Sonnabend, 28.

Januar 2012

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 20

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Nachhaltigkeit
Gesellschaftlicher Beitrag eröffnet neue Chancen
Corporate Responsibility ist ein wichtiger unternehmerischer Erfolgsfaktor – Nachhaltigkeitsaktivitäten werden zunehmend vorausgesetzt
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Wer einem Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt, der verspricht sich zurecht eine Rendite. Neben diesem ökonomischen Imperativ erwarten Anteilseigner, Kunden und Mitarbeiter zunehmend, dass Konzerne auch gesellschaftlich Verantwortung übernehmen. Insbesondere globale Unternehmen stehen in der Pflicht, ihren Zugang zu finanziellem Kapital zu nutzen und im Zuge ihrer Weiterentwicklung auch gesellschaftliches Kapital zu schaffen. auf viele dieser globalen Fragen geben. Sie ist vielmehr auf die gesellschaftliche Handlungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft international agierender Konzerne angewiesen. Ich bin überzeugt, dass sich gerade großen Unternehmen neue Chancen eröffnen, wenn sie den weltproblemen und sozialer Ungleichheit in ihrem globalen Wirkungsfeld täglich konfrontiert. Das sind Herausforderungen, die – werden sie nicht angegangen – zu hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten führen können. Diese unmittelbare Betroffenheit verlangt von globalen Konzernen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Möglichkeiten für einen Von positiven gesellschaftliFrank Appel chen Beitrag einzusetzen – also eine Verbesserung der ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu unterstützen. Der Zusammenhang Vorsitzender des zu den Interessen der KaVorstands der pitalgeber ist eindeutig: Deutschen Post DHL Schließlich geht es nicht allein um kurzfristig gute Ergebnisse, sonNachweis führen, dass ihre Geschäfte dern um mittel- und langfristige nicht nur einen ökonomischen Ertrag Wachstumspotenziale. Nachhaltige erbringen, sondern auch einen gesell- und verantwortungsvolle Beiträge schaftlichen Beitrag leisten. zur gesellschaftlichen Entwicklung Tatsache ist, dass globale Unter- sind dabei ein Teil der Aufgabe. Eine nehmen von vielen dieser ökologi- Logik, die auch der Kapitalmarkt zuschen und sozialen Herausforderun- nehmend einfordert: Eine aktuelle Begen nicht nur deshalb in besonderer fragung von Analysten, die sich intenWeise betroffen sind, weil sie bei- siv mit der Deutschen Post DHL bespielsweise CO2-Emissionen verursa- schäftigen, zeigt, dass bislang zwar chen. Vielmehr werden sie mit Um- erst 24 % der Buy-Side-Analysten sogenannte „Sustainable & Responsible Investing“-(kurz: SRI-)Faktoren als wichtig für ihre Anlageentscheidung bewerten. Auf der Sell-Side sind es jedoch bereits 45 % – ein Indiz dafür, dass ihre Bedeutung auch bei Investoren künftig zunehmen wird. Hinzu kommt eine Vielzahl verschiedener Indizes, die Unternehmen anhand ihres gesellschaftlich und ökologisch verantwortlichen Handelns bewerten und damit interessierten Investoren die Möglichkeit geben, ökonomisch und ökologisch fundierte Anlageentscheidungen zu treffen. Unternehmen ohne strategisch verankerte Nachhaltigkeitsaktivitäten dürften es über kurz oder lang schwer haben, Kapital für sich zu gewinnen. Nachhaltigkeit und Verantwortung müssen integrale Bestandteile strategischen Denkens und unternehmerischen Handelns sein – übrigens nicht erst, seit „Nachhaltigkeit“ ein Modewort geworden ist. Dazu bedarf es eines klaren wirtschaftlichen Bezugs der Corporate-Responsibility-Aktivitäten. Erkennt man Corporate Responsibility als wichtigen unternehmerischen Erfolgsfaktor an, eröffnen sich neue betriebswirtschaftliche Chancen und Geschäftspotenziale, deren Nutzung auch gesellschaftlich sinnvoll ist. Ein Blick auf die Logistikbranche verdeutlicht, warum das so ist: Logistik ist das Rückgrat des globalen Handels. Ihre Transportleistung macht das heutige Ausmaß der weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit erst möglich. Gleichzeitig steht der weltweite Transportsektor für etwa 14 % der globalen CO2-Emissionen. Daraus ergibt sich eine klare Aufgabe: Logistiker müssen ihrer strategischen Bedeutung für eine emissionsarme globale Wirtschaft gerecht werden. Dies gilt sowohl für den Einsatz verbrauchsarmer Fahrzeuge als auch für die Nutzung optimierter Warentransportsysteme, die effizient und umweltschonend arbeiten. Wird dieses Ziel ernsthaft verfolgt, sind messbare Vorgaben für eine Steigerung der Energieeffizienz als auch Transparenz hinsichtlich deren Erreichung unerlässlich. Neben dem unstrittigen Nutzen für die Umwelt führen Effizienzgewinne auch zu messbaren finanziellen Einsparungen, weil die Ausgaben für Treibstoffe und Emissionszertifikate spürbar sinken. Einsparungen und Effizienzsteigerungen sind aber nur die eine Seite nachhaltigen Handelns, neue Geschäftschancen die andere. Nachhaltige Produkte haben eine große Zukunft: 57 % der Geschäftskunden, die Deutsche Post DHL im Rahmen einer Studie befragte, wollen in den kommenden zehn Jahren einen Logistikdienstleister mit „grünen“ Transportlösungen bevorzugen. Hinzu kommt: 2010 hat Deutsche Post DHL 1,7 Milliarden GoGreen-Produkte verkaufen können und damit rund 82 000 Tonnen CO2-Emissionen ausgeglichen. Das entspricht dem Jahresausstoß einer Flotte von rund 38 000 Mittelklassefahrzeugen. Dies zeigt: Corporate Responsibility – oder allgemeiner ausgedrückt: ein im Einklang mit gesellschaftlichen Anforderungen stehendes Unternehmensgebaren – ist keine Randaktivität, sondern integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie. Nur wem es gelingt, erste Wahl für Kunden und Mitarbeiter zu sein – und dazu gehört explizit die gesellschaftliche Akzeptanz des unternehmerischen Handelns –, wird auf lange Sicht die ökonomische Leistung erbringen können, die ihn auch zur ersten Wahl für Investoren macht.

Investoren müssen mitziehen
Gleichwohl: Nicht nur die Unternehmen sind gefragt, gesellschaftliche Verantwortung in ihr Geschäftsmodell zu integrieren. Auch auf Seiten der Investoren wird sich der Trend verfestigen und beschleunigen müssen, nachhaltige Strategien und damit mittelfristige Erfolgschancen gegenüber kurzfristigen Gewinnmaximierungen zu bevorzugen. Es geht um nicht weniger als darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem ausreichend Kapital für solche Konzerne bereitsteht, die ihre Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Kapitalmarkt gleichermaßen im Auge behalten. Das ist die Voraussetzung, um das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern und Anlegern in das Verantwortungsbewusstsein der wirtschaftlichen Akteure wiederherzustellen. Nur wenn wir es schaffen, dieses Vertrauen zurückzugewinnen, sichern wir langfristig die Basis für gesundes wirtschaftliches und gesellschaftliches Wachstum weltweit.

Herausforderungen steigen
Megastädte mit Verkehrsinfarkt, Umweltprobleme und Naturkatastrophen, Ungleichheit bei Bildungsund Lebenschancen – viele der Herausforderungen, vor denen unsere globale Gesellschaft heute steht, haben sich in den vergangenen Jahren verschärft. Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009, die aktuelle Schuldenkrise und die Sorge um die Konsequenzen für die Realwirtschaft verstärken den Eindruck vieler Menschen, dass wir vor fundamentalen Herausforderungen stehen. Zugleich zeigt sich immer deutlicher: Nationalstaatliche Politik allein kann keine nachhaltigen Antworten

Nachhaltige Investitionen bieten deutliche Vorteile für Versicherer
Attraktive und stabile Renditen winken – Risiken noch genauer überprüfen
sche, soziale und wirtschaftliche Kriterien. In jüngster Zeit haben Kapitalanlagen in erneuerbare Energien und neue Technologien Furore gemacht. Versicherungen ergänzen den klassischen Mix ihrer Kapitalanlage mit dieser neuen Anlagegattung. Schon 2010 hat Munich Re beschlossen, zunächst bis zu 2,5 Mrd. Von Euro in erneuerbare Thomas Kabisch Energien und neue Technologien (RENT) zu investieren. Die im Frühjahr 2011 eingeleitete Energiewende hat sicherlich zum Aufschwung beigetragen. Vorsitzender der Investitionen in RENT Meag-Geschäftsbieten deutliche Vorteile führung für Versicherungsunternehmen: Die Investhen hohe Renditen, allerdings nur ments sind langfristig und zeichnen bei hohen Risiken, andere hingegen sich durch attraktive und zudem stabieten Sicherheit, aber nur geringe bile positive Erträge aus. Dennoch dürfen die Risiken nicht übersehen Renditen. Die Versicherungswirtschaft hat ei- werden. Zunächst einmal sind solche nen Ausweg aus diesem Dilemma ge- Investitionen relativ illiquide, d. h. funden: Diversifikation über alle As- der Investor sollte schon einen sehr setklassen wie Anleihen, Aktien, Im- guten Überblick über die Risiken hamobilien, aber auch alternative In- ben, wenn er sich auf ein solches Investments, wie Private Equity oder In- vestment einlässt. Ein beim Kauf unvestitionen in erneuerbare Energien entdeckt gebliebenes Risiko könnte und neue Technologien. Dabei ist die den Investor auf sehr lange Zeit beNachhaltigkeit der Anlage wichtig, gleiten und entsprechend teuer zu und zwar in doppelter Hinsicht: ers- stehen kommen. So ist es kein Wunder, dass sich tens finanziell nachhaltig und zweitens nachhaltig mit Blick auf ökologi- nur große Investoren an die kompleBörsen-Zeitung, 28.1.2012 Die Renditeansprüche der Versicherungswirtschaft sind hoch, nur noch übertroffen von ihrem Streben nach Sicherheit. Angesichts der Schuldenkrise bieten zwar einige Staatsanleixen Direktinvestitionen in RENT heranwagen. Globale Anleger über alle Assetklassen wie die Meag haben zudem den Vorteil, dass sie einen Teil der Risiken aus anderen Assetklassen kennen. Bei Photovoltaik-Anlagen geht es auch um Projekt- und Grundstücksrechte-Risiken, mit denen sich auch Immobilieninvestoren auseinanderzusetzen haben. Auch bei der Abbildung von Transaktionen in Verträgen sind Erfahrungen im Immobilienbereich hilfreich. Mit Blick auf Investitionen in neue Technologien sieht sich der Investor Risiken ähnlich wie bei Private Equity bzw. Venture Capital gegenüber. Von einer ganz anderen Qualität sind die geologischen, meteorologischen und technischen Risiken. Der Investor muss eine klare Vorstellung davon haben, ob eine Anlage auch tatsächlich in der Lage ist, die versprochene Energie zu erzeugen. Dazu muss man wissen, wie lange die Sonne scheint oder wie oft und wie stark der Wind bläst. Sind Sturmoder Hagelschäden zu befürchten? Ist die Region erdbebensicher? Ist die verwendete Technik haltbar, wie teuer im Unterhalt? Fragen über Fragen, mit denen sich die Ingenieure und Wissenschaftler von Munich Re in der Rück- und Erstversicherung auseinandersetzen. Die Meag als Investor für den Konzern profitiert davon.

Big is beautiful
Die Überprüfung der Investitionsprojekte in RENT ist komplex, langwierig und teuer. Wegen dieser hohen Fixkosten macht es nur Sinn, sich Anlagen mit einem Volumen im deutlich zweistelligen Euromillionenbereich anzusehen. Dem steht eine Energiepolitik gegenüber, die in erheblichem Umfang die dezentrale Energieversorgung mit kleinen Einheiten fördert. Damit die relevante Größenordnung investierbarer Anlagen entstehen kann, müssen häufig kleine Einheiten zu größeren Paketen gebündelt werden. Nur große Partner verfügen über die hierzu notwendigen Vorfinanzierungsspielräume und sind in der Lage, einige oder viele Windturbinen oder Photovoltaik-Anlagen über verschiedene Regionen zusammenzufassen und im Paket anzubieten. Große Partner haben einen weiteren Vorteil. Die auf Sicherheit bedachten Anleger der Versicherungswirtschaft brauchen bei der Abdeckung Fortsetzung Seite B 2

AUS DEM INHALT
Gesellschaftlicher Beitrag eröffnet neue Chancen Von Dr. Frank Appel Nachhaltige Investitionen bieten deutliche Vorteile für Versicherer Von Dr. Thomas Kabisch Eine Aufgabe für die Gesellschaft insgesamt Von Dr. Ulrich Schröder Langfristig und robust statt schnell und riskant Von Daniel Just Institutionelle Aktionäre werden immer aktiver Von Michael Schmidt und Ingo Speich Die erneuerbaren Energien werden erwachsen Von Steven Bayly B1 Profitabilität und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze Von Hans-Jürgen Matern B5 Nachhaltig an der Börse handeln Von Dr. Sandra Lüth B6 B1 Nachhaltige Transparenz durch integrierte Berichterstattung Von Dr. Felicia Müller-Pelzer B6 Intuition geht vor Strategie Von Marcus Pratsch Finanzmärkte schätzen zunehmend das EITI-Siegel Von David Diamond B4 Wettbewerbsvorteil Klimaschutz Von Michael Stölting B8 B4

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Sonderbeilage

Sonnabend, 28. Januar 2012

Eine Aufgabe für die Gesellschaft insgesamt
Verantwortung übernehmen – Zukunftsfähigkeit der Unternehmen sichern – Energiewende nachhaltig finanzieren – Globalisierung gestalten
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Wie viele andere Banken auch finanziert die KfW zukunftsweisende Projekte im In- und Ausland. Dennoch unterscheidet sich unser Profil deutlich von dem der Geschäftsbanken: Von Anfang an war und ist es Aufgabe der KfW, den Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft mitzugestalten, zukunftsweisende Ideen voranzubringen und die Wirtschaft zu unterstützen. Verantwortung zu übernehmen für die nachhaltige Verbesserung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Lebensbedingungen, das ist die DNA der KfW. Seit über 60 Jahren übernehmen wir Verantwortung, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Heute lauten die zentralen Herausforderungen: Zukunftsfähigkeit der Unternehmen, Globalisierung, Energiewende und Klimawandel. Ein weiteres wichtiges Thema ist der demografische Wandel – wenn auch in den Köpfen noch nicht so präsent wie die anderen Themen. Gerade in Zeiten von Euro- und Finanzmarktkrise hängt die weitere ökonomische Entwicklung Deutschlands entscheidend davon ab, wie sich der Mittelstand als Rückgrat unserer Wirtschaft im internationalen Wettbewerb behaupten kann. Kaum eine andere Industrienation ist durch mittelständische Unternehmen so stark geprägt wie Deutschland. Sie beschäftigen das Gros der Erwerbstätigen, bilden junge Menschen in den unterschiedlichsten Berufen aus und tätigen rund die Hälfte aller Investitionen. Eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre wird sein, die Zukunftsfähigkeit dieser Unternehmen zu sichern. Über ihre Programme der Mittelstandsfinanzierung kann die KfW – und sie tut dies auch – Unternehmen in der Gründungs- und Wachstumsphase gezielt unterstützen. Wir können dabei auf eine jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen. knappung. Moderne Volkswirtschaften haben einen hohen Energiebedarf, der zukünftig noch weiter steigen wird. Ihn zu decken und gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu senken, ohne dabei Risiken durch Kernenergie einzugehen, bedeutet eine enorme Herausforderung. Deutschland hat mit dem Beschluss, bis zum Jahr 2022 aus der Atomenergie auszusteigen, einen mutigen Schritt getan. Jetzt kommt es darauf an, ihn Von auch konsequent umzuUlrich Schröder setzen. In diesem Jahr werden wir deshalb die Themen erneuerbare Energien und Energieeffizienz noch stärker in den Fokus rücken. Die Vorsitzender des Finanzierung der EnerVorstands der giewende erfordert KfW Bankengruppe nach unseren Berechnungen zusätzliche Investitionen von rund 25 auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Globalisie- Mrd. Euro jährlich – für den massirung birgt aber auch Risiken, denen ven Ausbau erneuerbarer Energien, wir aktiv begegnen müssen. Die KfW den Ausbau der Stromnetze und die unterstützt zum Beispiel deutsche Entwicklung von Energiespeichern und europäische Unternehmen bei und nicht zuletzt für die Erschlieder Exportfinanzierung und bei Inves- ßung von Energiesparmöglichkeiten titionen im Ausland. In Schwellenlän- und die Steigerung von Energieeffidern werden wir unsere langjährigen zienz. Solche Investitionen müssen Erfahrungen noch stärker im Inte- in der Regel langfristig finanziert resse der deutschen und europäi- werden. Als Förderbank profitieren schen Firmen bündeln. Zugleich hel- wir von der sehr guten Bonität der fen wir mit, in den Entwicklungs- und Bundesrepublik Deutschland. Und Schwellenländern jene Bedingungen weil wir uns auf den internationalen zu schaffen, die für eine erfolgreiche Kapitalmärkten sehr günstig refinanEntwicklung und Teilnahme am Welt- zieren, können wir auch unseren handel erforderlich sind. Weniger Ar- Kunden für ihre Investitionen im mut in der Welt, bessere soziale und Energiebereich langfristige Darlehen technische Infrastruktur sowie bes- zu günstigen Konditionen anbieten. sere Entwicklungsperspektiven für In den nächsten fünf Jahren werden die Menschen in diesen Ländern sind wir über 100 Mrd. Euro für Vorhanicht zuletzt auch ein wichtiger Bei- ben im Energiebereich bereitstellen. Die KfW hat langjährige Erfahtrag zur Friedenssicherung. Das beeindruckende weltweite rung darin, zielgerichtete und kunFörderprogramme Wirtschaftswachstum der letzten Jahr- denorientierte zehnte zeigt seine Schattenseiten im und Finanzierungsangebote zu entKlimawandel und der Ressourcenver- wickeln. Förderprogramme, die soDurch die Globalisierung verändern sich die ökonomischen Rahmenbedingungen grundlegend. Immer mehr Länder nehmen am weltweiten Handel teil und sorgen so dafür, dass unsere Volkswirtschaften noch stärker miteinander verflochten sind. Die Globalisierung bringt wachsenden Wohlstand mit sich – zunehmend wohl dem Einzelnen als auch der Gesellschaft insgesamt zugute kommen. Sie sind in der Regel so konzipiert, dass sie auch private Gelder für Investitionen mobilisieren. Zugleich setzen anspruchsvolle Standards, die als Zielvorgaben dienen, Impulse für Innovationen und die Markteinführung neuer Technologien. bot helfen, ihren Gebäudebestand zu modernisieren und Energieeffizienzen in der Stadtbeleuchtung zu heben. Denn auf mittlere Sicht lässt sich durch Energieeffizienz viel Geld sparen. Immerhin geben Städte und Gemeinden in Deutschland für ihre rund 176 000 kommunalen Gebäude jährlich 2,5 Mrd. Euro Strom- und Heizkosten aus, zwei Drittel davon entfallen auf Schulen, Kindergärten und Sporteinrichtungen. Während die Themen Energiewende, Globalisierung und Wettbewerbsfähigkeit in der allgemeinen Diskussion längst angekommen sind, dringt eine weitere Veränderung erst allmählich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Die Gesellschaften in den Entwicklungs- und Transformationsländern werden immer jünger, die der Industriestaaten hingegen immer älter. Dies hat weitreichende Konsequenzen für das soziale Miteinander in einer Gesellschaft, aber auch für die Sozialsysteme, für das Bildungswesen und die Wirtschaft. Wir dürfen vor dem demografischen Wandel und seinen Folgen für unsere Gesellschaft nicht die Augen verschließen. Ein führendes Exportland wie Deutschland kann sich zum Beispiel keinen Fachkräftemangel leisten. Mit unserer Bildungs- und Innovationsförderung haben wir ein Instrument in der Hand, mit dem wir einem möglichen Fachkräftemangel in einer alternden Gesellschaft begegnen können. Wir werden zudem die Förderung für den altersgerechten Umbau bestehender Wohnungen und Häuser fortführen. Und wir werden mit dem Familienpflegezeitkredit 2012 ein neues Angebot auf den Markt bringen, um Pflegezeiten zu finanzieren.

Werte leben
Die KfW übernimmt Verantwortung in Form ökologisch und gesellschaftlich nachhaltiger Förderprogramme. Verantwortung zeigt sich aber auch in den Werten, die ein Unternehmen lebt. Unser Ziel ist weder Gewinnmaximierung noch Wachstum um jeden Preis. In der Erreichung nachhaltiger Ziele sehen wir den größten Erfolg. Angefangen bei unseren mehrfach ausgezeichneten „grünen“ Bürogebäuden, über die CO2-Neutralstellung bis hin zum nachhaltigen Investitionsverhalten. Sichere Arbeitsplätze, Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen auch bei Führungsaufgaben, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind Ausdruck unserer verantwortungsvollen, modernen Personalpolitik. Antworten auf die globalen Herausforderungen zu finden, das ist eine Aufgabe für die Gesellschaft insgesamt, aber auch für jeden Einzelnen von uns. Gerade hier liegt eine große Chance, weil dadurch innovative Kräfte auf breiter Front geweckt werden. Kräfte, die Wachstum und Wohlstand mehren – zum Wohle der heutigen Generation und künftiger Generationen.

Anschubfinanzierer
Ein Beispiel ist das Sonderprogramm „Offshore Windenergie“, über das die KfW bis zu 5 Mrd. Euro für die Finanzierung von Offshore Windparks zur Verfügung stellt. Inzwischen sind zwei Finanzierungsverträge über 550 Mill. Euro für Windparks in der offenen Nordsee unter Dach und Fach. Die KfW übernimmt hier eine wichtige Rolle als Anschubfinanzierer – und gibt dadurch ein wichtiges Signal an die gesamte Branche. Die KfW fördert, um noch ein weiteres Beispiel zu nennen, die energetische Sanierung von privaten Gebäuden und kommunalen Gebäuden. Bekanntlich werden 40 % der Endenergie in Deutschland in Gebäuden verbraucht – entsprechend groß ist das Potenzial zur Energieeinsparung! Während immer mehr Private ihre Häuser und Wohnungen unter energetischen Gesichtspunkten sanieren, halten sich Städte und Gemeinden infolge klammer Kassen noch stark zurück. Ihnen wollen wir durch unser erweitertes Förderange-

Nachhaltige Investitionen . . .
Fortsetzung von Seite B 1 von Haftungsrisiken entsprechend hohe Sicherheitsleistungen. Diese sind in aller Regel nur von finanzstarken und kapitalkräftigen Partnern zu erbringen. Natürlich können auch kleinere Partner entsprechende Sicherheiten, wie z. B. Bankbürgschaften oder Letters of Credit, beibringen, doch belasten diese die Kreditlinien meist in beträchtlichem Umfang und sind daher in der Praxis kaum anzutreffen. Mit Blick auf langfristige Leistungsgarantien von Komponentenlieferanten, die in sehr dynamischen Marktsegmenten wie etwa der Photovoltaik-Modulproduktion tätig sind, stellt sich zudem die Frage, ob der Lieferant in fünf oder zehn Jahren noch am Markt ist. Die Leistungsgarantie greift dann ins Leere. bunden, dagegen sind Zuverlässigkeit und Haltbarkeit der Anlagen noch wenig dokumentiert. Bei schweren Stürmen kann es zu längeren Betriebsausfällen kommen, weil die Anlagen nicht erreichbar sein können. Eine Stromgewinnung kann über längere Zeit nicht möglich sein. Geothermie hat den großen Vorteil, wetterunabhängig und mit hoher Stabilität im Zeitverlauf Energie zu liefern. Dagegen sind die Investitionskosten relativ zur Energiegewinnung hoch, die einzelnen Erzeugungseinheiten aber gering. Gelingt es, Produktionsstätten zu bündeln und im Paket anzubieten, um investierbare Größenordnungen zu schaffen, dürfte die Attraktivität für Vermögensmanager der Versicherungswirtschaft steigen. Biomasse ist ebenfalls als aussichtsreich anzusehen, steht aber bei den pflanzlichen Rohstoffen im Wettbewerb mit der Futter- und Nahrungsmittelproduktion. Dies führt nicht nur zu Preisrisiken, sondern auch zu ethisch-moralischen Konflikten. Diese Reputationsrisiken haben zuletzt eine größere Bedeutung erlangt und sind aus dem Blickwinkel eines verantwortlichen Investors kritisch zu sehen. Hoffnungsträger ist hier der Bereich Waste to Energy, also die Erzeugung von Energie aus Abfällen. Im Vermögensmanagement steht die Diversifikation an erster Stelle. Um die Vorteile aus Investitionen in RENT optimal zu nutzen, sind die Investitionsentscheidungen in den Investmentprozess zu integrieren. Das ist in der Praxis eine ernst zu nehmende Herausforderung. Anleger in RENT können von allen Einheiten im Portfoliomanagement profitieren; ob im Rentenmanagement das Credit-Rating, im Aktienmanagement die Branchenanalyse, im Bereich Private Equity das Know-how mit Venture Capital oder bzgl. Immobilien der rechtlichen Due Diligence. Dabei geht es zum einen um die Berücksichtigung aller wesentlichen Risiken, andererseits – und das steht im Vordergrund – um die Erschließung und Ausschöpfung von Erträgen. Auf die Bedeutung von Erst- und Rückversicherung ist weiter oben schon hingewiesen worden. Unerlässlich für Anleger der Versicherungswirtschaft sind die adäquate bilanzielle Abbildung der Investitionen, die Implementierung spezifischer Risikosysteme sowie die Integration in die Gesamtsteuerungs- und -risikosysteme. In einer Welt der integrierten Risikosteuerung und der hohen Anforderungen von Fast Close ist eine vollständige Integration in die Systemlandschaften des Backoffice eine notwendige Vorbedingung für Investitionen. Die Rendite aus Investitionen in RENT ist stark abhängig von der Politik. Ohne eine Förderung bzw. Subventionierung ist derzeit noch kaum eine hinreichende, die Risiken abdeckende Rendite zu erwarten. Entscheidend für den Investor ist der Bestandsschutz einer einmal festgelegten Förderung, eine Selbstverständlichkeit unserer Rechtsordnung, die es in anderen Ländern und Kulturen nicht geben muss. Gerade die akuten Haushaltsnöte der öffentlichen Hand in der Euro-/Verschuldungskrise können Versuchungen aufkommen lassen. Die Diskussion um eine mögliche Beteiligung privater Gläubiger könnte auch hier kontraproduktive Auswirkungen haben.

Ausreichendes Angebot
Last but not least sind natürlich Marktlagen entscheidend für die Attraktivität von RENT. Die ausgeprägte Niedrigzinsphase, die hohen Renditeansprüche sowie die starke Neigung vieler Investoren, in RENT zu investieren, haben zu einer vergleichsweise hohen Nachfrage geführt, die bei wenig elastischem Angebot grundsätzlich mit höheren Preisen und niedrigeren Renditen einhergeht. Die Größe und die Komplexität der Investitionen in diesem Bereich sorgen allerdings für hohe Markteintrittsbarrieren. Den großen Vermögensmanagern der Assekuranz muss deswegen nicht bange werden, Angebot ist hinreichend vorhanden. Entscheidend ist und bleibt, ganz genau hinzusehen, oder in Friedrich Schillers Worten: „Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet.“ Das A und O im Vermögensmanagement ist die Nähe zum Mandanten oder Kunden. So haben wir die Investitionen in RENT aus der Taufe gehoben mit den bewährten und engen Schnittstellen in den Konzern, zu den Kapitalgebern, der Versicherungstechnik und zum Risikomanagement. Damit waren die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen und intern alle relevanten Einheiten im Vermögensmanagement vernetzt sowie die Linien zu den Experten im Konzern, den Schadensingenieuren, den Meteorologen, den Klimaforschern definiert. Die enge Zusammenarbeit im Konzern ist bei allem, was wir tun, ein entscheidender Erfolgsfaktor. Nicht zuletzt die Finanzkrise hat uns darin bestärkt, nur Risiken zu nehmen, die wir auch kennen und einschätzen können. Daran halten wir fest. Die bisweilen vor allem in Deutschland anzutreffende Euphorie bezüglich RENT kann uns nichts anhaben. Qualität geht vor Quantität. Wenn wir nicht die geforderten Renditen unter Berücksichtigung aller Risiken erreichen können, dann lassen wir besser unsere Investitionspläne fallen, als dass wir Investitionen tätigen, die unseren Ansprüchen nicht genügen. Oder in Friedrich Schillers Worten: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“

Strategische Allianz gesucht
Und schließlich brauchen Investoren in RENT starke Partner auf der Betreiberseite. Die Meag ist Asset Manager und kein vollintegrierter Energieproduzent – und will es auch nicht werden. Die klassischen großen Versorger, aber auch die v. a. in den letzten Jahren entstandenen großen sog. Independent Power Producer sind in diesem Geschäft natürliche Partner der Versicherungswirtschaft. Eine strategische Allianz mit der Mehrheit beim Betreiber ist die bevorzugte Konstellation der Assekuranz – so bleibt der laufende Betrieb in fachkundiger Hand und das bestehende Haftungskapital des Betreibers sorgt für weitgehend gleichgerichtete Interessen bei strategischen und Finanzinvestoren. Die politischen Schlussfolgerungen aus den Ereignissen von Fukushima sind global betrachtet sehr unterschiedlich ausgefallen. Während Deutschland sehr schnell zum Atomausstieg gefunden hat, hat es in anderen Ländern noch nicht einmal eine politisch ernst zu nehmende Diskussion darüber gegeben. Dies zeigt die hohe Bandbreite der energiepolitischen Ausrichtungen. Diese unterschiedlichen Grundhaltungen spiegeln sich in der politischen Bereitschaft wider, alternative Technologien der Energiegewinnung zu fördern, und sind deswegen wichtig für den Investor. Globale Versicherungskonzerne sind gut beraten, regional oder besser weltweit über verschiedene Formen der Energieerzeugung zu diversifizieren. Mit Blick auf die Energieerzeugung gelten Photovoltaik und Onshore-Wind als vergleichsweise sicher. Die Technologie ist weitgehend ausgereift, und die Risiken des Betriebs sowie der Energiegewinnung gelten als überschaubar. Schwieriger ist Offshore-Wind. Die hohen Investitionskosten sind mit langen Amortisationszeiträumen ver-

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Langfristig und robust statt schnell und riskant
Gedanken des nachhaltigen Investierens auf allen Ebenen fördern und fordern – Der treuhänderischen Aufgabe gerecht werden
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) führt als größte öffentlichrechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen. Nachhaltig ist nicht nur unser Kerngeschäft der Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung, sondern auch unsere Kapitalanlage: Wir wollen robuste Renditen bei gleichzeitig hoher Sicherheit erwirtschaften, um die Leistungen der Altersversorgung auf Generationen hinaus finanzieren zu können. Anlageexperimente und die Gier nach maximalem Profit haben in unserer Strategie keinen Platz, dafür aber z. B. ein mehrfach ausgezeichnetes Risikomanagement in der Kapitalanlage und ein Fokus auf gesellschaftliche Verantwortung: Die BVK unterzeichnete 2011 als erster Altersversorger die UN-Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment (UNPRI). Als vor einigen Jahren das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage so richtig ins Bewusstsein rückte, hatten wir uns schon Gedanken gemacht, wie wir uns aufstellen möchten. Bei der Auswahl von Fondsmanagern achten wir allerdings bereits seit langem darauf, dass sie in ihrer Anlagestrategie im „unverdächtigen“ Bereich bleiben. Eine breite Diversifizierung an Managern und Investmentstilen trägt zur Sicherheit bei. So läuft die BVK Von nicht Gefahr, in ExDaniel Just treme zu geraten, und verzichtet trotzdem nicht auf mögliche herausragende ErtragserLeiter Kapitalanlagen folge. Auch wenn wir und stellvertretender ein Mandat an einen MaVorsitzender des nager übertragen, bleiVorstands der ben wir weiterhin im Bayerischen permanenten Austausch Versorgungskammer und analysieren genau Veränderungen, die sich Vorreiter, was unsere Kapitalanlage eventuell auf den Anlageprozess ausangeht. Daher haben wir auch die wirken könnten – z. B. Fusionen, PerUN-Richtlinien für verantwortungs- sonalabwanderung oder aber auch bewusstes Investment unterzeichnet. dramatisch angestiegenes InvestitiWir stehen damit in der Verpflich- onsvolumen. So kommt es auch vor, tung, sogenannte ESG-Faktoren (En- dass wir Managern das Mandat wievironmental, Social und Corporate der entziehen. 2010 haben wir dann unsere KapiGovernance) in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbe- talanlage insgesamt zum Thema Nachhaltigkeit analysiert und ein reich einzubeziehen. Rendite um jeden Preis ist nicht un- Konzept entwickelt, wie wir in Zuser Parkett; gerade die letzten Jahre kunft investieren wollen. Zunächst haben gezeigt, zu welch katastropha- haben wir unsere vorhandenen Aklen Entwicklungen kurzfristig ausge- tienbestände mit den gängigen und legtes Renditestreben führen kann. anerkannten Nachhaltigkeitsindizes Wir wollen und werden nicht an je- abgeglichen und wurden darin bestädem Geschäft mitverdienen, sondern tigt, dass wir mit unseren europäiwir wollen langfristig robuste Er- schen Aktienengagements schon daträge statt schneller Rendite und mals zu rund 80 % in nachhaltige Undem Risiko eines ebenso schnellen ternehmen investiert waren. In einer Absturzes. Das findet durchaus Aner- weltweiten Betrachtung kommen kennung in der Fachwelt; unser An- wir auf ungefähr 50 % unserer Aksatz wurde vor kurzem mit dem IPE- tienanlagen, die in den entsprechenAward in der Kategorie „Best Use of den Indizes auftauchen. Das hängt ESG/Corporate Governance“ ausge- damit zusammen, dass es beispielsweise in Asien nicht viele Firmen zeichnet. den Versorgungseinrichtungen vor gut 100 Jahren. Es sollte die Altersversorgung ihrer Versicherten, denen die gesetzliche Rentenversicherung nicht offenstand, gewährleisten, und dies über Generationen hinweg – nachhaltig eben. Als öffentlich-rechtlicher Investor sehen wir uns zudem in einer besonderen Verantwortung und auch als gibt, die die entsprechenden Kriterien erfüllen. Ein Projektteam hat darauf ein Nachhaltigkeitskonzept für die Kapitalanlagen der BVK entwickelt, Anbieter für Nachhaltigkeitsratings recherchiert, Ansätze anderer Investoren analysiert und die Teams unserer einzelnen Assetklassen koordiniert. Die verschiedenen Ansätze für eine nachhaltige Kapitalanlagestrategie – Best in Class, Ausschlussprinzip oder Engagement-Ansatz – haben wir mit Blick auf unseren Versorgungsauftrag analysiert und uns für den Engagement-Ansatz entschieden, da wir eine möglichst breite Diversifikation in der Kapitalanlage präferieren. In der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass wir auf allen Ebenen, die uns als Investor zur Verfügung stehen, den Gedanken des nachhaltigen Investierens fördern und fordern. overlay) beauftragt. F & C steht in fortwährendem Kontakt mit Unternehmen, um Verbesserungen in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften zu erwirken. Mit den Bond-Investments sind zwar keine Stimmrechte verbunden, dennoch stärkt das Bondvolumen die Verhandlungsposition von F & C. Bei unseren externen Asset Managern wird in den regelmäßigen Sitzungen das Thema ebenfalls angesprochen und diskutiert, inwieweit es Fortschritte bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeit im Investmentprozess gibt. Im Bereich alternative Anlagen überprüfen wir die entsprechende Ausrichtung bereits bei der Managerauswahl. In persönlichen Treffen verifizieren wir dies und haben ein kontinuierliches Auge auf die Anlagepolitik der beauftragten Manager. Unsere Währungs- und Rohstoffinvestments haben wir dieses Jahr auf eigene Managed Accounts umgestellt, was uns ermöglicht, unsere eigenen Anlagerichtlinien umzusetzen. Bei Private Equity, Infrastruktur und Wald nehmen wir unsere Mitsprachemöglichkeit durch Aufsichtsratssitze aktiv wahr. Dadurch können wir die Anlagestrategie und -politik überwachen. Gleichzeitig stärken wir die Sensibilität nachhaltiger Anlagegrundsätze bei anderen Investoren. Und Waldinvestments tätigen wir nur in zertifizierte Flächen. Unsere Immobilieninvestments sind für die Bayerische Versorgungskammer eine traditionsreiche Anlageklasse. Auch hier haben wir in den vergangenen Jahren zunehmend Nachhaltigkeitsaspekte in den Fokus genommen. In unserer Direktanlage wenden wir Zertifizierungssysteme als anerkanntes Gütesiegel an. Aktuelle Projekte wie z. B. die Elbarkaden in Hamburg sind mit dem DGNB-Zertifikat in Gold ausgezeichnet. Im Ankaufprozess achten wir generell auf Nachhaltigkeitskriterien. Bei den internationalen Investments, die wir über Immobilienspezialfonds tätigen, legen wir keinen einheitlichen Maßstab an alle Immobilien, sondern es müssen länderübliche Gegebenheiten berücksichtigt werden, wie z. B. die Erdbebensicherheit in Japan. In den regelmäßig mit den Managern stattfindenden Sitzungen ist der Themenkreis Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil. Zudem wird verstärkt darauf geachtet, dass die Manager in Einklang mit den UNPRI handeln. Bei all diesen Aktivitäten betrachten wir den Nachhaltigkeitsaspekt nicht in erster Linie unter Performance-Gesichtspunkten, weil wir erst einmal kurz- bis mittelfristig nicht davon ausgehen, dass nachhaltige Investments unbedingt einen Vorteil bieten. Anders sehen wir das aber in Sachen Risikomanagement und langfristige Entwicklung. Es geht auf lange Sicht nicht ohne verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln, weder bei uns selbst noch bei den Emittenten, in die wir investieren. Und hier stehen wir in der Pflicht, unserer treuhänderischen Aufgabe gerecht zu werden und in Anlagen zu investieren, die langfristig stabile Renditen bringen, ohne Risiken in den Bereichen Soziales, Ökologie oder Governance einzugehen. Denn der Reputationsschaden von heute – aus Investorensicht vordergründig oft unerheblich – ist möglicherweise der Kursrutsch von morgen. Mit der Unterzeichnung der UNPRI als erster Altersversorger in Deutschland nehmen wir darüber hinaus auch eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit ein. Wir wollen ein engagierter Investor sein, wir wollen uns einmischen. Das ist ein langfristiger Prozess, aber wir sind überzeugt, dass es der richtige Weg für uns und unser gesellschaftliches Umfeld ist, um auf lange Sicht eine stabile und im Wortsinne gute Wertschöpfung zu erreichen.

Engagiert statt nur investiert
Konkret setzen wir unsere Verantwortung als aktiver Investor im Sinne der UNPRI in den einzelnen Assetklassen folgendermaßen um: Derzeit hält die BVK in der Direktanlage Wertpapiere von rund 100 verschiedenen Emittenten. In Zusammenarbeit mit der Ratingagentur oekom research werden die für unser Haus individuellen Mindestratingvoraussetzungen bezüglich der Nachhaltigkeit eines Emittenten definiert. Bei Nichteinhaltung dieser Mindeststandards wird der Emittent aufgefordert, zukünftig mehr auf die Einhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten zu achten. Unter Umständen könnte er bei mehrmaliger Missachtung von der Liste der Emittenten der BVK gestrichen werden Im Bereich der Aktieninvestments steht die Ausübung der Stimmrechte im Fokus. Um diese zu nutzen, wurde die Firma F & C über das Produkt reo (responsible engagement

Kerngeschäft Altersvorsorge
Nachhaltigkeit bedeutet für uns also vor allem, unser Kerngeschäft, die Altersvorsorge, nachhaltig zu gestalten. In Bayern hat ca. jeder fünfte Haushalt Ansprüche auf Leistungen der BVK – das bedeutet eine wichtige gesellschaftliche Rolle und Verantwortung. Das „Produkt“ Alters- und Berufsunfähigkeitsversorgung in den berufsständischen und kommunalen Versorgungswerken ist von der Einzahlung bis zur Auszahlung schon auf mehrere Jahrzehnte angelegt. Durch das Element der Hinterbliebenenversorgung erreicht sie sogar mehrere Generationen und muss entsprechend vorausschauend und sicher gestaltet werden. Und dies hat bereits eine lange Tradition: Nachhaltigkeit war bereits einer der Gründungsgedanken der ersten heute noch bei der BVK existieren-

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Sonnabend, 28. Januar 2012

Institutionelle Aktionäre werden immer aktiver
An den Leitlinien der UN für verantwortungsbewusstes Investieren führt kein Weg vorbei – Nachhaltige Inhalte verstärkt in die Unternehmen tragen
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Nachhaltig ausgerichtete Anlagestrategien haben längst ihr Nischendasein beendet und entwickeln sich zu einer festen Größe im Investmentprozess. Bei der Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen werden heute drei Dimensionen von Nachhaltigkeit berücksichtigt, die sogenannten ESG-Kriterien: Die erste Dimension zielt auf den schonenden Umgang mit Ressourcen (Environment), die zweite Dimension bezieht sich auf sozial verantwortliches Handeln (Social) und die dritte Dimension deckt Aspekte der verantwortungsvollen Unternehmensführung ab (Corporate Governance). Durch Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte bei der Unternehmensanalyse und damit letztlich bei der Titelselektion im Portfoliomanagement lassen sich die Zukunftsaussichten von Unternehmen besser einschätzen, insbesondere was ihre langfristige Wettbewerbsposition und Risikogefährdung betrifft. In der Tat stellt die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien eine wichtige Ergänzung der modernen Risikosteuerung von Kapitalanlagen dar. Zwar bleibt die fundamentale und an Finanzkennziffern ausgerichtete Analyse weiterhin im Zentrum der Anlageentscheidung. Sie wird jedoch zunehmend flankiert von nachhaltigen Überlegungen, die vor allem der langfristigen Bewertung von Chancen und Risiken eines Investments zugute kommen. Im Spektrum nachhaltiger Instrumente greifen Investoren vermehrt auch zu einem in Deutschland bisher noch weniger verbreiteten Ansatz, dem sogenannten aktiven Aktionärstum oder, englisch ausgedrückt, Engagement. Von verantwortungsbewussten Investoren müssen daher set Manager“) die UNPRI unterzeichnet, weltweit zählt die Initiative bereits mehr als 900 Mitglieder. Die Leitlinien fordern Investoren dazu auf, nachhaltige Aspekte in ihre Entscheidungsprozesse einzubeziehen, also auch im Abstimmungsverhalten auf HauptversammVon lungen zu berücksichtiMichael Schmidt . . . gen, und als aktiver Investor auf nachhaltiges Wirtschaften der Unternehmen hinzuwirken. Ein zukunftsorientierter Asset Manager kommt an der AkzepCFA, Leiter Portfoliotanz der Leitlinien nicht management Aktien, vorbei, da insbesondere Union Investment institutionelle Investoren dies zunehmend einvestment durchgeführte Studie fordern. Dies speist sich primär zeigt, dass Nachhaltigkeit und akti- durch die jeweiligen Gremien dieser ves Aktionärstum Hand in Hand ge- Treuhänder wie den Anlageaushen. Bislang verfolgt ein Viertel der schuss, die Geschäftsführung oder Großanleger in Deutschland den En- die Aufsichtsgremien. Denn sie müsgagement-Ansatz. Das heißt, sie ver- sen sich wiederum vor ihren Anlesuchen durch gezielte Einfluss- gern verantworten, denen Erklärunnahme auf Unternehmen ökologi- gen zur erzielten oder erwarteten schen und sozialen Kriterien sowie Rendite alleine nicht mehr ausreiden Grundsätzen der guten Unter- chen. Sie wollen zunehmend wissen, nehmensführung aktiv Geltung zu welche Verwendung ihr Geld findet, verschaffen. Mehr als die Hälfte aller welche Wirkungen die getätigten Anbefragten Investoren wie Banken, lagen entfalten, kurzum, wie verantVersicherungen, Stiftungen und Pen- wortungsvoll der Treuhänder damit sionskassen planen demnach den umgeht. Die Finanzkrise und der KliAuf- oder Ausbau ihrer Rolle als akti- mawandel, Fukushima und die deutsche Energiewende sind nur einige ver Investor. Die Ergebnisse der Studie sind auf der häufig zitierten Beweggründe. mehrere Einflussfaktoren zurückzu- Ein wesentlicher Treiber wird im führen. Im Asset Management gewin- nächsten Jahr aber auch die Regulienen die Leitlinien für verantwor- rung sein. Die EU-Kommission hat tungsbewusstes Investieren der Ver- ein neues Grünbuch zur Corporate einten Nationen (UNPRI) immer Governance herausgegeben, das mehr an Bedeutung. In Deutschland schon 2012 in eine Richtlinie überhaben mittlerweile 24 Vermögens- führt werden soll, die mehr aktives treuhänder („Asset Owner“ und „As- Aktionärstum fordert. nachhaltige Inhalte auch im Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen und in der Evaluierung von Corporate-Governance-Aspekten reflektiert werden. Eine von Union InDie Crux bei der Vereinigung von Corporate Governance und Nachhaltigkeit ist bislang die mangelnde formaljuristische Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Aspekdern der Nachhaltigkeit durch aktive Anleger. Die nachhaltigen Inhalte können von Investoren über verschiedene Kanäle in die jeweiligen Unternehmen transportiert werden. Gespräche mit Unternehmensvertretern, etwa dem Topmanagement . . . und oder dem NachhaltigIngo Speich keitsbeauftragten, sind besonders zielführend, da losgelöst von Tagesordnungspunkten gezielt Inhalte adressiert werden können. Darüber hinaus besteht die CFA, Senior PortfolioMöglichkeit, sich mit anmanager Aktien, deren Investoren zusamUnion Investment menzuschließen, um wichtigen Anliegen ten. Beispielsweise gibt es keinen ei- durch mehr Aktienkapital stärkeren genen Tagesordnungspunkt auf Nachdruck zu verleihen. Schließlich Hauptversammlungen zu diesem können Inhalte auf der HauptverThemenkomplex. Der „Deutsche sammlung aktiv angesprochen werCorporate Governance Kodex“ be- den. Alle Kanäle haben gemeinsam: rücksichtigt Nachhaltigkeit auch Je mehr Stimmen die Investoren vernicht in gebührender Weise. Grund einen, desto eher werden sie auch genug, einen zweiten Kodex durch vom Unternehmen wahrgenommen. den „Rat für nachhaltige EntwickIn der Hauptversammlungssaison lung“ der Bundesregierung einzu- 2012 wird der aktive Unternehmensführen, der genau dieses Defizit im dialog weiterhin klassische Fragen Rahmen einer Selbstverpflichtung der Corporate Governance aufgreibeheben soll. fen: Wie werden Aufsichtsräte nominiert? Welche Entscheidungsprozesse laufen in den jeweiligen AusKodex vereinheitlichen schüssen ab? Wie ist die AnreizstrukZielführend wäre ein einheitli- tur der Vorstände auch im Hinblick cher Kodex, der die klassischen Cor- auf nachhaltige Zielgrößen? Ähnliporate-Governance-Themen mit der ches gilt analog für die Vergütung Nachhaltigkeit kombiniert. Bisher von Aufsichtsräten. Nicht nur mit nimmt der „Deutsche Corporate Go- Blick auf den Klimawandel sollte die vernance Kodex“ weder auf den Diskussion über CO2-Werte weiterge„Deutschen Nachhaltigkeitskodex“ führt werden. Die Versorger- und die Bezug, noch sind Inhalte übernom- Luftfahrtbranche werden sich ab men worden. Daher liegt die Lösung 2013 einer strengeren Regulierung letztlich nur im verstärkten Einfor- stellen müssen. CO2-Emissionsrechte müssen dann möglicherweise teuer eingekauft werden und können die Profitabilität der Unternehmen empfindlich belasten. Letztlich bezahlt dies der Aktionär durch niedrigere Dividendenausschüttungen oder Aktienkurse. Die Rohstoffkosten steigen und damit die Inputkosten, somit sollte insbesondere bei für das Unternehmen wichtigen Rohstoffen hinterfragt werden, ob diese wirklich effizient eingesetzt werden.

Auf die Standards achten
In einer global vernetzten Welt wird auch das Durchleuchten der jeweiligen Zulieferketten immer wichtiger, wie das Beispiel Apple zeigt. Sofern Skandale und Menschenrechtsverletzungen bei Zulieferern auftreten und sich diese mit dem Endprodukt eines Unternehmens in Zusammenhang bringen lassen, stehen enorme Reputationsrisiken im Raum. Diese sind ebenfalls ein großes Ereignisrisiko für den Aktionär, da Konsumentenboykotte zu Umsatzausfällen und zur Reduzierung des Gewinns führen können. In ähnlicher Weise sollte auf das Einhalten der ILO-Arbeitsstandards geachtet werden – nicht nur in Europa, sondern in allen Teilen der Welt. Fazit: Unternehmen werden sich an mehr aktive Aktionäre gewöhnen müssen, und die Investoren müssen noch gezielter nachhaltige Inhalte thematisieren. Dabei steht die langfristige Steigerung des Unternehmenswertes zum Wohle der Aktionäre und letztlich aller Stakeholder des Unternehmens im Vordergrund, da Unternehmen gestärkt und wettbewerbsfähiger aus dem konstruktiven Unternehmensdialog hervorgehen sollten.

Die erneuerbaren Energien werden erwachsen
Kapitalströme an Investoren sind mit denen von traditionellen Infrastrukturprojekten vergleichbar – Globaler Industriezweig hat sich etabliert
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Weltweit wächst der Hunger nach Energie und mit ihm die Notwendigkeit, veraltete Energiequellen durch neue zu ersetzen. Erneuerbare Energien können diese Lücke schließen, denn die Kosten für die Technologien sinken immer weiter, und damit werden diese wettbewerbsfähiger. Auf dem Globus werden unzählige neue Quellen zur Stromerzeugung erschlossen, in die laut Internationaler Energiebehörde bis 2020 insgesamt 1 Bill. Dollar investiert werden sollen. Stromerzeugung bei. Auch für die nächsten Jahre wird mit anhaltend rasantem Wachstum gerechnet: Bis 2020 soll sich die installierte Leistung Schätzungen zufolge auf 500 GW und damit mehr als verdoppeln. Der Löwenanteil dürfte auf die Von Wind- und Solarenergie Steven Bayly entfallen. Laut aktuellen Prognosen werden diese beiden Energiearten 90 % der neu installierten Kapazität aus erneuLeiter des erbaren Energien – oder institutionellen rund 28 % der gesamten Geschäfts von neu installierten ErzeuBlackRock in gerleistung – ausmaDeutschland chen. Legt man diese Zahlen zugrunde, könnte gung aus erneuerbaren Energien in Strom aus erneuerbaren Quellen den vergangenen zehn Jahren zu ei- 2035 schon 15 % zur gesamten weltnem globalen Industriezweig entwi- weiten Stromproduktion beitragen. ckelt. So ist die Erzeugerkapazität (Wasserkraft ausgenommen) aus erRasantes Wachstum möglich neuerbaren Energien von einer Gigawattleistung (GW) im zweistelligen Für die rapide Verbreitung der alterBereich im Jahr 2000 auf nunmehr nativen Energiequellen gibt es mehüber 200 GW angewachsen. Heute rere Gründe. Weltweit wird für die trägt sie etwa 3 % zur weltweiten Stromnachfrage bis zum Jahr 2030 vor Inflation, denn ihre Tarife sind häufig an die Inflation gekoppelt. Von einer weniger bedeutenden Energiequelle hat sich die Stromerzeuein Anstieg um mehr als 60 % vorhergesagt. Erhebliche Investitionen in die Energieinfrastruktur sind die Folge. Gleichzeitig fördern stark schwankende Preise für fossile Brennstoffe, der zunehmend ins Bewusstsein dringende Klimawandel, die Sorgen der Regierungen um Versorgungssicherheit und eine breite Streuung der Energiequellen Infrastrukturinvestitionen in erneuerbare Energien. Nicht zu vergessen sind zudem die jüngsten Ereignisse in Japan, welche die Rolle der Atomkraft im weltweiten Energiemix der Zukunft in Frage stellen. Auch wenn die Reaktionen auf die Katastrophe in Japan in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich ausgefallen sind, scheint das Aus für etliche der älteren Atomkraftwerke besiegelt. Darüber hinaus dürften sich bereits in Angriff genommene und in der Planung befindliche Projekte spürbar verzögern. Solche Verzögerungen oder gar die Aufgabe von Projekten zum Ausbau der Atomenergie werden wohl vor allem den sauberen Energien sowie anderen Energieträgern wie Erdgas zugutekommen. Traditionell konzentrieren sich Investmentstrategien im Bereich der erneuerbaren Energien auf die technologischen Aspekte und die Herstellung der Anlagen, was wenig überraschend schwankende Renditen mit sich bringt. Aus unserer Sicht lassen sich die Risiken einer Anlage in erneuerbare Energien jedoch erheblich senken, wenn man sich auf erprobte und ausgereifte Technologien und den Verkauf des erzeugten Stroms an renommierte Partner beschränkt. geringen Risiken handelt. Gebaut werden die Anlagen in der Regel von großen etablierten Unternehmen, und meist sind sie mit langjährigen Garantien und Wartungsverträgen ausgestattet. Überdies können Banken inzwischen in vielen Fällen dank erprobter und ausgereifter Technologien günstige Finanzierungsbedingungen anbieten. Gleichzeitig haben eine zunehmend effiziente Technik, das stetige Wachstum der Branche und der Eintritt von Niedrigkostenproduzenten aus Asien die Preise im Wind- und Solarsektor sinken lassen. Schon heute sind die Kosten der Windenergieerzeugung auf dem Land wettbewerbsfähig gegenüber traditionelleren Energiequellen, während die Preise für Solaranlagen in den vergangenen Jahren um fast 50 % gefallen sind. Geht diese Entwicklung so weiter, werden sie in etlichen Ländern schon bald mit den marktüblichen Preisen für andere Energieträger mithalten können. Die aus Risikosicht besten Anlagechancen im Bereich der sauberen Energien finden Fortsetzung Seite B 5

Etliche Vorteile winken
Projekte im Bereich erneuerbarer Energien zeichnen sich heute vielfach durch langfristige Verträge mit verlässlichen Partnern sowie ausgereifte Technologien aus. Deshalb bieten sie Investoren inzwischen Kapitalströme, die in puncto Transparenz und Stabilität traditionellen Infrastrukturprojekten in nichts nachstehen. Darüber hinaus punkten sie mit erheblichen Diversifizierungsvorteilen und einem gewissen Schutz

Wind und Solar sehr attraktiv
Die Wind- und die Solarenergieerzeugung zeichnen sich derzeit durch das attraktivste Risiko-Rendite-Profil im Universum der erneuerbaren Energien aus. Zudem bieten sie zahlreiche gute Chancen, Kapital gewinnbringend anzulegen. Nach Jahrzehnten ständiger technologischer Neuerung und Weiterentwicklung können Investoren inzwischen davon ausgehen, dass es sich bei Wind- und Solarprojekten an Land um Infrastrukturwerte mit vergleichsweise

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Börsen-Zeitung Nr. 20

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Profitabilität und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze
Im operativen Geschäft verankern – Ohne klare Positionierung drohen Profilierungs- und Reputationsverlust – Internationale Standards existieren bereits
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Beständig steigende Energie- und Rohstoffpreise, überfischte Weltmeere oder die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels: Immer offensichtlicher wird, wie unmittelbar unsere Zukunftsfähigkeit an die Funktionsfähigkeit der Öko- und Sozialsysteme geknüpft ist. Die Erkenntnis, dass wir mit der Natur und ihren Ressourcen bewusster als bisher umgehen, dass wir nachhaltig wirtschaften müssen, hat inzwischen auch die Führungsetagen vieler Unternehmen erreicht. zwischen vielfach belegt. So hat die Managementberatung A. T. Kearney im Jahr 2009 beispielsweise festgestellt, dass im deutschsprachigen Raum über 90 % der Kunden nachdie verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette bieten sich also zahlreiche Chancen, Umweltund Sozialaspekte zum Wohl von Unternehmen und Gesellschaft zu integrieren. Umgekehrt birgt die zunehmende Komplexität der LieferVon ketten und Produkte in Hans-Jürgen Matern unserer globalisierten Wirtschaft aber natürlich auch zahlreiche Risiken. Die heutigen weit verzweigten Lieferketten Bereichsleiter transparent zu kontrolNachhaltigkeit und lieren und nachhaltig zu Regulierung der gestalten, ist eine HeMetro AG rausforderung, der sich insbesondere international tätige Handelskonhaltige Einzelhändler attraktiver fin- zerne seit vielen Jahren stellen. Mit den. Auch die Kapitalmärkte legen dem Ziel, eine einwandfreie ProduktNachhaltigkeit immer mehr als har- qualität zu gewährleisten, Umweltsten Maßstab bei der Beurteilung von tandards einzuhalten und faire und Unternehmen an. Und die Öffentlich- menschenwürdige Arbeitsbedingunkeit wacht via World Wide Web mit gen sicherzustellen, setzt das UnterArgusaugen darüber. nehmen sich in Kooperation mit seiDamit Nachhaltigkeit allerdings nen Lieferanten weltweit dafür ein, tatsächlich mehr als Marketing ist die diversen Wertschöpfungsketten und zur Wertschöpfung in Unterneh- zu optimieren. men und Gesellschaft beitragen Weil es heutzutage so gut wie kein kann, muss es im operativen Ge- nationales Produkt mehr gibt, ist die schäft verankert sein. Es geht nicht Voraussetzung jeder transparenten um Philanthropie, sondern um die Kontrolle der Lieferkette ein inteFrage „Wie kann ich mein Geschäft griertes System von international gut aufstellen – gut für das Unterneh- anerkannten Standards. Die Busimen und gut für alle Stakeholder?“. ness Social Compliance Initiative Hierauf sollte die Nachhaltigkeits- (BSCI) ist eine der bedeutendsten Orstrategie eines Unternehmens Ant- ganisationen in diesem Zusammenworten liefern. hang, ein Zusammenschluss europäischer Handelsunternehmen, deren Ziel die Wahrung grundlegender Lieferkette steht im Fokus Menschenrechte in der gesamten Betrachtet man das inzwischen teil- Produktions- und Lieferkette ist. Der weise umfangreiche Nachhaltigkeits- BSCI-Standard findet für die Herstelengagement großer Unternehmen genauer, zeigt sich, dass dabei häufig die Lieferketten im Fokus stehen. Und das aus gutem Grund: Denn die Lieferketten stehen für das Kerngeschäft eines Unternehmens und umfassen alle, die in irgendeiner Form an der Wertschöpfung des angebotenen Produktes beziehungsweise der Dienstleistung beteiligt sind: von der Produktion über den Transport, die Lagerhaltung, die Gestaltung der Ladenfläche bis zur Entsorgung. Für ler von Textilien, Sportwaren, Schuhen, Non-Food und inzwischen auch Lebensmitteln in bestimmten von der BSCI-Organisation definierten Risikoländern Anwendung. Er umfasst neben der Einhaltung von Gesetzen, die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen, ein Diskriminierungsverbot, die Zahlung von Mindestlöhnen, die Regelung von Arbeitszeiten, Sicherheit am Arbeitsplatz, das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie Umwelt- und Sicherheitsaspekte. Weitere Standards, die den Lieferketten sowie den Sortimenten des Handels zu mehr Transparenz und Nachhaltigkeit verhelfen, sind der Global GAP für eine sichere und nachhaltige Landwirtschaft, der International Featured Standard Food (IFS Food), der Consumer Product Standard des British Retail Consortium für Nonfood-Produkte oder der Standard des Forest Stewardship Council (FSC) zur Sicherung der nachhaltigen Waldnutzung. Um diesen international anerkannten Standards in den Lieferketten Geltung zu verschaffen und dem Ziel eines nachhaltig gemanagten Kerngeschäfts Schritt für Schritt näher zu kommen, braucht es zahlreiche Maßnahmenpakete sowie zum Teil unkonventionelle Partnerschaften. So vereinbarte die Metro beispielsweise im Jahr 2009 mit der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung, Unido, eine Zusammenarbeit zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit in Schwellenund Entwicklungsländern. Im Fokus der Kooperation steht die Schulung von Kleinbauern in Sachen Kühlkette und Hygiene, damit die sogenannten Nachernteverluste minimiert werden. Von der Kooperation profitieren viele: Indem die Metro moderne Zucht- und Hygienetechniken sowie anspruchsvolle Qualitätsund Umweltstandards vermittelt, si(WEF) mehrere Initiativen entwickelt, in denen Lebensmittelindustrie und Handel zentrale Herausforderungen wie Wasserknappheit, ökologisch orientierte Landwirtschaft, Balance zwischen Umweltschutz und industrialisierter Landwirtschaft, Lieferketten und Verteilung aufgreifen. Zugleich werden wichtige NGOs mit eingebunden. Dieses von Eigeninteresse angetriebene Engagement der Privatwirtschaft in Sachen Nachhaltigkeit hat zwei weitere wertvolle Effekte: In den Schwellenländern bauen international tätige Unternehmen mit am Fundament für politische Partizipation und Teilhabe am Wohlstand. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass die dortigen Mitarbeiter Eigenverantwortung in einer freiheitlichen Unternehmenskultur übernehmen. Zudem bezahlen die ausländischen Unternehmen in den Schwellenländern in der Regel Löhne über den ortsüblichen Tarifen und helfen so, eine neue Mittelschicht aufzubauen, die in jedem Land Stabilitätsanker einer Gesellschaft sind. Auch das breitere Angebot von hochwertigen Produkten trägt letztlich zur positiven Entwicklung der Gesellschaften bei. In Deutschland wirkt das freiwillige Nachhaltigkeitsengagement der Wirtschaft dem Zerrbild gieriger Manager und verantwortungsloser Konzerne sowie dem gefährlichen Akzeptanzverlust der sozialen Marktwirtschaft entgegen. Hier tragen Wirtschaft und Politik gemeinsam Verantwortung. Nachhaltig zu wirtschaften, darüber zu sprechen und sich dem kritischen Dialog zu stellen, sind wichtige Bausteine, um die Soziale Marktwirtschaft zu stärken und mit Werten zu wachsen.

Erfolgsgrundlage
Dabei geht es nicht etwa um ein neues Marketingkonzept. Vielmehr herrscht nahezu branchenübergreifend Einigkeit darüber, dass Nachhaltigkeit Grundlage für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg ist. Deshalb berücksichtigen immer mehr Unternehmen neben ökonomischen auch soziale und ökologische Belange in ihrer Geschäftstätigkeit und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Auch deshalb, weil es für immer mehr Menschen zu einer grundlegenden Anforderung wird, den Bedürfnissen der Umwelt und künftigen Generationen nachzukommen. Unternehmen müssen sich heute nicht nur auf dem Markt der Produkte behaupten, sondern auch auf dem Markt der Meinungen. Ohne eine klare Positionierung in Sachen Nachhaltigkeit und die entsprechenden Organisationsstrukturen drohen Profilierungs- und Reputationsverlust und damit wirtschaftlicher Schaden, insbesondere für große international tätige Unternehmen, die weit mehr unter Beobachtung stehen als kleinere, regional tätige Firmen. Für Handelsunternehmen wie die Metro Group hat Nachhaltigkeit nicht zuletzt aufgrund ihrer zentralen Stellung in der Gesellschaft eine hohe Bedeutung: denn die unmittelbare Nähe zu Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern bringt von jeher eine besondere unternehmerische Verantwortung mit sich. Die wachsende Bedeutung, die Kunden verantwortungsvollem Handeln von Unternehmen zuordnen, ist in-

„Nachhaltig zu wirtschaften, darüber zu sprechen und sich dem kritischen Dialog zu stellen sind wichtige Bausteine, um die Soziale Marktwirtschaft zu stärken und mit Werten zu wachsen.“

chert sie sich qualitativ hochwertig Produkte für ihre Märkte. Zugleich macht sie ihre lokalen Lieferanten wettbewerbsfähig und ebnet ihnen perspektivisch den Weg in Richtung internationale Märkte.

Wirtschaft ist oft Vorreiter
Interessant ist, dass die Wirtschaft beim Thema Nachhaltigkeit inzwischen oftmals Vorreiter ist – und zwar gerade in der internationalen und branchenübergreifenden Kooperation. Denn dort, wo die Nationalstaaten an ihre Grenzen stoßen, organisieren sich mehr und mehr Unternehmen selbst. So hat das in diesen Tagen wieder in Davos stattfindende World Economic Forum

Erneuerbare Energien . . .
Fortsetzung von Seite B 4 sich zurzeit an den ausgereiften Märkten wie den USA und Europa. Zusammen entfallen auf sie rund 80 % der weltweiten Wind- und Solarerzeugerkapazität. Gründe für diese Dominanz sind die ehrgeizigen Zielvorgaben der Regierungen mit Blick auf den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung sowie eine stabile Gesetzeslage. Höhe von 50 % an einem OffshoreWindpark in Dänemark für etwa 1,1 Mrd. Dollar. Und für ca. 930 Mill. Dollar hat sich ein großes Private-Equity-Unternehmen ein italienisches Photovoltaikunternehmen einverleibt. An den langfristigen Chancen für die Branche besteht kein Zweifel. Erneuerbare Energien sind aber gleichwohl ein komplexer Industriezweig, weshalb eine Anlage einen tiefen Einblick in die Branche und fundierten Sachverstand erfordert. Ausschlaggebend für ein erfolgreiches Investment ist eine gute Auswahl der Anlagewerte, die Investoren erfahrenen Investment-Spezialisten überlassen sollten.

Großzügige Förderung
In Amerika und Europa haben die Regierungen verschiedene Förderprogramme aufgelegt, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen. Investoren beschert dies in einigen Bereichen äußerst verlässliche Renditen. In den USA erfolgt die Förderung größtenteils über Steuervergünstigungen für Investitionen in erneuerbare Energien. In Europa wiederum garantieren viele Regierungen feste Einspeisetarife für Strom aus erneuerbaren Quellen. Überdies bieten Versorger alternativen Erzeugern über langfristige Abnehmerverträge finanzielle Sicherheit. Bis dato geben bei Investitionen in Projekte zur Erzeugung sauberer Energien Versorger und unabhängige Unternehmen den Ton an. Aufgrund der jüngsten Kreditkrise aber und den damit verbundenen Belastungen für ihre Bilanzen müssen die Versorger inzwischen ihr Engagement zurückfahren. Hinzu kommt die gestiegene Risikoscheu, die auf den Bewertungen unabhängiger Stromentwickler lastet. Finanzinvestoren, also langfristig orientierten Kapitalgebern, bietet das die Chance, der Branche eine neue Kapitalquelle zu eröffnen, die ihnen selbst wiederum attraktive risikobereinigte Renditen in Form von stabilen Ertragsströmen bietet. Folglich haben institutionelle Investoren in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung für die Branche gewonnen. Anfang 2010 etwa erwarben zwei große Pensionsfonds eine Aktienbeteiligung in

Projekte global auswählen
Projektbezogene Risiken können Investoren über einen rigorosen globalen Auswahlprozess abmildern. Dieser kann nicht nur kurzfristige Änderungen an einzelnen Märkten abfedern, er bietet Investoren auch den so wichtigen Zugang und die Expertise eines auf erneuerbare Energien spezialisierten Anlageteams. In diesem Prozess lassen sich unter anderem Projekte ermitteln, welche die ersten Hürden der Entwicklung erfolgreich genommen haben und an denen renommierte Anlagenbauer mit verlässlichen Technologien und angemessen strukturierten Verträgen beteiligt sind. Zu den gesamtwirtschaftlichen Risiken gehören mögliche Änderungen auf Gesetzesebene sowie Entwicklungen, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit in puncto Kosten gegenüber fossilen Energieträgern auswirken. Aufsichtsrechtliche Änderungen dürften allerdings vor allem beim künftigen Marktwachstum zu Buche schlagen und weniger bei bestehenden Erneuerbare-Energien-Projekten. In Anbetracht des für die Branche prognostizierten hohen Wachstums stehen Investoren attraktive Anlagechancen selbst dann zur Verfügung, wenn der Markt in einigen Ländern infolge gesetzgeberischer Initiativen ins Stocken geraten sollte.

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Nachhaltig an der Börse handeln
Global Challenges Index geht der aktuellen Entwicklung voran – Ausgerichtet an den Herausforderungen dieses Jahrtausends – 50 Mitglieder – Stete Kontrolle
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Der Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 und die dort vereinbarten Ergebnisse, wie beispielsweise das entwicklungs- und umweltpolitische Aktionsprogramm Agenda 21, gelten bis heute als wegweisend und als Meilenstein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. 20 Jahre nach dem ersten Erdgipfel trifft sich die Weltgemeinschaft nun Anfang Juni 2012 zur mittlerweile dritten Nachfolgekonferenz erneut in der brasilianischen Millionenmetropole. Die sozialen und umweltbezogenen Probleme sind seit dem ersten Gipfel nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Gerade beim Klimawandel hat sich die Situation trotz der in Rio 1992 verabschiedeten UN-Klimarahmenkonvention weiter zugespitzt. Auch die Bekämpfung der Armut als Teil der sogenannten Millennium-Ziele oder der Schutz der Arten treten auf der Stelle. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen, dass die Konferenz Rio + 20 auf höchster politischer Ebene stattfinden soll. Die Staats- und Regierungschefs der Welt sollen der nachhaltigen Entwicklung neuen Schwung verleihen und die Ergebnisse so in einem gebündelten Politikpapier münden. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Entwicklung von der braunen, öl- und kohlebasierten zu einer grüneren Wirtschaft, die sich mit den Attributen kohlenstoffarm, ressourceneffizient und sozial gerecht beschreiben lässt, der Kampf gegen die Armut sowie die institutionellen Rahmenbedingungen einer nachhaltigen Entwicklung („Global Governance“). Gerade die Unternehmen sollen damit stärker in die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung genommen werden. Auf die weitere Entwicklung und auf die Ergebnisse des Erdgipfels darf man gespannt sein. Unabhängig davon ist es aber schon heute möglich, sich auch bei der Kapitalanlage konsequent dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen – mit dem Global Challenges Index, dem Nachhaltigkeitsindex der Börse Hannover. Dierichtungweisende Beiträge zur Bewältigung der globalen Herausforderungen leisten. Zusätzlich müssen sie den definierten Mindestanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement genügen und dürfen nicht gegen ein umfassendes Set von Ausschlusskriterien verstoßen. Von Die Auswahl der UnSandra Lüth ternehmen erfolgt auf Basis eines mehrstufigen Prozesses der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research. Ausgangspunkt ist ein Universum, das derzeit rund 3 100 UnternehMitglied des Vorstands men aus mehr als 45 der Böag Börsen AG Branchen und aus über 50 Staaten umfasst. Abgedeckt werden damit ser setzt sich schon seit seinem Aktiengesellschaften internationaler Launch im Jahr 2007 aktiv mit den Indizes wie beispielsweise des MSCI Themen der bevorstehenden World, des MSCI Emerging Markets Rio + 20-Konferenz auseinander und des Stoxx 600 sowie wichtiger und ist somit der aktuellen Entwick- nationaler Indizes wie des österreilung ein gutes Stück voraus. Der Glo- chischen ATX, der deutschen Dax-Fabal Challenges Index ist ausgerichtet milie und des Schweizer SMI. auf sieben globale HerausforderunIm Rahmen des Scoutings werden gen dieses Jahrtausends, denen sich in einem ersten Schritt die UnternehPolitik, Gesellschaft und Wirtschaft men identifiziert, die ein Mindeststellen müssen: maß an sozialen und umweltbezogedie Bekämpfung der Ursachen nen Maßnahmen bzw. Transparenz und Folgen des Klimawandels darüber erkennen lassen. Aktuell die Sicherstellung einer ausrei- rund 1 100 Unternehmen nehmen chenden Versorgung mit Trink- diese erste Hürde und werden in eiwasser nem zweiten Schritt im Rahmen des die Beendigung der Entwaldung Corporate Ratings umfassend bewerund die Förderung nachhaltiger tet. Hierzu werden rund 100 EinzelinWaldwirtschaft dikatoren aus sechs Kategorien verden Erhalt der Artenvielfalt wendet, die branchenspezifisch zuden Umgang mit der Bevölke- sammengestellt werden, um den jerungsentwicklung weiligen sozialen und ökologischen die Bekämpfung der Armut Herausforderungen der Branchen gedie Unterstützung verantwor- recht zu werden. Bewertet wird untungsvoller Führungs-(Gover- ter anderem der Umgang des Unternance-)Strukturen nehmens mit den eigenen MitarbeiDer Global Challenges Index um- tern, die sozialen und umweltbezogefasst 50 Unternehmen, die sich die- nen Standards bei der Auswahl von ser Verantwortung aktiv stellen und Zulieferern, die Vorkehrungen gegen in ihrem Kerngeschäft substanzielle, Korruption und Bestechung sowie die umweltbezogene Qualität der Produkte, also z. B. deren Energieverbrauch und Recyclingfähigkeit. Genutzt wird hier ein absoluter Best-in-Class-Ansatz. Dabei qualifizieren sich nur die Unternehmen für den Prime Status, die ein festgelegtes Mindestrating auf der von „A+“ (beste Note) bis „D –“ reichenden Ratingskala erreichen. Oekom Research spricht in diesem Zusammenhang von der „Prime-Schwelle“, die branchenindividuell festgelegt wird. Die Schwelle ist umso höher, je größer die (potenziellen) negativen Auswirkungen der Branche auf Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaft sind. Unternehmen, deren Leistungen über dieser Schwelle liegen, erhalten den Status „Prime“. Die Kriterienkataloge werden regelmäßig weiterentwickelt, um neuen technischen, gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Entwicklungen Rechnung zu tragen. ren Zulieferer und Subunternehmer gegen die Prinzipien im Bereich der Kinderarbeit verstoßen. Menschenrechte Als Verstoß gilt die massive Verletzung von international anerkannten Prinzipien wie zum Beispiel der UN Universal Declaration of Human Rights. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die selbst oder deren Zulieferer und Subunternehmer gegen die Prinzipien im Bereich der Menschenrechte verstoßen. Produktion von: Atomenergie Bioziden Chlorchemie gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren (grüne Gentechnik) Rüstungsgütern (insb. Waffensysteme und geächtete Waffen) Umweltverstöße Hierzu zählen Fälle massiver Missachtung von Umweltgesetzen oder allgemein anerkannter ökologischer Mindeststandards durch das Unternehmen, etwa Großprojekte (z. B. Pipelines, Staudämme), die eine besonders schädliche Wirkung auf die Ökosysteme in der betroffenen Region haben. Unterschieden werden hier Verursacher (z. B. Betreiber von kontroversen Projekten), Zulieferer/ Subunternehmer sowie Finanziers (z. B. Banken, die per Projektfinanzierung Kapital für entsprechende Projekte zur Verfügung stellen). Wirtschaftspraktiken Ausgeschlossen werden Unternehmen mit Verstößen in den Bereichen Korruption und Bilanzfälschung. Über die beiden Filter, Best-inClass-Rating und Ausschlusskriterien, werden rund 700 Unternehmen aussortiert. Aus den verbleibenden 400 Unternehmen werden dann in einem dritten Schritt die 50 Emittenten herausgesucht, die in ihrem Kerngeschäft einen wegweisenden Beitrag zum Umgang mit den sieben globalen Herausforderungen leisten. Bei Danone ist dies zum Beispiel der Aufbau eines Joint Venture mit der Grameen-Gruppe zur Produktion eines preisgünstigen Milchproduktes und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Indien; bei Henkel sind es die Maßnahmen zur Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs sowohl in der eigenen Produktion als auch bei den Verwendern.

Unabhängiger Beirat
Es wird laufend überprüft, ob die Unternehmen den Anforderungen noch genügen. Unternehmen, die entweder den Prime-Status verlieren oder gegen die definierten Ausschlusskriterien verstoßen, werden im Rahmen des halbjährlich stattfindenden Rebalancing aus dem Global Challenges Index ausgeschlossen. Ein unabhängiger Beirat, dem Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, der International Labour Organization (ILO), der Naturschutzorganisation WWF sowie des Rates für Nachhaltige Entwicklung angehören, begleitet den Index hierbei aktiv. Alle im Global Challenges Index gelisteten Unternehmen werden porträtiert, ihre sozialen und umweltbezogenen Stärken und Schwächen dargestellt und die Gründe für ihre Aufnahme in den Index offen unter www.gc-index.com kommuniziert. Transparenz und umfassende Information – dies steht beim Global Challenges Index an erster Stelle. Ein Umstand, der ihn von den meisten anderen Indizes unterscheidet. Der Global Challenges Index setzt so schon heute Maßstäbe bei der Umsetzung zahlreicher zukunftsweisender Themen und ermöglicht es gleichzeitig nachhaltig orientierten Anlegern, an diesem Vorsprung zu partizipieren. Dies ist institutionellen Investoren beispielsweise über eigene Produkte im Rahmen einer Lizenz oder durch eine Direktanlage in einen der bestehenden Fonds möglich. Denn auch die Performance kann sich sehen lassen: Auf die vergangenen drei Jahre bezogen hat der Global Challenges Index eine deutlich bessere Wertentwicklung erzielt als Dax und Euro Stoxx.

Strenge Ausschlusskriterien
Zusätzlich zum Best-in-Class-Status müssen die Unternehmen für eine Aufnahme in den Global Challenges Index strengen Ausschlusskriterien genügen. Dabei werden Unternehmen vom Investment ausgeschlossen, die gegen folgende Ausschlusskriterien verstoßen: Arbeitsrechte Ein Verstoß liegt vor, wenn mindestens eines der vier Prinzipien der ILO Declaration on Fundamental Principles and Rights at Work (Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Diskriminierung) verletzt oder wenn systematisch Mindestarbeitsstandards (z. B. in den Bereichen Gesundheit, Bezahlung, Arbeitszeit) umgangen wurden. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die selbst oder deren Zulieferer und Subunternehmer gegen die Prinzipien verstoßen. Kinderarbeit Als Verstoß gilt solche Kinderarbeit, die nicht ausdrücklich von der ILO erlaubt ist. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die selbst oder de-

Nachhaltige Transparenz durch integrierte Berichterstattung
Erfolgsfaktoren und Leistung des Unternehmens zusammenhängend darstellen
tung als Fortschrittsbericht zur Umsetzung der zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen. Diese vom damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, ins Leben gerufene Initiative steht für den weltweiten Zusammenschluss von Unternehmen, die sich gemeinschaftlich für eine nachhaltigere und geVon rechtere Wirtschaft einFelicia Müller-Pelzer setzen. Außerdem legen wir unserer Berichterstattung die von der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) im ZusamGroup Manager menschluss mit der Sustainability Deutschen Vereinigung Solarworld AG für Finanzanalyse und Asset Management rolle nehmen wir ein, da Nachhaltig- (DVFA) herausgegebenen nichtfinankeit von Anfang an Kern unseres Han- ziellen Kennzahlen zugrunde. Diese delns war: 1998 wurde SolarWorld Indikatoren wurden speziell für Fimit dem Ziel gegründet, eine nach- nanzinvestoren entwickelt, um auch haltige Entwicklung zu ermöglichen, den Informationsbedürfnissen der und diese Grundhaltung bestimmt Stakeholder gerecht zu werden. Diese Transparenz wird honoriert. auch heute noch unser Geschäft. Kürzlich wurde SolarWorld beispielsweise im Rahmen des Carbon DiscloAnerkanntes Rahmenwerk sure Project Deutschland als „Sector Bei der Berichterstattung befolgt Leader“ der Branche „Renewables“ SolarWorld die Vorgaben der Glo- gekürt. Seit Gründung dieser Initiabal Reporting Initiative (GRI). Die tive in Deutschland im Jahr 2005 unGRI ist eine gemeinnützige Multi- terstützen wir das Projekt, indem Stakeholder Stiftung und hat das wir freiwillig unsere CO2eq-Emissiowohl umfassendste, international nen berechnen und zur Verfügung anerkannte Rahmenwerk für Nach- stellen. Die umfassende Offenlegung haltigkeitsberichterstattung entwi- zur Nachhaltigkeitsleistung des Konckelt. Seit 2007 erreichen wir dort zerns erfolgt seit 2007 integriert in das höchste Niveau, „A +“. Dies be- der Konzernberichterstattung. Dafür sagt, dass SolarWorld entlang aller wurde SolarWorld 2011 mit dem Kernindikatoren berichtet und die zweiten Platz in der Kategorie „BesAngaben zudem prüfen lässt. Bei ter integrierter Bericht“ des Corpouns übernimmt diese Aufgabe die rate Register Reporting Award BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesell- (CRRA) für das Geschäftsjahr 2009 schaft. Sie legt dafür die vom Insti- ausgezeichnet. tut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festDas Ziel einer integrierten Berichtgestellten deutschen Grundsätze erstattung ist es, die entscheidenden ordnungsmäßiger prüferischer ökonomischen, ökologischen und soDurchsicht von Berichten im Be- zialen Erfolgsfaktoren und die Leisreich der Nachhaltigkeit zugrunde. tung des Unternehmens zusammenZugleich dient unsere Berichterstat- hängend darzustellen. NachhaltigBörsen-Zeitung, 28.1.2012 SolarWorld setzt seit einigen Jahren auf hohe Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung und beschreitet damit einen Weg, der in der Branche der erneuerbaren Energien noch nicht üblich ist. Diese Vorreiterkeit ist ein Steuerungsprinzip, das sich nur über die gesamte Unternehmensführung erschließt, weshalb eine Trennung dieses Aspekts von der Berichterstattung nach IFRS widersinnig wäre. Eine Trennung birgt die Risiken einer reduzierten Sichtweise in der Berichterstattung nach IFRS sowie einer unnötigen Aufblähung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Zusammen statt nacheinander
Eine integrierte Berichterstattung muss dies unbedingt vermeiden. Das heißt, es reicht nicht aus, Konzernund Nachhaltigkeitsberichterstattung hintereinander in einem Dokument abzuhandeln, sondern es müssen die wesentlichen Themen herausgearbeitet und im Lagebericht dargelegt werden. Dazu führt SolarWorld jährlich eine Wesentlichkeitsanalyse durch. Zu Beginn des Berichts umreißt die Rubrik „SolarWorld auf einen Blick“ kurz das Prinzip der Nachhaltigkeit und legt im Anschluss die Qualität von Berichterstattung und Leistungsprüfung dar. Es folgen ausgewählte Konzernkennzahlen, welche die für die Unternehmensleistung zentralen ökonomischen, ökologischen und sozialen Themen herausstellen. Im Kapitel zur Unternehmenssteuerung und Kontrolle legt SolarWorld dar, wie nachhaltige Unternehmensführung im Konzern gelebt wird und welche Managementinstrumente zum Einsatz kommen. Die Hauptaspekte der Corporate Governance werden in der Erklärung zur Unternehmensführung der Gesellschaft aufgeführt. Aktuelle Entwicklungen werden im Geschäftsverlauf dargelegt, z. B. die Entwicklung der Kundenzufriedenheit oder die nachhaltige Gestaltung von Lieferantenbeziehungen. Von besonderer Bedeutung für das Unternehmen SolarWorld sind seit jeher die Themen Energie und Klimaschutz. Daher widmet der Lagebericht diesen HinterFortsetzung Seite B 7

Sonnabend, 28. Januar 2012

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Börsen-Zeitung Nr. 20

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Intuition geht vor Strategie
Small und Mid Caps machen Fortschritte beim Nachhaltigkeitsmanagement, unterscheiden sich in der Vorgehensweise jedoch deutlich von Großkonzernen
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Der Eindruck drängt sich auf, dass mittelständisch orientierte Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit genauso verfahren wie bei anderen Dingen: bodenständig, tatkräftig und ohne viel Aufhebens. Dem steht ein wachsendes Anlegerinteresse gegenüber. Standen in der Vergangenheit vornehmlich Large Caps auf der Agenda von Nachhaltigkeitsinvestoren, rücken zunehmend auch Small und Mid Caps in den Fokus. Das DZ Bank Sustainable Investment Research, das neben Dax-Werten auch rund 100 Titel aus dem MDax, dem TecDax und dem SDax unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten analysiert, verzeichnet in jüngster Zeit vermehrt Anfragen von institutionellen Investoren aus dem In- und Ausland zu börsennotierten Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung. Bei etwa jeder vierten Kundenanfrage aus den Socially-ResponsibleInvesting-Kernmärkten (SRI) Frankreich, Benelux, Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz werden explizit Small und Mid Caps thematisiert. Small und Mid Caps ihr Nachhaltigkeitsengagement insbesondere auf ihr unmittelbares lokales Umfeld ausgerichtet haben. Die Unternehmen sind in der Regel sehr eng in die Region eingebunden, haben im Vergleich zu internationalen Großkonzernen nur wenige oder gar keine Auslandsstandorte und selbst innerhalb Deutschlands nur eine überschaubare Anzahl Von von Produktionsstätten. Marcus Pratsch Dadurch sind die Firmen auf die regionale Infrastruktur sowie funktionierende ökologische und soziale Strukturen in hohem Maße angewiesen. Head of Sustainable Dass sich Small und Investment Research Mid Caps im Nachhaltigbei der DZ Bank keitskontext gegenüber den größeren Mitwettbeeingehen. Dabei steht in mehr als werbern nicht verstecken brauchen, der Hälfte aller Fälle eine Vielzahl verrät auch ein Blick auf die soziale kleinerer Aktivitäten im Vorder- Dimension. So weist mehr als die grund. Large Caps hingegen zielen Hälfte der beobachteten kleineren verstärkt auf wenige große strate- Werte in der Sozialdimension ein högisch ausgerichtete Aktivitäten, die heres Rating auf als die Mehrheit der einen höheren Aufmerksamkeits- Wettbewerber aus derselben Branche – über alle Unternehmensgrögrad erzielen. Im Gegensatz zu den Blue Chips ßen hinweg. Überdurchschnittlich werden nachhaltigkeitsrelevante punkten Small und Mid Caps bei Themen in den allermeisten Fällen Subindikatoren, die direkt ihre Mitjedoch eher intuitiv und nicht strate- arbeiter betreffen. Dazu gehören beigisch angegangen. Vergleichsweise spielsweise die Personalaus- und wenige Small- und Mid-Cap-Unter- -weiterbildung, die Arbeitsbedingunnehmen leiten ihre Nachhaltigkeits- gen, die Arbeitszufriedenheit oder strategie bewusst aus der Unterneh- die Verbleibdauer im Unternehmen. mensstrategie ab. Dies zeigt sich un- Gründe hierfür sind vor allem die geter anderem auch in der organisatori- ringere Anonymität zwischen Maschen Zuordnung des Themas. So nagement und Belegschaft, der hohe gibt es beispielsweise bei weniger als Grad persönlicher Bekanntschaft ineinem Viertel der analysierten Small nerhalb des Unternehmens sowie und Mid Caps ein für Nachhaltigkeit größere Handlungsspielräume und verantwortliches Vorstands- oder Managementmitglied. Es geht aber auch anders. Zu den löblichen Ausnahmen gehören beispielsweise der Automobilzulieferer ElringKlinger aus Dettingen/Erms sowie der Maschinen- und Anlagenkonzern Dürr aus Bietigheim-Bissingen. Außerdem ist zu beobachten, dass mehr als ein Drittel der analysierten für kleinere Unternehmen eigentlich kein neues Thema. Ein Blick in die Datenbank verrät, dass rund 80 % der beobachteten Werte unterhalb des Dax in ihrer Kommunikation – sei es auf der Homepage, dem Geschäftsbericht oder anderweitig – bereits auf das Thema Nachhaltigkeit mehr Verantwortung der Mitarbeiter. Als Positivbeispiel für eine überdurchschnittliche Sozialperformance lässt sich unter anderem die Hornbach Holding AG nennen. mension, rund 10 % setzen Nachhaltigkeit gar mit Ökologie gleich. Dass das Konzept Nachhaltigkeit aus mehreren Dimensionen besteht, ist bei vielen kleinen Unternehmen noch nicht verankert. Jedoch darf in einer umfassenden Nachhaltigkeitskommunikation die Einbeziehung von Sozial- und Governance-Faktoren Corporate Governance enthalten. Dies dient dem Abbau von Informationsasymmetrien zwischen dem Unternehmen und seinen Anspruchsgruppen. Der Nachhaltigkeitsbericht sollte also nachfrageorientiert geschrieben sein und nicht aus der angebotsorientierten Sicht des Unternehmens selbst.

Nach der Pflicht die Kür
Das Thema Nachhaltigkeit ist bei Small und Mid Caps also durchaus angekommen. Viele Unternehmen haben ihre Nachhaltigkeitsperformance in den zurückliegenden Monaten verbessert. Nach der Pflicht kommt jedoch die Kür, was die zielgerichteten Umsetzung und vor allem die Kommunikation einschließt. Allerdings ist die Nachhaltigkeitsberichtserstattung sowohl in quantitativer wie auch qualitativer Hinsicht noch stark verbesserungswürdig. Viele kleinere börsennotierte Unternehmen beschreiten bereits einen Pfad nachhaltiger Entwicklung, ohne diesen jedoch nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ ausreichend gegenüber Investoren zu kommunizieren. Inzwischen werden alle börsennotierte Unternehmen nicht mehr ausschließlich unter ökonomischen Gesichtspunkten bewertet. Das führt zu mannigfaltigen Informationspflichten gegenüber verschiedensten Stakeholdergruppen. Umso verwunderlicher ist es, dass beispielsweise gerade einmal zehn Unternehmen im MDax, darunter der Maschinenbauer Krones, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht publizieren. Häufig wird das Thema Nachhaltigkeit durch Small und Mid Caps auch zu einseitig behandelt. Weniger als ein Viertel der beobachteten Unternehmen schlägt eine Brücke zur ökonomischen Nachhaltigkeitsdi-

Der Investorendruck steigt

„Nachholbedarf haben Small- und Mid Caps in puncto Nachhaltigkeit vor allem in der strategischen Umsetzung sowie in der Kommunikation.“

Teils große Unterschiede
Diesem Kapitalmarkttrend folgend, überdenken inzwischen viele kleinere Unternehmen ihr Nachhaltigkeitsmanagement. Die Fortschritte sind deutlich erkennbar, weisen allerdings sowohl quantitativ als auch qualitativ eine erhebliche Bandbreite auf. Dies drückt sich im Nachhaltigkeitsscoring des DZ Bank Research aus. So weisen die „vorbildlichen“ Small und Mid Caps, wie beispielsweise der Automobilzulieferer Leoni oder der Anbieter von Laborund Prozesstechnologie Sartorius, die sich gemäß Ratingmethodik für ein Nachhaltigkeitsuniversum qualifizieren, in einigen Fällen doppelt so hohe Werte auf wie Small und Mid Caps, die in diesem Bereich noch relativ am Anfang stehen und daher als „nicht nachhaltig“ eingestuft sind. Dabei ist Nachhaltigkeit auch

ebenso wenig fehlen, wie die Berücksichtigung der ökonomischen Dimension. Nur in dieser gesamtheitlichen Betrachtung kann Nachhaltigkeit funktionieren, da sich die einzelnen Dimensionen gegenseitig bedingen. Positiv zu erwähnen ist, dass etwa die Hälfte der beobachteten Small und Mid Caps, die sich mit ihrem Scoring für ein Nachhaltigkeitsuniversum qualifizieren, bereits eine sehr zielgerichtete Nachhaltigkeitskommunikation verfolgen. Diese sollte idealerweise stakeholderrelevante qualitative und quantitative Angaben über die in einer Berichtsperiode erreichten Leistungen und Verbesserungen in den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Soziales sowie

Insgesamt zeigt die Analyse: Nachholbedarf haben Small und Mid Caps in puncto Nachhaltigkeit vor allem in der strategischen Umsetzung sowie in der Kommunikation. Transparenz wird jedoch gerade von Investorenseite zunehmend eingefordert. Die Mehrzahl nachhaltig engagierter Investoren nimmt ihre Rolle als Miteigentümer einer Aktiengesellschaft stärker wahr als klassische Investoren, die ausschließlich unter Renditeaspekten investieren. Sie üben Druck auf Unternehmen hinsichtlich ihrer Verantwortung gegenüber diversen Stakeholdergruppen – also Mitarbeiter, Aktionäre, Kunden, Lieferanten – aus. Da die Anzahl nachhaltig engagierter Investoren wie Kirchen, Stiftungen, Pensions- oder Spezialfonds mittlerweile auf eine kritische Größe angewachsen ist, kann zum Beispiel durch Stimmrechtsausübung auf der Hauptversammlung aktiv auf die Unternehmenspolitik Einfluss genommen werden, falls diese nicht im Einklang mit den Nachhaltigkeitsvorstellungen der Anleger sein sollte. Daher gilt es für Small und Mid Caps, Nachhaltigkeit auch als „Investment-Thema“ zu begreifen und alle relevanten Informationen zeitnah zur Verfügung zu stellen.

Nachhaltige Transparenz . . .
Fortsetzung von Seite B 6 gründen auch ein eigenes Kapitel. Um die regenerative Stromerzeugung durch Photovoltaik kontinuierlich weiterzuentwickeln, investiert SolarWorld in Forschung und Entwicklung und kann so eine jährlich wachsende Anzahl von Erfindungsmeldungen verzeichnen. Themen, die Mitarbeiter betreffen, wie z. B. die Aus- und Weiterbildung, die Entwicklung des Frauenanteils und der Fluktuationsquote sowie Gesundheit und Sicherheit, sind generell von hoher Priorität. Die hohe Identifikation in der Belegschaft mit der Vision der SolarWorld, die Faszination für die Aufgabe, stellt einen großen Vorteil dar, der im Wettbewerb schwer imitierbar ist und der mit entsprechenden Maßnahmen auch in Zukunft erhalten und gefestigt werden soll. Da nachhaltige Entwicklung eine auf langfristigen Erfolg ausgerichtete Unternehmenspolitik voraussetzt, ist eine umfassende Analyse von Chancen und Risiken ohne Scheuklappen eine Notwendigkeit. Die Ergebnisse werden im Prognosebericht präsentiert. füllen, bietet sich analog zur Trennung von Lagebericht und Abschluss eine Trennung von Lagebericht und der zugrundeliegenden Datenbasis an. Alle über die integrierte Berichterstattung hinausgehenden Informationen sind für die Leser, die einzelne Themen vertiefen möchten, bei der SolarWorld in den Details zur Nachhaltigkeitsleistung online zu finden. Dort lassen sich Daten tiefgehend und umfassend darstellen. Die vollständige Historie wird dem interessierten Leser auf diesem Weg – auch direkt über Excel abrufbar – zur Verfügung gestellt, was dem Nutzer bei systematischen Auswertungen die Arbeit erleichtert. Diese umfassende Datenbasis kann als PDF heruntergeladen sowie in Druckversion bestellt werden, allerdings dies nur per Print-On-Demand, da auf diese Weise der Druckaufwand stark reduziert werden kann: ein weiterer Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit. Das Bindeglied zwischen der integrierten Berichterstattung und der Datenbasis stellt das „FactSheet“ Nachhaltigkeit im Konzernbericht dar. Es bietet eine Übersicht über alle Themen, die von Stakeholderseite her als relevant angesehen werden.

Umfassende Anforderungen
Die Wesentlichkeitsanalyse versucht, eine Übereinstimmung bei Stakeholder- und Unternehmensbelangen herzustellen. Dennoch gibt es viele Themen, die aus Unternehmenssicht nicht direkt erfolgsentscheidend, für Stakeholder aber von hoher Bedeutung sein können. So wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen zur Zerreißprobe, denn anerkannte Regelwerke (wie z. B. die Global Reporting Initiative) und Ratingagenturen (wie z. B. oekom research und Vigeo) stellen sehr umfassende und sehr ins Detail gehende Anforderungen an quantitative und qualitative Daten. Die Orientierung in einem Wust von Daten kann dem Leser dann schnell schwerfallen. Eine integrierte Berichterstattung in dieser Detailtiefe ist nicht zielführend, da der Blick für das Erfolgsentscheidende verloren geht. Um diese verschiedenen Zielsetzungen dennoch bestmöglich zu er-

Ergänzende Datenbank
Zusammenfassend lässt sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung wie folgt darstellen: Mit den Kerninformationen geht SolarWorld aktiv in den Markt (Push), wohingegen Stakeholder spezifische Informationen inklusive aller historischer Daten jederzeit der Datenbank entnehmen können (Pull). Zurzeit gibt es diverse Bestrebungen auf Länder- und EU-Ebene sowie auch international, die Integrierung und Standardisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung weiter voranzutreiben. Dabei wird der Fokus voraussichtlich auf der Priorisierung der Themen, der Analyse von Interdependenzen – insbesondere der ökonomischen Performance in Relation zur ökologischen und sozialen Performance – sowie der Datenqualität und der Vergleichbarkeit von Daten liegen.

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Finanzmärkte schätzen zunehmend das EITI-Siegel
Transparenzinitiative in der Rohstoffindustrie verringert Risiken für Investoren – Als internationaler Standard anerkannt – Namhafte Unterstützer
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Die Preise für natürliche Rohstoffe wie Öl, Gas und Edelmetalle sind in der Vergangenheit deutlich gestiegen. Diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen, da sich die weltweite Nachfrage bei nicht erneuerbaren Rohstoffen auf drei Langzeittrends stützt: Dies ist erstens ein Anstieg der Weltbevölkerung um 50 % bis zum Jahr 2050 gemäß Schätzung der Vereinten Nationen, zweitens ein rund 35 -prozentiger Anstieg des globalen Energieverbrauchs bis 2035 nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur und drittens eine potenzielle Verdoppelung des Anteils der Schwellenländer am weltweiten Bruttoinlandsprodukt innerhalb von 15 Jahren, basierend auf Prognosen des Internationalen Währungsfonds. Angesichts des daher absehbaren weiteren Preisanstiegs bei Rohstoffen bleibt die Rohstoffindustrie im Blickpunkt der Finanzindustrie. Investoren verfolgen immer stärker ausgefeilte Diversifizierungsstrategien und wollen sich gegen steigende Inflationsraten absichern. Darüber hinaus gibt es im Zusammenhang mit der Rohstoffindustrie aber auch eine große Zahl von Umwelt-, sozialen und Governance-Herausforderungen (ESG), die für Investoren von Interesse sind. Um nur ein paar prominente Beispiele zu nennen: Nach der BP-Ölpest im Golf von Mexiko sind höhere Kosten zur Vermeidung von Umweltverschmutzungen ein wichtiges Thema für Ölfirmen geworden, die Offshore-Bohrinseln für die Tiefseeförderung betreiben. Themen wie die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter sind für Bergbaufirmen wie ArcelorMittal, die die Zahl der Arbeitsunfälle verringern wollen, permanent von Bedeutung. Eine besonders schwierige Herausforderung ist die Gewährleistung einachhaltiger langfristiger Ansatz. In Regimen, die vielfach eher autokratisch als demokratisch ausgerichtet sind und in denen Korruption weit verbreitet ist, werden die Einnahmen aus der Rohstoffgewinnung häufig an die politische, militärische und kommerzielle Elite verteilt und nicht in wirtschaftliVon che und soziale EntwickDavid Diamond lungsprojekte investiert. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass Länder, die reich an Rohstoffen Head of Sustainable & sind, tendenziell in der Responsible InvestWirtschaftsentwicklung ment bei Allianz hinterherhinken und die Global Investors und Mitglied des Vorstands 3,5 Milliarden Menschen in den rohstoffreider EITI chen Ländern wenig Nutzen hiervon haben. geria gefährdet, und ähnliche Erfah- Bei einer guten Regierungsführung rungen machte jüngst Eni in Libyen. könnte die Gewinnung dieser ResDie Wurzeln des Problems sind oft sourcen hohe Einnahmen generieeine schlechte Regierungsführung ren, mit denen das Wirtschaftswachsund fehlende Transparenz, sodass tum gefördert und Armut gemindert die lokale Bevölkerung keinen sozio- werden könnte. Ist die Regierungsökonomischen Vorteil in dem finan- führung dagegen schwach, resultieziellen Reichtum, der durch den Roh- ren häufig Korruption, Armut und immer stärkere soziale Konflikte. stoffexport generiert wird, erkennt. Das Paradoxon der Überflusses ist jedoch nicht unlösbar, und die ProParadoxon des Überflusses bleme sind nicht unüberwindbar: Regierungen rohstoffreicher Län- Mehr Transparenz in rohstoffreider unterliegen häufig der Versu- chen Ländern könnte einige der pochung, den Export von Rohstoffen tenziell negativen Folgen mildern. zu favorisieren, um vom dadurch ent- Die Vorteile für Unternehmen und stehenden Geldsegen zu profitieren. Investoren liegen vor allem in der Es ist schlicht und einfach leichter, Verringerung der politischen und Einnahmen aus der Rohstoffindus- der Reputationsrisiken. Denn polititrie zu generieren, als eine starke, di- sche Instabilität aufgrund undurchversifizierte Wirtschaft aufzubauen. sichtiger Regierungsführung stellt eiOberflächlich betrachtet scheinen ne eindeutige Bedrohung für Investisolche Aktivitäten – zumindest mit- tionen dar. Die Verringerung derartitelfristig – sehr gewinnbringend für ger Gefahren ist gerade für die Rohdie Regierungen selbst, die betroffe- stoffindustrie wichtig, deren Investinen Öl-, Gas- und Bergbaufirmen so- tionen kapitalintensiv sind und bei wie deren Aktionäre. Dennoch ist der die Gewinnerzielung von einer dies nicht notwendigerweise ein langfristigen Stabilität abhängt. Daner langfristigen Lieferung von Ressourcen aus Gegenden, die von politischer, wirtschaftlicher und sozialer Instabilität geprägt sind. So haben soziale Unruhen regelmäßig die Aktivitäten von Royal Dutch Shell in Nirüber hinaus kann Transparenz bezüglich der an die Regierung geleisteten Zahlungen auch dabei helfen, den Beitrag der Investition eines Unternehmens zum Wohl des Landes herauszustellen. Im Rahmen der Transparenzinitiative in der Rohstoffindustrie (Extractive Industries Transparency Initiative, EITI) verpflichten sich Länder freiwillig dazu, die Zahlungen, die sie von Rohstoffunternehmen erhalten, offenzulegen und mit den Einnahmen der Regierungen abzugleichen. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Multi-StakeholderInitiative, bei der Regierungen, Unternehmen, die Zivilgesellschaft und finanzielle Investoren den gesamten Prozess lokal überwachen. Die Oberaufsicht führt der Internationale EITI-Vorstand. Aserbaidschan von „BBB –“ auf „BB+“ herauf. In der dazugehörigen Pressemeldung äußerte sich Fitch explizit positiv zur vollständigen Umsetzung der Transparenzinitiative durch Aserbaidschan. Andere Ratingagenturen gehen zwar noch nicht ganz so weit, allerdings enthält auch die Rating-Methodologie von Standard & Poor’s einen Faktor „Political Score“, bei dem die „Transparenz und Verantwortlichkeit von Institutionen, Daten und Prozessen (. . .) einschließlich des wahrgenommenen Grads der Korruption“ in einem Land berücksichtigt wird. Eine Selbstverpflichtung zur Transparenzinitiative kann somit die Bonität eines Landes langfristig verbessern. Lizenzgebühren und Steuern für jedes Land, in dem sie tätig sind, in ihren Jahresabschlüssen auszuweisen. Die Investoren erklärten ihre Unterstützung für die Initiative der EU für mehr Transparenz sowohl durch freiwillige (EITI) als auch durch regulatorische Ansätze. Sie betonten, dass sich diese Ansätze ergänzten und eine verbesserte Offenlegung letztlich die Aussichten für risikoadjustierte Anlageerträge verbessere. Dies würde die Ausschreibungen für Rohstoff-Förderverträge, Lizenzen und Genehmigungen stabiler und transparenter machen und das Risiko verringern, dass Regierungen Nachverhandlungen von Verträgen anstreben, von bereits geschlossenen Verträgen zurücktreten oder Projekte nationalisieren.

Stärkere Regulierung kommt
Über derartige freiwillige Initiativen hinaus dürfte jedoch auch der staatlichen und supranationalen Regulierung eine immer größere Rolle zukommen. In den USA wird die Gesetzesvorlage von Dodd-Franck SECgelistete rohstoffgewinnende Unternehmen dazu verpflichten, Zahlungen an Regierungen zumindest auf Länderbasis zu veröffentlichen. Und die EU hat signalisiert, dass sie beabsichtigt nachzuziehen. Unterstützung kommt auch von Seiten der Finanzindustrie. Dies brachte ein Brief an Michel Barnier, dem EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, zum Ausdruck, den im Oktober 2011 mehr als zwanzig institutionelle Investoren unterzeichneten. Diese Investoren repräsentieren ein Gesamtvermögen von über 2,5 Bill. Euro. Das in dem Brief geforderte Berichtswesen auf Länderebene würde multinational operierende Unternehmen dazu verpflichten, finanzielle Informationen wie Produktionsanteile von Regierungen, Bonuszahlungen,

35 Länder sind dabei
In den 35 Ländern, die sich derzeit der Transparenzinitiative verschrieben haben, leben über 900 Millionen Menschen. EITI wird zunehmend als internationaler Standard für Transparenz anerkannt und von der G 8, der G 20 und Institutionen wie der Weltbank unterstützt. Zu den wichtigsten Beteiligten, die sich für die Initiative starkmachen, gehören mehr als 60 der größten Öl-, Gas- und Bergbaufirmen, 80 institutionelle Investoren und Dutzende gesellschaftlicher Organisationen. In Deutschland wird EITI durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie die KfW Bankengruppe gefördert. Das erste Land, das 2009 vom EITI-Vorstand als EITI-konform erklärt wurde, war Aserbaidschan. Im Mai des Folgejahres stufte die Ratingagentur Fitch das Langfristrating für

Weltweites System gestalten
Die Finanzunternehmen warnten EU-Kommissar Barnier jedoch auch davor, rohstoffgewinnende Unternehmen widersprüchlichen gesetzlichen Anforderungen auszusetzen. Deshalb warben sie dafür, dass die Aufsichtsbehörden auf ein gemeinsames weltweites Offenlegungssystem hinarbeiten. In einem derartigen System würden die einzelnen nationalen oder supranationalen Berichtswesen gegenseitig anerkannt, und es könnte sich ein konsistenter weltweiter Berichtsstandard etablieren. Ganz gleich, ob freiwillig oder regulatorisch – aus Investorensicht stechen die Argumente für Transparenz: Dies ist der erste Schritt zu einer besseren Regierungsführung in rohstoffreichen Ländern. Dies wiederum dürfte letztlich zu einem von Stabilität geprägten Investitionsklima führen, von dem rohstoffgewinnende Unternehmen, ihre Aktionäre und die Bevölkerung vor Ort profitieren.

Wettbewerbsvorteil Klimaschutz
NRW.Bank – Effizienzkredit fördert umweltschonende Produktionsverfahren – Enge Zusammenarbeit mit der Politik – Augenmerk auf Ressourceneffizienz
Börsen-Zeitung, 28.1.2012 Innovation ist die Basis für unternehmerischen Erfolg – Effizienz ist der Schlüssel dazu, diesen Erfolg langfristig abzusichern. Große Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität sind deshalb seit jeher für Unternehmer selbstverständlich. Doch neben den Herausforderungen der Globalisierung der Märkte und des demografischen Wandels bekommt das Thema „Effizienz“ durch einen weiteren weltweiten Megatrend zusätzliche Dynamik: Den Klimawandel aufzuhalten und die Umwelt zu schützen, sind längst Kernthemen der Unternehmen geworden. Denn genau am Punkt der Effizienz sind „unternehmerisches Handeln“ und „Nachhaltigkeit“ Synonyme. In NordrheinWestfalen wird dieses Denken durch ein neues Förderprodukt unterstützt. Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist nicht neu: Schon im 16. Jahrhundert wurde er für die Forstwirtschaft formuliert. Die Wälder sollten so genutzt werden, dass sie auch zukünftigen Generationen ausreichend Rohstoff zum Beispiel für den Bergbau liefern können. Inzwischen prägt der Gedanke, nachhaltig zu wirtschaften, das gesamtwirtschaftliche Denken. Der selbstverständliche unternehmerische Drang nach Innovation wurde ergänzt durch das Bestreben, die Basis der unterschiedlichsten Unternehmungen vor dem Hintergrund der globalen Megatrends langfristig zu sichern – auch und insbesondere über einen schonenden Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Treibende Faktoren sind die globalen Märkte und die voranschreitende Industrialisierung der Schwellenländer – insbesondere im asiatischen Raum. Hierdurch kommt es zu einer Verknappung von Rohstoffen, die zu steigenden Preisen führt. Hinzu kommt die Bedeutung der Energie. Nicht erst infolge der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wurde in Deutschland der Weg in Richtung eines Zeitalters der Dazu zählt, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 % gegenüber 1990 zu reduzieren. Was daraus für die Unternehmen folgt, ist bekannt: Energie- und Rohstoffkosten stellen hohe Kostenpositionen dar, häufig sind diese höher als die Arbeitskosten. Und sie werden weiter steigen. Von Gleichzeitig lässt sich der Michael Stölting Ausstoß von CO2 bei gleichzeitigem Wachstum nur reduzieren, wenn der Energieverbrauch deutlich gesenkt wird. Die intensive Kontrolle und Optimierung Mitglied des Vorstands des Inputs bei produzieder NRW.Bank renden Unternehmen wird damit gleichbedeutend zu einem bewussneuerbare Energien gedeckt wer- ten und schonenden Umgang mit Resden. Auch die Landesregierung in sourcen, um wettbewerbsfähig zu bleiNordrhein-Westfalen hat in ihrem ben und gleichzeitig die KlimaschutzKoalitionsvertrag klare klima- und ziele zu erreichen. umweltpolitische Ziele verankert. Es gibt also eine Vielzahl von Faktoren, die unternehmerisches Denken in Richtung Nachhaltigkeit und insbesondere in Richtung Effizienzsteigerung beeinflussen, notwendig machen und beflügeln. Nicht zuletzt verändert sich das Bewusstsein der Kunden, die nachhaltiges unternehmerisches Handeln honorieren. Das gilt umso mehr für ein Bundesland wie Nordrhein-Westfalen, das nach wie vor ein bedeutender Standort für produzierende Unternehmen ist und sein will. regenerativen Energien eingeschlagen. Die Bundesregierung hat konkrete Ziele für den Umbau der Energieversorgung bis zum Jahr 2050 formuliert. 60 % des gesamten Energieverbrauchs soll bis dahin durch erstatt: Das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, die Energieagentur.NRW und die Effizienz-Agentur NRW sowie die NRW.Bank setzten sich an einen Tisch, um ein Darlehensprogramm zu entwickeln, das als Finanzprodukt schlank in der Abwicklung ist und gleichzeitig den Anforderungen der Klimaschutzziele des Landes entspricht. Schließen von Kreisläufen, durch die Vermeidung oder Verringerung von Abwässern, Lärm- oder Schadstoffemissionen sowie durch weniger Abfälle. Dabei geht es also nicht um teure nachgelagerte Investitionen, sondern vielmehr um Einsparungen oder Vermeidungen im Produktionsprozess. Der erwartete Erfolg der Maßnahmen wurde deshalb zum unbedingten Bestandteil des Kreditantrags gemacht. Das schafft Klarheit für beide Seiten: Da die Effizienzsteigerungen quantitativ greifbar werden, sind sie direkt auch betriebswirtschaftliche Planungsgröße für den Unternehmer. Entsprechend sieht der NRW.Bank.Effizienzkredit explizit vor, dass Beratungs- und Planungskosten mitfinanziert werden können. Das rechnet sich schnell: Investitionen in Effizienzsteigerungen machen sich zumeist schon nach wenigen Jahren bezahlt – nicht zuletzt, weil das Darlehen mit einem attraktiven Zins ausgestattet ist. Beschränkungen bei der Unternehmensgröße gibt es nicht. Voraussetzung: Der Investitionsort muss in NordrheinWestfalen liegen. Ab einem Investitionsvolumen von 500 000 Euro ist zudem eine 50-prozentige Haftungsfreistellung für die Hausbank des Unternehmens möglich, finanziert werden Vorhaben mit einem Volumen bis 5 Mill. Euro. Schon für die Planung der effizienzsteigernden Maßnahmen können die Unternehmer in Nordrhein-Westfalen auf starke Partner zurückgreifen: Die EffizienzAgentur NRW wie auch die Energieagentur.NRW stehen mit Beratern zur Seite, unterstützen und sorgen dafür, dass die Planung der Effizienzprojekte mit dem Tagesgeschehen vereinbar sind. Vorgestellt wurde der NRW.Bank. Effizienzkredit nach Abschluss aller Planungsarbeiten schließlich Ende September im Rahmen der Präsentation des Klimaschutz-Sofortprogramms der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Er ist Bestandteil eines insgesamt 22 Maßnahmen umfassenden und mehrere hundert Millionen Euro schweren Programms, das einmal mehr die Bedeutung des Klimaschutzes unterstreicht. Und es macht zugleich deutlich: Klimaschutz ist kein Widerspruch zu unternehmerischem Handeln, sondern eine Chance für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, die auf verantwortungsvolles Wachstum setzen.

Klarer Kriterienkatalog
Fünf Monate dauerte die Entwicklung des Programms insgesamt. Im Fokus stand dabei ein klarer Kriterienkatalog für die Bewilligung des Darlehens, gemessen anhand der Ressourceneffizienz oder der Energieeffizienz, die aus einer Investition resultiert. Wird zum Beispiel in einem Unternehmen eine Produktionsanlage ausgetauscht, muss die neue Anlage bei der Herstellung gleicher Produkte und Stückzahlen einen mindestens 20 % geringeren Stromverbrauch aufweisen, um über das neue Darlehen finanziert werden zu können. Im Bereich der Ressourceneffizienz ist der Maßstab, dass der reine, in Kilogramm gemessene Rohstoffverbrauch durch eine Verfahrensumstellung bei der Herstellung der gleichen Stückzahl um mindestens 10 % reduziert wird. Unterschritten werden dürfen diese Marken ausschließlich dann, wenn die Vorhaben Ergebnis der Teilnahme an einem Beratungsprogramm sind oder auf Basis eines zertifizierten Umweltmanagementsystems entwickelt werden. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme an modEEM, ein Projekt der Energieagentur.NRW mit dem Ziel der Einführung von Energiemanagement-Systemen. Ein anderes sind Investitionen, die auf dem PIUS-Check der Effizienz-Agentur NRW aufbauen. Dazu zählen aber auch solche Maßnahmen, die auf Basis von zertifizierten Umweltmanagement-Systemen gestartet werden. Ein Beispiel dafür ist das European Eco-Management and AuditScheme – kurz EMAS –, das Gütesiegel der EU. Ein besonderes Augenmerk wurde in der Konzeptionsphase der Ressourceneffizienz gewidmet. Diese lässt sich im Produktionsprozess auf vielerlei Art steigern: durch sparsameren Einsatz der Rohstoffe – wozu auch Wasser gerechnet wird –, durch das

Bekannte Herausforderungen
In diesem Umfeld sind Förderbanken wie die NRW.Bank gefragt. Ihre Aufgabe ist es, nachhaltige Entwicklungen zu unterstützen. Als Spezialist für die Finanzierung von Gründungs-, Wachstums- und Innovationsvorhaben der Unternehmer in Nordrhein-Westfalen sind wir mit den Herausforderungen vertraut, die in den nächsten Jahren auf kleine, mittlere und große Unternehmen zukommen. Entsprechend haben wir Mitte Oktober 2011 mit dem „NRW.Bank.Effizienzkredit“ ein Finanzierungsprogramm gestartet, das den Unternehmen im Land den Weg zu Effizienzsteigerungen ebnet. Dass wir dabei eng mit den politischen Akteuren im Land zusammenarbeiten, liegt in der Natur der Sache. Bereits im Mai 2011 fanden die ersten Gespräche auf Landesebene