Campus Essen

Fachbereich Bildungswissenschaften Professur für Klinische Psychologie Dr. Ulrich Kobbé

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Gebäude Datum

¹S $x: Subjektivierung ¼ Signifizierung
– Determinanten, Dynamiken, Direktiven der Deliktverarbeitung –
Vorarbeit zum forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt ›Subjekt im Nessoshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹ 2005-2007

Subjektdynamik der Deliktverarbeitung
Wenn es für das forensische Subjekt darum geht, als »Kronzeuge« seiner »festen, gegliederten, furchtbaren Wahrheit der Delinquenz« dieses gewalttätige, destruktive, anarchische Selbst selbstidentifikatorisch anzunehmen, so stellt sich die Frage nach den psychologischen Gesetzmäßigkeiten, denen eine solche paradox erscheinende Bewegung folgt. Entsprechend der zeitlichen Konstitution des Subjekts und dessen »verzeitlichter Beziehung von sich auf den anderen« (Lacan 1945, 118) können Prozesse in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft nicht abgelöst voneinander erlebt werden, sodass das verdrängte Delikt als noch nicht – hineichend – verarbeitete Vergangenheit in der Gegenwart andrängt. Denn die Verdrängung der eigenen Delinquenz beinhaltet nicht nur die Abwehr einer unerträglichen psychischen Realität, bei der die Straftat ein nicht assimilierbares »Angstobjekt par excellence« repräsentiert. Zugleich geht es auch um die Aufrechterhaltung eines idealisierten Bildes von sich selbst, einer selbst-idolisierenden Antizipation von Autonomie und Vollkommenheit. Insofern stellt die unmöglich in die psychische Struktur zu integrierende Deliktrealität eine Traumatisierung dar, die als primärprozesshafte, unbewusste Realität des begehrenden Subjekts dem Wiederho-

lungszwang unterliegt (Lacan 1964b, 6465).

Therapeutische ›Instituierung‹ $ und ›Destituierung‹ • ù
Legendre bezeichnet unter Bezugnahme auf das römisch-antike Grundprinzip des ›vitam instituere‹ die institutionellen Effekte – die Effekte der Institution ›Gesellschaft‹ – als einen für die Subjektivierung wesentlichen Aspekt der ›Instituierung‹, der ›Einsetzung‹ des Menschen als soziales und ethisches Subjekt, da die Verinnerlichung der Begrenzung dem Subjekt die von diesem gesuchte Beschränkung gibt und so fundamentale Identifizierungsmöglichkeiten eröffne (Schneider 2001). Ganz im Sinne dieses subjekt- und institutionstheoretischen Modells unterliegt das forensische Subjekt im Maßregelvollzug dadurch einem Prozess der ›Instituierung‹ (Elchardus & Elchardus 1995), dass es nicht nur der symbolischen Ordnung als herrschendem Sprach- und Be-Deutungssystem unterworfen wird bzw. sich im selbst unterwirft, sondern indem es dazu angehalten wird, sich als Subjekt aktuell bewusst zu erinnern und auseinander zu setzen, um nachreifend der werden zu können, den die eigene delinquente Lebensgeschichte unbewusst vor(g)reifend aus ihm gemacht hat. Forensische Behandlung besteht folglich in

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diesem Aspekt darin, das rechtsbrechende Subjekt dazu zu motivieren und dabei zu unterstützen, »die geschichtliche Aktualisierung der Tatsachen zu vollenden, die im Laufe seines Lebens eine gewisse Zahl von historischen ›Wendepunkten‹ bestimmt haben« (Lacan 1953, 139). Dabei besteht das Ziel keineswegs in einer quasi ›archäologischen‹ Wiederherstellung der genauen Erinnerung objektiver Geschehnisse, sondern in der »Aufnahme seiner Geschichte durch das Subjekt, so wie sie durch ein an den anderen gerichtetes Sprechen konstituiert wird« (Lacan 1953, 134). Wenn es demzufolge darum geht, vergangene Ereignisse immer weiter zu resubjektivieren, sich erinnernd zu ver-innerlichen, so handelt es sich um etwas definitiv Anderes als eine detailgenaue Rekonstruktion des Tatgeschehens. Die forensisch-psychotherapeutische Form der Deliktverarbeitung impliziert somit ein dem tatortanalytischen Ansatz der Auswertung objektiver, subjektunbezogener Tatbestandsmerkmale geradezu entgegengesetztes psychotherapeutisches Vorgehen. Diese »Kriminalpsychologie« nimmt für sich »die Möglichkeit« in Anspruch, »anhand einer abgeschlossenen Tatortanalyse die Dynamik eines Verbrechens und damit die darunter liegenden Bedürfnisse des Täters zu erkennen«, um über »derartig definierte Merkmalscluster […] neue Erkenntnisse bei […] den einzusetzenden Therapiemöglichkeiten [zu] bieten« (Müller 2002). Doch das Indizienparadigma der Tatortanalyse verfehlt mit seiner Konzentration auf objektive Fakten das Subjekt der Tat innerhalb forensischer Behandlungen vollends. Nicht aus dessen unbewusster, subjektiver Wahrheit wird dabei versucht, die »Affektlogik«, das heißt, die Logik der Affekte wie die Affektivität der Logik (Ciompi 1999, 46), die Beziehungsdynamik, den – bewussten wie unbewussten – subjektiven ›Sinn‹ zu erschließen, sondern es sollen in der Tradition naturwissenschaftlich-deterministischer Faktenanalyse mit linearem Abfolgemodell eine Tatmotivation bzw. eine tatdeterminierende Psychodynamik verobjektivierend konkretisiert werden, wie sie innerhalb physikalischer Gegebenheit nicht zu erfassen ist. Objektiv(ierend)e Wissenschaft ist jedoch »nicht in der Lage […], meine ›objektive subjektive‹ phantasmatische Identität, diesen objektalen Kontrapunkt meiner Subjektivität, formulieren zu können« (Žižek 1998, 47).

Mit diesem strategisch und interventionistisch zu charakterisierenden Ansatz gerät Psychologie zu einer Art »Vehikel« (Lacan) gesellschaftlicher Interessen, indem sie weder als ethisches Erkenntnisnoch als Behandlungsinstrument genutzt, sondern sich gesellschaftlichen Interessen in einer Form »als Dienerin anbietet« (Lacan 1964a, 197), bei der sie sich als Wissenschaft selbstinstrumentalisierend den Gesetzen des (Meinungs-)Marktes unterwirft (Lacan 1964a, 196). Das heißt, indem die sonst als Wissenschaftsstandards selbstverständliche Objektivierung und Objektivität vereinseitigt werden, produziert diese fetischistisch fixierte kriminalpsychologische Wissenschaft »ein Wissen ohne Wahrheit, d. h. ein Wissen, das dem Subjekt nichts sagt und es nicht bindet« (Waltz 2001, 108). Bei einem reflektierten subjekttheoretischen Behandlungsmodell müsste es darum gehen, sich der zwischenmenschlichen Anstrengung zu unterziehen, dem Tätersubjekt zuzuhören, sich auf das Sprechen wie auf das Schweigen und Verschweigen dieses Subjekts einzulassen, darin die unbewussten Anteile seines Erlebens, Phantasierens, Denkens, Handelns und Verhaltens, deren Wunsch- und Abwehraspekte zu erfassen und zu verstehen.
»Hier beginnt ein Sprechen über die Taten, und auch das Unerträgliches des Hörens, denn zuerst werden die Taten meist lapidar und nebensächlich dargestellt und es ist schwierig, nicht darauf zu reagieren, sondern das Gesagte erst einmal im Raum stehen zu lassen. Nur bestimmte Wörter aufzugreifen und ein weiteres Sprechen ermöglichen, um eben nicht durch Entrüstung und Gegenargumente« einen verbalen Schlagabtausch zu beginnen, sondern Augenblicke zu ermöglichen, in denen »das immer gegenwärtige routinierte, leere Sprechen durchbrochen wird und das Gesprochene in seiner Zweideutigkeit überrascht« (Schwaiger 2003, 40-41).

Gerade indem kriminalistisch orientierte und zugleich behandelnd tätige Psychologen und Psychiater »das Verbrechen mit all seinen grauenvollen Details« beweisführend präsentieren und mit der Begründung, die Tat »gehöre […] zur Persönlichkeit des Täters« (Klingst 2003, 3), als objektivierbares Charaktermerkmal festlegen, nutzt diese kriminalistische Praxis die – Scheußlichkeit der – Tat als einzigen oder wesentlichen Ausgangspunkt von Therapie. Anstatt sich das forensische Subjekt, das »die (Natur)Wissenschaft um der Objektivität willen auszuschalten bemüht ist« (Gondek 2001, 133), zum Ausgangspunkt

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psychotherapeutischer Erkenntnis zu machen, bedeutet ein tatortanalytisches Vorgehen innerhalb von Behandlungen, die Tat »stärker ins Zentrum von Therapie« zu rücken (Klingst 2003, 3). Damit jedoch rückt die Behandlung vom Täter und dessen Subjektivität ab und setzen Behandler ihre (scheinbare) wissenschaftliche Rationalität – wie beispielhaft an Begrifflichkeiten der »Scheußlichkeiten«, des »Bösen« ablesbar – zur Verwirklichung moralischer Maßgaben, mithin irrationaler Behandlungsmaxime ein. Das kriminalpsychologische Postulat einer ›objektiven Realität‹ des Tatgeschehens und der Tatmotive schafft ein paradoxes Apriori, das in seiner ›unmöglichen‹ Objektivität zum objekthaften Korrelat des Subjekts (Tat als Persönlichkeitseigenschaft) gerät und Fetischcharakter annimmt (Tatzentrierung der Behandlung). Das heißt, der Nexus tatanalytischen Vorgehens innerhalb von Therapie ist nicht nur der – unterstellte – objektive Faktor der Subjektivierung, sondern auch das genaue Gegenteil: Er impliziert einen – von den Protagonisten unbemerkten – subjektiven Faktor wissenschaftlicher Objektivierung (Žižek 1998, 90). Anstelle einer auf einer statisch fixierten und abgeschlossenen Vergangenheit ginge es folglich in der Deliktbearbeitung, innerhalb deliktbezogener forensischer Psychotherapien darum, eine subjektlogisch strukturierte Zeitlichkeit des Subjektes und affektlogisch strukturierte Erinnerung der Tat und des Tatvorfeldes wiederherzustellen:
»Die Eigentümlichkeit dieser Zeitlichkeit liegt weder in der bloßen Aufeinanderfolge von Ereignissen noch in einem deterministischen Verhältnis zwischen der Vergangenheit als Ursache und der Gegenwart-Zukunft als Wirkung. Sie liegt ausschließlich in der Möglichkeit, über die das Subjekt verfügt, ›sich‹ nachträglich (après coup) ›umzustrukturieren‹, d.h. darin [...] der eigenen Vergangenheit ausgehend von der Erschlossenheit der Zukunft Bedeutung zu verleihen. [...] Nur so wird verständlich, dass die Stränge der Vergangenheit keinen Sinn in sich tragen, sondern ihn durch die gegenwärtige Interpretation des Subjekts erhalten. Der Sinn der subjektiven Geschichte ist in der Tat keine Gegebenheit, keine Tatsache, sondern [...] der Effekt der Art und Weise, wie das Subjekt seine eigene Geschichte annimmt« (Recalcati 2000, 23).

»Es darf […] nicht der Eindruck entstehen, dass es […] so etwas wie einen Moment gab, der die Wende vom leeren Sprechen (also dem Schlagabtausch) zum subjektiv unbewussten Assoziieren markiert hätte. Ganz im Gegenteil ist in jeder Sitzung die Routine omnipräsent und lässt sich nur durch ein genaues Hinhören, Akzentuieren eines Wortes oder eben Versprecher und Fehlleistungen durchbrechen. Das Ritual der wöchentlichen Zusammentreffen gibt die Sicherheit, dass ein weiteres Sprechen möglich sein wird, aber schützt nie vor dem routinierten Gerede, das in einer totalen Institution wie dem Gefängnis [oder der Maßregelvollzugsklinik] besonders ausgeprägt ist. Und es garantiert eines nicht, was gegenwärtig als Signifikant zum Gütesiegel für jede Therapie erhoben worden ist: Qualitätssicherung, denn die Qualität des Sprechens ist eine nachträgliche, die sich jeder ihr vorausgehenden Sicherung radikal entzieht« (Schwaiger 2003, 43).

Erst diese Form diskursiver Selbstbefragung und Selbstakzeptanz ist VorausSetzung für die Antizipation einer Zukunft, für die Vorstellung einer Lebensperspektive als Projektion des Selbst aus der zur Vergangenheit werdenden Gegenwart in die Zukunft. Insofern ist eine ‚lebendige Gegenwart’ des Subjekts nur in einer Sprachbeziehung, nur in der intersubjektiven Nachträglichkeit einer forensischen Therapie möglich.

Vom Begehren des Un-Dings zur Ethik des Realen • é
Konnte therapeutisches Handeln vor Jahren noch als primär dialogisch-intersubjektiver Diskurs verstanden – und dem entsprechend auf die individualethischen Standards befragt – werden, so hat sich aufgrund gesellschaftspolitischer Entwicklungen in Maßregel- und Strafvollzug wie vor dem Hintergrund neuerer Theoriebildungen nunmehr ein zunehmend institutionell orientierter Zugang zum Verständnis des Subjekts und der therapeutischen Diskurse entwickelt. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, stellt das Delikt das Auftauchen von angsterregend-unerträglichen, nicht integrierbaren Handlungen innerhalb der gesellschaftlichen Alltagspraxen dar: Bezogen auf ein Modell des Begehrens, ist dies der Einbruch des Realen in die (inter)subjektive Struktur des Symbolischen und des Imaginären. Aufgabe von Behandlung wäre folglich die Entwicklung einer ›Ethik des Realen‹. Lacan charakterisiert für die von ihm vertretene Ethik die Dynamik ein »Umkreisen einer Leere«, die mit der Unmöglichkeit des Realen wie mit der Struktur des Begehrens verbunden ist. Dieser theoreti-

Für das forensische Subjekt bedeutet dies, dass es immer schon deliktbedingt – ohne sich dieser Tat(sache) vollends bewusst gewesen zu sein – ein ›anderes‹ war und zugleich dennoch erst das zu werden hat, was das Delikt aus ihm gemacht hat.

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sche Entwurf konzeptualisiert das Reale als eine Alltagserfahrung, die sich weder auf Imaginationen (bildhafte Vorstellungen, Identifikationen usw.) noch auf Symbolisierungsprozesse (Sprache, Schrift ...) reduzieren lässt. Vielmehr greift er den von Freud eingeführten Begriff des ›Dings‹ auf, das genau die vorgenannte Leere bezeichnet, das als außerhalb jeder intrapsychischen Repräsentationsmöglichkeit anzunehmen ist und um das alle unbewussten Vorstellungen kreisen. Freud differenziert die bewusste Objektvorstellung »in die Wortvorstellung und in die Sachvorstellung« und konstatiert, die bewusste Vorstellung umfasse »die Sachvorstellung plus der zugehörigen Wortvorstellung«, während die unbewusste Vorstellung »die Sachvorstellung allein« sei (Freud 1915, 300). Diese Analyse weiterführend wird die ›Sache‹ von Lacan als eine Repräsentation in der symbolischen Ordnung beschrieben, das dem ›Ding‹ als Repräsentanz des Objektes in seiner »stummen Realität« entgegengesetzt ist (Lacan 1996, 68) und als Ding im Realen ein außerhalb der Realität stehendes Signifikat darstellt (Lacan 1996, 67-68). Damit wird das ›Ding‹ als Repräsentanz eines »disparaten« Objekts verstanden (Freud 1895, 457 Fn 2), das als solches ›verloren‹ ist (Lacan 1973) und unmöglich wieder aufgefunden werden kann: Es ist eine auf ein Wunschobjekt bezogene »unassimilierbare« Erfahrung (Freud 1895, 457) bzw. genauer die – vermeintliche – Erinnerung an ein erfülltes Genießen als Illusion ursprünglich vollständig möglicher Befriedigung und stellt insofern die – allerdings nur leere – Matrix des Begehrens dar, die ihrerseits (als ein Un-Ding) zur unaufhebbaren Ursache dieses kontinuierlichen Begehrens wird.

Anhand dieser subjektkonstitutiven Dynamik wird deutlich, warum die graphische Darstellung des Subjekts mit Hilfe der der topographischen Figur des Torus (siehe oben) erfolgt: Einerseits erweist sich das ›Ding‹ für das Subjekt als ebenso zentral wie ihm »entrissen« (Kleiner). Diese Dezentrierung, wie sie zuvor bereits mit Hilfe der so genannten ›Innenacht‹ verdeutlich wurde, etabliert ja nicht nur einen Ort der ›inneren Ausschließung‹ des Subjekts, sondern impliziert zugleich das ausgeschlossene Objekt als Zentrum seines Begehrens. Entsprechend ist die Dynamik des mit dem Begehren ursächlich verknüpften – symbolisch und real zu verstehenden – Anspruchs als eine spiralförmige Bewegung zu veranschaulichen (Abb. 1), »da das gesuchte Objekt immer ein anderes ist. Die Bewegung um das periphere Loch des Anspruchs biegt sich damit um das zentrale Loch des Begehrens, um das Objekt, das ›hinter‹ allem steht, was der Anspruch will« (Kleiner 1991, 175). Überführt man dieses intrasubjektive Modell des Begehrens in ein Paradigma intersubjektiver Beziehungen, so kann diese torische Struktur nur sinnhaft funktionieren, wenn Anspruch und Begehren des einen Subjekts sich mit dem des anderen so ›überschneiden‹ bzw. ›treffen‹, dass im Rahmen des Torus-Modells (Abb. 2) »das zentrale Loch des Begehrens des Objekts des Begehrens mit dem peripheren Loch eines anderen Torus ineins fällt, d.h. mit Anspruch eines anderen Subjekts, so dass sich das Begehren des einen jeweils mit dem Anspruch des anderen überlagert« (Kleiner 1991, 176).
Abb. 2: Torus des Anspruchs & Begehrens

Abb. 1: Torus des Begehrens

Bedeutung hat dieses Paradigma der Leere des Realen und des Begehrens im forensischen Kontext für das Verständnis der Delinquenz, denn die Tat ist als ein Versuch zu verstehen, die Distanz zum ›Ding‹ aufzuheben, sich des ›verlorenen‹ Objekts auf imaginäre Weise wieder zu

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bemächtigen und »die irreduzible Differenz des Dinges wieder zu vergegenwärtigen« (Recalcati 2000, 71). Dass dies innerhalb der Tat auf ent-täuschende Weise immer nur in Ansätzen und nur temporär möglich ist, ist eine der begehrenden Determinanten für die dysfunktionale Tendenz zur Deliktwiederholung. Die zu entwickelnde Ethik des Subjekts lässt sich folglich als »eine Ethik des Abschieds und der Distanznahme gegenüber dem narzisstischen Genießen des Dinges« beschreiben, indem die Unmöglichkeit, das ›verlorene‹ Objekt jemals (wieder-)finden zu können, (an-)erkannt wird. Ethisch zu begehren »bedeutet also, den eigenen Mangel nicht als eine kontingente, sondern als eine strukturelle Mangelhaftigkeit anzunehmen, als ein Verfehlen des eigenen Seins, als einen1 Mangel an Sein, als einen Seinsmangel« (Recalcati 2000, 73). Indem der Mangel und die Unmöglichkeit einer definitiven Vervollkommnung als Charakteristika jedes Begehrens erkannt und anerkannt werden, enthüllt sich diese Ethik als eine Ethik des Verlusts, mitnichten des Gewinns. In diesem Sinne hat ›Ethik‹ nicht – mehr – mit Werten (Aristoteles), mit einem kategorischen SeinSollen (Kant) oder mit einer imperativen (Selbst-)Verwirklichung des Genießens (de Sade) zu tun, sondern sie betrifft die Struktur des Subjekts selbst: Diese Strukturierung durch einen existentiellen Mangel erweist sich als »nichts anderes als das Gesetz der Wiederholung, der Wiederholung eines Verlustes, wobei es das Ding ist, das verloren wurde. Die Ethik hat so letztlich mit dem Nicht-Sinn dieser Leere und dieses Mangels zu tun« (Recalcati 2000, 7475).

Begriffen einer dialektischen Negativität« denken:
»Die Ethik entspricht der Bereitschaft, diese Irreduzibilität, diesen Nicht-Sinn auf sich zu nehmen; sie ist die Anerkennung dessen, [...] dass das Reale des Mangels nicht in der Ordnung des Sinnes aufgehoben werden kann“, sprich, „der Versuch, die Opazität des Unmöglich-Realen, das jeder Interpretation widersteht, auf sich zu nehmen« (Recalcati 2000, 77).

Dies also bedeutet die Auf-Forderung, der zu werden, den die Delinquenz aus ihm gemacht hat: Das forensische Subjekt hat sich zu vergegenwärtigen, dass seine inzestuösen Bemächtigungsversuche Ausdruck der Selbsttäuschung über die Unmöglichkeit der Wiederaneignung des ›verlorenen‹ Objekts, über die Aufhebung von Getrenntsein und Differenz sind, dass aus einer Verkehrung der Unmöglichkeit, das ›verlorene‹ Objekt (wieder) zu erlangen, das Fetischobjekt der Perversion resultiert, »das genau dieser Unmöglichkeit Gestalt verleiht« (Žižek 2000, 78), und/oder dass seine perversen (Selbst-)Inszenierungen den illusionären Versuch darstellen, Lustverlust durch Verzicht nicht mehr ertragen zu müssen, sprich, eine quasi kapitalistische ›Ökonomie‹ des Genießens zu entwerfen, dass es zugleich aber (auf-)gefordert ist, von seinem – nicht erfüllbaren – Begehren nicht abzulassen (Lacan 1986, 368).
»Dieser Anspruch ist zweideutig, denn Lacan sagt nicht, dass dein Begehren erfüllt werden soll oder muss. Er sagt nur, dass das Begehren nicht stillgestellt werden soll. Manchmal ist eben die Befriedigung das Mittel, von seinem Begehren abzulassen; sie kann auch das Mittel sein, sich gegen das Begehren zu wenden, dessen Tod vorzubereiten« (Butler 2003, 57).

Objektverlust und – unmögliche – Wiederaneignung
In diesem Sinne ist die von Lacan entworfene Ethik der Psychoanalyse zugleich jeder hermeneutischen Ethik entgegengesetzt. Wenn das forensische Subjekt die vorgenannten Aspekte der Unmöglichkeit endgültiger Befriedigung seines Begehrens und der Unvollständigkeit seines Seins anzuerkennen hat, dann lässt sich diese Alterität zwangsläufig auch nicht durch hermeneutische Be-Deutungsversuche begreifen und »nicht einmal in den
Im Original »ein«, hier grammatikalisch korrigiert in »einen«
1

Diese ethische Verfügung, mit seinem Begehren keinen Kompromiss einzugehen, mahnt dazu, »unserem Begehren, aufrechterhalten durch das Gesetz der minimalen Distanz zum Ding, treu zu bleiben – und man bleibt seinem Begehren treu, indem man die Lücke wahrt, die das Begehren aufrechterhält, die Lücke, durch die das inzestuöse Ding für immer dem Zugriff des Subjekts entzogen bleibt« (Žižek 1998, 124). Bezogen auf Tatgeschehen und Effekt dieser Tat wird die paradoxe Wirkung

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des delinquenten Agierens deutlich: Indem sich dieses gegen das Subjekt selbst wendet, lässt sich eine subjektive Logik der Delinquenz feststellen, die in dieser Form im linear-kausalistischen »medizinischen Diskurs keinen Platz« findet (Recalcati 2000, 42). Wenn also alle Angaben zur Entstehungsgeschichte des Delikts immer nur nachträglich und zudem phantasmatisch sind, bedeutet dies, einen Ursprung anzunehmen, der als solcher nur in der Erinnerung, nur in der Wiederholung existiert. Das (An-)Erkennen einer mangelbezogenen Leere – einer durch die Aktivierung des Begehrens zur Ursache gewordenen Leere – legt den »Zweck« und die »Absicht« dieser begehrenden Suche des Subjekts fest (Lacan 1986, 65) und fordert vom forensischen Subjekt wie vom Therapeuten zu ertragen, dass diese deliktspezifische Subjektposition unausweichlich die Vorstellung einer ›abwesenden‹ objektiven Ursache voraussetzt (Althusser 1993b). Denn Lacan arbeitet heraus, dass es bei diesem Verlust »nicht um den Verlust eines Ursprungs geht, sondern darum, dass der Verlust selbst der Ursprung ist. ›Am Anfang war der Mangel‹, könnte man sagen« (Zupančič 1995, 29). Dass sich das Subjekt gleichsam »im Verlust des Objekts zu verlieren« tendiert, ist in seinem bis dahin wirksamen Unvermögen zur Konfrontation mit diesem Seinsmangel, zur Trauerarbeit, liegt in der eigenen Unvollkommenheit und in der kontraphobischen Tendenz zur Selbstidealisierung begründet. Auch in diesem Sinne beinhaltet forensische Behandlung das Ziel, der zu werden, den ich im Delikt zu erkennen genötigt und für die Zukunft anzuerkennen gefordert bin: Es geht darum, die eigene Unvollkommenheit auf sich zu nehmen und im positiven Sinn zu ertragen.
»Kann sich aus diesem unausweichlichen ethischen Scheitern ein neuer ethischer Sinn ergeben? Ich würde sagen ja, und ich würde sagen, dieser neue ethische Sinn entspringt einer gewissen Bereitschaft, die Grenzen der Anerkennung selbst anzuerkennen und einzugestehen, dass wir dort, wo wir behaupten, uns selbst zu kennen und uns selbst darzustellen, auf bestimmte Art und Weise scheitern, auf Weisen, die aber wesentlich sind für das, was wir sind; und dieser neue ethische Sinn entspringt einer gewissen Bereitschaft einzugestehen, dass wir auch von Anderen nichts erwarten können« (Butler 2003, 55).

ser über die prinzipielle Fähigkeit verfüge, sein Leben zu ändern, ihm eine Wendung zu geben, über ein »Anderswerdenkönnen« als »konstitutives Moment des auf Autonomie gestellten Subjekts« zu verfügen (Gamm 2002, 60), sprich, diesen Seinsmangel nicht zugunsten eines abstrakten Sein-Sollens zu verleugnen, sondern aufzudecken und sich dem Anspruch eines – unmöglich – ethisch zu verwirklichenden Genießens zu stellen:
»Die Ethik situiert sich nach Lacan dort, wo das Subjekt dem Mangel begegnet. Seine Prüfung zu erfahren, darin liegt das ethische Postulat« (Widmer 1994, 15).

Subjektivierung
Das heißt, indem das Subjekt die Wahrheit seiner selbst / seines Selbst reflexiv in Frage stellt, indem es seine Fähigkeit in Frage stellt, die Wahrheit über sich zu (er)kennen und zu sagen, von sich Rechenschaft abzulegen, kommt es zu einer tatsächlichen Subjektwerdung im Sinne eines »assujettissement«2, einer sich der Selbstkritik und Wahrheit unterwerfenden Subjektivierung. In dieser Hinsicht geht es forensisch-therapeutisch nicht um die ›Enthüllung‹ eines bereits konstituierten – devianten – Subjekts, sondern um die Konstituierung dieses Subjekts als solchem, demgegenüber die strafbare Handlung als Akt signifikanter Überschreitung das Subjekt so verändert, dass dies einer Art Selbstmord des Subjekts nahe kommt (Miller 1988, 109) und als eine ›Destituierung‹ des Subjekts zu interpretieren wäre. Gerade damit ist die forensisch-psychotherapeutische Behandlung als ethischer Akt »nicht nur ›jenseits des Realitätsprinzips‹ (in dem Sinne, dass er, ohne auf die Realität Rücksicht zu nehmen, ›gegen den Strom schwimmt‹, auf seinem Ursache-Ding insistiert), sondern er bezeichnet vielmehr eine Intervention, welche die Koordinaten des ›Realitätsprinzips‹ selbst verändert« (Žižek 2000, 160-161). Dies beinhaltet, dass »aus einem Sprechen über Symptome ein Sprechen über Schuld« hat werden können:
»Dieses Auseinandersetzen mit Schuld ge3 hört im Justizvollzug [wie im Maßregelvollzug] zur sogenannten Resozialisierung bzw. Sozialisierung (häufig unter dem Begriff der Tataufarbeitung).«

Auch insofern geht es um das Erlangen einer ethischen Subjektposition, wenn Margalit (1999, 92) die Achtung des Rechtsbrechers damit begründet, dass die-

2 Der Terminus technicus »assujettissement« bedeutet sowohl ›Subjektwerdung‹ als auch ›Unterwerfung‹. 3 Einfügung des Verfassers (UK)

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Auch wenn Therapie in Vollzugsinstitutionen »nicht im philanthropischen Sinne« helfe, könne sie »doch dazu beitragen, dass Strafe nicht zum Strafbedürfnis erhoben wird – zum unbewussten Strafbedürfnis, von dem Freud (1916, 252-253) spricht einer Schuld, die immer wieder durch Straftaten in Szene gesetzt wird, weil nicht über sie gesprochen werden kann. Im Sprechen dagegen entwirklicht sich die Schuld und verweist letztendlich auf die Frage […] des Verbots (Oedipus). Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um Schuld-Fähigkeit, besser gesagt: um die Fähigkeit zur Schuld, die das Soziale erst ermöglicht4. Die Schuld ist das, was nicht aufgeht, der Rest, der Mangel und auch das, was zum Sprechen bewegt und durch das Sprechen nie ganz gesagt werden kann. Die Institutionen versuchen, diese Rest-Schuld erträglich zu machen, dürfen dabei aber nie vergessen, dass sie eben diesen Rest auch repräsentieren« (Schwaiger 2003, 46-47).

psychologischer Interventionswissenschaften eine Dialektik von Gesetz und Gesetzesüberschreitung, die zunächst bereits darin besteht, dass das Gesetz seine eigene Überschreitung »provoziert« (Žižek), indem es den Wunsch nach seiner eigenen Grenzverletzung erzeugt. Weil die innerhalb des Straf- und Maßregelvollzugs institutionalisierte Therapie demzufolge in ihrem ethischen Kern ein systemimmanenter, ›logischer‹ Bestandteil der Strafe ist, repräsentiert sie die oben genannte »RestSchuld«.
»Eine Institution, die total und in sich abgeschlossen wäre, also integrativ (um ein Modewort aus der Psychotherapie zu verwenden), wäre der Wahnsinn selbst: eben ein totaler Sinn, der restlos aufgeht und die Subjekte zu bloßen Marionetten – an ihren Gensträngen hängend – degradierte« (Schwaiger 2003, 47).

Autonomie der Unterwerfung • ó
Das Subjekt des Unbewussten selbst befindet sich hiernach letztlich in der Situation einer gleichsam ›erzwungenen Wahl‹ und konstitutionellen Autonomie in der Unterwerfung. Nur in diesem Verständnis kann die grundlegende Frage beantwortet werden, »wie es möglich ist, dass die Triebfeder des Ethischen zugleich dessen Produkt ist, dass die Bedingung der Freiheit die Freiheit selbst ist, die Bedingung der Autonomie die Autonomie selbst. Die Zirkularität dieser Bestimmungen ist nichts anders als ein anderer Name für das Subjekt« (Zupančič 1995, 41). Einer solchen existentiellen und subjektethischen Position steht allerdings eine normative und unterwerfende forensische Wissenschaft gegenüber, deren Psychologie entsprechend der Kritik Lacans »nichts anderes als ein bestimmter Typ der Kausalität oder ›Mechanik‹ ist« und deren Subjekt – durch Vorstellungen, Triebhaftigkeit determiniert – »nichts anderes als ein automaton ist« (Zupančič 1995, 34). Mit dieser wissenschaftlichen Verkürzung ignorieren die Vertreter normativ4 Siehe auch die umfangreiche Studie zur Frage von ›Schuld – Vater – Institution‹ von Legendre (1998).

Entsprechend entzündet sich die Kritik an den tatortanalytisch arbeitenden Behandlern wie an den Vertretern gesonderter Vollzugsinstitutionen für so genannte ›nicht behandelbare‹ Täter daran, dass diese sich selbst totalisieren und sich der obigen Definition Schwaigers entsprechend quasi ›wahnsinnig‹ verhalten: Einerseits wird der unaussprechliche Rest (des Zweifels, der Schuld …) kriminalistisch aufzulösen und zu leugnen gesucht, andererseits täuschen sie in ihrem Therapieanspruch und Erfolgs- bzw. Sicherheitsversprechen über diesen Rest (an Unsicherheit, an Risiko …) hinweg, doch »getarnt als Rückfall (so genannter therapierter Täter) […] kehrt sich dieser Rest gegen die Institution selbst und konfrontiert sie mit diesem Mangel« (Schwaiger 2003, 47).
»Die nicht-wahnsinnige Institution hingegen ist dieser Rest – sie ist der Mangel, nicht dessen Kompensation […] – und in dieser Leerstelle findet Sprache ihren Platz. Doch auch Sprache ist institutionalisiert; sie existiert vor unserer Geburt, wir können sie nicht schaffen, wir werden von ihr geschaffen. Und auch in ihr klafft ein Loch, das wir mit unserem Reden füllen. Oft mit Gerede, das man für uns vorfabriziert, manchmal mit Sprechen, das seinen bewussten Sinn […] übersteigt. […] Sprache ist beides: Sie verweist auf ein unerbittliches Gesetz, auf einen Mangel, der unser Begehren erst ermöglicht, aber sie birgt auch genügend Anarchie, um uns stets von neu in ihr wieder finden zu müssen« (Schwaiger 2003, 47).

Dabei erweist sich selbst der geforderte Gehorsam dem Gesetz gegenüber nicht als intrinsisch motiviert, weder als

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›natürlich‹ noch als spontan, sondern als ein Gehorsam aus ›pathologischen‹ Gründen (Kant), denn:
Dieser Gehorsam ist »immer schon durch den Wunsch (und dessen Verdrängung) vermittelt, das Gesetz zu überschreiten. Wenn wir dem Gesetz gehorchen, ist dies Teil einer verzweifelten Strategie, gegen den Wunsch, das Gesetz zu überschreiten, anzukämpfen, so dass ,je rigoroser wir dem Gesetz g e h o r c h e n , um so mehr die Tatsache bezeugen, dass wir tief in uns den Druck des Wunsches empfinden, uns der Sünde hinzugeben. Das Über-IchGefühl der Schuld ist daher berechtigt: Je mehr wir dem Gesetz gehorchen, um so schuldiger sind wir, weil dieser Gehorsam in Wirklichkeit Abwehr unseres sündigen Wunsches ist und im Christentum der W un s c h (die Absicht) zu sündigen, der Tat gleichkommt. (…) Diese christliche Über-Ich-Haltung kommt vielleicht am besten in einem Vers T. Eliots Mord im Dom zum Ausdruck: ›Die höchste Form des Verrats: Das Richtige aus dem falschen Grund zu tun.‹ Auch wenn du das Richtige tust – tust du es nur, um der niederträchtigen Schändlichkeit seiner wahren Natur entgegenzuwirken und sie so zu verbergen« (Žižek 2000, 33-34).

Freiheit im Begehren
Doch diese Aspekte der (Un-)Freiheit sind im Allgemeinen nicht bewusst: Sie klaffen lediglich situationsabhängig auf, lassen sich in diesem Moment jedoch nicht im Sinne eines objektivierbaren Faktums begreifen. Vielmehr erweist sich das Unbewusste als »gewissermaßen permanent in Verzug« (Pagel 1991, 133) und ist das ›Aufspringen‹ dieses Brennpunkts der (Selbst)Erfahrung mitnichten eine Aktualisierung als Wiederholung einer abgeschlossenen – und lediglich ›vergessenen‹ – Vergangenheit. Denn diese Wiederkehr des Verdrängten ist Effekt eines Sprechens, das Antworten »evoziert« und das Subjekt erst dadurch »als Subjekt konstituiert« (Lacan 1971, 181). Der Begriff ›Wiederholung‹ ist dabei insofern irreführend, als diese im Grunde eine imaginäre Reintegration von etwas beinhaltet, das – ohne Wissen des Subjekts – erst in der Gegenwart gelebt und als Wiederholung verkannt wird (Lacan 1954, 177), denn diese ›Wiederkehr des Verdrängten‹ kommt nicht aus der Vergangenheit, sondern kommt aus der Zukunft:
»Sie stellt eine Bewegung dar, die das Vergangene überschreitet, indem sie eine – wenn auch ›kurze und begrenzte‹ Schleife in die Zukunft zieht. Und aus der Krümmung in die Zukunft kommt sie auf die Gegenwart zurück. In dieser Schleife aber eröffnet sich die Perspektive eine ›Es wird gewesen sein‹, in der die Vergangenheit als ›antizipierte Nachträglichkeit‹ anklingt. Was bei diesem Vorgang bezüglich der Geschichtlichkeit des Subjekts verwirklicht werden kann, ist nicht die abgeschlossene Vergangenheit dessen, was war (weil es nicht mehr ist), auch nicht das Perfekt im Sinne einer immer schon vollendeten Gegenwart, sondern die zweite Zukunft dessen, was ›es für das gewesen sein wird, was zu werden es im Begriff steht‹« (Pagel 1991, 134).

In seinem Begehren nicht nachzugeben, heißt demzufolge, konform dem eigenen Begehren zu handeln, »nicht länger in die ›morbide‹ Dialektik mit dem Gesetz verwickelt zu bleiben« und die Treue gegenüber dem eigenen Begehren zur Freiheit einer ethischen Pflicht zu machen (Žižek 1998, 147). Der Begriff der Freiheit des sich ›frei‹ entscheidenden Subjekt, »diese Illusion einer psychischen Freiheit« (Freud 1917, 42), sich so oder anders zu entscheiden und/oder zu verhalten, läuft auf die Notwendigkeit der Unterscheidung zweier unterschiedlicher Aspekte hinaus: Auf die Differenz einer Freiheit, die das Gegenteil von Unfreiheit ist, und der, die sowohl Freiheit als auch die Unfreiheit der Notwendigkeit aufrecht erhält.
»Und erst daher ist die Konstitution des Subjekts als ethisches Subjekt möglich, die Konstitution, die auf der Überschneidung zweier Mängel beruht« (Zupančič 1995, 51).

Dieses Zusammentreffen betrifft den Mangel des Subjekts, seinen Mangel an Freiheit auf der Ebene der erzwungenen Wahl, deren Resultat die »psychologische Freiheit« des sich autonom wähnenden Subjekts ist, und den Mangel eines Grundes, diese Abwesenheit einer ›objektiven‹ Ursache als Ursprung, diesen irreduziblen Nicht-Sinn einer mangelbezogenen Leere.

Dieses ethische Subjekt ist also »das (fiktionale) Subjekt, das sich am Ende eines inszenierten Zweifelsprozesses durch die Gewissheit seiner selbst als denkend ermächtigt fühlt, auch über objektive Wahrheit zu entscheiden« (Gondek 2001, 133). Ziel dieser erinnernden Wiederholung ist somit folglich keineswegs ein Verantwortlich-Machen mit dem Effekt der Übernahme von Verantwortung, denn dies geriete zu einem »Akt von leerem Narzissmus. Verantwortung verweist auf ein bindendes symbolisches System, das Verantwortungen zurechnet, die das Subjekt ablehnen oder übernehmen kann« (Waltz 2001, 125). In diesem Sinne ist eine soziale Ethik in ihrer freiheitlichen Beliebigkeit von Glück, Gemeinwohl und Nächstenliebe obskur und beginnt die hier zu fordernde

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Ethik ›jenseits‹ des Sozialen mit dem kantischen Imperativ ›Du kannst, denn Du sollst!‹5. Wenn man es mit zwei Prinzipien und einer Prämisse formuliert, lässt sich Kant hier wie folgt verstehen: Prinzip 1: Ab esse ad posse valet consequentia: Vom Sein darf man aufs Können schließen; Prinzip 2: Ultra posse nemo obligatur: Übers Können hinaus wird niemand verpflichtet. bzw. wenn ich etwas nicht kann, bin ich nicht dazu verpflichtet; Prämisse: Angenommen, jemand tut etwas, obwohl er dazu verpflichtet ist, es bleiben zu lassen, so muss man – Prinzip 1 – feststellen, dass er es offenbar tun kann. Prinzip 2 lässt sich umstülpen zu: Wenn ich zu etwas verpflichtet bin, so kann ich es auch. Fazit: Daraus und aus der Prämisse gewinnt man: Ich kann es auch bleiben lassen. Ich kann also, wozu ich verpflichtet bin, tun, oder es aber auch bleiben lassen. Kurzum: Ich bin – im starken Sinne – frei.

gelingt es nicht einmal im Exzess, die Unmöglichkeit der vollständigen Befriedigung zu unterlaufen oder zu hintergehen.
»Und weil sie immer unmöglich ist, deswegen ist sie auch verboten, untersagt, darin liegt das Paradoxon. So bekommt das Gesetz die Form: ›Nicht alles ist möglich, d. h. erlaubt‹ und dadurch wird erst das Begehren möglich, weil es ja gezwungen wird, immer auf Umwegen und partiell sein Befriedigung zu suchen und zu finden« (Lipowatz 1989, 117).

Das Subjekt muss sich gerade im Freiheitsentzug mit dem vermeintlich sinnentleerten, lebensabgewandten Ort – einem ›Ab-Ort‹ – der eigenen Existenz auseinandersetzen, damit dieser nicht zum Abort der eigenen Existenz gerät und das Subjekt nicht »als Abfall seiner Idee von sich selbst« endet (Groenewald 1985, 88).

Paradoxa freier Herr-und-Knecht-Koexistenz
In der Auseinandersetzung mit der vermeintlichen – Sinnlosigkeit dient diese Arbeit am Ich unabdingbar einer ›Enthüllung‹ des eigenen Seins als eines Seinszum-Tode und insofern einer »Bestimmung des Unbestimmten« (Lévinas), da in dieser Auseinandersetzung »die Ursprünglichkeit der ›Zeitigung aus der Zukunft‹« (er-)kennbar wird:
»Das ›Sein zum Tode‹, das eigenste, weil nicht übertragbare Seinkönnen (jeder stirbt für sich ohne mögliche Vertretbarkeit), die Angst, worin das Bevorstehen des Nichts sich meldet, ist die ursprüngliche Zukunft, die eigentlichste Modalität der Menschlichkeit des Menschen« (Lévinas 1983, 156).

Damit basiert ethisches Handeln (gegenüber dem forensischen Subjekt) nicht mehr auf beliebigen, austauschbaren moralischen Prinzipen und beruft es sich »nicht mehr auf irgendwelche ›pathologischen‹ Interessen oder Motive« (Žižek 1999, 30). Indem das psychologische Inseinem-Begehren-nicht-Nachgeben bei Lacan als ein Dem-Begehren-Folgeleisten gleichbedeutend wird mit dem philosophischen Seine-Pflicht-Erfüllen bei Kant, geht es darum, »der Konfrontation mit dem traumatischen Realen nicht auszuweichen« und als Subjekt ›frei‹ die volle Verantwortung für das zu übernehmen, was es als seine Pflicht erachtet:
»Wahrscheinlich ist das Wichtigste, was diese Ethik uns lehren kann, die Tatsache, dass die Moderne einen Raum außerhalb des Symbolischen herstellt, in dem Kant und Sade […] sich begegnen, und dass es anspruchsvolle und feine Linien sind, die sie trennen« (Waltz 2001, 124).

Für die Bewältigung des immer schon latent angelegten, in der aktuellen forensischen Krise evozierten inneren Dramas bedarf es folglich einer aktiven Stellungnahme zu den – nicht nur aus der Vergangenheit, sondern auch aus der Zukunft stammenden – Bestimmungen der eigenen Existenzbedingungen. Die in den Reformdiskursen des Sexualstrafrechts mit entsprechender Überzeugung vorgetragene ›Pflicht zur Behandlung‹ impliziert folgerichtig die Forderung, von seinem Begehren abzulassen und den ökonomischen Prinzipien eines kapitalistischen Diskurses über den ›richtigen‹ Gebrauch der Freiheit zu folgen, wie sie sich exemplarisch für die Sozialpolitik suchtpräventiver Diskurse aufzeigen lässt. Dabei bedürfen derart strategische Diskurse einer

Gerade daher ist de Sade in der Absolutheit seines Begehrens »mein Nächster« (Klossowski 1996), denn auch ihm
5 Diese hier verkürzte Forderung lautet im Original, »[…] sich bewusst werden, dass man es k ö n n e , weil unsere eigene Vernunft […] sagt, dass man es tun s o l l e […]“ (Kant 1788, A 283).

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Stützung durch ein unausgesprochenes phantasmatisches Szenario, das seinerseits »eine Ökonomie des Genießens« in der Produktion von Unbewusstem wie im Konsum illusionärer Rechte »inszeniert« (Salecl 1994a, 49). In dieser Intersubjektivität haben Ge- und Verbote eine maskierende Funktion, indem sie als Symptom an die Stelle von etwas Unmöglichem treten und dem Subjekt suggerieren, das Begehren sei grundsätzlich erfüllbar. Stattdessen ginge es jedoch eher darum, sein Begehren auf ethische Art und Weise zu gestalten, was – anstelle der Inanspruchnahme von Rechten – die Achtung dieses anderen voraussetzt. Gerade dies »tun wir nicht aufgrund irgendeiner herausragenden Eigenschaft dieses Subjekts, sondern ganz im Gegenteil aufgrund eines fundamentalen Mangels, der die Existenz dieses Subjekts definiert« (Žižek 1999, 36). Die Realisierung dieser Bestimmung und Notwendigkeit, die Selbstverwirklichung seiner Endlichkeit, kann dem delinquent gewordenen Subjekt nur in aktiver Aneignung eines zukunftszugewandten Selbstentwurfs als dem eines noch nicht abgeschlossenen Lebens gelingen. Und dieses zukünftige Leben zeichnet sich – bei allem Rekurs auf Vergangenes – dadurch aus, dass es Lebensgeschichte gerade nicht unablässig stereotyp wiederholt, sondern die Erwartung eines im Noch-Nicht implizierten Neuen enthält:
»Die Zukunft der Praxis ist noch in keiner Weise ausgemacht. Sie ist Zukunft der Utopie im Offenen der reinen Erfahrung« (Lévinas 1983, 155).

sondern das sich einer kommenden, zu vollendenden […] Utopie widmet« (Lévinas 1983, 156).

Mit Žižek hingegen ließe sich das Subjekt der Postmoderne – losgelöst von rigide internalisierten symbolischen Verboten, unabhängig von öffentlichen symbolischen Autoritäten und »fest entschlossen, mit seinem Leben zu experimentieren« – nunmehr als reflexiv-freies Subjekt begreifen, das im Reflex auf die Freiheit von den Zwängen der Natur und/oder Tradition das »Paradox einer frei gewählten Herr-undKnecht-Koexistenzform« kreiert, die ihm »eine tiefe libidinöse Befriedigung verschafft« (Žižek 1999, 181-182). Voraussetzung dafür aber ist, dass dieses extrem narzisstische Subjekt, »das alles und jedes als potentielle Bedrohung seines fragilen imaginären Gleichgewichts auffasst« (Žižek 1999, 195), die Unvollkommenheit des anderen zu ertragen in der Lage ist, anstatt – was offensichtlich leichter erscheint – am Phantasma der Vollkommenheit festzuhalten und dadurch zu verleugnen, dass niemand vom Mangel verschont wird. ›Achtung‹ beinhaltet dabei, eine angemessene Distanz zu wahren, sprich, dem partikulären Anderen nicht zu nahe zu kommen, ohne dabei in narzisstische Selbstabkapselung zu verfallen. Anders formuliert, ist es gerade die Nähe, die das Subjekt zu seiner Subjektivität ins Verhältnis setzt, indem dieses in der Berührung des anderen zum Ziel hat, »weder den anderen einsetzen und damit seine Andersheit zunichte machen noch sich selbst im anderen aufheben« zu wollen (Lévinas 1998, 193). Und dennoch enthält jede Berührung des anderen als Kontakt mit einem realen Nächsten etwas zutiefst Traumatisches, das nur zu ertragen ist, wenn dieser andere »in den phantasmatischen Rahmen des Subjekts integriert wird« (Žižek 1999, 111). Wenn es mithin in der Behandlung des forensischen Subjekts wesentlich auch darum geht, die gegenseitigen Begehren in einem dialektischen Verhältnis zu bewahren, sprich, nicht selbstunterwerfend und selbst(auf)opfernd ›Vasall‹ des anderen zu werden, sondern reziproke, achtsame intersubjektive Beziehungen zu wahren beziehungsweise zu entwickeln, bedarf jeder therapeutische Zugang spezifischer, das heißt, alternierend identifikatorischer und distanzierender, mithin differenzierter – ethischer – Bedingungen. Nicht indifferent zu sein, impliziert jedoch unaus-

Bezogen auf das forensische Subjekt eröffnet erst dessen Delinquenz – wie sich in Weiterführung von Freud durch Lacan und unter Bezugnahme auf Bloch angeben lässt – dem Subjekt (s)eine eigen(tlich)e Zukunft, indem die Zukunft der eigenen Utopie erst aus der Konfrontation mit sich als dem, der das Subjekt bereits war, ohne es schon geworden zu sein, mit seiner Delinquenz und mit dem, der es antizipierbar wurde beziehungsweise werden kann, zu gewinnen ist.
»Die Zukunft der Utopie ist die Hoffnung, das zu verwirklichen, was noch nicht ist. Hoffnung eines sich selber noch fremden Subjekts, […] sich selbst unsichtbaren Subjekts, das noch entfernt ist von dem Ort, das noch entfernt ist von dem Ort, an dem es im vollendeten Sein wirklich da-sein könnte, aber Hoffnung eines Subjekts, das für die Zukunft handelt, dessen Subjektivität also in letzter Instanz nicht auf die eigene Anstrengung in Bezug auf sich – auf die Sorge um das eigene Selbst – zurückfällt,

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weichlich, sich zu differenzieren und den anderen als Nächsten – mehr oder weniger – zu verfehlen. Insofern birgt auch das ethisch verantwortete Begehren, das nicht Fusion und nicht Synthese ist, eine aggressive Spannung und ursprüngliche Schuldhaftigkeit in sich … und in diesem Sinne vermag Tätertherapie durchaus Anerkennung des Andersseins des anderen zu sein.

nes Wissens • © • bezogene Position im Diskurs bei gleichzeitiger ›Entmachtung‹ des Herrn.

Focussierungen
Das ›thematische Bewusstsein‹ (Berger 1985, 163-179), dass schon Psychotherapie nicht – forensische Psychotherapie aber noch weniger – in einem wertfreien oder a-politischen Raum jenseits gesellschaftlicher Anforderungen, jenseits des Zwangs zu gesellschaftlicher Konformität stattfindet, lässt ein Verständnis des Subjekts unabhängig von deren Realität nicht zu und setzt voraus, dass Therapeuten das soziale Umfeld anders erfassen und reflektieren können müssen als Patienten:
»Macht- und Produktionsverhältnisse mit allen von ihnen abgeleiteten Institutionen, Regel- und Wertsystemen bedürfen einer Entschließung und Enthüllung – vergleichbar der Arbeit, welche die Psychoanalyse ehedem mit der psychischen Instanz ›Unbewusst‹ geleistet hat« (Parin 1975, 41).

Forensische Therapie als ›techne technon‹
Die Behandlung forensischer Subjekte steht einerseits unter dem Verdikt einer ›Pflicht zur Behandlung‹ und einhergehender Effizienz- und Heilserwartungen, andererseits unter den Vorgaben von Zeitökonomie, Deliktorientierung und Instrumentalisierung von Behandlung, wodurch die ethischen Implikationen der psychotherapeutischen Praxis häufiger zweifelhaft und anfechtbar sind (Goldberg 1980, 15-16). Denn vor das von Außenstehenden oft allzu pragmatisch vorgebrachte Drängen auf deliktspezifisch-psychochirurgische Intervention, vor jedwede Behandlung, haben – so ein therapeutisches Dogma als Merksatz – ›die Götter die Diagnose gestellt‹. Dabei enthält dieses Leitmotiv neben der Voraussetzung und Sukzession von diagnostischer Klärung für darauffolgende Therapie eine weitere wesentliche Maxime: Mit der metaphorischen Referenz auf die ›Götter‹ steht es offensichtlich nicht im individuellen Belieben des Psychotherapeuten, so oder anders zu verfahren, sondern ist er offensichtlich lediglich verantwortlicher Sachwalter und Repräsentant übergeordneter Standards fachgerechter Psychotherapie und bezieht sich nicht nur auf das forensische Subjekt als Objekt [klein] ", sondern hat den [großen] Anderen • A • als Basis im Realen. Denn ist diese Referenz keineswegs als eine signifikante Repräsentanz des autoritären Herrn • ¨ • zu verstehen, wie sie Goldberg (1980, 28) für den Therapeuten in Funktionen als Repräsentanten des Staates, einer »bestimmte[n] therapeutische[n] Schule und ihre[r] Dogmen« oder als Honorarempfänger »einer dritten Partei« als der Problematik von »schwerwiegenden Eingriffen von außen« kritisiert. Vielmehr impliziert dies eine einerseits zwar autonome, andererseits dennoch auf die Autorität eines Anderen respektive sei-

Will sich gerade forensisch-psychologische Behandlung einen subjektorientierten Behandlungsfokus erhalten, kann wohl nur durch eine dialektisch-kritische Haltung, eine unzweideutige therapeutische Parteinahme für die Subjektivität des forensischen Patientensubjekts erreicht werden, um eine ethische Haltung einzunehmen, in der der ›Intellektuelle‹ als kritisch-analysierende, mithin auch moralische Instanz der Politik – und der Politiker – eine ethische Beziehung zu leben versuchen muss (Lyotard 1984a, 67). Damit ist die theoretische Analyse selbst eine Praxis, die gesellschaftliche und intrapsychische Verhältnisse beziehungsweise Prozesse dialektisch zueinander in Beziehung zu setzen sucht, da bereits auch »jede einfühlende und sorgfältige« Psychotherapie versuchen muss, »die unbewusst verlaufenden adaptiven und kognitiven Funktionen des Ich zu gesellschaftlichen Vorgängen in Beziehung zu setzen« (Parin 1975, 44), was aber nur so weit gelingen kann, wie der Psychotherapeut selbst diese Prozesse kennt und durchschaut. Somit erweisen sich Identifikation und Distanzierung als komplementäre Charakteristika des analytischen Engagements zwischen Ideologiekritik und kritischer Selbsthinterfragung. Diese Haltung kann weder ›Wahrheit‹ noch Gewissheit sein, sondern ist nie vollständig zu befriedigender ethischer Anspruch. Denn die phantasmati-

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sche Beziehung zum anderen verursacht Zweifel und stellt uns in Frage, da Individuen ihre Lebenswelt, ihr Begehren und ihr Genießen auf unterschiedliche Weise ›organisieren‹. Gerade hieraus ist idealtypisch eine Ethik zu entwickeln, denn jeder einzelne, konkrete und somit typische Diskurs ist im Begehren, im Wissen einschließlich Nichtwissen, in den Macht-Ohnmacht-Qualitäten des Eingreifens immer auf einen anderen bezogen. Aus der subjektiven Realität des Psychotherapeuten in seiner phantasmatischen Beziehung zum Patientensubjekt, seiner Besorgnis um den konkreten Patienten und Sorge für ihn, wäre für eine ethische Haltung abzuleiten, die als therapeutisches Handeln aus Sorge um den anderen auch eine ›Ethik des Eingreifens‹ impliziert, in der »so etwas wie Philosophie selber praktisch« wird (Seitter 1984, 72), sei es in der unbeirrten Parteinahme für einen therapeutischen und sozial reintegrierenden Maßregelvollzug, sei es publizistisch in der ›Widerstandslinie‹ der Schrift (Lyotard 1984b). Denn es gibt bereits ganz generell die Notwendigkeit einer ethischen Haltung, Verletzungen des phantasmatischen Raums des anderen so weit wie möglich zu vermeiden, sein Anderssein so weit wie möglich zu respektieren (Žižek 1992, 85). Anders formuliert, verlangt dies nach einer Verantwortungsethik der Wissenschaft, dem politischen Handlungsdruck und sozialtechnologischen Effizienzerwartungen ein ›Tabu‹ (Beck 1986, 257) entgegenzustellen, um die Freiheit, ohne Diffamierung in seiner Subjektorientierung ›anders‹ bleiben zu können, zu schützen (Wiegmann (1979, 97). Der hektische Diskurs der Politik tendiert dazu, durch von außen vorgetragene Forderungen die Regeln der Psychotherapie zu unterminieren, Behandlung zum AlsOb von Behandlung zu deformieren und die innere Freiheit der Behandler einzuengen. Entsprechend deutlich müssen Therapeuten um ihrer selbst und um der forensischen Patientensubjekte willen Grenzen aufzeigen, gegebenenfalls auch offensiv vertreten und sich so ihr unabhängiges Denken bewahren, ein ›nicht-interessiertes‹ Engagement verwirklichen, eine dezentrierte Position einnehmen. Gerade wenn diskursiver Widerstreit durch Strategisierung des Diskurses substituiert zu werden droht, fordert dies eine ›selbstbewusste‹, mithin unbeirrt psychotherapeutische, ethische Haltung des Behandlers. Nur derart unabhängige Positionen im in-

tersubjektiven – und institutionellen – Diskurs ermöglichen Praxen der Erarbeitung eines so genannten ›koevolutiven Fokus‹; diese kooperative Arbeits- und Beziehungsform bestimmt keineswegs nur den Therapiefokus, sondern die gesamte Heuristik einer sich entwickelnden, offenen ›therapeutischen Gestalt‹ (Schorsch et al. 1990), dessen Konzept die eingangsdiagnostische Präzisierung der dem perversen Symptom zugrunde liegenden Strukturproblematik, die verlaufsdiagnostische Analyse der Copingressourcen, der Abwehr- und Bewältigungsstrategien zur Ermöglichung eines psychischen und sozialen Überlebens, das prozessuale Verständnis der Beziehungsgestaltung des Subjekts als Aktualisierung dieser Interaktionsstrategien in der therapeutischen Beziehung, die Nutzung dieser Übertragungs-Gegenübertragungs-Beziehung zur Reflektion der dem Subjekt möglichen Beziehungsebene und charakteristischen interaktionellen Lösungsmuster bestimmt. Mit diesem Konzept bietet das fokaltherapeutische Vorgehen einen »zweiseitigen therapeutischen Zugang« mit der Möglichkeit, gleichzeitig sowohl das psychische Erleben des Patienten (vertikale Dimension) als auch sein interaktives Verhalten (horizontale Dimension) und deren wechselseitige Verschränkung als »PersonPerspektivierung eines interaktionellen Problems« (Fiedler) methodisch zu untersuchen und therapeutisch zu beeinflussen. Gerade für die forensisch-psychologische Behandlung6 im Freiheitsentzug bedarf es der Berücksichtigung des institutionellen Rahmens, der hier als Perspektivenwechsel von genetischer zu systemischer Sichtweise, als Entwicklung einer Dialektik von Individuum und Kontext zu verwirklichen gesucht wird, da Behandler sonst dazu neigen, »die therapeutische Beziehung als Funktion zu betrachten« (Goldberg 1980, 27). Insofern impliziert dieser fokaltherapeutische Ansatz zugleich das Konzept ei6 Die Bezeichnung ›forensisch-psychologische Behandlung‹ deutet als allgemeinerer Begriff an, dass es sich bei der Behandlung von Rechtsbrechern keineswegs um ein psychotherapeutisches Vorgehen handeln muss, sondern dass diese – je nach Indikation – ebenso psychologische Beratungstätigkeit und die Anwendung klinisch-psychologischer Verfahren beinhalten kann.

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nes – auf das (in-)fragestellende ›Che vuoi?‹ des Anderen – antwortenden Interaktionsmodus, mit dessen Hilfe gegebenenfalls auch labile oder durchlässige SelbstObjekt-Grenzen stabilisiert werden können, indem der therapeutische Rahmen quasi ›interpassiv‹ (Žižek) im Sinne eines ›framing‹ als strukturierendes Objekt genutzt wird. Neben der Tatsache, dass die Formulierung des koevolutiven Fokus in seinen wesentlichen Kategorien mit den folgenden feststehenden Redewendungen (Willi et al. (1994) 1. die Vergangenheit ›Bisher habe ich ...‹ 2. die Gegenwart ›Eigentlich steht jetzt an, dass ich ...‹ 3. die Hemmung ›Dem steht im Wege, dass ...‹ 4. die therapeutische Perspektive ›Ich müsste mich in folgender Hinsicht ändern ...‹ eingeleitet wird und so ohne jede psychologische Terminologie aus- und dies dem forensischen Klientel fraglos entgegenkommt, werden die Aufmerksamkeit und das – unter Umständen ambivalente – Interesse des Subjekts auf einen Konfliktbereich fokussiert. Das Subjekt muss also auch über die Fähigkeit zur gerichteten, fokussierenden Aufmerksamkeit verfügen. Hierin liegt die Chance der Kurzzeittherapie als einzeltherapeutische Fokaltherapie, doch bleibt zu beachten, dass »die meisten Symptome [...] ja multipel determiniert« sind, sodass »ein einziger Fokus meist nicht ausreicht«, sondern mehrere Foki zu formulieren sind, wenngleich zunächst nur ein bestimmter Bearbeitungsbereich vereinbart wird (Köpp 1996, 263). Idealtypisch ermöglicht dieses Vorgehen die Berücksichtigung unterschiedlicher Prinzipien, nämlich: ein Ausbalancieren von Abhängigkeitsund Autonomiebedürfnissen • ö ÷ • (motivationale Therapiestrategie); die Ermöglichung eines Zugangs zu unbewussten Gefühlen (affektive Therapiestrategie); die Verknüpfung der Gefühle mit zugehörenden Kognitionen zu affektiv-kognitiven Bedeutungen (affektiv-kognitive – ›signifizierende‹ – Therapiestrategie); eine Korrektur der (unreif-infantilen) Selbst- und Weltimagines • i(") • und der phantasmatischen Grundannahmen über

das ›Funktionieren‹ der Welt • $&" • sowie eine Falsifizierung dysfunktionaler Überlebensregeln (kognitive – selbstreflexive – Therapiestrategie); den Abbau dysfunktionaler Beziehungsmuster und Verhaltensstereotypien (Handlungs-Therapiestrategie). Das Prinzip eines modifizierten forensisch-psychotherapeutischen Behandlungsstils im Sinne einer – angesichts der Tat(en) nicht immer leicht fallenden – wohlwollenden, interessierten Haltung und eines konturierteren therapeutischen Beziehungsangebots beinhaltet als partielle Aufgabe einer neutralen Position ein reflektiertes Zulassen beziehungsweise Einsetzen emotional(isierend)er Gesprächsinhalte, was hinsichtlich der Effektivität forensischer Psychotherapien von Pfäfflin und Mergenthaler (1998) als zyklischer Verlauf der Behandlungsstunden mit einem ›relaxing‹ (Berichten ohne besondere Beteiligung oder Reflektion über Ereignisse), einem ›reflecting‹ (hohe Abstraktion und Reflexion bei unterdurchschnittlicher emotionaler Beteiligung) einem ›experiencing‹ (hohe emotionaler Beteiligung mit unterdurchschnittlicher Abstraktion / Reflektion) beschrieben und hinsichtlich des Wirkfaktors ›connecting‹ (emotionale Einsicht im Sinne einer Verbindung zwischen emotionaler Beteiligung und reflektierender Aktivität) untersucht wurde. Im Kontext fokaltherapeutischen Arbeitens bietet es sich daher an, auf die Erfahrung mit provokanten Techniken (Schulze 1996) zurückzugreifen, was allerdings eine ›gute‹, sprich, tragfähige therapeutische Beziehung7 und einen reflektiert-empathischen Einsatz der Provokationen voraussetzt. ›Werkzeuge‹ dieses expressiven Arbeitens sind: Unaussprechliches aussprechen und Tabus brechen; mimisches, gestisches, verbalisierendes Agieren • e • des Ausgesprochenen; Übertreibung der Aussagen des Subjekts • E • und Aufzeigen des Absurden, des maßlos Überzogenen seines Denkens und/oder Verhaltens;

7 = eine ein therapeutisches ›Nein‹, eine Enttäuschung oder Versagung ertragende therapeutische Beziehung

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Abtrennen und Aufblasen von Bildern; Verwendung von Stereotypen oder Klischees; Abgeben von ›Erklärungen‹ für das Verhalten des Subjekts. Als methodische Ziele lassen sich folgende Aspekte angeben: den Widerspruch des Subjekts wecken, um zur Auseinandersetzung – lies: Ausein-ander-Setzung8 – zu provozieren; die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit des Subjekts für sich selbst verdeutlichen; immer das Schlimmste annehmen; Einbringung von Humor, um der Intervention die Schärfe zu nehmen; geistige Umstrukturierung durch Verblüffung.

einem rekonstruktiven Verstehen – der affektiven Logik, des Sinns – der Tat, einer Bearbeitung – der Abwehr – von Scham und Schuld, einer Behandlung eventueller psychosomatischer Konfliktverarbeitung, einem Selbst-Verständnis der eigenen devianten Anteile, einer Verantwortungsübernahme als selbstbewusstes – aktiv entscheidendes und handelndes – Subjekt eigenen (interaktiven) ›Tuns‹ und (interpassiven) ›Lassens‹ gegenüber dem sich als passiv-unterlegen erlebenden Objekt rollenhaft ablaufender, ihm ›passierender‹ Delinquenz. Damit ist der Prozess der Deliktverarbeitung zwar ein sprachlich vermittelter Erinnerungs- und Durcharbeitungs-, sprich, Signifizierungsprozess und dient er auf dieser Ebene der kognitiven Integration von Affekten, doch ist er trotz dieser symbolisierenden Funktion wesentlich ein Imaginierungs- und Erinnerungsprozess sinnlicher Erfahrung, sprich, imaginäre Funktion, dies auch im Sinne einer Freilegung neuer – ›verschütteter‹ – Sinnlichkeit und Phantasie (Pohlen & Wittmann (1980). Anders ausgedrückt: Deliktverarbeitung ist keine Geständnispraxis (Kröber 1993) in der Tradition der kirchlichen Beichtrituals oder des gerichtlichen Geständnisverlangens, und diese Auseinandersetzung mit der Tat ist mehr als – beziehungsweise ist nicht – die Versprachlichung, das ›Halb-Sagen‹ (»midire«), des sprachlich Unzugänglichen und damit mehr als die ›Verwörtung‹ von Bildern in ›ödipaler‹ Sprache, mehr als eine zwar als bewusstes Selbst(v)erkennen unabdingbare9, letztlich aber entfremdende Symbolisierung bis dahin imaginativ verfügbarer Selbst›kenntnis‹. Es geht demzufolge entgegen der behandlungsstrategischen Forderungen forensischer Be-Handler nicht nur um ein Wahrnehmen und Erinnern des Faktischen, um die objektive respektive objektivierbare Übereinstimmung von Gerichtsurteil und Narration. Wichtiger ist die ›Aneignung‹, das sich – dem Ich • m • als ›ego‹ – Zu-eigen-Machen von persönlicher und sozialer Geschichte, um eine hermeneutische Überwindung der Alterität des Subjekts als ›alter ego‹ • "' • zu sich
9 Mit dieser Referenz auf das ›Abding‹ verweist die Formulierung auf das ›Abjekt‹ als ›frühes‹ traumatisches Introjekt, dessen intrusive Alterität sich einer Integration in die Struktur des Subjekts ebenso widersetzt wie dieser bedarf.

Signifizierungsprozess ›Therapie‹
Von der Indikation her beinhaltet (fast) jede Täterbehandlung – auch – die Bearbeitung des Delikts: Ziel des psychologischen Aufarbeitungsprozesses ist – zunächst – die Reaktivierung der eigentlichen Affekte als Äquivalent a-sozial wirksamer, verdrängter Triebrepräsentanzen. Hierbei muss das Subjekt – und im Sinne einer ›Vorleistung‹ auch der Psychotherapeut – in einem inneren Abarbeitungsprozess mit dem eigenen Widerstand, mit der Angst umgehen lernen, situativ bedrohliche Inhalte der Wahrnehmung zuzulassen. Stichwortartig zusammengefasst dient die Deliktverarbeitung in der forensischen Psychotherapie einer Reaktivierung der im Vorfeld und während der Tat erlebten Affekte und Phantasien, einer Auseinandersetzung mit aggressiven Affekten, devianten Phantasien, gewalttätig-mörderischen Impulsen, einer Verarbeitung und Modifikation abgewehrter (abgespaltener) Affektivität und Handlungsdisposition, einer Korrektur von Wahrnehmungsverzerrungen,
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zur instituierenden Setzung des sich spiegelnden Ich (m) als eine zwar identifikatorische, aber differente, selbstidentische Alterität • i(") / " •.

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selbst, seinen aktualen und vergangenen Erfahrungen gegenüber, einzuleiten. Im Idealfall ginge es demzufolge darum, das psychotherapeutische Vorgehen als »ein kritisches Instrument« (Heim) zu verstehen und einzusetzen, um »dem Niederschlag einer umfassenden, gesellschaftlich bedingten sprachlichen Entfremdung in den konkreten Individuen nachgehen« zu können und dieses Subjekt einem Bewusstsein seiner Abhängigkeit(en) und ›Unter-werfung‹ als ›Sub-jekt‹ zuzuführen:
»Aus diesem Verfahren soll ein Subjekt hervorgehen, das sich im Grunde jenseits des Lustprinzips dem Bereich der symbolischen Ordnung ganz eröffnet, in dem es ein begehrendes, sich einem strukturellen Mangel aussetzendes bleibt, mit diesem zu leben hat – und dessen scheinbares Praxis-Motiv eine Verknüpfung von Begehren, Sprache und Tod ist: ein Subjekt, das eine Praxis der Sorge lebt« (Heim 1980, 940).

dards psychologischer Forschung, denn für diese gilt:
»Wo die eigene Subjektivität aus dem Erkenntnisprozess ausgeschlossen werden soll, muss auch die Subjektivität des anderen in Gestalt der Versuchsperson eliminiert werden. Ohne das Einbringen der eigenen Subjektivität in menschliche Beziehungen ist nämlich Intersubjektivität unmöglich: Andere Menschen müssen zu bloßen Objekten verdinglicht werden« (Vinnai 1993, 72).

Faktoren • Strukturen
Will man diese Aspekte von Subjektivität wissenschaftlich untersuchen, so stellt sich die Methodenfrage auf höchst prekäre Art und Weise: Die klassischen psychologischen Untersuchungsmethoden vom experimentellen, testobjektiven Typus muss jeder Annäherung an subjektive, sprich, unbewusste Eigenschaften zuwiderlaufen. Folgerichtig wurde, wie bereits bei anderen Untersuchungen zuvor, auch für die Beforschung der Subjektseite der forensischen Therapie ein Feldforschungsansatz gewählt. Anhand der bislang referierten Untersuchungsbefunde wird eine spezifische Methodenauswahl deutlich. Die testpsychologischen Inventare lassen eine weitmögliche Gestaltungsfreiheit durch die untersuchten Subjekte zu beziehungsweise sind ganz auf diese abgestellt: Dies betrifft sowohl das Repertory Grid mit seiner Vorgabe einer Struktur, nicht jedoch der Sprachkategorien und -inhalte, als auch die SCL90-R mit den direkt erfragten symptomatischen Zeichen ins Körperliche verdrängter Konflikte als auch das Semantische Differential respektive Polaritätenprofil subjektiver Konnotationen oder die Wahl ipsativer, das heißt, subjektspezifischer statt gruppennormierter Untersuchungswerte im IIP. Ein solches Methodenverständnis steht folglich in seiner Subjektfocussierung ›quer‹ zu den herkömmlichen Untersuchungsstan-

In dieser Logik erstaunt nicht, dass der klassische Einwand gegen direkte die Befragung und Untersuchung forensischer Subjekte auf die Verfälschungstendenz im Sinne sozialer Erwünschtheit abhebt. So skizziert beispielsweise Kury (1983) in einer einschlägigen Beforschung der ›Verfälschbarkeit von Persönlichkeitsfragebogen bei jungen Strafgefangenen‹ nach differenzierter Auswertung seiner Daten von vier Vergleichsgruppen, dass sich das Antwortverhalten von Strafgefangenen in der Tat nach deren Annahmen über die Erwartungen des Vollzugspersonals richtet. Auf geradezu charakteristische Weise dokumentiert diese Untersuchung als »eine der wenigen Verfälschungsstudien […], die in einer wirklichen Ernstsituation durchgeführt wurde«, mit ihren zufallsgenerierten Vergleichsgruppen, »hoch standardisiert[en]« Instruktionen, vereinheitlichten Testleiterverhaltensweisen das Wahrheitsphantasma einer objektiv(ierend)en Wissenschaft (Kury 1983, 329). Gerade diesem Wissenschaftsideal »möglichst verfälschungsresistenter« Fragebogenanwendung im Freiheitsentzug folgt die hier gewählte Forschungsstrategie nicht. Wenn Kury (1983, 330) hingegen gleichzeitig konstatiert, »das Ausmaß der Verfälschung« sei »auch eine individuelle Variable« und es sei, »auch dann, wenn die Durchführung nicht anonym ist«, dennoch »mit weitgehend validen Testresultaten zu rechnen«, dann bedarf es gerade nicht einer ›Korrektur‹ dieser subjektiven Verzerrung, sondern vielmehr deren BeAchtung und Untersuchung. Mithin wurde das, was die Untersuchungssubjekte über sich berichten, in den vorhergehenden Auswertungen als just dieses akzeptiert: Als Selbstbild aus der reflexiven, bewussten – und insofern idealistisch selbstwahrnehmungsverzerrten – Ich-Position • i(") •. Andererseits ist von Interesse, welche unbewussten Selbstaspekte innerhalb der Gesamtdarstellung in den drei Verfahren zum Tragen kommen könnten. In die-

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ser Hinsicht war es methodisch für die Vielzahl der in die Beforschung der therapeutischen Prozesse eingehenden Variablen von Belang, inwieweit und wie sich diese Items auf einige wenige zentrale Faktoren reduzieren und ›zurückführen‹ ließen. Entsprechend wurde der Datenbestand des Forschungsprojekts zum Untersuchungszeitpunkt t1 (Behandlungsbeginn: 3.-5. Therapiestunde) einer Faktorenanalyse unterzogen, um mit Hilfe dieses strukturenprüfenden Verfahrens innerhalb der Variablen

aus dem SCL-90-R, dem GT-S und dem IIP-C für n = 199 Patientensubjekte Zusammenhänge explorativ aufzudecken, über die bis dahin keine fundierten Angaben gemacht werden konnten.10 Im Ergebnis resultierte eine varimax-rotierte Fünf-Faktoren-Lösung, die 65,7 % der Gesamtvarianz des Datenbestandes aufklärt: Für die Bestimmung der Anzahl interpretierbarer Faktoren wurden entsprechend der Voreinstellung des SPSS nach

anfängliche

Summen der quadrierten Ladungen

rotierte Summen der quadrierten Ladungen

Faktor Σ 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23

Eigenwerte

% Var.

cum % 28,817 42,530 54,212 61,177 65,681

Σ

% Var. cum %

Σ

% Var. cum %

6,628 28,817 3,154 13,713 2,687 11,682 1,602 6,965 1,036 4,504 0,853 0,825 0,809 0,739 0,622 0,582 0,495 0,437 0,397 0,339 0,312 0,304 0,270 0,237 0,229 0,192 0,166 0,087

6,628 28,817 28,817 5,704 24,800 24,800 3,154 13,713 42,530 3,485 15,153 39,952 2,687 11,682 54,212 3,020 13,133 53,085 1,602 6,965 61,177 1,731 7,525 60,610 1,036 4,504 65,681 1,166 5,071 65,681

3,708 69,389 3,587 72,976 3,516 76,492 3,214 79,706 2,705 82,411 2,530 84,941 2,154 87,095 1,900 88,995 1,726 90,721 1,473 92,194 1,357 93,550 1,320 94,871 1,173 96,043 1,029 97,072 0,997 98,069 0,835 98,904 0,720 99,624 0,376 100,000

FA 4 FA 3

FA 5

FA 2 FA 1

Tab. 1: Faktorenanalytisch erklärte Gesamtvarianz

Diagr. 1: Faktoriell erklärte Varianzen (%)

10

Die statistischen Rechnungen nahm Leila Mesaros, Essen, für den Verfasser vor.

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der Rotation nur Variablen mit Ladungen >.5 einbezogen. Zwar rät Fürntratt (1969, 64) zur Vermeidung von singlet- und doublet-Faktoren und formuliert entsprechende statistische Hilfskriterien der Kommunalität und Ladung der erklärenden Variablen (a2/h2 >.50), doch wird hier angesichts des hypothesengenerierenden Forschungsziels einer explorativen Faktorenanalyse in Übereinstimmung mit Lukesch & Kleiter (1974) prinzipiell auch eine singletLösung zugelassen. Im Ergebnis resultierte folgende Faktorenstruktur:
Rotierte Komponentenmatrix Faktor 1 2 3 4 5 0,840 0,833 0,818 0,813 0,809 0,788 0,710 0,577 0,564 0,776 0,749 -0,688 -0,671 0,590 0,541 -0,535 0,806 -0,780 -0,729 0,703 0,845
Tab. 2: Faktorenstruktur

kann, dass mit diesem konsistenten Faktor die Symptombelastung der befragten Patientensubjekte erfasst wird. Faktor 2 wird durch je drei Items des Gießen-Tests (GT-S) und des Inventars zur Erfassung interpersonaler Probleme (IIP-C) gebildet. Inhaltlich beinhaltet dies Persönlichkeitsdimensionen der ›Sozialen Potenz‹ (POT) im Sinne einer genital reifen, kontaktsicheren, konkurrierenden versus unreifen, befangenen, bindungsschwachen Struktur wie der ›Durchlässigkeit‹ (DURC) im Sinne eines vertrauensvoll-autonomen versus misstrauisch-defensiven Kontaktverhaltens und -erlebens in Unabhängigkeit von der narzisstischen Gratifikation oder Frustration der tatsächlichen ›Sozialen Resonanz‹ (RES). Die IIP-Items thematisieren den Faktorenpol der Selbstunsicherheit und Unterwürfigkeit (HI) sowie der Introversion und sozialen Vermeidung (FG) bei negativer Beziehung zum Gegenpol der Extraversion und Aufdringlichkeit (NO). Faktor 2 wird vor dem Hintergrund einer insgesamt defensiven, unsicheren Intersubjektivität als Faktor der Introversion / Subduktion bezeichnet. Faktor 3 wird durch zwei weitere polare Itempaare des IIP-C bestimmt: Während Misstrauen, Missgunst und Rache (BC) sowie Distanzerleben und emotionale Kälte (DE) für diesen Faktor charakteristisch sind, sind die entgegengesetzten Eigenschaften der Fürsorglichkeit und Empathie (LM) sowie der Leichtgläubigkeit und Nachgiebigkeit (JK) negativ mit dem Faktorinhalt verknüpft. Faktor 3 lässt sich als Faktor der Egozentrik interpretieren. Faktor 4 wird durch die Skala ›Dominanz‹ (DOM) des GT-S definiert und betrifft Merkmale sadomasochistisch strukturierter Beziehungsmuster mit entsprechenden psychosozialen Abwehrformen. Damit entspricht der Faktor den zuvor für intersubjektive Beziehungen herausgearbeiteten Mustern von Dominanz/Unterwerfung. Da Faktor 5 nicht nur eine singletLösung darstellt, sondern dabei durch eine IIP-Skala negativ definiert wird, die zudem bereits Variable des Itemsatzes von Faktor 2 ist, scheint diese mathematische Lösung keine inhaltlich signifikante Faktorenlösung anzugeben, sodass auf eine Interpretation verzichtet wird.

Item DEPR PSYC ZWAN PARA ANGS UNSI AGGR SOMA PHOB POT DURC RES NO HI FG BC LM JK DE DOM

Will man die extrahierten Faktoren interpretieren und dies nicht nur als Effekt »eines mathematischen Rotationsproblems« behandeln (Leiser 1988, 16), so stellen die nachfolgenden Bezeichnungen angesichts des nach wie vor ungeklärten semantischen Problems in der Faktorenanalyse lediglich versuchsweise Interpretationen dar. Um die Beurteilungs- und Interpretationsspielräume dennoch zugleich ›offen‹ zu halten, wird das Faktorenmuster in Tabelle 2 im Detail dargestellt. Dabei wird Faktor 1 aus neun Items der Symptom-Checkliste (SCL-90-R) gebildet, sodass davon ausgegangen werden

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Folgt man diesen faktorenanalytisch gewonnenen Struktur(ierungs)vorschlägen, so lässt sich für die zuvor herausgearbeiteten Selbstcharakterisierungen und für die konstatierten Behandlungseffekte (Kap. 15.3 und 18.3) feststellen, dass diese primär die Integration des Subjekts in die symbolische Ordnung einschließlich der Objektbeziehungen betreffen.

Ethiken der Sorge
Damit wird in der ablesbaren Subjektivierung eine Praxis der Sorge deutlich(er), die offensichtlich nicht nur eine pragmatische Intersubjektivität impliziert, sondern zugleich die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der jeweiligen intersubjektiven Diskurse thematisiert:
»Es ging und geht um den Versuch einer Analyse der Brennpunkte wie z. B. der des Wahnsinns, der Kriminalität und der Sexualität sowie um die Aufstellung einer Matrix der Erfahrung. Brennpunkte und Matrix sollen gemäß den Beziehungen der drei Achsen untereinander analysiert werden, die diese Erfahrungen konstituieren: die Achse der Formierung des Wissens, die Achse der Normativität des Verhaltens und schließlich die Achse der Konstitution der Seinsweisen des Subjekts« (Reuter 1988, 15).

mental-ontologisch zwischen den Polaritäten eines Zwangs zum Leben und der ›Exzessivität‹ des Todes existiere. Hiervon ausgehend entwickelt Foucault (1974b, 339-341) die Theorie einer »›etho-praktischen‹ Selbstbegründung«, bei der Anfang der Subjektwerdung keine freie »Entscheidung zur Authentizität, sondern bestimmte Praktiken des Selbst, Schemata also« (Miklenitsch 1987, 69), stehen. Indem sich diese Ethik des Selbst für ihn als eine Form von – antiker – Lebenskunst, als ›techne‹ des Selbst, darstellt, begründet die Selbstsorge eine Freiheitspraxis des Subjekts als reflektierte Freiheit einer in sich selbst ethischen Praxis, die als »Art und Weise, die Macht zu kontrollieren und zu begrenzen« zugleich auch politisch ist (Becker 1985, 15).

Selbstsorge
Selbstsorge bezeichnet damit unter Bezugnahme auf die antike Konzeption eine spezifische Art und Weise, individuelle Freiheit ethisch zu reflektieren. In dieser Selbstzuwendung geht es Foucault keineswegs einfach um egozentrische Selbstsorge: Vielmehr wirft die reflexive Selbstund Ethikrichtung zugleich »die Machtfrage als Fähigkeitsfrage auf: Was macht man – mit sich?« (Foucault & Seitter 1996, 142 Fn 12). So impliziert und erfordert die selbstsorgende Selbstzuwendung eine »Verlagerung des Subjekts in Richtung auf sich selbst und Rückkehr des Selbst zu sich«, die dem christlich-asketischen Ideal des Selbstverzichts beziehungsweise der Selbstverleugnung manifest widerspricht. Hierbei muss und vermag das ethische Subjekt, eine »Grenz-Haltung« ein(zu)nehmen, die ihm Subjekt eine Intensivierung der gesellschaftlichen Beziehungen dadurch ermöglicht, dass seine Sorge um sich auch eine Anteilnahme an der Sorge, die die anderen um sich selbst haben sollen, impliziert. Anstelle einer Moral des ›Selbstverzichts‹ bzw. des ›Nichtegoismus‹ wird eine Moral der Selbstsorge skizziert: »Sich um sich kümmern ist keine Sinekure«, sondern eine Sorge um sich, in der »die Arbeit eines an sich selber und die Kommunikation mit dem anderen verbunden sind« (Foucault 1989, 71). Insofern handelt es sich von der Haltung her um ein Grundprinzip der Selbstzuwendung, die auf der Zuwendung des anderen fußt und aus der heraus erst die Hinwendung zu dem

In diesem Kontext betont gerade Foucault die Divergenz von juristischen Kategorien (›Verantwortung‹) und ethischen Verantwortungsdefinitionen (›Sorge‹)11 und versucht, eine »allgemeine Haltung« zu sich und den anderen, eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit und eine Umkehrung des Blicks im Sinne selbstreflexiver Handlungs- und Seinsweisen (Becker 1985, 32) zu entwickeln. Dieser ethische Begriff der Sorge erweist sich dabei als inhaltlich dennoch ziemlich genau deckungsgleich mit dem der Verantwortung, indem beide das Feld der privaten und öffentlichen Machtbeziehungen (Ewald 1996, 25) betreffen: Wie Sorge beinhaltet Verantwortung strukturell eine doppelte Beziehung sowohl zu sich selbst als auch zum anderen, doch wird das Konzept der Selbstsorge demgegenüber als in sich ethisch begriffen. Foucaults Ethik des Selbst basiert auf einer spezifischen philosophischen Denkhaltung, bei der er das Subjekt nicht als Rechtssubjekt, sondern als ethisches Subjekt auffasst (Gröll 1991, 133), das funda11

Vgl. Hadot (1996, 23)

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anderen erfolgen kann. Diese antike Flexion des Blicks zielt auf eine Selbstsorge des Individuum mit den Mitteln der Selbstprüfung, Selbstdiagnose, Selbsterprobung und Selbstkontrolle ab, um auf eine ethische und »vernünftige« Begegnung mit den Herausforderungen der Welt vorzubereiten (Foucault 1996, 150-151).
Doch »auch die Hermeneutik der Selbstsorge reicht nicht in die Abgründe des Selbst: seiner Selbstsabotage als einer unbestimmbaren, ›sich selbst zersetzenden Mitte‹ (Hegel) hinein« (Gamm 2004, 84).

zwangsläufigen Sorge des Subjekts für sich – und andere – den Begriff einer Sorge, die als selbstbewusste und selbstbestimmte ›Arbeit am Ich‹ einer spezifischen Wahrheitssorge verpflichtet ist. Neben den »Herrschaftstechniken« der (Selbst-)Beherrschung in Asylen, Gefängnissen et cetera seien die Techniken des Selbst mit einer Reihe von »Wahrheitsverpflichtungen« in Betracht zu ziehen (Foucault o.J., 36), aus denen Wahrhaftigkeit im Sinne von Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein, Selbstzweifel möglich werde. Dieser Wahrheitssorge sei auch eine Ethik der Evidenz eigen, die die Relativität jeder Gewissheit focussiere, das heißt, zwar »eine Ökonomie des Wahren und Falschen« nicht etwa ausschließe, aber andererseits auch nicht in dieser aufgehe (Foucault o.J., 131). An anderer Stelle formuliert er, dass das Subjekt die für die Verwirklichung der Wahrheitssorge unabdingbare freie Rede (»parrhesia«)12 das »kynische« Frei-Sprechen »weder von der Seite der internen Struktur des Diskurses, von der Finalität, die der wahre Diskurs auf den Gesprächspartner auszuüben versucht, analysieren kann, noch von der Seite des Sprechens, sondern eher von der Seite des Risikos, die das Wahrsprechen für den Sprecher selbst eröffnet« (Reuter 1988, 31). Die Formulierung der Wahrheit erfolgt auf zwei Ebenen, die Platon als »ta ontos on«13 bezeichnet: erstens der Ebene einer wahrhaftigen Aussage als performativem Akt, zweitens der »parrhesiastischen« Feststellung, »dass man dieses Wahre, das man spricht, in der Tat authentisch selbst als Wahres denkt, einschätzt und ansieht. Ich spreche wahr, ich denke wahrhaftig, dass es wahr ist, und ich denke wahrhaftig in dem Moment, in dem ich es sage, dass ich wahrgesprochen habe« (Reuter 1988, 34). Kritisch anzumerken bleibt, dass diese / jede Wahrheit dennoch »durch die Übertragungsillusion« konstituiert wird (Žižek 1991, 11) und diese Verkennung nicht ›falsches‹ (Selbst-)Verständnis, sondern vielmehr Wahrheit bedingender, sie entscheidend mit ausmachender Teil ihrer selbst ist.
12

Das Thema der Ethik des Selbst erweist sich folglich als Thema der Macht: Ziel und Effekt ethischen Verhaltens ist, das Erstarren der Machtbeziehungen zu verhindern beziehungsweise dafür Sorge zu tragen, dass zufällige Machtkonstellationen nicht zu überdauernden Strukturen gerinnen, denn totalisierten Subjekten ist keine Sorge des Selbst mehr möglich (Schmid 1995, 36).

Sorge um den anderen
Im Ergebnis zielt Selbstsorge auf das Wohl des anderen, um den in jeder Intersubjektivität enthaltenen »Raum der Macht [...] gut«, das heißt, im Sinne einer Nichtbeherrschung zu verwalten (Becker 1985, 15). Der Entwurf fordert Individualismus als Moral, dessen individuelle Freiheit die Verantwortung für den anderen einschließt und als Kultur des Ich die Beziehungen von Subjekt zu Subjekt aufwertet und intensiviert. Hierbei beinhaltet die Interaktion neben der zunächst noch asymmetrisch wirkenden Sorge um den anderen zugleich den reziproken – von Haroche (1994) als »rätselhaft« kommentierten – Aspekt, dass die Selbstsorge eine Arbeit an der »Eigenliebe« erfordere und leiste, indem der andere benötigt wird, um das Subjekt – diesem in aller Freundschaft die ›ungeschminkte‹ Wahrheit sagend – von dieser unreflektiert-spontanen Selbstbeziehung zu befreien (Foucault 1996, 141-142). In dieser Intersubjektivität konstituiert sich Wahrheit damit zwangsläufig in der Übertragungsbeziehung, mithin »durch die der Übertragung eigene Verkennung« (Žižek 1991, 11).

Sorge um die Wahrheit
Das heißt, aus seiner Konzeption der Sorge entwickelt Foucault neben der
»parrhesia«, von griechisch »pan« (alles) und »rhema« (das Gesagte) = alles sagen, frank und frei sprechen, Freimütigkeit, Aufrichtigkeit, die Wahrheit sprechen. 13 »ta ontos on« = ›was in Wirklichkeit und Wahrheit ist‹.

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Mit einer derartigen Konzeption vertritt Foucault neben der Sorge um sich als Selbstlenkung und der Sorge um die anderen als Lenkung der anderen auch eine dritte Richtung der Sorge um die Wahrheit im Sinne eines Wahrheitsregimes. Die drei Sorge- oder Lenkungsrichtungen hängen insofern miteinander zusammen, als man – um sich selbst führen zu können – einen anderen benötigt, der einem als Referenz »die Wahrheit sagt« (Foucault & Seitter 1996, 123). Dieses Wahr-Sagen als Mutzur-Wahrheit konzeptualisiert Foucault als Haltung, bei der sich das Erkenntnissubjekt keineswegs selbstabsichert, sondern in der es sich in eine aktive Auseinandersetzung mit einer Wahrheit begibt, zu der ein Zugang nur unter der Bedingung beziehungsweise um den Preis der eigenen Veränderung möglich ist (Foucault & Seitter 1996, 124). Denn »die langen Diskussionen über die Möglichkeit einer Wissenschaft vom Subjekt, die Gültigkeit der Introspektion, die Evidenz des Gelebten oder die Selbstpräsenz des Bewusstseins« sind insgesamt problematische Wahrheitsdiskurse: Sie beinhalteten »Prozeduren des Geständnisses und der wissenschaftlichen Diskursivität«, mithin »eher zuviel als zuwenig Diskurs« (Foucault 1976, 83). Als Wille zum Wissen ziele dieser zwar einerseits auf eine Wahrheitsproduktion logischer, operationaler Aussagen, auf entscheidende Formen des Macht-Wissens hin, die sogar als Projekt einer Wissenschaft vom Subjekt nur eine Funktion gesellschaftlicher Machttaktiken darstelle (Foucault 1976, 90), doch sei das Wissen, sei die Erkenntnis andererseits »nützlich«, weil sie »in der Lage ist, Ethos zu produzieren« (Becker 1985, 49). Angesichts dieser Dialektik der Macht-Wissen-Diskurse fordert die Sorge um die Wahrheit eine potentielle Infragestellung des Selbst, sprich, Umkehrungen im Sinne einer Wendung des Blicks und der Haltung:
»Die Möglichkeit des Individuums, zugleich Subjekt und Objekt seiner eigenen Erkenntnis zu sein, führt dazu, dass sich die Struktur der Endlichkeit im Wissen umkehrt. [...] Denn die Medizin hält dem modernen Menschen das hartnäckige und beruhigende Gesicht seiner Endlichkeit vor; in ihr wird der Tod ständig beschworen: erlitten und zugleich gebannt« (Foucault 1973, 208). Denn »im Bezugsrahmen des Todes wahrgenommen, wird die Krankheit erschöpfend lesbar und öffnet sich restlos der sezierenden Tätigkeit der Sprache und des Blicks. [...] Um in seinen Augen zum Gegenstand der Wissenschaft zu werden, um in seiner eigenen Sprache eine diskursive Existenz zu

gewinnen, musste sich der abendländische Mensch seiner eigenen Zerstörung stellen; aus der Erfahrung der Unvernunft [...] ist selbst die Möglichkeit der Psychologie geboren worden« (Foucault 1973, 207). »Man darf nicht vergessen, dass die ›objektive‹ oder ›positive‹ oder ›wissenschaftliche‹ Psychologie ihren historischen Ursprung und ihren Grund in der pathologischen Erfahrung gefunden hat. [...] Anders gewendet: der Mensch ist eine psychologisierbare Gattung erst geworden, seit sein Verhältnis zum Wahnsinn eine Psychologie ermöglicht hat, d.h. seit sein Verhältnis zum Wahnsinn äußerlich durch Ausschluss und Bestrafung und innerlich durch Einordnung in die Moral und durch Schuld definiert worden ist« (Foucault 1968, 113).

Mit einem solchen Selbstbewusstsein geht es Foucault in seinem sokratischen Dialog darum, dass das Individuum keineswegs seine Phantasmen, Impulse oder Intentionen, sondern vielmehr seine Konzepte und deren Beziehung zum konkreten Handeln untersucht (Dreyfus & Rabinow 1984, 350) und für sich die Frage klärt, wie es sich – sein Ich – verändern muss, um Zugang zur Wahrheit zu bekommen (Becker 1985, 31). Diese dem privilegierten Subjekt imperativ abzuverlangende Selbsterkenntnis ist ein besonderer Fall der Selbstsorge:
»Die Wahrheit ist dem Subjekt nicht von Rechts wegen gegeben. Das Subjekt muss sich in etwas anderes als es selbst transformieren, um Zugang zur Wahrheit zu bekommen. [...] Wahrheit gibt es nur um den Preis einer Konversion des Subjekts« (Becker 1985, S. 34).

Wenngleich Wahrheit keine objektive Instanz sein kann, folgt sie einerseits dem jeweiligen »epochalen Wahrheitswillen« der Gegenwart und besteht andererseits – trotz und entgegen der »politischen Ökonomie« einer »auf die Form des wissenschaftlichen Diskurses und auf die Institutionen, die diesen hervorbringen, fixiert[en] Wahrheit (Foucault 1994a, 27) – immer die Möglichkeit respektive Erfordernis, außerhalb der gesellschaftlichen, wissenschaftlichen Wahrheitsdiskurse (Mundel 1997, 37) die Wahrheit zu sagen (Foucault 1974a, 25). Kasuistisch zeigt Foucault dies am sogenannten ›Fall Rivière‹ auf, denn gerade ›vor Gericht‹ werde Wahrheitsfindung praktiziert und ›Wahrheit‹ konstruiert:
»Man unterzog seine Tat / seinen Text einer dreifachen Prüfung: auf Richtigkeit des Faktischen, auf Richtigkeit der Meinung, auf Richtigkeit der Wissenschaft. An diesen diskursiven Akt, diesen aktiven Diskurs, der völlig eingebunden war in die Regeln des gewöhnlichen Volkswissens, richtete man die Fragen eines Wissens, das anderswo entstanden

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war und von anderen verwaltet wurde« (Foucault 1975, 241).

So zeichnet sich Wahrheit als eine »Instanz« oder »Macht« ab, »die Menschen transformieren – Foucault sagt sogar: transfigurieren – kann, wenn sie sich ihr aktiv aussetzen« (Foucault & Seitter 1996, 124), und sei es, weil sie ihr – wie der Angeklagte Rivière – ausgesetzt werden und damit zur Selbstanalyse, -beschreibung und -kritik gezwungen sind. Insofern ist auch der Zwang zur Wahrheit eine Technik innerhalb ausdifferenzierter Technologien der Macht(ausübung) als einer Ökonomie der Disziplinierung und Regulierung des Subjekts (Foucault 1994b).
»Trotzdem muss kritisches Denken, soweit als irgend möglich, an der unerreichbaren Utopie einer Wahrheit festhalten, die der Sache selber zur Sprache verhilft« (Vinnai 1993, 223).

dass Lacan hingegen eine ethische Haltung des Subjekts im dialektischen Bezug zur Wahrheit formuliert. Andererseits kommt der ›späte‹ Foucault auf seine früheren Arbeiten zur Konstituierung des Menschen durch den Wahnsinn (Foucault 1968) zurück und definiert das Subjekt als ein »Wesen […], das sich nie ganz an seinem Platz befindet und dessen Bestimmung es ist, zu ›irren‹ und ›sich zu täuschen‹« (Foucault 1988, 69) – eine Formulierung, mit der er dem Subjektmodell des Unbewussten bei Lacan bereits sehr nahe kommt. Seine fragende Schlussfolgerung lautet:
»Muss nicht die ganze Theorie des Subjekts neu gefasst werden, wenn die Erkenntnis – anstatt sich der Wahrheit der Welt zu öffnen – eher in den ›Irrtümern‹ des Lebens wurzelt?« (Foucault 1988, 71).

Wahrheit als Schranke
Bei einem Abgleich dieser SorgeEthiken mit psychoanalytisch fundierten Ausarbeitungen scheint es zunächst, als spitze Lacan diese Sorgepraxen zu:
»Die ›Sorge‹ ist die Verdrängung der gesellschaftlichen Praxis als objektiver Praxis; an ihre Stelle tritt resigniertes Warten auf einen – gesellschaftlichen oder transzendentalen – Sinn, der immer unterwegs und nie greifbar ist, dessen Voraussetzung das existentielle (thetische) Subjekt ist – ein Sklave seiner Beherrschung« (Kristeva 1974, 135).

Deutlich wird aber zugleich, dass zwischen die vermeintliche Diskrepanz zwischen Foucault und Lacan14 hier keine inhaltliche Differenz ist, sondern dass Foucault die individuelle Freiheit »nicht aus dem sozialen Kontext, den politischen Ideologien und der historischen Notwendigkeit« (Altwegg 1989, 212) herauslöst, sondern vor dem Hintergrund konstitutiver Machtverhältnisse von einer irreduziblen »Politik der Wahrheit« (Foucault) ausgeht, die ihrerseits »keine Verzerrung, sondern das polemische Wesen der Wahrheit selbst ist« (Saar 2003, 172); dass es sich bei Foucault um die Darlegung einer ethischen Praxis der Sorge (um die Wahrheit) und die Ausarbeitung »auf das eigene Leben anzuwenden[de]« Praktiken der Lebenskunst (Schmid 2000, 252) handelt;
14 Zum Verhältnis Foucault – Lacan vgl. Eribon (1993, 388391).

Wenn Agamben (1997, 8) hieran anknüpfend vorschlägt, »ein Subjekt nicht vom Verhältnis zur Wahrheit, sondern vom Verhältnis zum Irrtum aus zu denken« und »einen nicht kognitiven Status der Wahrheit« (Agamben 1997, 14) erörtert, schlägt dies einen weiteren Bogen zur Auffassung vom Unbewussten und der indizierten ethischen Position des Subjekts. Dabei bezieht sich die von Kristeva thematisierte (ethische) Selbstbeherrschung darauf, dass das Subjekt sich mit einer »Schranke« konfrontiert sieht, die es »vor dem unbenennbaren Feld des radikalen Begehrens einhalten lässt«, da sich dieses als »das Feld absoluter Destruktion« erweist. Insofern ist die ästhetisch glänzende Wahrheit zwar zunächst ›schön‹, doch erweise sich dies weniger als »Glanz« des Wahren denn als seine »Glasur« (Lacan 1960a, 256), hinter der sich die Wahrheit des Realen des Begehrens als »des Schrecklichen Anfang« (Rilke 1997, 7, Z11) befinde. Dennoch sind ›Wahrheit‹ und Reales nicht identisch, sondern sich nur in struktureller Ähnlichkeit dadurch miteinander verschränkt, dass die Unmöglichkeit der umfassenden, uneingeschränkten Artikulation einer kompletten Wahrheit diese Überführung von Wahrheit in Reales determiniert (Evans 2002, 339). Andererseits existieren psychodynamische Unterschiede, denn:
»An das Reale gewöhnt man sich. Die Wahrheit verdrängt man« (Lacan 1957, 281).

Die Schranke – und Selbstbeschränkung – des Begehrens beruht darauf, dass die ursprüngliche Begehrensstruktur mit der Phantasie einer potentiellen Verfügung

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über beliebige Objekte, über das Objekt [klein] ", über sich als Objekt [klein] " verbunden ist und dieses Objekt nicht nur durch seinen Gebrauchwert, sondern auch durch seine Verwendung zum Genuss charakterisiert ist. Insofern ist an dieser Schranke die Thematik der auf den anderen gerichteten Nächstenliebe, die Problematik des ›Guten‹ situiert (Lacan 1960b, 257):

»Der Bereich des Guten ist die Entstehung von acht. Wesentlich ist der Begriff der Verfügung über das Gute, und rückt man ihn in den Vordergrund, dann zeigt sich vollends, welche Bedeutung dem Anspruch des Menschen zukommt, der an einem bestimmten Punkt seiner Geschichte dahin gekommen ist, über sich selbst zu verfügen. […] Über seine Güter zu verfügen, das heißt, das Recht zu haben, sie den anderen zu nehmen« (Lacan 1960b, 269-270).

Auf diese Weise impliziert das Ideal des Guten die Indikation einer Sorge der Selbstbeschränkung als Schranke vor dem Begehrens, die sich als ein besonderes Berührungstabu – »das Gute, bitte nicht berühren« – angeben lässt (Lacan 1960c, 279).

Anmerkungen
(1) Dieser Übersichtsbeitrag beruht unter anderem auf einer Reihe eigener Veröffentlichungen und greift diese teilweise wieder auf, ohne dass – sofern es sich nicht um Zitate handelt – die Literaturstelle jeweils ausgewiesen wird. Die bibliografischen Angaben der hier rezipierten, mit einem Asterix (*) versehenen Beiträge finden sich in der nachfolgenden Literaturliste. (2) Andere Arbeiten aus dem forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt ›Subjekt im Nessoshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹: Kobbé 2005b; 2006a; b.

Literatur
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