Campus Essen

Fachbereich Bildungswissenschaften Professur für Klinische Psychologie Dr. Ulrich Kobbé

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Zur Klinik des homo delinquens: Das temporale Subjekt
Vorarbeit zum forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt ›Subjekt im Nessoshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹ 2005-2007

Zeitlichkeit des Subjekts
Will man die Situation des forensischen Subjekts psychologisch (er)fassen, so müssen sowohl die gravierenden Störungen der psychisch kranken / gestörten Rechtsbrecher (§ 63 StGB) als auch der Freiheitsentzug des Straf- wie des Maßregelvollzugs als Erleben – als Imagination – des Verlusts von Zukunft erlebt werden. Als Ausfall jedweder Zukunft betrifft diese – unbewusste – Phantasie sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart des Subjekts mit traumatisierenden Auswirkungen, in der ein unbewusstes Agieren der subjektiven Krise als signifikante Wendung im Leben zu beobachten ist: Angesichts anders strukturierter Bedingungen sozialer Wahrnehmung und Kognition, sozialen Urteilens und Handelns ändert sich auch der Umgang mit der Zeitlichkeit des Lebens und mit regressiv-progressiven Lebensbezügen. Zugleich besteht aufgrund der psychiatrisch-psychologischen Institutionsmatrix die Gefahr, »eine einseitige Reduktion des Sozialen auf das Psychologische« (Caruso 1972, 60) vorzunehmen, um diese in Anpassungs- und Defizitkonzepte des Subjektverständnisses und die entsprechend delikt-, symptom- und/oder copingspezifischen Interventionsmaßnahmen münden zu lassen. Insofern muss versucht werden, eine Psychologie herauszuarbeiten, die die Zeitlichkeit des Subjekts berücksichtigt und seine dynamische Zukunft im Sinne einer

Utopie des Noch-Nicht zu entwickeln gestattet. Hierfür bedarf es – um zu einem psychologischen Verständnis dieser Entwicklungsprozesse zu gelangen – zunächst einer Weiterführung der theoretischen Ausarbeitung des unbewussten Subjekts, denn:
»Das Unbewusste des Menschen erzeugt den phantastischen Wunsch, es ist die Quelle der Utopie« (Caruso 1972, 145).

Für diesen Zugang zum Subjekt bleibt unter den Gesichtspunkten der Zeitlichkeit und der Subjektivität zu berücksichtigen, dass beide Aspekte immer in soziale, sprich, intersubjektive Verhältnisse eingebettet ist, dass nämlich die narzisstische Subjektivität der sich behauptenden, bestätigenden Selbstwahrnehmung ein »verzeitlichter Bezug von sich auf den anderen« ist (Lacan 1945, 211). Das heißt, es geht um eine »Reziprozitätsrelation«, die das innere Selbsterleben zeitlich strukturiert:
»Dieser Bezug des ›ich‹ auf andere als solche muss in jedem kritischen Moment verzeitlicht werden, um dialektisch den Moment, die Zeit zum Begreifen zu schließen, darauf zu reduzieren, nur so lange zu dauern wie der Augen-Blick« (Lacan 1945, 211-212).

Dem entsprechend muss der im Freiheitsentzug zwangsläufig erlebte Verlust einer Zukunft zu einer Krise führen und vor dem Hintergrund einer veränderten Temporalität des Selbsterlebens Konsequenzen für die Wahrnehmung der Gegenwart und die Auseinandersetzung mit sich

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selbst – für die Ein-ander-Setzung des Selbst – haben, »denn der eine anerkennt sich nur im anderen und entdeckt das ihm eigene Attribut nur in der Äquivalenz der ihnen eigenen Zeit« (Lacan 1945, 208). Da zeitliche Prozesse in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft nicht abgelöst voneinander erlebt werden können, wird das therapeutisch induzierte Erinnern zu einer Strukturierung der bis dahin meist unverarbeiteten Vergangenheit, dem der Ausfall der Zeitperspektive mitsamt der vollzugsbedingten Einschränkung alltäglicher Selbst-Erfahrbarkeit von Gegenwart einschließlich Desintegrationsphänomenen der zeitlichen Struktur gegenüber steht. Der imaginierte Verlust von Zukunft zerstört sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart, denn das Andrängen der Vergangenheit und gleichzeitige Verdrängen einer als einerseits aufgeschoben, andererseits ›unendlich‹ antizipierten Zukunft (Althusser 1993) impliziert eine ›Skandierung‹, einen von aktuellen Sinninhalten abgelösten Zeittakt des subjektiven (Er-)Lebens, die auch die Erfahrungspotentiale der Gegenwart strukturiert. Mit dieser Skizze wird erkennbar, wie sehr die Beziehung zur Zeitlichkeit eine ontogenetische Dimension des Subjekts ist, deren subjektive Logik einem ›identifikatorischen Vorauseilen‹, einer quasi vorweggenommenen Identifikation mit dem Objekt [klein] " entspringt, sodass diese Dynamik von Lacan als »a-temps«1 = ›Zeit-des-anderen‹ geschrieben und im homophonen »attends!« auf den Aspekt des Wartens auf die Zukunft wie der Zukunftserwartung angespielt wird. Die reziproke Relation zum anderen, die Spiegelfunktion der Beziehung mit ihm, impliziert nicht nur das Wahrnehmen des eigenen Selbstbildes: Es geht um die Imagination eines idealisierten Bildes von sich selbst • i(m) •, um eine selbst-idolisierende Antizipation, die Vollkommenheit wie Unsterblichkeit suggeriert und jeden Seinsmangel (»manque-à-être«) verleugnet. Was sich in der Geschichte des konkreten Subjekts verwirklicht, »ist nicht die bestimmte Vergangenheit dessen, was war, weil es nicht mehr ist, noch ist es die abgeschlossene Vergangenheit (zweite Vergangenheit, perfektum), dessen, das in dem, was ich bin, gewesen ist,

sondern die vollendete Zukunft (zweite Zukunft, futurum exactum) dessen, was ich für das gewesen sein werde, das zu werden ich im Begriff stehe« (Lacan 1953, 181). Um das Paradoxon einer immer schon ›da‹ seienden Vor-Zukunft, aber eben noch nicht realisierten Existenz anders zu formulieren: Für den Einzelnen geht es darum, sich aktuell zu vergegenwärtigen, in Zukunft der zu werden, den die Vergangenheit aus ihm gemacht hat (Kobbé 2003, 94-97; 2004a, 71-73), nämlich aktuell bewusst zu erinnern und sich auseinander zu setzen, um der werden zu können, den die eigene Lebensgeschichte unbewusst aus ihm gemacht hat. Enthalten ist diese existenzbestimmende Zeitform bereits in der ontologischen Problematik des Seinsmangels, der wörtlich als ›zu wesender Mangel‹, als ein in der Unterwerfung unter die symbolische Ordnung – nachträglich und rückwirkend – induzierter Mangel, zu übersetzen wäre. Mit diesem Modell lässt die zeitliche Struktur des Subjekts entlang der psychoanalytischen Paradigmas bei Freud weiterentwickeln. Im Gegensatz zu abgeschlossen-statischen Zuständen einer Geschichtlichkeit des Subjekts, wie sie beispielsweise in statischen Prognosekriterien Anwendung finden, konzipiert dieses Modell einer dialektisch-prozesshaften Identität des sich rückbezüglich Erlebens und sich erinnernden Denkens. Doch erweist sich dieser nie abgeschlossene Bezug zur Vergangenheit als in praxi auf die Zukunft gerichtet (Gondek 1996, 226-227), sodass es für das Subjekt weniger um das Woher der Abkunft geht, als mehr um das Wohin der Zukunft. Anstelle einer auf der abgeschlossenen Vergangenheit basierenden Zeitlichkeit des bewussten Subjekts entwickelt Lacan (1965, 220) das Konzept einer subjektlogischen Zeit, die als intersubjektive Zeitlichkeit »das menschliche Handeln strukturiert«, den fließenden Zeitbegriff durch eine andersartige, »gespaltene und gespannte« Zeit ersetzt, die der beweglichen Struktur des Unbewussten adäquater ist (Weber 1978, 13) und eine intrapsychische Struktur als relativ festen systemischen Zustand konzipiert. Damit setzt diese Zeitstruktur des Subjekts »an die Stelle der abgeschlossenen Vollendung des Immer-schon-gewesen-Seins die unabschließbare Vollendung des Immer-schon-gewesen-Sein-wird, das

1 Bénabou et al. (2001, 22) transkribieren den Neologismus als »(a)temps«.

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durch kein Denken je ganz er-innert werden kann« (Weber 1978, 12).

Kasuistik: Genets Spiegel-Metapher im ›déja vu‹ des Herrn A.
In derselben Logik formuliert Jean Genet eine dialektische Spiegel-Metapher: ›Ich habe beschlossen, das zu sein, was das Verbrechen aus mir gemacht hat‹ (Raddatz 1980, 83). An dieser paradoxen Thematik arbeitet sich Herr A. an immer neuen, verfremdeten Selbstbildern ab und entwickelt hierbei kreative Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung, der Selbstbefragung und Selbstakzeptanz, um ein solcher zu werden wie ... Die Selbstbilder sind Isomorphien zur Projektion im Spiegel, in der sich das Subjekt, um sich wiederzufinden, entfremdet, zum verführerischen und tödlichen Spiegelbild, in dem sich das Subjekt sieht, um zu sterben (Baudrillard 1990, 121).
»Statt von Identifikation könnte man genauer von der Erzeugung einer Vibration, eines oszillierenden Imperativs sprechen: Identifiziere dich / identifiziere dich nicht!« (Collins 1988, 194-195).

imaginäre Achse " – "' angesiedelt ist, sondern diese durchquerend auch die Achse A – $ konstituiert, ist es (Es) immer auch »ganze Sprache« (Lévinas 1957, 199), Sprechen des [großen] Anderen • A •.

Abb. 1: Herr A. – ohne Titel –

Am zeitlosen Ort ›hinter‹ dem Spiegel, sprich, im Realen ›jenseits‹ des Imaginären tritt er in Selbstbildnissen dem Tod als radikalem Nein wie im ›déjà-vu‹ gegenüber und nimmt – analog Genet einem »Kronzeugen dieser festen, gegliederten, furchtbaren Wahrheit der Delinquenz« gleich (Schneider 1988, 177) – seinen gewalttätigen, destruktiven, anarchischen Selbstentwurf, sein Phantasma selbstidentifikatorisch an, denn dieses Unvermögen, sich einzuordnen, diese Weigerung, sich zu unterwerfen, sich in das Ideal – »arché« – des Sozialen integrieren zu lassen, bedingt eine Präsenz seiner selbst, eine Immanenz des Selbst, dessen Nähe »auf anarchische Weise die Beziehung zu einer Singularität ohne Vermittlung irgendeines Prinzips oder irgendeiner Idealität« konstituiert (Lévinas 1968, 297-298). Zugleich aber eröffnet diese Konfrontation eine ethische Dimension, indem das im Antlitz des [kleinen] anderen • " • Ausgedrückte sich der Identifikation »verweigert«, das heißt, gerade nicht im »déjàconnu« des »déjà-vu« aufgeht: Indem das Erscheinen des Antlitzes nicht nur auf der

Die metamorphotischen Selbstbespiegelungen ermöglichen, imaginäre Anteile grenzüberschreitend in die reale Welt zu integrieren, subjektive Empfindung zu objektivieren und damit – insofern sie Gesicht und sichtbar ist – greifbar wie angreifbar zu machen. So ist das Medium der Verwirklichung zugleich Medium der Vermittlung wie der Auseinandersetzung, ist der Betrachter mithin Partner und Gegner zugleich. Indem Herr A. zu diesen Selbstportraits – und zugleich zu sich als anderem – in Beziehung tritt, entsteht die Vexierdynamik eines Schemas des Selben, das sich den Anderen einverleibt (Lévinas 1957, 202). Denn: Herr A. begegnet er in diesem Gesicht nicht nur einem anderen schlechthin, sondern dem Anderen als solchem.

Antizipierte Nachträglichkeit
Dies bedeutet keineswegs, dass Gegenwart und Zukunft des Subjekts deterministisch im Erinnern der Vergangenheit vorweggenommen wurde. Vielmehr handelt es sich um ein unbewusstes Angebot – und Erinnerungsgebot – des Subjekts an sich selbst, das den Charakter einer ›antizipierten Nachträglichkeit‹ in sich birgt und den Charakter einer ›Konjektur‹, einer – mutmaßlich besseren – Korrektur des bisherigen, unabgeschlossenen Lebensentwurfs, annimmt. Dies »nicht, weil es im-

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mer noch eine Zukunft geben wird, die vom Subjekt nie ganz einzuholen sei, sondern weil jeder Versuch des Subjekts, seiner Geschichte habhaft zu werden, diese aufspalten muss in eine Vergangenheit, die ihm immer noch bevorsteht, oder genauer: bevorgestanden haben wird. Demnach bestimmt sich die ›lebendige Gegenwart‹ (Husserl) des Subjekts als ein Brennpunkt, dessen Wirklichkeit nur eine antizipierte Nachträglichkeit sein kann« (Weber 1978, 12). Der Bezug auf die bei Husserl angelegte, von Derrida ausgearbeitete Phänomenologie der Geschichte beinhaltet nicht nur einen ebenso gesellschaftlich-historischen wie individuell-lebensgeschichtlichen Aspekt, sondern zugleich führt zugleich zu erkenntnistheoretischen Fundierungen von ›Differenz‹ und ›Identität‹:
»Damit aber die Zukunft in der Gegenwart ›angekündigt‹ und die Vergangenheit in ihr ›einbehalten‹ ist, muss diese Gegenwart nicht bloß gegenwärtig sein: sie muss zur gleichen Zeit auch schon vergangene und noch zukünftige Gegenwart sein. Dank dieser noch gegenwärtigen Vergangenheit und dieser schon gegenwärtigen Zukunft wird die Vergangenheit als solche für uns die nicht mehr gegenwärtige Gegenwart sein, und die Zukunft wird seit jeher und auf immer die Gegenwart gewesen sein, die noch nicht gegenwärtig war. Damit tritt die Differenz zum Vorschein: Differenz oder Ungleichzeitigkeit der Gegenwart mit sich selbst« (Descombes 1981, 169).

›Noch-Nicht‹ als Aufgabe der Deliktbearbeitung
Folgt man diesen subjekttheoretischen Modellvorstellungen, so impliziert die Auseinandersetzung mit der (dem Subjekt noch nicht wirklich) eigenen Grenzüberschreitung als solches prinzipiell keine psycho(patho)logischen Besonderheiten, sondern es akzentuiert lediglich die ohnehin immer wieder zu leistende Selbsthistorisierung des Einzelnen. Verwirklicht werden muss eine immer neu zu erreichende Kontextualisierung des Subjekts als Integration in eine gemeinsame historische, soziale, kulturelle und symbolische Intersubjektivität des Diskurses. Diese Intersubjektivität erweist sich als ebenso aggressiv unterlegt wie begehrlich strukturiert. Das heißt, es findet sich eine »Schaukel des Begehrens« (Lacan) zwischen Erotisierung der Beziehung und aggressiven Absichten, wobei der Andere – als unbewusst idealisierter Gegenüber – »vom Subjekt geliebt wird und gerade deswegen ein Objekt der Aggressivität und Zerstörung darstellt« (Recalcati 2000, 15). Die affektive Logik dieser Idealisierung mit dem Anderen als Objekt-Ursache des eigenen Begehrens hat als Prozess einer Identifizierung den Sinn, mit diesem Anderen eins zu werden, so ihn einerseits zu begehren und andererseits zugleich nach ihm zu trachten, um in dieser Verschmelzung die eigene Unvollkommenheit und Mangelhaftigkeit aufzuheben (Kobbé 2004b). Für das im Freiheitsentzug befindliche forensische Subjekt impliziert dieses ›Gefängnis‹ der Zeitschleife, dass das antizipierte Fehlen, die imaginierte Abwesenheit oder Absenz (»absence«) einer Zukunft konsequenterweise Bedeutung für die Gegenwart hat, denn »ohne Zukunftsentwurf bleibt die Vergangenheit uninteressant, hat das Subjekt keinen Anlass, an dem zu arbeiten, woran es stecken geblieben ist in seiner Geschichte« (Widmer, 1990, 64-65). Wenn dies nicht zur (Selbst-) Aufgabe im für Freiheitsentzug geraten soll, bedarf es folglich für eine aktive Erinnerungsarbeit, eine engagierte Rekonstruktion der eigenen Geschichte der institutionellen Voraus-Setzung, der implizit – zeitlich – vorwegnehmenden Setzung einer Hoffnung auf Zukunftschance, um sich in Erwartung einer antizipatorisch trotz alledem existierenden Zukunft in die Gegenwart einschreiben zu können.

Indem Zeit auch ›umgekehrt‹ ablaufend als Nachträglichkeit und als Vorwegnahme erlebt werden kann, existiert subjektiv offensichtlich kein linearer Zeitbegriff: Bedeutsam sind nicht die realen Abfolgen oder Abläufe von Ereignissen, sondern die Art und Weise, wie diese vom Subjekt als »gegenwärtige Synthese Vergangenheit« erinnert und »in der Gegenwart historisiert« werden (Lacan 1954). In diesem Sinne arbeitet sich jedes Subjekt an einer Art ›Zeitschleife‹ (Žižek) ab, die nicht nur eine existentiell fundierende Struktur des Unbewussten darstellt, sondern auch impliziert, dass ein Symptom – und so auch ein Delikt – als vermeintliche »Wiederkehr des Verdrängten« seine Bedeutung mitunter nicht als verdrängtes Trauma der Vergangenheit erhält, sondern »seinen Wert erst in der Zukunft, durch seine symbolische Realisierung, (durch) seine Integration in die Geschichte des Subjekts annehmen wird« (Lacan 1954, 251).

Abb. 2: Zeitschleife Futurum II

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Hoffnung
Wesentliches Element dieser Hoffnung können nur ein therapeutisches Milieu als Kontext und der Therapeut als Identifikationsobjekt sein. Insofern muss es darum gehen, die ›totale Institution‹ des Freiheitsentzugs und/oder der gesetzlichen Pflicht zur Behandlung durch ein »Sozialisationsklima« (Toussaint) zu ersetzen, das den Subjekten ermöglicht, das Leben (wieder) als lebenswert zu erleben und dann an diesem Leben Freude zu erleben (Duncker 1988, 73). Derartige Prinzipien basieren auf einer ›anderen Sicht von Behandlung, wie sie Bettelheim (1970; 1978; 1980; 1986) konzeptualisiert hat und für den Maßregelvollzug unter Aspekten oszillierender Fakten von ›Akzeptanz und Respekt‹, ›Nähe und Distanz‹, Überforderung und Regression‹, ›Entlastung und Progression‹, realer, symbolischer und imaginärer Funktionen alltagsbezogener institutioneller Anforderungen entworfen, psychound entwicklungsdynamisch als theoretisierte Praxis entworfen und in einem milieu- und psychotherapeutisch strukturierten Behandlungszentrum2 umgesetzt wurden. Auf ähnlicher Basis existierten in den achtziger Jahren gut reflektierte und dokumentierte lebenslageorientierte Rehabilitationshilfen psychoanalytisch verstehender Sozialarbeit und Soziotherapie im offenen Setting.3 Voraus-Setzung für derartiges Arbeiten ist unter anderem die Antizipation einer Zukunft, sprich, die Vorstellung einer imaginären Lebensperspektive im Sinne einer – möglicherweise unrealistischen – Projektion des Selbst aus der zur Vergangenheit werdenden Gegenwart in die Zukunft. Doch nur auf der Grundlage dieses utopischen ›Noch-Nicht‹, eines quasi vorbewussten Zurückdrängens – mitnichten Verdrängens, Verleugnens oder Verwerfens – der Lebensangst vor dem dennoch anerkannten, aufgeschobenen Tod als »der stärksten Nicht-Utopie« (Bloch 1973, 1297-1391), lässt sich eine Position gewinnen, die einen hinreichenden Zukunftsentwurf ermöglicht.
»Wenn es Noch-Nicht-Bewusstes gibt, muss es wie alles psychische Geschehen vom Unbewussten seinen Ausgang nehmen. Wo aber ist der Punkt zu suchen, an dem sich die regressive Archaik des Unbewussten in produktiver Gestaltung
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von Neuem umsetzt? (…) Wo gibt es utopische Momente im Unbewussten selber?« (Gekle 1986, 166-167).

Die Bezeichnung des U-topischen, sprich, von nicht-topographischen Eigenschaften des Unbewussten verweist auf dessen zeitliche Struktur, eröffnet Perspektiven auf die Konstitution des Subjekts, die deutlich über die sogenannte ›erste Topik‹ (Bewusstes – Vorbewusstes – Unbewusstes) und ›zweite Topik‹ (Ich – Über-Ich – Es) hinausgehen, wie sie ursprünglich bei Freud skizziert wurden (Rapaport 1973, 50-51). Gefangen in dieser zeitlichen Schleife kann die wahrgenommene und antizipierte Labilität und Zeitlichkeit des Selbst im Sinne einer ›List der Vernunft‹ so als ein aktueller »Seltenheitswert der Zeit« erlebt werden, weil die in diesem Kontext letztlich vollzugsbedingte »Beschränkung in der Möglichkeit des Genusses [...] dessen Kostbarkeit« erhöht (Freud 1915b, 359). Weder das Wunschdenken einer Maximal- oder Unmittelbarkeitsforderung des Begehrens noch die asketische Form des – mitunter resignativen – Verzichts ermöglichen eine aktive Bewältigungsmöglichkeit des Freiheitsentzugs: »Wer den Augenblick gewinnen will, muss die Kraft haben, den Schmerz des Verlustes auszuhalten« (Gekle 1986, 70), um zu einer imaginativen Utopie des Noch-Nicht zu gelangen. Aus diesem Zeitmodell lassen sich mithin Anhaltspunkte für die theoretische Fundierung praktischer Forderungen an ›Motivationsarbeit‹ sowohl in therapeutisch-stationären Settings Sozialtherapeutischer Anstalten des Strafvollzugs wie forensisch-psychiatrischer Kliniken des Maßregelvollzugs als auch in therapeutisch-ambulanten Täterarbeitskontexten von Beratungsstellen und niedergelassen Psychotherapeuten ableiten: Nicht gesetzlich oktroyierte Verpflichtung zur Behandlung oder kognitionspsychologische Einredung genügen einem solchen praktischen Anforderungen, sondern ein Subjektmodell, das einerseits die Entwicklung von Individuen zu Subjekten, deren Subjektivierungsbedingungen, Selbst- und Rückbezüglichkeit, intersubjektive Reziprozität im sozialen Kontext, andererseits aber auch dieses Subjekt als Subjekt des Unbewusstheit, dessen paradoxe temporale Struktur und deren Bedeutung für zukunftsbezogene Behandlung theoretisch fassen kann.

Kobbé (1984; 1985) Cornel (1985; 1987); Fabricius (1990); Reinke (1987); Reinke-Köberer & Toussaint (1982); Toussaint (1984)

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Topologie(n) des Subjekts
Charakterisierbar ist dieses Unbewusste durch eine Form »temporalen Pulsierens«, das als Bewegung mit den Gesetzlichkeiten der Wiederholung und des Begehrens zusammenhängt (Lacan 1964a, 161). Demonstrieren ließe sich diese Dynamik am Beispiel des sogenannten ›Möbius-Bandes‹, das als Anschauungsmodell der vermeintlich abgrenzbaren Dimensionen des Bewussten und des Unbewussten dienen kann. Zugleich dient die Figur des Möbius-Bandes auch zur Veranschaulichung der Bedeutung des Gödelschen Theorems für das Verständnis des Subjekts: Gödel hatte aufgezeigt, dass die Konsistenz der Arithmetik nicht durch einen meta-mathematischen Beweis, der sich innerhalb des arithmetischen Formalismus bewiesen ließe, etabliert werden kann. Analog zu dieser Beweisführung spricht Lacan hinsichtlich der modernen Logik von dem Versuch, das durch ein zeitliches ›fading‹ aufklaffende Loch im Subjekt zu »suturieren« (Lacan), sprich, zu vernähen oder zu plombieren (Metzger 1979/80, 13). Das Subjekt der psychoanalytischen Theorie bleibe daher »ein antinomisches Korrelat der Wissenschaft«, weshalb mit der Charakterisierung einer »inneren Acht« das MöbiusBand als »topologischer Index« des Subjektmodus eingeführt wird:
»Das Subjekt ist, wenn man so sagen kann, in innerem Ausschluss seinem Objekt eingeschlossen« (Lacan 1965, 226).

Abb. 3a-c: Vom Möbiusband zur Innenacht

Bereits die Figur des Möbiusbandes ›untergräbt‹ unsere gewohnte Vorstellung des euklidischen (= zwei- oder dreidimensionalen) Raums: Scheinbar aus zwei Seiten bestehend, tatsächlich aber nur eine Seite – und nur eine Kante – aufweisend, können zwar an jedem Punktes Bandes zwei Seiten unterschieden werden, doch »fährt man aber über den ganzen Papierstreifen, zeigt sich, dass die beiden Seiten in Wirklichkeit zusammenhängen. Sie unterscheiden sich nur durch die Dimension der Zeit, die Dauer, die nötig ist, um den ganzen Papierstreifen abzufahren« (Evans 2002, 192). Je nachdem, welche ›Seite‹ in den Vordergrund tritt, entsteht eine alternierende Dynamik, mit der der fluktuierende oder pulsierende Zusammenhang des Bewussten und Unbewussten veranschaulich werden kann. Lacan nutzt dabei die topologischen Raummodelle, um aus dem Möbiusband die Figur der ›Innenacht‹ weiterzuentwickeln, mit der er das komplexe Verhältnis von Übertragung – Begehren – Anspruch und Identifizierung in ihrem logischen Zusammenhang anschaulich zu machen. Auf ähnliche Weise lässt sich das Zeitparadoxon über derartige mathematisch-topologische Modelle räumlich herleiten und darstellen:

Graphisch und mathematisch lässt sich diese (Denk-)Figur wie folgt darstellen und weiterentwickeln:

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Nachträglichkeit des Selbst(v)erkennens
Wendet man dieses psychologische Modell auf die eingangs skizzierte Vollzugsdynamik einer sich desintegrierenden Zeitstruktur und eines zunehmenden sozialen Rückzugs insbesondere schwerer gestörter Rechtsbrecher des Maßregelvollzugs an, so zielt dies auf die von Freud (1900, 619-621) ausgearbeitete Unterscheidung zwischen zwei Erinnerungssystemen: Im deskriptiven Sinne beide unbewusst, erweisen sich die Spuren des Systems Ubw als »bewusstseinsunfähig«, während die vorbewussten Erinnerungsspuren des Systems Vbw – das Gedächtnis - prinzipiell aktualisiert werden können. Dieses Erinnern ist immer eine Erinnerung an die symbolische Geschichte des Subjekts, da diese historische Verkettung der Ereignisse »sich als ein Erinnerbares und Erinnertes im Freudschen Sinne darstellt, als etwas, das in der signifikanten Kette eingetragen und abhängig ist von ihrer Existenz« (Lacan 1996, 251). Dabei bezeichnet der Begriff der ›signifikanten Kette‹ die symbolische Ordnung der Sprache als ein Diskurssystem von Bedeutung tragenden und das Subjekt des Unbewussten konstituierenden Lautzeichen. Erinnerung ist dementsprechend nur im Symbolischen, das heißt, ausschließlich im konkreten Diskurs der Sprache möglich, wobei dieses akustische Sprachbild noch der Entzifferung durch das Subjekt bedarf. Für das forensische Subjekt geht es mithin darum, sich im Sprechen erinnernd zu kontextualisieren und eine Art ›Lust an der Narration‹ zu entwickeln. Zugleich impliziert Sprache – jenseits ihrer Funktion zur Übermittlung von Informationen – immer auch eine ›Anrufung‹ des Gegenüber und aufgrund der sozialen Gesetzes des Tauschs eine Art symbolischen Vertrag, der sowohl dem sprechenden Adressenten wie dem angesprochenen Adressaten seine Rolle zuweist. Um also der zu werden, zu dem das Delikt das jeweilige Subjekt gemacht hat, muss dieses in eine Sprachbeziehung eintreten und diese symbolische Intersubjektivität narrativ begründen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Subjekt die gerade im Vollzug anzutreffende ›Interpassivität‹ des Konsums (von Medienereignissen, von Konsumgütern), der passiven Beobachtung, des Selbstmitleids usw. aufgibt und eine tatsächliche Interaktivität –

Abb. 4a-c: Vom Möbiusband zur Kleinschen Flasche

Fort-Da
Wenn in der Ab-Wesenheit (»absence«) realer Zukunft auch in deren Sinnlosigkeit (»ab-sens«) enthalten und andererseits Sinn nur in seiner Referenz, dem Nicht-Sinn, begründet ist (Lacan 1972, 458), so geht es in der utopischen Gegenbewegung nicht um eine permanente Präsenz von Lebenssinn und Hoffnung, sondern um das Ortlose des Zeitlosen in der pulsierende An- und Ab-Wesenheit der Zukunftsperspektiven. Dieses fluktuierende Zusammenspiel von (Selbst-)Wahrnehmung und Erinnerung mit Aspekten der Wiederholung trägt Züge des sogenannten Fort-Da-Spiels (Freud 1920): »Das Zusammenspiel von Erinnerung und Wahrnehmung verhält sich zur Vorstellung wie die Züge des Fort-DaSpiels zu seiner kompletten Gestalt« (Hombach, 1986, S. 31), indem es um das Verschwinden und (Wieder-)Erscheinen der Dinge, um die Lust an der Anwesenheit wie an der Abwesenheit, um das aktuell Präsente und abwesend Repräsentierte, um eine nicht-lineare Nachträglichkeit der – einer surrealistischen Montage gleichenden (Lacan 1964, 190) – Wiederholung eines Beginns geht, bei der sich ›Lust‹ als eine Art innerer Organisator erweist und sich als eine Art ›Bifurkation‹ in das topographische Modell des Spiels einschreibt.

Abb. 5: Fort-Da-Spiel

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der aktiven Beteiligung, der Festlegung intersubjektiver Regeln et cetera – eingeht (Žižek 1999, 214-216). Dies beinhaltet auch, dass es hierbei ein aktives ›volles‹ Sprechen zu realisieren ist, da sonst nur formelhaft Stereotypien eines entfremdenden Diskurses ausgetauscht werden, »in dem das Subjekt sozusagen eher gesprochen wird als dass es selber spricht« (Lacan 1953, 159). Auch insofern ist eine ›lebendige Gegenwart‹ des Subjekts nur in der vorweggenommenen Nachträglichkeit der Täterarbeit möglich, die sich die Vorstellung der eigenen Alterität imaginativ, projektiv-identifikatorisch – wieder-an-erkennend – aneignet und die diese (Re-)Introjektion als symbolischen Prozess, als symbolisch-identifikatorische Introjektion des Sprechens des anderen realisiert. Hierbei ist generell zu berücksichtigen, dass sich das Subjekt generell »nicht mehr als ein freies Sein« konstituieren kann, sondern sich aufgrund der institutionell, sprich, gesellschaftlich »von außen gegen die Subjektivität unternommenen Operationen« ohnehin »im Labyrinth einer subjektivierten Objektivität (die Bilder) und einer objektivierten Subjektivität (die entfremdeten, entäußerten Beziehungen)« zu verlieren droht (Lefebvre 1975, 64-65). Da Alterität und Entfremdung »zueinander in einer dialektischen Bewegung, d.h. in einem Widerspruch« stehen, nimmt mit den vorgenannten (re-)introjizierenden Prozessen die Entfremdung ab, wenn sich die – eigene – Alterität und/oder der Bezug zum Anderen realisiert (Lefebvre 1975, 69).

unbewusstes Subjekt (›S‹, lies auch: ›Es‹) zu artikulieren. Anders gelesen, beinhaltet der Satz die Aussage: ›Wo S war, soll Es zur Sprache kommend sich seiner bewusst – mithin ein anderes Ich – werden‹. Auf diese Weise strukturiert das begründende Sprechen des Subjekts »antizipatorisch-entwerfend das Bedeutsame dessen, was gewesen ist« (Widmer 1990, 19), indem Erinnerung die Vergangenheit nicht nur umschreibt, sondern ihm überhaupt erst (s)eine Bedeutung verleiht. Indem Gegenwart nur unter der Bedingung gegenwärtig ist, dass sie sich auf eine Abwesenheit (der Vergangenheit und/oder der Zukunft) bezieht und so von dieser unterscheidet, bedarf es der Vergangenheitsform als besonderer Zeitlichkeit des Unbewussten, um sich im Alter (s)eine Bedeutung zu erschließen und über diesen Prozess zu vergegenwärtigen, dass die selbstidealisierende Idee der Vollständigkeit und Unsterblichkeit ein narzisstisch stabilisierendes Phantasma des Perfektums, eine illusorisch-fixe Idee der mangel- und makellosen Perfektion ist.

Fort-Da-Krise
Vor dem Hintergrund der vollzugsbedingten Einschränkungen und angesichts der Unendlichkeit des Freiheitsentzugs bzw. der noch lang währenden Zukunft kommt es ›hinter‹ einer lähmenden Erstarrung der Affekte und Kognitionen zu einem »Andrängen des Vergangenen, der Erinnerung durch die Skandierung, die [...] der symbolische Verlust der Zukunft hervorruft« (Warsitz 1984, 122). Die Starre zeigt an, dass hinter dem ›eingefroren‹ erscheinenden Basisaffekt traumatisch begründete Grundgefühlskaskaden ablaufen (Kobbé 2001, 240-241), denn »der plötzliche Verlust der Zukunft als Imagination, als Vorstellung produziert Vergangenheit in einer Dichte und Fülle, die wir sonst nicht kennen: blitzartig und nicht verfügbar« (Warsitz, 1984, S. 122). Diese – abgekapselt und stumm agierte – unbewusste Angst, die sich der Symbolisierung entzieht und der somit jede Möglichkeit intersubjektiver Vermittlung fehlt, fixiert das forensische Subjekt an einem »Stepppunkt« (Lacan) seines Lebens, wo es sich dekontextualisiert im Hier-und-Jetzt gefangen erlebt und sich mit (k)einer Zukunft konfrontiert sieht, in der

S artikulieren
Das Subjekt ist also als eines aufzufassen, das stets ›auf dem Sprung‹ ist, erst noch ein solches zu werden:
»Das Subjekt muss das ihm Fremde voraus-setzen, also einen Satz machen, der, als Sprung, keinen Ur-sprung mehr er-trägt« (Tholen 1986, 137).

In dieser Logik modifiziert Lacan (1957, 284) den ihm zu verdinglichend, zu substantialisierend erscheinenden Imperativ Freuds ›Wo Es war, soll Ich werden‹ in die Formel ›Dort, wo es war, muss ich ankommen‹. In dieser, einem einholenden Zurücklaufen entsprechenden Zeitform (Widmer 1990, 43), versucht das sprachliche Subjekt (›Ich‹) sich in seiner Eigenschaft als

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sich selbst – sein Selbst – nicht wieder(er)findet. Was fehlt, ist – indem die Angst um eine Abwesenheit ›kreist‹ – ein Objekt, auf das sich das Subjekt im Freiheitsentzug noch beziehen, auf das (s)Ich die derzeit ungerichtete Angst richten und an dem S (lies: es) sie symbolisch aufarbeiten kann. Dabei impliziert die Fort-Da-Krise des forensischen Subjekts nicht nur die angsterregende Abwesenheit einer Zukunft, sondern zugleich die ebenso angstauslösende Anwesenheit der objektlosen, antizipierten Abwesenheit jedweder Zukunft. Wenn es dem Subjekt aber gelingt, sich innerhalb forensisch-psychotherapeutischer Selbstkonfrontationen der Täterarbeit retrospektiv-projektiv (s)eine Zukunft zu imaginieren, so ›hat‹ es ein imaginäres Selbst-Objekt, wenngleich dieses als Imago nicht ohne weiteres symbolisierungsfähig ist. Die projektive Antizipation ermöglicht ihm aber, sich auf dieses Objekt " zu beziehen, sein Begehren auf diesen selbstähnlichen anderen zu richten und so den Affekt der Angst abzumildern. Damit ist das Objekt, das in diesem fortgeschrittenen Stadium dominiert, ein quasi im Vollzug ›wiederentdecktes‹ Objekt. Andererseits ist der andere bei aller Ähnlichkeit immer auch fremd, und es entstehen mitunter Momente, in denen sich das therapieprogrediente Spiegelbild auf unheimliche Weise so verändert, dass es nunmehr angstverstärkend wirkt. Die Bewältigung dieser subjektiven Ausformungen der Angst bedarf also einerseits der Symbolisierung, der sprachlichen (Wieder-)Herstellung eines lebensgeschichtlichen Kontexts, und andererseits der Intersubjektivität bzw. einer begehrenden Interaktivität in der dualen Objektbeziehung.

»Auf dem Gebiete der Fiktion finden wir jene Mehrheit von Leben, deren wir bedürfen« (Freud 1915a, 344).

Auch wenn dieses Erleben einer gelähmten Unlebendigkeit, innerlichen Starre und/oder intersubjektiven (Ver-) Weigerung – dem eigenen (psychischen) Tod vergleichbar – »unvorstellbar« (Freud 1915a, 341) und das Unbewusste »gegen die Vorstellung des eigenen Todes […] unzugänglich« ist (Freud 1915a, 354), bleibt Voraus-Setzung dieser Verarbeitung, sich der vorauseilenden Phantasien über dieses Absterben von selbsterhaltendem – das Selbst erhaltendem – Interesse bewusst zu werden, sie (an)zuerkennen, um sich anstelle einer enteigneten Zukunft mit der Alterität der eigenen Zukunft aus-einander-zu-setzen, sie sich (wieder-)anzueignen, denn das Subjekt ist eigentlich als ein ›Sein-zum-Tode‹ («être-pour-la-mort«) zu verstehen:
»Zu sagen, dass dieser tödliche (Lebens)Sinn im Sprechen einen außerhalb der Sprache liegenden zentralen Punkt aufdeckt, ist mehr als bloß eine Metapher und offenbart eine Struktur. Diese Struktur […] entspricht am ehesten jener Gruppe von Beziehungen, die die symbolische Logik topologisch als Ring(struktur) bestimmt. Um eine intuitive Darstellung zu vermitteln, scheint man am ehesten auf die Oberfläche […], auf die dreidimensionale Form eines Torus zurückgreifen zu müssen, zumal sein peripheres Äußeres und sein zentrales Äußeres nur eine einzige (Ober-)Fläche bilden. Dieses Schema tut der endlosen Kreisbewegung des dialektischen Prozesses Genüge, die entsteht, wenn das Subjekt sich seiner Einsamkeit gewahr wird, sei dies in der unumgänglichen Doppeldeutigkeit des unmittelbaren Begehrens, sei es in der vollständigen Übernahme seines Seins-zumTode« (Lacan 1953, 205-206).

Endlichkeit des forensischen Subjekts
Darüber hinaus ist das Verstummen, ist die – scheinbar statische – Starre eines a-motivationalen Residualzustands auch als Symbolisierung eines antizipierten Todes zu verstehen (Freud 1913, 29), doch kann das Absterben affektiver Lebendigkeit gerade auch nicht-traumatisch als Verlust von Zukunft, sondern als ein zukünftiges Geschehen, als die eigene Zukunft inner- und außerhalb des Freiheitsentzugs begriffen und (v)erarbeitet werden.

Abb. 6: Torus

Die Struktur menschlicher Existenz als solche ist demzufolge als eine »Struktur des Begehrens« aufzufassen (Lacan 1955, 308) und (be-)gründet sich in dem Seinsmangel des Subjekts. Denn das Begehren resultiert keineswegs aus einer Be-

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ziehung zu einem Objekt, sondern es repräsentiert »eine existentielle Beziehung zum Mangel«, sprich, zu sich selbst (Lacan 1955, 306). Dieser Versuch, die Struktur des Unbewussten sinnhaft zugänglich zu machen, hat seine Grenzen: Einerseits kann dieses als durch Verdrängung radikal vom Bewusstsein Abgetrennte »nicht ohne Entstellung in das System des Bewussten-Vorbewussten eintreten« (Evans 2002, 322), andererseits ist dieses Unbewusste gegen die Vorstellung des eigenen Todes »unzugänglich«. Wenn Freud (1915a, 350) zugleich feststellt, das Unbewusste kenne »überhaupt nichts Negatives, keine Verneinung« und »darum auch nicht den eigenen Tod«, so erweist sich dieser letztlich als weder im Bewusstsein noch im Unbewussten lokalisiert:
»Er sitzt unmittelbar an der Wurzel des Unbewussten. Er ist nicht mehr das Eigentum einer psychischen Instanz, sondern das Prinzip eines ›Zwiespalts‹ in einer jeden von ihnen. Der Tod ist Atopie. Er ist kein Sprechen mehr, sondern Schweigen, Schrei oder Wut« (Pontalis 1976, 215).

satz für den Entwurf einer Möglichkeit zum aktiven Weiterleben, zur Projektion einer Zukunft im oben skizzierten Sinne. Wenn die subjektiv erlebte Unendlichkeit des Freiheitsentzugs durch die Hoffnung auf vorzeitige bedingte Entlassung so erfolgreich geleugnet wird, kann die lähmende Perspektivelosigkeit vermittels dieses illusionären Abwehrmanövers »nur deshalb so gut verdrängt werden […], weil hinter ihm einmal neues Leben versteckt worden, das heißt ausgeträumt und hineingeglaubt worden« ist (Bloch 1973, 1360).

Der ›leere‹ Ort als Ursache und Ziel des Begehrens
Wenn dabei die Entwicklung einer ›Ethik des Begehrens‹ gefordert wird, bezieht sich das – wie an anderer Stelle gezeigt werden konnte (Kobbé 1998, 223224) – innerhalb der Institutionen des Politischen darauf, dass diese als »Spielfläche für libidinöse Intensitäten, Affekte, ›Leidenschaften‹« (Lyotard 1973, 59) zu interpretieren, dass die Moral(en) lediglich als »eine Zeichensprache der Affekte« (Nietzsche 1886, Aph. 187, 645) zu verstehen und dass soziales Handeln von einer als affektive Größe aufzufassenden Vernunft geprägt ist, wenn diese innerhalb politischer Diskurse wirksam wird. Der Ort politischer Macht, der bis zur Französischen Revolution durch den absolutistischen Herrscher verkörpert wurde, ging damals von »einem vollen, göttlichen Ort, der durch göttlichen Auftrag besetzt« (Lebrun 1994, 151) war, in einen nunmehr offensichtlich ›leeren‹ Ort über. War diese Leere zuvor durch den Herrenoder Meisterdiskurs absolutistischer Macht und Willkür verdeckt, wird dieses Loch im Zuge der Demokratisierung nicht nur offensichtlich, sondern es wird ihm direkt »durch die Institutionalisierung dieses zentralen Ortes Rechnung getragen« (Lebrun 1994, 151). Damit erweist sich Demokratie als die einzige Regierungsform, »in der eine Darstellung der Macht eingerichtet ist, die bezeugt, dass sie ein leerer Ort ist, der […] den Abstand zwischen Symbolischem und Realem aufrechterhält«(Lefort o.J., 265). Insofern ist dieser ›leere‹ Ort als phantasmatischer Schauplatz zu verstehen, an dem das Begehren keineswegs erfüllt, sondern artikuliert – das heißt, lediglich

Wenn im unvermittelten Freiheitsentzug folglich gegen diesen antizipierten Tod jedweder Zukunft primär stumm agiert werden muss, bleibt dem Subjekt nur, sich der Konfrontation mit diesem Nichts dadurch zu stellen, dass es dieser Atopie des im Freiheitsentzug enteigneten Lebens die Utopie eines Noch-Nicht, einer antizipierbaren Zukunft einschließlich des angeeigneten Durchlebens des Straf- oder Maßregelvollzugs gegenüberstellt. Eine Strategie des sich dieser Segregations- und Ohnmachtserfahrung bewusst stellenden Subjekts könnte entsprechend darin bestehen, eine paradoxe Lebendigkeit des Lebens innerhalb des Freiheitsentzugs dadurch wiederzuerlangen, dass es »durch eine dialektische Akrobatik seine ›Endlichkeit‹ als Bestimmung zurückerobert« (Baudrillard 1982, 235 Fn 21). Jedoch wird diese Vernunftposition nur sehr bedingt zu erreichen sein und zudem auch nicht wirklich hinreichen, um das vollzugskritische Drama zu bewältigen. In Paraphrase einer Anmerkung Brauns (1983, 132), lassen also mitunter erst utopische Elemente des Erlebens Hoffnung zur Vernunft kommen. Wohl nur in einer illusionären »Verlängerung« der vollzugsinternen Existenz durch ein zukünftig vorstellbares Leben erfährt das forensische Subjekt demzufolge nicht einfach nur Angstabwehr und narzisstische Tröstung (Freud 1927, 352), sondern es verschafft sich auch einen An-

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angezeigt und inszeniert – wird. »Nur durch das Phantasma konstituiert sich das Subjekt als begehrend: Durch das Phantasma lernen wir zu begehren« (Žižek 1992, 9). Damit wird evident, warum und wie sehr die Institutionen des Politischen einer Ethik respektive eines ethischen Gesetzes bedürfen, warum der Begriff des Gesetzes unmittelbar mit dem des Begehrens verbunden und wie das begehrende Subjekt an dieses Gesetz gebunden ist. Geht man dabei davon aus, dass das Gesetz als fundamentales Prinzip, das allen sozialen Beziehungen zugrunde liegt, eine Funktion des [großen] Anderen • A • ist, indem es eine grundsätzlich sprachliche oder sprachlich vermittelte Struktur hat, dann ist dieses Gesetz mit der symbolischen Ordnung gleichzusetzen. Der Platz des [großen] Anderen • A • verweist dabei zugleich auf den eingangs thematisierten ›leeren‹ Ort und macht darauf aufmerksam, dass Realität nie in ihrer kruden Unmittelbarkeit, sondern nur als einerseits historisiert und andererseits symbolisiert erlebt werden kann. Im Kontext der Register des Symbolischen, Imaginären und Realen wird deutlich dass diese symbolisch-historische Struktur des Subjekts dadurch gefährdet ist, das sich in der institutionellen Realität eine ›Lücke‹, »eine verbotene, traumatische, immer schon entleerte Stelle« auftut (Žižek 1990, 248). Diese als ›das Ding‹, als das schon immer verlorene Objekt zu begreifende Stelle fungiert dabei – im Sinne eines kausallogischen Paradoxons (Kerz-Rühling 1993, 913), wie es psychoanalytisch als den Affekten eigentümliche (Un-)Logik (Recalcati 2000, 42-78) zu denken ist – als Ursache und Ziel des Begehrens und macht die Unendlichkeit des Begehrens aus. Wie anhand des phantasmatisch zu überdeckenden ›Mangel des Mangels‹ bereits skizziert, muss diese ängstigende Präsenz dadurch abzuwehren versucht werden, dass nach einer zu begehrenden Absenz in Form des ›verlorenen‹ Objekts verlangt wird. Möglich ist dies, dadurch, dass das (infantile) Subjekt ein Teil seines eigenen leibhaftigen Genießens auf den Anderen projiziert, dieses phantasmatische Organ so als ›geopfertes‹ Partialobjekt positiviert wird und insofern eine Aneignung des Mangels verwirklicht wird.
»Im Realen, d. h. im vor-symbolischen, vorimaginären Realen (der körperlichen Triebe), gibt es keinen Mangel, das Reale ist, wie Lacan schreibt, Ort der Privation. Der Mangel wird erst artikulierbar

aufgrund der Vermittlung des Symbolischen« (Cremonini 2003, 154).

Das Unlust-Lust-Prinzip
Die das Begehren regulierende Beziehung zum Gesetz ist dabei im Sinne des imperativen Lustprinzips zu verstehen, das als ein homöostatischer Regulationsmechanismus konzipiert ist. Dabei besteht ein Gegensatz zwischen der ›Lust‹ als einem Erhaltungsprinzip des Spannungsgleichgewichts und der Konstanz und dem ›Genießen‹ als diese Homöostase störendem beziehungsweise bedrohendem Exzess. Im Sinne der ursprünglichen Definition als »Unlustprinzip« (Freud 1900, 606607, 621) und unter Berücksichtigung darauf bezogener beziehungsweise daran anknüpfender theoretischer Arbeiten (Freud 1895a, 384; 1920, 69) kommt dem Lustprinzip – im Widerspruch zur Auffassung bei Laplanche & Pontalis (1973, 299-300) und in Übereinstimmung mit Lacan (1954/55) – diese »restitutive Tendenz« zu, dem als gänzlich anderes Prinzip mit »repetitiver Tendenz« (Lacan) der Todestrieb als Nirwanaprinzip einer Spannungsregulierung auf Null ›jenseits des Lustprinzips‹ (Freud 1920) gegenübersteht. Mit dem Imperativ ›Genieße so wenig wie möglich!‹ reguliert das ödipale Gesetz des Lustprinzips das Begehren, indem es als fundamentales Inzestverbot das Subjekt in sicherer Distanz zum ›Ding‹ hält. Hier wird erkennbar, inwiefern das Begehren im phantasmatischen Raum zwischen Subjekt und Objekt realisiert wird und im Grunde ein Begehren des Mangels darstellt, denn das Subjekt respektiert den anderen »nicht aufgrund des universellen Gesetzes, das in jedem von uns wohnt«, sondern »im Gegenteil aufgrund seines äußersten pathologischen Kerns, aufgrund der absolut partikulären Weise, in der jeder […] seine eigene Welt träumt, sein Genießen organisiert« (Žižek 1992, 85). In dieser intersubjektiv abhängigen Struktur und Dynamik ist das Begehren als ›Lust-in-Unlust‹ gerade dann paranoid unterlegt, mit manifester Angst kombiniert, wenn sich das Subjekt dem begehrten Objekt zu sehr nähert und dadurch den Mangel zu verlieren, »anders gesagt, das Verschwinden des Begehrens zu erleiden« droht (Žižek 1992, 11). Die Bedrohung durch die Annäherung an das begehrte Objekt wird bei genauer

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Betrachtung jedoch dadurch ausgemacht, dass sich das Begehren gerade nicht auf das phantasmatische Objekt richtet, sondern auf den ›leeren‹ Ort, den dieses verdeckt; insofern droht die Konfrontation mit einer Lücke in der symbolischen Ordnung und symbolisierten Realität, deren ›Leere‹ oder ›Unmöglichkeit‹ mit Hegel als »radikale Negativität« gedacht werden kann (Žižek 1990, 249-251). In dieser intersubjektiven Dynamik unterliegt dieses Begehren einer dialektischen Beziehung zum Gesetz, indem das Gesetz einerseits dem Begehren Schranken oder Grenzen setzt, andererseits aber gerade erst durch dieses Verbot das Begehren induziert. Das Begehren ist demzufolge keineswegs ein ursprüngliches Begehren, das durch das Gesetz begrenzt oder reguliert werden müsste, sondern es erweist sich vielmehr als das Begehren einer Übertretung, das aus dieser Setzung resultiert. Für die Unterscheidung von ›Lust‹ und ›Genießen‹ bedeutet dies, dass das Lustprinzip aufgrund seines Bedingungskontextes mit dem Gesetz dem Symbolischen zuzuordnen ist, während das unmöglich-exzessive Genießen dem Realen angehört. Die paradoxe Ursprünglichkeit des Begehrens im Symbolischen wird dabei dadurch gestützt, dass sich psychologisch keine diesem signifikanten Gesetz vorausgehenden ethischen Verhaltensmaxime, auch keine vor-geschriebenen Moralen identifizieren lassen, zumal es »keine Vorschrift vor der Schrift« geben kann, »die als Spur und Aufschub« das Apriori erzeugen könnte, dem sich diese anfügen könnte (Derrida 1991, 251). Insofern bestätigt sich das Gesetz des ethischen Handelns – dem Prinzip des ›ágrafos nómos‹4 gleich – als ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn Subjekte ihr Genießen auf unterschiedliche Weise ›organisieren‹, so ergeben sich hieraus Möglichkeiten wie Notwendigkeiten, eine ethische Haltung zu entwickeln, indem das dem verbietenden Gesetz trotzende ›In-seinem-Begehren-nichtNachgeben‹ dem Subjekt abfordert, »so weit als möglich Verletzungen des phantasmatischen Raums des anderen zu vermeiden, so weit als möglich das partikuläre
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Absolute des anderen [zu] respektieren« (Žižek 1992, 85). Diese Ethik offenbart sich – keineswegs nur imaginär oder symbolisch, sondern sehr konkret – als ein Genießen, dass immer das Genießen des anderen ist, auf den sich das Begehren richtet. Zugleich aber wird dieses Begehren nie wirklich befriedigt, ist das Genießen als ›Lust-in-Unlust‹ – wie oben skizziert – jenseits des Lustprinzips situiert (Žižek 1992, 86 Fn 23), verlangt es nach mehr Befriedigung: Lacan charakterisiert es – in Analogie zum Mehrwert-Begriff bei Marx – als eine Form von ›Mehr-Lust‹ (Widmer 1990, 136; Žižek 1992, 23), so wie bereits Marx dem zukünftigen Subjekt mehr Bedürfnisse und mehr Begehren »als je zuvor« zuschreibt, das heißt, das Subjekt »entsteht nicht aus der Abschaffung, sondern aus der Potenzierung und der Befreiung der Bedürfnisse, der Leidenschaften und des Begehrens« (Parinetto 1973, 6970).

Das Reale – des Begehrens – des ›leeren‹ Ortes
Umso mehr besteht die ethische wie praktische Herausforderung darin, »die Konfrontation mit der ›leeren‹ Stelle […] auszuhalten, die im Blick des anderen beinhaltet ist (Žižek 1990, 254-255). Möglich wäre dies dann, wenn sich das Subjekt insofern als ›zukunftsträchtig‹ selbstzubestätigen in der Lage ist, als es sich selbst theoretisieren und reflektieren, seine vorläufig-aktuelle psychische Realität und phantasmatischen Beziehungen in Frage stellen, sie in Konfrontation mit Vergangenem setzen und eine angemessenere Zukunftsvorstellung entwickeln kann. Dieser ständigen Ausbalancierung eines Ungleichgewichts, diesem ›In-seinem-Begehren-nichtNachgeben‹ ist eine Zukunftshoffnung inhärent, die das dezentrierte Subjekt als latente Utopie versuchen lässt, eine Positivierung des Mangels dadurch vorzunehmen, dass es mit Hilfe einer phantasmatischen Objektbeziehung versucht, diese ›leere‹ Stelle der absoluten Negativität auszufüllen. Das Reale des Begehrens erweist sich unter dieser Perspektive als Stehen am Abgrund der psychischen Realität, wobei das Bewusstsein dieser Bedrohung und dessen Abwehr gewissermaßen oszillieren und die zum Teil unaushaltbare Spannung des nie gänzlich erfüllten Begehrens aus-

griech. ›ágrafos nómos‹ _ ungeschriebenes Gesetz, das auf den sozialethischen Gesetzgeber Solon (Athen ~ 640561 v.Chr.) zurückgeht.

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machen. Wenn sich in der historisierten und symbolisierten Realität einerseits bedrohlicherweise eine traumatische, verbotene, ›leere‹ Stelle erweist, so garantieren die symbolische Ordnung und dieselbe durch sie strukturierte Realität andererseits zugleich eine relative Sicherheit, da die – begehrten – Objekte sprachlich, in der im symbolisierenden Repräsentanz, nicht mehr ›total‹, unmittelbar real und ›eigentlich‹ sind, damit zugleich auch nicht mehr direkt ihre radikale Abwesenheit droht. Ein Über- und Weiterleben wird dem Subjekt daher prinzipiell in der Verdrängung, Verleugnung, Rationalisierung, sprich, dadurch möglich, dass es den Gedanken des Endes wesentlich nicht zu denkt (Lang 1990, 232), denn das Aufklaffen des ›leeren‹ Ortes erweist sich gerade in seiner Unerreichbarkeit und sprachlichen ›Verfehlung‹ als höchst bedrohlich, so wie der Mangel – präziser: das Begehren des Mangels und die gleichzeitige Unmöglichkeit des maximalen Genusses – eine unter Umständen hochgradige Spannung erzeugen. Hierin liegt die Dramatik und Gefährdung allzu leicht konfrontativ-instrumenteller Behandlungsimperative in Institutionen des Straf- und Maßregelvollzugs wie demgegenüber ein wesentlicher Ansatzpunkt psychoanalytischer Ethik begründet: Das ›Ding‹ muss gerade auch in strategisch deliktbezogen konzipierten, forensisch-theraAnmerkungen

peutischen Behandlungen als imaginiertes volles Objekt in seiner Unerreichbarkeit garantiert bleiben, was einerseits das Begehren aufrechterhält, andererseits die Anerkennung des Mangels impliziert und so ermöglicht, diese Subjektivität und Seinsstruktur aufzudecken und anzuerkennen, anstatt es im Sinne eines abstrakt-normativen Sollens zu überspringen. Institutionell wird diese Dynamik der erzwungenen – symbolischen – Anerkennung des anderen (Baudrillard 1982, 212) nicht nur innerhalb der auf Selbst(an)erkenntnis abzielenden konfrontativen Therapien, sondern – wie am konkreten Fallbeispiel des ethisch begründeten Verzichts auf Anwendung unmittelbaren Zwangs zur Abwehr (para-)suizidalen Agierens des Patienten exemplifizierbar – deutlich: Im eskalativen Dilemma von fremdgefährlichem ›passage à l’acte‹, institutioneller Reaktion, selbstgefährlichem Gegenagieren und anschließender Ermittlung der Strafverfolgungsbehörden stellt erst der symbolische Tauschakt von Selbsttötung versus soziale ›Tötung‹ die im Realen und Imaginären aufgelöste soziale Beziehung wieder her, denn »der Preis, den wir für die ›Realität‹ des Lebens bezahlen, [...] ist das kontinuierliche Phantasma des Todes« (Baudrillard 1982, 210).

(1) Dieser Übersichtsbeitrag beruht unter anderem auf einer Reihe eigener Veröffentlichungen und greift diese teilweise wieder auf, ohne dass – sofern es sich nicht um Zitate handelt – die Literaturstelle jeweils ausgewiesen wird. Die bibliografischen Angaben der hier rezipierten, mit einem Asterix (*) versehenen Beiträge finden sich in der nachfolgenden Literaturliste. (2) Andere Arbeiten aus dem forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt ›Subjekt im Nessoshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹: Kobbé 2005; 2006a-j. (3) Die Lacan-Zitate sind, wie auch alle weiteren französischen Referenztexte, eine (Neu-)Übersetzung des Verfassers (UK) ins Deutsche. Die lacanianischen Sonderzeichen wurden von Siboni (1997) zur Verfügung gestellt und können als Font ›EcritSym‹ kostenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden.

Abbildungen
Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3a Abb. 3b Abb. 3c Abb. 4a Abb. 4b Abb. 4c Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Herr A. – ohne Titel – Zeitschleife Futurum II; eigener Entwurf Möbiusband; Quelle: Evans, D. (2002, 193, Abb. 11) Möbiusband modifiziert; Quelle: http://www.mathcurve.com Innenacht. Quelle: Lacan, J. (1964c, 285) Möbiusband; Quelle: http://www.mathcurve.com Klein’sche Flasche; Quelle: http://www.mathcurve.com Klein’sche Flasche, Aufrisszeichnung; Quelle: http://www.mathcurve.com Fort-Da-Spiel; Quelle: Hombach, D. (1986, 24) Torus; Quelle: http://www.dcs.ed.ac.uk (modifiziert) Transformation Diskursmathem > Torus > Klein’sche Flasche > Möbiusband; Quelle: Abibon (2000)

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Anhang

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Dr. Ulrich Kobbé Universität Duisburg-Essen - Campus Essen D-45117 Essen ulrich@kobbe.de

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