörper Anrisse bei gleicher Schwing- .4. (6.4.4. wenn die Nenndehnung σnenn im elastischen Bereich ist.t ⋅ E ) 1/ 2 (6.21) wobei Kσ = σa /σnenn und Kε = εa. reduziert sich diese Gleichung zu K f ⋅ σ nenn = (σ a ⋅ ε a .4.21) durch die entsprechende Kerbwirkungszahl Kf ersetzt.23) Gleichung (6.t ⎛ σ Kf =⎜ a ⎜σ ⎝ nenn ε nenn bzw.22b) bezieht das Nennspannungsverhalten eines gekerbten Körpers auf das tatsächliche Spannungs-Dehnungs-Verhalten des Werkstoffs an der kritischen Stelle im Kerbgrund.

4. Die Ergebnisse sind leicht konservativ gegenüber den gemessenen Daten. beim Walzen von Gewinden. und äußeren Lastspannun- . Ein Beispiel für Schadensparameter-Wöhlerlinien. die besonders bei dicken Bauteilquerschnitten durch Behinderung des Verzugs wirksam sind. 6. Hämmern oder Kugelstrahlen („Shot Peening“) der Oberfläche. daß gekerbte und ungekerbte Probendaten in der gleichen Wöhlerkurve aufgetragen werden können bzw.4.20 rechnerisch ermitteln. σe. Rodopoulos et al. Nach Smith. daß Wöhlerdaten für ungekerbte Proben verwendet werden können. Wagner et al. siehe auch Abschn. Watson und Topper (Smith et al. höhere Spannungsamplituden ertragen werden können. um die Lebensdauer von gekerbten Proben abzuschätzen. Durch den Schrumpfungsprozeß beim Erstarren von Schmelzschweißnähten bilden sich beispielsweise in einer Schweißnaht Zugeigenspannungen aus. Dieser Effekt wird im Flugzeugbau und im Maschinenbau angewendet.4. u.und Mittelspannung um den Betrag der Druckspannung gesehen.17.4.4. Untersuchungsergebnisse liegen aus zahlreichen Veröffentlichungen vor. Nach allgemeiner Auffassung führt dann die Überlagerung von Zugeigenspannungen.27 läßt sich damit beispielsweise die Anrißwöhlerlinie für gekerbte Proben (Kt = 11.t·E)1/2 als Schadensparameter PSWT bezeichnet. Der Grund für die positive Wirkung von örtlichen Druckeigenspannungen wird in einer Verringerung der Ober. durch Festwalzen.25. (Speakman 1970. 1984. Mit Hilfe der Referenzkurve für Kf in Bild 6.2) der Legierung EN AW6082-T6 in Bild 6. zeigt Bild 6.t·E)1/2 für den ungekerbten Probestab ist. durch Aufweiten von Löchern („Coining“. Hirsch et al. 1992. s. 1970) wird (σa·εa. 6. Zhang et al.364 6 Mechanische Eigenschaften spielzahl erzeugt. Bild 6.4. Eigenspannungen. 2004). Andererseits wird Zugeigenspannungen genau die gegenteilige Wirkung zugeschrieben. wodurch sich die Lebensdauer verlängert bzw. haben bei allen Legierungen und Festigkeitsniveaus erhebliche Verbesserungen der Schwingfestigkeit oder der Lebensdauer zur Folge. als Mittelspannungen zu betrachten. sollten die positiven Auswirkungen von Druckeigenspannungen auf die Schwingfestigkeit ebenfalls mit der Legierungsfestigkeit zunehmen. σe .9 Wirkung von Eigenspannungen auf die Schwingfestigkeit Örtlich vorgenommene Kaltverfestigungen. Es ist üblich. die sich den äußeren Lastspannungen überlagern. auch als Reparaturmethode bei vorgeschädigten Löchern).4. die Druckeigenspannungen in der Oberfläche erzeugen. die auf der Basis von Dehnungswöhlerlinien berechnet wurden. Da die Mittelspannungsempfindlichkeit mit zunehmender Legierungsfestigkeit steigt.B. wenn Kf··(σnenn·εnenn·E)1/2 für den gekerbten Probekörper gleich (σa·εa. z. 2003.a. Das bedeutet.

wie bei gegebener Lastamplitude sich eine konstante Mittelspannung bzw. ein konstanter.29 zeigt die positive Wirkung des Kugelstrahlens auf die Schwingfestigkeit. als den tatsächlichen Beanspruchungen entspricht.2. Bild 6. solange sie nicht durch örtliche oder globale Plastifizierung sowie durch thermischen Spannungsabbau reduziert oder beseitigt werden.30 gibt den Verlauf der Eigenspannungen mit zunehmendem Abstand von der Oberfläche im Ausgangszustand und nach . positiver R-Wert einstellt.15 mm Ø und Almenintensität B6010N) von 4 mm dickem stranggepreßten Material der Legierung EN AW6082-T5 dienen.2%-Dehngrenze des Grundwerkstoffs entspricht (Rp0. Wenn also mit signifikanten Zugeigenspannungen in einem Bauteil gerechnet wird.28 Überlagerung von Zugeigenspannungen und Lastspannungen Zur Illustration mögen einige Untersuchungsergebnisse von Benedetti et al. zu einer örtlich höheren Belastung mit entsprechend negativer Wirkung auf die Lebensdauer bzw. Bild 6. daß Eigenspannungen nur solange wirksam sein können.2 = 280 ± 5 MPa).4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 365 gen. Bild 6. wenn (σe + ∆σ) ≥ Rp0. Andererseits zeigen diese Überlegungen. Beim Überschreiten der Fließgrenze werden die Eigenspannungen durch örtliches plastisches Fließen vermindert. (2004) über die Wirkung und Stabilität von Druckeigenspannungen durch Kugelstrahlen (Glasperlen 0.2 wird.6. Die beiden Zeitfestigkeitsgeraden treffen sich etwa bei 104 LW und bei ∆σ ≈ 270 MPa.4.4. was annähernd der statischen und zyklischen 0.4. Die Überlagerung von Eigenspannungen und Lastspannungen wird nach diesen Vorstellungen begrenzt durch die statische oder zyklische Fließgrenze des Materials. ∆σ. sollte deshalb von einem höheren R-Wert ausgegangen werden. auf die Höhe der ertragbaren Spannungsamplitude. Die hierfür verantwortlich gemachten Druckeigenspannungen wurden röntgenographisch nach chemischem Abtrag von Oberflächenschichten ermittelt.28 zeigt schematisch. Bild 6.

a.4. als der Druckspannungszone entspricht. Die Stabilität der Eigenspannungen bzw. Bilder 6. aber auch von der Intensität der Kugelstrahlbehandlung. Eine eingehende Betrachtung des Eigenspannungsabbaus durch Schwingbeanspruchung wurde u. deren Verlauf jedoch eine mindestens doppelt so große Tiefenausdehnung hat. Der Abbau der Eigenspannungen bei Schwingbeanspruchung geschieht im frühen Stadium der Belastung und mündet mit zunehmender Lastspielzahl in einen stabilisierten Zustand.9xRp0. Bild 6.4.2) und R = 0. von Zhuang und Halford vorgenommen (Zhuang et al. Die dadurch bewirkte Kaltverfestigung äußert sich in einer Härtesteigerung. 50% und läßt einen hohen Kaltverfestigungsgrad erwarten. 2004) Durch Kugelstrahlen wird die Werkstückoberfläche plastisch stark verformt.30 und 6.2 ist demnach oberflächlich mit einer amplitudenabhängigen . vgl.4. Vier-Punkt-Biegeprüfung mit R = 0. 200 µm und werden durch die (relativ hohe) Schwellbeanspruchung in Oberflächennähe um etwa 10 % vermindert.1 wieder. Nach den Schilderungen des zyklischen Spannungs-Dehnungsverhalten in Abschn.31. das Ausmaß des Eigenspannungsabbaus sind abhängig von der Höhe der Oberspannung bei Schwellbeanspruchung.29 Verbesserung der Schwingfestigkeit von EN AW-6082-T5 durch Kugelstrahlen. Die im vorliegenden Fall gemessene Oberflächenhärte entspricht einer Erhöhung der Zugfestigkeit des Grundwerkstoffs um ca. Dabei können Umformgrade bis zu etwa 40 % erreicht werden (Zhuang et al. 2001). 6. 2001).4.366 6 Mechanische Eigenschaften 10000 Lastwechseln bei ∆σ = 248 MPa (entsprechend einer Oberspannung von σo = 0.1. der etwas tiefer liegende Spitzenwert dagegen bleibt unverändert. Nach (Benedetti et al. Druckeigenspannungen existieren in einer schmalen Oberflächenschicht von ca.

2004) Bild 6. A = 13%).4. die zum Abbau der Druckeigenspannungen im oberflächennahen Bereich beigetragen haben wird.2 = 280 MPa.6. 2004) . Legierung EN AW-6082-T5 (Rp0. Bild 6. Rm = 300 MPa.4 Schwingfestigkeitsverhalten von Aluminiumwerkstoffen 367 zyklischen Entfestigung zu rechnen. Korngröße ~ 200 µm (Benedetti et al.31 Verlauf der Mikrohärte der Legierung EN AW-6082-T5 im Abstand von der Oberfläche durch Kugelstrahlen mit Almenintensität B60-10N (Benedetti et al.30 Verlauf der durch Kugelstrahlen erzeugten Eigenspannungen im Abstand von der Oberfläche.4.

wird vor allen Dingen die Anrißbildung (Stage I) verzögert. 2004). Z) werden je nach Legierungsart und Werkstoffzustand sowohl positiv wie negativ verändert. durch die die Gleitprozesse behindert werden.T. Verfestigungsrate (dσ /dϕ. Im Falle der warmausgehärteten Legierung EN AW6082-T5 dürfte die zwangsweise Aktivierung zahlreicher Gleitsysteme eine kritische Gleitbandbildung hinauszögern. daß weniger die Druckeigenspannungen als vielmehr eine möglichst thermisch und mechanisch stabile Kaltverfestigung der Oberflächenschicht für die Verbesserung der Schwingfestigkeit verantwortlich sein dürfte (Juijerm et al. Festigkeitswerte (Rm.5 Einfluß hoher Dehngeschwindigkeit Die üblicherweise bei Raumtemperatur „quasi-statisch“ ermittelten mechanischen Eigenschaften ändern sich bei hohen Beanspruchungsgeschwindigkeiten. Lebensdauer ist jedoch nicht hinreichend. Da Druckeigenspannungen sich besonders im Bereich hoher Bruchlastwechselzahlen positiv auf die Lebensdauer auswirken. Als wichtigste Ursache wird die hohe Versetzungsdichte in der gestrahlten Oberflächenschicht angesehen.B. aber auch für die Umform. 2001). Bei der Zerspanung können Verformungsgeschwindigkeiten von 103 bis zu 105 [s-1] auftreten (Shatla et al. 6. n) und Verformbarkeitswerte (Ag. A5. dürften jedoch geringere Bedeutung für die Lebensdauer haben. Darüber hinaus ist die Empfindlichkeit des Fließverhaltens gegenüber der Dehngeschwindigkeit .29 zu erklären. Während die mechanischen Eigenschaften im Zugversuch bei Dehngeschwindigkeiten von dε/dt ≈ 1x10-4 [s-1] bestimmt werden. Fließspannung (kf(ϕ)).und Zerspanungstechnik. werden bei hoher schlagartiger Beanspruchung (z. die als Vorstufe zur Anrißbildung angesehen werden (Wohlfahrt 1997).2).und Bruchverhalten der Aluminiumlegierungen ist daher von Bedeutung für den Einsatz in Sicherheitskomponenten und für die Modellierung des Crash-Verhaltens. Wirkungen auf die Rißschließung und folglich verzögerter Rißfortschritt sind nicht auszuschließen. beim Crash) Dehngeschwindigkeiten von 1 bis etwa 102 [s-1] und darüber hinaus gemessen.4. Auch aus Untersuchungen an festgewalzten Proben aus der Legierung EN AW-5083-H112 ist zu schließen. unterschiedlich auf derartig hohe Beanspruchungsgeschwindigkeiten.368 6 Mechanische Eigenschaften Eine rein mechanische Betrachtung der Wirkung von Druckspannungen in der Materialoberfläche auf die Schwingfestigkeit bzw. Kenntnisse über den genauen Einfluß von Dehngeschwindigkeit auf das Fließ. Rp0. um die experimentellen Ergebnisse in Bild 6. Die verschiedenen Aluminiumwerkstoffe reagieren z.

Abschn. ϕ = Dehngeschwindigkeit und m = Exponent. Es ist vorab darauf hinzuweisen. daß eine plötzliche Erhöhung der Dehngeschwindigkeit während eines Verformungsvorgangs – z. Über einem weiten Bereich der Dehngeschwindigkeiten (von 10-5 bis etwa 10² [s-1]) ergibt sich bei Aluminiumlegierungen andererseits eine weitgehend lineare Abhängigkeit der Fließspannung vom Logarithmus der . ein negativer m-Wert eine Abnahme des Fließwiderstands. C = Werkstoffkonstante. sowohl die Fließspannung kf als auch die Verfestigungsrate dσ / dϕ zunehmen. während eines Zugversuchs – in der Regel eine Erhöhung der Fließspannung zur Folge hat. Die Konstanten C. da durch die vorablaufende Lokalisierung der Gleitvorgänge in der Einschnürzone und in Scherbändern hohe örtliche Scherdehnungsraten entstehen können.1) mit kf = Fließspannung. und durch die dort entstehende Umformwärme eine lokale adiabatische Temperaturerhöhung stattfindet. die hier betrachtet werden. Der m-Wert ist temperaturabhängig und steigt deutlich bei höheren Temperaturen. s.5 Einfluß hoher Dehngeschwindigkeit 369 auch für das Verständnis des Bruchvorgangs von Bedeutung. Einfluß der Dehngeschwindigkeit auf die Fließspannung Für die meisten Aluminiumwerkstoffe gilt.5. daß mit zunehmender Formän& derungsgeschwindigkeit. bei denen er zur Stabilisierung des Fließverhaltens beiträgt und die Rolle des abnehmenden Verfestigungsexponenten n übernimmt. dϕ/dt = ϕ . unter unterschiedlich hohen Formänderungsgeschwindigkeiten sowohl positiv als auch negativ verändern. die die dynamische Entfestigung beschleunigt. Dehnratenempfindlichkeit – angibt.5. Dagegen kann sich die Fließspannung bei kontinuierlichen Verformungsprozessen.6. der den Grad der Abhängigkeit der Fließspannung (bei gegebenem Verformungsgrad) von der Dehngeschwindigkeit – die sog.6. s. ϕ = Formänderungsgrad. „Backofen Step-Test“ (Backofen 1964). Das Fließverhalten in Abhängigkeit von der Dehnrate wird häufig mit der nachstehenden Beziehung wiedergegeben: & k f = C ⋅ϕ n ⋅ϕ m (6.2) Ein positiver m-Wert bedeutet Erhöhung des Fließwiderstands durch Zunahme der Dehngeschwindigkeit. & n = Verfestigungsexponent. n und m sind temperaturabhängig. Bei konstanter Temperatur und gegebenem Verformungsgrad ϕ ergibt sich m aus: ⎛ ∂ log k f m=⎜ ⎜ ∂ log ϕ & ⎝ ⎞ ⎟ ⎟ ⎠ T .B.4.ϕ (6. 6.

was auf einen Wechsel der Verformungsmechanismen (visko-plastisches oder adiabatisches Verformungsverhalten) hindeutet (Lee et al.2. 2000).5.1 zeigt den deutlich höheren Geschwindigkeitseinfluß auf die (untere) Streckgrenze eines kohlenstoffarmen Stahls im Vergleich zur Fließspannung (gemessen bei 18% Scherverformung) von AA1100-0 (entspr.0Cu) (Gilat et al. In diesem Bereich kann die Fließspannungsabhängigkeit kf(ϕ) von der Dehnrate bei gegebener plastischer Dehnung ϕ nach folgender Beziehung angesetzt werden: & k f (ϕ ) ≅ k f 0 (ϕ ) + k f 1 (ϕ ) log ϕ (6. Im Gegensatz zu Stahlwerkstoffen ist der Geschwindigkeitseinfluß bei allen Aluminiumwerkstoffen vergleichsweise gering. Bilder 6. 1970) und für Aluminium AA1100-0 (entspr.5.5.5.) Oberhalb von 103 bis 104 [s-1] nimmt die Fließspannung von Aluminium deutlich zu.1 und 6. Bild 6. (Die zugrundeliegenden Scherspannungs-Scherdehnungswerte können nach v. s. 2000). Bild 6.370 6 Mechanische Eigenschaften Dehngeschwindigkeit.1 Abhängigkeit der (Scher-) Fließspannung von der (Scher-) Dehngeschwindigkeit für einen kohlenstoffarmen Stahl (Campbell et al.0Cu weich). EN AW-Al99.3) Eine weitere allgemeingültige Aussage betrifft den absoluten Grad der Dehnratenempfindlichkeit m der Fließeigenschaften.5. Mises in Vergleichsspannungs-Dehnungswerte umgerechnet werden. Dieses Verhalten gilt im übrigen auch bei höheren Temperaturen (Oosterkamp et al. indem die Scherspannung mit √3 multipliziert und die Scherdehnung und ScherDehngeschwindigkeit durch √3 dividiert werden. 2002) bei Raumtemperatur . EN AW-Al99.

5.3.5.7-H116 (EN AW-5083) über einem großen Dehnratenbereich zeigt Bild 6. Dieses Verhalten wird auf den Mechanismus der dynamischen Reckalterung (PLC-Effekt) zurückgeführt (Naka et al. 3.6.5Mn0.2. 1999). Bild 6. die eine negative Dehnratenempfindlichkeit besitzen.5.h.2 Abhängigkeit der Fließspannung (bei angegebenem Verformungsgrad in %) von der Dehngeschwindigkeit für Reinstaluminium und verschiedene Legierungen.2 nicht gestützt. auch Abschn. Datenquellen: offene Symbole (Green et al. wird allerdings durch die Daten der Legierungen EN AW-7108-T79 und AW-6005A-T6 (Oosterkamp et al. 2000).4 (Clausen et al. 1999.5Mn0. d. bei denen mit zunehmender Dehngeschwindigkeit der Fließwiderstand sinkt.5 Einfluß hoher Dehngeschwindigkeit 371 Die häufig angetroffene Feststellung. jedoch bei gleichzeitiger Zunahme der Bruchdehnung.5. Offensichtlich spielen Legierungsart und Werkstoffzustand eine Rolle. volle Symbole (Oosterkamp et al. 2000) und AW-6005A-T6 (Børvik et al. Meßwerte der Fließspannung (bei 5% Dehnung) für die verfestigte Legierung AlMg4. s. Wagenhofer et al. + nach (Børvik et al. daß die Fließkurve der Legierung AlMg4.4 (EN AW-5182-0/H111) mit zunehmender Dehnrate zwischen 0. daß die Dehnratenempfindlichkeit von Aluminium bei Raumtemperatur mit zunehmendem Legierungsgehalt abnimmt (Green et al. 2005) Einen Sonderfall stellen die AlMg-Legierungen dar.3 zeigt. 1970).007 und 250 s-1 leicht abnimmt. 1970). 2004). Bild 6. 2005) in Bild 6. Der Dehnrateneinfluß auf .

5.372 6 Mechanische Eigenschaften die Fließspannung scheint bei dem verfestigtem Material etwas stärker ausgeprägt als bei dem weichem Material in Bild 6. 2004) .4 Meßwerte der Fließspannung für die Legierung EN AW-5083-H116 (AlMg4.5.5Mn0.3 Fließkurven der Legierung EN AW-5182-0/H111 bei unterschiedlichen Dehnraten. was auf eine Änderung des plastischen Verformungsmechanismus hindeutet. ermittelt im Zugversuch mit Extensiometer bei niedrigen Dehnraten bzw. Werte in Walzrichtung (Clausen et al. mit DMS und Funkenkamera bei 250 s-1 (Quelle: S. Bonn) Bild 6.7) über einem großen Bereich von Dehnraten bei Raumtemperatur.3. Erst bei sehr hohen Dehngeschwindigkeiten um 103 [s-1] nimmt die Fließspannung wieder deutlich zu.5. HydroAluminium. Keller. Bild 6.

7 andeutet. (El-Magd et al. wird die Duktilität – gemessen als Bruch- . Allerdings vertreten Børvik et al. 1966). (Hooputra et al.103 [s-1] haben (Karnes et al.5.5.3 und 6.5.5 Einfluß hoher Dehngeschwindigkeit 373 Die mit Ausnahme der AlMg-Legierungen positive Dehnratenempfindlichkeit der Aluminiumlegierungen erstreckt sich vermutlich aber nur über einen bestimmten Anfangsbereich der Fließkurve. Hooputra et al. Ein Vergleich der Ergebnisse in den Bildern 6.5 und 6. unlegierten Aluminium mit verschiedenen Kaltverformungsgraden bis etwa zum halbharten Zustand haben gezeigt. Das Verhalten stimmt sehr gut mit anderen Untersuchungsergebnissen überein (Oeser et al. Als Grund vermuten die Autoren die Auswirkung adiabatischer Erwärmung in den Scherzonen mit zunehmendem Verformungsgrad. (Børvik et al. 2001) ermittelten Fließkurven im Stauchversuch bei den ausgehärteten Legierungen EN AW-7108-T6 bzw. AlZnMg(Cu)-Legierungen weichen von diesem Verhalten ab.6 am Beispiel der Legierung AlSiMg(A) (EN AW-6005AT6) wiedergegeben. Das gleiche Verhalten wurde auch in den verschiedenen Zonen von MIG-Schweißverbindungen an der Legierung AlSiMg(A)-T6 mit Schweißzusatzwerkstoff AlMg4. 2004) und El-Magd et al. wie Bild 6. 2000) und kann als typisch für AlMgSi-Legierungen angesehen werden. obwohl die veröffentlichte Datenbasis dürftig ist. da die Umformwärme bei den hohen Geschwindigkeiten nicht mehr an die Umgebung der Scherzonen abgeführt werden kann. und dadurch der dynamische Entfestigungsprozeß beschleunigt wird.6. daß unterschiedliche Kaltverformungsgrade praktisch keinen Einfluß auf die Dehnratenempfindlichkeit der Fließspannung bei Dehngeschwindigkeiten zwischen 10-4 und 4.2. 2005) durch Auswertung von Beschußversuchen die Auffassung. Während die Bruchdehnung A5 von der Dehngeschwindigkeit annähernd unabhängig ist. EN AW-6082-T6 und EN AW-6061-T6 und fanden bei Dehnraten von 10² [s-1] eine negative Dehnratenempfindlichkeit bei plastischen Stauchgraden von ϕ > 0.5MnZr festgestellt (Oeser et al. daß bei AlMgLegierungen ein gewisser Effekt der Vorverfestigung auf die Dehnratenabhängigkeit der Fließspannung besteht. Einfluß der Dehngeschwindigkeit auf die Duktilität Das Duktilitätsverhalten bei unterschiedlichen Dehnraten ist in den Bildern 6. Danach nehmen sowohl die Bruchdehnung als auch die Brucheinschnürung mit der Dehngeschwindigkeit zu. Einfluß von Vorverfestigung auf die Dehnratenempfindlichkeit Untersuchungen an reinem.5.5. daß Aluminiumlegierungen durch ihre wesentlich höhere Wärmeleitfähigkeit im Vergleich zu Stählen weniger zu adiabatischer Scherbandbildung und thermoplastischer Instabilität neigen. 2000).4 legt nahe.

geprüft in Preßrichtung mit unterschiedlichen Dehnungsgeschwindigkeiten.5. 2005) Bild 6. Bild 6.5 Spannungs-Dehnungskurven eines ca.374 6 Mechanische Eigenschaften einschnürung – mit zunehmender Dehnrate deutlich geringer. daß die Brucheinschnürung im Zustand T7 eine größere Abhängigkeit von der Dehnrate zeigt als im Zustand T6. ohne daß man allerdings von einer Versprödung sprechen kann. Auffallend ist weiterhin. 6 mm dicken Strangpreßprofils der Legierung EN AW-6005A-T6.6 Einfluß der Dehngeschwindigkeit auf die mechanischen Eigenschaften der Legierung EN AW-6005A-T6 (Quelle: Hydro Aluminium) .5. Zugversuche: niedrige Geschwindigkeiten servohydraulisch. hohe Geschwindigkeiten mit Split Hopkinson Bar (Børvik et al.

2004). Schraffur deutet den Streubereich der Meßwerte an .5.5. 2004).5 Einfluß hoher Dehngeschwindigkeit 375 Bild 6. (Clausen et al.8 dargestellten Ergebnisse zeigen (Clausen et al.5.8 Einfluß der Dehngeschwindigkeit auf die wahre Bruchdehnung ϕbr der Legierung EN AW-5083-H116 bei Raumtemperatur. Bild 6.6 unterstellte lineare Abhängigkeit der wahren Bruchdehnung ϕbr vom Logarithmus der Dehngeschwindigkeit trifft nicht auf AlMg-Legierungen zu.5.7 Einfluß der Dehngeschwindigkeit auf die mechanischen Eigenschaften der Legierung EN AW-7108.1 [s-1] auf. wie die in Bild 6. Eine deutliche Zunahme der Duktilität tritt erst ab einer Dehnrate von etwa 0. n.70-T6 und T7 (Quelle: Hydro Aluminium) Die im Bild 6.6.

6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen Das mechanische Verhalten von Aluminium und seinen Legierungen bei tiefen. daß der Spannungs. wäre es weiterhin von Interesse.und Dehnungszustand die Dehnratenempfindlichkeit erheblich und z. wie z. im Automobilbau. Für die Knetwerkstoffe ist darüber hinaus das verbesserte Umformverhalten bei mittleren und hohen Temperaturen eine wichtige Voraussetzung für die Formgebung. 2002). daß die veröffentlichte Datenbasis nach wie vor mangelhaft ist. 6.B. in Crash-energieverzehrenden Bauteilen. im Bau von Flüssiggasbehältern. Bei tiefen Temperaturen bis hin zu Raumtemperatur (RT) und etwas darüber hinaus. Eine Ausnahme stellt die Legierungsgruppe 7xxx dar.376 6 Mechanische Eigenschaften Zusammenfassend ist festzustellen. mäßig erhöhten und hohen Temperaturen hat praktische Bedeutung in vielen industriellen Anwendungsbereichen. Das Duktilitätsverhalten ist ein wichtiges Kriterium für den Einsatz dieser Legierungen in Sicherheitskomponenten. sowie bei den äußeren Strukturen von Überschallflugzeugen. Allerdings ist festzuhalten. herrscht Versetzungsgleiten auf kristallographischen Gleitebenen vor. T7X) zu treffen.und Festigkeitseigenschaften bei tiefen Temperaturen sowie die Warmfestigkeit und Standzeit unter dauernd einwirkenden Belastungen (Zeitstandfestigkeit) bei moderaten und höheren Temperaturen. im Pumpen.und chemischen Apparatebau. Diese Aussage betrifft die wahre Bruchdehnung ϕbr und wohl auch die Gleichmaßdehnung Ag.T. im entgegengesetzten Sinn verändern können (Rashkeev et al.und Fahrwerksbereich. wobei es allerdings zwischen den Temperaturbereichen gleitende Übergänge gibt. entsprechend T/TS < 0. um außer der allgemeinen Aussage detaillierte Voraussagen über den Einfluß zahlreicher praktisch bedeutsamer Werkstoffparameter. daß die Duktilität der aushärtbaren und naturharten Aluminiumwerkstoffe bei Raumtemperatur mit zunehmender Formänderungsgeschwindigkeit zunimmt.4 mit TS = Schmelztemperatur [K]. Da die Sicherheitskomponenten eines Fahrzeuges häufig durch Kaltformgebung einen Grad an Kaltverfestigung erfahren haben. das Verhalten von kaltverfestigten Werkstoffen genauer zu ermitteln. insbesondere im Motoren. und die Frage ausreichender Duktilität ist von besonderer Bedeutung. Eine Unterteilung in verschiedene Temperaturbereiche ist insofern sinnvoll. Von besonderer Bedeutung sind die Zähigkeits. Gefüge und Werkstoffzustand (T4. als die vorherrschenden plastischen Verformungsmechanismen sich gründlich ändern.4 . insbesondere über den Einfluß von Zusammensetzung. Außerdem finden sich in der Literatur Hinweise darauf. Bei höheren Temperaturen bis etwa 300 °C (0. T6X. in der Kältetechnik.

sondern als typische Werte aufzufassen. Anders als bei Raumtemperatur. 13.3 Superplastizität.6) nehmen Diffusionsprozesse zu. a.6. Fließspannung und Bruchdehnung unterliegen einer zunehmenden Dehnratenempfindlichkeit und Kriechvorgänge und Plastizität werden durch Korngrenzengleiten beherrscht. Schließlich verringern hohe Temperaturen im Bereich 0.1.TS ist daher die Belastbarkeit von Komponenten nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Kurzzeitwarmfestigkeit. sondern auch hinsichtlich ausreichender Langzeitstabilität gegen Kriechvorgänge zu überprüfen.1 Elastizitätsmodul bei unterschiedlichen Temperaturen Der Elastizitätsmodul E ändert sich durch Faktoren wie Reinheitsgrad. der Verformungsprozeß wird durch Selbstdiffusion und dynamische Rekristallisationsvorgänge kontrolliert. Für Raumtemperaturwerte des Elastizitätsmoduls findet man Angaben zu Reinstaluminium in Tabelle 4.2 (Anhang). bei der die genormten Festigkeitsangaben auf statistischen Auswertungen beruhen. jedoch deutlich mit der Temperatur. wodurch Kriechvorgänge begünstigt werden und der dynamische Entfestigungsprozeß zunehmenden Einfluß auf die Fließspannung und Duktilität gewinnt. Textur und Aushärtungszustand nur in begrenzter Weise.2.5.6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen 377 > T/TS < 0. 6. 13.2 Halbwarmumformung. der mit dem Elastizitätsmodul über die Querkontraktionszahl ν verbunden ist: G= E 2(1 + ν ) (6. Für viele Anwendungsbereiche im praktisch wichtigen Temperaturbereich oberhalb von RT bis zu etwa 0.6. Legierungszusammensetzung.6 > T/TS < 0. Die in diesem Buch verwendeten Angaben beziehen sich auf Auswertungen von quasi-statischen Zugversuchen.6.8 den Fließwiderstand weiter.2 (Anhang) sowie für Gußlegierungen in Tabelle A. Auch die Art der Meßtechnik ist von Bedeutung. s. liegen den Angaben bei tiefen und hohen Temperaturen überwiegend nur Auswertungen von individuellen Versuchsreihen zugrunde.1) Der Temperatureinfluß auf den Elastizitätsmodul ist für die meisten Standardlegierungen annähernd unabhängig von den genannten anderen . Abschn.1. Abschn. Die nachfolgend berichteten mechanischen Eigenschaften sind daher keine Normwerte. für Knetlegierungen in Tabelle A. die das Klettern von Versetzungen sowie eine Instabilität des Ausscheidungsgefüges bewirken können. Die Tabellen enthalten ebenfalls Angaben zum Gleitmodul G. und sollten daher für konstruktive Berechnungszwecke nur als Anhaltswerte dienen. Kaltumformgrad. s.

2003) 6. z.und 1% Ni-haltige warmfeste Legierung AA-2618. beobachtet man eine gewisse Abnahme der .6. Die Angaben sind Relativwerte bezogen auf den Wert bei Raumtemperatur.6. Bei den sehr hochfesten Legierungen der Gruppe AlZnMgCu.2. siehe Bild 6.1 gestrichelt angegeben ist.B. Legierung EN AW-7075-T6.und Knetlegierungen werden allgemein bei tiefen Temperaturen günstiger.6.2 Mechanische Eigenschaften bei tiefen Temperaturen Die mechanischen Eigenschaften von Aluminium und seinen Guß.6.1 angesetzt werden. ERT = 100%. deren Werte in Bild 6. Eine Ausnahme ist die 1% Fe. Die Legierungen AA2618 bzw. Bild 6. 2003). Ein Sprödbruchverhalten bei Unterschreiten bestimmter Temperaturgrenzen wie bei ferritisch/martensitischen Stählen gibt es bei Aluminiumlegierungen grundsätzlich nicht. wo bei Geschwindigkeiten von Mach 2+ Temperaturen bis zu 130 °C in der äußeren Struktur entstehen können (Robinson et al. Tieftemperaturwerte nach (Angermayer 1992).3 (Kassem 1974). 2004]. Hochtemperaturwerte nach Eurocode 9 [prEN 1999-1-2. die für besondere Warmfestigkeitsanforderungen im Antriebbereich (Rolls Royce) und für die Struktur des Überschallflugzeugs Concord entwickelt wurde.1 Einfluß der Prüftemperatur auf den Elastizitätsmodul von Aluminium und seinen Legierungen.6.6. Gestrichelte Kurve: 2618-T61 nach (Robinson et al. EN AW-2618A beruhen auf der ursprünglichen Legierung RR58.und Gußlegierungen. Diese Aussage gilt für die Festigkeitseigenschaften und meistens auch für die Duktilitäts. siehe Bild 6.378 6 Mechanische Eigenschaften Einflußfaktoren und kann daher mangels spezifischer Meßwerte näherungsweise durch einen Relativwert zum Raumtemperaturwert entsprechend dem Kurvenverlauf in Bild 6.und Zähigkeitseigenschaften von Knet.

6. und erklärt die Zunahme der .2-Dehngrenze mit abnehmender Temperatur im Vergleich zum Verlauf der Zugfestigkeit. Rißverlauf in Querrichtung. Beanspruchung in Walz. nach (Alcoa 1962) und (Mori 1958) Bild 6. Dieses Verhalten ist gleichbedeutend mit einem höheren Verfestigungsvermögen. Bild 6.3 Verlauf der Bruchzähigkeit von verschiedenen Aluminiumknet.6. einer höheren Gleichmaßdehnung. wie aus den Bildern 6.6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen 379 der Duktilität und Bruchzähigkeit bei tiefen Temperaturen. d.6.2 Typische Festigkeitseigenschaften einiger Aluminiumkonstruktionslegierungen bei tiefen Temperaturen.und gußlegierungen bei tiefen Temperaturen.3 zu entnehmen ist. Nach (Kassem 1974) Charakteristisch ist die geringere Zunahme der 0.h. Gießrichtung.2 und 6.bzw.6.6.

6. Blauel et al. z.6.3 Mechanische Eigenschaften bei höheren Temperaturen Warmfestigkeit Die Warmfestigkeit nach kurzzeitiger Vorwärmung auf die Prüftemperatur hat Bedeutung bei einer evtl. 462–466. vgl.2 bei zweistündiger Vorwärmung auf die Prüftemperatur.4 für verschiedene Knetlegierungen in Relation zu den RT-Werten dargestellt ist. Weichgeglühte. Bild 6. nach [Eurocode 9:2004]. Relativwerte für Rp0. verfestigte und stabilisierte (H3X-Zustände) sowie warmausgehärtete Werkstoffe sind bei kurzzeitiger (1/2 – 2 h) Vorwärmung bis etwa 100 °C thermisch praktisch stabil. 1993) .5Mn0. die in Bild 6.3. was gleichzeitig auch für entsprechende Schweißverbindungen gilt (Zinkham et al. allerdings erfolgt bei AlMg-Legierungen bei Temperaturen unterhalb von –100 °C eine geringfügige Abnahme der Brucheinschnürung (Nielsen 1961. Durham 1961). Maßgebend für die Standsicherheit bei der erhöhten Temperatur ist die Warmdehngrenze.380 6 Mechanische Eigenschaften Bruchdehnung bei tieferen Temperaturen. auch Bild 6. im Falle eines Brandes. 1974.und Überhärtungsvorgängen kontinuierlich ab.6. S.B. 1982).7 (EN AW-5083) bei -196 °C eine deutliche Zunahme der Bruchzähigkeit gegenüber Raumtemperatur nachgewiesen. Werte für 2219-T6 und 2618-T6 nach (Engström et al. unbeabsichtigten Erwärmung einer Konstruktion. Trotz der geringeren Brucheinschnürung wurde in bruchmechanischen Untersuchungen an dicken Platten der Legierung AlMg4.4 Kurzzeitwarmdehngrenze von Aluminiumlegierungen. Ebenso wie die Bruchdehnung nimmt auch die Brucheinschnürung mit abnehmender Temperatur zunächst zu. Bei höheren Temperaturen nehmen die Festigkeitseigenschaften aufgrund von Entfestigungs.6. 6.

Warmfestigkeitsangaben zu verschiedenen Legierungen mit einer Vorwärmzeit bis zu 10. vgl.2.3. Daher wird für eine rechnerische Verwendung der Daten auf die Originalquelle verwiesen (Sandström 1996).2. je thermisch stabiler das Gefüge ist. -6061. Die höchsten Warmfestigkeitswerte zeigen die Legierungen AA-2219 und AA-2618.5. 6082 und 6061 dargestellt. Insbesondere fehlen Angaben über Zeitdehngrenzen für 0. -5754. -5251. Manson-Succop. . 3.5 beispielhaft Zeitstandfestigkeitskurven für die Legierungen 3003.6. -3003. -6063. 1993 und Kaufman 1999). -5454. Bei den „naturharten“ Legierungen wirkt sich eine Kaltverfestigung positiv auf die Zeitstandfestigkeit aus und zwar um so mehr. -5049. Aus dieser Quelle sind im Bild 6.a.2. Von den aushärtbaren Legierungssystemen haben die 7xxx Legierungen die geringste Warmfestigkeit. in (Kammer 2002. Kriechfestigkeit Die metallphysikalischen Grundlagen des Kriechprozesses von unlegiertem Aluminium (und weiteren einphasigen Metallen) wurden kürzlich einer gründlichen Quellenanalyse unterzogen und können als weitgehend gesichert angenommen werden (Kassner et al. Demgegenüber fällt der stärkere zeitliche Abfall der Zeitstandfestigkeit bei AlMg-Legierungen sowie bei den AlMgSi-Legierungen auf. 5454. und -6082 wurden aufgrund vorhandener Versuchsdaten von Sandström mit Hilfe verschiedener Methoden (Larsen-Miller. Der relativ flache zeitliche Verlauf der Zeitstandfestigkeit der AlMn1Cu-Legierung EN AW-3003-0 und 3003-H12 weist auf die stabile Gefügestruktur durch die thermisch stabilen Al6Mn-Dispersionsteilchen hin. Sandström 1996). hierzu Abschn.6.1 bis 1% Kriechdehnung bei langen Standzeiten. der auf eine gewisse thermische Instabilität des Gefüges schließen läßt. Engström et al. und die verwendeten Werte sind mit einer Streubreite behaftet.6. -5056A. Die unter praktischen Gesichtspunkten relevanten Kriecheigenschaften – Zeitdehngrenzen und Zeitstandfestigkeit – von Aluminium-Konstruktionslegierungen sind allerdings bisher nicht sehr intensiv untersucht worden. Zeitstandfestigkeitsangaben für die Knetlegierungen EN AW1100. Bei den mittelfesten AlMg-Legierungen ist dieser Effekt jedoch auf den Temperaturbereich bis 150 °C beschränkt. Abschn.4 die erstere Legierung hohe Werte oberhalb von 250 °C und letztere Legierung unterhalb von 250 °C besitzen. s.6. Die angegebenen Zeitstandfestigkeitskurven haben Mittelwertcharakter. -3103. s. Bild 6. 3.6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen 381 Bei längerer Haltezeit auf Prüftemperatur kommt es bereits bei 100 °C und zunehmend mit höheren Temperaturen zu einem weiteren Abfall der Warmfestigkeitseigenschaften. 2000). wobei nach Bild 6.000 h findet man u. Sud-Aviation) neu interpretiert (Sandström 1993. Orr-Sherby-Dorn.

AlSi1MgCu (EN AW-6061-T6) und AlSi1MgMn (EN AW-6082-T6).und AlMgSi-Systems haben die AlCuMg-Legierungen ein deutlich höheres Warmfestigkeitspotential. Gestrichelte Kurvenabschnitte entsprechen Extrapolationen über experimentelle Datenbasis hinaus Gegenüber den nicht aushärtbaren Legierungen und den Legierungen des AlZnMg(Cu). Bild 6. EN AW-2618A mit reduziertem Cu-Gehalt. Dies gilt vornehmlich für Legierungsvarianten mit erhöhtem Cu-Gehalt.6. die als stabile intermetallische Verbindung FeNiAl9 im Gefüge vorliegen. aber gleichzeitigem Gehalt von je 1% Ni und Fe.5 Zeitstandfestigkeit von Al1MnCu (EN AW-3003-0 und -H12). AlMg3Mn-0 und -H14/H34).6.382 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6.6. z. nach (Sandström 1996).B. AA2219 mit 6% Cu. Die FeNiAl9-Phase verteilt sich auf Partikel-Cluster. und auch für die Legierung AA2618 bzw. s. die sich auf die interdendritischen Bereiche des Gußmaterials mit Partikelgrößen zwischen .

2002. 2004). in der allerdings auch globulare Partikel von Mg2Si mit etwa gleicher Partikelgröße vorhanden sind (Robinson et al. Pantelakis et al. Bild 6. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Überschallflugzeugen wurde in den letzten Jahren verstärkt die Entwicklung warmfester. 1999) . Somoza et al. EN AW2024) eine niedrigere Bruchzähigkeit und schlechteres Rißfortschrittsverhalten. daß die Keimbildung der Ω-Phase während des Kriechvorgangs stimuliert wird. Skrotzki et al. Der metallphysikalische Grund für die höhere Warmfestigkeit ist allerdings noch ungeklärt. Der relativ hohe Volumenanteil an intermetallischen Phasen bewirkt im übrigen gegenüber den AlCuMg-Standardlegierungen (EN AW-2017. Diese Bereiche sind deutlich härter als die umgebende Matrix. 2001. 2000. die im Gefüge sehr fein verteilt ist und selbst bei langen Warmauslagerungszeiten ihre Gitterkohärenz beibehält (Lumley et al.6. dargestellt in Abhängigkeit vom Larson-Miller Parameter P = T·(20 + log t) mit der Prüftemperatur T in [K] und der Zeit t in [h]. Skrotzki et al. 2003). Lumley et al. Lumley et al.6 Zeitstandfestigkeit von AlCu-Legierungen. 2000. 1999.6. 2003. Für die Warmaushärtung ist die S’-Phase verantwortlich. Lumley et al. 1999. nach (Polmear et al. da Partikelgröße und Verteilung der intermetallischen Verbindungen nicht auf einen allein wirksamen Orowan-Mechanismus schließen lassen. 2001. 2002. Lumley et al. Lumley et al. Verbesserte Kriecheigenschaften bei hohen Bruchzähigkeitswerten werden außerdem dadurch erzielt. 2003). 2002. Raviprasad et al. 2000). bruchzäher Legierungen durch Silberzusätzen zu AlCuMg-Legierungen untersucht (Polmear et al.6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen 383 ~1–3 µm erstrecken. wenn das Material in teilausgehärtetem Zustand vorliegt (Lumley et al. Durch den Ag-Zusatz bildet sich in AlCuMg-Legierungen bei der Warmaushärtung die thermisch relativ stabile Ω-Phase.

Gleichzeitig ändert sich das Bruchverhalten vom Scherbruch zum Einschnürbruch (Heller 1988).8 belegen.und Kriechfestigkeiten spielen für die Warmformgebung bei mittleren und hohen Temperaturen vor allem ein günstiges plastisches Fließverhalten und – damit zusammenhängend – die deutlich erhöhten Duktilitätsgrenzen die wesentliche Rolle. Die Spannungs-Dehnungskurven in Bild 6.7 machen dies deutlich. Auch sollten dabei Verunreinigungseffekte aufgeklärt werden. Abschn. Das Fließverhalten bei mittleren und hohen Temperaturen läßt sich ebenso wie bei RT durch die Gln. s.6. ist eine Erweiterung der Datenbasis wünschenswert.5. Der Grund hierfür ist der zunehmende Einfluß des Exponenten m der Formänderungsgeschwin& digkeit ϕ (Dehnratenempfindlichkeit).2. Bleisprödigkeit Abschn.1. s.384 6 Mechanische Eigenschaften Da gerade im unteren Bereich des nutzbaren Temperaturspektrums gesicherte Daten über das Kriechverhalten gefordert werden. die z.2 darstellen.5 auf diesen Effekt zurückzuführen sind.1 und 6.-%) sollen diesen Versprödungseffekt beheben (Woodward 1995).12 (Clausen et al.7 und die Fließkurven in Bild 6.a. 3. die sich erst unter kriechähnlichen Belastungszuständen bei Temperaturen um 100 °C zeigt und die Standzeit reduziert. Der m-Wert nimmt mit steigender Temperatur zu und übernimmt die Funktion des n-Wertes zur Stabilisierung des plastischen Dehnungsverhaltens. 13.6. daß die deutlich günstigeren Kriecheigenschaften der Legierung 6061-T6 gegenüber der Legierung 6082-T6 in Bild 6.2. (6.B. 6. Allerdings nimmt mit steigender Temperatur der Einfluß der Verfestigung – gegeben durch den Verfestigungskoeffizienten n – ab. bei dem noch keine Rekristallisationsprozesse auftreten (s.3. s. Strangpressen. durch den vermehrten Einsatz von Umschmelzmaterial auftreten und das Kriechverhalten negativ beeinflussen können. Man unterscheidet hierbei das sog. Abschn. vom eigentlichen Warmumformen (Warmwalzen.2). wie der Verlauf der Spannungs-Dehnungskurven in Bild 6.6). Dennoch erhöht sich die Bruchdehnung ganz erheblich im Temperaturbereich der Halbwarmumformung.6.5.25 Gew. Gl. 2004). gleichbedeutend mit der Abnahme der Gleichmaßdehnung Ag. Bild 6. Schmieden) bei hohen Temperaturen zwischen 350 und 550 °C. Halbwarmumformen bei mittleren Temperaturen zwischen etwa 150 °C und 300 °C. Es ist nicht auszuschließen. . Schon geringe Mengen von Kupfer in der Legierung (∼ 0. 6. 6.6.6. Bekannt ist die versprödende Wirkung geringer Verunreinigungen von Blei (> 20 ppm) in AlMgSi-Legierungen.4 Umformbarkeitseigenschaften bei höheren Temperaturen Gegenüber den konstruktionsrelevanten Warm.

8 Fließkurven der Legierung EN AW-5182-0 bei unterschiedlichen Temperaturen. Blechdicke 1 mm. ermittelt im instrumentierten hydraulischen Tiefungsversuch an Blechen (Dicke ca.6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen 385 Bild 6. Mit steigender Geschwin- . Bild 6.6.6.002 s-1 (Heller 1988) Die Verbesserung der Umformbarkeit wird im Verhalten der Bruchdehnung A in Bild 6.6. 1 mm) mit einer Formänderungsgeschwindigkeit von 0.0028 s-1 (Abe 1994) Bild 6. s.6.10.9 besonders deutlich.6. daß bei höheren Formänderungsgeschwindigkeiten dieser positive Effekt der Verformungstemperatur geringfügiger ausfällt. anfängliche Dehnungsrate 0.7 Spannungs-Dehnungskurven der Legierung EN AW-5182-0 bei höheren Temperaturen im Bereich der Halbwarmumformung. Es ist allerdings zu berücksichtigen. die bei der Legierung EN AW5182-0 mit zunehmender Temperatur auf mehr als das 4-fache des RTWertes ansteigt.

9 Bruchdehnung A.6. Höhe der Temperatur und der Vorwärmzeit mit einer Minderung der Festigkeitswerte gegenüber dem Ausgangszustand zu rechnen.6.002 s-1 (Heller 1988) Bild 6.11 verdeutlicht wird. wie durch die Fließkurven im Bild 6. n-Wert und m-Wert der Legierung EN AW-5182-0 in Abhängigkeit von der Prüftemperatur bei einer konstanten Formänderungsgeschwindigkeit von 0.6. Bild 6. Li et al.10 Einfluß von Temperatur und Formänderungsgeschwindigkeit auf die Bruchdehnung der Legierung EN AW-5182-0 (Heller 1988) Das in vorstehenden Abbildungen dargestellte Verhalten der Legierung EN AW-5182-0 gilt analog für andere naturharte Aluminiumlegierungen. Bei ausgehärteten Werkstoffen ist jedoch je nach Ausgangszustand. 2003). .386 6 Mechanische Eigenschaften digkeit erhöht sich der Fließwiderstand bei gleichzeitiger Abnahme der Duktilität. Die Duktilitätsverbesserungen bei der Verformung im Halbwarmbereich sind besonders ausgeprägt bei den höher legierten AlMg-Legierungstypen (Heller 1988.

12 und 6.5-0 (nach Bühler u. hydraulischen Tiefungsversuch an Blechen mit ca.) . Mit zunehmender Temperatur nimmt jedoch der Einfluß der Formänderungsgeschwindigkeit auf die Lage der Fließkurve zu.11 Einfluß der Formänderungsgeschwindigkeit auf die Lage und Ausdehnung der Fließkurve der Legierung EN AW-5182-0 bei einer Prüftemperatur von 300 °C.13 illustriert diesen Zusammenhang für Al99.6.6.6.5 in den Bildern 6. Fließkurven ermittelt im instrumentierten. In doppel-logarithmischer Darstellung ergibt sich entsprechend Gl. Bild 6. (6.1) bei gegebenem Formänderungsgrad ϕ und konstanter Temperatur T ein linearer Zusammenhang zwischen log kf und log ϕ .a. 1 mm Dicke (Heller 1988) Die Warmumformung durch Walzen.12 Einfluß von Temperatur und Formänderungsgeschwindigkeit auf die Warmfließkurven von Al99.5.6.5-0.13 exemplarisch dargestellt ist. wie für weiches.6. Strangpressen und Schmieden erfolgt bei Temperaturen zwischen 350 und 550 °C.6 Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen 387 Bild 6. unlegiertes Aluminiums Al99. Die für den Halbwarmbereich dargestellten Verhaltensweisen der Werkstoffe gelten hier analog. & Bild 6.6.

.1.6. z. wenn die größte Zug. Damit bei mehrachsigem Spannungszustand Fließen des Werkstoffs eintreten kann.oder Druckspannung erreicht worden ist.0 und verschiedenen Temperaturen (nach Bühler u.a.) Warmfließkurven für verschiedene Aluminiumlegierungen findet man in der einschlägigen Literatur.388 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6.5-0 von der Formänderungsgeschwindigkeit bei konstantem Formänderungsgrad ϕ = 1.1. wenn die angelegte Spannung σ die Fließspannung kf erreicht.7. 6.1 Fließbedingungen (Fließhypothesen) Beim einachsigen Zugversuch setzt Fließen ein. muß eine Kombination aller Spannungen die Fließspannung kf überschreiten. Die Voraussetzungen für das Eintreten des Fließens sind dann gegeben. Die Bedingung σ = kf wird als Fließbedingung bezeichnet. vgl.a.13 Abhängigkeit der Fließspannung kf für Al99. sowie für einige aushärtbare Legierungen im Anhang A. Doege et al. (Kammer 1996. Abschn.8. wenn eine aus den Spannungen des mehrachsigen Spannungszustandes berechnete Vergleichsspannung σv den Wert der Fließspannung kf erreicht: σv = kf (6. 1986). 6.7.7 Einfluß des Spannungszustands 6.B. u.1) . In diesem Fall setzt Fließen also nicht schon dann ein.

wenn die Differenz zwischen der größten und kleinsten Hauptnormalspannung (σmax . σ2 = σ3 = σmin = 0 ) das Fließkriterium σv = . (6.7 Einfluß des Spannungszustands 389 Zur Ermittlung der Vergleichsspannung σv sind zwei Fließhypothesen gebräuchlich • die Schubspannungshypothese nach TRESCA und • die Gestaltänderungsenergiehypothese nach v. Betrachtet man den Mohrschen Spannungskreis für die Ebene. Nach der Schubspannungshypothese setzt im Werkstück dann Fließen ein.1. Bild 6. MISES.7. Definitionsgemäß folgt daraus das allgemeine Fließkriterium der Schubspannungshypothese: Fließen setzt ein. in der die größte und die kleinste Normalspannung herrschen (σ1 = σmax bzw. σ3 = σmin). gleich der Schubfließgrenze k des Werkstoffs.6.h. wenn die Schubspannung τmax einen kritischen Wert k.2a) τmax = ½(σmax – σmin) = k (6.7.σmin) = kf ist. so ist die größte an dieser Stelle im Werkstück auftretende Schubspannung τmax gleich dem Radius des Mohrschen Kreises.7. d. erreicht.2b) Nach der Schubspannungshypothese gilt für den Sonderfall des einachsigen Zugversuchs (σ1 = σmax. s. die Schubfließgrenze des Werkstoffs. Bild 6.7.1 Mohrsche Spannungskreise für den allgemeinen Fall σ1 > σ2 > σ3 Aus der Darstellung der Spannungen (σ1 > σ2 > σ3) im Mohrschen Spannungskreis folgt: τmax = ½(σ1 – σ3) = k bzw.

4 und Abschn. √3 = τmax. Daraus ergibt sich auch. durch den Einfluß von Kerben (T ≈ 0. σ2 = 0.h. Entsprechend gilt für den Torsionsversuch (σ1 = σmax. 6. σ2 = 0) gilt T = σm /σv = 0. √3. .1 ist weiterhin zu erkennen. σm.7. bei der Fließen einsetzt.7.7.3. τmax = σ1) σv = kf = σ1. Aus der Darstellung in Bild 6. MISES setzt Fließen dann ein. σ3 = σmin = .5) Für den Sonderfall des einachsigen Zugversuchs (σ1 .4a) und unter Verwendung der mittleren Normalspannung σm zu: σv = kf = 3 (σ 1 − σ m )2 + (σ 2 − σ m )2 + (σ 3 − σ m )2 . wirkt sich zwar nicht auf den Fließbeginn. jedoch erheblich auf den Bruchvorgang und die Duktilität aus. Mehrachsigkeitsgrad T wird definiert als Verhältnis der mittleren Normalspannung σm zur Vergleichsspannung σv: σm /σv = T (6.390 6 Mechanische Eigenschaften σ1 = 2τmax = 2k = kf. daß die mittlere Normalspannung σm σm = 1 3 (σ 1 + σ 2 + σ 3 ) (6.5) oder vor der Rißfront angerissener Proben (T ≈ 3 ÷ 5).b) d. wenn die elastische Gestaltänderungsenergie einen kritischen Wert erreicht. Mit σ1 > σ2 > σ3 ergibt sich die Vergleichsspannung σv . s. 2 [ ] (6.3) keinen Einfluß auf den Fließbeginn besitzt. Eine höhere Mehrachsigkeit entsteht im Zugversuch in der Einschnürzone. MISES das gesamte Spannungssystem in Rechnung.h. unerheblich ist. Die mittlere Normalspannung bezeichnet den hydrostatischen Anteil des Spannungszustandes.7. Abschn. Gegenüber der Schubspannungshypothese stellt die Gestaltänderungsenergiehypothese von v.σ1 . für den Fall des einachsigen Zugversuchs (σ1. σ2 = 0) σv = 2σ1 = 2τmax = 2k = kf. Der hydrostatische Spannungsanteil.7. zu: σv = kf = 1 (σ 1 − σ 2 )2 + (σ 2 − σ 3 )2 + (σ 3 − σ 1 )2 . 6. daß die Lage des Mittelpunktes des Mohrschen Kreises für die Höhe der maximalen Schubspannung. 2 [ ] (6. für das Einsetzen des Fließens. σ2 = σ3 = 0) ergibt sich ein Mehrachsigkeitsgrad T = σm /σv = 1/3. Für den Fall des Torsionsversuchs (σ1 = -σ3 .5 ÷ 1. σ2 = σ3 = 0) wird σv = kf = σ1 und für den Torsionsversuch (σ1 = -σ3. Nach v.7. Der sog. d.4.

bei welchen Spannungskombinationen von σ1 und σ2 Fließen einsetzt.7.7. |ϕ3|}max (6. ϕ2 = 0) mit der Scherung γmax = ϕ1 . die Fließkurven in Bild 6.ϕ3 = 2ϕ1 gilt ϕv = 2ϕ1/√3 = γmax/√3. Für isotrope Werkstoffe genügt demnach die Fließkurve für die Berechnung des Umformverhaltens unter mehrachsiger Beanspruchung. ϕ2 = ϕ3 = -ϕ1/2) ist ϕv = ϕ1 und für den Torsionsversuch (ϕ1 = -ϕ3. Nach der Gestaltänderungsenergiehypothese ergibt sich die Vergleichsformänderung ϕv aus ϕv = 2 2 2 2 ( ϕ1 + ϕ 2 + ϕ3 ) 3 (6.B. geben sog. für den Fall des einachsigen Zugversuchs (ϕ1. für den einachsigen Zugversuch (ϕ1.7. Fließortkurven werden experimentell für konstante plastische Dehnungsbeträge. z. |ϕ2|. ermittelt.ϕ3 = 2ϕ1 gilt ϕv = ϕ1= γmax/2. ∑ ϕ = 0 (6. die durch Texturen und Vorzugsrichtungen des Fließwiderstandes in der Blechebene.002 entsprechend dem Fließbeginn im einachsigen Zugversuch.8) d.7.9) 6.2 dargestellt. s. z.7 Einfluß des Spannungszustands 391 Die Vergleichsformänderung ϕv ist nach der Schubspannungshypothese die dem Betrag nach größte logarithmische Formänderung und wird als logarithmische Hauptformänderung bezeichnet: ϕv = {|ϕ1|.B. εpl = 0. ϕ2 = ϕ3 = -ϕ1/2) ist ϕv = ϕ1 und für den Torsionsversuch (ϕ1 = -ϕ3. MISES errechnen und sind in Bild 6. Für den Fall des ebenen Spannungszustandes (σ3 = 0). In diesem Fall be- . der insbesondere für die Blechumformung von Bedeutung ist.h.6) d. Fließortkurven an.h.2 Fließortkurven Der Ort des Fließbeginns unter einem gegebenem räumlichen Spannungszustand wird durch werkstoffspezifische Fließflächen definiert.1. Für den Sonderfall eines in der Blechebene isotropen Werkstoffs lassen sich die Fließortkurven nach den Fließkriterien von TRESCA und v.6. Weiterhin gilt das Gesetz der Volumenkonstanz: ϕ1 + ϕ 2 + ϕ3 = 0 bzw.7. Anders ist es bei anisotropen Werkstoffen. gekennzeichnet sind und eine mehr oder minder starke Abweichung von diesen Idealformen zeigen (Banabic 2000).2. ϕ2 = 0) mit γmax = ϕ1 .

breiter Schulter und kleinen Übergangsradien erzeugt werden.7.7. Bild 6.392 6 Mechanische Eigenschaften nötigt man die experimentell ermittelte Fließortkurve. z.7. Einige Versuchsmethoden mit ihrer idealen geometrischen Lage auf der Fließortkurve sind in Bild 6. . Im Falle einer einachsig wirkenden Zugbeanspruchung bei gleichzeitig starrer Einspannung der beiden anderen Achsschenkel der Kreuzprobe erhält man die Fließkurve im ebenen Dehnungszustand.2).4 und 6. 2004). s. Die Abweichung der experimentell ermittelten Fließortkurve von der für isotrope Werkstoffe (v.B. wie die Beispiele in den Bildern 6. Der Fließort „reine Scherung“ kann mit einer Zugscherprobe bestimmt werden.5 zeigen. Hill 1990). 6.2 Fließortkurven für den ebenen Spannungszustand (σ3 = 0) eines isotropen Werkstoffs Für die experimentelle Ermittlung der Fließortkurve von Blechwerkstoffen werden verschiedene Prüfverfahren verwendet. Abschn. 1999. die die geometrische Lage des Fließbeginns genauer festlegt. Mises) ist für die rechnerische Simulation von Blechumformprozessen erheblich. (Barlat et al. Green et al. Der äquibiaxiale Zugversuch wird mit einer Kreuzprobe durchgeführt. wurden in der Vergangenheit auf der Basis des Ansatzes von Hill (Hill 1948) für Aluminiumwerkstoffe weiterentwickelt (Barlat et al.3 angegeben. die gleichzeitig in zwei Achsenrichtungen mit gleicher Dehnungsrate gezogen wird. Vegter et al. 1997. gekennzeichnet durch den Anisotropiewert „r“ (s.7. 1989. Zahlreiche rechnerische Ansätze zur Modellierung der Fließortkurven von anisotropen Werkstoffen. Alternativ kann der ebene Dehnungszustand auch in einer Zugprobe mit kurzer Meßlänge.

2 mm Bleche aus Legierung AA1145-0 nach Green et al.7 Einfluß des Spannungszustands 393 Bild 6. (2004).002 und rechnerische Modellierung nach Barlat und Lian (1989) im Vergleich zum isotropen Fließverhalten nach v.4 Experimentelle und theoretische Fließortkurve für 1. Relative Meßwerte in Walzrichtung (Index 0°) und quer zur Walzrichtung (Index 90°) . Mises.3 Bestimmung der Fließortkurve für den ebenen Spannungszustand durch einige verschiedene experimentelle Versuchsmethoden Bild 6.6.7. Experimentelle Werte für den Fließbeginn bei εpl = 0.7.

bei der unter den gegebenen Spannungs. ϕ2 ≈ 0. 1964) und Goodwin (Goodwin 1968).h. Im einachsigen Zugversuch gilt nach dieser Definition die (wahre) Gleichmaßdehnung als Formänderungsgrenze.394 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6. angedeutet durch den strichpunktierten Dehnungspfadverlauf bis zur Bruchgrenze in Bild 6. Nach Beginn der Einschnürung folgt der Dehnungspfad jedoch annähernd der Gesetzmäßigkeit ebener Dehnung bis zum Bruch. bei ebenem Dehnungszustand eine deutlich geringere Grenzformänderung. (1999). womit in der Blechumformung die Versagensgrenzen vorgegeben sind.7.B. (1999) und Barlat et al.3 Grenzformänderung bei ebenem Spannungszustand Als Grenzformänderung wird in der Umformtechnik die Verformbarkeitsgrenze bezeichnet. ϕ2/ϕ1 = konst.7. ist das Verdienst von Keeler (Keeler et al.7. Die Grenzformänderungskurve für Versagen durch lokale Einschnürung unterstellt für den jeweiligen Umformprozeß einen proportionalen Dehnungspfad.7.h. Bei äquibiaxialer Dehnung (z. d.5 Experimentelle und theoretische Fließortkurve für Karosseriebleche aus Legierung EN AW-5182-0 nach Vegter et al. bei hydraulischer Tiefung) zeigt der gleiche Werkstoff eine deutlich größere. Experimentelle Werte und rechnerische Modellierung nach den Methoden von Vegter et al.6 dargestellt.6. (1989) 6.. Die experimentelle Bestimmung der GF-Kurven für Versagen durch Einschnüren und durch .und Dehnungszuständen plastische Instabilität durch lokales Einschnüren beginnt. Diese Zusammenhänge in einem einzigen Diagramm darzustellen. d. Das Grenzformänderungsdiagramm (GFD) nach Keeler und Goodwin ist für den Fall eines isotropen Blechmaterials schematisch in Bild 6.

Bilder 6. Die Formänderung in Dickenrichtung.7 dargestellten experimentellen Ergebnisse an unlegiertem Aluminium (AA1100-0) und den naturharten AlMg-Legierungen (AA5182-0) bestätigt.6 Schematisches Grenzformänderungsdiagramm (GFD) nach Keeler und Goodwin für ein Blech mit orthotroper Isotropie unter ebenem Spannungszustand (σ3 = 0). bei höher legierten Aluminiumwerkstoffen kann der Bruchvorgang sogar ohne nennenswerte Einschnürdehnung auftreten. Die Form und Lage der Grenzformänderungskurven sind abhängig von der jeweiligen Legierung. ergibt sich aus dem Prinzip der Volumenkonstanz Die Grenzkurve für Bruch folgt einem annähernd linearen Verlauf über dem Gesamtbereich negativer und positiver Nebenformänderungen ϕ2.1 näher erläutert. Anisotropie.8.7 und 6. Dieser Verlauf wird durch die in Bild 6. s. z.7 Einfluß des Spannungszustands 395 Bruch ist in Abschn.7.8. Der Scherbruch ist allerdings sowohl für AA5182-0 und AA6111-T4 die vorherrschende Bruchart. die der Form der GF-Kurve für Einschnürung ähnlich ist. Beispiel der Legierung AA6111-T4 in Bild 6. durch intensivere Bildung von .7. Bild 6. 12. Der Abstand zwischen den Grenzkurven für Einschnürung und Bruch ist ein Maß für die plastische Stabilität des Umformvorgangs und daher auch ein Maß für die Duktilität des Materials in Abhängigkeit vom herrschenden Dehnungszustand.7.7.B.7. Gefüge und Werkstoffzustand. Demgegenüber zeigen kaltausgehärtete Werkstoffe eine komplexere Grenzkurve für Bruch. Vermutlich sind für den unterschiedlichen Verlauf der Grenzkurve für Bruch die unterschiedlich starken Auswirkungen des Dehnungszustands auf den Verformungsmechanismus verantwortlich. s.6. ϕ3. In der Nähe gleichmäßiger biaxialer Streckung ist die Einschnürdehnung am geringsten.

1999).7.9 mm . (Jain et al.7.0 mm Bild 6. Blechdicke 0.8 Grenzformänderungskurven für den Beginn der Einschnürung und Bruch des Werkstoffs AA6111-T4 nach Jain et al. Blechdicke 1. Takuda et al. n.396 6 Mechanische Eigenschaften Bild 6. (Takuda et al.7 Grenzformänderungskurven für den Beginn der Einschnürung und für Bruch der Werkstoffe AA1100-0 und AA5182-0. 2000).

wie in Tabelle 6. vom hydrostatischen Spannungsanteil – abhängt (Maire et al. 6. daß die Lochbildung nur schwach. die bei der Legierung AA6111-T4 beobachtet wurden (Jain et al.7.h. vgl.8.1.7. Mit Hilfe neuartiger Röntgentomographie lassen sich zerstörungsfrei die Keimbildung von Hohlräumen an Phasen und deren Wachstum in verschiedenen Stadien der Verformung ermitteln.7. Für die rechnerische Modellierung der Grenzkurve für Bruch scheint daher ein einheitliches Bruchkriterium. das experimentell bestimmbare Anteile verschiedener Bruchkriterien (maximale Zugspannung. Als Folge verringert sich die „wahre“ Bruchdehnung. 6.7. konnten nachweisen.(entsprechend AA6061) und einer AlCuMg-Legierung. stufenweise (Index „E“) und normale (Index „T“) Lösungsglühung verändert.und Duktilitätswerte nach der Warmaushärtung. Bild 6. 2003).9 zeigt die Meßergebnisse der „wahren“ Bruchdehnung in Abhängigkeit vom Mehrachsigkeitsgrad T für beide Legierungen in den verschiedenen Wärmebehandlungszuständen.1. dagegen das Lochwachstum stark von der Größe der Nebenformänderung ϕ2 – d. ausgedrückt durch die „wahre“ Bruchdehnung ϕbr. vgl. Liu et al. 2005) untersuchten dieses Verhalten an unterschiedlich gekerbten Zugproben von zwei warmausgehärteten Legierungen.7. s. Index „F“) und langsame (5 °C/s. daß die Sensibi- .4 Einfluß der Mehrachsigkeit auf die Duktilität Der Mehrachsigkeitsgrad T.6–6. Dadurch erklärt sich die mit zunehmendem ϕ2 abnehmende „wahre“ Bruchdehnung ϕbr. Bild 6.1 wiedergegeben ist.7. diesem unterschiedlichen Bruchverhalten Rechnung zu tragen (Han et al. in der Einschnürzone und im Nettoquerschnitt von gekerbten Zugproben vorliegt.6. 1999). wie er z.10) Mit zunehmendem hydrostatischen Spannungsanteil (σm) nehmen die Zahl der Lochbildungen an Primärphasen sowie vor allem das Lochwachstum zu. Entsprechend änderten sich Festigkeits.7. Gleichzeitig wurden die Primärphasenanteile durch schnelle (~ 100 °C/s. 6. (Liu et al. Abschn. 2004). Die Ergebnisse an mehreren Aluminiumlegierungen zeigen. = 1/3 + ln(rn/2R + 1) (6. maximale plastische Verformungsarbeit und maximale Schubspannung) enthält.7 Einfluß des Spannungszustands 397 Scherbändern. B. beeinflußt die Duktilität. Abschn. einer AlMgSiCu. Index „S“) sowie durch eine extensivere. Bilder 6. Liu et al. Der Spannungszustand in diesem Fall kann nach Bridgman (Bridgman 1952) annähernd als Funktion des Kerbradius R und des Radius des Nettoquerschnitts rn (s.1.2) berechnet werden durch: T = σm/σv.

108 Bild 6.198 0.25Cu-0.100 0. D.249 0.153 0.und einer AlMgSiCu-Legierung ermittelt an ungekerbten und gekerbten Zugproben mit verschiedenen Kerbgeometrien (Liu et al.266 0.288 0.275 0.186 0.187 0.211 0.228 0.218 0.116 0.332 0.087 0.178 0.22Mn und Al-1. je duktiler der Grundwerkstoff.259 0.2 ϕbr gemessen bei einer Mehrachsigkeit T = σm/σv [MPa] ungekerbt 0.54 0.12Mg-0.200 0.172 0.130 0.06 353 298 258 292 259 225 0.237 0.162 0.86 0.93 1.. Text).176 0.166 0.124 0.341 0. desto weniger empfindlich reagiert der Werkstoff auf den hydrostatischen Spannungsanteil.246 0.108 0. Ähnliche Einflüsse ergaben sich bei der Bestimmung der Bruchzähigkeit KIc.241 0.137 0.h. 2005) .1 Streckgrenze und “wahre” Bruchdehnung ϕbr einer AlCuMg.65 0.289 0.7.9 Einfluß der Mehrachsigkeit T auf die „wahre“ Bruchdehnung ϕbr bezogen auf die Bruchdehnung bei T = 0.246 0.65Mg-0.57Si0.133 0.178 0.74 0. Tabelle 6.6Cu-0. nach (Liu et al.272 0.22Cr (AA6061) mit unterschiedlichen Bedingungen bei der Lösungsglühung und Abschreckung (s.295 0.143 0. 2005) Legierung / Behandlung Al-Cu-Mg EF TF TS Al-Mg-Si-Cu EF TF TS Rp0.118 0. je geringer der Primärphasenanteil und je schneller die Abschreckung ist.398 6 Mechanische Eigenschaften lität der Duktilität in bezug auf die Mehrachsigkeit vom Volumenanteil an Primärphasen abhängt.7.229 0.150 0.154 0.54 für gekerbte Proben der maximal warmausgehärteten Legierungen Al-4.