ein anderes Symbol steht so sehr für das Christentum wie das Kreuz.

In der
westlichen Kultur ist das Kreuz nicht mehr wegzudenken; es ist allgegenwärtig.
Während das Kreuz als Symbol weit verbreitet ist, wird über seine grundlegende
Bedeutung nicht mehr nachgedacht. Selbst in christlichen Kreisen wird die
eigentliche Bedeutung des Kreuzes zum Teil fehlinterpretiert und mit fromm
klingenden Floskeln belegt, die an der biblischen Wahrheit vorbeigehen.
Wir stehen oft vor dem Kreuz wie vor einem Gemälde, welches wir nach
unserem Gutdünken interpretieren. Dabei fragen wir nicht nach der einzigen und wahren
Bedeutung, die Gott dem Kreuz von Golgatha gegeben hat. So ist es beispielsweise
richtig, das Kreuz als Symbol für Gottes Liebe zu den Menschen zu sehen. Aber im
gleichen Maße, wie es die göttliche Liebe verdeutlicht, zeigt es auch seinen Zorn gegen das
Böse. Doch diese Erkenntnis verkommt immer mehr zu einer „Torheit vom Kreuz“, die
nur schwerlich in das Evangelium hineinzupassen scheint. All zu oft stellen wir die
Zweckmäßigkeit vor unsere Glaubensgrundsätze und tun so der Botschaft vom Kreuz
Gewalt an.
In der Heiligen Schrift wird uns das Wort vom Kreuz in aller Deutlichkeit dargelegt. Am
Kreuz von Golgatha vergoss Jesus Christus als der Sohn Gottes sein Blut, das stellvertre-
tend und wirksam die Sünden vieler sühnt. Mit seinem Blut hat er für die Gläubigen eine
ewige Erlösung erworben. Sie waren einst Sklaven der Sünde, aber er hat sie mit seinem
kostbaren Blut freigekauft. Sie sind nun sein Eigentum. Die Brutalität und der Schrecken
des Kreuzes zeigt deutlich die Schwere der Sünde in den Augen Gottes. Gottes Gerechtig-
keit fordert unerbittlich die Bestrafung der Sünde.
Insgesamt gewährt uns das Kreuz Christi einen umfassenden und vertieften Einblick in
das Heilshandeln Gottes sowie in sein unveränderliches Wesen. Aus diesem Grund lohnt
es sich, das Wort vom Kreuz eingehend zu studieren und es dabei mehr lieben zu lernen.
J a n u a r 2 0 1 2
Das Kreuz + �6 + 01 / 2 01 2
E d i t o r i a l
2 Editorial
3 Inhalt
4-7 Das Kreuz
Andre Bay
8-11 Die Strafe Gottes
Waldemar Dirksen
12-15 Wirksame Sühne
John Owen
16-19 Christi Triumph am Kreuz
Andreas Kuhlmann
20-23 Der rettende Stellvertreter
R.C. Sproul
24-27 Das Wort vom Kreuz
Hans-Jürgen Holzmann
28-33 Der große Versöhnungstag und die zwei Böcke
Hans-Werner Deppe
34-35 Nachlesen
36 Termine
37 Impressum
38-39 Neuheiten
I N H A L T
Timotheus 05
„Ein Zeichen für Leiden und Scham“ In diesem
wohlbekannten englischen Lied, das seit vielen Jahren
gesungen wird, geht es um eine Seite des Kreuzes, über die
heute nicht mehr gesprochen wird, die jedoch für unsere
Erlösung und Jüngerschaft entscheidend ist!
hristus und das Kreuz
In Markus 8,27 fragt Jesus seine Jünger: „Was
sagen die Menschen, wer ich bin?“ Manche dachten,
Jesus sei Johannes der Täufer, andere überlegten, Er
könnte Elia sein und wieder andere meinten, Er
sei einer der Propheten!
Als Jesus nun die Jünger fragt, was sie denken,
wer Er sei, war es Petrus, der antwortete: „Du bist der
Christus!“
Jesus ist Christus. Er ist derjenige, von dem wir in Psalm
2,6 lesen: „Habe doch ich meinen König geweiht auf
Zion, meinem heiligen Berg!" Der Messias (Christus)
wird als König auf dem ron Davids regieren, Er wird
die Nationen als sein Erbe empfangen und die Enden
der Erde als Sein Besitztum einnehmen. Er wird sie (die
Nationen, die sich gegen Gott auehnen) „mit eisernem
Stab zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmei-
ßen" (Psalm 2,9).
Die Erwartung an den Messias war damals sehr hoch
und Petrus sieht in Jesus denjenigen, der als König
regieren und Gottes Kinder befreien wird; Er ist der
Christus!

Kehren wir nochmal zurück zu Markus 8,31. Dort lesen
wir: „Und Er ng an, sie zu lehren: Der Sohn des
Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von
den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten
und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen!“
Der Kern der Botschaft ist, dass Jesu' messianisches Amt
Leiden ist! Tatsache ist, dass die Leiden für seine
Krönung nötig waren! Epheser 2,5-11 zeigt uns, wie
Jesus den Tod am Kreuz erleiden musste, bevor Ihn Gott
der Vater verherrlichte, indem Er Ihm den Namen gab,
der über allen Namen ist, vor dem sich alle Knie in
Ehrfurcht beugen werden!
Auch der Prophet Jesaja erkannte, dass Jesus ein leiden-
der Sklave war. Es war Jesaja, der schrieb:
„Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein
Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie
einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verach-
tet, und wir haben ihn nicht geachtet. Jedoch unsere
Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er
hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für
bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch
er war durchbohrt um unserer Vergehen willen,
zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf
ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist
uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie
Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg;
aber der HERR ließ ihn treen unser aller Schuld. Er
wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen
Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung
geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen
Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf“ (Jesaja
53,3-7).
Die Erwartung an den
Messias war damals sehr
hoch und Petrus sieht in
Jesus denjenigen, der als
König regieren und Gottes
Kinder befreien wird; Er
ist der Christus!
06 Timotheus
Selbst als Jesus sich auf das Kreuz vorbereitete,
sehen wir, dass Seine Verherrlichung erst nach der
Demütigung und den Leiden des Kreuzes folgt
(vgl. Hebr 12,2). Die Qualen und Schmerzen, die
Jesus erlitt, waren kein zufälliges Ergebnis von
römischer Grausamkeit, sondern sind ein wesentli-
cher Teil von Gottes Heilsplan für Sünder. Der
Vers in Hebräer 12 vermittelt uns einen kleinen
Eindruck, wie Jesus die Erlösten Gottes vom Kreuz
aus sah. „Der um der vor ihm liegenden Freude
willen die Schande nicht achtete und das Kreuz
erduldete (...). “ Diese Freude zeigt Christus Jesus,
indem er seinen Vater erfreut, als er durch seinen
Tod und seine Auferstehung Sünder mit Gott
vereint, um sich dann zur Rechten Gottes als
ewiger König zu setzen!
Die Folgen des Sündenfalls waren so schwerwie-
gend, dass alle Geschöpfe unter dem Fluch leiden.
Der Tod, welcher das endgültige und letzte Ergeb-
nis der Sünde ist, zeigt die ernsthaften Tiefen, in
die wir gefallen sind! Die Freuden und Segnungen
der Gemeinschaft mit Gott sind verloren gegan-
gen, stattdessen bringt die Erde zusammen mit
Adam und Eva nur noch mit Schmerz Frucht
hervor (vgl. 1. Mo 3,17-19).
Jesus macht den Fluch rückgängig, indem er selbst
zum Fluch wird (vgl. Gal 3,13)! Und dann lesen
wir in Kol 1,20: „und durch ihn alles mit sich
selbst zu versöhnen, indem er Frieden machte
durch das Blut seines Kreuzes – durch ihn, sowohl
was auf Erden als auch was im Himmel ist.“ Der
Fluch, zusammen mit den Leiden, die wir damit
verbinden, dient dazu, Sünder zu erlösen!
Am Kreuz geht es sogar um die Tatsache, dass
Ungehorsam gegenüber Gottes Geboten aus dem
Bund des Alten Testaments Gottes Fluch über das Land
und die Menschen hervorbringt. Das Gesetz, so heilig
und gut es ist, kann uns nur zur Erkenntnis unserer
eigenen Lage bringen, soweit, dass wir verstehen, dass
wir Gottes gerechtem Gericht gegenüberstehen werden.
Das Gesetz verdammt uns zum Tod! Also wird unter
dem Gesetz der Fluch noch größer! Hier ist Gottes
heiliger Anspruch und hier ist der gefallene Mensch in
Elend, der der Herrlichkeit Gottes nicht gerecht werden
kann. In anderen Worten: alle Leiden und Schmerzen
könnten auf einen heiligen Gott zurückgeführt werden,
der seine Schöpfung nach dem Sündenfall verucht.
Jetzt verstehen wir, warum das Kreuz der Ort der Leiden
sein musste! Die Folgen der Sünde beeckten die Welt,
die Sünde verdarb alles, was Gott gemacht hatte und
Jesus musste alles wiederherstellen, er musste Adams
Taten rückgängig machen! Jesus brachte Segen, wo
Adam den Fluch brachte. Er brachte Leben, wo Adam
den Tod brachte! Er brachte Versöhnung, wo Adam
Entzweiung brachte!
Erreichte das Kreuz all' dies? Mit Sicherheit! Was bedeu-
tet dies für uns, die wir mit Christus vereint sind?
Der Tod,
welcher das
endgültige und
letzte Ergebnis
der Sünde ist,
zeigt die ernst-
haften Tiefen,
in die wir ge-
fallen sind!
Timotheus 07
as Kreuz der Gläubigen
Während Jesus seine Jünger belehrte, erwähnte
er oft, dass sie wegen ihm oft Bedrängnis und
Verfolgung erleiden würden. In Lukas 21,16
erklärt Jesus ihnen, dass selbst Eltern und
Brüder sie betrügen werden und manche
umgebracht würden! Vers 17 sagt: „und ihr
werdet von allen gehasst werden um meines
Namens willen.“ (vgl. mit Mat 10,16-25 und Joh 15,20)
Es gibt einen untrennbaren Zusammenhang zwischen
Christi Leiden und Leiden Gläubiger! Wir müssen unser
neues Leben in Christus in der veruchten Welt
ausleben. Die gleiche Welt, die Jesus nicht annehmen
wollte, wird auch die Nachfolger Christi ablehnen.
Paulus sagt in Phil 1,29: „Denn euch ist es im Blick auf
Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu
glauben, sondern auch für ihn zu leiden.“ Denn Paulus
identiziert sich soweit mit Christus, dass die Nachfolge
Gemeinschaft in den Leiden beinhaltet (vgl. Phil 3,10).
Paulus konnte selbst in Zeiten der Gefangenschaft
andere Gläubige im Glauben ermutigen. Er schrieb an
Timotheus: „So schäme dich nun nicht des Zeugnisses
unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern
leide mit für das Evangelium nach der Kraft Gottes!“
(2.Tim 1,8).
In unserer deutschen Kultur sind öentliche Verfolgung
und Märtyrertum selten. Aber sobald wir das Wort
Gottes wahrheitsgemäß verkündigen und ein heiliges,
Christus geweihtes Leben leben, gibt es mit Sicherheit
Personen, die unseren Herrn verspotten. Unser Herr
wurde auch nicht geschont, doch sein treuer Gehorsam
führte zu seiner Auferstehung. Das Kreuz war der Höhe-
punkt von Jesu Demütigung auf Erden, doch die Aufer-
stehung seine Krone! Sein Kreuz und die Auferstehung
sollte uns durch den Tod erhöhen.
Wenn wir noch einmal den Abschnitt in Markus 8
betrachten, sehen wir, wie die Lehren über Jesu'
Verleumdung und seinen Tod ihn dazu brachten, seine
Jünger über die Kosten der Jüngerschaft zu belehren! Ein
wahrhaftiger Nachfolger Christi lebt nicht mehr für sich
selbst, er ist eine errettete Person; er oder sie wurde vom
Blut Christi erkauft und gehört deshalb Gott! Das
bedeutet, dass unsere Stellung zu Gott, unsere Bezie-
hung zur Welt und unsere Ansicht über unser eigenes
sündiges Fleisch verändert wurde! Deswegen sagt Jesus
in Markus 8,34 zu seinen Jüngern: „Wenn jemand mir
nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme
sein Kreuz auf und folge mir nach!”
Echter christlicher Glaube lehrt uns, dass der Gläubige
in einen neuen Kampf mit der Sünde tritt! Er stellt sich
der Realität seines verdorbenen Körpers und dass er in
einer verlorenen Welt lebt, doch erkennt er auch, dass er
Sünde überwinden kann. Paulus spricht über diesen
Kampf in Galater 5, wo er sagt: „das Fleisch begehrt
gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch;
denn diese sind einander entgegengesetzt“. Wir alle
wissen, welch ein Kampf es für einen Gläubigen ist,
seinen Versuchungen entgegen zu stehen und im
Glauben fest zu bleiben. Doch wegen des Kreuzes Jesu
können wir nun Gemeinschaft haben mit dem Herrn.
John Owen, ein bedeutender Non-Konformist, schrieb
über das Werk des Heiligen Geistes: „Er (der Heilige
Geist) bringt das Kreuz Jesu' durch Glauben in das Herz
eines Sünders, gibt uns Gemeinschaft mit Christus in
seinem Tod und Gemeinschaft in seinen Leiden.“
1
er Gläubige und das Kreuz Jesu'
Als Jesus am Kreuz hing, gab er sich selbst für
uns hin! Er ist das Lamm Gottes, das „Men-
schen für Gott erkauft aus jedem Stamm und
jeder Sprache und jedem Volk und jeder
Nation“ (Ob 5,9-10).
In dem Vers, den Martin Luther einen „bedeu-
tenden Wechsel“ nennt, sehen wir, dass wir durch
das Kreuz gerechtfertigt wurden und Christi Gerechtig-
keit empfangen (2. Kor 5,21)! Dies sind einige der
vielen, unverdienten Gnadengaben, die wir durch das
Kreuz Christi erlangen.
Deswegen sollen wir zu Christus kommen und unsere
Leiber darstellen als ein „lebendiges, heiliges, Gott
wohlgefälliges Opfer“ was unser vernünftiger Gottes-
dienst ist (Römer 12,1).
Es sollte unsere Freude sein, für Christus aufgrund
unserer Einigkeit und unseres neuen Lebens in ihm in
dieser Welt zu leiden. Das Kreuz des Herrn Jesus hätte
mein Kreuz sein müssen, deswegen mache ich freudig
sein Kreuz zu meinem!
An diesem schrecklichen Kreuz, dem Sinnbild für
Leiden und Scham, empng ich Leben! Deswegen diene
ich Ihm freudig mit meiner Zeit; ich gehöre Ihm! Ich
diene dem Herrn freudig mit meinen Gaben, da sie von
Ihm kommen! Ich diene dem Herrn freudig mit meinen
Mitteln, denn diese habe ich nur aufgrund seiner
Fürsorge bekommen! Ich bin bereit, Verluste in dieser
Welt zu ertragen, um mehr in Christus zu erreichen!
„Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe
ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im
Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben
an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für
mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)
1
„Overcoming sin and temptation“, herausgegeben von Kelly M. Kapic
und Justin Taylor – Crossway Books
» o c h d e m e r r n g e e l e s , i h n z u z e r s c h l a g e n .
r h a t i h n l e i d e n l a s s e n . «
¸ c s a j a 5 3 , 1 0 a
Timotheus 09
Gott vollzog die Strafe an seinem Sohn, um Sünder
begnadigen zu können. Dadurch oenbarte er einerseits
seine unerbittliche Gerechtigkeit und andererseits seine
unermessliche Liebe. Gnade und Gerechtigkeit verbinden
sich im Kreuz Christi.
Wie kann Gott jemanden zerschlagen
und dabei Gefallen haben? Auf den
ersten Blick scheint es die Darstellung
eines grausamen Racheaktes zu sein,
welches eher Anlass zur Fassungslosigkeit
gibt, als dass es zur ehrfurchtsvollen Anbe-
tung Gottes bewegt. Der geistlich vertiefte
Blick erlaubt uns allerdings, in diesem
schrecklichen Handeln Gottes den Kern des Evangeli-
ums zu sehen: Das stellvertretende Leiden und Sterben
Jesu am Kreuz!
Gottes Ratschluss
Diese erschreckenden Worte hat Jesaja etwa 700 Jahre
vor Christus als Prophezeiung aufgezeichnet. Er sah das
stellvertretende Leiden Jesu voraus und hat es eindrucks-
voll im 53. Kapitel beschrieben. So vergleicht er den
Messias mit einem „Lamm, das zur Schlachtbank
geführt wird“ (Vers 7). Der Prophet Sacharja bekam von
Gott eine ähnliche Oenbarung, denn er schrieb:
„Schwert, mache dich auf gegen meinen Hirten, gegen
den Mann, der mein Gefährte ist! spricht der Herr der
Heerscharen. Schlage den Hirten, und die Schafe
werden sich zerstreuen; und ich will meine Hand den
Geringen zuwenden!“ (Sach. 13,7). Christus ist der gute
Hirte, den Gott schlug und leiden ließ. Jesaja und
Sacharja haben das Ereignis von Golgatha Jahrhunderte
zuvor vorausgesagt. Beide Prophezeiungen legen den
Schluss nahe, dass Gott der Herr dieses Ereignis plante
und beschloss, es selbst durchzuführen.
In seiner Pngstpredigt bekräftigt Petrus rückblickend,
dass Christus „nach Gottes Ratschluss und Vorsehung
dahingegeben worden war“ (Apg. 2,23). Niemand und
nichts hat den souveränen Herrscher des Universums
von seinem Vorhaben abhalten können. Er hat seinen
Plan verwirklicht. „Alle Welt fürchte den Herrn, und
vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt!
Denn er sprach, und es geschah; er gebot, und es stand
da. Der Herr macht den Ratschluss der Heiden zunich-
te, er vereitelt die Gedanken der Völker. Der Ratschluss
des Herrn bleibt ewig bestehen, die Gedanken seines
Herzens von Geschlecht zu Geschlecht“ (Ps. 33,8-11).
Gott wirkte souverän nach seinem Ratschluss, als sein
Sohn am Kreuz litt und starb und er wirkt heute souve-
rän nach seinem Ratschluss in deinem Leben (vgl. Eph.
1,11). Daher vertraue dem Herrn in allen Lebenslagen!
Gott wirkte souverän
nach seinem Ratschluss,
als sein Sohn am Kreuz
litt und starb.
10 Timotheus
Gottes Strafvollzug
Jesaja beginnt den Vers 10 mit dem Wort ‚Doch’,
wodurch die folgende Aussage als Gegenüberstellung
zum vorangegangenen Vers zu betrachten ist. Der Vers 9
betont unter anderem die Schuldlosigkeit des Knechtes,
da „er kein Unrecht getan hatte und kein Betrug in
seinem Munde gewesen war“. Trotz seiner Unschuld
strafte ihn der Herr. „Wegen des Vergehens seines Volkes
hat ihn Strafe getroen“ (Vers 8). Als Stellvertreter ließ
sich der Knecht, wie der Sohn Gottes im ganzen Kapitel
bezeichnet wird, von seinem Herrn zerschlagen. Gott
stand somit nicht nur als Richter seinem Sohn gegen-
über, sondern auch als Vollstrecker der Strafe. Spurgeon
vergleicht das Ausmaß der göttlichen Gerechtigkeit bei
der Bestrafung des Sohnes Gottes mit dem Vorgehen
einer historischen Person:
„Wir wissen von Brutus, dass er der unbeugsamste aller
Gesetzesgeber war und dass vor ihm kein Ansehen der
Person galt, wenn er auf dem Richterstuhl saß. Die
edelsten Senatoren werden zu Brutus geführt, ihres
Verbrechens überführt und von Brutus erbarmungslos
zum Tod verurteilt. Aber angenommen, des Brutus
eigener Sohn würde vor den Richterstuhl gezogen - so
geschah es in Wirklichkeit -, schau im Geist hin auf den
Vater, der auf dem Richterstuhl sitzt, und staune, wenn
er auch jetzt erklärt, dass vor seinem Richterstuhl alle
gleich seien.
Kannst du die Furchtbarkeit des Gedankens fassen, dass
nun der Sohn wirklich vom Vater verhört wurde und
den Verdammungsspruch aus des Vaters eigenem Mund
vernehmen musste? Vor des Vaters Augen wird er
gefesselt, während dieser Vater als unerbittlicher Richter
dem Henker beehlt, den Sohn zu peitschen, und
endlich ausruft: „Führe ihn ab und gebrauche das Beil!“
Da siehst du, wie der Römer sein
Vaterland mehr liebt als seinen
Sohn und wiederum die Gerech-
tigkeit mehr als beide. „Jawohl“,
spricht die Welt, „Brutus ist
gerecht.“
Hätte Gott jeden von uns
verdammt, so würde seiner
Gerechtigkeit sicher Genüge getan
worden sein. Aber seht! Gottes
eigener Sohn nimmt die Sünden
der Welt auf sich und tritt so
schuldbeladen hin vor seinen
Gott. Er ist selbst ohne Sünde,
aber er trägt die Sünden vieler auf
seinen Schultern. Gott verurteilt
seinen Sohn, er gibt ihn der Geißel
der Römer preis, dem Hohn der
Juden, dem Spott der Soldaten. Er
überliefert seinen Sohn dem
Richter und lässt ihn an das Kreuz
nageln. Da die Menschen die
Strafe, die Gottes Gerechtigkeit
forderte, an ihrem eigenen
Stellvertreter nicht selbst vollzie-
hen konnten, schlägt Gott selbst
seinen Sohn.“
1
Gott verurteilt seinen
Sohn, er gibt ihn der
Geißel der Römer preis,
dem Hohn der Juden, dem
Spott der Soldaten. Er
überliefert seinen Sohn
dem Richter und lässt ihn
an das Kreuz nageln.
Timotheus 11
Gottes Gerechtigkeit und Liebe
Dieses Vorgehen des Allerhöchsten gewährt uns einen
tiefen Einblick in sein Wesen. Obwohl seine Majestät
jegliche Sünde zutiefst verabscheut und unbeugsam ihre
Bestrafung fordert, sehnt er sich nach dem Sünder. Das
Zerschlagen seines eigenen Sohnes war für ihn kein zu
hoher Preis, um elende Sünder aus dem Verderben zu
reißen. Welch eine unermessliche Liebe zu Sündern
oenbart sich in diesem grausamen Akt Gottes! Es war
sowohl ein Akt der äußersten Gerechtigkeit als auch die
größte auf Erden erfolgte Liebestat. Die Forderungen
seiner Gerechtigkeit wurden vollständig erfüllt und die
Liebe hat ihren Höhepunkt erreicht. Der elende Sünder
kann nun von dem Allerhöchsten begnadigt werden.
Gerechtigkeit und Gnade nden zueinander, ohne sich
gegenseitig einzuschränken. Das Kreuz von Golgatha
macht möglich, was bei den Menschen unmöglich ist!
Isaac Watts muss von dieser großen Liebe Gottes ergrif-
fen gewesen sein, als er folgende Worte schrieb: „Eine
Liebe, die so erstaunlich und göttlich ist, verlangt mein
Herz, mein Leben, mein alles.“
2
Mögen diese Worte
auch auf dich und mich zutreen.
1
C. H. Spurgeon, Auf dein Wort,
CLV, 5. Auage 1992, S. 54.
2
W. MacDonald, Kommentar zum
Neuen Testament, 2. Auage 1997,
S. 668.
Das Kreuz von
Golgatha macht
möglich, was bei den
Menschen
unmöglich ist!
Wirksame
Sühne
J O H N O W E N
Starb Christus für alle Menschen oder nur für die Erwählten?
Diese Frage behandelt John Owen ausführlich in seinem
klassischen Werk „Leben durch seinen Tod“. Er bringt
zahlreiche und überzeugende biblische Argumente dafür,
dass Christus wirksam für die Gläubigen starb, aber sein
Werk von Golgatha nicht zugunsten der Verlorenen geschah.
Auch auf die Gegenargumente und Aussagen wie „für die
ganze Welt“ geht er gründlich ein. Im Folgenden ein Auszug.
in Argument, dass sich auf die Bedeu-
tung des Wortes „Erlösung“ gründet
,rgamcnt tt. Zum besseren Verständnis einer
Lehre müssen wir untersuchen, welche Begrie die
Bibel im Zusammenhang mit dieser Lehre
verwendet. Ein biblisches Wort zur Bezeichnung
des von Christus erworbenen Heils ist das Wort
„Erlösung“; z.B.: „In dem wir die Erlösung haben,
nämlich die Vergebung der Sünden“ (Kol 1,14). Das
Wort bedeutet „eine Person durch Zahlung eines
Lösegeldes aus der Gefangenschaft befreien“. Wenn
diese Person nicht befreit ist, kann sie auch nicht als
erlöst gelten. So lehrt schon allein der verwendete
Begri, dass Christus für niemanden Erlösung erworben
haben kann, der nicht befreit ist. Eine (so genannte)
allgemeine Erlösung, die aber letztlich etliche in Gefan-
genschaft zurücklässt, ist ein
Widerspruch in sich.
Das Blut Christi wird in einigen
Bibelstellen direkt ein Preis und
ein Lösegeld genannt (z.B. Mt
20,28). Nun besteht der Zweck
eines Lösegeldes darin, für alle,
für die der Preis bezahlt ist,
Befreiung zu erlangen. Es ist
undenkbar, dass ein Lösegeld
bezahlt wird und die Person
weiterhin im Gefängnis bleibt.
Wie kann man also behaupten,
dass Christus für alle Menschen
starb, wenn nicht alle Menschen
gerettet werden? Nur diejenigen,
die tatsächlich von der Sünde
befreit sind, gehören zu denen,
für die Christus starb. „Allge-
mein“ passt ebenso wenig zu
„Erlösung“ wie „römisch“ zu
„katholisch“! Erlösung muss
speziell sein, da nur einige erlöst
sind.
Es ist undenkbar,
dass ein Lösegeld
bezahlt wird und
die Person weiterhin
im Gefängnis bleibt.
Timotheus 13
Ein Argument, das sich auf die Bedeutung
des Wortes „Versöhnung“ gründet
,rgamcnt ta. Ein weiteres Wort, das die Bibel
gebraucht, um zu beschreiben, was Christus durch
seinen Tod erreicht hat, ist das Wort „Versöhnung“.
„Auch euch, die ihr ... feindlich gesinnt wart ... hat er
nun versöhnt“ (Kol 1,21). Versöhnung bedeutet wieder-
hergestellte Freundschaft zwischen zwei Parteien, die
vorher Feinde waren. In dem Heil, von dem die Bibel
spricht, ist Gott mit uns versöhnt, und wir sind mit Gott
versöhnt. Beides muss zutreen; die Versöhnung der
einen Partei und diejenige der anderen sind zwei
verschiedene Handlungen, doch beide sind erforderlich,
um eine vollständige Versöhnung zu ergeben. Es ist
töricht zu sagen, Gott sei jetzt durch den Tod Christi
mit allen Menschen versöhnt, aber nicht alle Menschen
seien mit ihm versöhnt. Ich hoe, niemand behauptet,
Gott sei auf solche Art mit dem Menschen versöhnt.
Das wäre eine Versöhnung, die auf einem Bein steht! Es
gibt keine echte Versöhnung, die nicht beide Teile mitei-
nander versöhnt.
Die Wirkung des Todes Christi war es, sowohl Gott mit
den Menschen als auch die Menschen mit Gott zu
versöhnen. „Wenn wir mit Gott versöhnt worden sind
durch den Tod seines Sohnes“ (Röm 5,10) und „…
unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir die
Versöhnung empfangen haben“ (Röm 5,11). In 2.
Korinther 5,19-20 wird ebenfalls die zweifache Versöh-
nung erwähnt: „Gott … versöhnte … mit sich selbst“,
und „Lasst euch versöhnen mit Gott“.
Wie nun diese doppelte Versöhnung mit der Auassung
„versöhnt“ werden kann, dass Christus für alle
Menschen starb, kann ich nicht erkennen! Denn wenn
alle Menschen in solcher Weise zweifach mit Gott
versöhnt sind, wie kann es dann angehen, dass Gottes
Zorn über einigen von ihnen bestehen bleibt? (Joh
3,36). Christus kann doch gewiss nur für die gestorben
sein, die tatsächlich versöhnt werden.
Zwei Argumente, die sich auf den Wert des
Todes Christi gründen
,rgamcnt t¡. Das NT spricht oft von dem Verdienst,
den Wert des Todes Christi, sowie davon was Christus
damit erkaufen konnte; z.B. lesen wir, dass er eine ewige
Erlösung „durch sein Blut erworben“ hat (Hebr 9,12).
Die Gemeinde Gottes, so heißt es, „hat er durch sein
eigenes Blut erworben“ (Apg 20,28); und die Christen
werden ein „Volk des Eigentums“ genannt (1Petr 2,9).
So erkaufte also Christus durch seinen Tod für alle, für
die er starb, all die Segnungen, die in der Bibel als Früch-
te seines Todes genannt werden. Der Kaufpreis seines
Todes erwarb Befreiung von der Macht der Sünde und
von Gottes Zorn, vom Tode und von der Macht des
Teufels, vom Fluch des Gesetzes und von der Schuld der
Sünde. Der Kaufpreis seines Todes erwarb Versöhnung
mit Gott, Frieden und ewige Erlösung. Diese
Versöhnung
bedeutet
wiederherge-
stellte
Freundschaft
zwischen zwei
Parteien, die
vorher Feinde
waren.
14 Timotheus
Segnungen sind jetzt Gottes freie Gabe, weil Christus sie
erkauft hat. Wenn Christus für alle Menschen starb,
warum erhalten dann nicht alle Menschen diese freie
Gabe? Ist der Kaufpreis seines Todes nicht ausreichend?
Ist Gott ungerecht, dass er uns nicht gibt, was Christus
für uns erkauft hat? Es liegt unweigerlich auf der Hand,
dass Christus nicht gestorben sein kann, um diese Dinge
für alle Menschen zu erkaufen, sondern nur für diejeni-
gen, denen sie tatsächlich zuteil werden.
,rgamcnt tç. Oft werden im Zusammenhang mit
Christi Tod Formulierungen gebraucht wie: für uns
gestorben, unsere Sünden getragen, unser Bürge. Die
Bedeutung solcher Redewendungen ist, dass Christus in
seinem Tode ein Stellvertreter für andere war, auf dass
diese frei ausgehen können.
Wenn Christus in seinem Tode ein Stellvertreter für
andere war, wie können sie selbst dann auch noch für
ihre eigenen Sünden mit dem ewigen Tod bestraft
werden? Für sie kann Christus kein Stellvertreter
gewesen sein. Daraus folgt, dass er nicht für alle
Menschen gestorben sein kann.
Ja, mehr noch, wer sagt, dass Christus für alle Menschen
starb, beweist damit, dass er für niemanden starb. Denn
wenn er stellvertretend für alle starb, aber nicht alle
gerettet werden, dann ist er in seiner Absicht gescheitert.
Weitere Schriftstellen als Argumente
,rgamcnt t6. Ich könnte eine große Zahl von Bibel-
stellen als Beweis dafür anführen, dass Christus nicht für
die Sünden aller Menschen gestorben ist. Ich habe neun
ausgesucht, mit denen ich die Argumente dieses Teils
abschließen werde.
ot./ 1. ose 3,15. Dies ist der erste Bibelvers, indem
Gott andeutet, dass ein Unterschied zwischen dem Volk
Gottes und seinen Feinden besteht. Mit dem „Samen
der Frau“ sind Jesus Christus und auch alle an Christus
Gläubigen gemeint. (Diese Auslegung ergibt sich aus der
Tatsache, dass die Verheißung, die dem Samen der Frau
gegeben ist sich in Christus und in seinem Volk erfüllt
hat.) Mit dem „Samen der Schlange“ sind alle Ungläubi-
gen gemeint (vergleiche Joh 8,44). Da Gott nur Hass
zwischen dem Samen der Schlange und dem Samen der
Frau verheißen hat, ist es oensichtlich, dass Christus,
der Same der Frau, nicht für den Samen der Schlange
gestorben ist.
oa./ atthäus 7,23. Hier sagt Christus, dass es
Menschen gibt, die er niemals gekannt hat. Aber an
einer anderen Stelle (Joh 10,14-17) versichert er, dass er
all die Seinen kennt. Er muss doch gewiss alle Menschen
kennen, für die er gestorben ist! Wenn es welche gibt,
die er nicht kennt, dann kann er für sie nicht gestorben
sein.
o¡./ atthäus 11,25-27. Aus diesen Worten wird
deutlich, dass es Menschen gibt, vor denen Gott das
Timotheus 15
Evangelium verborgen hält. Wenn es der Wille des
Vaters ist, dass ihnen das Evangelium nicht oenbart
wird, dann kann Christus nicht für sie gestorben sein.
Und wir sollten beachten, dass Christus hier dem Vater
dafür dankt, dass er diese Unterscheidung macht - eine
Unterscheidung, die manche Menschen noch immer
nicht glauben wollen!
o¡./ ohannes 10,11.15-16.27-28. Diese Verse machen
deutlich:
a) Nicht alle Menschen sind Christi Schafe.
b) Der Unterschied zwischen den Menschen wird eines
Tages oenbar werden.
c) Christi Schafe werden mit denen gleichgesetzt, die
„seine Stimme hören“; andere hören seine Stimme
nicht.
d) Manche, die noch nicht als Schafe zu erkennen sind,
sind bereits erwählt und werden erkannt werden
(„andere Schafe“).
e) Christus starb nicht für alle, sondern speziell für seine
Schafe.
f ) Alle, für die Christus starb, sind ihm vom Vater
gegeben; er kann also nicht für die gestorben sein, die
ihn nicht vom Vater gegeben sind.
oç./ ömer 8,32-34. Aus diesen Versen wird oenbar,
dass der Tod Christi nur den Auserwählten Gottes gilt,
ebenso wie die Fürbitte Christi nur für diese Menschen
geschieht.
o6./ pheser 1,7. Aufgrund dieses Verses müssen wir
sagen: Wenn Christi Blut für alle vergossen wurde,
müssen auch alle diese Erlösung und Vergebung haben,
was jedoch ganz gewiss nicht der Fall ist.
o¸./ 2. orinther 5,21. Christus wurde in seinem Tode
für diejenigen zur Sünde gemacht, die in ihm zur
Gerechtigkeit Gottes werden. Wenn er für alle
Menschen zur Sünde wurde, warum werden dann nicht
alle zur Gerechtigkeit Gottes?
o8./ ohannes 17,9. Die Fürbitte Christi erstreckt sich
nicht auf alle Menschen, und daher war auch sein Tod
nicht stellvertretend für alle Menschen.
oç./ pheser 5,25. Christus liebt die Gemeinde, und das
dient zum Vorbild dafür, wie ein Mann seine Frau lieben
soll. Doch wenn Christus neben seiner Gemeinde auch
andere so liebte, dass er für sie starb, dann dürfen doch
wohl die Männer neben ihren eigenen noch andere
Frauen lieben!
Dieser Artikel ist
ein Ausschnitt aus
dem Buch Leben
durch seinen tod
von John Owen.
Über cbuch.de für
nur EUR 2,90
erhältlich.
Das Kreuz ist das Zentrum des christlichen Glaubens.
Wann immer wir über das Kreuz nachdenken, darüber
sprechen oder singen, tun wir das aus dem Bewusstsein
heraus, dass an diesem blutbeecktem Stamm ein großer
Sieg errungen wurde. Doch warum mußte dieser Sieg
erbracht werden? Wer wurde bezwungen?
Und was bewirkte der Sieg?
r hat auch euch, die ihr tot wart in den
Übertretungen und dem unbeschnitte-
nen Zustand eures Fleisches, mit ihm
lebendig gemacht, indem er euch alle
Übertretungen vergab;
und er hat die gegen uns gerichtete
Schuldschrift ausgelöscht, die durch
Satzungen
uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg
geschat, indem er sie ans Kreuz heftete.
Als er so die Herrschaften und Gewalten
entwanet hatte, stellte er sie öentlich an
dem Pranger und triumphierte über sie an
demselben.
Kolosser 2,13-15
Paulus beschreibt in diesem Abschnitt zwei verschiedene
Aspekte des Heils, nämlich die Vergebung der Sünde
und den Triumph über die Gewalten und Mächte. Zur
Illustration für unseren durch Übertretungen toten
Zustand und unsere Belebung verwendet er die damals
vorherrschenden Bräuche eines Schuldenerlasses. Der
Schuldschein ist ein Dokument, auf dem die Schulden
handschriftlich protokolliert wurden und der jederzeit
als Druckmittel und Erinnerung für nicht beglichene
Schulden verwendetet werden konnte. Die darauf
verzeichneten Verschuldungen beschreibt Paulus dabei
als Satzungen, die gegen uns gerichtet waren. "Mit den
Satzungen, die gegen uns gerichtet waren, kann aber
kaum das Gesetz selbst gemeint sein, da Paulus dieses als
heilig und gut bezeichnet (Römer 7,12); dies muss sich
vielmehr auf das gebrochene Gesetz beziehen, das
deshalb mit seinem Urteil gegen uns stand."
1
So
schreibt Paulus auch im Galaterbrief, dass wir "unter
dem Gesetz verwahrt wurden" (Galater 3,23) und dass
es "unser Zuchtmeister geworden ist auf Christus hin,
damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden" (Galater
3,24).
Das heilige und gute Gesetz war also in Form eines
Schuldscheins gegen uns gerichtet, bis Christus ihn
"ausgelöscht" hat, indem er ihn "wegschate" und ihn
dann "ans Kreuz heftete". Markant ist dabei, dass die
Verschuldung von den damals gekreuzigten Verbrechern
an ihr Kreuz genagelt wurde, um zu verdeutlichen,
weshalb sie sterben mussten. Und so hat auch Christus
"wegen unserer Übertretungen Strafe getroen" (Jesaja
53,8) und er "hat sich unter die Übeltäter gezählt und
die Sünden vieler getragen" (Jesaja 53,12), indem er sich
selbst als Schuldopfer gab und die "Schuldschrift ans
Kreuz heftete".
Das heilige und gute
Gesetz war also in Form
eines Schuldscheins gegen
uns gerichtet, bis Chris-
tus ihn "ausgelöscht"
hat.
Timotheus 17
18 Timotheus
Sühnung für unsere Sünden
Eine zentrale Rolle dabei spielt der Gedanke der
Sühnung. Wenn wir im Alltag von Sühnung sprechen,
dann reden wir von "Beschwichtigung" oder "Genugtu-
ung", um eine Ungerechtigkeit wieder gut zu machen.
Doch was hat Jesus Christus gesühnt?
Im Kolosserbrief schreibt Paulus, dass wir uns der Sünde
entgegenstellen sollen, indem wir "unsere Glieder, die
auf Erden sind, töten ..., denn um dieser Dinge willen
kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehor-
sams; unter ihnen seid auch ihr einst gewandelt"
(Kolosser 3,5-7). Die Söhne des Ungehorsams oenba-
ren sich durch die Übertretung des Gesetzes Gottes und
entfachen so den Zorn Gottes. Die heilige Schrift sagt
uns vielfach, dass die Heiligkeit Gottes unvereinbar ist
mit Sünde. Und so wie seine Heiligkeit die Sünde
aufdeckt, so stellt sich sein Zorn ihr entgegen. Sünde
erregt Gottes Zorn. Dabei sollten wir uns aber nicht von
Parallelen zum menschlichen Zorn blenden lassen.
"Zwischen dem Zorn Gottes und unserem Zorn liegen
Welten. Das, was unseren Zorn hervorruft (verletzte
Eitelkeit) ruft niemals seinen hervor; das, was seinen
Zorn hervorruft (das Böse) ruft nur selten unseren
hervor."
2
Gottes Zorn ist "kein Albtraum einer wahllo-
sen, unbeherrschten, irrationalen Wut, sondern der
Zorn eines heiligen und barmherzigen Gottes, hervorge-
rufen durch die Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit des
Menschen."
3
Das Gesetz stand in Form einer Schuldschrift gegen uns,
d.h. wir haben uns gegen das Gesetz Gottes verschuldet
und damit gegen ihn selbst und so seinen Zorn entfacht.
Doch Gott, der Vater, hat seinen Sohn gesandt, der den
Schuldschein ausgelöscht hat, indem er ihn ans Kreuz
nagelte, d.h. stellvertretend den Zorn Gottes auf sich
nahm und ihn so von uns abwandte. So spricht Apostel
Johannes von "Jesus Christus dem Gerechten" als "die
Sühnung für unsere Sünden" (1. Joh 2,1-2). Und später
schreibt er weiter, dass die Liebe des Vater zu uns darin
oenbart wird, indem er "seinen Sohn gesandt hat als
Sühnung für unsere Sünden" (1. Joh 4,10). So tut Gott
durch das Sühnewerk am Kreuz seiner heiligen Liebe
genüge, "indem er in seinem [Christi] Fleisch die Feind-
schaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat"
(Epheser 2,15) und so gleichzeitig gerecht ist und
Sünder rechtfertigt (Römer 3,26).
Wir sind Erkaufte
Die Sprache der Erlösung geht zurück auf alttestament-
liche Gesetze, die Israel dazu verpichteten alle Erstge-
burt auszulösen, weil sie Gott gehörte. Im Grunde
handelt es sich dabei um eine Transaktion, bei der ein
Objekt den Besitzer wechselt. In diesem Sinne spricht
auch das Neue Testament von unserer Erlösung und
auch Paulus macht sich dieses Bild zunutze, als er die
Vergebung der Sünde mit einer "beglichenen Schuld"
umschrieb. "Gott befreit uns von unserem Bankrott
dadurch, dass er am Kreuz Christi unsere Schulden
bezahlte. Mehr als das. Er hat nicht nur die Schulden
beglichen, sondern auch das Dokument vernichtet, auf
denen sie verzeichnet waren."
4
Er hat uns erlöst. Doch
wenn wir die eindrucksvolle Bildersprache der Bibel
entfalten und über die Erlösung nachdenken, dürfen wir
nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Wenn die Schrift
von einer Erlösung spricht, dann spricht sie auch von
einem Erlöser, der uns durch sein Blut ausgelöst hat. Mit
anderen Worten, wir sind sein Eigentum, denn er hat
uns erkauft. So fragt Paulus die Korinther fassungslos:
"Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen
Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt?" und
ermahnt sie weiter, "dass ihr nicht euch selbst gehört ...
denn ihr seid teuer um einen Preis erkauft worden.
Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib."
"Unser Leib ist nicht nur von Gott geschaen worden
und wird eines Tages von ihm auferweckt werden,
sondern er ist mit dem Blut Christi erkauft worden und
wird von seinem Geist bewohnt. Somit ist er gleich
dreifach Gottes Eigentum, durch Schöpfung, Erlösung
und Innewohnung. Wie also können wir ihn missbrau-
chen, da er nicht einmal uns gehört? Stattdessen sollen
wir Gott damit durch Gehorsam und Selbstbeherr-
schung verherrlichen. Als von Christus Erkaufte kommt
es uns nicht zu, die Sklaven von irgendjemand oder
irgendwas anderem zu werden. Einst waren wir Sklaven
der Sünde, jetzt sind wir Sklaven Christi, und der Dienst
für ihn ist die wahre Freiheit."
5
Als von Christus
Erkaufte kommt es
uns nicht zu, die
Sklaven von ir-
gendjemand oder
irgendwas anderem
zu werden.
Timotheus 19
Sieg über die Gewalten und Mächte
Der erste Aspekt des Heils, den wir betrachtet haben,
beschreibt, dass wir lebendig gemacht wurden mit
Christus durch die Vergebung aller unserer Übertretun-
gen. Nun geht Paulus zum zweiten Aspekt über und
zeigt auf dramatische Art und Weise wie Christus über
die Gewalten und Mächte am Kreuz gesiegt hat. Dabei
lesen wir, dass Gott die Mächte "öentlich an den
Pranger stellte" nachdem er sie "entwanet" hatte, und
so über sie "triumphierte". Christus hat die bösen
Mächte "entwanet" oder ihnen ihre "Würde und
Macht" genommen und sie so erniedrigt. Anschließend
"hat er sie öentlich zur Schau gestellt und als die
machtlosen Mächte bloßgestellt, die sie nun sind."
6
In
einem Triumphzug hat er dann den Sieg über sie gehal-
ten.
Die Illustration eines Triumphzuges wurde zur Verfas-
sungszeit des Kolosserbriefes wahrscheinlich ganz anders
aufgenommen als von uns heute. Die Leser sind in der
Zeit des römischen Imperiums aufgewachsen und
wussten, was für eine Demütigung es ist, wenn eine
Siegesmacht den Verlierer öentlich vorführt und durch
die Straßen schleift, während sie selbst im prächtigen
Aufgebot den Triumph feiert. Und so schreibt Paulus,
dass auch Christus die Mächte entblößt und öentlich
zur Schau gestellt hat, als er über sie triumphierte. Doch
"sollen wir uns buchstäblich eine kosmische Schlacht
vorstellen, bei der die Mächte der Finsternis Christus am
Kreuz umzingelten und angrien und bei der er sie
entwanete, bloßstellte und besiegte? Wenn diese aber
unsichtbar war, wie es ja wohl der Fall gewesen sein
muss, wie stellte Christus sie dann öentlich zur
Schau?"
7
Wir müssen festhalten, dass Paulus beide Ereignisse
(Auslöschen und Fortschaen des Schuldscheins, sowie
Entwanen und Besiegen der Mächte) nebeneinander
auührt und keine Trennung vollzieht. D.h. wenn der
erste Aspekt bildhaft zu verstehen ist, muss das bei dem
zweiten ebenso gelten. "Den Schuldschein nagelte er ans
Kreuz; die Mächte besiegte er durch das Kreuz. Hat
nicht Christus die Mächte eben dadurch gestürzt, dass er
unsere Schulden beglich?"
8
Dennoch geht aus dem
Wort Gottes hervor, dass Christus eine Schlacht geschla-
gen und letztlich am Kreuz den Sieg davon getragen hat.
Im Philipperbrief lesen wird, dass er "Knechtsgestalt
annahm und ... gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum
Tod am Kreuz" (Philipper 2,8). Und so wie wir von der
heiligen Schrift dazu animiert werden, den guten Kampf
auszutragen, so hat Christus sich dem Teufel und seinen
Versuchungen entgegengestellt und dem Feind getrotzt
bis zum glorreichen Ende. Als alle seine Freunde ihn
verlassen hatten, rang seine betrübte Seele im Garten
Gethsemane mit dem Tod. Und inmitten von Spott und
Hohn traten die weltlichen Mächte von Rom und
Jerusalem vereint gegen ihn auf, um ihn niederzuringen,
doch er betete für seine Feinde. "Durch seine sich selbst
hingebende Liebe zu anderen überwand er "das Böse
mit Gutem" (Römer 12,21)"
9
und triumphierte so am
Kreuz über die "Mächte und Gewalten". Als sie ihn
sahen trug er den Sieg über sie davon, denn "das Schwa-
che Gottes ist stärker als die Menschen" (1. Kor 1,2).
"So wurde der Sieg Christi, der umittelbar nach dem
Sündenfall vorhergesagt war und während seines öent-
lichen Wirkens begonnen hatte, am Kreuz errungen und
besiegelt."
10

1
John Stott, Das Kreuz, Seite 300
2
John Stott, Das Kreuz, Seite 220
3
C.E.B Carneld, Romans, Band 1, Seite 111
4
John Stott, Das Kreuz, Seite 301
5
John Stott, Das Kreuz, Seite 232
6
John Stott, Das Kreuz, Seite 301
7
John Stott, Das Kreuz, Seite 301
8
John Stott, Das Kreuz, Seite 302
9
John Stott, Das Kreuz, Seite 302
10
John Stott, Das Kreuz, Seite 303
inmitten von Spott
und Hohn traten die
weltlichen Mächte
von Rom und Jeru-
salem vereint gegen
ihn auf, um ihn nie-
derzuringen, doch
er betete für seine
Feinde.
Der
rettende
Stellvertreter
R . C . S p r o u l
Timotheus 21
Wenn wir vom stellvertretenden Aspekt des Sühnopfers
Christi sprechen, dann tauchen immer wieder zwei
technische Begrie auf: expiatio (Expiation, Sühnung,
Büßung) und propitiatio (Besänftigung, Sühnung).
n diesen beiden Worten entfachen sich immer
wieder alle möglichen Diskussionen darüber,
welcher dieser beiden Begrie zur Übersetzung
eines bestimmten griechischen Wortes heran-
gezogen werden sollte, und einige Bibelüber-
setzungen verwenden das eine und andere das
andere Wort. Ich werde regelmäßig gebeten,
den Unterschied zwischen diesen beiden
Begrien zu erklären. Die Schwierigkeit besteht darin,
dass diese beiden Worte zwar in der Bibel vorkommen,
sie aber nicht Teil unseres täglichen Sprachgebrauchs
sind, und wir darum nicht ganz sicher sind, was genau
sie in der Heiligen Schrift kommunizieren wollen. Uns
fehlen die konkreten Bezugspunkte für diese Worte.
Beide Begrie werden vorherrschend mit Sühnung oder
Sühne übersetzt.
Untersuchen wir daher erst einmal, was diese Worte
bedeuten, und beginnen mit dem ersten Wort: expiatio.
Die Vorsilbe ex- bedeutet: „aus“ oder „hinaus“, sodass
der Begri etwas damit zu tun hat, dass etwas wegge-
räumt oder weggenommen wird. Im biblischen Sprach-
gebrauch hat dieser Begri etwas damit zu tun, dass
Schuld weggeräumt wurde, weil die Schuld bezahlt oder
eine Wiedergutmachung geleistet wurde. Im Gegensatz
dazu hat „propitiatio“ mit dem Gegenstand von „expia-
tio“ zu tun. Die Vorsilbe pro- bedeutet: „für“, sodass
„propitiatio“ den Aspekt des Sühnopfers Christi betont,
der einen Wandel in Gottes Einstellung bewirkt, sodass
er nicht mehr gegen uns ist, sondern für uns. Daher wird
dieser Begri auch öfters mit „Versöhnung“ übersetzt.
Das Kreuz ist der Sühneort, an dem Sühne erwirkt
wurde, sodass wir wieder in die Gemeinschaft mit Gott
aufgenommen werden und sein Wohlwollen erfahren.
In gewisser Weise hat „propitiatio“ etwas damit zu tun,
dass Gott besänftigt oder beschwichtigt wird. Wir
kennen das Wort „Beschwichtigungspolitik“ aus der
Welt der militärischen und politischen Konikte, jene
Strategie, nach der man einem lärmenden, säbelrasseln-
den Welteroberer lieber das Sudetenland der ehemaligen
Tschechoslowakei oder ein ähnliches Stück Land
überlässt, als einen Blitzkrieg zu riskieren. Man versucht
seinen Zorn zu besänftigen, indem man ihm etwas gibt,
das ihn zufriedenstellt, damit er nicht ins eigene Land
einfällt und alles niedermacht. Das ist eine gottlose
Form der Besänftigung oder Beschwichtigung. Ist aber
jemand zu Recht zornig auf mich, weil ich ihm Schaden
zugefügt habe, und ich besänftige seinen Zorn, so habe
DAS KREUZ IST DER SÜH-
NEORT, AN DEM SÜHNE ER-
WIRKT WURDE, SODASS WIR
WIEDER IN DIE GEMEINSCHAFT
MIT GOTT AUFGENOMMEN
WERDEN UND SEIN WOHL-
WOLLEN ERFAHREN.
22 Timotheus
ich sein Wohlwollen zurückgewonnen und das Problem
ist aus der Welt geschat. Ein und dasselbe griechische
Wort wird von Zeit zu Zeit durch eines der beiden
Worte, expiatio oder propitiatio, übersetzt. Aber es gibt
eben diesen kleinen Unterschied zwischen diesen beiden
Begrien. „Expiatio“ bringt das zum Ausdruck, was zu
einem Wandel von Gottes Gesinnung uns gegenüber
führt. Es ist das, was Christus am Kreuz vollbrachte.
Weil er dort am Kreuz Sühnung erwirkt hat, wird Gottes
Zorn abgewandt und ist Versöhnung möglich. In ähnli-
cher Weise wird auch unterschieden zwischen dem
Lösegeld, das bezahlt wird, und der Haltung dessen, der
das Lösegeld erhält.
Zusammen bilden beide Aspekte einen Akt der
Beschwichtigung. Christus starb am Kreuz, um Gottes
Zorn zu beschwichtigen. Der Gedanke, dass am Kreuz
Gottes Zorn beschwichtigt wurde, hat nur wenig dazu
beigetragen, den Zorn moderner eologen zu
beschwichtigen. Tatsächlich können sich viele bei dem
Gedanken, dass Gottes Zorn beschwichtigt werden
musste, leicht erzürnen. Sie meinen, es läge unter seiner
göttlichen Würde, beschwichtigt werden zu müssen,
oder dass wir etwas tun müssten, um ihn zu beruhigen
oder zu besänftigen. Wir müssen sehr vorsichtig sein,
wie wir den Zorn Gottes verstehen. Aber ich möchte Sie
daran erinnern, dass die Beschwichtigung des Zornes
Gottes in der eologie kein äußerlicher, nebensächli-
cher Sachverhalt ist, sondern ans Wesen des Heils geht.
Lassen Sie mich eine sehr grundlegende Frage stellen:
Was bedeutet der Begri Rettung? Wir haben uns mit
Worten wie Sühnopfer, Erlösung, Stellvertretung,
Sühne, Sühnung und Versöhnung befasst. Aber was
bedeutet Heil oder Rettung in der Bibel? Eine schnelle
Antwort zu geben, würde nur Kopfschmerzen bereiten,
denn das Wort Rettung wird in der Bibel auf etwa
siebzig verschiedene Weisen benutzt. Wenn jemand in
einer Schlacht vor einer sicheren Niederlage bewahrt
wird, so widerfährt ihm Rettung. Wenn jemand eine
lebensbedrohliche Krankheit überlebt, dann erfährt
diese Person Rettung. Wenn jemand erlebt, wie sein
verdorrter Acker wieder zu blühendem Leben erwächst,
ist die Ernte gerettet. Das ist die Sprache der Bibel, und
sie unterscheidet sich kaum von unserem eigenen
Sprachgebrauch. Wir sprechen davon, dass der Gong
einen Boxer vor dem sicheren Knock-out gerettet hat,
nicht davon, dass er vor der ewigen Verdammnis gerettet
wurde. Kurz gesagt: Jede Hilfe aus einer akuten und
unmittelbaren Gefahr kann als Rettung bezeichnet
werden.
Wenn wir im biblischen Sinne von Rettung sprechen,
dann müssen wir genau sagen, wovon wir letztlich
gerettet werden. Der Apostel Paulus tut genau das für
uns – und zwar in 1. essalonicher 1, 10. Dort sagt er,
dass Jesus der ist, „der uns errettet vor dem zukünftigen
Zorn“. Letztlich starb Jesus, um uns vor dem Zorn
Gottes zu erretten. Ohne das zu verstehen, werden wir
das, was Jesus von Nazareth lehrte und predigte, einfach
nicht verstehen, denn er warnte die Menschen ständig,
Letztlich
starb Jesus,
um uns vor
dem Zorn
Gottes zu
erretten.
Timotheus 23
dass das göttliche Gericht eines Tages über die ganze
Welt kommen würde. Hier nur einige seiner Warnun-
gen vor dem Gericht: „Ich aber sage euch: Jeder, der
seinem Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht
verfallen sein“ (Mt 5, 22). „Ich sage euch aber, dass die
Menschen am Tage des Gerichts Rechenschaft geben
müssen von jedem unnützen Wort, das sie geredet
haben“ (Mt 12, 36). „Die Männer von Ninive werden
im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und
werden es verurteilen, denn sie taten Buße auf die
Verkündigung des Jona hin; und siehe, hier ist einer, der
größer ist als Jona!“ (Mt 12, 41). Jesu eologie war eine
eologie der Krise. Das griechische Wort krísis bedeu-
tete ursprünglich „Beurteilung“ oder „Entscheidung“.
Und die krísis, von der Jesus predigte, war die Krise der
großen Entscheidung, des bevorstehenden Gerichts
über diese Welt, der Zeitpunkt, zu dem Gott seinen
Zorn über die Unerlösten, die Gottlosen und die
Unbußfertigen ausgießt. Die einzige Honung, sich vor
dem kommenden Zorn Gottes zu retten, ist, durch
Christi Sühnopfer beschützt zu sein.
Darum ist die allergrößte Errungenschaft Christi am
Kreuz, dass er den Zorn Gottes besänftigt hat, der gegen
uns entbrennen würde, wenn wir nicht unter dem Opfer
Christi stünden. Wenn also jemand Schwierigkeiten mit
dem Gedanken der Beschwichtigung hat oder mit der
Tatsache, dass Christus den Zorn Gottes besänftigt hat,
müssen wir auf der Hut sein, denn dann steht das
Evangelium auf dem Spiel. Hier geht es um die Quintes-
senz unserer Rettung, denn allein die Menschen, die
durch Christus, unserem Sühnopfer, vertreten werden,
können vor dieser allerhöchsten Gefahr, in der sich jeder
Mensch bendet, gerettet werden. Es ist schrecklich, in
die Hände eines heiligen und zornigen Gottes zu fallen.
Aber die, deren Sünden bezahlt sind, werden bewahrt
vor dem Zorn Gottes. Darum geht es in der Rettung.
Während meines eologiestudiums musste einer
meiner Kommilitonen im Rahmen unseres Homiletik-
Kurses eine Predigt halten. Die Zuhörerschaft bestand
aus den anderen Kursteilnehmern. Am Ende der Predigt
hat der Professor dann vor dem ganzen Kurs eine
Zusammenfassung der Stärken und Schwächen des
Vortrages gegeben, einschließlich des Inhalts. Mein
Kommilitone hielt eine bewegende Predigt über das
Kreuz. Aber dieser Professor verachtete genau die traditi-
onellen Lehren, die ich versucht habe, Ihnen zu vermit-
teln, und hegte einen erbitterten Hass gegen eine
konservative eologie. Am Schluss der Predigt war er
aggressiv, wenn nicht gar feindselig, und noch während
der Student auf der Kanzel stand, sagte der Professor
provozierend: „Wie können sie in der heutigen Zeit
noch von der stellvertretenden Sühne predigen!“ Ich
traute meinen Ohren nicht. Ich wollte erwidern:
„Warum sollte in unserer heutigen Zeit der stellvertre-
tende Sühnetod Christi plötzlich überholt sein?“
Ich tat es nicht, und ich schäme mich, dass ich es nicht
getan habe. Vielleicht verstehe ich heute ein wenig
besser, dass das Werk Christi am Kreuz das Zentrum des
Evangeliums ist. Ein Stellvertreter, von Gott selbst
bestimmt, ist in Raum und Zeit erschienen, um die
Schwere und Last unserer Vergehen zu tragen, unsere
Schuld auf sich zu nehmen, Sühnung zu erwirken und
den Zorn Gottes zu besänftigen. Das ist das Evangeli-
um. Nimmt man den stellvertretenden Charakter des
Sühnopfers Christi weg, entleert man das Kreuz und das
Leiden unseres Herrn all seiner Bedeutung. Wer das tut,
zerstört den christlichen Glauben selbst.
Dieser Artikel ist
ein Ausschnitt aus
dem Buch Was am
Kreuz geschah von
R.C. Sproul.
Über cbuch.de für
nur EUR 5,90
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Nimmt man den stellver-
tretenden Charakter des
Sühnopfers Christi weg,
entleert man das Kreuz
und das Leiden unseres
Herrn all seiner
Bedeutung.
Nicht das Kruzix, das von Kerzenschein umleuchtete Kreuz
in der Kirche oder das Kreuz als Schmuckstück am Hals bringt
die Wirkung des Kreuzesgeschehens zur Geltung.
Viel Mystik, Aberglaube und Romantik hat sich um das
Symbol der Christen breit gemacht. Manche glauben
geradezu an die magische Wirkung eines Kreuzes.
Das Symbol ohne den konkreten Inhalt hat in sich jedoch
keinerlei lebensverändernde Kraftwirkung.
enn das Wort vom Kreuz ist denen,
die verloren gehen, Torheit; uns aber,
die wir errettet werden, ist es Gottes
Kraft.
1. Korinther 1,18
Was die göttliche Machtwirkung des Kreuzes,
dieses historisch-heilsgeschichtlichen und
epochalen Ereignisses des Sühnetodes Jesu Christi zur
Geltung bringt, ist die damit untrennbar verbundene
gute Nachricht, das Evangelium, das Logos (Wort) vom
Kreuz.
Wort und Kreuz gehören also zusammen. Die richtige
Perspektive auf das Kreuz haben wir nur in Verbindung
mit dem richtigen Bibelwort. Logos ist der Ausdruck von
Gedanken, ein Konzept von Ideen, ein klar formulierter
Standpunkt.
1
Es ist das Logos Gottes, Gottes Standpunkt,
sein Heilskonzept, sein Rettungsplan.
Logos ist auch ein Titel des Sohnes Gottes.
2
Er ist das
ewige Logos. Durch Jesus, das personizierte und
Mensch gewordene Wort redet Gott aus seiner Ewigkeit
zu uns.
3
Seine Worte sind Worte der Wahrheit
4
mit der
befreienden Wirkung
5
und der Kraft zur Neugeburt.
6

Das ist das Wort des Glaubens,
7
die solide Basis unserer
Errettung.
Das bedeutet, die Schöpfung durch Gottes Logos zu
verstehen.
8
Es bedeutet, den Sündenfall und damit die
totale Verdorbenheit und Sklaverei des Menschen, die
leidvolle Menschheitsgeschichte, die Notwendigkeit des
im AT verheißenen und ersehnten Erlösers, das
Kommen des Messias, seine Menschwerdung, seine
Lehre, sein heiliges Leben, seine Sündlosigkeit, seine
Passion, den Tod am Kreuz, die Auferstehung, Himmel-
fahrt, die Wiederkunft und das Kommen zum Gericht
als zusammenhängendes „Wort vom Kreuz“ und
konkretes Heilshandeln Gottes zu proklamieren.
Es bedeutet, den Sühnetod des Jesus Christus am Kreuz
von Golgatha als zentralen Wendepunkt der Heilsge-
Timotheus 25
schichte, als Gottes gute Botschaft für die Welt bekannt
zu machen. Nicht die Rhetorik des Redners hat das
Überzeugungspotential, sondern der eindeutige Bezug
auf den Auftraggeber der Nachricht, auf die Gottesauto-
rität und damit die von Gott gegebene Wirkung des
„Wortes vom Kreuz“.
9
Worin besteht die „Gotteskraft“ dieses Wortes? Gottes
eektives Reden in der Person des Sohnes
10
und sein
Heilshandeln in Christus hat die einzigartige und
unvorstellbare Wirkung
11
und Rettungsdynamik
12

neuen Lebens in sich, Menschen aus der Sklaverei der
Sünde herauszureißen und in Freiheit an den Urheber
des Lebens und aller wirklichen Freiheit zu binden.
13
Das Wort vom Kreuz ist, dass Christus, vor ewigen
Zeiten als Sündenlamm Gottes vorgesehen, die Sünde in
Zeit und Raum, historisch belegt, am Kreuzestod von
Golgatha für alle Glaubenden wegnimmt.
14
Jesus Chris-
tus ist der von Mose verheißene Prophet,
15
der Heilige
Gottes,
16
der prophezeite und erwartete Erlöser, der
zukünftige Friedefürst und König,
17
die Fülle der
Gottheit leibhaftig!
18
Die Einzigartigkeit dieses „Gottes-Logos“ muss darum
durch uns, die Jünger von Jesus, in verständlichen,
theologisch durchdachten, vernünftigen und nachvoll-
ziehbaren Worten auf Grundlage des vom Heiligen
Geist inspirierten Bibeltextes im AT und NT anderen
Menschen erklärt werden. Es geht dabei nicht um
kunstfertige Worte,
19
sondern um inhaltliche Klarheit,
um Anstoß und Herausforderung. Es geht darum, die
Kraft der göttlichen Autorität aus dem Wort mit vollster
Überzeugung zu deklarieren und zu proklamieren.
Das Logos vom Kreuz muss also verkündigt
20
werden.
Das bedeutet die Taten Gottes, den oenbarten Willen
Gottes mit der von Gott durch das Wort gegebenen
Autorität durch die Predigt
21
öentlich bekannt zu
machen.
22

Das ist unsere Aufgabe auch für unsere Generation
heute. Gemeinde muss, wenn Sie Christus-zentriert sein
will, die herausfordernde, feierliche, verständliche,
anspruchsvolle und anstößige Predigt des Evangeliums
von Jesus Christus reichlich
23
und lehrreich und theolo-
gisch durchdacht
24
auf Grundlage des biblischen Textes
vom Alten und Neuen Testament durch
Auslegungspredigt
25
im Zentrum haben. Aus diesem
Grund hat der Apostel Paulus diese Botschaft den
Galatern regelrecht „vor Augen gemalt“.
26
In einer Zeit, in der oberächliche und pragmatische
emenpredigten, Moral, Ethik und Politik die Kanzeln
in Freikirchen und Kirchen bestimmen, ist es an der
Zeit die Dynamik des Wortes vom Kreuz wieder zu
entdecken. Die Initiative „Evangelium21“ hat das in
ihrem Bekenntnisdokument deswegen prägnant formu-
liert: „Im Mittelpunkt der Guten Nachricht steht Jesus
Christus, der Sohn Gottes: sein Leben, sein Tod und
seine Auferstehung. Das Evangelium wird nicht verkün-
det, wenn Christus nicht verkündet wird, und der
wirkliche Christus wird nicht verkündigt, wenn sein
sündloses Leben, sein Sühnetod am Kreuz und seine
leibliche Auferstehung nicht im Zentrum stehen.“
27
Das hat der große Reformator Martin Luther im 16.
Jahrhundert mit Überzeugung vertreten: „Das Evangeli-
um lehrt nichts anderes als Christus, und die Schrift
lehrt nichts anderes als Christus. Wer aber Christus
nicht erkennt, der mag das Evangelium hören oder das
Buch in den Händen tragen – aber verstanden hat er
damit nicht.“
28
Im bedeutenden Augsburgischen Bekenntnis wurde das
Selbstverständnis von authentischer Kirche so formu-
liert: „Es wird auch gelehrt dass allezeit eine, heilige
christliche Kirche sein und bleiben muss. Sie ist die
Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangeli-
um rein gepredigt und die heiligen Sakramente dem
Evangelium gemäß gereicht werden.“
29
Der bekannte Pastor Wilhelm Busch sagte einmal: „Ich
kann nicht das predigen, nach dem den Leuten die
Ohren jücken. Ich muss vielmehr weitergeben, was
Gottes Wort sagt. Und Gottes Wort sagt: Die wichtigste
Frage für den Menschen bleibt die, wie sein Leben mit
dem heiligen, schrecklichen und lebendigen Gott in
Ordnung kommt.“
30
Und das geschieht im Sühnetod des Jesus Christus am
Kreuz. Dort nimmt der Sohn stellvertretend das gerech-
te Gericht Gottes auf sich. Gott schat Gerechtigkeit,
indem er die Schuld durch das Blutvergießen seines
Sohnes sühnt.
Diese „Logos-Nachricht“ von Gott ist an und für sich
nicht unvernünftig. Sie ist aber für den ohne Gott
denkenden und planenden Menschen eine
Dummheit.
31
Exemplarisch sei hier der bekannte libera-
le eologe des 20. Jahrhunderts, Rudolf Bultmann
zitiert, der Generationen von evangelischen eologen
geprägt hat. Er schrieb:
Es ist das Logos Gottes,
Gottes Standpunkt, sein
Heilskonzept, sein Ret-
tungsplan.
26 Timotheus
„Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlo-
sen (wenn man von einem solchen überhaupt reden
darf ) gesühnt werden? Welche primitiven Begrie von
Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung
zugrunde? Welch primitiver Gottesbegri? Soll die
Anschauung vom Sünden tilgenden Tode Christi aus der
Opfervorstellung verstanden werden: welch primitive
Mythologie, dass ein Mensch gewordenes Gotteswesen
durch sein Blut die Sünden der Menschen sühnt!“
32
Warum kam Bultmann zu dieser Denkweise? Weil er
seine Erkenntnis nicht der Weisheit des Allmächtigen
unterordnen wollte. Der natürliche Mensch, mit seinem
begrenzten von Gott gegebenen und vom Sündenfall
beeinträchtigen Verstand ist in Bezug auf die Erkenntnis
Gottes vernstert und versklavt.
33
Für die Weisheit
Gottes hat der sich selbst für klug haltende, autonome
Mensch keinen Platz. Das war damals nicht anders. Der
erwartete Christus (= Messias) bedeutete für die gottes-
fürchtigen Juden Kraft, Brillianz, Triumph. Aber er kam
anders. Er kam in Niedrigkeit und Demut. Unter
Verachtung und Spott und Schmach ging er den Weg
ans Kreuz.
Für die Griechen bedeutete die Kreuzigung ein Höchst-
maß an Schwachheit, Demütigung, Erniedrigung. Kein
Wunder, dass sowohl Juden als auch Griechen diese
Botschaft als skandalös empfanden. Männliche Stärke,
Sieg und Triumph besteht auch heute im Denken des
natürlichen Menschen nicht im Tod, sondern im Leben
und in der Ausstrahlung und Ausübung von Macht.
Hilfreich ist hierin das postolische laubensbekennt-
nis des 1. Jahrhunderts, in welchem insbesondere die
historischen Eckdaten des „Wortes vom Kreuz“ präzise
zusammengefasst werden:
Ich glaube … an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern
Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den
Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des
allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die
Toten.
34
Calvin schreibt: „Deshalb geht das sogenannte Apostoli-
sche Glaubensbekenntnis in richtiger Reihenfolge von
der Geburt Christi gleich zu seinem Tod und zu seiner
Auferstehung über: Denn darauf ruht in der Hauptsache
unser vollkommenes Heil.“
35
Ganz anders als der Häretiker
36
Bultmann hat der
bekannte freikirchliche eologe Erich Sauer im 20.
Jahrhundert in seinem Buch „Der Triumph des Gekreu-
zigten“ die Botschaft anschaulich und sprachlich ergrei-
fend formuliert:
„Für Christus ist das Kreuz die höchste Anerkennung
der Herrschaft Gottes, die Vollendung des Glaubens, die
Erwerbung des Wohlgefallens Gottes, die endgültige
Verewigung der Liebe Gottes, der Weg zur Siegerstel-
lung, der Weg zum Besitz einer erlösten Gemeinde und
der wunderbarste Ausdruck der Liebe des Sohnes
Gottes.
Das Kreuz ist das größte Ereignis der Heilsgeschichte,
noch größer als die Auferstehung. Denn das Kreuz ist
der Sieg, die Auferstehung der Triumph; aber der Sieg ist
noch wichtiger als der Triumph, obwohl sich dieser mit
Notwendigkeit aus ihm ergibt … Die Erlösung muss
darin bestehen, dass der Tod, dieser große Feind des
Menschen (1. Kor 15,26) zum Mittel der Errettung
gemacht wird, und das, was die notwendige Fortsetzung
und Strafe der Sünde ist, muss zum erlösenden Ausweg
aus der Sünde werden (Eph 2,16).“
37
Diese – auch von unseren religiösen – Zeitgenossen
verhasste Bluttheoligie der Bibel,
38
mit dem gekreuzigten
Christus als ihrem Zentrum,
39
ist das zeitlos gültige
Wort vom Kreuz, der Felsen des Heils.
1
Vine, W.E: Expository Dictionary
of New Testament words
2
Joh 1,1-2
3
Heb 1,1-2
4
Eph 1,13
5
Joh 8,32
6
1Joh 1,1; 1Petr 1,23; Jak 1,18
7
Röm 10,8
8
Heb 11,3; 1Mose 1,3
9
1Kor 2,2-5
10
Hebr 1,1
11
Hebr 4,12
12
Eph 1,19-20
13
Joh 1,13; Joh 5,17; Joh 8,36
Röm 6,22
14
Joh 1,29; 1Petr 1,20
15
5Mose 18,15
16
Joh 6,69
17
Jes 9,5-6
18
Kol 2,9
19
Neue ev. Übertragung 1Kor 1,17
20
1Kor 1,17.23
21
2Tim 4,2
22
Stadelmann, H.: Schriftgemäß
Predigen, Brockhaus Verlag, 1999, S. 18
23
Kol 3,16
24
1Kor 2,7.13
25
2Tim 2,15
26
Gal 3,1
27
http://www.evangelium21.net/ub
er-uns/bekenntnisdokumente: Nr. 7
Das Evangelium
28
Zitat von Luther in: Kürschner,
M.J.: Martin Luther als Ausleger der
Heiligen Schrift, Brunnen 2004
29
Ev. Gesangbuch, Stuttgart, 1986,
Augsburgisches Bekenntnis, Artikel 7
30
Busch, W.: Gegenstände der
Passion, Aussat Verlag 1977, S. 22
31
NeÜ: 1Kor 1,18
32
http://de.wikipedia.org/wiki/Rud
olf_Bultmann aus dem Buch:
„Neues Testament und Mythologie,
1941, 20
33
Eph 4,18
34
Ev. Gesangbuch, Stuttgart, 1986,
Apostolisches Glaubensbekenntnis
35
Calvin Institutio, Neukirchner
Verlag 2008, II,16,5 Seite 270
36
Irrlehrer
37
Sauer, E.: Der Triumph des
Gekreuzigten, R. Brockhaus
Wuppertal, 1989, S. 39
38
Heb 9,22
39
1Kor 2,2; Gal 3,1
Der große
Versöhnungstag
und die
zwei Böcke
H a n s - W e r n e r D e p p e
Im Alten Testament ndet sich eine Fülle von Vorschatten
auf Christus und sein Erlösungswerk, insbesondere in den
verschiedenen Opferzeremonien. Besonderen Gewinn
konnte ich aus einem Studium des „Großen Versöhnungstages“
aus 3. Mose 16 ziehen, und ich möchte die Bedeutung
dieser Festzeremonie kurz erklären.
n den ersten Kapiteln von 3. Mose werden verschie-
dene tägliche und regelmäßige Opfer wie z.B.
Sünd-, Brand- und Friedensopfer verordnet, aber
darüber hinaus war der jährliche Große Versöh-
nungstag in 3. Mose 16 die wichtigste Opferzeremo-
nie Israels. Noch heute ist dieser Feiertag im Juden-
tum als Jom Kippur („Tag der Lose“ nach 3Mo
16,8) das wohl bedeutendste Fest im Jahr und wird
im Herbst am 10. Tag des 7. Monats (der Monat Tischri,
vgl. 3Mo 16,29) begangen. Leider halten die Juden
weiterhin an diesem Schattenbild fest, obwohl der
Symbolismus so eindeutig in Jesus Christus erfüllt ist.
Die Deutung auf Christus ist dabei keine willkürliche
Allegorie, sondern neutestamentlich begründete Typo-
logie: Der Hebräerbrief bedient sich eindeutig der
Szenarien, die in 3. Mose 16 beschrieben werden, und
setzt sie in Bezug zu unserem Erlöser.
Was ist „Versöhnung“, was ist „Sühne“?
Am großen Versöhnungstag wurde durch verschiedene
Opfer „Sühne erwirkt“ (in 3Mo 16 z.B. Verse 6.10.16
u.a.). In unserer Sprache haben die Begrie Sühne und
Versöhnung dieselbe Wurzel und auch eine eng
verwandte Bedeutung. Deshalb könnte man dieses Fest
sowohl „Sühnungstag“ als auch „Versöhnungstag“
nennen.
„Sühne“ oder „Sühnung“ im biblischen Sinne können
wir kurz denieren als „zeremoniellen Teil der Versöh-
nung mit Gott“. Sühne ist das, was geleistet wird;
Versöhnung ist das Ergebnis: die wiederhergestellte
Beziehung und Gemeinschaft (siehe dazu den Artikel
von R.C. Sproul). In der Bibel ist die „Leistung“ der
Sühne eher zeremonieller Art, während in unserem
Sprachgebrauch mit Sühne die Wiedergutmachung oder
auch Strafe gemeint ist. Auch im biblischen Sinne
enthält Sühne indirekt den Sinn von Strafe und Wieder-
gutmachung, ursprünglich hat es im Hebräischen aber
eine andere Bedeutung, „Sühne erwirken“ ist im Hebrä-
ischen ein einziges Verb und stammt von einem Wort,
das „bedecken, verhüllen“ bedeutet. Etwas, das durch
die Sünde für Gott unannehmbar war, wurde durch
Sühne für den heiligen Gott annehmbar gemacht. In 3.
Mose 16 kommt „Sühne“ 16 Mal vor und anhand der
Einzelheiten dieser Zeremonien werden wir die Bedeu-
tung von Sühne und Jesu Sühnopfer besser verstehen.
Timotheus 29
Etwas, das durch die
Sünde für Gott
unannehmbar war,
wurde durch Sühne für
den heiligen Gott
annehmbar gemacht.
Ein großer Gott, ein großer Tag und große
Anforderungen
Nachdem Aarons Söhne Nadab und Abihu wegen ihres
Darbringens von „falschem Feuer“ gestorben waren
(3Mo 10,2; 16,1), erklärte Gott, wie der Hohepriester
sich ihm tatsächlich nahen sollte: Nicht leichtfertig und
beiläug durfte er ins Allerheiligste, sondern nur einmal
im Jahr, eben an diesem 10. Tag des 7. Monats, dem
Großen Versöhnungstag, und zwar unter einer ganz
bestimmten zeremoniellen Vorgehensweise. Waschun-
gen und Kleiderordnungen waren nötig, und insbeson-
dere musste der Hohepriester, da er ein Sünder war, für
sich selbst opfern: einen Jungstier als Sündopfer und
einen Widder als Brandopfer (3Mo 16,3-4), dazu gehör-
ten zahlreiche genaue zeremonielle Anweisungen über
das Versprengen des Blutes, Räucherwerk usw., worauf
wir jetzt nicht im Einzelnen eingehen wollen.
Das war aber nur die Vorbereitung für die eigentlichen
zentralen Opferhandlungen des Großen Versöhnungsta-
ges: die Sühnungsopfer für das Volk Israel. Dazu wurden
zwei Ziegenböcke genommen, über die das Los gewor-
fen wurde: „Ein Los für den HERRN und ein Los für
Asasel“ (16,8). Auf den rätselhaften Namen „Asasel“
gehen wir unten noch ein. Der Bock „für den HERRN“
wurde als Sündopfer geschlachtet, und dem „für Asasel“
wurden durch Handauegung die Sünden des Volkes
auferlegt und dann wurde er in die Wüste fortgeschickt
(16,5.8-10.15.20-22). „Für“ meint hier nicht „anstelle
oder zugunsten von“, auch nicht „als Symbol für“,
sondern meint einfach die Zweck- und Zielbestimmung
des Tieres: Der eine Bock war für Jahwe, der andere für
„Asasel“ in der Wüste.
Das vorher dargebrachte Opfer des Jungstiers und die
vorbereitenden Zeremonien haben mit der Sündigkeit
des menschlichen Hohenpriesters zu tun, wie auch der
Hebräerbrief erklärt (Hebr 5,3; 7,27; 9,6-10) – er
musste zunächst für sich selbst opfern, um in Gottes
Gegenwart treten und den Dienst der Versöhnung als
Repräsentant des Volkes ausüben zu können. Die
Parallele zum Erlösungswerk Jesu ist hier ein Gegensatz:
Christus ist der vollkommene Repräsentant seines
Volkes, aber war und ist sündlos und hat selbst kein
Opfer nötig (Hebr 7,26-27).
1
Die zwei Böcke
Entsprechungen zur neutestamentlichen Erlösung
nden wir bei den beiden Böcken, deren Schicksal uns
viel von dem verdeutlicht, was am Kreuz auf Golgatha
geschah. Die Symbolik dieser zwei Böcke dürfen wir
natürlich nur auf Grundlage klarer neutestamentlicher
Lehre deuten und nicht aufgrund unserer Fantasie oder
aufgrund außerbiblischer Lehrgebäude. Sonst kommen
wir womöglich zu falschen Schlüssen, wofür ich unten
noch zwei Beispiele anführe.
Woher können wir wissen, was diese beiden Böcke
bedeuten? Erstens ist aus dem NT völlig klar, dass Chris-
tus das wahre Sühnungsopfer für das Volk Gottes ist,
und damit ist sein Opfer von Golgatha exakt die
Entsprechung des Neuen Bundes zu den zwei Böcken
des Versöhnungstages des Alten Bundes. Zweitens war
der große Versöhnungstag ausdrücklich eine „ewige
Ordnung“ (3Mo 16,29.31.34). Der Alte Bund war
bekanntlich nur vorübergehend (Hebr 7,18; 8,13;
9,10), enthält aber viele „ewige“ Ordnungen; sie alle
waren in ihrer irdischen Form vorläug und haben in
ihrer Erfüllung in Christus ewigen Fortbestand. Und
drittens vergleicht das NT das Geschehen am Großen
Versöhnungstag ausdrücklich mit dem Opfer Christi.
Die „tierische“ Art der Opfer ist zwar wiederum ein
Gegensatz – „denn unmöglich kann Blut von Stieren
und Böcken Sünden wegnehmen“ (Hebr 10,4).
2
Doch
in dem, was mit den Böcken geschah, sehen wir eine
Bildersprache für Christi Heilswerk.
Der erste Bock: Sühnung als Reinigung
und Heiligung
Im Hebräerbrief ist in Anspielung auf den Versöhnungs-
tag die Rede davon, dass Christus mit Blut, seinem
eigenen Blut, in das wahre, himmlische Allerheiligste
hineingegangen ist (Hebr 6,20; 9,12.24). Dies käme uns
sehr merkwürdig vor, wenn wir es buchstäblich nehmen.
Wenn wir aber den alttestamentlichen Hintergrund
beachten, wird klar: Der Schreiber des Hebräerbriefs
sagt einfach, dass Christus das erfüllt hat, wofür das
Prozedere beim Großen Versöhnungstag ein Bild war.
Gleichzeitig erhellt er diesen alttestamentlichen Schat-
ten und zeigt uns seine Bedeutung. Zum einen ist Chris-
tus der Hohepriester, der Gott das Opfer darbringt – er
ist also der Akteur dieses ganzen Heilsgeschehens. Dazu
wäre viel zu sagen (z.B. den ganzen Hebräerbrief auszu-
legen), aber wir wollen uns hier auf die Bedeutung des
geschlachteten Bockes konzentrieren. Es war dessen
Blut, auf das es ankam.
3
Mit diesem Blut ging der Hohe-
priester zunächst in das Allerheiligste zur Bundeslade,
wo er zuvor schon allerlei Räucherwerk dargebracht
hatte, sodass der kleine Raum von Weihrauch erfüllt
war. Dort sprengte er dann das Blut des Bockes sieben-
mal auf die Deckplatte der Bundeslade, dem so genann-
ten Sühnedeckel (3Mo 16,15; vgl. V. 14, s.a. Röm 3,25).
Anschließend – auf dem Rückweg – wendete er das Blut
auch auf das Zelt an (16,15) und zuletzt draußen im
Vorhof auf den Altar, auf den er es wiederum siebenmal
sprengte und so die „Sühnung des Heiligtums und des
Zeltes der Begegnung und des Altars“ bewirkte (16,20).
Sühnung wurde also nicht nur für die Israeliten, sondern
auch für die Bestandteile der Stiftshütte geleistet.
So wie der Hohepriester in die Gegenwart und den
ronsaal Gottes ins Allerheiligste ging, so ist der Herr
Jesus „durch den Himmel“ (Hebr 4,14) gegangen und
„in den Himmel selbst, um vor dem Angesicht Gottes
für uns zu erscheinen“ (Hebr 9,24). Dieser innerste
Himmel, der Wohnort Gottes, wurde durch das
Allerheiligste der Stiftshütte repräsentiert; die äußeren
Himmel (Atmosphäre und Weltall) wurden durch den
Vorraum (das „Heilige“) symbolisiert; der Vorhof mit
dem Altar wiederum repräsentierte die Erde.
4
Durch
sein Blut reinigt der Herr also sogar den Himmel und
die Erde. So heißt es auch in Kolosser 1,20, dass er
30 Timotheus
durch sein Blut „alles mit sich versöhnt hat … sei es, was
auf der Erde oder was in den Himmeln ist“. Vern Poyth-
res schreibt dazu: „Das ganze Universum wurde durch
sein Opferblut gereinigt … erst der Himmel, dann die
Erde. Satan wurde aus dem Himmel geworfen (Ob
12,9-12). Die letztendliche Erlösung der Schöpfung
(Röm 8,20-21) wird aber erst vollendet, wenn Christus
wieder aus dem himmlischen Allerheiligsten heraus auf
die Erde zurückkommt.“
5
Dann wird die jetzige Zeit,
wo er als Hoherpriester für uns und unsere Schwachhei-
ten bei Gott eintritt (Hebr 7,25) abgelaufen sein und die
neue Schöpfung als Frucht seines Erlösungswerkes
anbrechen.
6

„Das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele in
ihm“ (3Mo 17,11). Das Blut Jesu ist keine mystische
Substanz, die womöglich noch heute in irgendwelchen
Gefäßen aufbewahrt wird, wie es manche meinen. Dass
er am Kreuz sein Blut vergossen hat, bedeutet, dass er
sein unendlich teures, sündloses „Leben ausgeschüttet
hat in den Tod“ (Jes 53,12). Dieses heilige Leben steht
in völligem Gegensatz zu unserem sündigen Leben. Die
ganze Stiftshütte wäre für Gott wert- und nutzlos
gewesen, wäre sie einfach in Kontakt mit Sündern
gewesen und ungesühnt geblieben. So ist es auch mit
dieser ganzen Schöpfung. Unsere Sünde hat alles verun-
reinigt – und darum geht es letztendlich: Nicht um
materielle Dinge dieser Schöpfung, sondern um unsere
um sich greifende und somit a) alles verunreinige und b)
Gottes Zorn verdienende Sünde. Gottes Lösung dafür
heißt Sühnung, die zur Versöhnung führt. Wir haben
alles „kaputt gemacht“, aber Jesus Christus hat am
Kreuz sowohl den Schaden behoben als auch den Zorn
des Geschädigten gestillt – indem er sich stellvertretend
mit dem Tod strafen ließ.
Durch das Blut des erstens Bockes erwirkte der Hohe-
priester „Sühnung für das Heiligtum wegen der Unrein-
heiten der Söhne Israels und wegen ihrer Vergehen nach
allen ihren Sünden“ (3Mo 16,16). Das siebenmalige
Besprengen symbolisierte vollkommene Sühnung im
Sinne von Reinigung und Heiligung: Der Hohepriester
„reinigte“ Altar und Heiligtum „und heiligte ihn von
den Unreinheiten der Söhne Israel“ (16,19). Die an
Christus glauben, sind „geheiligt durch das ein für
allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu“; er hat sie „für
immer vollkommen gemacht“ und Gott wird „ihrer
Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten nicht mehr geden-
ken“ (Hebr 10,10-17).
Der zweite Bock – Sühnung als
Wegschaung
Der zweite Bock war jener, auf den das Los „für Asasel“
gefallen war (3Mo 16,8.10). Die Bedeutung des
Namens „Asasel“ ist rätselhaft und umstritten. Jedenfalls
ist darin die Wortwurzel von „Wegschaung“ enthalten
und hat auch wohl mit der Wüste zu tun. Manche
meinen, Asasel sei ein Wüstendämon gewesen. Der
Name repräsentiert jedenfalls die Entlegenheit der
Wüste und die Wegschaung dorthin. Das englische
Wort für diesen „Sündenbock“ ist scapegoat, was
Die ganze
Stiftshütte wäre
für Gott wert-
und nutzlos
gewesen, wäre sie
einfach in Kontakt
mit Sündern
gewesen und
ungesühnt
geblieben.
Timotheus 31
wörtlich heißt Flucht-Bock (escape und goat). Der
Sündenbock ist also sowohl in unserem Sprachgebrauch
als auch im biblischen Sinne jemand, der stellvertretend
für die Schuld anderer beschuldigt und bestraft wird.
Für den Bock bedeutete dieses Schicksal in der Wüste
natürlich den sicheren Tod.
Patrick Fairbairn (1805-1874) schreibt in seinem klassi-
schen Werk über die Typologie der Schrift:
„Was aus dem Bock wurde, nachdem er in die Wüste
geschickt worden war, war unwichtig. Es genügte, dass
man ihn in ein dürres und verlassenes Gebiet schickte,
wo von ihm nichts mehr gehört und gesehen wurde. Mit
einer solchen Bestimmung war er oenbar genau solch
ein vom Gericht getroenes Opfer, wie das, dessen Blut
bereits ausgeschüttet und dargebracht worden war.“
7

Der erste Bock war „für den HERRN“ und symbolisiert
die positive, Gott wohlgefällige Seite des Opfer Christi,
sein kostbares Blut, sein teures, heiliges, vollkommen
gerechtes Leben. Doch es gab noch diesen zweiten Bock,
der nicht geschlachtet, sondern fortgeschickt wurde.
Dennoch bildeten diese beiden Zeremonien zusammen
nur ein einziges Opfer: „… zwei Ziegenböcke für das
Sündopfer“ (3Mo 16,5). Beide symbolisieren also das
eine Werk von Golgatha, das auch noch eine andere,
„negative“ Seite hat. Diese zwei Seiten konnten nicht
durch ein einziges Tieropfer dargestellt werden, sondern
benötigen zwei separate Riten. Das Opfer des Herrn
Jesus war nicht allein „ein duftender Wohlgeruch“ für
Gott (Eph 5,2), sondern er war auch der Sündenträger,
er wurde „zur Sünde gemacht“ (2Kor 5,21), als unsere
Sünden auf ihm lagen (1Petr 2,24). Der zweite Bock
steht für diesen Aspekt dessen, was am Kreuz geschah.
Er hat die Sünde weggenommen (Joh 1,29) und
unerreichbar weit fortgeschat. So wurden diesem
zweiten Bock symbolisch durch Handauegung des
Hohenpriesters „alle Schuld der Söhne Israels und alle
ihre Vergehen nach allen ihren Sünden“ auferlegt, dann
wurde er „durch einen bereitstehenden Mann in die
Wüste“ fortgeschickt (3Mo 16,21). Zuvor musste der
Hohepriester jedoch bei der Handauegung und
„Sündenauferlegung“ die Schuld und Sünde der Israeli-
ten bekennen (16,21). Das meint sicher nicht, dass jede
einzelne Sünde jedes einzelnen Israeliten genannt
wurde, dazu hätte die Zeit einfach nicht gereicht. Dieses
repräsentative Schuldbekenntnis durch den Hohepries-
ter ist aber wieder ein Gegensatz zum Neuen Testament:
Im allgemeinen Priestertum des Neuen Bundes gibt es
kein kollektives Schuldbekenntnis, sondern der einzelne
Sünder muss seine Sündigkeit vor Gott bekennen, um
wahren Glauben auszudrücken.
Zweifelhafte Deutungen
Manche behaupten, die zwei Böcke stehen für zwei
verschiedene Reichweiten des Erlösungswerkes: Der
erste Bock „für den Herrn“ bedeute, dass das Erlösungs-
werk für alle Menschen aller Zeiten gelte, der zweite
Bock „für Asasel“ sei für das Volk und stehe für die
wirksame Seite des Erlösungswerkes allein für die
32 Timotheus
Er hat die Sünde
weggenommen und
unerreichbar weit
fortgeschafft.
Gläubigen.
8
Diese Auassung stimmt m.E. nicht mit
der Schrift überein. Erstens bedeutet „für den HERRN“
nicht „für die Welt“. Zweitens war dieser erste Bock
ausdrücklich „das Sündopfer, das für das Volk ist“ (3Mo
16,15) und erwirkte Sühnung „wegen der Unreinheiten
der Söhne Israels“ (V. 16) und bezog sich nicht auf die
ganze Welt. Drittens bedeutet „für Asasel“ nicht „für das
Volk“. Viertens wurde mit dieser Deutung versucht, den
Ausdruck „Sühne für die Welt“ in 1. Johannes 2,2
anders zu deuten als die Wegnahme von Sünde. Dies
widerspricht jedoch der genau gleichbedeutenden
Aussage, dass Jesus als das Lamm Gottes „die Sünde der
Welt wegnimmt“ (Joh 1,29). Die Frage ist nur, was
„Welt“ in diesen Versen bedeutet – sicherlich nicht „alle
Menschen aller Zeiten“ (siehe dazu den Artikel von John
Owen). Und Fünftens nden wir diese Zweiteilung des
Wirkungs- und Geltungsbereichs des Sühnopfers Chris-
ti nicht in der Schrift. Vielmehr lehrt die Schrift, dass
das Sühnopfer stets gezielt und ausschließlich dem
Bundesvolk gilt, sei es in Form der Schatten bei dem
Alten Bund, oder in Christus beim Neuen Bund.
Für die schlimmste Irrlehre über den Versöhnungstag
halte ich jedoch die Lehre der Siebenten-Tags-
Adventisten. Sie sehen in dem zweiten Bock, der in die
Wüste fortgeschickt wurde, ein Bild für den Satan. Sie
lehren tatsächlich, dass letzten Endes (bei ihrer speziel-
len Vorstellung des Endgerichts) Satan die Sünden der
Menschen auferlegt werden und weisen dem Teufel
somit eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Rolle
bei der Tilgung der Sünden zu. Wie tragisch ist es aber,
einen Aspekt des Werkes Christi – die Fort- und
Abschaung der Sünde – dem Satan zuzuschreiben!
9
Zusammenfassung und Fazit
Dass Jesu Werk vom Kreuz ein „Sühnopfer“ war, ist
vielen bekannt, aber wer kann schon genau erklären, was
Sühne bedeutet? Ist Versöhnung etwas geradezu Ober-
ächliches wie ein „Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss“, wie
es in einem Lied heißt? Oder ist Sühne und Versöhnung
viel mehr und viel tiefgründiger? Nach diesem kurzen
Einblick in den Großen Versöhnungstag sollten wir
Sühnung erklären können: Es ist die zeremonielle Seite
der Versöhnung mit Gott und bedeutet sowohl eine
geschuldete Leistung, die von Sünden reinigt, erneuert
und für Gott heiligt (ausgedrückt im ersten Bock) als
auch die Sünden tilgt und fortschat (ausgedrückt im
zweiten Bock). Für unseren Herrn Jesus war es jedoch
nicht bloß eine feierliche Zeremonie, die er als Hoher-
priester durchgeführt hat. Vielmehr war er selbst das
Opfer – er hat geblutet und unsagbar gelitten. Er trug
stellvertretend die Schuld und Strafe für die Sünden des
Volkes Gottes – gezielt, wirksam und ausschließlich für
das Volk Gottes. Er ist gestorben und war „abgeschnit-
ten vom Land der Lebendigen“ (Jes 53,8) wie der Bock
in der Wüste.
So hat er die Erwählten mit Gott versöhnt und ihre
Gemeinschaft mit Gott wieder hergestellt. Im Alten
Testament hat Gott in der Stiftshütte inmitten seines
Volkes gewohnt, um seine Herrlichkeit zu oenbaren
Timotheus 33
und angebetet zu werden. Zum Versöhnungstag gehör-
ten nicht nur die hier beschriebenen Sündopfer, sondern
auch noch Widder zum Brandopfer, dem Anbetungsop-
fer. So sollen auch jetzt die durch Christus versöhnten
Gläubigen Gemeinschaft mit Gott haben, um in Chris-
tus seine Herrlichkeit zu erkennen, ihm zu dienen und
ihn aufgrund von Christi Werk anzubeten. Ja, wir fragen
uns vielleicht: Was ist der praktische Nutzen eines Studi-
ums von 3. Mose 16? Der praktische Nutzen ist, dass wir
Gott dafür anbeten. Hesekiel
sollte das ihm oenbarte himm-
lische Tempelmodell dem Volk
präsentieren, „damit sie sich
ihrer Sünden schämen“ und die
Größe und Vollkommenheit
Gottes erkennen (Hes 43,10-
11). Genau das war auch die
praktische Seite des Großen
Versöhnungstages: Die Israeliten
sollten „sich demütigen und
keinerlei Arbeit tun … ein
Sabbat völliger Ruhe“ (3Mo
16,29.31). Wenn wir über das
Kreuz nachdenken, ist es falsch,
als erstes zu überlegen, was wir
tun sollen (im Extremfall lässt
man sich dann selbst buchstäb-
lich kreuzigen wie in manchen römisch-katholischen
Traditionen). Stattdessen denken wir tief und tiefer
darüber nach und staunen immer mehr darüber, was
Christus getan hat, um uns aus der unermesslichen Tiefe
der Sünde und Gottesfeindschaft herauszuholen. Das
wird unser Tun verändern und uns zu Anbetern machen.

1
Weitere Gegensätze zwischen dem Versöhnungstag des Alten Bundes und
dem Sühnopfer Christi sind: Das Opfer vom Kreuz wurde ein für
allemal dargebracht, während im Alten Bund gerade die
ständige Wiederholung der Opferzeremonie verdeutlichte: „in jenen
Opfern ist alljährlich ein Erinnern an die Sünden“ (Hebr 10,3; vgl. 9,25;
10,1). Außerdem ist der persönliche Zugang zu Gott jetzt nicht mehr
versperrt, wie früher durch den vorderen Raum der Stiftshütte und den
nunmehr zerrissenen Vorhang ausgedrückt (Hebr 9,8; 10,20).
2
Ein weiterer Gegensatz ist, dass der persönliche Zugang zu Gott jetzt
nicht mehr versperrt ist, wie früher durch den nunmehr zerrissenen
Vorhang ausgedrückt (Hebr 10,20).
3
Nach der Opferzeremonie wurde auch sein Fett noch in Rauch aufgehen
gelassen (3Mo 16,25).
4
Dies biblisch zu begründen, würde hier den Rahmen sprengen, siehe
dazu z.B. G. Beale: „Der Tempel aller Zeiten“, Kapitel 2.
5
In „e Shadow of Christ in the Law of Moses“, S. 47.
6
Die neue, erlöste Schöpfung steht in derselben Kontinuität zur ursprüng-
lichen Schöpfung wie der Erlöste zu seiner ursprünglichen Person, Römer
8 – für beide gilt: „Siehe, ich mache alles neu“.
7
Zitiert in Hoekema: „Der siebente Tag“, S. 107.
8
So z.B. der Darbyst William Kelly in „Starb Christus für die Sünden
der ganzen Welt?“ unter
http://www.soundwords.de/artikel.asp?suchbegri=&id=605
9
Zu dieser komplexen Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten siehe
ausführlich Anthony A. Hoekema: Der siebente Tag, CLV, S. 53-57 und
105-108 (als PDF unter www.clv.de verfügbar)
Der
praktische
Nutzen ist,
dass wir Gott
dafür anbeten.
Nachlesen
Hier unsere Buchbesprechungen.
Diesmal geht es um den »größten«
Märtyrer des letzten Jahrhunderts
und die »Sicht« von Wilhelm Busch
und R.C. Sproul auf das Kreuz.
Kaum eine christliche Publikation hat in der letzten Zeit eine solche Aufmerksamkeit erfahren wie
Eric Metaxas’ Biograe über Dietrich Bonhoeer. Das Buch „Bonhoeer – Pastor, Agent, Märtyrer und
Prophet“ des New Yorker Autoren Metaxas war und ist besonders in den USA erfolgreich und landete prompt
auf der New York Times Bestsellerliste. Nicht nur die breite amerikanische Masse entdeckte das Buch für sich.
Sogar viele evangelikale (und reformatorische) Wortführer können sich für diese Biograe und die eologie
und Person Bonhoeers begeistern. Albert Mohler empehlt das Buch besonders für Pastoren. Bekannte
Blogger und Autoren wie Tim Challies und Colin Hansen besprachen das Buch äußerst positiv. Die erste Aua-
ge der deutschen Ausgabe (herausgegeben vom evangelikalen Verlag SCM Hänssler) war schnell vergrien und
zur Präsentation der deutschen Übersetzung kam kein Geringerer als der CDU-Politiker Volker Kauder. Die
breite Akzeptanz des Buches sowohl auf dem säkularen Markt als auch bei konservativ-evangelikalen Medien
lässt aufhorchen und veranlasst, das Buch genauer unter die Lupe zu nehmen.

Zunächst muss erwähnt werden, dass Bonhoeer zu jenen Personen der Kirchengeschichte gehört,
auf die sich (fast) jeder einigen kann. Nicht nur Katholiken, Evangelische und Evangelikale, sondern auch jene,
die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben, bringen dem „Märtyrer Bonhoeer“ Hochachtung
entgegen. Auch meine Wenigkeit ist von der ohne Zweifel eindrucksvollen Person Dietrich Bonhoeer
fasziniert. Wie kann man auch keine Sympathien für einen jungen Mann pegen, der für seine Überzeugungen
in einer äußerst schwierigen Zeit eintrat und für sie starb? Doch trotz allem sollte ein kritischer und dieren-
zierter Blick auf Bonhoeer und speziell auf die Biograe Metaxas’ erlaubt sein.

Diese Biograe ist eines jener Bücher, die sich sehr leicht lesen lassen. In diesem Zusammenhang ist
es äußerst erstaunlich, denn Metaxas hat nicht nur den breiten historischen Kontext und damit viele Fakten
von Bonhoeers Leben berücksichtigt, sondern hat auch ein sehr intimes und genaues Bild von Dietrich
Bonhoeer gezeichnet. Gerade der historische Kontext war hier äußerst wichtig, denn ohne ihn kann man
Bonhoeers Leben und Werk nur bruchstückhaft verstehen. Sowohl breite Zusammenhänge zum zweiten
Weltkrieg als auch intime Briefe zwischen Dietrich und seiner späteren Verlobten Maria wurden hier geschickt
verbunden und lassen einen ganz nah bei Pastor Bonhoeer sein. Dieses Buch eignet sich wohl äußerst gut, um
sich einen Überblick von Bonhoeers Leben zu verschaen. Insofern kann ich mich Tim Challies anschließen,
wenn er schreibt (2010): „ ... es ist wahrscheinlich die beste Biograe, die du dieses Jahr lesen wirst.“
Doch nun kommt das große „Aber“. Eric Metaxas präsentiert und interpretiert Bonhoeer als einen evangeli-
kalen Christen ganz im Sinne des Neuen Testaments. Dass das bei christlichen Amerikanern besonders gut
ankommt, steht außer Frage. Bei vielen Bonhoeer-Experten hat es eher ein Stirnrunzeln hervorgerufen. Auch
Tim Challies korrigierte später seine euphorische Rezension und sprach vom „entführten Bonhoeer“. Tatsäch-
lich fällt auf, dass Metaxas’ Überzeugungen von Bonhoeer regelrecht konstruiert und frei interpretiert sind.
Dabei zitiert er oftmals aus dem Werk Bonhoeers und fügt dann eine Art „evangelikalenfreundliche
BONHOEFFER – PASTOR, AGENT,
MÄRTYRER UND PROPHET
Eric etaxas
Biografie
Auslegung“ an. Metaxas spricht davon, dass sich
Bonhoeer bekehrt habe und ab einem bestimmten
Zeitpunkt dem Glauben mehr zugetan gewesen sei als
vorher. In Interviews beteuert Eric Metaxas, dass
Bonhoeer ein „wiedergeborener Christ“ war. Ein
eindeutiges Zeugnis dafür fehlt allerdings. Nicht nur die
zweifelhafte Interpretation Metaxas’, sondern auch die
eologie Bonhoeers mutet zum Teil recht seltsam an:
„Solange Christus und die Welt als zwei aneinandersto-
ßende, und einander abstoßende Räume gedacht
werden, bleiben dem Menschen nur folgende Möglich-
keiten: unter dem Verzicht auf das Wirklichkeitsganze
stellt er sich in einen der beiden Räume, er will Christus
ohne die Welt oder die Welt ohne Christus. In beiden
Fällen betrügt er sich selbst ...“ (S. 585).
Auch andere Dinge, wie Bonhoeers großer
Wunsch bei Mahatma Gandhi in die Schule zu gehen,
um die Anwendung der Bergpredigt zu lernen, lässt
aufhorchen. Viele zweifelhafte (Lehr)Aussagen Bonhoef-
fers wurden zudem nicht berücksichtigt, die ihn
vielleicht weniger evangelikal erscheinen lassen würden.
So nden wir nichts von seinen Vorlieben für den Bibel-
kritiker Rudolf Bultmann („Entmythologisierung der
Bibel“), seine Zweifel an der jungfräulichen Empfängnis
Marias oder Aussagen, man solle so leben als gäbe es
keinen Gott. Auch die Aussage Bonhoeers gegen Ende
seines Lebens, er trage das Erbe der liberalen eologie
in sich, bleibt unerwähnt (Richard Weikert, California
State University). Zudem muss die Frage erlaubt sein,
inwiefern es gerechtfertigt ist, als Christusnachfolger
einen Mordkomplott gegen einen Menschen (sei es auch
einer der größten Verbrecher der Menschheitsgeschich-
te) zu planen und auszuführen. Trotz meiner Hochach-
tung für den Mut der Widerstandsbewegung, habe ich
meine Zweifel an einer biblischen Rechtfertigung des
Ganzen.
Sicher, ich bin kein ausgewiesener
Bonhoeer-Experte und wage daher auch keine
abschließende Wertung und Analyse des Werkes
Bonhoeers. Doch bereits dem unbefangenen Leser
dieser Biograe werden einige „Konstruktionen“ Meta-
xas nicht „koscher“ vorkommen. Das Buch muss
dierenziert betrachtet werden und auf einer gewissen
Ebene ist dieses Werk äußerst positiv zu bewerten. Es
bleibt jedoch die Erkenntnis, dass Bonhoeer weit
weniger fromm, orthodox und „evangelikal“ war, wie
Eric Metaxas uns glauben machen will. Ich schließe
mich dem christlichen Pressespiegel „Zeltmacher“ an,
der schrieb: „Unser Eindruck ist zwiegespalten.
Bonhoeer war nachweislich schwankend in seinen
Aussagen und sicher von der liberalen eologie beein-
usst. Für ihn spricht jedoch, dass er sich in Wort und
Tat stets gegen das Unrecht gestellt hat ... Gerade die
praktische Ausrichtung seiner eologie im Feuerofen
selbst erlittener Verfolgung machen seine Werke auch
heute noch interessant und lesenswert.“
· Pctcr îoth
Das Buch ist im Hänssler Verlag
erschienen und kostet EUR 29,95.
Hinter dem QR-Code links, kann in einem Trailer mehr
über das Buch erfahren werden:
youtube.com/watch?v=3HL7ojezA3A
Es geht am Kreuz
um unsere Not
Wilhelm usch
Predigten
Bei dem Buch „Es geht am Kreuz um unsere Not“ von Pfarrer
Wilhelm Busch handelt es sich streng genommen nicht um ein Buch, das
ursprünglich als solches gedacht war. Es handelt sich im Grunde um eine
Sammlung von Predigten, die von Wilhelm Busch 1944, also kurz vor Ende
des zweiten Weltkrieges, in Essen gehalten und von eißigen Schreiberinnen
aufgezeichnet wurden. Zu dieser Zeit gab es viel Not, viele deutsche Städte
waren im Verlauf des Krieges zerbombt worden. Diese Predigten wurden im
fast vollständig zerstörten Zentrum Essens gehalten und obschon die Trümmer
und all das Leid immer wieder Erwähnung nden, drehen sich jene Predigten
doch nicht um all den Schrecken.
Wilhelm Busch kommt immer wieder auf die Person Jesu zu
sprechen, betrachtet sie aus allen möglichen Winkeln und legt Mal für Mal dar,
wieso wir als Gläubige in Ihm eine lebendige Honung haben. Gerade
angesichts der Schwachheit des Menschen, der Schwachheit des Christen, die
besonders unter diesen bedrückenden Umständen so deutlich zum Vorschein
kam, richtet Busch den Blick nicht auf den Christen, richtet den Blick nicht
auf die Umstände, auf die Not, sondern lenkt stattdessen den Blick immer
wieder in Richtung des Herrn Jesus. Ich glaube, als Gläubige können wir
nichts Besseres tun. Unser Glaube nährt sich nicht davon, dass wir uns selbst
betrachten. Unser Glaube nährt sich auch nicht davon, dass wir andere Chris-
ten betrachten, die uns vorbildhaft erscheinen. Unser Glaube nährt sich
letztlich von dem, auf den unser Glaube gerichtet ist.
Jesus sagt letztlich ja nicht umsonst: „Ich bin die Auferstehung und
das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“.
Busch beschreibt hier sehr ehrlich seine eigenen Nöte. Er beschreibt
die Nöte anderer Menschen. Er beschreibt auch die große Not aller Menschen,
nämlich, dass sie – abseits von Jesus – tot in Übertretungen und Sünden sind
– und stellt damit Jesus und die Vergebung der Sünden, die in Ihm zu nden
ist, umso heller und klarer dar. Man braucht kein Christ sein, um dieses Buch
zu lesen, aber besonders als Christ wird man von diesem Buch protieren, auch
gerade, wenn man gern Predigten von Wilhelm Busch hört und liest, die sich
um das Kreuz Jesu und die Erlösung drehen. Und so ist es fast schon schade,
dass das kleine, dünne Buch nach 150 Seiten schon durch ist. Denn an sich
kann man vom Evangelium und von Jesus nicht oft genug lesen und hören.
Zur Not kann man es natürlich auch gleich noch ein zweites Mal durchlesen.
Schaden tut’s nicht.
Das Buch „Es geht am Kreuz um unsere Not“ von Pfarrer Wilhelm Busch ist
Teil der 13-teiligen Wilhelm-Busch-Bibliothek, kann aber auch als Einzelband
erworben werden.
· Simon ,rnold
Das Buch ist bei CLV
erschienen und kostet EUR 4,90.
Es kann unter anderem auf
cbuch.de bestellt werden.
Was am
Kreuz Geschah
R.C. proul
Biblische Lehre
Das Kreuz ist das Symbol der Christenheit. Es schmückt Kirchen, es
hängt an Ketten und steht auf Berggipfeln. Dabei ist das Kreuz viel mehr als
Kitsch oder bloßes Symbol. Es ist das Zentrum unseres Glaubens, ja sogar das
Zentrum der ganzen Schöpfung. Der Frage „Was am Kreuz geschah“ geht
Sproul in seinem Buch nach.
Er behandelt zentrale emen rund um das wichtigste Ereignis der
Christen: Warum musste Jesus sterben? Sproul geht dabei keinen Fragen aus
dem Weg, sondern zeigt, dass GOTT nicht einfach über unsere Sünden
hinweggehen kann und dass der stellvertretende Sühnetod Jesu unausweichlich
war.
Das ganze schildert Sproul auf nicht einmal 200 Seiten und noch
recht großzügig gesetzt. Es handelt sich also mehr um ein Büchlein als um eine
theologische Ausarbeitung, was manchen vielleicht etwas unbefriedigt das
Buch wieder zuklappen lässt. Sein größtes Manko ist aber die dogmatische und
systematische Vorgehensweise, die wenig Raum zum selber denken gibt und
nicht gerade in die Tiefen einzelner Bibelstellen führt. Das mag auch nicht der
Anspruch des Buches sein.
Im Großen und Ganzen handelt es sich aber um ein wertvolles Buch,
das auf kurze und prägnante Weise das Kreuzesgeschehen wieder ins Zentrum
rückt. Es ist kurzweilig geschrieben und damit sehr gut an einem einzigen
regnerischen Sonntagnachmittag zu lesen. Ganz nebenbei bringt Sproul dem
Leser auf unvergleichliche Art die reformierten Glaubensgrundsätze nahe –
ohne dabei aufdringlich zu wirken.
Wer also einen kleinen Grundkurs in reformatorischer eologie
sucht, ist hier genau richtig. Aufgrund seiner lebendigen Erzählweise, seiner
Verständlichkeit und ansprechenden Aufmachung ist es auch für Nichtchristen
attraktiv. Das Buch ist jedem nahezulegen, der in kurzer und prägnanter Weise
das Geschehen am Kreuz auf Golgatha verstehen möchte.
· Karl _cidcl
Das Buch ist im WORT Verlag
erschienen und kostet nur noch EUR 5,90
Es kann unter anderem auf
cbuch.de bestellt werden.
Termine
Hier ein paar beachtenswerte
Veranstaltungen und Termine
in der nächsten Zeit.
» Fahrrad Freizeit 2012
Wann? » 29.07. – 04.08.2012
Was? » Wir wollen mit dem Fahrrad an Weser und
Werra entlang nach Eisenach zur Wartburg fahren,
Gemeinschaft haben und auf der Tour natürlich auch
auf das Wort Gottes hören.
Kosten? » 135,- €. Wir bieten auch in dieser Freizeit
einen Geschwisterrabatt von 15,- € für das erste und
20,- € für jedes weitere Geschwisterkind an.
Mehr Infos & Kontakt? » Pastor Ludwig Rühle »
ludwigruehle@beg-os.de
» Verax Konferenz 2012 (Schweiz)
Wann? » 27.04. – 28.04.2012
Wo? » FEG Aesch in Aesch bei Basel
Thema? » Wie wird der Mensch gerettet? Biblische
Wahrheit oder neue eologie.
Referenten » Pfarrer Reinhard Moeller, Pfarrer Kurt
Vetterli, Dirk Noll, Dr. Martin Erdmann
Mehr Infos » beate.gsell@bluewin.ch
» Verax Konferenz 2012 (Deutschland)
Wann? » 04.05. – 05.05.2012
Wo? » EFK Unna-Koenigsborn; Unna bei Dortmund
Thema? » Wie wird der Mensch gerettet? Biblische
Wahrheit oder neue eologie.
Referenten » Hans-Werner Deppe, Dirk Noll, Peter
Neudorf, Dr. Robert Strivens, Dr. Martin Erdmann
Mehr Infos » beate.gsell@bluewin.ch
» Evangelium21 Konferenz 2012
Wann? » 13.05. – 15.05.2012
Wo? » Gemeinde & Missionswerk Arche Hamburg
Thema? » Gott redet – Das Wort des Herrn bleibt in
Ewigkeit – 1. Petrus 1,25
Referenten » John Piper, Donald A. Carson, Christi-
an Wegert, Kai Soltau & Matthias Lohmann
Mehr Infos » www.evangelium21.net
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DAS KREUZ I NR. 06 I 01/2012 I EUR 2,90
Herausgeber I Die Redaktion, Betanien Verlag
Redaktion I Waldemar Dirksen, Viktor Sudermann, Andreas Kuhlmann,
Peter Voth
Creative Director I Peter Voth » www.be.net/petervoth
Redaktionelle Mitarbeit I Hans-Werner Deppe, Hans-Jürgen Holzmann
Lektorat I R. Reichert
Abo-Betreuung I Michael Töws » mtoews@betanien.de
Shop I www.cbuch.de/timotheus
Web I www.timotheusmagazin.de
Kontakt I E-Mail » timotheusmag@yahoo.de
Vertrieb & Verlag I Betanien Verlag » www.betanien.de
Erscheinungsweise I Alle drei Monate (01.01; 01.04; 01.07; 01.10) seit dem 01.10.2010 als freier PDF-Download.
Als Printausgabe seit dem 01.01.2011 über den Betanien Verlag für € 2,90 pro Ausgabe (zzgl. Versandkosten)
Bildnachweis I S. 1,8,16,24 © Illustration by Peter Voth (www.be.net/petervoth) © Type by www.losttype.com;
S. 4 © by http://www.awesomestories.com/images/user/04cf24bebf.jpg; S. 12 © by
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Jahresabo Deutschland
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Deutschland I Magazin Din
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4 Ausgaben Lieferung
europaweit I Magazin Din A4,
erscheint quartalsweise, je
ca. 36 Seiten I Einzelpreis
2,90 Euro I Jahresabo 21,50
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#2 Glaube
01/2011 » Winter
Art.Nr.: 177502
28 Seiten » € 2,90
#3 Sünde
02/2011 » Frühling
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#4 Frieden
03/2011 » Sommer
Art.Nr.: 177504
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#5 Gottesfurcht
04/2011 » Herbst
Art.Nr.: 177505
36 Seiten » € 2,90
Neuheiten
Ausgewählte Neuheiten
aus dem Betanien-Onlineshop
cbuch.de
Moody Adams
Der letzte Held der Titanic
Als im April 1912 die Titanic ihre Jungfernfahrt nach New York bestritt, reiste mit ihr
auch ein Prediger, der unterwegs zur Moody Church in Chicago war. John Harper sollte
dort eine Zeitlang predigen und womöglich der neue Pastor werden. Doch dann
geschah die Katastrophe. Harper half bis zuletzt, die Passagiere nicht allein vor dem
leiblichen Tod zu retten, sondern zeigte ihnen die Rettung für ihre Seele.
Dieses Buch schildert das Leben und Wirken von John Harper und das dramatische
Geschehen auf dem Ozeanriesen. Dabei beschreibt es auch bewegende Schicksale
einzelner Passagiere. Mitarbeiter von John Harper und Leute, die durch ihn zum
Glauben kamen, bestätigen seinen Dienst.
Der abschließende Teil rollt die Tragödie noch einmal als die Illustration auf, die auch
der Regisseur James Cameron nannte: „Wir fahren alle auf der Titanic.“ Ihr Untergang
ist nicht nur eine der bekanntesten Katastrophen der Welt, sondern auch ein Spiegel-
bild für den Stolz und das Versagen des Menschen und ein Ruf zur Umkehr.
Nr. 175999, Paperback, 126 Seiten, Betanien » EUR 6,90
John MacArthur
Biblische Seelsorge
Dieses Buch wurde geschrieben, um systematisch darzustellen, was die Bibel über das
Verhältnis zwischen Menschen, ihren Problemen und dem lebendigen Gott lehrt.
Biblische Seelsorge beruht auf der Überzeugung, dass 1. Gottes Wort der Maßstab für
unsere Seelsorge sein muss, 2. Seelsorge ein grundlegender Bestandteil der Jünger-
schaftsschulung der örtlichen Gemeinde ist und 3. Gottes Volk unterwiesen werden
kann und muss, effektiv Seelsorge auszuüben.
„Biblische Seelsorge“ wurde für alle im Volk Gottes geschrieben: Pastoren, Älteste und
ehrenamtliche Mitarbeiter. Wir denken, dass dieses Buch das Potenzial zu einem
Lehrbuch für biblische Seelsorge oder für Pastoraltheologie an weiterführenden christ-
lichen Schulen und auf akademischem Niveau hat. Altgediente Pastoren mit guter
Ausbildung und Erfahrung wie auch Pastoren ohne akademische Ausbildung, oder nur
wenig praktischer Erfahrung, können gleichermaßen von diesem Buch profitieren.
Nr. 175998, Hardcover, 440 Seiten, Betanien » EUR 24,95
John MacArthur
Die Liebe Gottes
Die Liebe Gottes ist keine fromme Floskel, sondern eine tiefgründige biblische Lehre.
Sie ist nicht so kinderleicht zu verstehen, wie man landläufig meint, sondern wirft viele
schwierige Fragen auf:
Warum ließ Gott den Sündenfall zu? Warum lässt er so viel Leid zu? Warum rettet er
nicht einfach alle Menschen? Liebt er alle gleich, oder liebt er die Erwählten, die Gläubi-
gen, besonders?
John MacArthur zeigt, dass die einstige Darstellung Gottes als grimmiger Tyrann
ebenso falsch war wie seine heutige Präsentation als gutmütiger Großvater, und wider-
legt beide extremen Sichtweisen.
Nr. 175959, Paperback, 252 Seiten, Betanien » EUR 11,50 » EUR 5,90
Ausgewählte Neuheiten aus dem Betanien-Onlineshop
Tel. 05237-899090 eMail. info@betanien.de web. www.cbuch.de
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John Bunyan (Autobiografie)
Überreiche Gnade
John Bunyan (1628-1688) wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. In seiner Jugend
führte er ein gottloses Leben. Erst nach und nach erkannte Bunyan die Gnade Gottes,
wie sie im Evangelium offenbart wird.
Mit 25 Jahren schloss er sich der Baptistengemeinde in Bedford an und wurde schließ-
lich Prediger, dessen Ruf bald in die umliegenden Ortschaften drang, sodass die
Menschen zu Hunderten herbeiströmten. Im Jahr 1660 wurde er verhaftet, weil er sich
nicht der anglikanischen Staatskirche unterstellte.
Nach 12 Jahren Haftstrafe im Gefängnis wurde er schließlich entlassen. Doch weil er
ein Predigtverbot missachtete, wurde er nach bereits drei Jahren erneut verhaftet.
Während seiner langen Gefängniszeit schrieb Bunyan viele Bücher, u.a. das Buch "Die
Pilgerreise", das zu einem der bedeutendsten Bücher der Weltliteratur zählt.
Dieses Buch ist auch als Hardcover erhältlich (€ 10,20).
Nr. 660900, Paperback, 152 Seiten, Betanien » EUR 4,99
Auch als
Hardcover
erhältlich
Martin Erdmann
Der Griff zur Macht
Dominionismus - der evangelikale Weg zu globalem Einfluss
Die Evangelikalen suchen und gewinnen immer mehr Anerkennung und Einfluss in
Gesellschaft und Politik. Doch zu welchem Preis? Entspricht dieser Weg dem biblischen
Evangelium oder ist er ein Irrweg? Es ist Zeit, dass die Christen die wahren Beweggrün-
de von „besucherfreundlichen Gottesdiensten“, „Emerging Church“, Rick Warrens
Bestrebungen und der „Transformation“ von Gemeinden und Gesellschaft erfahren.
Dr. Martin Erdmann ist ein profunder Kenner der Zusammenhänge auf christlicher,
politischer und wirtschaftlicher Ebene und verdeutlicht hier eine brisante und eklatante
Notlage.
Nr. 175997, Paperback, 287 Seiten, Betanien » EUR 13,90
John MacArthur
Sklave Christi
Vor vielen Jahrhunderten bauten Bibelübersetzer einen Fehler in das Neue Testament
ein, der seitdem immer wieder vertuscht wurde: Das griechische Wort für „Sklave“
wurde lediglich mit „Diener“ oder „Knecht“ übersetzt. Die fatale Folge: Dieses falsche
Verständnis beeinträchtigt die Beziehung des Gläubigen zu Gott.
In diesem brisanten und aufrüttelnden Buch deckt John MacArthur diese Unterschla-
gung auf und zeigt die Reichtümer des Heils auf eine Weise, wie der Leser sie womög-
lich noch nie gesehen hat. Was bedeutet Christsein, wie Jesus es definiert hat? Dieses
Buch macht klar, dass die Antwort mit einem einzigen Begriff zusammengefasst
werden kann: Sklave.
Nr. 175996, Paperback, 217 Seiten, Betanien » EUR 12,90
timotheusmagazin.de
Das Kreuz // Nr. 06 // 01/2012 // € 2,90