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„Da lebt der Fußball“ Was motiviert lokale Fußballblogger?

Studienarbeit am Institut für Journalistik TU Dortmund Dipl.-Journ. Angelika Mikus 14. September 2011

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung Thema der Arbeit Relevanz des Themas Aufbau der Arbeit Forschungsstand Seite 1 Seite 1 Seite 2 Seite 3

B Theoretischer Teil 1. Sportjournalismus in Deutschland 1.1 Situation und Probleme des Sportjournalismus in Deutschland 1.2 Online-Sportmedien in Deutschland 1.2.1 Sportblogs in Deutschland 1.2.2 Lokale Fußballblogs in Deutschland 2. Zwischenfazit und Forschungsfrage Seite 6 Seite 6 Seite 12 Seite 16 Seite 27 Seite 33

C Empirischer Teil 3. Methodisches Vorgehen 3.1 Die Untersuchungsmethode 3.2 Auswahl der Befragten 3.3 Konstruktion des Fragebogens 3.4 Durchführung des Untersuchungsverlaufs 3.5 Auswertung und Diskussion der Ergebnisse 4. Ergebnisse 5. Zusammenfassung 6. Fazit und Ausblick Literatur Anhang Seite 35 Seite 35 Seite 38 Seite 39 Seite 40 Seite 40 Seite 41 Seite 56 Seite 62 Seite 68 Seite 72

A – Einleitung

Thema der Arbeit

Die Zahl der lokalen Fußballblogs in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Diese Arbeit soll der Frage auf den Grund gehen, warum diese Blogger auf ihren Webseiten über den lokalen Amateurfußball in ihrer Region berichten. Was motiviert lokale Fußballblogger? Warum bauen sie ihr Blog auf und pflegen es regelmäßig? Ergänzend sollen auch folgende Fragen eine Rolle spielen: Welche Themen behandeln die lokalen Fußballblogger? Wie ist ihr Verhältnis zu klassischen Medien? Welche journalistische Einstellung haben die Blogger? Reagieren sie mit ihrer Berichterstattung auf die Schwächen des klassischen Sportjournalismus? Um diese Fragen zu beantworten, werden für diese Arbeit fünf lokale Fußballblogger in teil-standardisierten Experteninterviews zu ihrer Arbeit befragt. Im Anschluss sollen die Ergebnisse diskutiert werden. Ziel der Arbeit ist es, daraus Hypothesen zur Motivaton lokaler Fußballblogger abzuleiten.

Relevanz des Themas

Das Internet und damit auch der Journalismus im Internet gewinnen seit Jahren immer mehr an Bedeutung.1 Im Netz können Nicht-Journalisten viel einfacher journalistische Inhalte publizieren als dies vor der Verbreitung des Internets der Fall gewesen war. Web 2.0 und Bürgerjournalismus sind Leitbegriffe dieser Entwicklung. Jeder kann im Internet mit wenig Aufwand eine Plattform erstellen, auf der er seine Recherchen und Meinungen verbreitet. Einige Blogger haben es bereits geschafft, ein großes Publikum anzusprechen. Manch einer geht gar davon aus, dass in zehn Jahren mehr als die Hälfte aller Inhalte von normalen Bürgern statt von Journalisten produziert wird. 2 Bürgerjournalistische Projekte und Blogger auf der ganzen Welt arbeiten mit etablierten Medien zusammen. 3 Viele Praktiker und
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Vgl. für die Situation in Deutschland: ARD/ZDF Online-Studie 1998 bis 2011. http://www.ard-zdfonlinestudie.de/index.php?id=onlinenutzung0 (abgerufen: 21. Juli 2011) 2 Vgl. Armborst, Matthias: Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde? Was Journalisten über Weblogs und ihre Macher wissen sollten. Lit-Verlag, Münster 2006, Seite 102 3 Vgl. Moorstedt, Michael: Ein Netzwerk, 19 Sprachen. Global Voices setzt Standards im Bürgerjournalismus und auf eine alternative Nachrichtenagenda. Süddeutsche Zeitung, 8. August 2011, Seite 17

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Experten halten die Gegenüberstellung von Profijournalismus und Weblogs mittlerweile sogar für falsch, da sich die Formen und Qualitäten immer stärker vermischen. 4 Auch im Sport werden zum Teil aus ehemaligen Bloggern angesehene Journalisten oder Sportblogs werden so relevant, dass sie die Nachrichten- und Meinungslage mitbestimmen.5 Auch lokale Fußballblogs übernehmen zum Teil Funktionen von Journalismus, die Zeitungen nicht (mehr) erfüllen. So ist die Fußballseite fupa.net im bayerischen Fußball mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Medien.

Vor allem lokale und regionale Zeitungen haben derzeit mit sinkenden Auflagenzahlen zu kämpfen.6 Die Entwicklung weg von der Tageszeitung und hin zum Internet könnte dazu führen, dass lokale Fußballblogger in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit bekommen könnten.

Aufbau der Arbeit

Diese Studienarbeit ist in Einleitung, Theorie und Empirie unterteilt. In der Einleitung wird das Thema, dessen Relevanz und der Forschungsstand vorgestellt. Im theoretischen Teil wird zunächst der Sportjournalismus in Deutschland behandelt, im Anschluss beschäftigt sich die Arbeit näher mit den Online-Sportmedien in Deutschland. Hier wird der Einblick in die Welt der Sportblogs vertieft, bevor sich die Arbeit konkret den lokalen Fußballblogs in Deutschland zuwendet: Was macht ein lokales Fußballblog aus und wie grenze ich ein lokales Fußballblogs von anderen Fußballblogs ab? Welche lokalen Fußballblogs gibt es? Was schreiben ausgewählte Blogbetreiber auf ihren Webseiten über sich selbst und ihre Motivation? Im dritten Teil der Arbeit folgt schließlich die Empirie, die der wichtigste Teil dieser Arbeit ist. Dieser Teil umfasst die methodische Vorgehensweise ebenso wie die

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Münker, Stefan: Die digitale Öffentlichkeit und die Krise des Journalismus. In: Online-Journalismus. Zukunftspfade und Sackgassen. Werkstattheft Nr. 18 des Netzwerk Recherche. ColorDruck Leimen 2011, Seite 74 5 Ein Beispiel dafür ist Oliver Fritsch (erst indirekter-freistoss.de, jetzt Redakteur bei Zeit-Online); ein die Nachrichtenlage bestimmender Blogger wäre beispielsweise Kai Pahl mit seiner Webseite allesaussersport.de 6 Zum Beispiel ist die verkaufte Auflage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in Essen in den vergangenen zwei Jahren um etwa fünf Prozent gesunken. Im zweiten Quartal 2009 verkaufte sich die Lokalausgabe noch 104.813 mal, im zweiten Quartal 2011 nur noch 98.350 mal. Quelle: Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern IVW; im Internet unter ivw.de

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Experteninterviews. Die Ergebnisse dieser Interviews werden anschließend diskutiert und ausgewertet; zuletzt folgen Fazit und Ausblick.

Forschungsstand

Bislang ist die Motivation lokaler Fußballblogger in der Wissenschaft nicht untersucht worden. Zur vorgestellten Forschungsfrage liegen keine qualitativen oder quantitativen Forschungen und kaum Literatur vor, diese Arbeit basiert also auf einem explorativen Forschungsinteresse.7

Zum Thema Sportjournalismus an sich gibt es einige Kommunikatorstudien. So führte Siegfried Weischenberg 1976 seine Studie „Die Außenseiter der Redaktion: Struktur, Funktion und Bedingungen des Sportjournalismus“ durch.8 1995 legte Felix Görner mit der Studie „Vom Außenseiter zum Aufsteiger“ nach 9, 2005 schließlich veröffentlichte Sybille Frütel ihre Arbeit unter dem Thema „Toy Department for Men – eine empirische Studie zum internationalen Sportjournalismus“.10 Diese Forschungen beschreiben die professionellen Sportjournalisten. Die Erkenntnisse dieser Arbeiten könnten eventuell bei der Bildung von Hypothesen zu Motivation, Arbeit und Selbstverständnis lokaler Fußballblogger hilfreich sein. Für die Befragung lokaler Fußballblogger lassen diese Studien aber nur wenige Rückschlüsse zu. Zu Entwicklungen und Problemen des Sportjournalismus, die Antrieb für Blogger sein könnten, es besser zu machen, gibt es Veröffentlichungen; ebenso zu OnlineNutzung und Online-Medien.

Speziell zur Motivation von Bloggern liegen ebenfalls wissenschaftliche Untersuchungen vor. Forschungen zur Motivation und zum Selbstverständnis von Bloggern wurden jedoch vor allem im amerikanischen Raum durchgeführt. Die Zahl der Forschungen zu deutschen Blogs
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Während der Arbeit an dieser Studienarbeit ist der Autor auf eine von der Themenstellung ähnlich angelegte Diplomarbeit von John Hennig an der Universität Leipzig gestoßen. Diese Diplomarbeit wird allerdings derzeit noch geschrieben und ist noch nicht veröffentlicht. 8 Weischenberg, Siegfried: Die Aussenseiter der Redaktion. Struktur, Funktion und Bedingungen des Sportjournalismus: Theorie und Analyse im Rahmen eines allgemeinen Konzepts komplexer Kommunikatorforschung. Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1976 9 Görner, Felix: Vom Außenseiter zum Aufsteiger: Ergebnisse der ersten repräsentativen Befragung von Sportjournalisten in Deutschland. VISTAS Verlag GmbH, Berlin 1995 10 Frütel, Sybille: Toy Department for Men. Eine empirische Studie zum internationalen Sportjournalismus. MedienSportVerlag, Pulheim 2005

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ist deutlich geringer. Nur wenige Veröffentlichungen „widmen sich […] den eigentlichen Handlungsgründen der Onliner sowie den sozialen Zusammenhängen ihres Handelns, deren Kenntnis erforderlich ist, um das Handeln nicht lediglich beschreiben, sondern erklären und schließlich auch prognostische Aussagen treffen zu können.“ 11 Es finden sich zum Beispiel mehrere 12 Forschungsarbeiten13 zur Motivation von Autoren des Online-Lexikons Wikipedia. Diese Forschungsarbeiten betonen die intrinsische Motivation der Wikipedia-Autoren (die zumeist nicht mit ihren realen Namen als Wikipedia-Autoren auftreten, sondern lediglich unter Pseudonymen). Bei lokalen Fußballbloggern gibt es jedoch entscheidende Unterschiede, stehen sie doch mit ihrem Namen für ihr Blog und sind im Gegensatz zu den Wikipedia-Autoren öffentlich präsent.

Weitere Forschungen speziell zu Blogs gehen davon aus, dass die meisten Blogger ihre WebNotizen zur Selbstdarstellung nutzen. 14 Mirjam Kopp und Philomen Schönhagen haben das Rollenselbstverständnis von Bürgerjournalisten untersucht. Diese Bürgerjournalisten grenzten sie von den Schreibern persönlicher Weblogs ab. Bürgerjournalisten sind für Kopp / Schönhagen solche Schreiber, „die auf Plattformen schreiben, welche strukturell dem Journalismus näher kommen.“ 15 Christoph Nürnberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke haben zudem bei ihrem Forschungsprojekt Journalismus im Internet unter anderem die „Fremd- und Selbstdarstellung von Bloggern und Journalisten im öffentlichen Metadiskurs“ analysiert.16

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Gröschler, Wiebke / Mangold, Michael: Innovativer Gegenstand einer traditionellen Forschung. Gegenwärtiger Stand und zukünftige Anforderungen an eine empirische Forschung zum Web 2.0. In: Diemand, Vanessa (Hrsg.): Ich, Wir und Die Anderen. Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen II. Heise, Hannover 2009, Seite 77 12 vgl. Stegbauer, Christian / Rausch, Alexander: Strukturalistische Internetforschung. Netzwerkanalysen internetbasierter Kommunikationsräume. VS Verlag, Wiesbaden 2006 13 vgl. Schroer, Joachim / Hertel, Guido: Voluntary Engagement in an Open Web-Based Encyclopedia: Wikipedians and Why They Do It. In: Media Psychology 1/2009, Seite 96 bis 120 14 Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie: Weblogs und Journalismus – Konkurrenz, Ergänzung oder Integration? In: Media Perspektiven, Heft 2/2007, Seite 102 15 Kopp, Mirjam / Schönhagen, Philomen: Die Laien kommen! Wirklich? Eine Untersuchung zum Rollenselbstbild sogenannter Bürgerjournalistinnen und Bürgerjournalisten. In: Quandt, Thorsten / Schweiger Wolfgang (Hrsg.): Journalismus online – Partizipation oder Profession? VS Verlag, Wiesbaden 2008, Seite 81 16 Vgl. Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie (Hrsg.): Journalismus im Internet: Profession – Partizipation – Technisierung. VS Verlag, Wiesbaden 2009

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Mit lokalen Fußballbloggern hat sich die Forschung hingegen noch nicht beschäftigt. gibt es jedoch noch keine Forschungen. Mit dieser Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, welche Motivation lokale Fußballblogger antreibt und mit welchem

Selbstverständnis sie ihrer Arbeit nachgehen.

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B – Theoretischer Teil

1. Sportjournalismus in Deutschland

Für die Zwecke dieser Arbeit würde es zu weit führen, die historischen Zusammenhänge, Definitionen und Probleme des Sportjournalismus in seiner Gänze aufzuführen. In das Thema Sportjournalismus in Deutschland ist deshalb nicht mehr als ein kurzer Einblick möglich. Die Ausführungen werden sich relativ schnell auf die Online-Sportmedien in Deutschland, die deutschen Sportblogs und schließlich die lokalen Fußballblogs in Deutschland konzentrieren.

1.1 Situation und Probleme des Sportjournalismus in Deutschland

Der

Sportjournalismus

als

Subsystem

des

Journalismus

unterliegt

zahlreichen

Einflussfaktoren.

„Das Feld des Sports stellt aufgrund seiner Strukturen offensichtlich einen publizistischen Sonderfall dar, der nicht selten für alle an seiner Entstehung Beteiligten mehr oder weniger gravierende Rollenkonflikte aufwerfen kann. (…) Die oft unausgebildeten Verfasser der Spielberichte im Lokalsportteil einer regionalen Zeitung können sich beispielsweise ebenso zum Kreis der Sportjournalisten zählen wie die Qualitätsschreiber von der FAZ (…) – in keinem anderen Ressort des Journalismus scheint die ‚Kluft in den Medien‘ (Sportjournalist 2004) so groß zu sein wie im Sportjournalismus.“17

In Deutschland gibt es derzeit nach Schätzungen des Deutschen Journalistenverbandes etwa 73.500 festangestellte Journalisten. Dazu kommen etwa 25.000 freie Journalisten und 2600 Volontäre. Unter den festen Journalisten sind nach Schätzungen des DJV etwa 2000 Online-

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Horky, Thomas / Schauerte, Thorsten / Schwier, Jürgen: Anpfiff. In: Horky, Thomas (Hrsg.): Sportjournalismus. UVK, Konstanz 2009, Seite 7f.

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Journalisten.18 Andere Quellen gehen von 48.000 Journalisten in Deutschland aus (davon 12.000 Freiberufler), von denen im Jahr 2004 knapp 2500 Journalisten als Festangestellte oder Freiberufler für journalistische Medien im Internet gearbeitet haben. 19

Wie viele dieser Journalisten sportjournalistisch tätig sind, kann nicht genau beziffert werden. „Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) besitzt nach eigener Auskunft im Jahr 2006 rund 3500 Mitglieder, schätzt aber die Zahl der hauptberuflichen Sportjournalisten, also derjenigen, die mehr als 50 Prozent ihrer Einkünfte über sportjournalistische Tätigkeiten verdienen, auf circa 4500. Die steigende Attraktivität des Sportjournalismus auf der einen Seite und das Entstehen neuer Berufsmöglichkeiten […] vor allem auf dem Sektor der Internetkommunikation auf der anderen Seite lassen vermuten, dass die Zahl der im Sportressort arbeitenden Journalisten im Jahr 2006 über 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen dürfte.“20

Die Bandbreite der Tätigkeiten im Sportjournalismus ist groß, vom lokalen Sportjournalisten bis zum Olympia-Berichterstatter. Das Grundproblem des Sportjournalismus ist jedoch nicht vom Objekt der Berichterstattung abhängig, ihm unterliegen fast alle Sportjournalisten: die mangelnde Distanz. Denn eine wohlwollende Haltung zum Objekt der Berichterstattung ist im Sportjournalismus seit jeher Tradition, wie im Folgenden dargestellt werden soll. Schon 1924 definierten die Sportjournalisten ihre Aufgabe beim ersten internationalen Kongress in Paris, den Sport „einem höheren Ziel näher zu bringen“.21

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Sportjournalisten lange Zeit von den Kollegen anderer Ressorts wenig anerkannt waren. 1976 noch bezeichnete Josef Weischenberg die deutschen

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Vgl. Informationen des Deutschen Journalistenverbandes auf dessen Webseite zu Arbeitsmarkt und Berufschancen: http://www.djv.de/Berufschancen.2572.0.html (abgerufen am 4. August 2011) 19 Vgl. Malik, Maja / Scholl, Armin: Eine besondere Spezies. Strukturen und Merkmale des Internetjournalismus. Ergebnisse der repräsentativen Befragung „Journalismus in Deutschland II“. In: Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie (Hrsg.): Journalismus im Internet: Profession – Partizipation – Technisierung. VS Verlag, Wiesbaden 2009, Seite 176f 20 Schaffrath, Michael: Wege in den Sportjournalismus – Ausbildungsvarianten, Tätigkeitsfelder und Berufsaussichten. In: Schaffrath, Michael (Hrsg.): Traumberuf Sportjournalismus. LIT Verlag, Berlin 2007, Seite 16 21 Vgl. Leyendecker, Hans: Abpfiff. In: Horky, Thomas (Hrsg.): Sportjournalismus. UVK, Konstanz 2009, Seite 308

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Sportjournalisten als Außenseiter der Redaktion 22, Felix Görner machte die Sportjournalisten 1995 dann zum Aufsteiger.23 Sybille Frütel dokumentierte 2005 in „Toy Department for Men“, dass ein Volontariat nicht unbedingt nötig ist, um sich im Sportjournalismus zu etablieren. 24 Viele Sportjournalisten seien über Praktika und Hospitanzen in den Beruf gerutscht. In Bezug auf die Motivation von lokalen Fußballbloggern ist bei Frütel besonders spannend, dass mehr als ein Drittel der Sportjournalisten die freie Mitarbeit als journalistische Berufsausbildung angaben.

Steffen Kolb folgerte schließlich 2009, dass sich heute zeige, „dass Sportjournalisten sich in der Beurteilung ihrer eigenen Rolle nicht (mehr) sehr stark von den Kollegen anderer Ressorts unterscheiden.“25 So sehen die Sportjournalisten ihre Pflicht mittlerweile offenbar vor allem darin, zu informieren – und nicht nur zu unterhalten. 26

Allerdings recherchieren Sportjournalisten noch immer deutlich weniger, als Journalisten anderer Ressorts. Ihr Image als Fans, die es auf die andere Seite der Bande geschafft haben, sind sie noch immer nicht los. Hans Leyendecker wirft den Sportjournalisten Korruption durch Nähe vor: „Alle Bereiche im Journalismus haben mit Nähe und Distanz Probleme, aber am stärksten scheinen sie im Sport zu sein. Man kennt sich. Man duzt sich. Man schätzt sich. Und – man braucht sich.“27

Exemplarisch sei diese Symbiose an den Sport übertragenden Fernsehsendern dargelegt. Der Sport spielt im Kampf um Quote und Image eine entscheidende Rolle – besonders seitdem das Privatfernsehen mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten konkurriert. 28 „Gleichzeitig scheint sich das Interesse an Sport und anderen attraktiven Freizeitakivitäten (Stichwort
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Weischenberg, Siegfried: Die Aussenseiter der Redaktion. Struktur, Funktion und Bedingungen des Sportjournalismus: Theorie und Analyse im Rahmen eines allgemeinen Konzepts komplexer Kommunikatorforschung. Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1976 23 Görner, Felix: Vom Außenseiter zum Aufsteiger: Ergebnisse der ersten repräsentativen Befragung von Sportjournalisten in Deutschland. VISTAS Verlag GmbH, Berlin 1995 24 Frütel, Sybille: Toy Department for Men. Eine empirische Studie zum internationalen Sportjournalismus. MedienSportVerlag, Pulheim 2005 25 Kolb, Steffen: Sportjournalisten in Deutschland. In: Horky, Thomas (Hg.): Sportjournalismus. UVK, Konstanz 2009, Seite 53 26 Vgl. ebd. 27 Leyendecker, Hans: Abpfiff. In: Horky, Thomas (Hg.): Sportjournalismus. UVK, Konstanz 2009, Seite 307 28 Vgl. ARD-Forschungsdienst: Sport, Medien und Publikum – eine wenig erforschte Allianz. In: Media Perspektiven, Heft 3/1998, Seite 144

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Erlebnisgesellschaft) mehr und mehr zu vermischen, was schließlich auch innerhalb der Medien eine zunehmende Inszenierung bzw. „Spektakularisierung“ des Sports nach sich zieht: Mediensport wird zu einem Unterhaltungsangebot.“ 29

Das Handbuch Journalismus und Medien beschreibt andersherum die Abhängigkeiten des Sports von den Medien: „In der gemeinsam Entwicklung zeigen sich sowohl Affinität als auch Abhängigkeit von Sport und Medien. Bestimmte Sportarten sind ohne Massenmedien gar nicht mehr denkbar.“30 Eine für unabhängigen Journalismus nicht förderliche Allianz.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die einseitige Berichterstattung, die den Sport nicht in seiner gesamten Breite abbildet, sondern stattdessen nur das beschreibt, was die meisten Zuschauer beziehungsweise Käufer findet. „Das von vielen Kommunikations- und Medienexperten prognostizierte ‚more of the same‘, also die Vervielfältigung desselben, wird in der ersten Phase der Öffnung von Sport-TV überaus deutlich. Nur wenige Sportarten, zeitweilig nur eine, werden immer exzessiver und auf verschiedenen Kanälen gleichzeitig oder zeitversetzt ausgestrahlt“, schreiben Josef Hackforth und Christoph Fischer im ABC des Sportjournalismus schon 1994.31

Aufgrund der hohen Quoten ist Sport natürlich auch ein verlockendes Mittel für Sender, ihre Werbeeinnahmen zu steigern.32 „Die Dreiecksbeziehung zwischen Sport, Medien und Wirtschaft hat sich inzwischen zu einem höchst komplexen und kommerziellen System entwickelt. Dabei bilden die drei Systeme eine Art Interessengemeinschaft, die von gegenseitigen Einflussnahmen und Abhängigkeiten gekennzeichnet ist.“33

Aufgrund der kommerziellen Verwertung des Sports können besonders FernsehRedaktionen häufig nicht mehr komplett frei entscheiden, über welche Sportereignisse sie berichten wollen. „Während bei den Printmedien die Fragen des Ob und des Wie
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Ebd. Weischenberg, Siegfried / Kleinsteuber, Hans J. / Pörksen, Bernhard: Handbuch Journalismus und Medien. UVK, Konstanz 2005, Seite 433 31 Hackforth, Josef / Fischer, Christoph: ABC des Sportjournalismus. Ölschläger, München 1994, Seite 19 32 ARD-Forschungsdienst: Sportkommunikation und ihre Bedeutung fü r die Nutzer In: Media Perspektiven, Heft . 10/2004, Seite 500 33 Gleich, Uli: Merkmale und Funktionen der Sportberichterstattung Sport und Medien – ein . Forschungsüberblick. In: Media Perspektiven, Heft 11/2000, Seite 511

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weitestgehend von den Sportredaktionen selbst geklärt werden können, sind die SportDependancen der Funkmedien bereits beim Ob abhängig von den Entscheidungen, die redaktionsextern gleichsam auf einer ‚höheren Ebene’ getroffen werden.“34 Die Verengung der Sportberichterstattung auf Spitzensport und Fußball ist damit zumindest zum Teil sogar von den Sportredakteuren im System selbst nur schwer zu verändern.

In den vergangenen Jahren sind die Übertragungsrechte zudem immer teurer geworden, Journalisten sind mehr denn je zu einer guten Präsentation und Unterhaltung ihres Publikums geradezu verpflichtet. Olympia, Fußball, Boxen oder Formel 1: Die Berichterstattung wird von Sendelizenzen und Einschaltquoten bestimmt. Allein für die Übertragungsrechte des deutschen Bundesliga-Fußballs geben ARD, ZDF, Sky, Sport1 und TOnline aktuell jedes Jahr insgesamt 412 Millionen Euro aus. In Zukunft soll es noch teurer werden.35

Kritischer Journalismus bleibt da auf der Strecke. „An pikanten und peinlichen Verstrickungen, an Geschichten über komplizierte Seilschaften zwischen Sportlern und Journalisten ist kein Mangel. In keinem anderen Journalismusbereich haben sich so symbiotische Verhältnisse zwischen Akteuren und Beobachtern entwickelt – der Journalist, der Sportler, der Verband, der Klub“36, konstatiert Hans Leyendecker. Die Tendenz der Verbrüderung hat auch Sebastian Fleischmann festgestellt. Fleischmann befragte 2007 in seiner Diplomarbeit 159 Sportjournalisten zu ihrer Arbeit als Sportjournalist und zu ihren beruflichen Einstellungen:

„Das große Problem des Sportjournalismus liegt im Verhältnis zum Gegenstand, ein großer Teil sitzt also doch mit den Sportlern im gleichen Boot: Viele Sportjournalisten haben ein besonders enges Verhältnis zu den Objekten ihrer Berichterstattung, sind Fans und pflegen gar private Kontakte zu ihnen. Anlass zur Hoffnung gibt jedoch, dass

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Schaffrath, Michael: Spitzensport und Sportjournalismus. Empirische Studie zum grundlegenden Verständnis der Beziehungen zwischen zwei Subsystemen und Akteurgruppen. MedienSportVerlag, Pulheim 2006, Seite 76 35 Vgl. Keil, Christopher: DFL Bundesligarechte. A, B oder C? Sueddeutsche.de, 19. Juli 2011 http://www.sueddeutsche.de/medien/dfl-bundesligarechte-a-b-oder-c-1.1121815 (abgerufen am 29. Juli 2011) 36 Leyendecker, Hans: Abpfiff. In: Horky, Thomas (Hg.): Sportjournalismus. UVK, Konstanz 2009, Seite 310

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bei jüngeren Sportjournalisten ein höheres Ausbildungsniveau festzustellen ist und die Recherche eine größere Rolle im Arbeitsalltag spielt.“37

Gleichzeitig wollen auch Sportkonsumenten nicht immer eine kritische Auseinandersetzung mit dem Berichterstattungsgegenstand. Besonders deutlich ist dies derzeit im Radsport zu beobachten. Während ARD und ZDF vergleichsweise kritisch berichten und deshalb mittlerweile auch keine Interviews mit dem Weltradsportverband UCI mehr bekommen38, berichtet Eurosport weiterhin unkritisch. Viele Fans schauen deshalb Eurosport 39, der Sender kann sich über vergleichsweise gute Zuschauerzahlen freuen. 40 „Als mediales Ereignis lebt der Sport von Athleten und Zuschauern. Der Athlet will Sieg und Rekord, der Zuschauer das Erlebnis“, schreiben Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz in ihrer Studie über die Bild, einem der Vorreiter der Boulevardisierung des Sports. 41

„Die Sportberichterstattung (...) konzentriert sich unter Vernachlässigung von Randund Breitensport primär auf nationalen und internationalen Spitzensport. Eine Auseinandersetzung mit den problematischen Aspekten des Sports (z. B. in Form von kritischen Hintergrundberichten) findet zu Gunsten einer ereigniszentrierten und zum Teil dramatisierenden Inszenierung mit Hilfe von speziellen Präsentations- und Kommentierungstechniken wenig Platz im Angebot der Sportberichterstattung.“42

Im Lokalsportjournalismus fehlen zusätzlich zu den grundsätzlichen Problemen im Sportjournalismus oft die Kapazitäten, um mehr zu leisten als eine 1:0-Berichterstattung. Die Berichterstattung im Lokalsport war lange von Männern dominiert, auf Leistung fixiert und
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Fleischmann, Sebastian: Alle in einem Boot? Investigativer Sportjournalismus in Deutschland – Eine Untersuchung der Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Einstellungen. Diplomarbeit an der Katholischen Universität Eichstätt vom 16. Oktober 2007 http://sportnetzwerk.eu/wpcontent/uploads/2008/02/fleischmann-diplomarbeit1.pdf (abgerufen am 29. Juli 2011) 38 Vgl. Seppelt, Hajo: Warum beim Doping weggeschaut wird. Zeit-Online, 2. Juli 2011 http://www.zeit.de/sport/2011-07/gastbeitrag-seppelt-doping-tourdefrance (abgerufen am 22. Juli 2011) 39 Diskussionen in Radsport-Foren wie diesem: http://www.radsportaktiv.de/forum/forum.php?FID=14&NID=273401&Seite=THEMA&Startseite=120 40 Vgl. Ohne Autor: Das wird aus der Tour de France bei ARD und ZDF – Eurosport jubelt. Sat + Kabel, 12. Juli 2011 http://www.satundkabel.de/index.php/nachrichtenueberblick/medien/82306-das-wird-aus-der-qtour-defranceq-bei-ard-und-zdf-eurosport-jubelt (abgerufen am 22. Juli 2011) 41 Arlt, Hans-Jürgen / Storz, Wolfgang: Drucksache „Bild“ – Eine Marke und ihre Mägde. Eine Studie der OttoBrenner-Stiftung. OBS-Arbeitsheft 67, Frankfurt/Main 2011, Seite 59 42 Gleich, Uli: Merkmale und Funktionen der Sportberichterstattung. Sport und Medien – ein Forschungsüberblick. In: Media Perspektiven, Heft 11/2000, Seite 514

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bot wenig Vielfalt, was die erste nationale Lokalsportstudie aus dem Jahr 2002 zum Teil bestätigte.43

Im Jahr 2011 hat sich daran nicht viel geändert. „Nicht Beiträge über Hintergründe und mit gesellschaftlicher Relevanz nehmen zu, sondern vor allem Texte, die man in die Kategorie redaktionelles Marketing einordnen könnte“, sagte Professor Jens Große im Frühjahr 2011. Große führte die nationale Lokalsportstudie damals durch.44

1.2 Online-Sportmedien in Deutschland

In Deutschland gibt es zahlreiche Medien, die über Sport berichten. Die Zahl der Anbieter hat in den vergangenen Jahren sogar zugenommen, stellt Michael Schaffrath fest. Von ihm stammt folgende Liste von Medienunternehmen, die im Jahr 2007 Sportberichterstattung angeboten haben. Diese sollte heute zumindest in großen Teilen noch aktuell sein. 45 o 2 Pay-TV-Sender (Premiere und Arena)46 o 10 öffentlich-rechtliche Fernseh-Vollprogramme (ARD, ZDF, 3SAT und sieben dritte Programme) o 4 privat-wirtschaftliche TV-Vollprogramme (RTL, SAT.1, Pro7, Vox) o 2 private Sportspartensender (DSF und Eurosport) o 106 regionale und lokale TV-Stationen o rund 250 Radioprogramme, (2 die von und den neun 11 öffentlich-rechtlichen sowie 200

Rundfunkanstalten

nationale

landesweite)

privatwirtschaftlichen Sendern (18 bundesweite, 38 landesweite und 144 lokale/regionale) angeboten werden

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Vgl. Scholz, Rolf / Große, Jens: Lokalsport in der Tageszeitung: Ergebnisse 1. nationale Lokalsportstudie. Verband Deutscher Lokalzeitungen, Berlin 2006 44 Drepper, Daniel: Schalke, Schalke, nichts als Schalke. Sonntagsschicht, 19. März 2011 http://www.sonntagsschicht.de/2011/03/wie-berichten-lokalzeitungen (abgerufen am 22. Juli 2011) 45 Vgl. Schaffrath, Michael: Wege in den Sportjournalismus – Ausbildungsvarianten, Tätigkeitsfelder und Berufsaussichten. In: Schaffrath, Michael (Hg.): Traumberuf Sportjournalismus. LIT Verlag, Berlin 2007, Seite 15 46 Mittlerweile heißt Premiere Sky und Arena ist nicht mehr am Markt

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o 347 Tageszeitungen, 133 publizistische Einheiten mit 1.552 Lokalausgaben, wobei zwischen 8 Straßenverkaufszeitungen, 10 überregionale Zeitungen sowie 329 lokalen, regionalen Abonnementzeitungen zu differenzieren ist o 34 Wochen- und Sonntagszeitungen o 1.288 Anzeigenblätter o 61 IVW-gezählte Sportzeitschriften o diverse nationale Presseagenturen (vor allem dpa und sid) o 350 Online-Sportanbieter (z.B. Sport1.de, Sport.de, Formel1.de, reviersport.de etc.)

Die Mediennutzung in Deutschland verändert sich seit Jahren. Nur noch 23 Minuten täglich lesen die Deutschen im Schnitt in der Tageszeitung, das Internet wird laut der jährlich durchgeführten Onlinestudie von ARD und ZDF mittlerweile 83 Minuten am Tag genutzt; zehn Jahre zuvor waren es nur 17 Minuten.47 Die meistgenutzten Medien bleiben Fernsehen (220 Minuten) und Radio (187 Minuten). Allerdings: In der Gruppe der 14 bis 49-Jährigen hat das Internet das Radio in der Nutzungsdauer bereits überholt. Täglich 144 Minuten verbringen die Jüngeren im Internet, nur noch 136 Minuten mit dem Radio und 151 Minuten vor dem Fernseher. Die Tageszeitung liegt hier gar nur bei zehn Minuten.48 74,7 Prozent der Deutschen nutzen mittlerweile das Internet, vor zehn Jahren waren es lediglich 37 Prozent. Bei den 14- bis 29-Jährigen nutzen sogar 97,3 Prozent das World Wide Web.49

Dieser Trend zeigt sich auch in den Auflagenmessungen des Instituts zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW). Die verkaufte Auflage der Tageszeitungen sank allein vom vierten Quartal 2009 bis zum vierten Quartal 2010 um 4,6 Prozent im Einzelverkauf beziehungsweise 1,7 Prozent im Abonnementverkauf. Von Ende 2000 bis Ende 2010 ging die verkaufte Auflage von 28,3 auf 22,3 Millionen Zeitungen pro Tag zurück. Ganz im Gegensatz dazu stiegen die Besuche bei deutschen Online-Medien stark an. Die Zahl der „Visits“ genannten Seitenbesuche bei von der IVW-erfassten Online-Medien stieg allein von
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Vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie 1998 bis 2009 http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=189 (abgerufen am 29. Juli 2011) 48 Vgl. Engel, Bernhard / Ridder, Christa-Maria: ARD/ZDF-Medienkommission: Massenkommunikation 2010. 9. September 2010 http://www.ard-werbung.de/fileadmin/downloads/media_perspektiven/PDFDateien/ARD_ZDF_Medienkommission_Handout_neu2.pdf (abgerufen am 29. Juli 2011) 49 Initiative D21, durchgeführt von TNS Infratest: (N)ONLINER Atlas 2011. Juli 2011 http://www.nonlineratlas.de/ (abgerufen am 29. Juli 2011)

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Ende 2009 auf Ende 2010 um 16,26 Prozent. Die Besuche von Seiten mit redaktionellem Content (hier sind zum Beispiel User-Generated-Content und e-Commerce ausgenommen) stiegen in diesem Zeitraum sogar um 18,66 Prozent.50

Zur Unterscheidung von journalistischen Angeboten von nicht-journalistischen Angeboten im Internet kursieren in der Forschung verschiedene Ansätze. Christoph Neuberger hat in seiner Studie „Journalismus – neu vermessen“ deshalb Internetseiten auf Autonomie, Aktualität, Periodizität und Universalität geprüft und dadurch versucht, die journalistischen Angebote herauszufiltern. Damit wollte Neuberger den Kernbereich des Journalismus eingrenzen. Diese Prüfung haben nur 18 Weblogs, fünf Nutzerplattformen und 13 Nachrichtensuchmaschinen überstanden: „Dies entspricht 7% der insgesamt 503 Angebote, die als „journalistisch“ identifiziert wurden. Die Dominanz der traditionellen Massenmedien im Kernbereich des Internetjournalismus ist ungebrochen: 77% der Angebote sind Internetableger von Presse und Rundfunk. Rund die Hälfte (53%) der journalistischen Angebote stammt allein von Tageszeitungen.“51

Was macht den klassischen Journalismus im Internet aus? Die Einbindung der Leser ist offenbar weniger verbreitet, als man annehmen würde: Internetjournalisten wollen nämlich vor allem schnell informieren, haben Maja Malik und Armin Scholl herausgefunden. „Dagegen bemühen sie sich seltener als die Gesamtheit der Journalisten darum, „normalen Leuten eine Chance [zu] geben, ihre Meinung zu Themen von öffentlichem Interesse zum Ausdruck zu bringen“. Dieses Ergebnis überrascht: Offenbar divergieren in diesem Punkt das journalistische Rollenverständnis und die Partizipationsmöglichkeiten des Internets.“52

In einer Befragung von Malik und Scholl aus dem Jahr 2005 gab kein einziger von 74 befragten Internet-Journalisten bei der Frage nach seinem Tätigkeitsbereich den Sport an.
50

Vgl. Geschäftsbericht der IVW für das Jahr 2010/2011. 28. April 2011 http://daten.ivw.eu/download/pdf/IVW-GB2010-2011.pdf (abgerufen am 29. Juli 2011) 51 Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie: Journalismus – neu vermessen: Die Grundgesamtheit journalistischer Internetangebote – Methode und Ergebnisse. In: Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie (Hrsg.): Journalismus im Internet: Profession – Partizipation – Technisierung. VS Verlag, Wiesbaden 2009, Seite 15 52 Malik, Maja / Scholl, Armin: Eine besondere Spezies. Strukturen und Merkmale des Internetjournalismus. Ergebnisse der repräsentativen Befragung „Journalismus in Deutschland II“. In: Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie (Hrsg.): Journalismus im Internet: Profession – Partizipation – Technisierung. VS Verlag, Wiesbaden 2009, Seite 14

14

Das „liegt wahrscheinlich daran, dass Sport (wie auch bei anderen Medien) häufig zusammen mit anderen Themenbereichen behandelt und wegen mangelnder Ressourcen hauptsächlich mit Hilfe von Agenturmeldungen bearbeitet wird.“53

Auch wenn ihre Zahl zumindest vor einigen Jahren im Vergleich zu anderen Ressorts noch sehr klein war, gibt es mittlerweile zahlreiche im Internet tätige Sportjournalisten. Schließlich gibt es offensichtlich eine Nachfrage nach Sport-Inhalten im Netz. Den Ergebnissen der ARD/ZDF-Onlinestudie zufolge suchen etwa ein Drittel der Nutzer im Internet Informationen zum Thema Sport. Die Zahl der Menschen, die angaben, häufig oder gelegentlich Informationen zum Sport im Netz zu suchen, stieg von 2005 bis 2009 von 29 auf 37 Prozent an.54

Bild.de dominiert mit seinen Abrufzahlen die Sportberichterstattung im deutschsprachigen Internet. Allein der Sport auf der Webseite von Bild hatte im Juni 2011 knapp 528 Millionen Page Impressions, also einzelne Klicks. Große Nachrichtenportale wie Spiegel Online liegen deutlich dahinter. Der Sport von Spiegel Online hatte im Juni 2011 gut 57 Millionen Page Impressions, bei Welt Online – einer der klickstärksten Nachrichtenseiten im deutschsprachigen Netz – waren es im gleichen Zeitraum 15 Millionen. 55

Im Internet erfolgreich ist zudem Sport1, der Ableger des TV-Kanals Sport1, der früher Deutsches Sportfernsehen (DSF) hieß. Seit dem 11. April 2010 firmiert der Fernsehsender unter dem Namen des Internetangebotes, beide gehören zur Constantin Media AG. 56 Die Webseite sport1.de hatte im Juni 2011 knapp 274 Millionen Page Impressions. Ein Teil davon fällt laut IVW unter anderem in die Kategorie Unternehmenskommunikation (diese Kategorie bezieht sich wohl auf Programmankündigungen), allein in die Kategorie Sport fallen aber mehr als 172 Millionen Page Impressions – mehr als drei Mal so viele wie der Sportteil von Spiegel Online im selben Zeitraum verbuchen konnte.

53 54

Ebd. Seite 178 Vgl. van Eimeren, Birgit / Frees, Beate: Der Internetnutzer 2009 – multimedial und total vernetzt? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009. In: Media Perspektiven, Heft 7/2009. Seite 342 55 Alle Daten laut Messung der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. unter ivw.de (abgerufen am 4. August 2011) 56 Ohne Autor: Aus DSF wird Sport1. Meldung auf sport1.de vom 2. Februar 2010: http://www.sport1.de/de/service/artikel_199349.html (abgerufen am 7. September 2011)

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In den vergangenen Jahren haben sich zudem neben den Webseiten klassischer Medien auch reine Sport-Webseiten erfolgreich am Markt etabliert. Zu diesen neuen Marken gehören zuvorderst Sportal und Spox. Die Webseite sportal.de hatte im Juni 2011 mit fast 17 Millionen Page Impressions in der Kategorie Sport mehr spezifische Klicks in diesem Bereich als Welt Online. Noch besser etabliert hat sich zuletzt spox.com, das erst im September 2007 gegründet wurde. Die Webseite hatte mit sportspezifischen Inhalten 49 Millionen Page Impressions im Juni 2011.57

Der Erfolg von Spox gründet auch in seiner Nutzernähe. In der Spox-Community können Nutzer ihre eigenen Texte veröffentlichen. „Blogs sind ein zentrales Element beim Internetportal Spox. Zwar sind sie in einem eigenen Bereich angesiedelt, besonders gute Texte kommen aber auch auf die Startseite, mitunter als Aufmacher. Die Beiträge der User sind denen der Redaktion gleichgestellt.“58 Anfang August hatten sich hier fast 70.000 Mitglieder angemeldet, die mehr als 12.000 Blogs auf spox.com betreiben. Seit Gründung der Community ist schon fast 3,7 Millionen Mal kommentiert worden. 59 Dies lässt erahnen, wie gut Sportblogs von deutschen Nutzern mittlerweile angenommen werden.

1.2.1 Sport-Blogs in Deutschland

Eine ungefähre Vorstellung davon, was ein Weblog ist, hat vermutlich jeder. Eine genaue Definition fällt jedoch nicht leicht. Grundsätzlich handelt es sich bei Weblogs um „regelmäßig aktualisierte Webseiten, die bestimmte Inhalte (zumeist Texte beliebiger Länge, aber auch Bilder oder andere multimediale Inhalte) in umgekehrt chronologischer Reihenfolge darstellen“.60

Laut Christoph Neuberger werden „die Eigenheiten von Weblogs in der persönlichen Perspektive, dem leichten Zugang zum Autor, der Meinungsvielfalt, der intensiven
57

Alle Daten laut Messung der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. unter ivw.de (abgerufen am 4. August 2011) 58 Mühlberger, Sarah: Wenn aus Amateuren Profis werden. Berliner Zeitung, 24. Mai 2011 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0524/medien/0002/index.html (abgerufen am 5. August 2011) 59 Alle Zahlen sind Eigenangaben auf der Startseite der Spox Community http://www.spox.com/myspox/ (abgerufen am 4. August 2011) 60 Schmidt, Jan: Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. UVK, Konstanz 2006, Seite 13

16

Diskussion und der externen Verlinkung zu Quellen gesehen“.61 Neuberger, Nuernbergk und Rischke untersuchten auch den öffentlichen Metadiskurs über Journalismus und Weblogs in Deutschland. Ihre Studie wertete Texte aus über das Verhältnis von Journalismus und Weblogs zwischen 2001 und 2006. Sie fanden heraus, dass nur 16 Prozent der sich äußernden Experten Weblogs für komplett unjournalistisch halten. Allerdings sprachen viele Aussageträger (zum Teil selbst Journalisten und/oder Blogger) den Weblogs zumindest einige typische journalistische Eigenheiten ab (zum Beispiel Objektivität, Relevanz, Glaubwürdigkeit). Blogger sehen sich selbst laut Neuberger häufig als Watchdog für die journalistischen Medien.62

Obwohl Blogs im journalistischen Diskurs eine große Rolle spielen, scheinen sie in der Öffentlichkeit bislang weniger stark angekommen zu sein. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 stellt fest: „Für die überwältigende Mehrheit der Onliner ist das Produzieren von usergenerated Content eher uninteressant. Bei den meisten Nutzern vollzieht sich also keine Änderung im Umgang mit dem Internet weg vom Abrufmedium hin zum Partizipationsinstrument.“63

Mit Bezug auf die öffentlichen Wahrnehmung von Weblogs sprechen die Autoren der Onlinestudie von einem Schattendasein. „Nur 1 Prozent aller Onliner nutzt solche Webpublikationen regelmäßig mindestens einmal pro Woche. Zum erweiterten Kreis derer, die überhaupt bloggen oder Blogs lesen, zählen 7 Prozent, das sind hochgerechnet 3,67 Millionen Onliner.“ 64 Im Vergleich zu 2007 ist die Zahl der Blog-Leser sogar zurückgegangen.65 Ein Drittel der Nutzer von Blogs sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und 60 Prozent der Blog-Nutzer kommentieren und schreiben selbst.66

61

Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie: Journalismus im Internet: Zwischen Profession, Partizipation und Technik. Ergebnisse eines DFG-Forschungsprojekts. In: Media Perspektiven, Heft 4/2009, Seite 181 62 Vgl. ebd. Seite 186f. 63 Busemann, Kathrin / Gscheidle, Christoph: Web 2.0: Aktive Mitwirkung verbleibt auf niedrigem Niveau. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011. In: Media Perspektiven 7-8/2011, Seite 360f. 64 Ebd. Seite 362 65 Vgl. Ebd. 66 Vgl. Ebd.

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Interessant für diese Arbeit: Bei Blogbetreibern ist das Thema Fußball sehr beliebt. Nach persönlichen Erfahrungsberichten beziehungsweise Tagebüchern und den Themen Freizeit und Hobby folgt bereits die Kategorie Fußball an Position drei der von Bloggern gewählten Themen.67 Andersherum taucht diese Kategorie in den von den Lesern meistrezipierten Blogs nicht auf. Dies weist entweder auf eine nicht ausreichend spezifische Kategorisierung dieses Teils der ARD/ZDF-Onlinestudie hin oder darauf, dass zwar relativ viele Blogger zum Thema Fußball veröffentlichen, diese Blogs aber vergleichsweise wenige Leser haben.

Die Anzahl an Blogs wächst derweil weiter. Auf der ganzen Welt kommen jeden Tag neue Blogs hinzu. Technorati.com, die größte Suchmaschine für Blogs weltweit, listete Anfang August 2011 1.275.810 Weblogs.68 Unter der Kategorie Sport sind 10.557 Blogs verzeichnet. Allerdings sind hier nur amerikanische Blogs eingetragen. Die allermeisten der mehr als 1,2 Millionen Blogs sind offenbar überhaupt keiner Kategorie zugeordnet, so dass diese Zahl nur wenig Aussagekraft hat.

Jedes Jahr veröffentlicht Technorati eine Übersicht über den Stand der Blogosphäre, also der Welt der Blogs. Für das Jahr 2010 stellte Technorati fest, dass 49 Prozent der weltweiten Blogs in den USA geschrieben werden.69 64 Prozent der Blogger, die auf die aktuelle Umfrage von Technorati geantwortet haben, betreiben ihr Blog als Hobby.70 Selbstdarstellung und das Teilen von Expertenwissen bleiben laut Technorati auch 2010 die wichtigsten Motive für Blogger. 70 Prozent der befragten Blogger sagten zudem, dass bei ihnen die persönliche Zufriedenheit den Erfolg ihres Blogs bemisst. 71

67

Vgl. Busemann, Kathrin / Gscheidle, Christoph: Web 2.0: Aktive Mitwirkung verbleibt auf niedrigem Niveau. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011. In: Media Perspektiven 7-8/2011, Seite 362 68 Die Zusammenstellung von technorati.com findet sich unter http://technorati.com/blogs/directory/ (abgerufen am 4. August 2011) 69 Vgl. Sobel, Jon: State of the Blogosphere 2010 – Introduction http://technorati.com/blogging/article/stateof-the-blogosphere-2010-introduction/ (abgerufen am 4. August 2011) Seite 1 70 Vgl. ebd. Seite 2 71 Vgl. Sobel, Jon: Day 2: The What and Why of Blogging – SOTB 2010 http://technorati.com/blogging/article/day-2-the-what-and-why2/ (abgerufen am 4. August 2011)

18

Die Ergebnisse der Umfrage können jedoch nur sehr eingeschränkt auf deutsche Blogger übertragen werden, da 71 Prozent der Antworten aus Nordamerika kommen. 72 Selbst die reine Zahl deutscher Blogs ist nur schwer zu ermitteln. Die Marketingfirma Sysomos beziffert den Anteil deutscher Blogs am weltweiten Netz auf 3,34 Prozent. 73 Bezogen auf die Zahlen von Technorati würde dies bedeuten, dass es in Deutschland gut 42.500 aktive Blogs gibt. Andere Zahlen für in Deutschland aufgesetzte, aber nicht mehr unbedingt aktive Blogs schwanken zwischen 600.00074 und 1,5 Millionen Blogs75.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Blogcharts-Betreiber Jens Schröder ging im Jahr 2007 davon aus, dass es in Deutschland 27.000 aktiv betriebene Weblogs gibt.76 Dies würde – eine leichtere Steigerung eingerechnet – auch in etwa mit dem oben ermittelten Wert von Sysomos / Technorati übereinstimmen. Blog-Wissenschaftler Jan Schmidt schreibt dahingegen: „Man kann die Zahl nicht wirklich verlässlich schätzen, aber ich gehe davon aus, dass es derzeit mehrere hunderttausend aktive Blogs in Deutschland gibt; dazu kommt eine deutlich größere Zahl von inzwischen nicht mehr aktiv betriebenen Blogs, die noch online stehen.“77

Nahezu unmöglich zu bestimmen ist die Zahl deutscher Sportblogs. Im Wikio-Ranking deutscher Sportblogs werden 100 Blogs publiziert. Dies sind jedoch nur die bestverlinkten Sportblogs.78 Schätzungsweise dürfte die Zahl der aktiv betriebenen und regelmäßig aktualisierten deutschen Sportblogs im niedrigen vierstelligen Bereich liegen. John Hennig
72

Vgl. Sobel, Jon: WHO: Bloggers, Brands and Consumers – Day 1 SOTB 2010 http://technorati.com/blogging/article/who-bloggers-brands-and-consumers-day/ (abgerufen am 4. August 2011) 73 Sysomos Inc.: Inside Blog Demographics, Analyse von Juni 2010 http://www.sysomos.com/reports/bloggers/ (abgerufen am 4. August 2011) 74 Vgl. Schröder, Jens: Wie viele deutschsprachige Blogs gibt es? Beitrag vom 19. April 2007 auf seinem Blog popkulturjunkie.de http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=2999 (abgerufen am 5. August 2011). Schröder stellt seit Jahren die deutschen Blogcharts zusammen (http://www.deutscheblogcharts.de) 75 Vgl. Schmidt, Jan: Wie viele Blogs gibt es in Deutschland? Beitrag vom 27. August 2010 auf seinem Blog schmidtmitdete.de http://www.schmidtmitdete.de/archives/707 (abgerufen am 5. August 2011). Schmidt forscht am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg zum Thema digitale interaktive Medien und politische Kommunikation 76 Vgl. Schröder, Jens: Wie viele deutschsprachige Blogs gibt es? Beitrag vom 19. April 2007 auf seinem Blog popkulturjunkie.de http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=2999 (abgerufen am 5. August 2011) 77 Vgl. Schmidt, Jan: Wie viele Blogs gibt es in Deutschland? Beitrag vom 27. August 2010 auf seinem Blog schmidtmitdete.de http://www.schmidtmitdete.de/archives/707 (abgerufen am 5. August 2011) 78 Das Ranking ist unter http://www.wikio.de/blogs/top/sport zu finden. Der Autor dieser Arbeit ist mit seinem Blog im September 2011 auf Rang 15 vertreten. Die offizielle Liste des Rankings geht bis Rang 100, andere Blogs und ihre Position können nur über die direkte Suche aufgefunden werden.

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führt derzeit im Rahmen seiner Diplomarbeit eine quantitative Befragung deutschsprachiger Sportblogger durch und hat im Vorfeld die Struktur der deutschsprachigen Sportblogs analysiert. Er geht ebenfalls davon aus, dass es in Deutschland, Österreich und der Schweiz – die exakte Trennung fällt hier schwer – mehrere tausend Sportblogs gibt. Aktive Sportblogs mit einem gewissen Nutzerkreis, der über den eigenen Freundeskreis hinaus geht, gibt es im deutschsprachigen Raum laut Hennig aber offenbar nur einige Hundert bis maximal 1000. 79

Was charakterisiert deutsche Sportblogs? „Das Internet dient […] als virtueller Hobbyraum von (Amateur-)Journalisten und schreibenden Fans, die etwas über die Vorgänge in der Welt des Sports mitteilen, was die interessierten Nutzer in den etablierten Massenmedien kaum finden“, schreiben Jürgen Schwier und Oliver Fritsch in einem der wenigen Aufsätze, die sich bislang mit Sportblogs in Deutschland befassen. 80 Die Sportblogs sollen demnach eine Art Ergänzung für die ohnehin übliche Berichterstattung sein.

Unter anderem durch die geringe Einstiegshürde – ein Weblog kann so gut wie jeder aufbauen, der sich im Internet bewegt – werden seit Jahren immer neue Sportblogs gegründet. „Von einzelnen Medien oder Journalisten hervorgebrachte Blogs zu Sportthemen haben jedenfalls Konjunktur und stehen zwischenzeitlich bei den Nutzern in dem Ruf, als kritisch-konstruktive Stimmen jenseits des mediensportlichen Grundrauschens ein durchaus anspruchsvolles Insider- bzw. Spezialwissen zu kommunizieren.“81

Schwier und Fritsch nennen als Betreiber von Sportblogs vor allem Fans. Diese würden mit dem Schreiben auf ihre „Unzufriedenheit mit der professionellen Berichterstattung und deren Konzentration auf den durchkommerzialisierten Spitzensport in einigen wenigen Disziplinen“ reagieren (siehe hierzu auch die Probleme des Sportjournalismus in Kapitel 1.1 „Definition und Probleme des Sportjournalismus“).82 In diese Kategorie fallen Sportblogs aus Randsportarten wie Basketball, Golf oder Schach, auch wenn entsprechend dem üblichen Konsumverhalten die allermeisten Blogger doch über Fußball schreiben (siehe auch Kapitel
79

Hennig, John: Deutsche Sportblogs. Noch unveröffentlichte Diplomarbeit am Institut für Kommunikationsund Medienwissenschaft der Universität Leipzig, Stand 2. September 2011. Veröffentlichung geplant für Anfang 2012. 80 Schwier, Jürgen / Frisch, Oliver: Sport-Weblogs. In: Horky, Thomas (Hrsg.): Sportjournalismus. UVK, Konstanz 2009, Seite 257 81 Ebd. 82 Ebd. Seite 260

20

1.2.2 „Lokale Fußballblogs in Deutschland“): Meist über ihre Lieblingsvereine in der Bundesliga aber auch über den lokalen Fußball vor Ort. Zudem verschaffen Blogs auch professionellen Journalisten die Möglichkeit, mit ihren Lesern direkt zu kommunizieren. 83

„Ein gemeinsames Merkmal derartiger Sportblogs dürfte darin bestehen, dass sie in der Regel gewisse institutionelle Beschränkungen des Corporate Journalism – u.a. dessen oft affirmatives Verhältnis zum Spitzensport und seinen Protagonisten – ignorieren und gerade aufgrund dieser Haltung bei immer mehr hauptberuflichen Sportjournalisten zur regelmäßigen Pflichtlektüre zählen. *…+ Ob Weblogs im Feld des Mediensports Themen setzen können oder gar als Gegenbewegung zur

Medienkonzentration taugen, bleibt allerdings gegenwärtig ebenso fraglich wie ihr medienökonomischer Stellenwert.“84

Schwier und Fritsch deuten hier an, dass Sportblogger offenbar zumindest teilweise auf die Missstände im Sportjournalismus reagieren (siehe hierzu noch einmal die Probleme des Sportjournalismus in Kapitel 1.1 „Definition und Probleme des Sportjournalismus“). Durch ihre Unabhängigkeit (von Verlegern, häufig von finanziellen Zwängen, von Lesern) können sie oft frei schreiben. Weil die meisten Blogger nicht Teil der Sportmedienmaschine sind, sorgen sie doch für einen anderen Blickwinkel auf das Sportgeschäft.

Unterstrichen wird diese Vermutung durch die zunehmende Verbreitung von FußballtaktikBlogs. Michael Cox gründete im Januar 2010 das Blog Zonalmarking 85, das während der Fußball-WM 2010 hohe Aufmerksamkeit bekam.86 „Ich fand weder im Fernsehen noch in den Zeitungen etwas über taktische Feinheiten“, sagt Cox über die Motivation zur Gründung seines Blogs.87 Auch dem deutschen Taktikblog-Pionier Tobias Escher (spielverlagerung.de) sei laut Marco Maurer in der Süddeutschen Zeitung nach der WM 2010 aufgefallen, dass eine Nische in den deutschen Medien unbesetzt war. 88 „Es geht zu viel um das Drumherum,

83 84

Vgl. Ebd. Ebd. Seite 261f. 85 zonalmarking.net 86 Vgl. Fritsch, Oliver: Reden wie Joachim Löw. Zeit-Online, 19. August 2010 http://www.zeit.de/sport/201008/medien-taktik-zdf-analyse (abgerufen am 5. August 2011) 87 Maurer, Marco: Die Demokratie der Doppel-Sechs. Süddeutsche Zeitung, 5. August 2011, Seite 15 88 Vgl. Ebd.

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weniger um die Sache.“89 Zonalmarking hat bis zu 20.000 Besucher täglich, Spielverlagerung immerhin 1000. Das Interesse an den Spezialblogs steigt, „auch, weil die klassischen Medien in Presse, Funk und Fernsehen das Randgebiet nicht erschließen können oder nur gelegentlich, aus aktuellem Anlass.“90

Das Spektrum der deutschen Sportblogger ist breit. Einige der aktivsten Sportblogger haben sich in Deutschland im Sportbloggernetzwerk organisiert. 91 Anfang August 2011 hatte das Sportbloggernetzwerk 118 Mitglieder, auch der Autor dieser Arbeit ist mit seinem Sportblog92 Mitglied des Netzwerks. Gegründet wurde das Netzwerk im Frühjahr 2009. Das Netzwerk sollte dafür da sein, „eine interne, nicht-öffentliche Plattform für sportaffine Blogger zu schaffen, um sich über technische, rechtliche und inhaltliche Probleme auszutauschen.“93 Hauptinitiator Kai Lorentz alias Probek fand damals gar, es sei „Zeit für eine Interessenvertretung für Blogger. Oder auch nur für eine zentrale Anlaufstelle im Web für die gemeinsamen Probleme.“ 94

Mittlerweile decken die Mitglieder des Netzwerks zahlreiche Sportarten und im Bereich Fußball viele Profivereine ab. Was auffällt: Die große Mehrzahl der Blogger bloggt in den alten Bundesländern.95

Ein großer Teil der Sportblogger schreibt über seinen Lieblingsfußballverein. Dazu gehören Blogs wie der 05er Fan Blog über den FSV Mainz 0596, die Clubfans United über den 1. FC Nürnberg97, der Adlerblog über Eintracht Frankfurt98 oder Textilvergehen über den 1. FC Union Berlin99. Auch Blogs zum Fußballgeschehen allgemein, gerne mit Themen abseits des

89 90

Ebd. Ebd. 91 sportbloggernetzwerk.de 92 danieldrepper.de 93 Motivationsbeschreibung von Mitgründer Enno Aljets http://www.aljets.de/internetprojekte/ (abgerufen am 5. August 2011) 94 Motivationsbeschreibung von Mitgründer Kai Lorentz http://www.probek.net/2009/04/04/warum-bloggereine-interessenvertretung-brauchen/ (abgerufen am 5. August 2011) 95 Zu sehen auf der (allerdings nicht vollständigen) Karte des Sportbloggernetzwerkes http://www.sportbloggernetzwerk.de/networks/iframe/index.9 (abgerufen am 5. August 2011) 96 05erfan.info 97 clubfans-united.de 98 adlerblog.de 99 textilvergehen.de

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Rasens, sind recht weit verbreitet. Zu diesen Blogs gehören zum Beispiel Trainer Baade 100, Kunthstücke101 oder das Blog Angedacht von Manuel Geiger alias Heinz Kamke102.

Andere berichten über ihre Lieblingssportarten, denen sie in den klassischen Medien zu wenig Beachtung geschenkt sehen. Dazu gehören Blogs über Basketball wie das von Henner Schläfke namens Gruebelei103, über Eishockey 104 oder Schach105.

Die deutsche Sportbloggerszene ist mittlerweile recht lebhaft, das hat auch die Berliner Zeitung festgestellt. „Es sind rosige Zeiten für Sportfans. Was die lokale Zeitung an Berichterstattung nicht bietet, vielleicht auch nicht bieten kann, findet sich im Netz. Hier ist Platz für die abseitigsten Sportarten, hier ist auch Raum für Diskussionen. Das Niveau vieler Sportblogs ist hoch, das gilt für Beiträge und Kommentare gleichermaßen. Meist steht am Anfang ein Hobby, das sich mit einem gewissen Kommunikationsbedürfnis paart.“ 106

Immer häufiger wird in klassischen Medien über Sportblogs berichtet. Neben den erwähnten Texten in Berliner Zeitung und Süddeutscher Zeitung hat am 2. August 2011 zum Beispiel auch der Radiosender 1live über Fußballblogs berichtet. „Immer beliebter sind dabei in letzter Zeit unabhängige Blogs, die von Fans für Fans geschrieben werden und oft ein hohes Maß an Professionalität und Fachwissen aufweisen.“107 David Schumann berichtet weiter, dass sich die Blogs aus den Fanzines, den Fan-Magazinen von Fans für Fans heraus entwickelt hätten. „Die Blogs zeichnen sich dabei vor allem durch ihre Unabhängigkeit aus. Auch unangenehme Themen werden in einer Art und Weise angesprochen, die auf den offiziellen Organen der Vereine so nie zu finden sein würden.“108

100 101

trainer-baade.de kunthstuecke.wordpress.com 102 angedacht.wordpress.com 103 gruebelei.de 104 Tilman Pauls Blog findet sich unter eishockey-blog.com 105 Ein Beispiel ist das Blog schach-welt.de, ein weiteres Beispiel ist schachblaetter.de 106 Mühlberger, Sarah: Wenn aus Amateuren Profis werden. Berliner Zeitung, 24. Mai 2011 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0524/medien/0002/index.html (abgerufen am 5. August 2011) 107 Schumann, David: Von Fans für Fans. Die besten Blogs der Sektor-Fußball-Erstligisten. Webseite des Radiosenders 1live, 2. August 2011 http://www.einslive.de/magazin/sport/2011/08/110801_blogs_erstligisten.jsp (abgerufen am 5. August 2011) 108 Ebd.

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Einer der bekanntesten Sportblogger Deutschlands ist Kai Pahl alias Dogfood mit seinem Blog AAS - allesaussersport 109. Pahl bezeichnet sich selbst als TV-Sport-Maniac und bloggt bereits seit mehreren Jahren110; er ist eine Art Alpha-Blogger im Bereich der Sport-Blogs. Pahl wird mittlerweile selbst von etablierten Medien beachtet, so gab er Anfang Januar dem Deutschlandfunk ein Interview zum Fernsehsport im Jahr 2011111. Zuletzt gab Pahl dem Deutschlandfunk im Juni O-Töne zu ausländischen Sportsendungen 112 und Fußballübertragungen im Netz113.

Zusätzlich zu ihrer Arbeit für klassische Medien bloggen auch einige Journalisten über Sport bloggen. Beispiele dafür sind Jürgen Kalwa 114, Jonathan Sachse115, der Autor dieser Arbeit selbst116 und allen voran Jens Weinreich117. Weinreich ist wohl der bekannteste Sportblogger Deutschlands und führte bis einschließlich August 2011 lange Zeit auch das Wikio-Ranking in der Kategorie Sport an. 118 Weinreich arbeitete als Ressortleiter Sport für die Berliner Zeitung ehe er sich als freier Journalist selbstständig machte und sein Blog startete. Er schreibt vor allem über Sportpolitik, Korruption und Doping. 2009 wurde er dafür unter anderem mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.119

„Zwar gibt es einige gelernte Sportjournalisten, die gleichzeitig herausragende Blogger sind, aber das ist nicht die Regel“, schreibt Sarah Mühlberger in ihrem bereits erwähnten Text für
109 110

allesaussersport.de Der Eintrag „About“ auf seiner Webseite allesaussersport.de ist von Ende Dezember 2006, das Impressum allerdings schon von Anfang 2005. 111 Küpper, Moritz: Die Programmzeitschriften können da nicht mehr mitkommen. Deutschlandfunk, 2. Januar 2011 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1355754/ (abgerufen am 5. August 2011) 112 Kreuzer, Heinz Peter: Sportschauen aus aller Welt. Deutschlandfunk, 4. Juni 2011 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1474003/ (abgerufen am 5. August 2011) 113 Kreuzer, Heinz Peter: Fußball im Netz. Deutschlandfunk, 7. Juni 2011 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1476859/ (abgerufen am 5. August 2011) 114 Kalwa berichtet von New York aus über amerikanischen Sport; unter anderem für die FAZ und den Deutschlandfunk. Er bloggt unter americanarena.wordpress.com 115 Sachse arbeitet als Social Media Experte für eine Agentur und war unter anderem für das ZDF bei der Tour de France 2011 unterwegs. Er bloggt unter jonathansachse.de 116 Ich arbeite für das Recherche-Ressort der WAZ sowie für verschiedene überregionale Medien wie ZeitOnline, ZDFonline und den Deutschlandfunk. Mein Blog ist unter danieldrepper.de zu erreichen 117 Weinreichs Blog ist unter jensweinreich.de zu erreichen 118 Die Webseite wikio.de erstellt jeden Monat eine Liste der deutschen Top-Blogs. Die Seite beschreibt ihr Verfahren selbst so: „Die Position eines Blogs im Wikio-Ranking hängt von der Anzahl und dem Wert der Links ab, die von anderen Blogs eingehen.“ Das aktuelle Ranking im Bereich Sport ist unter http://www.wikio.de/blogs/top/sport zu finden. Anfang September 2011 wird die Liste von Kai Pahls Blog allesaussersport.de angeführt 119 Vgl. Ohne Autor: Preise für Carta und Jens Weinreich. Spiegel Online, 25. Juni 2009 http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,632471,00.html (abgerufen am 5. August 2011)

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die Berliner Zeitung.120 Im Vergleich zur großen Zahl deutscher Sportjournalisten (vermutlich mehr als 5000, siehe Kapitel 1.1 „Definition und Probleme des Sportjournalismus“), ist die Zahl der von Sportjournalisten geführten Blogs vergleichsweise gering.

Den Weg vom Blogger zum Journalisten nahm Oliver Fritsch. Er begann auf seinen Blogs Indirekter Freistoss121 und Direkter Freistoss122 über Fußball zu schreiben. Der Indirekte Freistoss bietet seit Jahren regelmäßig Presseschauen an, mittlerweile arbeiten verschiedene Mitarbeiter gegen eine geringe Aufwandsentschädigung für das Blog 123. Auf dem Direkten Freistoss bieten Fritsch und befreundete Kollegen unregelmäßig Meinungsbeiträge zum Fußballgeschehen an. Mittlerweile ist Fritsch mit einer halben Redakteursstelle im SportRessort von Zeit-Online beschäftigt. Zudem führt er weiterhin die beiden genannten Blogs sowie die Video-Plattform der Hartplatzhelden 124.

Schaut man sich die vielen verschiedenen Blogs an, werden einige Gemeinsamkeiten deutlich. So werden viele Blogs von Einzelpersonen betrieben, die als Privatleute in ihrer Freizeit schreiben.

Die Betreiber der Sportblogs schreiben nach meinen Beobachtungen meistens über Themen, die von klassischen Medien nicht abgedeckt werden. Dies können fast gänzlich vernachlässigte Themen sein – wie die Berichterstattung über Schach, die detaillierte Aufarbeitung von Fußball-Taktiken oder die Beschäftigung mit der internationalen Sportpolitik. Die Fan-Blogs der Fußballblogger wollen häufig ihre eigenen Kommentare zum Geschehen abgeben.

Deutlich wird auch, dass sich zum Teil die Grenzen zwischen Online-Journalisten und Bloggern vermischen. Ein Beispiel ist der oben angesprochene Oliver Fritsch, der vom Blogger zum Zeit-Online-Redakteur wurde und noch immer nebenbei verschiedene Blog120

Mühlberger, Sarah: Wenn aus Amateuren Profis werden. Berliner Zeitung, 24. Mai 2011 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0524/medien/0002/index.html (abgerufen am 5. August 2011) 121 indirekter-freistoss.de 122 direkter-freistoss.de 123 Der Verfasser dieser Arbeit hat selbst einige wenige Male gegen Bezahlung für den Indirekten Freistoss gearbeitet 124 hartplatzhelden.de

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Plattformen betreibt. Ein weiteres Beispiel ist Jens Weinreich. Er nennt Bloggen „puren Journalismus“ und bezeichnet die Frage nach den Unterschieden als „standesdünkelhafte Frage“. Im Gespräch mit der Journalisten-Gewerkschaft DJV sagt Weinreich: „Ich bin absolut überzeugt, dass das eine das andere überhaupt nicht ausschließt, ganz im Gegenteil. […] Man kann mich als Blogger bezeichnen, als Journalist […]. Ich versuche das, was ich für Journalismus halte, im Blog zu machen.“ 125

Auch auf der Blogmesse re:publica ist in den Jahren 2010 und 2011 das Thema der Sportund Fußballblogs diskutiert worden. In diesem Jahr ging es teilweise sogar ganz speziell um das Verhältnis von Journalisten und Bloggern in der Sportberichterstattung 126. „Unscharf bleiben dabei doch immer die Begriffe. Ist Jens Weinreich, ist Oliver Fritsch Blogger oder Journalist? Als häufigstes Unterscheidungskriterium wird nicht die Qualität der Beiträge oder die Arbeitsmethodik, sondern die Wirtschaftlichkeit genannt. Der Journalist muss ökonomisch denken. Seine Geschichten müssen sich verkaufen. Davon lebt er. Der Blogger unterliege diesen Beschränkungen nicht“, schreibt das Blog Textilvergehen über die Diskussionsrunde.127

Die Pressesprecherin des 1. FC Nürnberg möchte laut Textilvergehen zwar Blogger und Pressevertreter nicht gleichsetzen, es spräche aber nichts dagegen, verlässliche Blogger in die Pressearbeit einzubeziehen. Auch Thomas Schneider als Vertreter der Deutschen Fußball Liga sagte, die DFL müsse überlegen, ob sie Blogger nicht akkreditieren wolle oder ihnen zumindest Informationen zukommen lassen müsse.128

Der Beruf des Journalisten ist seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland jedem frei zugänglich. Lange Zeit waren Bürger, die journalistisch publizieren wollten oder zumindest ihre Meinung kund tun wollten, in gewisser Weise abhängig von den organisierten

125

Video-Interview von der Konferenz Besser Online des DJV in Mainz. Hochgeladen auf Youtube am 21. November 2010 von djvbesseronline http://www.youtube.com/watch?v=b5oH8liOqGc (abgerufen am 5. August 2011) 126 Die Blogmesse re:publica XI fand in diesem Jahr vom 13. bis zum 15. April in Berlin statt. Ein Panel lief unter dem Titel „Vom Supporter zum Reporter“ http://re-publica.de/11/blog/panel/vom-supporter-zumreporter/#day14 (abgerufen am 5. August 2011) 127 Lamm, Stefanie: Selbstre:ferentiell. Text im Blog Textilvergehen vom 17. April 2011 http://www.textilvergehen.de/2011/04/17/selbstreferentiell/ (abgerufen am 5. August 2011) 128 Vgl. Ebd.

26

Massenmedien. Heute ist das dank niedrigster Zugangsvoraussetzungen im Netz längst nicht mehr so. Das macht sich auch im Bereich Sport bemerkbar.

1.2.2 Lokale Fußballblogs in Deutschland

Im vorhergehenden Kapitel 1.2.1 kaum Erwähnung gefunden haben diejenigen Blogs, die über den lokalen Amateurfußball vor Ort berichten und nicht über den Profifußball. Im Folgenden werden diese Blogs der Einfachheit halber „lokale Fußballblogs“ genannt. Die lokalen Fußballblogs bilden eine Spezialkategorie unter den zahlreichen Fußballblogs in Deutschland. Es gibt keine vorgegebene Definition für lokale Fußballblogs, deshalb grenzt der Verfasser dieser Arbeit diese Blogs zum besseren Verständnis und als Vorgabe für die anstehende empirische Arbeit, Auswertung und Diskussion selbst ein.

Lokale Fußballblogs beschäftigen sich mit den Fußballspielen der unterklassigen Teams einer bestimmten Region. Die betreffende Region ist dabei genau abgegrenzt, zudem wird meist eine mehr oder weniger klare Grenze zwischen Amateur- und Profifußball gezogen. Die lokalen Fußballblogs schreiben regelmäßig über die Vorkommnisse in den betreffenden Amateurligen und Vereinen, tragen Ergebnisse und Ereignisse zusammen, liefern den Fans und Fußballern vor Ort Informationen.

Lokale Fußballblogs sind häufig auf günstigen bis völlig kostenlosen Blog-Plattformen aufgezogen, größere und erfolgreichere Seiten können auch technisch anspruchsvoller aufgebaut sein. Da der Übergang vom lokalen Fußballblog zur lokalen Fußballwebseite fließend ist und eine klare Definition des Begriffes Blog in Abgrenzung zur Webseite ohnehin schwierig ist (siehe Kapitel 1.2.1 „Sportblogs in Deutschland“), werden auch Webseiten, die über lokalen Fußball berichten, in die Untersuchung mit eingeschlossen. Die Begriffe Blog und Webseite werden in Bezug auf lokale Fußballblogs deshalb im Folgenden synonym genutzt.

Wichtig ist dem Verfasser dieser Arbeit, dass diese Blogs oder Webseiten nicht nur bloße Anhängsel von regional erscheinenden Print-Magazinen sind und dass sie nicht von

27

klassischen Medien aufgebaut wurden und damit von diesen abhängig sind, sondern dass sie ein eigenständiges, alternatives, neu gegründetes Medium sind.

Die Reichweite lokaler Fußballblogs ist durch das Internet natürlich weltweit, Resonanz finden diese Blogs den Beobachtungen des Verfassers dieser Arbeit 129 zufolge jedoch vor allem in der Heimatregion über die sie berichten und darüber hinaus bei einigen ehemals dort beheimateten Menschen, die mittlerweile in andere Regionen umgezogen sind.

In vielen Fußballkreisen gibt es einfach strukturierte Foren zum Austausch der Beteiligten. Diese Foren sollen in dieser Arbeit außen vor bleiben. Ebenso nicht berücksichtigt werden Blogplattformen, die von den Redaktionen klassischer Medien betrieben werden. Darunter fallen zum Beispiel die Seiten der Saar Amateure, hinter denen die Saarbrücker Zeitung steht,130 oder die Amateursportseite der Dithmarschen Zeitung. Die Seite ist aber ebenso nicht relevant für diese Arbeit, da sie von einem klassischen Medium erstellt wurde (der Boyens Medien) und sich nicht nur auf den lokalen Fußball beschränkt, sondern auch über andere Sportarten berichtet.131

Einige Seiten wie spielerkabine.net bieten lediglich die Möglichkeit für Vereinsangehörige, Berichte einzustellen, betreiben jedoch selbst keinen Journalismus. Ebenfalls keinen eigenen Journalismus bietet die Plattform frankenkick.de an – hier laufen nur die Berichte verschiedener lokaler Medien wie des Donaukuriers zusammen, zusätzlich werden Links und Forum angeboten.132 Solche Plattformen fallen nach der zuvor vorgestellten Definition dieser Arbeit nicht in die Kategorie der lokalen Fußballblogs.

Die Seite fussifreunde.de bietet eine gute erste Übersicht über lokale Fußballblogs in Deutschland. Sie listet 23 Portale auf, die nach Bundesländern sortiert sind. Auffällig hierbei: In den neuen Bundesländern wird nur ein einziges Portal (Fußballwoche in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern) aufgeführt, alle
129

anderen Portale

sind

in den alten

Kommentare auf den entsprechenden Fan-Seiten auf Facebook, Forumseinträge, Kommentare unter Artikeln, persönliche Gespräche etc. 130 saaramateur.de/redaktions-blog (abgerufen am 6. August 2011) 131 sportplatz.sh (abgerufen am 6. August 2011) 132 Das Forum unter frankenkick.de war zum Zeitpunkt der Recherche abgeschaltet (abgerufen am 6. August 2011)

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Bundesländern angesiedelt. Eine ähnliche Verteilung ist auch bei den Mitgliedern des Sportbloggernetzwerks zu beobachten.133

Einige der Plattformen bringen eigene Zeitschriften heraus, andere sind nur Anhängsel einer Zeitschrift. Die Entscheidung, ob hier der Fußballblog oder die Zeitschrift überwiegt, ist ohne genaue Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort per nicht einfach. Auch die Übergänge zwischen Foren, Link- und Berichtssammlungen, journalistischen Portalen und Ablegern von klassischen Medien sind sehr schwierig abzugrenzen. So ist recht schnell zu erkennen, dass die Seite fussball-vorort.de aus München mit dem Münchner Merkur kooperiert.134 Die Seite snoa.de wirkt dagegen zum Beispiel auf den ersten Blick eigenständig, persönlich haftende Gesellschafterin der dahinter stehenden GmbH ist jedoch die Nordwest Zeitung.135

Vermutlich sind dem Verfasser dieser Arbeit trotz seiner Vorrecherchen einige Nischenportale noch immer nicht bekannt. Eine genaue Zahl ist deshalb schwer auszumachen. Wenn man die oben aufgeführten Kriterien hart anwendet, dürfte es aber wohl nicht viel mehr als zwei Dutzend aktiv betriebene lokale Fußballblogs in Deutschland geben.

Einige weitere Beispiele sind in Hamburg die von befreundeten Fußballern betriebene Seite blog-trifft-ball.de (die auf fussifreunde.de nicht gelistet ist); auf der anderen Seite findet sich im Hamburger Amateurfußball auch die Seite sportnord.de, die von der ErFuba GmbH herausgegeben wird.136

Ebenfalls professionell wirkt die in Nordrhein-Westfalen angesiedelte Seite amateurkick.de, die von Peter Wingen und Patrick Döring betrieben wird, die sich als Döring & Wingen GbR

133

Die entsprechende Karte des Sportbloggernetzwerks zeigt für einen Teil der Mitglieder die Standorte der jeweiligen Blogs an. Die Karte ist leider nur im internen Bereich des Netzwerks zu sehen. Sie ist im Anhang zu finden. 134 Informationen im Impressum http://www.fussball-vorort.de/ueber-uns/impressum/ (abgerufen am 7. August 2011) 135 Informationen im Impressum http://www.snoa.de/impressum.html (abgerufen am 7. August 2011) 136 Informationen im Impressum http://www.sportnord.de/impressum/?PHPSESSID=6883d0ded420dfc7ce6a6c3c3947d2d2 (abgerufen am 7. August 2011)

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organisiert haben.137 Seit 2007 betreiben Döring und Wingen amateurkick.de; zuvor pflegten die beiden ein Blog mit ähnlicher Ausrichtung namens vierte-liga.de.138 Auch das durch die nationale Berichterstattung – unter anderem im Spiegel139 – bekannteste aller Fußballblogs, FuPa, ist bereits seit längerem in einer GmbH organisiert.140

Interessant für diese Arbeit sind insbesondere lokale Fußballblogs mit journalistischen Inhalten, keine Linksammlungen oder reine Foren. Die Betreiber sind zu Beginn meist einzelne Personen wie bei fupa.net oder befreundete Fußballer wie bei blog-trifft-ball.de. Läuft die Seite gut, kommen weitere Helfer oder Mitarbeiter hinzu. Bei FuPa verdienen mittlerweile mehrere Menschen ihr Geld. 141

Wenn man sich auf die oben eingegrenzten Blogs beziehungsweise Seiten konzentriert, kann man einige Gemeinsamkeiten ausmachen. Alle Seiten liefern die grundsätzlichen Informationen, also Ergebnisse, Tabellen und Statistiken. Darüber hinaus bieten alle Seiten Spielberichte an – mal mehr, mal weniger vollständig. Bei fal-hessen.de zum Beispiel sind die Spielberichte auf der Startseite zum Teil bereits sehr alt.142

Aktueller und umfangreicher ist die Berichterstattung auf den Portalen sportnord.de und amateurkick.de. Das Vorzeigeportal FuPa.net bietet neben Spielberichten zum Teil auch etwas hintergründigere Berichte, aktuelle Texte, Analysen – und das zum Teil bis hinunter zur untersten Liga. Seit dem 5. August hat FuPa noch eine weitere Neuerung eingeführt: Es lässt die Nutzer selbst Liveticker zu allen Spielen bedienen. Eine Möglichkeit die es nach Kenntnis des Verfassers dieser Arbeit bisher sonst noch auf keiner Amateurfußballseite gibt und welche die Vormachtstellung und Innovationskraft von FuPa unterstreicht.

137

Informationen im Impressum http://www.amateurkick.de/intern/intern-Impressum;art59,296 (abgerufen am 7. August 2011) 138 Erklärung zur Entstehung von amateurkick.de im Impressum http://www.amateurkick.de/intern/internImpressum;art59,296 (abgerufen am 6. August 2011) 139 Dworschak, Manfred: Wikipedia der Fußballnarren. Der Spiegel 1/2010, 4. Januar 2010 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68525309.html (abgerufen am 7. September 2011) 140 Impressum von FuPa http://www.fupa.net/index.php?option=com_lmo&page=impressum (abgerufen am 7. August 2011 141 Drepper, Daniel: Schalke, Schalke, nichts als Schalke. Amateurfußballportal Sonntagsschicht, 19. März 2011 http://www.sonntagsschicht.de/2011/03/wie-berichten-lokalzeitungen/ (abgerufen am 6. August 2011) 142 Zu erreichen unter http://www.fal-hessen.de (abgerufen am 24. August 2011)

30

Die Seite blog-trifft-ball.de legt viel Wert auf aktuelle Nachrichten und selbstgeschriebene Liveticker. Die Seite ist frisch und kreativ aufgemacht, allerdings recht unübersichtlich. Und sie konzentriert sich in ihrer Berichterstattung stark auf die Oberliga Hamburg, lässt unterklassige Ligen außen vor.

Die meisten der beschriebenen Seiten verraten wenig über ihre Macher. Amateurkick.de, sportnord.de oder fal-hessen.de gehen nicht über ein normales Impressum hinaus. Auch FuPa.net verrät nichts über seine Intention, allerdings ist hier neben einem einfachen Impressum eine Übersicht der Mitarbeiter einzusehen. 143 Diese Übersicht verdeutlicht, dass dutzende freie Mitarbeiter für FuPa mittlerweile aktiv sind.

Deutlich mehr über die Intention ihrer Arbeit verraten die Macher der Seite blog-trifftball.de, die ohnehin sehr nutzernah schreiben. „Mit „blog trifft ball“ vertreiben wir den Muff aus dem Amateurfußball und haben sogar selber noch jede Menge Spaß“, schreibt zum Beispiel Autor Benny Semmler.144 Autor Anant Agarwala schreibt, dass Schreiben für ihn „mehr als ein Hobby“ sei und das blog-trifft-ball.de in Zukunft „hoffentlich DIE Amateuranlaufstelle“ ist.145

Blog-trifft-ball.de wirbt auch um neue Mitarbeiter. Allerdings macht die Seite gleich klar, dass es nichts zu verdienen gibt: „Mit Geld und Gewinnen können wir nicht dienen. Aber Ruhm und Ehre sind dir gewiss.“146

Auch über die Intention von FuPa-Macher Michael Wagner ist bereits ein wenig Vorwissen vorhanden. Der Verfasser dieser Studienarbeit hat mit Michael Wagner bereits im Frühjahr 2011 ein Gespräch über seine Motive zum Betrieb seiner Seite geführt. Wagner ärgerte sich im Jahr 2005, dass er zu den örtlichen Vereinen nirgendwo verlässliche Informationen bekam. „Keine Anschriften, keine Wappen, Fotos oder Spielerkader: Das Internet bot nichts. Also machte Wagner […] eine eigene Seite auf. […] Motivation waren die fehlenden
143

Für jede der Regionen hat FuPa eine eigene Teamseite angelegt. Als Beispiel die Teamseite von Niederbayern, dem Kerngebiet von FuPa http://www.fupa.net/index.php?page=fupa_team&site_id=1 (abgerufen am 6. August 2011) 144 Vorstellung des Teams von blog-trifft-ball.de http://blog-trifft-ball.de/team/ (abgerufen am 6. August 2011) 145 Ebd. 146 Aufruf zur Mitarbeit auf blog-trifft-ball.de http://blog-trifft-ball.de/mitmachen/ (abgerufen am 6. August 2011)

31

Informationen. Erst nach und nach kamen journalistische Berichte hinzu. Heute machen journalistische Texte bei FuPa.net etwa 50 Prozent des Inhalts aus, die andere Hälfte sind klassische Vereinsinfos.“147

Einige Infos zur Motivation lokaler Fußballblogger hat zudem die Deutsche Akademie für Fußballkultur aus Nürnberg zusammengetragen. Die Akademie hat sich im März 2011 des Themas angenommen und mit sieben Magazinen und Blogs über lokale

Fußballberichterstattung gesprochen. Grundsätzlich halten die Autoren der Befragung fest: „Gängiges Motiv für die Gründung solcher Magazine ist die mangelnde oder wenigstens mangelhafte Berichterstattung in den lokalen Medien, die sich oft auf das Nötigste beschränkt.“148 Die von der Deutschen Akademie für Fußballkultur befragten Projekte 149 sind kleinere und größere Unternehmen, die ein beachtliches Maß an Professionalität aufweisen. „Für Viele – oft selbst leidenschaftliche Fußballer – bietet sich somit die Möglichkeit, ein Stück weit Selbstverwirklichung mit dem Verdienst ihres Lebensunterhaltes zu verbinden.“150

Dabei sind jedoch auch Zeitschriften und Seiten, die nicht in meine Definition lokaler Fußballblogs fallen. Außerdem ist die Befragung schriftlich und mit einem standardisierten Fragebogen erfolgt. Es gibt somit zwar kleinere Überschneidungen der durchgeführten Befragung mit meiner Arbeit, ihr Fokus ist insgesamt aber ein anderer. 151

147

Drepper, Daniel: Schalke, Schalke, nichts als Schalke. Amateurfußballportal Sonntagsschicht, 19. März 2011 http://www.sonntagsschicht.de/2011/03/wie-berichten-lokalzeitungen/ (abgerufen am 6. August 2011) 148 Schirmer, Christian / Schirmer, Patrick: Amateurfußball-Magazine. März 2011 http://www.fussballkultur.org/thema-fussball/specials/2011-03-amateurmagazine.html (abgerufen am 25. August 2011) 149 Es sind die Macher folgender Magazine und Webseiten: RevierSport, fussballn.de, Auf Asche, Auf’m Platz, Fussifreunde Hamburg, Anpfiff, Gökick 150 Schirmer, Christian / Schirmer, Patrick: Amateurfußball-Magazine. März 2011 http://www.fussballkultur.org/thema-fussball/specials/2011-03-amateurmagazine.html (abgerufen am 25. August 2011) 151 Vgl. Schirmer, Christian / Schirmer, Patrick: Amateurfußball-Magazine. März 2011 http://www.fussballkultur.org/thema-fussball/specials/2011-03-amateurmagazine.html (abgerufen am 25. August 2011)

32

2. Zwischenfazit und Forschungsfrage

Ein kurzes Zwischenfazit soll an dieser Stelle klären, welches Wissen über lokale Fußballblogs vorhanden ist und welche Fragen sich daraus an die Betreiber dieser Weblogs ergeben. Im Anschluss wird die zentrale Forschungsfrage dieser Studienarbeit formuliert.

Die öffentliche Kommunikation und damit auch der Journalismus haben sich in den vergangenen Jahren extrem verändert. Die Möglichkeiten selbst im weltweiten Netz zu publizieren sind vielfältig, die technischen Voraussetzungen niedrig. Dies hat auch im Sportjournalismus zu Veränderungen geführt, zahlreiche sportinteressierte Menschen haben Weblogs eröffnet. Die Grenzen zwischen Bloggern und Online-Journalisten sind dabei oft fließend und verschwimmen immer mehr. Besonders im lokalen Sportjournalismus werden seit langem Umfang und Qualität der Berichterstattung kritisiert.

Die Motive von Bloggern sind grundsätzlich noch vergleichsweise wenig erforscht. Mit lokalen Fußballblogs hat sich in dieser Form offenbar noch niemand wissenschaftlich beschäftigt. Dabei füllen diese Blogger offenbar eine Lücke, die viele lokale Zeitungen offen lassen. Die Blogger könnten entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des lokalen Sportjournalismus nehmen.

Da wie beschrieben zu diesem Thema bisher noch keine Forschungsarbeiten erarbeitet wurden, ist der Verfasser dieser Studienarbeit vor allem explorativ und

hypothesengenerierend vorgegangen. Die Hypothesen könnten dann von nachfolgenden Forschungen überprüft werden.

Die Kernfrage meiner Arbeit lautet wie folgt: Welche Motive haben lokale Fußballblogger?

Daraus ableitend möchte ich untersuchen, ob lokale Fußballblogger die Weblogs auch aufgrund der fehlenden Berichterstattung klassischer Medien gegründet haben, ob sie an ihre Arbeit journalistische Ansprüche stellen und ob sie ihre Arbeit nur aus Spaß machen oder doch auf Bekanntheit und eventuell auch finanziellen Erfolg hoffen.

33

Meine Studienarbeit soll Ansätze für weitere Forschungen eröffnen und im besten Fall erste Erkenntnisse zu einem besseren Verständnis des Phänomens lokale Fußballblogger bieten.

34

C – Empirischer Teil

3. Methodisches Vorgehen

In diesem Kapitel wird die Untersuchungsmethode vorgestellt. Zunächst wird darauf eingegangen, warum das teil-standardisierte Experteninterview für die Befragung genutzt wird und was diese Art der Befragung ausmacht. Im Anschluss soll die Auswahl der Befragten erläutert werden, bevor der Leitfaden für den Fragebogen konstruiert wird. Zuletzt wird die Durchführung der Untersuchung beschrieben.

3.1 Die Untersuchungsmethode

Als

Untersuchungsmethode

für

diese

Arbeit

wurde

das

teil-standardisierte

Experteninterview gewählt. Bei dieser Forschung interessieren die Motive und Einstellungen der lokalen Fußballblogger. Aus diesem Grund sollen diese in den Interviews als Experten zu Wort kommen. Bislang wurden lokale Fußballblogger noch nicht befragt, ihre Motive wurden medienwissenschaftlich noch nicht untersucht.

„Befragungen können […] nach dem Grad der Strukturierung oder Standardisierung unterschieden werden. Dabei handelt es sich um ein Kontinuum mit den Polen ‚vollständig strukturiert‘ auf der einen und ‚unstrukturiert, offen‘ auf der anderen Seite. Bei einem vollständig strukturierten Interview werden (a) alle Fragen mit (b) vorgegebenen Antwortkategorien in (c) festgelegter Reihenfolge gestellt. Offene Interviews erfordern dagegen nur minimale Vorgaben, im Extremfall nur die Vorgabe eines Themas der Befragung.“152

Ein

entscheidender

Vorteil

des

teil-standardisierten

Experteninterviews,

auch

Leitfadeninterview genannt: „Ein Leitfadeninterview erlaubt eine offene Gesprächsführung, die sich aber an einer zuvor ausgearbeiteten Reihenfolge der Fragen entlang entwickelt,

152

Vgl. Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung (19. Auflage). Rowohlt, Reinbek 2008, Seite 437

35

ohne dass akribisch an dieser Reihenfolge festgehalten werden muss.“153 Es ist dem Interviewer möglich, bei einzelnen Fragen nachzuhaken. Der Interviewer nimmt eine aktive Rolle ein, wodurch die Einflüsse auf das Interview deutlich höher sind, als bei einem standardisierten Interview.154 Die Interviews erfordern somit vom Durchführenden eine höhere Kompetenz. „Daher wird der Interviewer im Regelfall der Forscher sein.“ 155

Laut Diekmann sind deshalb Objektivität und Reliabilität eher bei standardisierten Interviews gegeben.156 Allerdings erhält man bei hoher Standardisierung „keine Informationen jenseits des Spektrums der vorgelegten Antwortkategorien.“157 Daher sind standardisierte Interviews „nur dann zweckmäßig, wenn ein erhebliches Vorwissen über die zu erforschende soziale Situation existiert.“158 Dies liegt im Fall dieser Untersuchung, wie die Beschreibung der Forschungslage gezeigt hat, nicht vor. Die Arbeit über lokale Fußballblogger ist explorativ, da bislang noch keine Forschungen zu diesem Bereich vorliegen. Vorab lässt sich somit kein standardisierter Fragebogen erstellen, weshalb sich die teilstandardisierten Experteninterviews als Forschungsmethode eignen.159

Bei der Erstellung des wissenschaftlichen Fragebogens drohen verschiedene Fehlerquellen. Das Problem der sozialen Erwünschtheit soll durch möglichst neutrale Frageformulierungen vermieden oder zumindest möglichst gering gehalten werden. Diese neutralen Formulierungen sollen vermeiden helfen, „dass die ‚sozial erwünschten‘ Eigenschaften bereits durch wertbesetzte Begriffe im Fragetext aktualisiert werden“, wie Andreas Diekmann schreibt.160

Das Problem der sozialen Erwünschtheit könnte besonders in der hier vorliegenden Befragung auftreten, da es um die Motivation der Befragten geht, der Fragenkatalog also persönliche Fragen beinhalten wird. Und je heikler eine Frage ist, desto stärker wird sich laut

153 154

Klammer, Bernd: Empirische Sozialforschung. UVK, Konstanz 2005, Seite 229 Vgl. Ebd. Seite 230 155 Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung (4. Auflage). Beltz Verlag, Weinheim 2005, Seite 357 156 Vgl. Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung (19. Auflage). Rowohlt, Reinbek 2008, Seite 437f. 157 Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung (19. Auflage). Rowohlt, Reinbek 2008, Seite 438 158 Ebd. 159 Vgl. Ebd. Seite 33f. 160 Ebd. Seite 449

36

Diekmann der Effekt sozialer Erwünschtheit bemerkbar machen.161 „Welche der Antworten der Meinung des Befragten entsprachen und welche nur gegeben wurden, um sich nicht in Widersprüche zu verstricken, ist bei der späteren Auswertung der Befragung oftmals nicht mehr zu rekonstruieren.“162

In der folgenden Befragung zu beachten ist auch die Akquieszenz oder Ja-Sage-Tendenz. Laut Diekmann gibt es grundsätzlich eine sehr hohe Neigung zur inhaltsunabhängigen Zustimmung, dass also die Befragte grundsätzlich lieber mit Ja als mit Nein antworten.163 Daher sollen im Fragebogen Ja/Nein-Fragen weitestgehend vermieden werden.

„Im Allgemeinen sind die Ergebnisse bei ‚sensiblen‘ Fragen umso weniger verzerrt, je geringer die soziale Distanz zwischen Interviewern und Befragten ist.“164 Deshalb wird sich der Autor dieser Arbeit zu Beginn der jeweiligen Interviews selbst als Betreiber eines Sportblogs zu erkennen geben. Das soll die soziale Distanz zu den Interviewten verringern.

Wichtige Grundlagen für die Formulierung der Fragen sind ferner: Sie sollten kurz, verständlich und hinreichen präzise sein, keine doppelten Verneinungen enthalten, sie sollten stark wertbesetzte Begriffe vermeiden und möglichst nicht mehrdimensional sein. Zudem sollen Suggestivfragen vermieden werden.165

Diekmann unterscheidet je nach Art der Kommunikation drei Formen des Interviews: Das persönliche Interview, das Telefoninterview und die schriftliche Befragung. 166 Der Autor dieser Arbeit hat sich aus zeitlichen und finanziellen Gründen für eine telefonische Befragung entschieden.

161 162

Vgl. Ebd. 448f. Klammer, Bernd: Empirische Sozialforschung. UVK, Konstanz 2005, Seite 236 163 Vgl. Ebd. Seite 452 164 Ebd. Seite 466 165 Vgl. Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung (19. Auflage). Rowohlt, Reinbek 2008, Seite 479 bis 483 166 Vgl. Ebd. Seite 437

37

3.2 Auswahl der Befragten

In dieser Studienarbeit sollen die Betreiber lokaler Fußballblogs befragt werden. Weil sie sich nahezu täglich mit ihren betriebenen Webseiten auseinandersetzen, sind sie Experten für lokale Fußballblogs. „Nur die unmittelbar Beteiligten haben dieses Wissen, und jeder von ihnen hat aufgrund seiner persönlichen Beobachtungen eine besondere Perspektive auf den jeweiligen Sachverhalt.“ 167

Die Experten wurden nach Abschluss des theoretischen Teils dieser Arbeit ausgewählt, weil erst im Anschluss an die ausführliche Beschäftigung mit den lokalen Fußballblogs eingeschätzt werden konnte, welche Blogger sich tatsächlich umfassend zum Thema äußern können. Auswahlkriterium war, dass die Blogger wie in Kapitel 1.2.2 („Lokale Fußballblogs in Deutschland“) definierte lokale Fußballblogs betreiben und diese darüber hinaus regelmäßig aktualisieren.

Nach ersten Vorrecherchen ergaben sich etwa ein Dutzend Kandidaten, die gut in die im Vorfeld definierten Grenzen eines lokalen Fußballblogs passen und somit mögliche Kandidaten für die teilstandardisierten Experteninterviews sind. Letztlich wurden sieben lokale Fußballblogger für Interviews kontaktiert. Diese sieben Blogger wurden nicht willkürlich ausgewählt, stattdessen sollten sie möglichst viele Regionen Deutschlands abdecken.

Leider kam es mit den Betreibern zweier Seiten nicht zu den angefragten Interviews, da die Betreiber sich letztlich trotz mehrfacher Anfrage nicht mehr zurückmeldeten.

Kontaktaufnahme und Terminabsprachen erledigte der Autor dieser Arbeit durch Telefonanrufe und E-Mails. War bei einigen der ausgewählten Blogs nicht eindeutig, welcher der Autoren Gründer und Betreiber war, wurde dieses im Vorfeld in telefonischer Absprache geklärt.

167

Vgl. Gläser, Jochen / Laudel, Grit: Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. VS Verlag, Wiesbaden 2004, Seite 9

38

3.3 Konstruktion des Fragebogens

Die Konstruktion des Fragebogens fußt auf der theoretischen Herleitung und der vorgestellten Definition von lokalen Fußballblogs. Nur durch die Vorarbeit war es möglich, die bereits bestehenden Erkenntnisse über die Motivation von Bloggern zu eruieren und die derzeit vorzufindenden Zustände lokaler Fußballblogs in Deutschland zusammenzutragen. Wichtige Einblicke haben auch die Recherchen des Autors für verschiedene Texte über lokale Fußballblogs gegeben sowie die Teilnahme am Seminar „Online-Sportjournalismus“ im Sommersemester 2010 an der TU Dortmund. Hilfreich waren zudem die Vernetzung innerhalb der Sportbloggerszene und sich daraus ergebende Gespräche, unter anderem mit Oliver Fritsch (einem Experten für Fußball- und Sportblogs) oder auch Jens Weinreich. Der Leitfaden wurde vor der Befragung des ersten Bloggers erstellt und musste im Anschluss nicht mehr umgestellt werden, da sich der Fragebogen als nützlich erwies.

Die Befragung begann mit einer ersten Vorstellung des Verfassers dieser Arbeit und des Anliegens sowie ein paar Fragen zu den soziodemographischen Daten der Blogger. Anschließend führte die Befragung entlang des anhand des theoretischen Teils aufgestellten Leitfadens rund um die Frage: Welche Motive haben lokale Fußballblogger? Meine Befragung beinhaltet folgende Teilbereiche:

-

Motivation für die Einrichtung eines lokalen Fußballblogs Aufbau und Struktur der Seite Themenstruktur und Autoren Investitionen (zeitlich und finanziell) Erfolg des Blogs bisher (ideell und finanziell) Feedback und Reaktionen Journalistisch Qualitätsmaßstäbe Verhältnis zu klassischen Medien Erhoffte Wirkung des Blogs (Bekanntheit, Karriere, Finanzielles)

39

3.4 Durchführung des Untersuchungsverlaufes

Die Befragung der fünf Experten erfolgte telefonisch beziehungsweise über den InternetTelefondienst Skype. Die Befragungen über klassisches Telefon zweier Blogbetreiber wurden mit einem professionellen Aufnahmegerät der Marke Marantz PMD620 aufgezeichnet. Die Befragungen über Skype wurden über das Programm PowerGramo aufgezeichnet. Die Befragungen erfolgten zwischen dem 10. und dem 16. August 2011. Die Befragungen liefen ohne technische Probleme ab.

Der Autor dieser Arbeit hat die Interviews persönlich transkribiert. Den Interviewten wurde zugesichert, dass die Befragungen anonymisiert für diese Arbeit verwendet werden. Eine mögliche weitere Veröffentlichung mit Namensnennung von Blog und Betreiber setzt eine vorherige Kontaktaufnahme und Autorisierung durch die Befragten voraus. Einige Fragen wurden bei der Transkription für einen besseren Lesefluss überarbeitet, die Antworten wurden jedoch exakt übertragen. Ausgespart wurden nur einige wenige Passagen, die nichts mit dem Thema dieser Arbeit zu tun haben. Außerdem wurden einige Passagen allgemeiner formuliert oder sogar ganz ausgelassen, um dem Versprechen der Anonymität nachzukommen.

3.5. Auswertung und Diskussion der Ergebnisse

Die unter Kapitel 3.3 („Konstruktion des Fragebogens“) vorgestellten Bereiche des Fragebogens dienen ganz grundsätzlich auch als Leitfaden bei der Auswertung und Diskussion der Ergebnisse. Zum Teil wird die Auswertung jedoch von dieser Einteilung abweichen, da bei einigen der teilstandardisierten Interviews auch Zwischenfragen gestellt wurden, die nicht ganz in das Konstrukt des Fragebogens passen oder diesen erweitern, deren Antworten aber dennoch interessante Erkenntnisse liefern. So kommt es dazu, dass die Aufteilung der Ergebnisse nicht exakt mit dem zuvor vorgestellten Fragebogen übereinstimmt.

Die Auswertung der Ergebnisse erhält zudem nur eine grobe Einteilung nach Fragestellungen, die sich im Anschluss auch in der Zusammenfassung wiederfindet. Auf eine
40

Einteilung nach Unterkapiteln wurde jedoch verzichtet, da sich einige Antworten überschneiden oder weitere Aspekte aufwerfen, die in strikt geteilten Kapiteln eventuell untergehen könnten.

In der Auswertung werden die wichtigsten Aussagen der Experten berücksichtigt und vorgestellt. Darauf aufbauend werden die Ergebnisse interpretiert. Beantworteten mehrere Experten einzelne Fragen ähnlich oder gar gleich, wird darauf hingewiesen. Die Auswertung lässt zwar keine statistischen Schlüsse zu, erweitert aber den Einblick in die Thematik und eröffnet zumindest die Möglichkeit für erste Einschätzungen.

In der Auswertung und im Anhang wird grundsätzlich auf die Nennung von Namen verzichtet, da – wie in Kapitel 3.4 („Durchführung des Untersuchungsverlaufes“) beschrieben – den Befragten zugesichert wurde, sie vor Nennung ihres Namens zu kontaktieren. Zum Teil werden daher auch in den Antworten die Namen anderer Personen und Medien anonymisiert oder ausgespart, um eventuelle Konflikte für die Befragten zu vermeiden.

4. Ergebnisse

Zur anonymisierten Präsentation und Zusammenfassung der Ergebnisse werden die fünf befragten Blogger mit den Bezeichnungen B1, B2, B3, B4 und B5 bezeichnet. Nacheinander werden im Folgenden die jeweilige Fragestellung vorgestellt sowie die Antworten der verschiedenen Blogger darauf. Nicht bei jeder Frage werden alle Blogger zu Wort kommen, da die Antworten zum Teil wenig erschöpfend waren und die zusammenfassende Darstellung an dieser Stelle es nicht zulässt, die Antworten aller Blogger in voller Länge zu veröffentlichen. Die kompletten Interviews finden sich jedoch im Anhang. Aus den vorgestellten Antworten der lokalen Fußballblogger werden in der Zusammenfassung zudem einige Hypothesen generiert (siehe Kapitel 5 „Zusammenfassung“). Darüber hinaus werden zum Schluss auch Hinweise auf zukünftige Forschungsansätze gegeben (siehe Kapitel 6 „Fazit und Ausblick“).

41

Wer betreibt lokale Fußballblogs?

Vier der fünf befragten Blogger sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, B2 ist zwischen 50 und 60 Jahre alt. B1 betreibt sein Blog seit etwa einem Jahr, B3 seit etwa zwei Jahren und B4 seit fünf Jahren, B2 und B5 seit etwa neun Jahren. B5 ist erst vor sieben Jahren zu dem damals schon bestehenden Blog dazu gestoßen und B2 arbeitete im Vorfeld schon für einige Jahre bei einer Amateurfußball-Zeitschrift, aus der seine Seite hervorgegangen ist. Alle fünf Blogger waren oder sind selbst aktive Fußballer, Mitglieder, Trainer, Betreuer, Fans oder Funktionäre bestimmter Amateurvereine. Das hat laut B2 auch einen guten Grund: „Man sollte wirklich auch vom Fach sein. [Ein] stinknormaler Laie, der hat im Amateurbereich ohne Grundwissen und ohne Kontakte zu den Vereinsfunktionären kaum Chancen, dass er sich da durchsetzt.“

Vier der fünf Blogger haben bereits vor der Gründung ihres lokalen Fußballblogs in irgendeiner Form journalistisch gearbeitet. B1 hat eine journalistische Ausbildung und war längere Zeit für überregionale Medien im Bereich Fußball tätig, B3 hat als freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung gearbeitet, B2 und B4 haben Vereins- oder ähnliche Zeitschriften betreut. Nur B5 hatte keinerlei Erfahrungen im journalistischen Bereich. Beruflich hat zuvor jedoch außer B1 keiner der Blogger im Journalismus gearbeitet.

Zwei Blogger (B2 und B5) betreiben ihre Blogs mit einem etwa gleichwertigen Partner. Aber auch die anderen drei Blogger haben Helfer für Webdesign oder IT-Probleme genauso wie für die Redaktion.

Was motiviert zur Gründung lokaler Fußballblogs?

Bei vier von fünf Bloggern war der Grund für die Gründung ihres lokalen Fußballblogs in erster Linie, dass es nicht genügend Informationen über den Amateurfußball in ihrer Region gab. „*Bei+ uns in der Region *…+ hat es einfach kein Medium, kein Portal gegeben, wo man sich über andere Vereine informieren kann. *…+ Und ich selber hab zum Beispiel bei uns so ein kleines Stadionheft gemacht, das gab es immer zu allen Heimspielen und ich fand halt einfach keine Informationen“, sagt B4. Bei ihm war die Motivation als einzigem Blogger nicht
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grundsätzlich eine journalistische, ihm haben also nicht die mangelnden Berichte in der Zeitung gestört, sondern vor allem die fehlenden Grundinformationen wie Anschriften, Wappen oder Kader im Netz.

Anders war es bei B2 und B5. Diese zwei hatte ganz grundlegend die fehlende journalistische Berichterstattung gestört. So berichtet B5: „Wenn man auf den Sportplatz gegangen ist, haben sich sehr viele Leute immer über irgendwas unterhalten, über irgendwelche Fußballvereine *…+ und irgendwie wusste jeder nur die Hälfte. [Wenn] man sich informieren wollte, hat man sich in der Regel die Tageszeitung gekauft. Da hat man zwar etwas zu seinem eigenen Verein gefunden, *…+ aber über die gesamte Liga halt nicht. [Man] wollte ja auch mal wissen, was machen die anderen, was passiert bei den anderen, aber das war in den Tageszeitungen halt nicht so gegeben.“ B2 berichtet: „Bei uns in der Region *…+ habe ich das gemacht, weil wir nur eine Tageszeitung haben, die sich nur spezialisiert auf den Profisport.“

Die lokalen Fußballblogs von B1 und B3 wurden ganz konkret mit der Perspektive des finanziellen Gewinns aufgezogen. B1 war zuvor freier Journalist, war überhaupt nicht zufrieden mit den niedrigen Honoraren in der Branche. „Da musste irgendwie eine Alternative her und durch Zufall hab ich bei einem Seminar mitgemacht beim DJV und da hat mich so eine Bloggerin ziemlich heiß gemacht. Man braucht halt nicht viel außer einer Seite, die man sich günstig programmieren lässt und wenn man dann eine Nische hat, in der man irgendwie Lust hat sich auszutoben, dann sind mitunter auch ein paar hundert Euro drin. Das war für mich ein Grund, das echt mal anzupacken. *…+ Meine Motivation war natürlich, mir irgendwie ein Zubrot zu verschaffen zum klassischen freien Journalistentarif.“ B1 war zudem auch mit der lokalen Berichterstattung über Amateurfußball nicht zufrieden. Bei ihm war es aber weniger die fehlende Berichterstattung über lokalen Amateurfußball, als die Einfallsund Lieblosigkeit, mit der diese bisher gemacht wurde. Bisher sei die Berichterstattung doch „sehr klassisch, bieder, wenig Sinn für Optik und Sprache, sondern mehr so reinklatschen und user generated content“. B1 hat sich die Liebe zum Detail auf die Fahnen geschrieben. „Wir sind mehr 11Freunde als Reviersport. [Und] die meisten konzentrieren sich wirklich stupide aufs Wochenende. Das ist von uns sicherlich nochmal ein komplett neuer Ansatz gewesen. Wir machen wirklich Amateurfußball sieben Tage die Woche zehn Stunden am
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Tag. [So] dass wir sagen: Trara, Montag 9 Uhr, volle Kanne wieder rein ins Lager und los und Verletzte und Transfers und Gerüchte und Stimmung - das gab es so nicht.“

B3 ist zwar kein Journalist, hatte aber betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Außerdem hatte er zuvor schon für die lokale Zeitung über Lokalfußball geschrieben und war mit seinem früheren Job überhaupt nicht zufrieden. Neben der klaren wirtschaftlichen Perspektive war aber auch die quantitativ mangelhafte Berichterstattung der lokalen Zeitung ein Grund für ihn, sein Blog zu gründen. „Wenn man dann eins und eins zusammenzählt und [weil] ich auch immer von Leuten ermuntert wurde, die wussten, dass ich da für die Zeitung aktiv war. [Und weil] die Zeitungen aus verschiedenen Gründen, Anzeigenrückgang etc., ihre Berichterstattung im Amateurfußball sehr eingeschränkt haben, wusste man, dass der Bedarf eigentlich da ist, aber die Zeitung das so nicht decken kann, weil sie den großen Sport hier in der Region *…+ Vorrang gewähren und die kleinen Fußballer, die Amateursportler dadurch ein bisschen auf der Strecke bleiben. Bewusst oder unbewusst.“

Über was berichten lokale Fußballblogger? Lassen Sie die Leser zu Wort kommen? Wie viel Zeit investieren Sie in ihr Blog?

Grundsätzlich berichten alle lokalen Fußballblogger ausschließlich über Amateurfußball, lediglich B2 und B4 berichten hin und wieder über Profifußball. Das Berichterstattungsgebiet ist klar abgegrenzt: Zum einen regional, zum anderen auch die Spielklassen betreffend. B2, B3 und B4 berichten hinunter bis in die unterste Spielklasse. B5 schreibt auf seiner Webseite über die oberste Amateurspielklasse und drei weitere hohe Spielklassen seiner Region. B1 widmet sich fast ausschließlich, dafür aber auch äußerst intensiv der obersten Amateurspielklasse seiner Region: „Wir wollen da auch schon den Sport machen, der tatsächlich Sport ist – ohne den Kleinen da zu nahe treten zu wollen“, sagt B1.

Während B1 als gelernter Journalist darauf Wert legt, die Texte selbst zu schreiben und einen gewissen Standard zu halten (siehe auch weiter unten), setzen alle anderen zumindest teilweise auch auf User-Generated-Content.

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Sehr stark auf die Mitarbeit der Gemeinschaft setzt B4. Zur Motivation der einzelnen Vereinsmitarbeiter, die für die Seite einen großen Teil der Inhalte liefern, sagt B4: „Das tut der gern und das ist auch nicht jeden Tag zwei Stunden. Das ist eine Kleinigkeit, das ist eine gute Werbung für seinen Verein und deshalb macht er das.“ Die vier anderen Blogger nutzen die Inhalte von Lesern in geringerem Umfang. Am meisten scheint noch B3 auf von Lesern erstellte Beiträge zu setzen. Auch er zahlt diesen Leuten kein Honorar. „Das ist auch dieser wirtschaftliche Ansatz wenn ich jemandem 3,50 Euro dafür gebe, bringt ihn das wirklich weiter? Richtig zufrieden wird er mit den 50 Euro, die er sich in einer Saison verdienen könnte nicht. Mich würde es auf der anderen Seite viel Geld kosten. So machen wir das: Im vergangenen Jahr haben wir eine Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern von den Vereinen gemacht. Da gab es freies Essen, freie Getränke, da gab es noch kleine Geschenke so als kleine Aufmerksamkeit. Da sitzt man in lockerer Runde zusammen, unterhält sich, bedankt sich auch noch einmal, das ist ja auch wichtig.“

Der größere Teil der Inhalte auf den Seiten der fünf Blogger ist außer bei B4 allerdings selbst oder von Mitarbeitern verfasst. Alle Blogger setzen auf die Bindung ihrer Leser. B1 formuliert das wie folgt: „User sind wichtig und man muss wirklich jeden ernstnehmen, und jeden Kommentar, der auch bei Facebook gepostet wird, versuchen wir mit zu kommentieren, mit zu nehmen, dass jeder auch wirklich das Gefühl hat, er ist auf unserem Weg.“ B2, etwas älter und schon länger im Geschäft, hält sich bei der Leserbeteiligung zum Teil noch ein wenig zurück: „Was wir als nächstes machen müssen ist das mit dem Facebook, das ist jetzt ja in aller Munde. Ich bin immer ein bisschen skeptisch bei solchen Sachen, aber das wurde uns angeraten.“

Grundsätzlich betreibt keiner der Blogger seine Seite alleine, dennoch ist der Zeitaufwand bei den meisten sehr hoch. B1 liefert die journalistischen Inhalte fast alleine, hat lediglich Unterstützung von einem noch aktiven Fußballfreund und technische Unterstützung von einem Programmierer und einem Grafiker. Obwohl er das Blog zwar von Anfang an professionell, aber nur als zusätzliche Einnahmequelle betreiben wollte, weitete sich die Arbeit an der Seite sehr schnell auf 40 bis 50 Stunden in der Woche aus. B2 betreibt die Webseite gemeinsam mit einem Partner und lässt sich von den Spielen hin und wieder Berichte von den Vereinen zuliefern. Das Verhältnis von Redaktion zu externen
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Spielberichten beziffert er auf 80:20. Selbst arbeitet er nach eigener Aussage 50 bis 60 Stunden die Woche an der Seite, obwohl er eigentlich noch einem regulären Beruf nachgeht, der nichts mit dem Amateurfußball zu tun hat.

B3 kannte aus seiner aktiven Fußballzeit einige Jugendliche und junge Erwachsene, die sich im Journalismus probieren wollten, und engagierte sie für seine Webseite: „Und so hat sich dann so ein - ja Redaktionsteam ist ein wenig falsch ausgedrückt - ein Team von freien Mitarbeitern, ich bin der einzige, der das in Vollzeit macht und inzwischen haben wir so 10 freie Mitarbeiter, die sich um Programmierung, Webdesign und redaktionelle Inhalte kümmern.“ Die freien Mitarbeiter werden bezahlt, allerdings sagt B3 auch: Wer es wegen des Geldes mache, der solle sich lieber im Supermarkt an die Kasse setzen. Auch B3 selbst investiert sehr viel Zeit in seine Seite und rechnet den dadurch erzielten Stundenlohn lieber erst gar nicht aus. „Wenn ich da alle Stunden rechnen würde, dann wäre ich in Bangladesch ein Normalverdiener gewesen. Da waren Aufwand und Ertrag am Anfang in gar keinem Verhältnis.“ 14 bis 15 Stunden am Tag, 100 Stunden in der Woche seien normal gewesen, sagt B3. Inzwischen würden sich Aufwand und Nutzen aber in vernünftigere Bahnen lenken lassen.

B4 hat für seine verschiedenen Regionalseiten sogar fünf festangestellt Mitarbeiter, außerdem – wie oben beschrieben – zahlreiche freiwillige Helfer. „Man braucht natürlich auch eine tagesaktuelle Redaktion, die permanent recherchiert, was es neues gibt, wo man einfach ähnlich wie bei einer Zeitung die User informiert. Und da braucht man natürlich Leute, die sich darum kümmern. Die müssen dann einfach dementsprechend auch bezahlt werden. Das sind dann Ganztagsjobs, das ist ziemlich zeitintensiv.“

Auf ihren Freundes- und Bekanntenkreis greifen B5 und sein Geschäftspartner bei der Betreuung ihrer Seite zurück. Früher haben auch viele Fans und Leser der Seite mitgeschrieben. Aktuell stellt sich die Arbeitsverteilung wie folgt dar: „Unsere Mitstreiter, wir machen das mit sieben Leuten aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis, da liegt schon ein größerer Teil auf [meinem Partner] und mir. Ich würde sagen im Moment 40 Prozent liegen auf uns. *…+ Donnerstagabends fang ich an und das geht schon mal in die

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Nacht rein und Sonntagabends ist natürlich genauso. *…+ Da gehen schon einige Stunden ins Land, definitiv, das kann also schonmal sehr spät werden.“

Haben die Blogger ein journalistisches Selbstverständnis? Wie ist ihr Verhältnis zu den Kollegen von den klassischen Medien?

B1 hat als gelernter Journalist ein journalistisches Selbstverständnis. „Wir haben natürlich auch eine gewisse Tonalität, die ist immer geprägt von Einflüssen aus Berlin, 11 Freunde, das ist natürlich auch unser Ansatz, wir wollen nicht einfach stupide informieren, wir wollen auch ganz dolle unterhalten und das ist letztendlich auch das, was uns auch auszeichnet. Dass wir keine klassische 1:0-Berichterstattung machen, sondern auch mal wirklich auf die Tonne hauen, vor allem eine eigene Meinung immer haben, *…+ auch frech sind, auch gerne mal irgendwie Grenzen überschreiten, aber ich meine die Masse mag das inzwischen.“ B1 sucht seit längerer Zeit einen dritten Mitstreiter, findet aber bislang niemanden, der seinen Ansprüchen genügt und nicht selbst schon bei größeren Medien aktiv ist.

So kritisch oder zumindest mit eigener Meinung wie B1 berichten die anderen Blogger seltener. Der Hauptteil der Berichterstattung liegt auf dem möglichst umfangreichen Abbilden der Ereignisse. Hintergrundgeschichten bilden B2 und B4 in ihren monatlich erscheinenden Magazinen ab. Ansonsten ist Vielen der gute Kontakt zur Fußballszene jedoch sehr wichtig, sie setzen auf partnerschaftliche Zusammenarbeit und müssen das zum Teil ja auch – besonders mit Blick auf den teilweise sehr wichtigen User-Generated-Content. „Man darf ja nicht alles schreiben, was man weiß, grad im Amateurbereich. Wir machen das ja nicht wie die Bildzeitung, die dann damit die Auflage erhöht. *…+ Wir wollen vom Positiven ein wenig berichten und da braucht man halt Leute, die die gleiche Auffassung haben wie wir“, sagt beispielsweise B2. Und weiter: „Man legt da schon Wert drauf, dass es fundiert ist und Hand und Fuß hat, aber ich sag jetzt mal, es gibt ja viele Journalisten oder Kommentatoren, zum Beispiel bei Sky, die sind 22, 23 Jahre alt - ohne Blatt wären die ja hilflos. Es gibt ja auch im Journalismus genügend Beispiele, die Quereinsteiger gewesen sind.“

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Immer mehr Acht gegeben auf journalistische Standards hat mit der Zeit B5. Zu Beginn hatte seine Seite noch erhebliche Kritik bekommen, weil vieles vergleichsweise unprofessionell war. „Sei es von der Rechtsschreibung, was damals sehr stark bemängelt worden ist, dass wir da auch nachbessern mussten oder auch bei Interviews, dass man nicht so vorbereitet war wie heute. Heute geht man nicht einfach so zu einem Fußballspiel und fragt wahllos irgendwas sondern macht sich vorher Notizen und weiß, was man fragen will.“

Das Verhältnis zu den klassischen Medien ist bei den meisten der befragten Blogger angespannt, wenn auch nur zum Medium allgemein und oft nicht zu den vor Ort tätigen Redakteuren. „Mittlerweile nehmen uns auch die etablierten Medien sehr, sehr ernst. Man wird wahrgenommen und wird auch ständig gefragt, was wir denn nun damit verdienen. *…+ Da ist schon ein großes Interesse, weil wir so ein bisschen zum mittelgroßen Unbekannten geworden sind.“

Bei zwei von fünf Blogs, interessanterweise bei den eher in jüngerer Vergangenheit gegründeten Seiten, haben auch die etablierten Medien der Region zuletzt konkretes Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. „Die hätten unsere Inhalte gerne eingebunden für ihr Produkt, aber ich wollte dann auch nicht zu deren Bedingungen der Vollidiot sein, der da vor den Amateurkarren gespannt wird, das habe ich den anderen überlassen. Da fehlte mir, der Fußballer würde sagen: die Wertschätzung am Produkt. Da wollte man halt wirklich mit unseren Inhalten schnell auch ein paar Taler absahnen und wir sollten dann total happy darüber sein, dass wir uns das Logo oben rechts reinkleben sollten und durften. *…+ Wir wollen ganz klar mit dem Ding auch Geld verdienen und deshalb war das Angebot, das die uns da gemacht haben, auch unseriös“, sagt B1. Bei B3 hat ein ähnliches, verstecktes Übernahmeangebot auf den Tisch bekommen: „Das lief unter dem Deckmantel lass uns doch kooperieren und einfach mal zusammensitzen. Es hat sich dann schnell herausgestellt, dass das in meinen Augen kein ernsthaftes Gespräch für eine Kooperation war, die haben mir da einen Job angeboten, dort in einer leitenden Funktion im Onlinebereich den Amateurfußball für die Tageszeitung zu leiten und die Art der Verhandlung oder wie man es auch nennen mag, war jetzt nicht so, dass ich sag da gehe ich hurraschreiend wieder raus. Das war ein bisschen unter dem Motto: Entweder du kommst jetzt zu uns, oder wir arbeiten nebeneinander vielleicht auch gegeneinander.“
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B3 hatte zu Beginn auch Probleme damit, dass die lokale Zeitung seine Informationen und Texte kopierte. „Wir haben uns dann auch mal etwas zur Wehr gesetzt und ein Schreiben vom Anwalt hingeschickt und seitdem ist es ein bisschen besser geworden.“ Die Kommunikation mit dem Verlag sei grundsätzlich eher schwierig, mit den normalen Redakteuren der Zeitungen hat B3 aber keine Probleme. Genauso geht es auch den übrigen Bloggern. So auch B4: „Das Verhältnis unter den Redakteuren auf direkter Ebene ist eigentlich ganz ok, wenn man sich auf dem Fußballplatz sieht, grüßt man sich. Aber das Verhältnis zur Ebene Redaktionsleitung oder Verleger gibt es eigentlich gar nicht, weil man die nie zu Gesicht bekommt.“

Fast schon etwas stolz klingt B5, wenn er von der Zusammenarbeit mit den lokalen Medien berichtet: „Ich habe viele Journalisten kennengelernt, viele Redakteure auch und da war das Verhältnis eigentlich immer gut, *…+ weil man sich in dem Bereich auch immer mal austauschen kann. *…+ Auch dass man in dem Bereich viel enger zusammengewachsen ist als früher. Früher hat man alles immer nur als Konkurrenz angesehen. Heute ist es so, dass viele viel mehr zusammenarbeiten wollen, um auch ein größeres Spektrum zu haben.“ Auch B4 hat ein sehr gutes Verhältnis zu den Redakteuren der klassischen Medien vor Ort: „Wir kennen uns schon viele Jahre und das Verhältnis ist sehr gut, egal ob Printmedien oder Hörfunk. Man kennt sich, man hilft sich gegenseitig aus.“

Wie bewerten die lokalen Fußballblogger den Erfolg ihrer Arbeit finanziell und ideell?

Grundsätzlich sind alle Blogger mit ihrer Arbeit und ihrem Portal sehr zufrieden. Die drei Blogger, die sich mit ihrem Portal selbst finanzieren wollen, sind auch über die Einkünfte glücklich, die anderen beiden Blogger freuen sich vor allem über die positiven Rückmeldungen der Leute und ihre Reichweite. Natürlich muss besonders hier beachtet werden, dass die Befragten Misserfolge oder Unzufriedenheit auch trotz Nachfragen des Verfassers dieser Arbeit eher ungern eingestehen und somit eine gewisse Abweichung von der Wirklichkeit nicht ausgeschlossen werden kann.

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Deutlich besser als zuvor vermutet steht B1 mit seinem Blog nach einem Jahr Arbeit da. Zu Beginn hatte B1 noch auf 400 Euro Nebenverdienst im Monat gehofft, mittlerweile liegt er deutlich drüber. 85 Prozent seiner Einnahmen stammen nach eigener Aussage derzeit aus seinem Blog. Seinem befreundeten Partner konnte er auch schon das erste Geld auszahlen. Durch sein Blog ist er mittlerweile so bekannt, dass er ernsthaft mit potentiellen Werbepartnern sprechen kann. Außerdem nutzt B1 seine neue Bekanntheit, um andere Aufträge zu gewinnen, wie zum Beispiel die Gestaltung eines Stadionheftes für einen Verein. Bald sollen zudem längerfristige Werbepartner für die Webseite das Auskommen sichern. Mit seinem Konzept des anspruchsvollen Lokalfußballblogs à la 11Freunde ist B1 bereits in einigen etablierten Medien erwähnt worden. Auch diese positive Resonanz gibt ihm Motivation.

B2 arbeitet weiterhin in seinem ursprünglichen Job und ist auf einen finanziellen Erfolg nicht angewiesen. Wohl auch deshalb freut er sich neben einem kleinen finanziellen Plus – unter anderem aus dem Verkauf eines Saison-Sonderheftes – vor allem über die Anerkennung der Leute. „Ich kenn die Fans, die Trainer, ich hab noch gegen die Väter gespielt und jetzt spielen die Söhne. Man muss raus zu den Leuten und auf die Plätze, da lebt der Fußball.“ Über den Verkauf eines Heftes und ein wenig Werbung finanziert sich B2 zudem über die Veranstaltung von Events, er nutzt seine publizistische Bekanntheit also für andere Einnahmequellen. „Zum Beispiel einmal im Jahr, da haben wir unsere Sportgala. Das heißt mittlerweile haben wir 1000 Leute bei dieser Gala. *…+ Und zweitens haben wir auch noch den Bezirkspokal. Da sind wir auch Sponsor und da haben wir im Endspiel so 2500 Zuschauer. *…+ Und das sind die Haupteinnahmequellen.“ B2 ist dabei auch durchaus wichtig, dass er finanziell zumindest einen kleinen Erfolg hat: „Wir haben keinen einzigen Cent investiert, wir haben alles durch Werbung und Veranstaltungen aufgebaut. Aber natürlich, wie sie richtig gesagt haben, bei aller Liebe zum Amateurfußball, man will auch ein bisschen Gewinn schreiben.“ Fast wortgleich beschreibt es B3 (siehe auch weiter unten): „Für mich ist das ein absoluter Traumjob, vom ersten Tag an und für einen Traumjob sind es natürlich auch die pekuniären Interessen, dass man das Ganze nicht nur für lau macht, sondern für seine Arbeit auch ein Entgelt sehen möchte.“

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Über die Reaktionen der Leser freut sich auch B5, der mit seiner Seite so gut wie gar keine Einnahmen erzielt: „Wenn man dann rausgeht *…+ und immer wieder positive Resonanz bekommt, dann motiviert das immer wieder und macht das auch weiterhin gerne. Weil man weiß, dass es gut ankommt und dass die Leute sich sehr darüber freuen, dass es sowas überhaupt gibt. Und das ist Motivation genug für mich persönlich. *…+ Das ist für uns einfach ein Hobby und in ein Hobby investiert man ja prinzipiell. *…+ Es macht einfach auch Spaß, sich mit solchen Leuten auszutauschen, weil diese Leute und Funktionäre ein gewisses Wissen ansammeln konnten aufgrund dieser Portale oder dieser Blogseite. Dann macht es einfach Spaß, auch mal diskutieren zu können.“

Für B3 ist der Betrieb seiner Webseite ein Traumjob. „Ich kann diese journalistische [Ader ausleben], was mir wirklich Spaß macht, das Schreiben, das Berichten, das Kommunizieren mit Leuten. *…+ Das andere ist, dass es mich als Sportler auch wirklich interessieren würde. Und die Resonanz. Wir haben jetzt aktuell eine Facebook-Gruppe mit 1500 registrierten Personen“, sagt B3. „Für mich persönlich ist der Anreiz, da ein Projekt aufgebaut zu haben, *…+ die sich auch vermarkten lässt. *…+ Und da sind wir inzwischen auf einem ganz ordentlichen Weg.“ B3 kann sich bereits etwa zwei Jahre nach Aufbau der Seite recht gut davon finanzieren und seinen Mitarbeitern geringe Honorare zahlen. Auch wenn es bis zum heutigen Erfolg ein langer Weg war, der auch Risiken barg. „Das war natürlich schon mit gewissen Risiken verbunden. Die finanziellen Investitionen waren überschaubar. Das ist der Vorteil des Mediums Internet, wenn man das ganze drucken hätte müssen, dann wäre das Ganze glaube ich wieder eingeschlafen, wäre nicht finanzierbar gewesen. Mir war bewusst, dass man - wenn man so etwas startet - nicht von heute auf morgen reich wird. Und man da wirklich lange Wege gehen muss, um an Sponsoren dranzukommen. *…+ Und ich muss sagen, dass man da natürlich ein Jahr lang gar nichts verdient. Grob gesagt gar nichts verdient.“ Mittlerweile ist B3 mit dem Erfolg seines Portals aber sehr glücklich. Das Durchhalten hat sich seiner Ansicht nach gelohnt. „Ich kann eigenständig gut davon leben, das Ganze hat sich sehr positiv entwickelt. *…+ Wir haben sehr guten Kontakt zu allen möglichen Vereinen. Wir bekommen die Sachen inzwischen exklusiv, schneller, umfangreicher, wir haben einfach die Möglichkeit, dass wir da ganz anders reagieren können und da auch anders aufgestellt sind als die Tageszeitung.“

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Vollends von seinem Konzept und dem Erfolg seiner Seite überzeugt ist B4. Er hat mit seiner Seite bereits Preise gewonnen, ist in zahlreichen Medien erwähnt worden, kann mehrere Mitarbeiter finanzieren und bastelt ständig an Innovationen. Zudem sucht er bereits nach Kooperationspartnern in anderen Regionen, um sein Netzwerk auszubauen (siehe unten). Sowohl ideell als auch finanziell bewertet B4 sein Projekt ausgesprochen positiv: „Für mich ist das vom ersten Tag an erfolgreich. Ich bin da sehr optimistisch. Ich bewerte es natürlich als erfolgreich von beiden Seiten.“

Welche Ziele haben die Blogger langfristig?

Alle Blogger wollen langfristig ihre Reichweite weiter ausbauen und dem Nutzer mehr Angebote bieten, seien es technische Innovationen oder ein größerer Umfang. Die drei auch finanziell erfolgreichen Blogger wollen weiter von ihren Blogs leben können und den Mitarbeiterstamm ausbauen. Die beiden Blogger B2 und B5, die nicht von ihren Blogs leben, haben auch in Zukunft keine konkreten Pläne, sich durch ihre Blogs ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie könnten sich zwar vorstellen, dass ihre Blogs – oder ähnliche Konzepte – auf Dauer auch finanziell funktionieren, wollen sich aber nicht dem Risiko aussetzen. „Ich sag mal, wenn es jetzt einer allein machen würde, dann könnte er überleben. Aber das Risiko ist mir im Moment noch zu groß. *…+ Man könnte, aber gibt man jetzt den guten Job auf? Das ist immer eine wahnsinnsschwere Frage“, sagt B2.

Ähnlich die Begründung von B5, der sich heute ein auch finanziell funktionierendes Blog zutrauen würde, vor neun Jahren aber seiner Ansicht nach noch zu unerfahren war: „Es war schon eine Menge Potential da, nur wir hatten für uns entschieden, dass unser Fokus zum einen auf dem Privaten lag und zum anderen ging [mein Kollege] in die Ausbildung rein, ich war selber noch stark arbeitsgebunden. Und da hat man sich natürlich überlegt gehabt: Macht das jetzt so Sinn. Das war ja auch irgendwo Risiko. *…+ Zum damaligen Zeitpunkt war das Netzwerk noch nicht so groß an Leuten, mit denen man zusammenarbeiten konnte. Und dann hätten wir praktisch gesehen so viel arbeiten müssen und wir waren auch noch nicht so fit wie heute. Heute wäre es vielleicht anders, heute kämen wir da sicher auch besser rein auch mit Vermarktung.“

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Langfristige Ziele, wenn auch keine finanziellen, haben B2 und B5 trotzdem. „Unser Ziel ist es halt, stetig zu wachsen und wir wollen auch gucken, dass wir in einem Jahr vielleicht auch ein, zwei Ligen mehr mit reinnehmen können, dass wir da in die Breite gehen. *…+ Für mich ist das immer wieder spannend, wie müssen wir uns umstellen und wie entwickeln sich auch unsere Besucherzahlen. Ein Ziel derzeit ist, dass wir weiterhin von den Zahlen wachsen. Wir haben im Schnitt momentan 5000 bis 6000 Besucher am Tag.“ B2 ist mit sich und seiner Seite insgesamt sehr zufrieden. Er will die Reichweite ausweiten und sonst vor allem das Format der Web-Videos ausbauen.

Auch am finanziellen Erfolg bemessen die drei übrigen Blogger B1, B3 und B4 ihre Perspektive. „Jetzt ist das Ziel, dass man statt 400 eigentlich auf die 4000 Euro hinarbeitet. Und das wird gelingen. Das wird irgendwie gelingen. Aber das gelingt natürlich dann auch, indem wir uns diese andere Säule aufbohren, die ich schon einmal angerissen hatte. Sprich für die Vereine Sachen wie Stadionzeitung und Vereinsseite mitmachen“, sagt B1. „Wir wollen den User natürlich bei der Stange halten, das geht halt nur, wenn man jeden Tag frische, unterhaltsame Inhalte anbietet und das ist ja auch unser Credo, wirklich permanent online zu sein und permanent unterhalten zu wollen.“ B1 reflektiert aber auch die Ansprüche der Leser und die eigenen Erwartungen, die man niemals ganz erfüllen kann: „Wenn das nicht klappt, ist man natürlich auch unzufriedener. Aber damit muss man auch klar kommen. Man muss sich frei davon machen und darf sich nicht ständig selber den Druck machen, weil dann auch Sachen wie Urlaub nicht mehr drin sind. Das wär natürlich doof.“

B3 ist wichtig, dass er bei zukünftigen Entwicklungen vorne dabei ist – im Netz und technisch auf der Höhe der Zeit: „Wohin das noch gehen kann, das wird man sehen. Da gibts natürlich viele Entwicklungen, die gehen vom Verband aus, von der Technik aus, das Maß von Apps und so weiter, was noch in den Kinderschuhen steckt. Ich denke das Internet, wie es jetzt funktioniert, das ist einfach nur ein Zwischenschritt, bei dem wir uns alle wahrscheinlich noch gar nicht ausmalen können, wie es dann in fünf Jahren oder in zehn Jahren aussehen mag.“ B3 sieht noch sehr viel Verbesserungsbedarf. „Wenn ich mir die Fähigkeiten von Joomla (ein Content-Management-System für Webseiten, Anmerkung des Verfassers) angucke und 820 Seiten Hilfen vor mir liegen hab, was wir noch alles machen können, dann ist da der Kreativität Tür und Tor geöffnet. Da wird es sicher immer wieder Neuerungen
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geben, die auch notwendig sind in unserer Zeit. Ich denke, Stillstand ist Rückschritt und da muss man einfach immer sich versuchen weiterzuentwickeln.“

B4 will sein Portal weiter ausbauen und auch in anderen Regionen Deutschlands ähnliche Portale etablieren: „Man will natürlich die Marke bekannter machen. *…+ Wir wollen einfach, wenn wir es schaffen, ein kleines Netzwerk aufbauen mit guten Portalen, wo wir den regionalen Fußball gut präsentieren. *…+ Wenn es gute Partner gibt in der Region, versuchen mit dem Partner vielleicht unser Portal aufzuziehen und dann wieder so eine Art Netzwerk zu gründen.“ Für B4 haben sich mit dem Erfolg auch die Motivationsgründe geändert: „Jetzt ist mir wichtig, dass wir es schaffen, dass wir uns langfristig einfach im Markt durchsetzen und uns stetig verbessern. Ob man jetzt selber bekannt ist, das ist mir mittlerweile eigentlich gar nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass man sich langfristig verbessert. Dass man permanent an sich arbeitet, dass die Zahlen auch weiter steigen. Die Anfangsmotivation waren halt wirklich einfach auch die Informationen an sich, weil es ja nichts gab. Mittlerweile hat sich das schon etwas geändert.“

Wie sieht die Zukunft solcher Blogs aus? Was müssen lokale Fußballblogger beachten, um erfolgreich zu sein?

Auf ihre persönliche Situation bezogen streben alle fünf Blogger an, ihre Reichweite zu vergrößern (siehe oben). Auch gehen die Blogger grundsätzlich davon aus, dass lokale Fußballblogs weiterhin Chancen haben, sich am Markt zu etablieren. So plant B4 weitere Ableger beziehungsweise Kooperationen seines Portals (siehe oben). B2 betont, wie wichtig die zuvor herrschende mediale (Nicht-)Abdeckung des Amateurfußballs ist, wenn ein neues Portal gegründet werden soll. „*Die Tageszeitung hier hat] eine Monopolstellung, wo sie machen kann, was sie will. *…+ [Unsere Zeitung] ist ja dankbar, dass es uns gibt, weil wir halt den Amateurfußball betreuen und das bringt denen eh nichts, da haben die gar keinen Platz. Das Verhältnis ist einwandfrei. Deshalb sind wir ja auch in die Nische gestoßen. Deshalb haben wir hier in der Region auch das Glück. Es gibt andere Regionen, wo es drei vier Tageszeitungen gibt: Da hätten wir keine Chance. Da hätten wir mit unserem Fußballmagazin gar keinen Platz. Hier sind wir in eine Nische reingesprungen und in anderen Regionen würde es vielleicht auch gehen.“
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Eine ziemlich negative Meinung zur Zukunft lokaler Fußballblogs hat B5: „Die Zukunft ist das nicht mehr, definitiv nicht. Früher war so ein richtiger Hype da, heute hat es ein bisschen nachgelassen. Die Tendenz geht heutzutage viel mehr in die sozialen Netzwerke mit rein oder auch über diese Informationsdienste Twitter, Facebook etc. viele nutzen das ja auch. Es kann gut sein, dass wir in zwei drei Jahren auch sagen müssen, wir müssen uns eine Alternative dazu einfallen lassen.“

B1 versucht zu ergründen, was erfolgreiche lokale Fußballblogs ausmacht: „Ganz wichtig ist wirklich, dass man mit Liebe zum Detail rangeht, sich hervorragend im Markt auskennt und den Leuten eben auch was bieten kann, was sie woanders nicht finden. *…+ Die Leute wollen ja irgendwie was davon haben, wenn sie sich mit deinem Produkt beschäftigen. *…+ Man braucht auch einen langen Atem, sicherlich. Ich hab neulich einen interessanten Satz gelesen, der hieß: Der Amateur macht nur das, was ihm Spaß macht und der Profi macht auch das, was ihm keinen Spaß macht. *…+ Vor allem authentisch bleiben. Manchmal neigen wir auch dazu, zu klassisch zu werden, *…+ dann erinnern wir uns immer wieder daran, wo wir eigentlich hergekommen sind. Das war eher so das freche, neben der Spur, unterhaltsame zu sein.“

Auch B2 betont, wie wichtig Authentizität und Durchhaltevermögen sind: „Wenn da jemand kommt und will die schnelle Mark machen – das geht nicht. Man muss das jahrelang aufbauen. Nur weil man sich im Internet auskennt oder IT-Techniker ist, das funktioniert nicht. Man braucht schon jahrelange Erfahrung.“ Außerdem beschreibt B2, dass es angedacht ist, mit verschiedenen lokalen Fußballportalen in anderen Regionen zu kooperieren, um die Einnahmen zu verbessern und sich gegenseitig auszuhelfen (wie es derzeit auch das Portal istlokal.de für lokaljournalistische Blogs macht). „Es ist ja mal angedacht, dass diese Blogs sich zu einer festen Größe vereinen. Weil die dann ganz anders auftreten gegenüber Werbepartnern. Und das Ziel ist natürlich – auch bei den Monatsmagazinen – dass man da gemeinsam auftritt und dass man den Werbesektor noch stärker präsentieren kann als jetzt.“

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5. Zusammenfassung

Mit Bezug auf die theoretischen Grundlagen und die teilstandardisierten Befragungen der fünf Blogger konnten in dieser Arbeit Ergebnisse in sieben verschiedenen Bereichen präsentiert und interpretiert werden. Diese Ergebnisse sollen hier zusammengefasst werden, um einige Hypothesen zur Motivation und zur Arbeit lokaler Fußballblogger zu bilden.

Wichtig zu beachten sind bei der Auswertung dieser Befragung die möglichen Fehlerquellen; alle Antworten sollten mit der nötigen Distanz betrachtet werden. So könnten besonders einige der Antworten zur Motivation durch das Problem der sozialen Erwünschtheit beeinflusst worden sein. Der Verfasser und gleichzeitig Fragesteller hat auf der Suche nach einer ehrlichen Antwort zum Teil mehrfach nach der Motivation für die Gründung und weitere Betreuung der jeweiligen Webseite gefragt. Dabei drehten sich einige Fragen zum Teil auch mehrfach um finanzielle Interessen. Bei der persönlichen Motivation werden nach Ansicht des Verfassers dieser Arbeit vermutlich eher hehre Ziele angegeben – und weniger die profane Hoffnung auf ein gutes Auskommen. Daher die zum Teil mehrfachen Nachfragen in diese Richtung. Dabei könnte es tendenziell auch zu Fragen gekommen sein, die Suggestivfrage ähneln, was wiederum zu einer Verzerrung in die andere Richtung führen könnte. Hier bei der Befragung einen praktikablen Mittelweg zu finden, ist dem Verfasser nicht leicht gefallen.

Auch bei den Fragen nach dem Verhältnis zu klassischen Medien könnte es zu Verzerrungen gekommen sein. Trotz der angekündigten Anonymisierung könnten die befragten Blogger eventuell Angst gehabt haben, dass doch mehr öffentlich publiziert wird, als angekündigt. Zudem sehen die lokalen Fußballblogger ihre eigene Zukunft verständlicherweise eher positiv als negativ und sind mit ihrer Arbeit auch recht zufrieden; wäre das anders, hätten sie ihre Blogs im Zweifel wohl schon eingestellt. So könnte allein die Tatsache, dass nur noch aktive lokale Fußballblogger befragt wurden, die Breite der Antworten verzerrt haben.

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Wer betreibt lokale Fußballblogs?

Vier der fünf befragten Blogger sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Ebenfalls vier von fünf haben zuvor bereits journalistisch gearbeitet. Zwei davon bei klassischen Medien, zwei bei Vereins- oder Stadionzeitschriften. Alle fünf Befragten waren oder sind sogar noch in einem Amateurfußballverein aktiv. Keiner der befragten Blogger stemmt sein Blog komplett alleine, alle haben Helfer.

Hypothese 1: Lokale Fußballblogger sind zum Start ihres Portals meist relativ jung, im Amateurfußball ihrer Region vernetzt und haben journalistische Vorerfahrungen gesammelt.

Hypothese 2: Lokale Fußballblogger betreiben ihr Blog nicht allein, sondern mit Hilfe von Freunden, Bekannten oder anderen Mitstreitern.

Was motiviert zur Gründung lokaler Fußballblogs?

Bei vier von fünf Bloggern war die Motivation für die Gründung ihres lokalen Fußballblogs offenbar in erster Linie, dass es nicht genügend Informationen über den Amateurfußball in ihrer Region gab. Ganz konkret wird die fehlende Berichterstattung in der Tageszeitung angesprochen, wobei die Blogger den Zeitungen zum Teil auch zugestehen, dass sie eine umfangreiche Berichterstattung zumindest im Print nur schwer leisten können. Ein Blogger hatte dabei keinen konkreten journalistischen Ansatz, ihm fehlten ganz einfach die reinen Informationen wie Anschriften oder Spielerkader. Der fünfte Blogger, der als einziger einen echten journalistischen Hintergrund hat, hielt nicht die Quantität, sondern als einziger die Qualität der Berichterstattung in seiner Region für nicht ausreichend. Zwei der fünf befragten Blogger haben ihre Webseiten ganz konkret mit der Aussicht auf finanziellen Erfolg aufgebaut. Dies sind die beiden Blogger mit den jüngsten Webseiten, gegründet 2009 beziehungsweise 2010.

Hypothese 3: Lokale Fußballblogger werden durch die fehlende Berichterstattung lokaler Tageszeitungen zur Gründung von Fußballblogs motiviert. Dieser Mangel wird zumeist eher in Bezug auf den Umfang wahrgenommen als auf die Qualität der Berichterstattung. Dies
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könnte auch damit zusammenhängen, dass die meisten lokalen Fußballblogger keine gelernten Journalisten sind.

Hypothese 4: Lokale Fußballblogger, die ihre Blogs vor längerer Zeit gestartet haben, haben dies als Hobby getan. Jüngere Bloggründungen hatten zum Teil bereits zu ihrer Gründung finanzielle Interessen im Auge. Dies könnte damit zu tun haben, dass sich bei anderen Webseiten bereits gezeigt hat, dass mit Blogs Geld zu verdienen ist.

Über was berichten lokale Fußballblogger? Lassen Sie die Leser zu Wort kommen? Wie viel Zeit investieren Sie in ihr Blog?

Die befragten lokalen Fußballblogger grenzen ihr Berichterstattungsgebiet sehr genau ab, vor allem räumlich, aber auch mit Bezug auf die Spielklassen. Nur zwei der fünf Blogger berichten hin und wieder auch über Profifußball. Drei der fünf Blogger berichten über den gesamten Amateurfußball bis hinunter in die unterste Liga. Einer der befragte Blogger konzentriert sich auf die vier obersten Amateurspielklassen und ein weiterer Blogger berichtet gar ausschließlich über die oberste Liga des Amateurfußballs in seiner Region.

Letztgenannter Blogger schreibt als gelernter Journalist auch alle Texte selbst. Leser sollen zwar kommentieren und aktiv teilhaben, bei redaktionellem Inhalt legt er aber auf eine gewisse Linie Wert. Die übrigen vier Blogger nutzen auch von Lesern geschriebene Texte, so genannten User-Generated-Content. Ein Blogger nutzt den von Lesern zugelieferten Inhalt sehr stark, organisiert die Leserbeteiligung sogar flächendeckend. Drei weitere nutzen den zugelieferten Inhalt zumindest relativ häufig.

Keiner der Blogger betreibt seine Seite alleine. Drei Blogger teilen sich die Arbeit mit einem Partner oder mehreren Freunden, ein weiterer Blogger beschäftigt auf Honorarbasis verschiedene freie Mitarbeiter und ein Blogger hat sogar mehrere fest angestellte Mitarbeiter. Dennoch übernehmen die befragten Blogger den Löwenanteil der Arbeit an ihren Seiten. Trotz der Hilfe von außen ist der Zeitaufwand deshalb bei allen sehr hoch. Lediglich ein Blogger, der mit seiner Seite kaum Einnahmen erzielt, achtet darauf, nicht zu

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viel Zeit zu investieren. Die anderen arbeiten nach eigener Aussage 40, 50, 60 oder zum Teil sogar bis zu 100 Stunden in der Woche an ihrem Blog.

Hypothese 5: Lokale Fußballblogger grenzen ihre Berichterstattung sowohl räumlich als auch mit Bezug auf die Spielklassen genau ab. Bei lokalen Fußballbloggern, die bis hinunter in die unterste Liga berichten, spielt von Lesern gelieferter Inhalt eine große Rolle, da sonst nicht alle Spiele abgedeckt werden können.

Hypothese 6: Lokale Fußballblogger investieren sehr viel Zeit in ihre Blogs; vor allem Blogger, die mit ihren Seiten Geld verdienen wollen. Der Aufwand liegt häufig bei 50 Stunden in der Woche oder noch darüber.

Haben die Blogger ein journalistisches Selbstverständnis? Wie ist ihr Verhältnis zu den Kollegen von den klassischen Medien?

Interesse an kritischen Beiträgen oder Beiträgen mit eigener Meinung und Bewertung, also mit klassisch-journalistischem Selbstverständnis, scheint nur der befragte Blogger zu haben, der auch gelernter Journalist ist. Die vier anderen Blogger legen zwar Wert auf Richtigkeit Ihrer Informationen, setzen aber vor allem auf möglichst umfangreiche Berichterstattung – weniger auf kritische Hintergründe, Analysen oder Kommentare. Alles in allem sind die befragten Blogger froh über ihren guten Kontakt zur Amateurfußballszene und arbeiten an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Auch aufgrund der erhofften von den Lesern und Fußballern selbst zugelieferten Inhalte ist hier die freundschaftliche Bindung zum Berichterstattungsobjekt noch stärker als im lokalen Journalismus oft ohnehin üblich.

Bei zwei der fünf Medien haben die regionalen Zeitungen in der jüngeren Vergangenheit Interesse an einer Zusammenarbeit geäußert. Diese Verhandlungen fielen jedoch in beiden Fällen sehr kurz aus: Die Angebote der Medien seien, so die Blogger, wohl kaum ernst gemeint und wenig attraktiv gewesen. Die Medien hätten nur das Wissen und den Einsatz der Blogger nutzen wollen, seien jedoch nicht bereit gewesen, einen angemessenen Preis dafür zu zahlen. Den Bloggern fehlte die Wertschätzung. Zu den Redakteuren vor Ort ist das

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Verhältnis jedoch sehr gut. Alle Blogger geben an, dass Sie mit den Schreibern der klassischen Medien gut auskommen und sich auch hin und wieder austauschen.

Hypothese 7: Lokale Fußballblogger setzen in den meisten Fällen auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Amateurfußballern. Kritische Berichterstattung ist die Ausnahme.

Hypothese 8: Das Verhältnis lokaler Fußballblogger zu den Mitarbeitern klassischer Medien ist meist gut. Die Beziehung zu den Verlagen ist jedoch eher schwierig, da die Verlage gerne die Blogger in ihre Angebote einbinden würden, aber nicht bereit sind, dafür ein akzeptables Honorar zu zahlen.

Wie bewerten die lokalen Fußballblogger den Erfolg ihrer Arbeit finanziell und ideell?

Alle befragten Fußballblogger sind mit ihrer Arbeit zufrieden – sowohl mit den Reaktionen und der Reichweite ihrer Blogs, als auch (bei den auf Gewinn ausgerichteten Bloggern) mit den finanziellen Erträgen. Zwei Blogger, die ihre Seiten vor einem beziehungsweise zwei Jahren auch mit finanziellen Zielen ins Leben gerufen haben, können mittlerweile von ihrem Blog leben und sind optimistisch, die Einnahmen weiter steigern zu können. Ein dritter Blogger hat fünf festangestellte Mitarbeiter und steigert seine Reichweite kontinuierlich. Mittlerweile hat er an manchen Tagen bis zu 80000 Besucher auf seiner Seite und möchte sein Netzwerk weiter ausbauen.

Zwei Blogger finanzieren sich und ihr Blog quer. Einer verkauft einmal jährlich ein Sonderheft, veranstaltet eine Sportgala und hilft bei der Organisation des Kreispokals in seiner Region. Ein zweiter Blogger bekommt über die Bekanntheit seines Blogs zunehmend auch andere Aufträge – zum Beispiel für die Gestaltung von Vereins-Zeitschriften oder Webseiten. Die beiden Blogger, die von ihren Blogs nicht leben können und nur wenig bis gar kein Geld damit verdienen, freuen sich besonders über die positiven Reaktionen auf den Fußballplätzen. Einer der Blogger ist begeistert über das gestiegene Diskussionsniveau auf den Plätzen. Durch seine Arbeit ist die Verbreitung von Informationen über die entsprechenden Ligen gestiegen, das freut ihn.

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Hypothese 9: Lokale Fußballblogger können nach einer gewissen Anlaufphase von ihren Blogs durchaus ihren Lebensunterhalt bestreiten, auch wenn zum Teil eine Querfinanzierung über durch die Bekanntheit zustande gekommene externe Projekten nötig ist.

Hypothese 10: Vor allem Hobby-Blogger freuen sich sehr über positive Rückmeldungen von ihren Lesern und bewerten allein dadurch ihr Bloggen als erfolgreich.

Welche Ziele haben die Blogger langfristig?

Die fünf befragten Blogger wollen vor allem ihre Reichweite erweitern. Die drei bereits jetzt finanziell erfolgreichen Blogger wollen ihre Einnahmen vergrößern und in diesem Rahmen auch ihre Mitarbeiterzahl erhöhen; zum Teil um die eigene Arbeitsbelastung zu senken. Die beiden Blogger, die zusätzlich einem anderen Job nachgehen und nicht von dem Gewinn ihrer Seiten leben müssen, wollen den Schritt in die Selbstständigkeit auch in Zukunft nicht gehen: Ihnen ist das Risiko zu hoch.

Den Bloggern sind Innovationen sehr wichtig. So will ein Blogger vermehrt Videos auf seiner Seite etablieren, ein anderer will den von Nutzern betriebenen Liveticker stärker ausbauen. Ein weiterer Blogger will vorne mit dabei sein, wenn sich das Internet weiter entwickelt – und beschäftigt sich dafür stark mit den technischen Möglichkeiten seiner Webseite. Grundsätzlich sehr stark interessiert an anderen Lokalfußballblogs zeigt sich ein weiterer Blogger, der ebenfalls neue Formate für seine Seite ausprobieren will. Am wenigsten ehrgeizig wirkt in Sachen technischer Verbesserungen der einzige Blogger, der mit seinem Blog keine Einnahmen erzielt.

Hypothese 11: Lokale Fußballblogger versuchen durch innovative Formate ihre Reichweiten und damit ihre Einnahmen zu verbessern. Die Tatsache, dass die Blogger als Unternehmer für sich und ihr Auskommen selbst verantwortlich sind, treibt sie stark an, nach Innovationen und Verbesserungen zu suchen.

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Wie sieht die Zukunft lokaler Fußballblogs aus und was müssen lokale Fußballblogger beachten, um erfolgreich zu sein?

Nur einer der befragten Blogger hat eine negative Meinung zur Zukunft lokaler Fußballblogs. Er geht davon aus, dass in Zukunft durch Facebook und Twitter weniger Leute Interesse an Blogs haben werden. Alle anderen Blogger glauben an die Zukunft ihres Blogs und auch daran, dass lokale Fußballblogs an sich eine Chance haben.

Wichtig bei der Gründung eines lokalen Fußballblogs ist die Nische. So sagt ein Blogger, seine Seite könne so große Reichweite erzielen, weil es nur eine einzige Tageszeitung in seinem Gebiet gibt (die sich zudem auf den Profisport konzentriert) und die Konkurrenz somit gering ist. Ein anderer Blogger arbeitet mit seinem Blog zwar gegen große Konkurrenz anderer Blogs und Medien, hat aber mit seiner meinungsfreudigen, abseitigen Art zu schreiben eine Lücke gefunden, für die er viele Leute begeistern kann. Er sieht es ebenfalls als sehr wichtig an, dass man als Blogger den Leuten etwas bietet, das sie woanders nicht finden. Mehrere Blogger betonen, wie wichtig Authentizität und Durchhaltevermögen ist, um ein lokales Fußballblogs zum Erfolg zu führen. Während ein Blogger versucht, sein Blog durch weitere Ableger-Portale auszuweiten, hofft ein anderer auf eine Kooperation verschiedener Lokalfußballblogs auf dem Werbemarkt.

Hypothese 12: Lokale Fußballblogs haben – wenn Sie eine Nische finden – auch in Zukunft sehr gute Chancen, am Markt zu bestehen und Gewinn abzuwerfen.

6. Fazit und Ausblick

Die fünf befragten lokalen Fußballblogger haben bereitwillig und ausführlich Auskunft zu ihren Blogs und ihrer Motivation gegeben. Besonders in Bezug auf die Kernfragen zur Motivation lokaler Fußballblogger müssen die Antworten jedoch distanziert betrachtet werden. Inwieweit alle Antworten der Blogger ehrlich waren, kann trotz Anonymisierung und mehrfachen Nachfragens nicht sicher bestimmt werden. Mit kritischer Distanz im Hinterkopf lassen sich jedoch einige Ergebnisse festhalten.

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Bis auf eine Ausnahme sind die befragten Blogger zwischen 20 und 30 Jahre jung und seit langer Zeit im Amateurfußball ihrer Region verwurzelt. Kein Blogger betreibt seine Seite allein: Alle haben Helfer, die zum Teil bezahlt werden und in einem Fall sogar fest angestellt sind. Dies unterscheidet sie zum Beispiel von den meisten Fußballbloggern, die als Fan über einen Profiverein schreiben. Zumeist haben fehlende Informationen über den Lokalfußball zur Gründung eines lokalen Fußballblogs motiviert. Ganz konkret wird hier mehrfach die fehlende Berichterstattung in der Tageszeitung angesprochen.

Zwei Blogger, die ihre Seiten erst 2009 beziehungsweise 2010 aufbauten, starteten ihr Blog mit der konkreten Perspektive, sich damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ganz im Gegenteil dazu haben die drei länger aktiven Blogger ihre Seite als Hobby begonnen. Die beiden neuen, mit finanzieller Perspektive gestarteten Blogger verdienen sich tatsächlich bereits nach relativ kurzer Zeit mit den Werbeeinnahmen ihren Lebensunterhalt. Auch einer der länger aktiven Blogger verdient seit einiger Zeit seinen Lebensunterhalt mit seiner Webseite. Dies lässt vermuten, dass lokale Fußballblogs mittlerweile ein lohnendes Geschäft sein können.

Die befragten Blogger legen ihre Berichterstattung räumlich sehr genau fest und schreiben in aller Regel nicht über Profifußball. Drei der fünf Blogger schreiben über den gesamten Amateurfußball bis hinunter zur untersten Liga, einer beschränkt sich auf die obersten Amateurligen, ein weiterer sogar nur auf die höchste Amateurspielklasse. Von Lesern und Vereinen selbst geschriebener Inhalt wird besonders von den Blogs häufig genutzt, die auch über die untersten Ligen berichten. Zum Teil ist der Anteil der von Lesern bereitgestellten Inhalte höher als der Anteil der redaktionellen Inhalte.

Lediglich ein Blogger nutzt ausschließlich selbst geschriebene Texte. Dies ist der einzige der befragten Blogger, der eine klassische journalistische Ausbildung hat. Drei der vier anderen Blogger haben zuvor zwar auch schon journalistisch gearbeitet, jedoch lediglich für Vereinsoder Stadionzeitschriften. Vor allem den vier nicht journalistisch ausgebildeten Bloggern ist ein freundschaftliches Verhältnis zum Objekt ihrer Berichterstattung sehr wichtig – auch, weil sie zum Teil auf die kostenlos zugesandten Berichte ihrer Leser angewiesen sind.

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Bei der Frage zur Gründungsmotivation wurde interessanterweise auch bis auf eine Ausnahme nicht die Qualität der Berichterstattung in der Tageszeitung kritisiert, sondern deren Umfang. Die Blogger sagen zwar selbst von sich, dass sie ein journalistisches Selbstverständnis haben, meinen damit aber vor allem, dass die Informationen richtig wiedergegeben und ohne Rechtschreibfehler sind. Kritische Analysen oder

rechercheintensive Beiträge gibt es kaum bis überhaupt nicht. Lediglich der Blogger mit journalistischem Hintergrund legt auf eine eigene Meinung und kritische Beiträge wert.

Die Entstehung lokaler Fußballblogs scheint also vor allem mit dem zu geringen Umfang der Berichterstattung lokaler Medien zusammenzuhängen. Die Blogs können mit ihrer Berichterstattung von den klassischen Medien vernachlässigte Bereiche ausfüllen und haben dafür mit der Beteiligung der Leser auch ein durchaus funktionierendes Modell entwickelt. Zu beachten ist allerdings, dass sich die Blogger nicht mit den journalistischen Mängeln im Sport- und Lokaljournalismus auseinandersetzen. Bis auf den journalistisch ausgebildeten Blogger haben die übrigen Blogger die qualitativen Mängel klassischer journalistischer Medien nicht konkret angesprochen, geschweige denn kritisiert.

Es scheint somit sehr fraglich, ob lokale Fußballblogs diese journalistischen Mängel abschwächen oder gar beseitigen können oder, ob es nicht eher noch zu einer Verflachung der Inhalte und einer weiteren Verbrüderung von Berichterstatter und

Berichterstattungsobjekt kommt – auch durch von Lesern zugelieferte Inhalte. Die mangelnde Distanz, eines der Hauptprobleme von Lokal- und Sportjournalismus, findet sich bei lokalen Fußballblogs in besonders starker Prägung.

Während lokaljournalistische Blogs wie das Heddesheimblog eher für eine kritische Grundhaltung bekannt sind und dadurch die journalistischen Ausfälle lokaler Medien zu kompensieren versuchen, im kritischen Journalismus sogar eine Marktlücke sehen, scheinen lokale Fußballblogs – wie dargestellt – eher eine sehr freundliche und partnerschaftliche Haltung ihrem Berichterstattungsgegenstand gegenüber zu haben. Vielleicht hängt dies auch damit zusammen, dass bei lokaljournalistischen Blogs eine Berichterstattung durch lokale Medien erfolgt, diese jedoch als unzureichend und unkritisch wahrgenommen wird. Bei lokalen Fußballblogs ist es jedoch häufig so, dass der Umfang der Berichterstattung über
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lokalen Fußball grundsätzlich als zu gering empfunden wird und nicht als zu unkritisch. Daher wird hier überhaupt erst einmal eine journalistische Lücke geschlossen.

Der Arbeitsaufwand ist besonders in der Aufbauphase der Blogs sehr hoch; einer der befragten Blogger berichtet von bis zu 100 Stunden in der Woche. Als Belohnung sehen die Blogger sowohl ihren finanziellen Erfolg und die Befriedigung, etwas Eigenes aufgebaut zu haben, als auch die Reaktionen und das Feedback der Leser, Trainer, Fußballer. Der einzige befragte Blogger, der kein Geld mit seiner Seite verdient, freut sich außerdem darüber, dass sich die Diskussionskultur auf den Plätzen verbessert hat, weil die Leute besser informiert sind. Dieses Motiv ähnelt interessanterweise den in der Einleitung angesprochenen Motiven von anonymen Wikipedia-Autoren.

Die finanziell erfolgreichen Blogger dieser Befragung haben von den Tageszeitungen der Region Angebote zur Kooperation oder Übernahme bekommen. Die Angebote sind aus Sicht der Blogger jedoch in allen Fällen äußerst unattraktiv gewesen. Statt sich ohne echte Wertschätzung gegen mäßige Entlohnung für ein großes, starres Medienhaus zu engagieren, wollen die Blogger weiter selbstständig bleiben und sich aus eigener Kraft entwickeln. Die Chance, etwas aufzubauen und immer weiter zu verbessern, ist eine der immer wieder genannten Motivationsquellen der befragten Blogger. Einnahmen generieren die Blogger vor allem aus Werbung, zum Teil finanzieren sie ihre Blogs aber auch quer. Diese Querfinanzierung gelingt durch Arbeiten, die ihnen nur durch die Bekanntheit ihres Blogs möglich sind; zum Beispiel durch die Organisation von Sportgalas oder die Gestaltung von Vereinszeitschriften und Webseiten.

Langfristig wollen alle Blogger ihre Reichweiten steigern. Ein wichtiges Mittel dafür sind bei den meisten befragten Bloggern auch Innovationen: Das Interesse an neuen technischen Möglichkeiten und der Weiterentwicklung ihrer Seiten sind bei den befragten Bloggern weit verbreitet. Ein Blogger will sich mittelfristig mit weiteren Bloggern vernetzen, um die Werbeeinnahmen zu steigern, ein anderer will weitere Portale und damit ein kleines Netzwerk aufbauen, zwei weitere wollen das Gebiet ihrer Berichterstattung erweitern. Alles in allem scheinen sich lokale Fußballblogs derzeit positiv zu entwickeln. Inwieweit dies

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insgesamt positiv für die Qualität des lokalen Sportjournalismus ist, kann an dieser Stelle nicht abschließend bewertet werden.

Weitere Forschungen speziell zu lokalen Fußballblogs sollten den Ergebnissen dieser Arbeit zufolge ebenfalls eher qualitativ erfolgen, da die Anzahl der lokalen Fußballblogs noch vergleichsweise gering ist und ihre Ausprägungen extrem unterschiedlich sind, so dass eine quantitative Befragung den jeweiligen Blogs eventuell nicht gerecht werden könnte. Gewinnbringend könnte allerdings eine quantitative Erhebung über lokale Fußballwebseiten und ihre Angebote sein, bei der auch einfache Foren oder ähnliches einbezogen werden. Eventuell könnte man über eine Netzwerkanalyse erstmals eine Aufstellung und eine valide quantitative Abschätzung der Menge lokaler Fußballblogs generieren.

Zukünftige Forschungen könnten zur Erhöhung der Grundgesamtheit auch lokale Sportblogs anderer Sportarten hinzunehmen. So gibt es beispielsweise in Hamm (Westfalen) das lokale Sportblogs hammsport.de, das sich nicht ausschließlich mit Fußball beschäftigt, von der Struktur aber in eine ähnliche Kategorie wie die in dieser Arbeit vorgestellten lokalen Fußballblogs fällt.

Aus dieser Arbeit ergeben sich verschiedene interessante Aspekte zum Thema lokale Fußballblogs, zu denen sich weitere Forschungen lohnen könnten. Zum einen hat die Finanzierung der einzelnen Blogs Fragen aufgeworfen. Wie finanzieren sich die Blogs im Einzelnen? Welche Erlösmodelle funktionieren derzeit? Welche noch nicht? Wie könnten die Modelle der Zukunft aussehen? Zumal es bei den Blogbetreibern unterschiedliche Ansätze gibt. Neben den in dieser Arbeit zur Sprache gekommenen Möglichkeiten durch Werbung oder Querfinanzierung gibt es in Deutschland auch mindestens ein lokales Fußballblog, das sich durch ein Abonnement-System finanziert, also quasi durch bezahlte Inhalte. Dieses Blog ist in dieser Arbeit nicht untersucht worden. Eine Untersuchung in diese Richtung könnte sich aber zum Beispiel auch für klassische Medien und deren zukünftiges

Finanzierungsmodell im Netz lohnen.

Lohnenswert dürfte auch eine genauere Analyse der journalistischen Ansprüche der lokalen Fußballblogger sein. Dies könnte auch durch eine Inhaltsanalyse der Blogbeiträge erfolgen.
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Diese Arbeit lässt vermuten, dass die journalistischen Ansprüche der lokalen Fußballblogger eher niedrig sind. In diesem Zusammenhang könnte man zudem untersuchen, inwieweit sich die Berichterstattung der klassischen lokalen Medien verändert, wenn sich lokale Fußballblogs in ihrem Berichterstattungsgebiet gründen und etablieren. Sinkt die Quantität, weil die Amateurfußballer nun eine Plattform haben und somit die Pflicht der Lokalzeitung zur Berichterstattung wegfällt oder sorgt die zusätzliche Konkurrenz für vermehrte Berichterstattung. Und wie steht es um die Qualität? Profilieren sich lokale Medien über ihre journalistischen Ansprüche von Qualität und Kritik? Oder sorgt die oft freundlichpartnerschaftliche Haltung der lokalen Blogs für ein ähnliches Verhalten der Zeitungen, um den Kontakt zu den Vereinen zu halten und zu verbessern? Dies könnte sowohl durch Befragungen, als auch durch eine Inhaltsanalyse untersucht werden und könnte auch für die zukünftige Entwicklung von lokalem Journalismus über den Sport hinaus von Bedeutung sein.

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Anhang
Einige Fragen wurden bei der Transkription für einen besseren Lesefluss überarbeitet, die Antworten wurden jedoch exakt übertragen. Ausgespart wurden nur einige wenige Passagen, die nichts mit dem Thema dieser Arbeit zu tun haben. Außerdem wurden einige Passagen allgemeiner formuliert oder sogar ganz ausgelassen, um dem Versprechen der Anonymität nachzukommen. Interview mit Blogger 1 (Blogger 1 wurde vom Verfasser dieser Arbeit auf dessen Initiative hin geduzt. Um keine unnötige Distanz aufzubauen, wurde nicht auf der bei allen anderen Interviews üblichen Sie-Form bestanden). Stell dich doch mal kurz vor: Wie heißt du, wie alt bist du, was ist dein Beruf, wo wohnst du? [Persönliche Daten zur Anonymisierung gelöscht]. Seit einigen Jahren Sportjournalist. Das beschränkte sich dann meist auf Donnerstag PK, Samstag zum Spiel, Dienstag ein Interview vor Ort, aber das war alles unglaublich überschaubar bezahlt. Im Print- und Onlinebereich sind die Honorare so dermaßen im Keller, da musste irgendwie eine Alternative her und durch Zufall hab ich bei nem Seminar mitgemacht beim DJV und da hat mich so eine Bloggerin ziemlich heiß gemacht. Man braucht halt nicht viel außer ne Seite, die man sich günstig programmieren lässt und wenn man dann ne Nische hat, in die man irgendwie Lust hat sich auszutoben, dann sind mitunter auch ein paar hundert Euro drin. Das war für mich ein Grund, das echt mal anzupacken. […] Angefangen hat das wirklich im Juni 2010. […] Dann kam das eine zum anderen, wie gesagt die Inspiration mal ein Blog zu machen und so hat sich das dann entwickelt. Startschuss war dann letztlich Juli 2010. Meine Motivation war natürlich, mir igendwie ein Zubrot zu verschaffen zum klassischen freien Journalistentarif. […] [Blogger 1 hat bei verschiedenen überregionalen Medien gearbeitet, genaueres lasse ich mit Rücksicht auf die Anonymisierung außen vor] Irgendwann habe ich da die Reißleine gezogen und hab gesagt ich mach das nicht mehr, ich hab da kein Lust mehr drauf und ich setz jetzt volle Kanne auf unsern Blog und jetzt stehn wir da heute und machen Stadionzeitung, Internetauftritte von anderen Vereinen und bloggen noch weiter. Vielleicht kannst du zur Seite nochmal was sagen. Ihr macht ja nicht runter bis zur Kreisliga, sondern konzentriert euch auf die oberste Amateurspielklasse. Das hast du genau richtig beobachtet. Die [höchste Spielklasse hier] und so zusagen die Spitze des Amateursports ist klar unser großes Thema, weil es so viele Vereine und Ligen […] gibt und wenn man da wirklich gut sein möchte, muss man auch nah an den Vereinen dran sein und das schafft man halt eher bei 18 Vereinen als bei 800 Vereinen. Wir haben hier weit über 1000 Partien am Wochenende. Ein Grund ist, dass man 18 Vereine besser beackern kann […] Da lassen sich gute Geschichten schneller machen als bei einem Kreisliga-Torwart, der am Wochenende zwölf Dinger kassiert hat, aber erst am Mittwoch erreicht, weil das natürlich auch alles nicht so organisiert ist. Wir wollen da auch schon den Sport machen, der tatsächlich Sport ist ohne den Kleinen da zu nahe treten zu wollen. Es gab auch mal einen Bezirksliga-Verein, der sich an uns gewendet hat, weil die einen Torwart brauchten oder wenn mal 22 Tore kassiert werden ist das mitunter auch nochmal ein Thema, das man

aufgreifen kann, aber ansonsten ganz klar oberste Amateurspielklasse. Und, das ist so ein bisschen das nächste Ziel, das wir partiell [große Vereine aus der weiteren Region] auch machen, um den Raum auch einfach zu erweitern, um andere Argumente zu haben, wenn man mit Werbepartnern an einem Tisch sitzt, dass man nicht nur sagt wir machen die [Ligen hier in der Gegend], sondern im Grund interessiert uns der Fußball in der Amateurspitze [in der ganzen Region]. Du hast es grad schonmal am Rande erwähnt, es ist klar eine journalistische Herangehensweise. Es gibt ja auch andere Portale, die eher auf Mitmachen setzen und dass die Leute selbst die Texte schreiben, das ist bei euch gar nicht der Dreh, ihr macht schon alles journalistisch, auch wenn ihr die Leute animiert, euch Infos zu schicken. Genau, ja. Auch da wieder Vorbild ist da spox. User sind wichtig und man muss wirklich jeden Ernst nehmen und jeder Kommentar, der auch bei Facebook gepostet wird versuchen wir mitzukommentieren, mitzunehmen, dass jeder auch wirklich das Gefühl hat, er ist auf unserem Weg. Aber User-generated Content gibts bei uns so nicht. […] Aber wir haben natürlich auch eine gewisse Tonalität, die ist immer geprägt von Einflüssen aus Berlin, 11 Freunde, das ist natürlich auch unser Ansatz, wir wollen nicht einfach stupide informieren, wir wollen auch ganz dolle unterhalten und das ist letztendlich auch das, was uns auch auszeichnet. Dass wir keine klassische 1:0-Berichterstattung machen, sondern auch mal wirklich auf die Tonne hauen, vor allem eine eigene Meinung immer haben […], auch frech sind, auch gerne mal irgendwie Grenzen überschreiten, aber ich meine die Masse mag das inzwischen. Deshalb ist es auch nicht so einfach. Ich suche auch seit längerer Zeit einen dritten Mann der uns da genauso unterstützt, wie wir uns da zu zweit befruchten. Das ist echt nicht einfach Leute zu finden, die sich in der Szene auskennen, die gut schreiben können, die vielleicht auch noch gute Ansätze haben guter Journalist zu sein und die auch einen guten Stil haben, das ist echt rar. Und die die so gut sind, die sind bei den Großen, die wollen nicht bloggen. Also seid ihr wirklich nur [zu zweit]? Ja. Hinten dran noch ein Grafiker und Programmierer, aber inhaltlich nur wir beide. Nach einem Jahr, wie viel hast du, wie viel habt ihr da investiert an Zeit und Geld? Das hat sich relativ schnell zu einer 40-50 Stunden Woche entwickelt, schon nach einem Vierteljahr. Schuld daran ist natürlich, [dass wir jeden Tag berichten]. Und am Wochenende stehen dann natürlich ab Freitagabend Spiele auf dem Programm wo wir dann auch livetickern, auch jedes Mal drei bis vier Stunden vor Ort sind. Da kam schon nach relativ kurzer Zeit ganz viel Zeit zusammen. Und die Kosten. Ja. Das Aufsetzen des Blogs hat 2500 Euro gekostet und ich sag mal so die permanente Pflege will ich mal auf 500-600 Euro im Quartal beziffern. Nach einem Jahr, kann man dann schon sagen, ob das ein Erfolg war? Sowohl von eurer Idee her, ob ihr das so umsetzen konntet, wie ihr das wolltet, als auch vom finanziellen her. Naja. Was ist Erfolg? Wir haben uns denke ich in dem Jahr eine gewisse Bekanntheit erarbeitet, die uns jetzt auch ermöglicht ernsthafte Gespräche mit Werbepartnern zu

führen. Wir können jetzt auch mal bei Vereinen Türen aufhauen und sagen: Sollen wir eure Internetseite jetzt mal in die Hand nehmen? Möchtet ihr eine Stadionzeitung haben, die frisch, modern, innovativ ist? Da setzt man sich natürlich viel eher mit uns an einen Tisch, als das vor einem Jahr noch der Fall war. Da versuchen wir grade neben der Internetseite, die dann natürlich ein Erfolg war, uns grade auch eine zweite Säule zu erarbeiten. Und den ein oder anderen Werbepartner sieht man nun ja auch schon auf der Seite und jetzt nachdem wir diverse Kurzverträge hatten mit Sponsoren ist das nächste Ziel auch einen Partner zu finden, der sich längerfristig an uns bindet und möglichst viel Geld auch dem Projekt zu Gute kommen lässt. Das könnte ab September auch tatsächlich der Fall sein. Dass wir uns dann nicht mehr irgendwie mit unseriösen Wettanbietern beschäftigen, sondern dass wir zweidrei Premium-Partner haben, die dann auch wirklich mal sagen: Wir haben Lust darauf, dass ihr das weitermacht. Wir machen das, wir gehen den Weg mit euch und das ist dufte. Da sind wir dran und ab September, Oktober können wir da vielleicht schon die nächsten Schritte machen. Es ist im Moment noch ein bisschen querfinanziert über die anderen Einnahmen, die du hast und über die Sachen, die ihr darüber generiert; ihr hofft aber, dass es sich von selber trägt. Nö, also seit April zahl ich meinem Partner monatlich eine Summe aus und für mich ist das inzwischen 85 Prozent der Einnahmen, die ich insgesamt habe. Das ist schon gut. Darüber hinaus: Wie waren denn die Reaktionen, die ihr bekommen habt? War das von Anfang an so, dass die Leute gesagt haben: „Das ist das, was wir gebraucht haben“? Oder ist das eher zurückhaltend gewesen? Nö, eher ersteres. Klar, [unsere Region] ist recht stark vertreten, was Amateurfußball im Netz angeht, aber oft auch sehr klassisch, bieder, wenig Sinn für Optik und Sprache, sondern mehr so reinklatschen und User-Generated-Content. Wir haben uns natürlich ganz klar auf die Fahne geschrieben: Mit der Liebe zum Detail gehen wir das an. Jedes Bild besprech ich für mich selber passt das zu uns? Das kommt natürlich an. Die Frage habe ich mir eigentlich auch gar nicht gestellt, weil ich davon überzeugt war und das sind wir auch. Wir sind mehr 11Freunde als Reviersport. Wer Sinn für sowas hat, der muss das einfach auch mögen. Das passt schon. Weil du auch bevor du losgelegt hast gesehen hast, dass es sowas nicht gibt? Genau. Die meisten konzentrieren sich wirklich stupide aufs Wochenende. Das ist von uns sicherlich nochmal ein komplett neuer Ansatz gewesen. Wir machen wirklich Amateurfußball sieben Tage die Woche zehn Stunden am Tag. Das gab es auch in der Form auch nicht. Am Montag kommt eine Zeitung raus, die sich mit den Spielen vom Wochenende beschäftigt und die […] Portale, die schon am Markt waren, die liefen quasi auch nur von Freitag bis Sonntag. Da gab es dann immer mal wieder eine Meldung aus der Bezirksliga Ost, aber so, in der Form, dass wir sagen: Trara, Montag 9 Uhr, volle Kanne wieder rein ins Lager und los und Verletzte und Transfers und Gerüchte und Stimmung - das gab es so nicht. Und deswegen haben die das natürlich alle - heute noch - die saugen das natürlich auf. [Wenn das] einmal nicht um zehn Uhr online ist, sondern erst 14 Uhr, dann kommen die ersten Kurzmitteilungen: Was ist denn heute […] los? Ist schon lustig, aber die Latte liegt halt auch verdammt hoch.

Weil man dann nicht mehr weniger machen kann, wenn man mal so viel gemacht hat? Ja. Und dann wirklich nur fünf Einträge vormittags kommen und abends immer noch nichts Neues auf der Seite ist, dann ist man auch selber unzufrieden inzwischen. Dann sagt man sich auch, diese Woche nicht ein großes Interview mal, das war schwach. Also ist die Motivation aus sich selbst heraus? Wir wollen den User natürlich bei der Stange halten, das geht halt nur wenn man jeden Tag frische unterhaltsame Inhalte anbietest und das ist ja auch unser Credo, wirklich permanent online zu sein und permanent unterhalten zu wollen. Wenn das nicht klappt, ist man natürlich auch unzufriedener. Aber damit muss man auch klar kommen. Man muss sich frei davon machen und darf sich nicht ständig selber den Druck machen, weil dann sind auch Sachen wie Urlaub nicht mehr drin. Das wär natürlich doof. Wie ist denn das Verhältnis zu den klassischen Medien wie den […] Zeitungen? Das ist natürlich wie auf der großen Bundesliga-Bühne. Man trifft sich auf den Plätzen, erzählt sich was, aber nicht alles. Zum Anfang fanden uns alle total toll, mittlerweile nehmen uns aber auch die etablierten Medien sehr, sehr ernst. Man wird wahrgenommen und wird auch ständig gefragt, was wir denn nun damit verdienen und dann habe ich auch mal gesagt: Jetzt reicht es, Leute, wir fragen euch auch nicht, was ihr damit verdient. Wir waren schon einmal drauf und dran uns Kontoauszüge auf die Stirn zu kleben. Da ist schon ein großes Interesse, weil wir sind so ein bisschen zum mittelgroßen Unbekannten geworden, den man immer noch nicht einschätzen kann. Was machen die da? Wie verdienen die da eigentlich ihr Geld? Wie oft machen die das? Wie viel Zeit geht da drauf und wer sind die? Grad weil Medien ja auch immer wieder überlegen: Wie geht das? Können wir das auch? Und sich dann aber nicht trauen. Ich habe mehrfach persönlichen Kontakt [zur regionalen Zeitung] gehabt. Die hätten unsere Inhalte gerne eingebunden für ihr Produkt, aber ich wollte dann auch nicht zu deren Bedingungen der Vollidiot sein, der da vor den Amateurkarren gespannt wird, das habe ich den anderen überlassen. Da fehlte mir, der Fußballer würde sagen die Wertschätzung am Produkt. Da wollte man halt wirklich mit unseren Inhalten schnell auch ein paar Taler absahnen und wir sollten dann total happy darüber sein, dass wir uns doch [das Zeitungslogo] oben rechts rein kleben sollten und durften. Das brauchte ich nicht und das wollte ich auch nicht und darum geht es auch gar nicht. Wir wollen ganz klar mit dem Ding auch Geld verdienen und deshalb war das Angebot, das die uns da gemacht haben, auch unseriös. Also auf der Ebene auch nicht so, wie man sich das vorstellen würde? Nö, nö. Andere haben natürlich in den ersten drei-vier Monaten, im Grunde haben alle über uns berichtet.

Wie war denn am Anfang die Hoffnung, was entstehen kann? Es war ja nicht unbedingt der Grund, bekannt zu werden, um bei einem klassischen Mediun zu arbeiten. Es war ja schon aus sich selbstheraus etwas auf die Beine zu stellen, so dass man langfristig etwas hat, wo man sich selbst beschäftigt und versorgt? Das Ziel war: Wir machen was regelmäßiges, so dass man die Woche drei Geschichten macht, die so ein bisschen investigativ, hintergründig sind und darüber vielleicht ein-zwei Werbepartner zu gewinnen, wo man dann am Ende des Monats vielleicht 400 bis 500 Euro zu seinen bisherigen Einnahmen erzielen kann. Das war eigentlich das Ziel. Und jetzt? Ein Jahr später? Jetzt ist das Ziel, dass man statt 400 eigentlich auf die 4000 Euro hinarbeitet. Und das wird gelingen. Das wird irgendwie gelingen. Aber das gelingt natürlich dann auch, indem wir uns diese andere Säule aufbohren, die ich schon einmal angerissen hatte. Sprich für die Vereine Sachen wie Stadionzeitung und Vereinsseite mitmachen. Was sagst du denn grundsätzlich zu lokalen Fußballblogs. Du hast ja schon die Konkurrenz [in eurer Region] angesprochen. Wird das mehr oder weniger? Was muss man da beachten? Was machen Blogs falsch, wenn sie nicht so gut laufen? Ich glaube da gibt es nicht den einen Grund, es gibt nicht den einen Grund, warum es scheitert und es gibt nicht den einen Grund, warum was läuft. Ganz wichtig ist wirklich, dass man mit Liebe zum Detail rangeht, sich hervorragend im Markt auskennt und den Leuten eben auch was bieten kann, was sie woanders nicht finden. Darauf baut sich das auf. Ist davon etwas nicht gegeben, dann wird es auch schon schwer. Die Leute wollen ja irgendwie was davon haben, wenn sie sich mit deinem Produkt beschäftigen. Das darf dann auch bei anderen nicht zu finden sein möglichst und dann hat man schon einmal die Chance, den Leser, User, Kunden dann auch kontinuierlich abzuholen. Man braucht auch einen langen Atem sicherlich. Ich hab neulich einen interessanten Satz gelesen, der hieß: Der Amateur macht nur das, was ihm Spaß macht und der Profi macht auch das, was ihm keinen Spaß macht. Das versuche ich eben auch meinem Partner einzutrichtern. Da scheitern sicherlich eventuell auch andere Blogger. Ein anderer ging auch vor die Hunde hier [in der Region]. Jemand hat sehr intensiv über [einen Verein] gebloggt. War dann da auch immer vor Ort bei Pressekonferenzen etc und der ging dann nach einem Jahr in die Knie, weil er eben nicht den langen Atem hatte, weil er aber auch nicht alleine am Markt war, weil er mit seinem Produkt identisch gegen [Zeitungen] anging, das ging nicht, das konnte gar nicht funktionieren. Das aus dem Stand zu machen, das war unmöglich. Und das war auch sehr klassisch, was er angeboten hat. Seite war top, war schick, aber die ganze Sprache, der Stil - ich habe nie den Sinn darin gesehen, warum ich jetzt […] das Ding jetzt auch noch in meinen Konsum mit aufnehmen sollte. Was ist deiner Meinung nach noch wichtig? Vor allem authentisch bleiben. Das klingt so abgedroschen, aber das merken die User halt sauschnell, wenn man denen irgendwas vormacht. Sei es ich mach denen den Sebastian Hellmann vor der Kamera, bin aber doch eher der Biertrinker und Raucher vor der Kamera, der eher so Kneipe ist. Das erleben wir hier eben auch ab und zu. Das funktioniert dann

nicht. Dann nehmen die User das auch nicht ernst und du bist dann auch kein Thema. Manchmal neigen wir auch dazu, zu klassisch zu werden, auch so […] in einigen Interviews, dann erinnern wir uns immer wieder daran, wo wir eigentlich hergekommen sind. Das war eher so das freche, neben der Spur, unterhaltsame zu sein. Da erwischen wir uns dann schon ab und zu, dass man dann wieder so Fragen stellt, die eigentlich eher die anderen fragen sollten. Das ist dann auch wichtig, dass man sein Profil auch immer wieder vor Augen hält und sagt: Hey, komm, das sind wir. Das ist wichtig. Zeitmanagement ist auch wichtig, wenn man es so betreibt wie wir, aber das ist wieder ein anderes Thema. Danke. Wenn ich noch Nachfragen habe, melde ich mich.

Interview mit Blogger 2 [Persönliche Informationen] Ich mache den Blog nebenberuflich, ich bin hauptberuflich […] und hab früher selbst aktiv Fußball gespielt, bisschen erfolglos in der untersten Spielklasse und war dann früher auch Vereinsfunktionär […]. Und warum ich jetzt so etwas gemacht habe, also bei uns in der Region […] da habe ich das gemacht, weil wir nur eine Tageszeitung haben, die sich nur spezialisiert auf den Profisport. Und wir wurden auch vor elf Jahren mal angesprochen, ob wir sowas nicht ins Leben rufen wollen. Was heißt angesprochen? Das war gar nicht unbedingt ihre eigene Idee? Warum wurden grade Sie angesprochen? Das hat folgenden Grund. Früher waren wir schon einmal bei so einem Amateurmagazin tätig, das hat aber nach zwei Jahren den Betrieb eingestellt. Dann haben wir mal eine Sponsorensache gemacht, eine Broschüre entworfen und die ist dann so gut angekommen und daraufhin wurden wir im Juli 2000 dann angesprochen, ob wir nicht was ins Leben rufen wollen. [Das] gibts jetzt seit elf Jahren. 00:02:57-3 Das Magazin war der Beginn. Können Sie nochmal kurz beschreiben, was in dem Magazin steht, wie oft das erscheint und warum Sie dann ins Internet gegangen sind? Das geht rein um den Amateurfußball. Die Fußball-Bundesliga haben wir ganz am Rande […]. Ansonsten berichten wir von der Oberliga bis in die unterste Klasse. Dann haben wir noch den Frauenfußball, der jetzt schwer ins Rennen kommt. Wir haben schon früher berichtet, wo das noch gar nicht so Mode war und natürlich den Jugendfußball. Wo wir dann das Heft gegründet haben 2000, da war das noch gar nicht so bekannt mit dem Internet, das man sowas macht. Wir sind aber schon früh drauf gestoßen so eine Homepage zu machen als Alternative, weil wir nur ein Monatsmagazin sind und mussten auch tagesaktuell bleiben und haben [es] dann ins Netz gestellt, wo tagtäglich aktualisiert wird und auch die Vorschauen, Torschützen und sonstige Sachen. Sie haben gesagt, Sie wurden angesprochen, weil Sie sich damals schon engagiert hatten. Warum haben Sie sich denn damals bei diesem anderen Magazin engagiert? Haben Sie das Gefühl gehabt, da wird zu wenig drüber berichtet, ich will mich jetzt mal ehrenamtlich engagieren oder war das auch eine Idee, dass man auch mal nebenher etwas Geld verdienen könnte oder wie waren da die Hintergründe? Die Hintergründe waren ja so, dass der Geschäftsführer dieses alte Magazin dann verkauft hat an die Tageszeitung und dann hat es einen Riesenwechsel gegeben und dann sind Leute mit ins Boot gekommen, die sich mit Fußball gar nicht auskennen und mein Kollege und ich sind dann nach einem Jahr oder so ausgestiegen und dann ging das vielleicht noch 14 Tage mit dem Magazin und das hat den Betrieb dann eingestellt. Das war dann quasi ein Eigentor, dass man das Heft verkauft hat und dass man dort die falschen Leute mit ins Boot geholt hat. Und Sie haben dann gedacht: Dann mach ich lieber was eigenes, was Vernünftiges? Genau.

Und Ihr Hintergrund war dann: Ich mach das gerne, ich könnte auch Trainer machen oder Betreuer aber ich schreibe lieber? Oder war Ihr Hintergrund auch: Das erste Magazin lief am Anfang ganz gut, da kann man vielleicht auch ein bisschen Geld mit verdienen? Was war Ihr Hintergrund? Der Hintergrund war das ich im Verein selbst schon ein Vereinsmagazin gemacht hab, das ist bald 30 Jahre alt. Da haben wir Interesse gefunden am Schreiben. Da hat man sich da rein gefunden und dann haben einen wieder Leute angesprochen, das man sowas macht und das war dann ausschlaggebend das man das auf kleinen Füßen von der Pike auf praktisch gelernt. Sie sind da quasi ein bisschen reingerutscht. Ja. Und der Beginn war dann so, dass wir bei mir zu Hause in der Waschküche den ersten PC hatten, so haben wir dann angefangen. Mittlerweile haben wir Geschäftsräume und alles, aber wir haben von klein auf angefangen. Sie haben grad gesagt Oberliga bis zur untersten Liga. Aber Sie haben ja nicht zu jedem Spiel Berichte. Wie sind denn die Seite und das Magazin aufgebaut? Worauf legen Sie da wert? Beim Magazin legen wir Wert auf Hintergrundberichte, da wir nur einmal im Monat rauskommen. Je nachdem ob eine Mannschaft aufgestiegen ist oder einen guten Lauf hat oder einen Trainerwechsel gegeben hat oder die Mannschaft einen Lauf hat oder sehr gute Arbeit macht, da können wir dann im Heft ein bisschen intensiver werden. Und wie erwähnt im Online-Bereich sind wir halt tagesaktuell, da sind wir halt rund um die Uhr. Wenn nachts um zwei Uhr ein Trainer entlassen wird und wir bekommen das mit, dann steht das nachts um zwei Uhr schon im Netz und wir können natürlich auch im beschränkten Umfang vom Monatsmagazin auch nicht alles ausführlich berichten, deshalb haben wir auch diese Plattform des Internets gewählt. Aber haben Sie denn wirklich alles was im Fußball [in Ihrer Region] passiert drin? Ich habe mal ein bisschen geklickt, haben Sie da wirklich jedes Spiel drin? Zum Beispiel die Ligen, die in unserer Umgebung sind, da haben wir auf jeden Fall die Ergebnisse drin und was im näheren Raum ist haben wir auch die Torschützen und die Elf des Monats und die ganze Statistik drin. Und wir sind natürlich nur so gut, wie die Vereine uns zuarbeiten. Die haben bei uns ein Login wo sie sich einloggen und auch die Berichte bei uns einstellen können. Und das wächst halt auch mit den Vereinen, die uns unterstützen. Sie schreiben nicht jeden Text selber. Schreiben denn die Vereine so gut wie alle Texte selber oder haben Sie auch noch Leute, die mitarbeiten, die die Texte schreiben? Die Texte, die wir erhalten, sind hauptsächlich die Spielberichte. Weil wir nicht bei jedem Spiel dabei sind natürlich, werden die Berichte von den Vereinen selbst verfasst, die werden allerdings zuerst durchgelesen und von uns freigestellt, damit man später nicht rechtlich angegriffen werden kann. Der Anteil ist 80:20. Von der Redaktion 80 Prozent und von den Vereinen 20 Prozent.

Also nicht, dass der Hauptteil von den Vereinen gemacht wird. Sondern der Hauptteil ist schon von Ihnen. Redaktion: Wer macht das außer Ihnen? Wir haben das zu dritt ins Leben gerufen, jetzt ist einer abgesprungen und wir sind noch zu zweit. Und dann haben wir natürlich auch noch Leute mit ins Boot geholt, die die gleiche Philosophie haben wir wir. Weil das ist immer auch eine finanzielle Sache. Und man muss auf die Leute setzen können, man darf ja nicht alles schreiben, was man weiß, grad im Amateurbereich. Wir machen ja nicht wie die Bildzeitung, die dann extra die Auflage erhöht. […] Wir wollen vom Positiven ein wenig berichten und da braucht man halt Leute, die die gleiche Auffassung haben wie wir. Also fassen Sie die Leute nicht kritisch an, sondern das ist schon eher so, dass Sie für den Amateurfußball auch da sein wollen? Na gut kritisch. Wenn was vorgefallen ist, kann man das auch mal kritisch hinterfragen. Aber Sie müssen bedenken, wenn man eine Partei dann fragt, dann kommen gleich drei-vier Antworten. Aus so kleinen Geschichten wird dann gleich ein Riesending, das kann sich dann wochenlang hinziehen. Wenn ein Trainer entlassen wird oder sonst etwas nicht stimmt, dann haken wir schon einmal nach. Wir hören uns dann auch beide Seiten an, aber das ist dann eine unendliche Geschichte. Was für ein Aufwand ist denn der Betrieb der Seite? Was mussten Sie da am Anfang - auch in das Magazin - reinstecken, zeitlich und finanziell? Wie sieht das im Moment aus? Das ist mittlerweile ein Fulltime-Job, nur fürs Internet allein könnte man da drei-vier Leute hauptberuflich einstellen vom Zeitaufwand her. Beim Magazin ist es nicht ganz so schlimm, weil das ist ja vorgefertigt und wird dann Korrektur gelesen. Die Hauptaufgabe ist schon das Internet und dafür könnten wir locker-leicht vier, fünf Leute einstellen. Wie machen Sie das dann? Sie haben ja nicht vier, fünf Leute eingestellt. Da gibt es ja dann Leute, die das freiwillig machen. Wie ist denn jetzt zum Beispiel Ihr persönlicher Zeitaufwand? In der Woche kann man sagen wenigstens 50-60 Stunden. Und das finanziert sich dann aus Anzeigen, Werbung oder wie finanziert sich das? Da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Wir haben ja mehrere Steckenpferde. Einmal unser Sondermagazin. […] Das ist unsere Haupteinnahmequelle. Die sonstigen Magazine sind ja bei uns kostenlos, die Online-Nutzung ist auch kostenlos. Wir finanzieren uns hauptsächlich durch die Werbung und wir veranstalten auch Events natürlich. Was sind das so für Events? Zum Beispiel einmal im Jahr, da haben wir unsere Sportgala. Das heißt mittlerweile haben wir 1000 Leute bei dieser Gala. Da werden die Meister und Aufsteiger präsentiert und dann werden die Torjäger präsentiert […]. Das ist dann schon ein Highlight. Und zweitens haben wir auch noch den Bezirkspokal. Vom Bezirkspokal kommt man in den DFB-Pokal rein, das ist

der Bezirkspokal, da sind wir auch Sponsor und da haben wir im Endspiel so 2500 Zuschauer, das ist die höchste Zahl in Südbaden und auch bundesweit gibt es in dieser Liga nicht so viele Zuschauer. Und das sind die Haupteinnahmequellen. Also verdienen Sie gar nicht unbedingt mit ihren Texten, sondern eher durch die Bekanntheit, durch die Sie auch Sachen organisieren können. So ist das. Zum Beispiel haben wir auch angefangen früher, als wir mit den Audiointerviews angefangen haben 2002, 2003. Oder auch mit dem Internetfernsehen, das machen wir schon seit 2004, 2005. Da wurde man damals ein bisschen ausgelacht und mittlerweile gehört das zum Standard dazu von Netzbetreibern. Hatten Sie das denn von Anfang an sich so überlegt? Wenn man am Anfang so viel Geld reinsteckt, haben Sie da schon gedacht: Irgendwie müssen wir mal überlegen, dass wir ein bisschen auf den grünen Zweig kommen? So viel kann man ja gar nicht investieren, ohne was zurückzubekommen? Na gut ich meine man hat bei allem Engagement, ein bisschen rüberkommen muss ja auch was. Wir haben keinen einzigen Cent investiert, wir haben alles durch Werbung und Veranstaltungen aufgebaut. Aber natürlich, wie sie richtig gesagt haben, bei aller Liebe zum Amateurfußball, man will auch ein bisschen Gewinn schreiben. Und Sie haben gesagt Sie [haben einen normalen Job gelernt] - den Job üben Sie gar nicht mehr aus? Doch, doch. Den übe ich schon noch aus. […] Ich sag mal, wenn es jetzt einer allein machen würde, dann könnte er überleben. Aber das Risiko ist mir im Moment noch zu groß. Weil Sie es auf mehrere Köpfe verteilen ist es nur ein kleiner Verdienst, aber alleine einzusteigen sehen Sie noch nicht genug Verdienstmöglichkeiten, auch wenn Sie Lust drauf hätten? Genau so ist das. Wie gesagt: Man könnte, aber gibt man jetzt den guten Job auf? Das ist immer eine wahnsinnsschwere Frage. Sie haben gesagt Sie haben Vereinszeitungen mitgeschrieben. Haben Sie einen journalistischen Anspruch oder ist das eher so, dass Sie sagen: Wir schreiben für die Vereine, wir sind eine Art Dienstleister, das muss nicht alles journalistisch sein. Man legt da schon Wert drauf, dass es fundiert ist und Hand und Fuß hat, aber ich sag jetzt mal es gibt ja viele Journalisten oder Kommentatoren, zum Beispiel bei Sky, die sind 22, 23 Jahre alt - ohne Blatt wären die ja hilflos. Es gibt ja auch im Journalismus genügend Beispiele, die Quereinsteiger gewesen sind. Es ist natürlich auch nicht jeder Journalist gleich gut. Wie sind denn Feedback und Reaktionen von den Leuten? Ist das ausschließlich positiv oder gibt es auch Leute, die sagen, man könne auch was besser machen oder was soll das mit dem Internet oder wie auch immer?

Beim Start unserer Seite da gab es natürlich immer kritische Stimmen. Die Gestaltung im Internet mit den Ergebnissen ist für uns eine Erleichterung, aber da gibt es natürlich auch immer kritische Anmerkungen. Aber wir sind ja viel draußen auf den Plätzen. Das ist ja das zeitintensive. Nicht wenn man nur im Büro sitzt. Ich kenn die Fans, die Trainer, ich hab noch gegen die Väter gespielt und jetzt spielen die Söhne. Man muss raus zu den Leuten und auf die Plätze, da lebt der Fußball. Man kann das nicht im Büro machen. Da gibt es schöne Anekdoten mit vielen älteren Personen, die bei uns im Netz sind, denen ich das gar nicht zugetraut hätte. Wenn ein Mann 85 Jahre alt ist und 70 Jahre Fußball gespielt hat und hat noch ein Bild von wo er 15 Jahre alt war und der zeigt mir das, das sind dann schon schöne Erlebnisse. Das ist schöner, als wenn man Tore zeigt. Grad diese Gespräche, die sind dankbar die Leute. Wie ist denn Ihr Verhältnis zu den klassischen Medien? Wir kennen uns schon viele Jahre und das Verhältnis ist sehr gut, egal ob Printmedien oder Hörfunk. Man kennt sich, man hilft sich gegenseitig aus. Wenn der [Zeitung] mal ein Bild fehlt oder sonst etwas, dann bekommen die das auch von uns zur Verfügung gestellt. […] Das Verhältnis ist schon sehr gut. 00:18:17-3 Die sagen auch nicht: Ihr nehmt uns unsere Leser weg oder so? Nein, nein. [Wir haben nur eine Zeitung] hier und die hat eine Monopolstellung, weshalb sie machen kann, was sie will. In anderen Regionen sind drei-vier Zeitungen, die ausführlicher über Amateurfußball berichten. [Unsere Zeitung hier] ist ja dankbar, dass es uns gibt, weil wir halt den Amateurfußball betreuen und das bringt denen eh nichts, da haben die gar keinen Platz. Das Verhältnis ist einwandfrei. Sie füllen mit ihrer Plattform ja eine Lücke, die die Medien offenlassen. Genau. Deshalb sind wir ja auch in die Nische gestoßen. Deshalb haben wir hier in der Region auch das Glück. Das gibt andere Regionen wo es drei vier Tageszeitungen gibt. Da hätten wir keine Chance. Da hätten wir mit unserem Fußballmagazin gar keinen Platz. Hier sind wir in eine Nische gesprungen und in anderen Regionen würde es vielleicht auch gehen. […] Sie haben gesagt, dass es sich irgendwann mal auszahlen muss. Es gibt ja auch Fußballblogger und Fußballjournalisten, die über eine eigene Plattform in ein klassisches Medium gerutscht sind, dort einen Job bekommen haben. War das mal ein Ziel für Sie oder wollten Sie das nie? Unser Ziel ist immer eigenständig zu bleiben. Ich habe keine Ansprüche. Ich war auch schon eingeladen von regionalen Fernsehsendern für Expertenmeinungen, aber ich hatte nie das Ziel, um das als Plattform zu benutzen, um mich irgendwo anders zu profilieren. Ich bleib bei unserem Produkt. Wenn natürlich von selbst ein Anbieter kommt und die entsprechende Summe zahlt, dann hört natürlich auch irgendwo die Liebe auf zum Fußball. Wie hoch sind den Klickzahlen auf der Seite und wie viele Magazine verkaufen Sie denn da?

Das hört sich jetzt nicht viel an. [Das Monatsmagazin hat etwa 5000.] Und realistische Besucher, nachweisbare Besucher haben wir im Spielbetrieb zwischen 180000 und 200000 pro Monat. Das hört sich jetzt nicht viel an, aber für ein Amateurportal ist das eine recht große Zahl. Im Vergleich mit der [regionalen Zeitung], die ja allgemein berichtet über verschiedene Sachen, die hat [zwischen 500000 und 1000000] Besucher. Die sind ja breit gefächert und wir bieten ja nur Fußball an. Wie ist denn so ihre Motivation jetzt? Am Anfang wollten Sie die Lücke füllen und den Leuten was geben und gucken, dass man ein bisschen davon leben kann. Jetzt sind Sie etabliert. Gibt es etwas, bei dem Sie sagen: So soll es weitergehen. Das ist jetzt unser Anspruch, warum wir das machen. Gut ich mein auf dieser Basis wollen wir dann schon weiter machen und uns ein bisschen ausweiten uns unser Steckenpferd ist ja auch das Internetfernsehen. Das ist jetzt unser nächstes Ziel, dass man Sendungen macht in den Geschäftsräumen wie eine normale Sendung und dass man auch Gäste einlädt zu einem Spitzenspiel oder so. Und das ist dann unser Ziel, dass man das Internetfernsehen noch aktiver macht, das ist dann das Endziel. Alle anderen Ziele haben wir jetzt erreicht. […] Und die Web-TV-Ideen - finanzieren Sie das dann über Sponsoren, die vorne mit eingeblendet werden? […] Das ist eine Plattform für die untersten Ligen, wenn wir eine Vorschau machen und dann manchmal haben wir da 500, 600 Zuschauer. Das ist eine ganz enorme Zahl, das haben wir nicht mal in der Regionalliga. Und wir verstehen uns als Partner […]. Was glauben Sie denn wie die Möglichkeiten grundsätzlich sind für lokale Fußballblogger da auch von zu leben.Glauben Sie, dass das ein Geschäftsmodell ist oder wird das wieder schwächer? Na gut, gute Frage. Es ist ja mal angedacht, dass diese Blogs sich zu einer festen Größe vereinen. Weil die dann ganz anders auftreten gegenüber Werbepartnern. [In unterschiedlichen Regionen tut man sich nicht weh] Und das Ziel ist natürlich - auch bei den Monatsmagazinen - dass man da gemeinsam auftritt und dass man den Werbesektor noch stärker präsentieren kann als jetzt. Das ist ja ein Unterschied, ob das dann 200000 oder zwei Millionen oder drei Millionen sehen. Das ist ein ganz schöner Unterschied. Da kann man dann auch andere Partner akquirieren. Genau. Deshalb haben wir da schon Chancen. Wir haben auch schon schlechte Zeiten mitgemacht, wo die Wirtschaft ein bisschen schlecht gelaufen ist, aber wenn man sowas machen will. Wenn da jemand kommt und will die schnelle Mark machen - das geht nicht. Man muss das jahrelang aufbauen. Nur weil man sich im Internet auskennt oder IT-Techniker ist, das funktioniert nicht. Man braucht schon jahrelange Erfahrung. Ist das konkret geplant mit der Zusammenarbeit, haben Sie da schon mit den anderen gesprochen?

Gut dass wir das Gespräch hier führen, das hätte ich sonst ganz vergessen gehabt, da wird man sich mal treffen und austauschen. Das ist angedacht, dass man dann gemeinsam auftritt und dann ist das schon eine realistische Sache natürlich. Falls ich was vergessen habe zu fragen oder Sie noch etwas sagen wollen, was Sie zwischendurch nicht rausgebracht haben: Raus damit. Ich denke wir haben das Wesentliche. Man muss das immer gezielt aufbauen, sonst funktioniert das auch nicht. Man sollte wirklich auch vom Fach sein. Die Liga, wo man gespielt hat, spielt keine Rolle. Als wir angefangen haben, war ein höherklassiger Spieler dabei, ein Trainer und ein Manager dabei und ich war halt der einfache Spieler, der Vereinsfunktionär. Da haben wir uns natürlich sehr gut ergänzt in diesen Bereichen. Aber ein stinknormaler Laie, der hat im Amateurbereich ohne Grundwissen und ohne Kontakte zu den Vereinsfunktionären hätte kaum Chancen, dass er sich da durchsetzt. […] Was wir als nächstes machen müssen ist das mit dem Facebook, das ist jetzt ja in aller Munde. Da wollen Sie sich auch eine Seite anlegen? Genau. Ich bin immer ein bisschen skeptisch bei solchen Sachen, aber das wurd uns angeraten. Die anderne lokalen Fußballblogger machen das auch und ich glaube, dass das ganz gut ankommt. Auch mit den Filmen und Audio-Interviews und solchen Sachen. Vielen Dank, wir bleiben in Kontakt.

Interview Blogger 3

Vielleicht stellen Sie sich zu Beginn mal kurz vor und erklären, wie Sie auf die Idee kamen, [ihr Blog] zu gründen? [Persönliche Daten. Studium, das mit Sport und Journalismus nichts zu tun hatte] Ich war parallel zu Schul- und Studienzeiten bei der [Zeitung] als freier Mitarbeiter im Amateurfußball tätig. Zusätzlich bin ich seit dem vierten Lebensjahr selbst im Verein aktiv, war Jugendtrainer und habe eben diese Komponente mit dem Schreiben kennen und schätzen gelernt. [Jahr] war ich mit der Diplomarbeit fertig und hatte gleich ein Jobangebot, habe […] begonnen in einem kleinen Unternehmen. Da habe ich aus persönlichen Gründen aufgehört. […] Ich will da gar nicht zu sehr aufs Detail eingehen, auf jeden Fall habe ich von mir aus gesagt: Das kann es eigentlich nicht sein, dass du am Montag ins Büro gehst und eigentlich schon hoffst, dass bald wieder Wochenende ist. 2009 war so eine Phase wo ich gesagt habe: Sei froh, dass du den Job hast, aber es war für mich nicht die Lösung auf Dauer. Da fragt man sich: Was macht man dann? Schreiben lag mir schon immer von klein auf im Blut und Fußball war immer das Hobby, ein bisschen mehr als nur Freizeit und wenn man dann 1 und 1 zusammenzählt und ich auch immer von Leuten ermuntert wurde, die wussten, dass ich da für die Zeitung aktiv war und die Zeitungen aus verschiedenen Gründen, Anzeigenrückgang etc., ihre Berichterstattung im Amateurfußball sehr eingeschränkt haben, wusste man, dass der Bedarf eigentlich da ist, aber die Zeitung das so nicht decken kann, weil sie dem großen Sport hier in der Region Vorrang gewähren und die kleinen Fußballer, die Amateursportler dadurch ein bisschen auf der Strecke bleiben. Bewusst oder unbewusst. Dann gab es in der Region, in der Nähe zumindest, ein Portal. Der Bedarf war da, in anderen Bereichen gibt es sowas schon. Wenn man sowas angeht kann man das entweder als Hobby machen, dann wird es aber immer eingeschränkt bleiben, wird es nie das erreichen, was man sich vielleicht darunter vorstellt oder die Vereine sich darunter vorstellen. Insofern war mir von Anfang an bewusst, dass man da wirklich Zeit investieren muss, dass man das ganze professionell angehen muss. […] Jetzt muss ich dazusagen, es ist auch nicht jeder Typ dafür, sich selbstständig zu machen, es gibt aber auch die Typen, wo ich mich dazu zähle, die lieber ihr eigener Chef sind mit allen Risiken und Mehraufwand und zeitlichem Bedarf, den man da reinstecken muss. Um es kurz zusammenzufassen: [In dieser Region] gab es zu dem Zeitpunkt 2009 nichts, die [Zeitungen] haben relativ schwach berichtet. Woanders gab es solche Portale schon. […] Wie sich das ganze entwickelt hat: Man muss es professionell angehen, mir war das bewusst. Wen ich mir ins Boot holen möchte, dass man es nicht allein machen kann, ich hatte dann Kontakt zu einem guten Mediendesigner/Webdesigner, der auf das grafische Feld geachtet hat, die Übersichtlichkeit, den Seitenaufbau vorangetrieben hat. Dann kam mir noch zugute, dass ich im Fußballbereich in der Mannschaft Leute kannte, die jetzt mit der Schule zu Ende waren und Interesse am Bereich Journalismus hatten und das während des Studiums mit reinnehmen wollten und mich da ein bisschen redaktionell unterstützt haben. Das ging ja auch relativ schnell, da kamen auch schon die ersten, die sich da gemeldet haben, ob sie mitarbeiten können. Und so hat sich dann so ein - ja Redaktionsteam ist ein wenig falsch ausgedrückt - ein Team von freien Mitarbeitern gebildet, ich bin der einzige, der das in Vollzeit macht und inzwischen haben wir so zehn freie Mitarbeiter, die sich um Programmierung, Webdesign und redaktionelle Inhalte kümmern.

Vielleicht nochmal kurz zur Seite: Sie haben ja [einige der untersten Ligen]. Wie ist da die Entscheidung gefallen: Die passen nicht rein, weiter höher geh ich nicht. Die war eigentlich relativ einfach die Entscheidung. Wenn wir jetzt von dem Portal ausgehen für die Region […], war für mich klar, dass da auch der Schwerpunkt liegen muss. […] Da wir aber Vereine haben die noch höher spielen, aber auch reine Amateurvereine sind, war auch klar, dass man die nicht außen vorlässt. […] Was eigentlich nicht infrage kam, aber auch dadurch, dass es dort keine Vereine aus [der Region] gab, [waren die höchsten Amateurligen Das ist in meinen Augen kein wirklicher Amateurfußball im klassischen Sinne mehr, der Bereich wird dann von professionell orientierten Medien, also auf den Profifußball orientierten Medien abgedeckt. Da kann man auch Berichte im Kicker lesen oder in den überregionalen Magazinen wird das belichtet. Wir haben uns rein drauf konzentriert: Was ist der sogenannte kleine Fußball? Wo wird ohne profihafte Strukturen gearbeitet. Die Trennung ergab sich dann irgendwo automatisch. […] [In den oberen Ligen] da macht dann der [regionale] Fußballverband relativ viel und man kann sich natürlich auch ausmalen, in meinen Augen macht es keinen Sinn, da gegen den Verband zu arbeiten, der Verband ist einfach eine Institution, die ist quasi gottgegeben. Themen und Autoren haben Sie etwas eingegrenzt. Sie haben relativ schnell freie Journalisten angefragt. Am Anfang mussten sie ja doch wahrscheinlich recht viel investieren, an Geld aber auch an Zeit. Was haben Sie investiert und haben Sie drüber nachgedacht, ob sich das auch rechnet? Ich muss dazu sagen, das ist eine Geschichte, das war natürlich schon mit gewissen Risiken verbunden. Die finanziellen Investitionen waren überschaubar. Das ist der Vorteil des Mediums Internet, wenn man das ganze drucken hätte müssen, dann ich glaub wäre das ganze wieder eingeschlafen, wäre nicht finanzierbar gewesen. Mir war bewusst, dass man wenn man so etwas startet - nicht von heute auf morgen reich wird. Und man da wirklich lange Wege gehen muss, um an Sponsoren dranzukommen. Wir haben am Anfang gar keine große Werbung betrieben. Es ging durch Mundpropaganda, indem man die Kontakte, die man hat im Netzwerk als Fußballer vielleicht noch als freier Mitarbeiter bei der Zeitung zu den naheliegenden Vereinen. Wo man besonders guten Kontakt hatte, hat man das ganze vorgestellt, wir haben das und das vor, die konnten sich das am Anfang auch nur relativ schwer vorstellen, dass so etwas funktioniert, dass es so etwas gibt. Waren aber bereit, da mitzumachen, das Interesse war da. Und ich muss sagen, dass man da natürlich ein Jahr lang gar nichts verdient. Grob gesagt gar nichts verdient. Da braucht man auch die Unterstützung der Mitarbeiter, die das leidenschaftlich gerne machen, die auch wissen, ich hab mich da nicht engagiert, um das große Geld zu verdienen, sondern um eine Sache aufzubauen, die mir richtig Spaß macht, für die ich stehe und die vernünftig aufgebaut werden soll. Und das war der Weg, den wir gegangen sind. So nach einem halben Jahr hat man dann gesehen, dass das ganze funktionsträchtig sein kann. Ich war dann parallel noch bei der [Zeitung] als freier Mitarbeiter, als dann ein verstecktes Übernahmeangebot kam. Das lief unter dem Deckmantel 'lass uns doch kooperieren" und einfach mal zusammensitzen, wie das so aussehen könnte, du hast da eine Sache, die ganz interessant klingt, wie sieht das ganze aus. Es hat sich dann schnell herausgestellt, dass das in meinen Augen kein ernsthaftes Gespräch für eine Kooperation war, die haben mir da einen Job angeboten […] und die Art der Verhandlung oder wie man es auch nennen mag, war jetzt nicht so, dass ich sag da gehe ich hurraschreiend wieder raus. Das war ein bisschen unter dem Motto: Entweder du kommst

jetzt zu uns oder wir arbeiten nebeneinander, vielleicht auch gegeneinander. Das war das, wie man dann verblieben ist. Für mich war dann relativ schnell klar, dass ich das nicht machen möchte, ich habe da auch mit offenen Karten gespielt, habe da nicht auf Zeit gespielt und hab gesagt: Ok, ihr müsst euch dann, wenn ihr das so machen wollt, einen anderen suchen. Ich möchte meine Sache weitermachen. Gleichzeitig habe ich von allen möglichen Seiten gehört: Mensch, du hast jetzt was aufgebaut, unheimlich viel Zeit investiert, du wärst dumm, wenn du das an dem Punkt jetzt abgeben würdest. Weil es war ja offensichtlich, sowas kann man nicht nebenbei führen. Das war der Hintergrund der ganzen Geschichte. Aktuell ist es so: Mit den Redakteuren von den Zeitungen haben wir selber kein Problem. Es ist halt ärgerlich, dass die oftmals Dinge von uns kopieren, abschreiben, das ist relativ offensichtlich. […] Der Amateurfußball wurde mir auch von der Zeitung aus bestätigt ist ein interessantes Feld. [Ist einer der größten Bereiche, die] online gelesen werden, aber andererseits möchten sie nicht viel investieren dafür. Sie wissen, da ist ein Leserpotential da, aber sie möchten wenig investieren dafür und möchten auf einfache Weise bekommen die ganze Geschichte und da ist natürlich manchmal der einfache Weg oder die Verlockung nah auf die Quellen zuzugreifen, die sich ausschließlich damit beschäftigen. Wobei man da ganz einfach eine Kooperation schaffen könnte, die beiden Seiten helfen würde. Das ist für mich nach wie vor klar. Aber es ist schon ein bisschen schwierig die Kommunikation. Ich kann eigenständig gut davon leben, das Ganze hat sich sehr positiv entwickelt, ich muss auch keinem mehr erklären [wie meine Seite heißt und was das ist], wir haben sehr guten Kontakt zu allen möglichen Vereinen. Wir bekommen die Sachen inzwischen exklusiv, schneller, umfangreicher, wir haben einfach die Möglichkeit, dass wir da ganz anders reagieren können und da auch anders aufgestellt sind als die [Zeitungen]. Wo besteht denn jetzt der Antrieb das weiterzumachen? Ist das eine Mischung aus den positiven Reaktionen und dem Trotz: Euch zeig ich es jetzt [Zeitung] und das Geld verdienen? Oder wo ist im Moment so die Motivation? Der Antrieb ist folgender: Das ist für mich ein absoluter Traumjob. Die Art und Weise wie man arbeiten kann, weil ich es auch aus verschiedenen Perspektiven sehe. Ich kann dieses journalistische, was mir wirklich Spaß macht, das Schreiben, das Berichten, das Kommunizieren mit Leuten. Das ist die eine Komponente. Das andere ist, dass es mich als Sportler auch wirklich interessieren würde. Und die Resonanz. Wir haben jetzt aktuell eine Facebook-Gruppe mit […] registrierten Personen, wenn ich das jetzt auf die Tageszeitung umlege: Deren Amateufußballbereich lag letzte Woche bei [deutlich, deutlich weniger]. Das kann man kaum vergleichen. Die Resonanz, die wir bekommen, ist sehr sehr gut. Wir lassen uns immer wieder neue Sachen einfallen. Wir machen auch Geschichten wie Liveticker, Liveberichterstattung. Grad unter der Woche der Kreispokal ist komplett verteilt über 100 Kilometer irgendwelche Auswärtsspiele, die waren alle im Liveticker bei uns zu sehen. Konnte man den Spielstand erfahren, man konnte den Ablauf des Spiels erfahren und am nächsten Tag hat man von allen Spielen Berichte mit Bildergalerien bei uns abrufen können. Was die Zeitungen so nicht leisten oder nicht leisten wollen oder leisten können. Das sei jetzt mal dahingestellt. Aber für mich persönlich der Anreiz ist es, da ein Projekt aufgebaut zu haben, eine Marke aufgebaut zu haben, die man inzwischen kennt, mit der man auch werben kann, die sich auch vermarkten lässt, die Art und Weise wie man da arbeiten kann. Für mich ist das ein absoluter Traumjob, vom ersten Tag an und für einen Traumjob sind natürlich auch die pekuniären Interessen wichtig, dass man das Ganze nicht nur für lau macht, sondern für seine Arbeit auch ein Entgelt sehen möchte. Und da sind wir inzwischen

auf einem ganz ordentlichen Weg. Es könnte sicherlich noch besser sein, es ist nicht so, dass ich mit dem Geld um mich werfe, aber ich persönliche als Einzelperson kann davon ordentlich leben und schaffe es auch meine Mitarbeiter zu bezahlen, damit sie auch zufrieden sind und Spaß dran haben, an dem ganzen Projekt mitzuarbeiten. Wohin das noch gehen kann, das wird man sehen. Da gibt es natürlich viele Entwicklungen, die gehen vom Verband aus, von der Technik aus, das Maß von Apps und so weiter, was noch in den Kinderschuhen steckt. Ich denke das Internet, wie es jetzt funktioniert, das ist einfach nur ein Zwischenschritt, bei dem wir uns alle wahrscheinlich noch gar nicht ausmalen können, wie es dann in fünf Jahren oder in zehn Jahren aussehen mag. Also das man dran bleibt und schaut, dass man gewappnet ist, wenn es weitergeht und dass man dann wirklich gut davon leben kann? Richtig. Die Inhalte sind bei uns alle frei abrufbar. Das ist bei [anderen Portalen] genauso, bei [einem Portal] ist es aber zum Beispiel nicht so. Da muss man ein Abonnement abschließen, da geht es nur über Login, das hatte ich von Anfang an eigentlich ausgeschlossen, weil sich das ganze etwas beißt. Wenn ich die Infos vom Verein kostenlos haben möchte und die wiederum einen Login bei mir kaufen sollen, damit sie die Infos dann wieder lesen können, da stimmt irgendwo das Verhältnis dann nicht. Geb ich denen freien Login hab ich das Problem, dann wird dieser Login ganz natürlich auch weiterwandern. Dann haben es vielleicht 50 aus einem Verein, ich kann das vielleicht kontrollieren, könnte da eine Abmahnung schicken, aber das alles führt zu einer Ebene, die man nicht haben möchte als Zusammenarbeit. Deshalb ist das für mich aktuell ausgeschlossen. Man weiß aber nicht, wo es im Internet überhaupt hingeht. Vielleicht kommt die Zeit, dass man den Spiegel nur noch online im Abonnement liest, also nicht mehr frei, sondern nur noch als Anreißer bekommt. Man weiß es nicht. Da wird es eine generelle Entwicklung geben, die abzuwarten ist. Aktuell wird es aber denke ich mal noch eine Zeit lang so weitergehen. Würden Sie jetzt Stand heute Ihr Projekt als vollen Erfolg sehen oder gibt es auch Sachen, wo Sie sagen: Hätte auch besser laufen können? Ne, also grade wo Sie mich fragen, muss ich überlegen, was dagegen sprechen würde, dass es ein voller Erfolg ist. Man kennt die Marke, wir haben unheimlich Zugriffe, im Monat stellen wir […] in den Schatten oder manche Radiosender. Wir sind bekannt, wir sind bei den Leuten vor allem bekannt, die uns kennen sollten, wir haben da was geschaffen, was uns viele nicht zugetraut hätten, wir sind etabliert am Markt, das sind alles Punkte, die eigentlich dafür sprechen, dass es ein voller Erfolg ist. [… Redet über Reaktionen von Lesern, die sein Portal aber erkennbar machen könnten …] Also bestärkt Sie auch das Feedback, die Reaktionen? Ja natürlich, das ist ganz klar. Wenn man so von der direkten Konkurrenz gesagt bekommt, dass das was man macht richtig gut ist und richtig erfolgreich ist. Ich selbst bin immer noch ein bisschen skeptisch und sehe die Seite immer noch mit einem Auge: Ist das wirklich so professionell? Professionell ist aber der Anspruch. Wenn man das beruflich macht, sollte es auch professionell und nicht amateurhaft sein. Und ich sehe da wirklich immer noch Verbesserungsbedarf. Wenn ich mir die Fähigkeiten von Joomla angucke und 820 Seiten Hilfen vor mir liegen hab, was wir noch alles machen können, dann ist da der Kreativität Tür

und Tor geöffnet. Da wird es sicher immer wieder Neuerungen geben, die auch notwendig sind in unserer Zeit. Ich denke Stillstand ist Rückschritt und da muss man einfach immer sich versuchen weiterzuentwickeln. Wir haben zum Beispiel 365 Tage im Jahr neue Nachrichten drauf, selbst an Heiligabend oder Neujahr auf unserer Seite ist nie Stillstand, da geht es immer weiter, da sind immer neue Nachrichten drauf. Und das ist auch wichtig. Nichts ist langweiliger, als wenn ich auf die Seite gehe und es tut sich dort nichts. Dann wird die Frequenz, wie oft ich da drauf gehe, wird sich entsprechend reduzieren. Das ist das Konzept, das dahinter steckt. Ziel ist natürlich schon das eigene Arbeitspensum in vernünftigere Bahnen zu lenken. Ich muss dazu sagen: 100-Stunden-Wochen waren keine Seltenheit. Das ist einfach unheimlich viel Zeit, die man da investiert. 14-15 Stunden am Tag müssen einfach dazugehören und da ist natürlich schon die Geschichte, wie sich das finanziell trägt, dass man sich jemanden in Vollzeit leisten kann, der da mit einsteigt und entsprechend Arbeit abnehmen kann, dass das Ganze in vernünftigere Bahnen wieder läuft. Wie gesagt 100 Stunden in der Woche: Da kann man sich drüber streiten, ob das zu Arbeit oder zu Hobby gehört. Wenn ich heute Abend zum Sportplatz geh, dort einen Spielbericht anfertige: Vielleicht wäre ich als Privatperson ohnehin dort hingegangen, hätte mir das Spiel angeschaut. Fakt ist wiederum: Auch ich muss dahingehen, will aber auch da hingehen. Da kann man sich drüber streiten, was ist Arbeit, was ist Hobby. Fakt ist: Die Arbeit, die ich mache, macht unheimlich Spaß. Es sind nur wenige, wenige Punkte da, wo ich sagen würde: Das ist eigentlich so eine Arbeit, die müsste nicht unbedingt sein, ist aber halt man obligatorisch. Da muss man ja ein bisschen aufpassen, als freier Journalist ja auch, dass man nicht sich das schöner rechnet, als es eigentlich ist. Mit dem Rechnen anzufangen, vor allem am Anfang wäre das fatal gewesen. Das muss man sagen. Wenn ich da alle Stunden rechnen würde, dann wäre ich in Bangladesch ein Normalverdiener gewesen. Da waren Aufwand und Ertrag am Anfang in gar keinem Verhältnis. Das muss man auch klar sagen. Inzwischen ist es so, dass sich das Verhältnis in immer mehr in die Banken lenken lässt, wo man sagen kann: Das ganze macht Sinn. Das ist eigentlich der Punkt, den ich mir am Anfang gewünscht hab. Man muss sich nach einem Jahr auch mal hinsetzen und überlegen, macht das so Sinn, wie du das ganze machst, oder kämpfst du da gegen Windmühlen. Sind das irgendwelche Luftschlösser, die du da aufgebaut hast, was unrealistisch ist? Ich denke den Punkt haben wir gut überschritten. Ich habe nicht das Gefühl, das ich mich an was klammer, das keine Zukunft hat. Im Gegenteil. Wir arbeiten an der Zukunft, dass es noch besser wird, dass es einfach noch für mich komfortabler wird. Komfortabler im Sinne vom Arbeitsaufwand. Ich kann gewisse Arbeit auch abgeben, grade jetzt wo die Saison beginnt, dass wir wieder zwei neue Mitarbeiter eingestellt haben. Die da für uns tätig sind, die mir auch gewisse Sachen abnehmen können, damit ich den Kopf wieder für andere Sachen frei hab. Die Mitarbeiter werden die bezahlt? Die werden bezahlt auf Honorarbasis. Und wenn man das vergleicht mit Sätzen bei Zeitungen: Ähnlich, niedriger, höher?

Schwierig. Ich denke es kommt ungefähr hin. Ich lasse unseren Mitarbeitern ziemliche Freiheiten. Was sie schreiben möchten ist alles immer in Bezug auf ihren eigentlichen Job oder Studium bezogen. Es wird im Vorfeld abgeklärt: Was kann der machen, was soll der machen. Ich sag mal so: Wenn einer sagt, er möchte nebenbei Geld verdienen, dann rat ich dem dazu setz dich am Supermarkt an die Kasse oder mach einen Job, wo du nach Stunden bezahlt wirst. Bei uns gibt es mehr oder weniger eine Pauschale pro Monat, die aber nicht unterhalb dessen liegt, was anderswo gezahlt wird. Bei [einem anderen Portal] weiß ich, die zahlen teilweise auch gar nichts. […] Aber wir liegen da glaube ich ganz gut im Schnitt. Fällt Ihnen sonst noch was ein? Das Wichtigste habe ich gefragt. Es ist spannend zu beobachten, wie das ganze weitergeht. Wichtig an diesem Job ist diese Vielseitigkeit, das Berichte schreiben ist ja eigentlich das Minimum, was man nach außen sieht. Die ganzen Kontakte pflegen, das ganze Netzwerk pflegen. Was ich vielleicht noch erwähnen möchte, dieses Konzept, dass ich damals aufgestellt habe. Ich vergleich das ganz gerne immer mit dem Kicker. In der [Zeitung] liest man am Montag den Kurzbericht mit zehn Zeilen mit Aufstellung und Torschützen. Das sieht man im Kicker in der Montagsausgabe im Innenteil. Was wir noch liefern ist quasi die Ergänzung, die auch der Kicker noch liefert. Montagsausgabe: Diesen bunten Außenteil, mal Hintergrund, mal Portrait, mal Interview zu bringen. Und dieser Donnerstagskicker mit der Vorschau aufs Wochenende. Wir haben regelmäßig die Vorschau auf die einzelnen Ligen drin, wo auch vorkommt wie läuft es bei den einzelnen Vereinen. Dann haben wir natürlich eine Riesendatenbank mit inzwischen an die 6000 Spielerportraits führt mit Bild, Geburtsdatum, Gewicht, Größe, Nationalität, Position, Laufbahn usw. Das sind Sachen die man natürlich nach und nach aufgebaut hat wie eine Torschützenliste, die die Zeitung zum Beispiel nicht hat. Und das ist alles Mehrwert, den wir bieten und wo uns auch die sehr, sehr gute Zusammenarbeit mit den Vereinen zu Gute kommt. Wir haben zu jedem Verein einen Ansprechpartner, sind da immer möglichst präsent soweit es geht. Wenn da Spiele sind, die außerhalb des großen Sonntagsspieltages fallen, sprich heute Abend Freitagabend oder Donnerstagabend, dann sind wir eigentlich immer vor Ort mit Kameras und machen einen außergewöhnlich langen Bericht. Und ansonsten bekommen wir die Infos von den Vereinen, bekommen auch die Bilder von den Vereinen. Das ist auch ganz witzig zu beobachten wenn man am Sportplatz ist und sieht dann seit zwei Jahren mit Digitalkameras rumlaufen oder gar Spiegelreflexkameras das sind dann meist die Leute, die uns Bilder zukommen lassen, weil sie auch möchten, dass ihr Verein dann vertreten ist. Dass man da auch sieht in welchen Trikots haben sie gespielt, auf welchem Platz haben sie gespielt und das ist eigentlich eine schöne Geschichte. Man nutzt die Leute ja nicht aus, die haben ja auch was davon. Genau. Das ist auch ganz wichtig. Diese Leute bekommen von uns kein Honorar gezahlt. Das ist auch dieser wirtschaftliche Ansatz wenn ich jemandem 3,50 Euro dafür gebe, bringt ihn das wirklich weiter? Richtig zufrieden wird er mit den 50 Euro, die er sich in einer Saison verdienen könnte nicht. Mich würde es auf der anderen Seite viel Geld kosten. […] Ich hab mit den Mitarbeitern aus den Vereinen durchschnittlich zwei-drei Mal die Woche Kontakt per Mail. Da weiß man dann auch ganz gut, wie es in den Vereinen aussieht und ich finde das eigentlich ganz gut.

Interview Blogger 4 [Einstieg mit persönlichen Informationen] Was mich als interessieren würde wäre die Motivaton [ihr Portal] zu gründen. Also vielleicht beschreiben Sie nochmal, wie Sie damals auf die Idee gekommen sind, das zu gründen und warum sie es dann letztendlich gegründet haben. Also die Motivation: Das war einfach so, dass es bei uns in der Region gab es einfach kein Medium, kein Portal, wo man sich über andere Vereine informieren kann. Sprich: Spielerkader, Vereinswappen, Informationen über Vereine, Spielerwechsel. Es gab halt kein Medium, wo man sich darüber informieren konnte. Und ich selber hab zum Beispiel bei uns so ein kleines Stadionheft gemacht, das gab es immer zu allen Heimspielen und ich fand halt einfach keine Informationen. Man musste dann zum Beispiel vor jedem Heimspiel dem Gegner ein Fax schicken und die haben uns dann den Steckbrief mit Vereinswappen und Gründungsjahr zurückgeschickt. Das war eigentlich der Hauptanreiz, weil es nichts gab. Nur weil es im Internet nichts gab oder auch, weil die [Zeitung] nichts hatte. Ging es Ihnen am Anfang um die reine Information oder ging es Ihnen auch um den journalistischen Ansatz? Es ging nur um die reine Information, am Anfang gab es keinen journalistischen Ansatz. Das hatte auch gar nichts mit der Tageszeitung zu tun. Es gab halt einfach, in der Zeitung ist es auch einfach nicht möglich, da gab es einmal im Jahr eine Auflistung, wer wohin gewechselt ist, aber das war es schon. Die hatten ja auch gar nicht die Möglichkeit. Aber es ging anfangs rein um Information. Und wie lief die Gründung dann ab. Wenn man sich drüber ärgert, dass man jedes Mal ein Fax schicken muss und die Informationen nicht findet ist ja der eine Schritt, aber dann wirklich so weit zu sein, dass man sagt ok, jetzt investier ich da Zeit und mach das, das ist ja nochmal ein zweiter Schritt. Klar. Der eine Punkt: Ich war zu dem Zeitpunkt noch Schüler und ich hatte Erfahrungen in dem Bereich. Ich habe ein paar kleinere Homepages gebaut, so mit ganz einfachen CMSSystemen. Da hab ich einfach mal gedacht, da hab ich alle Vereine angeschrieben und ein kleines Forum aufgemacht, wer da mitmachen will. Und dann haben sich so zehn Vereine gemeldet. Dann hab ich einfach mal so eine Seite aufgesetzt und hab einfach mal was reingestellt. Und einfach geschaut, was passiert. Und dann ging es so gut los, dass sie gedacht haben: Das mach ich jetzt weiter, das bau ich aus. Ja, es ging schon gut los. Nach ein-zwei Monaten haben sich 72 Vereine angemeldet und haben ihren Steckbrief. Also Anfangs war die Seite ja ziemlich einfach. Man konnte einen Steckbrief angeben, man konnte so kleine Nachrichten schreiben und das war es eigentlich. Also anfangs stand nicht viel dahinter. Abe da haben sich dann eigentlich alle Vereine eingetragen und genau dann hab ich immer weiter am System entwickelt.

Vielleicht können sie grob beschreiben wie sich das entwickelt hat. Wie waren die Entwicklungsschritte und wo war die Motivation, das dann so weiter auszubauen. Das ist ja jetzt eine komplette journalistische Plattform für [eine Region]. Wie sind sie darauf gekommen, das so großwerden zu lassen oder war das eine logisch Entwicklung und sie sind da so rein geraten? Man ist da eigentlich mehr so rein geraten. Die Motivation liegt einfach daran, man will immer den nächsten Schritt machen, man will immer besser werden, sich selber verbessern. Die Hauptmotivation ist natürlich, wenn dann die Zugriffszahlen steigen und bei uns ist es jetzt seit fünf Jahren so, dass sich die Zugriffszahlen verdoppeln. Also immer jedes Jahr. Wir hatten am Sonntag den neuesten Besucherrekord von [sehr vielen Visits]. An einem Tag. Das ist die Motivation. Die Meilensteine vom System her. Wir haben nach jedem Winter wieder am System gearbeitet. Am Anfang ging es halt los, da konnte man nur Steckbriefe hochladen. Das war eigentlich eine stinknormale Joomla-Seite, wo nicht viel dahinter war. Der erste Schritt war eigentlich ein Jahr später, da hab ich ein komplettes System entwickelt, wo die Vereine sich registrieren können. Und wo sie komplett ihren Kader verwalten können. Ihre Spielberichte. Das heißt Spielbericht, Text, Torschützen und Karten und Spielerwechsel und so Sachen, die Trainer und Spieler. Dann wurde es immer weiter entwickelt. Irgendwann kamen dann so Sachen hinzu, dass die Vereine zum Beispiel Aufgebote speichern, dann gab es ein komplettes Forum, dann gab es eine Galerie. Da haben wir versucht halb-professionelle Fotografen zu engagieren, die für uns fotografieren und die Galerie dann ins System hochladen. Dann gab es zum Beispiel die Möglichkeit, dass sich die Vereine via Widget die Daten auf ihre eigene Homepage ziehen. Dann gab es die Möglichkeit eine komplette Vorstandschaft abzubilden mit den Kontakten. Vor einem halben Jahr noch eine ganz wichtige Neuerung, wir haben da so eine Art Elf der Woche entwickelt für jede Liga, vielleicht kennen Sie das von der Bundesliga, wo die Top-Elf der Woche immer vorgestellt wird, in der Sportbild und so. Und wir haben uns überlegt, wir machen das einfach so, jeder Verein der bei uns sein Aufgebot speichert, also die elf Spieler plus die Eingewechselten, der kann automatisch bei der Elf der Woche mitmachen. Also die User können direkt im Spielbericht ihren besten Spieler wählen. Die können einmal für einen Spieler abstimmen. Dann sammeln sich halt Stimmen und über bestimmte Faktoren wie zum Beispiel wie viel Tore hat er geschossen, gegen wen haben die gespielt, wie viel Differenz haben die verschiedenen Mannschaften, ob er eine Karte bekommen hat, ob er ein- oder ausgewechselt worden ist. Und über die Faktoren lassen wir immer eine Statistik erstellen die Elf der Woche. Da ist dann eine Grafik für jede Liga. Das war ein Meilenstein, das war unsere eigene Produktion mehr oder weniger und der nächste Meilenstein der war vergangenen Freitag. Das war, dass wir versucht haben einen Liveticker aufziehen von der untersten Liga in allen Amateurligen. Das hab ich gesehen, ja. Wir haben einen Liveticker von der [höchsten Amateurspielklasse]. Wir haben auch immer Liveticker von den entscheidenden Relegationsspielen. Aber da war es halt so: Wir haben jemanden im Büro, als Zentrale, der wird informiert von den Vereinen per SMS oder Anruf und der muss das dann einpflegen. Das ist einfach organisatorisch großer Aufwand, weil man erstens mal Leute finden muss, die bei einem anrufen und man braucht immer jemanden für im Büro. Wir haben jetzt zwei Wochen lang entwickelt so eine Art Anwendung, wo man ein Spiel live tickern kann. Da klickt man zum Beispiel Anpfiff, da geht automatisch die Zeit los

und dann kann man jederzeit die Tore oder die Karten oder die verschossenen Elfmeter speichern und dann wird so ein Liveticker generiert. Wir haben zum Beispiel am ersten Wochenende auf der ganzen Seite [sehr viele] Liveticker von Spielen aus [verschiedensten Ligen]. Das ist eine Wahnsinnszahl. Wir versuchen weiterhin mehr Leute dazu zu bringen, dass sie das auch machen. Und unser Idee: Wir versuchen Vereinsleute zu akquirieren und die werden dann öffentlich angezeigt, dass der bei dem Spiel vor Ort ist und das ist denke ich die Motivation für die, dass der dann wieder bisschen sich selber ins Rampenlicht bringt und dem macht das dann auch wieder Spaß. Und die Leute freuen sich dass er das diesmal übernommen hat. Genau. Das war zum Beispiel ein riesengroßer Meilenstein, wir sind da am weiterentwickeln, das kann ziemlich explodieren. Solche Sachen wie letzte Woche sind entscheidend. Nochmal ganz kurz zum Aufbau der Seite: Es ist ja jetzt quasi von der untersten [Liga bis zur obersten Amateurspielklasse] alle Ligen abgedeckt. Aber es ist ja nicht [die ganze Region, ein Teil fehlt]. Das stimmt. [In einem Teil der Region] suchen wir mehr oder weniger Franchising-Partner, die in ihrem Gebiet das Portal betreiben, die lokale Werbepartner akquirieren, die eine eigene Redaktion aufbauen, wo regionale Kontakte zu dem Verein aufgebaut werden. Und für [einige Regionen] haben wir bislang noch niemanden. Sie hatte im Frühjahr gesagt, es gibt ja ein paar Leute, die bei [Ihrem Portal] ihr Geld richtig regulär verdienen. Können Sie da nochmal kurz was zu sagen, wie das aussieht. Wie viel Leute bei Ihnen Geld verdienen und wie viele Leute mitmachen ohne Geld, also einfach weil sie Spaß dran haben, über ihren Verein zu schreiben. Also wie da die Quote ist. Man braucht natürlich die Vereinsverwalter, das ist das eine, aber man braucht natürlich auch eine tagesaktuelle Redaktion, die permanent recherchiert, was es neues gibt, wo man einfach ähnlich wie bei einer Zeitung die User informiert. Und da braucht man natürlich Leute, die sich darum kümmern. Die müssen dann einfach dementsprechend auch bezahlt werden. Das sind dann Ganztagsjobs, das ist ziemlich zeitintensiv, das ist klar. [Wir haben insgesamt eine einstellige Zahl von Redakteuren] Und im Verhältnis. Aber sie können jetzt nicht, das ist ähnlich wie bei Facebook, da kann man ja auch nicht sagen, dass die das kostenlos machen. Man kann nicht sagen, dass so ein Vereinsverwalter das normal bezahlt kriegen müsste. Das tut der gern und das sind auch nicht jeden Tag zwei Stunden. Das ist eine Kleinigkeit, das ist eine gute Werbung für seinen Verein und deshalb macht er das. Insgesamt haben wir [sehr, sehr viele] Vereinsverwalter. Das ist gut, da kommt man ja dann auch gut in die Fläche. Die nächste Frage: Wie sieht das aus mit den Investitionen? Am Anfang natürlich ganz viel Zeit, aber ein bisschen Geld muss ja wahrscheinlich auch geflossen sein. Wie viel haben Sie in das Portal investiert, bis es angefangen hat, überhaupt ein bisschen Geld abzuwerfen oder bis es sich gelohnt hat. Das hängt ja auch ein bisschen davon ab, wie groß die Motivation ist, das zu machen. Man muss ja schon recht viel investieren.

Ja gut investieren. Die größten Kosten sind natürlich Personalkosten, man braucht halt eine Redaktion und natürlich auch Serverkosten. Umso mehr Besucher man hat, umso teurer wird das. Wenn man am Tag [sehr viele] Besucher hat und in der Stunde zum Beispiel in der Höchstzahl [sehr viele] Klicks, die vom Rechenzentrum haben gesagt, sie hätten in der Sekunde [sehr viele] Datenbankabfragen. Aber mittlerweile geht das. Finanzieren tun wir uns allein über Werbung. Das funktioniert eigentlich auch recht gut. Am Anfang waren die Serverkosten eigentlich auch ziemlich niedrig. Ich glaube wir hatten am Anfang Serverkosten von 15 Euro im Monat. Am Anfang hatten wir eigentlich fast keine Ausgaben. Jeder am Portal, auch ich selber, hat drei Jahre lang ehrenamtlich gearbeitet. Am Anfang haben Sie das Portal aufgesetzt und angefangen, dann haben Sie es ausgebaut aber die Arbeit ist ja immer mehr geworden. Zumindest am Anfang. War das schon irgendwie absehbar, da stecke ich so viel Zeit rein, damit sich das irgendwann mal lohnt? Da muss ja irgendwann auch mal der Gedanke gekommen sein: Warum mache ich das eigentlich? Oder war das immer ganz klar? Es hat einfach ziemlich viel Spaß gemacht, weil man einfach von den Leuten positive Rückmeldungen bekommt, dass das gut ist, was wir da machen. Man wird ja selber auch bekannter, es hat einfach Spaß gemacht. Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass man das irgendwann mal hauptberuflich machen kann. Das war dann erst in der Ausbildung, da habe ich so viel Zeit in [das Portal] investiert, dass ich keine Kraft für die Ausbildung mehr hatte. Und nach der Ausbildung dann musste man sich halt entscheiden. Entweder ich mach meine Arbeit lieber weiter oder ich mach das selber oder ich lass das mit [dem Portal]. Es wär einfach nicht anders möglich gewesen. Aber angedeutet hat sich das am Anfang eigentlich nicht, ich hab es auch nicht deswegen gemacht. Warum haben sie sich dann nach der Ausbildung für [ihr Portal] entschieden und gegen die geregelte Arbeit? Also was waren so die ausschlaggebenden Gründe? [Persönliche Informationen] Wenn man dann sowas aufbauen kann, wo Fußball selber sein Hobby ist, dann denke ich dann gibt es auch nicht viel zu überlegen, auch wenn man vielleicht nicht so viel verdient wie bei der anderen Arbeit. Aber darum geht es auch eigentlich nicht. Also da hat sich zumindest abgezeichnet, dass man da zumindest zum Teil auch ein bisschen was überbehält. Dass, wenn man da ein bisschen was reinsteckt, dass das schon ok läuft. Das hat man zu dem Zeitpunkt eigentlich nicht sagen können. Weil viele Portale Finanzierungsprobleme haben. Die ganzen Portale von den Zeitungen sind ja eigentlich gar nicht finanziert, die werden ja nur von den Zeitungen mitfinanziert. Wir hatten eigentlich gar keinen Plan. Wir mussten schauen, dass wir selber über die Runden kommen. Zu dem Zeitpunkt war das eigentlich nicht sicher, ob das klappt. Man kann da eigentlich noch so viele Besucher haben, aber im Internet ist der Werbemarkt einfach noch nicht so. Es hätte auch gut sein können, dass es nicht klappt - auch wenn man immer mehr Besucher bekommt. Mittlerweile funktioniert das.

Kann man denn jetzt schon was dazu sagen, ob es ein Erfolg ist. Für sie vermutlich schon, oder? Bewerten Sie das jetzt als Erfolg? Sowohl von der Idee, die Sie am Anfang hatten, als auch vom Finanziellen? Das sind ja wahrscheinlich zwei Aspekte. Es ist von beiden Seiten erfolgreich. Für mich ist das vom ersten Tag an erfolgreich. Ich bin da sehr optimistisch. Ich bewerte es natürlich als erfolgreich von beiden Seiten. Sie haben am Anfang Feedback und Reaktionen angesprochen. Wie ist denn im Moment das Feedback? Sie sind ja auch ausgezeichnet worden dann, mit viel Berichterstattung, es gab ja wahrscheinlich auch viel Feedback aus dem journalistischen Raum und von anderen BlogPlattformen. Können Sie das vielleicht mal ein bisschen beschreiben zumindest? Ja das Feedback ist sehr, sehr positiv. Wir haben halt einfach das Glück, dass viele uns immer mit Zeitung in Verbindung bringen, so als Anti-Zeitung. Das ist eigentlich irgendwie unbewusst entstanden, da war halt einfach mal so ein kleiner Krieg mit der Lokalzeitung und ich denke das hat uns auch gut getan, das wir da bekannt geworden sind. […]Das Feedback allgemein war natürlich sehr positiv. Weil sie grad die Zeitung nochmal angesprochen haben: Am Anfang war es ja mehr die Information an sich. Sehen sie sich denn mittlerweile als Journalist oder Verleger, setzen sie da journalistische Qualitätsmaßstäbe an? Wie bewerten sie das heute? Ich persönlich bin kein Journalist, auf keinen Fall. Mir liegt das auch nicht sehr, das ist dann in der Firma auch nicht meine Aufgabe. Da haben wir mittlerweile sehr gute Kollegen. Auch wenn die Zeitungen arrogant wie sie manchmal sind ein bisschen über uns lächeln, aber im Endeffekt dann die Besucherzahlen zeichnen dann einfach aus, dass wir gute Arbeit machen. Ich bin für die Technik zuständig und für das Marketing, dass das Geld reinkommt. Aber wir arbeiten natürlich immer mehr an unseren Berichten und den Mitarbeitern. Das ist natürlich unser Augenmerk, das ist in diese Richtung schon viel besser wie am Anfang. Wie ist denn das Verhältnis zu den klassischen Medien. Werden sie da kritisiert, dass sie gar keinen Journalismus betreiben würden oder ist das mittlerweile entspannter als es früher war. Wie ist das Verhältnis? Das Verhältnis unter den Redakteuren auf direkter Ebene ist eigentlich ganz ok, wenn man sich auf dem Fußballplatz sieht, grüßt man sich. […] Das Verhältnis ist eigentlich ganz gut, da kann man nichts sagen. Stören sie denn so Diskussionen. Mittlerweile wurde ja recht viel drüber gesprochen, aber grad am Anfang wurde ja recht viel drüber gesprochen: "Blogger sind ja eigentlich keine Journalisten und das ist was ganz anderes..." Die Diskussionen stören mich eigentlich gar nicht. Eigentlich kommt es ja gar nicht drauf an, ob das jetzt ein Journalist ist oder nicht. Das ist eigentlich egal, es geht ja letztendlich um die Information. Ein gutes Beispiel ist der Liveticker: Wenn das ein 16-jähriger Junge ist, der kein Journalist ist aber der kann natürlich für seinen Verein einen Liveticker bedienen. […] Man sollte doch einfach den Leuten selber die Möglichkeit geben, dass die das selber

reinschreiben und dass das dann so drinsteht mit ihrem eigenen Namen. Ob das dann ein Journalist geschrieben hat oder nicht, ist für mich nicht wichtig. Also solange man klar macht, das ist jetzt nicht unserer Bericht, sondern der Bericht von dem Verein, wie er ihn auch auf seine Webseite gestellt hätte, geht das für Sie in Ordnung? Ja klar. Wir sind einfach ein Mitmachportal, das sagen wir auch immer ganz offen. Von der journalistischen Seite arbeiten wir natürlich daran, dass wir zum Beispiel auch auf den Startseiten an uns arbeiten. Sei es an den Fotos, den Schlagzeilen oder einfach auch an den Berichten. Oder so grundsätzliche Diskussionen finde ich manchmal einfach etwas sinnlos. Nochmal dazu wo es hingehen soll mit ihrem Portal. Haben Sie da eine Hoffnung, wie sich das entwickeln soll und was Sie dann letztlich davon haben? Sie haben gesagt am Anfang wussten Sie so gar nicht, wo es hinführen soll, Sie haben zwischendurch erwähnt dass es nett ist, dass man bekannt wird dadurch. Würden Sie gern davon finanziell leben bis Sie nicht mehr arbeiten müssen oder was ist die Hoffnung, wie es weitergeht mit dem Portal? Darum geht es eigentlich gar nicht. Man will natürlich die Marke bekannter machen. [Wir haben in verschiedenen Regionen Portale aufgemacht] Und wir wollen einfach, wenn wir es schaffen, ein kleines Netzwerk aufbauen mit guten Portalen, wo wir den regionalen Fußball gut präsentieren. Egal wo in Deutschland: Wenn es gute Partner gibt in der Region versuchen mit dem Partner unser Portal aufzuziehen und dann wieder so eine Art Netzwerk zu gründen. Wie sehen sie denn andere Lokalfußballportale. Sehen Sie da viele in Deutschland, die schon gute Ansätze haben? Ich kenn eigentlich [nicht viele]. […] Das waren die wichtigsten Fragen. Was mich noch interessieren würde: Ob sich aus Ihrer Sicht die Motivation vom Beginn zu jetzt irgendwie verändert hat. Sind das mittlerweile andere Gründe, warum sie das Portal betreiben? Hat sich das erweitert oder ist das immer noch das gleiche wie zu Beginn? Eigentlich sind es gar nicht mehr dieselben Motivationsgründe. Zu Beginn dann hat man auch eine andere Einstellung. Jetzt ist mir wichtig, dass wir es schaffen, dass wir uns langfristig einfach im Markt durchsetzen und uns stetig verbessern. Ob man jetzt selber bekannt ist, das ist mir mittlerweile eigentlich gar nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass man sich langfristig verbessert. Dass man permanent an sich arbeitet, dass die Zahlen auch weiter steigen. Das wäre natürlich für die Motivation nicht gut, wenn man nächstes Jahr einen Besuchereinbruch hätte von 50 Prozent oder so, wenn die Zahlen nicht mehr weiter steigen. Die Anfangsmotivation war halt wirklich einfach auch die Information an sich, weil es ja nichts gab. Mittlerweile hat sich das schon etwas geändert.

Interview Blogger 5 Ich würde gern anfangen mit ein paar Infos zu Ihnen, ihrem Namen, welche Funktion Sie bei diesem Blog haben, wie alt Sie sind, Ihr Wohnort. Zum Blog selber: 2002 hat [mein Partner] den ins Leben gerufen. 2004 bin ich dazu gestoßen. [Persönliche Informationen] Zu der Frage, wie kommt man dazu: Das war damals bei uns so, dass wir uns über den Fußball kennen gelernt haben, über Amateurfußball. [Wir] waren selber im Amateurfußball unterwegs gewesen, wir haben uns dafür interessiert. Er war damals Fan von […], bei mir war es damals […], die haben damals zeitgleich in [einer Liga] gespielt und da ist der Kontakt halt zustande gekommen, weil man sich auch schon einmal neben dem Sportplatz über Fußball unterhält. Er hat mir damals erzählt gehabt, dass er halt dieses Portal […] ins Leben gerufen hatte und das gerne ein bisschen ausbauen und bekannt machen wollte. Ich bin dann damals halt drauf angesprungen, weil ich das doch sehr interessant fand, weil für mich halt auch irgendwo wenn ich Nachrichten oder Informationen über meinen Verein oder die Liga haben wollte, im Amateurbereich findet man recht wenig und da haben wir uns dann damals dazu entschlossen: Alles klar, wir machen was im Amateurbereich, wir berichten über unsere Vereine und bieten natürlich dementsprechend eine Plattform für andere, dass sich andere auch über die Vereine die im Amateurbereich aktiv sind informieren können. Für uns ist das eine reine Hobbygeschichte, das ist bis heute so geblieben. Das macht uns einfach eine Menge Spaß. Wir haben halt wirklich im Amateurbereich viele Kontakte geknüpft, viele Freundschaften auch geknüpft, wir arbeiten heute mit unserem Blog oder Portal, wie man es auch nennen mag, mit verschiedenen Leuten zusammen. Das fängt an mit Funktionären von Vereinen, die uns Informationen schicken, Pressesprecher, Fans, Journalisten, Fotografen, wir haben da ein relativ großes Netzwerk inzwischen, die halt alle auch in dem Bereich gerne tätig sind. Das macht halt eine Menge Spaß. Sie haben gesagt es ist hobbymäßig, sie sind also beruflich weiter als […] tätig. Richtig, richtig. Und ihr [Geschäftspartner]? Der [arbeitet für ein Unternehmen] und gestaltet da auch Internetseiten. Das war für ihn auch damals so würd ich mal sagen so der Punkt, wo das Internet für ihn in diese Richtung überhaupt entstanden ist, bevor er seine Ausbildung gemacht hat. Sie hatten gesagt, weil Ihnen die Informationen gefehlt haben. Woran lag das denn? Weil es im Internet keine Plattform gab oder weil auch in den klassischen Medien und Zeitungen nichts stand. Wo lag die Motivation das zu sammeln und für andere zugänglich zu machen? Sie könnten es ja auch für sich selbst sammeln und es nicht veröffentlichen. Die Motivation lag einfach in der Hinsicht: Wenn man auf den Sportplatz gegangen ist, haben sich sehr viele Leute immer über irgendwas unterhalten, über irgendwelche Fußballvereine, das ist bis heute so, und irgendwie wusste jeder nur die Hälfte. Das Problem war zum damaligen Zeitpunkt, heute ist das natürlich nicht mehr ganz so schlimm wie damals, aber zu dem Zeitpunkt, zu dem wir damals da gestartet sind, gab es diese ganzen Plattformen noch

nicht im Internet. Heutzutage gibt es ja zum Glück einige dazu, aber damals gab es das in diesem Spektrum noch nicht. Sprich wenn man sich informieren wollte hat man sich in der Regel die Tageszeitung gekauft, da hat man zwar was zu seinem eigenen Verein gefunden, aber wenn es regionalbezogen war zum Beispiel [höhere Ligen] hat man meist nur was zu seinem eigenen Verein gefunden, aber über die gesamte Liga halt nicht. Und das war so ein Ding, man wollte ja auch mal wissen, was machen die anderen, was passiert bei den anderen, aber das war in den Tageszeitungen halt nicht so gegeben, weil die halt wir haben hier die [Zeitung], die berichten gerne über die lokalen Sportvereine, aber eben auch nur gezielt was man hier in der Ecke hat. Wenn ich jetzt was aus der anderen Ecke haben will, […] dann hab ich das hier nicht bekommen, weil das wiederum regional war. […] Und das war irgendwie wo ich und [mein Geschäftspartner] gesagt hatten: Das kann nicht die Basis sein, also machen wir da was. Also quasi die Motivation eine Lücke, die auf jeden Fall da war, zu füllen? Richtig, also es war eine richtige Lücke und die haben wir auch gut gefüllt. Gab es damals Überlegungen: Wenn wir das vernünftig aufziehen, da ist so viel Potential, vielleicht kann man da ein richtiges Medium raus machen, was sich auch selber trägt, wo wir bekannt werden oder finanziell was von haben oder wie war das damals? Es war schon eine Menge Potential da, nur wir hatten für uns entschieden, dass unser Fokus zum einen auf dem Privaten lag und zum anderen ging [mein Geschäftspartner] in die Ausbildung rein, ich war selber noch stark arbeitsgebunden. Und da hat man sich natürlich überlegt gehabt: Macht das jetzt so Sinn. Das war ja auch irgendwo Risiko. Dann haben wir für uns entschieden: Ne, wir machen erst einmal unseren Weg weiter, machen das ganze aber trotzdem weiter, aber als Hobby. Darüber ist es nie hinausgewachsen. Heutzutage sieht man natürlich, dass solche Portale oder Blogs eine Menge Potential haben. Wenn man nicht risikoscheu ist, kann man sicher eine Menge daraus machen. Ich kenn das aus [einer Stadt, dort gab es ein Sportportal], da haben fünf Menschen von gelebt. Das war nur ein Portal über Sport in [der Stadt] und davon haben die gelebt, also möglich ist das durchaus. Aber wie gesagt damals war für [meinen Geschäftspartner] die Ausbildung sehr wichtig, er hat gesagt sonst hab ich nichts, ich muss die Ausbildung machen, da leg ich meinen Fokus drauf. Ich hab das verstanden, bei mir war es auch nicht anders. Dazu kam das Privatleben noch. Grad wenn man neu anfängt, beziehungsweise zum damaligen Zeitpunkt war das Netzwerk noch nicht so groß an Leuten, mit denen man zusammenarbeiten konnte. Journalisten die einem freiwillig helfen und einfach mal einem ein paar Artikel schreiben und zuschicken, das gab es damals noch nicht. Und dann hätten wir praktisch gesehen so viel arbeiten müssen und wir waren auch noch nicht so fit wie heute. Heute wäre es vielleicht anders, heute kämen wir da sicher auch besser rein auch mit Vermarktung etc., damals war es halt nicht so. Da frage ich später nochmal was zu, aber vielleicht vorher nochmal was zum Aufbau der Seite. Es geht ja nicht runter bis zur untersten Liga, sondern es ist ja schon ein eingegrenztes Gebiet. Können Sie da nochmal sagen, was für Sie wichtig ist?

Desto tiefer man geht, desto schwerer wird es auch an Informationen zu kommen. Das ist immer das große Problem, wo wir halt gesagt hatten wir kümmern uns um den gehobenen Amateurfußball, weil es da auch noch leichter ist. […] Bei vielen Verein ist es so, desto tiefer es geht, desto schwieriger ist es überhaupt irgendwas zu erfahren. Und das war halt für uns der Grund das Ganze auch ein bisschen einzugrenzen. Wir hatten zwischendurch immer mal wieder etwas erweitert, dann mussten wir feststellen, dass wir es wieder etwas eingrenzen mussten. Wir hatten zwischenzeitlich auch mal [eine andere Liga] mit drin gehabt, mussten aber leider feststellen, dass [dort] grade mal drei oder vier Vereine Informationen rausgeben während der Rest der Liga gar keinen Menschen dafür hatte und das man wenig Informationen bekommen hat, so dass es sich eigentlich gar nicht gelohnt hat. Weil in einer Saison die Spielberichte schreiben, hinfahren Kontakte knüpfen, aber dann meldet sich kein Mensch mehr, das hat natürlich keinen Sinn gemacht, weil das auch eine große Fahrerei gewesen ist. Dann haben Sie sich konzentriert auf [die oberste Amateurspielklasse] und etwas drunter. Richtig. [Wir haben einige Ligen], das ist so der Fokus wo wir sagen: Das können wir auch abdecken, das kriegen wir hin. Darüber hinaus ab dritte Liga das ist für uns nicht attraktiv, da wird auch wieder genug berichtet, da gibt es als großes Beispiel den Kicker, die berichten ja dritte Liga, da brauchen wir gar nicht in die Schiene reingucken. Weiter unten brauchen wir auch nicht gucken. […] Wir haben gesagt das ist so das Spektrum wo man wirklich agieren kann. Was sind denn Ihre bevorzugten Themen? Andere Portale haben ja erst einmal den Fokus darauf, alle Ergebnisse und Tabellen drin zu haben und dann auch Spielberichte zu machen, aber das ist nicht zuallererst ein journalistischer Fokus. Ist das bei Ihnen schon eher so, dass sie auch journalistisch vorgehen und auch mal kritische Sachen machen wollen oder sagen sie: Gut wir machen das was man braucht, alle Infos und dann ist auch gut? Das hängt immer ein bisschen mit dem Zeitfaktor zusammen. Natürlich wollen wir immer journalistisch vorgehen, wir telefonieren auch mit Vereinen, Trainern etc. pp. zwischendurch auch mal ein paar Interviews, aber der große Kern liegt derzeit wirklich in der Breite, so dass wir so viel wie möglich Infos an alle rausreichen können. Sie haben grad schon einmal gesagt, dass sie auch Hilfe von Journalisten bekommen, die ihnen mal was schreiben. Wie ist denn da die Verteilung. Schreiben sie und [ihr Geschäftspartner] schon die meisten Sachen oder wer liefert Ihnen da anteilig gesehen grob zu? Andere Portale lassen sich viele Infos von Vereinen schicken. Ich würde sagen, das ist bei uns ein bisschen anders. Das ist hier auch ein bisschen schwieriger. Es gibt zwar Vereine die haben prinzipiell schon einmal Pressesprecher, die uns dann auch mit genug Informationen füllen. […] Damit können wir immer sehr gut arbeiten, weil wir das ja auch direkt verwenden können. Bei anderen Vereinen ist es etwas schwieriger. Auch mit Journalisten da haben wir vielleicht nur fünf Stück, die da wirklich gezielt immer wieder was rüberschicken. Bei anderen ist es sporadisch mal, von wegen wollt ihr da auch was haben, so läuft das in der Regel ab und dann sagen wir natürlich gerne, schickt uns was zu wenn ihr was habt und dann bekommen wir auch was von anderen.

Grad haben wir schon einmal drüber gesprochen, wie das losgegangen ist. Dass erst [ihr Geschäftspartner] und dann sie dazugekommen sind. Können sie grob sagen, wie viel sie in ihr Blog investiert haben? Nicht nur die Server, das kostet ja auch, aber auch an Zeit. Kann man das hochrechnen, was sie dafür aufgewendet haben? Zeitfaktor ist immer so eine Geschichte für sich. Das kann man nie so festmachen. Das hängt immer damit zusammen, was halt gerade anstand, wie groß das Team auch ist. Wir hatten früher auch viele Fans, die für uns geschrieben hatten. Wir hatten damals gesagt wir machen Fans für Fans. Da hatten wir natürlich auch viele Mitstreiter gehabt, die auch viel berichtet haben, wo wir dann auch nicht mehr viel machen mussten und uns auf zwei-drei Vereine konzentrieren konnten. Jetzt ist es ein bisschen anders. Unsere Mitstreiter, wir machen das mit sieben Leuten aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis, da liegt schon ein größerer Teil auf [meinem Geschäftspartner] und mir. Ich würde sagen im Moment 40 Prozent liegen auf uns. Und wie läuft das dann ab? Haben sie dann Samstag / Sonntag keine Zeit mehr für irgendwas anderes? Wir haben uns auch abgesprochen von der Zeit her wann wer was macht. Ich schreib zum Beispiel unglaublich gerne Vorberichte. Ich will immer sehen: Wie sieht das bei den Vereinen aus, ist da jemand verletzt, gibt es irgendwas Neues, deswegen fang ich oft Donnerstagabends an und das geht schon einmal in die Nacht rein und Sonntagabends ist es natürlich genauso, wenn die Meisterschaftsspiele alle gelaufen sind je nachdem wenn man selber auch unterwegs war braucht man natürlich eine gewisse Zeit, um das alles nochmal Revue passieren zu lassen. Da gehen schon einige Stunden ins Land, definitiv, das kann also schon einmal sehr spät werden. Das ist aber nicht so, dass sie sich mal denken: Warum mach ich das eigentlich? Haben Sie keine Probleme mit der Motivation? Wenn ich im Gegensatz dazu abends mal drei Stunden länger arbeite, dann merke ich das aber auch am Ende des Monats. Das ist kein Problem? Also man merkt das zwischendurch immer wieder. Man ist zwischendurch platt, denkt sich, das muss jetzt nicht unbedingt sein. Wenn man dann rausgeht und weil ich ja selber immer viel auf den ganzen Sportplätzen unterwegs bin, mach ja selber auch viele Fotos und sich immer wieder mit den Menschen unterhält und immer wieder positive Resonanz bekommt, dann motiviert das immer wieder und macht das auch weiterhin gerne. Weil man weiß, dass es gut ankommt und dass die Leute sich sehr darüber freuen, dass es sowas überhaupt gibt. Und dass ist Motivation genug für mich persönlich. Ich wollte ohnhin fragen: Wie bewerten sie denn nach ein paar Jahren den Erfolg ihres Portals. Ideel: Sind sie zufrieden mit den Rückmeldungen? Und sie haben ja quasi keine Werbung: Kommt da wenigstens ein bisschen Geld rein oder wollten sie das ohnehin nie und deshalb ist das egal? Das ist für uns einfach ein Hobby und in ein Hobby investiert man ja prinzipiell. Wenn man auf den Sportplatz geht um die Ecke, [da investiere ich auch] oder wenn ich ins Kino gehe, dann bezahl ich selber ja auch. Das sind einfach Hobbys. Oder ich gärtner auch ganz gerne mal zwischendurch, da gehe ich auch alles einkaufen, Blumenerde etc - da investiert man

halt einfach. Aber das ist etwas das mir Spaß macht und meine persönliche Einstellung ist, wenn das ein Hobby ist, das mir Spaß macht, dann investiere ich auch gerne ein paar Euro da rein. Und was gibt es für Feedback und Reaktionen? Motiviert sie das? Sind sie damit dann glücklich, dass die Leute dann zufrieden sind mit dem Portal oder wie sind sie da in Kommunikation mit den Leuten? Ich bin sehr glücklich darüber. Ich merk das ja auch immer wieder. Wenn ich zum Beispiel zu [einem Verein] gehe, […] den wir hier haben und ich mich da mit den Leuten unterhalte, da kenne ich ja auch eine Menge, […] die sind immer sehr zufrieden. Und schicken mir da gerne auch Infos rüber und es macht einfach auch Spaß sich mit solchen Leuten auszutauschen, weil diese Leute und Funktionäre ein gewisses Wissen ansammeln konnten aufgrund dieser Portale oder dieser Blogseite. Sei es durch unser Portal oder eine Konkurrenz. Dann macht es einfach Spaß, auch mal diskutieren zu können. Also dass sich das Wissen insgesamt verbreitet, davon haben sie persönlich in ihren Diskussionen mit Freunden und Kollegen dann auch was von? Richtig. Und es ist manchmal auch ganz schön, auch wenn man sich mit Journalisten unterhält, […] da sitzt man dann auf der Tribüne. Daneben sitzt der Kollege von der [Zeitung] daneben sitzt dann der Kollege von der [anderen Zeitung] und daneben von der [anderen Zeitung] und man tauscht sich mit denen aus und dann sprechen die einen auch mal gezielt auf das eigene Portal an und sagen: Ey, da haben wir Infos von euch, die hatten wir vorher nicht oder ich hab hier was für dich und das find ich immer super. Auch dass man in dem Bereich viel enger zusammengewachsen ist als früher. Früher hat man alles immer nur als Konkurrenz angesehen. Heute ist es so, dass viele viel mehr zusammenarbeiten wollen, um auch ein größeres Spektrum zu haben. Also ist das Verhältnis zu klassischen Medien gut? Meine persönlichen Erfahrungen nach: Ja. Ich habe viele Journalisten kennengelernt, viele Redakteure auch und da war das Verhältnis eigentlich immer gut. Es sei denn man hat hier und da mal einen, wo man nicht den persönlichen Bezug zu hat, es gibt immer Menschen, wo man sich nicht so riechen kann. Aber im Großen und Ganzen wirklich positiv, weil man sich in dem Bereich auch immer mal austauschen kann. Da hat man grad was notiert und im nächsten Moment passiert wieder was, dann fragt man den Kollegen und dann gibt der einem eine ehrliche Antwort und ich find sowas einfach nur klasse. Ist die Motivation heute eine andere als am Anfang des Blogs? Am Anfang war es ja ganz einfach die Informationen zusammentragen. Ist es jetzt eher so, dass man von den Journalisten der klassischen Medien, die das als ihren Beruf haben, auch anerkannt wird. Ist das auch was, was eine Motivation ist oder wie ist die Motivation jetzt, wo das Portal etabliert ist? Das ist natürlich auch eine Motivation, ganz klar. Ich denke mal am Anfang sind wir sehr belächelt worden und der ein oder andere Verein hat uns nicht ganz für voll genommen vor sehr vielen Jahren. Heute weiß man, dass sich fast jeder bei uns informiert und wir werden

da inzwischen auch sehr ernst genommen. Liegt vielleicht auch daran, dass wir damals am Anfang kleinere Fehler gemacht haben. […] Auch bei Interviews, dass man nicht so vorbereitet war wie heute. Heute geht man nicht einfach so zu einem Fußballspiel und fragt wahllos irgendwas sondern macht sich vorher Notizen und weiß, was man fragen will, kann zurückblicken aufs letzte Spiel oder auf irgendwelche Infos die man bekommen hat wenn ein Spieler nicht ganz glücklich mit seiner Situation ist oder wollte lieber weg - das man solche Sachen dann auch einfach weiß. Also so ein bisschen journalistischer geworden, dass es nicht mehr ganz so deutlich wird, das ist nur ein Hobby von denen, sondern die machen das jetzt professioneller. Richtig. Wir sind halt im Laufe der Jahre im Vergleich zu damals wo wir angefangen haben professioneller geworden. Das liegt vielleicht zum einen daran, dass unsere Motivation durchgehend da war und wir im Laufe der Jahre auch viel Erfahrung gesammelt haben. Zum anderen aber auch daran, dass wir immer wieder Hinweise bekommen hatten. […] Aber so mehr wir erfahren, umso mehr macht es im Endeffekt auch Spaß. Je besser man zurechtkommt, je weniger Fehler man macht. Wie geht es denn weiter mit Portal? Haben Sie ein Ziel oder eine Prognose? Ziel, Prognose. Wir hatten uns erst einmal, es war so, dass wir das Portal eine Zeit lang relativ zurückfahren mussten, das liegt jetzt schon zwei Jahre zurück, davor hatten wir halt eine kurze Phase, wo wir nicht so viel machen konnten. Unser Ziel ist es halt stetig zu wachsen und wir wollen auch gucken, dass wir in einem Jahr vielleicht auch ein, zwei Ligen mehr mit reinnehmen können, dass wir da in die Breite gehen. […] Wir haben im Laufe der Jahre ja schon so viel mitbekommen an Reformen von damals bis heute, für mich ist das immer wieder spannend wie müssen wir uns umstellen und wie entwickeln sich auch unsere Besucherzahlen. Ein Ziel derzeit ist, dass wir weiterhin von den Zahlen wachsen. Wir haben im Schnitt momentan 5000 bis 6000 Besucher am Tag. War das mal mehr, weil sie das erwähnt hatten? Das war mal mehr. [Wir hatten mal ein anderes Konzept und da haben] wir Besucherzahlen zwischen 10000 und 12000 am Tag gehabt. War für das Verhältnis immer noch relativ klein, nur das Problem für uns war: Uns fehlt der Bezug ein wenig dahin. […] Uns hat der direkte Bezug etwas gefehlt und deshalb hatten wir dann gesagt, dass wir das nach einem Jahr doch wieder zurückfahren. Wir wollten auch die Möglichkeit haben, hin und wieder irgendwo persönlich zu erscheinen und haben uns dann halt entschieden das ganze regionaler zu halten […]. Weil die Motivation direkter da ist mit den Leuten. Richtig. Es ist halt auch einfach die Möglichkeit auch da, mal eben schnell hinzufahren und vielleicht auch mal Bilder zu machen. Man hat nicht überall Kontakte hin, die für uns Bilder machen könnten. Bei manchen merkt man das halt auch, bei manchen Vereinen, wenn wir Bilder aus unserem Fundus ins Internet reinstellen, dass da immer der gleiche Fotograf aktiv war, der mit seinem Verein mitgefahren ist und dann sieht man immer nur dass gegen diese Mannschaft dann auch Fotos gemacht worden sind und das ist uns auch unangenehm, weil

wir wollen ja auch ein bisschen Vielfalt haben und wenn man jedes Mal den gleichen Gegner dabei hat, das kann es ja nicht sein. Aber Sie gehen schon davon aus, dass das jetzt weiter läuft mit dem Blog und dass das auch gut weiterläuft? Also Sie haben jetzt nicht vor das irgendwie einzustellen oder so? Nein, wir wollen das auf jeden Fall weiterhin betreiben. Mir macht es auch unheimlich viel Spaß. Zwischendurch hat man mal ein kleines Tief, das kommt halt auch schon einmal. Auch jetzt gerade, wo jetzt auch die Ferienzeit war, da hat man auch gemerkt gehabt, wir hatten auch ein kleines Loch gehabt, wo nur einer von uns da war. Ist nun einmal Ferien, dann hat man Urlaub, dann ist die Saison vorbei, dann ist nur Vorbereitungsphase, dann war es natürlich etwas schwieriger für alle, da musste einer alleine mehr oder weniger Vollgas geben, der hat dann zwischendurch zwar von uns anderen mal eine Email bekommen, bitte setz das und das mal mit rein, das haben wir mal so eben zwischendurch gemacht, aber das hat man da schon gemerkt. Jetzt wollen wir halt auch wieder richtig durchstarten. Was glauben Sie denn, wie sich das grundsätzlich mit lokalen Fußballblogs entwickelt? Wird das eher mehr? Warum könnte das mehr werden? Oder wird es weniger? Mit lokalen Fußballblogs glaube ich an sich selber: Die Zukunft ist das nicht mehr, definitiv nicht. Man hat so Tendenzen gemerkt, dass es im Laufe der Jahre doch alles bisschen nachgelassen hat als früher. Früher war so ein richtiger Hype da, heute hat es ein bisschen nachgelassen. Die Tendenz geht heutzutage viel mehr in die sozialen Netzwerke mit rein oder auch über diese Informationsdienste Twitter, Facebook etc. viele nutzen das ja auch, auch die Printmedien greifen stark drauf zu, weil man merkt da ist Umschwung. Es kann gut sein, dass wir in zwei drei Jahren auch sagen müssen, wir müssen uns eine Alternative dazu einfallen lassen, weil man merkt einfach heutzutage nutzt jeder die ganzen Geschichten wie Facebook. Wir versuchen das auch schon bei uns mit einzubinden. Also wenn man bei uns die Artikel aufruft, kann man unten zum Beispiel schon über Facebook da Kommentare zu schreiben. So binden wir das ganze schon bei uns ein bisschen ein, gleichzeitig ist es auch schon ein bisschen in den sozialen Netzwerken mit drin. Die Tendenz spricht, dass es von den Portalen ein bisschen weggeht.