Fallbeispiel Near Field Communication

Die Near Field Communication bietet die Möglichkeit, den Prozess des kabellosen Bezahlens, wie z.B. per Kredit- oder Bankkarte, zu vereinfachen. Derzeit ist der Prozess sowohl für Unternehmen als auch für Kunden noch sehr komplex und bietet in den meisten Anwendungsfällen Sicherheitsrisiken. Mithilfe der NFC-Technologie könnten der Prozess vereinfacht und die Sicherheit gesteigert werden.1

Technisch gesehen erfolgt im NFC der Datenaustausch zweier Geräte über eine kurze kabellose Distanz. In Abgrenzung zu anderen kabellosen

Übertragungsstandards zeichnet sich die NFC über die elektromagnetische Induktion aus, wobei zwischen Sender und Empfänger nur ein Medium über eine eigene Energieversorgung verfügen muss.2

Bezahlen über NFC
Mit der Bezahlung über NFC würden unterschiedliche Anspruchsgruppen von den neuen Prozessen profitieren. Mobilfunkbetreiber können ihre CRM-Strategie erweitern und eine bessere Kundenbindung erreichen, da das bereits vom Kunden genutzte Angebot über die Bezahlfunktion erweitert wird.3 Die Abwanderungsquote ist gering, da der Kunde eher das Angebot des Unternehmens, von dem Erfahrungswerte vorliegen, nutzen wird. Auch wird der Anmeldeprozess für den Kunden angenehmer abgewickelt, als wenn dieser sich als Neukunde beim Konkurrenzunternehmen anmeldet. Der Mobilfunkhersteller hat bereits alle

Kundendaten vorliegen und kann diese zeit- und kostensparend auf den neuen Service erweitern. Durch die Kosteneinsparungen wäre der Mobilfunkbetreiber in der Lage, diese im Zuge günstigerer Konditionen auf den Kunden zu transferieren.4

Finanzinstitute können ihr Produktportfolio durch einen weiteren Dienst ausbauen. Durch das erweiterte Volumen steigt die Transaktionsrate.5 Im Zuge des Branding in der Bezahlsoftware werden die Bekanntheit des Services und die Verbindung zum Institut hergestellt. Der benutzerfreundliche Bezahlvorgang im Handel ruft eine gesteigerte Akzeptanz in der Zielgruppe für das neue System hervor.6

1 2

Vgl. Bauer/Dirks/Bryant (2008) S. 314 Vgl. Bauer/Dirks/Bryant (2008) S. 308 3 Vgl. Langer/Roland (2010) S. 206 4 Vgl. Langer/Roland (2010) S. 206 5 Vgl. Langer/Roland (2010) S. 207 6 Vgl. Gillert/Hansen (2007) S.199

Der Merchant (Händler) kann durch die Prozessoptimierung und die daraus resultierende Zeitersparnis an den Kassen in einem gewissen Intervall mehr Kunden abwickeln als derzeit noch möglich. Dadurch sind die Kunden zufriedener und können so an das Unternehmen gebunden werden.7 Analog wird die Bindung an den Händler durch Zusatzangebote gestärkt.8 Händler sind in der Lage, Zusatzangebote Angebote, wie Coupons, Rabatte oder Sonderaktionen, in den Bezahlprozess zu integrieren und digital abzurechnen.9 Steigt die Anzahl der Verwender, kann die Menge an Bargeldmanipulation gesenkt werden, da der Prozess eine erhöhte Fälschungssicherheit bietet.10

Der Handset Manufacturer (Mobiltelefonhersteller) hat die Möglichkeit, mithilfe neuartiger Zusatzfunktionen Neukunden zu gewinnen.11 Demzufolge kann er Plattform gestützt Kooperationen mit Drittanbietern schließen und seinen Service und möglicherweise auch das Geschäftsmodell weiter ausbauen sowie durch Software Updates die Bindung von Bestandskunden intensivieren.

Die Prozessoptimierung führt zu einer Zeiteinsparung beim Bezahlvorgang und bedeutet für den Konsumenten (Consumer) einen gesteigerten Komfort.12 Durch die Digitalisierung der Daten sind alle Kartendaten auf einem Device

zusammengeführt und werden grundsätzlich automatisch mitgeführt. So sind Gutscheine automatisch erfasst und können bei Bedarf im Bezahlvorgang mit der Ware miteinander verrechnet werden. Ähnlich verhält es sich mit den Quittungen. Diese werden ebenfalls nach dem Bezahlvorgang noch einmal digital auf dem Mobiltelefon abgespeichert. Somit können alle Karteninformationen, Kontodaten, Coupons und Rechnungen auf dem Mobiltelefon verwaltet werden. Dies erlaubt eine gesteigerte Transparenz im Umgang mit den zahlreichen Karten und eine folgende Benutzerfreundlichkeit am POS. Die gesammelten Daten können ausgewertet werden, und Produktvorschläge und Kauftendenzen lassen sich für den Kunden ableiten. Dieser wird, sobald er im Supermarkt Einkäufe tätigt, über neue Produkte, Sonderaktionen oder Rabatte informiert. Der Vorteil gegenüber gängigen Aktionen ist, dass diese persönlich auf den Kunden zugeschnitten sind und damit für ihn relevant werden.

7 8

Vgl. Verband der Vereine Creditreform (2011) ON Vgl. Friedrichsen/Brunner (2007) S. 297 9 Vgl. Langer/Roland (2010) S. 207 10 Vgl. Bauer/Dirks/Bryant (2008) S. 309 11 Vgl. Langer/Roland (2010) S. 207 12 Vgl. Gillert/Hansen (2007) S.199

Künftig

wird

der

Suchmaschinendienst

Google

eine

Schnittstelle

in

das

unternehmenseigene soziale Netzwerk Google Plus integrieren. Dies beschränkt sich vorerst auf die Funktionalität, den Kaufartikel im Netzwerk zu posten13, wird möglicherweise aber weiter ausgebaut. Das Konzept des Bezahlens per Handy ist technisch bereits realisiert. Pilotprojekte in Frankreich testen die Funktionalität von Soft- und Hardware sowie den Interaktionsprozess zwischen Verbraucher und Technik.14 Hemmnisse in der Durchdringung des Massenmarktes liegen derzeit in der geringen
15

Endgerätepenetration

von

NFC-fähigen

Mobiltelefonen
16

in

Deutschland . Lediglich zwei Modelle sind auf dem Markt erwerbbar , wobei in Deutschland bereits 42% der Handybesitzer mit dem Mobiltelefon zahlen möchten.17

Abschließend ist festzustellen, dass die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Lediglich die Realisierung durch die Mobiltelefonhersteller mit der Produktion NFC-fähiger Mobiltelefone und Angebotsmonotonie behindern die derzeitige Verwendung im Massenmarkt der Endkonsumenten.

13 14

Vgl. Scheible (2011) ON Vgl. Wilbert (2009) ON 15 Vgl. CBS Interactive GmbH (2011) ON 16 Vgl. Baum (2011) ON 17 Vgl. Struck/Klotzbücher (2010) ON

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful