M- 1

1 Koordinatensysteme
Um die Berechnung physikalischer Probleme zu vereinfachen wählt man ein der
Problemstellung angepaßtes Koordinatensystem, in dem die Koordinaten von
Punkten oder Richtungen festgelegt sind. Die gebräuchlichsten Koordinaten sind:
1.1 Kartesische Koordinaten
Kartesische Koordinaten sind die Koordinaten des
Kartesischen System, in dem die Hauptrichtungen
(Koordinatenachsen) senkrecht auf einander stehen.
Die positive Richtung der Achsen, die man mit x, y, z
bezeichnet, ist folgendermaßen gewählt: Man denkt
sich eine Rechtsschraube, die sich durch Rechtsdrehung
von unten nach oben bewegt. Ihre Fortschreitrichtung
ist die positive z-Richtung. Die x- und y-Achse bilden
dann eine Ebene zur z-Achse. Die x-Achse kann durch
eine Rechtsdrehung der Schraube in die y-Achse
übergeführt werden. Der Schnittpunkt der Achsen heißt
Ursprung des Koordinatensystems. Die Lage eines
Punktes P(x,y,z) im 3-dimensionalen Raum ist durch
die senkrechten Projektionen auf die Achsen festgelegt.
1.2 Kugelkoordinaten
Ein Punkt P ist in Kugelkoordinaten (sphärischen Koordinaten) durch die Angabe
von r, ϑ, ϕ festgelegt. r ist der Abstand des Punktes vom Ursprung, die Definitionen
vonϑ und ϕ sind aus den Abbildungen zu entnehmen:
M- 2
ϑ ⋅ =
ϕ ϑ ⋅ =
ϕ ϑ ⋅ =
cos r z
sin sin r y
cos sin r x
2 2 2
2 2 2
z y x
z
arccos
z y x r
+ +
= ϑ
+ + =
x
y
arctan = ϕ
1.3 Zylinderkoordinaten
Als Zylinderkoordinaten nimmt man die Polarkoordinaten für die (x,y)-Ebene und die
z-Komponente für die dritte Richtung. Der Radius in der Ebene wird mit ρ
bezeichnet, um Verwechslungen mit dem Radius bei Kugelkoordinaten zu
vermeiden.
z z
sin y
cos x
=
ϕ ⋅ ρ =
ϕ ⋅ ρ =
x
y
arctan
y x
2 2
= ϕ
+ = ρ
M - 1
M - 2
M- 3
2 Komplexe Zahlen – Komplexe Ebene – Polardarstellung
Bei der Lösung der Gleichung 0 1 x
2
+ stößt man auf Zahlen 1 x − ± , die nicht
zum Bereich der reellen Zahlen, für die das Quadrat >0 sein muß, gehören. Man
nennt Zahlen, deren Quadrat <0 ist, imaginäre Zahlen und definiert als ihr
Einselement die imaginäre Einheit i: 1 i − + .
Eine imaginäre Zahl ist ein Produkt aus einer reellen Zahl und der imaginären
Einheit, z.B. i 4 16 − . Genau wie man die reellen Zahlen eindeutig den Punkten
einer Geraden, der reellen Zahlengeraden, zuordnen kann, lassen sich die imaginären
Zahlen abbilden auf die Punkte der imaginären Zahlengeraden. Man wählt
gewöhnlich die x-Achse eines Koordinatensystems als reelle Achse und die y-Achse
als imaginäre Achse. Die beiden Achsen spannen eine Ebene auf, die komplexe
Ebene, und man kann nun jedem P(x,y) ein geordnetes Zahlenpaar z = (x,y)
zuordnen, das man eine komplexe Zahl z = x + iy nennt. Komplexe Zahlen sind
Summen von reellen und imaginären Zahlen.
x heißt Realteil, y Imaginärteil
der komplexen Zahl.
Ihr Betrag ist r y x z
2 2
+
iy x z
*
− heißt konjugiert
komplex zu iy x z +
Häufig ist die Darstellung einer komplexen Zahl in Polardarstellung, d.h. in ebenen
Polarkoordinaten (r, ϕ) zweckmäßiger. Mit
ϕ
⋅ ϕ + ϕ + ⇒
¦
¦
¦
ϕ ⋅
ϕ ⋅
i
e r ) sin i (cos r iy x z
sin r y
cos r x
und
ϕ −
⋅ ϕ − ϕ −
i *
e r ) sin i (cos r iy x z
2 *
r z z ⋅
Die Polardarstellung ist nicht eindeutig, weil alle Winkel
π ⋅ + ϕ ϕ 2 n
0 n
(n = 0, 1, 2...) dieselbe Zahl z darstellen. Man nennt die
Darstellung mit n = 0 den Hauptwert.
In der Polardarstellung werden Multiplikation, Division und Potenzen komplexer
Zahlen einfacher:
) ( i
2
1
2
1
) ( i
2 1
i
2
i
1 2 1
2 1
2 1 2 1
e
r
r
z
z
e r r e r e r z z
ϕ − ϕ
ϕ + ϕ ϕ ϕ

( )
n / i n n / 1 n
in n
n
i n
e r z z
e r e r z
ϕ
ϕ ϕ


M- 4
3 Vektoranalysis
3.1 Skalare und Vektoren
Physikalische Größen, die durcheine einfache Zahl beschrieben werden können, wie
z.b. Masse, Zeit, Temperatur, heißen Skalare, zum Unterschied zu den gerichteten
Vektoren. In der Physik ist ein Vektor eine gerichtete Größe mit einem bestimmten
Betrag. So hat z.B. die Geschwindigkeit Richtung und Betrag und ist daher ein
Vektor. Dasselbe gilt für die Beschleunigung, für Kräfte oder auch für eine Größe,
die eine Verschiebung um eine bestimmte Distanz in eine bestimmte Richtung
beschreibt. Ein Orts- oder Radiusvektor beschreibt die Richtung vom Ursprung eines
Koordinatensystems zu einem Punkt im Raum.
Kennzeichnung: Skalare: einfache Buchstaben a
Vektoren: Pfeil über Buchstaben
e
a a a
r r

e
a
r
Einheitsvektor von a
r
: Vektor vom Betrag 1 in Richtung von a
r
In einem 3-dimensionalen kartesischen Koordinatensystem:
x
e
r
,
y
e
r
,
z
e
r
Einheitsvektoren in Richtung der Koordinatenachsen x, y, z
) a , a , a (
a
a
a
a
z y x
z
y
x

(
(
(
,
\
,
,
,
(
j

r
, ) 0 , 0 , 1 (
0
0
1
e
x

(
(
(
,
\
,
,
,
(
j

r
, ) 0 , 1 , 0 (
0
1
0
e
y

(
(
(
,
\
,
,
,
(
j

r
, ) 1 , 0 , 0 (
1
0
0
e
z

(
(
(
,
\
,
,
,
(
j

r
,
z z y y x x
e a e a e a a
r r r r
+ + ,
2
z
2
y
2
x
a a a a a + +
r
... Betrag (Länge) des Vektors a
r
3.2 Skalarfelder und Vektorfelder
Skalarfeld: Ist jedem Punkt (x,y,z) eines Gebietes R im Raum eine Zahl oder ein
Skalar φ (x,y,z) zugeordnet, dann heißt φ eine skalare Funktion.
φ definiert in R ein Skalarfeld.
Beispiel: Die Temperatur zu einer bestimmten Zeit in jedem Punkt der
Erdoberfläche ist ein Skalarfeld.
Vektorfeld: Ist jedem Punkt (x,y,z) eines Gebietes R im Raum ein Vektor ) z , y , x ( V
r
zugeordnet, so heißt V
r
eine Vektorfunktion, in R ist somit ein
Vektorfeld V
r
definiert.
Beispiel: Ist die Geschwindigkeit in jedem Punkt (x, y, z) einer
strömenden Flüssigkeit zu einer bestimmten Zeit bekannt, so ist dadurch
ein Vektorfeld definiert.
M - 4
M- 5
3.3 Addition und Subtraktion von Vektoren
Zwei Vektoren ) a , a , a ( a
z y x

r
, ) b , b , b ( b
z y x

r
werden addiert, indem die entsprechenden
Komponenten der beiden Vektoren addiert werden.
(
(
(
,
\
,
,
,
(
j
+
+
+
+
z z
y y
x x
b a
b a
b a
b a
r
r
Für die Vektoraddition gelten die Grundgesetze der gewöhnlichen Addition:
das kommutative Gesetz: a b b a
r
r r
r
+ +
das assoziative Gesetz: b ) c a ( ) c b ( a c ) b a (
r
r r r
r
r r
r
r
+ + + + + +
Die Subtraktion zweier Vektoren a
r
und b
r
wird
definiert als die Addition der Vektoren a
r
und ) b (
r
− .
a b ) b ( a b a
r
r r
r
r
r
+ − − + −
(
(
(
,
\
,
,
,
(
j




z z
y y
x x
b a
b a
b a
b a
r
r
3.5 Vektorprodukte
3.5.1 Das Produkt aus einem Vektor und einem Skalar
Ein Vektor a
r
wird mit einem skalaren Faktor λ
multipliziert, indem jede Komponente des Vektors mit
dem Skalar multipliziert wird.
(
(
(
,
\
,
,
,
(
j
λ
λ
λ
λ
z
y
x
a
a
a
a
r
Daraus folgt auch, dass jeder Vektor a
r
als Produkt aus dem Absolutbetrag a
r
und
dem Einheitsvektor
e
a
r
in Richtung von a
r
darstellbar ist.
e
a a a
r r r
⋅ Es gelten:
das kommutave Gesetz
a a
r r
λ λ
das assoziative Gesetz
) a ( ) a (
r r
λ µ µ λ
das distributive Gesetz
b a ) b a (
a a a ) (
r
r
r
r
r r r
λ + λ + λ
µ + λ µ + λ
3.5.2 Das innere oder skalare Produkt
Als Skalarprodukt zweier Vektoren a
r
und b
r
bezeichnet
man den Skalar ) b , a cos( b a ) b , a cos( b a c
r
r
r
r
r
r
⋅ ⋅ ⋅ ⋅ .
c ist die Länge der Projektion von b
r
auf a
r
mal der Länge
von a
r
, d.h. c entspricht einer Fläche F siehe Abb.
M- 6
Stehen zwei Vektoren auf einander normal, d.h.
o
90 α , cosα=0, so ist ihr
Skalarprodukt gleich Null. Insbesondere gilt für die Basisvektoren
z y x
e , e , e
r r r
eines
rechtwinkeligen kartesischen Koordinatensystems:
1 e e
1 e e
1 e e
z z
y y
x x



r r
r r
r r
0 e e
0 e e
0 e e
z y
z x
y x



r r
r r
r r
Beim skalaren Produkt gelten auch das kommutative und das distibutive Gesetz der
Multiplikation:
a b b a
r
r r
r
⋅ ⋅
λ ⋅ λ ⋅ ⋅ λ ⋅ λ
⋅ + ⋅ ⋅ +
) b a ( ) b ( a b ) a ( ) b a (
c b c a c ) b a (
r
r
r
r
r
r
r
r
r
r
r r r
r
r
3.5.3 Das äußere oder vektorielle Produkt
Das Vektorprodukt zweier Vektoren a
r
und b
r
ist
ein Vektor b a c
r
r r
× , der senkrecht auf a
r
und b
r
steht
und in Richtung der Bewegung einer Rechtsschraube
weist, wenn a
r
auf dem kürzesten Weg in Richtung b
r
gedreht wird. Der Absolutbetrag des Produktvektors
ist gleich dem Flächeninhalt des von den beiden
Vektoren aufgespannten Parallelogramms
) b , a sin( ab c
r
r r
.
Allgemein läßt sich eine Fläche A und ihre räumliche
Lage durch einen Flächenvektor A
r
beschreiben.
SeinBetrag ist gleich dem Flächeninhalt der Fläche,
A A
r
. Sein Richtungssinn hängt mit dem
Umlaufsinn der Randkurve C der Fläche nach der
Rechtsschraubenregel zusammen.
A
r
kann auch durch n A n A A
r r
r r
angegeben werden. n
r
wird als der Flächen-
normalen-Einheitsvektor bezeichnet, er kennzeichnet die Lage der Fläche im Raum.
Das Vektorprodukt läßt sich mit Hilfe der Determinantenschreibweise berechnen.
(
(
(
,
\
,
,
,
(
j



− + − + −
− − − + + ×
x y y x
z x x z
y z z y
x y y x z z x x z y y z z y x
x y z z x y y z x y x z x z y z y x
z y x
z y x
z y x
b a b a
b a b a
b a b a
) b a b a ( e ) b a b a ( e ) b a b a ( e
b a e b a e b a e b a e b a e b a e
b b b
a a a
e e e
b a
r r r
r r r r r r
r r r
r
r
M - 5
M - 6
M- 7
) b ( a ) b a (
b ) a ( ) b a (
c b b a c ) b a (
r
r
r
r
r
r
r
r
r
r r
r r
r
r
λ × = λ ×
= × λ = × λ
× + × = × +
0 e e
0 e e
0 e e
z z
y y
x x
= ×
= ×
= ×
r r
r r
r r
y x z
x z y
z y x
e e e
e e e
e e e
r r r
r r r
r r r
= ×
= ×
= ×
0 a a
) a b ( b a
= ×
× − = ×
r r
r
r r
r
3.5.4 Mehrfache Produkte
a) Das Spatprodukt
Drei Vektoren, die nicht in einer Ebene liegen,
spannen ein Volumen (Spat) auf. Da das
Kreuzprodukt b a
r
r
× wiederum einen Vektor darstellt,
kann dieser mit einem dritten Vektor skalar
multipliziert werden.
c ) b a ( V
r
r
r
⋅ × = ist ein Skalar, sein Wert ist identisch mit dem von den drei Vektoren
aufgespannten Spatvolumen. Das Produkt ist positiv, falls die Vektoren ein Rechts-
system, negativ, falls sie ein Linkssystem bilden.
z y x
z y x
z y x
z x y y x y z x x z x y z z y
b b b
a a a
c c c
c ) b a b a ( c ) b a b a ( c ) b a b a ( c ) b a ( = − + − + − = ⋅ ×
r
r
r
Da nach den Rechenregeln der Determinantenrechnung Zeilen oder Spalten einer
Determinante zyklisch vertauscht werden dürfen, ohne dass sich der Wert der
Determinante ändert, so gilt auch: b ) a c ( a ) c b ( c ) b a (
r
r r r r
r
r
r
r
⋅ × = ⋅ × = ⋅ ×
Bei nicht zyklischer Vertauschung ändert sich das Vorzeichen des Produktes:
a ) b c ( c ) a b ( b ) c a ( c ) b a (
r
r
r r r
r r
r r r
r
r
⋅ × − = ⋅ × − = ⋅ × − = ⋅ ×
b) Das doppelte Kreuzprodukt
) c b ( a d
r
r
r
r
× × = bildet einen Vektor, der in der von b
r
und c
r
aufgespannten Ebene liegt.
c ) b a ( b ) c a ( ) c b ( a
r
r
r
r
r r r
r
r
⋅ ⋅ − ⋅ ⋅ = × ×
Wird die Reihenfolge der Multiplikation verändert, so gilt:
a ) c b ( b ) c a ( c ) b a (
r r
r r
r r r
r
r
⋅ ⋅ − ⋅ ⋅ = × ×
Die Reihenfolge der Faktoren im doppelten Kreuzprodukt ist nicht beliebig, die
Klammer muß immer angegeben werden.
M- 8
3.5 Beschreibung der Drehung eines Vektors
Die Drehung eines Vektors um einen infinitesimalen
Winkel dα kann durch einen Vektor α
r
d , dessen Betrag
den Drehwinkel und dessen Richtung die Drehachse
angibt, beschrieben werden. a d
r
ist die bei dieser
Drehung bewirkte Änderung von a
r
, deren Betrag ist:
α ⋅ ϑ = d sin a a d
r r
a d
r
steht senkrecht auf die von α
r
d und a
r
aufgespannten Ebene und wird daher beschrieben durch
a d a d
r r r
× α =
3.6 Differentiation von Vektoren
Ein Vektor a
r
sei eine stetige Funktion einer skalaren Größe t, z.B. der Zeit, d.h. auch
die Komponenten des Vektors seien stetige Funktionen von t:










= =
) t ( a
) t ( a
) t ( a
) t ( a a
z
y
x
r r
Existieren die Grenzwerte
dt
da
t
) t ( a ) t t ( a
lim
dt
da
t
) t ( a ) t t ( a
lim
dt
da
t
) t ( a ) t t ( a
lim
z z z
0 t
y y y
0 t
x x x
0 t
=

− ∆ +
=

− ∆ +
=

− ∆ +
→ ∆
→ ∆
→ ∆
so wird der Vektor
differenzierbar genannt und es, d.h. es existiert auch der Grenzwert
dt
a d
t
) t ( a ) t t ( a
lim
0 t
r r r
=

− ∆ +
→ ∆
Ein Vektor wird nach einer skalaren Größe differenziert, indem die einzelnen
Komponenten differenziert werden:
z
z
y
y
x
x
e
dt
da
e
dt
da
e
dt
da
dt
a d r r r
r
+ + =
Der Differentialquotient ist ein Vektor.
M - 7
M- 9
Für die Differentiation von Vektoren gelten die folgenden Rechenregeln:
dt
b d
dt
a d
dt
) b a ( d
r
r
r
r
+ =
±
,
dt
d
a
dt
a d
dt
) a ( d ϕ
+ ϕ =
ϕ r
r r
für ) t ( ϕ eine skalare Funktion
Angewandt auf ) t ( a
r
als Produkt der skalaren Funktion ) t ( a ) t ( a
r
= und der
Einheitsvektorfunktion ) t ( e
t
r
in Richtung von ) t ( a
r
- Tangentialvektor,
) t ( e ) t ( a ) t ( a
t
r r
⋅ = :
t
t
e
dt
da
dt
e d
a
dt
a d r
r r
+ = Dies ist die Summe aus einem
Normalvektor und einem Tangentialvektor zu
t
e
r
:
Lege
t
e
r
in die x-y-Ebene:
y x n
y x t
e cos e sin e
e sin e cos e
r r r
r r r
⋅ ϕ + ⋅ ϕ − =
⋅ ϕ + ⋅ ϕ =
n
e
r
Normaleinheitsvektor
n y x
t
e
dt
d
e
dt
d
cos e
dt
d
sin
dt
e d r r r
r
ϕ
=
ϕ
ϕ +
ϕ
ϕ − =
Ändert der Vektor ) t ( a
r
nur die Richtung, nicht den Betrag a=const., so steht der
Differentialquotient
dt
a d
r
normal auf a
r
:
n
e
dt
d
a
dt
a d r
r
ϕ
=
Für die Differentiation von Vektorprodukten gelten die folgenden Regeln:
b
dt
a d
dt
b d
a ) b a (
dt
d
r
r
r
r
r
r
⋅ + ⋅ = ⋅ , b
dt
a d
dt
b d
a ) b a (
dt
d
r
r
r
r
r
r
× + × = ×
) c b (
dt
a d
c
dt
b d
a
dt
c d
b a )] c b ( a [
dt
d r
r
r
r
r
r
r
r
r r
r
r
× ⋅ +








× ⋅ + 





× ⋅ = × ⋅ ,
) c b (
dt
a d
c
dt
b d
a
dt
c d
b a )] c b ( a [
dt
d r
r
r
r
r
r
r
r
r r
r
r
× × +








× × + 





× × = × ×
M- 10
3.7 Gradient, Divergenz, Rotation
Der Nabla Operator

∇ ist im kartesischen Koordinatensystem definiert durch






















=


+


+


= ∇

z
y
x
e
z
e
y
e
x
z y x
r r r
Dieser Operator hat gleichzeitig die Eigenschaften eines formalen mathematischen
Differentialoperators und eines Vektors. Es lassen sich somit die Rechenregeln der
Vektorrechnung auf den

∇-Operator anwenden. Einer skalaren oder vektoriellen
Funktion vorangestellt, bedeutet er die Differentiation dieser Größe. Der

∇-Operator
erweist sich als sehr nützlich bei der Definition der folgenden drei Größen:
1) Der Gradient ist die formale Multiplikation von

∇ mit einer skalaren
Funktion des Ortes ) z , y , x ( φ (d.h. ) z , y , x ( φ sei ein differenzierbares Skalarfeld).
φ ∇

ergibt ein Vektorfeld:
φ ≡

















φ ∂

φ ∂

φ ∂
= φ






















= φ ∇

grad
z
y
x
z
y
x
Den Verlauf skalarer Felder kann man durch Niveauflächen veranschaulichen.
Das sind die Flächen im Raum, auf denen φ konstante Werte besitzt. Ihre
Gleichung lautet const ) z , y , x ( = φ . (z.B. in einem zentralsymmetrischen Feld alle
Oberflächen von Kugeln um den Koordinatenursprung Niveauflächen). Der
Gradient gradφ steht immer senkrecht auf die Niveauflächen und gibt in jedem
Punkt die Steigung der Fläche ) z , y , x ( φ in Richtung der Koordinatenachsen an.
Zu beachten:
→ →
∇ φ ≠ φ ∇ ,

∇ φ bleibt ein Vektoroperator.
Die Komponente von φ ∇

in Richtung eines Einheitsvektors
e
a
r
ist
e
a
r
⋅ φ ∇

.
Diese Änderung von φ in Bezug auf den Weg ds in Richtung
e
a
r
heißt
Richtungsableitung von φ in Richtung
e
a
r
.
) a , grad cos( grad a grad a
ds
d
e e e
r r r
φ < φ = ⋅ φ = ⋅ φ ∇ =
φ

M- 11
Das bedeutet, daß in tangentialer
Richtung an die Niveaufläche 0
ds
d
=
φ
, in
normaler Richtung max grad
ds
d
= φ =
φ
ist.
Wendet man den Nabla-Operator auf eine differenzierbare vektorielle Funktion
) z , y , x ( U
r
an , so ist zwischen dem skalaren Produkt U
r
⋅ ∇

und dem vektoriellen
Produkt U
r
× ∇

zu unterscheiden:
2) Das skalare Produkt heißt Divergenz von U
r
( U div
r
):
U div
z
U
y
U
x
U
U
U
U
z
y
x
V
z
y
x
z
y
x
r r



+


+


=





















∂ ∂
∂ ∂
∂ ∂
= ⋅ ∇

Die geometrische Bedeutung der Divergenz ergibt sich aus dem Integralsatz von
Gauß:
∫ ∫
⋅ ∇ = ⋅

A V
e
dV ) U ( dA ) n U (
r
r
r
Demnach ist das Skalarprodukt von U
r
mit dem Einheitsnormalvektor
e
n
r
einer
Fläche, integriert über die gesamte Oberfläche A eines Volumens V, gleich der
Summe von U
r
⋅ ∇

in diesem Volumen.
Die Divergenz ist ein Maß für die Quelldichte eines Vektorfeldes.
Leitet sich das Vektorfeld U
r
selbst aus einem skalaren Feld φ nach φ ∇ =

U
r
ab, dann
ist
2
2
2
2
2
2
2
z y x
U

φ ∂
+

φ ∂
+

φ ∂
≡ φ ∆ ≡ φ ∇ ≡ φ ∇ ⋅ ∇ ≡ ⋅ ∇
→ → →
r
2
2
2
2
2
2
2
z y x ∂

+


+


≡ ∆ ≡ ∇

heißt Laplace`scher Operator
M- 12
3) Das vektorielle Produkt wird Rotation vonU
r
( U rot
r
) genannt:
U rot
y U x U
x U z U
z U y U
U U U
z y x
e e e
U
U
U
z
y
x
U
x y
z x
y z
z y x
z y x
z
y
x
r
r r r
r











∂ ∂ − ∂ ∂
∂ ∂ − ∂ ∂
∂ ∂ − ∂ ∂
= ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ =










×










∂ ∂
∂ ∂
∂ ∂
= × ∇

Die geometrische Bedeutung dieses Vektors folgt aus dem Integralsatz von Stokes:
∫ ∫
⋅ × ∇ = ⋅

A
e
S
dA n ) U ( s d U
r
r
r
r
Demnach ist das Skalarprodukt von U
r
mit einem Linienvektor s d
r
, gleich der
Normalkomponente von U rot
r
, integriert über die von S umschlossene Fläche A.
Der Betrag der Rotation
U rot
r
ist ein Maß für die
„Wirbelstärke “ des
Feldes.
Nach den Regeln der Vektor- und Differentialrechnung gilt nun auch für die
Anwendung des Nabla-Operators auf Summen und Produkte:
( )
( )
( )
( ) φ ∇ ψ + ψ ∇ φ = φψ ∇
× ∇ + × ∇ = + × ∇
⋅ ∇ + ⋅ ∇ = + ⋅ ∇
ψ ∇ + φ ∇ = ψ + φ ∇
→ → →
→ → →
→ → →
→ → →
B A B A
B A B A
r r r r
r r r r
( )
( )
( )
( )
( ) B A A B A B B A B A
A A A
B A A B B A
A A A
A B B A A B B A B A
r r r r r r r r r r
r r r
r r r r r r
r r r
r r r r r r r r r r








∇ ⋅ −








∇ ⋅ +








⋅ ∇ −








⋅ ∇ = × × ∇
× ∇ φ + × φ ∇ = φ × ∇








× ∇ ⋅ −








× ∇ ⋅ = × ⋅ ∇
φ ∇ ⋅ + ⋅ ∇ φ = φ ⋅ ∇








∇ ⋅ +








∇ ⋅ +








× ∇ × +








× ∇ × = ⋅ ∇
→ → → → →
→ → →
→ → →
→ → →
→ → → → →
0 =








φ ∇ × ∇
→ →
Die Rotation des Gradienten von φ ist Null.
0 A =








× ∇ ⋅ ∇
→ →
r
Die Divergenz der Rotation von A
r
ist Null.
A A A
2
r r r
→ → → → →
∇ −








⋅ ∇ ∇ =








× ∇ × ∇
M- 13
3.8 Linienintegral
Für ein gegebenes Vektorfeld
( )
A r
G
G
betrachtet man in jedem Punkt
i
r
G
eines Wegs C
das Skalarprodukt aus dem Feldvektor
( )
i
A r
G
G
und dem Weg- oder Linienelement
i
r ∆
G
zum Nachbarpunkt. Den Grenzwert der Summe dieser Skalarprodukte nennt
man Linienintegral von
( )
A r
G
G
längs des Wegs C.
( ) ( )
,
1
lim
B
A
r
r C
N
N
i i
i
A dr r A r r
→∞
=
= ⋅


G
G
G
G
G
G G G
+
Beispiel: Berechnung des Wegintegrals längs verschiedener Wege zwischen zwei
Punkten A(0|0) und B(2|4) für das zweidimensionale Vektorfeld
( )
2
y
A r
x
 
=
 
 
 
G
G
x
r
y
 
=
 
 
G
,
dx
dr
dy
 
=
 
 
G
0.5 1 1.5 2
1
2
3
4
Wir berechnen das Linienintegral
C
I A dr = ⋅

G
G
für drei verschiedene
Integrationswege: 1. Geradenstück
1
C : 2 y x =
2. Parabelstück
2
C :
2
y x =
3. zwei gerade Stücke
3
C : (0|0) → (2|0) → (2|4)
M- 14
ad 1) Für den Weg
1
C 2 y x = oder
( )
2
y
x y = erhalten wir:
( ) ( ) ( )
3
2 4
2
1
2
0 0
4
2 2 4 2
0
0 0
0
12
2
64 28
2 4
4 12 3
B
A
r
r
y
y
dx
I y x dx x y dy
dy
x
y
xdx dy x
 
 
= = + =
 
 
 
 
= + = + = + =
∫ ∫ ∫
∫ ∫
G
G
ad 2) Für den Weg
2
C
( ) ( )
2
, y x x x y y = = :
( ) ( ) ( )
2
2 4
2
2
2
0 0
2 4
3
2 4
2
0 0
0 0
2
3 32
8
8 3
3
B
A
r
r
y
y
dx
I y x dx x y dy
dy
x
x
x dx ydy
 
 
= = + =
 
 
 
 
= + = + = + =
∫ ∫ ∫
∫ ∫
G
G
ad 3) Für den Weg
3
C I: 0 ,
0
dx
y dr
 
= =
 
 
G
, II:
0
2 , x dr
dy
 
= =
 
 
G
( )
( ) 2,0
2
0,0
0
0
0
I
dx
I
x
 
 
= =
 
 
 
 

,
( )
( ) 2,4
4
4
0
2,0 0
0
4 4 16
4
II
y
I dy y
dy
  
= = = =
  
  
∫ ∫
Beispiel für ein wegunabhängiges Linienintegral: homogenes Vektorfeld
( )
x
y
b
B r b const
b
 
= = =
 
 
G G
G
,
( ) ( ) ( ) ( )
2 2 2
1 1 1
2 1 2 1 2 1
r x y
x y x y
r x y
r B dr b dx b dy b x x b y y b r r φ = ⋅ = ⋅ + ⋅ = − + − = ⋅ −
∫ ∫ ∫
G
G
G G
G G G G
Ein Linienintegral ist von der Form des Weges unabhängig und nur von dessen
Endpunkten abhängig, wenn eine skalare Potentialfunktion ( ) ( )
0
r
r B r dr φ =

G
G
G G G
existiert, aus der das Vektorfeld
( )
B r
G
G
durch Gradientenbildung hervorgeht:
( ) ( )
x x x
y y
y
b x b
B r grad r
b y b
φ φ




 
   
 
= = ∇ = =
   
 
   
 
G G
G G

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