Singh Simon - Fermats Letzter Satz

Ein Wissenschaftskrimi als Weltbestseller: Simon Singh erzählt die Jagd nach der Lösung eines scheinbar einfachen mathematischen Problems, an dem die klügsten Köpfe über 350 Jahre scheiterten. »Alles andere als ein trockenes Lehrbuch, liest sich dieses Buch wie die Chronik einer obsessiven Liebesaffäre.« (Daily Mail) »Wer dieses Buch liest, gewinnt Einblick in eine Welt der Schönheit und der intellektuellen Herausforderungen, die gewöhnlich jenen 99,9% der Menschheit verschlossen bleibt die keine Spitzenmathematiker sind.« (The Times)

Simon Singh, ein junger Wissenschaftsjournalist von der BBC, sorgt für Furore: Sein erstes Buch eroberte in wenigen Wochen die britischen Bestsellerlisten und wird bald in alle Sprachen übersetzt sein. Dabei handelt dieses Buch von einem Thema, das vielen von uns in der Schule vergällt wurde: Von der Mathematik – aber eben nicht vom mechanischen Rechnen und Beweisen, sondern von der eigentümlichen Faszination, die von den rätselhaften Gesetzen und überraschenden Eigenschaften der Zahlen ausgeht. Simon Singh ist das Kunststück gelungen, die Geschichte der modernen Mathematik als Wissenschaftskrimi für Laien und Profis zu erzählen. Diese Geschichte beginnt vor mehr als 350 Jahren. Im 17. Jahrhundert notierte der französische Jurist und Mathematiker Pierre de Fermat eine Vermutung, die jeder Laie verstehen kann, an deren Beweis jedoch die besten Mathematiker bis vor wenigen Jahren scheiterten. Auch Fermat selbst blieb ihn schuldig. Seit dieser Zeit bemühten sich die besten Köpfe der Mathematik, »Fermats letzten Satz« zu beweisen. Manche von ihnen fanden dabei ganz zufällig die Lösung für andere, weit kompliziertere Probleme. Einem Gelehrten schließlich rettete Fermats Vermutung buchstäblich das Leben: Paul Wolfs kehl, der bereits den Revolver bereitgelegt hatte, um sich wegen einer unglücklichen Liebe umzubringen, kam in letzter Minute auf eine neue Idee, wie das Rätsel zu lösen sei. Auch ihm

blieb der Erfolg versagt, aber immerhin faßte er nun neuen Mut, weiterzuleben. Als er 1908 eines natürlichen Todes starb, setzte er ein Vermögen als Preis für den Beweis der Fermat’schen Vermutung aus. Erst 1995 gelang dem britischen Mathematiker Andrew Wiles nach siebenjähriger geheimer Arbeit der Durchbruch. Weitere zwei Jahre dauerte es, bis sein Beweis, immerhin 180 Seiten lang, die strengen Prüfungen internationaler Experten bestanden hatte. Dann aber stand fest: Andrew Wiles zählt zu den größten Mathematikern der Geschichte, mit seiner Lösung hat er seinem Fach neue Dimensionen erschlossen. In einer feierlichen Zeremonie nahm er im Sommer 1997 in der Akademie der Wissenschaften in Göttingen den Wolfskehl-Preis entgegen. Simon Singh, geboren 1964 in Wellington, Somerset, studierte Physik und arbeitet nun als Wissenschaftsjournalist bei der BBC. Sein Dokumentarfilm über Fermats letzten Satz wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Schutzumschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München, unter Verwendung eines Holzschnittes von Wenzel Jamnitzer (Nürnberg, 1568)

Simon Singh Fermats letzter Satz
Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels
Aus dem Englischen von Klaus Fritz

Carl Hanser Verlag

Titel der Originalausgabe: Fermat’s Last Theorem. The Story of a Riddle that Confounded the World’s Greatest Minds for 358 Years Fourth Estate, London Copyright © 1997 by Simon Singh Foreword copyright © 1997 by John Lynch

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03 02 01 00 99

ISBN 3-446-19313-8 Alle Rechte der deutschen Ausgabe: © Carl Hanser Verlag München Wien 1998 Satz: Dr. Ulrich Mihr GmbH, Tübingen Druck und Bindung: Kösel, Kempten Printed in Germany

Zur Erinnerung an Pakhar Singh

Inhalt Zum Geleit Einleitung 1 »Ich denke. Juni 1993 Das letzte Problem Alles ist Zahl Der absolute Beweis Eine Unendlichkeit von Zahlentripeln Vom Satz des Pythagoras zum letzten Satz Fermats 2 Das Rätsel Der Fürst der Amateure Die Entwicklung der Zahlentheorie Die Geburt eines Rätsels Die Randnotiz Der letzte Satz wird endlich veröffentlicht 3 Eine Schande für die Mathematik Der mathematische Zyklop Kleine Schritte Monsieur Le Blanc Die versiegelten Umschläge 11 19 25 25 29 37 44 50 53 59 59 69 81 85 88 97 98 116 125 137 . das genügt!« Cambridge. 23.

4 Der Weg in die Abstraktion Die Ära der Puzzles. Knobeleien und Rätsel Die Fundamente des Wissens Unwiderstehliche Neugier Mit roher Gewalt Der Doktorand 5 Beweis durch Widerspruch Wunschdenken Tod eines Genies Philosophie des Guten Das fehlende Glied 6 Die geheime Berechnung Der Eremit in der Dachkammer Duell mit dem Unendlichen Der erste Dominostein kippt »Fermatproblem gelöst?« Das dunkle Haus Die Methode von Kolywagin und Flach Der Vortrag des Jahrhunderts Das Nachbeben 7 Ein kleines Problem Der Teppichflicker Ein Alptraum aus der E-Mail Das Geburtstagsgeschenk 8 Große Vereinheitlichung der Mathematik Große ungelöste Probleme Silikonbeweise Der Preis 149 153 162 179 181 194 205 216 219 221 228 237 239 242 261 265 269 271 277 282 287 290 301 304 311 314 326 337 .

Der Beweis für den Satz des Pythagoras 2.Anhang 1. Die Spieltheorie und das Triell 10. Beweis der Punktevermutung 7. daß 2 irrational ist 3. Bachets Wiegeproblem 5. daß es eine unendliche Anzahl pythagoräischer Tripel gibt 6. Beispiel für einen Beweis durch Induktion Vorschläge zur weiteren Lektüre Bildnachweis Personenverzeichnis 341 343 344 346 347 347 348 350 351 352 353 355 359 361 . Euklids Beweis. Irrweg ins Absurde 8. Euklids Beweis. Die Axiome der Arithmetik 9. Das Rätsel um das Alter des Diophantos 4.

er habe den heiligen Gral der Mathematik entdeckt. Während wir sprachen. groß genug immerhin. der an seinem Tee nippte und sich. In dem keineswegs überfüllten Raum. würde er gerne teilnehmen. Fermats letzten Satz bewiesen zu haben. daß er mich zum Kuckuck wünschte. die in der entscheidenden Phase sei. daß ich es wußte –. und trotz seiner höflichen und freundlichen Art war deutlich. vielleicht wenn der Druck nachgelassen habe. jenem rituellen Stelldichein von Denkern widmete. doch schon war ich mir unsicher geworden. unmöglich mit etwas anderem befassen als mit seiner Arbeit. Er könne sich. Eine außergewöhnliche Woche ging zu Ende. der Mann. war dies unsere erste Begegnung. Dies also war der Mann. Doch trotz all meiner Versuche. Wiles seinerseits erriet einfach. daß sein Lebenswerk zu zerbrechen drohte und daß der heilige Gral. wer von den Anwesenden denn nun Andrew Wiles sein mochte. Später jedoch. Nicht allzu viele waren an jenem Nachmittag gekommen. das die Mathematiker überall auf der Welt um vier Uhr nachmittags veranstalten. der kurz zuvor verkündet hatte. den Gesprächen lauschend.Zum Geleit Zu guter Letzt hatten wir uns doch noch getroffen. um ihn für einen Dokumentarfilm der Horizon-Reihe der BBC zu gewinnen. den er in Händen gehalten hatte. Ich hatte einige der besten Mathematiker der heutigen Zeit getroffen und erste Einsichten in ihre Welt gewonnen. wer ich war. sich nun als zwar recht hübsches . machte Wiles einen zerstreuten und abwesenden Eindruck. Nach einer Weile fiel mein Augenmerk auf einen etwas scheu wirkenden Mann. schritten wir aufeinander zu. Ich wußte – und er wußte. der den Anspruch erhob. um zu besonderen festlichen Anlässen alle Mitglieder des mathematischen Fachbereichs von Princeton aufzunehmen. erklärte er ganz schlicht. Andrew Wiles’ habhaft zu werden.

Doch die Mathematiker schilderten mir auch die bewegte Geschichte und die tiefere Bedeutung des Fermatsatzes für sie selbst und für ihr Fach. lag die eigentliche Story. ob es nicht verrückt von mir wäre. In den Wochen darauf sprach ich mit vielen Mathematikern: die einen waren selbst am Geschehen beteiligt oder standen Andrew nahe. daß es sich hier um einen Stoff handelte. Dank Wiles’ Zeitgenossen konnte ich mir nun vorstellen. welche Herkulesarbeit es gewesen sein mußte. daß es sich um ein ganz besonderes Ereignis handeln mußte – wie geschaffen für einen Ho rizon-Film. einen großen Augenblick in der Geschichte ihrer Disziplin mitzuerleben. einen solchen Film in Angriff zu nehmen. Er hatte in seinem feierlich verkündeten Beweis einen Fehler entdeckt. den vielleicht ein halbes Dutzend Menschen auf der ganzen Welt vollständig durchdringen konnten. worum es bei Fermats letztem Satz ging. daß es sich um eine der wirklich großen Unternehmungen auf wissenschaftlichem und theoretischem Gebiet handelte. und darin. Als ich Andrew Wiles kennenlernte. Die Geschichte des letzten Satzes von Fermat ist einzigartig. daß das Problem bei den alten Griechen seinen Ausgang genommen hat und daß Fermats letzter Satz als Himalajagipfel der Zahlentheorie gilt. Ich lernte die eigentümliche Schönheit der Mathematik kennen und begann zu begreifen. was es heißt. war mir klar. Andrews Freunde in Princeton berichteten mir von sei- . Sie alle teilten ihre Einsichten in die Geschichte der Mathematik großzügig mit mir und verhalfen mir mit geduldigen Worten zu dem bißchen Verständnis der einschlägigen Begriffe. welches mir möglich war. Im Sommer 1993 hatte ich die Schlagzeilen gelesen.und wertvolles. wenn die Mathematik als die Sprache der Natur bezeichnet wird. sämtliche neueren Verfahren der Zahlentheorie zusammenzuführen und für den Beweis einzusetzen. doch wurde mir klar. doch eben nur als ein Trinkgefäß entpuppte. Damals konnte ich mich nur vage erinnern. Ich erfuhr. Eine Zeitlang fragte ich mich. die ändern waren einfach hellauf begeistert. als mit dem Beweis das Thema Mathematik auf die Titelseiten der Weltpresse vordrang. Rasch wurde klar. so wurde mir klar.

diesen Menschen selbst nie zu treffen. daß die Schönheit des letzten Satzes von Fermat darin begründet liegt. das für andere ungemein schwierig zu lösen war. und Menschen sind auf dem Mond gelandet. Dieses Rätsel stellt sich in Begriffen. doch er stellte eine Frage. stellte ich fest. Denken wir an die sprunghaften Fortschritte in Physik. er trug entscheidend zur Neuentdeckung des Wissens der alten Griechen bei. daß das Problem selbst höchst einfach zu verstehen ist. Während meiner Recherchen suchte ich eine Zeitlang nach einem Grund. zur schwierigsten überhaupt gehört. Obwohl die Mathematik. Nichts davon schien angetan. die wesentlichen Bestandteile des Atoms sind entdeckt. doch offenbar war es mein Schicksal. Die Zeitspanne allein schon läßt das Gewicht des Problems deutlich werden. doch in der Zahlentheorie blieb die Fermatsche Vermutung unbewältigt. Chemie. Die Medizin ist. ohne diese jedoch zu nennen. Es ist schwer. die in Wiles’ Beweis steckt. Dies war der Beginn einer drei Jahrhunderte währenden Jagd.nen zähen Fortschritten während der Jahre einsamer Arbeit. warum sich jemand außerhalb der Mathematik für Fermats letzten Satz interessieren sollte. auf die die Griechen nicht gekommen wären. das der Nagelprobe des fortschreitenden Wissens so lange hätte standhalten können. ausgehend von den »Körpersäften«. Die Mathematik hat eine Vielzahl praktischer Anwendungen. und die Zahlentheorie hat ihre spannendsten Anwendungen in der Kryptologie. er sei im Besitz der Lösung. Andrew Wiles und das Rätsel. Was dem Problem noch einen zusätzlichen Stachel verlieh. inzwischen bei der Genanalyse angelangt. ein größeres Pu- . beim Bau von Schallschutzanlagen und bei der Kommunikation mit fernen Raumfahrzeugen. in irgendeiner anderen wissenschaftlichen Disziplin ein so einfach und klar gestelltes Problem zu finden. war die Tatsache. erschienen mir immer außergewöhnlicher. das sein Leben beherrschte. und setzte damit ein Problem in die Welt. die schon jedem Schulkind vertraut sind. Pierre de Fermat stand in der Tradition der Renaissance. daß Fermat der Nachwelt eine Notiz hinterlassen hatte. die besagte. Medizin und in der Technik seit dem siebzehnten Jahrhundert.

die Lobeshymnen aller Fachkollegen waren ihm sicher. die anhand von experimentell gewonnenen Daten überprüft werden. bis sie sich als unhaltbar erweisen und durch neue Hypothesen ersetzt werden. ich mußte oft warten. ohne Spielraum für Veränderungen. Natürlich spielen Intuition und Inspiration auch für sie eine Rolle. Andere Wissenschaften arbeiten mit Hypothesen. und er hebt sie auch von den anderen Wissenschaften ab.blikum zu fesseln. daß es den Mathematikern einfach zuwider ist. dann ist es für immer bewiesen. einen gewissen »Animus« verliehen. wie ich sie mir nur wünschen konnte. Preise wurden ausgelobt. eine falsche Aussage zu treffen. Eine Frage wurde selten sofort beantwortet. erklärte er. In der Mathematik ist das Ziel der absolute Beweis. Die Geschichte des letzten Satzes von Fermat trägt vielerlei Züge. und wenn etwas einmal bewiesen ist. Bei der Fermatschen Vermutung sahen sich die Mathematiker vor der größten Herausforderung an den Beweis. und die Suche nach dem Beweis hat nicht zuletzt auch die Entwicklung der Mathematik vorangetrieben. und Außenstehenden mag es fast scheinen. doch dann kam sie. Viel spannender waren die Mathematiker selbst mit ihrer Leidenschaftlichkeit. Im Herzen der Mathematik steckt der Beweis. Der Harvard-Mathematiker Barry Mazur meinte. doch formale Aussagen müssen absolut gültig sein. die sie zum Ausdruck brachten. Ironischerweise hat sich gerade ein solches Teilgebiet der Mathematik als entscheidend für Wiles’ endgültigen Beweis herausgestellt. und wer immer auch die Antwort finden würde. und die Rivalität trieb ihre Blüten. eine sorgfältige und klar gegliederte Antwort. auf denen die frühen Beweisversuche stattgefunden haben. Schritt für Schritt drang ich weiter in dieses mir fremde Gebiet . Was mich in allen Gesprächen mit ihnen verblüffte. Als ich Andrews Freund Peter Sarnak darauf ansprach. als lebten die Mathematiker in einer anderen Welt. Mathematik ist eine der reinsten Formen des Denkens. wenn sie über Fermat sprachen. Fermat habe jenen Teilgebieten der Mathematik. auch die von Tod und Verblendung. war die außerordentliche Genauigkeit ihres Ausdrucks. bis der genaue Aufbau der Entgegnung im Kopf vorbereitet war.

war er in einer öffentlichen Bücherei auf Fermats letzten Satz gestoßen. wie das Fermatproblem. Als Kind wie als Erwachsener träumte er davon. daß seine zentrale Stellung in der Mathematik nie geschwächt war. seit das Problem erstmals gestellt worden war. ein kaum vorstellbares Ausmaß an Konzentration und Entschlossenheit. Dreißig Jahre zuvor. die sogenannte TaniyamaShimura-Vermutung. und als er in jenem Sommer 1993 erstmals einen Beweis vorstellte. hat sich erwiesen. der ihn dann nicht mehr losgelassen hatte. und seit seiner Zeit hat sich die Mathematik fortschreitend verändert und sich in viele schwer zugängliche Gebiete aufgeteilt. überlegte Barry Mazur. Im Laufe der Jahrhunderte verlor der letzte Satz zunehmend an Bedeutung für die vorderste Front der mathematischen Forschung und verwandelte sich in eine Kuriosität. Fermat war der Vater der modernen Zahlentheorie. lagen sieben Jahre hingebungsvoller Arbeit hinter ihm. daß alle an Fermat gearbeitet haben. Etliche der Verfahren.vor und erkannte. In gewissem Sinne. Andrew hatte scheinbar weit voneinander entfernte Gebiete der Mathematik von neuem miteinander verbunden. die er einsetzte. waren zu Anfang noch gar nicht erfunden. Für Andrew Wiles war es ein ganz besonderes Puzzle und nichts weniger als sein ehrgeiziges Lebensziel. als Kind. verknüpfte ihre Ideen und schuf Begriffe. sind wie Puzzlespiele. die eine neue Brücke zwischen völlig unterschiedlichen mathematischen Welten geschlagen hatte. Neue Verfahren erschlossen neue Forschungsfelder. Er trug die Arbeiten vieler hervorragender Mathematiker zusammen. und die Mathematiker legen mit Vorliebe Puzzles. daß Fermats letzter Satz für die Entwicklung der Mathematik eine zentrale Rolle spielt und diese Entwicklung sogar in seiner eigenen Geschichte widerspiegelt. Seine Arbeit rechtfertigte daher offenbar all die Spezialisierungen. Für viele . doch jeder für sich und ohne es zu beabsichtigen. welche die Mathematik erfahren hatte. die sich wiederum verselbständigten. Doch nunmehr ist klar. vor denen andere zurückgescheut waren. denn der Beweis nahm die ganze Kraft der modernen Mathematik in Anspruch. Als wesentliche Voraussetzung seines Beweises für den Fermatsatz hatte Andrew eine Idee bewiesen. Probleme im Umkreis von Zahlen. das Problem zu lösen.

gerade die Unsicherheit der Mathematiker verlange nach dem stützenden Umfeld der Kollegen. die stark genug war. Unter den Mathematikern herrschte eine für ihre Verhältnisse hochgradige emotionale Spannung. und nun gab es einen ersten Ausblick auf diese Welt. Im Herzen der entscheidenden Taniyama- . die darauf errichtet werden sollte. Einsamkeit. sondern darum. um immensen Erfolgsdruck. der selbst einen entscheidenden Beitrag zum Beweis geleistet hat. die Konkurrenz um Fermat hatte nie nachgelassen. vereinheitlichte Mathematik. ein Mathematiker. wie ich nun sah. daß neue Einsichten vor der Veröffentlichung mit ändern geteilt werden.ist das oberste Ziel die eine. um Konkurrenz. Mit seinem Beweis der Fermatschen Vermutung hatte Andrew Wiles also einen der wichtigsten zahlentheoretischen Bausteine festzementiert. die Grenzen der Mathematik selbst auszuweiten. Die Geschichte des Fermatproblems war nun auf höchst spektakuläre Weise zu Ende gegangen. Beim rituellen Nachmittagstee in den Mathematikinstituten rund um den Globus treffen Ideen aufeinander. Andrew Wiles hatte all dies in den Wind geschlagen und über seine Arbeit bis kurz vor Ende Stillschweigen bewahrt. Nach wochenlanger Recherche zum Thema war ich in Princeton eingetroffen. Es war. woran er arbeitete. als ob Fermats einfach zu verstehendes Problem aus der Kindheit der Mathematik auf seine Zeit gewartet hätte. Genialität. Triumph und Eifersucht. offenzulegen. um ihr sieben Jahre seines Lebens zu widmen und über sein Ziel Stillschweigen zu bewahren. und es wird erwartet. Hier ging es. Erfolg. eine Leidenschaft. dieses Problem zu lösen. das wußte er. Auch daran zeigte sich das Gewicht Fermats. weitgehend fremd ist. den Grundstein einer Pyramide aus Vermutungen. Für Andrew Wiles war dies auch das Ende einer beruflichen Einsiedelei. Dabei ging es nicht mehr allein um die Lösung des am längsten umkämpften mathematischen Rätsels. Wie abgelegen das Problem auch scheinen mochte. m der die Zusammenarbeit gepflegt wird. Wiles verfolgte mit aller Leidenschaft seinen Wunsch. äußerte mir gegenüber nur halb im Scherz den Gedanken. und er hätte nie das Risiko eingehen können. um Scheitern und sogar um tragisches Leid. wie sie der Mathematik. Ken Ribet.

. Dieses Gespür für das Gute prägte gewissermaßen die Atmosphäre der Mathematik in jenem Sommer. der um ihn her losbrach. und so sehr ich wünschte. Shimura belehrte mich auch über den Begriff des »Guten« in der Mathematik. rief ich bei ihm an oder hinterließ Nachrichten in seinem Büro. Im Laufe von nunmehr dreihundert Jahren hatte keiner jemals ein Loch in den vielen Beweisversuchen zum Satz des Fermat geflickt. Wir hatten dann ein ruhiges. Die Geschichte war ein Scherbenhaufen falscher Erfolgsbehauptungen. Andrew würde die Ausnahme sein. Während jener Woche. dem gemäß man spürt. um über einen Film zu sprechen. er sei mehr als nur ein weiterer Stein auf diesem Friedhof der Mathematik. würde er mich aufsuchen.Shimura-Vermutung steckte das tragische Leben des Yutaka Taniyama im Japan der Nachkriegszeit. Als wir uns an jenem Nachmittag trennten. Alle genossen den großartigen Moment. Die Welt blickte auf ihn. Er hatte. wie –. das letztlich nur knapp eine Viertelstunde dauerte. schien mir das Fernsehprojekt gestorben zu sein. an seiner Haustür und bei vielen Freunden. daß Andrew bei alledem die Last der Verantwortung spürte. Sollte er es schaffen. so schwer fiel mir die Vorstellung. Doch als ich in jener Nacht nach London zurückflog. weil es gut ist. die Kollegen forderten ihn auf. dem Druck standzuhalten. und dennoch schaffte er es – nur er weiß. abgeschottet von den ändern und in seiner eigenen Gangart. dessen Geschichte ich aus dem Munde seines engen Freundes Goro Shimura zu erfahren den Vorzug hatte. den Beweis zu veröffentlichen. den Beweis ins Lot zu bringen. Kein Wunder. Doch er sperrte sich gegen meine Avancen bis zu jenem zufälligen Treffen am Tag meiner Abreise. Mathematik betrieben und sah sich nun der Öffentlichkeit ausgesetzt. ich besorgte sogar ein Geschenk mit englischem Tee und Gebäck. und er kämpfte verbissen. ich war bereit zu warten. als der Fehler sich im Laufe des Herbstes allmählich herauskristallisierte. um seine Familie vor dem Sturm zu schützen. Andrew ist ein sehr aufs Privatleben bedachter Mensch. daß etwas stimmig ist. intensives Gespräch. hatten wir eine Abmachung getroffen. die ich in Princeton verbrachte.

jene Werkzeuge zusammenzutragen. Er erzählte von seinem Gefühl. und zusammen verbrachten wir einige Zeit mit Andrew. immer vor dem Hintergrund der vielgestaltigen Geschichte des Fermatproblems und der Mathematik. war die emotionale Spannung in unseren Gesprächen stärker als alles. und nichts würde je wieder so sein wie zuvor. das Fermatproblem zu lösen. Dreißig Jahre lang hatte er nicht von seinem Kindheitstraum abgelassen. an dem Film mitzuarbeiten. und von seinem nunmehr beschwingenden Gefühl der Erleichterung. Simon Singh hat nun. ihm nahe zu sein. was ich in meinem Berufsleben als Autor von Wissenschaftsfilmen erlebt habe. Der Film wurde von der BBC unter dem Titel Horizon: Fermat’s Last Theorem gesendet. ohne daß er es wußte. deren Gegenstand für ein Laienpublikum technisch ungemein schwer zu verstehen ist. Inzwischen hatte ich Simon Singh angeboten. hatte seine Beschäftigung mit der Mathematik über weite Strecken letztlich dazu gedient. etwas verloren zu haben. Bei den Dreharbeiten schilderte Andrew seine innersten Eindrücke von dem. John Lynch Redakteur der BBC-Sendereihe Horizon März 1997 . Für Andrew war es das Ende eines Lebensabschnitts. Es schildert umfassend und erhellend eine großartige Episode in der Geschichte des menschlichen Denkens. Für mich war es ein Privileg. die er für die Herausforderung Fermats benötigte. Aus seinem Munde erfuhren wir nun die ganze Geschichte jener sieben Jahre einzelgängerischer Forschung und des darauf folgenden Jahres in der Hölle. sie hatte sein Berufsleben beherrscht. jene Einsichten und vertraulichen Gespräche zu diesem Buch ausgearbeitet. Ein Jahr danach fand sich die nötige Zeit für die Dreharbeiten. was er geleistet hatte. Dank einer erstaunlichen mathematischen Kehrtwende und blitzartiger Inspiration und Einsicht hatte es Andrew nun doch noch geschafft.Ein Jahr später kam der Anruf. weil das Problem ihn nicht mehr ständig begleitete. Angesichts einer Disziplin.

Einleitung Die Geschichte des letzten Fermatsatzes berührt alle großen Themen der Zahlentheorie und ist daher untrennbar verwoben mit der Geschichte der Mathematik. zweitausend Jahre bevor Pierre de Fermat dem Problem die heute bekannte Gestalt verlieh. Um einen Eindruck vom außergewöhnlichen Charakter Fermats zu vermitteln und seinen Beitrag zur Mathematik zu erläutern. der in jener Zeit das abgründigste Rätsel in der Geschichte der Mathematik stellte. Kapitel 1 erzählt die Geschichte des Pythagoras und zeigt. vielleicht noch wichtiger. der weit über den letzten Satz hinausgeht. Scharfsinn und tragischem Leid handelt und in der alle großen Helden der Mathematik auftreten. Es beginnt mit dem pythagoreischen Bund und der Schilderung seines revolutionären Ethos und endet mit der persönlichen Geschichte von Andrew Wiles’ Ringen um die Lösung von Fermats Rätsel. daß der Satz des Pythagoras der direkte Vorfahre der Fermatschen Vermutung ist. verwende ich etliche Seiten auf die . Sie gewährt ungewöhnliche Einsichten in die treibenden Kräfte der Mathematik und. Fermats letzter Satz schlug seine Wurzeln in der Mathematik des alten Griechenland. Die Fermatsche Vermutung bildet das Herzstück einer fesselnden Saga. in die Beweggründe und Ziele der Mathematiker selbst. In diesem Kapitel werden einige grundlegende Konzepte der Mathematik vorgestellt. die von Kühnheit. Kapitel 2 führt die Geschichte vom alten Griechenland herüber ins Frankreich des siebzehnten Jahrhunderts und zu Pierre de Fermat. die auch später immer wieder auftauchen werden. Der Satz verknüpft daher die von Pythagoras geschaffenen Grundlagen der Mathematik mit den fortgeschrittensten Ideen der modernen Mathematik. Ich habe für dieses Buch einen weitgehend chronologischen Aufbau gewählt. Geflunker.

auf der Suche nach Wahrheiten alles zu opfern. aus berufenem Munde von einer der erstaunlichsten geistigen Reisen des zwanzigsten Jahrhunderts zu hören. die im Haupttext angesprochen werden. Die letzten Kapitel des Buches berichten vom erstaunlichen Geschehen der vergangenen vierzig Jahre. Ihre Lebensgeschichten zeigen. so daß auch Leser ohne mathematischen Hintergrund in der Lage sein werden. dessen bahnbrechende Leistungen während der vergangenen zehn Jahre die Mathematikergemeinde verblüffte. in denen die Forschung zu Fermats letztem Satz einen revolutionären Wandel durchlaufen hat. wie die Mathematik sich durch die Jahrhunderte entwickelt hat und daß die Mathematiker bereit waren. All diese Bemühungen scheiterten zwar am Ende. sie ausführlich zu erklären. Die Kapitel 3 und 4 schildern einige Versuche des achtzehnten. sondern widme mich auch ausführlich jenen Mathematikern. bemühe ich mich. vermitteln zu können. den letzten Satz von Fermat zu beweisen. manche von elementarer Bedeutung für die jüngsten Versuche. Für Leser mit ein wenig tiefer reichendem Wissen auf dem Gebiet gehe ich in mehreren Anhängen ausführlicher auf die mathematischen Ideen ein. Ich erläutere in diesen Kapiteln nicht nur die einschlägige Mathematik. . ihre Bedeutung zu verstehen. doch sie trugen der Mathematik ein fabelhaftes Arsenal an Werkzeugen und Verfahren ein. mathematische Gedankengänge ohne Rückgriff auf Gleichungen zu erläutern. y und z hie und da ihre häßlichen Köpfe hervor. die von Fermats Vermächtnis in Bann gezogen wurden.Beschreibung seines Lebens und einiger seiner anderen glänzenden Entdeckungen. Fermats letzten Satz zu beweisen. Die Kapitel 6 und 7 sind vor allem der Arbeit von Andrew Wiles gewidmet. Sie waren für mich die einzigartige Gelegenheit. Bei der Schilderung der Geschichte Pierre de Fermats und seines verblüffenden Rätsels habe ich versucht. welches Maß an Heroismus und schöpferischer Kraft Wiles für die zehn Jahre währende Anstrengung hat aufbieten müssen. und ich hoffe. Diese letzten Kapitel beruhen auf ausführlichen Gesprächen mit Wiles. doch unweigerlich recken x. neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Wenn Gleichungen im Text auftauchen.

Ich habe versucht. Danken möchte ich besonders Susan Oakes von der London Mathematical Society. Goro Shimura und Richard Taylor. Paul Balister und dem Isaac Newton Institute für ihre Hilfe bei der Materialrecherche. Nick Katz. Sanjida O’Connell und meinen Eltern für ihre Kommentare zum Text und die Unterstützung während des vergangenen Jahres. dieses Buch mit möglichst vielen Porträts zu illustrieren. und ich weiß die Geduld und die Begeisterung zu schätzen. und ich bin Professor Wiles unendlich dankbar. die mir beim Schreiben dieses Buches halfen und mir eingehende Interviews gewährten. Bernadette Alves. Christopher Potter. Ken Ribet. Dieses Buch wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung und die Beteiligung vieler Menschen. Verschiedene Bibliotheken und Archive haben mir ausgesprochen großzügig geholfen. Mancher von ihnen war selbst ausschlaggebend am Kampf um den letzten Satz von Fermat beteiligt. Sandra Gumming von der Royal Society und Ian Stewart von der Universität Warwick. Peter Sarnak. Duncan McAngus. Barry Mazur.Zudem habe ich eine Liste mit weiteren Lektürevorschlägen aufgenommen. die vor allem den Laien näheren Zugang zu bestimmten Gebieten der Mathematik ermöglichen soll. Besonders danken möchte ich Andrew Wiles. In meinen sieben Jahren als Wissenschaftsjournalist habe ich niemanden mit mehr Leidenschaft und Engagement für sein Fach getroffen. mir seine Geschichte zu erzählen. daß er bereit war. die an der Geschichte des letzten Satzes von Fermat teilhatten. um den Lesern eine bessere Vorstellung von den Persönlichkeiten zu vermitteln. Jeremy Gray. mit denen sie mir so viele schöne mathematische Gedanken erläuterten. Die Stunden der Fragen und der Gespräche mit ihnen bereiteten mir immenses Vergnügen. . Mein Dank gilt weiterhin Patrick Walsh. Mein Dank gilt insbesondere John Conway. Ich möchte auch den anderen Mathematikern danken. Dankbar bin ich auch Jacquelyn Savani von der Universität Princeton. andere wiederum waren Zeugen der historischen Ereignisse der letzten vierzig Jahre. der mir in einer Zeit starker Belastungen großzügigerweise ausführliche und ins Detail gehende Interviews gewährte.

Ich möchte der BBC für die Erlaubnis danken.Schließlich fanden viele der in diesem Buch zitierten Interviews statt. mein Interesse an dem Thema zu wecken. dieses Material zu verwenden. der gemeinsam mit mir an der Dokumentation arbeitete und half. und schulde meinen besonderen Dank John Lynch. wahrend ich an einer Fernsehdokumentation über Fermats letzten Satz arbeitete. .

Fermats letzter Satz .

.Andrew Wiles mit zehn Jahren. In diesem Alter stieß er zum ersten Mal auf Fermats letzten Satz.

doch bisher hatte keiner etwas Greifbares zustande gebracht. das genügt!« An Archimedes wird man noch denken. In der elektronischen Post des Internet wurde gemunkelt. doch was immer es bedeuten mag. Ein Forschungs- . Derlei Klatsch war fast alltäglich. ein Mathematiker hat wohl die besten Chancen. Zeugen eines historischen Ereignisses zu werden. die Vorlesung werde mit der Lösung eines weltberühmten mathematischen Problems enden. unsterblich zu werden. denn Sprachen sterben. In den Teepausen plauderten die Mathematiker häufig über das Fermatproblem und überlegten mit Vorliebe. wer wohl gerade an welchem Lösungsansatz arbeitete. A Mathematician’s Apology G. Tags zuvor waren Gerüchte laut geworden. Zweihundert Mathematiker lauschten wie gebannt. und dann verdichteten sich die Spekulationen zu Gerüchten über einen Durchbruch. Diesmal jedoch klang das Gerücht ganz anders. 23. Gelegentlich hörte man im Gemeinschaftsraum der Professoren mathematisches Gemurmel. Hardy Cambridge. mit dem Beweis von Fermats letztem Satz. wenn Aischylos längst vergessen ist. Die übrigen waren einfach in der Hoffnung gekommen. »Unsterblichkeit« mag ein dummes Wort sein. Juni 1993 Es war die wichtigste Mathematikvorlesung des Jahrhunderts. mathematische Ideen jedoch nicht.1 »Ich denke. H. Nur ein Viertel von ihnen verstand das dichte Gemenge aus griechischen Symbolen und algebraischen Formeln an der Tafel.

Student in Cambridge ließ sich überzeugen und rannte zum Buchmacher. die Alten Bücher schreiben«. Wenn er bis dahin wenig geleistet hat. Seine Arbeiten werden nach dem fünfundzwanzigsten oder dreißigsten Lebensjahr selten besser. Wiles sei am Ende. um die erste Tafel zu wischen. wo er eine Professur in Princeton angenommen hatte. Jede Zeile seiner Berechnungen schien ihn der Lösung einen kleinen Schritt näherzubringen. um vielleicht einen Fingerzeig auf die Lösung zu erhalten. doch auch eine Dreiviertelstunde später hatte er den Beweis noch nicht verkündet. Die Professoren. Die drei Tafeln waren nun vollgeschrieben mit Rechnungen. warteten ungeduldig auf die Lösung. dicht gedrängt in den vorderen Stuhlreihen. doch langsam ahnten nun sogar die Buchmacher. einer der begnadetsten Mathematiker seiner Generation zu sein. wo er zehn Pfund darauf setzen wollte. Hardy in seinem Buch A Mathematician’s . daß das Fermatproblem innerhalb einer Woche gelöst sein würde.« »Die Jungen sollten Sätze beweisen. und alle wollten sie die gleiche Wette abschließen. die sich fragend nach den älteren Semestern umsahen. war nichts Ungewöhnliches. Waren sie Zeugen eines vollständigen Beweises von Fermats letztem Satz. Daß brillante junge Köpfe ausbrannten. Das war nun schon der fünfte Student an diesem Tag. Zwar hatte die Fermatsche Vermutung die besten Köpfe der Menschheit drei Jahrhunderte lang vergeblich in ihren Bann geschlagen. und der Vortragende hielt inne. und die Kollegen hegten schon den Verdacht. Hinten im Raum standen Studenten. daß ein Beweis kurz bevorstand.H. bemerkte G. Dort erwarb er sich dann den Ruf. Der Buchmacher roch allerdings den Braten und lehnte die Wette ab. wird er auch künftig wenig leisten. In den letzten Jahren freilich hatte er kaum an der jährlichen Runde der Konferenzen und Seminare teilgenommen. der in den achtziger Jahren nach Amerika gegangen war. ein zurückhaltender Engländer. oder wurde dort vorne bloß ein unvollständiger Gedankengang vorgetragen. Dann setzte er seine algebraischen Erörterungen fort. wie der Mathematiker Alfred Adler feststellte: »Das mathematische Leben eines Mathematikers ist kurz. dem die Pointe fehlte? Der Vortragende war Andrew Wiles.

Mit diesen Beispielen soll nicht etwa behauptet werden. In der Mathematik scheint die mit dem Alter zunehmende Erfahrung weniger Gewicht zu haben als jugendliche Intuition und Kühnheit. wo er sich mit den besten Zahlentheoretikern der Welt austauschen konnte. In seinem Heimatdorf Kumbakonan in Südindien war Ramanujan zwar kaum in den Genuß einer gediegenen Bildung gekommen. daß Mathematiker zu früh und auf tragische Weise sterben. die den westlichen Mathematikern entgangen waren. doch war er in der Lage.« Sein eigener. Sätze aufzustellen und Beweise zu erbringen. aber kurze Karrieren. Als Ramanujan seine Ergebnisse Hardy vortrug. Dazu be- . Auch andere Mathematiker machten glänzende. »Kein Mathematiker darf je vergessen. Im neunzehnten Jahrhundert erbrachte der Norweger Niels Henrik Abel mit neunzehn Jahren seinen wichtigsten Beitrag zur Mathematik. und tatsächlich haben Abels Entdeckungen auch heute noch großen Einfluß auf die Zahlentheoretiker. war der Cambridge-Professor so beeindruckt. Um dies mit einem simplen Beispiel aus einem vergleichsweise bescheidenen Anforderungsfeld zu verdeutlichen: das durchschnittliche Zuwahlsalter in die Royal Society ist bei Mathematikern am niedrigsten. seine Stelle als kleiner Angestellter in Südindien aufzugeben und ans Trinity College zu kommen. daß sie die besten Ideen meist in ihrer Jugend entwickeln. Abels gleichermaßen brillantem Zeitgenossen Evariste Galois gelangen seine großartigen Leistungen ebenfalls schon im Teenageralter – und er starb im Alter von nur einundzwanzig Jahren. Er erkrankte an Tuberkulose und starb mit dreiunddreißig Jahren.Apology. daß er ihm anbot. das sie fünfhundert Jahre lang auf Trab halten wird«. Doch die rauhen Winter East Anglias setzten Ramanujan heftig zu. daß die Mathematik mehr als jede andere Kunst oder Wissenschaft ein Spiel der Jungen ist. wurde mit nur einunddreißig Jahren zum Fellow der Royal Society gewählt. Acht Jahre später fiel er. in Armut. dem in der Jugend eine Reihe von bahnbrechenden Leistungen gelungen waren. Charles Hermite sagte über ihn: »Er hat den Mathematikern ein Vermächtnis hinterlassen. ebenfalls der Tuberkulose zum Opfer. außerordentlich begnadeter Schüler Srinivasa Ramanujan. sondern nur.

So haben sich die Teepausen der Mathematiker in Cambridge zu alltäglichen Ritualen entwickelt. Die wissenschaftliche Gemeinschaft der Mathematiker ist stolz auf ihren offenen und freien Gedankenaustausch. das größte Einzelproblem der Mathematik zu lösen. Seine Entscheidung. Doch die Geheimhaltung hatte ihm auch einen Preis abverlangt: Seine Gedanken hatte er zuvor mit keinem Kollegen zusammen erörtern oder prüfen können. gelangen Wiles verblüffende Fortschritte: Er entwickelte neue mathematische Methoden und Werkzeuge und war nun bereit. in vollkommener Abgeschiedenheit zu arbeiten. dann stünde der begehrteste Mathematikpreis ihm und ihm alleine zu. sie vorzustellen. war eine hochriskante und in der Welt der Mathematik unerhörte Strategie.merkte Hardy einmal: »Ich kenne kein Beispiel eines bedeutenden mathematischen Fortschritts. seine Arbeit noch einmal durchzugehen und das endgültige Manuskript von der ersten bis zur letzten Seite zu überprüfen. hatte er die letzten sieben Jahre unter völligem Stillschweigen mit dem Versuch zugebracht. Eigentlich hatte Wiles mehr Zeit damit verbringen wollen. nicht in der Forschung. den ein mehr als Fünfzigjähriger in die Wege geleitet hat. Sollte Professor Wiles jedoch tatsächlich einen vollständigen und haltbaren Beweis für Fermats letzten Satz gefunden haben. und so war es durchaus möglich. bei denen über Earl-Grey-Tee und Gebäck neue Ideen erläutert und geprüft werden. Während die Kollegen vermuteten. gab er seine Vorsicht auf. Obwohl schon im ehrwürdigen Alter von vierzig. Daher veröffentlichen auch immer häufiger Autorenpaare oder ganze Mathematikergruppen gemeinsame Artikel und teilen sich dann auch die Reputation dafür.« Mathematiker mittleren Alters treten oft in den Hintergrund und betätigen sich für den Rest ihres Berufslebens in der Lehre oder Verwaltung. seine Entdeckung am Isaac Newton Institute in Cambridge vorzustellen. Doch als sich die einzigartige Gelegenheit fand. und aus diesem Grund herrscht dort am wenigsten Geheimniskrämerei. daß ihm ein schwerwiegender Fehler unterlaufen war. doch in Wiles’ Fall lagen die Dinge völlig anders. er sei ausgelaugt. Die mathematischen Fachbereiche der Universitäten können nicht mit Erfindungen aufwarten. die sich patentieren ließen. Das .

fern von Studenten und anderen Ablenkungen. am Rande des Campus und soll die Wissenschaftler schon von seiner Anlage her dazu ermuntern. Im Aufzug. doch nur Wiles hatte erkannt. hier war er aufgewachsen und hatte seine Leidenschaft für die Zahlen entwickelt. Es gibt keine Korridorfluchten. wo diese Leidenschaft für ein Problem entflammt war. in die man sich zurückziehen könnte. daß das Newton Institute in seiner Heimatstadt Cambridge lag. auch die Waschräume. Zwar hatte ihn die Chance gereizt. und von jedem Büro geht der Blick auf ein zentrales Forum. Tatsächlich ist jeder Raum des Gebäudes mit wenigstens einer Tafel ausgestattet. Die besten Zahlentheoretiker der Welt waren versammelt. hatte sich Andrew Wiles in die Mathematik vernarrt. um Probleme dieses sehr speziellen Bereichs der reinen Mathematik zu diskutieren. im Alter von zehn Jahren.Institut dient einzig und allein dem Zweck. die besten Köpfe der Welt für ein paar Wochen zu Seminaren zusammenzubringen. »Ich war ganz versessen auf die kniffligen Schulbuchaufgaben. Das letzte Problem Schon 1963. Diesmal hatten die Seminare am Newton Institute das Thema »L-Funktionen und Arithmetik«. wo sie ein selbstgewähltes Thema von der vordersten Front ihrer Disziplin behandeln. und sich in diesem offenen Bereich zu treffen. Auch beim Gang durchs Institut wird die Zusammenarbeit gefördert.« . doch entscheidend war. das den Rest seines Lebens prägen sollte. daß in den L-Funktionen vielleicht der Schlüssel zur Lösung des Fermatproblems steckte. ich nahm sie mit nach Hause und erfand mir neue. seine Arbeit einem so bedeutenden Publikum vorzustellen. die Bürotüren nicht zu schließen. Die Mathematiker werden angehalten. der nur drei Stockwerke bedient. Das Gebäude liegt. findet sich eine Tafel. und in Cambridge war es auch gewesen. Hier war Wiles geboren. gemeinsam zu arbeiten und Ideen auszutauschen. Aber das beste Problem von allen entdeckte ich in unserer Bücherei.

das seine Wurzeln im alten Griechenland hat. Da war ein Problem. als er mit Fermats letztem Satz Bekanntschaft schloß. . die Andrew häufig in ihren Bann zogen. die Geschichte eines mathematischen Problems. Es war The Last Problem von Eric Temple Bell. Diesmal jedoch fiel Andrews Augenmerk auf ein Buch. doch immerhin gab es eine umfangreiche Sammlung von Rätselbüchern. auf einen Sprung in der Stadtbücherei in der Milton Road vorbeizuschauen.Eines Tages. und doch konnten all die großen Mathematiker der Geschichte ihn nicht beweisen. Ich mußte es einfach lösen. Verglichen mit den College-Bibliotheken war sie recht ärmlich ausgestattet.« Das Problem sieht deshalb so schlicht aus. doch das Besondere an Fermats Problem ist seine trügerische Schlichtheit. deren Lösung dann bequem irgendwo auf den letzten Seiten nachzuschlagen war. daß ich nie davon ablassen würde. Dreißig Jahre nachdem Wiles die Einführung von Bell gelesen hatte. Damals ließ es der große französische Mathematiker Pierre de Fermat ohne Absicht zu einer Herausforderung für alle Nachfolger werden. und drei Jahrhunderte lang gelang es keinem einzigen. das nur ein Problem enthielt und keine Lösung. »Er sah so einfach aus. Die Bücher waren vollgepackt mit naturwissenschaftlichen Rätseln und mathematischen Knobeleien. doch erst im siebzehnten Jahrhundert ganz zur Entfaltung kam. und von diesem Moment an wußte ich. auf dem Heimweg von der Schule. beschloß Wiles. Ein begnadeter Mathematiker nach dem anderen mußte vor Fermats Hinterlassenschaft demütig kapitulieren. das Problem zu lösen. schilderte er mir seine Eindrücke. Zwar gibt es in der Mathematik auch andere ungelöste Fragen. an das sich jeder erinnert – dem Satz des Pythagoras: In einem rechtwinkligen Dreieck ist das Quadrat über der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate über den beiden anderen Seiten. das ich als Zehnjähriger schon verstehen konnte. weil es auf einem Stück Mathematik beruht.

daß Pythagoras der Begründer der Zahlentheorie und des ersten goldenen Zeitalters der Mathematik ist. . Einigen Legenden zufolge soll er bis nach Indien und Britannien gereist sein. wenn nicht Milliarden menschlicher Gehirne eingebrannt werden. daß Zahlen unabhängig von der dinghaften Welt existieren und ihr Studium von den Ungenauigkeiten der sinnlichen Wahrnehmung nicht beeinträchtigt wird. Gesichert jedoch ist. sondern behandelte sie als Gegenstände eigenen Rechts. Als gesichert kann gelten. die gegenüber allem sonstigen Wissen unumstößlich sind. an dem die größten mathematischen Köpfe der Geschichte scheiterten. entsprang ihm ein Problem. Tatsachen und Erfundenes zu trennen. die bei der alljährlichen Nilflut überschwemmt wurden. diesen grundlegenden Satz zu lernen. Flurgrenzen wiederherzustellen. Dank seines Genies gebrauchte man die Zahlen nicht mehr bloß zum Zählen und Rechnen. Einige geometrische Grundregeln wurden zum Beispiel bei dem Versuch entdeckt. um praktische Probleme zu lösen. Doch obwohl er von einem Zehnjährigen verstanden werden kann. Pythagoras untersuchte die Eigenschaften bestimmter Zahlen. Das Wort selbst. die es den Historikern erschweren. Geometrie. bedeutet Vermessung der Erde.Dieser Singsang des Pythagoras sollte in Millionen. die Beziehungen zwischen den Zahlen und die von ihnen gebildeten Muster. Pythagoras von Samos ist eine höchst einflußreiche und zugleich geheimnisumwitterte Gestalt in der Geschichte der Mathematik. Pythagoras lebte im sechsten Jahrhundert vor Christus und sammelte seine mathematischen Kenntnisse auf Reisen durch die gesamte antike Welt. Die Mathematik war für sie nur ein Werkzeug. und so umranken ihn Mythen und Legenden. auf deren Grundlage sie ausgeklügelte Buchhaltungsverfahren entwickeln und kunstvolle Bauten errichten konnten. Über Leben und Werk gibt es keine Zeugnisse erster Hand. Diese beiden Völker des Altertums waren schon über das simple Zählen hinausgegangen und führten komplizierte Berechnungen durch. Jedes noch unwissende Schulkind wird gezwungen. daß er viele mathematische Methoden und Kniffe bei den Ägyptern und Babyloniern gelernt hat. Er erkannte. So konnte er von Meinungen und Vorurteilen unabhängige Wahrheiten entdekken.

war uninteressant. gab Pythagoras vor. doch manche Historiker vermuten. der vorschlug. Um diesen Erfolg zu krönen. ist umstritten. sein erster Schüler zu werden. daß sein Name ebenfalls Pythagoras war und daß der Schüler später zu Ruhm gelangen sollte als der erste Mensch. und schließlich bestach er einen jungen Knaben. Während seiner Abwesenheit jedoch hatte der Tyrann Polycrates die einst freiheitsliebende Stadt in eine intolerante und rückwärtsgewandte Gesellschaft verwandelt. um ihre Kondition zu verbessern. Nun hißte er die Segel und kehrte auf seine Heimatinsel Samos in der Ägäis zurück. von Generation zu Generation weitergereicht. daß Athleten Fleisch essen sollten. wo er ohne Furcht vor den Haschern des Tyrannen seinen Gedanken nachgehen konnte. der Lehrer. daß dies nur eine Finte war. er könne den Schüler nicht mehr bezahlen . Nach zwanzig Jahren des Reisens hatte sich Pythagoras alle mathematischen Regeln der damals bekannten Welt angeeignet. Statt dessen verließ er die Stadt. Für diese Zivilisationen war es wichtig.Pythagoras stellte fest. und daher machte sich niemand die Mühe. Pythagoras war in seiner Einsamkeit jedoch keineswegs glücklich. um dort eine dem Studium der Philosophie gewidmete Schule zu gründen. doch der Philosoph erkannte. Er hoffte. mit deren Unterstützung er radikal neue philosophische Gedanken entwickeln wollte. Pythagoras. daß die Berechnungen stimmten – warum sie stimmten. Polycrates bot Pythagoras einen Platz am Hofe an. ein reiches Angebot an freidenkerischen Schülern zu finden. um ihn zum Schweigen zu bringen. sie in Frage zu stellen oder die Logik hinter den Gleichungen zu erkunden. Diese Rezepte. dem sie blind folgen konnten. daß die Ägypter und Babylonier jede Berechnung anhand eines Rezepts durchführten. an der man sich insbesondere mit den von ihm gesammelten neuen mathematischen Regeln näher befassen würde. um sich in einer Höhle in einem abgelegenen Teil der Insel niederzulassen. daß sich der anfangs widerstrebende Junge zusehends für sein Wissen begeisterte. zahlte seinem Schüler für jede Lektion drei Obolusse und konnte nach ein paar Wochen beobachten. Wer dieser Junge war. und lehnte das Angebot ab. lieferten immer die richtige Antwort.

in der neuen Heimat vor Verfolgung sicher. dem reichsten Bürger Krotons. der den Bund verließ. der Prinz von . sollte den doppelten Betrag seiner ursprünglichen Einlage erhalten. Während der Olympischen Spiele fragte ihn Leon. So kam es. Neben der Athletik schätzte und praktizierte Milon auch Philosophie und Mathematik. und ließ sich in Kroton nieder. als sie zu beenden. Er stellte Pythagoras einen Teil seines Hauses zur Verfügung. mit der Mutter und dem einzigen Schüler aus der Kolonie zu fliehen. wo er zu seinem Glück in Milon. groß genug. doch seine Ansichten über gesellschaftliche Reformen waren unerwünscht. Pythagoras ging nach Süditalien.und müsse seine Lektionen einstellen. Leider gelang Pythagoras auf Samos nur diese eine Bekehrung. daß der schöpferischste Geist und der kräftigste Körper eine Partnerschaft eingingen. das sogenannte »Halbrund« des Pythagoras. Daraufhin bot ihm der Junge an. Beim Eintritt in den Bund mußte jeder Anhänger seine weltlichen Besitztümer in einen Gemeinschaftsfonds einbringen. lieber für die Ausbildung zu bezahlen. Der Schüler war zum Anhänger seiner Philosophie geworden. Er war ein Mann von herkuleischer Gestalt. in die Kolonie Magna Graecia. Pythagoras’ Lieblingsschülerin war Milons Tochter. Der pythagoreische Bund war eine egalitäre Schule. den idealen Mäzen fand. der auch mehrere Frauen angehörten. die nicht nur seine Lehren verstehen. Pythagoras’ Ruf als Weiser von Samos verbreitete sich schon in ganz Griechenland. Bald nach Gründung des Bundes prägte Pythagoras das Wort Philosoph und legte damit zugleich die Ziele seiner Schule fest. Zeitweise führte er eine Schule. Jeder. sondern sie auch mit neuen Gedanken und Beweisen befruchten sollten. gründete den pythagoreischen Bund – eine Gemeinschaft von sechshundert Gefolgsleuten. und trotz des Altersunterschieds heirateten die beiden schließlich. der zugleich einer der kräftigsten Männer der Geschichte war. doch Milon war noch berühmter. und so sah sich der Philosoph gezwungen. die schöne Theano. Pythagoras. der – was keinem zuvor gelungen war – bei den Olympischen und Pythischen Spielen zwölf Siege errungen hatte. um darin eine Schule aufzubauen. und zu seinem Gedenken wurde ein Grabstein aufgestellt.

. Jedes Mitglied der Schule mußte beschwören.. denn in der großen Menge. doch Leon hatte das Wort noch nie gehört und bat um eine Erklärung. des Dodekaeders. als was er sich selbst bezeichnen würde. die gekommen sind. werden die einen vom Gewinnstreben angelockt. Diesen Menschen nenne ich einen Philosophen. Doch unter ihnen sind ein paar. Prinz Leon. 2. kann gut mit diesen öffentlichen Spielen verglichen werden. Der Bund war im Grunde eine religiöse Gemeinschaft. denn zwar ist kein Mensch in jeder Hinsicht vollkommen weise. Bekannt ist. doch niemand außerhalb des Bundes kannte Einzelheiten oder das Ausmaß seines Erfolgs. Manche sind von der Liebe zum Reichtum beherrscht. welchen Sinn und welches Ziel das Leben selbst hat.Phlius. so glaubten sie. die ändern von der Hoffnung und dem Verlangen nach Glanz und Ruhm. um alles. Verstünde man die Beziehungen zwischen den Zahlen. die den Weg der Mathematik veränderte. weil er seinen Schwur gebrochen hatte – er verkündete offen die Entdeckung eines neuen regelmäßigen Körpers. während andere in blindem Wahn nach Macht und Herrschaft fiebern. doch der edelste Menschenschlag widmet sich der Frage. der aus zwölf regelmäßigen Fünfecken konstruiert wird. zu beobachten und zu verstehen. Zwar wußten viele von Pythagoras’ Zielen. was hier vor sich geht. die hier versammelt ist. könnte man die geistigen Geheimnisse des Universums aufdecken und den Göttern näherkommen. doch er kann die Weisheit lieben als Schlüssel zu den Geheimnissen der Natur. Der Bund legte besonderes Augenmerk auf die natürlichen Zahlen. Die natürlichen Zahlen gehören zu den ganzen Zahlen. daß Pythagoras eine Weltanschauung begründete. Das gleiche gilt fürs Leben. die Geheimnisse der Natur aufzudecken. Selbst nach Pythagoras’ Tod noch wurde ein Mitglied des Bundes ertränkt. Das Leben. Pythagoras antwortete »Ich bin ein Philosoph«. 4 . und ihre Brüche zu den ratio- .) und auf die Brüche. 3. Er versucht. und eine der angebeteten Gottheiten war die Zahl. mit denen wir zählen (1. Außenstehenden niemals von den mathematischen Entdeckungen zu berichten.

Wenn die Summe der Teiler einer Zahl größer ist als die Zahl selbst. die vierte die 8 128. Die mathematische Vollkommenheit der 6 und der 28 hatte nicht nur Bedeutung für den pythagoreischen Bund. denn 1 + 2 + 4 + 7 + 14 = 28. h. Ganz besondere und seltene Zahlen sind solche. Gott hätte die Welt zwar in einem Augenblick erschaffen können.« Je größer die Zahlen werden. Die nächste vollkommene Zahl ist 28. er habe sich jedoch für die sechs Tage entschieden. die 6 sei nicht deshalb vollkommen. 2. vielmehr sei ihr diese Vollkommenheit wesenseigen. Die 12 ist somit eine abundante Zahl. desto schwieriger sind die vollkommenen unter ihnen zu finden. »Die 6 ist an und für sich eine vollkommene Zahl. Verhältnisse von ganzen Zahlen). weil ihre Teiler zusammen 16 ergeben. 2 und 5) zusammen nur 8 ergeben. um die Vollkommenheit des Universums darzutun. Die 10 ist eine defiziente Zahl. Wenn hingegen die Summe der Teiler einer Zahl kleiner ist als sie selbst. ohne die Zahl selbst). Und sie würde vollkommen bleiben. selbst wenn das Werk der sechs Tage nicht existierte. Nach Pythagoras hängt die Vollkommenheit einer Zahl von ihren echten Teilern ab (den Zahlen. und erklärten. die fünfte die 33 550 336 und die sechste die 8 589 869 056. 2 und 3 und ist daher eine vollkommene Zahl. doch nicht weil Gott alle Dinge in sechs Tagen erschaffen hätte. 4 und 6. Augustinus traf die wichtige Feststellung. die zum Beispiel beobachteten. 3. wird sie »defiziente« Zahl genannt. . denn 1 + 2 + 3 = 6. weil Gott sie gewählt habe. sondern auch für andere Kulturen.nalen Zahlen (d. Gott habe die Erde in 6 Tagen erschaffen. weil ihre Teiler (1. Die 6 hat die Teiler 1. Der heilige Augustinus verkündet im Gottesstaat. In der unendlichen Menge der Zahlen suchten die Pythagoreer nach solchen. deren Teiler addiert genau sie selbst ergeben – dies sind die vollkommenen Zahlen. und sie nannten Zahlen mit ganz speziellen Eigenschaften »vollkommene« Zahlen. durch die sie ohne Rest dividiert werden kann. Das Gegenteil ist wahr: Gott schuf alle Dinge in sechs Tagen. Die Teiler von 12 zum Beispiel sind 1. denen eine besondere Bedeutung zukam. Die dritte ist die 496. wird sie als »abundante« Zahl bezeichnet. daß der Mond die Erde in 28 Tagen umkreist. weil diese Zahl vollkommen ist.

All diese Zweierpotenzen sind nicht ganz vollkommen. Pythagoras beschäftigte sich gerne mit vollkommenen Zahlen. = 22 × (23 .1). 8 128 = 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8 + 9 + . 25 = (2 × 2 × 2 × 2 × 2) = 32 Teiler 1. Die Zahlen: 4 (2 × 2).. 16 (2 × 2 × 2 × 2) usw.. 8. gab sich jedoch nicht damit zufrieden. die andere die jeweils nächsthöhere Zweierpotenz minus eins.. 2. 16 Summe = 31. 2. 8 (2 × 2 × 2). 4. daß Vollkommenheit eng mit »Zweiheit« verknüpft ist. Zwei Jahrhunderte später arbeitete Euklid die von Pythagoras entdeckte Verknüpfung zwischen Zweiheit und Vollkommenheit noch deutlicher heraus. 23 = (2 × 2 × 2) = 8 Teiler 1. die als 2n geschrieben werden können. + 126 + 127. Eine seiner Einsichten war. die eine davon eine Potenz der Zahl Zwei.1). daß sie immer das Produkt zweier Zahlen sind. 496 = 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8 + 9 + . 8 Summe = 15 . sie zu sammeln. 3 Summe = 7 . .. 4. = 24 × (25 . sondern noch mehrere andere elegante Eigenschaften aufweisen. = 26 × (27 . 2. Das heißt: 6 28 496 8 128 = 21 × (22 .1). + 30 + 31. daß sie nicht nur die Summe ihrer Teiler bilden. 28 = 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7. Sie sind deswegen jedoch nur leicht defizient: 22 = (2 × 2) = 4 Teiler 1. wobei n die Anzahl der miteinander multiplizierten Zweien darstellt. 2 Summe = 3 . sondern wollte auch ihre tiefere Bedeutung ergründen.Pythagoras stellte fest. sind Potenzen von 2. Zum Beispiel: 6 = 1 + 2 + 3. So sind die vollkommenen Zahlen immer eine Summe aufeinanderfolgender Zahlen. denn die Summe ihrer Teiler ergibt immer nur eins weniger als die Zahl selbst. Er entdeckte an den vollkommenen Zahlen. 4 2 = (2 × 2 × 2 × 2) = 16 Teiler 1.1).

Das wichtigste Instrument in der frühen hellenischen Musik war . doch den Grund dafür konnten sie nicht erklären. Zu begreifen. Alles ist Zahl Pythagoras untersuchte nicht nur die Beziehungen der Zahlen untereinander. die um eins kleiner ist als die Zahl selbst. daß es keine solche Zahlen gibt. eine Zahl mit über 130 000 Stellen. war der zwischen der musikalischen Harmonie und der Harmonie der Zahlen. die um eins größer sind als die Summe ihrer Teiler. und war deshalb der Mühe wert. deren Teiler sich zu einer Summe addieren. Rätsel wie diese faszinierten die Pythagoreer. doch es scheint keine Zahlen zu geben. hätte keinen praktischen Nutzen erbracht. warum es keine leicht abundanten Zahlen gibt. daß keine leicht abundanten Zahlen existieren. Zweieinhalbtausend Jahre später sind die Mathematiker immer noch nicht in der Lage zu beweisen. und doch konnte Pythagoras einige wesentliche Fragen auf diesem Gebiet nicht klären. Zu ihrer Ernüchterung konnten sie nicht einmal beweisen.Heute betreibt man die Suche nach vollkommenen Zahlen mit Hilfe moderner Computer. Einer der ersten Zusammenhänge. die nur leicht abundant sind. die Euklids Regel entspricht. doch die Lösung des Problems konnte vielleicht helfen. wie sie mit der Natur zusammenhingen. Pythagoras fesselten die mannigfaltigen inneren Zusammenhänge und Eigenschaften der vollkommenen Zahlen. und diese Gesetze konnten durch mathematische Gleichungen beschrieben werden. Den Naturerscheinungen lagen Gesetze zugrunde. Der Begriff der vollkommenen Zahl scheint zunächst recht eingängig. Die alten Griechen fanden keine Zahlen. die also nur leicht defizient sind. er schätzte ihre Eleganz und empfand sie als intellektuell reizvoll. das Wesen der Zahl zu erhellen. die er entdeckte. So gibt es zwar viele Zahlen. und inzwischen hat man so unvorstellbar große Exemplare wie 2216090 × (2216091 -1) gefunden. sondern ging auch der Frage nach.

der neun Bücher über die pythagoreische Sekte verfaßte. Wie er feststellte. die harmonisch zusammenstimmten. wenn sie zusammen erklangen. war ein Mißklang zu hören. Iamblichos. Vielmehr stimmten sie die Leiern rein nach Gehör. warum bestimmte Töne harmonierten. daß jene. Hingegen hatte der . Er untersuchte die Hämmer und erkannte. eine angenehme Wirkung hatten. Die frühen Musiker verstanden jedoch nicht. alle Hämmer. schildert. wo er den Hämmern lauschte. den Begriff des Gewichts und dessen Maße. und stimmten ihre Instrumente nicht nach bestimmten Regeln. wenn jedoch ein bestimmter Hammer hinzukam. Und für den Tastsinn gab es Waagen. Iamblichos zufolge eilte Pythagoras sofort in die Schmiede. ob er eine genial einfache und zuverlässige mechanische Hilfe für den Gehörsinn erfinden könnte.das Tetrachord oder die viersaitige Leier. die für den Gesichtssinn bestimmt waren. daß bestimmte Töne. ein Gelehrter des vierten Jahrhunderts. und sie stimmten ihre Leiern so. bis sie einen harmonischen Klang erzeugten – ein Verfahren. erzeugten harmonische Klänge. Sie sollte den Zirkeln. die auf das Eisen schlugen und dabei bunte Harmonien erklingen ließen – nur eine bestimmte Kombination von Tönen erzeugte Mißklänge. Ein göttlicher Glücksfall führte ihn an der Esse eines Schmieds vorbei. harmonische Klänge. Linealen und optischen Instrumenten gleichen. erzeugten die meisten Hämmer. wie Pythagoras die Grundprinzipien der musikalischen Harmonie entdeckte: Einst war er mit dem Gedanken beschäftigt. wenn sie gleichzeitig geschlagen wurden. um die Harmonie der Hämmer zu untersuchen. Schon vor Pythagoras hatten die Musiker erkannt. die halb. das Platon als Folter der Stimmwirbel bezeichnete. daß sie mit dem Zupfen von zwei Saiten eine solche Harmonie erzeugen konnten. zwei Drittel oder drei Viertel so schwer waren wie ein bestimmter Hammer. Das heißt. einfache mathematische Beziehungen untereinander aufwiesen – ihre Massen waren einfache Quotienten oder Bruchteile voneinander.

der die Disharmonie erzeugte. wenn er zusammen mit den anderen aufschlug. das in keinem einfachen rechnerischen Verhältnis zum Gewicht der anderen Hämmer stand. Fixiert man die Saite an anderen Punkten. der um eine Oktave höher ist als der Grundton und mit ihm harmoniert. Hammer. offene Saite erzeugt einen Grundton.Abbildung 1: Eine frei schwingende. ein Gewicht. ein Viertel. Wird sie an einem Punkt auf genau halber Länge festgehalten. erklingt ein Ton. ein Fünftel). können weitere harmonische Töne erzeugt werden. die einfache Bruchteile ihrer Gesamtlänge markieren (z. . ein Drittel. B.

die genau auf einem Drittel. ergibt das Zupfen einen Ton. Wählt man jedoch einen Punkt. ein Geologe an der Universität Cambridge. die offenbar alle physikalischen Vorgänge beherrschen. der Mittelwert ist jedoch etwas größer als drei. was Iamblichos’ Darstellung dieser Episode angeht. . der nicht einen einfachen Bruchteil ihrer Gesamtlänge markiert. der mit den anderen Tönen nicht harmoniert. daß es eine tiefgreifende Beziehung zwischen der Mathematik und den Naturwissenschaften gibt. Hans-Henrik Stølum. Durch Zupfen der Saite erklingt eine Standardnote oder ein Ton. Pythagoras hatte die mathematische Regelmäßigkeit entdeckt. Wird die Saite zum Beispiel an einem Punkt auf halber Länge fixiert. Seit dieser Entdeckung suchen die Wissenschaftler nach den mathematischen Regelmäßigkeiten. die tatsächliche Flußlänge ist dreimal so groß wie die Luftlinie. die einem natürlichen Phänomen zugrunde lag. einigermaßen gesichert jedoch ist. Wird die Saite an bestimmten Punkten festgehalten. und gezeigt. daß Zahlen in mannigfaltigen natürlichen Erscheinungen eine Rolle spielen. ergeben sich ebenfalls harmonische Töne. erhält man einen Ton. daß den Harmonien in der Musik einfache Zahlenverhältnisse zugrunde liegen. hat das Verhältnis zwischen der Gesamtlänge von Flüssen und der direkten Entfernung von Quelle und Mündung berechnet. dem Verhältnis des Umfangs eines Kreises zu seinem Radius. und es hat sich erwiesen. Wird die Saite an Punkten fixiert. Vollkommen harmonische Töne kommen nur an bestimmten Punkten vor. Dieses Verhältnis ist zwar je nach Fluß verschieden. das heißt. einem Viertel oder einem Fünftel ihrer Länge liegen. Tatsächlich beträgt das Verhältnis etwa 3.Pythagoras hatte entdeckt. Die Historiker hegen zwar gewisse Zweifel. können andere Schwingungen und Töne erzeugt werden (Abbildung 1). So scheint eine besondere Zahl die Länge mäandernder Flüsse zu beeinflussen. der eine Oktave höher ist und mit dem ursprünglichen Ton harmoniert. der von der in ihrer gesamten Länge schwingenden Saite erzeugt wird. indem er die Eigenschaften einer einzigen Saite untersuchte. daß Pythagoras seine neue Theorie auf die Leier anwandte.14 und entspricht damit einem Wert in der Nähe von π.

Einstein hat als erster darauf hingewiesen. Je schärfer die Biegung. und so weiter. sondern auch ein bedeutender Mathematiker. Er untermauerte große Teile seiner Arbeiten mit dem Infinitesimalkalkül. Isaac Newton war nicht nur Physiker. die durch leicht abfallende Ebenen fließen. der dem Chaos Einhalt gebietet: Die Flußwindungen werden zunehmend kreisförmiger. Es gibt jedoch einen natürlichen Prozeß. so daß sich zwischen der tatsächlichen Flußlänge und der direkten Entfernung zwischen Quelle und Mündung durchschnittlich ein Verhältnis mit dem Quotienten π herausbildet. Dieser Verhältniswert π tritt zumeist bei Flüssen auf. die Windung wird zu einem toten Nebenarm. desto schneller fließt das Wasser an deren Außenseite. um die Grundbegriffe der Mechanik . desto stärker wiederum ist die Erosion und in deren Folge die Flußkrümmung. die es ihm und seinen Nachfolgern ermöglichte. Diesen beiden gegensinnigen Prozessen wohnt eine Tendenz zum Gleichgewicht inne. weil auch schon die kleinste Biegung schnellere Strömungen am Uferrand verursacht. daß Zahlen überall verborgen sind. Pythagoras erkannte. Tatsächlich regten die neuen Entwicklungen in der Mathematik auch viele Revolutionen in den Naturwissenschaften an. entwickelte er eine Sprache. etwa in Brasilien oder der sibirischen Tundra. die Natur des Universums zu beschreiben. einer von ihm selbst geschaffenen Sprache.« Indem er die Bedeutung der Mathematik auslotete. der Fluß macht gleichsam kehrt und schließt sich kurz. und verkündete daher: »Alles ist Zahl. die wiederum zu größerer Erosion und damit zu ausgeprägteren Mäandern führt. die er benötigte. Er fließt dann wieder geradeaus.Die Zahl π wurde ursprünglich aus der Geometrie des Kreises abgeleitet. Im Falle der Flußlängen ergibt sich π als Folge eines Kampfs zwischen Ordnung und Chaos. von den musikalischen Harmonien bis zu den Umlaufbahnen der Planeten. daß Flüsse immer stärkere Windungen ausbilden. Von nun an erbrachte jeder Durchbruch in der Mathematik den Wissenschaftlern neue Begriffe zur Erklärung der natürlichen Phänomene. und doch taucht sie immer wieder in ganz unterschiedlichen physikalischen Zusammenhängen auf.

Die neuesten quantentheoretischen Erklärungen der Schwerkraft sind mit der Entwicklung der mathematischen Stringtheorie verknüpft. und doch sind die mathematischen Kenntnisse. die eine andere. um sie nachzuvollziehen. Dann addieren wir die beiden quadrierten Zahlen (x2 + y 2) und erhalten eine bestimmte Summe. verhältnismäßig schlicht. und quadrieren ihre Länge ebenfalls. Einsteins Ideen wiederum waren nur möglich auf der Grundlage neuer mathematischer Konzepte. die für alle rechtwinkligen Dreiecke gilt und die auch den rechten Winkel selbst definiert. umfassendere Erklärung der Schwerkraft ermöglichte. . Messen wir nun die längste Seite z. bis sie von der allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins abgelöst wurde. Es handelt sich hier um eine elementare Erkenntnis. die ihm eine anspruchsvollere Sprache für seine komplexeren wissenschaftlichen Ideen lieferten. Newtons klassische Gravitationstheorie hielt sich mehrere Jahrhunderte lang. die man braucht. Die Mathematik bestimmt anhand des rechten Winkels die Grundstruktur des Raumes. und letztlich die Beziehung zwischen den drei Dimensionen der uns vertrauten Welt. messen wir zunächst einfach die beiden kurzen Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks (x und y) und quadrieren dann jeden Längenwert (x2.und sein Konzept der Schwerkraft darzulegen. Auch in jüngster Zeit beeinflussen bahnbrechende Erkenntnisse in der Mathematik die wissenschaftliche Deutung der Gravitation. in dem wir leben. ergibt sich die Zahl 169. Die bedeutsamste aller vom pythagoreischen Bund entdeckten Verknüpfungen von Zahlen und natürlichen Phänomenen ist jene. der zufolge die geometrischen und topologischen Eigenschaften von Tuben die Naturkräfte am besten zu erklären scheinen. und zweifellos sagte der kleine Wiles ihn schon in der Wiege auf. Dieser wiederum bestimmt die Senkrechte oder das Lot. Der Satz des Pythagoras liefert uns eine Gleichung. y2). Um ihn zu verstehen. Berechnen wir diese Summe für das Dreieck in Abbildung 2. die sogenannte Hypotenuse. Die meisten Zwölfjährigen begreifen den Satz. die den Namen des Gründers trägt. das heißt die Beziehung von Vertikaler und Horizontaler. Erstaunlicherweise zeigt sich.

können wir uns darauf verlassen.y z x x = 12. Es handelt sich um ein allgemeingültiges mathematisches Gesetz. daß er für jedes denkbare rechtwinklige Dreieck wahr ist. z = 13 x2 + y2 = z2 144 + 25 = 169 Abbildung 2: Für alle rechtwinkligen Dreiecke gilt der Satz des Pythagoras. auf den der Satz des Pythagoras zutrifft. Offensichtlich gilt dies für das oben abgebildete Dreieck. also 132 = 169. daß es sich um ein rechtwinkliges Dreieck handelt. und wann immer wir auf ein Dreieck mit einem rechten Winkel stoßen. Oder. die wir soeben berechnet haben. daß diese Zahl z2 gleich derjenigen ist. Haben wir es umgekehrt mit einem Dreieck zu tun. den Chinesen und Babyloniern jedoch schon tausend . doch wirklich erstaunlich am Satz des Pythagoras ist. mit anderen Worten (oder vielmehr Symbolen): x2 + y2 = z2. können wir vollkommen gewiß sein. daß der Satz zwar immer mit dem Namen Pythagoras verknüpft sein wird. In diesem Zusammenhang sollte nicht verschwiegen werden. Das heißt: In einem rechtwinkligen Dreieck ist das Quadrat über der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate über den beiden anderen Seiten. y = 5.

gelangt man zu einer Schlußfolgerung. und will man die Arbeiten der Mathematiker seit Pythagoras verstehen. Doch wie nun zeigte Pythagoras.Jahre früher bekannt war. Er traf jedenfalls auf alle Dreiecke zu. anhand von Beweisen unumstößliche Wahrheiten zu finden. Diese Schlußfolgerung ist das Theorem oder der Satz. Es ist dieses Bemühen. die unbestreitbar ist. Dem Begriff des klassischen mathematischen Beweises zufolge beginnt man mit einer Reihe von Axiomen. Diese Gewißheit beruht auf dem Begriff des mathematischen Beweises. allerdings hatten sie keine Möglichkeit zu zeigen. Der absolute Beweis Die Geschichte des letzten Satzes von Fermat ist im Kern die Suche nach einem fehlenden Beweis. und doch durfte er sich seines Satzes hundertprozentig sicher sein. Der mathematische Beweis ist viel anspruchsvoller als unser lockerer Alltagsbegriff. daß sein Satz für jedes rechtwinklige Dreieck wahr ist? Die unendliche Vielfalt der rechtwinkligen Dreiecke konnte er ja nicht überprüfen. aber auch anspruchsvoller als der Beweis. Mathematische Beweise beruhen auf diesem logischen Verfah- . welches die Mathematiker seit zweieinhalbtausend Jahren umtreibt. Pythagoras kann eben deshalb auf den Satz Anspruch erheben. weil er der erste war. daß er für alle rechtwinkligen Dreiecke im Universum gilt. Indem man von diesen Axiomen ausgehend Schritt für Schritt einen logischen Gedankengang entfaltet. aber entscheidend. die sie nicht nachmessen konnten. das heißt Aussagen. wie ihn Physiker oder Chemiker verstehen. Die Suche nach einem solchen Beweis ist die Suche nach einer Art von Wissen. das absoluter ist als das in anderen wissenschaftlichen Disziplinen gesammelte. muß man diesen Unterschied begriffen haben. Der Unterschied zwischen naturwissenschaftlichem und mathematischem Beweis ist zwar fein. die sie überprüften. deren Wahrheit als sicher gelten kann oder die offensichtlich wahr sind. der seine universelle Gültigkeit bewiesen hat.

al- . Die Hypothese sollte zudem nicht nur ein bekanntes Phänomen beschreiben. und einmal gelungen. Verlaufen sie erfolgreich. dem minder anspruchsvollen naturwissenschaftlichen Beweis. Stimmen die Beobachtungen gut mit der Hypothese überein. gilt dies als erneuter Beleg zugunsten der Hypothese. In der Naturwissenschaft wird eine Hypothese aufgestellt. Um den Wert solcher Beweise einschätzen zu können. wenn auch nie ganz. sondern auch die Ergebnisse anderer Phänomene voraussagen können.« Selbst in den weithin anerkannten wissenschaftlichen »Beweisen« steckt eine kleine Portion Zweifel. Schließlich kann die schiere Menge der Belege so beeindruckend werden. Bei der Suche nach den elementaren Bestandteilen der Materie zum Beispiel wirft jede neue Generation von Physikern die Theorie ihrer Vorgänger über den Haufen oder verfeinert sie zumindest. die beide fehlbar sind und nur Annäherungen an die Wahrheit ermöglichen. daß der Beweis falsch ist. daß die Hypothese als naturwissenschaftliche Theorie anerkannt wird. Die wissenschaftliche Theorie kann nie in dem Maße absolute Geltung beanspruchen wie der mathematische Satz: sie gilt aufgrund der verfügbaren Nachweise nur als hochwahrscheinlich. Bertrand Russell hat einmal festgestellt: »Es mag zwar paradox klingen. Anhand von Experimenten kann die Vorhersagekraft der Hypothese geprüft werden. gilt dies als Beleg zu ihren Gunsten. sind sie wahr bis ans Ende der Zeit. Die moderne Suche nach den Bausteinen des Universums wurde zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts eingeläutet.ren. bei denen eine bis dahin geltende Theorie durch eine andere Theorie ersetzt wird. Diese Schwäche des wissenschaftlichen Beweises führt zu den wissenschaftlichen Revolutionen. als John Dalton durch eine Reihe von Experimenten zu der Vermutung gelangte. Manchmal schwindet er. ein andermal stellt sich heraus. verglichen werden. doch alle exakte Wissenschaft wird vom Gedanken der Annäherung beherrscht. sollten sie mit ihrem armen Verwandten. Der sogenannte naturwissenschaftliche Beweis beruht auf Beobachtung und Wahrnehmung. die möglicherweise nur eine besser ausgearbeitete Variante der ursprünglichen ist oder in völligem Widerspruch zu ihr steht. um ein bestimmtes Phänomen zu erklären.

etwas sei unzweifelhaft wahr. der von Elektronen umkreist wird. aber die neu entdeckten Teilchen galten als wirklich elementar. Antineutronen. Der Theorie zufolge können diese Strings mit einer Länge von einem Milliardstel eines Milliardstel eines Milliardstel eines Milliardstel Meters (so klein. Dieser Gedanke ist mit Pythagoras’ Entdeckung vergleichbar. wie auch das Neutron. Gegen Ende des Jahrhunderts entdeckte J. werde die Behauptung wahrscheinlich schon am nächsten Tag widerlegt. Neutronen und Elektronen seien die vollzähligen Bausteine des Universums. Protonen. daß sie gleichsam Punkte sind) auf verschiedene Weise schwingen.J. Der naturwis- . daß die Saite einer Leier verschiedene Töne erzeugt.les sei aus einzelnen. Im nächsten Jahrzehnt wird womöglich sogar die Vorstellung von einem Teilchen als punktartigem Objekt durch den Gedanken ersetzt werden. Das Proton selbst ist offenbar aus den mit Teilladungen versehenen Quarks zusammengesetzt. nicht weiter teilbaren Atomen zusammengesetzt. Zwar wußten die Teilchenphysiker nicht genau. Antielektronen usw. wie viele Partikel es tatsächlich gibt. das Pion und das Myon. Zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelten die Physiker ein »vollständiges« Bild des Atoms: ein Kern aus Protonen und Neutronen. das erste subatomare Teilchen. Doch dann wurde im Jahr 1960 der Begriff des Quark in die Welt gesetzt. Clarke hat einmal bemerkt. Der Science-fiction-Autor und Zukunftsforscher Arthur C. je nachdem. Thomson das Elektron. Die Moral der Geschichte ist. wie sie schwingt. Eine noch gewaltigere Revolution war im Jahr 1932 die Entdeckung der Antimaterie – und damit der Existenz von Antiprotonen. die Teilchen seien Strings – eben jene Strings. daß die Physiker ihr Bild des Universums ständig ändern. immer wenn ein bedeutender Professor behaupte. weshalb das Atom nun nicht mehr als der letzte Baustein gelten konnte. Stolz verkündeten sie. Dann stieß man durch Experimente mit der kosmischen Strahlung auf die Existenz der Pionen und Myonen. mit denen man die Schwerkraft am besten erklären könnte. wobei jede Schwingung ein anderes Teilchen entstehen läßt. wenn nicht sogar ausradieren und ganz von vorne beginnen.

der 500 v. bis in alle Ewigkeit wahr bleiben würde. Nehmen wir nun 31 Dominosteine. die sie »über jeden vernünftigen Zweifel hinaus« beweisen. senschaftliche Beweis ist notwendig mit Zweifeln behaftet und unbeständig. so daß nur 62 Quadrate übrig sind. zutraf. Pythagoras starb in der Gewißheit. sondern auf unfehlbarer Logik. Die Frage lautet jetzt: Ist es . Chr. Die Mathematik dagegen beruht nicht auf fehlerbehafteten Experimenten. daß sein Satz. Das läßt sich am Problem des »unvollständigen Schachbretts« zeigen (Abbildung 3). Die Naturwissenschaft funktioniert ähnlich wie das Rechtswesen. dem zwei schräg gegenüberliegende Eckfelder fehlen. Der mathematische Beweis hingegen gilt absolut und zweifelsfrei. Wir haben hier ein Schachbrett. wenn genug Belege vorhanden sind. mit denen wir paßgenau jeweils zwei Quadrate abdecken können. Eine Theorie wird dann für wahr gehalten.Abbildung 3: Das Problem des unvollständigen Schachbretts.

• Die abgetrennten Eckfelder des Schachbretts waren beide weiß. und nur ein kleiner Teil von ihnen kann durchgespielt werden. die Aufgabe sei unmöglich zu lösen. • Folglich bleiben immer ein Dominostein und zwei schwarze Quadrate übrig. . • Jeder Dominostein bedeckt zwei benachbarte Quadrate. ist eine Theorie. daß keine von ihnen paßt. Eine solche Argumentation lautet folgendermaßen. • Deshalb werden die ersten 30 Dominosteine. das zu einer Schlußfolgerung führt. Es gibt Millionen verschiedener Anordnungen. das eine schwarz. die auf Experimenten beruht. wie auch immer sie angeordnet sind. die noch nicht ausprobiert wurde und das Problem lösen würde. das andere weiß. Am Ende glaubt er hinreichend nachgewiesen zu haben. daß die Theorie vielleicht eines Tages über den Haufen geworfen wird. indem er ein logisches Argument entwickelt. daß sie alle 62 Quadrate des Schachbretts abdecken? Für dieses Problem gibt es zwei Lösungsansätze: (1) Der naturwissenschaftliche Ansatz Der Naturwissenschaftler würde das Problem durch Experimentieren zu lösen versuchen und nach ein paar Dutzend verschiedenen Anordnungen der Dominosteine feststellen. Der Schluß. 30 weiße und 30 schwarze Quadrate des Schachbretts abdecken. Daher sind noch 32 schwarze und 30 weiße Quadrate übrig. Der Naturwissenschaftler kann jedoch nie sicher sein. und diese sind immer verschiedenfarbig. doch der Wissenschaftler wird mit der Tatsache leben müssen. daß das Schachbrett nicht abgedeckt werden kann. (2) Der mathematische Ansatz Der Mathematiker versucht die Frage zu beantworten. die zweifelsfrei richtig ist und nie mehr in Frage gestellt wird. die 31 Dominosteine so zu legen.möglich. weil es eine Anordnung von Steinen geben könnte. daß dies auch wirklich der Fall ist.

Für Pythagoras war das Konzept des mathematischen Beweises heilig.• Jeder Dominostein bedeckt jedoch. daß das unvollständige Schachbrett mit keiner möglichen Anordnung der Dominosteine abzudecken ist. Pythagoras zeigte. Er zeigt. Pythagoras’ Beweis ist unerschütterlich. denn es handelt sich um das Resultat einer Schritt für Schritt logischen Argumentation. Die beiden verbleibenden Quadrate müssen aber dieselbe Farbe haben und können daher nicht mit dem einen restlichen Dominostein abgedeckt werden. doch glücklicherweise ist der Argumentationsgang beim Satz des Pythagoras verhältnismäßig einfach und erfordert nur mathematische Kenntnisse aus den höheren Schulklassen. der zeigt. und allein diesem Verfahren verdankte der pythagoreische Bund seine vielen Entdeckungen. Die meisten Beweise der neueren Zeit sind so unglaublich kompliziert. Diese Entdekkung wurde als so wundersam erfahren. Auf ähnliche Weise ermittelte Pythagoras einen Beweis. Sie war ein Meilenstein der Mathematik und eine bahnbrechende Leistung in der Geschichte der Zivilisation. Ein bewiesenes mathematisches Ergebnis bringt eine tiefere Wahrheit zum Ausdruck als jede andere wahre Aussage. daß man den Göttern zum Dank hundert Ochsen opferte. zwei benachbarte Quadrate. daß die Wahrheiten der Mathematik in den Naturwissenschaften angewandt werden und ihnen ein logisches Grundgerüst . doch erst Pythagoras brachte den Gedanken zur Reife und konnte viel anspruchsvollere mathematische Aussagen beweisen. Das Schachbrett ganz abzudecken ist daher unmöglich! Dieser Beweis zeigt. Der Beweis wird in Anhang 1 skizziert. Zwar hatte der Philosoph Thales schon einige schlichte geometrische Beweise gefunden. Zum zweiten stellte der Satz des Pythagoras die Verknüpfung einer mathematischen Methode mit etwas Greifbarem dar. daß sein Satz auf jedes mögliche rechtwinklige Dreieck zutrifft. Die Entdeckung hatte zweifache Bedeutung. Zum ersten wurde die Idee des Beweises entwickelt. daß sein Satz für jedes rechtwinklige Dreieck im Universum gilt. wie wir uns erinnern. und diese sind immer von unterschiedlicher Farbe. daß ein Laie den logischen Schritten nicht folgen kann.

Zur Vergeltung leiteten sie den Fluß Crathis um. In einem siebzigtägigen Krieg führte der überlegene Feldherr Milon die Krotoner zum Sieg. wo sie ihre gerechte Strafe zu erwarten hätten. doch nur die herausragenden Köpfe wurden angenommen. der siegreiche Anführer der Revolte. Während der sechsundsiebzigsten Olympiade (510 v. Die Kunde von ihrem Erfolg verbreitete sich rasch. Viele baten um Aufnahme ins innere Heiligtum des Wissens. Der Krieg war zwar zu Ende.) kam es in der nahe gelegenen Stadt Sybaris zu einem Aufstand. dem Tyrannen die Stirn zu bieten und die Flüchtlinge zu schützen. Letztlich sind daher alle Ergebnisse der Naturwissenschaft mit dem Makel der Ungewißheit behaftet. Auf dieser vollkommen zuverlässigen Grundlage können die Naturwissenschaftler dann ihre ungenauen Messungen und unvollkommenen Beobachtungen anstellen. doch Milon und Pythagoras riefen die Krotoner dazu auf. Zu den abgelehnten Kandidaten gehörte auch ein gewisser Kylon. entfesselte eine barbarische Verfolgungsjagd gegen die Anhänger der gestürzten Regierung. Der erzürnte Telys stellte sofort eine Armee von 300 000 Mann zusammen und marschierte gegen Kroton. dessen Wasser Sybaris überflutete und die Stadt zerstörte.Chr. und doch blieben die Entdeckungen im einzelnen ein streng gehütetes Geheimnis. Er protestierte gegen seine Demütigung. doch in Kroton herrschte immer noch Aufruhr um die Frage der Kriegsbeute. wo Milon mit 100 000 bewaffneten Bürgern die Stadt verteidigte. Telys. Die Mathematik liefert der Naturwissenschaft eine feste Ausgangsbasis. Die einfache Bevölke- . die viele zur Flucht in die Obhut Krotons zwang. und zwanzig Jahre später schließlich übte er Vergeltung. Telys forderte die Auslieferung der Verräter nach Sybaris. Eine Unendlichkeit von Zahlentripeln Die pythagoreische Bruderschaft brachte mit ihrer unermüdlichen Suche nach der Wahrheit via Beweis Leben in die Mathematik.bieten können.

Die Mathematik hatte ihren ersten großen Helden verloren. Bislang war diese Abneigung ohne Folgen geblieben. zu zerstören. alle Türen wurden verschlossen und verrammelt. Sie erläuterten nicht nur den Beweis des Satzes von Pythagoras. Pythagoras hatte gezeigt. ihr mathematisches Evangelium in der ganzen alten Welt zu verbreiten. die pythagoreische Elite könnte die erbeuteten Ländereien allein für sich beanspruchen. um den Wert einer bestimmten Theorie zu beurteilen. Die Zahlen und ihre Wahrheiten blieben unsterblich. In weiten Kreisen war ohnehin schon der Ärger darüber gewachsen. doch nun schwang sich Kylon zur Stimme des Volkes auf. Nun. daß der geheimniskrämerische Bund seine Entdeckungen immer noch geheimhielt. und dann begann das Mordbrennen. welche die Welt je gesehen hatte. Seine Schüler brauchten ihren Meister nicht. Milon schlug sich einen Weg durch das Inferno und konnte fliehen. um die bedeutendste Schule der Mathematik. . Verschwörungsängste und Neid des Mobs und stiftete ihn zu einem Überfall an. Die Wahrheit einer Theorie war unabhängig von bloßer Meinung. Man verfolgte sie jedoch weiterhin. doch Pythagoras und viele seiner Schüler starben in den Flammen. doch der pythagoreische Geist lebte weiter. ergriffen die Pythagoreer die Gelegenheit. Vielmehr war das Gebäude der mathematischen Logik zum Schiedsrichter über die Wahrheit geworden. um die Flucht der Bewohner zu verhindern. und viele mußten sich schließlich in fremden Ländern eine neue Heimat suchen. Die Jünger des Pythagoras bauten neue Schulen auf und führten ihre Schüler in die Methode des logischen Beweises ein. das die Fehlbarkeit des menschlichen Urteils hinter sich läßt. Dies war der größte Beitrag der Pythagoreer zur menschlichen Kultur – ein Verfahren. Der Mob umzingelte Milons Haus und die angrenzende Schule. Nach dem Überfall Kylons und dem Tod ihres Gründervaters kehrten die pythagoreischen Bundesgenossen Kroton den Rücken und ließen sich in anderen Städten Magna Graecias nieder. zur Wahrheit zu gelangen.rung fürchtete. Er schürte Furcht. und machte ihrem Unmut Luft. daß die Mathematik weniger subjektiv ist als jede andere Disziplin. da man sie in alle Winde vertrieben hatte.

25 + 144 =169. wie die sogenannten pythagoreischen Tripel zu finden sind. Haben wir ein 3 × 3-Quadrat aus 9 Teilquadraten und ein 4 × 4-Quadrat aus 16 Teilquadraten. das nun aus 25 Teilquadraten besteht. Eines davon ist x = 5. das aus 9 Teilquadraten besteht. Ein größeres pythagoreisches Tripel ist x = 99. Je höher die Zahlen. wie in Abbildung 4 gezeigt. mit einem Quadrat aus 16 Teilquadraten zu einem dritten Quadrat zusammengelegt werden. größeres Quadrat ergaben. Eine weitere Möglichkeit. die zusammengelegt ein drittes Quadrat ergeben.+ = 32 9 + + 42 16 = = 52 25 Abbildung 4: Die Suche nach ganzzahligen Lösungen für die Gleichung des Pythagoras läßt sich versinnbildlichen als Suche nach zwei Quadraten. welche die pythagoreische Gleichung x2 + y2 = z 2 erfüllen. sondern offenbarten der Welt auch das Geheimnis. desto seltener und schwerer sind neue Exemplare solcher Tripel zu finden. Um so viele Tripel wie . Pythagoreische Tripel bestehen aus drei ganzen Zahlen. Zum Beispiel kann ein Quadrat. y = 4 900 und z = 4901. 9 + 16 = 25. können wir alle 25 Teilquadrate zu einem neuen. die zusammengelegt ein drittes. ist die Neuanordnung von Quadraten. nach anderen Quadraten. Die Pythagoreer suchten nach weiteren Beispielen für pythagoreische Tripel. 5 × 5-Quadrat zusammenlegen. Zum Beispiel ist Pythagoras’ Gleichung wahr für x = 3. y = 12 und z = 13: 52 + 122 = 132. y = 4 und z = 5: 32 + 42 = 52. sich die pythagoreischen Tripel zu veranschaulichen.

Bell erörtert diese unendliche Anzahl pythagoreischer Tripel in seinem Buch The Last Problem. T. erfanden die Pythagoreer ein besonderes Verfahren und wiesen damit zugleich nach. h. daß sie ein drittes. das in der Bibliothek die Aufmerksamkeit des jungen Andrew Wiles erregte. welche die Gleichung genau erfüllen. sondern 3: x3 + y3 = z3. y und z in Pythagoras’ Gleichung sind ins Quadrat erhoben (d. doch sobald die Potenz von 2 auf 3 erhöht wird (aus dem Quadrat also ein Würfel wird). In dieser Gleichung ist die sogenannte Potenz von x nicht 2. h. ohne Zahlen zu finden. Es war noch verhältnismäßig leicht. daß die auf den ersten Blick harmlose Gleichung x2 + y2 = z2 auch eine dunkle Seite hat: In Beils Buch stieß er auf ein mathematisches Gespenst. x3 = x × x × x). zwei . sind ganzzahlige Lösungen der Gleichung offenbar unmöglich. y und z hoch drei genommen werden (d.möglich zu entdecken. in der x. x2 = x × x): x2 + y2 = z2. doch Wiles fand bald heraus. daß es tatsächlich eine unendliche Anzahl pythagoreischer Tripel gibt. ganzzahlige Lösungen – also pythagoreische Tripel – für die ursprüngliche Gleichung zu finden. zwei aus Teilquadraten bestehende Quadrate so zusammenzulegen. größeres Quadrat ergaben. Vom Satz des Pythagoras zum letzten Satz Fermats E. Zwar hatten die Pythagoreer das Problem der Tripel fast vollständig durchdrungen. Bei der ursprünglichen »quadratischen« Gleichung bestand die Aufgabe darin. Bei der »kubischen« Gleichung muß das Problem gelöst werden. Die drei Variablen x. Bei Bell fand sich nun eine ähnliche Gleichung. Ganze Generationen von Mathematikern haben an diesem Problem herumgekritzelt.

um einen 9 × 9 × 9-Würfel zu bilden. ist offenbar unmöglich. 4. mit welchen Würfeln man auch beginnt.. größerer Würfel ergibt? In diesem Beispiel mit einem 6× 6 × 6-Würfel und einem weiteren 8 × 8 × 8-Würfel ergeben sich zusammen nicht genug Bausteine. einer weniger als 93. Erhöht man die Potenz von 3 (Würfel) auf eine beliebige größere Zahl n (z.B. Der Lösung am nächsten kommen allenfalls Würfel. Drei Zahlen zu finden. größeren Würfel zusammenzusetzen. die wiederum aus kleinen Würfeln bestehen.1 729 . Zusammen gibt dies 728 Bausteine. die Bausteine eines Würfels mit dem eines anderen Würfels so zusammenzufügen. bei denen ein Baustein fehlt oder einer überzählig ist. der zweite aus 512 (8 3) Bausteinen.. Offenbar gibt es keine ganzzahligen Lösungen für die allgemeinere Gleichung xn + yn = zn. bei dem nur ein Baustein fehlt (Abbildung 5). das Ergebnis sind offenbar immer Würfel. Würfel. die entweder vollständig sind – wobei jedoch einige Bausteine übrigbleiben – oder unvollständig. erhalten wir einen 93-Würfel.) – dann scheint auch in diesen Fällen eine Lösung unmöglich zu sein. zu einem dritten. daß sich ein dritter. Der erste Würfel besteht aus 216 (63).+ = 63 216 + + 83 512 = = 93 .1 Abbildung 5: Ist es möglich. es scheint keine ganzzahligen Lösungen zu geben für die Gleichung x3 + y3 = z 3. Wenn wir etwa mit den Würfeln 63 (x3) und 83 (y3) beginnen und deren Bausteine zusammensetzen. . welche die Gleichung genau erfüllen. Das heißt. 6. 5. Und das ist noch nicht alles. Egal. mit n größer als 2.

der Beweis sei vor langer Zeit verlorengegangen. mußte Fermat jede Zahlenkombination durchrechnen. Doch der Beweis blieb aus. einfach deshalb. wie er wohl ausgesehen hätte. und kei- . Die unendliche Reihe der Zahlen konnte er gewiß nicht überprüft haben. Über drei Jahrhunderte lang haben viele große Mathematiker versucht. keine Andeutungen.Allein weil wir die »2« in der Gleichung des Pythagoras durch eine höhere Zahl ersetzen. Bell schloß sein Buch mit der Bemerkung. Fermats verlorenen Beweis wiederzuentdecken. Fermat ist einer der herausragenden und faszinierendsten Mathematiker der Geschichte. Andrew blieb. sein sogenannter letzter Satz. Wiles muß Seite um Seite begierig verschlungen haben in der Vorfreude darauf. vor einem Rätsel zurück. eine hirnzermarternde Aufgabe. niemand werde eine Lösung finden. Wiles las Beils Buch Kapitel für Kapitel und erfuhr. wie er konstruiert oder abgeleitet war. Der große französische Mathematiker Pierre de Fermat hatte im siebzehnten Jahrhundert die verblüffende Behauptung aufgestellt. Es gebe keinen Hinweis darauf. um die Gültigkeit seines Satzes zu beweisen. lautet: xn + yn = zn hat keine ganzzahligen Lösungen für n größer als 2. wütend und fasziniert zugleich. Dann las er von Fermats Behauptung. Fermats Vermutung. daß keine Zahlenkombination existiert. würden sie keine finden. welche die Gleichung erfüllt – eben weil er seine Behauptung auf einen Beweis gründete. auch wenn sämtliche Mathematiker der Welt bis in alle Ewigkeit eine Lösung der Gleichung suchten. Er war nirgends zu finden. Und damit war er in guter Gesellschaft. Ebensowenig wie Pythagoras jedes Dreieck nachmessen mußte. doch war er sich vollkommen sicher. endlich selbst den Beweis für Fermats Satz prüfen zu können. um die Wahrheit seines Satzes nachzuweisen. abgewandelte Formen seiner Gleichung zu untersuchen. wie Fermat sich zusehends für Pythagoras’ Werk begeistert hatte und schließlich darauf verfallen war. weil es keine gebe. die vorher recht simpel war. wird die Suche nach ganzzahligen Lösungen.

Doch nie fand man einen Hinweis. das alle außer Fermat übersehen hatten. um den historischen Augenblick festzuhalten. bat der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler seinen Freund Clêrot. in Fermats Haus nach einem Fetzen Papier mit einer vielleicht entscheidenden Notiz zu suchen. Mit jeder neuen Generation wuchs die Enttäuschung. Er träumte davon. Er stand im Hörsaal des Isaac Newton Institute. wie sein Beweis verlorenging. Ein paar weitere Kameras blitzten. Noch ein paar Zeilen mit Schlußfolgerungen. die nun Andrews Schlußsätze mit Lichtblitzen spickten. den Beweis erneut aufzustellen. daß die Vorlesung ihrem Höhepunkt entgegenging. die Augen unablässig auf das berüchtigtste Problem der Mathematik gerichtet. Dreißig Jahre später war Andrew Wiles soweit. wandte sich Andrew ein letztes Mal der Tafel zu. das die Mathematiker über die Jahrhunderte gefesselt hatte. Im Jahr 1742. Manche hatten Fotoapparate in den Vorlesungssaal geschmuggelt. in die Gesichter des Publikums. daß xn +yn = zn keine ganzzahligen Lösungen für n größer als 2 besitzt. Vielleicht konnte er etwas finden. Doch vorerst genügt es zu wissen. Die Kreide in der Hand. Daß die begnadetsten Köpfe des Planeten keine Lösung gefunden hatten. In solchen Fällen ist meist schon die Fragestellung schwer zu verstehen. doch hier war sie einfach: Beweise. ein Problem. die Phantasie des jungen Andrew Wiles in seinen Bann zog. der Welt einen Schock zu versetzen. . kritzelte eine Zeile an die Tafel und blickte dann. doch auch die Entschlossenheit. daß Fermats letzter Satz. mühsam seine Freude verbergend. Mit dem ganzen mathematischen Rüstzeug seiner Lehrbücher unternahm er sogleich den Versuch. fast ein Jahrhundert nach Fermats Tod. schreckte Andrew nicht. In der Milton-Road-Bibliothek saß ein zehnjähriger Junge. Zum ersten Mal in über dreihundert Jahren hatte Fermats Herausforderung eine Antwort gefunden. Alle wußten. Wiles schrieb Fermats letzten Satz vollständig an die Tafel. und der Beweis war erbracht.nem einzigen ist es gelungen. wie Fermats Beweis ausgesehen haben mochte. Im zweiten Kapitel werden wir mehr über diesen mysteriösen Pierre de Fermat erfahren und darüber.

Nach dreißig Jahren. . so glaubte Andrew Wiles. Dieses Foto entstand. drehte sich dem Publikum zu und sagte bescheiden: »Ich denke. Juni 1993 hielt Wiles eine Vorlesung am Isaac Newton Institute in Cambridge. unmittelbar nachdem er den Beweis für Fermats letzten Satz erbracht hatte. Selbst jene Kollegen. In diesem Augenblick. grinsten ungläubig. den er mit allen Anwesenden genoß. die ihn erwarteten. das genügt!« Zweihundert Mathematiker klatschten in die Hände und stießen Jubelschreie aus.Am 23. hatte er sich seinen Traum erfüllt. die das Ergebnis vorausgeahnt hatten. was für ein Alptraum auf ihn zukommen sollte. Ebensowenig wie sein Publikum ahnte er damals. ahnte er nichts von den Schrecken. und nach siebenjähriger Abschottung konnte er seine geheimgehaltenen Berechnungen endlich offenlegen.

Pierre de Fermat .

ist nicht bekannt. Da ist sogar ein Kerl auf Saturn. Auf Drängen der Familie schlug Fermat eine juristische Laufbahn ein und wurde 1631 zum Conseiller au Parlement de Toulouse ernannt. und so kam Fermat in den Genuß einer vorzüglichen Schulbildung im Franziskanerkloster Grandselve. Wollten die Bürger der Stadt ein Gesuch an den König richten. August 1601 in der südwestfranzösischen Stadt Beaumont de Lomagne geboren. war ein wohlhabender Lederhändler. der aussieht wie ein Pilz auf Stelzen und partielle Differentialgleichungen im Kopf löst: selbst der hat aufgegeben.« The Devil and Simon Flagg Arthur Poges Der Fürst der Amateure Pierre de Fermat wurde am 20. mußten sie zuallererst Fermat oder einen seiner Amtskollegen vom Gewicht ihrer Eingabe überzeugen.2 Das Rätsel »Weißt du«. daß die königlichen Erlasse aus der Hauptstadt in den Regionen befolgt wurden. wo er als Hofrat an der Petitionskammer tätig war. Ob sich Fermat schon als junger Mann in der Mathematik besonders hervorgetan hat. Fermat war ein tüchtiger . sondern gewährleisteten auch. Der Vater. Sie vermittelten jedoch nicht nur zwischen der lokalen Bevölkerung und dem Monarchen. der sich ein Studium an der Universität von Toulouse anschloß. Dominique Fermat. »nicht einmal die besten Mathematiker auf den anderen Planeten – alle viel weiter als deiner – konnten das Rätsel lösen. Die Räte waren die Lebensader zwischen Paris und der Provinz. gestand der Teufel.

Der englische Mathematiker Sir Kenelm Digby berichtet von dieser Arbeit. wurde ausersehen. zum Tode auf dem Scheiterhaufen. oft nicht gerade freundlich. In ganz Europa wütete damals die Pest. Digby hatte Fermat um ein Treffen ersucht. Diese Strafsache ist gerade abgeschlossen.Staatsdiener. Den Aufstieg hatte er jedoch weniger seinem Ehrgeiz als seiner robusten Gesundheit zu verdanken. Seine Briefe waren. ein de im Namen zu führen. wo er [Fermat] zum leitenden Richter am obersten Gerichtshof bestallt wurde. Selbst Fermat erlitt im Jahr 1652 einen Pestanfall und erkrankte so schwer. was man weiß. Fermat war außerdem als Richter tätig und kraft seines hohen Ranges mit den schwersten Fällen betraut. Kurze Zeit später jedoch korrigierte er sich in einem Brief an den Holländer Nicholas Heinsius: . der nach allem. In einem Fall hat er ein Urteil gesprochen. Seither ist er mit Kapitalverbrechen von großer Bedeutung befaßt. und wer sie überlebte. die Plätze der Verstorbenen einzunehmen. doch bieten sie interessante Einblicke in Fermats Alltag und seine wissenschaftliche Tätigkeit. Fermat machte im Staatsdienst rasch Karriere. der Franzose sei mit dringenden Justizangelegenheiten befaßt und habe ihn deshalb nicht empfangen können. Es ging um die Verurteilung eines Priesters. Fermat korrespondierte regelmäßig mit Digby und Wallis. wie wir noch sehen werden. doch in einem Brief an den gemeinsamen Kollegen John Wallis schrieb er. da die Versetzung der Richter von Castres nach Toulouse stattfand. der sein Amt mißbraucht hatte. gewann Zugang zu den führenden gesellschaftlichen Kreisen und auch das Recht. seine Pflichten gewissenhaft und umsichtig erfüllte. er sei tot. welches großes Aufsehen erregt hat. daß sein Freund Bernard Medon mehreren Kollegen mitteilte. Nun hatte ich leider genau den Tag erwischt. die Hinrichtung ist vollzogen.

daß die meisten Mathematiker des siebzehnten Jahrhunderts Amateure waren. war es gerade drei Jahre her. war die Universität Oxford. Doch er lebt. und wenn er nicht gerade Priester zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilte. auch wenn wir ihn vor kurzem noch zu den Toten zählten. sondern auch die politischen. auch die Mathematiker selbst genossen keinen besonderen Respekt und mußten ihre Studien meist selbst finanzieren. Es war eine Zeit der Ränke und Intrigen. mußten sorgfältig darauf achten. seine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen und keine Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken. nicht in die ungestümen Händel des Gerichtshofs verwikkelt zu werden.Ich habe Ihnen vor einiger Zeit mitgeteilt. Fermat nahm sich zu Herzen. laut E. Die Pest wütet nicht mehr unter uns. die mit Staatsgeschäften zu tun hatten – und sei es nur in der Provinz –. die Mathematiker engagiert förderte. Als man ihn zum Mitglied des Toulouser obersten Gerichtshofs ernannte. Mit Recht läßt sich sagen. die 1619 den Savilian-Lehrstuhl für Geometrie eingerichtet hatte. weshalb man ihn zu den Professionellen zählen sollte«. und er mühte sich nach Kräften. Politischen Ehrgeiz besaß er nicht. daß Kardinal Richelieu zum Ersten Minister Frankreichs bestallt worden war. gab er sich von ganzem Herzen seiner Liebhaberei hin. Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts befreite sich die Mathematik erst allmählich aus dem dunklen Mittelalter. Julian Coolidge hingegen nahm Fermat nicht in sein Buch Mathematics of Great Amateurs auf. Galilei zum Beispiel konnte an der Universität von Pisa nicht Mathematik studieren und war gezwungen. T. Fermat sei verstorben. Sie war keine besonders angesehene Disziplin. Statt dessen widmete er seine verbleibenden Kräfte der Mathematik. Fermat mußte jedoch nicht nur die gesundheitlichen Gefahren des siebzehnten Jahrhunderts überstehen. und alle. und wir fürchten nun nicht mehr um seine Gesundheit. Privatunterricht zu nehmen. nicht in die Machenschaften des Kardinals verwickelt zu werden. Die einzige europäische Institution. Bell der »Fürst der Amateure«. Fermat jedoch war ein beson- . Fermat war ein echter Amateur. eben weil er »echte Größe besaß.

Die besten Kossisten erfanden ihre eigenen ausgeklügelten Lösungsverfahren und setzten alles daran. die in völliger Abgeschiedenheit arbeiten. Beaugrand und vor allem den Mönch Marin Mersenne. Mersennes Beiträge zur Zahlentheorie mochten zwar bescheiden gewesen sein. zur damaligen Zeit ein Tummelplatz für Intellektuelle. seine Entdeckung Girolamo Cardano mitteilte. Gassendi. dennoch spielte er in der Mathematik des siebzehnten Jahrhunderts nachweislich eine wichtigere Rolle als seine angeseheneren Kollegen. Die Kossisten waren Fachleute für Berechnungen aller Art und wurden von Kaufleuten und Unternehmern angeheuert. Er brach alle Beziehungen zu Cardano ab und entfesselte einen heftigen öffentlichen Streit. Nachdem er 1611 in den Paulanerorden eingetreten war. Der geheimniskrämerische Zug der Pariser Mathematiker ist seit den Kossisten des sechzehnten Jahrhunderts Tradition. um schwierige Probleme der Buchführung zu lösen. die sich aber zu seiner Enttäuschung untereinander und auch mit ihm nur widerwillig austauschten. wo er sich den Paulanern der Annonciade in der Nähe der Place Royale anschloß. Roberval. Diese Tradition setzte sich bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts fort. Dort lernte Mersenne unweigerlich die anderen Pariser Mathematiker kennen. Acht Jahre später ging er nach Paris. gibt es selbst im zwanzigsten Jahrhundert Genies. daß Niccolò Tartaglia. um ihren Ruf zu wahren. den er freilich auf absolute Geheimhaltung einschwor. So war es ganz außergewöhnlich. ihre Geheimnisse für sich zu behalten. Er lebte weitab von Paris und hatte deshalb keinen Zugang zu dem damals schon vorhandenen kleinen Kreis von Mathematikern um Pascal. was ihm Tartaglia nie verzieh. und wie wir später sehen werden.derer Fall. diese geheimzuhalten. Zehn Jahre später brach Cardano sein Versprechen und veröffentlichte Tartaglias Methode in seiner Ars Magna. um sie anschließend den Mönchen und Nonnen im Paulanerkloster von Nevers beizubringen. der andere Mathematiker nur noch mehr darin bestärkte. studierte er Mathematik. . der eine Methode zur raschen Lösung kubischer Gleichungen gefunden hatte. als einzige bestimmte Probleme lösen zu können.

Auch wenn Mersenne nicht reisen konnte. Wenn einer sich weigerte. Besonderen Wert legte er darauf. der Austausch von Wissen werde der Mathematik und der Menschheit zugute kommen. Nach Mersennes Tod fand man in seinem Zimmer stapelweise Briefe von achtundsiebzig verschiedenen Korrespondenzpartnern. was er besaß. Die Indiskretionen des wohlmeinenden Mönchs führten zu bitteren Auseinandersetzungen mit den schweigsamen Primadonnen und schließlich auch zum Bruch der Freundschaft mit Descartes. diesen Ethos der Verschwiegenheit zu bekämpfen. wie angesichts der von Fermat ausgesprochenen Strafen deutlich wird. Mersenne muß zugute gehalten werden. die auf das gemeinsame Studium am Jesuitenkolleg von La Flèche zurückging. gab Mersenne alles weiter. ihre Gedanken offenzulegen und sich ihre Arbeiten gegenseitig zunutze zu machen. die später den Kern der Académie française bilden sollte. ob nun Briefe oder Papiere – auch wenn man sie ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut hatte. doch er rechtfertigte sich mit dem Argument. daß er Descartes gegen theologische Angriffe verteidigte. Mersenne stand für rationales Denken in einem von Religion und Magie beherrschten Zeitalter. Mersennes Einfluß auf diesen Fürsten der Amateure wird wohl nur von der Arithmetica übertroffen worden sein. Ein Mann Gottes durfte sich eigentlich nicht so verhalten. die. und er war offenbar der einzige Mathematikerkollege. daran teilzunehmen. hielt er die Verbindung zu Fermat und anderen mit fleißigem Briefeschreiben aufrecht. einer aus griechischer Zeit überlieferten mathematischen Abhandlung. mit der sich Fermat unablässig beschäftigte. und forderte die Mathematiker auf.Als Pater Mersenne nach Paris kam. war er entschlossen. die von der Kirche als Affront betrachtet werden mußten – einer Kirche. wie er zuvor auch schon Galilei in Schutz genommen hatte. mit dem Fermat regelmäßig zusammentraf. Mersenne hatte philosophische Schriften Descartes’ veröffentlicht. . Der Mönch arrangierte regelmäßige Treffen einer Gruppe von Gelehrten. im Umgang mit Häretikern keine Gnade kannte. Pierre de Fermat aufzusuchen. Auf seinen Reisen durch ganz Frankreich und auch in andere Länder verbreitete Mersenne die Kunde von den neuesten Entdekkungen.

mit dem er seine Ideen erörterte. René Descartes nannte Fermat einen »Aufschneider«. die Kollegen jenseits des Kanals auf den Arm zu nehmen.Mersenne ermunterte Fermat. dem einzigen neben Mersenne. Zu allem Unglück für die Engländer bereitete es Fermat besonderes Vergnügen. Publikation und Anerkennung bedeuteten ihm nichts – er gab sich mit dem schlichten Vergnügen zufrieden. dessen Lösung jedoch für sich zu behalten. Dann forderte er seine Zeitgenossen auf. Auf das Drängen Blaise Pascals. und konnte sich zügig an die nächste Eroberung machen. zur Folge hatte. Erstens mußte er seine Zeit nicht damit verschwenden. ging es um die Schöpfung eines ganz neuen Zweigs der Mathematik – der Wahrscheinlichkeitstheorie. doch dieser weigerte sich beharrlich. würden Hinz und Kunz. seine Beweise zu veröffentlichen. seine Methoden ganz auszuformulieren. Fermats Angewohnheit. antwortete der Eremit: »Was auch immer von meinem Werk man für publikationswürdig erachtet. wenn die Geheimniskrämerei noch hinzukam. der. um sie zu foppen. einen Teil seiner Arbeiten zu veröffentlichen. War ein Beweis einmal veröffentlicht. und der Engländer John Wallis verwünschte ihn als »diesen verdammten Franzosen«. seine Kollegen ärgern zu können. ein Problem darzulegen. Bei diesem Briefwechsel mit Pascal. Das scheue und zurückgezogene Genie Fermat besaß freilich auch einen schelmischen Zug. in aller Ruhe neue mathematische Sätze zu postulieren. Zudem mußte er keine eifersüchtigen Mäkeleien über sich ergehen lassen. die einzelnen Schritte überprüfen und diskutieren. in denen er seine neuesten Sätze verkündete. ohne deren Beweis mitzuliefern. daß er mit anderen Mathematikern nur in Verbindung trat. ich möchte meinen Namen nicht darunter sehen. die auch nur ein wenig vom Thema verstanden. Daß er seine eigenen Beweise nie offenbarte.« Fermat verkörperte das verschwiegene Genie. das den Ruhm opferte. brachte ihm nicht nur die Befriedigung. weshalb Fermat sich trotz aller Rückzugsneigungen . Er schrieb Briefe. Pascal führte den mathematischen Eremiten in das Gebiet ein. sondern hatte auch praktischere Beweggründe. führte zu manchem Zerwürfnis. diesen zu suchen. um nicht von den kleinkarierten Fragen seiner Kollegen belästigt zu werden.

Gemeinsam entdeckten Fermat und Pascal die ersten Beweise und untermauerten die Wahrscheinlichkeitstheorie. daß es sich um ein verhältnismäßig triviales Problem handelte. Der Einsatz konnte dann entsprechend den berechneten Wahrscheinlichkeiten verteilt werden. wenn es mit gleichen Chancen für beide Teilnehmer fortgesetzt würde. Gombaud war zusammen mit einem Kollegen mitten in einem solchen Spiel. die mathematischen Regeln zu entdecken. mit der jeder Teilnehmer das Spiel gewinnen würde. mit einem Fundament aus Gewißheiten. wenn man alle möglichen Spielresultate und deren jeweilige Wahrscheinlichkeit genau bestimmte. Pascal und Fermat konnten Gombauds Problem unabhängig voneinander lösen. doch Gombaud fragte Pascal. und wer zuerst eine bestimmte Punktzahl erlangte. die ja naturgemäß mit Ungewißheiten zu tun hat. Es ging darum. beim Würfeln Punkte zu erzielen. den ganzen Betrag dem Spieler mit den meisten Punkten zu geben. Antoine Gombaud. Chevalier de Méré. was sie mit dem Einsatz anfangen sollten. dem bei dem Glücksspiel Points ein Problem aufgefallen war. doch Pascal eröffnete seinen Briefwechsel mit Fermat mit dem Ziel. Pascals Interesse an diesem Thema hatte ein Pariser Berufsspieler geweckt. war Gewinner und strich das Preisgeld ein. Die einfache Lösung wäre gewesen. Schon vor dem siebzehnten Jahrhundert besaßen Berufsspieler aufgrund ihrer Erfahrung eine intuitive Vorstellung von den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit. das gelöst werden konnte. das Geld aufzuteilen. Pascal stand also vor dem Problem.verpflichtet fühlte. Drei Jahrhunderte später bemerkte Bertrand Russell zu diesem scheinbaren Widerspruch in sich selbst: »Wie können wir nur von den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit sprechen? Ist Wahrscheinlichkeit nicht die Antithese zu jeglichem Gesetz?« Die Franzosen gingen Gombauds Frage nach und erkannten bald. Dank der gemeinsamen Arbeit waren sie dabei . die Wahrscheinlichkeit zu berechnen. seine Ideen zu diskutieren und den Dialog aufrechtzuerhalten. ob es eine fairere Möglichkeit gebe. als sie es wegen einer dringenden Verabredung unterbrechen mußten. mit denen sich diese Gesetze genauer bestimmen lassen. So ergab sich das Problem.

. Stellen wir uns einmal vor. daß zwei Personen in diesem Beispiel am gleichen Tag Geburtstag haben. müssen wir Paare und nicht Einzelpersonen ins Auge fassen. wie sich unsere Vorfahren auf der Jagd an einen jungen Hirsch heranschlichen und überlegten. Wenn wir nach gemeinsamen Geburtstagen suchen. denn man sollte meinen. daß zwei Geburtstage zusammenfallen. und so nahmen sie sich vor. und doch führt uns die Intuition häufig in die Irre. weil die mathematische Antwort. Wie hoch ist das Risiko. den Spielern und dem Schiedsrichter. wenn man die Lage jetzt als zu riskant einschätzt? Ein Talent dafür. im Überlebenskampf der Evolution sei ein Gehirn entstanden. Dieser hohen Wahrscheinlichkeit liegt der Umstand zugrunde. Eines der am stärksten unserer Intuition widersprechenden Wahrscheinlichkeitsprobleme ist das der gemeinsamen Geburtstage. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit. wenn es nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung geht. überrascht uns. die wahre Antwort. Tatsächlich liegt sie bei über 50 Prozent – das heißt. Wahrscheinlichkeitsprobleme sind gelegentlich umstritten. Zwar befinden sich 23 Menschen auf dem Feld. daß sich bald eine bessere Gelegenheit bietet. daß ein ausgewachsener Zwölfender in der Nähe darauf lauert. schwierigere und anspruchsvollere Fragen der Wahrscheinlichkeit auszuloten. Nehmen wir ein Fußballfeld mit 23 Personen.recht schnell vorangekommen. stehen die Chancen eher dafür als dagegen. ein Mahl aufzutreiben. seinen Nachwuchs zu verteidigen und den Angreifer zu verletzen? Wie stehen andererseits die Chancen. ob sie nun angreifen sollten oder nicht. daß zwei von ihnen am gleichen Tag Geburtstag haben? Bei 23 Personen und 365 möglichen Geburtstagen ist es auf den ersten Blick unwahrscheinlich. daß es hier weniger um die Zahl der Personen geht als um die Zahl der Paarungsmöglichkeiten. sollte zu unserer genetischen Ausstattung gehören. Die meisten werden bei dieser Frage vielleicht auf höchstens 10 Prozent Wahrscheinlichkeit tippen. Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. dem die Lösung solcher Fragen ganz natürlich von der Hand geht. Daß die Intuition hier versagt. häufig den intuitiven Schlüssen widerspricht.

mal der Wahrscheinlichkeit des Gewinns. was schon einmal 22 Paarungen ergibt. durch tugendhaftes Leben in den Himmel zu kommen. wir erhalten also 21 weitere Paare. könnten Sie die Wette riskieren. daß zwei von ihnen am selben Tag Geburtstag haben.doch gibt es 253 mögliche Paare. von der Börsenspekulation bis zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit eines atomaren Unfalls. Der mögliche Gewinn ewiger Glückseligkeit.und Wettstrategien zunutze machen können. Deshalb ist die Religion. so daß die Zahl der möglichen Paarungen jetzt um eins kleiner ist). bis wir insgesamt 253 Paare erhalten. daß bei einer Gruppe von 23 Leuten die Wahrscheinlichkeit nur wenig mehr als 50 Prozent beträgt. daß bei einer Gruppe von 23 Menschen zwei am gleichen Tag Geburtstag haben. Pascal war sogar davon überzeugt. haben wir schon gezählt. daß zwei der Anwesenden am selben Tag Geburtstag haben. widerstreitet unserer Intuition und ist doch mathematisch unwiderlegbar. und so weiter. auf jeden Fall endlich groß. Diese Wahrscheinlichkeitsgesetze finden auch in einer ganzen Reihe anderer Bereiche Anwendung. und die Wahrscheinlichkeit. Die Behauptung. wie gering auch immer. es sei zu mehr als 50 Prozent wahrscheinlich. Wenn Sie das nächste Mal auf einer Party mit mehr als 23 Gästen sind. Beachten Sie. wenn die Zahl der Anwesenden wächst. um den Arglosen Geld aus der Tasche zu ziehen. Dann kann der zweite mit jeder der verbleibenden 21 Personen zusammengestellt werden (das Paar. der eine Wette eingeht. Fermat und Pascal deckten die Gesetzmäßigkeiten auf. die in allen Glücksspielen zum Tragen kommen und die sich Spieler für ausgeklügelte Spiel. habe unendlichen Wert. . Bei einer Party mit 30 Gästen lohnt es sich daher immer zu wetten. mit seinen Theorien den Glauben an Gott rechtfertigen zu können. den er gewinnen könnte. das die erste mit der zweiten Person bildet. So kann der erste mit jedem der 22 anderen ein Paar bilden. Auf derlei sonderbare Wahrscheinlichkeiten stützen sich Buchmacher und Spieler. sei. So behauptete er. jedoch rasch ansteigt. Schließlich kann der dritte mit den verbleibenden 20 Personen zusammengehen. sei gleich dem Betrag. die Begeisterung eines Spielers. so Pascal weiter.

doch Fermats Arbeiten hatten revolutionäre Folgen für die Wissenschaft. wird sie zur Formu- . Dies war das erste Mal. Bei den Mathematikern sind die betreffenden Quantitäten meist abstrakt und wenig greifbar. Diese Ausdrücke sind oft aus Politikermund zu hören. Auch die Wirtschaftswissenschaft ist stark von der Differentialrechnung geprägt. daß ein amtierender Präsident zugunsten seiner Wiederwahl eine dritte Ableitung ins Feld führte.Pascals Definition zufolge. Zum Beispiel ist die Veränderungsrate der Entfernung im Verhältnis zur Zeit besser als Geschwindigkeit bekannt. der Differentialrechnung. er trug auch wesentlich zur Begründung eines anderen Zweigs der Mathematik bei. oder die Ableitung. in der Newton die Dinge klarstellte und Fermat die gebührende Anerkennung aussprach. doch im Jahr 1934 entdeckte Professor L. den Begriff der Geschwindigkeit zu klären und seine Beziehung zu anderen wesentlichen Quantitäten wie etwa der Beschleunigung – der Veränderungsrate der Geschwindigkeit im Verhältnis zur Zeit – besser auszuarbeiten. Seit Newton Fermats Ideen zur klassischen Form der Differentialrechnung ausarbeitete. Sie ermöglicht es.« Jahrhundertelang herrschte die Auffassung. einer Quantität im Hinblick auf eine andere zu berechnen. Isaac Newton habe die Differentialrechnung unabhängig und ohne Kenntnis von Fermats Werk entwickelt. Fermat war nicht nur zusammen mit Pascal der Schöpfer der Wahrscheinlichkeitstheorie. Moore eine Notiz. das den Einsatz wert ist. die Veränderungsrate. die Beschleunigungsrate der Inflation nehme ab. Die Inflation ist die Veränderungsrate der Preise – sie wird auch als Ableitung des Preises bezeichnet –. T. der Mathematiker Hugo Rossi hat dazu einmal bemerkt: »Im Herbst 1972 verkündete Präsident Nixon. und die Ökonomen interessieren sich zudem noch häufig für die Veränderungsrate der Inflation. denn die Multiplikation eines unendlichen Gewinns mit einer endlichen Wahrscheinlichkeit ergibt einen unendlichen Wert. Tangenten zu zeichnen«. Newton zufolge gründet seine Differentialrechnung auf »Monsieur Fermats Verfahren. der zweiten Ableitung der Preise. ein Spiel mit unendlich großer Begeisterung. Fermats mathematische Grundlegung bot den Wissenschaftlern die Möglichkeit.

Zwei Jahrhunderte nach dem Niederbrennen der Schule war das Zentrum der mathematischen Forschung nicht mehr Kroton. Nach der Eroberung Griechenlands. dem Ptolemaios I. aus dem kaum praktischer Nutzen zu schlagen ist – der Zahlentheorie. wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Alexandria war in der Tat eine beeindruckende Metropole. doch zunächst kein Brennpunkt der Gelehrsamkeit. Chr. sich eine Hauptstadt zu errichten. Fermat untersuchte mit leidenschaftlichem Interesse die Eigenschaften der Zahlen und ihre Beziehungen untereinander. Dies ist die reinste und älteste Art. die auf Entfernung. Die Kulturstadt des Ptolemaios zog Mathematiker und viele andere Gelehrte an. wurde Alexandria zur Heimstatt der ersten Universität der Welt. um Fermat einen Platz unter den großen Mathematikern der Geschichte zu sichern. Kleinasiens und Ägyptens beschloß Alexander der Große im Jahr 332 v. Die Entwicklung der Zahlentheorie Nach Pythagoras’ Tod fand der Gedanke des mathematischen Beweises rasch Verbreitung in der gesamten zivilisierten Welt. der seit Pythagoras weitergegeben worden war. Die alexandrinische Bibliothek ging auf eine Idee des Demetrius .lierung seines oben erwähnten Gravitationsgesetzes und der Gesetze der Mechanik verwendet.. doch vor allem wegen der Bibliothek. Heute schießt man mit Hilfe der Differentialrechnung Raketen zum Mond. sondern die Stadt Alexandria. Die Grundlegung der Differentialrechnung und der Wahrscheinlichkeitstheorie hätte bei weitem ausgereicht. und Fermat konnte auf einen Wissensfundus bauen. gewiß auch aufgrund des Rufs der Universität. Geschwindigkeit und Beschleunigung beruhen. doch Fermats besondere Vorliebe galt einem Thema. und die Versicherungsunternehmen setzen die Wahrscheinlichkeitstheorie zur Risikoberechnung ein. doch seine größte Leistung erbrachte er auf einem weiteren Gebiet der Mathematik. Mathematik zu treiben. auf dem ägyptischen Thron folgte. Erst nach dem Tode Alexanders.

« Der Student wurde ausgeschlossen. alle großen Bücher zu sammeln. Bis ins . geboren. um es zu lehren. Euklid widmete einen großen Teil seines Lebens der Arbeit an den Elementen. Chr. das Original ging an die Bibliothek und ein Duplikat gnädigerweise an den ursprünglichen Besitzer zurück. Er veranlaßte Ptolemaios. die er lerne. was er lernt. Euklid wurde um 330 v. denn alle großen Köpfe würden ihnen folgen. und die berühmtesten Gelehrten der Welt waren versammelt. eines unbequemen Redners. Wie Pythagoras glaubte er an die Suche nach mathematischer Wahrheit um ihrer selbst willen und kümmerte sich nicht um praktische Anwendungen seiner Arbeit. Heiberg in Konstantinopel ein solches Manuskript. L. da er doch aus allem. und schließlich besaß die Bibliothek über 600 000 Bücher. Dieser sorgfältige Kopierdienst für die Reisenden des Altertums läßt heutige Historiker hoffen. schickte man Gesandte in ganz Europa und Kleinasien auf die Suche nach weiteren Werken mit den Zeugnissen des menschlichen Wissens. mit einem Teil der Originalschriften des Archimedes. Am Schluß der Vorlesung wandte sich Euklid seinem Sklaven zu und befahl: »Gib dem Jungen eine Münze. 1906 entdeckte J. lebte auch nach seinem Tod fort. Die Mathematiker konnten sich beim Studium in Alexandria alles Wissen der damaligen Zeit aneignen. Beim Eintritt in die Stadt beschlagnahmte man ihre Bücher und übergab sie den Kopisten. ein Haus für die Schätze des Wissens zu errichten. Selbst Vergnügungsreisende nach Alexandria konnten sich dem gewaltigen Appetit der Bibliothek nicht entziehen. Der erste Leiter des Fachbereichs Mathematik war kein geringerer als Euklid.Phalaerus zurück. Einer Anekdote zufolge fragte ihn einmal ein Student. der zur Flucht aus Athen gezwungen worden war und schließlich in Alexandria Obhut gefunden hatte. eines Tages in irgendeinem Hinterzimmer des Planeten auf die Kopie eines großen verlorenen Textes zu stoßen. Die Werke wurden abgeschrieben. dem erfolgreichsten Lehrbuch der Welt. Ptolemaios’ Traum. Weitere Ptolemäer lösten sich auf dem ägyptischen Thron ab. Als die Bücher aus Ägypten und Griechenland zusammengetragen waren. was ihm denn die Mathematik nütze. Die Methode. Nutzen schlagen will.

Hardy faßt den Geist des Beweises durch Widerspruch in seinem Buch A Mathematician’s Apology folgendermaßen zusammen: »Die reductio ad absurdum. daß die Pythagoreer die irrationalen Zahlen schon Jahrhunderte zuvor entdeckt hatten.. Als Pythagoras behauptete.. Eine periodische Dezimalzahl wie 0. daß er ihre Existenz bestritt. also muß sie wahr sein.« Mit einem seiner berühmtesten Widerspruchsbeweise stellte Euklid die Existenz der sogenannten irrationalen Zahlen fest. H. auch nicht als periodische Dezimalzahlen. und Euklid setzte sie alle gekonnt in den Elementen ein. meinte er ganze Zahlen und Verhältnisse von ganzen Zahlen (Brüche). doch ein Mathematiker setzt alles aufs Spiel. Man vermutet. In den Jahrhunderten nach Pythagoras hatten die Mathematiker eine ganze Reihe logischer Verfahren entwickelt. Insbesondere nutzte er eine logische Waffe namens reductio ad absurdum. die betreffende Theorie kann daher nicht falsch sein. Der Rest ist eine Sammlung allen mathematischen Wissens der damaligen Zeit. die ausschließlich dem pythagoreischen Bund gewidmet sind. Die Mathematik verabscheut Widersprüche. ist im . indem man zunächst einmal annimmt. ist eine der besten Waffen der Mathematik. Die Elemente bestehen aus dreizehn Büchern. die auf verschiedenen Gebieten angewandt werden konnten. die Euklid so liebte. Dieser Ansatz gründet auf die erstaunliche Idee. sie sei falsch.neunzehnte Jahrhundert hinein war es auch des meistverkaufte Werk nach der Bibel. Irrationale Zahlen haben nämlich die Eigenart. deren bloße Vorstellung Pythagoras jedoch dermaßen zuwider war.B. Der englische Mathematiker G. ein Teil davon mit Euklids eigenen Arbeiten. An einem bestimmten Punkt der logischen Schrittfolge tritt ein Widerspruch auf (z. den Beweis durch die Herleitung eines Widerspruchs. Eine irrationale Zahl – und dies schreckte Pythagoras – ist weder eine ganze Zahl noch ein Bruch. Sie ist ein raffinierteres Gambit als das des Schachspiels: ein Schachspieler mag einen Bauern oder sogar eine Figur zum Opfer anbieten. darunter auch zwei Bücher. nicht als Zahlen mit endlich vielen Dezimalstellen darstellbar zu sein. das Universum werde von Zahlen beherrscht. 2 + 2 = 5). die Wahrheit einer Theorie zu beweisen.111 111.

alles übrige ist Menschenwerk!« Die bekannteste irrationale Zahl ist π. der π im Jahr 1996 bis auf sechs Milliarden Stellen hinter dem Komma berechnete. In der Schule rechnet man 1 häufig mit dem ungefähren Wert 3 7 oder 3. Die Zahl π kann nämlich nie genau hingeschrieben werden. Gegenwärtig hält Yasumasa Kanada von der Universität Tokio den Rekord. daß es anhand einer vollkommen regelmäßigen Gleichung berechnet werden kann: π = 4  1 + 3 + 5 + 7 + 9 + 11 + 13 + 15 + . Ein schöner Aspekt dieses Zufallsmusters ist.. Diese Regelmäßigkeit. die Zahl π bis auf 39 Stellen zu kennen. Leopold Kronecker. Zwar reicht es aus. die sich ohne wiederkehrendes oder gleichartiges Muster ins Unendliche fortsetzt. desto genauer wird das Ergebnis. ein Mathematiker des neunzehnten Jahrhunderts. Der tatsächliche Wert von π beträgt jedoch eher 3. nämlich nichts anderes als der 1 Bruch 9 .14.Grunde eine ziemlich einfache Zahl.14159265358979323846. doch auch dies ist nur eine Näherung. um den Umfang des Universums bis auf den Radius eines Wasserstoffatoms genau berechnen zu können. auch wenn sie sich bis ins Unendliche fortsetzt. doch dies hält Computerspezialisten nicht davon ab. doch je mehr davon einbezogen werden. Die »1« wiederholt sich unendlich oft. Neueren Gerüchten zufolge haben die russischen Tschudnowski- .. daß die Dezimalzahl als Bruch dargestellt werden kann.. bemerkte dazu: »Die natürlichen Zahlen hat der liebe Gott gemacht. ganzen Zahlen und Brüche hinaus und entdeckten oder besser vielleicht erfanden – völlig neue. da ihre Dezimalstellen sich ohne bestimmtes Muster ms Unendliche fortsetzen. bedeutet. Der Begriff der irrationalen Zahl war ein gewaltiger Durchbruch. Die Mathematiker gingen über die vorfindliche Welt der einfachen. eine irrationale Zahl als Dezimalzahl darzustellen.  1 1 1 1 1 1 1 1  Berechnet man die ersten zwei oder drei Terme. so viele Stellen wie möglich von π zu berechnen. Versucht man jedoch. erhält man einen sehr groben Wert für π. erhält man eine Zahlenfolge. die Dezimalfolge weist also ein sehr schlichtes und regelmäßiges Muster auf.

Der Wert von π auf über 1500 Dezimalstellen genau 3.141592653589793238462643383279502884197169399375105820 97494459230781640628620899862803482534211706798214808651 32823066470938446095505822317253594081284811174502841027 01938521105559644622948954930381964428810975665933446128 47564823378678316527120190914564856692346034861045432664 82133936072602491412737245870066063155881748815209209628 29254091715364367892590360011330530548820466521384146951 94151160943305727036575959195309218611738193261179310511 85480744623799627495673518857527248912279381830119491298 33673362440656643086021394946395224737190702179860943702 77053921717629317675238467481846766940513200056812714526 35608277857713427577896091736371787214684409012249534301 46549585371050792279689258923542019956112129021960864034 41815981362977477130996051870721134999999837297804995105 97317328160963185950244594553469083026425223082533446850 35261931188171010003137838752886587533208381420617177669 14730359825349042875546873115956286388235378759375195778 18577805321712268066130019278766111959092164201989380952 57201065485863278865936153381827968230301952035301852968 99577362259941389124972177528347913151557485724245415069 59508295331168617278558890750983817546374649393925506040 09277016711390098488240128583616035637076601047101819429 55596198946767837449448255379774726847104047534646208046 68425906949129331367702898915210475216205696602405803815 01935112533824300355876402474964732639141992726042699227 96782354781636009341721641219924586315030286182974555706 74983850549458858692699569092721079750930295532116534498 72027559602364806654911988183479775356636980742654252786 25518184175746728909777727938000816470200161452491921732 17214772350141441973568548161361157352552113347574184946 .

Doch selbst wenn Kanada oder die Tschudnowski-Brüder weiterrechnen. die Existenz dieser mathematischen Monster zu verheimlichen. ohne je seine einfachste Form zu erlangen. warum Pythagoras seine Schüler darauf einschwor. Eine Skizze des Euklidschen Beweises findet sich im Anhang 2. Man kann durchaus nachvollziehen. und deshalb kann der angenommene Bruch nicht existieren. daß der hypothetische Bruch.Brüder in New York acht Milliarden Dezimalstellen von π berechnet und sich eine Billion Stellen zum Ziel gesetzt. indem man Zähler und Nenner durch 2 teilt. Bis zu jenem historischen Zeitpunkt konnten alle Zahlen als ganze Zahlen oder als Brüche dargestellt werden. 2 kann also nicht als Bruch dargestellt werden und ist irrational. Dann zeigte er. Euklid zeigte jedoch. daß 2 nicht als Bruch dargestellt werden kann. bleibt der entscheidende Punkt. Um zu beweisen. der 2 darstellen soll. da alle Brüche irgendwann die einfachste Form erreichen müssen. die nicht als Bruch darstellbar ist. Durch den Widerspruchsbeweis konnte Euklid die Existenz von irrationalen Zahlen aufzeigen. ein Ausdruck. zu beweisen. der nicht 6 weiter zu kürzen ist und den Bruch daher in der einfachsten Form darstellt. Als sich Euklid im zehnten Buch seiner Elemente an das Problem der Irrationalität von Zahlen heranwagte. daß sie als Bruch aufgeschrieben werden könnte. nicht . Zum ersten Mal hatten Zahlen eine neue. die (positive) Zahl. abstrakte Qualität angenommen. Das ist unsinnig. daß dieser hypothetische Bruch immer weiter vereinfacht oder gekürzt werden kann. die mit sich selbst multipliziert 2 ergibt. daß π irrational ist. Die Quadratwurzel von 2 kann nur mit dem Symbol 2 dargestellt werden. immer weiter und unendlich oft gekürzt werden könnte. daß sie dann immer noch nicht den genauen Wert von π besitzen würden. 2 4 wiederum kann auf 3 gekürzt werden. 8 4 Kürzung eines Bruches bedeutet. Anstatt zu beweisen. bediente sich Euklid der reductio ad absurdum und nahm zunächst einmal an. untersuchte er die Quadratwurzel von 2 – also 2. ging es ihm darum. daß es eine Zahl geben kann. doch Euklids irrationale Zahlen ließen eine Darstellung in der traditionellen Form nicht zu. bis ihre Computer alle Energie des Universums aufgezehrt haben. daß etwa der Bruch 12 auf 6 gekürzt werden kann.

und jeder Versuch. und gleichzeitig auch nicht in der Lage. Pythagoras’ Weigerung. während der sich Pythagoras mit dieser neuen Springquelle von Zahlen hätte abfinden müssen. die 2 als Bruch darzustellen.als Bruch. ergibt immer nur eine Näherung. Hippasus’ Argument mit der Kraft logischer Schlüsse den Boden zu entziehen. daß es einen solchen Bruch nicht gibt. und die Existenz von irrationalen Zahlen stellte diese Idealvorstellung in Frage. Seine wahre Leidenschaft war die Geometrie. daß 2 also eine irrationale Zahl ist.414213562373. Der Vater der Logik und der mathematischen Methode hatte lieber auf Gewalt zurückgegriffen als zuzugeben. doch seinen größten Beitrag zur Mathematik leistete er auf einem anderen Gebiet. Auf Hippasus’ Einsicht hätte eine Zeit der Diskussionen und des Nachdenkens folgen sollen. daß er im Unrecht war. Als Pythagoras ausrief »Alles ist Zahl«. einen seiner Schüler hinzurichten. Der Legende zufolge beschäftigte sich ein junger Schüler namens Hippasus gedankenverloren mit dem Versuch. Hippasus muß überglücklich gewesen sein ob dieser Entdeckung. Hier lag ein so . Er war jedoch nicht bereit hinzunehmen. Schließlich erkannte er. ist sein schändlichster Akt und vielleicht die größte Tragödie der griechischen Mathematik. Diese philosophische Grundannahme machte Pythagoras blind für die irrationalen Zahlen und trieb ihn vielleicht dazu. daß er falsch lag. Pythagoras hatte das Universum auf rationale Zahlen gegründet. etwa 1. Erst nach seinem Tod konnten die irrationalen Zahlen wieder gefahrlos zur Sprache gebracht werden.. Zu seiner ewigen Schande verurteilte er Hippasus zum Tode durch Ertränken. sie als Dezimalzahl darzustellen. sein Meister allerdings war es nicht.. daß mit diesen einfachen Zahlen alle natürlichen Phänomene zu erklären seien. Euklid war zwar an der Zahlentheorie interessiert. Für ihn lag die Schönheit der Mathematik in der Vorstellung. und von den dreizehn Büchern der Elemente behandeln die Bücher I bis VI die Geometrie der (zweidimensionalen) Ebene und die Bücher XI bis XIII die Geometrie der (dreidimensionalen) Körper. meinte er nur ganze Zahlen und Brüche. die Existenz irrationaler Zahlen einzugestehen.

Als vernünftige Schätzung gilt die Zeit um 250 v. Während seiner Zeit in Alexandria sammelte er die schon klar gelösten Probleme und erfand neue. Sein Geburtsort ist unbekannt. daß die Elemente die Geometrielehrpläne an Schulen und Universitäten für die nächsten zwei Jahrtausende prägen sollten. noch ein Zwölftel dazu. Seine Spezialität waren Fragen. die ganzzahlige Lösungen erforderten – heute werden solche Fragen als diophantische Probleme bezeichnet. war Diophantos von Alexandria. andererseits zitiert Theon von Alexandria Diophantos’ Werk. der letzte große Vertreter der griechischen Mathematiktradition. Chr. und Er kleidete seine Wangen in Flaum. ist das einzige Detail aus Diophantos’ Leben in Form eines Rätsels überliefert. In seinen Schriften zitiert Diophantos Hypsikles. Chr. gelebt haben. also muß er vor 364 n. fünf Jahre nach der Heirat schenkte Er ihm einen Sohn. doch ansonsten weiß man fast nichts über diesen begnadeten Mathematiker. wie alt Diophantos wurde. Knabe zu sein gewährte ihm Gott ein Sechstel des Lebens. Dieses Rätsel ist ein Beispiel für die Art von Problemen. gelebt haben. für die Diophantos eine ausgesprochene Vorliebe hegte. das der Legende nach in seinen Grabstein gemeißelt war. zu berechnen.umfassender Wissenskanon vor. daher muß er nach 150 v.Chr. der das vergleichbare Lehrbuch für die Zahlentheorie zusammenstellte. Der Mathematiker. und Er entzündete ihm das Licht der Ehe. Natürlich geht es darum. Ein Siebtel noch. da raffte das kalte Schicksal es hinweg. dann beschloß sein Leben auch er. Diophantos’ Errungenschaften in der Zahlentheorie sind in seinen Büchern zwar gut nachzulesen. und die Zeit seines Wirkens in Alexandria läßt sich nur auf fünfhundert Jahre genau eingrenzen. Doch ach! – das spätgeborene kränkliche Kind: die Hälfte der Lebensspanne des Vaters hatte es erreicht. die er zu einer großen Abhandlung mit . Vier Jahre lang fand er Trost in dieser Wissenschaft der Zahlen. Passend für einen Problemlöser. Die Antwort kann in Anhang 3 nachgelesen werden.

Frontispiz der Arithmetica von Diophantos in der 1621 veröffentlichten Übersetzung von Claude Caspar Bachet de Méziriac. Dieses Buch wurde zu Fermats Bibel und war Anregung für große Teile seines Werkes. .

Der Abstieg ins dunkle Mittelalter hatte begonnen. die alexandrinische Flotte in Brand setzte. Zum ersten großen Angriff kam es 47 v. weshalb sie nun der Zerstörung. In den folgenden vier Jahrhunderten sammelte die Bibliothek unablässig weiter Bücher. Der christliche Kaiser Theodosius befahl Theophilus. dem Bischof von Alexandria. In den Jahrhunderten zwischen Euklid und Diophantos blieb Alexandria die geistige Hauptstadt der zivilisierten Welt. die die Mathematik bis in die Ära der Babylonier zurückwarfen. gleich mit zum Opfer fiel. doch bevor sie irgend etwas ausrichten konnten. die Ikonen und Altären gelten sollte. Die »heidnischen« Gelehrten versuchten. doch Marcus Antonius ließ alle Bestände nach Ägypten schaffen und stellte so die Überlegenheit Alexandrias wieder her. Kleopatra zu stürzen. das in sechs Jahrhunderten gesammelte menschliche Wissen zu retten. Von den dreizehn Büchern dieses Werks überlebten nur sechs die Wirren des Mittelalters und inspirierten schließlich die Mathematiker der Renaissance.dem Titel Arithmetica zusammenstellte. daß der Weg zum Herzen einer Intellektuellen über ihre Bibliothek führt. Die Bibliothek. die wiedererrichtete und mit neuen Werken ausgestattete Bibliothek im Tempel von Serapis unterzubringen. Ein paar wertvolle Abschriften der wichtigsten Bücher überleb- . metzelte der christliche Mob sie nieder. wenn auch ständig von fremden Heerscharen bedroht. Chr. die die beste Sammlung der Welt beherbergen sollte.. Kleopatra hatte unglücklicherweise beschlossen. fing ebenfalls Feuer. Marcus Antonius erkannte. der erste von zwei tödlichen Schlägen versetzt wurde. als Julius Cäsar bei dem Versuch. darunter auch Pierre de Fermat. Zum Glück für die Mathematiker wußte Kleopatra die Bedeutung der Wissenschaft zu schätzen und war entschlossen. den einstigen Glanz der Bibliothek wiederherzustellen. Dort war man schon im Aufbau einer Bibliothek begriffen. bis ihr 389 n. und marschierte in die Stadt Pergamon ein. alle heidnischen Monumente zu zerstören. beide aus dem Geist religiöser Bigotterie. die nahe am Hafen lag. und Hunderttausende von Büchern fielen den Flammen zum Opfer. Die anderen sieben Bücher gingen in einer Reihe tragischer Geschehnisse verloren.Chr.

daß der Großteil von Diophantos’ Werk zerstört wurde. befahl er. jene Bücher. viele verlorene mathematische Sätze neu zu entdecken. Als der siegreiche Kalif Omar gefragt wurde. in dem die Position einer Zahl ihren Wert anzeigt. Man verbrannte die Handschriften zur Beheizung der öffentlichen Bäder. daß der Null über die bloße Füllrolle zwischen anderen Zahlen eine unabhängige Existenz zu- . das dem unseren ähnelt. Die Null hat jedoch eine anspruchsvollere und tiefere Bedeutung. Während des folgenden Jahrtausends kam die Mathematik in der westlichen Welt nicht mehr auf die Beine. Zum Beispiel stellt die 52 fünf mal zehn plus zwei mal eins dar. die die Stadt im Jahr 642 angriffen. In der modernen Mathematik hat die Null zwei Funktionen. Die Hindus erkannten. Schließlich gelang es den Moslems. die Griechen übernahmen den Gedanken und gebrauchten ein kreisförmiges Symbol. das Vernichtungswerk der Christen zu vollenden. und so löste sich die griechische Mathematik in Rauch auf. Erstens ermöglicht sie die Unterscheidung von Zahlen wie 52 und 502. die dem Koran widersprächen. Es überrascht nicht. und nur eine Handvoll großer Gelehrter in Indien und Arabien hielt die Wissenschaft am Leben. daß sechs Bücher der Arithmetica die Tragödie von Alexandria heil überstanden. Auch bereicherten sie die Mathematik mit einer Vielzahl neuer Bausteine. braucht man ein Symbol. In einem Zahlensystem. immerhin grenzt es an ein Wunder. und auch in den nächsten Jahrhunderten kamen viele wissensdurstige Gelehrte nach Alexandria. die erst mehrere Jahrhunderte später von den indischen Mathematikern vollständig erfaßt wurde. etwa mit der Zahl Null.ten den Angriff der Christen. die 502 dagegen fünf mal hundert plus null mal zehn plus zwei mal eins: die Null ist nötig. um jegliche Zweideutigkeit zu vermeiden. Sie kopierten die Formeln aus den erhalten gebliebenen griechischen Manuskripten und begannen auf eigene Faust. um eine leere Position zu kennzeichnen. Sogar die Babylonier des dritten Jahrhunderts vor Christus legten um der Klarheit willen Wert auf die Verwendung der Null. zu vernichten – die ändern seien überflüssig und müßten ebenfalls zerstört werden. was mit der Bibliothek geschehen solle.

das heute die ganze Welt verwendet. weil sie die Widerspruchsfreiheit der anderen Zahlen zunichte mache: Teile man eine gewöhnliche Zahl durch Null. Die Ideen von Pythagoras und Euklid waren nicht weniger elegant. Zum ersten Mal hatte man dem abstrakten Begriff des Nichts eine greifbare symbolische Darstellung gegeben. Sie stellt die Quantität des Nichts dar. die Null zu verbieten. CLV mit DCI zu multiplizieren. wird uns die Bedeutung dieses Durchbruchs schnell klar. doch allen griechischen Philosophen des Altertums war die tiefere Bedeutung des Nullsymbols entgangen. erhalte man ein unverständliches Ergebnis. ist um einiges leichter zu lösen. das aus den glühenden Ruinen von Alexandria herausgeschmuggelt worden war. Gedanken auszutauschen und Ideen zu entwickeln. Dieser Schritt nach vorne mag den heutigen Lesern kaum beachtlich erscheinen. Während man in Europa die edle Suche nach der Wahrheit aufgegeben hatte. 155 mit 601 zu multiplizieren. Sie fügten der mathematischen Begrifflichkeit nicht nur die Null hinzu. Im zehnten Jahrhundert lernte der französische Gelehrte Gerbert von Aurillac das neue Zahlensystem bei den spanischen Mau- . weil sie in einer umständlichen Sprache ausgedrückt waren. der forderte. Die entsprechende Aufgabe. und deuteten es mit einer neuen und eleganteren Sprache. festigten Inder und Araber das Wissen.kommt – die Null ist eine eigenständige Zahl. Wiederum mag dies als ein lächerlich bescheidener Fortschritt erscheinen. und die Grundlage dafür ist eine hinreichend genaue und flexible Sprache. die Division durch Null als Definition des Unendlichen zu verwenden. und ein Jahrhundert später war der Gelehrte Brahmagupta schon so weit. Im sechsten Jahrhundert kehrten die indischen Mathematiker das Problem nicht mehr unter den Teppich. sondern ersetzten die primitiven griechischen Symbole und die umständlichen römischen Zahlzeichen durch neue Zeichen und ein Zahlensystem. Dies gilt auch für Aristoteles. blühten sie in Gestalt neuer und fruchtbringender Begriffe auf. Der Fortschritt jeder wissenschaftlichen Disziplin hängt von der Fähigkeit ab. doch wenn wir einmal in römischer Schreibweise versuchen. doch sobald sie in arabische Symbole übersetzt waren.

Die byzantinischen Gelehrten nahmen alle greifbaren Texte an sich und flohen mit ihnen nach Westen. Ein Grund dafür war. des Bischofs Theophilus. Den entscheidenden Wendepunkt für die westliche Mathematik stellt das Jahr 1453 dar. doch nun waren sie erneut von der Vernichtung bedroht. in dem die Türken Konstantinopel plünderten. des Kalifen Omar und schließlich der Türken überstanden hatten. und dank seiner Lehrtätigkeit in Kirchen und Universitäten ganz Europas konnte er das neue System im Westen einführen. da sie die Angriffe Cäsars. zum Papst gewählt und förderte nun kraft seines Amtes die Verbreitung des indo-arabischen Zahlensystems noch stärker. Die Verbrüderung mit der ortsansässigen Bevölkerung würde nur zur Günstlingswirtschaft führen. daß es im Frankreich des siebzehnten Jahrhunderts nicht gern gesehen war. der Fermats Interesse an der Mathematik befeuert haben könnte. fanden ein paar wertvolle Exemplare der Arithmetica« ihren Weg zurück nach Europa. doch die wenigen Mußestunden widmete er ausschließlich der Mathematik. Die Geburt eines Rätsels Fermats richterliche Verpflichtungen nahmen einen Großteil seiner Zeit in Anspruch. Von einem Mentor. wenn ein Richter allzu munter am gesellschaftlichen Leben teilnahm. denn eines Tages würde vielleicht ein Freund oder Bekannter vor Gericht erscheinen müssen. Obwohl dieses handliche Zahlensystem die Buchhaltung revolutionierte und rasch von Kaufleuten übernommen wurde. Diophantos’ Werk sollte auf dem Schreibtisch Pierre de Fermats landen.ren. in Konstantinopel zusammengetragen worden. die die Schändung Alexandrias überstanden hatten. Im Jahr 999 wurde er als Silvester II. Nun. trug es wenig zu einer Wiedergeburt der europäischen Mathematik bei. Im Laufe der Jahrhunderte waren die Manuskripte. ist nichts bekannt – diese Aufgabe erfüllte . Und so konnte sich Fermat abseits der besseren Toulouser Gesellschaft ganz seiner Liebhaberei hingeben.

Die Ausgabe der Arithmetica. Das Werk stellt den Versuch dar. war eine lateinische Übersetzung von Claude Caspar Bachet de Méziriac. ein Umgießproblem und diverse Zahlenspielereien. mit denen jedes ganzzahlige Gewicht von 1 bis 40 Kilo auf einer Waage gemessen werden kann? Bachet lieferte eine raffinierte Antwort. die Fermat dazu anregte. um zu erkennen. damit die Verfahren der alten Griechen wieder ms Leben gerufen werden konnten. Sie ist in Anhang 4 nachzulesen. Dazu muß man wissen. daß weite Bereiche des mathematischen Wissens der Antike völlig vergessen . Hier war in einem Buch alles Wissen über die Zahlen versammelt. Eine Frage drehte sich um Gewichte: Welches ist die kleinste Anzahl von Gewichten. eingehender untersucht zu werden. Diophantos’ Werk zu übersetzen und es zu veröffentlichen. doch nun machte sich Fermat daran. Seine erste Veröffentlichung war eine Sammlung von Knobeleien mit dem Titel Problèmes plaisants et délectables. der als gelehrtester Mann Frankreichs galt. darunter Flußüberquerungsrätsel. Dichter und Altphilologe. Bachet war zwar ein mathematischer Dilettant. daß die von Diophantos angeführten Probleme auf einem höheren Niveau angesiedelt und es wert waren. doch reichte sein Interesse an solchen Rätseln aus. Bachet war nicht nur ein hervorragender Linguist. er hatte auch eine Leidenschaft für mathematische Rätsel. das Studium der grundlegenden mathematischen Disziplinen wiederaufzunehmen. das Gelehrte wie Pythagoras und Euklid geschaffen hatten.freilich ein Exemplar der Arithmetica. Tatsächlich offenbarte die Arithmetica Fermat den mathematischen Wissensschatz eines ganzen Jahrtausends. Er entschloß sich. Die Zahlentheorie hatte seit der barbarischen Brandschatzung Alexandrias keine Fortschritte mehr gemacht. den Stand der Zahlentheorie zu Lebzeiten des Diophantos anhand einer Reihe von Problemen und Lösungen zu beschreiben. daß diese Aufgabe mit nur vier Gewichten gelöst werden kann. die zeigt.

trug er dazu bei. 5. 4. 3. ein Lehrbuch für künftige Generationen zu schreiben: es ging ihm allein um die Genugtuung. Martin Gardner berichtet in seinem Buch Mathematische Hexereien. und Diophantos bietet für jedes eine genaue Lösung an. und nur dank der Bemühungen von Wissenschaftlern wie Bachet konnte so vieles in so kurzer Zeit wiederbelebt werden. den Rest des Beweises niederzuschreiben. das zweite goldene Zeitalter der Mathematik einzuläuten. Fermat notierte sich dann das Nötigste. Zu den Entdeckungen Fermats gehören die sogenannten befreundeten Zahlen. ihre Summe ist 284. Wenn er sich in Diophantos’ Probleme und Lösungen vertiefte. 2. 2. um sich davon zu überzeugen. den Fermat nie annehmen sollte. die eng mit den vollkommenen Zahlen verwandt sind. 22. auf denen Fermat gelegentlich hastige Kommentare und Schlußfolgerungen hinterließ. 10. Befreundet nennt man Paare von Zahlen. 71 und 142. Als Bachet 1621 seine lateinische Ausgabe der Arithmetica veröffentlichte. Er hatte kein Interesse daran. ihre Summe ist 220. aber dennoch unschätzbare Hinweise auf Fermats brillanteste Gedankengänge. Die Teiler von 284 wiederum sind 1. welche die Summe der Teiler der jeweils anderen Zahl darstellen. 20. Die Arithmetica enthält über hundert Probleme.waren. ein Problem gelöst zu haben. 55 und 110. Diese Gewissenhaftigkeit war ein Wesenszug. Das Paar 220 und 284 wurde zum Symbol der Freundschaft. Die Pythagoreer machten die erstaunliche Entdeckung. Zum Glück für uns Nachkommende hatte Bachets Ausgabe der Arithmetica auf jeder Seite großzügige Randspalten. 44. kamen ihm ähnliche und noch kompliziertere Fragen in den Sinn. Die Teiler von 220 sind 1. die Pythagoras zwei Jahrtausende zuvor begeistert hatten. Selbst an den größten europäischen Universitäten wurde keine höhere Mathematik gelehrt. 4. Für Generationen von Mathematikern waren diese Randnotizen zwar etwas flüchtige. 11. Allzuhäufig warf er die Aufzeichnungen zu seinen Geistesblitzen in den Papierkorb und wandte sich rasch dem nächsten Problem zu. daß er die Lösung absehen konnte – und scherte sich nicht weiter darum. daß 220 und 284 befreundete Zahlen sind. im Mittelalter seien Amulette mit diesen Zahlen verkauft .

Zum Beispiel ist bei dem Quartett 1 264 460. daß die 26. die Teiler der zweiten wiederum addieren sich zur dritten Zahl und die Teiler der dritten zur ersten Zahl. diese Zahl. So stellte er zum Beispiel fest. Ein arabischer Numerologe berichtet von dem Brauch. die eine Hälfte des befreundeten Zahlenpaars. vier oder mehr Zahlen. Sie glaubten. eingebettet ist zwischen eine Quadratzahl (25 = 52 = 5 × 5) und eine Kubikzahl (27 = 33 = 3 × 3 × 3). sei Ausdruck für Jakobs Liebe zu Esau. sein Ruf festigte sich erst wirklich durch eine Reihe mathematischer Glanzleistungen. die eine geschlossene Kette bilden. doch zeigt sich hier. Er suchte nach weiteren auf diese Weise eingebetteten Zahlen. Keine weiteren befreundeten Zahlen wurden gefunden. Dies mag nichts Weltbewegendes sein. die. Durch Fermat wurde es zu einer Mode. Glück in der Liebe bringen sollten.worden. befreundete Zahlen zu suchen: Descartes entdeckte ein drittes Paar (9 363 584 und 9 437 056). Auch wenn Fermat durch die Entdeckung eines neuen Paares befreundeter Zahlen eine gewisse Berühmtheit erlangte. 1 727 636. 220 in die eine und 284 in die andere zu ritzen. 1 305 184 die Summe der Teiler der ersten Zahl gleich der zweiten Zahl. dann die erste zu verspeisen und die zweite der Liebsten als eine Art mathematisches Aphrodisiakum zu überreichen. zwischen der 25 und der 27 liegend. Im zwanzigsten Jahrhundert entwickelten die Mathematiker diesen Gedanken weiter und suchten nach sogenannten »geselligen« Zahlen. daß Jakob Esau 220 Tiere schenkt. als Talismane getragen. Die längste heute bekannte gesellige Kette besteht aus 28 Zahlen und beginnt mit der 14 316. 1866 entdeckte der sechzehnjährige Italiener Niccolò Paganini das befreundete Zahlenpaar 1 184 und 1 210. zwei Früchte zu nehmen. Den frühen Theologen fiel in der biblischen Genesis auf. und Leonhard Euler fügte der Liste weitere zweiundsechzig befreundete Paare hinzu. bis Fermat im Jahr 1636 das Paar 17 296 und 18 416 entdeckte. 1 547 860. wie vertraut Fermat mit den Zahlen war und wie leidenschaftlich er mit ihnen spielte. Seltsamerweise hatten sie alle ein viel kleineres Paar übersehen. fand jedoch .

den Beweis dafür zu erbringen. Fermat muß sich in Diophantos’ genaue Erörterung dieser Tripel versenkt und sich gefragt haben.B. so wußte er. Sein Schritt für Schritt ausgeführter Beweis bestätigte. Er verhehlte nicht. bei denen die beiden kürzeren Seiten sich nur um eins unterscheiden (z. Zum Beispiel erörterte Diophantos die Existenz bestimmter Tripel. hatte Euklid den (in Anhang 5 skizzierten) Beweis geführt. Fermat verblüffte die Vielfalt und schiere Menge der pythagoreischen Zahlentripel. was wohl zu diesem Thema noch . daß dieses Kriterium auf keine andere Zahl zutreffen kann. das nicht für die öffentliche Auseinandersetzung bestimmt war. x = 20. daß es tatsächlich eine unendliche Anzahl pythagoreischer Tripel gibt. die dann auch ihr Scheitern eingestehen mußten. daß er ihn besaß. die »fast gleichschenklige« rechtwinklige Dreiecke bildeten. Problemen und Lösungen im Umkreis des Satzes von Pythagoras und der pythagoreischen Zahlentripel. Allerdings ging es hier um ein beiläufig zustandegekommenes Rätsel. die Frage war nur: Hatten die anderen das Genie. Viele Jahrhunderte zuvor. Nach tagelangen Mühen gelang es ihm. die englischen Mathematiker Wallis und Digby zu piesacken. z = 29 und 202 + 212 = 292). Die Randnotiz Beim Studium des zweiten Buches der Arithmetica stieß Fermat auf eine ganze Reihe von Beobachtungen. der Beweis jedoch ist höllisch kompliziert.keine. Doch den größten Ruhm konnte Fermat am Ende mit einer weiteren Herausforderung der Mathematikerwelt ernten. und Fermat machte es ausgesprochenes Vergnügen. und vermutete. mit einem anspruchsvollen Argument unumstößlich zu beweisen. y = 21. daß die 26 tatsächlich die einzige Zahl zwischen einer Quadratzahl und einer Kubikzahl ist. ihrerseits den Beweis zu führen? Die These ist zwar schlicht. Fermat verkündete diese besondere Eigenschaft der 26 den Mathematikerkollegen und rief sie auf. die 26 sei die einzige.

die der pythagoreischen zwar sehr ähnlich war. 4. sann Fermat über eine Abwandlung nach: x 3 +y 3 = z 3. die zusammengenommen eine dritte Kubikzahl ergaben. wie schwierig es war. in einem Moment genialer Eingebung. 5. Ohne den Blick vom Buch abzuwenden. daß eine so geringfügige Veränderung die Gleichung des Pythagoras mit ihrer unendlichen Zahl von Lösungen in eine Gleichung ohne eine einzige Lösung verwandelte? Fermat erprobte auch andere. Konnte es tatsächlich sein. bildete er eine Gleichung. et generaliter nullam in infinitum ultra quadratumpotestatem in duos eiusdem nominis fas est dividere. die folgende Gleichung ohne Rest erfüllen: x n +y n = zn mit n = 3. aut quadratoquadratum in duos quadratoquadratos.beizutragen sei. zwei Kubikzahlen zu finden. Versuch und Irrtum zeigten rasch. mit der der zehnjährige Andrew Wiles in der Milton-Road-Bücherei Bekanntschaft schloß. der den Fürsten der Amateure unsterblich machen sollte. denn vielleicht gab es ja etwas zu entdecken. Dies war die Gleichung. notierte er seine Beobachtung: Cubem autem in duos cubos. das den Griechen entgangen war. Fermat hatte nur die Potenz von 2 auf 3 erhöht. noch höhere Potenzen und stellte jedesmal fest.. . ein wenig mit der Gleichung des Pythagoras zu spielen. doch überhaupt keine Lösungen besaß. doch diese neue Gleichung besaß offenbar keine einzige ganzzahlige Lösung. begann er. An den Rand seiner Ausgabe der Arithmetica.. das Quadrat in einen Würfel verwandelt. neben das Problem 8. Am Ende zog er den Schluß. es gebe keine drei Zahlen. daß er keine Lösung finden konnte. Plötzlich. Anstelle des Satzes von Pythagoras.. x 2 +y 2 = z 2.

doch ist dieser Rand hier zu schmal. um ihn zu fassen. warum unter allen möglichen Zahlen nicht wenigstens eine begrenzte Anzahl von Lösungen gefunden werden sollte. in zwei Potenzen mit demselben Exponenten zu zerlegen. oder ein Biquadrat in zwei Biquadrate und allgemein eine Potenz. und trotz der Mischung aus Trägheit und Bescheidenheit. gelangte die Fermatsche Vermutung. daß er ganz entzückt war über diesen »wahrhaft wunderbaren« Beweis. sie beweisen zu können. ihn im einzelnen niederzuschreiben. Seine Worte lassen darauf schließen. Der ersten Randnotiz. Eine verblüffende Behauptung. zu Berühmtheit. einen Kubus in zwei Kuben.Es ist nicht möglich. doch Fermat stellte die Behauptung auf. die ihn kennzeichnete. in der er seine These festhielt. Seinen Beweis teilte er nie jemandem mit. Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis. ihn zu veröffentlichen. fügte der geniale Schelm eine weitere Bemerkung hinzu. auch als Fermats letzter oder großer Satz bezeichnet. doch Fermat glaubte. Es schien keinen Grund zu geben. geschweige denn. . höher als die zweite. Hier kam der ärgerlichste Zug Fermats zur Geltung. die Generationen von Mathematikern den Schlaf rauben sollte: Cuius rei demonstrationem mirabilem sane detexi hanc marginis exiguitas non caperet. sich jedoch nicht die Mühe machen wollte. nirgendwo im unendlichen Universum der Zahlen gebe es ein »Fermatsches Tripel«.

und drei Tage später starb er. Fermats letzter Satz war nur eine von vielen geistvollen Notizen im Buch. und beschloß. und Clément-Samuel machte sich daran. Neben den Originalübersetzungen Bachets ins Griechische und Lateinische waren hier achtundvierzig Bemerkungen Fermats abgedruckt. diese Anmerkungen in einer besonderen Ausgabe der Arithmetica zu veröffentlichen. Clément-Samuel verbrachte fünf Jahre damit. zeigte sich. Es war die zweite Bemerkung (siehe Abbildung 6). Sobald Fermats »Bemerkungen« einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich waren. Knapp dreißig Jahre später – er verfolgte in der Stadt Castres seine richterlichen Pflichten – erkrankte er schwer. Am 9. Dank ihm wissen wir heute überhaupt etwas von Fermats bahnbrechenden Leistungen in der Zahlentheorie. seine Entdeckungen der Welt zugänglich zu machen. daß die Liebhaberei seines Vaters von enormer Bedeutung war. daß die Briefe. Im Jahr 1670 brachte er in Toulouse Diophanti Alexandrini arithmeticorum cum observationibus P. und ohne Clément-Samuel wäre das Rätsel des letzten Satzes zusammen mit dem Schöpfer entschwunden. für immer verloren zu gehen. Seine persönlichen Notizen enthielten eine . recht früh in seinem Mathematikerleben.Januar 1665 unterzeichnete er seinen letzten arrêt. liefen seine Entdeckungen Gefahr. die er an Kollegen geschickt hatte. Glücklicherweise erkannte sein ältester Sohn Clément-Samuel. de Fermat heraus. nur Kostproben aus einer ganzen Schatztruhe voller Entdeckungen waren. Da Fermat keine Kontakte zur Pariser Mathematikerschule gepflegt hatte und seine frustrierten Korrespondenzpartner ihn nicht unbedingt in angenehmer Erinnerung bewahrten. die als Fermats letzter Satz oder als Fermatsche Vermutung bekannt werden sollte. die Aufzeichnungen und Briefe seines Vaters zu sammeln und die Randnotizen in seiner Ausgabe der Arithmetica zu entziffern.Der letzte Satz wird endlich veröffentlicht Fermat gelang seine berühmt-berüchtigte Entdeckung schon um das Jahr 1637.

Frontispiz von Clement-Samuel Fermats Ausgabe der Arithmetica des Diophantos von 1670. . Sie enthält die Randnotizen seines Vaters.

.Abbildung 6: Diese Seite enthält Pierre de Fermats berühmt-berüchtigte Randbemerkung.

Fermats Beweis wiederzuentdecken. die gleich 4n + 1 sind. sie für jede einzelne Primzahl zu beweisen.ganze Reihe mathematischer Sätze. einen Satz. Der Beweis war nur einer von vielen. Fermat lieferte gerade genug verlockende Einblicke in seine logischen Gedankengänge. Die Primzahlen lassen sich einteilen in solche.1 sind (mit einer natürlichen Zahl n). Die 13 gehört also zur ersten Gruppe ( 4 × 3 + 1). bei dem es um Primzahlen ging. Die 13 zum Beispiel ist eine Primzahl. Leider fehlte entweder jede Erklärung. daß er tatsächlich Beweise hatte. Die Mathematiker bewerten die Bedeutung von Sätzen nach ihren Auswirkungen auf das gesamte Feld der Mathematik. die Fermat für sich behielt. Dies mochte zwar eine wunderbar schlichte Eigenschaft der Primzahlen sein. Euler machte sich an die Aufgabe. Fermat behauptet in seinem Primzahlsatz. Der obige Primzahlsatz etwa gilt nicht nur für einige. die 19 dagegen zur zweiten (4 × 5 . einer der größten Mathematiker des achtzehnten Jahrhunderts. um die Mathematiker davon zu überzeugen. wenn er eine allgemeine Wahrheit enthält. daß der erste Typ von Primzahlen immer die Summe zweier Quadrate darstelle (13 = 22 + 32). Zweitens müssen wichtige Sätze eine tiefere Wahrheit . diesen Primzahlsatz zu beweisen. Eine Primzahl ist eine Zahl größer als 1. sondern für alle Primzahlen. die keine Teiler hat – sie läßt sich durch keine Zahl außer der 1 und der Primzahl selbst ohne Rest teilen. Nach siebenjähriger Arbeit gelang es Euler 1749. oder es fand sich nur eine Andeutung des zugrundeliegenden Beweises.1). Die 13 läßt sich ohne Rest nicht teilen. doch deren Ausarbeitung blieb als Herausforderung den Kollegen überlassen. eine von Fermats elegantesten Feststellungen zu beweisen. die 14 jedoch nicht. das heißt. versuchte. die 14 hingegen durch 2 und 7. und solche. doch stellte es sich als ausgesprochen schwierig heraus. fast ein Jahrhundert nach Fermats Tod. die gleich 4n . Fermats Reigen mathematischer Sätze enthält fundamentale ebenso wie schlechterdings faszinierende Erkenntnisse. wenn er für eine ganze Kategorie von Zahlen gilt. während der zweite Typ nicht auf diese Weise dargestellt werden könne (19 = ?2 + ?2). Man hält einen Satz erstens dann für wichtig. Leonhard Euler.

Er wäre dann als Einzelschritt in eine ganze Reihe anderer Beweise eingebaut worden. Nur weil Fermat behauptete. er habe den Beweis für einen Satz. um zu einem neuen zu gelangen. Ein mathematischer Satz kann die Quelle für eine ganze Reihe anderer Sätze sein und sogar die Entwicklung völlig neuer Zweige der Mathematik anregen. wenn Fermat ein Fehler unterlaufen und der ungeprüfte Satz tatsächlich falsch wäre? Alle anderen Sätze. Viele Mathematiker haben sich schon in den Schlaf geweint. die ihn enthielten. sie waren in seinen Augen also Sätze (Theoreme). um einen wichtigen neuen Satz beweisen zu können. denn sobald ihre Wahrheit nachgewiesen ist. Bis zu dem Zeitpunkt jedoch. weil ihnen nur ein Glied in der Argumentationskette fehlte. Nehmen wir zum Beispiel an. Weil die Mathematiker einen Satz verwenden. und so weiter. er habe Beweise für jede seiner Feststellungen. Jede logische Argumentation. konnte dieser nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden. durfte jeder Satz nur als Vermutung gelten. Fermat behauptete. jeden einzelnen Satz Fermats zu beweisen. war es entscheidend. kann man gefahrlos weitere Sätze auf sie gründen. Am Ende hätte man hunderte von Sätzen auf die Wahrheit des ursprünglichen. ist selbst eine Vermutung. andernfalls wären die Folgen katastrophal. da die Mathematikerkollegen die einzelnen Beweise abermals entdeckten. wenn bislang ganze Forschungsunternehmen wegen eines fehlenden logischen Bindeglieds lahmgelegt waren. wären zweifelhaft. Schließlich sind Sätze dann wichtig. bevor er anwendbar ist. mit messerscharfer Logik bewiesen sein. Nicht gesicherte Ideen sind unendlich weniger wertvoll und werden als Vermutungen bezeichnet. und weite Bereiche der Mathematik würden in sich zusammenbrechen. Was aber. Jeder Satz muß.über die Beziehungen der Zahlen untereinander offenbaren. Von daher hätte man in den vergangenen 350 Jahren (wie auch im . die sich auf eine Vermutung stützt. nicht geprüften Satzes gegründet. Diese längeren Beweisgänge wären umgehend in noch umfangreichere Beweise eingereiht worden. die Mathematiker hätten einen von Fermats Sätzen als wahr vorausgesetzt. Sätze sind die Fundamente der Mathematik.

das die Mathematiker seit dem neunzehnten Jahrhundert umtreibt. Drei Jahrhunderte lang fanden die Mathematiker keine Lösung.) eher von Fermats letzter Vermutung als von Fermats letztem Satz sprechen sollen. Im Lauf der Jahrhunderte bewies man Fermats Feststellungen eine nach der anderen. der seither Generationen von Berufsmathematikern zur Verzweiflung getrieben hat.angelsächsischen Sprachraum. malte sich einen Streich aus. so Hardy. Daß der Fürst der Amateure behauptet hat. Hardy dachte sich eine Art Versicherungspolice aus. Der englische Mathematiker G. Hardy. Übers. zu keiner tieferen Erkenntnis über die Zahlen führen oder dazu beitragen. Sollte er je eine Seereise antreten müssen. was ihn als das anspruchsvollste Rätsel der Mathematik berühmt und berüchtigt machte. Er hatte den letzten Satz bewiesen: die Frage war nun. weil er so ungeheuer schwer zu beweisen ist. heißt jedoch nicht unbedingt. Anm. der übrigblieb. d. daß er nach den oben genannten Kriterien auch wichtig ist. erwies sich als das hartnäckigste Problem. er könne den Satz beweisen. Fermats lässige Kommentare am Rand seiner Arithmetica-Ausgabe wurden zur Herausforderung für die mathematische Welt. die ihm seine Furcht vor Schiffsreisen nehmen würde. wie allgemein anerkannt. durch den er den Nachkommenden eine ähnlich harte Nuß hinterlassen würde. doch der letzte Satz. H. Fermats letzter Satz ist einzig deshalb so berühmt. bekannt für seinen schrulligen Humor. Der letzte Satz schien zumindest bis in die jüngste Zeit mehrere dieser Kriterien nicht zu erfüllen – offenbar würde sein Beweis nichts weiter bewegen. andere Vermutungen zu beweisen. Daß der Satz. ob ein anderer Mathematiker diesem Genie das Wasser reichen konnte. schwierig zu beweisen ist. setzt dem Problem die Krone auf. Hardys Über- . werde er vorher ein Telegramm an einen Kollegen schicken mit den Worten: HABE RIEMANNSCHE VERMUTUNG BEWIESEN STOP GENAUERES BEI RÜCKKEHR Die Riemannsche Vermutung ist ein Problem.

ein höchst gewinnversprechendes Unternehmen. sie innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu beantworten. Das Rätsel wurde auch über die geschlossene Welt der Mathematiker hinaus bekannt. daß mit der Suche auch einige der spannendsten Episoden der Mathematikgeschichte eingeleitet wurden. und doch kann es so formuliert werden. holt er sich Simons Seele. desto schlimmer wurde es. die menschliche Zivilisation werde wohl schon vor dem Beweis von Fermats letztem Satz ans Ende gelangt sein. Wenn es ihm gelingt. Dieser Beweis ist zum großen Lotteriegewinn in der Zahlentheorie geworden. doch wenn nicht. Die besten Köpfe der Welt haben sich mit Fermats letztem Satz beschäftigt. Nichteindeutige Faktorzerlegung. der Chemie oder der Biologie kann es kein Problem geben. Bell schrieb in seinem Buch. In der Physik. worum es eigentlich geht. 1958 fand es sogar Eingang in eine FaustErzählung. Am folgenden Tag kehrt er zurück und muß seine Niederlage eingestehen: »Du hast gewonnen. Die Anthologie Deals with the Devil enthält eine Kurzgeschichte von Arthur Poges. das mit selbstmörderischer Verzweiflung und Duellen im Morgengrauen vorangetrieben wurde. denn andernfalls würde ein zweites schreckliches Gespenst die Mathematiker heimsuchen. muß er Simon 100 000 Dollar geben. Fermats letzter Satz ist ein überwältigend schwieriges Problem. um ein so schwieriges Problem zu lösen. Je tiefer ich mich darin versenkt habe. Gott werde ihn gewiß nicht ertrinken lassen.legung war. Simon«. daß ein Schulkind verstehen kann. und es überrascht nicht. T. In »The Devil and Simon Flagg« fordert der Teufel Simon Flagg auf. ihm eine Frage zu stellen. ideale . um alle mathematischen Lehren überhaupt in sich aufzusaugen. Simon stellt die Frage: »Ist Fermats letzter Satz wahr?« Der Teufel verschwindet und saust durchs ganze Weltall. sagte er fast flüsternd und betrachtete ihn mit neidlosem Respekt. »Nicht einmal ich kann in so kurzer Zeit genug Mathematik lernen. das so einfach und unzweideutig darlegbar ist und doch so lange Zeit ungelöst bleibt. E.

Zahlen – bah! Weißt du«.« . »nicht einmal die besten Mathematiker auf den anderen Planeten – alle viel weiter als deiner – konnten das Rätsel lösen. Da ist sogar ein Kerl auf Saturn. gestand der Teufel. der aussieht wie ein Pilz auf Stelzen und partielle Differentialgleichungen im Kopf löst: selbst der hat aufgegeben.

Leonhard Euler .

sollten die Historiker davon ausgehen. dem ich einige Hinweise verdankte. doch der junge Andrew glaubte zurecht.3 Eine Schande für die Mathematik Die Mathematik ist kein behutsamer Gang auf freigeräumter Straße. daß er. daß seine Worte zögern. in der sich die Forscher häufig verlieren. »Ich hatte also mit diesem seit dreihundert Jahren ungelösten Problem Bekanntschaft geschlossen.« Wiles war ein völlig unbefangener und zugleich ehrgeiziger Junge. wie das Problem überhaupt in Angriff zu nehmen war. S. ist er meine größte Leidenschaft«. vom Thema so bewegt. Das mochte anderen als tollkühner Traum vorkommen. daß die Karten bereits gezeichnet und die wirklichen Forscher schon woanders sind. Anglin »Seit ich als Kind auf Fermats letzten Satz gestoßen bin. Ich versuchte. deshalb habe ich mit ihnen nicht darüber gesprochen. der eine Chance witterte. W. und er gab mir ein Buch über Zahlentheorie. sagt Andrew Wiles. ein Genie des siebzehnten Jahrhunderts. Zunächst einmal ging ich davon aus. gerade dort erfolgreich zu sein. die auch er angewandt haben könnte. Aber mein Lehrer hatte selbst schon mathematische Forschung betrieben. un- . Wo logische Strenge herrscht. sondern eine Reise in die unbekannte Wildnis. ein Schulkind des zwanzigsten Jahrhunderts. daß Fermat nicht viel mehr über Mathematik wußte als ich damals. wo Generationen von Mathematikern gescheitert waren. seine verlorene Lösung mit den Methoden zu finden. Vielleicht würde er. ebensoviel Mathematik beherrschte wie Pierre de Fermat. Meine Schulkameraden waren zumeist nicht gerade in die Mathematik vernarrt.

während sie in Wirklichkeit falsch ist. auf einen Beweis stoßen. Er zermarterte sich das Hirn. und der Mathematiker stolpert durch seine Berechnungen in der Befürchtung. es könnte einen Weg zum Ziel gar nicht geben. All seiner Begeisterung zum Trotz endete jede Rechnung in einer Sackgasse. Zunächst nahm er sich das Werk des produktivsten Mathematikers der Geschichte vor und zugleich des ersten. Das Beweisziel ist meist klar. und mit jedem weiteren großen Mathematiker der Vergangenheit. In der gesamten Geschichte der Disziplin sind offenbar nur eine Handvoll Mathematiker von den Selbstzweifeln verschont geblie- . Viele haben darüber nachgedacht. und Jahre damit verbringen.« Der junge Wiles prüfte alle jemals unternommenen ernsthaften Versuche. der das Problem in Angriff nahm und dabei scheiterte. doch der Weg liegt im Nebel. den andere. jeder Schritt könnte die Argumentation in die falsche Richtung führen. daß eine Aussage wahr ist. Hinzu kommt die Angst. dem ein Durchbruch im Kampf gegen Fermat gelungen war. Er hat dann im Grunde versucht. wurde die Herausforderung größer und das Geheimnis unergründlicher. romantische Geschichte. Ein Jahr lang scheiterten alle Versuche. und im Teenageralter kam ich zu dem Schluß. »Fermats letzter Satz hat diese unglaubliche. daß ich sie studieren und versuchen mußte zu begreifen. Vielleicht konnte er etwas aus den Fehlern der bedeutenden Mathematiker lernen. Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert hatten es viele Mathematiker auf die unterschiedlichste Weise versucht. Fermats letzten Satz zu beweisen. sie zu beweisen. Ein Mathematiker mag glauben. dann änderte er seine Strategie. Der mathematische Zyklop Der mathematische Schaffensprozeß ist eine schmerzhafte und geheimnisvolle Erfahrung. das Unmögliche zu beweisen. hochgebildete Geister. er wälzte seine Schulbücher und erreichte doch nichts. übersehen hatten.voreingenommen wie er war. wie sie eigentlich vorgegangen waren.

« »Und ich«. Ihr Ruhm verbreitete sich auch über Mathematikerkreise hinaus. sagte über ihn: »Euler rechnete ohne sichtbare Mühe. er könne umfangreiche Berechnungen im Kopf anstellen. ein mathematisches Genie des achtzehnten Jahrhunderts. da sie innerhalb von drei Generationen acht herausragende mathematische Köpfe hervorgebracht hatte – manche sagen. die Mathematikerfamilie überhaupt zu sein. wie ein Mensch atmet.« Daniel schilderte diese Episode des öfteren mit großem Vergnügen. und François Arago. die ihre Kollegen verunsichern.ben. wie eine Anekdote zeigt. der Bernoullis. Euler verfügte über eine unglaubliche Intuition und ein sagenhaftes Gedächtnis. Pflichtbewußt gehorchte Leonhard und studierte an der Universität Basel Theologie und Hebräisch. daß man auf dem besten Wege war. Sekretär der französischen Akademie. entgegnete sein Gesprächspartner sarkastisch. Nach einer Weile stellte er sich auf schlichte Art vor: »Ich bin Daniel Bernoulli. Sie traten an Paul Euler mit . Während einer Reise durch Europa kam Daniel Bernoulli eines Tages mit einem Fremden ins Gespräch. Zum Glück für Euler war Basel auch die Heimat einer außergewöhnlichen Familie. diesen begnadeten Mathematiker in einen ausgesprochen mittelmäßigen Theologen zu verwandeln. beharrte der Vater darauf. oder wie ein Adler. ohne auch nur einmal die Feder aufs Papier zu setzen. so daß es hieß. Der vielleicht bemerkenswerteste unter ihnen war Leonhard Euler. »ich bin Isaac Newton. Obwohl er schon früh eine glänzende Begabung für die Mathematik bewies.« Leonhard Euler wurde als Sohn des calvinistischen Pastors Paul Euler 1707 in Basel geboren. der sich reglos in den Lüften hält. Sie konnte ohne weiteres für sich in Anspruch nehmen. da er in ihr die aufrichtigste Respektbekundung seines Lebens erblickte. daß er Theologie studieren und eine kirchliche Laufbahn einschlagen solle. In ganz Europa galt er als »Analysis persönlich«. die das Ansehen der Familie beleuchtet. was die Familie Bach für die Musik ist. und sie erkannten. Daniel und Nikolaus Bernoulli waren enge Freunde von Leonhard Euler. die Familie Bernoulli sei für die Mathematik. Ihm gelang der erste Durchbruch zum Beweis vom großen oder Fermats letztem Satz.

Mathematik gelernt. Widerstrebend freundete er sich mit dem Gedanken an. doch diente sie vorrangig der Beschreibung eines technischen Problems bei der Bemastung von Schiffen.der dringenden Bitte heran. Die europäischen Mächte zeigten kein Interesse an den Möglichkeiten der Mathematik. Zwar enthielt diese Arbeit elegante und neuartige mathematische Erörterungen. Euler begann seine Laufbahn bei den Zaren. Im Laufe seines Forscherlebens behandelte er die unterschiedlichsten Probleme. sich gegenseitig mit sinnlosen Rätseleien zu foppen. daß sein Sohn zum Rechnen und nicht zum Predigen geboren war. vielmehr wollten sie die Mathematik für die Lösung praktischer Probleme in Anspruch nehmen und konkurrierten dabei um die Dienste der besten Köpfe. von der Navigation bis zu Finanzfragen. abgelegene und abstrakte Ideenwelten zu erkunden. wo er am Hof Katharinas der Großen seine letzten Jahre verbrachte. bevor ihn der preußische König Friedrich der Große an die Berliner Akademie der Wissenschaften einlud. Leonhard Euler verließ bald darauf die Schweiz und verbrachte den größten Teil seiner Schaffenszeit an den herrschaftlichen Höfen von Berlin und Sankt Petersburg. Als Newton 1727 starb. von der Position der Sterne bis hin zur Flugbahn von Kanonenkugeln. unter anderem dank Sir Isaac Newton und seinen wissenschaftlichen Berechnungen. und empfand größte Hochachtung vor dieser Familie. Er hingegen wollte die Mathematik auf die physikalische Welt anwenden. Jakob Bernoulli. Euler senior hatte einst bei Bernoulli senior. Schließlich kehrte er jedoch nach Rußland zurück. und noch im selben Jahr veröffentlichte Euler seinen ersten Artikel. Zu Fermats Zeiten hatte man die Mathematiker noch als amateurhafte Zahlenjongleure betrachtet. Newton war der Auffassung. doch im achtzehnten Jahrhundert galten sie schon als berufsmäßige Problemloser. von der Akustik bis zur Bewässerung. Der Umgang mit den Zahlen hatte sich drastisch gewandelt. den Talar gegen die Zahlen einzutauschen. Leonhard zu erlauben. Diese praktische Welt der Problemlösungen trübte . daß die Mathematiker ihre Zeit damit verschwendeten. hatte Europa eine wissenschaftliche Revolution erlebt.

Dieses Rezept. Daher entwickelte er ein Rezept für eine hinreichend genaue Lösung. Dieses wiederum konnte erneut verwendet werden. Während Erde und Mond einander anziehen. Die Wirkungen von jeweils zwei Himmelskörpern aufeinander konnten mittels Gleichungen berechnet werden. Sinn und Zweck von Eulers Algorithmen war die Bearbeitung scheinbar unlösbarer Probleme.Eulers mathematischen Scharfsinn jedoch nicht im geringsten. veröffentlicht zu werden. Jede neue Aufgabe regte ihn zur Entwicklung origineller und genialer mathematischer Verfahren an. die Sonne. daß es verhältnismäßig leicht ist. um ihre Position bis auf ein paar Seemeilen korrekt zu bestimmen. Selbst heute ist es unmöglich. Eines davon war die äußerst genaue Vorhersage der Mondphasen bis weit in die Zukunft hinein – mit diesem Wissen konnten für die Seefahrt lebenswichtige Navigationskarten erstellt werden. was die Sache enorm kompliziert. Mit leidenschaftlicher Zielstrebigkeit schrieb er täglich mehrere Aufsätze. als Algorithmus bezeichnet. der dann ein genaueres Resultat lieferte. ergab zunächst ein grobes Resultat. das sogenannte »Dreikörperproblem« exakt zu lösen. sondern nur hinreichend genau. Eine der größten Leistungen Eulers war die Entwicklung der algorithmischen Methode. stört die Sonne die Position der Erde und zieht die Umlaufbahn des Mondes in ihre Richtung. Schon Newton hatte gezeigt. eine vollständige Berechnung zu Papier zu bringen. doch im Falle des Mondes ist dies nicht so einfach. doch die Mathematiker des achtzehnten Jahrhunderts konnten den dritten Körper noch nicht in ihre Berechnungen einbeziehen. Euler erkannte. daß die Seefahrer die Mondphasen nicht vollkommen exakt kennen mußten. doch gibt es einen dritten Himmelskörper. die Umlaufbahn eines Himmelskörpers um einen anderen vorauszusagen. Wenn er mit der einen Hand ein kleines Kind in den Schlaf schaukelte. entwarf er mit der anderen Hand noch einen Beweis. das dann wieder in den Algorithmus eingegeben werden konnte. Der Mond umrundet die Erde. Euler verschwendete keinen Augenblick. und der Legende zufolge unternahm er zwischen dem ersten und dem zweiten Ruf zum Abendessen stets noch den Versuch. die es wert war. um ein noch genaue- .

res Resultat zu erzielen. a + bn = x. Nach etwa hundert dieser Näherungsoperationen konnte Euler die Position des Mondes mit einer Genauigkeit bestimmen. Euler unterdessen bereitete die Rückkehr zur theologischen Forschung auch weiterhin Vergnügen. betraf die preußische Stadt Königsberg. Während seines Aufenthalts am Hofe Katharinas der Großen begegnete er dem großen französischen Philosophen Denis Diderot. Ein gewichtigeres Problem. einen Spaziergang über alle sieben Brücken zu unternehmen. er besitze einen algebraischen Beweis für die Existenz Gottes. dem Treiben des gottlosen Franzosen Einhalt zu gebieten. die für die Zwecke der Seefahrt genügte. antworten Sie! « n Diderot. Euler erwarb sich den Ruf. Einige der wißbegierigeren Bürger Königsbergs fragten sich. die ihn mit einem Preis von 300 Pfund belohnte. die Russen zum Atheismus zu bekehren. der wenig von der Algebra verstand. Katharina war darüber erzürnt und bat Euler. Katharina bat Euler und Diderot zu sich in den Palast. Diderot war überzeugter Atheist und verbrachte seine Zeit damit. die sich offenbar über die Grenzen der Wissenschaft hinaus erstreckte. um im Kreise ihrer Höflinge dem theologischem Disput zu lauschen. und er veröffentlichte noch ein paar andere nicht ganz ernstgemeinte Beweise zum Wesen Gottes und des menschlichen Geistes. das Eulers humorvolles Naturell ebenfalls reizte. Euler trat vor das Publikum und verkündete: »Mein Herr. Gedemütigt verließ er Sankt Petersburg und kehrte nach Paris zurück. eine Begabung. konnte gegen den größten Mathematiker Europas kein Argument ins Feld führen und blieb stumm. also existiert Gott. Die Bürger ver- . das heutige russische Kaliningrad. Euler dachte ein wenig über die Sache nach und verkündete dann. ob es möglich wäre. Die Stadt liegt an dem Fluß Pregel und hat vier Stadtteile. und so weiter. Abbildung 7 zeigt die Anlage der Stadt. Er überreichte seinen Algorithmus der britischen Admiralität. die durch sieben Brücken miteinander verbunden sind. ohne eine der Brücken mehr als einmal zu überqueren. jedes ihm gestellte Problem lösen zu können.

und zu Eulers Zeiten ging in der Stadt das Rätsel um. wie in Abbildung 8. bei dem alle Brücken nur einmal überquert werden. daß ein Spaziergang. suchten es mit unterschiedlichen Routen. B. Auch Euler fand keine Lösung. Dann stellte er fest. und die letzte Landpartie betritt er wiederum über nur eine Brücke. Am Beginn verläßt der Spaziergänger eine Landpartie. ob es möglich wäre. A. Sieben Brücken verbinden sie. jedoch vergeblich. C und D. wofür er nur eine Brücke braucht. bei der. wenn ein Punkt mit einer geraden Zahlen von Linien verknüpft ist. die Stadtteile zu Punkten geschrumpft und die Brücken durch Linien ersetzt sind. Euler nahm sich zunächst einen Plan der Stadt vor und entwikkelte davon ausgehend eine vereinfachte Darstellung. aber es gelang ihm zu erklären. bei einem Spaziergang jede Brücke einmal und nur einmal zu überqueren. allgemein nur dann möglich ist.Abbildung 7: Der Pregel teilt die Stadt Königsberg in vier Stadtteile. Für diese Regel gibt es nur zwei Ausnahmen: am Beginn und am Ende des Spaziergangs. Der Spaziergänger muß nämlich eine Landpartie über eine Brücke betreten und über eine andere verlassen. Wenn der . warum ein solcher Spaziergang unmöglich ist.

für jedes beliebige Netz von Brücken gelte. bei dem jede Brücke nur einmal überquert wird. Spaziergang an verschiedenen Orten beginnt und endet.B Abbildung 8: Eine vereinfachte Darstellung der Königsberger Brücken. die alle mit einer ungeraden Zahl von Brücken verbunden sind – drei Punkte haben drei Brücken und einer hat fünf Brücken. Doch wenn der Gang am selben Ort beginnt und endet. jede Königsberger Brücke einmal und nur einmal zu überqueren. den er mit nur einer . Im Fall Königsberg gibt es insgesamt vier Landpartien. doch es regte Euler zur Behandlung abstrakterer Netze an. Euler zog daraus den allgemeinen Schluß. wenn alle Landpartien eine gerade Anzahl von Brücken besitzen oder wenn genau zwei Landpartien eine ungerade Anzahl von Brücken besitzen. warum es unmöglich war. die Euler noch kurz vor dem Abendessen erledigt hat. dann dürfen diese beiden Landpartien eine ungerade Zahl von Brücken haben. Er entdeckte schließlich eine grundsätzliche Wahrheit über alle Netze. nur dann möglich ist. daß ein Spaziergang. die auf jedes Brückennetz in jeder Stadt der Welt angewandt werden konnte. wie alle anderen. eine gerade Anzahl von Brükken besitzen. Das Argument ist wunderbar einfach und entspricht vielleicht genau der Sorte logischer Probleme. Euler konnte erklären. dann muß dieser Punkt. Das Rätsel der Königsberger Brücken war ein Problem der angewandten Mathematik. und er hatte außerdem eine Regel aufgestellt. den Satz von Euler.

daß sie für alle Netze gilt. um eine naturwissenschaftliche Theorie zu begründen. Dies mag zwar hinreichen. die Zahl der Kanten subtrahieren und immer die Zahl 1 erhalten. um einen mathematischen Satz zu beweisen. kann nur mit einem narrensicheren Argument gezeigt werden. .K = 1 mit E = K = F = Zahl der Ecken (Punkte) im Netz Zahl der Kanten (Linien) im Netz Zahl der eingeschlossenen Flächen im Netz. die jedes Netz besitzt: Es gilt: E + F . bei jedem Netz könne man die Zahl der Ecken und Flächen addieren. Euler behauptete. wäre man versucht anzunehmen.Ecken = 4 Flächen = 3 Kanten = 6 Ecken = 6 Flächen = l Kanten = 6 Ecken = 6 Flächen = 5 Kanten = 10 Abbildung 9: Der Satz von Euler trifft auf alle erdenklichen Netze zu. und genau dies gelang Euler. Diese Formel könnte man anhand einer ganzen Reihe von Netzen überprüfen. Daß die Formel für jedes mögliche Netz gilt. So gehorchen zum Beispiel alle Netze in Abbildung 9 dieser Regel. doch nicht. Handvoll Schritte beweisen konnte. Sollte sie jedesmal zutreffen. Er stellt eine zeitlose Beziehung zwischen den drei Eigenschaften dar.

Wie in Abbildung 10 (b) gezeigt. weil die neue Fläche (+ 1) die neue Kante ausgleicht (-1). nämlich einer einzigen Ecke. wenn er diesem einfachsten aller Netze etwas hinzufügte. entsteht durch die Hinzufügung einer Kante auch eine neue Fläche. deshalb gilt: E + F . indem er zeigte. und dann nachwies. Dann überlegte Euler. daß er auch auf jede mögliche Erweiterung der einen Ecke zutrifft. Für jede Erweiterung der einen Ecke ist eine Kante nötig. Sie kann entweder die vorhandene Ecke mit sich selbst verbinden oder sie mit einer neuen Ecke verknüpfen. Kommen weitere Kanten dieser Art . Betrachten wir zunächst den Fall. Er begann mit dem denkbar einfachsten Netz.(a) (b) (c) Abbildung 10: Euler bewies seinen Satz. was passieren würde. daß er für das einfachste Netz gilt.0 = 1. Die Netzformel bleibt also wahr.K = 1 + 0 . bei dem eine Ecke durch diese Kante mit sich selbst verbunden wird. Für dieses Netz stimmt die Formel ganz offensichtlich: es gibt eine Ecke und keine Kanten oder Flächen. wie in Abbildung 10 (a).

Mehr brauchte Euler für seinen Beweis nicht. weil entweder eine neue Ecke oder eine neue Fläche hinzukommt. Fermats letzter Satz besagt. Er stellte fest. Die Formel trifft daher auf die unendliche Menge aller möglichen Netze zu. bleibt der Satz gültig. wobei n eine beliebige Zahl größer als 2 ist. können alle anderen Netze. daß es für eine unendliche Zahl von Gleichungen keine ganzzahligen Lösungen gibt. eine einzige Ecke. Wiederum bleibt Eulers Satz gültig. die ursprüngliche Ecke durch eine Kante mit einer neuen Ecke zu verbinden. Entscheidend ist. daß jede Operation. muß er die Hoffnung gehegt haben. bleibt der Satz gültig. für eine einzige Ecke. gilt. daß die Formel für das einfachste Netz. weil jede neue Kante mit einer neuen Ecke verbunden wird. aber mächtige Strategie entwickelt. Fermats letzter Satz und der Satz von Euler stammen aus sehr unterschiedlichen Gebieten der Mathematik. Kommen auf diese Weise neue Kanten hinzu. Euler hatte eine einfache. Als Euler auf die Fermatsche Vermutung stieß. ihn durch eine ähnliche Strategie beweisen zu können. daß die Netzformel für das einfachste aller Netze gilt. durch die schrittweise Hinzufügung von jeweils einer Kante konstruiert werden. daß Eulers Satz mit jeder neuen Kante Gültigkeit bewahrt. daß Fermat behauptete. Davon ausgehend. Gehen wir nun dazu über. weil die neue Ecke (+ 1) die neue Kante ausgleicht (-1). diese Gültigkeit nicht aufhebt. es gebe keine positiven ganzzahligen Lösungen für die folgende Gleichung: xn + yn = zn. da mit jeder neuen Kante auch eine neue Fläche entsteht. daß die Zahl der Ecken und Flächen minus der Zahl der Kanten immer 1 ergibt. mit dem man das Netz ausbauen kann. und zeigte dann.hinzu. Erinnern wir uns. gleich wie kompliziert. Dem Satz von Euler zufolge gilt für die unendliche Zahl von möglichen Netzen. wie in Abbildung 10 (c). die in der Formel zum Ergebnisausgleich führen. doch haben sie eines gemein: beide sagen etwas aus über eine unendliche Anzahl von Gegenständen. . Er bewies.

Mangel an Zeit und Papier hinderten ihn an einer ausführlicheren Erläuterung. Y 1. Zwar ist dies die vollständigste Rechnung. z = Z 1. doch an einer anderen Stelle seines Exemplars der Arithmetica hatte er in kryptischer Manier einen Beweis für den Einzelfall n = 4 notiert und ihn in den Beweisgang für ein ganz anders geartetes Problem eingearbeitet. Z3) geben. indem er vom einfachsten Fall. ob es möglich wäre zu beweisen. y = Y 1. die Methode des unendlichen Abstiegs. der einzelnen Ecke. Zwar brachte Fermat nie einen Beweis für seinen letzten Satz zu Papier. müsse auch eine Lösung mit einem kleineren (X2. doch bleiben die einzelnen Schritte unvollständig und vage. daß eine dieser Gleichungen keine Lösung besitzt und diesen Beweis dann auf alle übrigen Gleichungen zu übertragen. die Fermat je zu Papier brachte. x 6 + y 6 = z 6. Auf diese Weise hatte er schon seinen Satz für alle Netze bewiesen.Diese Gleichung repräsentiert eine unendliche Reihe von Gleichungen: x 4 + y 4 = z 4. Um zu beweisen. Y3. . . x 5 + y 5 = z 5. und so weiter. Trotz der fehlenden Einzelheiten in Fermats Kritzeleien zeigen sie deutlich eine bestimmte Form des Beweises durch Widerspruch. und daraus allgemeingültige Schlüsse zog. Euler fragte sich. x 7 + y 7 = z 7. Z 1) und kam zu dem Ergebnis. ging Fermat zunächst von der Annahme aus. . daß für die Gleichung x 4 + y 4 = z 4 keine Lösungen existieren. . Dann jedoch mußte es auch eine noch kleinere Lösung (X3. als er einen in den Notizen Fermats verborgenen Hinweis entdeckte. ausging. Y2. und er schließt seinen Beweis mit der Bemerkung. Z2) existieren. wenn es eine Lösung gäbe. Fermat untersuchte die Eigenschaften von (X 1. Euler kam einen gewaltigen Schritt vorwärts. es gäbe eine Lösung x = X 1.

die . die ebenfalls eine ganze ist. und immer war der Beweggrund dafür die Suche nach der Antwort auf ansonsten unlösbare Fragen. und dieser eine Schritt gelang ihm als erster. Negative Zahlen. Erstmals nach einem Jahrhundert hatte ein Mathematiker Fortschritte auf dem Weg zur Lösung des Fermatproblems erzielt. Neben der Addition gibt es ein weiteres einfaches Rechenverfahren. daß er Fermats Methode des unendlichen Abstiegs auf den Fall n = 3 angewandt habe und der Beweis gelungen sei. mag seltsam klingen. 3. Euler versuchte auf der Grundlage dieses Arguments einen allgemeinen Beweis für alle anderen Gleichungen zu entwickeln. 2. was eine Gesamtzahl ergibt. weil sich andernfalls absurde Schlußfolgerungen ergeben würden. Dieser Widerspruch beweist. Diese Zahlen reichen völlig aus. ist die niemals endende Treppe unmöglich. Z1). die wir meist gebrauchen. Fermat hatte mit der Methode des unendlichen Abstiegs gezeigt. die wir zum Zählen verwenden (1. Am 4. auf der man theoretisch unendlich weit zu immer kleineren Zahlen absteigen konnte. Die Geschichte der Zahlen beginnt mit den natürlichen Zahlen.). daß es eine Zeit gab. doch das liegt vor allem an unserer großen Vertrautheit mit den Zahlenarten.Fermat war auf eine Treppe von Lösungen gestoßen. um einfache ganzzahlige Größen zu addieren. Y1. Brüche und irrationale Zahlen mußten ja erst entdeckt werden. Daß neue Zahlen »entdeckt« werden. in der diese Zahlen noch gar nicht existierten.. August 1753 verkündete Euler in einem Brief an den preußischen Mathematiker Christian Goldbach. y und z ganze Zahlen sein. daß die ursprüngliche Annahme. die Anzahl von Schafen etwa oder von Goldmünzen. Wir vergessen dabei. die von den europäischen Mathematikern des sechzehnten Jahrhunderts entdeckt worden war. die Multiplikation. mußte Euler den merkwürdig anmutenden Begriff einer imaginären Zahl ins Spiel bringen. falsch sein muß. Diesen mußte er nicht nur aufwärts bis hin zu n = unendlich führen. daß die Gleichung mit n = 4 keine Lösung haben darf. Allerdings müssen x. und weil es deshalb auch eine kleinste mögliche Lösung geben muß. es gäbe eine Lösung (X1.. Um Fermats Beweis von n = 4 auf n = 3 zu erweitern. sondern auch abwärts nach n = 3.

doch eine negative Münze konnte er nicht greifen. die uns zwingt. nicht wenigstens theoretisch jede einzelne Frage beantworten zu können – eine Anforderung. stellte sich heraus. die ohne den Rückgriff auf Brüche unbeantwortbar wären. doch als sie versuchten. Dasselbe Streben nach Vollständigkeit führte die Griechen zur Entdeckung der irrationalen Zahlen. Während 8 geteilt durch 2 gleich 4 ist. daß 2 geteilt durch 1 8 gleich 4 ist. Das Ergebnis dieser Division ist keine ganze Zahl. sind die Brüche notwendig für die Vollständigkeit. Sie stellten fest. Ein Buchhalter konnte wohl eine Goldmünze in die Hand nehmen. Für die Mathematiker ist es undenkbar. oder auch eine halbe. In Kapitel 2 tauchte die Frage auf. daß 5 minus 3 zwar offensichtlich 2 ergab. wenn wir eine Antwort erhalten wollen. den genauen Bruch zu ermitteln. sondern ein Bruch. mit ganzen Zahlen wiederum ganze Zahlen ergibt. Die Antwort lag jenseits der natürlichen Zahlen und war nur möglich. 3 minus 5 jedoch nicht so einfach zu lösen war. über das Reich der natürlichen Zahlen hinauszugehen. daß diese Zahl in etwa bei 5 lag. Die 7 Griechen wußten. Einige Mathematiker wehrten sich gegen diesen Übergang zur Abstraktion und bezeichneten die negativen Zahlen als »sinnlos« oder »fiktiv«. also 2. wenn man den Begriff der negativen Zahlen einführte.-4 -3 -2 -1 0 ½ +1 2 +2 +3 +4 Abbildung 11: Alle Zahlen können entlang der Zahlengeraden aufgereiht werden. Es gibt gewisse Fragen im Umkreis der natürlichen Zahlen. Hingegen taucht bei der Division ein merkwürdiges Problem auf. welche Zahl die Quadratwurzel von zwei ist. Wir haben hier eine einfache Operation mit natürlichen Zahlen. Dieses Verlangen nach Vollständigkeit führte die Hindus zur Erfindung der negativen Zahlen. stellt sich heraus. In der Sprache der Mathematiker ausgedrückt. die in beiden Richtungen ins Unendliche geht. Sie hatten es mit einer Zahl zu tun. die als Vollständigkeit bezeichnet wird. die nicht als . daß er gar nicht existierte.

und die irrationalen Zahlen waren zwischen den Brüchen verteilt. Die weniger offensichtliche Antwort ist -1. Die ganzen Zahlen waren in gleichem Abstand entlang der Zahlengeraden aufgereiht. doch diese neue Zahlenart war unerläßlich. Das heißt. imaginäre Zahl genannt. Zugleich sind wir gemäß der Vollständigkeitsforderung gezwungen. Allerdings sind keine weiteren Kandidaten für die Lösung in Sicht. i. einführte. denn 1 × 1 = 1. sie hätten nun alle Zahlen im Universum entdeckt. Eine negative Zahl. In der Renaissance glaubten die Mathematiker. Der italienische Mathematiker Rafaello Bombelli stieß bei seinen Untersuchungen zur Quadratwurzel auf eine unbeantwortbare Frage. daß er eine neue Zahl. die positiven rechts von der Null bis ins positiv Unendliche. weil das Quadrat dieser beiden Zahlen + 1 ergibt. 1? Die offensichtliche Antwort lautet 1. Diese gleich doppelte Antwort ist gut und schön. Die Lösung Bombellis bestand einfach darin. -1 × -1 = + 1. Die Antwort kann nicht + 1 oder -1 lauten. ergibt eine positive Zahl. bereit. die negativen links von der Null bis ins negativ Unendliche. die Frage zu beantworten. Diese Zahlen konnte man sich auf einer Zahlengeraden vorstellen. um eine einfache Frage zu beantworten – was ist die Quadratwurzel von zwei? Die Forderung nach Vollständigkeit hatte zur Folge. Die Brüche nahmen die Räume zwischen den ganzen Zahlen ein. einfach definiert als Lö- . Die Quadratwurzel von + 1 ist also sowohl + 1 als auch -1. Die Zahlengerade ließ die Vorstellung aufkommen. aber nun stellt sich die Frage: Was ist die Quadratwurzel der negativen Eins. Alle Zahlen schienen an ihrem Platz zu sein. alle mathematischen Fragen zu beantworten – jedenfalls gab es auf der Zahlengeraden keinen Platz mehr für neue Zahlen. multipliziert mit einer anderen negativen Zahl. Die Schwierigkeiten begannen mit der Frage: Was ist die Quadratwurzel von eins. nun sei endlich Vollständigkeit erreicht. daß man dem Reich der Zahlen eine weitere Kolonie hinzufügte.Bruch dargestellt werden konnte. Doch im sechzehnten Jahrhundert wurde erneut Unzufriedenheit laut. -1 ? Das Problem scheint unlösbar zu sein. einer unendlich langen Geraden mit der Null in der Mitte (Abbildung 11).

sung des Problems: Was ist die Quadratwurzel von minus eins? Das mag nach einer allzu bequemen Antwort aussehen. Nur weil wir mit der ähnlichen Vorstellung der »Schulden« vertraut sind. doch Bombelli verfuhr hier nicht anders als bei der Einführung der negativen Zahlen. fällt uns die Vorstellung der -1 leichter. während wir m der realen Welt nichts vorfinden. Jede Kombination einer reellen und einer imaginären Zahl hat eine Position in der Zahlenebene. was uns den Gedanken einer ima- .imaginäre Achse 4i 3i 2i i ⊕ 1+2i -4 -3 -2 -1 +1 +2 +3 +4 reelle Achse -i -2 i -3 i -4i Abbildung 12: Durch die Einführung einer Achse für die imaginären Zahlen wird die Zahlengerade zu einer Zahlenebene. Da sie vor der ansonsten unbeantwortbaren Frage Was ist null minus eins? standen. legten die Hindus einfach -1 als Lösung fest.

Der deutsche Mathematiker Gottfried Leibniz beschrieb im siebzehnten Jahrhundert ganz treffend die seltsame Natur dieser Zahl: »Die imaginären Zahlen sind eine feine und wunderbare Zuflucht des göttlichen Geistes. Die Mathematiker lösten diese Krise. Mit ein paar geringfügigen Abwandlungen eignen . daß all diese imaginären Zahlen keine ihnen entsprechenden Positionen entlang der reellen Zahlengeraden besaßen. daß mit der Sprache der imaginären Zahlen manche Phänomene der realen Welt am besten beschrieben werden können. Die Zahlen sind nun nicht mehr auf eine eindimensionale Gerade beschränkt. beinahe ein Amphibium zwischen Sein und Nichtsein. das nötig ist. Nun ergab sich das Problem. müssen die Mathematiker nicht noch einmal eine Zahlenart erfinden – die Antwort lautet nämlich 2 + i. befinden sich die Verknüpfungen von reellen und imaginären Zahlen (z. indem sie eine eigene. wiederum eine komplexe Zahl. Bemerkenswert ist hier vor allem. Desgleichen muß 2 existieren. Während die reinen imaginären und reellen Zahlen ausschließlich auf den jeweiligen Geraden liegen. Mit einfachen Schritten ist es möglich. B. auf der sogenannten Zahlenebene. imaginäre Zahlengerade schufen. daß die komplexen Zahlen zur Lösung jeder denkbaren Gleichung herangezogen werden können. ein imaginäres Gegenstück für jede sogenannte reelle Zahl zu erzeugen. Zudem haben die Physiker entdeckt. Um etwa (3 + 4i) zu berechnen. sondern besetzen eine zweidimensionale Ebene. die imaginären Zahlen scheinen das letzte Element zu sein.ginären Zahl näherbringt. Es gibt imaginäre natürliche Zahlen. imaginäre Brüche und imaginäre irrationale Zahlen.« Haben wir i einmal als die Quadratwurzel von -1 definiert. halten die Mathematiker i nicht für abstrakter als eine negative Zahl oder eine natürliche Zahl. die komplexen Zahlen. dann muß es auch 2i geben. die rechtwinklig zur reellen verläuft und sie im Nullpunkt schneidet (Abbildung 12). Mit anderen Worten. 2 + i). denn dies wäre die Summe von i plus i i (und zugleich die Quadratwurzel von -4). um die Mathematik zu vervollständigen. imaginäre negative Zahlen. Obwohl die Quadratwurzeln negativer Zahlen als imaginäre Zahlen bezeichnet wurden.

Auch die reinen Mathematiker haben sich die imaginären Zahlen für die Beantwortung zuvor undurchdringlicher Probleme zunutze gemacht.sich die imaginären Zahlen nämlich hervorragend. den Beweis zu erweitern. Daß ihm der erste Durchbruch beim schwersten Problem der Welt gelungen war. Der Mann. In der Vergangenheit hatten andere Mathematiker versucht. am Ende fruchtlos. Diese enorme Leistung konnte Euler bei anderen Fällen des Fermatproblems allerdings nicht wiederholen. als die Pariser Akademie einen Preis für die Lösung . Euler hingegen zeigte. Löcher in diesem Beweisverfahren zu stopfen und mit der Methode des unendlichen Abstiegs auch den Fall n = 3 zu erledigen. Die imaginären Zahlen bringen im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Dimension in die Mathematik. Diese Bewegung. und die theoretischen Physiker berechnen die Ergebnisse schwingender quantenmechanischer Wellenfunktionen mit Hilfe der Potenzen imaginärer Zahlen. eine um so bemerkenswertere Leistung. Unglücklicherweise blieben alle Bemühungen Eulers. Euler ließ sich von seinem Scheitern nicht beirren und schrieb bis zu seinem letzten Tag brillante mathematische Arbeiten. blieb ihm als einziger Trost. diesen zusätzlichen Freiheitsgrad für die Lösung des Fermatproblems einsetzen zu können. sah sich durch Fermats Herausforderung gedemütigt. ergaben jedesmal Lücken in der logischen Argumentation. doch diese Versuche. technisch ausgedrückt eine Sinusschwingung. Fermats Methode des unendlichen Abstiegs auch auf weitere Fälle neben n = 4 anzuwenden. Euler hegte die Hoffnung. als er während der letzten Schaffensphase völlig blind war. daß es mit Hilfe der imaginären Zahl i möglich war. der in der Mathematik mehr geschaffen hat als jeder andere in der Geschichte. Heute verwenden die Elektroingenieure die Zahl i. und so sind die imaginären Zahlen zu einem festen Bestandteil vieler physikalischer Berechnungen geworden. um die natürlichen Schwingungen etwa von Pendeln zu analysieren. Der Verlust seines Augenlichts setzte 1735 ein. um Schwingströme zu analysieren. seine Argumentation auf die unendliche Zahl von Fällen auszudehnen. findet sich überall in der Natur.

um seine Fertigkeit vor Einbruch der völligen Dunkelheit zu vervollkommnen. auf einem Auge erblindete.« Euler kehrte nach Rußland zurück. als ein grauer Star in seinem noch intakten Auge erkennen ließ. und dank seines sagenhaften Gedächtnisses konnte er das eigene Gehirn als . Ganz versessen auf die Lösung. der daraufhin an D’Alembert schrieb: »Ihren Bemühungen sowie Ihrer Empfehlung verdanke ich es. und genau besehen war er produktiver denn je. Vierzig Jahre später. Auf den Rat Jean Le Rond D’Alemberts hin ersetzte man Euler durch Joseph-Louis Lagrange als Mathematiker am Hof Friedrichs des Großen. verschlimmerte sich sein Zustand erheblich. sich nicht aufzugeben. daß die Mathematiker die Akademie ersuchten. begann er. arbeitete er drei Tage lang ununterbrochen an der Aufgabe und gewann selbstverständlich den Preis. für die Beantwortung mehrere Monate Zeit zu gewähren. daß Euler. Das Problem war so vertrackt. der seine zwei Augen hat. im Alter von sechzig Jahren. und sein Sohn Albert trat ihm als Sekretär zur Seite. damals noch in den Zwanzigern. Schreiben zu üben. Der Verlust eines Augenlichts war nur ein kleines Handikap tatsächlich verkündete Euler. Die Übungen zahlten sich eine Zeitlang aus. Nur ein paar Wochen später war er blind. Sein gewaltiger Intellekt ermöglichte es ihm. ohne sie aufs Papier bringen zu müssen. Entschlossen. daß bei meiner Akademie der einäugige Meßkünstler durch einen ändern. Auch in den folgenden siebzehn Jahren setzte Euler seine mathematische Arbeit fort. Die schlechten Arbeitsbedingungen und die enorme Anstrengung hatten jedoch zur Folge. nun werde er »weniger Ablenkung« haben. ist ersetzt worden: welches besonders der anatomischen Klasse sehr behagen wird.eines astronomischen Problems ausschrieb. daß er eines Tages vollkommen erblinden mußte. doch nach ein paar Monaten wurde Eulers Schrift unleserlich. zeigen die Erkrankung des rechten Auges. Viele Porträts von ihm. auch das am Anfang dieses Kapitels. das schwächer werdende Auge geschlossen haltend. wo Katharina die Große ihren »mathematischen Zyklopen« willkommen hieß. Euler jedoch hatte das nicht nötig. mit Begriffen zu jonglieren.

geistige Bibliothek benutzen. Seine Kollegen stellten fest, seit dem Verlust des Augenlichts hätte sich der Horizont seiner Einbildungskraft offenbar noch ausgedehnt. Nebenbei bemerkt führte Euler seine Berechnungen zu den Mondpositionen aus, während er blind war. Die europäischen Herrscher schätzten diese mathematische Errungenschaft besonders hoch ein. Das Problem hatte die größten Mathematiker Europas, darunter Newton, in Verwirrung gestürzt. Im Jahr 1776 wurde Euler an seinem grauen Star operiert, und ein paar Tage lang schien es, als sei sein Augenlicht wiederhergestellt. Dann kam es zur Infektion, und Euler stürzte zurück in die Dunkelheit. Unerschüttert setzte er seine Arbeit fort, bis er am 18. September 1783 einen tödlichen Schlaganfall erlitt. Der Mathematiker und Philosoph Marquis de Condorcet schrieb: »Euler hörte auf zu leben und zu rechnen.«

Kleine Schritte
Ein Jahrhundert nach Fermats Tod war seine Vermutung nur für zwei besondere Fälle bewiesen. Er selbst noch hatte den Mathematikern einen guten Start verschafft und gezeigt, daß es keine Lösungen gibt für die Gleichung x 4 + y 4 = z 4. Euler hatte den Beweis erweitert und nachgewiesen, daß es keine Lösungen gibt für x 3 + y 3 = z 3. Nach Eulers Durchbruch stand allerdings der Beweis immer noch aus, daß es für die unendliche Reihe von Gleichungen keine ganzzahligen Lösungen gibt: x 5 + y 5 = z 5, x 6 + y 6 = z 6, x 7 + y 7 = z 7,

x 8 + y 8 = z 8, x 9 + y 9 = z 9, . . . Die Mathematiker kamen zwar nur peinlich langsam voran, doch war die Lage nicht ganz so schlecht, wie sie auf den ersten Blick aussehen mochte. Der Beweis für den Fall n = 4 erledigt auch die Fälle n = 8, 12, 16, 20... Der Grund dafür ist, daß jede Zahl, die als 8 te (oder 12 te, 16 te, 20 te...) Potenz geschrieben werden kann, auch als 4 te Potenz dargestellt werden kann. Zum Beispiel ist die Zahl 256 gleich 28 und gleich 44. Deshalb gilt jeder Beweis, der auf die 4 te Potenz zutrifft, auch für die 8te Potenz und für jede Potenz, die ein Mehrfaches von 4 ist. Entsprechend diesem Prinzip gilt Eulers Beweis für den Fall n = 3 auch für die Fälle n = 6, 9, 12, 15 ... Mit einem Mal geraten die Zahlen ins Wanken und Fermat scheint bezwingbar. Der Beweis für den Fall n = 3 ist besonders wichtig, weil die Zahl 3 eine Primzahl ist. Wie schon erläutert, zeichnet sich eine Primzahl dadurch aus, daß sie nicht das Vielfache einer ganzen Zahl ist, mit Ausnahme der 1 und ihrer selbst. Weitere Primzahlen sind 5, 7, 11, 13 ... Alle übrigen Zahlen sind Vielfache von Primzahlen und werden als zusammengesetzte Zahlen bezeichnet. Für die Zahlentheoretiker sind Primzahlen die wichtigsten Zahlen überhaupt, weil sie die Atome der Mathematik bilden. Primzahlen sind die Bausteine der Zahlen, weil alle anderen Zahlen erzeugt werden können, indem man verschiedene Primzahlen multipliziert. Dies scheint zu einem erstaunlichen Durchbruch zu führen. Um Fermats letzten Satz für alle Werte von n zu beweisen, muß nur gezeigt werden, daß er für alle Primzahlwerte von n gilt. Alle anderen Fälle sind nur Mehrfache der Primzahlfälle und wären dann implizit mitbewiesen. Auf den ersten Blick vereinfacht sich damit das Problem gewaltig, denn die Gleichungen, in denen n keine Primzahl ist, können beiseite gelassen werden. Die Zahl der verbleibenden Gleichungen ist nun drastisch reduziert. So müssen für die Werte von n bis zur Zahl 20 nur sechs Fälle bewiesen werden:

x5 x7 x 11 x 13 x 17 x 19

+ + + + + +

y5 y7 y 11 y 13 y 17 y 19

= = = = = =

z 5, z 7, z 11, z 13, z 17, z 19.

Wird Fermats letzter Satz für die Primwerte von n bewiesen, ist er zugleich für alle Werte von n bewiesen. Was die ganzen Zahlen angeht, so ist offensichtlich, daß es unendlich viele gibt. Faßt man jedoch allein die Primzahlen ins Auge, die nur einen kleinen Teil aller ganzen Zahlen ausmachen, ist dann das Problem nicht einfacher? Intuitiv scheint klar: Wenn man mit einer unendlichen Menge beginnt und dann den größten Teil von ihr abzieht, erhält man etwas Endliches. Leider ist die Intuition nicht der Richter über die Wahrheit in der Mathematik, sondern die Logik. Tatsächlich kann bewiesen werden, daß die Liste der Primzahlen nie aufhört. Obwohl man also den überwiegenden Teil der Gleichungen mit den Nicht-Primwerten für n beiseite lassen kann, ist die Menge der verbleibenden Gleichungen mit Primwerten für n immer noch unendlich groß. Der Nachweis, daß es unendlich viele Primzahlen gibt, reicht weit zurück bis auf Euklid und ist einer der klassischen Beweisgänge der Mathematik. Euklid geht von einer endlichen Liste bekannter Primzahlen aus und zeigt, daß es möglich ist, diese Liste unendlich oft zu verlängern. In Euklids endlicher Liste gibt es N Primzahlen, genannt (P, P2, P , . . . P N ) . Euklid kann nun eine neue Zahl QA erzeugen, wobei Q A = (P l × P 2 × P 3 ... × PN ) + 1. Diese neue Zahl QA ist entweder eine Primzahl oder keine Primzahl. Wenn sie prim ist, ist es uns gelungen, eine neue, größere Primzahl zu finden, und deshalb ist die ursprüngliche Liste der Primzahlen nicht vollständig. Wenn QA hingegen nicht prim ist, muß sie ohne Rest durch eine Primzahl teilbar sein. Diese Primzahl kann keine der uns bekannten sein, denn wenn wir QA durch eine

der Primzahlen auf unserer Liste teilen, bleibt unweigerlich ein Rest von 1. Es muß daher eine neue Primzahl geben, die wir als PN + 1 bezeichnen können. Wir sind nun zu dem Schluß gelangt, daß entweder QA eine neue Primzahl ist oder aber PN +1. Wie dem auch sei, wir haben unserer ursprünglichen Liste eine neue Primzahl hinzugefügt. Diesen Vorgang können wir nun wiederholen, diesmal mit unserer neuen Primzahl (PN +1 oder QA) auf der Liste, und eine neue Zahl QB erzeugen. Sie wird entweder eine neue Primzahl sein, oder es wird eine weitere Primzahl PN +2 existieren müssen, die noch nicht auf unserer Liste bekannter Primzahlen verzeichnet ist. Die Folgerung aus diesem Argument lautet: Wie lang auch immer unsere Liste von Primzahlen sein mag, es ist immer möglich, eine neue zu finden. Deshalb hört die Liste der Primzahlen nie auf, sie ist unendlich. Doch wie kann etwas, das unbestreitbar kleiner ist als eine unendlich große Menge, ebenfalls unendlich sein? Der deutsche Mathematiker David Hilbert hat einmal gesagt: »Das Unendliche hat wie keine andere Frage von jeher so tief das Gemüt des Menschen bewegt; das Unendliche hat wie kaum eine andere Idee auf den Verstand so anregend und fruchtbar gewirkt; das Unendliche ist aber auch wie kein anderer Begriff so der Aufklärung bedürftig.« Um das Paradox des Unendlichen aufzulösen, muß bestimmt werden, was mit dem Unendlichen gemeint ist. Georg Cantor, der mit Hilbert zusammenarbeitete, definierte das Unendliche als die Größe der niemals endenden Liste der natürlichen Zahlen (1, 2, 3, 4...). Demnach ist alles, was vergleichbar groß ist, ebenfalls unendlich. Dieser Definition zufolge ist die Anzahl der geraden natürlichen Zahlen, die uns zunächst kleiner vorkommen mag, ebenfalls unendlich. Es ist leicht zu zeigen, daß die Menge der natürlichen Zahlen und die Menge der geraden Zahlen vergleichbar sind, weil wir jede natürliche Zahl mit einer geraden Zahl paaren können: 1 2 3 4 5 6 7 ...


2


4


6


8


10


12

⇓ ...
14 ...

Wenn jedes Element aus der Liste der natürlichen Zahlen mit einem Element aus der Liste der geraden Zahlen gepaart werden kann, dann müssen die beiden Listen gleich groß sein. Diese Vergleichsmethode führt zu einigen überraschenden Schlußfolgerungen, unter anderem zu der Feststellung, daß es eine unendliche Anzahl von Primzahlen gibt. Obwohl Cantor der erste war, der sich auf formalem Wege an das Unendliche heranwagte, handelte er sich wegen seiner radikalen Definition zunächst heftige Kritik seitens der Mathematikerkollegen ein. Gegen Ende seiner Laufbahn wurden die Angriffe immer persönlicher, so daß er am Ende psychisch erkrankte und unter schweren Depressionen litt. Schließlich jedoch, nach seinem Tode, fanden seine Ideen weithin Anerkennung als einzige in sich stimmige, genaue und mächtige Definition des Unendlichen. Voller Hochachtung äußerte sich Hubert: »Aus dem Paradies, das Cantor uns geschaffen, soll uns niemand wieder vertreiben können.« Auf Hubert geht auch das als Hilberts Hotel bezeichnete Gedankenexperiment zurück, das die merkwürdigen Eigenschaften des Unendlichen gut veranschaulicht. Dieses Hotel hat den Vorzug, unendlich viele Zimmer zu haben. Eines Tages kommt ein neuer Gast an und muß zu seiner Enttäuschung erfahren, daß trotz der unendlichen Größe des Hotels alle Zimmer belegt sind. Hilbert, der Empfangschef, denkt eine Weile nach und versichert dem Neuankömmling schließlich, er werde ein freies Zimmer finden. Er bittet alle schon anwesenden Gäste, in das nächste Zimmer zu ziehen, so daß der Gast in Zimmer 1 in Zimmer 2 umzieht, der Gast in Zimmer 2 in Zimmer 3 und so weiter. Alle, die schon im Hotel waren, haben weiterhin ein Zimmer, und der neue Gast kann ins leere Zimmer 1 einziehen. Am Abend darauf muß Hubert mit einem viel größeren Problem fertig werden. Das Hotel ist immer noch voll, als ein unendlich großer Bus mit unendlich vielen neuen Gästen vorfährt. Hilbert bewahrt ruhig Blut und reibt sich die Hände bei dein Gedanken an unendlich viele Hotelrechnungen. Er bittet alle schon einquartierten Gäste, in das Zimmer umzuziehen, dessen Nummer doppelt so groß ist wie die ihres gegenwärtigen Zimmers. Der Gast

in Zimmer 1 zieht also in Zimmer 2, der Gast in Zimmer 2 in Zimmer 4, und so weiter. Alle Hotelgäste haben auch weiterhin Zimmer, und doch sind unendlich viele Zimmer – all jene mit ungeraden Nummern – für die neuen Gäste frei geworden. Huberts Hotel legt die Vorstellung nahe, alle Unendlichkeiten seien gleich groß, weil verschiedene Unendlichkeiten offenbar im selben Hotel Platz finden können – die Unendlichkeit der geraden Zahlen kann der Unendlichkeit der natürlichen Zahlen gegenübergestellt und mit ihr verglichen werden. Allerdings sind bestimmte Unendlichkeiten tatsächlich größer als andere. So ist der Versuch, die rationalen und die irrationalen Zahlen einander paarweise zuzuordnen, zum Scheitern verurteilt, und tatsächlich kann gezeigt werden, daß die unendliche Menge der irrationalen Zahlen größer ist als die unendliche Menge der rationalen Zahlen. Die Mathematiker mußten ein ganz eigenes Begriffssystem entwickeln, um mit den verschieden großen Unendlichkeiten zurechtzukommen, und die Zauberei mit diesen Begriffen ist in der Mathematik gegenwärtig eine brandheiße Sache. Die Hoffnungen auf einen raschen Beweis von Fermats letztem Satz gingen zunichte, weil es eine unendliche Menge von Primzahlen gibt. Doch gerade dieser Umstand ist in anderen Bereichen der Mathematik, in der Spionage und in der Evolution der Insekten durchaus vorteilhaft. Bevor wir zur Suche nach einem Beweis für Fermats Vermutung zurückkehren, lohnt es sich, einen kurzen Blick auf Gebrauch und Mißbrauch von Primzahlen zu werfen. Die Theorie der Primzahlen ist eines der wenigen Gebiete der reinen Mathematik, das in der wirklichen Welt unmittelbar von Nutzen ist, nämlich in der Kryptologie. Hier geht es um die Verschlüsselung geheimer Mitteilungen, und zwar auf eine Weise, daß allein der Empfänger sie entschlüsseln kann und kein Dritter, der sie möglicherweise abfängt. Zur Verschlüsselung muß ein geheimer Schlüssel verwendet werden, den der Empfänger bisher nur gleichsam andersherum zu drehen hatte, um die Botschaft zu entschlüsseln. Bei diesem Verfahren ist der Schlüssel das schwächste Glied in der Sicherheitskette. Zunächst einmal müssen sich Sender und Empfänger über die einzelnen Merkmale des Schlüssels einigen,

und der Austausch dieser Informationen birgt viele Risiken. Sollte der Gegner in der Lage sein, die Informationen zum Schlüssel beim Austausch abzuhören, kann er alle späteren Mitteilungen entschlüsseln. Zudem muß der Schlüssel aus Sicherheitsgründen regelmäßig verändert werden, jedesmal unter dem Risiko, daß der neue Schlüssel abgefangen werden kann. Das Problem mit dem Schlüssel besteht im Kern darin, daß man ihn in die eine Richtung dreht, um eine Mitteilung, etwa einen Funkspruch, zu »zerhacken«, und in die andere Richtung, um die Nachricht wieder zusammenzusetzen – wobei dies fast so leicht ist wie das »Zerhacken«. Der alltäglichen Erfahrung nach ist jedoch das Zusammensetzen in vielen Fällen schwieriger als das Zerhakken – wie es auch relativ einfach ist, ein Ei zu zerschlagen, jedoch enorm schwierig, es wieder zusammenzusetzen. In den siebziger Jahren kamen Whitfield Diffie und Martin Hellman auf die Idee, sich einmal mathematische Verfahren anzuschauen, die in der einen Richtung ganz leicht, in der Gegenrichtung jedoch unglaublich schwer zu bewerkstelligen sind. Ein solches Verfahren würde einen perfekten Schlüssel liefern. So könnte ich zum Beispiel meinen eigenen zweiteiligen Schlüssel verwenden, dessen »verschlüsselnde« Hälfte ich in einem allgemein zugänglichen Verzeichnis veröffentlichen könnte. Dann könnte jeder verschlüsselte Mitteilungen an mich schicken, doch nur ich besäße den »entschlüsselnden« Teil des Schlüssels. Zwar kennt dann jeder den Verschlüsselungsteil, doch dieser hat keine Ähnlichkeit mit dem Entschlüsselungsteil. Ronald Rivest, Adi Shamir und Leonhard Adleman, eine Arbeitsgruppe von Mathematikern und Computerwissenschaftlern am Massachusetts Institute of Technology, erkannten im Jahr 1977, daß die Primzahlen eine ideale Grundlage für diesen Prozeß der leichten Verschlüsselung/schweren Entschlüsselung bieten. Um meinen persönlichen Schlüssel anzufertigen, würde ich zwei riesige Primzahlen auswählen, jede mit bis zu 80 Stellen, und sie dann multiplizieren, so daß ich eine noch größere zusammengesetzte Zahl erhalte. Um Mitteilungen zu verschlüsseln, braucht man nur die große zusammengesetzte Zahl, zur Entschlüsselung

doch selbst bei dieser kleinen Zahl ist nicht offensichtlich. Die periodischen Zikaden. mir verschlüsselte Nachrichten zukommen zu lassen. und alle. praktisch nicht mehr zu lösen. Um gegnerische Spione auflaufen zu lassen. besitzen die längste Lebensspanne unter den Insekten. welches die Primfaktoren sind. Ihr einzigartiger Lebenszyklus beginnt unter der Erde. Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Selbst wenn die besten Computer der Welt eingesetzt würden. Die beiden Primfaktoren von 589 würde ich geheimhalten. die sogenannten Primfaktoren. die beiden Primfaktoren herauszufinden. Ich könnte die zusammengesetzte Zahl 589 veröffentlichen und damit allen ermöglichen. Sollten andere die beiden Primfaktoren herausfinden. müßten sich von neuem an den Versuch machen. und damit wäre die Aufgabe. vor allem die Magicicada septendecim. die ich wirklich veröffentlichen würde. so daß nur ich diese Nachrichten entschlüsseln könnte. Nun kann ich die große zusammengesetzte Zahl veröffentlichen. Allerdings hätte die Primzahl. wo die Nymphen geduldig Nährlösung aus den . um diese riesige zusammengesetzte Zahl (den verschlüsselnden Teil des Schlüssels) in ihre beiden Primfaktoren zu zerlegen (den entschlüsselnden Teil). Die Primzahlen spielen nicht nur eine Rolle in der Spionage.hingegen muß man die beiden ursprünglichen. müßte ich daher jährlich nur einmal den Schlüssel wechseln. die beiden Primfaktoren zu berechnen. um auszurechnen. den Verschlüsselungsteil des Schlüssels. Mein Schlüssel bliebe daher nicht lange geheim. miteinander multiplizierten Primzahlen kennen. Entscheidend ist. für mich behalten. die meine Nachrichten entschlüsseln wollen. es jedoch immens schwierig ist. könnten auch sie meine Nachrichten entschlüsseln. riesige zusammengesetzte Zahl bekannt. Einmal im Jahr gebe ich meine neue. über hundert Stellen. brauchte man mehrere Jahre für die Lösung. und die beiden Primfaktoren. den Entschlüsselungsteil. ihre Primfaktoren herauszufinden. In diesem Falle brauchte man nur ein paar Minuten mit einem Schreibtisch-Computer. sondern tauchen auch in der Natur auf. daß dann zwar alle Welt die zusammengesetzte Zahl kennt. daß die Primfaktoren 31 und 19 (31 × 19 = 589) lauten.

Magicicada tredecim. die eine Primzahl von Jahren dauert. Dann. denn andernfalls würden der Parasit und die Zi kade regelmäßig aufeinandertreffen. und wenn er länger lebt. werden sie sich nur alle 34 Jahre treffen. was darauf hindeutet. Denn 17 ist nicht teilbar. der durch 2 teilbar ist. in dem er jährlich auftauchen muß. Um zurückzuschlagen. die durch 3 teilbar ist. nach siebzehn Jahren des Wartens. die die Häufigkeit des Zusammentreffens erhöhen würden . daß solche Lebenszyklen einen evolutionären Vorteil bieten. warum die Zikaden einen so langen Lebenszyklus besitzen. legen ihre Eier und sterben. in die er sich einni sten kann. Parasit und Zikade würden auf einer bestimmten Stufe . Und wenn der Parasit einen Lebenszyklus von drei Jahren hat. Während der folgenden Wochen paaren sie sich. denn sonst treffen Parasit und Zikade wiederum regelmäßig aufeinander. will die Zikade eine Lebens spanne vermeiden.der Einjahreszyklus und der 17-Jahre-Zyklus der Zikade. Das hieße. eine lange Lebensspanne zu erreichen. septendecim wird selten auf ihren Parasiten treffen. stehen dem Parasiten nur zwei Lebens zyklen zur Verfügung. dann »will« die Zikade einen Lebenszyklus vermeiden. der eben falls ein langes Leben hat und den die Zikade abzuschütteln ver sucht. Und hat es eine Bedeutung. wühlen sich die erwachsenen Zikaden aus der Erde heraus und überschwemmen eine Zeitlang in riesigen Schwärmen das Land. nur alle 272 (16 × 17) Jahre. Hat der Parasit eine Lebensspanne von zum Beispiel zwei Jahren. Die Biologen haben sich lange mit dem Rätsel herumgeschlagen. Wenn die Generationen von Parasiten hingegen einen Lebenszyklus von 17 Jahren erreichen wollen. müßte ihre Evolu tion sie erst einmal bis zum Lebenszyklus von 16 Jahren bringen. Einer Theorie zufolge hat die Zikade einen Parasiten. Wenn der Parasit zwei Jahre lebt.Wurzeln von Bäumen saugen. denn in den ersten 16 Jahren wird es keine Zikaden geben. Schließlich ist es die beste Strategie der Zikade. Der Parasit wird jedoch kaum den Zeitraum von 17 Jahren überleben. zum Beispiel 16 Jahre. daß ihr Leben eine Primzahl von Jahren dauert? Eine andere Spezies. schwärmt alle dreizehn Jahre aus. und die Magicicada.

Mathematik zu studieren. weil er Schülerinnen nach Kräften förderte: Theano war nur eine von 28 Schwestern im pythagoreischen Bund. Vielleicht erklärt dies. in die ersten Ränge der Schule aufstieg und den Lehrer schließlich heiratete. Monsieur Le Blanc Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts schon war Fermats letzter Satz das berüchtigtste Problem der Zahlentheorie. Das Ergebnis ist eine Zikade mit einem Lebenszyklus von 17 Jahren. den sie nicht mehr braucht. Pythagoras ist als der »feministische Philosoph« bekannt. was ihm schließlich den Garaus machte. Seit Eulers Durchbruch hatte es keine weiteren Fortschritte gegeben. die gegen das Establishment kämpften und ihre Namen unauslöschlich in die Annalen dieser Wissenschaft einschrieben. warum der vermutete Parasit noch nicht gefunden wurde! Bei dem Verfolgungsrennen mit der Zikade hat der Parasit seine Lebensspanne wahrscheinlich bis auf die Schwelle von 16 Jahren ausgedehnt. Sophie Germain lebte in einer von Chauvinismus und Vorurteilen gegen Frauen geprägten Zeit. Dann ist er 272 Jahre lang nicht mehr mit der Zikade zusammengetroffen. die zunächst Schülerin von Pythagoras war. weil ihr Parasit nicht mehr existiert. unter fürchterlichen Bedingungen zu studieren und in geistiger Isolation zu arbeiten. war sie gezwungen. und um ihre Forschungen durchführen zu können. eine falsche Identität anzunehmen.der Evolution 272 Jahre lang nicht zusammentreffen! In beiden Fällen wird die Zikade von ihrem langen Primzahlzyklus geschützt. die der Disziplin nachweislich ihren Stempel aufgeprägt hat. doch trotz der Diskriminierung gab es einige Mathematikerinnen. war Theano im sechsten Jahrhundert vor Christus. Jahrhundertelang wurden die Frauen davon abgehalten. Die erste Frau. doch die dramatische Erklärung einer jungen Französin sollte die Suche nach dem verlorenen Beweis Fermats von neuem anheizen. .

warum sie nie geheiratet habe. sie sei mit der Wahrheit vermählt. riß ihr die Kleider vom Leib und schleifte sie in die Kirche. wo sie auf barbarische Weise von Peter dem Leser und einer Horde wilder und gnadenloser Fanatiker niedergemetzelt wurde. Maria Agnesi wurde 1718 in Mailand geboren. die er als Häretiker bezeichnete. Erst in der Renaissance erwarb sich erneut eine Frau einen Namen als Mathematikerin. Philosophen. als Cyril. man kratzte ihr mit scharfen Austernschalen das Fleisch von den Knochen und übergab ihre zitternden Gliedmaßen den Flammen. antwortete sie. wie Hypatia als Tochter eines Mathematikers. Am Ende war ihre Hingabe an die Sache des Rationalismus der Grund für ihren Sturz. und galt als die größte Problemlöserin. Auf die Frage.In späteren Jahrhunderten sollten Männer wie Sokrates und Platon ebenfalls Frauen zum Eintritt in ihre Schulen ermuntern. was geschah. In Italien wurden Kurven versiera genannt. doch erst im vierten Jahrhundert nach Christus gründete eine Mathematikerin ihre eigene. Mathematiker. Hypatia. schrieben ihr mit der Bitte um eine Lösung. »drehen«. doch war das . Sie war ganz besessen von der Mathematik und dem Verfahren des logischen Beweises. Der Historiker Edward Gibbon schildert anschaulich. Wissenschaftler und Mathematiker zu unterdrücken. war berühmt dafür. einflußreiche Schule. als Cyril gegen Hypatia intrigiert und die Massen gegen sie aufgebracht hatte: An einem todüberschatteten Tage während der heiligen Fastenzeit zerrte man Hypatia aus ihrem Wagen. die Tochter eines Mathematikprofessors an der Universität von Alexandria. die beliebtesten Vorlesungen in der bekannten Welt zu halten. vom Lateinischen vertere. Sie fand in ganz Europa Anerkennung als eine hervorragende Vertreterin ihres Faches und wurde besonders berühmt für ihre Abhandlungen über Kurventangenten. und Hypatia enttäuschte ihre Bewunderer nur selten. der Patriarch von Alexandria. damit begann. Bald nach dem Tode Hypatias versank die Mathematik in eine Phase der Stagnation. die sich monatelang an einem bestimmten Problem festgebissen hatten.

ihr eine Forschungsstelle zu gewähren. Was werden unsere Soldaten denken. Neben den persönlichen Anfeindungen teilte Noether auch vieles andere mit den Mathematikerinnen früherer Jahrhunderte. So verweigerte man Emmy Noether. daß die meisten Frauen mit entsprechendem Talent nie mit dem Thema in Berührung kamen oder ermuntert wurden.. kann sie auch Professor und Mitglied des Senats werden. sich mit Mathematik zu beschäftigen. Außerdem heirateten Noether. doch bei den Frauen liegt der Prozentsatz besonders hoch. Der Senat ist schließlich keine Badeanstalt!« Als ihr Kollege Edmund Landau später gefragt wurde. Die Mehrheit der Fakultätsvertreter meinte: »Wie kann man zulassen. ob sie wirklich eine große Mathematikerin sei. während die Gelehrtentöchter kaum umhin konnten. Die Bezeichnung für eine von Agnesi untersuchte Kurve (versiera Agnesi) wurde mit »witch (Hexe) of Agnesi« falsch ins Englische übersetzt. doch daß sie eine Frau sei. Der Grund dafür ist wohl. warum das Geschlecht der Kandidatin ein Argument gegen ihre Zulassung als Privatdozent sein sollte. antwortete er. daß eine Frau Privatdozent wird? Einmal Privatdozent. die Einstein als bedeutendstes mathematisches Genie seit Einführung der höheren Bildung für Frauen bezeichnete. weigerten sich viele akademische Institutionen. »Frau des Teufels«. eine Dozentenstelle an der Universität Göttingen.. und in der Folge nannte man die Mathematikerin selbst bei diesem Namen. daß sie zu Füßen einer Frau studieren sollen?« Ihr Freund und Mentor Hubert antwortete: »Meine Herren. insbesondere die französische Akademie. ich sehe nicht ein. daß sie ein großer Mathematiker sei. Die institutionalisierte Diskriminierung von Frauen setzte sich noch bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein fort. Viele Mathematiker beiderlei Geschlechts stammen aus Mathematikerfamilien. Agnesi und die . er könne bestätigen. wenn sie an die Universität zurückkehren und feststellen. Obwohl die Mathematiker in ganz Europa Maria Agnesis fachliches Können bestätigten.Wort zugleich ein Kürzel für avversiera. Hypatia. So war auch sie die Tochter eines Mathematikprofessors. könne er nicht beschwören. in die Welt der Zahlen einzudringen.

das Thema zu erörtern. doch die Familie gehörte nicht der Aristokratie an. der einer platonischen Beziehung nicht abgeneigt war. Eigens dafür gab es eine Reihe von Lehrbüchern. als sie ihre Liebe zu den Zahlen entdeckte. als respektable verheiratete Frau konnte Sonja viel leichter ganz Europa bereisen. und die Schreckensherrschaft überschattete ihr Studium der Analysis. Obwohl die Pariser Salons im achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts die mathematische Welt weitgehend beherrschten. wurde die Bastille gestürmt. Abgesehen von der Arbeit war ihr Leben von den Wirren der Französischen Revolution beherrscht – im selben Jahr. Sophies Vater war zwar finanziell erfolgreich. Die große russische Mathematikerin Sonja Kowalewski macht hier eine Ausnahme. die jungen Frauen die neuesten Entwicklungen in der Mathematik und den Naturwissenschaften nahebringen sollten. gelang es nur einer Frau. ihren Familien zu entkommen und sich ihren Forschungen zu widmen. doch erwartete man von ihnen genug einschlägiges Wissen. Die Mathematik sei für Frauen nicht geeignet und jenseits ihrer geistigen Fähigkeiten.April 1776 als Tochter des Kaufmanns Ambroise-François Germain geboren. Frauen seien . sollte es in der gepflegten Konversation einmal auftauchen. um in der Lage zu sein. Sophie Germain revolutionierte die Forschung zu Fermats letztem Satz und leistete einen größeren Beitrag als irgendeiner ihrer männlichen Vorgänger. Von allen europäischen Ländern zeigte sich Frankreich den gebildeten Frauen gegenüber am chauvinistischsten. die bereit waren. Die Heirat erlaubte es beiden Partnern. hieß es. sich den Zwängen der französischen Gesellschaft zu entziehen und sich als große Zahlentheoretikerin zu etablieren. Francesco Algarotti war der Autor von Newtons Welt-Wissenschaft für das Frauenzimmer. vor allem weil eine solche Laufbahn für Frauen gesellschaftlich nicht akzeptabel war und es wenige Männer gab. Frauen mit einer so umstrittenen Tätigkeit zu ehelichen. Da Algarotti glaubte. Die jungen Damen vom gesellschaftlichen Rang Germains wurden zwar nicht gerade ermuntert. Sophie Germain wurde am 1.meisten anderen Mathematikerinnen nicht. Mathematik zu studieren. Sie arrangierte eine Vernunftehe mit ihrem Mann Wladimir.

Newtons Entdeckungen anhand eines Gesprächs zwischen einer Marquise und ihrem mathematisch gebildeten Konversationspartner zu erläutern. daß dieses Verhältnis.. auch in der Liebe zur Geltung kommt.Sophie Germain nur an romantischen Geschichten interessiert. versuchte er. Dieser erklärt etwa..« .. So ist die Liebe nach acht Tagen der Abwesenheit vierundsechzigmal weniger intensiv als am ersten Tage. woraufhin die Marquise ihre eigene Deutung dieses grundlegenden Naturgesetzes offeriert: »Ich muß unweigerlich denken. daß die Anziehungskraft von Massen mit dem Quadrat ihrer Entfernung abnimmt. das Quadrat der Entfernungen..

um sie vom Mathematikstudium abzuhalten. Graf Guglielmo Libri-Carucci dalla Sommaja. sich selbst die Grundlagen der Zahlentheorie und der Analysis beizubringen und studierte bald bis spät in die Nacht hinein die Werke von Euler und Newton. doch in seinen späten Siebzigern zerstörte das eindringende römische Heer diesen Frieden. Archimedes hatte sein Leben in Syrakus verbracht und es dort in vergleichsweise ruhigen Zeiten dem Studium der Mathematik gewidmet. Sophie Germain zog daraus den Schluß. mit der Begründung. Die Darstellung seiner Entdeckungen war zweifellos interessant. daß Sophies Vater Kerzen. Sophie Germain wehrte sich. Sie machte sich sofort daran. Dieses plötzliche Interesse an einem so wenig femininen Thema beunruhigte ihre Eltern. doch zweifellos war sie auch ungeheuer ent- . daß er schließlich im Tod endete. sollte sich ihr Leben verändern. Nur ein paar Jahre später schloß in Großbritannien der Vater der jungen Mathematikerin Mary Somerville ebenfalls die Kerzen weg. er müsse dieser Entwicklung Einhalt gebieten. doch was Sophies Einbildungskraft besonders erregte. Ein Freund der Familie. »sonst haben wir Mary eines Tages in der Zwangsjacke«. Kleidung und den Ofen aus dem Zimmer entfernte. die Sophie Germains Interesse an der Mathematik weckten. daß die Tinte im Faß gefror. legte ein geheimes Kerzenversteck an und wickelte sich in Bettücher ein. Erst als sie eines Tages in der Bibliothek ihres Vaters stöberte und dabei zufällig auf Jean-Étienne Montuclas Buch Histoire de la Mathématique stieß. Manche beschrieben sie als scheu und ungeschickt. doch Sophie habe unbeirrt weitergemacht. daß es nicht diese galante Sorte von Büchern war. müsse die Mathematik das fesselndste Wissensgebiet der Welt sein. Libri-Carucci zufolge waren die Winternächte so kalt. wenn jemand von einem geometrischen Problem derart vereinnahmt sein konnte.Kein Wunder. daß er die Fragen eines römischen Soldaten nicht beantwortete. Der Soldat tötete ihn mit dem Speer. Der Legende zufolge war Archimedes während der Invasion so tief in das Studium einer geometrischen Figur im Sand versunken. war das Geschehen um seinen Tod. Besonders Montuclas Abhandlung über das Leben des Archimedes zog ihre Phantasie in Bann. berichtete.

Alles lief nach Plan. weil es keinen Mathematiker in der Familie gab. und während ihrer ganzen Laufbahn finanzierte der Vater ihre Forschungen. ihre wahre Identität preiszugeben. der sie inspirierte und mit dem sie offen über ihre Fähigkeiten und Ambitionen sprechen konnte. Für Germain wäre dies der ideale Ort gewesen. Wegen ihres scheuen Wesens konnte sie sich nicht offen mit der Leitung der Akademie anlegen. Lagrange. statt dessen entschloß sie sich. an. Monsieur Antoine-August Le Blanc. Dann wurde im Jahr 1794 in Paris die École Polytechnique eröffnet. Endlich hatte Sophie Germain einen Lehrer. und druckte weiter Vorlesungsnotizen und Aufgaben für ihn. um ihre mathematischen Fähigkeiten zu entwickeln – doch die Institution war Männern vorbehalten. daß der wirkliche Monsieur Le Blanc Paris schon verlassen hatte. Lagrange war verblüfft. der sie in die neuesten Ideen einführen konnte. Die Verwaltung der Akademie wußte nicht. einer der besten Mathematiker des neunzehnten Jahrhunderts. und ihre Tutoren sie nicht ernst nahmen. Joseph-Louis Lagrange. ließ die Problemlösungen hinter sich und verlegte ihre Studien auf unerforsch- . so daß die Eltern schließlich nachgaben und Sophie ihren Segen gaben. Dessen Lösungen waren nicht nur erstaunlich genial. die brillanten Lösungen des Monsieur Le Blanc auffielen. Germain war gezwungen. Sie sollte eine Akademie der besten Köpfe sein und Mathematiker und Naturwissenschaftler zum Dienst an der Nation ausbilden. Germain gelang es. der zuvor wegen seiner miserablen mathematischen Fähigkeiten in Verruf gestanden hatte. bis nach ein paar Monaten dem Fachbeauftragten für den Kurs.schlössen. Auch arbeitete sie weiterhin lange Jahre allein. bat den verwandelten Studenten um ein Treffen. sondern ließen auch auf die wundersame Verwandlung eines Studenten schließen. fand jedoch Gefallen an der jungen Frau und wurde ihr Mentor und Freund. die für Le Blanc bestimmten Unterlagen zu bekommen und reichte jede Woche unter ihrem Pseudonym die Lösungen der Aufgaben ein. unter falschem Namen an der École zu studieren und nahm die Identität eines ehemaligen Studenten der Akademie. Germain gewann zusehends an Selbstvertrauen. Germain heiratete nie.

. war Gauß der »Fürst der Mathematiker«. bis sie schließlich zu der Auffassung gelangte. und war daran gescheitert. Bell Fermat als »Fürst der Amateure« bezeichnete. erfolglosen Beweisversuche zu neuartigen mathematischen Verfahren geführt. um Rat zu fragen. mit dem sie ihre Ideen erörtern konnte. der wichtigsten und umfassendsten Abhandlung seit Euklids Elementen. etwa zum Beweis durch unendlichen Abstieg und zur Verwendung imaginärer Zahlen. Nun brauchte sie einen Kollegen auf dem Feld der Zahlentheorie. daß ihm die intellektuellen Trauben hier zu hoch hingen. Gauß’ Werk beeinflußte alle Gebiete der Mathematik.. einen bedeutenden Durchbruch erzielt zu haben.. und immerhin hatten die späteren. denn es lassen sich eine Menge solcher Sätze leicht aufstellen. Preisfrage . bin ich Ihnen sehr verbunden. den die Pariser Akademie für die Lösung des Fermatproblems ausgeschrieben hatte: »Die. hatte ihn aufgefordert. den Pariser Preis betreffend. doch seltsamerweise veröffentlichte er nie etwas über Fermats letzten Satz. T. an einem Wettbewerb teilzunehmen. noch widerlegen kann. gleich ganz nach oben zu gehen und den größten Zahlentheoretiker der Welt. scheint mir recht für Sie gemacht.te Gebiete der Mathematik. Vor allem fand sie Interesse an der Zahlentheorie und hörte daher zwangsläufig auch von Fermats letztem Satz. lieber Gauß. der deutsche Astronom Wilhelm Olbers.« Das war keineswegs anmaßend von Gauß. Ich gestehe zwar. es gebe einen Beweis. war er jedenfalls so beeindruckt von ihrer . Germain hatte durch die Lektüre seines Meisterwerks Disquisitiones arithmeticae mit seiner Arbeit Bekanntschaft geschlossen. so daß der abschlägige Bescheid an Olbers nur zum Ausdruck brachte. das Problem zu lösen. Ein Freund. Als er Sophie Germains Brief erhielt. den deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Gauß gilt als einer der brillantesten mathematischen Köpfe aller Zeiten. Während E.« Zwei Wochen später antwortete dieser: »Für Ihre Nachrichten. doch hatte Fermat klar gesagt.. Vielleicht hatte Gauß früher schon einmal versucht. Mehrere Jahre lang arbeitete sie an dem Problem. und sie entschloß sich. In einem Brief äußerte er sich sogar verächtlich über das Problem. die man weder beweisen. daß das Fermatsche Theorem als isolierter Satz für mich wenig Interesse hat.

daß er seine zwiespältigen Gefühle gegenüber Fermats letztem Satz zeitweilig hintanstellte. daß es für diesen bestimmten Wert von n keine Lösungen gab. auch Germain. andere Einzelfälle zu beweisen. daß es bei solchen Primzahlwerten von n vermutlich keine Lösungen für die Gleichung xn + yn = zn gibt. Dann. Legendre war schon in seinen Siebzigern und hatte noch die Wirren der Französischen Revolution erlebt. daß der Fall . Dirichlet hingegen war ein brillanter junger Zahlentheoretiker. Ein dreiviertel Jahrhundert zuvor hatte Euler seinen Beweis für n = 3 veröffentlicht. es war nicht mehr ihr unmittelbares Ziel. denn 27 (2 × 13 + 1) ist nicht prim. einen bestimmten Fall zu lösen. Germain konnte auf elegante Weise zeigen. den Regierungskandidaten für das Institut National zu unterstützen. vergeblich versucht. die 13 gehört nicht dazu. daß p größer als z und 2p + 1 ebenfalls eine Primzahl ist. sondern etwas über viele Fälle auf einmal zu sagen. und als er seinen Beitrag zu Fermats letztem Satz leistete. stellte man seine Pensionszahlungen ein. daß Lösungen existierten.bahnbrechenden Leistung. y oder z keine Vielfachen von n sein konnten. müßten entweder x. Beide konnten unabhängig voneinander beweisen. Das heißt. die sich um eine bestimmte Gattung p von Primzahlen drehte. wandte Germain eine neue Strategie an und begann an einem sogenannten allgemeinen Lösungsansatz zu arbeiten. zwischen denen eine ganze Generation lag. Weil er sich weigerte. und damit auch zeigten. weil 11 ( 2 × 5 + 1) ebenfalls prim ist. im Jahr 1815. zwei Mathematikern. was den Möglichkeitsbereich von Lösungen sehr stark einschränkte. Germains Liste von Primzahlen enthält die 5. und seit damals hatten Mathematiker. dank Johann Peter Gustav Lejeune-Dirichlet und Adrien-Marie Legendre. war er völlig verarmt. Mit »vermutlich« meinte sie. y oder z Vielfache von n sein. In ihrem Brief an Gauß skizzierte sie eine Rechnung. es sei unwahrscheinlich. der gerade zwanzig geworden war. daß x. für die gilt. Im Jahr 1825 konnte sie mit ihrer Methode den ersten vollständigen Erfolg verbuchen. Kollegen überprüften ihre Liste von Primzahlen eine nach der ändern und versuchten zu beweisen. denn wenn es solche gäbe.

ereilen. dem Befehlshaber der Truppen. wenn nicht Kaiser Napoleon auf den Plan getreten wäre. eine Mitteilung mit der Bitte. mit vereinten Kräften Fermats letzten Satz Fall für Fall zu beweisen.« Germains Beitrag wäre vielleicht für immer fälschlicherweise dem mysteriösen Monsieur Le Blanc zugute geschrieben worden. Im Jahr 1806 stürmte die französische Armee durch eine preußische Stadt nach der ändern und eroberte schließlich das ganze Land. Vierzehn Jahre später gelang den Franzosen ein weiterer Durchbruch.« Gauß. das Schicksal des Archimedes könnte nun auch ihren anderen großen Helden. und es kommt mir gewissermaßen wie eine Unverschämtheit vor. die Sicherheit von Gauß zu gewährlei- . einen genialen Mann zu behelligen.n = 5 keine Lösungen hat. befürchtete sie. daß die Arithmetik in Ihnen einen so fähigen Freund gefunden hat. griff Germain erneut zu ihrem Pseudonym Monsieur Le Blanc. Germain hatte den Zahlentheoretikern gezeigt. da ich doch wegen nichts anderem seine Aufmerksamkeit beanspruchen darf als wegen einer Bewunderung. wie eine ganze Gruppe von Primzahlfällen zu erledigen war. Um sich zu schützen. Germain befürchtete. Gauß. der die wahre Identität der Absenderin nicht kannte. doch gründeten sie ihre Beweise und ihren Erfolg auf Sophie Germains Vorarbeit. versuchte Germain die Befangenheit zu nehmen und antwortete: »Es freut mich. doch zunächst fand sie für ihre bahnbrechende Leistung keine Anerkennung. Sophie Germains Arbeit an Fermats letztem Satz sollte ihr größter Beitrag zur Mathematik werden. Als Germain an Gauß schrieb. Furcht und Respekt gegenüber Gauß zeigen sich in einem ihrer Briefe an ihn: »Leider entspricht die Tiefe meines Intellekts nicht der Unersättlichkeit meines Appetits. daß der große Mathematiker sie wegen ihres Geschlechts nicht ernst nehmen würde. und nun war es an ihren Kollegen. war sie noch in den Zwanzigern. Gabriel Lamé ergänzte Germains Verfahren auf geniale Weise und führte den Beweis für die Primzahl n = 7. und obwohl sie sich in Paris schon einen Ruf erworben hatte. und schickte ihrem Freund General Joseph-Marie Pernety. die notwendig von allen seinen Lesern geteilt wird.

sein Leben verdanke er Mademoiselle Germain. nicht eingebildet sind. was mir zu glauben so schwer fällt. daß die Reize dieser Wissenschaft. daß der geschätzte Korrespondent Monsieur Le Blanc sich in diese erlauchte Persönlichkeit verwandelte. die ein treffliches Exempel darstellt für das. als die Vorliebe. denn von Sophie Germain hatte er nie gehört. um sich mit ihrer heiklen Erforschung vertraut zu machen. ganz außergewöhnliches Talent. Gauß war zum Professor für Astronomie an der Universität Göttingen berufen worden. er wandte sich von der Zahlentheorie ab und verlegte seine Interessen . Der Geschmack an den abstrakten Wissenschaften im allgemeinen und im besonderen an den Geheimnissen der Zahlen ist äußerst selten. dennoch versteht.sten. aber überrascht. die den Mut haben. überlegenen Geist besitzen. sie gründlich zu untersuchen. Der General kümmerte sich daraufhin ganz besonders um den deutschen Mathematiker. die infolge unserer Sitten und unserer Vorurteile auf unendlich viel mehr Hindernisse stoßen muß als die Männer. In der Tat. Gauß. mit der Sie sie beehrt haben. dem er erklärte. Gauß war dankbar. Das Versteckspiel war zu Ende. nichts konnte mir auf angenehmere und unzweideutigere Art beweisen. In Germains nächstem Brief an Gauß enthüllte sie widerstrebend ihre wahre Identität. keineswegs wütend ob der Täuschung. Sophie Germains Korrespondenz mit Carl Friedrich Gauß war ihr immer wieder Anregung für das eigene Werk. dann muß sie ohne Zweifel edelsten Mut. darüber braucht man sich nicht zu wundern: Die reizenden Zauber dieser erhabenen Wissenschaft enthüllen sich in ihrer ganzen Schönheit nur denen. diese Hürden zu überwinden und in die verborgensten Geheimnisse einzudringen. als ich sah. schrieb ihr mit Vergnügen zurück: Doch wie meine Bewunderung und Verblüffung beschreiben. Wenn aber eine Person weiblichen Geschlechts. die mein Leben mit so vielen Genüssen verschönt haben. doch im Jahr 1808 brach die Beziehung mit einem Mal ab.

so seltsam es klingt. um den Totenschein für diese bedeutende Gefährtin und Arbeitspartnerin der erlauchtesten Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften auszustellen. die voll fruchtbarer Erkenntnisse steckte und der modernen Elastizitätstheorie den Boden bereitete. doch begann sie eine ereignisreiche und wiederum glänzende Laufbahn als Physikerin. der die Universität Göttingen veranlaßte. Zwar leistete sie keine weiteren Beiträge zum Beweis von Fermats letztem Satz. Ihr wichtigster Beitrag zur Physik war eine »Abhandlung zu den Schwingungen elastischer Platten«. nur um abermals mit den Vorurteilen des Establishments konfrontiert zu werden. Für ihre Forschungen und die Arbeit zu Fermats letztem Satz verlieh ihr das Institut de France eine Medaille. Beim Bau des Eiffelturms waren die Ingenieure verpflichtet. deren Forschungen so viel zum Aufbau der Elastizitätstheorie von Metallen beigetragen haben – den Sophie Germains. bezeichnete er sie als »rentière-annuitant« (alleinstehende Frau ohne Beruf) – nicht als »mathématicienne«.auf die stärker anwendungsbetonte Mathematik. Und doch. In diesen stolzen Bau wurden die Namen von zweiundsiebzig Wissenschaftlern eingemeißelt. Doch man wird auf dieser Liste den Namen jener genialen Tochter des Geistes nicht finden. weshalb Agnesi nicht Mit- . Das ist nicht alles. den Frankreich je hervorgebracht hat. Gegen Ende ihres Lebens schließlich nahm sie erneut Verbindung zu Carl Friedrich Gauß auf. der Elastizität des verwendeten Materials besondere Aufmerksamkeit zu widmen. und die Academic des Sciences ließ sie als erste nicht mit einem Mitglied verheiratete Frau als Vorlesungshörerin zu. Tragischerweise starb Sophie Germain noch vor der Verleihungsfeier an Brustkrebs. Im Rückblick war sie wohl der profundeste weibliche Geist. Wurde sie in diese Liste nicht aufgenommen aus dem gleichen Grunde. Ohne ihren Mentor schwand ihr Selbstvertrauen zusehends. Germains Briefe zu beantworten hielt er nicht mehr für nötig. ihr einen Ehrentitel zu verleihen. und innerhalb eines Jahres gab sie die reine Mathematik auf. als der Vertreter des Staates kam.

welche sich in hohem Maße um die Wissenschaft verdient gemacht und durch ihre Leistungen einen beneidenswerten Platz in der Ruhmeshalle errungen hat.J. bat Augustin Louis Cauchy. Die Pariser Salons schwirrten vor Gerüchten. Die Anwesenden waren verblüfft. ebenfalls einer der besten Pariser Mathematiker. der das Geheimnis von Fermats letztem Satz endlich lüften würde. skizzierte jedoch schon einmal seine Vorgehensweise und sagte mit Genugtuung voraus. fällt die Schande auf jene. Cauchy gab der Akademie bekannt. Nun galt es nicht mehr nur. Sobald Lamé den Sitzungssaal verlassen hatte.glied der französischen Akademie werden konnte – weil sie eine Frau war? Es sieht danach aus. der den Fall n = 7 ein paar Jahre zuvor bewiesen hatte. um die Erlaubnis zu sprechen. mit einer Ausnahme. Er gab zu. H. am 1. Sollte dies wirklich zutreffen. daß Gabriel Lamé. Die Protokolle halten fest. darunter eine Goldmedaille und 3 000 Franc für jenen Mathematiker. den Ruhm für den Beweis zu erringen. Dann. die Herausforderung war jetzt auch mit einer sehr wertvollen Belohnung verbunden. daß er mit ähnli- . die für diese Undankbarkeit gegen eine Frau verantwortlich sind. er sei einem Beweis der Fermatschen Vermutung sehr nahe. fand die dramatischste Sitzung in der Geschichte der Akademie statt. Mozans. wer wohl welche Strategie einsetzen werde und wann endlich die Verkündung eines Ergebnisses zu erwarten sei. 1913 Die versiegelten Umschläge Nach der bahnbrechenden Leistung Sophie Germains schrieb die französische Akademie der Wissenschaften eine Reihe von Preisen aus. daß sein Beweis noch unvollständig sei. März 1847. vor die bedeutendsten Mathematiker der Zeit ans Podium trat und verkündete. daß er in den kommenden Wochen einen vollständigen Beweis im Journal der Akademie veröffentlichen werde.

Gabriel Lamé .

Während des ganzen Aprils stieg die Spannung. würden die versiegelten Umschläge zur Klärung der Frage dienen. sondern Joseph Liouville. und so reichten sie nur drei Wochen nach ihren Ankündigungen versiegelte Umschläge bei der Akademie ein. ohne daß sie Einzelheiten ihrer Arbeiten aufdecken mußten. Allen Darstellungen zufolge war Cauchy ein selbstgerechter Mensch. ihre Ansprüche geltend zu machen. daß die Zeit eine wesentliche Rolle spielte.chen Verfahren wie Lamé gearbeitet habe und daß auch er einen vollständigen Beweis veröffentlichen werde. der einen vollständigen Beweis erbrachte. den jedoch auf weiten Strecken seiner Laufbahn ein grimmiger. Sollte es später zu einem Streit um die Urheberschaft kommen. Dies war damals gängige Praxis. weil er ein brillanter Kopf war. um die geistige Urheberschaft von Mathematikern festzustellen. Obwohl keiner der beiden Rivalen einen vollständigen Beweis besaß. so doch vielversprechende Einzelheiten ihrer Beweise in den Sitzungsberichten der Akademie. der vor die Akademie trat. Dann. am 24. Es war weder Cauchy noch Lamé. sahen jedoch zugleich. auf bigotte Weise religiös und bei seinen Kollegen äußerst unbeliebt. Der erste. waren sie erpicht darauf. Kummers Vater. Die Akademie tolerierte ihn nur. denn Cauchy und Lamé publizierten wenn auch vage. vom Haß auf Napoleon angeheizter Patriotismus von seiner wahren Berufung abhielt. gab es eine Ankündigung. die alle Spekulationen beendete. der Stadtarzt. dem Beweis des letzten Fermatsatzes greifbar nahe zu sein. Die ganze Mathematikergemeinde wartete gespannt auf den endgültigen Beweis. Mai. fiel in- . Während seiner Kindheit war das französische Heer in seine Heimatstadt Sorau einmarschiert und hatte eine Typhusepidemie mitgeschleppt. würde den prestigeträchtigsten und wertvollsten Preis in der Mathematik erhalten. Cauchy und Lamé waren überzeugt davon. doch viele hofften insgeheim. Kummer war ein Zahlentheoretiker höchsten Ranges. Lamé und nicht Cauchy möge das Rennen machen. Er verlas einen Brief des deutschen Mathematikers Ernst Kummer und versetzte damit dem gesamten Publikum einen Schock.

Augustin Louis Cauchy .

daß sich die beiden Franzosen auf dem Weg in die gleiche logische Sackgasse befanden. der im Buch IX seiner Elemente bewies. Und eines Tages schließlich lehrte er Ballistik an der Berliner Militärakademie. 7 × 11 × 23. das sich an der Pariser Akademie abspielte. . die als Primfaktorzerlegung bezeichnet wird. die Cauchy und Lamé zu veröffentlichen gewagt hatten. 2×3 ×2 ×3 × × 3 5 × × 5. die miteinander multipliziert eine bestimmte zusammengesetzte Zahl ergeben. daß sie für alle natürlichen Zahlen gilt. bestens informiert. Sobald er die Universität verlassen hatte. Kummer zufolge bestand das Problem im wesentlichen darin. Diese beruht darauf. Die Primfaktorzerlegung wurde schon im vierten Jahrhundert vor Christus von Euklid entdeckt. alles in seinen Kräften Stehende zu tun. daß es genau eine mögliche Kombination von Primzahlen gibt. Parallel zu seiner militärischen Laufbahn betrieb Kummer Forschungen auf dem Gebiet der reinen Mathematik. Dieser Nachweis ist ein unerläßlicher Baustein für viele andere Beweise und gilt heute als Hauptsatz der Zahlentheorie. Er hatte die Sitzungsberichte gelesen und die wenigen Einzelheiten unter die Lupe genommen. So war er über das Drama. Auf die gleiche Weise lassen sich auch die folgenden Zahlen in Primfaktoren zerlegen: 35 = 5 180 = 2 106 260 = 2 × × 7. und in dem Brief an Liouville skizzierte er seine Einwände. und er schwor sich.nerhalb weniger Wochen der Krankheit zum Opfer. um sein Land vor weiteren Angriffen zu schützen. So ist zum Beispiel die Zahl 18 aus folgenden Primfaktoren zusammengesetzt: 18 = 2 × 3 × 3. daß die Beweise von Cauchy und Lamé sich auf eine Eigenschaft von Zahlen stützten. Für Kummer war offensichtlich. Für Kummer war diese Erfahrung ein schwerer Schock. verwendete er seine ganze Intelligenz auf das Problem der Flugbahnen von Kanonenkugeln.

Auch die 59 und die 67 stellten unter den Primzahlen bis 100 besondere Fälle dar. daß es für die Gleichung x n + y n = z n. daß dies nicht unbedingt gelten mußte. Das Problem der eindeutigen Primfaktorzerlegung konnte zum Beispiel für alle Primzahlen bis einschließlich n = 31 vermieden werden. versetzte den Beweisen von Cauchy und Lamé einen schweren Schlag. keine Lösungen gibt. die Verknüpfung einer reellen und einer imaginären Zahl. machte sie jedoch nicht unbedingt völlig zunichte. Unglücklicherweise nahmen jedoch beide für ihre Beweise auch imaginäre Zahlen in Anspruch. für verschiedene Werte von n die Primfaktorzerlegung eindeutig zu machen. wie Hunderte von Mathematikern vor ihnen.-11) Die (1 + -11) ist eine komplexe Zahl. Allerdings war die Sache bei der Primzahl n = 37 nicht so einfach. kann beispielsweise die Zahl 12 nur in die Primfaktoren 2 × 2 × 3 zerlegt werden. warum Cauchy und Lamé sich nicht auf die Primfaktorzerlegung stützen sollten.Auf den ersten Blick gab es keinen Grund. Obwohl die Multiplikation hier im Vergleich zu den gewöhnlichen Zahlen komplizierter ist. Es gibt nun nicht mehr nur eine Faktorzerlegung. doch Kummer wies darauf hin. Lassen wir jedoch auch imaginäre Zahlen für unseren Beweis zu. sondern man kann zwischen mehreren Zerlegungen wählen. kann die 12 außerdem noch folgendermaßen zerlegt werden: 12 = (1 + -11) × (1 . Diese sogenannten irregulären Primzahlen. Die Beweise sollten zeigen. wenn imaginäre Zahlen ins Spiel kamen. Daß die Faktorzerlegung nun auf mehrere Weisen möglich war. Wie weiter oben in diesem Kapitel erläutert. Ihm zufolge steckte hier ein kapitaler Fehler. die 12 zu faktorisieren. mit n größer als 2. mußte der Beweis nur für die Primzahlwerte von n erbracht werden. Wenn wir uns auf reelle Zahlen beschränken. Zwar können natürliche Zahlen auf nur eine Weise in Primfaktoren zerlegt werden. Kummer zeigte. führt die Existenz der komplexen Zahlen zu einer weiteren Möglichkeit. daß es mit zusätzlichen Verfahren möglich ist. die in der Reihe der Primzahlen immer wie- .

Ernst Kummer .

das schwierigste Problem ihres Faches lösen zu können. Im Rückblick betrachtet war die Voraussetzung der eindeutigen Primfaktorzerlegung bestenfalls zu optimistisch. wollte Cauchy die Niederlage nicht eingestehen. Die Entwicklung dieser besonderen Verfahren wäre jedoch ein langwieriges Unternehmen. Kummer hatte gezeigt. erkannte Lame. Kummer wies darauf hin. doch gegen Ende des Sommers verfiel auch er in Schweigen. würden alle Mathematiker der Welt bis ans Ende der Zeiten beschäftigt sein. so glaubte er. Wollte man sie Schritt für Schritt abarbeiten. weniger stark auf der eindeutigen Primfaktorzerlegung. Über mehrere Wochen noch veröffentlichte er einschlägige Artikel. Wäre er offener mit seiner Arbeit umgegangen. gab es die Möglichkeit. schlimmstenfalls tollkühn. in dem er die Lage treffend charakterisierte: . waren nun die Stolpersteine für einen endgültigen Beweis. im Vergleich zu Lamés Beweisversuch.der auftauchen. Dies war ein glänzendes Stück mathematischer Logik. schlimmer noch. dann wäre diese Geschichte nicht passiert. Kummers Brief war ein verheerender Schlag für Lamé. hätte er den Irrtum schon früher erkennen können.« Während sich Lamé gedemütigt fühlte. mit der sich das Problem der irregulären Primzahlen auf einen Streich erledigen ließe. die Menge der irregulären Primzahlen sei unendlich groß. Allerdings könne man jede einzelne irreguläre Primzahl mit eigens auf sie zugeschnittenen Methoden behandeln. oder ich in Berlin. und. daß ein vollständiger Beweis von Fermats letztem Satz mit den zeitgenössischen Verfahren der Mathematik noch nicht gelingen konnte. die gehofft hatten. daß sie einen Fehler enthielt. doch ein schwerer Schlag für eine ganze Generation von Mathematikern. fuße. Cauchy schrieb 1875 für die Akademie einen Abschlußbericht zur Preisvergabe für die Lösung des Fermatproblems. und in diesem Sinne schrieb er an seinen Kollegen Dirichlet in Berlin: »Wenn Sie nur in Paris gewesen wären. daß es bislang keine mathematische Theorie gebe. und solange Kummers Analyse noch nicht vollständig überprüft war. Sein eigener Ansatz.

die schon lange vorher hätten erbracht werden können. Trotz dieser skeptischen Einwände suchte Wiles weiter nach einem Beweis. die aus Einheitswurzeln und ganzen Zahlen bestehen. die Frage aus dem Wettbewerb zurückzuziehen und die Medaille Monsieur Kummer zu verleihen für seine glänzenden Forschungen über komplexe Zahlen. Allerdings sollte die mathematische Wissenschaft sich glücklich schätzen ob der Arbeiten der Geometer. aus ihren Fehlern lernen zu können. Einige von Wiles’ Zeitgenossen hegten inzwischen den Verdacht. Lamé und schließlich auch die Arbeiten Kummers. und der Grund. Schon im Wettbewerb von 1853 ausgeschrieben und verlängert bis 1856. weshalb niemand seinen Beweis wiederentdeckt hatte. die zur Lösung führte. Er ließ sich dabei von dem Wissen inspirieren. war einfach der. Vielleicht hatte sich Fermat getäuscht. an dem Punkt. Germain. . gescheitert. keineswegs auf neuen mathematischen Ansätzen. Die Ausschußmitglieder sind der Meinung. Cauchy. daß es keinen gab. den Beweis von Fermats letztem Satz wiederzuentdecken. daß es in der Vergangenheit mehrere Fälle von Beweisen gegeben hatte. die Frage zu lösen. Im Teenageralter studierte Wiles die Werke von Euler. Elf Abhandlungen wurden dem Sekretär vorgelegt. wo Monsieur Kummer es aufgegeben hat.Bericht über den Wettbewerb um den Großen Preis für Mathematik. Und in manchen dieser Fälle beruhte die plötzliche Einsicht. Er hoffte. vielmehr handelte es sich um Beweise. Zwei Jahrhunderte lang waren nun alle Versuche. die erst nach einigen Jahrhunderten mühseliger Suche entdeckt worden waren. Somit bleibt das Problem. doch als Student an der Universität Oxford sah er sich schließlich derselben undurchdringlichen Mauer gegenüber wie damals Kummer. daß es eine ehrenhafte und nützliche Entscheidung seitens der Akademie wäre. für dessen Lösung wiederholt ein Preis ausgesetzt wurde. Hier ist vor allem Monsieur Kummer zu nennen. die sich bemühten. das Problem könnte unlösbar sein. Doch in keinem Falle wurde die gestellte Frage beantwortet.

Generationen von Mathematikern versuchten vergeblich. ist das Punkteproblem. Allerdings scheint es unmöglich zu sein. erscheint dies offensichtlich richtig. die über fünf Geraden verbunden sind. verringert sich die Zahl der Geraden. Natürlich beweist dies nicht. Die Vermutung lautet. Probiert man ein paar Diagramme aus. Drei der Geraden durchlaufen keine drei Punkte. weshalb diese Anordnung eindeutig nicht die Forderung erfüllt. daß alle Geraden drei Punkte durchlaufen. ein Punktediagramm zu zeichnen. daß der schließlich gefundene Beweis nicht besonders viel an mathemati- . die keine drei Punkte durchlaufen. bei dem jede Gerade mindestens drei Punkte durchläuft (mit Ausnahme des Diagramms. die über Geraden miteinander verbunden sind. daß es unmöglich ist. Fügt man einen weiteren Punkt und die entsprechende Gerade hinzu wie in Abbildung 13 (b). Hier geht es um eine Anzahl von Punkten.(a) (b) Abbildung 13: In diesen Diagrammen ist jeder Punkt mit jedem anderen durch Geraden verbunden. daß ein solches Diagramm unmöglich ist. war. bei dem jede Gerade mindestens drei Punkte durchläuft? Ein Beispiel für ein Problem. Was die Sache jedoch noch ärgerlicher machte. das sich jahrzehntelang einer Lösung verschloß. ein Diagramm zu konstruieren. Ist es möglich. einen Beweis für das auf den ersten Blick simple Punkteproblem zu finden. wie die Punktediagramme in Abbildung 13. das Diagramm so zu verändern. Abbildung 13 (a) zum Beispiel hat fünf Punkte. auf nur noch zwei. daß alle Geraden drei Punkte durchlaufen müssen. bei dem alle Punkte auf derselben Geraden liegen).

zusätzlich allenfalls noch ein wenig Pfiff. Nun. . Wiles mochte einfach nicht aufgeben: Die Suche nach dem Beweis des Satzes hatte sich von einem Kindheitstraum in eine ausgewachsene Obsession verwandelt. wollte er sich mit den Techniken des zwanzigsten Jahrhunderts bewaffnen. So war es durchaus möglich. da er alles gelernt hatte. Der Beweis findet sich in Anhang 6. daß alle für den Beweis von Fermats letztem Satz nötigen Verfahren bereitstanden und die einzige Zutat. die noch fehlte. was es über die Mathematik des neunzehnten Jahrhunderts zu wissen gab. ein Schuß Genialität war.schem Wissen verlangte.

Paul Wolfskehl .

Beides waren törichte romantische Träumereien einer vergangenen Epoche. doch betrachteten sie Fermats letzten Satz wie Chemiker die Alchimie. . offenbar nachhaltig geschwächt. und so bestand die Gefahr. Wolfskehl war keineswegs ein begabter Mathematiker. einen Beweis für Fermats letzten Satz zu finden. und Paul machte da keine Ausnahme.4 Der Weg in die Abstraktion Der Beweis ist ein Götze. Dank einer merkwürdigen Kette von Ereignissen sollte er dennoch seinen Namen für alle Zeiten mit Fermats Problem verknüpfen und Tausende dazu bewegen. Er hatte Mathematik studiert und widmete sein Leben nun weitgehend dem Aufbau des Familienimperiums. daß die neue Generation das scheinbar unlösbare Problem einfach beiseite schieben würde. Seine Familie war bekannt für ihren Reichtum und ihr künstlerisches und wissenschaftliches Mäzenatentum. hielt jedoch auch weiter Verbindung zu professionellen Mathematikern und betrieb aus Liebhaberei auch ein wenig Zahlentheorie. Überdies wandten sich die Mathematiker in der Folgezeit allmählich anderen Forschungsgebieten zu. sich der Herausforderung zu stellen. einen wichtigen Beitrag zum Beweis der Fermatschen Vermutung zu leisten. Vor allem Fermats letzten Satz mochte Wolfskehl nicht einfach beiseite legen. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nahm es immer noch einen besonderen Platz in den Herzen der Zahlentheoretiker ein. Im Jahr 1908 allerdings brachte der Darmstädter Industrielle Paul Wolfskehl neues Leben in die Sache. Sir Arthur Eddington Ernst Kummer hatte mit seinem Werk die Aussichten. vor dem der Mathematiker sich foltert. und es war ihm nicht bestimmt.

in der er das Scheitern Cauchys und Lamés erklärt. Er setzte sich hin. Wolfskehl fragte sich. an dem er sich Schlag Mitternacht in den Kopf schießen wollte. denn offenbar hatte er eine Lücke im Argument entdeckt – Kummer hatte eine Annahme gemacht und es versäumt. Nicht lange. ob er einen schwerwiegenden Fehler entdeckt hatte oder ob Kummers Annahme zulässig war. In äußerster Verzweiflung beschloß Wolfskehl. daß Fermats letzter Satz um einiges leichter zu beweisen wäre. Wolfskehl arbeitete sich Zeile für Zeile durch Kummers Gleichungen. deren Name bis heute unbekannt ist. Sie war eine der großen mathematischen Leistungen der damaligen Zeit und der richtige Lesestoff für einen Mathematiker. der Kummers Abhandlung entweder bestätigen oder zeigen würde. sich das Leben zu nehmen. Die schlechte Nachricht für die Mathematik war. Die gute Nachricht lautete. den Schritt zu rechtfertigen. In der verbleibenden Zeit regelte er alle anstehenden Geschäfte. Zu seinem Leidwesen gab ihm diese mysteriöse Frau einen Korb. Er war ein leidenschaftlicher Mann. und Wolfskehl fand sich wie gebannt vor Kummers klassischer Abhandlung wieder. daß alles schon einige Zeit vor dem festgesetzten Mitternachtstermin geregelt war. ging er in die Bibliothek und begann die mathematischen Veröffentlichungen durchzublättern. Träfe ersteres zu. Im Morgengrauen war die Arbeit vollbracht. am letzten Tag setzte er sein Testament auf und schrieb Briefe an die engsten Freunde und die Familie. daß der festgesetzte Zeitpunkt des Freitods verstrichen und Wolfskehl so stolz darauf . und so plante er seinen Tod bis in die kleinste Einzelheit voraus.Die Geschichte beginnt mit Wolfskehls Leidenschaft für eine schöne Frau. Plötzlich stutzte er. aber nicht vorschnell. der sich umbringen wollte. daß Kummers Beweis standgehalten hatte und ein Beweis der Fermatschen Vermutung damit unerreichbar blieb. überdachte den unzulänglichen Abschnitt des Beweises und versank in die Arbeit an einem eigenen Kleinbeweis. Wolfskehl war so gründlich gewesen. daß seine Annahme falsch und der Artikel somit wertlos war. Er legte einen Tag für seinen Selbstmord fest. als viele geglaubt hatten. dann war es durchaus möglich. Um sich die Zeit zu vertreiben.

dem es zuerst gelingt.war. etwa fünf gedruckte Exemplare davon an sie einzusenden. Paul Wolfskehl in Darmstadt uns zugewendeten Vermächtnisses wird hiermit ein Preis von 100 000 Mark für denjenigen ausgesetzt. mußte die Familie Wolfskehl schockiert feststellen. Die Aussetzung des Preises erfolgt unter folgenden näheren Bedingungen: (1) Die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen entscheidet frei darüber. das sein Leben gerettet hatte. war seine Art. eine Lücke in der Arbeit des großen Ernst Kummer entdeckt und überbrückt zu haben. jenem Rätsel Tribut zu zollen. die noch im selben Jahr den Wettbewerb um den Wolfskehl-Preis ausschrieb: Auf Grund des von dem verstorbenen Herrn Dr. (2) Außer Betracht bleiben für die Verleihung des Preises solche Arbeiten. Das Preisgeld von 100 000 Mark. welche den zur Beurteilung der Arbeit berufenen Fachgelehrten unverständlich ist. Die Mathematik hatte seinen Lebenswillen wiedererweckt. Er stand der Person zu. . Wolfskehl zerriß die Abschiedsbriefe und schrieb im Licht des nächtlichen Geschehens sein Testament um. die in einer Sprache gedruckt sind. daß sich Verzweiflung und Trübsal verflüchtigt hatten. den Beweis des großen Fermatschen Satzes zu führen. Sie lehnt die Annahme jeder Manuskriptsendung ab. die auf die Bewerbung um den Preis für den Fermatschen Satz Bezug hat. sie berücksichtigt für die Preiszuteilung lediglich solche mathematischen Abhandlungen. Die Gesellschaft stellt dem Verfasser solcher Abhandlungen anheim. nach heutiger Kaufkraft etwa 2 500 000 DM. Als es nach seinem Tod im Jahr 1908 verlesen wurde. Das Geld wurde der Göttinger Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu treuen Händen übergeben. daß Paul einen großen Teil seines Vermögens als Preis ausgesetzt hatte. als Monographien oder in Buchform im Buchhandel käuflich erschienen sind. wem der Preis zuzuerkennen ist. die in periodischen Zeitschriften. die Fermats letzten Satz beweisen konnte.

die daraus entspringen könnten. insbesondere auch die Teilung des Preises nach ihrem Ermessen vor. Die Zuerkennung des Preises durch die Gesellschaft ist unanfechtbar. über die Richtigkeit der durch die Veröffentlichung bekannt gewordenen Lösung sich zu äußern. die nicht zur ihrer Kenntnis gelangt sind. daß der wirkliche Verfasser der Arbeit oder eines Teiles derselben als solcher der Gesellschaft unbekannt geblieben ist. desgleichen für alle Irrtümer. Die Auszahlung des Preises kann durch Aushändigung der hinterlegten Wertpapiere auch dann erfolgen. so wird davon den Berechtigten durch den Vorsitzenden Sekretär im Namen der Gesellschaft Mitteilung gemacht und solches öffentlich an allen denjenigen Orten bekanntgegeben werden. freieste Entscheidung. (8) Das vermachte Kapital wird je nach der Wahl der Gesellschaft bar oder in den hierfür hinterlegten Papieren gegen rechtsgültige Quittung zur Auszahlung gebracht. wenn deren Kurswert die Summe von 100 000 Mark nicht mehr erreichen sollte. (5) Die Zuerkennung des Preises durch die Gesellschaft erfolgt frühestens zwei Jahre nach der Veröffentlichung der zu krönenden Abhandlung. . (4) Sie behält sich für den Fall. Es soll innerhalb dieses Zeitraums deutschen und ausländischen Mathematikern Gelegenheit geboten werden.An die Stelle solcher Arbeiten können vom Verfasser als richtig anerkannte Übersetzungen treten. (3) Die Gesellschaft lehnt alle Verantwortung für eine Nichtberücksichtigung von Arbeiten ab. (6) Ist der Preis durch die Gesellschaft zuerkannt. daß an der Lösung der Aufgabe mehrere Personen beteiligt sind oder die Lösung durch die Arbeiten mehrerer Gelehrter herbeigeführt worden ist. an denen der Preis im letzten Jahre ausgeschrieben war. (7) Die Auszahlung des Preises erfolgt an den Berechtigten innerhalb dreier Monate nach seiner Zuerkennung durch die Königliche Universitätskasse in Göttingen oder auf Gefahr und Kosten des Empfängers an einem anderen von ihm zu bezeichnenden Orte.

daß er falsch war. und ne- . In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts fand dieser spielerische Ansatz seinen Weg auch in die Massenblätter. für das man gesorgt hatte. ihre Karrieren nicht für einen Kampf gegen Windmühlen aufs Spiel zu setzen. wollte das Komitee zwar 100 000 Mark an den ersten Mathematiker auszahlen. ihren Lehrbüchern Würze zu verleihen und Beweise und Sätze so umzuformulieren. Die meisten Berufsmathematiker betrachteten Fermats letzten Satz als vergebliche Liebesmüh und beschlossen. bei den ernsthaften Mathematikern größeres Interesse zu wecken. der beweisen konnte. Der Wolfskehl-Preis wurde in allen mathematischen Zeitschriften ausgeschrieben. Andererseits jedoch wurde durch den Preis ein ganz neues Publikum auf das Problem aufmerksam. die bereit waren. daß Fermats letzter Satz gültig war.(9) Falls der Preis bis zum 13. daß sie als Lösungen für Zahlenrätsel daherkommen. Mit dem heutigen Tag tritt die Wolfskehlsche Preisstiftung unter den vorstehend angegebenen Bedingungen in Kraft. eine Horde beflissener Köpfe. Trotz des großen öffentlichen Aufsehens. und die Nachricht von dem Wettbewerb verbreitete sich rasch in ganz Europa. können Ansprüche auf ihn nicht mehr erhoben werden. doch keinen einzigen Pfennig an denjenigen. Juni 1908 Die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften Nebenbei bemerkt. Die Ära der Puzzles. Göttingen. und dem zusätzlichen Anreiz eines enormen Preisbetrags gelang es dem Wolfskehl-Komitee nicht. sich an das ultimative Rätsel zu machen und es vom Stande vollkommener Unwissenheit aus in Angriff zu nehmen. Knobeleien und Rätsel Seit den Griechen schon bemühen sich die Mathematiker. dem womöglich der Nachweis gelang. September 2007 nicht zuerkannt ist. den 27.

. der als Teenager schon üppig Geld damit verdiente. die sich über alles die Köpfe zerbrachen. Weekly Dispatch und Blighty. darunter auch dem Fermats. In Sam Loyd and his Puzzles: An Autobiographical Review erinnert er sich. Amateure. Queen. vom trivialsten Rätsel bis zum profunden mathematischen Problem. siebzehn Jahre nach Loyds Tod. daß er manche seiner ersten Rätsel für den Zirkusbesitzer und Trickkünstler P. Cassell’s. T. Tit-Bits. Dodgson widmete sich mehrere Jahre lang der Aufgabe. Zwar brachte er die Reihe nicht zum Abschluß. Ein weiterer großer Rätselsteller des viktorianischen Zeitalters war Hochwürden Charles Dodgson. doch schrieb er immerhin mehrere Bände. besser bekannt als Schriftsteller unter dem Namen Lewis Carroll. der berühmtere Sam Loyd senior habe es geschrieben. Sie wurden weithin als die »Fragen der Sphinx« bekannt. Es dauerte nicht lange. der der wirkliche Autor des Buches war und ganz genau wußte. denn es winkten hohe Preise für jeden. darunter Strand.ben den Kreuzworträtseln und Anagrammen wurden dort nun auch Zahlenrätsel abgedruckt. Dozent für Mathematik am Oxforder Christ Church College. bis sich ein wachsendes Publikum für die mathematischen Knobeleien begeisterte. Merkwürdigerweise wurde diese Autobiographie 1928 verfaßt. darunter die Pillow Problems. ein riesiges Sammelwerk von Rätseln unter dem Titel Curiosa Mathematica zusammenzustellen. als Barnums Zirkus wirklich »die größte Show auf Erden« war. ließ mich der große Schausteller zu Werbezwecken eine Reihe von Preisrätseln ausarbeiten. Loyd hatte seine Schläue an den Sohn vererbt. ebenfalls Sam genannt. daß alle Käufer irrtümlicherweise annehmen würden. der für Dutzende von Zeitungen und Illustrierte schrieb. Barnum erfand: Vor vielen Jahren. Der größte Rätselsteller von allen war das amerikanische Wunderkind Sam Loyd (1841-1911). Der vielleicht fruchtbarste Schöpfer von Rätseln war Henry Dudeney. neue Rätsel auszuknobeln und alte neu zu erfinden. der sie lösen konnte.

obwohl es Tausende gibt. von 1 bis 15 durchnumeriert. er habe eine ganze Winternacht unter einer Straßenlaterne gestanden und versucht sich daran zu . Die Leute vernarrten sich in das Rätsel. und es gibt manch komische Geschichte über Kaufleute. dem es gelang. und er bot jedem eine beträchtliche Belohnung an. ihnen sei das Meisterstück gelungen. Loyds Sohn beschrieb den Wirbel. die behaupten. die vergaßen. Fünfzehn Scheiben. den dieses handfeste. Loyds »14-15«-Puzzle wurde in der in Abbildung 14 gezeigten Anordnung verkauft. Von einem angesehenen Geistlichen heißt es. das man auch heute noch in Spielzeugläden findet. Loyds berühmteste Schöpfung war das viktorianische Gegenstück zum Zauberwürfel. das Rätsel zu lösen und die 14 und die 15 durch eine beliebige Folge von Verschiebungen in die richtige Reihenfolge zu bringen. ihre Läden zu öffnen. aber im Kern mathematische Rätsel auslöste: Der Preis von 1 000 Dollar für die erste richtige Lösung des Problems wurde nie eingefordert.Abbildung 14: Eine Karikatur zu der von Sam Loyds »14 -15«-Puzzle ausgelösten Manie. das »14 -15 « -Zahlenpuzzle. sind auf einem 4 × 4-Gitter befestigt und sollen in die richtige Reihenfolge gebracht werden.

Die vollständige Liste der falsch angeordneten Scheibenpaare lautet: (12. 11). zu der in Abbildung 15 (b) gezeigten Anordnung zu gelangen. Loyd definierte in seinem Beweis zunächst eine Größe.und herschob! Loyd war sich immer sicher. (15. 11). Der Unordnungsparameter für jede gegebene Anordnung ist die Zahl der Scheibenpaare.) Nach ein paar weiteren Verschiebungen erhalten wir die Anordnung 15 (c). 13). sich an die Abfolge der Schritte zu erinnern. Ein berühmter Verleger aus Baltimore berichtet. Kapitäne sollen ihre Schiffe auf Grund gefahren. (15. konnte Loyd beweisen. Wegen der sechs Scheibenpaare in der falschen Reihenfolge beträgt in diesem Arrangement Up = 6. dann ist es relativ leicht. weil keine Scheibe in der falschen Position ist.erinnern. dieses Scheibenpaar ist also in der falschen Reihenfolge. ohne an einer anderen Stelle des Zahlenpuzzles die Ordnung zu zerstören. wie er kleine Kuchenstücke auf einem Teller hin. wie ungeordnet ein Puzzle ist. daß er eines Tages zum Mittagessen gegangen sei und seine verzweifelten Mitarbeiter ihn schließlich lange nach Mitternacht gefunden hätten. daß es unmöglich ist. Beginnt man mit dem richtig geordneten Puzzle und schiebt die Scheiben umher. Wenn wir die falsch angeordneten Scheibenpaare aufli- . mit denen er es doch ganz sicher gelöst habe. 11). Für das richtig angeordnete Puzzle ist. Natürlich muß die 11 vor der 12 kommen. denn er wußte. wie genau ihm die Meisterleistung gelungen sei. (15. die angibt. 14). 11) und (14. daß eine bestimmte Gleichung keine Lösungen besitzt. die sich in der falschen Reihenfolge befinden. Das Mysteriöse an diesem Rätsel ist. (Scheibe 10 und Scheibe 12 sind zwar benachbart. was eindeutig falsch ist. doch sie sind nicht in der falschen Reihenfolge. Ebenso wie ein Mathematiker beweisen kann. den Unordnungsparameter Up. daß sein »14-15«-Puzzle unlösbar ist. (13. daß keiner in der Lage scheint. bis wir auf die Nummern 12 und 11 stoßen. wie in Abbildung 15 (a) gezeigt. Dieses Scheibenpaar beeinflußt daher den Unordnungsparameter nicht. Die Scheiben sind in der richtigen Reihenfolge. auch nur zwei Täfelchen zu vertauschen. Lokführer ihre Züge durch Bahnhöfe gejagt haben. die 1 000 Dollar nie auszahlen zu müssen. Up = 0.

(a) Dp = 0

(b) Dp = 6

(c) Dp =12

Abbildung 15: Durch Verschieben der Zahlenscheiben lassen sich verschiedene Grade an Unordnung herstellen. Für jeden Zustand läßt sich das Maß der Unordnung anhand des Unordnungsparameters Up messen.

sten, stellen wir fest, daß Up = 12. Der wichtige Punkt hier ist, daß in allen Fällen, (a), (b) und (c), der Wert des Unordnungsparameters eine gerade Zahl ist (0, 6 und 12). Tatsächlich ist diese Aussage, wenn wir mit der richtigen Anordnung beginnen, immer wahr. Solange das leere Quadrat in der rechten unteren Ecke verbleibt, ergibt sich, wie oft die Scheiben auch hin und her geschoben werden, immer ein gerader Wert für Up Das ist eine wesentliche Eigenschaft jeder Anordnung, die aus der ursprünglichen Anordnung gewonnen wurde. In der Mathematik heißt eine Eigenschaft, die immer vorhanden ist, egal wie der Gegenstand verändert wird, eine Invariante. Untersuchen wir jedoch nun einmal die Anordnung, die Loyd verkaufte. In ihr sind als einziges ungeordnetes Paar die 14 und die 15 vertauscht, der Wert des Unordnungsparameters beträgt also Up = 1. In Loyds Arrangement hat der Unordnungsparameter also einen ungeraden Wert! Wir wissen jedoch, daß jeder Zustand, der aus der richtigen Ordnung gewonnen wird, einen geraden Wert für den Unordnungsparameter ergibt. Der Schluß daraus ist, daß Loyds Arrangement nicht aus der korrekten Anordnung gewonnen werden kann und es umgekehrt unmöglich ist, ausgehend von Loyds Anordnung zurück zur richtigen zu gelangen: seine 1 000 Dollar waren nicht in Gefahr. Loyds Puzzle und der Unordnungsparameter zeigen die Macht

einer Invarianten. Sie liefern den Mathematikern eine wichtige Strategie, um zu beweisen, daß es unmöglich ist, einen bestimmten Gegenstand in einen anderen zu verwandeln. Zum Beispiel herrscht gegenwärtig viel Aufregung um die Erforschung von Knoten, und die Knotentheoretiker versuchen natürlich die Frage zu beantworten, ob ein Knoten allein durch Knüpfen und Schlingen, jedoch nicht durch Schneiden in einen ändern verwandelt werden kann. Dabei versuchen sie eine Eigenschaft des ursprünglichen Knotens zu finden, die durch beliebiges Knüpfen und Schlingen nicht zerstört werden kann – eine Knoteninvariante. Dann berechnen sie dieselbe Eigenschaft für den zweiten Knoten. Wenn die Werte unterschiedlich sind, folgt daraus, daß es unmöglich ist, vom ersten Knoten zum zweiten zu gelangen. Bis zur Erfindung dieses Verfahrens in den zwanziger Jahren durch Kurt Reidemeister war es unmöglich zu beweisen, daß ein Knoten nicht in einen anderen Knoten verwandelt werden kann. Mit anderen Worten, bevor Knoteninvarianten entdeckt wurden, war es unmöglich zu zeigen, daß sich ein Altweiberknoten grundsätzlich von einem Weberknoten, einem Überwendknoten oder einer einfachen Schlaufe unterscheidet. Der Begriff einer konstanten Eigenschaft ist wesentlich für viele andere mathematische Beweise, und wie wir in Kapitel 5 sehen werden, sollte er entscheidend dazu beitragen, Fermats letzten Satz in den Hauptstrom der Mathematik zurückzuholen. Um die Jahrhundertwende gab es dank Gestalten wie Sani Loyd mit seinem »14-15«-Zahlenpuzzle Millionen von Hobbytüftlern in ganz Europa und Amerika, die begierig nach neuen Herausforderungen Ausschau hielten. Sobald die Nachricht von Wolfskehls Vermächtnis zu diesen mathematischen Sprößlingen durchgedrungen war, wurde Fermats letzter Satz erneut zum berühmtesten Problem der Welt. Das Fermatproblem war unendlich komplexer als seifet das schwierigste von Loyds Rätseln, doch auch die Belohnung war sehr viel größer. Die Amateurtüftler träumten davon, einen relativ simplen Trick zu finden, den die großen Gelehrten der Vergangenheit übersehen hatten. Der kühne Amateur des zwanzigsten Jahrhunderts war Pierre de Fermat in der Kenntnis mathema-

tischer Techniken fast ebenbürtig. Die Herausforderung bestand darin, sie ebenso schöpferisch einzusetzen wie Fermat. Der Wolfskehl-Preis war nur ein paar Wochen ausgeschrieben, und schon wälzte sich eine Lawine von Lösungsvorschlägen durch die Tore der Göttinger Universität. Zu niemandes Überraschung waren alle Beweise falsch. Obwohl jeder Einsender überzeugt war, die Lösung dieses jahrhundertealten Problems gefunden zu haben, waren ihnen allen kleine und manchmal auch nicht so kleine Irrtümer in der logischen Argumentation unterlaufen. Die Kunst der Zahlentheorie ist so abstrakt, daß es furchterregend leicht ist, vom Pfad der Logik abzukommen und sich unmerklich im Gebüsch der Absurdität zu verlieren. In Anhang 7 findet sich ein Beispiel für einen klassischen Irrtum, den ein begeisterter Amateur leicht übersehen kann. Jeder Vorschlag mußte ohne Ansehen der Person genauestens geprüft werden, denn es hätte ja sein können, daß ein unbekannter Amateur zufällig auf den meistgesuchten Beweis in der Mathematik gestoßen war. Zwischen 1909 und 1934 war Professor Edmund Landau der Leiter des Fachbereichs Mathematik in Göttingen, und es war seine Aufgabe, die Eingaben für den Wolfskehl-Preis zu prüfen. Landau sah seine Forschungsarbeit ständig unterbrochen, da er sich mit Dutzenden von wirren Beweisversuchen herumschlagen mußte, die jeden Monat auf seinem Schreibtisch landeten. Um damit fertig zu werden, erfand er eine pfiffige Methode, sich die Arbeit vom Halse zu schaffen. Der Professor ließ Hunderte von Karten drucken mit der Aufschrift: Sehr geehrte/r ......, ich danke Ihnen für Ihr Manuskript zum Beweis der Fermatschen Vermutung. Der erste Fehler findet sich auf: Seite ...... Zeile ...... Ihr Beweis ist daher wertlos. Professor E. M. Landau

Landau übergab dann jede neue Einsendung zusammen mit einer vorgedruckten Karte einem seiner Studenten und bat ihn, die Lücken auszufüllen. Jahrelang gingen ununterbrochen Lösungsversuche ein, selbst nach der drastischen Entwertung des Wolfskehl-Preises infolge der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg. Gerüchten zufolge würde der Gewinner heute nicht einmal in der Lage sein, sich eine Tasse Kaffee mit dem Preisgeld zu kaufen, doch diese Behauptungen sind etwas übertrieben. Dr. F. Schlichting, in den siebziger Jahren verantwortlich für die Bearbeitung der Einsendungen, erklärt, daß der Preis damals immer noch gut 10 000 DM wert war. Sein Brief an Paulo Ribenboim, den dieser in seinem Buch 13 Lectures on Fermat’s Last Theorem veröffentlichte, bietet interessante Einsichten in die Arbeit des Wolfskehl-Komitees: Sehr geehrter Herr Ribenboim, die genaue Zahl der bisher eingereichten »Lösungen« ist nicht bekannt. Im ersten Jahr (1907-1908) wurden 621 Lösungen in den Akten der Akademie registriert, und heute hat man etwa drei Regalmeter an Korrespondenz zum Fermatproblem archiviert. In den vergangenen Jahrzehnten wurde wie folgt verfahren. Der Sekretär der Akademie teilt die eingehenden Manuskripte auf in: (1) völligen Unsinn, der sofort zurückgeschickt wird, (2) Material, das wie Mathematik aussieht. Der zweite Stapel wird dem mathematischen Fachbereich übergeben, und dort wird die Arbeit des Lesens, der Fehlersuche und der Beantwortung an einen wissenschaftlichen Assistenten delegiert – und im Augenblick bin ich das Opfer. Monatlich sind etwa drei bis vier Briefe zu beantworten, und darunter ist eine Menge komisches und merkwürdiges Zeug. Einer hat z.B. die erste Hälfte seiner Lösung eingeschickt und die zweite Hälfte versprochen, falls wir ihm 1000 DM im voraus zahlen würden. Ein anderer hat mir ein Prozent seiner Gewinne aus Veröffentlichungen und Radio- und Fernsehinterviews angeboten, wenn er berühmt sein würde, ich müßte ihn jetzt nur unterstützen; falls

nicht, drohte er damit, die Lösung an einen mathematischen Fachbereich in Rußland zu schicken und uns den Ruhm vorzuenthalten, ihn entdeckt zu haben. Von Zeit zu Zeit taucht einer in Göttingen auf und besteht auf einem persönlichen Gespräch. Fast alle »Lösungen« sind auf sehr elementarem Niveau verfaßt (mit den Mitteln der Schulmathematik und vielleicht ein paar unverdauten Artikeln zur Zahlentheorie), können aber dennoch sehr schwer zu verstehen sein. Vom sozialen Hintergrund her gesehen sind die Einsender oft Personen mit einer technischen Ausbildung, aber einer gescheiterten Karriere, die mit einem Beweis der Fermatschen Vermutung den Erfolg suchen. Einige der Manuskripte habe ich Ärzten übergeben, die schwere Schizophrenien diagnostiziert haben. Wolfskehls Testament sah unter anderem vor, daß die Akademie den Preis Jahr für Jahr in den mathematischen Zeitschriften bekanntzugeben habe. Doch schon nach den ersten Jahren weigerten sich die Zeitschriften, die Anzeigen zu drucken, weil sie mit Briefen und verrückten Manuskripten überschwemmt wurden. Ich hoffe, diese Informationen sind für Sie von Interesse. Mit freundlichen Grüßen, F. Schlichting Wie Dr. Schlichting erwähnt, beschränkten sich die Wettbewerbsteilnehmer nicht darauf, ihre »Lösungen« an die Göttinger Akademie zu schicken. Jeder Mathematikfachbereich der Welt hat vermutlich eine Schublade voll angeblicher Beweise. Die meisten Institutionen kümmern sich nicht um diese Amateurbeweise, manche Empfänger haben sich ihrer auf recht einfallsreiche Weise entledigt. Der Mathematikautor Martin Gardner berichtet von einem Freund, der dem Absender antwortete, er sei nicht kompetent, den Beweis zu untersuchen. Jedoch wolle er ihm Name und Adresse eines Experten auf diesem Gebiet mitteilen, der weiterhelfen könne die genaue Anschrift des letzten Amateurs, der ihm einen Beweis geschickt hatte. Ein anderer Freund Gardners pflegte zu antworten: »Ich habe eine bemerkenswerte Widerlegung Ihres Beweisversuchs, doch ist diese Seite leider nicht groß genug, um sie zu fassen.«

Während im Laufe des gesamten Jahrhunderts Amateurmathematiker rund um den Globus vergeblich versuchten, Fermats letzten Satz zu beweisen und den Wolfskehl-Preis zu gewinnen, zeigten die meisten professionellen Mathematiker dem Problem auch weiterhin die kalte Schulter. Statt auf dem Werk Kummers und anderer Zahlentheoretiker des neunzehnten Jahrhunderts aufzubauen, begannen die Mathematiker damit, die Grundlagen ihrer Wissenschaft zu untersuchen, um eine Reihe der wichtigsten Fragen auf dem Gebiet der Zahlen zu klären. Einige der größten Gestalten des zwanzigsten Jahrhunderts, darunter Bertrand Russell, David Hubert und Kurt Gödel, versuchten die wirklich grundlegenden Eigenschaften der Zahlen zu verstehen, um ihre wahre Bedeutung zu begreifen und zu klären, welche Fragen die Zahlentheorie beantworten, und, wichtiger noch, nicht beantworten kann. Ihre Arbeiten sollten die Fundamente der Mathematik erschüttern und schließlich auch Folgen für Fermats letzten Satz haben.

Die Fundamente des Wissens
Jahrhundertelang hatten sich die Mathematiker damit beschäftigt, mittels logischer Beweise Brücken vom Bekannten ins Unbekannte zu schlagen. Dabei erzielte man phantastische Fortschritte. Jede neue Generation verbreiterte die Grundlagen und schuf neue Begriffe der Zahlentheorie und der Geometrie. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts allerdings richteten die mathematischen Logiker den Blick immer öfter zurück auf die Grundlagen der Mathematik, auf denen alles andere ruhte. Sie wollten diese Grundlagen verifizieren und vom ersten Prinzip an das ganze Gebäude in strenger Logik neu errichten, um sich zu vergewissern, daß die ersten Prinzipien überhaupt verläßlich sind. Die Mathematiker sind berüchtigt dafür, es ganz genau zu nehmen und einen unumstößlichen Beweis zu verlangen, bevor sie eine Aussage als wahr anerkennen. Eine Anekdote aus Ian Stewarts Concepts of Modern Mathematics bringt dies auf den Punkt:

Ein Astronom, ein Physiker und ein Mathematiker machten einst Ferien in Schottland. Vom Zugfenster aus sahen sie inmitten einer Wiese ein schwarzes Schaf stehen. »Wie interessant«, bemerkte der Astronom, »alle schottischen Schafe sind schwarz!« Darauf antwortete der Physiker: »Nein, nein! Einige schottische Schafe sind schwarz!« Der Mathematiker rollte seine Augen flehentlich gen Himmel und verkündete dann: »In Schottland gibt es mindestens eine Wiese mit mindestens einem Schaf, das mindestens auf einer Seite schwarz ist.« Sogar noch strenger als der gewöhnliche Mathematiker ist der Spezialist für mathematische Logik. Mathematische Logiker begannen Vorstellungen zu hinterfragen, die andere Mathematiker jahrhundertelang für selbstverständlich gehalten hatten. So besagt etwa das Trichotomiegesetz, daß jede Zahl entweder negativ, positiv oder Null ist. Das scheint auf der Hand zu liegen, und die Mathematiker hatten es stillschweigend als wahr vorausgesetzt, doch niemand hatte sich die Mühe gemacht, es wirklich zu beweisen. So lange das Trichotomiegesetz nicht bewiesen war, erkannten die Logiker, konnte es auch falsch sein, und dann würde ein ganzes Wissensgebäude, alles, was auf dem Gesetz beruhte, zusammenbrechen. Zum Glück für die Mathematik wurde das Trichotomiegesetz gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts bewiesen. Seit den alten Griechen hatten die Mathematiker immer mehr Sätze und Wahrheiten angesammelt, und obwohl man das meiste streng bewiesen hatte, befürchteten sie, daß manches, etwa das Trichotomiegesetz, ohne gründliche Prüfung übernommen worden war. Manche Sätze waren inzwischen Allgemeingut geworden, und doch war sich niemand ganz sicher, wie sie ursprünglich bewiesen worden waren – wenn überhaupt. Deshalb beschlossen die Logiker, von den ersten Prinzipien an jeden Satz zu beweisen. Allerdings mußte jede Wahrheit aus anderen Wahrheiten hergeleitet werden. Diese Wahrheiten wiederum mußten anhand fundamentalerer Wahrheiten bewiesen werden und so weiter. Am Ende standen die Logiker vor ein paar Kernaussagen, die so grundlegend wa-

David Hubert. An der Spitze des Unternehmens stand der bedeutendste Mathematiker der Epoche. Die Axiome der Arithmetik sind in Anhang 8 aufgelistet. in dem auch näher erläutert wird. jede einzelne Frage zu beantworten – daraus spricht derselbe . die ganze Mathematik auf der Grundlage dieser Axiome neu aufzubauen. welches einfach besagt. Eine ganze Legion von Logikern beteiligte sich an der langwierigen und mühseligen Arbeit. daß dieser Ansatz an den Fundamenten auch Licht auf bis dahin noch ungelöste Probleme werfen würde. Diese fundamentalen Annahmen sind die Axiome der Mathematik. Die Herausforderung für die Logiker bestand darin. alles in der Mathematik könnte und sollte von den grundlegenden Axiomen her bewiesen werden. darunter auch Fermats letzten Satz. wenn man bestimmte Zahlen einsetzt. Dieses und die Handvoll anderer Axiome gelten als selbstverständlich und können leicht überprüft werden. daß sie selbst nicht bewiesen werden konnten. die überwältigend komplexe Mathematik in ihrer Gesamtheit auf der Grundlage einer möglichst kleinen Zahl von Axiomen neu zu errichten. Sinn dieses Unternehmens war es. Ein Beispiel für ein Axiom ist das Kommutativgesetz der Addition. daß für beliebige Zahlen m und n gilt: m + n = n + m. Bisher haben die Axiome jeden Test bestanden und werden als das Fundament der Mathematik betrachtet. das von den Mathematikern bereits als selbstverständlich vorausgesetzte Wissen abzusichern und dabei nur die strengsten logischen Standards zu verwenden. um seine Gedanken gesund und stark zu erhalten.ren. Der deutsche Mathematiker Hermann Weyl brachte die Stimmung der damaligen Zeit auf den Punkt: »Die Logik ist die Hygiene. wie die Logiker das gesamte Gebäude der Mathematik darauf aufbauten. die der Mathematiker praktiziert.« Man wollte nicht nur das schon Bekannte »reinigen«. Im Erfolgsfall hätte man die beiden wichtigsten Bestandteile des mathematischen Systems endgültig gesichert. sondern hoffte. Erstens sollten die Mathematiker zumindest theoretisch in der Lage sein. Er glaubte.

Wir werden wissen. Er legte 23 ungelöste mathematische Probleme dar. Wenn man nur ein paar Axiome voraussetze. Auch wenn er gelegentlich als erbitterter Rivale Huberts auftrat. Am 8. anhand einer anderen zu zeigen. so lautete Huberts Überzeugung. deren Lösung er für besonders dringlich hielt. ihm bei der Verwirklichung seiner Vision eines mathematischen Systems zu helfen. würde es möglich sein. Mit diesen Problemstellungen wollte Hubert die Aufmerksamkeit der Mathematikerwelt bündeln und ein Forschungsprogramm unterbreiten. der in der Vergangenheit schon die Einführung neuer Zahlen wie der negativen und der imaginären verlangt hatte. jede denkbare mathematische Frage ohne Angst vor Widersprüchen zu beantworten.August 1900 hielt Hubert vor dem Internationalen Mathematikerkongreß in Paris einen Vortrag von historischem Rang. Über ein Jahrzehnt lang widmete sich Frege der Ableitung Hunderter komplizierter Sätze aus den einfachen Axiomen. das frei war von Zweifeln und Widersprächen – ein Gedanke. und sein Erfolg brachte ihn zu der Überzeugung. er sei auf bestem Wege. »Dreiheit« ist die abstrakte Eigenschaft von Ansammlungen . hätte man anhand einer Methode bewiesen.Ethos der Vollständigkeit. Die mathematische Gemeinschaft sollte dafür begeistert werden. daß dieselbe Aussage falsch ist. Was meinen wir zum Beispiel genau mit der Zahl 3? Um diese Frage zu beantworten. Zweitens sollte die Mathematik frei sein von Widersprächen – das heißt. Huberts Traum in weiten Teilen zu verwirklichen. doch die meisten drehten sich um die logischen Grundlagen des Faches. daß eine Aussage wahr ist. den er auch auf seinen Grabstein meißeln ließ: Wir müssen wissen. Manche stammten aus allgemeineren Bereichen der Mathematik. war Gottlob Frege einer der führenden Köpfe im sogenannten Hilbertprogramm. sollte es nicht möglich sein. Einer der entscheidenden Durchbrüche Freges war die Definition der Zahl selbst. mußte Frege zunächst die »Dreiheit« definieren.

.. die »Dreiheit« aufweisen. die die Ziegenmelker von sich geben (die meisten Leute kennen nur einen). Er bestimmte eine neue Menge. Allmählich aber wurde mir klar. daß das nicht der Fall war. »Dreiheit« könnte zum Beispiel dazu dienen. daß es sich um eine schwere Aufgabe handle. das neue Standards der Gewißheit in die Mathematik einführen sollte. Russell beschrieb seine Reaktion auf die erschreckende Einsicht. dieser Widerspruch werde leicht zu überwinden sein und es handle sich um einen belanglosen Denkfehler. So hat eine Menge also drei Elemente. Im Jahr 1902 schien Freges jahrelange Mühsal endlich Früchte zu tragen. Das ganze zweite Halbjahr 1901 nahm ich an. stieß er auf einen Widerspruch. um die Menge der blinden Mäuse in einem beliebten Kinderlied zu charakterisieren. die drei Gegenstände enthalten. dann und nur dann. wenn sie selbst Element der Menge »3« ist. Frege stellte fest.. die drei verschiedenen Laute kennenzulernen. und nannte diese neue Menge von Mengen »3«. den Widerspruch zu lösen. . Maßstäbe setzenden zweibändigen Werkes. was mir die Gelegenheit gab. doch nach Ablauf dieser Zeit war ich zu dem Schluß gekommen. jede Nacht von elf bis eins auf der Gemeindewiese umherzuwandern.. Das mag uns als viel zu komplizierte Definition eines Begriffs vorkommen. daß es zahlreiche Mengen mit der Eigenschaft der »Dreiheit« gibt und definierte schließlich die »3« anhand des Mengenbegriffs. die alle Mengen enthält. daß die Mathematik in sich widersprüchlich sein könnte: Zuerst nahm ich an.oder Mengen. denn er bereitete die Veröffentlichung der Grundgesetze der Arithmetik vor – eines gewaltigen. die Lösung werde einfach sein. doch Freges Beschreibung der »3« ist logisch streng und unanfechtbar und für Hilberts kompromißloses Programm auch unverzichtbar. der ebenfalls an Hilberts großem Forschungsprogramm arbeitete. den wir jeden Tag verwenden. Obwohl er den rigorosen Vorgaben Hilberts gefolgt war. Ich nahm die Gewohnheit an. Gleichzeitig machte der englische Logiker Bertrand Russell. eine verheerende Entdeckung. Ich gab mir die größte Mühe. und genausogut auch die Menge der Seiten eines Dreiecks.

David Hubert .

Bertrand Russel .

stierte ich auf den leeren Bogen. Russells Paradoxie wird häufig mit der Geschichte des gründlichen Bibliothekars erläutert. durfte man annehmen. Den ganzen Tag über. Russells Arbeit fügte dem Traum von einem mathematischen System ohne Zweifel. Fachbücher.Jeden Morgen setzte ich mich vor ein unbeschriebenes Blatt Papier. So ist z. die kein Element von sich selbst sind. daß es Klassen gibt. während andere dies nicht tun. die keine Teelöffel sind. Der Bibliothekar stellt fest. In diese Lage wurde ich durch einen Brief des Herrn Bertrand Russell versetzt. Er schrieb an Frege. entdeckt der Bibliothekar eine Sammlung von Katalogen. die ein Element von sich selbst sind. die seine Zweifel an Freges Arbeit entfachten: »Unter den Voraussetzungen. Vor dem Widerspruch gab es kein Entkommen. doch sein opus magnum veröffentlichte er trotz dieses tödlichen Schlags. Viele Jahre später erinnerte sich Russell in Die Entwicklung meines Denkens an die Überlegungen. an denen ich bisher nie gezweifelt hatte. Eines Tages. Um das System zu vereinfachen. dessen Manuskript schon beim Drucker war. stellt der Bibliothekar zwei . daß manche Kataloge sich selbst auflisten. aber die Klasse sämtlicher Dinge. als der Druck dieses Bandes sich seinem Ende näherte. als daß ihm nach Vollendung seiner Arbeit eine der Grundlagen seines Baues erschüttert wird. die keine Teelöffel sind. In einer Nachbemerkung zum zweiten Band schrieb er: »Einem wissenschaftlichen Schriftsteller kann kaum etwas Unerwünschteres begegnen. Lyrik und so weiter. Es gibt verschiedene Kataloge für Romane.B. während er zwischen den Regalen umhergeht. und solche.« Ironischerweise entstand Russells Widerspruch aus Freges hochgeschätzten Mengen oder Klassen.« Diese eigentümliche und dem Anschein nach harmlose Feststellung führte zu der katastrophalen Paradoxie. nur kurz durch das Mittagessen unterbrochen. ist ersichtlich selber eines von den Dingen. die Klasse sämtlicher Teelöffel selber natürlich kein Teelöffel. Der Brief machte Freges Lebenswerk praktisch zunichte. Widersprüche und Paradoxien unermeßlichen Schaden zu. Oft war es am Abend noch ebenso leer.

weitere Kataloge zusammen. wobei der eine die Kataloge auflistet. die sich nicht selbst auflisten. der andere. und die Aussage »2 und 2 ergibt 4« ist nutzlos. Der mächtige Beweis durch Widerspruch etwa gründet auf einer Mathematik. Die Mathematik kann keine Unverträglichkeiten. Nach Russell jedoch können selbst die Axiome zu Widersprüchen führen. der alle Kataloge auflistet. Paradoxien oder Widersprüche tolerieren. und interessantere. die Frege zur Definition der Zahlen verwendet. daß sich anhand eines Beweises durch Widerspruch eines der Axiome als falsch herausstellt. jedenfalls handelt es sich um . Der Bibliothekar steht vor einem unlösbaren Dilemma. wenn sie nicht angewandt wird. Wenn er allerdings nicht aufgelistet wird. »nichts davon erschüttert meine Überzeugung. sich selbst auflisten? Wenn ja. die sich selbst auflisten. wenn eine Annahme zu einer absurden Aussage führe. darf er per Definition nicht aufgelistet werden. »Nun. führt daher auch zu Problemen im vermeintlich logischen Aufbau der Mathematik.« Da haben Sie völlig recht. ob zwei davon Hunde sind. die Kataloge. ob ein bestimmtes Tier ein Hund ist oder eine bestimmte Länge weniger als ein Meter ist. In seiner Antwort darauf erläuterte Russell die Bedeutung seiner Arbeit: »Nun«. Viele Wissenschaftler stellten Russells Arbeit in Frage und behaupteten. in denen Sie zweifeln. außer in Grenzfällen – und nur in Grenzfällen zweifeln Sie daran. müsse die Annahme falsch sein. Zwei müssen zwei von etwas sein. die Mathematik sei ein offensichtlich erfolgreiches und fehlerfreies Unternehmen. Nach getaner Arbeit stößt der Bibliothekar auf ein Problem: Sollte der Katalog. muß er per Definition aufgelistet werden. Zwei Hunde und zwei Hunde sind gewiß vier Hunde. die sich nicht selbst auflisten. die frei ist von Paradoxien. Die Kataloge ähneln stark den Mengen oder Klassen. doch es gibt Fälle. Daher könnte es sein. könnten Sie sagen. der den Bibliothekar plagt. Der Widerspruch. während eben diese Axiome doch die Fundamente der Mathematik bilden und allgemein als wahr anerkannt sind. daß 2 und 2 zusammen 4 ergibt. Der Beweis durch Widerspruch behauptet.

ein zusätzliches Axiom einzuführen und zu verbieten. Die Logiker waren sich darüber im klaren. Doch es gibt Mikroorganismen. daß eine Klasse sich selbst als Element enthält. bei denen in Frage steht. um . Russells Arbeit erschütterte die Grundfesten der Mathematik und stürzte die Forschungen zur mathematischen Logik in ein Chaos. Der von Russell entdeckte Widerspruch war eine direkte Folge der Arbeit mit den mathematischen Axiomen. veröffentlichte er zusammen mit Alfred North Whitehead den ersten der drei Bände der Principia Mathematica – ein offenbar erfolgreicher Versuch. Eine Lösungsmöglichkeit bestand darin. das durch Russells eigene Paradoxie geschaffene Problem teilweise zu lösen. Russells Paradoxie wäre dann vermieden. Doch es gibt Dinge. dann eben lebende Organismen«. können wir die Diskussion fortsetzen.Tiere«. könnten Sie sagen. bei denen es zweifelhaft ist. im Jahr 1910. dem eigentlichen Kern des Problems. die irgendwo in den Fundamenten der Mathematik steckte. ob man den Katalog der Kataloge. »Gut. die sich nicht selbst auflisten. die mächtig genug war. Russell arbeitete in den nächsten zehn Jahren an den Axiomen der Mathematik. ob sie Tiere oder Pflanzen sind. die Lage zu bereinigen und wieder Ruhe in die Mathematik zu bringen. was Sie mit »Entität« meinen. ob sie leben oder nicht. Zusammen mit Hubert und den anderen Logikern nahm sich Russell vor. In den darauffolgenden Zwei Jahrzehnten nutzten andere die Principia Mathematica als Anleitung für den Aufbau eines perfekten Gebäudes der Mathematik. sich zu erholen. in sich selbst aufnehmen muß. daß eine Paradoxie. daß die Mathematik auf dem besten Wege sei. Dann. da die Frage entfällt. und als Hubert 1930 emeritiert wurde. war er zuversichtlich. Sein Traum von einer konsistenten Logik.« Wenn Sie mir erklären. die bis zu diesem Zeitpunkt als selbstverständlich und hinreichend für die Definition der ganzen übrigen Mathematik vorausgesetzt worden waren. früher oder später ihren unlogischen Kopf recken und schwerwiegende Probleme hervorrufen könnte. Sie werden dann unweigerlich sagen: »Zwei Entitäten und zwei Entitäten sind vier Entitäten. könnten Sie sagen.

ob er sich auf Mathematik oder Physik spezialisieren sollte. Schon als Kind zeigte Gödel eine Begabung für Naturwissenschaften und Mathematik. Aufgrund dieser frühen Bekanntschaft mit dem Tod entwickelte Gödel eine zwanghafte Hypochondrie. der Huberts Hoffnungen für immer zunichte machen sollte. Kurt Gödel wurde am 28. gegen Ende seines Lebens. er habe ein schwaches Herz. Kurt Gödel zwang die Mathematiker zu der Einsicht. obwohl seine Ärzte keine Hinweise dafür finden konnten. Mit Anfang Zwanzig hatte sich Gödel im Fachbereich Mathematik etabliert. fünfundzwanzigjähriger Mathematiker einen Artikel. er werde vergiftet. unsicher. und in seinen Arbeiten lag auch der Gedanke begründet. Schon von früher Kindheit an litt er unter schweren Krankheiten. Probleme wie Fermats letzter Satz könnten sogar unlösbar sein. weigerte sich zu essen und hungerte sich fast zu Tode. In dieser Zeit entwickelte Gödel Vorstellungen. sein Leben den Zahlen zu widmen. Nachdem er ein medizinisches Lehrbuch gelesen hatte. doch zusammen mit den Kollegen schlenderte er gelegentlich den Korridor hinunter zu den Treffen des Wiener Kreises. einer Gruppe von Philosophen. daß die Mathematik nie logisch vollkommen sein würde. Er ging an die Wiener Universität. und sein forschendes Wesen brachte ihm in der Familie den Spitznamen »der Herr Warum« ein. Dann jedoch veröffentlichte im Jahr 1931 ein unbekannter. glaubte er irrtümlich. sollte dem Anschein nach bald Wirklichkeit werden. die die großen Fragen der Logik diskutierten. während sein Assistent an die Tafel schrieb. Später. bildete sich bei ihm die fixe Idee. heute zur Tschechischen Republik gehörig. die er sein Leben lang nicht mehr los wurde. die bedrohlichste davon ein rheumatisches Fieber im Alter von sechs Jahren. Furtwängler regte Gödel an. als Furtwängler vom Hals ab gelähmt war und ohne Notizen vom Rollstuhl aus vortragen mußte. doch eine voller Leidenschaft gehaltene Vorlesung von Professor P. . damals Teil von Österreich-Ungarn. April 1906 in Mähren geboren. Die Vorlesungen waren um so außergewöhnlicher.alle mathematischen Fragen zu beantworten.

Erster Unvollständigkeitssatz Wenn die axiomatische Mengentheorie widerspruchsfrei ist. daß das Hilbertprogramm ein unmögliches Unterfangen war. schilderte Bertrand Russell seine Reaktion auf Gödels Entdeckung: Ich wollte Gewißheit in der Art. Zweiter Unvollständigkeitssatz Es gibt kein konstruktives Verfahren. die weder bewiesen noch widerlegt werden können. die die Mathematik nicht beantworten kann. daß ihre Axiomenwahl nicht zu Widersprüchen führt – die Widerspruchsfreiheit könne nie bewiesen werden. Im Kern besagt Gödels erste Feststellung. Im Jahr 1931 veröffentlichte Gödel seinen Artikel Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme. Ich dachte. der seine sogenannten Unvollständigkeitssätze enthält. Seine Gedanken konnten in zwei Feststellungen zusammengefaßt werden. Gödel hatte gezeigt. Gewißheit sei eher in der Mathematik als anderswo zu finden. welche Menge von Axiomen auch immer verwendet wird – Vollständigkeit kann nie erreicht werden. daß der Versuch. gibt es Sätze. mit dem zu beweisen wäre. wie die Menschen religiösen Glauben wollen. daß es immer Fragen geben wird. in Portraits from Memory. Schlimmer noch. die Mathematiker könnten sich nicht einmal sicher sein. ein vollständiges und widerspruchsfreies mathematisches System zu errichten. daß viele ma- .die sich verheerend auf die Grundlagen der Mathematik auswirken sollten. Als die Kunde davon nach Amerika gelangte. Gödel hatte bewiesen. für immer zum Scheitern verurteilt ist. die zweite Feststellung besagt. Jahrzehnte später. Doch ich entdeckte. daß die axiomatische Theorie widerspruchsfrei ist. stellte der große Mathematiker John von Neumann seine Vorlesungsreihe über das Hilbertprogramm sofort ein und setzte für die restliche Kurszeit eine Diskussion über Gödels revolutionäre Arbeit an.

Kurt Gödel .

Viele Jahre später meinte der große Zahlentheoretiker André Weil: »Gott existiert. Ich hatte einen Elefanten geschaffen. die man bislang für sicher gehalten hatte. doch nun fand ich ihn schwankend vor und machte mich daran. die auf Epimenides zurückgeht . Doch im Laufe der Arbeit erinnerte ich mich immer wieder an die Fabel mit dem Elefanten und der Schildkröte. so daß weder ν Gen r noch Neg (ν Gen r) zu Flg (χ) gehört. sie auf einem neuen Feld der Mathematik zu finden sein würde. und nach zwei Jahrzehnten mühseliger Arbeit kam ich zu dem Schluß. mit einer logischen Analogie veranschaulicht werden. heißt dies nicht notwendig. weil die Mathematik konsistent ist. weil wir das nicht beweisen können. Obwohl Gödels zweite Feststellung besagt. Glücklicherweise kann Gödels zweiter Satz. Viele Mathematiker glaubten im Grunde ihres Herzens immer noch. die ich nach den Erwartungen meiner Lehrer akzeptieren sollte. es sei unmöglich. die Widerspruchsfreiheit der Axiome zu beweisen. daß ihre Wissenschaft widerspruchsfrei bleiben würde. und der Teufel existiert. Doch die Schildkröte war nicht sicherer als der Elefant. sie seien widersprüchlich. das solidere Fundamente besaß als jene. eine Schildkröte zu schaffen.thematische Beweise. ähnlich wie Russells Paradoxie anhand der Bibliothekarsanekdote. Allein schon eine strengere Formulierung des zweiten Satzes müßte lauten: Zu jeder ω-widerspruchsfreien rekursiven Klasse χ von Formeln gibt es rekursive Klassenzeichen r. der die mathematische Welt tragen sollte. um das mathematische Wissen unbezweifelbar zu machen. doch in ihren Köpfen konnten sie es nicht beweisen.« Der Beweis von Gödels Unvollständigkeitssätzen ist immens kompliziert. sollte Gewißheit in der Mathematik tatsächlich zu erlangen sein. daß ich nichts weiter tun könne. voller Fehlschlüsse steckten. und daß. (Wobei ν die freie Variable aus r ist). um ihn am Fallen zu hindern.

Schauen wir nun. wir stoßen in jedem Fall auf einen Widerspruch. wenn wir annehmen. muß die Aussage daher wahr sein. wenn wir annehmen. die wahr sind. Gödel konnte die obige Aussage in die Sprache der Mathematik übersetzen und damit zeigen. doch sind wir ja davon ausgegangen. daß sie wahr ist) eben dies feststellt. Epimenides war ein Kreter. daß er einen wahren Satz gesagt hat. Gödels Arbeiten hatten viele Züge mit ähnlichen Entdeckungen in der Quantenphysik gemein. der den Satz ausrief: »Ich bin ein Lügner!« Die Paradoxie wird deutlich. Dies bedeutet. daß die Aussage wahr oder falsch ist. daß die Feststellung wahr ist. obwohl sie wahr ist. Ob wir nun annehmen. daß es in der Mathematik Aussagen gibt. und deshalb ist er kein Lügner. Das Ergebnis war eine Aussage über sich selbst. Nur vier Jahre bevor Gödel seinen Artikel zur Unentscheidbarkeit veröffentlichte. Sehen wir zunächst. aber nie bewiesen werden können: die sogenannten unentscheidbaren Sätze. Gödel interpretierte die Lügnerparadoxie neu und führte den Begriff des Beweises ein. daß Epimenides ein Lügner ist. Das hieße.und als kretische oder Lügnerparadoxie bekannt ist. daß er eine falsche Aussage traf. Das war der Todesstoß für das Hilbertprogramm. Allerdings kann sie. was passiert. entdeckte der deutsche Physiker Werner Heisenberg die Unschärferelation. wenn wir zu bestimmen versuchen. nicht bewiesen werden. doch haben wir vorausgesetzt. daß die Aussage falsch ist. dann wäre sie beweisbar. und deshalb ist die Aussage weder wahr noch falsch. Um den Widerspruch zu vermeiden. und deshalb ist Epimenides ein Lügner – wir haben einen weiteren Widerspruch. Wie es in der Mathematik eine prinzipielle Grenze für die Beweisbar- . weil die Aussage (von der wir wissen. Epimenides ist kein Lügner. Wenn die Aussage falsch wäre. ob diese Aussage wahr oder falsch ist. was geschieht. doch dies würde ihr selbst widersprechen. die etwa so lauten könnte: Diese Aussage kann nicht bewiesen werden.

und seine Entdeckung entwertete nichts. gibt es nach Heisenberg auch in der Physik eine prinzipielle Grenze für die Meßbarkeit bestimmter Eigenschaften. müßten die Photonen mit hoher Energie versehen sein. doch gab es genug. daß diese Sätze existierten. Paul Cohen. wurde Gödels theoretischer Alptraum greifbare Wirklichkeit. was in der Vergangenheit bewiesen worden war. arbeitete der Rest der mathematischen Gemeinschaft ungerührt weiter. Das Verfahren funktioniert nur bei wenigen Sonderfällen. ungerührt weiterbetrieben werden. im Jahr 1963. die nicht bewiesen werden konnten. mit dem sich feststellen läßt. Außerdem glaubten viele Mathematiker. Wird der Gegenstand allerdings mit solchen Photonen beschossen. ändert sich seine Geschwindigkeit und wird an und für sich unbestimmbar. Wollen die Physiker zum Beispiel die genaue Position eines Gegenstands bestimmen. Ein Großteil der Physik konnte daher. müßte man ihn mit Lichtphotonen beleuchten. Während die Logiker sich höchst esoterisch anmutende Debatten über Unentscheidbarkeit lieferten. und um seine Position exakt zu bestimmen. während die Quantenphysiker sich mit tiefgreifenden Fragen über die Grenzen des Wissens befaßten. Schließlich hatte Gödel nur behauptet. können sie dessen Geschwindigkeit nur mit relativ geringer Genauigkeit bestimmen. die tatsächlich unentscheidbar . dort.keit von Sätzen gibt. wo die Hochpräzisionsmessungen entscheidend sind. einen bestimmten konnte er nicht herzeigen. Um nämlich die Position des Gegenstands zu messen. müßten sie ihr Wissen um seine Geschwindigkeit daher zum Teil aufgeben. dennoch fand er als erster bestimmte Fragen. Zwar hatte Gödel bewiesen. ob eine bestimmte Frage unentscheidbar ist oder nicht. Doch dann. Heisenbergs Unschärferelation kommt nur in atomaren Dimensionen zur Geltung. daß es einige Aussagen gab. entwickelte ein Verfahren. Dasselbe geschah in der Welt der Mathematik. Würden die Physiker die Position eines Gegenstands bestimmen wollen. daß Gödels unentscheidbare Sätze nur in den dunkelsten und fernsten Gebieten der Mathematik zu finden seien und man daher vielleicht nie auf sie stoßen würde. bei denen man es konnte. ein neunundzwanzigjähriger Mathematiker an der Universität Stanford.

um ihn von Gödel persönlich absegnen zu lassen. Die Fermatsche Vermutung besagt. wenn Pierre de Fermat ein Fehler unterlaufen war. als er behauptete. Sollte Fermats letzter Satz jedoch wahr sein. ein Zeichen. Ihn zu beweisen war vielleicht nicht nur schwierig. so stellte sich merkwürdigerweise heraus. daß der letzte Satz unentscheidbar war. Wenn Fermats letzter Satz unentscheidbar war. einen Beweis gefunden zu haben? Sollte diese Ahnung zutreffen. der nicht existierte. Der Grund dafür ist folgender. Besonders dramatisch war. hieß dies zugleich. Der Satz wäre also entscheidbar. indem man eine Lösung (ein Gegenbeispiel) ausfindig macht. Kurz gesagt. die auch weiterhin versuchten. dies zu beweisen. Zwei Tage später erhielt Cohen eine Einladung zum Tee bei Gödel. Ironischerweise hatte Cohen bewiesen. dann hätte die Mathematik Jahrhunderte mit der Suche nach einem Beweis verbracht. sofort nach Princeton. daß es keine ganzzahligen Lösungen gibt für die Gleichung xn + yn = z n mit n größer als 2. Unwahr sein ist nicht vereinbar mit unentscheidbar sein. schnappte sich die Papiere und schlug die Tür wieder zu. daß einige der unentscheidbaren Fragen eine zentrale Rolle in der Mathematik spielten. unentscheidbar war. Fermats letzten Satz zu beweisen – vielleicht war er ja unentscheidbar! Was.sind. und das hieß. daß eines der von David Hilbert benannten wichtigen Probleme der Mathematik. die Kontinuumshypothese. er konnte unentscheidbar sein. ob Professionelle oder Amateure. Nach seiner Entdeckung flog er. ihn zu beweisen. Wenn Fermats letzter Satz unentscheidbar war. ohne je beweisbar zu sein. . Gödels Werk. sondern völlig unmöglich. den Beweis in der Hand. daß er zutraf. untermauert durch die unentscheidbaren Sätze Cohens. Fermats letzter Satz konnte wahr sein. Sollte dieser Satz tatsächlich falsch sein. war eine beunruhigende Neuigkeit für all jene Mathematiker. dann gab es nicht unbedingt einen gleichermaßen einfachen Weg. Gödel. daß der Meister den Beweis mit dem Siegel seiner Anerkennung versehen hatte. war es durchaus möglich. der damals zunehmend unter Verfolgungswahn litt. dann wäre es möglich.

der Genuß. eine der trivialen Knobeleien Sam Loyds geknackt zu haben. Zweitens würde jeder. um ihre Hoffnungen dann zunichte zu machen. den ihm die Lösung mathematischer Probleme bereite. doch man stelle sich das Triumphgefühl vor. der sich auf die Fermatsche Vermutung einließ. ein Problem gelöst zu haben. der seinen letzten Satz beweisen konnte. Ganze Generationen von Mathematikern waren von Fermats letztem Satz besessen. die mit der Lösung esoterischer Fragen der Zahlentheorie einhergeht. Kummer und zahllose andere gescheitert waren. und jeder. Doch wer immer auch den entscheidenden Durchbruch erzwingen sollte. Ein Mathematiker sagte mir einmal. Das letzte Wort eines besonders schweren Kreuzworträtsels einzutragen ist immer mit einem Gefühl der Befriedigung verbunden. Eine Rolle spielte erstens der unbarmherzige Wille. Der letzte Satz war die schwerste Prüfung.Unwiderstehliche Neugier Pierre de Fermats beiläufige Randnotiz in Diophantos’ Arithmetica war zum haarsträubendsten Rätsel der Mathematikgeschichte geworden. ein Rätsel gelöst zu haben. vor denen seine Zeitgenossen klein beigeben mußten. Die Befriedigung. ist durchaus vergleichbar mit der schlichten Freude. Fermats letzter Satz war eine mathematische Sirene. hätte dort gesiegt. das die ganze Mathematikergemeinde über Hunderte von Jahren in Verwirrung gestürzt hatte. das unschuldige Glück genießen. sich darüber freuen. einfach besser zu sein. der Fermats Herausforderung standhielt. lief Gefahr. und dies aus zwei Gründen. so würde jeder. Jeder Mathematiker. Auch nach drei Jahrhunderten des ruhmreichen Scheiterns und Gödels Fingerzeig. die Genies anlockte. Probleme zu lösen. der ihn beweisen konnte. Euler. man sei womöglich hinter einem nichtexistenten Beweis her. Ebenso wie es Fermat selbst großes Vergnügen bereitet hatte. wo Cauchy. der das schwierigste Problem der Welt gelöst hatte. würde in die Geschichte eingehen als der Mensch. sein Berufsleben zu verschwenden. verblieben einige Mathematiker im Bannkreis des Problems. sei dem der Kreuzworträtsel-Süchtigen verwandt. welches .

nämlich wenn es heißt. Ich habe nur eine Chance. Doch wenn du es schließlich löst. Du fängst mit einem Problem an. dann gilt dies auch für den Großteil der besten Mathematik. warum Andrew Wiles in den Bann Fermats geriet: »Die reinen Mathematiker lieben einfach die Herausforderung. die Annehmlichkeit der Welt auch nur im geringsten verändert und wird dies wohl auch nicht tun. haben sie dieses herrliche Gefühl. Sie lieben ungelöste Probleme.. H. es ist so kompliziert. wie alles so elegant zusammenpaßt. ist unbestreitbar: in Frage steht nur dessen Wert. das schaffenswert war. Und daß ich etwas geschaffen habe. Was sie inspiriert. In seinem Buch A Mathematician’s Apology versuchte G. er habe eine Lösung. Du kannst es nicht verstehen. das dir ein vollkommenes Rätsel ist. zum Guten oder zum Schlechten. ich hätte etwas geschaffen. hast du dieses sagenhafte Gefühl. . ist das Vergnügen an der Entdeckung. wenn man sich jahrelang mit einem Rätsel herumgeschlagen hat. direkt oder indirekt. doch die Mathematiker treibt etwas ganz anderes. Gemessen an allen praktischen Kriterien ist der Wert meines Mathematikerlebens gleich null. du wirst einfach nicht schlau daraus. Am Trügerischsten sind die Probleme. Wenn ein Schachproblem im groben Sinne »nutzlos« ist. das noch kein Mensch gelöst hat.sich einstellt. Keine meiner Entdeckungen hat. und dann die Lösung findet. wie schön das ist.« Die Mathematik findet zwar ihre Anwendung in Wissenschaft und Technik. seine Laufbahn zu erklären und zu rechtfertigen: Dazu will ich nur eines sagen. dem Urteil völliger Belanglosigkeit zu entkommen. die einfach aussehen und sich dann als höchst vertrackt erweisen. Ich habe nie etwas »Nützliches« getan.. Es sah so aus. Das beste Beispiel dafür ist Fermat. Wenn sie sich mit Mathe befassen. weil Fermat behauptete. als müsse es eine Lösung haben. Hardy. und dann ist es natürlich etwas ganz Besonderes. und außerhalb der Mathematik ist es ohnehin belanglos. Das sind die Gründe.

das sei nicht unbedingt schlecht: »Wirkliche Mathematik spielt für den Krieg keine Rolle. Hardy 1940 erklärte. kann praktisch nicht von Nutzen sein. aber überwältigende Befriedigung. und die Belohnung ist die schlichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte die RAND-Corporation das Potential der Ideen . um den wahren Fermat-Fanatiker zu entmutigen. ein mathematisches Problem zu lösen.« Im Falle der Fermatschen Vermutung mangelte es nicht an Neugier. etwas. Am Anfang stand die Untersuchung von Schach und Poker. ob das Problem überhaupt lösbar sei. Bislang hat niemand einen kriegerischen Nutzen der Zahlentheorie entdeckt. Der Mathematiker E. Der Zweite Weltkrieg sollte genau dies bringen – den größten Sprung in der Rechenkapazität seit Erfindung des Rechenschiebers. daß π irrational ist. C. dann wandte er sich dem Versuch zu. doch das reichte nicht aus. fügte er rasch hinzu. wie Menschen in Spielen entscheiden. wird vor allem durch die Neugier befeuert. es nicht zu wissen. in dem er den Begriff der Spieltheorie einführte. Nötig war ein neues Werkzeug. Gödel hatte mit seinen Arbeiten zur Unentscheidbarkeit ein Element des Zweifels ins Spiel gebracht. daß die Mathematiker in den dreißiger Jahren all ihre Techniken erschöpft und kaum noch etwas in petto hatten. Sie war von Neumanns Versuch. höherstufige Spiele wie etwa die Wirtschaft in Modellen abzubilden. die beste Mathematik sei weitgehend nutzlos. H.Die Sehnsucht. die aus der Lösung jedes Rätsels entspringt. Mit roher Gewalt Als G.« Hardy sollte bald eines Besseren belehrt werden. Im Jahr 1944 schrieb John von Neumann zusammen mit einem Kollegen das Buch Spieltheorie und wirtschaftliches Verhaken. doch wenn wir es wissen können. Da war die Tatsache schon ernüchternder. wäre es sicher unerträglich. mathematisch zu beschreiben. die Struktur von Spielen sowie die Art und Weise. das die Moral der Mathematiker heben würde. Titchmarsh hat einmal gesagt: »Zu wissen.

von Neumann und heuerte ihn an. Seine Aufgabe war es, an der Entwicklung von Strategien für den Kalten Krieg zu arbeiten. Die mathematische Spieltheorie wurde nun zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Generäle, das es erlaubte, Schlachten als komplexe Schachspiele zu behandeln. Diese Anwendung der Spieltheorie läßt sich auf einfache Weise mit der Geschichte eines Triells verdeutlichen. Ein Triell ist im wesentlichen ein Duell mit drei statt zwei Beteiligten. Eines Morgens beschließen Herr Schwarz, Herr Grau und Herr Weiß, einen Streit durch ein Pistolentriell zu beenden, bei dem am Ende nur einer überleben wird. Herr Schwarz ist der schlechteste Schütze, denn er trifft sein Ziel durchschnittlich nur einmal in drei Versuchen. Herr Grau schießt schon besser, bei drei Versuchen trifft er zweimal. Herr Weiß ist der beste Schütze, er trifft immer. Um das Triell fairer zu gestalten, darf Herr Schwarz als erster schießen, danach Herr Grau (wenn er noch lebt), dann Herr Weiß (wenn er noch lebt). Schließlich beginnt das Ganze von vorne, bis nur noch einer von ihnen am Leben ist. Die Frage lautet nun: »Wo sollte Herr Schwarz beim erstenmal hinzielen?« Man kann sich hier auf die Intuition verlassen, besser jedoch auf die Spieltheorie. Die Antwort wird in Anhang 9 erörtert. Noch einflußreicher im Krieg als die Spieltheorie ist die Mathematik der Code-Entschlüsselung. Während des Zweiten Weltkriegs erkannten die Alliierten, daß die mathematische Logik theoretisch auch für die Entschlüsselung deutscher Funkmeldungen zu gebrauchen wäre, wenn die Berechnungen nur schnell genug vonstatten gingen. Die Herausforderung bestand darin, ein Verfahren zur Automatisierung der Mathematik zu finden, so daß eine Maschine die Rechnungen ausführen konnte. Den größten Beitrag zu diesem Unternehmen der Code-Entschlüsselung leistete der Engländer Alan Turing. Turing kehrte 1938 nach einem Aufenthalt in Princeton nach Cambridge zurück. Die von Gödels Unvollständigkeitssätzen gestiftete Verwirrung hatte er selbst noch miterlebt, und er hatte sich an die Aufgabe gemacht, die Scherben von Huberts Traum aufzulesen. Vor allem wollte er wissen, ob es eine Möglichkeit gab zu be-

Alan Turing

stimmen, welche Fragen entscheidbar waren und welche nicht, und er versuchte, eine Methode dafür zu entwickeln. Damals waren die Rechengeräte noch primitiv und im Grunde nutzlos, wenn es an ernsthafte Mathematik ging, und so gründete Turing seine Vorstellungen auf eine imaginäre Maschine mit unendlicher Rechenkapazität. Diese hypothetische Maschine, die unendlich lange Lochpapierstreifen verbrauchte und eine Ewigkeit rechnen konnte, war alles, was er brauchte, um seinen abstrakten logischen Fragen nachzugehen. Turing wußte damals noch nicht, daß seine Phantasievorstellung von einer mechanischen Beantwortung theoretischer Fragen schließlich zu einem Durchbruch hin zu wirklichen Rechnungen auf wirklichen Maschinen führen würde. Trotz des Kriegsausbruchs setzte Turing seine Forschungen als Fellow des King’s College in Cambridge fort, bis seinem genügsamen Dozentenleben am 4. September 1940 plötzlich ein Ende bereitet wurde. Die britische Regierung beorderte ihn in ihre Code and Cypher School. Deren Aufgabe war es, die chiffrierten Nachrichten des Feindes zu entschlüsseln. Im Vorfeld des Krieges hatten die Deutschen beträchtliche Mühe darauf verwendet, ein überlegenes Verschlüsselungssystem zu entwickeln, zur großen Besorgnis des britischen Geheimdienstes, der in der Vergangenheit den Nachrichtenverkehr des Gegners relativ leicht hatte entschlüsseln können. In der von der britischen Regierung herausgegebenen offiziellen Geschichte der britischen Geheimdienste im Zweiten Weltkrieg (British Intelligence in the Second World War) heißt es zum Spielstand in den dreißiger Jahren: Im Jahr 1937 galt als gesicherte Erkenntnis, daß im Gegensatz zu ihren japanischen und italienischen Pendants das deutsche Heer, die deutsche Marine und vermutlich die Luftwaffe – gemeinsam mit anderen staatlichen Organisationen wie den Eisenbahnen und der SS – für den gesamten Nachrichtenverkehr mit Ausnahme des taktischen verschiedene Varianten desselben Chiffriersystems einsetzten: die Enigma-Maschine, die in den zwanziger Jahren auf den Markt gekommen, deren Sicherheit jedoch von den Deutschen durch ständige Umbauten erhöht worden war.

1937 konnte die Code and Cypher School der Regierung das weniger veränderte und abgesicherte Modell dieser Maschine entschlüsseln, das die Deutschen, die Italiener und die nationalistischen Streitkräfte Spaniens einsetzten. Doch abgesehen davon war die Enigma immer noch angriffssicher, und es hatte den Anschein, daß dies auch künftig der Fall sein würde. Die Enigma bestand aus einer Tastatur, die mit einer Verschlüsselungseinheit verbunden war. Diese enthielt drei separate Rotoren, deren Positionen bestimmten, wie jeder auf der Tastatur eingegebene Buchstabe chiffriert wurde. Was es so schwierig machte, den Enigma-Schlüssel zu knacken, war die gewaltige Zahl unterschiedlicher Möglichkeiten, die Maschine einzustellen. Zunächst wurden die drei Rotoren aus einem Grundstock von fünf ausgewählt, die ausgewechselt und untereinander vertauscht werden konnten, um die Codebrecher zu verwirren. Zweitens konnte jeder Rotor in 26 verschiedenen Positionen angebracht werden. Das heißt, die Maschine konnte auf über eine Million verschiedene Weisen eingestellt werden. Daneben konnten die Steckfelder auf der Rückseite der Enigma von Hand ausgetauscht werden, so daß sich insgesamt über 150 Millionen Millionen Millionen mögliche Zustände ergaben. Um die Sicherheit noch weiter zu erhöhen, änderten die drei Rotoren ständig ihre Richtung, so daß sich jedesmal, wenn ein Buchstabe übermittelt wurde, die Konfiguration der Maschine und damit die Verschlüsselung für den nächsten Buchstaben änderte. Wenn man etwa »DODO« tippte, konnte die verschlüsselte Nachricht »FGTB« herauskommen – das »D« und das »O« wurden jeweils zweimal gesendet, doch jedesmal unterschiedlich verschlüsselt. Das deutsche Heer, die Marine und die Luftwaffe wurden mit Enigma-Maschinen ausgestattet, und selbst die Eisenbahnen und weitere staatliche Dienststellen hatten sie in Betrieb. Wie bei allen Codierungssystemen der damaligen Zeit war der Schwachpunkt der Enigma, daß der Empfänger die Enigma-Konfiguration des Senders kennen mußte. Um die Sicherheit zu gewährleisten, mußten diese Einstellungen täglich geändert werden. Eine Möglichkeit der Sender, die Einstellungen regelmäßig zu ändern und die Emp-

fänger auf dem laufenden zu halten, besteht darin, alle Tageseinstellungen in einem geheimen Schlüsselbuch festzuhalten. Allerdings lief man dabei Gefahr, daß die Briten, sollten sie ein U-Boot kapern, auch das Schlüsselbuch in die Hände bekommen würden, das alle Tageseinstellungen für den folgenden Monat enthielt. Das andere Verfahren, das man dann im Krieg einsetzte, war, die jeweilige Tageseinstellung in einem Vorspann zur eigentlichen Nachricht zu übertragen, verschlüsselt mit der Einstellung des Vortags. Bei Kriegsausbruch war die britische Cypher School noch von Altphilologen und Linguisten beherrscht. Das Außenministerium erkannte jedoch bald, daß Zahlentheoretiker bessere Chancen hatten, die deutschen Codes zu entschlüsseln. Daher brachte man zunächst neun der brillantesten Zahlentheoretiker des Landes am neuen Sitz der Cypher School in Bletchley Park zusammen, einem viktorianischen Herrenhaus in Buckinghamshire. Turing mußte seine hypothetischen Maschinen mit den unendlich langen Lochpapierstreifen und unbegrenzter Rechenzeit aufgeben und unter sehr realem Zeitdruck und mit endlichen Ressourcen ein praktisches Problem in Angriff nehmen. Die Kryptologie ist ein geistiger Kampf zwischen dem Verschlüßler und dem Entschlüßler. Die Herausforderung für den Verschlüßler besteht darin, eine ausgehende Nachricht so weit zu zerhacken und zu vermischen, daß sie, falls der Gegner sie abhört, unentschlüsselbar ist. Der möglichen mathematischen Bearbeitung sind jedoch Grenzen gesetzt, da die Nachricht schnell und effizient übermittelt werden muß. Die Stärke des deutschen Enigma-Schlüssels war, daß die Nachricht mit hoher Geschwindigkeit mehrere Stufen der Verschlüsselung durchlief. Die Herausforderung für den Codebrecher bestand darin, eine abgehörte Nachricht zu entschlüsseln, solange der Inhalt der Mitteilung noch von Bedeutung war. Ein deutscher Funkspruch mit dem Befehl, ein britisches Schiff anzugreifen, mußte entschlüsselt werden, bevor das Schiff versenkt war. Turing leitete eine Arbeitsgruppe von Mathematikern, die versuchten, spiegelbildliche Modelle der Enigma-Maschine herzustellen. Turing nutzte seine vor dem Krieg entwickelten abstrakten Ideen für diese Geräte, die theoretisch alle möglichen Enigma-Ein-

Stellungen systematisch durcharbeiten konnten, bis der Schlüssel geknackt war. Die britischen Maschinen, über zwei Meter breit und hoch, waren für diese Aufgabe mit elektromagnetischen Relais ausgestattet. Weil diese Relais dauernd tickten, nannte man die Maschinen Bomben. Trotz ihrer Schnelligkeit konnten die Bomben in einem halbwegs annehmbaren Zeitraum unmöglich jede einzelne der 150 Millionen Millionen Millionen möglichen Enigma-Einstellungen durchprüfen. Turings Leute mußten also versuchen, die Zahl der möglichen Permutationen auf irgendeine Weise entscheidend zu verringern, indem sie aus dem Nachrichtenverkehr alle Informationen zusammentrugen, die sie bekommen konnten. Einer der größten Durchbrüche der Briten war die Erkenntnis, daß die Enigma nie einen Buchstaben in sich selbst verschlüsseln konnte. Wenn also ein Chiffreur »R« eintippte, konnte die Maschine je nach Einstellung potentiell jeden Buchstaben abschicken, mit Ausnahme von »R«. Diese auf den ersten Blick harmlose Tatsache war alles, was man brauchte, um die notwendige Dechiffrierzeit drastisch zu verkürzen. Die Deutschen schlugen zurück, indem sie die Länge der verschickten Nachrichten begrenzten. Alle Nachrichten enthalten unweigerlich Hinweise für die Codebrecher, je länger die Nachricht, desto mehr. Die Deutschen begrenzten die Länge der Nachrichten auf maximal 250 Buchstaben und hofften, so den Mangel auszugleichen, daß bei der Enigma Klarbuchstabe und Geheimbuchstabe nicht zusammenfallen konnten. Um die Codes zu knacken, versuchte Turing häufig, Schlüsselwörter in den Nachrichten zu erraten. Lag er richtig, konnte er die Entschlüsselung der restlichen Mitteilung enorm beschleunigen. Wenn die Codebrecher zum Beispiel vermuteten, daß die verschlüsselte Meldung, wie häufig der Fall, einen Wetterbericht enthielt, dann nahmen sie an, daß in der Meldung Wörter wie »Nebel« oder »Windgeschwindigkeit« vorkamen. Wenn sie recht hatten, konnten sie die Nachricht rasch entschlüsseln und daraus auch die Enigma-Einstellungen für den Tag ableiten. Wenn es mit dem Wetterbericht nicht gelang, versuchten sich die Briten in die Lage des Enigma-Benutzers zu versetzen, um andere Wörter zu erraten. War dieser nachlässig, würde er den Empfänger

vielleicht mit dem Vornamen anreden oder persönliche Eigenarten entwickelt haben, die die Codebrecher kannten. Wenn das alles nichts half und die deutschen Nachrichtenströme unentschlüsselt blieben, soll die Cypher School angeblich sogar die britische Luftwaffe gebeten haben, einen bestimmten deutschen Hafen zu verminen. Der deutsche Hafenmeister pflegte in diesem Fall sofort eine verschlüsselte Meldung zu funken, die die Briten abhörten. Die Codebrecher konnten dann sicher sein, daß Wörter wie »Mine«, »vermeiden« und »Koordinaten« in der Meldung enthalten waren. Nach ihrer Entschlüsselung besaß Turing die Enigma-Einstellungen des Tages, und alle weiteren deutschen Meldungen konnten ebenfalls dechiffriert werden. Am 1. Februar 1942 fügten die Deutschen den für besonders geheime Informationen vorgesehenen Enigma-Maschinen einen vierten Rotor hinzu. Das war die größte Steigerung des Verschlüsselungsniveaus während des Krieges, doch Turings Leute schlugen zurück und verbesserten die Effizienz der Bomben. Dank der Cypher School wußten die Alliierten mehr über den Feind, als die Deutschen jemals hätten argwöhnen können. Die Wirkung der deutschen U-Boote im Atlantik wurde stark geschmälert, und die Briten wußten im voraus von den Angriffen der Luftwaffe. Die Codebrecher entschlüsselten auch die genauen Positionen der deutschen Versorgungsschiffe, so daß man britische Zerstörer hinausschicken konnte, um sie zu versenken. Die alliierten Streitkräfte mußten zu jedem Zeitpunkt darauf achten, daß ihre Ausweichtaktiken und Überraschungsangriffe nicht ihre Fähigkeit verriet, den deutschen Nachrichtenverkehr zu dechiffrieren. Sollten die Deutschen argwöhnen, daß die Enigma entschlüsselt worden war, würden sie ihr Chiffrierniveau anheben, und die Briten mußten womöglich von vorn anfangen. Daher kam es vor, daß die Cypher School die Alliierten von einem bevorstehenden Angriff unterrichtete, diese jedoch beschlossen, keine auffälligen Gegenmaßnahmen zu treffen. Gerüchten zufolge wußte Churchill sogar, daß Coventry das Ziel eines verheerenden Angriffs war, doch habe er beschlossen, keine besonderen Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um die Deutschen nicht mißtrauisch zu ma-

Turing hatte seine imaginäre Maschine in den ersten wirklichen Computer verwandelt. Colossus war ein Computer im modernen Sinne. einer durchgängig elektronischen Maschine aus 1 500 Röhren. Stuart Milner-Barry. der britische Geheimdienst habe die eigenen Reihen infiltriert. konnte ihr überwältigender Beitrag zur Kriegsführung nie öffentlich anerkannt werden. er konnte Informationen verarbeiten. auch nicht viele Jahre nach Kriegsende. Nach Kriegsende baute Turing immer komplexere Maschinen. Sie glaubten. An die Stelle der hypothetischen Maschinen waren wirkliche getreten. daß der Zweite Weltkrieg auch der Krieg der Mathematiker war – und in einem dritten Weltkrieg wäre ihr Beitrag noch entscheidender. ihr Verschlüsselungsniveau sei so hoch. bestreitet die Wahrheit dieses Gerüchts und sagt. der Enigma-Code sei geknackt worden. und die Zustände des Computers ähnelten den Zuständen des Gehirns. Die Zurückhaltung beim Gebrauch der entschlüsselten Informationen zahlte sich glänzend aus. Gegen Ende des Krieges half Turing beim Bau von »Colossus«. der mit Turing zusammenarbeitete. schöpften diese nicht den Verdacht. Es hieß einmal. der betreffende Funkspruch zu Coventry sei erst geknackt worden. Tatsächlich läßt sich aufgrund der in den letzten Jahrzehnten freigegebenen Informationen durchaus behaupten. unter der die Arbeit Turings und seiner Gruppe in Bletchley stand.chen. die viel schneller waren als die elektromechanischen Relais in den Bomben. Während der Laufbahn als Codebrecher verlor Turing nie seine eigentlichen mathematischen Ziele aus den Augen. Selbst als die Briten dank der abgehörten Funkmeldungen den Deutschen schwere Verluste beibrachten. . dessen besonders hohe Geschwindigkeit und technische Reife Turing an ein einfaches Gehirn denken ließ – er hatte einen Gedächtnisspeicher. daß es absolut unmöglich wäre. als es zu spät war. Wegen der Geheimhaltung. Ihre außergewöhnlich hohen Verluste erklärten sie statt dessen mit der Vermutung. der Zweite Weltkrieg der Krieg der Physiker gewesen. die Codes zu brechen. doch er beschäftigte sich immer noch mit seinen esoterischen Fragen. der Erste Weltkrieg sei der Krieg der Chemiker.

Andrew Hodges. daß er Homosexueller war und befürchtete. die Hormonbehandlung war vor einem Jahr zu Ende gegangen. Sie analysierten den Apfel nicht. hatte keine Schwierigkeiten... daß es Selbstmord war. Man wußte. Neben seinem Bett lag ein halber Apfel. der mehr über die britischen Sicherheitscodes wußte als jeder andere. Großbritannien hatte Turing die fortgeschrittensten Computer der Welt zu verdanken.etwa die Automatic Computing Engine (ACE). daß er einen Psychiater konsultierte und einen Schlag erlitten hatte. die ihn kannten. Daß er ein unglücklicher Mensch voll von Spannungen war. Juni 1954 wurde festgestellt. als er 1952 wegen Übertretung der Sittlichkeitsgesetze als Homosexueller verhaftet wurde. die zu seinem Tod führten: Alan Turings Tod war ein Schock für diejenigen. Im Haus befand sich ein Gefäß mit Kaliumzyanid und auch ein Marmeladenglas mit Zyanidlösung. Turings Biograph.. schildert die Ereignisse.. und so wurde nie wirklich festgestellt. Diese Demütigung machte ihm das Leben unerträglich. als Todesursache Zyanid-Vergiftung festzustellen. und der Pathologe. 1948 ging er an die Universität Manchester und baute den ersten Computer der Welt mit elektronisch gespeichertem Programm. erpreßbar sein könnte. Er hatte Schaum rund um den Mund. Er war. . daß der Mann.. der an jenem Abend die Autopsie machte. der viele Leute gefällt hätte – all dies war klar.. was vollkommen offensichtlich erschien. ihn auf Schritt und Tritt zu überwachen. in das Zyanid getaucht worden war.. und er schien sich über alles hinweggehoben zu haben. doch deren erstaunlichste Berechnungen sollte er nicht mehr erleben. Aber der Prozeß lag schon zwei Jahre zurück.. ordentlich im Bett liegend vorgefunden worden. ob der Apfel. In den Nachkriegsjahren wurde Turing vom britischen Geheimdienst überwacht. Bei der gerichtlichen Untersuchung am 10. Daher beschloß man. Turing hatte sich mit der dauernden Überwachung schon weitgehend abgefunden. von dem einige Bissen genommen worden waren.

daß die Fermatsche Vermutung für alle Werte von n bis vier Millionen zutraf. die Fälle der drei irregulären Primzahlen bis 100 zu erledigen. Mit dem Siegeszug des Computers konnten auch die vertrackten Fälle der Fermatschen Vermutung rasch erledigt werden. Selbst wenn Supercomputer Jahrzehnte damit verbringen würden. in denen sie Programme ablaufen ließen. daß man theoretisch alle irregulären Primzahlen einzeln abarbeiten konnte. Außenstehende mochten zwar den Eindruck gewinnen. Kummer hatte einen Fehler in den Arbeiten von Cauchy und Lame entdeckt und gezeigt. und nach dem Zweiten Weltkrieg bewiesen Arbeitsgruppen aus Computerwissenschaftlern und Mathematikern Fermats letzen Satz für alle Werte von n bis 500. das Problem sei nur. Wagstaff von der Universität Illinois die Grenze bis 25 000 vor.Turings Vermächtnis war eine Maschine. für die ein Mensch viel zu lange gebraucht hätte. daß jede von ihnen enormen Rechenaufwand erforderte. doch die Mathematikergemeinschaft war sich darüber im klaren. die sich immer noch mit der Fermatschen Vermutung herumschlugen. die in ein paar Stunden Rechnungen durchführen konnte. und in jüngster Zeit konnten die Mathematiker verkünden. die 59 und die 67. die moderne Technik gewänne langsam die Oberhand über das Fermatproblem. In den achtziger Jahren schob Samuel S. daß zum Beweis von Fermats letztem Satz nur noch die Fälle erledigt werden mußten. den Satz für . dann bis 1 000 und schließlich bis 10 000. Die heutigen Computer führen im Bruchteil einer Sekunde mehr Berechnungen durch als Fermat in seinem ganzen Leben. Allerdings waren sie und andere Mathematiker nicht bereit. bei denen n eine irreguläre Primzahl ist – für den Wertebereich bis 100 waren dies nur die 37. daß ihr Erfolg rein kosmetischer Natur war. Die Mathematiker. Zum Nachweis verbrachten Kummer und sein Kollege Dimitri Mirimanoff mehrere Wochen damit. die auf Kummers Ansatz aus dem neunzehnten Jahrhundert beruhten. Ein paar Jahrzehnte später begannen die Probleme mit dem überwältigenden Rechenaufwand zu schwinden. Gleichzeitig wies Kummer nach. sich auch den nächsten Packen irregulärer Primzahlen zwischen 100 und 1 000 vorzunehmen. begannen nun Computer einzusetzen.

333 331. hätte beträchtliche Mühen gekostet. Eine Theorie aufgrund von Rechenergebnissen.« Die Computer konnten nur Rechenergebnisse liefern. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist. 3 333 331. ausgehend vom bisherigen Muster zu extrapolieren und anzunehmen. Die rohe Gewalt der computerisierten Zahlenfresserei allein kann das Unendliche nicht erreichen. auf die Unendlichkeit der Zahlen auszudehnen. konnten sie dies niemals für jeden Wert bis ins Unendliche tun und deshalb auch nie den Satz generell beweisen. und eine Fliege. und zu prüfen. Selbst wenn er bis zum Wert von einer Billion bewiesen wäre. ob sie ebenfalls prim sind. doch die Mathematiker werden selbst durch noch so viele Hinweise nicht zufriedengestellt. In seinem Buch The Picturegoers gibt David Lodge eine schöne Beschreibung der Ewigkeit. Im siebzehnten Jahrhundert wiesen die Mathematiker durch gründliche Berechnungen nach. Die nächsten Zahlen dieser Folge werden immer riesiger.einen Wert von n nach dem ändern zu beweisen. 331. . daß die folgenden Zahlen prim sind: 13. die zugunsten von Fermats letztem Satz sprachen. Zur damaligen Zeit waren einige Mathematiker versucht. Und wenn er für alle Werte bis zu einer Trillion bewiesen wäre. 33 333 331. gäbe es keinen Grund. gäbe es keinen Grund. Daß diese Extrapolation eine gefährliche Krücke ist. Dem beiläufigen Beobachter mögen die Belege überwältigend erscheinen. und so weiter ad infinitum. zeigt sich bei einer bestimmten Folge von Primzahlen. warum er für eine Billion und eins zutreffen sollte. warum er für eine Trillion und eins gelten sollte. auf die man sich nicht verlassen kann. hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen. 3 331. Sie bilden eine Gemeinschaft von Skeptikern. ist ein riskantes (und unzulässiges) Spiel. die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederläßt. 33 331. die so groß ist wie die Erde. 333 333 331. die auch für den parallelen Begriff des Unendlichen von Bedeutung ist: »Stell dir eine Stahlkugel vor. die nur unumstößliche Beweise zulassen. die mit einigen Zahlen gewonnen wurden.

Für die Eulersche Vermutung mochte noch soviel sprechen. Die nächste Zahl des Musters jedoch. Dies bestätigt noch einmal. Euler stellte die Behauptung auf. 3 333 333 331. Durchsucht man immer größere Abschnitte auf der Zahlengeraden. die man aus der ersten Million Zahlen gewinnt. dann stellt sich heraus. die der Fermats nicht unähnlich ist: x 4 + y 4 + z4 = ω 4. eine Vermutung darüber auf. nicht zum Beweis einer Vermutung über alle Zahlen taugen. Carl Friedrich Gauß stellte 1791. Elkies bewies zudem.daß alle Zahlen dieser Form prim sind. daß Primzahlen immer seltener vorkommen. mit vierzehn Jahren. Ein weiteres gutes Beispiel. Die ersten Versuche mit Papier und Bleistift und später die jahrelange Suche mit Computern erbrachten keine Lösung. daß die Resultate. doch zwischen 10 000 000 und 10 000 100 gibt es nur noch zwei. Überprüfte man die Primzahlen bis . sie stellte sich als falsch heraus. Doch der trügerische Charakter der Eulerschen Vermutung ist nichts gegen die Vermutung der überschätzten Primzahldichte. es gebe keine Lösung für folgende Gleichung. Zwischen 0 und 100 zum Beispiel gibt es 25 Primzahlen. Zwei Jahrhunderte lang konnte die Eulersche Vermutung nicht bestätigt werden. wie stark die Häufigkeit der Primzahlen auf der gesamten Zahlengeraden abnimmt. schien jedoch die wahre Verteilung der Primzahlen immer geringfügig zu überschätzen. daß es unendlich viele Lösungen der Gleichung gibt. andererseits jedoch konnte niemand sie durch ein Gegenbeispiel widerlegen. ist die Eulersche Vermutung. die Ergebnisse der Computerberechnungen als Beweise gelten zu lassen. Die Formel war einigermaßen genau. warum die Mathematiker sich weigerten. Das Fehlen eines Gegenbeispiels sprach stark zugunsten der Vermutung. erwies sich nicht als prim: 3 333 333 331 = 17 × 19 607 843. Im Jahr 1988 schließlich entdeckte Naom Elkies von der Universität Harvard folgende Lösung: 2 682 4404 + 15 365 6394 + 18 796 7604 = 20 615 6734. das zeigt.

wobei ein Zug einfach bedeute. Coates erinnert sich noch. Hardy nannte Skewes’ Zahl »die größte Zahl. So kam die Vermutung der überschätzten Primzahldichte in die Welt. Der Doktorand Andrew Wiles begann seine Laufbahn 1975 als Doktorand an der Universität Cambridge. Skewes.eine Million. warum die Fermatsche Vermutung sich als ebenso grausam und tückisch erweisen sollte wie die Eulersche Vermutung oder die Vermutung der überschätzten Primzahldichte. Hardys Mitarbeiter in Cambridge. Littlewood. im Jahr 1914. Jeder Doktorand hatte einen Doktorvater. entspräche die Zahl der möglichen Spiele in etwa Skewes’ Zahl. und die Mathematiker waren stark versucht zu glauben. bewies G. J. Dann. der ihn anleitete und förderte. Drei Jahre. Professor am Emmanuel College. zwei Teilchen miteinander auszutauschen. seine mathematische Lehrzeit. Bei Wiles war dies John Coates. die je einem bestimmten Zweck in der Mathematik gedient hat«. er hätte einen sehr guten Studenten. ein Australier aus Possum Brush in New South Wales. H. daß die Gaußsche Formel ein wenig zu großzügig war. so rechnete Hardy vor. 1955 zeigte S. und er dräng- . dies gelte für alle Zahlen bis ins Unendliche. eine Billion oder eine Trillion. so zeigte sich. dann. E. Es gab keinen Grund. der gerade Teil III des mathematischen »tripos« abschloß (das letzte Examen für den »honours degree« in Cambridge). daß diese Unterschätzung irgendwann vor der folgenden Zahl eintreten würde: 1010 10 000 000 000 000 000000 000 000000 000 000 Diese Zahl ist jenseits aller Vorstellungskraft und auch jenseits aller praktischen Verwendbarkeit. daß die Gaußsche Formel die Zahl der Primzahlen in einem hinreichend großen Zahlenbereich unterschätzte. Spielte man Schach mit allen Teilchen des Universums (10 87). arbeitete er an seiner Dissertation. wie er Wiles unter seine Fittiche nahm: »Ein Kollege sagte mir.

Andrew Wiles während seiner Collegezeit. .

te mich. Das war selbst für einen ausgesprochen erfahrenen Mathematiker zu schwierig. die er für einen neuartigen Zugriff auf Fermats letzten Satz benötigte. die es einbringt. daß er als Mathematiker noch Großartiges leisten würde. Ich hatte Glück mit Andrew. Natürlich kann man sich nie sicher sein. die uns dafür zur Verfügung standen. Nicht. in dem es um elliptische Kurven geht. zu versuchen. »Ich glaube. solange dabei interessante Mathematik herauskommt – selbst wenn man es am Ende doch nicht löst. ist.« Coates gelangte zu dem Schluß. Die Schwierigkeit mit dem Fermatsatz war. Natürlich kam es damals nicht in Frage. Damit konnte man offenbar nicht an die Wurzel des Problems herankommen. und dann liegt es wirklich am Studenten. alles. doch nun. daß ich ihn vergessen hätte – er war immer da –. Die Definition eines guten mathematischen Problems ist die Mathematik. was in der Forschung Früchte tragen wird. weniger das Problem selbst. Er schildert. wie er seinen Traum vorübergehend aufgab: »Als ich nach Cambridge ging.« John Coates trug die Verantwortung. und es war immer klar. war darauf ausgerichtet gewesen. doch mir war klar. daß man Jahre damit verbringen und doch nichts erreichen konnte.« Alles. daß Wiles ein Gebiet der Mathematik studieren sollte. daß ein Doktorand sich direkt auf Fermats letzten Satz stürzte. Andrew eine neue Leidenschaft nahezubringen. daß die einzigen Techniken. habe ich den Fermatsatz wirklich beiseite gelegt. Es ist gut und schön. was Wiles im Jahrzehnt zuvor getan hatte. schon 130 Jahre alt waren. Diese Entscheidung sollte sich später als Wendepunkt in Wiles’ Karriere erweisen und ihm die Techniken an die Hand geben. ihn auf einen fruchtbaren Weg zu bringen. ihn als Studenten zu nehmen. . aber vielleicht kann ein älterer Mathematiker seinen guten Riecher einsetzen und intuitiv ein gutes Feld ausfindig machen. wie weit er in diese Richtung gehen kann. Schon als Doktorand hatte er sehr tiefgreifende Ideen. was ein Doktorvater für einen Studenten tun kann. da er sich den Reihen der professionellen Mathematiker angeschlossen hatte. die ihn als Forscher zumindest für die nächsten drei Jahre beschäftigen würde. wenn man an einem Problem arbeitet. sich auf Fermats Herausforderung vorzubereiten. mußte er pragmatischer sein.

. in den siebziger Jahren Wiles’ Doktorvater. hält auch weiterhin Verbindung zu seinem ehemaligen Studenten.John Coates.

. c = -2 nur eine ganzzahlige Lösung. Die Herausforderung bei den elliptischen Gleichungen besteht wie bei Fermats letztem Satz darin. ist eine immens schwierige Aufgabe.2. weil sie früher verwendet wurden. daß die obige elliptische Gleichung nur eine Lösung hat. ob sie ganzzahlige Lösungen haben. wie viele. und deshalb ist die 26 die einzige Zahl. daß die 26 die einzige Zahl im Universum ist. eine unendliche Vielzahl von Gleichungen erzeugen. und falls ja. b und c ganze Zahlen sind. b und c in der allgemeinen elliptischen Gleichung austauschen. herauszufinden. Die Mathematiker können. Die Leser erinnern sich vielleicht an Kapitel 2. die zwischen einer Quadratzahl und einer Kubikzahl liegt. indem sie einfach die Werte von a. die sich um 2 unterscheiden.2 oder 25 = 27 . Damit ist zugleich gesagt. Vielmehr handelt es sich um Gleichungen mit der Form y 2 = x 3 + ax2 + bx + c. Zu beweisen. b = 0.Der Begriff »elliptische Kurven« ist etwas irreführend. und komplizierten Gleichungen. um die Umfange von Ellipsen und die Länge von Planetenumlaufbahnen zu berechnen. und in der Tat war es Pierre de Fermat. der ihn führte. denn weder geht es um Ellipsen noch um Kurven im gewöhnlichen Sinne. Fermat habe bewiesen. doch um der Klarheit willen werde ich sie einfach als elliptische Gleichungen und nicht als elliptische Kurven bezeichnen. Das Faszinierende an den elliptischen Gleichungen ist. doch alle im Bereich des Lösbaren. daß sie eine eigentümliche Nische besetzen zwischen einfacheren. das heißt 52 und 33 sind die einzige Quadratzahl und die einzige Kubikzahl. Als Kurven werden sie bezeichnet. jede mit besonderen Eigenschaften. die unlösbar sind. Zum Beispiel hat die elliptische Gleichung y2 = x3 . daß diese Gleichung nur eine ganzzahlige Lösung besitzt. fast trivialen Gleichungen. wo es heißt. nämlich 52 = 33 . die zwischen zwei solchen Zahlen eingebettet liegt. wobei a.2 mit a = 0.

wie viele ganzzahlige Lösungen es für diese Gleichung gibt. Eine etwas interessantere Lösung ist x = 1 und y = 0: 13 .02 = 0 2 + 0. so auch Diophantos. war es so schwierig. Wir haben weiter vorne gesehen. sind noch ungelöst. Selbst noch nach zweitausend Jahren stellten die elliptischen Gleichungen Forscher wie Wiles vor gewaltige Probleme: »Sie sind bisher noch lange nicht vollständig durchdrungen. daß man sich die Zahlen als . Fermat. eine vollständige Liste der Lösungen dieser besonderen Gleichung zu erstellen. die Wiles als Doktorand untersuchte. All meine bisherige Arbeit in der Mathematik kann in gewisser Weise auf Fermat zurückgeführt werden. wenn nicht auf Fermats letzten Satz. Es mag andere Lösungen geben.« In den Gleichungen. Selbst Fragen. Die folgende ebenfalls elliptische Gleichung zum Beispiel kann fast unmöglich direkt angegangen werden: x 3 . und weil sie von seinem Helden untersucht worden waren. herauszubekommen. in der sogenannten Uhrenarithmetik. daß Fortschritte nur durch die Vereinfachung des Problems gelingen konnten. nach Lösungen innerhalb eines endlichen Zahlenraums zu suchen. nahm die Herausforderung der elliptischen Gleichungen ebenfalls an.Die Mathematiker des alten Griechenland untersuchten als erste elliptische Gleichungen. Eine recht triviale Lösung ist x = 0 und y = 0: 03 . der große Teile seiner Arithmetica der Erforschung ihrer Eigenschaften widmete. freute sich Wiles.x 2 = y 2 + y. Die Aufgabe besteht darin. die genaue Zahl der Lösungen festzustellen. doch bei einer unendlichen Menge von zu prüfenden ganzen Zahlen ist es unmöglich. Einfacher ist es. wahrscheinlich von Diophantos angeregt.12 = 0 2 + 0. ihre Erforschung noch weiter treiben zu können. die noch nicht gelöst sind. Ich könnte viele scheinbar einfache Fragen zu den elliptischen Gleichungen stellen. denen schon Fermat nachging.

gehen zwei Zwischenräume weiter und gelangen zur 1. sich die Multiplikation in der Uhrenarithmetik zu verdeutlichen. wenn wir über die Uhrzeit sprechen. Um den Zahlenraum endlich zu machen. sondern 3 Uhr. So ist etwa 4 + 2 = 6 das gleiche. die. so daß man einen Zahlenring erhält. Wir beginnen nämlich bei 4. Markierungen auf einer Zahlengeraden vorstellen kann. geht dann 5 mal eine Strecke von 7 Zwischenräumen weiter und kommt schließlich bei 11 an. gibt es auch Abkürzungen. Die Uhrenarithmetik mag uns fremd vorkommen.0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Abbildung 16: Das herkömmliche Rechnen kann man sich als Bewegung entlang einer Zahlengeraden vorstellen. verwenden wir sie täglich. Vier Stunden nach 11 Uhr (also 11 + 4) nennen wir im Alltag nicht 15 Uhr. Neben dieser Möglichkeit. In der 12er-Uhr-Arithmetik ist 5 × 7 = 11. die die Rechnungen beschleunigen. Um etwa 5 × 7 in der 12er-Uhr-Arith- . Das ist die 12er-Uhr-Arithmetik. 3 und 4. daß wir die Zahlengerade einige Zwischenräume weit entlanggehen. Diese Multiplikation kann man sich folgendermaßen vorstellen: Man beginnt bei 0. ins Unendliche reicht. 2. 1. wie in Abbildung 16 dargestellt. In der gewöhnlichen Arithmetik können wir uns die Addition so vorstellen. die Zahlengerade wurde also bei 5 abgeschnitten und auf die 0 zurückgebogen. Abbildung 17 zeigt eine 5er-Uhr. die einzigen Zahlen in der 5er-Uhr-Arithmetik sind daher 0. In der 5er-Uhr-Arithmetik jedoch ist 4 + 2 = 1. wie wenn man sagt: Beginne bei 4 und gehe dann auf der Zahlengeraden zwei Zwischenräume weiter bis zur 6. schneidet die Uhrenarithmetik die Gerade ab und biegt sie auf sich selbst zurück. Die Zahl 5 verschwindet und entspricht nun der 0. Wie die Addition können wir auch andere gängige Rechenarten wie etwa die Multiplikation durchführen. doch wie der Name schon sagt.

0. 0. Auch wenn manche dieser Gleichungen in der normalen Arithmetik nicht gültig wären. Genausogut kann man sich vorstellen. Die Zahl 5 fällt mit der 0 zusammen und wird deshalb durch sie ersetzt. Zum Beispiel ist es in einer 5er-Uhr-Arithmetik möglich. nämlich 35. Die 12 geht nur zweimal in die 35. 4. Die Lösungen sind: x x x x = = = = 0. 4. y y y y = = = = 0. nehmen den Rest und haben damit die Antwort auf die ursprüngliche Frage.0 4 3 2 1 Abbildung 17: In der 5er-Uhr-Arithmetik wird die Zahlengerade bei 5 abgeschnitten und auf sich selbst zurückgebogen. Zum Beispiel funktioniert die vierte Lösung (x = 1. es bleibt ein Rest von 11. Dann teilen wir 35 durch 12.12 = 1-1 = 0= y2 + y 42 + 4 16 + 4 20.x 2 = 13 . alle denkbaren Lösungen folgender Gleichung aufzulisten: x 3 . eben das Resultat von 5 × 7 in der 12er-Uhr-Arithmetik. daß man die Uhr zweimal umkreist und dann noch 11 Zwischenräume zu gehen hat. y = 4) wie folgt: x 3. können wir zunächst einfach das normale Ergebnis berechnen. metik zu berechnen. 1.x 2 = y 2 + y. ist es relativ einfach. 1. in der 5er-Uhr-Arithmetik sind sie es. für eine gegebene Uhrenarithmetik alle möglichen Lösungen einer elliptischen Gleichung zu finden. Weil die Uhrenarithmetik sich nur mit einem begrenzten Zahlenraum beschäftigt. .

Die obige elliptische Gleichung hat in der 5er-Uhr-Arithmetik vier mögliche Lösungen. wie viele Lösungen gewisse elliptische Gleichungen im unendlich großen normalen Zahlenraum haben. . daß in der 5er-Uhr-Arithmetik die 20 mit der 0 zusammenfällt. In der 7er-Uhr-Arithmetik zum Beispiel ist die Zahl der Lösungen gleich neun. gaben sie sich damit zufrieden. = 4. Weil die Mathematiker. die Zahl der Lösungen in allen verschiedenen Uhrenarithmetiken herauszufinden. auch wenn manche vermuten.x2 . = 4. Tatsächlich enthält sie eine Menge Informationen über die von ihr be- .Doch erinnern wir uns. also E7 = 9. Um der Klarheit willen verwende ich den Ausdruck E-Reihe – die Reihe. = 9. Die Mathematiker können nicht sagen. listen die Mathematiker die Zahl der Lösungen jeder Uhrenarithmetik auf und nennen diese Liste dann die L-Reihe für die elliptische Gleichung. da sich die 20 ohne Rest durch 5 teilen läßt. daß es auf Gustav Lejeune-Dirichlet zurückgeht. so auch Wiles. und daher sagen die Mathematiker E5 = 4. = 4. = 1. = 8. und so bescheidet man sich mit der E-Reihe. Für das obige Beispiel lautet die E-Reihe wie folgt: Elliptische Gleichung: E-Reihe: x3 . = 16. nicht alle Lösungen einer elliptischen Gleichung im unendlichen Zahlenraum auflisten konnten. E1 E2 E3 E4 E5 E6 E7 E8 .y2 + y. ist schon lange vergessen. = 16. Um ihre Ergebnisse zusammenzufassen. der über elliptische Gleichungen gearbeitet hat. . Wofür das L steht. Die Zahl der Lösungen in anderen Uhrenarithmetiken kann ebenfalls berechnet werden. die aus einer elliptischen Gleichungen abgeleitet ist.

daß er zugleich die Erfahrung sammelte.schriebene elliptische Gleichung. hatten die Mathematiker im Nachkriegsjapan bereits eine Kette von Ereignissen ausgelöst. steckt in der E-Reihe der Schlüssel für die elliptische Gleichung. welche die elliptischen Gleichungen unwiderruflich mit Fermats letztem Satz verknüpften. die ihn viele Jahre später vor die Tür des Beweises von Fermats letztem Satz bringen sollte. Immer neue Ergebnisse wurden gewonnen und ein Artikel nach dem ändern veröffentlicht. Coates hatte Wiles dazu angeregt. die es ihm später ermöglichen sollten. alles zu berechnen. eines Tages in der Lage zu sein. was sie je über eine elliptische Gleichung wissen wollten. Ebenso wie die DNS in der Biologie alle notwendigen Informationen für den Aufbau eines lebenden Organismus enthält. durch die Untersuchung der E-Reihen. In der gemeinsamen Arbeit mit John Coates erwarb sich Wiles rasch einen Ruf als brillanter Zahlentheoretiker mit einem profunden Verständnis elliptischer Gleichungen und ihrer E-Reihen. doch Wiles erkannte damals noch nicht. und ihm damit zugleich die Werkzeuge an die Hand gegeben. . Obwohl es damals niemand ahnte. an der Verwirklichung seines Traums zu arbeiten. sich mit elliptischen Gleichungen zu befassen. Die Mathematiker hofften nun. dieser mathematischen DNS.

Yutaka Taniyama .

5 Beweis durch Widerspruch Die Werke des Mathematikers müssen schön sein wie die des Malers oder Dichters. Auch er arbeite an dieser Rechnung. Taniyama wurde am 12. Ein paar Tage später landete eine Postkarte auf Shimuras Schreibtisch. und stecke am selben Punkt der Logik fest. Ausgeliehen hatte ihn Yutaka Taniyama. Ihn interessierte vor allem ein Artikel Deurings über dessen algebraische Theorie komplexer Multiplikation. die Ideen müssen harmonieren wie die Farben oder Worte. Vielleicht könnten sie ihre Ideen austauschen und gemeinsam an der Sache arbeiten. um die vertrackte Rechnung abzuschließen. die den Gang der mathematischen Geschichte ändern sollte. Schönheit ist die erste Prüfung: es gibt keinen Platz in der Welt für häßliche Mathematik. H. Hardy Im Januar 1954 stattete ein begabter junger Mathematiker an der Universität Tokio seiner Fachbereichsbibliothek einen Routinebesuch ab. wann er sie zurückbringen werde. Überrascht und enttäuscht mußte er feststellen. Das japanische Schriftzeichen für . den er für eine ausgesprochen sperrige und verstiegene Berechnung brauchte. und fragte ihn höflich. Goro Shimura suchte nach einem Exemplar von Band 24 der Mathematischen Annalen. G. daß der Band schon verliehen war. November 1927 in einer Kleinstadt in der Nähe von Tokio geboren. der auf der anderen Seite des Campus lebte und mit Shimura flüchtig bekannt war. er brauche dringend die Zeitschrift. Diese zufällige Begegnung wegen eines Bibliotheksbands führte zu einer Partnerschaft. Shimura schrieb an Taniyama. antwortete Taniyama.

Goro Shimura .

Goro Shimura. Zu der Zeit. normalisierte sich das Leben in Tokio allmählich. Sie verbrachten ihre Nachmittage in Kaffeehäusern. abends gingen sie in ein kleines Restaurant. und an den Wochenenden schlenderten sie durch die botanischen Gärten oder den Stadtpark. und in seinen Teenagerjahren streckte ihn eine Tuberkulose nieder.seinen Vornamen sollte eigentlich »Toyo« bedeuten. Allesamt ideale Stätten. Ich brachte mir durch diese Lektüre die Analysis bei. mußte die Schule während des Krieges ganz abbrechen. Ich hielt mich nie für begabt. doch die meisten Leute außerhalb seiner Familie mißdeuteten es als »Yutaka«. dann hätte ich eine wissenschaftliche Versuchsausrüstung gebraucht. und die beiden jungen Wissenschaftler konnten sich den einen oder anderen kleinen Luxus leisten. Shimura pflegte im Morgengrauen aufzustehen und sich sofort an die Arbeit zu setzen. und daran war einfach nicht zu denken. denn ich konnte ja einfach mathematische Lehrbücher lesen. Dann brach der Krieg aus und zog seine Schulbildung noch weiter in Mitleidenschaft. Shimura besaß zwar einen gewissen Sinn für Humor – auch heute noch hat er Spaß an Zen-Witzen –. Shimura wurde für den Krieg eingespannt und mußte in einer Fabrik für Flugzeugteile arbeiten. den entgangenen Unterricht wettzumachen. was man lernen könnte. Ich war einfach neugierig. Sie wurde geschlossen. Als Kind erkrankte er mehrmals für längere Zeit. so daß er zwei Jahre Gymnasium versäumte. doch war er viel konservativer und traditionsgebundener als sein geistiger Partner. um ihre neuesten mathematischen Ideen zu diskutieren. als sie sich wegen des Bibliotheksbands Postkarten schrieben. Hätte ich mich auf Chemie oder Physik verlegt. »Natürlich gibt es vieles. während sein Kollege um diese Zeit häufig noch gar nicht schlafen gegangen war und die ganze Nacht durchgearbeitet . ein Jahr jünger als Taniyama. Taniyamas Schulbildung war voller Lücken. und mit zunehmendem Alter fand sich Taniyama mit diesem Namen ab und akzeptierte ihn.« Ein paar Jahre nach dem Krieg fanden Shimura und Taniyama an der Universität zusammen. das sich auf Walfleisch spezialisiert hatte. Jeden Abend versuchte er. wobei er sich vor allem zur Mathematik hingezogen fühlte. aber die Mathematik war am leichtesten.

fand es jedoch ausgesprochen schwierig. und selbst Anfang der fünfziger Jahre hatte sie sich noch nicht wieder erholt. bei denen sie sich abwechselnd über die neuesten Verfahren und wissenschaftlichen Durchbrüche unterrichteten. es ganz bleiben zu lassen. der so gräßlich war. gute Fehler zu machen. Da die Studenten in Japan damals vom Rest der Welt isoliert wa- . Shimura war ein ordnungsliebender Mensch. Besucher fanden Taniyama oft noch am hellichten Nachmittag in tiefem Schlaf vor. daß ein Professor die jungen Forscher unter die Fittiche nahm und dem flügge werdenden Geist den Weg wies. den jüngeren diente er als Vaterfigur. und das spiegelte sich auch in seiner äußeren Erscheinung. Shimura zufolge waren die Professoren »müde. es ihm nachzutun.hatte. Taniyama dagegen nachlässig bis an den Rand der Trägheit. Während des Krieges war die echte Forschung zum Stillstand gekommen. und anstatt seine Schuhe täglich ein dutzendmal zu binden. Damals wie auch heute noch war es Tradition. die meist auf den richtigen Weg führten. Überraschenderweise bewunderte Shimura diesen Zug an ihm: »Er war mit dieser besonderen Fähigkeit begabt. Taniyama und Shimura jedoch lehnten diese Art von Lehrzeit ab. daß sie nur vorankommen konnten. Er trug immer denselben komischen grünen Anzug mit dem seltsam metallenen Glanz. und sie erkannten bald.« Taniyama war das Sinnbild des gedankenversunkenen Genies. war Taniyama entgegen seiner ansonsten laxen Haltung eine unermüdlich treibende Kraft. viele Fehler zu machen. wenn sie auf eigene Faust lernten. beschloß er. Als sie sich 1954 kennenlernten. Die Studenten organisierten regelrechte Seminare. Ich beneidete ihn darum und versuchte vergeblich. daß die anderen Mitglieder seiner Familie ihn nicht tragen wollten. Er war nicht in der Lage. standen Taniyama und Shimura gerade am Beginn ihrer Karrieren als Mathematiker. verblaßt und desillusioniert«. Die älteren Studenten ermutigte er. Wenn es an diese Seminare ging. Er war aus einem Stoff gefertigt. einen richtigen Knoten zu knüpfen. Hingegen waren die Studenten der Nachkriegszeit voller Leidenschaft und Lernbegierde. unbekanntes Gelände zu erforschen.

waren die Modulformen. Beim Quadrat ist eine Form der Symmetrie die Drehsymmetrie. die man in Europa und Amerika allgemein als passe betrachtete. so daß das Quadrat nach der Transformation unverändert erscheint. würde sich die obere Hälfte des Quadrats genau auf der unteren Hälfte spiegeln und umgekehrt. Modulformen gehören zu den fremdartigsten und wunderlichsten Gegenständen der Mathematik. behandelten sie in den Seminaren gelegentlich auch Themen. Multiplikation. wenn es auf eine bestimmte Weise transformiert werden kann und doch hinterher unverändert erscheint. Desgleichen lassen Halbdrehungen und Dreivierteldrehungen und ganze Drehungen das Quadrat offenbar unverändert. etwa eines einfachen Quadrats. Subtraktion. das Taniyama und Shimura gleichermaßen faszinierte. Ihre Unbefangenheit bedeutete auch. Diese höchst esoterische Beschäftigung zählte der Zahlentheoretiker Martin Eichler in diesem Jahrhundert dennoch zu den fünf Grundoperationen: Addition. in dem sich x-Achse und y-Achse schneiden. Die wesentliche Eigenschaft der Modulformen ist ihre ungewöhnlich hohe Symmetrie. Division und Modulformen. die man im Westen nicht mehr beachtete. doch hat er in der Mathematik eine ganz eigenwillige Bedeutung. kann das Quadrat in Abbildung 18 um ein Viertel gedreht werden und danach als unverändert erscheinen. Ein Objekt ist dann symmetrisch. ist es angebracht. Die meisten Mathematiker würden sich als Meister in den ersten vier Rechenarten betrachten. Ebenso . Neben der Drehsymmetrie besitzt das Quadrat auch die Eigenschaft der Spiegelsymmetrie. Wenn wir uns einen Spiegel entlang der x-Achse vorstellen. wenn wir uns den Punkt. als Drehpunkt vorstellen. daß sie Gleichungen untersuchten.ren. Zwar sind die meisten mit dem alltäglichen Symmetriebegriff vertraut. Ein besonders aus der Mode gekommenes Thema. Um die überwältigende Symmetrie einer Modulform richtig einschätzen zu können. doch die fünfte finden sie immer noch etwas verwirrend. zunächst die Symmetrie eines gewöhnlicheren Gegenstandes zu untersuchen. Das heißt.

doch wie bei vielen dem Anschein nach einfachen Begriffen stecken darin vielerlei Feinheiten.als auch spiegelsymmetrisch. bei denen das gespiegelte Quadrat mit dem ursprünglichen identisch erscheinen würde. weil sich die Position des Quadrats relativ zu den Achsen ändert. dann erschiene die verschobene geflieste Ebene mit der ursprünglichen identisch. ohne Lücken oder Überschneidungen zu bekommen. die er Drachen und Pfeil nannte (Abbildung 20). Die Symmetrie gefliester Flächen ist eine relativ einfache Vorstellung. So begann in den siebziger Jahren der britische Physiker und Autor von Unterhaltungsmathematik Roger Penrose mit verschiedenen Fliesen auf einer Oberfläche zu experimentieren. doch zusammen konnte man mit ihnen eine reichhaltige . können wir drei andere Spiegelstellungen definieren (entlang der yAchse und entlang der beiden Diagonalen).als auch Spiegelsymmetrie. Würde die unendliche geflieste Fläche um eine oder mehr quadratische Fliesen nach oben oder unten verschoben. verschöbe man das Quadrat in irgendeine Richtung. Für sich genommen. Das einfache Quadrat ist relativ symmetrisch. konnte man mit diesen Formen keine Oberfläche kacheln. Schließlich entdeckte er zwei besonders interessante Formen. dann wäre diese unendliche Menge von Quadraten translationssymmetrisch. allerdings keine Translationssymmetrie. Wäre jedoch die gesamte Fläche mit Quadraten gefliest.y x Abbildung 18: Ein einfaches Quadrat ist sowohl dreh. denn es besitzt sowohl Dreh. wie in Abbildung 19. Das heißt. würde ein Beobachter die Bewegung sofort bemerken.

y x Abbildung 19: Eine unendliche. daß die Fliesenfläche in Abbildung 20 translationssymmetrisch sei. und deshalb fesseln sie die Mathematiker und sind heute der Ausgangspunkt eines ganz neuen Gebiets der Mathematik. das Muster so zu verschieben. unterscheiden sie sich allesamt in den Einzelheiten. zum Scheitern verurteilt. Abbildung 20 zeigt ein Muster aus Drachen und Pfeilen. An Penrose’ gefliesten Flächen (mit ihren durch Fliesen wie dem Drachen und dem Pfeil erzeugten Mustern) ist außerdem bemerkenswert. Die Drachen und Pfeile können auf unendlich viele verschiedene Weisen zusammengefügt werden. daß es im Grunde unverändert bleibt. Menge von Fliesenmustern erzeugen. Die Penrose-Muster sind auf trügerische Weise asymmetrisch. Auf den ersten Blick mag es scheinen. und doch ist jeder Versuch. . daß sie ein sehr begrenztes Maß an Symmetrie aufweisen können. und obwohl sich alle Muster offenbar ähneln. mit Quadraten geflieste Oberfläche ist drehund spiegelsymmetrisch und zusätzlich noch translationssymmetrisch.

dem Drachen und dem Pfeil. Als der französische Uni- . konnte Roger Penrose eine Oberfläche bedecken. Kristalle müßten nach denselben Prinzipien aufgebaut sein. sich wiederholenden Struktur. Eigentümlicherweise haben die Penrose-Muster auch Auswirkungen in den Naturwissenschaften. In der Theorie beruhte der Aufbau der Kristalle auf einer sehr regelmäßigen. umgestellt. gespiegelt und gedreht werden.Abbildung 20: Mit zwei verschiedenen Fliesenformen. Die Kristallographen waren immer der Auffassung. Im Jahr 1984 jedoch entdeckten Wissenschaftler ein metallisches Kristall aus Aluminium und Mangan. da sie einen hohen Grad an Translationssymmetrie aufweisen. ist an den Modulformen die unbegrenzte Symmetrie interessant. das den Prinzipien von Penrose entsprach. Ein französisches Unternehmen hat in jüngster Zeit einen Penrose-Kristall zur Entwicklung einer Pfannenbeschichtung verwendet. sie bleiben unverändert und sind damit die symmetrischsten mathematischen Objekte. die den quadratisch gefliesten Ebenen zugrunde liegen. Das Mosaik aus Aluminium und Mangan verhielt sich wie die Drachen und Pfeile und ergab einen fast. Während an den Penrose-Mosaiken die begrenzte Symmetrie fasziniert. vertauscht. Allerdings besitzen die Penrose-Mosaike keine Translationssymmetrie. jedoch nicht ganz regelmäßigen Kristall. Die von Taniyama und Shimura untersuchten Modulformen können verschoben.

deren Leben sich in den drei Dimensionen der Alltagserfahrung abspielt. Im wirklichen hyperbolischen Raum wären die Fledermäuse und Engel genausogroß. x i. Gerade die zusätzliche Dimension verleiht den Modulformen ihren immens hohen Grad an Symmetrie. die zweite komplexe Achse ebenfalls von zwei Achsen. Leider ist es unmöglich. kommen die Modulformen in der oberen Hälfte dieses komplexen Raums vor. Während er sich mit einem bestimmten Typ von Modulformen befaßt habe. und die Wiederholung verweist auf das hohe Symmetrieniveau. hatte er große Schwierigkeiten. Im Falle der quadratischen Fliesen haben wir einen Gegenstand. der in zwei Dimensionen existiert. Eine Modulform wird ebenfalls von zwei Achsen bestimmt. y r . Dieser vierdimensionale Raum wird als hyperbolischer Raum bezeichnet.versalgelehrte Henri Poincaré im neunzehnten Jahrhundert Modulformen untersuchte. daß es sich um einen vierdimensionalen Raum handelt (x r . Zwar läßt . einen Fehler in seinen Berechnungen zu finden. y i). das heißt jede Achse hat einen reellen und einen imaginären Teil und wird daher im Grunde zu zwei Achsen. Abbildung 21 zeigt Eschers Circle Limit IV. doch diese sind beide komplex. die von der x-Achse und der y-Achse bestimmt wird. mit ihrer überwältigenden Symmetrie zurechtzukommen. Die erste komplexe Achse muß also von zwei Achsen repräsentiert werden. sei er zwei Wochen lang jeden Tag aufgewacht und habe versucht. daß die Modulformen tatsächlich in höchstem Maße symmetrisch sind. das die hyperbolische Welt auf das zweidimensionale Blatt bannt. so schilderte er den Kollegen. Der Künstler Maurits Escher war von mathematischen Ideen fasziniert und versuchte. eine Modulform zu zeichnen oder sich auch nur vorzustellen. Das hyperbolische Universum ist für Menschen schwer zu begreifen. doch es handelt sich um ein mathematisch wertvolles Konzept. doch vor allem ist zu beachten. von der x r-Achse (reell) und der x i-Achse (imaginär). den hyperbolischen Raum in einigen seiner Lithographien und Gemälde wiederzugeben. Um genau zu sein. der y r -Achse (reell) und der y i-Achse (imaginär). Am fünfzehnten Tag gelangte er endgültig zu dem Schluß. in einer Fläche.

doch nimmt die Verzerrung zum Rand des Bildes hin zu. ist. Die Grundelemente einer Modulform sind von eins bis unendlich durchnumeriert (M 1. auch das zweidimensionale Blatt etwas von dieser Symmetrie erahnen. . © 1997 Cordon Art – Baarn Holland.. M 4. M 2. haben ganz unterschiedliche Gestalten und Größen. Die Modulformen.Abbildung 21: Maurits Eschers Circle Limit IV vermittelt eine gewisse Vorstellung von der Symmetrie von Modulformen. Was jede Modulform einzigartig macht. Alle Rechte vorbehalten. doch jede ist aus denselben Grundelementen aufgebaut.. So enthält eine bestimmte Modulform etwa einen Packen von Grundelement eins ( M 1 = 1). die im hyperbolischen Raum vorkommen.). wieviel sie von jedem Grundelement enthält. M 3.

Die Modulformen stellen ein weitgehend eigenständiges Feld der Mathematik dar. Modulformen und elliptische Gleichungen leben in ganz unterschiedlichen Regionen des mathematischen Kosmos. das wenig oder keine Symmetrie besitzt. . zwei Packen von Grundelement drei ( M3 = 2) und so weiter. daß es zwischen ihnen auch nur die loseste Verknüpfung geben könnte. wie man die Menge etwa der ersten Zutat ändert. entsteht dabei wahrscheinlich ein Objekt. die Wiles in Cambridge erforschte. Diese Informationen über die Zusammensetzung einer Modulform können in einer sogenannten Modul. Wird die Menge jeder Zutat nach dem Zufallsprinzip bestimmt. Die elliptische Gleichung hingegen stammt von den alten Griechen her und hat mit Symmetrie nichts zu tun. und keiner wäre je auf den Gedanken gekommen. ( M 3 = 2). Entscheidend ist die Menge jeder Zutat in der M-Reihe. Taniyama und Shimura sollten der Mathematikergemeinschaft allerdings einen Schock versetzen. Abhängig davon. ist die M-Reihe die DNS der Modulformen. . das keine Modulform ist. kann man eine völlig andere. das im wesentlichen aufgrund seiner Symmetrie untersucht wird und erst im neunzehnten Jahrhundert entdeckt wurde. ( M 2 = 3). als sie den Gedanken äußerten. sie könnten die modulare und die elliptische Welt vereinen. oder man kann die Symmetrie ganz zerstören und ein neues Objekt erzeugen. doch gleichermaßen symmetrische Modulform erzeugen. Die Modulform ist ein enorm kompliziertes Geschöpf.oder M-Reihe gebündelt werden. Wie die E-Reihe die DNS der elliptischen Gleichungen ist. einer Liste von Bestandteilen und der jeweils erforderlichen Menge: M-Reihe: ( M 1 = 1). Insbesondere hatten sie offenbar nichts mit den elliptischen Gleichungen zu tun.drei Packen von Grundelement zwei ( M2 = 3). Diese beiden kühnen Mathematiker behaupteten. . elliptische Gleichungen und Modulformen seien im Grunde ein und dasselbe. .

Vier der Fragen stammten von Taniyama. Wunschdenken Im September 1955 fand in Tokio ein internationales Symposium statt. dem Rest der Welt zu zeigen. zu einem Problem ihrer Wahl Stellung zu nehmen. Für die vielen jungen japanischen Forscher war es die einzigartige Gelegenheit. was sie gelernt hatten. so daß auch triviale oder schon gelöste darunter sein könnten. und sie deuteten auf einen merkwürdigen Zusammenhang zwischen Modulformen und elliptischen Gleichungen hin. Taniyama hatte sich die ersten Terme der M-Reihe einer bestimm- .Im Jahr 1955 nahmen Goro Shimura und Yutaka Taniyama an einem internationalen Symposium in Tokio teil. Die Teilnehmer werden gebeten. Diese unschuldigen Fragen sollten letzten Endes zu einer Revolution in der Zahlentheorie führen. Sie verteilten eine Liste mit sechsunddreißig Problemen im Umkreis ihrer Arbeit. versehen mit bescheidenen Einleitungsworten: Einige ungelöste Probleme der Mathematik: eine gründliche Vorbereitung hat nicht stattgefunden.

Dies war eine verblüffende Entdeckung. Wie in jeder anderen Disziplin auch sind Beziehungen zwischen dem Anschein nach unterschiedlichen Gebieten für die Forschung sehr fruchtbar. die in der Nähe vorbeilaufen. Die mathematische DNS dieser beiden Wesen war genau die gleiche. daß es identisch war mit der Liste von Zahlen in der E-Reihe einer bekannten elliptischen Gleichung. die beide Forschungsfelder bereichert. die von entgegengesetzten Enden der Mathematik herstammen. Er berechnete einige weitere Terme jeder Reihe. Zweitens bedeutete diese Entdeckung. Allmählich fragte er sich. Elektrische Ströme erzeugen Magnetfelder. . die schon die M-Reihe einer Modulform kannten. Im neunzehnten Jahrhundert dann erkannten Theoretiker und experimentelle Forscher. Das Muster kam ihm bekannt vor. So haben die Wissenschaftler ursprünglich die Elektrizität und den Magnetismus als völlig unterschiedliche Phänomene behandelt. daß es zwischen Modulformen und elliptischen Gleichungen in der Tiefe eine elementare Verbindung gab. Dies führte zur Erfindung der Dynamos und Elektromotoren und letztlich zu der Entdeckung. Dies war eine doppelt folgenschwere Entdeckung. Taniyama untersuchte noch einige weitere Modulformen. nicht die E-Reihe einer entsprechenden elliptischen Gleichung berechnen mußten. denn aus irgendeinem unbekannten Grund konnte die Modulform mit einer elliptischen Gleichung anhand der jeweiligen M-Reihe und E-Reihe in Verbindung gebracht werden – diese Reihen waren identisch. Erstens legte sie die Vermutung nahe. daß die Mathematiker. daß beide eng miteinander verflochten sind. zwischen Objekten also. und jedesmal schien die M-Reihe vollkommen mit der E-Reihe einer elliptischen Gleichung übereinzustimmen. Daraus ergab sich ein tieferes Verständnis sowohl der Elektrizität als auch des Magnetismus.ten Modulform näher angesehen. Elektrizität induzieren. und er stellte fest. und auch in diesen Fällen stimmten die M-Reihe einer Modulform und die E-Reihe einer elliptischen Gleichung völlig überein. da sie ja mit der M-Reihe identisch sein würde. daß das Licht selbst auf harmonisch schwingende magnetische und elektrische Felder zurückgeht. Sie verweisen auf eine zugrundeliegende Wahrheit. und Magnete können in Kabeln.

.Goro Shimura mit dem letzten Brief seines Freundes und Kollegen Yutaka Taniyama.

war so außergewöhnlich. der an die Kraft und die Tiefe der Idee seines Freundes glaubte. 1957 wurde die Zusammenarbeit vorübergehend unterbrochen. um die vermutete Beziehung zwischen der modularen und der elliptischen Welt zu untermauern. was hinter Taniyamas . nichts weiter als ein Zufall. Vielleicht hatte jede Modulform dieselbe DNS wie eine elliptische Gleichung: vielleicht ist jede Modulform eine verkappte elliptische Gleichung? Die Fragen. daß ein paar elliptische Gleichungen mit bestimmten Modulformen in Beziehung gesetzt werden konnten. Nach seinen zwei Jahren als Gastprofessor in Amerika wollte er die Arbeit mit Taniyama fortsetzen. Die Hypothese beruhte auf Intuition und nicht auf einem wirklichen Nachweis. die sich Taniyamas Fragen ansahen. Tod eines Genies Shimura bewahrt heute noch die Postkarte auf. die er beim Symposium aushändigte. Er hat auch noch den letzten Brief. Taniyamas einziger Verbündeter war Shimura. da Shimura 1957 an das Institute for Advanced Study in Princeton eingeladen wurde. was nur zwei Monate später geschehen sollte. die Taniyama ihm schickte. Doch dazu sollte es nicht kommen. daß jene Mathematiker. daß jede elliptische Gleichung mit einer Modulform verwandt ist. Die Idee. doch das sei. Nach dem Symposium machten sie sich gemeinsam auf die Suche nach mehr Material. November 1958 nahm sich Yutaka Taniyama das Leben. Am 17. drehten sich um diese Hypothese. als sie wegen des Bibliotheksbands nähere Bekanntschaft schlössen. sie bloß als merkwürdige Beobachtung behandelten. wie es hieß. Für die Skeptiker war Taniyamas Behauptung einer allgemeineren und universellen Beziehung weitgehend unbegründet. den ihm Taniyama nach Princeton schickte. der jedoch nicht den leisesten Hinweis darauf enthält. Gewiß hatte Taniyama gezeigt.ob möglicherweise jede einzelne Modulform zu einer elliptischen Gleichung passen könne. Bis zum heutigen Tag versteht Shimura nicht.

daß ich mich in einer geistigen Verfassung befinde. fand ihn der Hausverwalter tot in seinem Zimmer. denn ich hätte nicht unbedingt gedacht. Verwirrt ist vielleicht das beste Wort. Es mag jemanden geben. in der ich das Vertrauen in meine Zukunft verloren habe. offenbar eine bessere als die alte. daß sie sein Typ wäre. mir das Leben zu nehmen. Was den Grund meines Freitods angeht. Für sie und ihre Freunde sah alles vielversprechend aus. und ich habe versucht. Hinterher sagte man mir. Ich möchte nur sagen. Ich habe seinen Brief im September bekommen. November 1958. In einem persönlichen Nachruf im Bulletin of the London Mathematical Society erinnert sich Shimura an die Verlobung mit Misako in den Wochen vor dem Selbstmord: Als ich von ihrer Verlobung hörte. er habe das Vertrauen in sich selbst verloren. Am Morgen des 17. er starb Anfang November. mich mit seinem Tod abzufinden. aber nicht als Mathematiker. Auf dem Schreibtisch hatte er eine Mitteilung hinterlassen. wie er es für seine wissenschaftliche Arbeit verwendet hatte. sie hätten einen Mietvertrag für eine neue Wohnung unterschrieben. und ich konnte es mir einfach nicht erklären. so verstehe ich ihn selbst nicht ganz. doch er ist nicht die Folge eines bestimmten Ereignisses oder einer bestimmten Angelegenheit. der unter meinem Tod leiden oder ihn als einen . war ich etwas überrascht. Dann kam die Katastrophe über sie. aber ich hatte nichts dagegen. »Ich war sehr verwirrt. einem Montag. daß ich in letzter Zeit körperlich wie geistig müde war. Der erste Absatz lautete: »Bis gestern hatte ich nicht die bestimmte Absicht. Natürlich war ich traurig. zusammen Sachen für die Küche eingekauft und sich auf die Hochzeit vorbereitet.« Besonders rätselhaft war für Taniyamas Freunde.Selbstmord steckte. aber es kam so plötzlich. Doch es wird mehr als nur ein paar Leuten aufgefallen sein. Manche sagten. daß er sich gerade in Misako Suzuki verliebt hatte und sie noch im selben Jahr heiraten wollte. Natürlich habe ich später dies oder jenes gehört. drei Seiten aus einem Notizbuch.

denn ich habe immer gelebt. die er auf dem Symposium aushändigte. sie ist deswegen nicht aufgebracht. wie mir der Sinn stand. und so weiter. vorausgesetzt. Wie auch immer. ebenso seine führende Rolle im Kreis der jungen . doch sie war ihrer Zeit so weit voraus.« Philosophie des Guten In seiner kurzen Laufbahn trug Taniyama viele radikale Ideen zur Mathematik bei. wie weit er mit seinen Studenten in den Kursen zur Analysis und linearen Algebra gekommen war. Die Fragen. Ich hoffe aufrichtig.« Auch erklärte er. zu ihm. enthielten seine großartigste Einsicht. wie man mit seinen Sachen verfahren solle. die seine Handlung ihnen bereiten könnte.« Dann erläuterte er ganz akribisch.gewissen Schlag empfinden wird. wo auch immer wir hingehen. Seine Verlobte. daß dies eine Art Verrat ist. und er schloß mit einer Entschuldigung an die Kollegen wegen der Unannehmlichkeiten. da er gegangen ist. uns nie zu trennen. welche Bücher und Schallplatten er aus der Bibliothek oder von Freunden geliehen hatte. doch bitte entschuldigt es als letzten Akt in meinem Sinne. ich kann nicht bestreiten. daß dieser Vorfall keinen dunklen Schatten auf die Zukunft dieses Menschen werfen wird. sie habe folgende Nachricht hinterlassen: »Wir versprachen einander. Nur fünf Tage zuvor war er einunddreißig Jahre alt geworden. Misako Suzuki. nahm sich ebenfalls das Leben. muß auch ich gehen. Es heißt. daß er ihren gewaltigen Einfluß auf die Zahlentheorie nicht mehr erlebte. Seine geistige Schöpferkraft wurde schmerzlich vermißt. So beendete einer der brillantesten und kühnsten Köpfe der Zeit sein Leben nach eigenem Willen. Nun. So hieß es etwa: »Ich möchte die Platten und den Plattenspieler Misako Suzuki hinterlassen. Wenige Wochen nach dem Selbstmord wiederholte sich die Tragödie.

Er gewann zusehends die Überzeugung. und überhaupt schien alles gut zu seiner allgemeineren mathematischen Philosophie zu passen. daß manche elliptischen Gleichungen mit Modulformen verknüpft werden können. sie sei gut.« Shimura konnte das nicht beweisen. Doch ich spüre seine noble Großzügigkeit in dieser Hinsicht heute noch stärker als damals. stellte sie sich als richtig heraus.« »Nein. doch jedesmal. Er war die moralische Stütze vieler. stellen Sie die Behauptung auf. mich selbst natürlich eingeschlossen.Wissenschaftler Japans. die genaue Beziehung zwischen elliptischen Gleichungen und Modulformen zu klären. Die Mathematik sollte das Gute enthalten. nie bewußt. So kann man im Falle der elliptischen Gleichung sagen. daß alle elliptischen Gleichungen gut sind. wenn er die Hypothese an einem Fall überprüfte. den Taniyama ausübte: »Er war immer liebenswürdig zu den Kollegen. überkommt mich bitterste Trauer. besonders zu den jüngeren. doch man kann sie immer zum Ausgangspunkt nehmen. »Ich vertrete diese Philosophie des Guten. Ich gehe davon aus. bei dem der Professor fragte: »Wie ich höre. Shimura erinnert sich deutlich an den Einfluß. Sie verstehen nicht«. um die Theorie zu untermauern. wenn sie von einer Modulform parametrisiert wird. Ich könnte sagen. die er innehatte. Die meisten Mathematiker betreiben Mathematik von einem ästhetischen Standpunkt . »Es geht nicht nur um manche elliptischen Gleichungen. daß jede einzelne elliptische Gleichung mit einer Modulform verwandt sein müsse. als er es verzweifelt brauchte. So erinnert sich Shimura an ein Gespräch mit einem renommierten Kollegen. antwortete Shimura.« Nach Taniyamas Tod konzentrierte Shimura all seine Kräfte darauf. Und doch konnte ihn niemand unterstützen. Vermutlich war er sich der Rolle. Dann mußte ich natürlich verschiedene technische Gründe für meine Vermutung finden. die über die Mathematik in Kontakt mit ihm kamen. Wenn ich darüber nachdenke. und kümmerte sich aufrichtig um ihr Wohlergehen. Im Laufe der Jahre trug er mühsam weiteres Material und ein oder zwei Stücke Logik zusammen. sondern um alle. Andere Mathematiker hatten immer noch ihre Zweifel. Das ist eine ziemlich krude Philosophie. daß diese Vermutung der Philosophie des Guten entsprang.

daß seine Theorie stimmte. »Ich fing 1966 in der Forschung an. und seines Kollegen. und diese Philosophie des Guten rührt von meinem ästhetischen Standpunkt her. daß es mit diesen drei Namen 15 mögliche Bezeichnungen gibt. Es gab genug Material zu ihren Gunsten. um ihr den Titel einer Vermutung zu verleihen. Ich glaube. Von daher wurde die Hypothese oft als Taniyama-ShimuraWeil-Vermutung bezeichnet. Professor John Coates. Tatsächlich gab es viele Debatten und Streitigkeiten über die korrekte Bezeichnung.aus. übernahm schließlich die Vermutung und publizierte sie auch im Westen. Hingegen werde ich die ursprüngliche Bezeichnung Taniyama-Shimura-Vermutung verwenden. Alle waren verblüfft und gingen nun ernsthaft der Frage nach. in Anerkennung des Mannes. Weil untersuchte die Idee von Shimura und Taniyama und fand noch mehr solide Hinweise zu ihren Gunsten. Anfangs bezeichnete man sie als Taniyama-Shimura-Vermutung. Das war eine mächtig aufregende Zeit. doch sehr schwer zu beweisen war. der sie angeregt. seiner Theorie über elliptische Gleichungen und Modulformen zusehends Anerkennung zu verschaffen. war selbst noch Student. Er konnte der Mathematikergemeinschaft zwar nicht beweisen. als die Vermutung von Taniyama und Shimura allmählich die Welt eroberte.« . doch zumindest war sie jetzt mehr als nur Wunschdenken. als die Taniyama-Shimura-Vermutung im Westen zum Gesprächsthema wurde. und es ist durchaus möglich. was uns als Mathematiker interessiert. Fortschritte zu machen. daß jede einzelne von ihnen im Lauf der Zeit auch abgedruckt wurde. und das ist es vor allem. ob sämtliche elliptischen Gleichungen modular sein könnten. Für die an Kombinatorik interessierten Leser sei erwähnt. André Weil. das Problem war nur. der sie vollständig ausgearbeitet hatte.« Shimura gelang es dank der immer deutlicher werdenden Hinweise. manchmal als Taniyama-Weil-Vermutung und gelegentlich als Weil-Vermutung. es ist nicht unfair zu sagen. daß es sehr schwierig schien. daß die Idee zwar wunderschön. der Wiles als Student betreute. einer der Nestoren der Zahlentheorie im zwanzigsten Jahrhundert.

Die Mathematiker. handelte es sich keineswegs um einen Beweis. Obwohl diese Ergebnisse die Taniyama-Shimura-Vermutung stark untermauerten. die Formen und Gestalten erforschen. Sie ermöglichen es mathematischen Zirkeln. die von den Geometern bewohnt wird. Diese beiden Gebiete der Mathematik waren gründlich erforscht worden. Es gibt Dutzende solcher Inseln. waren in modularen Fragen wohl nicht so beschlagen. und umgekehrt. . ging man nicht auf sie ein. Die Mathematik besteht aus Wissensinseln in einem Meer der Unwissenheit. Die Mathematiker mögen gerne Brücken bauen. doch erst einmal wurde sie ignoriert. die die elliptischen Gleichungen untersuchen. Und dann kommt diese Taniyama-Shimura-Vermutung daher. Auf der einen Seite hatte man die elliptische Welt.In den späten sechziger Jahren testeten ganze Scharen von Mathematikern immer wieder die Taniyama-Shimura-Vermutung. und die Insel der Wahrscheinlichkeit. daß es eine Brücke zwischen diesen beiden völlig verschiedenen Welten gibt. weil sie so ungeheuerlich war. Die Mathematiker vermuteten. die großartige Annahme. die den Bewohnern anderer Inseln unverständlich ist. erlebte den Aufstieg der Taniyama-Shimura-Vermutung. Als sie aufgestellt wurde. Die Sprache der Geometrie ist völlig anders als die Sprache der Wahrscheinlichkeit. auf der ändern die modulare. In jedem einzelnen Fall hatte die elliptische Gleichung tatsächlich eine zugehörige Modulform. blieb sie eben eine Vermutung. Barry Mazur. »Es war eine wunderbare Vermutung – die Annahme. Professor an der Universität Harvard. daß die Vermutung zutraf. die bislang auf verschiedenen Inseln gelebt hatten. jede mit ihrer einzigartigen Sprache. Sie begannen mit einer elliptischen Gleichung und ihrer E-Reihe und suchten dann eine Modulform mit einer identischen M-Reihe.« Der Wert mathematischer Brücken ist enorm. weil sie ihrer Zeit so weit voraus war. doch jedes für sich. ihre Ideen auszutauschen und die Schöpfungen der jeweils anderen Seite auszuloten. wo die Mathematiker sich mit Zufall und Risiko befassen. Zum Beispiel gibt es die Insel. doch bis jemand einen logischen Beweis gefunden hatte. daß jede elliptische Gleichung mit einer Modulform zusammengehört –.

der ägyptisch-demotische. doch Langlands glaubte. Die Vermutung hat die sehr erfreuliche Eigenschaft. das Feld der elliptischen Gleichungen und das der Modulformen vereinigen zu können. altgriechische und Hieroglyphenschrift enthielt. es handle sich nur um ein Element einer viel umfassenderen Vereinheitlichungsmöglichkeit. würde sie es den Mathematikern erlauben. In der Taniyama-Shimura-Vermutung steckte die großartige Chance. daß sich simple Intuitionen in der modularen Welt in tiefe Wahrheiten in der elliptischen Welt verwandeln und umgekehrt. Robert Langlands vom Institute for Advanced Study in Princeton verblüfften in den sechziger Jahren die möglichen Auswirkungen der Taniyama-Shimura-Vermutung. »Doch die Taniyama-Shimura-Vermutung ist ein RosetteStein mit einer gewissen magischen Kraft. als ob man eine Sprache versteht und dieser Stein von Rosette ein tiefgehendes Verständnis der anderen Sprache ermöglicht«. Zwar war sie nicht bewiesen worden. daß sehr tiefgehende Probleme der elliptischen Welt in manchen Fällen gelöst werden können. jahrhundertelang ungelöste elliptische Probleme über den Weg in die modulare Welt in Angriff zu nehmen. um das übersetzte Problem anzugehen. Man hoffte. und vielleicht gab es zwischen verschiedenen anderen mathematischen Gebieten ebenfalls Verbindungen. zwei Inseln miteinander zu verbinden und ihre Bewohner zum erstenmal miteinander ins Gespräch zu bringen. Und hinzu kommt. »Es ist. Barry Mazur betrachtet die Taniyama-Shimura-Vermutung als ein Übersetzungsinstrument ähnlich dem Stein von Rosette. indem man sie mit diesem Rosette-Stein in die modulare Welt übersetzt und dabei entdeckt. sagt Mazur. daß es zwischen allen wesentlichen mathematischen . Auf der Grundlage des Demotischen und Griechischen konnten die Archäologen nun erstmals die Hieroglyphen entziffern. die nur die Sprache der Statistik kennen.und der Jargon der Analysis ist bedeutungslos für jene.« Sollte sich die Taniyama-Shimura-Vermutung als richtig erweisen. Daheim in der elliptischen Welt wären wir ratlos gewesen. daß wir die Einsichten und Werkzeuge in der modularen Welt haben. Er war sicher.

konnte das Problem erneut übersetzt und auf ein weiteres Gebiet verlagert werden. Einen klaren Ansatz zur Bestätigung dieser Spekulationen gab es zwar nicht. Langlands’ Traum war es. doch bildeten sie ein kompliziertes Netz hypothetischer Verknüpfungen zwischen vielen Feldern der Mathematik. daß der Fortschritt ins Stocken geraten ist. ihre abgelegensten und vertracktesten Probleme zu lösen. und so weiter. In den siebziger Jahren war das Langlands-Programm zu einer . die Vielzahl der Vermutungen zu beweisen. Auf manchen Gebieten der Naturwissenschaft und Technik sind die Berechnungen derart komplex. War eine Lösung immer noch nicht greifbar. Jedes unlösbare Problem auf einem Gebiet der Mathematik konnte dann in ein analoges Problem auf einem ändern Gebiet übersetzt werden. einer gemeinsamen Anstrengung. bis es gelöst war. wartete eine überwältigende Belohnung. diese Vermutungen eine nach der ändern zu beweisen und den Weg für eine große Vereinheitlichung der Mathematik zu ebnen. Auch für die angewandten Wissenschaften und das Ingenieurwesen waren bedeutende Auswirkungen zu erwarten. Zwar waren diese anderen Einheitsvermutungen alle viel schwächer als Taniyama-Shimura. wo ein ganz neues Arsenal von Werkzeugen dafür eingesetzt werden konnte. doch wenn man den Traum verwirklichte.Feldern Verbindungen gab und begann nach diesen Verflechtungen zu suchen. häufig ist der Schlüssel zum Problem ein mathematisches Kalkül. gäbe es Abkürzungen für die Lösung sowohl praktischer als auch abstrakter Probleme. würden die Mathematiker in der Lage sein. indem sie sie auf der mathematischen Landkarte hin und her schoben. Ob es nun darum geht. die Wechselwirkungen kollidierender Quarks zu modellieren oder ein Telekommunikationsnetz am effizientesten zu organisieren. Eines Tages. Wenn die Mathematiker nur die Einheitsvermutungen des Langlands-Programms beweisen könnten. so das Langlands-Programm. Langlands erörterte seinen Plan einer zukünftigen Mathematik mit Kollegen und versuchte sie zur Mitarbeit am inzwischen sogenannten Langlands-Programm zu bewegen. Nach ein paar Jahren kam eine Reihe davon zum Vorschein.

Die Papiere pflegten mit dem offenen Vorbehalt zu beginnen: »Angenommen. doch sie würden alle närrisch sein. Eines Tages.«. daß dieser ganz neue Entwurf. Trotz ihres Status als unbewiesene Vermutung tauchte Taniyama-Shimura immer noch in Hunderten von mathematischen Forschungspapieren auf. und er erinnert sich an die Beklommenheit.Blaupause für die mathematische Zukunft geworden. doch war dieser Weg zum Paradies der Problemloser durch die schlichte Tatsache versperrt.. Diese eine Vermutung war die Grundlage einer ganz neuen Architektur der Mathematik geworden. die in den siebziger Jahren im Kreis der Mathematiker herrschte: »Wir bauten immer mehr Vermutungen auf. was geschehen würde. die auf der Wahrheit der Taniyama-Shimura-Vermutung beruhte. um zu zeigen.« Die Mathematiker hatten ein Kartenhaus gebaut. wo spekuliert wurde. Dann folgte in der Regel ein Lösungsvorschlag für ein Problem. denn sie beruhten ja auf der Wahrheit der Taniyama-Shimura-Vermutung. den wir voller Hoffnung in die Zukunft hineingezeichnet hatten. sollte die TaniyamaShimura-Vermutung nicht zutreffen. Andrew Wiles war damals ein junger Forscher in Cambridge. die sich immer weiter in die Zukunft erstreckten. würde einer kommen und ihrem Gebäude ein solides . und damit wurde er zu einer der begehrtesten Trophäen der modernen Zahlentheorie. haltbar war. Natürlich konnten diese Ergebnisse nur hypothetischer Natur sein.. Die stärkste Vermutung im Programm war immer noch Taniyama-Shimura. die Taniyama-Shimura-Vermutung trifft zu. wie irgendeine der Vermutungen Langlands’ zu beweisen wäre. daß letztlich keiner mit einer brauchbaren Idee aufwarten konnte. so träumten sie. doch selbst sie schien jenseits der mathematischen Möglichkeiten zu liegen. Ein Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung hätte den ersten Schritt zur Verwirklichung des Langlands-Programms dargestellt. und so entstand eine Überfülle mathematischer Arbeiten. wenn sie bewiesen werden könnte. Also mußten wir TaniyamaShimura beweisen. Diese neuen hypothetischen Resultate wiederum nahm man in andere Resultate auf. doch bis zu ihrem Beweis war das ganze Gebäude vom Einsturz bedroht.

das heißt. wäre damit sofort auch Fermats letzter Satz bewiesen. einem kleinen Ort im Schwarzwald. ohne ihren Kern anzutasten. eines Tages werde jemand beweisen. Frey jedoch ging der Frage nach. Frey erhob sich zum Vortrag und schrieb zunächst Fermats Gleichung an die Tafel: x n + y n = z n . was wäre. wenn es mindestens eine Lösung gäbe. Das fehlende Glied Im Herbst 1984 versammelte sich eine erlesene Gruppe von Zahlentheoretikern zu einem Symposium in Oberwolfach. daß Taniyama und Shimura tatsächlich falschgelegen hatten. B und C: A n + B n = Cn Frey machte sich nun daran. falls jemand die Taniyama-Shimura-Vermutung beweisen könnte. der Saarbrücker Mathematiker Gerhard Frey. und dann würden zwei Jahrzehnte Forschungsarbeit zunichte gemacht sein. Sie waren zusammengekommen. wenn diese Vermutung falsch wäre. die sie auf dem Weg zum Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung erzielt hatten. doch er stellte die verblüffende Behauptung auf. um neueste Erkenntnisse auf dem Feld der elliptischen Gleichungen zu diskutieren. Einer der Referenten. diese Gleichung »umzuformen«. daß es keine (positiven) ganzzahligen Lösungen für diese Gleichung gibt. mit n größer als 2. Andererseits mußten sie mit dem Alptraum leben. Fermats letzter Satz lautet. Mit einer Reihe geschickter Manöver formte Frey die ur- . Er hatte keine Ahnung. Hier handelt es sich um sein strenges mathematisches Verfahren. konnte zwar nicht mit neuen Ideen aufwarten. und natürlich berichteten manche Teilnehmer gelegentlich von kleineren Fortschritten. wie eine hypothetische und häretische Lösung lauten könnte und bezeichnete daher die unbekannten Zahlen mit den Buchstaben A. welches das Aussehen der Gleichung verändert. wie die Vermutung in Angriff zu nehmen wäre.Fundament geben.

wahrhaft kurios sei. Daher würde die Existenz von Freys elliptischer Gleichung der Taniyama-Shimura-Vermutung widersprechen.Bn )x 2 .Bn . Würde Freys elliptische Gleichung jedoch tatsächlich existieren. Das heißt.A n B n . Obwohl diese Umformung sich von der ursprünglichen Gleichung offensichtlich stark unterscheidet. erzeugt aus der hypothetischen Lösung der Fermatschen Gleichung. die elliptische Natur der Freyschen Gleichung einzusehen. doch mit a = An . Es gäbe sie nur dann. wenn – und das ist ein großes »wenn« – es eine Lösung zu Fermats Gleichung gibt und die Fermatsche Vermutung falsch ist. Zu Anfang war Freys Publikum nicht allzu beeindruckt von der Umformung. wenn Fermats letzter Satz falsch wäre. daß sie offenbar mit keiner Modulform verwandt sein könnte. wenn auch eine sehr verwickelte und exotische. b = 0. dann wäre sie so merkwürdig. daß jede elliptische Gleichung mit einer Modulform verwandt sein muß. daß Freys elliptische Gleichung nur eine Phantomgleichung ist. doch dann wies er darauf hin. Doch die TaniyamaShimura-Vermutung besagt. hatte er auch die Fermatsche Vermutung mit der Taniyama-Shimura-Vermutung verknüpft. Elliptische Gleichungen haben die Form: y 2 = x 3 + a x2 + b x + c. Behalten wir im Auge. daß diese neue Gleichung eine elliptische sei. Frey erläuterte seinen Zuhörern nun. daß seine elliptische Gleichung. daß die Auswirkungen ihrer Existenz für die Taniyama-Shimura-Vermutung vernichtend wären.sprüngliche Gleichung Fermats mittels der hypothetischen Lösung um in: y 2 = x 3 + (A n . Indem Frey die Fermatsche Gleichung in eine elliptische umgeformt hatte. c = -A n B n ist es leichter. . dann muß es diese umgeformte Gleichung geben. seine elliptischen Gleichungen seien so abwegig. folgt sie unmittelbar aus der hypothetischen Lösung. Tatsächlich behauptete Frey.

wenn die Mathematiker die Taniyama-Shimura-Vermutung beweisen könnten. außer Frey selbst. würden sie automatisch auch Fermats letzten Satz beweisen. Freys Argument lautete wie folgt: (1) Wenn (und nur wenn) Fermats letzter Satz falsch ist. die vor dem Beweis von Fermats Vermutung noch zu nehmen war. der Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung. konnte Frey sein Argument auch rückwärts aufziehen: (1) Wenn die Taniyama-Shimura-Vermutung bewiesen werden kann. Frey zufolge war die einzige Hürde.Mit anderen Worten. sollte auch die . muß jede elliptische Gleichung modular sein. Wer auch immer den Fehler als erster korrigieren würde. (3) Die Taniyama-Shimura-Vermutung besagt. war Freys Arbeit unvollständig. Frey behauptete. dann kann es keine Lösungen der Fermatschen Gleichung geben. daß jede elliptische Gleichung modular sein muß. daß sie nie modular sein kann. Fast jeder der Anwesenden. (2) Freys elliptische Gleichung ist so abwegig. hatte ihn bemerkt. (4) Deshalb ist die Fermatsche Vermutung richtig! Gerhard Frey war zu dem dramatischen Schluß gelangt. und folgenträchtiger. daß die Wahrheit der Fermatschen Vermutung unmittelbar aus einem Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung folgen würde. dann darf die Freysche elliptische Gleichung nicht existieren. Zum ersten Mal in über hundert Jahren sah das härteste mathematische Problem angreifbar aus. doch herrschte auch Verblüffung über einen elementaren Fehler in seiner Logik. (2) Wenn jede elliptische Gleichung modular sein muß. (3) Wenn die Freysche elliptische Gleichung nicht existiert. Der Fehler schien nicht schwerwiegend zu sein: doch solange er nicht behoben war. existiert Freys elliptische Gleichung. (4) Deshalb muß die Taniyama-Shimura-Vermutung falsch sein! Andererseits jedoch. Freys Publikum war von seiner brillanten Einsicht beeindruckt.

sei mehr oder weniger Routinearbeit. verwandelte sich in einen Marathonlauf. daß seine aus der Fermatschen Gleichung abgeleitete elliptische Gleichung so kurios war. daß sie nicht modular sein konnte. doch selbst der erste elementare Schritt. . wo sie sich daranmachten.Anerkennung für die Verknüpfung von Fermat und Taniyama-Shimura bekommen. ähnlich denen. daß Freys elliptische Gleichung nicht modular war. die Abwegigkeit der elliptischen Gleichung Freys zu beweisen. den man zunächst erwartet hatte. weil er nicht bewiesen hatte. wie er die Abwegigkeit von Freys elliptischer Gleichung bewiesen hatte. und alle. die in Kapitel 4 beschrieben wurden. daß seine elliptische Gleichung hinreichend abwegig war. in der dann der Absender zeigen würde. Erst wenn jemand beweisen konnte. Monate verstrichen. die im Anschluß daran mit den Unterlagen vor den Kopierern steht. nahmen an. Freys Zuhörer verließen hastig das Auditorium in Richtung Kopierraum. es würde einen Wettlauf darum geben. die Lücke zu füllen. Freys Fehler hatte auf den ersten Blick ausgesehen wie der eines Anfängers. Freys Argument beruhte auf der Tatsache. Frey hatte eine verlockende Strategie zum Beweis von Fermats letztem Satz entworfen. die in Oberwolfach dabeigewesen waren. Seine Arbeit war unvollständig. suchten die Mathematiker nach Invarianten. der Beweis. Die Bedeutung eines Vertrags kann häufig an der Länge der Schlange bemessen werden. Mit der vollständigen Ausarbeitung der Freyschen Ideen in Händen kehrten die Zuhörer in ihre Institute zurück. Sicher würde in ein paar Tagen eine E-Mail auftauchen. doch die E-Mail kam nicht. Um diesen Beweis zu führen. daß sie völlig abwegig war. wer die Rechnung zuerst auf die Reihe bekam. Die Mathematiker glaubten zunächst. und der mathematische Sprint. Offenbar zwackte und quälte Fermat seine Nachfahren immer noch. Eine Woche verging. würde ein Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung auch den Beweis der Fermatschen Vermutung nach sich ziehen. fiel den Mathematikern rund um den Globus verblüffend schwer.

Ken Ribet .

was du tun mußt. an was ich arbeitete. daß Freys elliptische Gleichung zu abwegig war.Die Knoteninvariante zeigte. ein Gamma-Null der algebraischen Struktur (M) zu addieren und noch einmal das Argument . Wenn die Zahlentheoretiker eine geeignete Invariante finden konnten. Ich erwähnte. Auch Ken Ribet. ist. Professor an der Universität von Kalifornien in Berkeley. wie auch immer umgeformt. daß ein Knoten nicht in einen anderen verwandelt werden konnte. jedoch nicht wüßte. klagten sich ihr Leid und grummelten ein wenig über den schlechten Zustand der Mathematik.« Professor Mazur nippte an seinem Cappuccino und lauschte Ribets Ausführungen. »Aber siehst du denn nicht? Du hast es schon geschafft! Alles. dann konnten sie beweisen. Dann. und Loyd wies mit der Puzzleinvariante nach. daß sein »14-15«-Puzzle nicht in die richtige Reihenfolge gebracht werden konnte. Der Ansatz schien einigermaßen erfolgversprechend. daß sie. im Sommer 1986. daß ich einen sehr speziellen Fall bewiesen hätte. Doch auch nach achtzehnmonatiger Anstrengung hatte er. kam Ribets Kollege Barry Mazur nach Berkeley. »Ich setzte mich mit Barry zusammen und erzählte ihm. Plötzlich stutzte er und starrte Ken ungläubig ins Gesicht. Schließlich besprachen sie die letzten Neuigkeiten über die verschiedenen Versuche. die sich abplagten. wie er zu verallgemeinern wäre. wie alle ändern. und Ribet erläuterte seinem Freund eine von ihm ausgeklügelte vorläufige Strategie. die Abwegigkeit von Freys elliptischer Gleichung zu beweisen. um Freys elliptische Gleichung zu beschreiben. Die beiden Freunde trafen sich auf einen Cappuccino im Cafe Strada. Seit dem Vortrag in Oberwolfach war Ribet ganz versessen darauf zu beweisen. gehörte zu den Mathematikern. um die Verbindung der Taniyama-Shimura-Vermutung mit der Fermatschen Vermutung zu beweisen und zu vervollständigen. nichts in der Hand. doch könne er nur einen kleinen Teil davon beweisen. nie in eine modulare Form zu verwandeln war. um an einem internationalen Mathematikerkongreß teilzunehmen. um den Beweis in seinem vollen Umfang zu gewinnen. um modular sein zu können.

und bald wußte es eine ganze Menge Leute. die mir gefehlt hatte. dann hieße dies zugleich. das habe ich. daß Freys elliptische Gleichung nicht modular ist? Ich brauchte eine Minute. »Ich sagte. es sich hier jedoch um einen logischen Schritt für die Eingeweihten handelt. Und da waren natürlich Tausende von Mathematikern auf dem internationalen Kongreß. weil es mir nie in den Sinn gekommen war.« Fermats letzter Satz war jetzt unauflöslich mit der TaniyamaShimura-Vermutung verknüpft.« Ribet blickte Mazur an. wie konnte ich das nur übersehen. Sie kamen hinter mir hergerannt und fragten: Stimmt es wirklich. Ich ging mein Argument noch einmal durch und sagte mir. du hast vollkommen recht – natürlich –.« Man sollte hinzusetzen. Ich war völlig verblüfft. das muß unbedingt funktionieren. und sagte dann plötzlich: Ja. was du brauchst. stimmt das wirklich? Völlig in Gedanken versunken setzte ich mich hin und begann auf einem Notizblock herumzukritzeln. daß Sie bewiesen haben. Würde jemand beweisen. daß Gamma-Null der Struktur (M) addieren wohl für Ken Ribet einfach klingen mag. und er erinnert sich noch liebevoll an die kleinsten Einzelheiten. Es war der wichtigste Augenblick in Ribets Laufbahn. dann seinen Cappuccino. ja. Wie auf einer Wolke ging ich zurück in meine Wohnung und dachte die ganze Zeit: Mein Gott. das zusätzliche Gamma-Null der Struktur (M) hinzuzufügen. schließlich wieder Mazur. Damit hast du alles. so einfach das auch klingt. Das verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nach ein oder zwei Stunden hatte ich alles ausformuliert und mich vergewissert. daß ich die entscheidenden Schritte beherrschte und daß alles zusammenpaßte. den nur eine Handvoll aller Mathematiker über einer Tasse Cappuccino aushecken könnten. »Es war die entscheidende Zutat. ich hätte gezeigt. um nachzudenken. und ein paar Leuten gegenüber erwähnte ich sozusagen beiläufig. dann funktioniert es. daß alle elliptischen Gleichungen modular sind. daß ein Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung auch die Fermatsche Vermutung bestätigen würde. und sie war die ganze Zeit mit Händen greifbar gewesen.durchgehen. .

die glaubten. blieb pessimistisch: »Ich gehörte zu der überwiegenden Mehrheit von Leuten. Andrew Wiles war vermutlich einer der wenigen Menschen auf der Welt. ein merkwürdiges und unlösbares Rätsel am Rande der Mathematik. angeregt von Gerhard Frey. Frey hatte die anstehende Aufgabe klar definiert. dem der entscheidende Durchbruch gelungen war. Warum sollten sie jetzt irgendwelche Fortschritte machen? Die Skeptiker glaubten. Die Mathematiker hatten dreißig Jahre lang versucht. Ein Rätsel von enormer historischer und emotionaler Bedeutung war mit einer Vermutung verbunden. man könne wirklich hergehen und diese Vermutung beweisen. daß die Taniyama-Shimura-Vermutung völlig unzugänglich sei. per Definition unmöglich. Selbst Ken Ribet. Taniyama-Shimura zu beweisen und waren gescheitert. und würde sofort den Beweis von Fermats letztem Satz ergeben. was zu einer Lösung des Fermatproblems führen konnte. Ich habe nicht einmal mit dem Gedanken daran gespielt. Zunächst regten sich neue Hoffnungen. sie zu beweisen. die die moderne Mathematik revolutionieren konnte. Die Mathematiker würden. ins Rampenlicht gerückt. Das wichtigste Problem des siebzehnten Jahrhunderts war mit dem bedeutendsten Problem des zwanzigsten Jahrhunderts verknüpft. zugleich auch Fermats letzten Satz beweisen. Nun hatte es Ken Ribet. falls sie die Taniyama-Shimura-Vermutung beweisen konnten. daß nun jede noch so kleine Hoffnung auf die Taniyama-Shimura-Vermutung zerstoben war.daß Fermats Gleichung keine Lösungen besitzt. Ihrer Logik zufolge war nämlich alles. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe. davon zu träumen. Dreieinhalb Jahrhunderte lang war die Fermatsche Vermutung ein abgeschottetes Problem gewesen. doch dann wurde die Realität der Lage deutlich.« . die so kühn waren.

Fermats letzten Satz auf dem Weg über die Taniyama-Shimura-Vermutung zu beweisen. .Im Jahr 1986 erfuhr Andrew Wiles. daß es möglich wäre.

Ich durfte diese Gelegenheit einfach nicht verpassen. das ihn zum Kampf mit Fermat anspornte. der über die Taniyama-Shimura-Vermutung geschrieben und süffisant angemerkt hatte. denn um Fermats letzten Satz zu beweisen. es handle sich um eine Übung für den interessierten Leser. Ich war ganz aus dem Häuschen. daß ich nach Hause gehen und mir die Taniyama-Shimura-Vermutung vornehmen würde. Aus meinem Kindheitstraum war etwas geworden. Doch nun sah er zum ersten Mal einen Weg vor sich. Mir war klar.6 Die geheime Berechnung Ein fachkundiger Problemloser muß zwei unvereinbare Qualitäten besitzen – rastlose Phantasie und geduldige Beharrlichkeit. In diesem Moment wurde mir klar. Ja. Ken Ribet habe nachgewiesen. Mitten im Gespräch erwähnte der Freund nebenbei.« Über zwei Jahrzehnte waren vergangen. Wiles’ Einstellung zu Taniyama-Shimura änderte sich schlagartig: »Mir fiel ein Mathematiker ein. jetzt war ich sehr wohl interessiert!« Nach dem Abschluß seiner Doktorarbeit bei Professor John . Howard W. mußte ich jetzt nur die Taniyama-Shimura-Vermutung bestätigen. seit Andrew Wiles in einer Bibliothek jenes Buch in die Hände genommen hatte. Eves »Es war eines Abends im Spätsommer 1986. daß sich der Lauf meines Lebens ändern würde. woran ein ernstzunehmender Mensch arbeiten konnte. der ihn zur Erfüllung seines Kindheitstraums führen konnte. Ich war zu Besuch im Hause eines Freundes und nippte an meinem Eistee. daß zwischen der Taniyama-Shimura-Vermutung und Fermats letztem Satz tatsächlich ein Zusammenhang besteht.

so war er doch davon überzeugt.Coates in Cambridge war Wiles auf die andere Seite des Atlantiks nach Princeton gegangen. bestimmte Zwischenresultate zu erzielen. Keiner hatte die geringste Idee. daß die Aufgabe trotz dieses enormen Hintergrundwissens und seines großen mathematischen Geschicks immer noch überwältigend war. ob die schöne Verknüpfung von Fermats letztem Satz mit der Taniyama-Shimura-Vermutung wirklich zu irgend etwas führen würde. Unter Coates’ Obhut hatte er sich vermutlich mehr Kenntnisse über elliptische Gleichungen erarbeitet als jeder andere. Mein Leben lang war ich die romantische Neigung zur Fermatschen Vermutung nicht losgeworden. daß seine Mühen nicht umsonst sein würden: »Natürlich stand der Beweis für die Taniyama-Shimura-Vermutung schon seit etlichen Jahren aus. glaubte ich nicht. auch wenn mir der ganze Beweis nicht gelingen sollte.« Wiles wußte. darunter auch John Coates. Ehrlich gesagt. die Taniyama-Shimura-Vermutung könne überhaupt bewiesen werden. es schien unmöglich. daß die Chancen schlecht für ihn standen. Die meisten anderen Mathematiker. Ich konnte versuchen. nun selbst Professor. doch war er sich durchaus darüber im klaren. mit dem man sich auch professionell befassen konnte. meinte ich. waren überzeugt. und nun war sie mit einem Problem verknüpft. sie zu beweisen. meine Zeit zu verschwenden.« . ein Beweisversuch sei verlorene Liebesmüh: »Ich für mein Teil hatte große Zweifel. was sich mathematisch immerhin gelohnt hätte. doch selbst wenn er am Ende scheitern und Fermats letzten Satz nicht beweisen würde. doch wenigstens war es keine abwegige mathematische Beschäftigung. wie man ansetzen könnte. So schön sie auch war. Ich hatte nicht das Gefühl. denn wie ich gestehen muß. sie würde meiner Lebtage nie bewiesen werden.

Dort versuchte er. ein ernsthafter Beweisversuch könnte durchaus zehn Jahre hartnäckiger Anstrengung verlangen. Eine vergleichsweise kleine Investition. Er las die neuesten Zeitschriftenbeiträge und probte die modernsten mathematischen Verfahren so lange durch. wenn man sich vor Augen hält. Wiles gab alle Arbeiten auf. und so viel Zeit kann ich nicht auf ein wahrscheinlich zum Scheitern verurteiltes Unternehmen verschwenden. besuchte er noch Seminare. unterrichtete Studenten und hielt Tutorien ab. mußte er sich in den nächsten anderthalb Jahren mit jedem Stück Mathematik vertraut machen. eine Strategie für den Angriff auf die Taniyama-Shimura-Vermutung entwickeln zu können. die Möglichkeiten der herkömmlichen Verfahren zu erweitern. das Risiko auf sich zu nehmen. »Wenn ich damals in mein Arbeitszimmer hochkam. daß er damit rechnete. doch im Gegensatz zu Hubert war er bereit. Fermats letzten Satz zu beweisen: »Bevor ich überhaupt anfangen könnte. das jemals auf elliptische Gleichungen und Modulformen angewandt oder aus ihnen abgeleitet worden war.Der Eremit in der Dachkammer Um die Jahrhundertwende antwortete der große Logiker David Hubert auf die Frage. wo er sich in seine Dachkammer zurückziehen konnte. Da er an der mathematischen Fakultät in Princeton Verpflichtungen hatte. dessen war sich Wiles durchaus bewußt. bestimmte Musterbeispiele ausfindig zu machen. die ein kleines Stück Ma- . warum er denn nicht versuche. Um sich alle notwendigen Waffen für die bevorstehende Schlacht zu verschaffen. und nahm auch nicht mehr am endlosen Karussell der Konferenzen und Kolloquien teil.« Um überhaupt eine Chance zu haben. in der Hoffnung. Wann immer möglich. Ich probierte es mit Berechnungen. bis er sie im Schlaf beherrschte. die nicht direkt im Zusammenhang mit dem Beweis der Fermatschen Vermutung standen. mußte er sich zunächst tief in das Problem versenken. müßte ich mich drei Jahre lang intensiv einarbeiten. ging er den Ablenkungen eines Fakultätsmitglieds aus dem Weg und arbeitete zu Hause. setzte ich mich an den Versuch.

Besonders wenn man wirklich in eine Sackgasse geraten ist. Manchmal mußte ich mir dafür ein Buch holen. Und gelegentlich kam ich zu der Einsicht. wie es dort gemacht wurde. über seine Arbeit Stillschweigen zu bewahren. in der das Unbewußte die Sache in die Hand nimmt. daß nichts bisher Verfügbares auch nur im geringsten brauchbar war.« . dann nützt einem das gängige mathematische Denken überhaupt nichts. Man darf wirklich an nichts anderes denken – und muß sich einfach darauf konzentrieren. und vor diesem Hintergrund erschien Wiles’ Entscheidung als ein Rückfall in vergangene Zeiten. Ein Grund für die Entscheidung. als ob er den berühmtesten mathematischen Eremiten. war Wiles zufolge das Bedürfnis. Und dann hält man inne. Fermat selbst. mit dem das Problem vielleicht zu lösen wäre. nachahmte. das Vorhandene geringfügig zu ändern und eine kleine Zusatzrechnung anzustellen. was mit Fermats letztem Satz zu tun hatte. daß alles. Also mußte ich einfach etwas ganz Neues finden – und es ist ein Rätsel. braucht es eine lange Zeit äußerster Hingabe an das Problem. Nun kommt es offenbar zu einer Phase der Entspannung. und zu viele Zaungäste hätten sie zunichte gemacht. wo das herkommt. Man kann sich nur dann wirklich über Jahre hinweg in ein Problem versenken. aber nicht immer. wenn man ein echtes Problem überwinden will. Dieses wiederum wollte ich in einen schon bestehenden. Oft schreibt man etwas hin. In der modernen Mathematik hat sich eine Gepflogenheit der gemeinsamen Arbeit entwickelt. zuviel Interesse weckte. in Ruhe gelassen zu werden: »Mir war klar. Im Grunde ist es nur eine Frage des Denkens. Es schien. wenn die Aufmerksamkeit nicht zerfasert. umfassenden begrifflichen Rahmen eines Teilbereichs der Mathematik einfügen. traf Wiles auch den bemerkenswerten Entschluß. Um auf diese Art von neuer Idee zu kommen. um einen Gedankengang zu klären. um zu sehen.« In dem Moment. und in dieser Zeit gelingen einige der neuen Einsichten. ohne jede Ablenkung. in völliger Abgeschiedenheit zu arbeiten und kein Wort darüber zu reden.thematik erklärten. da er sich auf den Beweis einließ. Ein andermal ging es nur darum.

er hat nur gelächelt. gäbe es nichts. sie fragen nach den neuesten Erkenntnissen. sie schicken sich E-Mails. gelangen Wiles eine Reihe außergewöhnlicher Entdeckungen. sie bitten um Rückmeldungen – die Mathematiker sind immer im Gespräch miteinander. Sollte an diesem Punkt etwas über seine bahnbrechenden Leistungen nach außen dringen. solange der Beweis noch nicht vollständig war. sie besuchen sich zu Gastseminaren. Anfang . klopfen sie dir auf die Schulter. Die Mathematiker treffen sich auf Konferenzen. wie ich ihm bei dieser oder jener Gelegenheit gesagt habe: ›Gut und schön. John Coates erinnert sich an Gespräche mit Wiles. Das gab es nach meiner Erfahrung einfach nicht. ohne preiszugeben.« Um keinen Verdacht zu erregen. von denen keine diskutiert oder veröffentlicht werden sollte. der die Kollegen von der Spur abbrachte. tut man etwas. Das ist sehr fruchtbar. was psychologisch gesehen wohl ziemlich sonderbar ist. Selbst vertraute Kollegen wußten nichts von diesen Forschungen. wie wichtig es sei. Er befürchtete. »Das ist wohl der einzige mir bekannte Fall. auf der Grundlage seiner Arbeit den Beweis zu vervollständigen und ihm den Preis vor der Nase wegzuschnappen. und wenn man sich davon abnabelt. ohne den letzten Schritt der Rechnung beenden zu können. sie sagen dir.« Ken Ribet. »Ich weiß noch.Ein weiterer Beweggrund für Wiles’ Stillschweigen war sicher auch das Verlangen nach Ruhm. eines Tages den Beweis schon fast in der Tasche zu haben. was du geleistet hast. wo jemand so lange vor sich hinarbeitete. was einen Rivalen davon abhalten würde. aber Taniyama-Shimura zu beweisen ist immer noch ein aussichtsloses Unterfangene Ich glaube. bei denen er kein Sterbenswörtchen herausrückte. In unseren Kreisen teilen die Leute einander ihre Ideen immer mit. was er tat. und teilen ihre Ideen mit dir. ohne über seine Fortschritte zu sprechen. In den Jahren. der den Zusammenhang von Fermat und TaniyamaShimura endgültig bewiesen hatte. die nun folgten. heckte Wiles einen schlauen Vorwand aus. Wenn du mit anderen Leuten redest. diese Verknüpfung mit Fermats letztem Satz. sie telefonieren miteinander. wußte ebenfalls nichts von Wiles’ heimlichem Forschungsunternehmen.

Mit dieser vorgeblichen Produktivität machte er seine Kollegen glauben. war seine Frau Nada. der Wiles’ Geheimnis kannte. die elliptischen Gleichungen und die Modulformen abzuzählen . war. diese Vermutung zu beweisen. »Meine Frau kennt mich nur aus der Zeit. in der ich an Fermat arbeitete. hatten die Mathematiker verbissen versucht. vertraute er das ausschließlich Nada an. kurz nachdem Wiles mit der Arbeit an seinem Beweis begonnen hatte. seine Forschungen in Teilen zu veröffentlichen und alle halbe Jahre ein kleineres Papier herauszubringen. Sie hatten geheiratet. Schon bevor ihr Zusammenhang mit Fermats letztem Satz nachgewiesen worden war. mußte Wiles zunächst die Taniyama-Shimura-Vermutung beweisen: Jede elliptische Gleichung kann mit einer Modulform in Beziehung gesetzt werden. Der einzige Mensch. dessen Ergebnisse er eigentlich zur Gänze veröffentlichen wollte. den Beweis zu führen. konnte Wiles seiner wahren Leidenschaft nachgehen. welche romantische Bedeutung er für Mathematiker hatte und was für ein Stachel er so viele Jahre in unserem Fleisch gewesen war. Wiles war sich der immensen Schwierigkeit. und wenn er Fortschritte machte. bis er durch die Entdeckungen Ribets und Freys auf andere Gedanken kam. er arbeite immer noch an seinem alten Vorhaben. In den Jahren nach der Heirat war die Familie seine einzige Zerstreuung. Denn solange dieses Täuschungsmanöver funktionierte. doch damals hatte sie noch keine Ahnung.« Duell mit dem Unendlichen Um Fermats letzten Satz zu beweisen. durchaus bewußt: »Was man als letztes in aller Unbedarftheit hätte versuchen können.der achtziger Jahre hatte er an einem größeren Forschungsvorhaben über einen bestimmten Typ elliptischer Gleichungen gearbeitet. ein paar Tage nach der Heirat. Auf unserer Hochzeitsreise. ohne etwas von seinen bahnbrechenden Arbeiten preiszugeben. habe ich ihr davon erzählt. Wiles beschloß. und was manche Leute sicher auch taten. doch alle Ansätze waren gescheitert. Sie hatte von Fermats letztem Satz gehört.

die als Induktion bezeichnet wird. fiel mir als erstes der Beweis ein. dann auch auf die 4. was vermutlich eine ziemlich einfache Sache ist. Der nächste Schritt ist der Nachweis. daß eine Aussage für eine unendliche Zahl von Fällen wahr ist. der eine handfeste Begründung dafür lieferte. muß sie ebenfalls auf die 3 zutreffen. und wenn sie für die 2 gilt. ohne daß er den Beweis für mehr als einen bestimmten Fall ausführen muß. daß eine Aussage auf jede natürliche Zahl bis ins Unendliche zutrifft. wenn ich schlafen ging. eben unbewußte Krakeleien. Wachte ich morgens auf. zu zeigen. und so weiter. Allgemeiner ge- . sie auch für die Zahl 2 gelten muß. Dazu brauchte Wiles nur Papier und Bleistift und seinen Grips. aber für alle Fälle war es unmöglich.« In diesem Falle. wälzte ich unablässig diesen einen Gedanken. daß es unendlich viele von beiden gibt und daß man eine unendliche Menge nicht abzählen kann. Nichts Wichtiges. Das erste Problem ist nämlich. auch noch. Gewiß konnte man mit einem Computer innerhalb von wenigen Sekunden einen bestimmten Fall überprüfen. daß die Aussage für die Zahl 1 gilt. Wenn ich keine Ablenkung hatte. eine allgemeine Strategie für seinen Beweis einzusetzen.« Nach einem Jahr des Nachdenkens beschloß Wiles. Notwendig war ein logischer Argumentationsgang.und zu zeigen. wie bei vielen Problemen in der Zahlentheorie.« Wiles versuchte es zunächst mit seinem üblichen Ansatz für schwierige Probleme. »Dieser Gedanke ging mir praktisch die ganze Zeit im Kopf herum. Die Taniyama-Shimura-Vermutung betraf eine unendliche Zahl von Gleichungen. denn sie erlaubt es einem Mathematiker zu zeigen. »Ich kritzle manchmal Muster oder Figuren aufs Papier. Das geht einfach nicht. Aber dafür hat keiner jemals ein einfaches Verfahren entdeckt. und wenn auf die 3. ein Mathematiker wolle beweisen. Die Induktion ist ein ausgesprochen mächtiges Beweisverfahren. waren Computer völlig nutzlos. daß wenn die Aussage für die Zahl 1 gilt. daß es von beiden gleich viele gab. Der erste Schritt besteht darin. Stellen wir uns zum Beispiel vor. warum jede elliptische Gleichung modular sein mußte. Ich dachte den ganzen Tag darüber nach. Einen Computer benutze ich nicht.

eine Möglichkeit zu finden. Man kann sich den induktiven Beweis auch veranschaulichen. Im Werk eines tragischen Genies aus dem Frankreich des neunzehnten Jahrhunderts fand er schließlich den ersten Schritt seines induktiven Beweises verborgen. Oktober 1811. muß der Mathematiker zeigen. Der induktive Beweis erlaubt es jedoch den Mathematikern. In Anhang 10 wird gezeigt. Den Beweis für jeden einzelnen Fall zu führen heißt. jeden einzelnen Dominostein umzukippen. sie dann auch für die nächste Zahl n + 1 wahr sein muß. (2) Beweise. dieser wiederum den dritten und so weiter bis ms Unendliche. wie auch immer. Im nächsten Schritt mußte er dann zeigen.sagt. Er ist eine Art mathematisches Domino. daß wenn die Aussage für irgendeinen Fall gilt. ein induktives Argument aufzubauen und damit zu zeigen. Wenn die Dominosteine richtig aufgereiht sind. sie auch für den nächsten Fall gelten muß. Die Herausforderung für Wiles bestand darin. daß jede einzelne der unendlich vielen elliptischen Gleichungen mit einer der unendlich vielen Modulformen zusammenpasse. wie der induktive Beweis bei einer verhältnismäßig einfachen mathematischen Aussage über alle Zahlen verwendet werden kann. Diesen Dominoeffekt macht man sich beim induktiven Beweis zunutze. Der Beweis durch Induktion besteht im Kern aus zwei Schritten: (1) Beweise. daß mit dem Beweis des ersten Falles alle anderen ebenfalls bewiesen waren. daß wenn die Aussage für irgendeine Zahl n wahr ist. Evariste Galois wurde am 25. Er mußte. den Beweis auf eine unendliche Zahl von Einzelfällen zuschneiden und dann den ersten Fall beweisen. indem man sich die unendliche Zahl von Fällen als unendliche Reihe von Dominosteinen vorstellt. nur zweiundzwan- . daß die Aussage für den ersten Fall gilt. bei dem man nur den ersten Fall beweist und damit zugleich die unendliche Zahl von Fällen. dann wird der erste umkippende Stein auch den zweiten mit sich nehmen. mit dem ersten Stein auch alle ändern umzukippen. Einen nach dem ändern umzukippen würde unendlich viel Zeit und Mühe kosten.

die er zum Vergnügen des Publikums bei den Gemeindeversammlungen zum besten gab. einem kleinen Dorf nicht weit südlich von Paris. marschierte in Paris ein und übernahm erneut die Macht. zugunsten von Ludwig XVIII. doch war es vor allem Galois’ Vater. und 1814 wurde er ins Exil verwiesen und durch König Ludwig XVIII. die ihn nicht nur von einer glänzenden akademischen Karriere abhielten. Im Jahr 1815 floh Napoleon von Elba. das Lycée Louis-le-Grand. verstrickte sich Galois immer wieder in die politischen Konflikte. in Bourg-la-Reine geboren. doch nicht außergewöhnlich. doch im Jahr darauf unternahm er den katastrophalen Rußlandfeldzug. Abgesehen von der Politik scheint er sich hauptsächlich mit dem Schmieden geistreicher Verse beschäftigt zu haben. Nicolas-Gabriel Galois war ein gebildeter und wohlwollender Mann. Damals kehrte Napoleon gerade triumphal an die Macht zurück. ein angesehenes. wurde sein Vater zum Bürgermeister von Bourg-laReine gewählt. wurde jedoch nach hundert Tagen bei Waterloo geschlagen und erneut gezwungen. ersetzt. Napoleon Bonaparte war damals auf dem Gipfel seiner Macht. Galois wuchs wie Sophie Germain in einer Zeit gewaltiger Umwälzungen auf. Nicolas-Gabriel Galois. doch während Germain sich von den Wirren der Französischen Revolution abschottete und sich auf die Mathematik konzentrierte. und seine schulischen Leistungen waren achtbar. Viele Jahre später sollte diese gewinnende Begabung für Sinngedichte zu seinem Sturz führen.zig Jahre nach der Französischen Revolution. Als Evariste erst vier Jahre alt war. der in den ersten Jahren als Bürgermeister in der ganzen Gemeinde Respekt gewann. auf den Thron sein durch Wahl erworbenes Amt behielt. und die starken liberalen Überzeugungen des Vaters standen in Einklang mit der Stimmung der Nation. abzudanken. so daß er auch nach der Rückkehr Ludwigs XVIII. sondern auch zu seinem allzu frühen Tod führten. der das Interesse seines Sohnes an der Politik weckte. Die allgemeine Unruhe beeinflußte zwar das Leben aller. Mit zwölf Jahren kam Evariste Galois an seine erste Schule. Im ersten Schuljahr jedoch sollte eine Begebenheit seinen . Anfangs erhielt er keinerlei Mathematikunterricht. wenn auch autoritäres Institut.

Evariste Galois .

und blieb im Lycée. Den wachsenden Einfluß des Klerus wertete man als Anzeichen für eine Verlagerung der Kräfte zugunsten des Königs. Die Schüler des Lycée mit ihren überwiegend republikanischen Neigungen planten einen Aufstand. doch der Direktor. Mit sechzehn Jahren erhielt Galois erstmals Unterricht in Mathematik. doch diese weigerten sich. als seine Lehrer zu quälen und sich selbst mit Strafen zu überhäufen. Galois’ Heißhunger auf die Mathematik erschöpfte bald die Möglichkeiten seines Lehrers. Monsieur Berthod. einen Toast auf Ludwig XVIII. andernfalls verschwendet er hier seine Zeit und tut nichts. wenn seine Eltern ihm gestatten würden. Dennoch mußte er mit ansehen. auszubringen. Er begann nun umstandslos aus den neuesten Büchern der zeitgenössischen Meister zu lernen. und den Volksvertretern. Den Schulberichten zufolge vernachlässigte er alle anderen Fächer und verlegte sich allein auf seine neu gefundene Leidenschaft. Damals herrschte ein unablässiger Kampf zwischen Republikanern und Monarchisten um die Machtverteilung zwischen Ludwig XVIII. nur dieses eine Fach zu studieren. um an der gescheiterten Rebellion teilnehmen zu können. und nun kamen Gerüchte auf. Galois war zu jung. deckte die Verschwörung auf und verwies gut ein Dutzend Anführer sofort von der Schule. wie seine Mitschüler gedemütigt wurden. es solle erneut in die Obhut der Priester gestellt werden. Am Tag darauf verlangte Berthod von den verbliebenen älteren Schülern eine Treuebekundung. und dieses Erlebnis entfachte seine republikanischen Neigungen.künftigen Lebensweg vorprägen. und diese verwandelte ihn nach Ansicht seiner Lehrer von einem gewissenhaften Eleven in einen aufmüpfigen Schüler. Dieser Schüler bewegt sich ausschließlich in den höchsten Gefilden der Mathematik. Der mathematische Wahn beherrscht den Jungen. und mit siebzehn Jahren veröffentlichte er seinen ersten Aufsatz in den Annales de . Ich denke. Mühelos sog er die schwierigsten Begrifflichkeiten auf. es wäre das beste für ihn. Das Lycée war zuvor eine jesuitische Schule gewesen. woraufhin hundert weitere Schüler ausgeschlossen wurden.

diejenigen Werte von x zu finden. daß seine überragenden Fähigkeiten nicht erkannt wurden. Die Aufgabe besteht nun darin. die für die quadratische Gleichung Lösungen ergeben. ein Zentrum der republikanischen Bewegung zu sein. waren seine Lösungen häufig so neuartig und ausgebufft. zum Beispiel den quadratischen. verweigerte man ihm wegen Sprunghaftigkeit und mangelnden Erläuterungen in der mündlichen Prüfung die Aufnahme. der École Polytechnique bewarb. mit seinen logischen Bocksprüngen. Galois führte so viele Rechnungen im Kopf aus. nicht nur wegen ihrer herausragenden akademischen Stellung. Galois sollte die heiligen Hallen der Polytechnique nie mehr betreten.Gergonne. sondern bevor- . mit beliebigen Werten für a. b und c. der seinen Weg kreuzte. Monsieur Dinet. verlor er die Beherrschung und warf einen Tafelschwamm nach Dinet. Als Galois sich an der angesehensten Hochschule des Landes. den Gedankengang zu Papier zu bringen. weil sie im Ruf stand. Der weitere Weg des Wunderkinds schien klar vorgezeichnet. Ein Jahr später bewarb er sich erneut. sondern auch. was die unzulänglichen Prüfer noch mehr verwirrte und vor den Kopf stieß. Die Mathematiker halten es weniger mit Versuch und Irrtum. Schlimmer noch. freilich sollte gerade seine unglaubliche Brillianz das größte Hindernis für ihn sein. Es war ein Volltreffer. daß er ein zweites Mal durchfallen würde. Galois ließ sich von diesen Niederlagen nicht entmutigen. Hauptsächlich befaßte er sich mit der Suche nach Lösungen für bestimmte Gleichungen. Sie haben die Form ax 2 + bx + c = 0. Galois war ganz versessen auf die Polytechnique. Obwohl er offensichtlich mehr als genug Mathematik beherrschte. daß er sich nicht darum scherte. er blieb sich seiner mathematischen Begabung auch weiterhin sicher und setzte seine Studien auf eigene Faust fort. mit dem er seine Lehrer oder irgend jemand sonst. daß seine Prüfer sie nicht anerkennen wollten. und wiederum verwirrte er den Prüfer. nicht gerade für sich einnehmen konnte. Galois ahnte. und enttäuscht. Nicht besonders hilfreich in dieser Lage war zudem das aufbrausende und ungeduldige Temperament des jungen Genies.

4a c) 2a Indem man einfach die Werte von a. Wenn wir noch einen weiteren Term. Glücklicherweise gibt es eins: x= -b ± (b 2 . erhalten wir die nächste Stufe der Polynomgleichung. eine der großen Herausforderungen der damaligen Zeit. hinzufügen. Zum Gutachter für die . b und c in das obige Rezept einsetzt. um zwei Abhandlungen bei der Academic des Sciences einreichen zu können. Grades: ax 5 + b x4 + cx 3 + d x 2 + ex + f = 0.6x + 4 = 0. liegt an dem zusätzlichen Term x 3. mit a = 2. doch man kannte keine Lösungsmethode für die Gleichung 5. Schon mit siebzehn Jahren hatte er genug Fortschritte gemacht. Daß diese Gleichung komplizierter ist. Galois war versessen darauf. b und c in das Rezept einsetzen. die als Polynomgleichungen bezeichnet werden. b = -6 und c = 4. Die quadratische Gleichung ist nur ein Typ in einer viel größeren Klasse von Gleichungen. Grades zu finden. Im neunzehnten Jahrhundert fanden die Mathematiker auch Rezepte zur Lösung der kubischen und biquadratischen Gleichungen. Wenn wir die Werte von a. kann man die richtigen Werte für x berechnen. ein Rezept für die Lösung solcher Gleichungen 5. Zum Beispiel können wir das Rezept für die Lösung der folgenden Gleichung verwenden: 2x 2 .zugen ein Rezept zum Finden von Lösungen. erhalten wir die Lösungen x = 1 und x = 2. die sogenannte biquadratische: ax4 + b x3 + cx2 + d x + e = 0. x 4. Ein komplizierterer Typ von Polynomgleichungen ist die kubische Gleichung: ax 3 + b x2 + cx + d = 0.

Im Juli 1829 kam ein neuer jesuitischer Priester in das Dorf Bourg-la-Reine. der einzig ehrenhafte Ausweg sei der Freitod. welche Zwietracht der Priester gesät hatte. Um für die Teilnahme in Frage zu kommen. Cauchy schickte die Unterlagen an Galois zurück und wartete auf seinen Beitrag zum Wettbewerb. Galois hatte mit ansehen müssen. wie die . kam es zwischen dem Jesuiten. und den Anhängern des Bürgermeisters. und der Sarg plumpste schließlich auf wenig feierliche Weise ins Grab. Der intrigante Geistliche machte sich vor allem zunutze. der viele Jahre später mit Lamé über einen letztendlich fehlerhaften Beweis von Fermats letztem Satz streiten sollte. Der Priester zog sich eine klaffende Wunde am Kopf zu. und er kam zu dem Urteil. sie sei es wert. Der ältere Galois konnte mit der Schande und der peinlichen Verlegenheit nicht leben. mußten die beiden Papiere erneut. die ihm damit bereitet wurden. wo Galois’ Vater immer noch Bürgermeister war. der die Messe hielt. eingereicht werden. und kam zu dem Entschluß.Arbeiten berief man Augustin Louis Cauchy. um seinen Ruf zu schädigen und ihn aus dem Amt zu treiben. Evariste Galois kehrte ins Dorf zurück. daß es eine Intrige gegeben hatte. um am Begräbnis des Vaters teilzunehmen. die erkannten. zu einem Handgemenge. die Mitglieder der Gemeinde der Lächerlichkeit aussetzten. Die Kritik seiner Lehrer und die Ablehnung durch die École Polytechnique hatte Galois überstanden. und unterzeichnete sie mit dem Namen des Bürgermeisters. doch im Laufe der folgenden drei Jahre zerstörte eine Reihe von persönlichen und beruflichen Tragödien seine Ambitionen. als zusammengefaßte Abhandlung. Die Arbeit des jungen Mannes beeindruckte Cauchy außerordentlich. das Handgemenge wuchs sich zu einem Krawall aus. er war nunmehr auf dem besten Weg zur Anerkennung. und erlebte nun selbst. Als der Sarg ins Grab hinuntergelassen wurde. daß Nicolas-Gabriel Galois für seine geistreiche Reimschmiederei bekannt war. Der Priester störte sich an den republikanischen Neigungen des Bürgermeisters und entfesselte eine Gerüchtekampagne. in den Wettbewerb um den Großen Mathematikpreis der Akademie aufgenommen zu werden. Er schrieb ein paar anstößige Verse.

März. Für Galois und seine Freunde war es daher ein Schock. Und was geschah? Die Abhandlung ist verlorengegangen. und der Preis wird ohne die Teilnahme des jungen Wissenschaftlers vergeben. »sein Argument ist weder hinreichend klar noch hinreichend ausgearbeitet. hielten sie für preiswürdig. die aus ihm einen noch glühenderen Kämpfer für die republikanische Sache machte. und viele Mathematiker. Sie verdient den Preis. überreichte Monsieur Galois dem Sekretär des Instituts eine Abhandlung zur Lösung numerischer Gleichungen. seine Abhandlung sei von der politisch einseitig ausgerichteten Akademie absichtlich unterschlagen worden. Galois’ Arbeit bot zwar keine Lösung für das Problem der Gleichung 5. Joseph Fourier. Er kehrte nach Paris zurück. vor dem 1. Ein französischer Journalist schrieb über diese Ungerechtigkeit: Letztes Jahr. dafür allerdings glänzende Einsichten. doch Galois’ Arbeit war nicht darunter. Zwar hatte er einen Stapel von Wettbewerbsbeiträgen an das Komitee weitergeleitet. Le Globe. Monsieur Cauchy hatte dem Autor für diese Arbeit höchstes Lob gezollt. der sie an den Gutachterausschuß weiterleiten sollte. um uns ein Urteil über seine logische Strenge zu erlauben«. Diese Abhandlung hätte in den Wettbewerb um den Großen Mathematikpreis aufgenommen werden sollen. darunter Cauchy. und wurde in diesem Glauben ein Jahr später noch bestärkt. da sie einige Schwierigkeiten löst. die Lagrange nicht bewältigen konnte. Grades.herrschenden Kreise Frankreichs seinen Vater demütigten und zerstörten. 1831 Galois gewann den Eindruck. es gebe eine Ver- . Sie wurde nie gefunden. Fourier war wenige Wochen vor dem Urteil der Jury verstorben. Er kam zu dem Schluß. eine Erfahrung. daß er den Preis nicht gewann und zudem noch nicht einmal an der offiziellen Ausscheidung teilgenommen hatte. faßte seine Forschungspapiere zu einer Abhandlung zusammen und überreichte sie lange vor Eingabeschluß dem Sekretär der Akademie. als die Akademie sein nächstes Manuskript mit der Behauptung ablehnte.

einen weiteren Aufstand zu vermeiden. An der École Normale überwog Galois’ schlechter Ruf als Unruhestifter bald sein Ansehen als Mathematiker. Graf Libri-Carucci: Es herrscht entschieden ein mißgünstiges Schicksal in allem. was die Mathematik betrifft. inzwischen die große alte Dame der französischen Mathematik. die Gardeartillerie ab. Galois. äußerte ihre Besorgnis in einem Brief an einen Freund der Familie. womit Galois’ offizielle Karriere als Mathematiker beendet war. Am 4. ängstlich bedacht. der trotz seiner Auf- . Damals war er Student an der École Normale Supérieure. Zorn und Enttäuschung darüber wuchsen noch. als die Republikaner am Ende geschlagen wurden. in dem er ihn der Feigheit zieh.schwörung. Er ließ sie in ihre Schlafsäle einsperren und die Schultore verriegeln. daß die Mehrzahl seiner Studenten radikale Republikaner waren. Bei nächster Gelegenheit veröffentlichte er einen vernichtenden Artikel über den Direktor der École. So verwundert nicht. um ihn aus der mathematischen Gemeinschaft auszustoßen. wurde auf Schritt und Tritt verfolgt. an der Seite seiner Brüder zu kämpfen. So wurde Galois daran gehindert. ein Monarchist. ein berufsmäßiger Rebell zu werden und bewarb sich um Aufnahme in die Artillerie der Nationalgarde. aus Frankreich floh und die politischen Fraktionen in den Pariser Straßen um die Herrschaft kämpften. die kaum weniger angesehen war als die École Polytechnique. das begnadetste junge Talent in ganz Paris. verarmt und heimatlos. Die scheue Sophie Germain. Doch vor Ende des Monats noch schaffte der neue König Louis-Philippe. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung während der Julirevolution von 1830. Der Tod von Monsieur Fourier war der letzte Schlag für diesen Studenten Galois. Dezember versuchte das verhinderte Genie. und vernachlässigte in der Folge die mathematische Forschung zugunsten des Kampfes für die republikanische Sache. Manche seiner ehemaligen Mathematikerkollegen sorgten sich zusehends um sein Schicksal. einem republikanischen Teil der auch als »Volksfreunde« bezeichneten Miliz. Monsieur Guigniault. daß Guigniault den aufmüpfigen Schüler von der Schule verwies. als Karl X. Der Direktor der École. war sich darüber im klaren.

die man von der Anklage der Verschwörung freigesprochen hatte: Plötzlich. das ist wahr. Ich konnte nur hören. Fünfzehn oder zwanzig Stühle von mir entfernt bot sich ein höchst lebhaftes Schauspiel dar. . Einigermaßen beunruhigt ging ich nach Hause. doch das Glück war ihm immer weniger gewogen – wie auch der große französische Schriftsteller Alexandre Dumas feststellte. inmitten des privaten Gesprächs mit der Person zu meiner Linken. der als einer der Komödianten des Königs nicht kompromittiert werden wollte. sich Gehör zu verschaffen – Evariste Galois war einer der glühendsten Republikaner. Galois ging seiner Leidenschaft für die Politik weiter nach. daß eine Drohung ausgesprochen wurde und der Name Louis-Philippes fiel: Die Absicht wurde durch das blanke Messer deutlich gemacht. versuchte. So groß war der Lärm. und seinem Hang zu Beleidigungen gibt er weiterhin nach. zwei oder drei Tage später wurde Evariste Galois verhaftet. Es wäre schwierig gewesen. die sich gegen fünf Uhr nachmittags in der langen Halle des Erdgeschosses über dem Garten versammelt hatten. Diese Episode würde gewiß Folgen haben. Ich fürchte. an mein Ohr. Dumas war zufällig im Restaurant Vendanges de Bourgogne. in ganz Paris zweihundert Personen zu finden. die der Regierung feindseliger gesinnt waren als jene. daß der genaue Anlaß dafür untergegangen war. Es heißt. als dort ein Festbankett zu Ehren von neunzehn Republikanern stattfand. er wird völlig verrückt werden. gefolgt von fünf oder sechs Pfiffen. Ich wandte mich um. drang der Name Louis-Philippe. In der Tat. auch seine Mutter besitzt sehr wenig. der sein Glas erhoben hatte und einen blanken Dolch in ebendieser Hand hielt. und wir sprangen von der Fensterbank in den Garten hinaus.sässigkeit auf hohe Begabung schließen ließ. Er wurde von der École Normale verwiesen. er ist mittellos. Dies ging weit über meine eigenen republikanischen Überzeugungen hinaus. Ein junger Mann. Ich gab dem Druck meines Nachbarn zur Linken nach.

Dies war nichts weiter als eine Trotzbekundung. Die Angst vor politischer Verfolgung setzte ihm zu.Nach einem Monat Haft im Gefängnis Sainte-Pélagie klagte man Galois an. das Leben des Königs bedroht zu haben. Ein zweites Glas ist nicht schwerer zu leeren als das erste. das Kreuz der Ehrenlegion aus den Händen Louis-Philippes entgegenzunehmen. die den Wein verabscheut. Triumph! Hommage an den Bacchus des Kerkers! Ihr habt eine geniale Seele vergiftet. dem Bastilletag. schilderte Galois’ erstes Zechgelage: Er ergreift das kleine Glas mutig wie Sokrates den Schierlingsbecher. und stellte ihn vor Gericht. Obwohl sein Gebaren wenig Zweifel an der Schuld ließ. versuchte er sich zu erstechen. desgleichen das dritte. zum Trinken. der bislang keinen Alkohol angerührt hatte. im Gefängnis. Der Anfänger verliert das Gleichgewicht. Betrunken bis zum Delirium. Im Monat darauf wurde er abermals verhaftet. die Trennung von den Freunden und der Familie und die Ablehnung seiner mathematischen Ideen stürzte ihn in Depressionen. Eine Woche später feuerte ein Heckenschütze aus einer Dachkammer gegenüber dem Gefängnis eine Kugel in die Zelle und verwundete den Mann neben Galois. er trinkt alles auf einen Schluck. marschierte Galois in der Uniform der verbotenen Gardeartillerie durch Paris. Juli 1831. die Kugel sei für ihn bestimmt gewesen und die Regierung betreibe insgeheim seine Ermordung. Der Botaniker und begeisterte Republikaner François Raspail. war es bei dem Bankett so wild hergegangen. doch wurde er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und wieder nach Sainte-Pélagie gebracht. weil er sich geweigert hatte. irgendwelche direkten Drohungen aus seinem Munde gehört zu haben. doch . daß keiner wirklich bestätigen konnte. Während dieser Haft brachten die Schurken in seinem Umkreis den jungen Mann. Mitfühlende Geschworene und das zarte Alter des Rebellen – noch immer war er nicht älter als zwanzig – verhalfen ihm zum Freispruch. Am 14. nicht ohne zu blinzeln und eine süßsaure Miene aufzusetzen. Er war davon überzeugt.

. und niemand ist je an seine Stelle getreten. die ich mit allen Mitteln abzuwenden versuchte. . wie die Affäre begann. einer Herausforderung nachzugeben. Stéphanie war bereits mit einem Herrn namens Pécheux d’Herbinville verlobt. was mir fehlt. mein Freund? Ich vertraue es nur dir an: jemand. D’Herbinville geriet darüber in Rage. aber nicht für mein Land sterbe. hörst du mich . Zwar gibt es keine Anhaltspunkte dafür. Ich sterbe als Opfer einer niederträchtigen Kokotte. es mir nicht nachzutragen. Galois’ Haft sollte einen Monat später enden. Galois kannte den Ruf seines Gegners durchaus. der Tochter eines angesehenen Pariser Arztes. Galois zum Duell im Morgengrauen herauszufordern. ist Gegenstand heftiger Spekulationen. ? Im März 1832. seine Gedanken zu Papier zu bringen. Ich habe meinen Vater verloren. den ich lieben kann und lieben einzig im Geiste. sicher jedoch ist. die letzte Gelegenheit. für etwas so Gemeines? Ich rufe den Himmel zum Zeugen. daß ich sterbe. Raspail schildert Galois’ Worte kurz vor dem Selbstmordversuch: Weißt du. und man setzte die Gefangenen von Sainte-Pélagie auf freien Fuß.. ihn festzuhalten und zu entwaffnen. brach in Paris eine Cholera-Epidemie aus.Raspail und anderen gelang es. der ihrer Untreue auf die Schliche kam. doch die Einzelheiten ihres tragischen Endes sind gut belegt. daß die Ereignisse dieser Zeit vor allem die Folge einer Liebesaffäre mit einer mysteriösen Frau namens StéphanieFélicie Poterine du Motel waren. wie er glaubte. In einem Schmierenstück an Verleumdung verlöscht mein Leben. In Briefen an die Freunde schilderte er seine Lage: Ich bitte meine Freunde. und als einer der besten Schützen Frankreichs zögerte er nicht. die Patrioten. daß mich nur Nötigung und Gewalt dazu bewegt haben. Was in den folgenden Wochen mit Galois geschah. Ach! Warum sterbe ich für so wenig. Der Abend vor dem Schußwechsel war.

Auf dieser Seite. vermutlich ein Hinweis auf die Frau. um die es bei dem Duell ging. In den Aufzeichnungen finden sich jedoch auch andere Bemerkungen. all seine mathematischen Ideen zu Papier zu bringen. stehen die Wörter »Une femme«. Galois’ Hingabe an die republikanische Sache und die romantische Verstrickung hatten seiner Leidenschaft für die Mathematik keinen Abbruch getan. links unterhalb der Mitte.Abbildung 22 (a): In der Nacht vor dem Duell versuchte Galois. Es war eine seiner größten Befürchtungen. die bereits von der Akademie abgelehnt wor- . letzteres allerdings durchgestrichen. seine Forschungsarbeiten.

ich hatte dadurch Gelegenheit. die er schon Cauchy und Fourier vorgelegt hatte.den waren. und es wäre nicht in meinem Interesse. über die ich mir nicht sicher war. andere die Integralfunktionen. Galois . welche es für lohnend erachten. war zum größten Teil die erneuerte Fassung der Ideen. werden sich Leute finden. In meinem Leben habe ich oft versucht. Doch alles. mir fehlt die Zeit!« Am Ende der Nacht. Bitte Jacobi oder Gauß öffentlich um ihre Meinung. trage ich seit einem Jahr im Kopfe. Thesen aufzustellen. auch wenn sie nicht durch Radikale lösbar ist. Was er zu Papier brachte. ich verkündete Sätze. nicht zur Wahrheit. Grades. ich habe einige neue Entdeckungen in der Analysis gemacht.. was ich hier niedergelegt habe. Grades vollkommen lösten. All dies findet sich hier in drei Abhandlungen. so hoffe ich. diese Theorie zu vertiefen und alle möglichen Transformationen einer Gleichung zu beschreiben. die nach seiner Überzeugung das Rätsel der Gleichungen 5. die Papiere den größten Mathematikern Europas zukommen zu lassen: Mein lieber Freund. doch in der komplizierten Algebra versteckt fanden sich auch gelegentliche Hinweise auf »Stéphanie« oder »eine Frau« und Ausrufe der Verzweiflung – »Mir fehlt die Zeit. schrieb er einen Begleitbrief an den Freund Auguste Chevalier und bat ihn für den Fall seines Todes. Abbildung 22 (a) zeigt eines der letzten von Galois beschriebenen Blätter. mich dem Verdacht auszusetzen. In der Theorie der Gleichungen habe ich die Bedingungen für die Lösbarkeit von Gleichungen durch Radikale erforscht. Ich umarme Dich von ganzem Herzen E. die ich nicht vollständig beweisen kann. Danach. könnten für immer verlorengehen. Die erste betrifft die Theorie der Gleichungen 5. sondern zur Bedeutung dieser Sätze.. In einem verzweifelten Kampf um die Anerkennung seiner Leistung arbeitete er die ganze Nacht hindurch die mathematischen Sätze aus. dieses Geschreibsel zu entziffern. als er seine mathematischen Darlegungen abgeschlossen hatte.

Die Worte »je n’ai pas le temps« (mir fehlt die Zeit) finden sich am Ende der beiden Zeilen im unteren linken Teil der Seite. all seine mathematischen Ideen aufzuzeichnen. .Abbildung 22 (b): Galois unternahm vor der schicksalhaften Stunde den verzweifelten Versuch. sein Vorhaben nicht vollenden zu können. umgetrieben von der Angst.

eine Bauchfellentzündung hatte eingesetzt. Galois war allein gekommen. Die Polizei glaubte. die Teil eines politischen Komplotts war. der Sieger ging in aller Ruhe von dannen und überließ seinen verwundeten Gegner dem Tod. erreichten die Freunde erst nach einigen Tagen. und es kam unweigerlich zu Handgemengen zwischen den Anhängern Galois’ und den staatlichen Ordnungskräften. Sein Begräbnis war eine Farce. er sei in eine Liebesaffäre gelockt worden.Am folgenden Mittwochmorgen. Mai 1832. D’Herbinville stand noch aufrecht. Ein Arzt war nicht zugegen. die Bestattung würde sich zu einer politischen Kundgebung auswachsen und verhaftete in der Nacht davor dreißig seiner Mitstreiter. Unter den Trauernden herrschte Wut. Hilflos lag er am Boden. und so kamen seine Freunde zu dem Schluß. Dennoch versammelten sich zweitausend Republikaner zur Messe. und die Briefe. die zur Überwachung des Geschehens gekommen waren. Er hatte niemandem von seinem drohenden Unglück erzählt: ein Bote. denn man war zusehends davon überzeugt. sondern ein Agent der Regierung war. den er zu seinem Bruder Alfred geschickt hatte. die er in der Nacht zuvor geschrieben hatte. doch wie immer dem auch sei. Es war zu spät. ihn zu töten. ob das Duell die Folge einer tragischen Liebesaffäre war oder politische Hintergründe hatte. traten sich Galois und d’Herbinville auf einem abgelegenen Feld gegenüber. Sie hoben die Pistolen und feuerten. einer der größten Mathematiker der Welt wurde im . sondern eine ränkeschmiedende Verführerin war. doch Galois war in der Magengegend getroffen. lieferte die Nachricht erst ab. fünfundzwanzig Schritte zwischen sich. und am nächsten Tag starb Galois. D’Herbinville wurde von Sekundanten begleitet. Ein paar Stunden später war Alfred zur Stelle und brachte seinen Bruder ins Hospital Cochin. Die Historiker streiten sich über die Frage. dem 30. Ereignisse wie der Schuß auf Galois während seiner Haft in SaintePélagie hatten bereits auf eine Verschwörung zur Ermordung des jungen Aufrührers hingedeutet. daß d’Herbinville kein gehörnter Verlobter. und daß Stéphanie nicht nur eine Liebhaberin. nahezu wie das des Vaters. als das Duell schon vorüber war.

fand Galois’ Werk über ein Jahrzehnt lang keine Anerkennung. nachdem er sich nur fünf Jahre lang mit Mathematik befaßt hatte. enthielten. Dann hatte er ein Rezept für die lösbaren Gleichungen ausgearbeitet. In seiner Einleitung zu Galois’ Arbeit ging Liouville der Frage nach. die man vor allem ändern vermeiden sollte. welche davon lösbar waren. Galois zur Anerkennung zu verhelfen: Ein übertriebener Wunsch nach prägnanter Kürze war der Grund dieser Unzulänglichkeit. Es handelte sich um eines der Meisterstücke der Mathematik des neunzehnten Jahrhunderts. wurde zweifellos noch dadurch verstärkt. Bevor der Bruder und Auguste Chevalier die Papiere Galois’ weiterleiteten. seine Ideen überhastet und in ungenügendem Maße zu erläutern. denn Galois hatte in der Tat einen vollständigen Ansatz zur Lösung der Gleichungen 5. Zunächst hatte er alle Gleichungen 5. warum der Mathematiker von den älteren Kollegen abgewiesen worden war und wie es ihm durch seine Bemühungen gelingen konnte. Darüber hinaus untersuchte Galois auch Gleichungen noch höheren Grades.Alter von zwanzig Jahren getötet. Grades formuliert. bis dann 1846 eine Abschrift in die Hände Joseph Liouvilles gelangte. ihre Bedeutung zu erforschen. um die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungsarbeit zusammenzufassen. Obwohl die beiden ihrer Verpflichtung nachkamen und Abschriften des Manuskripts unter anderen an Carl Friedrich Gauß und Carl Jacobi schickten. wobei es ihm gelang. x 7 usw. verfaßten sie eine neue Niederschrift. daß er nur eine einzige Nacht zur Verfügung hatte. Grades in zwei Typen eingeteilt: die lösbaren und die unlösbaren. wenn man die abstrakten und mysteriösen Fragen . Er überarbeitete die Papiere und veröffentlichte sie schließlich in seinem angesehenen Journal de Mathématiques pures et appliquées. Sofort kam die Antwort der Kollegen. Liouville erkannte das Funkeln des Genies in Galois’ Gleichungen und verbrachte Monate damit. geschaffen von einem ihrer tragischsten Helden. und sie fiel beeindruckend aus. solche also. Galois’ Gewohnheit. um die Darlegungen zu klären und zu erweitern. festzustellen. die x6.

einen gewiß genialen. mit der Galois vor allem diesen schönen Satz beweist. doch unerfahrenen Anfänger durch die Härte ihres weisen Rates auf den rechten Weg zurückzuführen. wenn man versucht.der reinen Algebra behandelt. Eine mathematische Gruppe ist eine Menge von Elementen. Inzwischen hat sich alles geändert. die durch eine Rechenoperation miteinander verknüpft werden können. Wie Descartes sagte: »In Fragen transzendentaler Natur sei man transzendental klar. Mein Eifer ward gut belohnt. Klarheit ist in der Tat um so notwendiger. eine Idee. so heißt es.. Der erste Dominostein kippt Kernstück von Galois’ mathematischen Überlegungen war die sogenannte Gruppentheorie. den Leser weit vom ausgetretenen Pfad weg und in unbekanntere Gefilde zu führen. lassen wir die Mängel beiseite und betrachten wir die Vorzüge. nachdem ich einige kleine Lücken ausgefüllt hatte. den sie zurechtwiesen.« Galois hat diese Vorschrift zu oft mißachtet. daß bei der Verknüpfung zweier beliebiger Elemente mit der jeweiligen Rechenoperation das Ergebnis ein weiteres Element der Gruppe ist. wie angesehene Mathematiker den Versuch für richtig halten konnten. und die bestimmten Anforderungen genügt. ist abgeschlossen unter dieser Operation. als sich mir. Die Gruppe. mit dem sich zuvor unlösbare Probleme bewältigen ließen. er konnte von ihrem Ratschlag profitieren. Der Autor. die er zu einem mächtigen Werkzeug entwickelte. Eine ihrer wesentlichen Eigenschaften besteht darin. die vollständige Korrektheit der Methode offenbarte. Galois ist nicht mehr! Verlieren wir uns nicht in nutzloser Kritik. und wir können verstehen. und ich empfand größtes Vergnügen in jenem Moment. leidenschaftlich. etwa durch Addition oder Multiplikation. stand vor ihnen.. lebendig. So bilden etwa die ganzen Zahlen eine Gruppe unter der Ope- .

nämlich die sogenannten rationalen Zahlen. Die Abgeschlossenheit ähnelt in mancher Hinsicht dem in früheren Kapiteln erörterten Begriff der Vollständigkeit. kann die Abgeschlossenheit wiederhergestellt werden: »Die rationalen Zahlen sind unter der Division abgeschlossen. weil die Division einer ganzen Zahl durch eine andere nicht unbedingt eine weitere ganze Zahl ergibt.« Doch gilt auch dies nur unter Vorbehalt. begann Galois mit einer bestimmten Gleichung und baute seine Gruppe aus der Handvoll Lösungen für diese Gleichung auf. je größer die Gruppe ist. »die ganzen Zahlen sind unter der Addition abgeschlossen« oder. sorgfältig konstruierte Gruppen einen ganz besonderen Reichtum aufweisen konnten. Verknüpft man eine ganze Zahl mit einer anderen unter der Operation Addition. Aus den Gruppen. Die Division durch das Element Null führt ins Unendliche und damit zu etlichen mathematischen Alpträumen. »die rationalen Zahlen (mit Ausnahme der Null) sind unter der Division abgeschlossen«. die Galois aus . Die ganzen Zahlen und die Brüche bilden unendlich große Gruppen. Galois jedoch folgte einer Philosophie des »Weniger ist mehr« und zeigte. 1 4 : 12 = . erhält man eine dritte ganze Zahl. Aus diesem Grund ist es genauer zu sagen. z. und die Mathematiker sagen daher. Zieht man jedoch eine größere Gruppe in Betracht. die Brüche enthält. Anstatt unendliche Gruppen zu verwenden. 3 Der Bruch 1 ist keine ganze Zahl und liegt außerhalb der ursprünglichen Gruppe. daß kleine. 4 + 12 = 16. Alle möglichen Additionsergebnisse liegen im Bereich der ganzen Zahlen. und man könnte annehmen.ration »Addition«. da auch die anderen Gruppeneigenschaften erfüllt sind.B. z.B. »die ganzen Zahlen bilden unter der Addition eine Gruppe«. desto interessanter müßten auch die mit ihr erzielten mathematischen Resultate sein. Hingegen bilden die ganzen Zahlen mit der »Division« als Verknüpfung keine Gruppe.

gab es immer noch unendlich viele Gene. Auch Wiles mußte sich bei seinem Ansatz noch mit dem Unendlichen herumschlagen. Ursprünglich hatte man nachzuweisen versucht. gab es immer noch unendlich viele andere EReihen und M-Reihen. und Wiles wollte zeigen. gewann er seine Einsichten über ebendiese Gleichungen. und so weiter. welche die DNS bilden. daß das erste Gen in jeder E-Reihe zum ersten Gen in einer M-Reihe passe. versuchte er. daß das zweite Gen der E-Reihe mit dem zweiten Gen der M-Reihe passe. Im herkömmlichen Ansatz hatte man es mit dem Problem der Unendlichkeit zu tun. das heißt. Allerdings hatte Wiles’ Ansatz einen wesentlichen Vorteil gegenüber den bisherigen Versuchen. Statt den Versuch zu unternehmen. daß die Gesamtheit einer E-Reihe mit der Gesamtheit einer M-Reihe zusammenpaßte. Anderthalb Jahrhunderte später dann legte Wiles die Arbeit von Galois seinem Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung zugrunde. denn selbst wenn er beweisen konnte. die miteinander verglichen werden mußten. alle Elemente einer E-Reihe und einer MReihe einander passend zuzuordnen. diesen Vorgang für die unendliche Zahl der elliptischen Gleichungen und Modulformen unendlich oft zu wiederholen. jeweils ein Element aller E-Reihen und aller M-Reihen zu verkoppeln und dann zum nächsten Element weiterzugehen. die es zu verknüpfen galt. jede E-Reihe besitzt eine unendliche Liste von Elementen. . einzelne Gene. Wiles ging radikal anders an das Problem heran. selbst wenn man beweisen konnte. mußten die Mathematiker zeigen. daß die gesamte DNS einer elliptischen Gleichung (die E-Reihe) mit der gesamten DNS einer Modulform (der M-Reihe) zusammenpaßte. daß das erste Gen jeder E-Reihe identisch war mit dem ersten Gen einer M-Reihe. doch niemand fand eine Möglichkeit. Dies ist zwar ein durchaus sinnvoller Ansatz. und war dann zur nächsten elliptischen Gleichung übergegangen. daß jede einzelne der unendlich vielen elliptischen Gleichungen mit einer Modulform gepaart werden konnte. Um die Taniyama-Shimura-Vermutung zu beweisen. Grades bildete. Anschließend wollte er zeigen.den Lösungen von Gleichungen 5. Mit anderen Worten.

So weit zu kommen. dies auch für das nächste Element gelten mußte. um den Beweis zu erweitern. daß dies auch für alle zweiten Gene gilt (E2 = M2). warum ich unbegrenzte . daß wenn ein beliebiges Element der E-Reihe mit dem entsprechenden Element in der M-Reihe zusammenpaßte. Dann mußte er nachweisen. Nach mehrmonatiger Analyse bewies Wiles. um einen induktiven Beweis zu entwickeln. daß jeder umkippende Dominostein auch den jeweils nächsten kippen würde. hatte ihn schon zwei Jahre Arbeit gekostet. mußte man beim alten Verfahren weitergehen und fragen: Welche E-Reihe und welche M-Reihe nehmen wir uns jetzt vor? Da die Unendlichkeiten der E-Reihen und M-Reihen keine natürliche Ordnung besitzen. Wiles war sich über die anstehende Aufgabe durchaus im klaren: »Sie könnten fragen. Entscheidend ist nun. Mit jeweils einer Handvoll Lösungen für jede elliptische Gleichung konnte er eine Gruppe bilden. und wenn er bewiesen hatte. zu zeigen. besteht der nächste Schritt selbstverständlich darin.Selbst wenn bewiesen war. wie lange es dauern würde. und so weiter. daß bei Wiles’ Methode die Gene in der EReihe eine natürliche Reihenfolge besitzen. Mit dem nächsten Schritt seines induktiven Beweises mußte er auf irgendeine Weise zeigen. dies auch bei den zweiten möglich war. den ersten Dominostein zu kippen. daß die Gesamtheit einer E-Reihe mit der Gesamtheit einer M-Reihe zusammenpaßte. daß wenn die ersten Elemente gepaart werden konnten. ist dies eine weitgehend willkürliche Entscheidung. Dank Galois war es Wiles gelungen. daß die Gruppe zu einem unbestreitbaren Schluß führte – das erste Element jeder E-Reihe konnte in der Tat mit dem ersten einer M-Reihe gepaart werden. und wenn bei den zweiten. daß sich für alle ersten Gene Entsprechungen finden (E 1 = M 1 ) . dann auch bei den dritten. und er hatte keine Ahnung. Zunächst mußte er zeigen. und so weiter. als er das Potential der GaloisGruppen erkannte. Er mußte den ersten Dominostein umkippen und dann beweisen. Genau diese natürliche Ordnung benötigte Wiles. Der erste Schritt gelang Wiles. daß das erste Element jeder E-Reihe mit dem ersten Element einer M-Reihe gepaart werden konnte.

daß die Mathematik. dennoch eine großartige mathematische Leistung. immerhin etwas anderes beweisen würde. daß ich nie zu Fermat durchdringen würde. Ich war einfach der Auffassung. der dreißigjährige Yoichi Miyaoka von der Universität Tokio habe die Lösung des schwierigsten Problems der Welt gefunden. und Wiles bekam einen heftigen Schreck. selbst wenn sie nicht stark genug für Taniyama-Shimura und daher Fermat war. sicher will kein Mensch Jahre mit dem Versuch verbringen. Die Antwort ist. ob vielleicht jemand anders ebenso bedeutende Fortschritte machte. daß ein anderer es ein paar Wochen vorher schafft. das vielleicht einfach nicht lösbar ist. Fermats letzter Satz sei bewiesen. Ich ging kein finsteres Seitengäßchen entlang. Wiles erinnert sich an seine philosophische Haltung gegenüber potentiellen Rivalen: »Nun. Wegen seiner selbstauferlegten Verschwiegenheit konnte er das Resultat nicht bekanntgeben und hatte zugleich auch keine Ahnung. Außerdem wußte ich immer. sondern betrieb gewiß gute Mathematik. Doch da ich mich mit einem als unlösbar geltenden Problem beschäftigte. Freilich bestand die Möglichkeit. daß ich einfach gerne an diesem Problem arbeitete und ganz davon besessen war. Ich genoß es. daß weder ich noch irgend jemand sonst eine brauchbare Idee hätte. die für sich genommen schon publikationswürdig war.« Am 8. etwas zu beweisen und dann feststellen müssen. aber daß ich nur meine Zeit verschwendete.Zeit auf ein Problem verwende. März 1988 verkündeten die Schlagzeilen. fürchtete ich etwaige Konkurrenz nicht allzusehr. Die Washington Post und die New York Times behaupteten. und zwar die ganze Zeit über. Zu jenem Zeitpunkt hatte Miyaoka seinen Beweis noch nicht veröffentlicht. wie es zu schaffen wäre. meinen Grips daran zu erproben. sondern . stand nicht zu befürchten. mit der ich mich beschäftigte.« »Fermatproblem gelöst?« Wiles’ Galois-Strategie war zwar nur der erste Schritt hin zum Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung.

nur bei einem Seminar am Bonner Max-Planck-Institut für Mathematik in groben Umrissen skizziert. und im Jahr 1983 errangen sie ihren ersten bedeutenden Sieg. der teilgenommen hatte. Faltings glaubte. es Fermat zufolge keine (positive) ganzzahlige Lösung gibt für die Gleichung x n + y n = z n .« Miyaoka hatte in Bonn erläutert. Der Forschungsansatz wurde als Philosophie des Parallelismus bezeichnet. Die Formen sind vierdimensional. Es steht noch nicht ganz fest. und manche haben den Eindruck. brachte die Zuversicht der Mathematikergemeinde zum Ausdruck: »Miyaokas Beweis ist sehr aufregend. und man verband damit die Hoffnung. aber bislang sieht es gut aus. bislang unbeantwortete Probleme der Zahlentheorie lösen zu können. Es handelte sich hier um einen Forschungszweig im Rahmen des Langlands-Programms. Don Zagier. bezeichnete man als »arithmetisch-algebraische Geometer«. Die Differentialgeometer. er könnte sich einem Beweis der Fermatschen Vermutung nähern. daß. Arakelow den Versuch. wenn er die geometrischen Formen untersuchte. die schon beantwortet waren. daß er funktioniert. die unterschiedlichen Werten von n entsprechen. In den siebziger Jahren dann unternahm eine russische Arbeitsgruppe unter Professor S. haben jedoch eines gemeinsam – alle sind mit Löchern durchsetzt. mit n größer als 2. ähnlich wie Modulformen. als Gerd Fallings am Institute for Advanced Study in Princeton einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des Fermatproblems leistete. Die Formen zu den jeweiligen Gleichungen sind durchweg verschieden. Parallelen zwischen Problemen in der Differentialgeometrie und der Zahlentheorie aufzuzeigen. Erinnern wir uns. nämlich der Differentialgeometrie. indem man die entsprechenden Fragen in der Differentialgeometrie untersuchte. Abbildung . die Probleme in der Zahlentheorie in Angriff nahmen. wie er das Problem aus einem ganz neuen Blickwinkel in Angriff genommen hatte. Über Jahrzehnte schon hatten die Vertreter dieser Disziplin ein reichhaltiges Verständnis mathematischer Formen und insbesondere der Eigenschaften ihrer Oberflächen entwickelt. es bestünden sehr gute Chancen.

konnten die entsprechenden Fermatgleichungen nur eine endliche Zahl ganzzahliger Lösungen besitzen. bei der es um die sogenannte Miyaoka-Ungleichung ging. daß die Zahl der Lösungen für die Fermatgleichung nicht nur endlich. so konnte Faltings zeigen. 23 stellt eine zweidimensionale Veranschaulichung dar. Hier werden x und y als Variable für komplexe Zahlen betrachtet. Je größer der Wert von n in der Gleichung. er könne einen Schritt weitergehen. sondern gleich null war. Fünf Jahre später behauptete Miyaoka. Schon mit Anfang Zwanzig hatte er eine Vermutung aufgestellt. Es sind geometrische Darstellungen der Gleichung xn + y n= 1. mit n = 3 für das erste Bild und n = 5 für das zweite. daß ein Beweis seiner geometrischen Vermutung auch beweisen würde. Miyaokas Ansatz ähnelte dem von Wiles insofern. bis hin zu einer Million oder einer Billion. von null. desto mehr Löcher weist die entsprechende Form auf. indem er sie mit einer . als auch er die Fermatsche Vermutung beweisen wollte. Faltings hatte Fermats letzten Satz also nicht bewiesen. Eine endliche Zahl von Lösungen konnte alles mögliche bedeuten. Weil diese Formen immer mehr als ein Loch aufweisen. doch zumindest die Möglichkeit einer unendlichen Zahl von Lösungen ausgeschlossen. wie Fermat behauptet hatte. Nun stellte sich heraus. Alle Formen erinnern an mehrdimensionale Doughnuts mit mehr als nur einem Loch.Abbildung 23: Diese Flächen wurden mit dem Computerprogramm Mathematica erzeugt.

Wie zuvor schon bei mehreren anderen gescheiterten Beweisen hatte Miyaoka neue und interessante Mathematik geschaffen. der Miyaoka den Weg geebnet hatte. Zahlentheoretiker und Differentialgeometer rund um die Welt durchsuchten Zeile für Zeile des Beweises nach der kleinsten Lücke in der logischen Argumentation und nach der unscheinbarsten Spur einer falschen Voraussetzung. Ein Teil der Arbeit Miyaokas führte zu einem bestimmten Schluß in der Zahlentheorie.grundlegenden Vermutung aus einem ganz anderen Feld der Mathematik verknüpfte. Wiles kämpfte unglücklicherweise immer noch mit dem Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung. worauf die genaue Prüfung begann. der. den Irrtum auszubügeln. mit einem Resultat kollidierte. er habe seine eigene Vermutung vollständig bewiesen und damit auch Fermats letzten Satz. Ein ganzes Heer von Zahlentheoretikern versuchte Miyaoka dabei zu helfen. In Miyaokas Fall war es die Differentialgeometrie. Einzelne Stücke des Beweises waren eigenständige. Zwei Wochen nach der Bonner Ankündigung veröffentlichte Miyaoka fünf Seiten Algebra mit den Einzelheiten seines Beweises. was wie ein beunruhigender Widerspruch im Beweisgang aussah. doch am Ende scheiterten ihre Bemühungen. daß der ursprüngliche Beweisansatz nicht gelingen konnte. lief es der Philosophie des Parallelismus zwischen Zahlentheorie und Differentialgeometrie entgegen. ob aus der Differentialgeometrie oder der Zahlentheorie. Nach zwei Tagen zogen die Mathematiker etwas ans Licht. Zwei Monate nach der ersten Ankündigung war man sich einig. bei Wiles lief der Beweis über die elliptischen Gleichungen und Modulformen. das schon einige Jahre zuvor bewiesen worden war. Obwohl dies nicht unbedingt Miyaokas gesamten Beweis entwertete. Nach weiteren zwei Wochen verkündete Gerd Fallings. zurückübersetzt in die Differentialgeometrie. daß er den genauen Grund für den scheinbaren Zusammenbruch des Parallelismus ausfindig gemacht hatte – eine Lücke im Argument. Der japanische Mathematiker war vorwiegend Geometer und hatte seine Ideen nicht vollkommen rigoros in das weniger vertraute Gebiet der Zahlentheorie übersetzt. als Miyaoka verkündete. . geniale Anwendungen.

daß das erste Stück jeder elliptischen Gleichung modular sein . aber ich kann ihn nicht aufschreiben. doch manchmal konnte ich das Problem auf etwas ganz Bestimmtes zuspitzen – da war ein Schlüssel zur Lösung. Ich hatte immer Papier und Bleistift dabei. Im Gehen. Er hatte Galois-Gruppen auf elliptische Gleichungen angewandt. etwas. Der Wirbel um Fermat legte sich bald wieder. Statt dessen machte ich einen kleinen Spaziergang unten am See. und die Zeitungen stellten in knappen Meldungen richtig. fand ein neues Graffito seinen Weg in den New Yorker U-Bahnhof an der 8.« Nach drei Jahren unablässiger Anstrengungen waren Wiles eine Reihe von Durchbrüchen gelungen. das drei Jahrhunderte alte Rätsel bleibe nun doch ungelöst. die elliptischen Gleichungen in eine unendliche Zahl von Einzelteilen zerlegt und dann bewiesen.und andere Mathematiker bauten im Laufe der Jahre für Beweise von anderen Sätzen darauf auf. das da lautete: x n + y n = z n : keine Lösungen Ich habe einen wahrhaft wunderbaren Beweis dafür entdeckt. »Die meiste Zeit arbeitete ich am Schreibtisch. Fermats letzter Satz blieb weiterhin unbezwungen. Straße. konnte ich mich auf eine Bank setzen und loskritzeln. ohne daß ich es fassen konnte. das gleichsam unter dem Papier lag. weil mein Zug kommt. und wenn mir etwas einfiel. tat Wiles einen tiefen Seufzer der Erleichterung. ausgenommen allerdings Fermats letzter Satz. Das dunkle Haus Vor den Augen der Welt verborgen. kann ich mich auf einen ganz bestimmten Aspekt des Problems konzentrieren und mich ganz darin versenken. und er konnte seinen Kampf um den Beweis auf dem Weg über die Taniyama-Shimura-Vermutung fortsetzen. das mir merkwürdig vorkam. dann brauchte ich nicht zu schreiben und zum Arbeiten auch keinen Schreibtisch. stelle ich fest. Zweifellos inspiriert von all dem Medienrummel. Wenn mir etwas ganz Bestimmtes im Kopf herumschwirrte.

um dieses bestimmte Problem zu lösen. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Analyse elliptischer Gleichungen. unzuläng- . Er begann nun mit der sogenannten Iwasawa-Theorie zu arbeiten. Man kann genau sehen. was wo steht. »Man betritt den ersten Raum. um den Beweis zu vervollständigen.« Im Jahr 1990 fand sich Wiles in dem scheinbar dunkelsten Raum überhaupt. das hieß aber nicht. doch allmählich wird klar. Endlich. jenseits der Möglichkeiten der heutigen Mathematik lagen. Vollkommen dunkel. Selbst wenn ich also auf der richtigen Spur war. ohne die es sie nicht gäbe. Noch immer hatte er keine Möglichkeit zu zeigen. Obwohl die Methode. Dann geht man in den nächsten Raum und verbringt noch ein halbes Jahr im Dunkeln. und er ist dunkel. ein andermal ein oder zwei Tage. nach vielleicht einem halben Jahr. die man brauchte. sind daher allesamt Errungenschaften der vielen Monate des Herumstolperns im Dunkeln. »Ich glaubte wirklich. wie er sie vorfand. Man stolpert herum und stößt gegen die Möbel. Es konnte sein. daß wenn ein Stück der elliptischen Gleichung modular war. Im Rückblick erscheint dies als der natürliche Weg zum Beweis. lebte ich vielleicht dennoch im falschen Jahrhundert. Wiles beschrieb seine Erfahrung mit der Mathematik als Gang durch ein dunkles. die ich benötigte. findet man den Lichtschalter. wo man ist. Vielleicht würden die Methoden.« Wiles ließ sich auch ein weiteres Jahr lang nicht entmutigen. ich würde unweigerlich mein Ziel erreichen. das er schon als Student bei John Coates in Cambridge erlernt hatte. mit denen er vielleicht auch die anderen Steine zu Fall bringen konnte. Diese Durchbrüche. doch allein so weit zu kommen und die Anflüge von Selbstzweifel zu überwinden hatte gewaltige Entschlossenheit verlangt. Zwei Jahre lang hatte er ihn erforscht. Er hatte alle jemals veröffentlichten mathematischen Werkzeuge und Techniken ausprobiert und festgestellt. und plötzlich liegt alles im Hellen.mußte. dies auch für das nächste Stück gelten mußte. Er hatte den ersten Dominostein umgekippt und lotete jetzt verschiedene Techniken aus. erst in hundert Jahren erfunden. für die man manchmal nur einen Augenblick braucht. daß die Methoden. fremdes Haus. auf dem richtigen Weg zu sein. daß sie alle unzulänglich waren.

sie wollen partout eine Geschichte hören und lassen einen nichts anderes anfangen. Die Kollegen aus der ganzen Welt hießen Wiles willkommen. wandte er sich der Familie zu. daß jeder umkippende Dominostein auch den nächsten Stein kippen würde – daß wenn ein Element in der E-Reihe der elliptischen Gleichungen einem Element in der M-Reihe der Modulformen entsprach. um den Domino-Effekt zu erzielen. daß er den Kampf um die Anpassung der Iwasawa-Theorie verloren hatte. hoffte er. Immer wenn der Druck zu groß wurde. das ihm zum notwendigen Durchbruch verhelfen konnte. Seit er 1986 mit der Arbeit an Fermats letztem Satz begonnen hatte. Er mußte sich außerdem vergewissern. Noch einmal durchforstete er gründlich die Literatur.lich war. In Princeton war er die vergangenen fünf Jahre praktisch ein Eremit gewesen. und nun war es an der Zeit. Vielleicht arbeitete irgendwo irgend jemand an einem innovativen Verfahren und hatte es bisher aus welchen Gründen auch immer noch nicht veröffentlicht. ihn wiederzusehen. erfreut. Er mußte beweisen. sie zu einer Technik umschmieden zu können. nachdem er so lange nicht mehr am Ka- .« Die Methode von Kolywagin und Flach Im Sommer 1991 gewann Wiles den Eindruck. war er zweimal Vater geworden. Er fuhr nach Norden. dies auch für das nächste gelten würde. wieder am akademischen Leben teilzunehmen und den neuesten mathematischen Klatsch zu erfahren. Die Iwasawa-Theorie konnte ihm nicht die notwendige Garantie liefern. daß dies für jede elliptische Gleichung und jede Modulform galt. »Die Kinder waren die einzige Möglichkeit. Kleine Kinder haben einfach kein Interesse an Fermat. wo er sicher sein konnte. um an einer wichtigen Konferenz über elliptische Gleichungen in Boston teilzunehmen. Seit seinen ersten bahnbrechenden Erkenntnissen auf Basis der Galois-Gruppen hatte Wiles immer häufiger Rückschläge einstekken müssen. die wichtigsten Spieler auf diesem Feld zu treffen. aber noch immer konnte er kein alternatives Verfahren finden. mich zu entspannen. die mächtig genug war.

und offenbar passe dieses Verfahren genau zu meinem Problem. wenngleich ich wußte. und machte sich an die Mammutaufgabe. daß alle elliptischen Gleichungen verschiedenen Familien zugeordnet werden konnten. und Matheus Flach hatte es verfeinert und noch zugkräftiger gemacht. ihre Arbeiten in den wichtigsten Beweis der Welt einzubauen. nicht unbedingt für eine andere elliptische Gleichung angewandt werden. So ahnten sie nichts von seinen versteckten Beweggründen. sich mit der neu entdeckten Technik vertraut zu machen. Professor Kolywagin hatte ein ausgesprochen starkes mathematisches Verfahren entwickelt. daß sie für eine Gleichung funktionierte. daß ich auch diese sogenannte Kolywagin-Flach-Methode noch weiterentwickeln mußte. an was er gearbeitet hatte. Ich gab den alten Ansatz völlig auf und arbeitete Tag und Nacht an der Weiterentwicklung von Kolywagin-Flach. was ich brauchte. sie anzupassen und einzubauen. Bald gelang es ihm. von Kolywagin entwickeltes Verfahren. Es schien genau das zu sein. Keiner der beiden erkannte Wiles’ Absicht. Noch immer wußten sie nicht.russel der Konferenzen teilgenommen hatte. Er stütze sich auf ein neues. Leider konnte die Kolywagin-Flach-Methode. doch eine Begegnung mit seinem einstigen Doktorvater John Coates warf schon mehr Früchte ab: »Coates erwähnte mir gegenüber. Schließlich erkannte Wiles. die bei einer bestimmten Gleichung funktionierte. verbrachte mehrere Monate damit. als er sie nach dem Neuesten in puncto elliptische Gleichungen fragte. konnte sie auch auf alle anderen Gleichungen dieser Familie angewandt werden. und Wiles vermied sorgfältig irgendwelche Andeutungen. War die KolywaginFlach-Methode einmal so zurechtgeschnitten.« Vielleicht konnte Wiles sein Argument anhand dieser neuen Methode vom ersten Stück der elliptischen Gleichung auf alle Stücke ausdehnen und potentiell auf alle elliptischen Gleichungen. Wiles kehrte nach Princeton zurück. einer seiner Studenten namens Matheus Flach schreibe gerade an einer wunderbaren Analyse elliptischer Gleichungen. den induktiven Beweis für eine bestimmte elliptische Gleichung zu führen – er konnte alle Dominosteine umkippen. Anfangs waren die Antworten für Wiles’ Zwecke belanglos. Die Herausforderung bestand .

meinte er. und er bewies für immer neue und größere Familien elliptischer Gleichungen. Er fragte sich. Obwohl manche Familien schwerer zu erobern waren als andere. Ich hatte keine Ahnung. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Ich ging hinüber in sein Büro. Ich war einfach verblüfft. daß sein ganzer Beweis auf der Anwendung einer Technik beruhte. Er glaube. die Kolywagin-Flach-Methode bei jeder Familie zum Zuge zu bringen. kam ich zu dem Entschluß. »In diesem Jahr arbeitete ich äußerst hart daran. ob er die Kolywagin-FlachMethode auf vollkommen strenge Weise anwandte. daß ich mich jemandem anvertrauen mußte. bevor er die noch ausstehenden elliptischen Gleichungen in die Tasche stecken konnte. einem Experten auf dem Feld der geometrischen Verfahren. Trotz ihrer Nähe hatte Katz keine Ahnung.« Professor Nick Katz arbeitete ebenfalls am Fachbereich Mathematik der Universität Princeton und kannte Wiles schon seit einigen Jahren. Woche für Woche gelangen ihm Fortschritte. und er schloß die Tür hinter mir. die KolywaginFlach-Methode zum Laufen zu bringen. Er erinnert sich an jede Einzelheit des Treffens. Ich wollte die entsprechende Person mit aller Umsicht wählen. Nach sechs Jahren intensiver Anstrengung sah Wiles schon das Ende in Sicht. Anfang Januar 1993. weshalb ich eine Menge neuer Mathematik lernen mußte. ob ich in sein Büro kommen könne – da sei etwas. Dann.« . denn sie würde Stillschweigen über die Sache bewahren müssen. daß er sich den Weg durch eine nach der anderen bahnen konnte. daß sie modular sein mußten. vollkommen perplex – das war phantastisch. war Wiles zuversichtlich. die ich in Anspruch nahm. was es sein konnte. was buchstäblich ein paar Schritte weiter den Korridor hinunter vor sich ging. mit denen ich nicht wirklich vertraut war. Meine Wahl fiel auf Nick Katz. die er erst einige Monate zuvor entdeckt hatte. Da war einiges an schwerer Algebra. er könne die Taniyama-Shimura-Vermutung beweisen. worüber er mit mir sprechen wolle.nun darin. bei dem Wiles ihm sein Geheimnis eröffnete: »Eines Tages zur Teezeit kam Andy zu mir und fragte mich. Während der letzten Phase seiner Arbeit begann Wiles zu dämmern. doch in ihr steckte eine Vielzahl ausgeklügelter Getriebeteile.

Nick Katz .

war revolutionär. Er fühlte sich bei diesem technisch höchst anspruchsvollen Teil des Beweises auf schwankendem Boden. und doch im Fachbereich keinerlei Verdacht wecken würde. ich sei der Richtige dafür. »Ein völlig harmloser Titel – er konnte alles mögliche bedeuten. Wiles würde die Vorlesungen halten. eine Vorlesungsreihe für die Doktoranden des Fachbereichs anzukündigen. Also beschlossen wir. so handelte es sich um eine ganz gewöhnliche Lehrveranstaltung für Fortgeschrittene. es gab noch einen anderen Grund. warum er ausgerechnet mich fragte. sich durch den Berg an spektakulären Berechnungen zu arbeiten. und Katz überlegte genau.« Nach sechs Jahren der Abschottung hatte Wiles sein Geheimnis aufgedeckt. wollte er ihn mit jemandem durchgehen. Katz sollte im Publikum sitzen. war so gewichtig und umfangreich.« Die beste Strategie wäre es. Er sagte nichts von Fermat und auch nichts von Taniyama-Shimura. daß ich den Mund halten und keinem Menschen etwas von seinem Beweis erzählen würde. wie er es gründlich prüfen konnte: »Was Andrew zu sagen hatte. »Also kündigte Andrew diese Vorlesung mit dem Titel ›Berechnungen zu elliptischen Kurven‹ an«. Die Vorlesung würde eben jenen Teil des Beweises behandeln. die auf der Kolywagin-Flach-Methode gründeten. ein großer Teil des Beweises beruhe auf seiner Erweiterung der Arbeit von Kolywagin und Flach. sie sei jedoch technisch recht heikel. was Wiles geleistet hatte. wenn er es nur beiläufig in seinem Büro erläutert hätte. alles Schritt für Schritt zu erklären. denn ansonsten würde die Sache schlichtweg zerbröseln. Praktisch alles. Das Schöne an dieser verschleierten Prüfung des Beweises war. so beschlossen sie. sondern stürzte sich gleich zu Anfang in . ohne daß die Doktoranden freilich davon wußten. aber ich glaube. eine Vorlesungsreihe anzukündigen. Er meinte. Was alle anderen anging. Für etwas so Wichtiges brauchten wir eigentlich den formellen Rahmen wöchentlich stattfindender Lehrveranstaltungen. Er war sich sicher. und um sich zu vergewissern. Nun war es an Katz. daß Wiles gezwungen sein würde. daß es keinen Sinn gemacht hätte. erinnert sich Katz mit verschmitztem Lächeln.»Er erklärte.

unglaublich technisch und langweilig schienen. Kein Mensch hätte dahinter kommen können. wofür die Rechnerei gut sein soll. daß die Berechnungen. Dann sagte ich es ihr – ich hatte Fermats letzten Satz bewiesen. wenn man nicht wußte. Es ging um eine Konstruktion aus dem neunzehnten Jahrhundert. Wiles schildert den Versuch. Kein Mensch im Fachbereich erkannte. daß die Kolywagin-Flach-Methode tadellos zu funktionieren schien. daß ich so spät kam. daß es eigentlich möglich sein sollte. und nach ein paar Wochen war ich der einzige Zuhörer. die sich dagegen sperrte. auf eine Familie elliptischer Gleichungen nach der ändern.« Katz saß im Auditorium und verfolgte sorgfältig jeden Schritt von Wiles’ Rechnung. um die Kolywagin-Flach-Methode auch auf die letzte Familie elliptischer Gleichungen anzuwenden. selbst wenn man weiß. Kaum war die Vorlesungsreihe beendet. um was es hier wirklich ging. Beiläufig schaute ich mir ein Papier von Barry Mazur an. mit diesem Ansatz auch das letzte verbliebene Problem lösen zu können. was vor sich gegangen war. Und wenn man nicht weiß. Am Ende lautete sein Urteil.technische Berechnungen. zum Mittagessen hinunterzugehen. wozu sie gut waren. Jedenfalls verschwanden die Doktoranden einer nach dem ändern. und jetzt blieb nur noch eine Familie übrig. wozu sie dient. Ihr Plan war gelungen.« . und ich saß am Schreibtisch und dachte über die verbleibende Familie elliptischer Gleichungen nach. ihr zu folgen. daß Wiles kurz davor stand. und arbeitete in den Nachmittag hinein. Es war so aufgezogen. Nada war überrascht. kann man ihr unmöglich folgen. Es ist ohnehin schon ziemlich schwer. Gegen drei oder vier war ich mir sicher. den Beweis zu vervollständigen. auch das letzte Teilstück des Beweises zu erobern: »Eines Morgens Ende Mai war Nada mit den Kindern draußen. Allmählich wurde es Zeit für den Tee. und ich ging hinunter. setzte Wiles alles daran. Ich vergaß völlig. sich den wichtigsten Preis der Mathematik zu holen. Niemand vermutete. und ein Satz darin machte mich stutzig. und ich erkannte plötzlich. sie einzusetzen. Bislang hatte er die KolywaginFlach-Methode erfolgreich angewandt.

Ich wußte. war Barry Mazur. hatte er noch zweieinhalb Wochen bis zu seinen Vorträgen.‹ Er sah eine Zeitlang recht verdutzt drein. Doch dann schwante mir. was es war. den Beweis mit ein oder zwei Experten durchzugehen. in denen er davon geträumt hatte. um es zu kapieren. daß ich Fermats letzten Satz vollkommen in der Hand hatte«. und ich hatte dort meinen Doktor gemacht. doch für Ende Juni war eine Konferenz in Cambridge angekündigt. Er schien ganz platt. daß er etwas Wichtiges zu sagen hatte. gab ich Andrew nur zwei Termine.Der Vortrag des Jahrhunderts Nach sieben Jahren hartnäckiger Arbeit hatte Wiles einen Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung zustande gebracht. »Ich wollte den Beweis zwar noch etwas eingehender prüfen. er hatte nach dreißig Jahren. und natürlich luden wir auch Andrew ein. um den Beweis bekanntzugeben – Cambridge ist meine Heimatstadt. Nun war es an der Zeit. und ich dachte. »Im Mai 1993 war ich also davon überzeugt. Wir hatten eine dicht mit Vorträgen besetzte Woche geplant. erinnert sich Wiles. Wie auch . er hat eine ganze Weile gebraucht. Ich glaube. das wäre ein wunderbarer Ort. und weil die Nachfrage nach Vortragsterminen so groß war. Das Institut hatte diesmal einen Workshop zur Zahlentheorie mit dem obskuren Titel »L-Funktionen und Arithmetik« angesetzt. dem ich die Sache in die Hand drückte. zugleich auch Fermats letzten Satz bewiesen.« Als Wiles in Cambridge ankam. besonders den Kolywagin-Flach-Teil. die an diesem Problemkreis arbeiteten. Einer der Organisatoren war Wiles’ Doktorvater John Coates: »Wir brachten Leute aus allen Teilen der Welt zusammen. und diese Zeit wollte er gut nutzen.« Die Konferenz fand am Isaac Newton Institute statt. Und das hieß. dem Rest der Welt davon Mitteilung zu machen. dann meinte ich: ›Nun. hatte aber keine Ahnung. ich sagte zu ihm: ›Hier ist ein Manuskript mit dem Beweis eines gewissen Satzes.‹ Ich glaube. »Ich beschloß. schau’s dir einfach mal an. Der erste. daß er auch noch einen dritten brauchen würde und gab dann meinen eigenen Termin für seinen dritten Vortrag her.

« .« Wiles antwortete ganz schlicht auf die Gerüchte und den wachsenden Druck: »Die Leute fragten mich in der Zeit davor. und erfahrungsgemäß sollte man nicht viel darauf geben.immer. dessen Berechnung aus dem Jahr 1986 Wiles zu seiner siebenjährigen Mühsal angeregt hatte. Ich dachte. sage ich dir. darunter auch Ken Ribet. besonders durch die E-Mails. irgendwelche Fragen zu beantworten und verhielt sich ganz. ich sagte ihm. Er legte es wirklich auf einen dramatischen Höhepunkt an. was hast du bewiesen? Sollen wir die Presse holen?‹ Andrew schüttelte nur den Kopf und sagte kein Wort dazu. John Coates meinte zu ihm: ›Andrew. Also sagte ich nur so etwas wie: ›Nun. Andrew. In der Mathematik kommen Gerüchte sehr schnell in Umlauf. Ich war immer noch am Raten. sie hätten merkwürdige Gerüchte über die von Andrew Wiles angesetzten Vorträge gehört. Den Gerüchten zufolge habe er Fermats letzten Satz bewiesen. Ich dachte mir. was ich genau sagen würde. weil ich sah. das ist völlig verrückt. wenn du die Gelegenheit hast. Also sagte ich. was geschehen ist. worüber ich 1986 gearbeitet hatte. »Ich kam zu dieser Konferenz über L-Funktionen und elliptische Kurven. und wollte auch etwas über die Geschichte von Freys Ideen wissen. daß er sich sehr spröde verhielt und mir keine offene Antwort geben würde. eines Nachmittags. und ich meinte nur. über diese Arbeit vorzutragen.‹ Ich sah ihn an. andernfalls würde er mich das nicht fragen. ganz seltsam. aber im Grunde wußte ich nicht. nun. Ich fragte ihn nicht direkt. das ist unglaublich.« Allmählich trudelten die bedeutendsten Vertreter der Zahlentheorie im Isaac Newton Institute ein. kommen Sie zu meinen Vorträgen und hören Sie selbst. Aber die Gerüchte waren recht hartnäckig. ob das stimmte. daß ich hoffte. und daß ich mich freuen würde. Dann. was vorging. mir zu erzählen. bis die Leute anfingen. das kann einfach nicht wahr sein. wenn er es einfach mal prüfen könnte. kam Andrew zu mir und begann mich zu fragen. und es schien nichts Außergewöhnliches los zu sein. aber er muß die Taniyama-Shimura-Vermutung und Fermats letzten Satz bewiesen haben. bei der Konferenz darüber sprechen zu können. als ob ich etwas wüßte. und Andrew weigerte sich.

geht aber in diese Richtung und hat noch zwei Vorträge. und ganze Schwärme von E-Mails flogen um die Welt. Wie zuvor schon bei den für Doktoranden angekündigten Vorlesungen. daß E modular sein muß. September 2007 als zeitliches Limit gesetzt. elliptische Kurven und Galois-Darstellungen«. wenn E eine elliptische Kurve über Q ist und die Galois-Darstellung in den Punkten der Ordnung 3 auf E bestimmten Voraussetzungen genügt. er bereitete den Boden für seinen Angriff auf die TaniyamaShimura-Vermutung im zweiten und dritten Vortrag. . Juni 1993 13:33:06 Wiles Hi. Andrew hat heute seinen ersten Vortrag gehalten. was denn der Witz des Vertrags sein sollte.Im Jahr 1920 hatte der damals achtundfünfzigjährige David Hubert in Göttingen einen öffentlichen Vortrag über die Fermatsche Vermutung gehalten. vielleicht jedoch die jüngeren Anwesenden im Publikum. er selbst würde es nicht mehr erleben. suchte nach den kleinsten Hinweisen dafür. die eigentlich für Nick Katz bestimmt waren. Er ist immer noch sehr verschlossen. Der Titel von Wiles’ Vortragsreihe lautete »Modulformen. berichtete seinen Kollegen in Amerika: Datum: Thema Mo 21. was das Endresultat angeht. Die Mehrzahl der Zuhörer wußte überhaupt nichts von den Gerüchten. Wiles’ erster Vortrag war scheinbar profan. ein ehemaliger Student von Wiles. daß sich die Gerüchte bewahrheiten könnten. Auf die Frage. daß das eigentliche Ziel verborgen blieb. Professor Karl Rubin. Hubert hatte den Zeitpunkt der Lösung ziemlich genau getroffen. gab er die Antwort. war der Titel so vage. Gleich nach dem Ende des ersten Vertrags kam neues Leben in die Gerüchteküche. Er hat keinen Beweis für Taniyama-Shimura vorgelegt. Wiles’ Vortrag lag zudem ganz gut in der Zeit für den WolfskehlPreis. Paul Wolfskehl hatte in seinem Testament den 13. ob das Problem je gelöst werden würde. Wer Bescheid wußte. Meiner Einschätzung nach wird er beweisen. achtete kaum auf die Einzelheiten und verstand nicht.

Das Argument scheint nicht für alle elliptischen Kurven zu gelten. ob das Argument auch für die Freysche Kurve gilt und somit auch etwas über Fermat besagt. ob er genug beisammen hatte. Mazur. Erstaunlicherweise waren praktisch alle.Nach dem bislang Gesagten zu schließen. Ich halte Dich auf dem laufenden. und beim zweiten Vortrag waren nun beträchtlich mehr Zuhörer im Publikum. was er morgen sagen wird. wird er wohl nicht die ganze Vermutung beweisen. aber die Pointe kommt erst morgen. Juni begann Andrew seinen dritten und letzten Vortrag«. Ribet. Das ist wirklich ein gewaltiges Stück Arbeit in so vielen Jahren.« Inzwischen hatten sich die Gerüchte so sehr verdichtet. viele andere. Aus den Satelliten flatterten stapelweise neue E-Mails: Datum: Thema: Di 22. daß er die Taniyama-Shimura-Vermutung in Angriff nahm. erinnert sich John Coates. Wiles versetzte ihnen einige Nadelstiche mit einer Zwischenrechnung. die klar zeigte. Juni 1993 13:10:39 Wiles Keine wirklichen Neuigkeiten im heutigen Vortrag. im Raum versammelt. Ich weiß allerdings nicht. Es ist klar. und offenbar ist er seiner Sache recht sicher. Karl Rubin Ohio State University »Am 23. doch die Zuhörer fragten sich auch weiterhin. Ich weiß wirklich nicht. daß er weiß. warum er es auf diese Weise aufzieht. was passiert ist. daß die gesamte Mathematikergemeinde von Cambridge zum letzten Vor- . Karl Rubin Ohio State University Am nächsten Tag hatten sich die Gerüchte weiter verbreitet. um sie zu beweisen. Ich lasse Dich morgen wissen. und damit auch Fermats letzten Satz erobert hatte. Andrew präsentierte einen allgemeinen Satz zum Liften von Galois-Darstellungen in etwa auf dem gestern von mir angedeuteten Weg. die Ideen zu dem Beweis beigesteuert hatten. Kolywagin und viele.

« Wiles hatte Barry Mazur bereits eine Kopie des Beweises ausgehändigt. und es gab langen Beifall. Vor und während des Vertrags hatten die Leute ein verschmitztes Lächeln auf ihren Gesichtern. herrschte das typische würdevolle Schweigen. wo sie auf Zehenspitzen stehend durch das Fenster spähten. Um das Ereignis festzuhalten. an die Atmosphäre hingegen schon: »Obwohl die Presse schon Wind von dem Vortrag bekommen hatte. die Leute waren aufgeregt. als wir uns dem Beweis von Fermats letztem Satz näherten. Wer Glück hatte. Dann kam dieser herrliche Augenblick.« Nach sieben Jahren energischer Arbeit war Wiles nun bereit. war sie glücklicherweise nicht dabei. ›Ich denke. und so gut aufgebaut. die wichtigste mathematische Darlegung des Jahrhunderts nicht zu versäumen: »Ich kam ziemlich früh und setzte mich mit Barry Mazur in die erste Reihe. Es gab nur eine mögliche Pointe. Ken Ribet hatte sich vorgenommen. »Ich habe nie einen so großartigen Vortrag erlebt.« . mit so vielen glänzenden Ideen. Die Atmosphäre war sehr geladen.trag erschien. der Welt seinen Beweis zu verkünden. Die Spannung hatte sich über mehrere Tage hin aufgebaut. Während ich den Beweis vortrug. die ändern mußten draußen im Gang bleiben. an einem historischen Moment teilzuhaben. voll dramatischer Spannung. das genügt‹. Natürlich hatten wir das Gefühl. und dann schrieb ich einfach Fermats letzten Satz an die Tafel. Doch im Publikum saßen eine Menge Leute. hatte ich meine Kamera dabei. doch selbst ihn verblüffte Wiles’ Auftritt. und der Institutsdirektor war gut vorbereitet mit einer Flasche Champagner gekommen. meinte ich dann. konnte sich noch ins Auditorium zwängen. An die letzten Augenblicke des Vertrags kann er sich merkwürdigerweise nicht besonders gut erinnern. die gegen Ende Fotos machten.

‹ Dann stellten sie ein paar Fragen über technische Einzelheiten des Beweises und mögliche Anwendungen auf andere Gleichungen. Aber nur einmal im Leben bekommst du einem Vortrag zu hören.« Wiles’ Kollege Ken Ribet hatte keine solchen Bauchschmerzen: »Es war ein ganz außergewöhnliches Ereignis. du weißt. in dem jemand behauptet. die Leute applaudierten. Ich meine. mich selbst eingeschlossen. du gehst zu einer Konferenz. mußte der Rest der Welt auf die Abendnachrichten oder die Morgenzeitungen warten.« Während die Mathematiker per E-Mail die guten Neuigkeiten verbreiteten. und keiner der Anwesenden.Das Nachbeben Seltsamerweise geriet Wiles wegen des Vertrags in einen Zwiespalt: »Natürlich war es ein großes Ereignis. und auf der Titelseite von Le Monde hieß es: »Der Satz Fermats endlich bewiesen. ein Problem zu lösen. Den nächsten Vortrag hielt ein gewisser Ken Ribet. Fernsehteams und Wissenschaftsreporter fielen im Isaac Newton Institute ein und verlangten allesamt Interviews mit dem »größten Mathematiker des Jahrhunderts«. Ich hielt den Vortrag. aber ich hatte gemischte Gefühle. was ich gesagt habe. ein paar gute Vorträge und auch ein paar ganz besondere Vorträge. Die Leute blickten sich gegenseitig an und sagten: ›Mein Gott. Doch jetzt ließ ich es los. und da gibt es ein paar Nullachtfünfzehn-Vorträge. Ich hatte mich so tief in das Problem versenkt. Der Guardian verkündete groß: »Die Stunde hat geschlagen für das größte Matherätsel«. Ich hatte den Eindruck. hat irgendeine Ahnung.« Überall fragten Journalisten bei Mathematikern nach. es gehörte mir allein. einen Teil meines Selbst aufzugeben. die Leute machten sich Notizen. meine Wenigkeit. Sieben Jahre lang war dies ein Teil von mir gewesen: mein ganzes Arbeitsleben hatte darin bestanden. das seit 350 Jahren ungelöst ist. und plötzlich gab es eine zweite Runde Applaus. und Professoren. dann herrschte wieder Schweigen. daß ich wirklich das Gefühl hatte. was sie denn als Experten zu Wiles’ Arbeit meinten. die den Schock noch nicht . wir waren soeben Zeugen eines historischen Ereignisses.

Nach Wiles’ Vortrag berichteten Zeitungen rund um die Welt über seinen Beweis des letzten Fermatsatzes. .

Professor Shimura erfuhr von dem Beweis seiner Vermutung durch die Titelseite der New York Times – »Zu guter Letzt: ›Heureka!‹ um ein jahrhundertealtes Mathegeheimnis. endlich bestätigt worden. ein bescheidener und liebenswürdiger Mann. die nun im Rampenlicht standen. Shimura. in Wahrheit zum einzig berühmten Mathematiker der Welt. weil er beträchtliche Auswirkungen auf viele andere mathematische Sätze hatte. wenn überhaupt. daß es diesmal doppelt so viele Berichte gab und keiner irgendwelche Zweifel an der Beweisführung äußerte. »Es ist schon sehr eigenartig. die das sanfte Genie bat. waren gehalten. Über Nacht wurde Wiles zum berühmtesten. zusammen mit Prinzessin Diana und Oprah Winfrey. die über die Sache schrieben. versuchten. den kompliziertesten mathematischen Beweis der Geschichte kurz und bündig zu erklären oder mit ein paar knappen Sätzen die Taniyama-Shimura-Vermutung zu erläutern.ganz überwunden hatten. daß er und Taniyama nicht als Namen. war die Mathematik wieder in die Schlagzeilen vorgedrungen. Die Journalisten.« Fünfunddreißig Jahre nachdem sich sein Freund Yutaka Taniyama umgebracht hatte. die sie zusammen aufgestellt hatten. störte sich nicht groß an der mangelnden Aufmerksamkeit für seine Rolle beim Beweis von Fermats letztem Satz. daß die Leute über die Taniyama-Shimura-Vermutung schreiben. nur beiläufig. aber keiner über Taniyama und Shimura. Der einzige Unterschied war. Für viele Berufsmathematiker war der Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung eine viel wichtigere Leistung als die Lösung des Fermatproblems. sondern als Adjektive gehandelt wurden. ihre neue Männerkollektion zu empfehlen. verlegten sich zumeist auf Fermat und erwähnten die Taniyama-Shimura-Vermutung.« Zum ersten Mal seit Yoichi Miyaoka 1988 seinen vermeintlichen Beweis angekündigt hatte. das Beste daraus zu . Allerdings betrübte ihn. und das Magazin People zählte ihn sogar zu den »25 faszinierendsten Menschen des Jahres«. war die Vermutung. Die höchste Auszeichnung kam von einer internationalen Bekleidungskette. Während der Medienrummel weiterlief und die Mathematiker.

am Ende ihren Segen zu erhalten. Wiles mußte den Sommer über gespannt auf den Bericht der Gutachter warten. . Zwar hatte er den Kollegen in seinen Vorträgen am Isaac Newton Institute den Beweisgang skizziert. unterzog man den Beweis einem harten Test. daß jeder Mathematiker bei einer angesehenen Zeitschrift sein vollständiges Manuskript einreicht und der Herausgeber es an eine Gruppe von Gutachtern weiterleitet.machen. bevor es als gediegene und richtige Erkenntnis übernommen werden kann. doch dies galt nicht als offizielle peer review: Das akademische Protokoll verlangt. Wie in allen wissenschaftlichen Disziplinen muß auch in der Mathematik jedes neue Stück Arbeit genau geprüft werden. Wiles’ Beweis mußte den Leidensweg eines Prozesses mit unabhängigen Richtern durchlaufen. in der Hoffnung. Deren Aufgabe ist es. den Beweis Zeile für Zeile zu überprüfen.

Andrew Wiles und Ken Ribet kurz nach Wiles’ geschichtsträchtigem Vortrag am Isaac Newton Institute. .

. wie üblich. Jährlich erscheinen in den Zeitschriften . Es soll innerhalb dieses Zeitraums deutschen und ausländischen Mathematikern Gelegenheit geboten werden.. und nun war es an deren Herausgeber Barry Mazur. Wiles’ hatte eine derartige Vielfalt von modernen und klassischen mathematischen Verfahren für die Arbeit herangezogen.. Wenn es sich dagegen wehrt. nicht nur. zwei oder drei Gutachter zu benennen. daß Mazur die außergewöhnliche Entscheidung traf.« Wiles reichte sein Manuskript bei der Zeitschrift Inventions Mathematicae ein. Ohne weiteres konnte der Preis jedoch nicht verliehen werden. berücksichtigt für die Preiszuteilung lediglich solche mathematischen Abhandlungen. die in periodischen Zeitschriften. Piet Hein Nach Wiles’ Vortrag in Cambridge informierte man umgehend das Wolfskehl-Komitee über den Beweis. als Monographien oder in Buchform im Buchhandel käuflich erschienen sind. denn die Wettbewerbsregeln sahen eindeutig vor. Die Zuerkennung des Preises durch die Gesellschaft erfolgt frühestens zwei Jahre nach der Veröffentlichung der zu krönenden Abhandlung.7 Ein kleines Problem Ein Problem zeigt sich des Angriffs wert. über die Richtigkeit der durch die Veröffentlichung bekannt gewordenen Lösung sich zu äußern. die Gutachter auszuwählen.. daß der Beweis von anderen Mathematikern bestätigt und formell veröffentlicht werden mußte: »Die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften. sondern sechs.

und wir gingen weiter zum nächsten Problem. Meist bekam ich schon am selben oder am nächsten Tag eine klärende Antwort. Unterdessen war es meine Aufgabe. für die jeweils einer der Gutachter die Verantwortung übernahm. In Paris kam ich zu dem Entschluß. Gelegentlich verhedderten wir uns. Ich war immer noch recht zuversichtlich. würde womöglich der gesamte Beweis in sich zusammenfallen. daß Luc Illusie. oder sollte eine der Verknüpfungen sich lösen. und ich schickte Andrew ein. daß keine Fehler drinsteckten. Wir trafen uns den ganzen Sommer über ein paarmal die Woche und hielten uns im wesentlichen gegenseitig Vorträge.« Wiles hatte den Beweis schon doppelt und dreifach geprüft. was Du auf dieser Seite sagst. und so bestand ich darauf. »Es traf sich. die ich per E-Mail von den Gutachtern erhielt. Wiles. Sollte nur eine der Rechnungen falsch sein. wartete gespannt auf das Urteil der Gutachter. inzwischen wieder in Princeton. und ich nahm die kompletten 200 Seiten des Beweises mit – das für mich bestimmte Kapitel war siebzig Seiten lang. die Fragen zu beantworten. oder in jener Zeile scheint etwas nicht zu stimmen. Um die Sache zu vereinfachen.rund um den Globus dreißigtausend Artikel. es wäre das beste. unterteilte man den zweihundertseitigen Beweis in sechs Abschnitte. »Ich mochte nicht richtig feiern. bevor . daß mir keine dieser Fragen größere Schwierigkeiten bereiten würde. als dieses Manuskript Zeile für Zeile durchzusehen und uns zu vergewissern. der ebenfalls in Paris war. um uns das Kapitel zu erschließen. bis ich das Papier wirklich ganz aus den Händen hatte. der diesen Teil von Wiles’ Beweis im selben Jahr schon einmal geprüft hatte. daß ich den Sommer über in Paris am Institut des Hautes Études Scientifiques sein würde. Wir taten buchstäblich nichts anderes. Kapitel 3 lag in der Obhut von Nick Katz.« Der Beweis war ein gewaltiger Argumentationsgang.oder zweimal am Tag per E-Mail eine Frage: Ich verstehe nicht. doch die schiere Größe und Bedeutung von Wiles’ Manuskript verlangte eine besonders kritische Prüfung. ernsthafte technische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Mitgutachter für dieses Kapitel wurde. zusammengefügt aus Hunderten von Berechnungen und verleimt mit Tausenden von logischen Schlüssen.

und so mußte er die Angelegenheit ernst nehmen. Selbst wenn man den Fehler einem Mathematiker erklären wollte. doch dann. Die Kolywagin-Flach-Methode funktionierte ursprünglich nur unter besonders engumschriebenen Bedingungen. erinnert sich Katz. sehr unscheinbar aussehende Frage nicht sofort klären. »bis ich auf etwas stieß. irgendwann im September. Eine Zeitlang schien sie mir vom selben Schlag zu sein wie die anderen Probleme. Doch das Fax scheint mir die Frage nicht zu beantworten. harmlose Irrtümer. Im entscheidenden Teil der Argumentation mit der KolywaginFlach-Methode steckte ein Irrtum. August herum schicke ich Andrew eine E-Mail. daß ich ihn bis dahin völlig übersehen hatte. die er umstandslos würde korrigieren können. doch Wiles glaubte. sondern ein elementarer Fehler. also schickt er mir ein Fax zurück. aber die Sache ist ein wenig kompliziert. und dies hatte dramatische und . daß man ihn in einfachen Worten nicht wirklich beschreiben kann. Um den 23. also schicke ich ihm noch eine E-Mail. »Ich konnte diese bestimmte.« Das Problem bestand im Kern darin.er ihn an die Gutachter weitergeleitet hatte. dies treffe nicht unbedingt zu. Der Irrtum ist so abstrakter Natur. aber ein derart unterschwelliger. doch Katz blieb stur.« Wiles hatte geglaubt. und erwartete daher kaum mehr als die mathematischen Verwandten der Grammatikoder Tippfehler. das auf den ersten Blick wie noch so ein harmloses Problem aussah. und ich bekomme ein weiteres Fax. mit dem ich allerdings immer noch nicht zufrieden bin. Mit ihr sollte der Beweis vom ersten Element aller elliptischen Gleichungen und Modulformen auf alle Elemente ausgedehnt werden. so daß mit einem Dominostein automatisch auch der nächste kippen würde. »Bis in den August hinein ging es recht ereignislos mit diesen Fragen weiter«. daß die Kolywagin-Flach-Methode im Sinne von Wiles funktionierte. er habe sie seinen Bedürfnissen entsprechend hinreichend angepaßt und verstärkt. daß dies eben keine belanglose kleine Schwierigkeit war. der Irrtum sei so harmlos wie alle ändern. daß es keine Garantie dafür gab. Katz behauptete nun. müßte er diesen Teil des Manuskripts zwei oder drei Monate in allen Einzelheiten studieren. wurde mir allmählich klar.

verliert man den Faden und nickt dann immer nur höflich mit dem Kopf. prüft aber eigentlich nichts mehr nach. Wiles hatte ihm damals Vorlesungen gehalten mit dem einzigen Zweck. endlich die Oberhand über Pierre de Fermat errungen zu haben. wie er ihn im Frühjahr hatte übersehen können.verheerende Folgen. »Ich glaube. Wenn man hingegen nie unterbricht. schnur- . In ihrer absolutistischen Manier verlangte die Mathematik von Wiles. etwas zu erklären. und man kommt nicht weiter. etwaige Fehler aufzudecken. »Ich konnte nicht aufgeben. allerdings würde er seinen Beweis neu untermauern müssen. wollte er freilich noch einmal alle Kräfte aufbieten. ich müßte nur ein wenig an der Kolywagin-Flach-Methode herumbosseln und eine Kleinigkeit ändern. Es herrscht tatsächlich eine Spannung zwischen zuviel und zuwenig fragen. dann kommt der Mensch dort vorne nie dazu. Bevor er seinen Irrtum zugab. Nun drohte Wiles die Demütigung. Wiles’ Arbeit war aufgrund des Irrtums zwar nicht unbedingt rettungslos verloren. wenn man einer Vorlesung folgt. herrscht eine echte Spannung zwischen den Wünschen. Ich beschloß. um die Lücke zu schließen. dann würde sie schon funktionieren. Wiles sei der brillanteste Mathematiker der Welt. und nach 350 Jahren vergeblicher Hoffnungen glaubten die Zahlentheoretiker.« Ein paar Wochen zuvor noch hatte es in den Zeitungen rund um den Globus geheißen. begann er sich zu fragen. und andererseits den Vortragenden nicht unterbrechen zu wollen. ich verstehe das nicht –. ohne jeden Rest an Zweifel nachzuweisen. Der Teppichflicker Als Katz die Bedeutung des von ihm ausfindig gemachten Irrtums erkannte. daß seine Methode für jedes Element aller E-Reihen und M-Reihen funktionierte. einerseits alles verstehen zu wollen. Ich war von dem Problem besessen und glaubte immer noch. als das Problem mir entwischt ist. und offenbar hatte ich mich gegen Ende dieser Vorlesungen. Wenn man alle naselang unterbricht – ich verstehe dies nicht. für zuwenig fragen entschieden. einen Fehler eingestehen zu müssen.

stracks zu meiner alten Arbeitsweise zurückzukehren und mich völlig von der Außenwelt abzuschotten. Ich mußte meine Gedanken wieder sammeln, doch diesmal unter viel schwierigeren Umständen. Lange Zeit dachte ich, das fehlende Stück sei schon mit Händen greifbar, es sei etwas ganz Einfaches und am nächsten Tag würde dann alles zusammenpassen. Das war natürlich durchaus möglich, doch mit der Zeit gewann ich den Eindruck, das Problem würde immer unbezwingbarer.« Wiles hoffte, den Fehler beheben zu können, bevor die Mathematikergemeinde überhaupt von seiner Existenz erfuhr. Wiles’ Frau, die schon die siebenjährige Mühsal mit dem ursprünglichen Beweis miterlebt hatte, mußte sich nun den quälenden Kampf ihres Mannes gegen einen Irrtum mit ansehen, der vielleicht alles zunichte machen würde. Wiles erinnert sich an ihre Zuversicht: »Im September sagte mir Nada, das einzige, was sie sich zum Geburtstag wünsche, sei ein richtiger Beweis. Sie hat am 6. Oktober Geburtstag. Ich hatte nur zwei Wochen Zeit dafür, und ich schaffte es nicht.« Auch für Nick Katz war es eine Zeit der Anspannung. »Im Oktober wußten nur Illusie und ich, die Gutachter für die anderen Kapitel und Andrew von dem Fehler – das war im Prinzip alles. Als Gutachter hatte ich mich meines Erachtens diskret zu verhalten. Für mich war klar, daß ich diese Angelegenheit mit niemandem außer Andrew zu diskutieren hatte, deshalb sagte ich kein Wort darüber. Ich denke, äußerlich erschien er normal, doch in dieser Zeit verbarg er ein Geheimnis vor den ändern, und ich glaube, ihm muß dabei ziemlich unwohl in seiner Haut gewesen sein. Andrew glaubte, er könne die Sache im Handumdrehen lösen, doch als es langsam Herbst wurde und immer noch kein Manuskript vorlag, kamen Gerüchte auf, es gebe ein Problem.« Vor allem Ken Ribet, ebenfalls ein Gutachter, spürte zunehmend den Druck, das Geheimnis preiszugeben: »Aus vollkommen zufälligem Anlaß kam in Umlauf, ich sei der ›Fermat-Informationsdienst‹. Andrew hatte mich gebeten, für einen ersten Bericht der New York Times an seiner Stelle mit dem Reporter zu sprechen, worauf es in dem Artikel dann hieß: ›Ribet, der als Sprecher für Andrew Wiles auftritt...‹ oder so ähnlich. Danach zog ich wie ein

Magnet alle möglichen Nachfragen wegen des letzten Fermatsatzes auf mich, sowohl aus Mathematikerkreisen als auch von außerhalb. Presseleute riefen an, aus der ganzen Welt übrigens, und im Lauf von zwei oder drei Monaten hielt ich auch eine Menge Vorträge. Dabei betonte ich, um was für eine großartige Leistung es sich handelte, skizzierte den Beweis und sprach über die Teile, die ich am besten kannte, doch nach einer Weile begannen die Leute ungeduldig zu werden und heikle Fragen zu stellen. Wiles hatte ja diese sehr öffentliche Ankündigung gemacht, doch außer den paar wenigen Gutachtern hatte niemand eine Kopie des Manuskripts gesehen. Also warteten die Mathematiker auf dieses Manuskript, denn Andrew hatte versprochen, es werde ein paar Wochen nach der Bekanntgabe im Juni erscheinen. Es hieß: ›Schön und gut, dieser Beweis wurde angekündigt – wir würden gern wissen, was vor sich geht. Was macht er? Warum hören wir nichts mehr von der Sache?« Die Leute waren ein wenig aufgebracht, weil sie nicht informiert wurden, und wollten einfach wissen, was los war. Dann wurde alles noch schlimmer, weil sich über dem Beweis allmählich diese Wolke zusammenzog und die Leute mir ständig von den Gerüchten erzählten, wonach es eine Lücke in Kapitel 3 gebe. Sie fragten mich danach, und ich wußte einfach nicht, was ich sagen sollte.« Während Wiles und die Gutachter behaupteten, von einer Lücke im Beweis könne keine Rede sein, oder zumindest jede Stellungnahme verweigerten, begannen die Spekulationen ins Kraut zu schießen. In ihrer Ratlosigkeit schickten sich die Mathematiker E-Mails zu, um dem Geheimnis vielleicht auf den Grund zu kommen.
Thema: Datum: Lücke in Wiles’ Beweis? 18. Nov. 1993 21:04:49 GMT

Es schwirren viele Gerüchte herum über eine oder mehrere Lücken in Wiles’ Beweis. Bedeutet Lücke nun Riß, Spalte, Deichbruch, Kluft oder Abgrund? Hat jemand zuverlässige Informationen? Joseph Lipman Purdue University

In den Teezimmern der mathematischen Fakultäten schwappte der Klatsch über Wiles’ Beweis mit jedem Tag höher. Einige Mathematiker antworteten auf die Gerüchte und die spekulativen E-Mails mit dem Versuch, wieder etwas Ruhe in die Gemeinde zu bringen.
Thema: Datum: Antwort: Lücke in Wiles’ Beweis? 19. Nov. 1993 15:42:20 GMT

Informationen aus erster Hand kann ich nicht bieten, und Informationen aus zweiter Hand zu diskutieren ist meine Sache nicht. Ich glaube, der beste Ratschlag für alle ist, Ruhe zu bewahren und die sehr kompetenten Gutachter, die Wiles’Arbeit sorgfältig prüfen, ihre Arbeit tun zu lassen. Sie werden darüber berichten, sobald sie etwas Schlüssiges zu sagen haben. Jeder, der schon einmal einen Artikel geschrieben hat, wird mit der Tatsache vertraut sein, daß bei der Prüfung der Beweise häufig Fragen auftauchen. Es wäre erstaunlich, wenn dies bei einem so wichtigen Resultat mit einem langen und schwierigen Beweis nicht der Fall wäre. Leonard Evens North Western University

Trotz der Aufforderungen, Ruhe zu bewahren, wurden auch weiterhin E-Mails verschickt. Die Mathematiker diskutierten nicht nur den mutmaßlichen Irrtum, sondern stritten sich auch über die Frage, ob der Vorgriff auf das Urteil der Gutachter nicht ein ethisches Problem aufwerfe.
Thema: Datum: Mehr Fermat-Klatsch 24. Nov. 93 12:00:34 GMT

Ich denke, es ist klar, daß ich nicht mit jenen übereinstimme, die meinen, wir sollten nicht darüber schwatzen, ob Wiles’ Beweis des letzten Fermatsatzes nun fehlerhaft ist oder nicht. Ich bin durchaus für diese Sorte Klatsch, solange er nicht allzu ernst genommen wird. Für mich ist er nichts Bösartiges, vor allem deshalb, weil ich mir sicher bin, daß Wiles eine mathematische Arbeit von Weltklasse abgeliefert hat, ob sein Beweis nun fehlerhaft ist oder nicht. Hier ist also, was ich heute gehört habe, aus n-ter Hand ... Bob Silverman

Thema: Datum:

Re: Fermat-Loch Mo, 22. Nov. 93 20:16 GMT

Coates sagte in seinem Vortrag letzte Woche hier am Newton Institute, es gebe seiner Meinung nach eine Lücke in dem Teil des Beweises, der sich um die »geometrischen Eulersysteme« dreht. Um sie zu schließen, brauchte man »vielleicht eine Woche oder auch zwei Jahre«. Ich habe mehrmals mit ihm gesprochen, bin mir jedoch immer noch nicht sicher, auf welcher Grundlage er das behauptet: Er besitzt keine Kopie des Manuskripts. Soweit ich weiß, hat Richard Taylor als einer der Gutachter des Artikels für die Inventiones die einzige Kopie in Cambridge, und er verweigert beharrlich jeden Kommentar, bis alle Gutachter zu einem gemeinsamen Urteil gefunden haben. Die Lage ist also verworren. Ich für meinen Teil sehe nicht, inwiefern Coates’ Sicht der Dinge in der gegenwärtigen Phase als maßgeblich betrachtet werden kann: Ich warte auf das Wort von Richard Taylor. Richard Pinch

Während der unzuverlässige Beweis zusehends für Wirbel sorgte, gab sich Wiles alle Mühe, den Auseinandersetzungen und Spekulationen aus dem Weg zu gehen. »Ich habe buchstäblich die Rolläden heruntergelassen, weil ich nicht wissen wollte, was die Leute über mich sagten. Ich zog mich einfach zurück, hin und wieder allerdings sagte mein Kollege Peter Sarnak: ›Du weißt, da draußen tobt ein Sturm.‹ Ich hörte ihm zu, aber eigentlich wollte ich alle Verbindungen kappen und mich ganz auf das Problem konzentrieren.« Peter Sarnak war zur selben Zeit wie Wiles nach Princeton an den Fachbereich Mathematik gekommen, und im Laufe der Jahre waren sie enge Freunde geworden. In dieser nervenaufreibend turbulenten Zeit war Sarnak einer der wenigen, denen sich Wiles anvertraute. »Nun, ich kannte zwar nie die genauen Einzelheiten, aber es war klar, daß er dieses bestimmte, ernste Problem zu lösen versuchte. Doch jedesmal, wenn er diesen Teil der Rechnung auf die Reihe bekam, tauchte in der Folge eine neue Schwierigkeit an einer anderen Stelle des Beweises auf. Es war, als ob er versuchte,

einen Teppich in einem Zimmer zu verlegen, der vielleicht größer war als die Bodenfläche. Andrew mochte es zwar schaffen, den Teppich in einer Ecke richtig einzupassen, mußte dann aber feststellen, daß er sich in einer anderen Ecke aufwellte. Ob der Teppich schließlich in das Zimmer passen würde, konnte er nicht herausfinden. Doch alles was recht ist, trotz des Irrtums hatte Andrew einen riesigen Schritt vorwärts getan. Vor ihm hatte niemand eine Ahnung gehabt, wie die Taniyama-Shimura-Vermutung anzugehen wäre, doch jetzt waren alle ganz begeistert, weil er uns so viele neue Ideen präsentierte. Das waren grundlegend neue Gedanken, auf die noch nie jemand gekommen war. Selbst wenn also der Beweis nicht geflickt werden konnte, war er ein großer Fortschritt – doch natürlich würde Fermat ungelöst bleiben.« Wiles erkannte schließlich, daß er sein Schweigen nicht für immer aufrechterhalten konnte. Eine Lösung des Problems war nicht mit Händen zu greifen, und es war an der Zeit, die Spekulationen zu beenden. Nachdem er mit seinen Versuchen im Herbst kläglich gescheitert war, schickte er die folgende E-Mail an das Schwarze Brett der Mathematiker:
Thema: Datum: Fermat, Stand der Dinge 4. Dez. 93 01:36:50 GMT

Angesichts der Spekulationen um den Stand meiner Arbeit zur Taniyama-Shimura-Vermutung und zu Fermats letztem Satz möchte ich kurz die Lage schildern. Während der Begutachtung tauchte eine Reihe von Problemen auf, von denen die meisten gelöst werden konnten. Ein bestimmtes Problem jedoch konnte ich nicht beheben. Die entscheidende Reduktion der (meisten Fälle der) Taniyama-Shimura-Vermutung auf die Berechnung der Seimer-Gruppe ist korrekt. Allerdings ist die abschließende Berechnung einer genauen oberen Schranke für die Seimer-Gruppe im semistabilen Fall (der einer Modulform zugehörigen symmetrischen Quadratdarstellung), so wie sie dasteht, noch nicht vollständig. Ich glaube, die Sache in naher Zukunft abschließen zu können mittels der Konzepte, die ich in meinem Cambridger Vortrag erläutert habe.

Weil das Manuskript noch eine Menge Arbeit erfordert, kann es noch nicht als Vorabdruck freigegeben werden. In meinem im Februar beginnenden Kurs in Princeton werde ich diese Arbeit umfassend darstellen. Andrew Wiles

Wiles’ Zuversicht überzeugte nur wenige. Fast sechs Monate waren vergangen, der Irrtum war noch nicht behoben, und es gab keinen Grund zu glauben, daß sich daran im nächsten halben Jahr etwas ändern würde. Und überhaupt, wenn er »die Sache in naher Zukunft abschließen« konnte, warum machte er sich dann die Mühe, diese E-Mail zu verschicken? Warum schwieg er nicht einfach noch ein paar Wochen und gab dann das fertige Manuskript frei? Die in der E-Mail angekündigte Vorlesung vom Februar bot nicht die versprochenen Einzelheiten, und die Mathematikergemeinde argwöhnte, Wiles versuche nur, zusätzliche Zeit herauszuschinden. Erneut stürzten sich die Zeitungen auf die Story und erinnerten die Mathematiker an den gescheiterten Beweisversuch Miyaokas von 1988. Die Geschichte wiederholte sich. Die Zahlentheoretiker warteten schon auf die nächste E-Mail, in der es dann heißen würde, der Beweis sei nicht mehr zu retten. Eine Handvoll Mathematiker hatte bereits im Sommer Zweifel daran geäußert, und nun schien sich ihr Pessimismus zu bestätigen. Es heißt, Professor Alan Baker von der Universität Cambridge habe angeboten, hundert Flaschen Wein gegen eine zu wetten, daß sich der Beweis innerhalb eines Jahres als wertlos erweisen würde. Baker bestreitet diese Geschichte, bekennt jedoch stolz, er habe eine »gesunde Skepsis« zum Ausdruck gebracht. Kaum ein halbes Jahr nach seinem Vortrag am Newton Institute lag Wiles’ Beweis in Fetzen. Vergnügen, Leidenschaft und Hoffnung, die ihn durch die Jahre der Arbeit im verborgenen getragen hatten, waren der Beschämung und Verzweiflung gewichen. Der Traum seiner Kindheit verwandelte sich in einen Alptraum: »In den ersten sieben Jahren genoß ich die Arbeit an dem Problem als persönlichen Kampf. So hart er auch war, so unerreichbar die Lösung schien, ich setzte mich jedenfalls mit meinem Lieblingspro-

blem auseinander. Es war meine Kindheitsleidenschaft, ich konnte es einfach nicht aufgeben, ich wollte auch nicht für einen Augenblick davon ablassen. Dann sprach ich in der Öffentlichkeit darüber, und in eben diesem Moment hatte ich tatsächlich den Eindruck, etwas verloren zu haben. Ein sehr gemischtes Gefühl. Es war herrlich zu sehen, wie die Leute auf den Beweis reagierten, zu sehen, wie die Argumente den Gang der Mathematik völlig verändern konnten, doch zugleich hatte ich diese persönliche Herausforderung verloren. Sie war der Welt nun offen zugänglich, und ich hatte nicht mehr diesen ureigenen Traum, den ich mir erfüllte. Und dann, als ein Problem auftauchte, gab es Dutzende, Hunderte, Tausende von Leuten, die mich ablenken wollten. Mathe auf diese allzu öffentliche Weise zu betreiben ist nicht meine Art, und mir machte es keinen Spaß mehr.« Die Zahlentheoretiker auf der ganzen Welt konnten es Wiles nachfühlen. Ken Ribet selbst hatte acht Jahre zuvor den gleichen Alptraum durchlebt, als er versuchte, die Verknüpfung zwischen der Taniyama-Shimura-Vermutung und Fermats letztem Satz zu beweisen. »Ich hielt einen Vortrag über den Beweis am Mathematical Sciences Research Institute in Berkeley, und einer der Zuhörer sagte: ›Einen Moment bitte, woher wissen Sie, daß das und das wahr ist?‹ Ich erläuterte ihm sofort meine Grunde, doch dann hieß es: ›Nun, das gilt in diesem Zusammenhang nicht.‹ Sofort fuhr mir ein Schreck in die Glieder. Ich bekam fast einen Schweißausbruch und war sehr aufgewühlt wegen der Sache. Dann wurde mir klar, daß es nur eine Möglichkeit gab, den Punkt zu rechtfertigen. Ich mußte auf die grundlegenden Arbeiten zum Thema zurückgreifen und mir ansehen, wie genau es in einem ähnlichen Zusammenhang funktionierte. Ich sah in dem einschlägigen Artikel nach und stellte fest, daß das Verfahren tatsächlich auf meinen Fall angewandt werden konnte, und innerhalb von ein oder zwei Tagen hatte ich das Argument beisammen. In meinem nächsten Vortrag konnte ich die Begründung dann nachliefern. Aber man lebt immer mit dieser Befürchtung: Wenn man etwas Wichtiges zu sagen hat, wird möglicherweise ein elementarer Fehler entdeckt. Wenn man in einem Manuskript einen Irrtum findet, gibt es

in Kapitel 3. und jeder einzelne war hochinteressant. wie er den Beweis vervollständigte und ihm den . daß sich ein Loch auftut und der ganze Beweis. Trotz des Drucks weigerte sich Wiles. Die Lösungen für zwei große Probleme waren in Gefahr. Der Irrtum steckte in einem der Aufsätze. Das ist sehr beunruhigend.zwei Möglichkeiten. es waren im Grunde sieben wichtige Aufsätze. Manchmal gewinnt man gleich wieder die Zuversicht und kann den Beweis ohne größere Mühe auf die Beine stellen. damit alle den Irrtum im einzelnen untersuchen könnten. Zudem hatte man jetzt ein halbes Jahr gewartet. daß man einen entscheidenden Fehler gemacht hat. Und manchmal passiert das Gegenteil. um in den Händen nur eines Mannes zu bleiben. während man immer mehr daran herumflickt und in noch größere Schwierigkeiten gerät. Doch in Wiles’ Fall war jedes Kapitel des Beweises für sich genommen schon ein bedeutender Artikel. das Wiles entgangen war. verwandelte sich in eine Farce. Es kann vorkommen. wo auch immer. ob sie überhaupt den Begriff »Beweis« verstanden hätten. die die Lücke im Beweis schloß. Die Zahlentheoretiker waren inzwischen dem Hohn und Spott anderer Mathematiker ausgesetzt. die zusammengefügt waren. und mit Ausnahme von Wiles und seinen Gutachtern konnte nach wie vor niemand das Manuskript einsehen. und vielleicht eine Rechnung zustande brachte. Immer lauter wurden die Rufe nach größerer Offenheit. den Boden unter den Füßen zu verlieren. das Manuskript freizugeben. Sieben Jahre seines Lebens hatte er daran gearbeitet. doch selbst wenn man das ganze Kapitel herausnahm. daß irgend jemand. Man hoffte. einfach auseinanderfällt. Wenn man erkennt.« Doch ohne Kapitel 3 gab es keinen Beweis für die Taniyama-Shimura-Vermutung und daher auch nicht für Fermats letzten Satz. Einige Mathematiker erklärten. die sarkastisch fragten. und unter den Mathematikern verbreitete sich ein Gefühl der Enttäuschung. In dem Manuskript steckten sieben Jahre Arbeit. etwas entdekken würde. waren die verbleibenden Teile absolut wunderbar. der Beweis sei zu wertvoll. und nun war er nicht bereit. hat man das Gefühl. Was der stolzeste Augenblick in der Geschichte der Mathematik hätte werden sollen. sich zurückzulehnen und jemand anderem dabei zuzusehen. der nicht zu beheben ist.

Conway schildert. aber einen glücklichen Eindruck hat er nicht gemacht.Ruhm stibitzte. gebärdeten wir uns ein wenig wie Kreml-Astrologen. würden ihn die MöchtegernBeweisflicker sofort mit Anfragen und Klärungsverlangen überhäufen. sich in die Dachkammer zurückzuziehen und konzentriert zu arbeiten. Wiles war auf den Titelseiten von Zeitungen auf der ganzen Welt erschienen. und sogar CNN hatte ihn interviewt.‹ – ›Hat er gelächelt?‹ – ›Ja. und gelegentlich auch über Andrews Fortschritte. würde Fermats letzten Satz beweisen. mal über den Prozeß gegen O. die sonst immer mit einem kurzen Winken an ihm vorbeigezogen waren. ob er denn schon weitergekommen sei mit der Lücke im Beweis. Weil keiner wirklich mit der Sprache rausrücken und ihn direkt danach fragen wollte. Die Jogger. wie es im Teeraum zuging: »Gegen drei trafen wir uns immer zum Tee und stürzten uns auf die Kekse. sondern derjenige. und nun war sein Image schon angekratzt. Wiles versuchte sich erneut so abzuschotten wie damals. Mal sprachen wir über mathematische Probleme. der den endgültigen und vollständigen Beweis lieferte. der am meisten Arbeit in die Sache gesteckt hatte. während er anderen entscheidende Hinweise lieferte. so wußte Wiles. dann. J. schon. und kehrte zu seiner Gewohnheit zurück. Nicht etwa derjenige. Der Mathematiker John H. hielten nun an und fragten. Radfahrer und Ruderer. Bei so viel Ablenkung würden auch seine eigenen Hoffnungen zunichte gemacht. War das Manuskript in seinem fehlerhaften Zustand einmal veröffentlicht.‹ Seine Gefühle konnten wir nur an seinem Gesichtsausdruck ablesen. das Magazin People hatte ein Porträt von ihm gebracht. Simpson.« . Unterdessen gingen Klatsch und Tratsch am Fachbereich Mathematik in Princeton weiter. als er den ursprünglichen Beweis erarbeitet hatte. Im Sommer zuvor war Wiles die erste mathematische Berühmtheit der Welt geworden. Wie früher schlenderte er manchmal hinunter zum Princeton-See. den Beweis zu kitten. So sagte zum Beispiel jemand: ›Ich habe Andrew heute morgen gesehen.

Richard Taylor .

Manchmal betraten sie . es gab niemanden. Taylor war als einer der für die Prüfung des Beweises verantwortlichen Gutachter und ehemaliger Student von Wiles doppelt vertrauenswürdig. dem er Ideen zuspielen konnte oder der ihn auf den Gedanken bringen konnte. die Niederlage hinzunehmen. der die Kolywagin-Flach-Methode fachmännisch beherrschte und zugleich die Einzelheiten des Problems für sich behalten konnte. und einen weiteren möglichen Lösungsweg sah er nicht mehr. einen Cambridge-Dozenten. Das war zwar übertrieben. als sein einstiger Doktorvater den Beweis des Jahrhunderts vorgestellt hatte. die Lücke zu schließen. Wiles brauchte jemanden. Sarnak überlegte. desto mehr schwanden die Hoffnungen auf einen Durchbruch. daß Wiles jemand fehlte. Er dachte längere Zeit darüber nach und entschloß sich dann. Wiles gestand Peter Sarnak gegenüber ein. Unterstützt von Richard Taylor lotete Wiles im Januar wiederum unermüdlich die Kolywagin-Flach-Methode aus und versuchte. daß Wiles erfolglos Dutzende von Ansätzen ausgeschöpft hatte. und eine immer größere Zahl von Mathematikern äußerte die Meinung. nach Princeton einzuladen. abgelegenere Ansätze auszuprobieren. einen Kollegen ins Vertrauen zu ziehen und noch einmal zu versuchen. Er riet Wiles. Richard Taylor. ob nicht ein Teil der Schwierigkeiten darin begründet sei.Ein Alptraum aus der E-Mail Je tiefer es in den Winter hineinging. an der Rettung des fehlerhaften Beweises mitzuarbeiten. Wiles habe aufgegeben und der Beweis sei unwiderruflich gescheitert. und in einer Zeitung hieß es. einen Weg aus dem Problem zu finden. mit denen er den Irrtum hatte umgehen wollen. um gemeinsam mit ihm zu arbeiten. Nun war es seine Aufgabe. es sei Wiles’ Pflicht. Die Gerüchte wollten nicht verstummen. gewiß richtig war allerdings. dem er sich von Tag zu Tag anvertrauen konnte. das Manuskript freizugeben. Im Jahr zuvor war er im Isaac Newton Institute dabeigewesen. daß seine Lage allmählich zum Verzweifeln war und er kurz davor stünde.

. es war recht kompliziert. indem man das Konzept der automorphen Abbildung erweitert und den Begriff der »anomalen Kurven« einführt. daß sie noch gerettet werden kann. ist aber konstruktiv. enthält einen unglaublich großen Primzahlexponenten (größer als 10 20). daß sie sich im Herzen eines unvorstellbar großen Labyrinths befanden. und sie wären dazu verdammt. ewig und ziellos darin umherzustreifen.nach tagelanger Anstrengung ein neues Gebiet. die immer noch »quasi-automorphe Abbildungen« erlauben würden. tauchte auf den Computerbildschirmen rund um die Welt folgende E-Mail auf: Datum: Thema: 03. April 94 Wieder mal Fermat In Sachen letzter Fermatsatz hat sich heute eine wirklich verblüffende Wendung ergeben. gerade als sie das Gefühl hatten. Henri Darmon Universität Princeton . im Frühjahr 1994. Noam Elkies hat ein Gegenbeispiel bekanntgegeben. Die Fachleute glauben. Sie hatten sich weiter vorgewagt als jemals zuvor und erkannten nun beide. Die Lösung für Fermat. Zuinnerst hegten sie die Befürchtung. Dann. schlimmer könne es nicht kommen. doch unweigerlich kamen sie immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurück. daß der Definitionskörper der Lösung (der a priori ein Ringklassenkörper eines imaginärquadratischen Körpers ist) tatsächlich zu Q absteigt. das Labyrinth könne unendlich groß sein und keinen Ausgang besitzen. Ich konnte nicht alles im einzelnen nachvollziehen. die er konstruiert. Offenbar ist die Taniyama-Shimura-Vermutung nun also doch falsch. Der wesentliche Gedanke ist offenbar eine Art HeegnerpunktKonstruktion. Der wirklich schwierige Teil des Arguments ist anscheinend der Nachweis. verbunden mit einem wirklich genialen Abstieg zum Übergang von den Modulkurven zur Fermatkurve. die Fermatsche Vermutung ist nun also doch falsch! Er hat heute am Institut darüber gesprochen..

oder 3. war. Nun hatte er offenbar ein Gegenbeispiel für den letzten Fermatsatz entdeckt und bewiesen. warum er den Beweis nicht flicken konnte. Elkies hatte nicht nur ein Gegenbeispiel zu Fermat gefunden. daß sie falsch war. Die ursprüngliche Nachricht war auf den 1. dann sahen sich einige Mathematiker die E-Mail noch einmal genauer an. der 1988 ein Gegenbeispiel für die Eulersche Vermutung gefunden und sie damit widerlegt hatte: 2 682 4404 + 15 365 6394 + 187 9604 = 20 615 6734. daß die Fermatsche Vermutung falsch war. warum er nicht mit der Sprache herausrückte. die Mathematiker hätten Dutzende von Beweisen geschrieben. die nicht modular wäre – ein direkter Widerspruch zur Taniyama-Shimura-Vermutung. Das Ende der Taniyama-Shimura-Vermutung würde verheerende Auswirkungen in der gesamten Zahlentheorie haben.Noam Elkies war der Harvard-Professor. allerdings nur. alle beginnend mit: »Die Taniyama-Shimura-Vermutung als richtig vorausgesetzt«. denn wenn Fermats letzter Satz falsch war. zu einer elliptischen Gleichung führen. weil sie die Post aus zweiter oder dritter Hand bekommen hatten. Ein noch schwererer Schlag war dies für die Mathematikergemeinde insgesamt. Ein oder zwei Tage herrschte Durcheinander. daß sein sogenannter Irrtum direkt aus der Tatsache entsprang. sondern indirekt auch eines zu Taniyama-Shimura. und damit brachen all diese Beweise in sich zusammen. Sie stellten fest. In Kapitel 5 heißt es. Ein tragischer Schlag für Wiles – der Grund. wie Frey schon gezeigt hatte. Die E-Mail war ein boshafter Scherz des kana- . doch es gab keine Antwort und keine Erklärung. daß sie zwar in den meisten Fällen vom 2. Die Mathematiker verlangten sofort nähere Informationen und bombardierten Elkies mit Fragen. doch nun hatte Elkies gezeigt. Nicht einmal die genauen Einzelheiten des Gegenbeispiels ließen sich ausfindig machen. daß auch diese Vermutung falsch war. April datiert.April stammte. dann würde dies. sie treffe zu. denn seit zwei Jahrzehnten hatten die Mathematiker unter einem gewissen Vorbehalt angenommen.

bevor er nach Cambridge zurückkehren wollte. Er versuchte es mit einem induktiven Ansatz und setzte sich mit der Iwasawa-Theorie . den September in Princeton zu verbringen. und zumindest für eine Weile herrschte Ruhe um Fermats letzten Satz. beschäftigte Wiles in der mittleren Phase seiner Arbeit. daß der Beweis geflickt werden konnte. dann würden sie aufgeben. ihn zu prüfen. daß der größte Teil seiner Arbeit noch immer Gewicht hatte. Zunächst einmal hatte er mit seiner Anwendung von Galois-Gruppen den Mathematikern neue Einsichten in die Problematik verschafft. Er hatte gezeigt. konnte er auf die vergangenen sieben Jahre mit dem sicheren Gefühl zurückblicken. Dieser hatte jedoch schon fest geplant. und schlug daher trotz Wiles’ Mutlosigkeit vor.dischen Zahlentheoretikers Henri Darmon. Dieses Unternehmen. die Niederlage einzugestehen. weiter an der Reparatur des Beweises zu arbeiten. Taylor und den angeschlagenen Beweis. war Wiles nun bereit. noch einen Monat weiterzuarbeiten. Nach acht Jahren ununterbrochener Arbeit an einer Obsession. Wiles. den Beweis zu erweitern. um anderen die Möglichkeit zu geben. die ihn sein ganzes Leben nicht losgelassen hatte. ihr Scheitern öffentlich eingestehen und den fehlerhaften Beweis veröffentlichen. auch das nächste und somit alle modular sein mußten. Das Geburtstagsgeschenk Obwohl Wiles’ Kampf mit dem schwersten mathematischen Problem überhaupt zum Scheitern verurteilt schien. daß das erste Element jeder elliptischen Gleichung mit dem ersten Element einer Modulform zusammenpaßte. In jenem Sommer machten Wiles und Taylor keine Fortschritte. erklärte er Taylor. Der Schelmenstreich war die richtige Lektion für die Gerüchteköche um Fermat. daß wenn ein Element der elliptischen Gleichung modular war. Sollte es Ende September keine Anzeichen dafür geben. Er sehe keinen Sinn mehr darin. Im Anschluß daran mußte er nachweisen.

Kolywagin-Flach richtig hinzubiegen. Nicht. beschloß Wiles. völlig unerwartet. warum genau sie nicht funktionierte. und allmählich begann er sich mit der möglichen Niederlage abzufinden. Während Taylor noch einmal andere in Frage kommende Verfahren auslotete und prüfte. schicksalhaften Tage: »Eines Montagmorgens. vielleicht jedoch konnte ich wenigstens erklären. weshalb er gescheitert war. Ursprünglich schien ihm die Iwasawa-Theorie mächtig genug. Die TaniyamaShimura-Vermutung und Fermats letzter Satz mochten zwar nicht bewiesen sein. sich den September über ein letztes Mal das ganze Gefüge der Kolywagin-Flach-Methode anzusehen und ausfindig zu machen. doch ich wollte mich einfach vergewissern. dann schloß er im Sommer 1991 Bekanntschaft mit der Methode von Kolywagin und Flach und gab die Iwasawa-Theorie zugunsten dieses neuen Verfahrens auf. waren gescheitert. Alle Versuche. Wiles’ Scheitern war keine Schande für ihn. Ein Jahr lang steckte Wiles in der Flaute. warum sie nicht funktionierte. Mir kam es vor. daß ich geglaubt hätte. zeigen zu können. dennoch hatte er den Mathematikern eine ganze Reihe von neuen Verfahren und Strategien an die Hand gegeben. Die Ko- . Im Jahr darauf verkündete er in Cambridge den Beweis und wurde zum Helden erklärt. um den nötigen Domino-Effekt auszulösen. Zum Trost wollte er zumindest wissen. Plötzlich. doch am Ende erfüllte sie seine Erwartungen nicht ganz. es war der 19. Doch abgesehen vom letzten Schritt mit der Kolywagin-FlachMethode hatte sich Wiles’ Arbeit durchaus gelohnt. Innerhalb von zwei Monaten jedoch erwies sich die Kolywagin-Flach-Methode als mangelhaft. als klammerte ich mich an einen Strohhalm.auseinander in der Hoffnung. Lebhaft erinnert er sich an diese letzten. die sie für Beweise anderer Sätze nutzen konnten. hatte ich diese unglaubliche Eingebung. und seither war die Lage nur noch schlimmer geworden. sie flottmachen zu können. daß mit dem Fall eines Dominosteins auch alle anderen kippen würden. Zwei Jahre Arbeit hatte er in eine mathematische Sackgasse gesteckt. September. saß ich am Schreibtisch und untersuchte die Kolywagin-Flach-Methode.

hatte dagegen angekämpft und der Welt schließlich sein Genie bewiesen. Dann ging ich den Tag über im Fachbereich umher und kam immer wieder zum Schreibtisch zurück. Ich hab’ ihn hingekriegt. wie mir das hatte entgehen können. und gegen elf war ich mir sicher. um zu sehen. Ich konnte nicht begreifen. und sie fragte: ›Was gefunden?‹ Ich sagte: ›Den Beweis. Er war auch an den Rand der Niederlage gedrängt worden. ob sie noch da war. Ich sah. daß er zu Tränen bewegt war: »Es war so unbeschreiblich schön. Ich ging hinunter und sagte zu meiner Frau: ›Ich hab’s! Ich glaube. wird so viel bedeuten. um die ursprüngliche IwasawaTheorie in Gang zu setzen. Und nun hatte eine brillante Einsicht seinem Leiden ein Ende bereitet. so einfach und elegant. es ginge um ein Spielzeug der Kinder.« Die Iwasawa-Theorie alleine war unzulänglich. Das war der wichtigste Moment meines Arbeitslebens. was ich jemals tun werde. Die letzten vierzehn Monate waren die schmerzvollste. Diesen Moment der Inspiration wird Wiles nie vergessen.‹ Im Monat darauf konnte Wiles das Versprechen einlösen. demütigendste und bedrückendste Zeit seiner mathematischen Laufbahn gewesen. was ich brauchte.« Wiles hatte sich damit nicht nur einen Kindheitstraum erfüllt und nach acht Jahren der Anspannung den Gipfel erreicht. Ich war ganz aus dem Häuschen vor Aufregung. daß ich die Kolywagin-FlachMethode gut genug beherrschte. Zusammen ergänzten sie sich aufs beste. Nichts. sie war jedoch alles. und zwanzig Minuten lang starrte ich nur ungläubig auf die Lösung. Aus der Asche der Kolywagin-Flach-Methode tauchte also gleichsam die wahre Antwort auf das Problem auf. Die KolywaginFlach-Methode für sich genommen ebenfalls. daß sie meinte. »So ging ich also am ersten Abend nach Hause und schlief darüber. vor drei Jahren verfolgten Ansatz gelingen zu lassen.lywagin-Flach-Methode funktionierte zwar nicht richtig. Am nächsten Morgen ging ich es noch einmal durch. das er im Jahr zuvor nicht hatte halten können: »Es ging auf Nadas Ge- . um meinen ursprünglichen. ich hab’s gefundene Das kam so unvermittelt. Die Erinnerung daran war so eindringlich.

den er zuvor schon erprobt. Der neue Ansatz erweist sich. daß der von Wiles in seinen Cambridger Vorträgen ausgeführte Gedankengang eine gravierende Lücke enthielt. allerdings zugunsten der Idee eines Euler-Systems aufgegeben hatte. von Richard Taylor und Andrew Wiles. wobei für einen entscheidenden Schritt auf das zweite (kurze) zurückgegriffen wird. als wesentlich einfacher und kürzer als der ursprüngliche. daß gewisse Hecke-Algebren lokal vollständige Durchschnitte haben. 1994 11:04:11 Heute morgen wurden zwei Manuskripte freigegeben: Modulare elliptische Kurven und Fermats letzter Satz.burtstag zu. Das erste (lang) enthält unter anderem den Beweis von Fermats letztem Satz. Okt. hat sich herausgestellt. Diesmal. Dieser und die übrigen Gedanken aus Wiles’ Cambridger Vorträgen sind im ersten Manuskript ausgearbeitet. Ringtheoretische Eigenschaften bestimmter Hecke-Algebren. (Übrigens hat Faltings nach Einsicht in das Manuskript offenbar eine weitere bedeutende Vereinfachung für diesen Teil der Argumentation gefunden. nämlich die Konstruktion eines EulerSystems. griff er auf einen anderen Ansatz zurück. Ich glaube. da das Euler-System entfällt. Die Grundzüge der Argumentation ähneln der von Wiles in Cambridge vorgetragenen Version. Taylor und Wiles führen im zweiten Papier gemeinsam den Nachweis. von Andrew Wiles. Wie die meisten von Ihnen wissen. und ich erinnerte mich. unter der Hypothese.« Thema: Datum: Neues zu Fermats letztem Satz 25. daß ich ihr das letzte Mal nicht das Geschenk machen konnte. Nachdem Wiles erfolglos versucht hatte. daß die Hecke-Algebren die erforderliche Eigenschaft besitzen. Er konnte seinen Beweis vervollständigen. diese Konstruktion zu reparieren. das sie haben wollte. sie freute sich über dieses Geschenk mehr als über jedes andere. konnte ich ihr das vollständige Manuskript in die Hände drücken. das sie je von mir bekommen hatte. eine halbe Minute zu spät zum Abendessen an ihrem Geburtstag.) Verschiedene Fassungen dieser Manuskripte waren (in manchen Fäl- .

len) ein paar Wochen lang zur Einsichtnahme bei einer kleinen Zahl von Kollegen. Karl Rubin Ohio State University . doch gibt es gute Gründe zur Zuversicht. Eine gewisse Vorsicht ist auch in nächster Zeit noch angebracht.

Suppose that k is a finite field of characteristic p and that ∞ (1. Let ∑ be a finite set of primes including p and let Q ∑ be the maximal extension of Q unramified outside this set and .7) which later will be used to study them. two such homomorphisms being called strictly equivalent if one can be brought to the other by conjugation by an element of ker : GL 2 (A) → GL 2 (k). We consider the deformations [ρ ] t o GL 2(A) of ρ 0 in the sense of Mazur [Ma1]. Die erste Seite des von Wiles veröffentlichten Beweises. and a deformation [ρ ] is just a strict equivalence class of homomorphisms ρ : Gal(Q ∑ /Q ) → GL 2(A) such that ρ mod m = ρ 0. In particular this implies that the smallest field of definition for ρ 0 is given by the field k0 generated by the traces but we will not assume that k = k0. In the second section we extract from the results of Poitou and Tate on Galois cohomology certain general relations between Selmer groups as ∑ varies. Deformations of Galois representations Let p be an odd prime.1) ρ 0 : Gal(Q ∑ /Q ) → GL 2(k) is an irreducible representation.10(i) which guarantees the existence of the special primes used in Chapter 3 and [TW]. The most important observation of the third section is Lemma 1. A is to be a complete Noetherian local W (k)-algebra with residue field k and maximal ideal m. and so also of Q ∑ in C . The main results needed are Proposition 1. We will also fix a choice of decomposition group D q for all primes q in Z. At the end of the section we relate these Selmer groups to ones used in the Bloch-Kato conjecture. but this connection is not needed for the proofs of our main results. ¯ Throughout we fix an embedding of Q .2 which is used to interpret various generalized cotangent spaces as Selmer groups and (1. It also implies that ρ 0 is absolutely irreducible. In the first section we introduce and study Mazur’s deformation theory and discuss various refinements of it. Suppose further that det ρ 0 is odd. In contrast to the introduction we will assume in the rest of the paper that ρ 0 comes with its field of definition k. 1. Thus if W (k ) is the ring of Witt vectors of k. We often simply write ρ instead of [ρ ] for the equivalence class. der sich noch über weitere hundert Seiten hinzieht. . These refinements will be needed later to make precise the correspondence between the universal deformation rings and t h e Hecke rings in Chapter 2. as well as between Selmer groups and their duals.MODULAR ELLIPTIC CURVES AND FERMATS LAST THEOREM 455 Chapter 1 This chapter is devoted to the study of certain Galois representations.

Andrew Wiles .

und man darf nicht aus den Augen verlieren. Die beiden Artikel mit zusammen 130 Seiten waren die am gründlichsten geprüften Manuskripte in der Geschichte der Mathematik und wurden schließlich in den Annals of Mathematics (Mai 1995) veröffentlicht. doch diesmal wurde die Schlagzeile »Mathematiker erklärt klassisches Rätsel für gelöst« von einer anderen Wissenschaftsmeldung in den Schatten gestellt – »Neue Erkenntnis zum Alter des Universums wirft abermals kosmologisches Rätsel auf«. Für mich liegen der Reiz und die Schönheit von Andrews Arbeit darin. »Der Beweis für Fermat ist ein intellektueller Triumph. »Mathematisch gesehen ist der endgültige Beweis vergleichbar mit der Atomspaltung oder der Entschlüsselung der DNS«. daß sie ein riesiger Schritt für die algebraische Zahlentheorie ist. daß er die Zahlentheorie mit einem Schlag revolutioniert. Fernando Gouvea Diesmal gab es am Beweis nichts zu rütteln. verglichen mit Wiles schien sein Versuch ärmer. daß ein Fehler verborgen. Erneut fand sich Wiles auf der Titelseite der New York Times wieder. doch die Mathematiker hatten die wahre Bedeutung des Beweises nicht vergessen.8 Große Vereinheitlichung der Mathematik Ein listiger Jüngling aus Lerma bewies jenen Satz des Herrn Fermat fortan lebt’ er in Sorgen.« Wiles hatte in achtjähriger Mühsal praktisch alle bahnbrechenden Erkenntnisse der Zahlentheorie des zwanzigsten Jahrhunderts . Die Journalisten feierten den Fermatsatz nicht mehr ganz so begeistert. erklärte John Coates.

wenn man auf einer kahlen Insel gestrandet wäre und nur dieses Manuskript bei sich hätte. den Beitrag der japanischen Mathematiker Yutaka Taniyama und Goro Shimura zu erwähnen. Man hat einen anderen Blick auf das. Die Landschaft hat sich verändert. Damit hatte er zugleich neue Angriffslinien gegen eine ganze Reihe anderer Probleme eröffnet. Zwar hatte sich Taniyama schon vor dreißig Jahren das Leben genommen. Man blättert eine Seite um und stößt auf einen grundlegenden Satz von Deligne. Für Ken Ribet ist der Beweis die vollkommene Synthese der modernen Mathematik und Inspiration für Kommendes: »Ich glaube. und wenn man jetzt einen Satz für elliptische Gleichungen beweist. Er hatte vollkommen neue mathematische Verfahren entwikkelt und sie mit den herkömmlichen auf bis dahin für unmöglich gehaltene Weise verflochten.« Wie viele seiner Kollegen hat auch Ken Ribet den Eindruck. die in den fünfziger Jahren die Saat für Wiles’ Leistung ausgebracht hatten. daß der Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung die Mathematik grundlegend verändert hat: »Es gibt eine wichtige psychologische Auswirkung. daß alle elliptischen Gleichungen modular sind. und auf der nächsten folgt wie nebenbei ein Satz von Hellegouarch – das alles wird einfach auf die Bühne gerufen und für einen Moment in Anspruch genommen. wie er darauf reagiert habe. Auf die Frage.« Während die Wissenschaftsjournalisten sich in Lobgesängen auf Wiles’ Beweis ergingen. dann kommt schon die nächste Idee an die Reihe. vor denen sie zuvor noch zurückgeschreckt waren. kommentierten nur wenige von ihnen den davon untrennbaren Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung. Alle modernen Konzepte der Zahlentheorie sind hier versammelt. Die meisten hielten es nicht für nötig. dann gäbe es eine Menge Stoff zum Nachdenken. und weni- . nimmt man auch Modulformen in Angriff und umgekehrt. nämlich daß die Mathematiker nun in der Lage sind.zusammengetragen und sie in einen allumfassenden Beweis eingebaut. die Arbeit an anderen Problemen voranzutreiben. da man nun weiß. lächelte Shimura sanft und meinte in seiner zurückhaltenden und würdevollen Art nur: »Ich habe es doch gesagt. doch sein Kollege Shimura erlebte noch den Beweis ihrer gemeinsamen Vermutung. was vor sich geht.

Inzwischen gibt es wieder verstärkt Bemühungen. Noch wichtiger war. und Bostoner Mathematiker starteten zum Gedenken an das wichtige Ereignis einen Limerick-Wettbewerb: Ein Beitrag lautete: . jetzt können wir einfach sagen. Im März 1996 teilten sich Wiles und Langlands den mit 100 000 Dollar dotierten Wolf-Preis (nicht zu verwechseln mit dem WolfskehlPreis). der für sich genommen schon eine erstaunliche Leistung war. daß die Taniyama-Shimura-Vermutung stimmt. weitere Einheitsvermutungen zwischen anderen Bereichen der Mathematik zu beweisen. Kolloquien und Konferenzen widmete man dem Wilesschen Beweis eine Sitzung. Das ist ein viel angenehmeres Gefühl. also müssen wir die Taniyama-Shimura-Vermutung als wahr voraussetzen und sehen. weil man es jetzt im Grunde mit elliptischen Gleichungen zu tun hat. Das Preiskomitee sprach damit seine Anerkennung für Wiles’ Beweis aus. Nach einem Jahr der Verlegenheit und Ungewißheit hatte die Mathematikergemeinde endlich Grund zu feiern. und deshalb muß dies oder jenes auch wahr sein.ger Angst vor dem Gedanken. Und wenn man einen Artikel über elliptische Gleichungen schreibt. wir wissen nichts. doch auch neues Leben in Langlands’ anspruchsvolles Projekt gebracht hatte. daß Wiles der erste Schritt im Sinne des umfassenderen Vereinheitlichungsprojekts von Robert Langlands gelungen war – des Langlands-Programms.« Auf dem Weg über die Taniyama-Shimura-Vermutung hatte Wiles die elliptische und die modulare Welt vereint und der Mathematik damit Abkürzungen zu vielen anderen Beweisen verschafft Probleme im einen Bereich konnten durch Analogiebildung mit Problemen im parallelen Bereich gelöst werden. konnten nun mit allen verfügbaren modularen Werkzeugen und Verfahren erneut angegangen werden. Mit diesem Durchbruch konnte die Mathematik vielleicht das nächste goldene Zeitalter der Problemlösungen einläuten. die noch bis auf die alten Griechen zurückgingen. sagt man natürlich nicht mehr. Klassische ungelöste elliptische Probleme. Auf allen Symposien. was wir damit anfangen können – nein. mit Modulformen zu arbeiten.

Rief Kellner Pierre. Wie in Kapitel 1 erläutert. is writ large in!« A diner was heard to be chargin’. »I couldn’t find room in the margerine.« Obwohl Wiles das berühmteste Problem der Mathematik gelöst hat. ich hätte ihnen ihr Problem weggenommen. das uns so lange begleitet hat und das viele von uns in die Mathematik gezogen hat. deren Teiler addiert die . garçon. Zum Beispiel gibt es immer noch Geheimnisse um die vollkommenen Zahlen. Howe. handelt es sich dabei um Zahlen. daß er die Mathematik um eines ihrer größten Rätsel berauben mußte. ob ich ihnen nicht etwas anderes dafür geben könnte. brauchen die Tüftler rund um die Welt nicht die Hoffnung verlieren. wurzeln wie Fermats letzter Satz in der Mathematik des alten Griechenland. die schon ein Schulkind verstehen kann. Moulton Große ungelöste Probleme Wiles sieht. und fragten. Wir müssen eben neue finden.« »Meine Butter. ist vollgeschrieben!« hörte man einen Gast klagen. denn es gibt noch immer eine Vielzahl ungelöster mathematischer Rätsel. »I had to write there«.« E. D. Wir haben etwas verloren. um ihr einen ihrer größten Beweise zu geben: »Manche Leute meinten. die unsere Aufmerksamkeit fesseln. Exclaimed waiter Pierre. garçon. »Ich fand keinen Platz auf der Margarine. H. Lenstra. Es herrscht eine gewisse Niedergeschlagenheit. Viele dieser tiefgründigen Probleme. »Ich mußte drauf schreiben«.»My butter. Vielleicht ist das einfach so mit Matheproblemen.

4. finden sich streckenweise reichlich Primzahlen. Wem auch immer dies gelingen mag. Die neueste und größte vollkommene Zahl hat über 840 000 Stellen und ergibt sich aus der Formel 21398268 × (2 1 398269 . Nun wäre es natürlich eine Herausforderung. und tatsächlich hat man in den letzten paar Jahrtausenden nur dreißig davon entdeckt. und die Primzahlen sind ihrem Wesen nach zufallsverteilt. ein Platz in der Geschichte wäre ihm sicher. andere. weniger anspruchsvolle Probleme in Angriff zu nehmen. Im Laufe der Jahrhunderte haben Tausende von Zahlentheoretikern versucht zu beweisen. und 28 = 1 + 2 + 4 + 7 + 14. 28 teilbar ist durch 1. ob es einen unendlich großen Vorrat von ihnen gibt. Vielleicht existiert überhaupt keines.1). Ein weiteres. 2. Zum Beispiel sind 6 und 28 vollkommene Zahlen. Wenn man diese durchforstet. 7. Dann wären die Mathematiker gut beraten. 2. sie folgen also keinerlei Gesetzmäßigkeit. Das andere große Rätsel um die vollkommenen Zahlen lautet. Alle bekannten vollkommenen Zahlen haben eines gemein.Zahl selbst ergeben. sehr selten«. und 6 = 1 + 2 + 3. alle vollkommenen Zahlen seien gerade. 14. dies zu beweisen – sind alle vollkommenen Zahlen gerade? – doch hat sich die Aufgabe als recht undankbar erwiesen. René Descartes bemerkte. was die Vermutung nahelegt. 3. wie vollkommene Menschen. »vollkommene Zahlen sind. das der Primzahlverteilung zugrunde liegende Muster herauszuarbeiten. gut mit Problemen ausgestattetes Gebiet der Mathematik ist die Theorie der Primzahlen. doch aus unbekannten Gründen sind andere Bereiche völlig kahl. . daß es unendlich viele beziehungsweise nicht unendlich viele vollkommene Zahlen gibt – und sind dabei gescheitert. Die Reihe der Primzahlen weist kein erkennbares Muster auf. sie sind gerade. Seit Jahrhunderten versuchen die Mathematiker erfolglos. Man hat sie als wild wachsendes Unkraut unter den natürlichen Zahlen beschrieben. weil 6 teilbar ist durch 1.

Goldbach hatte Dutzende von geraden Zahlen untersucht und festgestellt. Der jüngste Durchbruch hin zum Beweis der sogenannten Primzahlzwilling-Vermutung gelang 1966 dem chinesischen Mathematiker Chen Jing-run. wird den größten Durchbruch in der Primzahltheorie seit Euklid erzielen. 19).Zum Beispiel bewies Euklid vor zweitausend Jahren. 1 000 000 000 063). 7) und (17. Chen hat nun bewiesen. daß er sie alle als Summe zweier Primzahlen darstellen konnte: . daß es einen unerschöpflichen Vorrat an Primzahlzwillingen gibt. in dessen Teenagerjahren. daß es unendlich viele Primzahlen und Fast-Primzahlen gibt. Echte Primzahlen haben keine Faktoren außer 1 und der Zahl selbst. doch die 21 ( 3 × 7 ) ist fast prim. daß es eine unendliche Zahl von Fällen gibt. Beispiele für kleine Primzahlzwillinge sind (5. die nur den Abstand 2 haben. In den vergangenen zwei Jahrhunderten nun haben die Mathematiker versucht nachzuweisen. Ein weiteres Primzahlrätsel geht auf das Jahr 1742 zurück. Zahlen wie die 120 (2 × 3 × 4 × 5) sind überhaupt nicht prim. weil dann eine von ihnen gerade sein müßte. und damit keine Primzahl wäre. einen Brief an den großen Schweizer Mathematiker Leonhard Euler schrieb. größere sind etwa (22 271. daß es einen unerschöpflichen Vorrat an Primzahlen gibt (siehe Kapitel 2). weil sie nur zwei Primfaktoren besitzen. als Christian Goldbach. also durch 2 teilbar. in denen eine Primzahl entweder mit einer weiteren Primzahl gepaart ist oder mit einer Fast-Primzahl. So ist die 17 eine Primzahl. Primzahlzwillinge scheinen über die gesamte Reihe der ganzen Zahlen verstreut zu sein. und je angestrengter die Mathematiker nach ihnen suchen. doch ein Beweis dafür steht bislang aus. Primzahlzwillinge sind Paare von Primzahlen. Näher können sie einander nicht sein – sie können sich nicht um 1 unterscheiden. weil sie das Produkt von mehr als zwei Primfaktoren sind. Wer immer auch einen Schritt weitergehen und das »Fast« streichen kann. desto mehr finden sie. 22 273) und (1 000 000 000 061. aber Fast-Primzahlen sind beinahe so gut. als er zeigen konnte. daß es unendlich viele davon gibt. Vieles spricht dafür. Lehrer von Zar Peter II.

Heute. Der Mann. 8 = 3 +5. wie man Orangen am effizientesten aufhäuft. sondern auf elliptischen Bahnen bewegen. 50 = 19 + 31. daß die Planeten sich nicht auf kreisförmigen. blieb trotz jahrelanger Bemühungen ratlos vor dem Problem zurück. daß jede gerade Zahl in zwei Primzahlen aufgespalten werden kann. doch immer noch ist niemand in der Lage zu zeigen. eine Entdeckung. . Trotzdem bieten solche schwächeren Beweise wichtige Einsichten in die Natur der Primzahlen.4 = 2 +2. doch gleichermaßen profund. Goldbach fragte Euler. im Zeitalter der Computer. Unter allen Problemen. ob er beweisen könne. ist Keplers Kugelpackungsproblem der beste Kandidat. Die Mathematiker konnten beweisen. als Preis 100 000 Rubel. daß sie für jede gerade Zahl bis ins Unendliche gilt. die die moderne Astronomie revolutionierte und später Isaac Newton zur Deduktion des allgemeinen Gravitationsgesetzes anregen sollte. Insbesondere hinterließ er uns das merkwürdige Problem. als Kepler die Abhandlung Über den hexagonalen Schnee als Neujahrsgabe für . . Das Problem erblickte 1611 das Licht der Welt. 21 000 = 17 + 20 983 . doch von da aus ist es ein langer Weg bis zum Beweis der ursprünglichen Vermutung. der als »Analysis in Person« galt. 6 = 3 +3. daß jede gerade Zahl die Summe von nicht mehr als 800 000 Primzahlen ist. die Fermats letzten Satz als größtes ungelöstes Mathematikproblem ablösen könnten. erweist sich die sogenannte Goldbachsche Vermutung als richtig für jede Zahl bis 100 000 000. Keplers mathematisches Vermächtnis ist etwas weniger grandios. der dem Beweis um einiges nähergekommen war. Johannes Kepler zeigte im Jahr 1609. 10 = 5 +5. 100 = 53 + 47. und Stalin verlieh 1941 dem russischen Mathematiker Iwan Matwejewitsch Winogradow.

bei welcher Anordnung diese Lücken am kleinsten sind. warum die Schneeflocken zwar jeweils ein einzigartiges. daß jede Schneeflocke einzigartig ist. Wind. Keplers Interesse an der Frage. und Feuchtigkeit wechseln ständig und sorgen dafür. die das Wachstumsmuster bestimmen. das wächst. Für die zweite Schicht werden die Kugeln in die »Kuhlen« der ersten Schicht gelegt (Abbildung 24). . nämlich so. Temperatur. nehmen die Orangen 74 % des Kartonvolumens ein. daß die Bedingungen. wird heute als flächenzentriertes kubisches Gitter bezeichnet. Kepler mit seiner erstaunlichen Begabung. es wird immer Lücken zwischen ihnen geben. das sich auch die Obsthändler zunutze machen. Die Aufgabe besteht nun darin. nur ein wenig seitlich verschoben. führte ihn zur Erörterung eines weiteren Problems: Wie stapelt man Teilchen am effizientesten. Eine der ersten Anordnungen. damit sie richtig in die Zwischenräume paßt. die Kepler untersuchte. tiefe Einsichten aus den schlichtesten Beobachtungen zu gewinnen. Dieses Verfahren. wie sich Materieteilchen anordnen und offenbar selbst organisieren. Um das Problem zu lösen. ergibt eine Packungsdichte von 74%. Wird also ein großer Karton anhand dieses flächenzentrierten Verfahrens mit Orangen gefüllt. Er stellte die These auf. jedoch immer sechseckiges Muster besitzen. bei der jede Kugel von sechs anderen Kugeln umgeben ist. Man erhält es. Darin gelang ihm die Erklärung. wenn sie ihre Orangen aufschichten. während es durch die Atmosphäre fällt. konstruierte Kepler verschiedene Anordnungen und berechnete dann für jede die Dichte. auf allen Seiten gleich sind und somit die Symmetrie gewahrt bleibt. daß sie den kleinstmöglichen Raum einnehmen? Wenn es sich um Kugeln handelt. daß die Schneeflocke gleichsam als symmetrisches sechseckiges Saatkorn seinen Ausgang nimmt. herauszufinden. ist klar: Wie man sie auch anordnet. mit der sie gepackt waren. schuf mit diesem offenbar leichten Herzens geschriebenen Aufsatz die Grundlagen der Kristallographie.seinen Gönner Johannes Wacker von Wackenfels schrieb. wenn man zunächst eine Bodenschicht aus Kugeln erzeugt. Die zweite Lage ist im wesentlichen ein Duplikat der ersten. und doch ist das Saatkorn so klein.

Abbildung 24: Bei der flächenzentrierten kubischen Anordnung besteht jede Schicht aus Kugeln. ähnelt dem flächenzentrierten kubischen im Aufbau der einzelnen Schichten. so daß die Kugeln jeweils in den Zwischenräumen zu liegen kommen und nicht direkt übereinander. Alle weiteren Schichten werden horizontal leicht verschoben aufgelegt. Das einfache kubische Gitter hat eine Packungsdichte von nur 53 %. Doch statt je- . da jeweils eine Kugel von sechs anderen umgeben ist. das sechseckige Gitter. daß jede Kugel von sechs anderen umgeben ist. die so aneinandergefügt sind. Die typische Orangenpyramide beim Obsthändler ist eine Variante dieser Packungsform. und die Schichten liegen direkt übereinander (Abbildung 25). Ein anderes Arrangement. Diese Anordnung kann man mit anderen vergleichen. die in einer quadratischen Gitterform angeordnet sind. etwa mit dem einfachen kubischen Gitter. Hier besteht jede Schicht aus Kugeln.

daß er ein Arrangement mit noch höherer Pakkungsdichte übersehen hatte. de neue Schicht horizontal verschoben aufzulegen. den er für wichtig genug hielt. der unendlich viele Möglich- . Dieser kleine Rest an Zweifel liegt dem Kugelpackungsproblem zugrunde.Abbildung 25: In der einfachen kubischen Anordnung hat jede Schicht Kugeln die Form eines quadratischen Gitters. müssen die Mathematiker nachweisen. so daß die Kugeln genau in die Zwischenräume der darunter hegenden Schicht passen. daß das flächenzentrierte kubische Gitter ohne Zweifel das effizienteste Verfahren ist. Kepler untersuchte eine Vielzahl von möglichen Anordnungen und kam zu einem Schluß. um ihn in seine Abhandlung Über den hexagonalen Schnee aufzunehmen: Das flächenzentrierte kubische Gitter ergibt »die dichtestmögliche Packung«. legt man die Schichten direkt übereinander (Abbildung 26). Wie bei Fermats letztem Satz geht es auch bei Keplers Problem darum. das er hatte finden können. daß jede Kugel direkt auf einer anderen Kugel sitzt. Kugeln zu packen. Eine Schicht liegt so über der ändern. Keplers Feststellung war tadellos begründet. Um es zu lösen. einem Rätsel. doch das schloß nicht aus. denn dieses Gitter war das beste. einen Beweis zu entwickeln. Das hexagonale Gitter ergibt eine Packungsdichte von nur 60%. das ein halbes Jahrhundert älter ist als das Fermatproblem und sich inzwischen als noch vertrackter als dieses erwiesen hat.

daß jede Kugel direkt auf einer anderen sitzt. In den letzten 380 Jahren konnte niemand nachweisen. sondern für ihren Beweis auch alle möglichen Zufallsanordnungen berücksichtigen. Fermat behauptete. das heißt regelmäßige Anordnungen. Zwar fehlt ein vollständiger Beweis. Kepler behauptete. Der britische Kugelpakkungsexperte C.Abbildung 26: In der sechseckigen Gitteranordnung bestehen die Schichten aus Kugeln. es gebe in der unendlichen Reihe ganzer Zahlen keine Lösungen für seine Gleichung. daß Keplers Feststellung für alle praktischen Zwecke als wahr voraussetzbar ist. unter den unendlich vielen Packungsmöglichkeiten gebe es keine. andererseits hat niemand eine effizientere Packungsmethode entdeckt. Eine Schicht wird dann so auf die andere gelegt. Die Mathematiker müssen nun nicht allein zeigen. daß es keine anderen Gitter. daß die flächenzentrierte kubische Anordnung tatsächlich die optimale Packungsstrategie ist. Keplers Behauptung werde »von den meisten Mathematikern geglaubt. doch auf dem Weg dahin hat es im Laufe der Jahrhunderte große Fortschritte gegeben. von allen Physikern als wahr betrachtet«. die dichter wäre als das flächenzentrierte Gitter. 1892 lieferte der skandinavische Ma- . mit einer höheren Packungsdichte gibt. doch in der absoluten Welt der Mathematik steht ein strenger Beweis immer noch aus. Das Fehlen von Gegenbeispielen bedeutet. die jeweils von sechs anderen Kugeln umgeben sind. keiten umfaßt. Rogers hat daher bemerkt. A.

84%. Sollte daher irgendein Arrangement eine höhere Dichte aufweisen als das flächenzentrierte kubische. doch ebenso wie Wiles’ Beweis mußte auch dieses Papier die kritische Musterung der Gutachter bestehen. Die Mathematikergemeinde reagierte anfangs zuversichtlich. also nicht in einer Kiste. Die Lösung ist die sechsekkige Anordnung. es ist unmöglich.thematiker Axel Thue einen Beweis der zweidimensionalen Entsprechung von Keplers Problem: Auf welche Weise sind Kugeln in einer einzigen Schicht am dichtesten anzuordnen. in den sich ein Zufallsarrangement hineindrängen und Kepler widerlegen konnte. Segre und Mahler zum selben Schluß. Es gab nur einen kleinen Spielraum von 3. C.9% zu erreichen. lag der Beweis in Fetzen. Leider erweist sich die Senkung der Obergrenze als ein langwieriges Unterfangen. welche die flächenzentrierte kubische aus dem Feld schlagen könnte. bevor es als stichhaltig anerkannt werden konnte. Rogers berechnete 1958 eine Obergrenze von 77. Trotz des jahrelang nur zögerlichen Fortschritts kam das Pakkungsproblem im Sommer 1990 in die Schlagzeilen. diesen Spielraum auf Null zu begrenzen und die Obergrenze auf 74. sondern auf einem Tablett. In der Folge kamen Tóth. und 1988 stand die Grenze bei 77. Im Anschluß an Rogers versuchte man. der seiner Auffassung nach den Beweis der Keplerschen Vermutung lieferte. eine Packungsdichte von mehr als 77.93%. in denen man Hsiang eine Reihe von Fehlern nachweisen konnte. A. eine Obergrenze für die mögliche Pakkungsdichte festzulegen.04 % zu drücken. dann würde es nur um wenige Prozent besser sein. Keplers Vermutung wäre mithin durch Ausschluß jeder anderen Möglichkeit bewiesen. In neuerer Zeit verfolgen die Mathematiker einen ganz anderen Ansatz und versuchen.9% – das heißt. Dann gäbe es keinen Platz mehr für eine andere Anordnung. als Wu-Yi Hsiang von der Universität Kalifornien in Berkeley einen Artikel veröffentlichte. .04%. Dieser Prozentsatz ist nicht viel höher als die Packungsdichte des flächenzentrierten kubischen Gitters mit 74. nur wenig besser als Rogers’ Ergebnis. Nach einigen Wochen. dreidimensionale Keplerproblem angewandt werden. doch keine ihrer Methoden konnte auf das ursprüngliche.

daß die Kollegen in einem übereinstimmen: keiner hält sie für wahr..« Ihr Argument beruht offenbar in starkem und wesentlichem Maße auf dieser Annahme. doch nirgends findet sich auch nur die Andeutung eines Beweises. bestehe darin. der. In einem Brief an Hsiang versuchte der Mathematiker Thomas Hales seine Zweifel zu erläutern: Eine Annahme in Ihrem zweiten Artikel erscheint mir grundlegender und doch viel schwieriger zu beweisen als die anderen . Zum Unglück für Hsiang waren die Kritiker auch diesmal noch der Auffassung. die Keplersche Vermutung bewiesen zu haben.. Seit der Veröffentlichung von Hsiangs überarbeitetem Beweisversuch herrscht ein ständiger Kampf zwischen ihm und seinen Kritikern. schlechtestenfalls unhaltbar – und auf jeden Fall kann sich. eine zweite Schicht hinzuzufügen. und ich habe festgestellt. Hsiangs Behauptung. es gebe Lücken in seinem Argument.Hsiang machte eine ähnliche Leidenszeit durch wie Wiles und antwortete ein Jahr später mit einem überarbeiteten Beweis. ist jetzt sechs Jahre alt. wer mag. Doug Muder faßte die Lage 1996 aus seiner Sicht zusammen und brachte dabei auch gewisse Verwicklungen im Zusammenhang mit Hsiangs Beweis zutage: Ich kam vor kurzem von der gemeinsamen Sommer-Forschungskonferenz von AMS-IMS-SIAM zur Diskreten und Algorithmischen Geometrie in Mount Holyoke zurück.. Sie behaupten. und daher stand auch der Fortschritt der letzten zehn Jahre im Mittelpunkt der Debatten. »das beste (volumenminimierende) Verfahren. Diese Konferenz findet einmal in zehn Jahren statt. wie er behauptete. .. Der Beweis ist bestenfalls noch umstritten. immer noch am Beweis der Keplerschen Vermutung erproben. daß die Probleme gelöst seien. die im ursprünglichen Manuskript entdeckten Probleme umging. bei dem unablässig behauptet oder bestritten wird. so viele Zwischenräume wie möglich zu bedecken.

vor sechs Jahren. 4. Gabor Fejes Tóth von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften sagte in einem Vortrag zu Hsiangs Artikel: »Er kann nicht als Beweis betrachtet werden. die mit ihm persönlich gesprochen haben (etwa Hales und Bezdek) glauben. Selbst als Skizze ist der Artikel unzulänglich. behauptet. Das Problem ist immer noch offen. mit seinen eigenen Verfahren das Problem »in ein oder zwei Jahren« lösen zu können. da man zu mehreren Argumentationsschritten Gegenbeispiele gefunden hat. 2. Bestenfalls ist er eine Skizze (mit immerhin 100 Seiten!). weil eine Person sich diesem Konsens noch nicht angeschlossen hat – Hsiang selbst. 3. die Dodekaeder-Vermutung (und diverse andere bis dahin ungelöste Kugelpakkungsprobleme) gelöst zu haben.« Thomas Hales von der Universität Michigan stimmte ihm zu: »Dieses Problem ist immer noch ungelöst. wie ein solcher Beweis anzusetzen wäre. Leute. Hsiangs Artikel (1993 im International Journal of Mathematics veröffentlicht) stellt keinen Beweis der Keplerschen Vermutung dar. daß sein Artikel fehlerhaft ist. eine Lösung für die Keplersche Vermutung gefunden zu ha- .Bei den Plenumsvorträgen und den informellen Gesprächen in der Cafeteria waren die folgenden Punkte nie umstritten: 1.« (Hales kündigte an. Meines Wissens hat es auch kein anderer gelöst. Hsiang hat es nicht gelöst. Aus diesem Grunde hat es so lange gedauert. Hsiang hat erstmals 1990. als ob es Hsiangs Papier überhaupt nicht gäbe. ist gleichermaßen unbegründet. bis sich der Staub gelegt hat. er werde nie zugeben. und doch hält er weiterhin Vorträge auf der ganzen Welt und wiederholt diese Behauptungen. (Er nahm auch nicht an der Konferenz teil. Ich habe es nicht gelöst. Die Arbeit an der Keplerschen Vermutung und an der Dodekaeder-Vermutung sollte weitergehen.) Eine interessante Geschichte wird deshalb daraus. Hsiangs damit verbundene Behauptung.) Er kennt durchaus die Gegenbeispiele und weiß. daß die Experten auf diesem Gebiet seine Behauptungen nicht ernst nehmen.

und die Gegenbeispiele folgten schnell. für das er einfach keine Zeit hatte. eine Widerlegung der Replik Hsiangs würde in ein nie endendes Hickhack führen. Etliche Monate nach den ursprünglichen Behauptungen erschien der erste Vorabdruck. ständig hinter ihm her zu sein und seine Behauptungen jedesmal von neuem zu widerlegen. weil es seine Freunde herausgaben. der diesen Kodex mißachtet. das nicht so funktioniert hat. Die Länge der Arbeit und der Umstand. Hsiangs Papier wurde nicht angemessen begutachtet – wenn überhaupt. dann wird das Problem deutlich. daß festangestellte Professoren an hochrangigen Universitäten nicht einfach haltlose Behauptungen aufstellen und daß sie beim ersten nachgewiesenen Fehler die falschen Behauptungen zurückziehen. Karoly Bezdek. daß Hsiang das International Journal gewählt hat. der über ein Jahr lang gemeinsam mit Hsiang versucht hat. die Lücken in dem Papier zu füllen. Jemand. daß sie vor der Veröffentlichung noch mehrmals revidiert wurde. entstand der Eindruck. in welchem Ausmaß die Mathematik auf einer Prestigeordnung beruht. daß das Journal von Hsiangs Kollegen in Berkeley herausgegeben wird. um plausibel zu klingen. weil es das geeignete Blatt für seinen Artikel war. Es scheint klar. doch was ist mit dem International Journal? Offenbar ist es eine Durchgangsstation in dem Verfahren. trugen noch mehr zur Verwirrung bei.ben. wieviel Arbeit in Hales’ vernichtenden Artikel in Mathematical Intelligence geflossen sein muß – und sich vor Augen hält. wie es sollte. verleiht der Sache einen Ruch von Vetternwirtschaft. Doch weil Hsiang seinen Anspruch in der Öffentlichkeit aufrechterhielt. und nicht. Hsiangs veröffentlichte Antwort auf diesen Artikel war völlig unzulänglich. doch Hales kam zu dem Schluß. da niemand die Zeit hat oder den Antrieb verspürt. er müsse mit jeglichen bis dahin vorgebrachten Einwänden fertig geworden sein. daß dieser Artikel für seine Forscherkarriere nichts bringt –. (Wenn man sich überlegt. Die Gemeinschaft nimmt an. in dem sofort Lücken gefunden wurden. hat beim Jour- . Der Fall Hsiang zeigt.) Hsiang wird seine Fehler wohl nie zugeben. Die Tatsache. kann für sehr lange Zeit Verwirrung stiften. Seither sind seine Vorträge immer vage genug.

weil er die Lösung nicht finden konnte. Dabei stieß ihm eine Frage auf. Somit steht fest. die er jedoch nicht lösen konnte. so daß keine zwei aneinandergrenzenden Gebiete dieselbe Farbe erhalten. um Resultate zu erzielen. Doug Muder Silikonbeweise In seinem Kampf um Fermats letzten Satz benutzte Wiles als Waffen nur Bleistift. was manche als den Niedergang der Mathematik bezeichnen. Auch wenn er für den Beweis einen Großteil der modernen zahlentheoretischen Verfahren einsetzt.nal ein Papier mit einem Gegenbeispiel für eines von Hsiangs Lemmata eingereicht. Eines Nachmittags bemalte er in aller Ruhe eine Karte der britischen Grafschaften mit Farben. die ihm zwar trivial schien. Enttäuscht. Das erste Symptom dessen. Daran sitzen sie nun seit Dezember – nicht ungewöhnlich für einen Artikel. Er wollte einfach nur wissen. aber ziemlich lange für ein Gegenbeispiel zum aufsehenerregendsten Artikel des Journal seit vielen Jahren. steht er damit in der besten Tradition von Pythagoras und Euklid. wie viele Farben mindestens nötig sind. um jede beliebige Karte zu kolorieren. der begutachtet werden muß. daß manche Karten vier Farben erfordern. sprach Guthrie darüber mit sei- . doch Guthrie wollte wissen. sechs oder mehr Farben verlangen. Papier und reine Logik. ob vier Farben für alle Karten ausreichen oder ob manche vielleicht fünf. Nur drei Farben reichen beispielsweise für das Muster in Abbildung 27 nicht aus. daß Wiles’ Lösung einer der letzten heroischen Beweise sein könnte und daß man sich in Zukunft auf rohe Gewalt statt auf elegante Argumentation verlegen wird. das der englische Teilzeitmathematiker Francis Guthrie im Oktober 1852 in die Welt setzte. doch zugleich von dem Problem fasziniert. betrifft ein Problem. Allerdings gibt es in jüngster Zeit unheilverkündende Anzeichen dafür.

Francis Guthrie stellte fest. Das führte ihn zu der Frage. . die mehr als vier Farben erforderte. ob es überhaupt eine mögliche Karte gab. daß er mit nur vier Farben eine Karte der britischen Grafschaften einfärben konnte und dabei nie die gleiche Farbe für benachbarte Grafschaften verwenden mußte.

Ich habe einen Fall. das mich als dummen Esel dastehen läßt. Hamilton konnte ebenfalls keine Karte entwerfen. daß sie eine solche ist – und es immer noch nicht weiß. und es erwies sich als ausgesprochen tückisch. Hermann Minkowski verkündete in einer Anwandlung von Hochmut. ihm einen Grund für eine Tatsache zu nennen.. es sei nur deshalb noch nicht gelöst. Die Kunde von dem Problem verbreitete sich rasch in ganz Europa. einem Studenten am Londoner University College. bei dem fünf oder mehr Farben nötig sind?. die fünf Farben erforderte. weil es bislang nur drittklassige Ma- . war jedoch auch nicht in der Lage zu beweisen.. Sollten Sie mit einem sehr einfachen Exempel antworten. von der ich bislang nicht wußte. daß es keine solche gibt. daß man für bestimmte Karten mindestens vier Farben benötigt. Oktober an den großen irischen Mathematiker und Physiker William Rowan Hamilton schrieb: Ein Student von mir bat mich heute. Frage: Läßt sich nicht ein Beispiel finden. so daß bestimmte Gebiete mit beliebig langer gemeinsamer Grenze unterschiedliche Farben erhalten – dann braucht man in manchen Fällen vier Farben. aber niemals mehr. der wiederum am 23. wenn eine Fläche in beliebiger Weise aufgeteilt wird und die einzelnen Teilflächen mit unterschiedlichen Farben bemalt werden.. Er sagt. dem angesehenen Augustus de Morgan vor. Dieser legte es seinem Professor. doch die Angriffe aus allen Lagern prallten an ihm ab.Abbildung 27: Dieses einfache Muster zeigt. werde ich es wohl wie die Sphinx halten müssen. bei dem vier Farben erforderlich sind.. doch reichen vier Farben für alle Karten aus? nem jüngeren Bruder Frederick.

daß die maximale Anzahl der erforderlichen Farben entweder vier oder fünf war und sicher nicht höher lag. Obwohl Kempe. eine Antwort auf Guthries Rätsel gefunden zu haben. veröffentlichte Percy John Heawood. Dozent an der Universität Durham. zeigte Heawood. daß ein Heidekraut. nach ihm benannt wurde. der dem mathematischen Establishment einen Schock versetzte. im Jahr 1890. seinen grundlegenden Eigenschaf- . Im Gegensatz zur Geometrie. wo er zumeist mehr Zeit bei den Botanikern als bei seinen Mathematikerkollegen verbrachte sein einziges Ruhmesblatt über das Vierfarbenproblem hinaus war. trugen ihre gescheiterten Bemühungen entscheidend zur neuen. einen Artikel. verbreitete sich im Jahr 1879 enormer Optimismus. Kempe konnte offenbar beweisen. Dann. aufblühenden Disziplin der Topologie bei. daß jede Karte höchstens vier Farben erforderte. erklärte er. Ohne Umschweife wählte man ihn zum Fellow der Royal Society und schlug ihn für seinen Beitrag zur Mathematik am Ende auch noch zum Ritter. »Der Himmel ist erzürnt über meinen Hochmut«. Nachdem das Problem ein Vierteljahrhundert lang ungelöst geblieben war. das heute so genannte Vierfarbenproblem erfunden. Erica guthriei. Schließlich kehrte er als Professor an der Universität Kapstadt zur Mathematik zurück. ist man in der Topologie nur am Wesen des Objekts. Doch am Ende scheiterten auch seine Bemühungen.« Francis Guthrie hatte zwar eines der schwierigsten Probleme der Mathematik.thematiker versucht hätten. das Vierfarbenproblem zu lösen. als der britische Mathematiker Alfred Bray Kempe einen Artikel im American Journal of Mathematics veröffentlichte. dennoch verließ er England und arbeitete als Rechtsanwalt in Südafrika. in dem er behauptete. daß Heawood bei seinem Abbruchunternehmen an Kempes Werk nebenher auch zeigen konnte. daß der sogenannte Beweis elementare Mängel aufwies. Die einzig gute Neuigkeit war. und die Gutachten seiner Kollegen schienen dies zu bestätigen. »Auch mein Beweis ist fehlerhaft. Ein Jahrzehnt nachdem Kempe das Problem vermeintlich gelöst hatte. Heawood und andere nicht in der Lage waren. in der man die genaue Form und Größe eines Objekts untersucht.

Der Mathematiker John Kelley hat einmal im Scherz bemerkt: »Ein Topologe ist jemand. der den Unterschied zwischen einem Doughnut und einer Kaffeetasse nicht kennt. Untersucht etwa ein Geometer ein Quadrat. Wie immer man sie auch zieht und verdreht. Schleifen und Knoten die wesentlichen Eigenschaften ausmachen. Eine weitere Möglichkeit. könnte man vielleicht zum Kern des Vierfarbenproblems vordringen. sich die topologische Entsprechung von Quadrat und Kreis zu veranschaulichen. daß das Quadrat eine einzige ununterbrochene Linie ist. Ein Topologe wird daher einen Kreis nicht von einem Quadrat unterscheiden. die letztlich eine Schleife bildet. Wegen dieser Denkweise wird die Topologie häufig auch als »Gummituch-Geometrie« bezeichnet. Untersucht ein Topologe dasselbe Objekt. Die Topologen lassen Begriffe wie Länge und Winkel beiseite und können zwischen Objekten nur unterscheiden. bei denen Löcher. Der erste Durchbruch gelang 1922. besteht darin. egal wie stark das Gummituch verformt wird. Die Topologen interessieren sich auch für Objekte mit drei (und mehr) Dimensionen. indem sie auf Eigenschaften wie die Zahl seiner Schnittpunkte zurückgreifen. gebogen und verdreht (doch nicht zerrissen) werden. daß jede Karte mit 25 oder weniger Gebieten nur vier . als Philip Franklin das allgemeine Problem zurückstellte und sich mit einem Beweis abfand. der zeigte.ten interessiert. in dem sich vier Linienstücke treffen. verzogen.« Wenn man Landkarten durch die vereinfachende Brille der Topologie betrachten würde. interessiert ihn nur. so hofften nun die Mathematiker. interessiert er sich für die gleich langen Seiten und die rechten Winkel jeder Ecke. denn auch das Quadrat besteht aus einer einzigen Schleife. Daher sind Quadrat und Kreuz topologisch nicht gleichwertig. die Achterfigur wird sich nie in einen Kreis verwandeln. Hingegen könnte das Quadrat nie in ein Kreuz verwandelt werden. weil sie einen Punkt besitzt. Nehmen wir zunächst das Quadrat. So unterscheidet sich eine achtförmige Figur wesentlich von einem Kreis. während der Kreis keine solchen Schnittpunkte aufweist. sich eine dieser Formen auf einem Gummituch aufgemalt vorzustellen. es kann gespannt. bis die ursprüngliche Form in einen Kreis verwandelt ist.

und 1970 schließlich gelang Ore und Stemple der Beweis für 39 Gebiete. 1940 dehnte ihn Winn auf 35 Gebiete aus.Abbildung 28: Am 1. April 1975 stellte Martin Gardner in seiner Kolumne für den Scientific American diese Karte vor. Er behauptete. Andere Mathematiker versuchten auf Franklins Methoden aufzubauen. sie erfordere fünf Farben – natürlich ein Scherz. Die ursprüngliche Vermutung war fast sicher richtig. doch bis . Die Geschichte des Problems schien die des Fermatproblems widerzuspiegeln: langsame Fortschritte in Richtung Unendlich. Farben erforderte. und 1926 erweiterte Reynolds den Beweis auf Karten mit 27 Regionen.

dann hieße dies. das allgemeine Problem in den Griff zu bekommen. Das Erscheinungsdatum war der 1. Wenn sie nun noch beweisen konnten. ein neues Verfahren. Haken und Appel ließen sich nicht entmutigen . Wolfgang Haken und Kenneth Appel. Selbst einen Computer einzusetzen. die jede mathematische Arbeitsgruppe überforderte. Protonen und Neutronen. daß die Kluft zwischen Ores und Stemples Beweis für Karten mit 39 Gebieten oder weniger und jeder erdenklichen Karte mit einer unendlichen Zahl von Gebieten mit den herkömmlichen Ansätzen niemals zu schließen war. daß die unendliche Anzahl unendlich verschiedener Karten aus einer endlichen Zahl endlicher Karten konstruiert werden könne und daß es durch die Analyse dieser Baustein-Karten möglich sein könnte. weil Haken und Appel das Vierfarbenproblem nur auf 1 482 elementare Konfigurationen reduzieren konnten. Leider lagen die Dinge nicht so einfach wie bei der heiligen Dreifaltigkeit der Teilchen. wenn auch nicht unmöglich. sie verlange fünf Farben. daß es schwierig war. Die 1 482 Karten und alle Einfärbmöglichkeiten zu überprüfen war jedoch eine gewaltige Aufgabe. April. Die elementaren Karten entsprachen den Elektronen. Vielleicht möchten Sie es einmal ausprobieren: Abbildung 28 zeigt die Karte. die Karte mit nur vier Farben zu kolorieren. Haken und Appel hatten das Werk von Heinrich Heesch studiert. der behauptet hatte. daß alle Karten mit vier Farben zu kolorieren waren. das den Begriff des mathematischen Beweises revolutionieren sollte.zum allgemeinen Beweis blieb es immer möglich. daß für diese Karten vier Farben ausreichten. und Gardner war sich durchaus im klaren. aus denen alles andere aufgebaut werden kann. konnte ein Jahrhundert in Anspruch nehmen. Die langsamen Fortschritte ließen zusehends deutlich werden. daß jemand mit einer Karte aufwartete. den Grundbausteinen. um alle Permutationen durchzukurbeln. Im Jahr 1976 dann präsentierten zwei Mathematiker von der Universität Illinois. die Guthrie widerlegte. von der er behauptete. Tatsächlich veröffentlichte der Mathematikjournalist und -autor Martin Gardner 1975 im Magazin Scientific American eine Karte.

nach 1200 Stunden Rechnerzeit. Das war eine gewaltige Leistung. weil es keine Möglichkeit gab. daß der Beweis ohne ihn nicht möglich gewesen wäre. Bemerkenswert daran war. daß der Computer nicht allein rechnete. so daß wir immer voraussagen konnten. als nur die Rechnung zu beschleunigen – er hatte so viel zum Ergebnis beigetragen. den Beweis im herkömmlichen Sinn zu überprüfen. Da man nicht wie üblich verfahren konnte. und keine von ihnen verlangte mehr als vier Farben. die wir ausprobiert hätten. wie fortzufahren wäre. welchen Kurs es in welcher Situation einschlagen würde. fünf Jahre nachdem sie mit der Arbeit an dem Problem begonnen hatten. bei dem ein Computer mehr geleistet hatte. und oft waren diese Ansätze bei weitem pfiffiger als jene. Alle 1 482 Karten waren analysiert. sondern auch zur Entwicklung ihrer Ideen beitrug. Anfangs hatten wir seine Argumente von Hand überprüft.und machten sich an die Suche nach Abkürzungen und Strategien für Anwendungen im Computer. 1975. So begann es uns auf ganz unerwartete Weise darüber zu belehren. Im Juni 1976. um die Überprüfung der Karten zu beschleunigen. Es heckte Verbundstrategien aus. die auf allen Tricks beruhten. Es hatte gewissermaßen seine Schöpfer in manchen Gesichtspunkten der ›intellektuellen‹ wie auch der mechanischen Teile der Aufgabenbewältigung überholt. fütterte man Hakens . konnten Haken und Appel das Ergebnis verkünden. Bevor die Einzelheiten des Beweises im Illinois Journal of Mathematics veröffentlicht werden konnten. daß es sich um den ersten mathematischen Beweis handelte. beobachteten die beiden Männer. Guthries Vierfarbenproblem war endlich gelöst. mußten die Herausgeber für ein gewisses Maß an Begutachtung durch die Kollegen sorgen. doch nun begann es auf einmal wie eine Schachspielmaschine zu arbeiten. die man es ›gelehrt‹ hatte. doch zugleich machte sich im Kreis der Mathematiker Unbehagen breit. Die beiden erinnern sich an den Wendepunkt ihrer Forschungen: An diesem Punkt begann das Programm uns zu überraschen.

Daraus spricht auch eine gewisse Paranoia einer wissenschaftlichen Gemeinschaft. der Fachbereich Mathematik weniger Computer besitzt als jeder andere Fachbereich. Diese ungewöhnliche Art der Begutachtung brachte manche Mathematiker in Rage: Es handle sich hier um eine unzulängliche Prüfung und es gebe keine Sicherheit gegen einen kleinen Defekt im Kern des Computers.und Appels Programm in einen unabhängigen Computer ein. der zu einem logischen Irrtum führen könnte. Im Falle von Wiles’ Beweis des letzten Fermatsatzes verstehen weniger als 10% der Zahlentheoretiker den gesamten Argumentationsgang. daß sie jahrelang unentdeckt bleiben –. weil andere. Die Mathematiker. ihn geprüft und bestätigt haben. doch 100% übernehmen den Beweis als zutreffend. Joseph Keller hat einmal festgestellt. die die Arbeit von Haken und Appel ablehnten. konnten nicht bestreiten. Selbst wenn man alle verwendeten Programme und Datenreihen ausdruckt. ist dennoch davon überzeugt. Wer ihn nicht ganz nachvollziehen kann. um zu zeigen. und jeder Computer ist anfällig für vorübergehende Fehlfunktionen. Stanford. die den Anforderungen der herkömmlichen Prüfung genügt – daß nämlich ein hinreichend geduldiger Leser in der Lage sein sollte. die mit der Begrifflichkeit vertraut sind. daß ein Datenband nicht falsch bespielt oder falsch abgelesen wurde. daß die Mathematiker Beweise auch dann anerkennen. die Computer lieber meidet als nutzt. H. daß auch dieser Rechner zum selben Ergebnis gelangte. daß an seiner Universität. F. Zudem hat jeder moderne Computer versteckte Fehler in der Software wie in der Hardware – die so selten zu Irrtümern führen. eingeschlossen der für französische Literatur. Swinnerton-Dyer wies im Zusammenhang mit den Computerbeweisen auf folgendes hin: Wenn ein Satz mit Hilfe eines Computers bewiesen wurde. . wenn sie sie nicht persönlich überprüft haben. eine Darstellung des Beweises zu liefern. kann es keine Garantie geben. den Beweis durchzuarbeiten und seine Richtigkeit zu bestätigen. ist es unmöglich. P.

der aus 500 einzelnen Artikeln von über hundert Mathematikern besteht. In den zwanzig Jahren seit dem Beweis des Vierfarbensatzes wurden Computer auch für die Lösung anderer.Ein noch extremerer Fall ist der sogenannte Beweis der Klassifikation endlicher einfacher Gruppen. der 1992 verstorbene Daniel Gorenstein. Das sind Computerprogramme. nur ein Mathematiker habe den gesamten. ändert nichts am elementaren Begriff des mathematischen Beweises. die bislang kaum von der Technik beeinflußt war. Die Tatsache. die sich alle leicht unterscheiden. ähnlich wie einzelne Gene in der organischen DNS. erzeugt der Computer Hunderte von Tochterprogrammen. 15 000 Seiten umfassenden Beweis verstanden. finden sich immer mehr Mathematiker widerstrebend mit dem wachsenden Einsatz der Silikon-Logik ab und akzeptieren Wolfgang Hakens Argument: Jeder. Bestimmte Zeilen des Programms dürfen sich verändern und eine Evolution durchlaufen. Allerdings kann sich die ganze Mathematikergemeinde dessen sicher sein. deren Grundzüge die Mathematiker entwickeln. sondern die Praxis der Mathematik. weil keiner den Beweis je zur Gänze geprüft hat und es auch künftig niemand tun wird. Vom ursprünglichen Mutterprogramm ausgehend. deren Details jedoch die Computer selbst festlegen. weniger berühmter. In jüngster Zeit übertragen die Mathematiker dem Computer durch den Einsatz der sogenannten genetischen Algorithmen noch mehr Macht. weil der Rechner selbst . doch gleichermaßen wichtiger Probleme eingesetzt. daß jeder Abschnitt des Beweises von einem eigenen Team von Spezialisten überprüft und jede einzelne Zeile der 15 000 Seiten Dutzende Male geprüft und gegengeprüft wurde. ist nicht die Theorie. der will. daß ein Computer in ein paar Stunden mehr Einzeldaten durchprüfen kann als ein Mensch jemals im Leben. In einer Disziplin. Beim Vierfarbenproblem liegen die Dinge deshalb ganz anders. kann an beliebiger Stelle die Einzelheiten eintragen und sie überprüfen. Was sich verändert hat. Es heißt.

der »tiefgreifende Auswirkungen auf die Mathematik« hat. sicher jedoch ist.Zufallsmutationen generiert. er hat seine Antwort gerechtfertigt mit dem Verweis auf die grundlegende Beziehung zwischen elliptischen Gleichungen und Modulformen. Wiles hat nicht allein Fermats Herausforderung standgehalten. Die meisten Programme werden kläglich scheitern. Bei Wiles’ Beweis des letzten Fermatsatzes wissen wir. das einen Satz aufstellt. bereichert das Wissen. daß ein Computer eines Tages unabhängig von den Mathematikern einen wichtigen Beweis entdecken wird. zu sagen. weil eine solche Lösung zu einem Widerspruch mit der Taniyama-Shimura-Vermutung führen würde. welches das Problem löst. wie sie lautet. welches Programm der Lösung eines Problems am nächsten kommt. und in manchen Fällen hat dieser Ansatz auch beträchtlichen Erfolg. aber nicht das Verstehen. ist eine strittige Frage. Ob der Preis jemals eingefordert wird. sondern auch einen Begriff davon bieten. Vor einem Jahrzehnt hat er den mit 100 000 Dollar ausgestatteten Leibnizpreis ins Leben gerufen. warum die Antwort so lautet. daß es keine Lösungen für die Fermatsche Gleichung gibt. Die Tochterprogramme dienen dann dem Versuch. wenn es irgendwann soweit kommen würde. der Riemannschen Vermutung: »Es wäre sehr entmutigend. Ein mathematischer Beweis sollte nicht nur eine Frage beantworten. daß sich ein Programm entwickelt. ob die Riemann-Hypothese . der für das erste Computerprogramm verliehen werden soll. Eine Frage in eine Black Box einzuspeisen und am anderen Ende die Antwort geliefert zu bekommen. darf sich reproduzieren und eine neue Generation mutierter Töchter erzeugen. daß man einen Computer fragen kann. Die Mathematiker wiederholen diesen Vorgang unablässig in der Hoffnung. Der Computerwissenschaftler Edward Frenkin geht so weit. ein bestimmtes Problem zu lösen. daß es Computerbeweisen immer an der Strahlkraft der traditionellen Beweise fehlen wird und daß sie vergleichsweise hohl klingen werden. Der Mathematiker Roland Graham verdeutlichte die Seichtheit von Computerbeweisen anhand einer der größten unbewiesenen Vermutungen unserer Zeit. Für das Überleben des Tüchtigsten gilt hier das Kriterium. das Programm jedoch. welches dem Resultat am nächsten kommt.

Fermats letzter Satz sei einem seltenen Moment der Schwäche des Genies aus dem siebzehnten Jahrhundert entsprun- . Es handelt sich um ein Meisterstück der modernen Mathematik. und dann die Antwort erhält: ›Ja. einen Beweis. Wiles’ hundert Seiten dichtgedrängter Mathematik erfüllt dieses Kriterium ganz gewiß. In seiner Argumentation macht er sich eine Reihe mathematischer Verfahren zunutze.korrekt ist. die in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden. einen nach dem ändern« da war ich enttäuscht. Doch als ich die Antwort erhielt: »Sie haben das Problem in tausend Fälle zerlegt und sie dann alle durch den Computer gejagt. und der Schluß läßt sich nicht umgehen.« Der Preis Wiles’ Beweis des letzten Fermatsatzes beruht auf der Bestätigung einer Vermutung aus den fünfziger Jahren. daß der von Wiles erbrachte Beweis mit dem Fermats übereinstimmen kann. daß es letztlich doch kein gutes Problem war. was dann? Die Mathematiker sind hier in zwei Lager gespalten. in dessen Kern eine Idee steckte. Wenn Fermat nicht Wiles’ Beweis hatte. die Galois-Gruppen und die Kolywagin-Flach-Methode erfunden. an deren Schönheit ich mich noch den ganzen Tag würde freuen können. die Taniyama-Shimura-Vermutung. Meine Reaktion war: »Da sieht man eben. doch sicher hatte der Franzose nicht schon vor allen ändern die Modulformen. aber du wirst den Beweis nicht verstehen‹. Fermat schrieb. manche von ihm selbst. Die hartnäckigen Skeptiker glauben. sie ist richtig.« Der Mathematiker Philip Davis schildert in einem gemeinsam mit Reuben Hersh verfaßten Buch seine ähnliche Reaktion auf den Beweis des Vierfarbenproblems: Als erstes dachte ich: »Wunderbar! Wie haben sie’s geschafft?« Ich erwartete eine brillante neue Erkenntnis. sein Beweis passe nicht auf den Rand seines Exemplars der Arithmetica von Diophantos.

der Wolfskehl-Preis hingegen habe neunzig Jahre seiner Verleihung geharrt. Es war die Leidenschaft meiner Kindheit. Am 27. zweifellos wird ihn nichts mehr dermaßen fesseln wie Fermats letzter Satz. Andere Mathematiker. um den von Paul Wolfskehl zu Anfang des Jahrhunderts ausgesetzten Preis zu verleihen. Bei Fermat heiße es zwar: »Ich habe einen wahrhaft wunderbaren Beweis«. Fermat könnte einen echten Beweis besessen haben.gen. Wie genau der Beweis aussah. daß Fermats Gedankenführung den Arbeiten von Cauchy oder Lamé ähnelte. Wie auch immer er ausgesehen haben mochte. der Vorsitzende des Komitees. »Es gibt kein anderes Problem. der sieben Jahre unter völligem Stillschweigen gearbeitet hat. Doch welches Problem wird Wiles’ Denken als nächstes in Bann ziehen? Es überrascht nicht. daß es. Juni 1997 versammelten sich die angesehenen Mitglieder der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen in der Aula der Göttinger Universität. Professor Heinz Wagner. daß ein Mann. der Wolfskehl-Preis sei viel wichtiger als alle Nobelpreise – diese würden jedes Jahr verliehen. Wiles hat nun zwar seine Lösung veröffentlicht. doch in Wirklichkeit sei dieser fehlerhaft gewesen. das mir so viel bedeuten wird. angefangen bei Euler bis hin zu Wiles. Das Fermatsche Problem war offiziell gelöst. ist eine offene Frage. allen ändern entgangen sei. die romantischen Optimisten. Obwohl Wiles auf die Methoden des zwanzigsten Jahrhunderts zurückgreifen mußte. glauben. Fermats ursprünglichen Beweis entdecken und damit Ehre und Ruhm ernten zu können. Umgeben von Porträts der hannoveranischen Könige nahm Wiles den Preis im Wert von 70 000 Mark entgegen – das Wolfskehl-Komitee hatte seine Pflichten nun erfüllt. doch an was immer er auch arbeitet. doch es ist durchaus möglich. dennoch glauben etliche Mathematiker. um ein Rätsel aus dem siebzehnten Jahrhundert zu lösen. Nichts . hat er nach den Regeln des Wolfskehl-Komitees Fermats Aufgabe gelöst. nicht über seine gegenwärtigen Forschungen sprechen möchte. er hätte auf den Verfahren des siebzehnten Jahrhunderts beruht und ein so ausgeklügeltes Argument in Anschlag gebracht. erklärte.

Ich werde es mit anderen Problemen aufnehmen. Das ist eine lange Zeit. zugleich allerdings verspürt man ein überwältigendes Gefühl der Freiheit. Ich war so besessen von dem Problem. wenn ich aufwachte. Ich habe es gelöst. da bin ich sicher. daß ich acht Jahre lang unablässig darüber nachgedacht habe – von morgens.« . und ich werde wieder das Gefühl haben. was einem so viel bedeutet. Ich weiß. Ich hatte dieses ganz seltene Privileg. wenn ich schlafen ging. Diese Odyssee ist nun zu Ende. im Erwachsenenleben den einstigen Kindheitstraum verfolgen zu können. doch wenn man als Erwachsener etwas in Angriff nehmen kann. um über eine einzige Sache nachzudenken. etwas zustande gebracht zu haben. das mich so fesseln könnte wie das Fermatproblem.kann an seine Stelle treten. doch es gibt kein anderes Problem in der Mathematik. es ist ein seltenes Privileg. Das Problem gelöst zu haben bedeutet gewiß eine Art Verlust. kann man sich gar keine dankbarere Aufgabe vorstellen. Mein Denken ist zur Ruhe gekommen. bis nachts. Manche davon werden sehr schwierig sein.

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Anhang .

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Daraus folgt: Fläche des großen Quadrats = 4 × (Fläche jedes Dreiecks) + Fläche des gekippten Quadrats 1 = 4( 2 xy) + z2. d. Daher ist die Fläche des großen Quadrats = (x + y)2. 1 . Die Fläche dieses großen Quadrats ist der Schlüssel zum Beweis. Die Methoden 1 und 2 ergeben zwei verschiedene Ausdrücke. h. Das oben abgebildete Dreieck könnte jedes beliebige rechtwinklige Dreieck sein. Die Fläche des großen Quadrats kann auf zwei Weisen berechnet werden. Diese Ausdrükke müssen jedoch gleichwertig sein. ( 2 × Grundlinie × Höhe). Daneben sind vier identische rechtwinklige Dreiecke abgebildet. denn die mit den Buchstaben x. Die Fläche des gekippten Quadrats ist z2. zu zeigen. y und z bezeichneten Seitenlängen sind nicht bestimmt. Die Länge jeder Seite ist x + y.1. die zusammen mit einem gekippten kleineren Quadrat ein großes Quadrat ergeben. Wir können die Klammern auf beiden Seiten auflösen und die Ausdrücke vereinfachen. Der Beweis für den Satz des Pythagoras x x+y x z z y y x y Ziel des Beweises ist es. Methode 1: Messe die gesamte Fläche des großen Quadrats. Die Fläche 1 1 der Dreiecke beträgt jeweils 2 xy. da sie dieselbe Fläche bezeichnen. Methode 2: Messe die Fläche jedes Elements des großen Quadrats. Deshalb gilt: Fläche aus Methode 1 = Fläche aus Methode 2 (x + y) 2 = 4( 2 xy) + z2. daß der Satz des Pythagoras für alle rechtwinkligen Dreiecke gilt. Dann ergibt sich: x2 + y2 + 2xy = 2xy + z2.

weil 2 und 3 keine gemeinsamen Teiler haben. nämlich 2 könne tatsächlich als ein noch unbekannter Bruch geschrieben werden. das Gegenteil sei wahr. z2 ist gleich der Summe der Quadrate über den beiden anderen Seiten. daß 2 irrational ist Euklids Ziel war es. Allerdings kann 3 nicht weiter vereinfacht werden. y und x bezeichnet und können daher die Seiten jedes beliebigen rechtwinkligen Dreiecks darstellen. wir 16 teilen nur die obere und die untere Zahl des Bruchs 24 durch den gemeinsa8 4 4 men Teiler 2.Das 2xy auf beiden Seiten läßt sich wegkürzen. q Bevor wir uns an den eigentlichen Beweis machen. Das Quadrat über der Hypotenuse. mit welcher Methode man sie auch berechnen mag. zu beweisen. immer dieselbe bleiben muß. muß die sich ergebende Zahl gerade sein. daß 2 nicht als Bruch geschrieben werden kann. Erinnern wir uns nun daran. und 6 wiederum ist das gleiche 2 2 wie 3 . Weil er jedoch den Beweis durch Widerspruch verwendet. geht . daß die Fläche des großen Quadrats. Dieser hypothetische Bruch wird durch den Ausdruck p dargestellt. Da er den Beweis durch Widerspruch verwendete. 2. Die Seiten des Dreiecks in unserem Beispiel werden durch x. einen Bruch unendlich oft zu vereinfachen. Weiterhin ist 12 das gleiche wie 6 . Das ist praktisch die Definition einer geraden Zahl. 2 könne nicht als Bruch dargestellt werden. (1) Wenn wir eine beliebige Zahl nehmen und sie mit 2 multiplizieren. Dieses Argument gilt für alle rechtwinkligen Dreiecke. Euklids Beweis. in dem p und q ganze Zahlen sind. x2 + y2. ging er zunächst einmal davon aus. Wir erzeugen also auf logisch korrekte Weise zwei verschiedene Ausdrücke für dieselbe Fläche. (2) Wenn das Quadrat einer Zahl gerade ist. muß auch die Zahl selbst gerade sein. müssen wir uns noch einige elementare Eigenschaften von Brüchen und geraden Zahlen vor Augen führen. 16 8 (3) Schließlich können Brüche vereinfacht werden: 24 ist das gleiche wie 12 . daß Euklid glaubt. So erhalten wir: x2 + y2 = z2. setzen diese dann gleich und gelangen zur unvermeidlichen Schlußfolgerung. daß x2 + y2 = z2. Es ist unmöglich. und das ist der Satz des Pythagoras! Das Argument beruht auf der Tatsache.

etwa h kann dann wieder durch die Mühle gedreht werden. Dieser Bruch wir schließlich einen noch einfacheren Ausdruck. wird noch einfacher sein. dann erhalten wir 2= p 2m = q 2n Das 2m kann vereinfacht werden. wobei m eine andere ganze Zahl darstellt. Deshalb können wir berechtigterweise sa- . Doch demselben Argument wie oben zufolge wissen wir. wobei n eine weitere ganze Zahl ist. Setzen wir 2 m in die Gleichung ein. Freilich wissen wir aus Punkt (3). Doch unser ursprünglicher hypothetischer Bruch q gehorcht dieser Regel offenbar nicht. die sich daraus ergeben: 2= Wenn wir beide Seiten quadrieren. etwa e f . Wenn dies der Fall ist. q2 p . dann kann es als 2 m geschrieben werden. Teilen wir beide Seiten durch 2. daß q2 gerade sein muß und q selbst ebenfalls. n p Wir haben nun einen Bruch der einfacher ist als . n q m Allerdings können wir nun genau dasselbe Verfahren auf anwenden. Das folgt aus Punkt (1). Gehen wir zurück zum Ausgangspunkt. ergibt sich 2 = p2 .er von der Annahme aus. erhalten. daß der Bruch p q die Folgen. und der neue Bruch. erhalten wir 2 q2 = (2 m) 2 = 4 m 2 . daß Brüche nicht unendlich oft vereinfacht werden können. Auch ihn können wir wieder durch die Mühle drehen. q tatsächlich existiert. Doch wenn p gerade ist. dann kann q als 2 n geschrieben werden. indem man den oberen und den unteren Aus2n druck durch 2 teilt. erhalten wir q2 = 2 m 2. daß p 2 gerade sein muß und wegen Punkt (2) dann auch p. und untersucht Diese Gleichung kann auf einfache Weise umgeformt werden zu 2 q2 = p2 Nun wissen wir von Punkt (1) her. Damit erhalten wir 2= m m . wobei n g . und so weiter ohne Ende. Es muß immer einen p einfachsten Ausdruck geben.

6 . als er starb. 7 5 Jahre später wurde ein Sohn geboren. 28 3 L + 9. L betrug die Lebensspanne seines Sohnes. 6 12 7 2 Wir können den Ausdruck folgendermaßen vereinfachen: L = 25 L + 9. . 12 L verbrachte er vor der Heirat. Die Länge von Diophantos’ Leben ergibt sich aus der Summe des obigen: L = L L L L + + + 5 + + 4. bevor er starb. verbrachte er als Knabe.gen. Wenn 2 als Bruch geschrieben werden könnte. dann wäre das Ergebnis absurd. Diophantos starb im Alter von 84 Jahren. und deshalb ist die Aussage wahr. Das Rätsel um das Alter des Diophantos Nennen wir L das Alter. L verbrachte er als Junge. 28 L = 28 3 x 9 = 84. daß wir zu einem Widerspruch gelangt sind. Also ist 2 eine irrationale Zahl. 2 4 Jahre verbrachte Diophantos in Trauer. das Diophantos erreicht hatte. daß 2 nicht als Bruch geschrieben werden kann. Das Rätsel gibt uns Auskunft über die Dauer jedes Lebensabschnitts: 1 L 6 seines Lebens. 3.

1. 40 kg = 32 + 8. = 4 + 1. daß es eine unendliche Anzahl pythagoreischer Tripel gibt Ein pythagoreisches Tripel ist eine Menge aus drei ganzen Zahlen. also auch ben dem zu wiegenden Gegenstand. mit nur vier wichten auskommen: 1. 16. . = 3 . Ein Gewicht in derselben Waagschale der gewogene Gegenstand nimmt praktisch einen negativen Wert an.4. braucht man sechs Gewichte: 1. Sein Beweis beginnt mit der Feststellung. Euklid konnte beweisen. Euklids Beweis. = 4. daß die Differenz zwischen aufeinanderfolgenden Quadratzahlen immer eine ungerade Zahl ergibt: . . Damit können auf einfache Weise alle Gewichte zusammengestellt werden. 40 kg = 27 + 9 + 3 +1. . . = 2 + 1. daß es eine unendliche Anzahl solcher pythagoreischer Tripel gibt. 32 kg. . wie Bachet.1. Wenn jedoch Gewichte in beiden Waagschalen zugelassen sind. = 3 + 1. = 3. kann man. 1 2 3 4 5 kg kg kg kg kg neGewie Ge1 2 3 4 5 kg kg kg kg kg 5. . Die wichte können somit folgendermaßen zusammengestellt werden: = 1. indem man die folgenden Gewichte einzeln oder zusammen auf die Waagschale legt: = 1. 27 kg. wobei die Quadrate zweier Zahlen zusammen gleich dem Quadrat der dritten sind. 3. 2. = 2. 9. 8. werden die meisten vermuten. Bachets Wiegeproblem Um ein beliebiges ganzzahliges Gewicht von 1 bis 40 Kilogramm wiegen zu können. = 9 – 3 . 4.

Unten abgebildet ist die Umgebung eines solchen Punktes D. daß es unmöglich ist. den jeder Punkt zur nächsten Geraden hat. Betrachten wir zunächst ein zufälliges Punktemuster und die Geraden. die ihn nicht durchläuft. weshalb ich empfehle. die zu einer Quadratzahl addiert eine weitere Quadratzahl ergeben. bei dem jede Gerade mindestens drei Punkte durchläuft. Der Abstand zwischen dem Punkt und der Geraden ist als gestrichelte Linie eingezeichnet.11 1 21 4 32 9 42 16 52 25 62 36 72 49 82 64 92 81 102 100 \ 3 / \ 5 / \ 7 / \ 9 / \ 11 / \ 13 / \ 15 / \ 17 / \ 19 / Jede einzelne Zahl aus der Unendlichkeit der ungeraden Zahlen kann zu einer bestimmten Quadratzahl addiert werden. 6. Damit stellen wir auch fest. es muß eine unendliche Anzahl pythagoreischer Tripel geben. welche jeden Punkt mit jedem anderen verbinden. über jeden Schritt sorgfältig nachzudenken. und dieser Abstand ist kleiner als jeder andere Abstand zwischen jeder anderen Geraden und einem Punkt. L D . ein Punktediagramm zu zeichnen. der einer Geraden L am nächsten liegt. Ein Bruchteil dieser ungeraden Zahlen besteht selbst aus Quadratzahlen. Beweis der Punktevermutung Die Punktevermutung lautet. Mit anderen Worten. Deshalb gibt es auch eine unendliche Anzahl von ungeraden Quadratzahlen. beruht er auf ein wenig geometrischer Gymnastik. Dann stellen wir den Abstand fest. welcher Punkt einer solchen Geraden am nächsten hegt. doch ein Bruchteil des Unendlichen ist ebenfalls unendlich. so daß sich eine weitere Quadratzahl ergibt. Obwohl dieser Beweis nur ein Mindestmaß an mathematischem Aufwand verlangt.

überlegen wir. in dem jede Gerade drei Punkte durchläuft. die nur zwei Punkte durchläuft: die Vermutung ist richtig. außerhalb der beiden ursprünglich gezeigten liegen würde. daß es unmöglich ist. Deshalb kann D A nicht existieren. jede Anordnung von Punkten muß einen Mindestabstand zwischen einem Punkt und einer Geraden aufweisen. d. was wäre.Nun kann gezeigt werden. und die fragliche Gerade kann nur zwei Punkte durchlaufen. wenn sie einen dritten durchlaufen würde. . Deshalb kann auch D B nicht existieren. daß die Gerade L nur zwei Punkte durchläuft. L DA D Wenn nun der dritte Punkt D B zwischen den beiden ursprünglich gezeigten Punkten liegen würde. Deshalb gilt für jede Anordnung. dann wäre der als gepunktete Linie gezeichnete Abstand wiederum kürzer als die gestrichelte Linie. daß die Gerade L immer nur zwei Punkte durchläuft und die Vermutung daher zutrifft. daß es zumindest diese eine Gerade geben muß.. welche den kürzesten Abstand zwischen einem Punkt und einer Linie darstellen sollte. L DB D Zusammengefaßt heißt dies. die den kürzesten Abstand zwischen einem Punkt und einer Linie darstellen sollte. ein Diagramm zu zeichnen. Um zu zeigen.h. dann wäre der als gepunktete Linie gezeichnete Abstand kürzer als die gestrichelte. Wenn dieser dritte Punkt. D A .

Tatsächlich passiert der fatale Fehler im letzten Schritt. wie leicht es ist. Irrweg ins Absurde Im folgenden wird auf klassische Weise demonstriert. mit einer sehr einfachen Aussage zu beginnen und nach einigen auf den ersten Blick schlichten und logischen Schritten zu zeigen. Deshalb konnte sich ein Widerspruch in den Argumentationsgang einschleichen.ab. Dann multiplizieren wir beide Seiten mit a und erhalten a 2 = ab. Teilen wir schließlich beide Seiten durch a 2 .ab. aber katastrophaler Irrtum. Wir wissen aus der ersten Aussage.2ab. Beginnen wir mit der harmlosen Feststellung a = b.7. doch an irgendeinem Punkt der schrittweisen Umformung der Gleichung unterlief uns ein unscheinbarer. daß a=b . Die ursprüngliche Aussage scheint – und ist – völlig harmlos. Wir haben auf beiden Seiten eine unendliche Größe erzeugt und damit praktisch die beiden Hälften der Gleichung auseinandergerissen. wenn beide Seiten durch a 2 -ab geteilt werden. und wir erhalten 2 = 1. der dann zum Widerspruch in der letzten Aussage führte.ab) = a 2 . daß 2 = 1. . Addieren wir nun auf beiden Seiten a 2 -2ab: a 2 + a 2 . Diese Gleichung kann vereinfacht werden zu 2(a 2 . die vielen Einsendern für den Wolfskehl-Preis unterlaufen waren. Etwas durch Null zu teilen ist ein riskanter Schritt.2 ab = ab + a 2 . und daher bedeutet eine Division durch a 2 -ab eine Division durch Null. Dieser subtile Irrtum ist typisch für jene Sorte von Patzern. denn Null geht unendlich oft in jede beliebige endliche Menge.

8. Für jede Zahl n gibt es eine weitere Zahl k. n. k gilt: (m + n) + k = m + ( n + k) 3. So können wir ohne jede zusätzliche. Für beliebige Zahlen m. Für beliebige Zahlen m. Beginnen wir mit der Feststellung. k gilt: wenn k≠0 und kn = km. dann m = n. n gilt: m+n =n + m 2. daß für jede Zahl n gilt: n × und mn = n m. so daß gilt: n + k = 0. 4. Für beliebige Zahlen m. 5. Für beliebige Zahlen m. Anhand dieser Axiome können weitere Regeln bewiesen werden. daß wenn m + k = n + k. Gemäß Axiom 6 sei nun l eine Zahl. Dann gilt gemäß Axiom 2: m + ( k + l) = n + ( k + l). . 6. und ( mn)k = m( mk) 1 = n. n. für die gilt. die scheinbar selbstverständliche Regel beweisen. dann m = n. n. Es gibt eine Zahl 1 mit der Eigenschaft. daß m + k = n + k. so daß (m + k) + l = ( n + k) + l. daß für jede Zahl n gilt: n + 0 = n. daß k + l = 0. Es gibt eine Zahl 0 mit der Eigenschaft. k gilt: (m + n) + k = mn + mk. 7. Die Axiome der Arithmetik Die folgenden Axiome sind alles. was für die Grundlegung des kunstvollen Gebäudes der Arithmetik nötig ist: 1. allein durch strenge Anwendung der Axiome.

10. Schwarz hat die Situation so verändert. Beispiel für einen Beweis durch Induktion Die Mathematiker finden es nützlich. was wir ursprünglich beweisen wollten: m = n. Grau oder Weiß wird sterben. die die Summe der ersten n natürlichen Zahlen liefert. zunächst auf Weiß zu zielen. Herr Schwarz könnte zunächst auf Herrn Grau zielen. Weiß hat nur noch einen Gegner. Die Spieltheorie und das Triell Sehen wir uns die Optionen von Herrn Schwarz an. ermöglicht er es Grau. Dies ist die beste Strategie für Schwarz. eine Formel zu finden. daß k + l = 0. und dann wird Schwarz auf den Überlebenden anlegen. Indem Schwarz in die Luft schießt. wird Schwarz ein toter Mann sein. wird Grau den nächsten Schuß auf Schwarz abfeuern. wird er auf Grau zielen. Schwarz. . die sich Schwarz zueigen machen sollte. wird der nächste Schuß von Herrn Weiß abgefeuert. Wenn er erfolgreich ist.Erinnern wir uns. anhand eleganter Formeln die Summen diverser Zahlenreihen auszurechnen. Eine bessere Option für Schwarz ist. Grau trifft sein Ziel nur in zwei von drei Fällen. die Summe der ersten drei Zahlen 6 (1 + 2 + 3). Weiß auszuschalten oder umgekehrt. so ergibt sich m + 0 = n + 0. 9. auf Grau schießt und das Triell vielleicht gewinnt. Wenn Weiß überlebt. und er wird auf Weiß zielen. und so weiter. Schwarz könnte in die Luft schießen. Allerdings gibt es eine dritte und noch bessere Option. Zum Beispiel beträgt die Summe nur der ersten Zahl 1. weil er der gefährlichere Gegner ist. Grau hat den nächsten Schuß. und daher gibt es die Chance. daß er nun nicht den ersten Schuß in einem Triell. daß Schwarz überlebt. Dem Anschein nach ist es die zweite Strategie. Wenden wir darauf Axiom 4 an. denn dieser ist der gefährlichere Gegner. sondern den ersten Schuß in einem Duell hat. In diesem Falle besteht die Aufgabe darin. und da Weiß ein perfekter Schütze ist. die Summe der ersten vier Zahlen ist 10 (1 + 2 + 3 + 4). Wenn er ihn trifft. dann können wir schließlich verkünden. die Summe der ersten beiden Zahlen 3 (nämlich 1 + 2).

sie auch für n + 1 gelten muß. ist: Summe(n) = n(n + 1) Mit anderen Worten: Wenn wir die Summe der ersten n Zahlen finden wollen. durch Induktion zu beweisen. daß die Formel für den ersten Fall. daß diese Formel für jede Zahl bis ins Unendliche funktioniert. erhalten wir das richtige Ergebnis: Summe(n) = n(n + 1) Summe(1) = Summe(1) = 1 x 1 x (1 + 1) 2 1 x 1 x 2 2 1 2 1 2 Summe(1) = 1. Wenn Summe(n) = n(n + 1) dann. n = 1. Summe(n + 1) = Summe(n) + (n + 1) Summe(n + 1) = n(n + 1) + ( n + 1) 1 2 1 2 Durch Umformung und Neugruppierung der Terme auf der rechten Seite erhalten wir Summe(n + 1) = (n + 1) [(n + 1) + 1].Eine Formel. Der erste Dominostein ist gekippt. funktioniert. Der nächste Schritt besteht darin. welche dieses Muster zu fassen scheint. daß die Summe allein der ersten Zahl 1 ist. und wenn wir n = 1 in die Formel einsetzen. Anhand der Induktion läßt sich beweisen. müssen wir diese Zahl bloß in die obige Formel einsetzen und das Ergebnis ausrechnen. Der erste Schritt ist zu zeigen. daß wenn die Formel für einen beliebigen Wert n gilt. Das ist ziemlich einfach. weil wir wissen. 1 2 .

daß die Form dieser neuen Gleichung genau dieselbe ist wie die der ursprünglichen.Entscheidend ist hier. wird er auch den nächsten kippen. . wenn die Formel für n gilt. Der Beweis durch Induktion ist abgeschlossen. dann muß sie auch für n + 1 gelten. außer daß n bei jedem Auftauchen durch (n + 1) ersetzt ist. Mit anderen Worten. Immer wenn ein Dominostein umkippt.

Elementary Number Theory... Ergänzend zu den Hauptquellen für jedes Kapitel nenne ich weitere Titel für allgemein interessierte Leser und Fachleute. London 1961. Die großen Mathematiker. in: Science 271 (1996). Eine allgemein zugängliche Darstellung der Ursprünge des letzten Fermatsatzes. S. Frankfurt/Main und Wien 1979. Pythagoras. Paul. David.Vorschläge zur weiteren Lektüre Für die Recherche zu diesem Buch habe ich zahlreiche Bücher und Artikel herangezogen. Faszinierende Geschichten um das Vergnügen an der Mathematik und ihre Gefahren. Støllum. Michael. Mathematische Hexereien. New York 1981. Biographien der größten Mathematiker der Geschichte. Cauchy und Kummer. London 1979. Princeton 1994. Thomas. Eric T. Burton. A History of Greek Mathematics. Kapitel 3 Bell.) Kapitel l Bell. Eine Sammlung mathematischer Rätsel und Knobeleien. Mahoney. worum es geht. Fermat. 1710-1713. . Martin. Hans-Henrik. 2 Bde. Heath. Harmondsworth 1988. Düsseldorf 1967. Leslie. Peter. (Die mit * markierten Titel wurden für die deutsche Ausgabe hinzugefügt. Kapitel 2 Hoffmann. Gardner. Gorman. Washington 1990. A Short Account of His Life and Philosophy. The Last Problem. »River meandering as a self-organization process«. Pythagoras.. Boston 1980. darunter Euler. Gauß. Archimedes’ Revenge. The Mathematical Career of Pierre de Fermat. Eric T. Berlin. Wo der Titel der Quelle nicht auf ihre Bedeutung schließen läßt. Eine detaillierte Untersuchung zu Leben und Werk Pierre de Fermats. erläutere ich mit ein paar Worten. A Life. Ralph.

J. Kummer. 352. 407-416. S. .1416 and All That. Boston 1994. S. G. Liouville. *Fellmann. Biographien bedeutender Mathematiker. Basel. A. Teri. Reinbek 1995. das die Konzepte der Mathematik anhand von verblüffenden Bildern vermittelt. Sci. Verschiedene Mitteilungen... darunter Sophie Germain. Bd. Emil A. *Wußing. Bristol 1986. Eli. Nachgedr. S. Monte. P. Sternstunden der modernen Mathematik. Köln 1985. »Sophie Germain«. 466-505. *Maor.Cauchy. Leonhard Euler. Malcolm E. in: C. Collected Papers. Harold M. Harald. mit einer Erörterung der mathematischen Axiome. *Scheid.. hrsg. Woman in Science.. Ein kurzer Artikel über Leben und Werk Sophie Germains. H. Lines. Dem Unendlichen auf der Spur. Fakten und Spekulationen über Zahlen von Euklid bis zu den modernsten Computern. Kummer à M. Devlin. Menlo Park 1978. Eine Reihe von Geschichten über Mathematiker und die Mathematik. in: Evolution 20 (1966). Boston und Berlin 1989. Keith. »Note au sujet de la démonstration du theorème de Fermat«. 136. Chinn. Lynn M. Paris 24 (1847). Basel und Stuttgart 1990. Wien und New York 1977. Ein weitgehend nichtmathematischer Text mit Biographien vieler erstrangiger Mathematikerinnen der Geschichte. »The periodical cicada problem«. Amy Dahan. in: A. Line allgemeinverständliche und detaillierte Darstellung der modernen Mathematik. 3. Zahlentheorie. Keith. Hans. Boston und Stuttgart 1985. Women in Mathematics. S. G. R. A Number for Your Thoughts. Sci. Dybas. »Extrait d’une lettre de M. Lamé. Basel. von John A. Weil. J. Acad. Dalmédico. Kapitel 4 Davis. Eine mathematische Diskussion des letzten Fermatsatzes mit genauen Darstellungen einiger früher Beweisversuche. und Wolfgang Arnold.. New York 1980. Hg. mit einer etwas genaueren Darstellung der Punktevermutung. in: Journal de Mathématiques pures et appliquées 12 (1847).. Zahm. Lloyd. 469-483.. Mannheim 1991. Ein schön illustriertes Buch. Dezember 1991. Perl. Osen. Acad. in: Scientific American. London 1991.. Paris 24 (1847). Mozans. m: C. Mathematics: The Science of Patterns. Ernst L.. Wien und Berlin 1975. und W. Devlin. Edwards. Math Equals: Biographies of Women Mathematicians + Related Activities. mit einem Kapitel über Paul Wolfskehl. A Genetic Introduction to Algebraic Number Theory. Fermat’s Last Theorem. und Henry S. R. 1. Hg.

. 1913. A Mathematician’s Apology. Der wichtige Aufsatz. 3 Bde. Riddles in Mathematics. New York und Heidelberg 1979. Loyd. Eugene P. . Sam (II. Wells. Harmondsworth 1986. Ribenboim. Lodge. David. S.. »Links between stable elliptic curves and certain diophantine equations«. Principia Mathematica. 1872-1914. Bertrand. 1 -40. Math... Kapitel 5 Frey. Bertrand. Shimura. Die Entwicklung meines Denkens. es gebe eine Verbindung zwischen der Taniyama-Shimura-Vermutung und dem letzten Fermatsatz. Eine Darstellung des letzten Fermatsatzes für Studenten. Loyd. Mathematische Rätsel und Spiele. 186-196. S. 1 (1989). David.). 1912. Wien und New York 1994. Russell. Frankfurt/Main 1988. New York 1975. in: Bulletin of the London Mathematical Society 21 (1989). Harmondsworth 1993. New York 1928. in dem Frey die Vermutung aufstellte. geschrieben vor Veröffentlichung der Arbeiten von Andrew Wiles. The Picturegoers. Eine Darstellung des Lebens von Alan Turing und seines Beitrags zur Entschlüsselung des Enigma-Codes. Bertrand. Wells. Ser. Eine der größten Gestalten der Mathematik des zwanzigsten Jahrhunderts stellt die Beweggründe dar. Andrew. 1980. Kreisel. Alan Turing. H. Goro. Köln 1978. Zürich 1967. Eine sehr persönliche Darstellung von Leben und Werk Yutaka Taniyamas. Cambridge 1940. *Russell. Sam Loyd and his Puzzles. Sam. Cambridge 1910. Harmondsworth 1992. G. Northrop. Harmondsworth 1995. *Russell. Gerhard. die ihn und seine Kollegen zur Mathematik führen. David. Stewart. und Alfred North Whitehead. Ian. in: Ann. The Concepts of Modern Mathematics. von Martin Gardner. G. in: Biographical Memoirs of the Fellows of the Royal Society. Hodges. hrsg. »Yutaka Taniyama and his time«. Paulo. The Penguin Dictionary of Curious and Interesting Numbers.Hardy. The Penguin Dictionary of Curious and Interesting Puzzles. Mein Leben. 13 Lectures on Fermat’s Last Theorem. Univ. Enigma. Kurt Gödel. Sarav.

Dumas. in: Scientific American. L. »Genius and Biographers: the Fictionalization of Evariste Galois. Kapitel 7 Gelbart. Notes on Fermat’s Last Theorem. Hier werden die mathematischen Überlegungen vorgestellt. Enthält eine genaue Liste der von Galois’ Biographen verwendeten historischen Quellen und erörtert die Stichhaltigkeit der verschiedenen Interpretationen. 108-121. Stewart. Richard. The Four-Color Problem: Assaults and Conquest. 13. Eine technische Darstellung von Wiles’ Beweis für Studenten ab den Grundsemestern. S. »How to succeed in stacking«. S. Stephen. 177-219. Taylor. Oktober 1977. Oktober 1993. The Mathematical Experience. 74-82. J. S. T. P. Mes Mémoires. Hersh. »An elementary introduction to the Langlands programme«. in: Scientific American. in: Annals of Mathematics 141 (1995).Juli 1993. Van der Poorten. C. T. S. Kenneth. in: Bulletin of the American Mathematical Society 10 (1984). John. Saaty. Kainen. Harmondsworth 1990. m: New Scientist. 553-572. »The death of a proof«. »Ring-theoretic properties of certain Hecke algebras«. 197-266. und P. Kapitel 8 Appel. Alf. Dieser Artikel enthält den Großteil von Wiles’ Beweis der Taniyama-Shimura-Vermutung und des letzten Fermatsatzes. und R. 29-32. Rothman. in: Annals of Mathematics 141 (1995). in: Annales Scientifiques de l’École Normale Supérieure 13 (1896). Davis. New York 1996. und Andrew Wiles. Alexandre..Kapitel 6 Depuy. und Wolfgang Haken.443-551. . »Modular elliptic curves and Fermat’s Last Theorem«. Wiles. 84-106. »La vie d’Evariste Galois«. Line technische Erläuterung des Langlands-Programms für die mathematische Forschung. Andrew. auf deren Grundlage die Mängel des Wilesschen Beweises von 1993 behoben werden konnten. Paris 1967. »The solution of the four-color-map problem«. S. New York 1977. Horgan. S. in: American Mathematical Monthly 89 (1982). S. S. Ian. Paul.

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.

266 Archimedes 25. 202 Dudeney. Gerbert von 80 Bachet de Méziriac. 118. Noam 193. Eric Temple 30. 88 Baker. 203. François 99 Arakelow. P. Lewis (Charles Dodgson) 154 Cäsar. Alfred 26 Agnesi. Martin 209 Einstein. 261 Deuring. 61. 85 Diophantos von Alexandria 76–78. Albert 115 . 84. J. 150. 237–238. 82–83. Auguste 257. Girolamo 62 Carroll. Jean Le Rond 115 Algarotti. 302–303 Epimemdes 175–176 Escher. 154 Beaugrand. 250–251. 94. 139. 144. 82. 82. 199 Dirichlet. 241. 260 Churchill. Nikolaus 99 Bombelli. A. Georg 119–120 Cardano. 257 Chevalier. 70–71. S. 270. 85. S. 191. d. Daniel 99 Bernoulli. 223. Julius 78. de 62 Bell. 179. Henry 154 Dumas. John 194–195. 132 Bernoulli. Francesco 128 Anglin. 130 Aristoteles 80 Augustinus 35 Aurillac. Alexandre. Maria 126–127. Alan 296 Barnum. 304 Descartes. Arthur C. Rafaello 111 Brahmagupta 80 Cantor. Niels Henrik 27 Adleman. 55. 78. 141–142. Whitfield 122 Digby. Jakob 100 Bernoulli. W. Winston 188 Clarke. 299 Coolidge. 280. 253 Eichler. René 63–64. 53. 97 Antonius. Max Friedrich 205 Diderot.Register Abel. Augustin Louis 137. Kenelm 60. Albert 41–42 Elkies. 70. 85. Henri 302. 74–75. Alexis-Claude 56 Coates. Leonard 122 Adler. T. Maurits 213 Euklid 36–37. John H. 294 Cohen. Denis 102 Diffie. 272. 132 Euler. Julian 61 Dalton. Marcus 78 Arago. 81 Cauchy. John 45 Darmon. Paul 177–178 Conway. 46 Clêrot. 144–145. Claude Gaspar 77. Johann Peter Gustav Lejeune 133. 136 Aischylos 25 d’ Alembert. 80. 277–278.

280. 230–231. Petrus 62 Gauß. 114–116.Euler. G. Paul 99 Evens. Nick 273. 145. 172–173. 180–181. der Große 100. Dominique 59 Fermat. 250 Gardner. 262. 191 Kylon 50 Lagrange. 257. Carl Friedrich 132–135. Charles 27 Hubert. 145. 63–64. 288–291 Kleopatra 78 Kolywagin 272. 278. 193. 178. Yasumasa 72 Katharina die Große 100. 175–178. Johan Ludvig 70 Hein. 237 Fallings. 67–68. 182. 115 Furtwängler. 130–135. 130. 245. 244–245. 242. 179. 149–151. 194. 84. 109. 164–166. 144–145. 255–256. Leonard 293 Eves. 144–145. 71. 191. 141–142. 305 Kowalewski. 264 Galois. 99–102. Werner 176–177 Hellman. 251 Lamé. 25–27. 93. 303 Friedrich II. 162. 145. 77–78. 150. Leopold 72 Kummer. 257 Frege. 139. 239. Clément-Samuel de 88 Fermat. 191. 252. Galileo 61. 159 Langlands. Martin 122 d’ Herbinville. Kenkichi 304 Jacobi. 102. 305 Fourier.. 291 Iwasawa. 252 Gibbon. Carl Gustav 257. 158. Edmund 127. Joseph Louis 115. 137. 63 Galois. 178–179. Ernst Eduard 139. Andrew 190 Hypatia 126–127 Hypsikles von Alexandria 76 Iamblichos 38 Illusie. 279 Hippasus 75 Hodges. 247–248. Alfred 259 Galois. 250 Landau. Gottlob 165–166. Antoine 65 Hardy. Jean Baptiste Joseph 251–252. Kurt 162. Evariste 27. Philipp 172 Galilei. 250. Luc 288. 81–86. 240 Flach. 275. 128. 91–92. 59–61. 171–172. Edward 126 Gödel. 127. 235. 198–199. Nicolas-Gabriel 245. 260 Kanada. Leonhard 56. 181 Goldbach. Antoine-August (Sophie Germain) 131 . 55–56. Nicholas 60 Heisenberg. Gerd 266–268. Gerhard 228. 104–109. 88. 115 Katz. Gabriel 134. 259 Hermite. David 119–121. 133. 260 Germain. H. Martin 83. 131. 307 Fermat. 125. Robert 225–226 Le Blanc. Sophie 125. Matheus 272. 169–170 Frey. Pierre de 30. 179 Euler. 97. Sonja 128 Kronecker. 161 Gassendi. Christian 109 Gombaud. 141. 205 Heiberg. Howard W. 137. 279. Piet 287 Heinsius. 91. Pécheux 255. 162.

284 Tartaglia. 74–75. 291. Bernard 60 Mersenne. 308 Russell. 284 Silverman. Niccolò 62 . 173 Sarnak. Gottfried Wilhelm 113 Leon 33–34 Libri-Carucci dalla Sommaja. 219. Emmy 127 Olbers. Sam 154. 50–51 Mirimanoff. Schüler des Pythagoras 32 Ramanujan. 241–242. S. 129–130 Nixon. 139. 233. John von 173. Guglielmo 130. 55. Heinrich 132 Omar I. 259 Mozans. 166. Stuart 189 Milon 33. 252 Liouville. 80. 68. 194 Sokrates 126 Somerville. 297 Richelieu 61 Riemann. 284. John Edensor 194 Lodge. Peter 294. 67 Penrose. Marin 62–64 Milner-Barry. Bob 293 Skewes. Joseph-Marie 134 Phalaerus. Ken 233–235. 301 Schlichting. 79. Jean-Etienne 130 Moore. 141. 125 Pythagoras. 65. 280. 81 Paganini. 280–282. Joseph 139. Misako 220–221 Taniyama. Mary 130 Stewart. 217. 69 Pythagoras 31–44. 215. 215. Adi 122 Shimura. L. 245 Mazur. 169. 260 Lipman. 212. 137 Napoleon I. Bernhard 93 Rivest. 276–277. 100. 207–208. 161 Shamir. 221–222. Paulo 160 Ribet. J. 237. Richard 68 Noether. 116. 212. 69–71. 219. 156–157. Karl 279–280. Nicolò 84 Pascal. Arthur 59. 162. Joseph 292 Littlewood. 64–65. Barry 224–225. Kurt 158 Ribenboim. F. 278. François 254–255 Reidemeister. 222–223. 94 Poincaré. 207–208. Demetrius 69–70 Pinch. Hans-Henrik 40 Suzuki. Ronald 122 Roberval. H. Yutaka 205. 181 Newton. 245 Neumann. Yoichi 265–268. Isaac 41. Hugo 68 Rubin. Richard 294 Platon 38. Ian 162 Stølum. 287 Medon. 257. Adrien-Marie 133 Leibniz. Blaise 62. David 192 Louis-Philippe 252–253 Loyd. 68 Motel. 233 Ludwig XVIII. 171. Goro 205. 126 Poges.Legendre. Jules Henri 213 Polycrates 32 Ptolemaios I. Dimitri 191 Miyaoka. Srinivasa 27 Raspail. T. 82. 47. 49–51. 179. 296 Montucla. Stéphanie-Félicie Poterine du 255. Bertrand 45. Roger 210 Pernety. Giles Persone de 62 Rossi.

223 Zagier. Theophilus 78. 284. Theodosius I. 295–296. C. 272. Richard 294. Theon von Alexandria 76 194–195. Nada 242. 78 55–57. Paul 149–151. 145. 125 Wiles. 301. Samuel S. Turing. Don 266 . 181 287–288. 188–190 304 Wiles. 240–242. Andrew 26. Titchmarsh. 279 Wallis. 64. 191 Wolfskehl. 263. J. 304–305 Weyl. André 175. Alan 182. 86. John 60. 81 227. 184. 42. 301. J. 276. 291 Wagstaff. 281. 180. E. 199. 202–203. 275. Hermann 164 Thales 49 Whitehead. 244.Taylor. 270. Thomson. 186. 215. 237. 46 265. 28–30. 85 Weil. 53. 290. 97–98. Alfred North 171 Theano 33.

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