Massenkonsumgüter in einer „Low Carbon Society“ im Jahre 2030

“ Diplom Hauptthema SS 2010 , 12.2010

Produktionstechnologie Prof. W. Laubersheimer Ralph Schneider Matr.Nr: 11031987

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Versicherung

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Versicherung Hiermit versichere ich, dass ich die Arbeit - bei einer Gruppenarbeit den entsprechend gekennzeichneten Anteil der Arbeit - selbstständig angefertigt habe und keine anderen als die angegebenen und bei Zitaten kenntlich gemachten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.

Ort, Datum

Unterschrift

Köln International School of Design

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Inhalts verzeichnis

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1 2 3 3.1 3.2 4 4.1 4.2 5 5.1 5.2 5.3 6 6.1 6.2 6.3 6.4 7 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5 7.6 7.7 7.8 7.9 8 8.1

Enleitung & Zusammenfassung Kohlenstoff – C Status Quo - 2010 Erweiterung des Systemraums „Humanvermögen“ Konsum Entwicklungsansätze für Low Carbon Konsum Produkte 2030: Technologische Innovationen Produktgestaltungsansätze Ideengenerierung und -bewertung Brainstorming Vorrecherche ausgewählter Ideen: Diskussion und Auswahl: Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting Konkretisierung der Aufgabenstellung Problembeschreibung Anforderungskatalog Diskussion der Lösungswege Fokussierung auf eine Harvesterlösung für den B2B Anwendungsfall CI Benchmarking Marine Technologie: Konzeptentwicklung der Infrastruktur Mögliche Infrastruktur Sekundäre Service Einrichtungen Die „Harvester“ Ausarbeitung der Gestalt Entwurf Abschließende Diskussion Anhang Abbildungsverzeichnis:

7 9 11 11 13 31 31 33 35 36 37 51 54 55 57 65 67 71 71 76 83 88 89 93 111 115 123 125 125

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1 Einleitung & Zusammenfassung


Die Vorliegende Arbeit unterteilt sich in zwei Hauptteile. Einem ersten, stark Umfeldrecherche orientierten Teil und einem zweiten Teil, der sich auf die Erarbeitung und Ausarbeitung einer konkreten Lösung konzentriert, dessen Problemstellung auf Basis der Bedarfsermittlung des ersten Teils beruht. Im Rahmen der Arbeit mit dem Titel „Massenkonsum in einer LowCarbon Scoiety 2030“ und der heutigen Diskrepanz eines jährlichen Kohlenstoffkonsums der westlichen Welt von durchschnittlich 12,5 Tonnen Co2 pro Jahr und Kopf (vgl.23) gegenüber einem Ziel von 2 Tonnen pro Kopf und Jahr in 2050, wurden die Beweggründe für Konsum in den human- und konsumindustriebezogenen Systemen und die absehbaren Trends recherchiert. Ziel war es, kritische Felder mit großem Produkt-Optimierungsdruck und deren Potential zur Zukunftssicherung zu ermitteln. Ergänzend wurden die globalen biosphärischen und der globosphärische Konsumhaushalt betrachtet, um ein ganzheitliches Bild zu erhalten. Bezogen auf den anthropologischen Konsum ist eines der Haupterkenntnisse, dass sich der Bewusstseinsraum bzgl. der Folgen der eigenen Konsumemissionen zurzeit stark erweitert (hat). Diese Erweiterung ist eng mit der Einsicht verknüpft, dass die finite Wavvelt dem Menschen harte, nicht verhandelbare Konsumgrenzen setzt, die er schon weit überschritten hat. Daraus ableitend entsteht eine Gewissheit für eine konstante Konsumverantwortung jenseits des Bruttoinlandsprodukts zur Vermeidung einer eigenen Minimierung des Humanvermögens und gegenüber Dritten im Allgemeinen und der Biosphäre im Speziellen auf breiter Front.

“By 2030, projections suggest, world energy use will probably have increased by more than 50 per cent. (1)”

Dies erzeugt nicht nur den Bedarf nach konsumverantwortlichen Produkten, sondern auch die Bereitschaft, jenseits der persönlichen Konsumgrenzen Wirkungen zu erzeugen, die den eigenen Wohlstand indirekt sichern. Letzteres ließe sich in seiner Ausprägung verstärken, indem dafür neue, eher virtuell orientierte Erlebniswelten für Privatleute (Ökotourismus light) entwickelt werden, deren realer Handlungsraum räumlich entkoppelt stattfindet, und auf professioneller Ebene B2B-orientierten und nachweislich aktiven Beitrag liefert, der der Konsumverantwortung gerecht wird. Beispiel hierfür sind virtuelle Partizipationsmodelle für Umweltexpeditionen und damit eine limitierte Vermeidung des eigenen Reisekonsums. In Bezug auf einen stabilen globalen Konsumhaushalt zur Gewährleistung eines humanen Wohlstandes, scheinen sich akut die Meere der Erde zum kritischsten Element im System zu entwickeln. Das hat mehrere Gründe mit anthropologischen Ursachen. Die Klimaerwärmung, die Co2 Erhöhung selbst mit der Folge einer Übersäuerung der Meere und einer geringeren Sauerstoffaufnahmefähigkeit führen zu einer Abnahme des kalkstruktur- und sauerstoffproduzierenden Phytoplanktons, einer Gruppe von Kleinstlebensformen, die bisher sowohl 50% unseres Sauerstoffs lieferten, 10 Gigatonnen Co2 jährlich der Atmosphäre und dem Kohlenstoffkreislauf dauerhaft entzogen und auch den Beginn der Nahrungskette des marinen Lebens darstellen. Der Mensch hat diese Nahrungskette zudem erfolgreich ausgebeutet, so dass insgesamt ein massiver Verlust der Biomasse und Biodiversität in den Ozeanen festzustellen ist.

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„Die kumulativen CO2-Emissionen bis 2050 bestimmen weitgehend, inwieweit der planetarische Temperaturanstieg unterhalb von 2 °C zu halten ist. Um dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 % zu erreichen, dürfen global bis zur Jahrhundertmitte nur noch 750 Mrd. t CO2 und danach nur noch eine kleine CO2-Menge ausgestoßen werden. (2)“

Die Ozeane bieten überdies Ablagerungsort für geschätzte 6,4 Millionen Tonnen menschlicher Abfälle, die mehr oder weniger ungewollt in das Meer gelangen und zu 80% direkt vom Land und unseren Städten stammen. Sie gelangen über die Wasserwege wie Flüsse ins Meer. Der zu 90% aus Kunststoff und damit aus Kohlenstoff bestehende Müll tötet geschätzte 1,5 Millionen Wasservögel jährlich, lagert Gifte ein und gibt diese an die noch bestehenden Fischbestände bei Nahrungsaufnahme wieder ab. Dadurch gelangt das Gift unserer Konsumkultur in unseren Nahrungskreislauf. Im Anschluss der Vorrecherche der Einzeleinflussfaktoren und Auswirkungen des aktuellen kohlenstoffbasierten Konsums wurde die Frage gestellt, welche Ziele für die Zukunft und exemplarisch das Jahr 2030 zu verfolgen sind und welche generellen Gestaltungsmöglichkeiten und Prozessketten sich für die Produktwelt der Zukunft bieten werden. In Folge dessen und auf Basis des recherchierten wurden mehrere Ideen abgeleitet und evaluiert. Dazu gehören beispielsweise Produkt- und Dienstleistungsideen für ein persönliches Ressourcenmanagement, das weit über das aktuelle Smart Metering hinausgehen wird, ebenso wie ein Produktkanon, welcher die Augmentierung/Virtualisierung der schnellen Konsumzyklen und vieler Medien ermöglicht und damit die Chance einer radikalen Dematerialisierung unserer Konsumwelt bieten könnte.

Vor dem Hintergrund der akuten biotischen Gefährdung der Ozeane, den fehlenden Lösungen zur direkten Entmüllung großer und mitten auf dem offenen Meer gelegener Regionen und zur Sicherung des Humanvermögens einer global konsumverantwortungsvollen Gesellschaftsform in der Zukunft, wurde die Entscheidung getroffen, ein Produktsystemkonzept auszuarbeiten, das eine möglichst effektive, effiziente und realistische Lösung für das Problem der „Beseitigung von auf dem Ozean treibendem Müll“ bietet. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Systemgestaltung und die sich in jeder Konkretisierungsebene gebotene Vorsicht in der Abwägung der möglichen Morphologie in Funktionsfähigkeit, Gestaltkomplexität und Ressourceneinsatz gelegt. Im speziellen gehört dazu die Ausarbeitung einer autonomen Schleppnetzlösung, die mit Wellenergie betrieben autark und unter Verhinderung der Gefährdung von Leben einen Großteil des zu 90% aus Kunststoffresten bestehenden Mülls entfernen könnte und sich für den Einsatz im professionellen handhabungsorientierten Umfeld eignet. Abschließend blieb festzustellen, dass eine negative Migration von menschlichen Emissionen wie zum Beispiel Müll im Meer sich auch im Jahr 2030 und darüber hinaus leider nie vermeiden lassen wird. Geeignete Lösungen zur ganz selbstverständlichen Beseitigung des verursachten Problems wird in Zukunft die notwendige Basis zur Sicherung des eigenen Konsumsystems im Jahre 2030 und damit vielleicht sogar Basis sein, um Konsumprodukte anbieten zu dürfen.

1. 2.

NEP/GRID-Arendal (Hg.) (2008): „Kick the Habit“. URL: http://www.grida.no/_res/site/file/publications/kick-the-habit/kick_ full_lr.pdf [Stand: 01. Dezember 2010]. WBGU (2009): Kassensturz für den Weltklimavertrag - der Budgetansatz. Sondergutachten. Berlin: WBGU.

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2

Kohlenstoff – C

gefahrlosen Energieträger hoher Energiedichte zu dienen (4), was sich Bakterien, Tiere der Nahrungskette und der Mensch zu Nutze machen. Der Mensch ist süchtig nach Kohlenstoff. Kohlenstoff und der Energieinhalt der Kohlenwasserstoffverbindungen ist Motor der menschlichen Zivilisation geworden. Mit Hilfe von Kohlenstoff hat der Mensch sich die Technosphäre erschaffen. Eine technische Welt, die ihn in all seinen Möglichkeiten erweitert. Seine Technosphäre ist dabei aber zunehmend im Begriff Konkurrent und schädlicher Gegenspieler der Biosphäre zu werden. Kohlenstoffverbindungen stehen leicht und in großen Mengen zur Verfügung und weisen einen scheinbar universellen Nutzen als Energiespender und Werkstoff auf. Der Mensch deckt seinen Kohlenstoffbedarf sowohl aus fossilen Speichern in der Erde als auch direkt aus der Biosphäre.

(3)

Trotz seines relativ kleinen Atomgewichts von 12 u ist Kohlenstoff „C“ eines der wichtigsten Elemente der Erde. Mag Kohlenstoff in Form eines Diamanten, in homöopathischen Dosen dem Menschen wertvoll erscheinen, so ist Kohlenstoff viel mehr als Grundbaustein der Photosynthese im jährlichen Gigatonnen-Maßstab unersetzlich. Kohlenstoff und seine Chemie ist verantwortlich für das Entstehen von Leben auf diesem Planeten, was ihr den Namen „Organische Chemie“ gab. Im globalen Periodensystem ist Kohlenstoff „C“ das Atom mit der größten Flexibilität zur Bildung unterschiedlichster Molekülstrukturen. Gepaart mit der Eigenschaft einer hohen C-C Bindungsenergie von ungefähr 340kJ/mol sind Verbindungen möglich, die nicht nur vielfältig, sondern auch sehr stabil gegenüber Sauerstoff, Wasser und anderen Chemikalien sind. Die große, gespeicherte Bindungsenergie zeichnet CVerbindungen aus, um darüber hinaus als vergleichsweise

(5)

3. 4.

Sona-Diamond (2010): „sona-diamond-services2.jpg“. URL: http://sonadiamond.org/images/sona-diamond-services2.jpg [Stand: 28. November 2010]. Mortimer, Charles E et al. (1980). S.599: Chemie. Das Basiswissen der Chemie in Schwerpunkten ; mit Übungsaufgaben ; anorganische Chemie, organische Chemie, Theorie der chemischen Bindung, physikalische Chemie, Radio-Chemie ; 206 zweifarbige Abb., 102 Tabellen. 3., neubearb. Aufl. Stuttgart: Thieme. Martin Nicholson (2009): „Chlorophyll Droplets.jpg“. URL: http://life-on-mart.org/photos/photos/Nature/Chlorophyll%20Droplets.jpg [Stand: 28. November 2010].

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5.

Er verwendet die gewonnenen Kohlenstoffe für seine eigene Versorgung in Form von Nahrung und für die Produktion und den Betrieb seiner Technosphäre. Für den Menschen sind Kohlenstoffverbindungen verwertbar als • natürlicher Werkstoff wie Leder, Holzfasern und Kalkgestein. • synthetische Werkstoffe wie Polymere. • Energielieferant für die Gewinnung, Transformation und Veredelung von Werkstoffen. • Energielieferant für die Temperierung unserer Lebensräume, für den Antrieb von Mobilität und für die Informationsgesellschaft. Der Kohlenstoffkonsum des Menschen maßlos und steigt unaufhörlich Jahr für Jahr an.

Als synthetischer Rohstoff, heute meist aus Erdöl gewonnen, wird er zu definierten Kohlenwasserstoffverbindungen in der Chemische Industrie weiterentwickelt, in der Kosmetik, in Schmierstoffen oder einfach nur für Ruß als Verschleißschutz bei Reifen verwendet. Sind Polymere heute preiswerter flexibler Haupt-Werkstoff der Konsumgüterindustrie einerseits, steht Kohlenstoff in Form von Carbon-Faserverstärkten-Kunststoffen (CFK) und neuen Entwicklungen wie Carbon-Nano Tubes oder Graphene für High-Tech, Hochleistung, Gewichtsreduktion und Effizienz.

Die Verwendung von Kohlenstoffverbindungen hat viele Vorteile, vor allem ihre komfortable Herstellung auf Basis von fossilen Rohstoffen. Ihre Nutzung bietet überdies, so Plastic Europe, viele Vorteile, sowohl technologisch als auch für den Nutzer. Würde heute eine radikale, schnelle Substitution von Kohlenstoff basierten Werkstoffen und Energieträgern eintreten, wären die heute zur Verfügung stehenden Alternativen minder geeignet die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Eine Verschlimmerung der klimatischen Verhältnisse und eine noch stärkere Verknappung endlicher und nachwachsender Ressourcen wären die Folge. Der Mensch ist einerseits abhängig von Kohlenstoff und seinen Produkten, verursacht andererseits jedoch das Problem, dass er heute eine zu große Menge Kohlenstoffverbindungen in Co2 verwandelt und in die Atmosphäre entlässt.

(meist synthetischen) Kohlenstoffverbindungen (6)
6. 7.

01 Fast moving Consumer Goods bestehen maßgeblich aus
ZF-Sachs (2009): „2009-09-11_CFK-Federbein_zf.jpg“. URL: http://www.zf.com/media/media/img _1/corporate/press/presse/2009_2/2009-09-11_CFK-Federbein_zf.jpg [Stand: 28. November 2010].

02 CFK basierte Automobil Federbeinstudie (7)

PRNewsWire (2010): „43696-hi-eStorePackaging.jpg“. URL: http://multivu.prnewswire.com/mnr/pg/43696/images/43696-hi-eStorePackaging.jpg [Stand: 28. November 2010].

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Status Quo - 2010 3.1 Erweiterung des Systemraums „Humanvermögen“

Der Mensch war sich schon lange bewusst, dass er Emittent ist. Er vermutete nur keine negativen Folgen für sein persönliches Leben und Umfeld, sondern nur maximal eine Beschädigung von Lebewesen und Gütern außerhalb des eigenen Konsumraumes. Wie Braungart berichtet „im 19. Jahrhundert […] machte man sich noch kaum Gedanken über die Qualität der Umwelt. Die Ressourcen schienen unermesslich zu sein, und die Natur selbst wurde als »Mutter Erde« gesehen, die, da fortwährend regenerativ, alle Dinge in sich aufnehmen und weiter-wachsen würde. (8)“ Haben alle Pflanzen und Lebewesen bisher immer einen qualitativ positiven Ressourcenhaushalt und für andere im Konsumsystem nützliche Produkte am Ende der eigenen Nutzungsphase erzeugt, so ist der industrielle Mensch der erste, der dem globalen Konsumsystem konstant mehr Energie entzieht und Werkstoff entwertet. Die kurze Zwischenphase des humanen Eigennutzens gefolgt von der langen Zeitspanne der kommenden Lebensphasen der emittierten Produkte, führt bis heute zu keinem Mehrnutzen für das Konsumsystem „Erde“. Im Gegensatz zur restlichen Biosphäre ist der Mensch das einzige Wesen, das eine intellektuelle Eigenleistung benötigt, um vielleicht in Zukunft eine nachhaltige Ressourcenqualitätssteigerung nicht nur für sich sondern für die Welt zu erzeugen.

Das neue ‚bewusst werden‘ des Menschen, in einer finiten Welt zu leben, die strikte Konsequenzen für Fehlkonsum ausbildet, lässt uns anfangen, unseren Konsum in die Definition, was Konsum und Konsumerlebnis ist oder sein sollte, neu zu überdenken. Der Verantwortungsraum für unseren Konsum wird spürbar. Zum Beispiel waren Umweltaktivisten früher zwar auch sinnvoll, für den Erhalt des eigenen Wohlbefindens jedoch lange Zeit nicht bewusst wichtig. Das Zusammenrücken durch die Globalisierung und die Demokratisierung des Sprachrechts aller Systembeteiligten (Advokaten für die Biosphäre mit eingeschlossen, NGOs wie WWF) führt nun dazu, dass die Wechselwirkungen und Folgen transparent werden. Faktisch wird die Beherrschung eines Balance orientierten, ganzheitlichen globalen Konsums notwendig, da sich in der Tat die Situation der Biosphäre in den letzten Jahren verschlimmert hat, siehe aktueller Statusbericht des WWFs zum Stand der Biodiversität. Wenn es der Zweck des Konsums ist, seine „schöpferische Zerstörung“ vor allen Dingen zur Entwicklung von „Humankapital“ zu verwenden, dann führt zurzeit ein breit auftretendes Erweitern des eigenen Verantwortungsraumes und das Bewusstwerden der Gefährdung des eigenen Humankapitals durch Beschädigung von Umwelt und Biosphäre unweigerlich zu einer Erweiterung des Horizonts des Identitäts- und Verantwortungsgefühls als Teil der Konsumwelt (9)

8.

Braungart, Michael/MacDonough, William (2003): Einfach intelligent produzieren. Cradle to cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können. Berlin: Berliner Taschenbuch-Verl. (= Gebrauchsanweisungen für das 21. Jahrhundert). Rosenkranz, Doris et al. (2000): Konsum. Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven. Opladen: Leske + Budrich (= Lehrtexte Soziologie).

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9.

Denn „Humanvermögen bzw. Humankapital ist aus haushaltsökonomischer Sicht nicht lediglich das über die Erwerbszeit diskontierte Geldeinkommen einer Person, sondern es beinhaltet alle humanen Ressourcen der Lebensgestaltung, also Arbeits- und Konsumfähigkeiten. Haushaltsführungskompetenzen und Erwerbsqualifikationen gehören ebenso dazu, wie die Fähigkeiten zu lieben, zu spielen und Freude zu empfinden. In diesem Sinne stellt auch Georgescu-Roegen, der die Thermodynamik in die Umweltökonomik eingeführt hat, fest: „( ... ) the real Output of the economic process (or of any life process, for that matter) is not the material flow of waste, but the still mysterious immaterial flux of the enjoyment of life (10)“ (11)” Damit wird klar, dass eine Schädigung der Biosphäre Auswirkungen auf das eigene Kapital in Form von zukünftiger Lebensqualitätsminderung haben wird. Wenn der Mensch feststellt, dass er selbst für diese Einschränkung verantwortlich ist, und die gefühlte Kosten zu Nutzen Bilanz kippen lässt beginnt der Konsument andere Wege einzuschlagen und sich persönliche Handlungsalternativen zu suchen. Damit entsteht eine starke Verknüpfung zwischen Biosphäre und Erzeugung des Konsumgefühls weit über die reine Konsumproduktwelt hinaus. Der Mensch ist heute ein Mischwesen aus Biosphäre und seiner selbst erschaffenen Technosphäre. Zugleich ist er Bindeglied beider Sphären und einzig logischer Verantwortungsträger für die Technosphäre, die in weiten Teilen inkompatibel, manipulativ und sogar schädlich für die Biosphäre ist. Erst durch die holistische, globale Sichtweise beginnt der Mensch, ähnlich einem sich emanzipierenden Jugendlichen, erst zu lernen Verantwortung für alle

Auswirkungen seines Wirkens zu übernehmen, nicht nur den Nutzen abzuschöpfen und die Verantwortung einem imaginären Dritten zu überlassen, der im Zweifelsfall die Biosphäre darstellt.

10. 11.

GEORGESCU-ROEGEN, NICHOLAS (1976): Energy and economic myths. In: Nicholas Georgescu-Roegen (ed.): Energy and economie myths. Institutional and analytical economic essayes. New York: Pergamon Press, 3-36 Rosenkranz, Doris et al. (2000): Konsum. Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven. Opladen: Leske + Budrich (= Lehrtexte Soziologie).

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3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum

Konsum ist allgegenwärtig und vielschichtig. „Kon|sum, der; -s [ital. consumo = Verbrauch, zu: consumere < lat. consumere, -> konsumieren] (12)“ Ob physikalische, chemische oder soziologische und wirtschaftliche Prozesse, Zustandsänderungen konsumieren Energie und beziehen diese von außerhalb der eigenen Systemgrenzen, um innerhalb der eigenen Systemgrenzen im Fortlauf der Zeit einen Bedarf zu decken und einen Nutzen zu erwirken. Alles Dynamische des Universums produziert und konsumiert. Naturwissenschaftliches Beispiel ist die Verflüssigung von Gas unter Energieabgabe (erkalten), die von einem Gegenspieler im System aufgenommen wird, woraus er einen Nutzen, z.B. Erwärmung oder Bewegung generiert. Auf der Erde ist Konsum und das Konsumieren, also das Verbrauchen, allgegenwärtiges und prägendes Element. Zur Erreichung eines Ziels und der Deckung eines Bedarfs ist immer eine dynamische Zustandsänderung und dafür der Konsum von Energie, respektive Materie, respektive Zeit, notwendig. Konsum ist die Auswirkung des Ausgleichs eines vorweggegangenen Bedürfnisses, z.B. einem Mangel an Nahrung, der Hunger verursacht, und den Kon-

sum von Nahrung als Energieträger nach sich zieht. Konsumsysteme sind schwingende Systeme. Ein Konsumsystem ist im Verlauf seiner Evolution nie völlig stabil, sondern geprägt von Gefällen und Ausgleichsbewegungen zwischen Defizit und Überangebot. Es schwingt in Phasen von relativer Ruhe und Volatilität. Wäre ein solches System stabil, würde auch kein Konsum, keine Dynamik auftreten.

Es gibt offene und geschlossene Systeme, deren langfristige Entwicklungsdynamiken vollkommen unterschiedlich verlaufen. Konsumsysteme müssen mit ihren Ressourcen haushalten. Nur offene Systeme haben die Chance, nachhaltig ein dynamisches System zu bleiben, wobei Konsum vom Menschen oft nur als ein-phasiger Prozess wahrgenommen wird, als Wertschöpfungskette. Konsum ist vielmehr ein andauernder natürlicher und unaufhaltsamer Prozess. Wie Rosenkranz ausführt, ist „Konsum […] folglich nicht letzter Verbrauch, denn es gilt der Erste Hauptsatz der Thermodynamik, wonach Energie und Materie weder hergestellt noch vernichtet, sondern lediglich einem begrenzten Formen-wandel unterzogen werden können (13).“ Die Erde ist deshalb ein Hybrid. Atomar ist sie quantitativ

12.

Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2007. Rosenkranz, Doris et al. (2000): Konsum. Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven. Opladen: Leske + Budrich (= Lehrtexte Soziologie).

13

13.

03 Globaler Strah-

lungsenergie Flux (14)

finit. Jede Sekunde wird dem System jedoch Energie vor allem durch die Sonne zugeführt und ermöglicht Dynamik durch Konsum. Auf Basis der Photosynthese wurde die externe Energiequelle „Sonne“ für die globale Materialproduktion und Bewegung der Biosphäre nutzbar. Dabei wurde Kohlenstoff das Rückgrat und Basisbaumaterial dieser Entwicklung. Über die Zeit der Evolution konnte konstant zwar nicht die Ressourcenquantität, aber dessen Qualität in Form von enthaltenem Nutzenpotential oder – wert gesteigert werden.

Im zoologischen und anthropologischen Kontext besitzt Konsum, neben seinen objektiven, nüchternen Dimensionen, eine ganze Fülle weicher Faktoren, die Konsum und den Konsumenten beeinflussen. Der Mensch hat Konsum in einer Art und Weise quantitativ und qualitativ weiterentwickelt, dass er sowohl hochgradig komplex als auch umfassend in seinem Verbrauch ist. Konsum ist schon sehr lange in der westlichen Welt nicht mehr dem reinen Bedarf nach Energieversorgung verschrieben. Heute konsumiert der Mensch Waren, Moden, verschafft oder erzeugt sich ideelle Werte und soziale Interaktion. Konsum hat eine sich selbst danach benannte Industrie, wird in allen Sparten der Wissenschaft erforscht und ist Kultur geworden.

14.

climateknowledge (Hg.) (2008): RBRWuG0086_Trenberth_Radiative_Balance_BAMS_2008.GIF (GIF-Grafik, 1277x936 Pixel). Online verfügbar unter http://climateknowledge. org:16080/figures/WuGblog _ figures/RBRWuG0086_Trenberth_Radiative_Balance_BAMS_2008.GIF, zuletzt aktualisiert am 29.08.2008, zuletzt geprüft am 04.12.2010.

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in Gegenüberstellung

04 Lebenserwartung

zum Einkommen (15)

15

15.

WWF (2010). Online verfügbar unter http://assets.panda.org/downloads/lpr2010.pdf, zuletzt aktualisiert am 16.09.2010, zuletzt geprüft am 09.11.2010

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum

Ihren Beginn fand die moderne anthropologische Konsumkultur laut Neil Mc Kendrick erst im 18. Jahrhundert (16). „Ausschlaggebend dafür waren zwei entscheidende Faktoren, die finanzielle Fähigkeit sich Alternativen leisten zu können und das Vorhanden sein von verfügbaren Alternativen (17).“ Der Ausdruck Konsumgesellschaft, der heute oft verwendet wird, gibt Hinweis darauf, dass unsere Gesellschaft sich sehr stark über den Konsum definiert. Konsumprodukte sind zu unwiderstehlichen Verführern und zu globalen Blockbustern der westlich orientierten Konsumindustrie geworden, der sich auch andere Gesellschaften nicht entziehen können. Der moderne Mensch und die Industrie sind aktuell süchtig nach einer immer höheren Frequenz des Konsums. Eine Entwöhnung erscheint schwierig, da es an positiven, verheißungsvollen Alternativen für alle Beteiligten fehlt und die Firmen und Staaten negative Effekte bei einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) befürchten, über den sich zurzeit fast alles definiert. Dabei ist das BIP nachweislich nicht direkt für anthropologisch höhere Ziele wie Glück und Erfüllung und dem damit zusammenhängenden Global Happyness Index (GHI) verantwortlich. Wie in der Abbildung zu sehen, kommt es bereits ab einem Jahreseinkommen von 10.000 Dollar pro Jahr zu einer Sättigung der Zufriedenheit. Jenseits der Grundsicherung des Lebens scheint Konsum heute zwar das BIP zu stützen, der Konsum und seine Industrie scheint aber darüber hinaus das Kapital seiner Konsumenten zu verbrauchen, jedoch kein zusätzlicher Spender für Lebenszufriedenheit zu sein. In der Sättigung kommt es eher zu Substitutions-

effekten. Ein tatsächlicher Added-Value stellt sich nicht für alle dar. Ab einem Schwellenwert des Nutzens, der täglichen Arbeitserfüllung, des Glücks, der sozialen Bindungen ist das System ausgefüllt. Der Mensch hat nur 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Viel mehr werden die vielen Dimensionen der ideellen täglichen menschlichen Werterzeugung kapitalisiert. Wie bei MOMO die grauen Herren, werden Waren wie Facebook im Tausch für vorher eigentlich kostenlose reale soziale Kontakte angeboten. Der Tag ist voll und ein Mehr an der einen Stelle führt ganz natürlich zu einem Weniger an einer anderen Stelle. Trotzdem ist das westlich industrielle Leitmotiv eines BIPSteigerungszwangs, welches diesen an den mechanischen Güterkonsum koppelt, und mit verheißungsvollen Versprechen, wie soziale Anerkennung, Wohlstand, Freundschaft, Glück, Jungfräulichkeit oder Unsterblichkeit vermischt, ein Cocktail, der in einem Maße dominant ist, dass er dauerhaft zunehmend Nachahmer findet. Die Marketingmaschinen heizen das System an und geben dem Konsumenten bereits über Generationen verfeinert „Entscheidungshilfen“. Jeder auf der Welt möchte konsumieren und mehr konsumieren zum Wohle eines besseren Lebens.

16. 17.

Vgl. McKendrick, Neil/Brewer, John Mason/Plumb, John H. (1982): The birth of a consumer society. The commercialization of 18th-century England. London: Europa Publ. Ullrich, Wolfgang (2009), s.17: Habenwollen. Wie funktioniert die Konsumkultur? 2. Aufl., ungekürzte Ausg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl. (= Fischer; 16328).

16

völkerungsentwicklung (18) in Erdäquivalent (20)

05 Wahrscheinliche Weltbe06 Ressourcenentnahme 07 Durchschnittliches Co2e in
Tonnen pro Jahr pro Kopf (19, S34)

18. 19. 20.

U.S. Census Bureau, Population Division (Hg.) (2010): worldpop.png. Online verfügbar unter http://www.census.gov/ipc/ www/idb/img/worldpop.png, zuletzt aktualisiert am 28.06.2010, zuletzt geprüft am 05.12.2010. barnes (2005): ccreport.update.indd. Online verfügbar unter http://www.grida.no/_res/site/file/publications/vital-climate_change_update.pdf, zuletzt aktualisiert am 02.02.2005, zuletzt geprüft am 26.10.2010. WWF (2010). WWF - Living Planet Report. Biodiversity, biocapacity and development, World Wide Fund of Nature, Gland, Switzerland, Online verfügbar unter http://assets.panda.org/downloads/lpr2010.pdf, zuletzt aktualisiert am 16.09.2010, zuletzt geprüft am 09.11.2010.

17

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum

“I want to recall: the 500 million richest people, 500 million, this is seven percent, seven percent, seven percent of the world’s population. This seven percent is responsible, these 500 million richest people are responsible for 50 percent of emissions, while the poorest 50 percent accounts for only seven percent of emissions (22).“

Dabei möchte jeder Mensch Anrecht auf einen gerechten Lebensstandard haben. Dieser Standard zielt idealerweise als Wunsch auf das Niveau des westlichen Standards. Eine Erwartungshaltung, die sich nach heutigem Wissen für alle 7 Milliarden Menschen im Jahre 2010 und für die 9 Milliarden Menschen im Jahre 2050 niemals realisieren lassen wird. Für die Art, wie wir heute Konsum betreiben, stehen in der finiten Globosphäre nicht genug Ressourcen zur Verfügung. Daraus lässt sich ableitet, dass ein gerechtes „mehr“ für Viele, ein „viel weniger“ mindestens für die 7% global Reichen dieser Erde bedeutet. Es sind ca. 500 Millionen Menschen dieser Erde, die laut www.globalrichlist.com mehr als 23.000 Euro im Jahr verdienen und die, wie Chavez während einer Rede feststellte, jedes Jahr Rohstoffe in einer Dimension konsumieren, dass sie für 50% der globalen Co2 Emissionen verantwortliche sind (21). Denn es ist leicht nachzuvollziehen, dass die Produktion von Gütern, deren Gebrauch und das Leben in Gütern Werkstoff und Energie benötigt, Unmengen an Energie. In

einer Menge, die bereits heute zu einem Überkonsum an globalen Ressourcen führt. Laut dem WWF liegt die Quote der Überbeanspruchung aktuell, wie der Abbildung 6 zu entnehmen ist, bei ca. 150%.(23) Dies führt im Umkehrschluss zu einer durchschnittlichen Emission an Co2 von ca. 4 t/Co2 pro Jahr und Kopf und einer Emission von über 12 Tonnen Co2 pro Kopf und Jahr für Ein-kommens-gruppen oberhalb von 20.000 US-Dollar pro Jahr. Würde jeder so viel konsumieren wollen wie ein Europäer, würde das System kollabieren. Der westliche Mensch hat den anthropologischen Konsumraum an mehrere Grenzen geführt und diese bereits auch überschritten, sei es auf physischen, marktwirtschaftlichen oder sozialen Konsum bezogen. Neben den humanen Grenzen des Konsums führt die übermäßige Entnahme und Emittierung von biotischen und abiotischen Ressourcen in das Haushaltssystem Globosphäre und zusätzlich die sprunghafte Hinzugabe einer großen Menge bis dahin systemexterner Stoffe, wie zum Beispiel Co2, zu Auswirkungen, die für den Menschen, der Biosphäre und deren Balance gefährlich wird.

21. 22. 23.

climateandcapitalism (2009): „Full Text: Chavez Speech on Climate Change in Copenhagen : Climate and Capitalism. Translation by Kiraz Janicke“. URL: http://climateandcapitalism.com/?p=1414 [Stand: 25. November 2010]. climateandcapitalism (2009): „Full Text: Chavez Speech on Climate Change in Copenhagen : Climate and Capitalism. Translation by Kiraz Janicke“. URL: http://climateandcapitalism.com/?p=1414 [Stand: 25. November 2010]. WWF (2010). WWF - Living Planet Report. Biodiversity, biocapacity and development, World Wide Fund of Nature, Gland, Switzerland, Online verfügbar unter http://assets.panda.org/downloads/lpr2010.pdf, zuletzt aktualisiert am 16.09.2010, zuletzt geprüft am 09.11.2010.

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3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum 3.2.1 Kohlenstoffdioxyd – Co2

Co2 Konzentration (24)

08 Lang fristige Entwicklung der

Die Co2- Entwicklung wird neben dem Verlust der Biodiversität besonders intensiv betrachtet. Co2 besteht aus einem Kohlenstoff und zwei Sauerstoffatomen, besitzt ein Molgewicht von 44 Gramm und ist ungefähr ist viermal schwerer als ein Mol Kohlenstoff (wichtige Angabe, da einige Grafiken die Massen von Kohlenstoff C und andere die Massen von Co2 nennen).

Der menschliche Konsum von Erdöl, dessen mehrheitlich sofortige Nutzung als Energiequelle und vor allem die Einleitung des entstehenden Co2 in die Atmosphäre, erzeugt seit Anfang der Industrialisierung einen konstanten Anstieg des Co2 Gehalts in der Atmosphäre, mit gravierenden Folgen für Klima und Biosphäre. Der Mensch produziert pro Jahr über 30 Gigatonnen (Gt) Co2, was einem Kohlenstoffäquivalent von 7,1 Gt Kohlenstoff pro Jahr entspricht, Tendenz steigend. Als Spurenelement in der Atmosphäre enthalten ist es für einen Teil der Rückreflektion der Wärme-Strahlung von der Erdoberfläche nützlich. Der übermäßige Anstieg kehrt den Nutzen nun in eine Gefahr um, da sich das Klima parallel zum Co2-Gehalt erwärmt. Die Klimaveränderung lässt sich heute bereits nicht mehr verhindern. Der Mensch hat in den kommenden Jahren nur noch die Möglichkeit, den Grad der Schwere zu beeinflussen.

Maximal 350ppm Co2, so die Klimaforscher, darf unsere Atmosphäre langfristig aufweisen, sonst ist eine Klimaerwärmung um 2°C nicht mehr einzuhalten. Das globale Klima würde Formen annehmen, die die Biosphäre zu sehr schädigt und die Menschheit ernsthaft bedroht. Dabei sind wir bereits heute, mit einem Wert von 390ppm Co2, weit über das Ziel hinausgeschossen. Und der Wert steigt unaufhörlich jedes Jahr um einige ppm an. Konsumiert und entwickelt sich der Mensch weiter wie bisher, wird laut IPCC (siehe Abbildung 1) im Jahre 2030 bereits ein Wert von 450ppm erreicht haben. Paradox ist, dass es eines der wichtigsten Bestandteile unseres Lebens ist. Kohlendioxyd ist Anfang und Ende aller Kohlenstoffprozesse dieser Erde, und damit die Brücke zwischen dem Anfang und dem Ende aller Nahrungsketten und vieler Stoffströme.

24.

Jean Robert Petit et al. (2008): „lmd_339.jpg“. taz Verlags- und Vertriebs GmbH (Hg.). Le Monde diplomatique Verlag. URL: http://www.monde-diplomatique.de/karten/jpg/lmd_339.jpg [Stand: 27. November 2010].

19

09 Vertretbare Co2 Kontingente in der

Zukunft, inkl. kalkulierter Co2 Handel (25)

Co2 steht am Anfang als Grundbaustein eines der wichtigsten biochemischen Prozesse, der Photosynthese. Sie wandelt Co2 in Kohlenwasserstoffverbindungen unter Abspaltung von Sauerstoff (O2) um, nutzt dabei die Energie der Sonne und speichert diese chemisch ein. Damit wird Co2 indirekt zum Träger von Energie, ist Rohstoff für die Bausteine von Pflanzen, kalkproduzierenden Tieren und am Ende einer der wichtigsten Bausteine unserer Werkstoffe der Konsumkultur und Energielieferant unserer Zivilisation in Form von Rohöl und Kohle. Auf Grundlage dieser Scenarios ist das Ziel für jeden für das Jahr 2050 – 2 Tonnen Co2/Jahr, wobei für die verschiedenen Länder unterschiedliche Handlungstaktiken entwickelt werden.

Eine langfristig stabile Absicherung der menschlichen Existenz und deren Zufriedenheit er-fordert einen gesteuerten Konsumwandel in den entwickelten Ländern (Change) und in den sich noch zu entwickelnden Ländern eine neue Konsumkultur, die nicht den westlichen Lebensstandard kopiert (Leapfrog). Das maßgebliche Jahr für die Erreichung eines „Turnarounds“ ist das Jahr 2050 in der globalen Entwicklung. Alle Simulationen und Strategien zielen darauf ab, bis zum Jahr 2050, also in 40 Jahren neue Mechanismen etabliert zu haben, die einen maßgeblich reduzierten Co2-Konsum zur Folge haben. Anhand der Scenario-Grafiken lassen sich die Folgen eines Misserfolgs abschätzen.

10 Auswirkungen der verschiedenen Szenari25. 26. Kassensturz für den Weltklimavertrag - der Budgetansatz. Sondergutachten (2009). Berlin: WBGU. barnes (2005): ccreport.update.indd. Online verfügbar unter http://www.grida.no/_res/site/file/publications/vital-climate_change_update.pdf, zuletzt aktualisiert am 02.02.2005, zuletzt geprüft am 26.10.2010.

en auf die Treibhausgasentwicklung (26)

20

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum 3.2.2 Der Kohlenstoffkreislauf

Es war wichtig, um die Interrelation des begrenzt flexiblen Kohlenstoffkreislaufes, zu dem auch das Co2 gehört, und den Einfluss des Menschen, in seinem Konsum und seiner Emissionen zu erkennen. Achtung: Hier wird Co2 in Kohlenstoffäquivalent gerechnet.

• • •

Dabei erzeugt der Mensch mehr als 5,5 GtC/Jahr auf Basis fossiler Brennstoffe und 1,6 GtC/Jahr aus Abholzungen und Brandrodungen. Das sind 7,1 anthropogen erzeugte Gt Kohlenstoff pro Jahr. Davon verbleiben jährlich 3,5 GtC in der Atmosphäre und verstärken den Klimaeffekt. 2 GtC/Jahr werden von den Ozeanen aufgenommen, wo es den pH Wert senkt. Während der Verbleib von 1,9GtC/Jahr bis heute noch nicht ganz geklärt ist. Man vermutet, dass sie jedes Jahr in Biomasse wie Pflanzen umgewandelt werden. Neben der Klimaerwärmung stellt zurzeit der Verlust der Biodiversität eine besondere Bedrohung dar. Im Umfeld der Ozeane hat Co2 einen entscheidenden negativen Einfluss auf diesen Effekt. (27)

27.

Graham; Collatz, Steve; Jim (2001): The Carbon Cycle : Feature Articles. NASA Earth Observatory. Online verfügbar unter http://earthobservatory.nasa.gov/Features/CarbonCycle/carbon_cycle4.php, zuletzt aktualisiert am 02.10.2001, zuletzt geprüft am 26.10.2010.

21

11 Co2 Kreislauf nach UNEP und NASA (28)

28.

UNEP/GRID-Arendal (2009): The Carbon cycle - Maps and Graphics at UNEP/GRID-Arendal. Online verfügbar unter http://maps.grida.no/go/graphic/the-carbon-cycle1, zuletzt geprüft am 20.11.2010.

22

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum
12 Verschiedene einzel-

lige Planktonarten (29)

As the lowest link on the marine food chain[…]plankton plays a crucial role in mitigating global warming. […] marine phytoplankton is declining across the oceans. Even Canadian cod fishermen are noticing that the plankton-feeding fish they catch are often nearly starving as a result of lack of this crucial food source. (30)“ Die ozeanische Biosphäre, vor allem das Phytoplankton im Allgemeinen und die Kalkalgen der Ozeane im Speziellen sind für einen Großteil der globalen Sauerstoffproduktion etwa 50%, und gleich-zeitig, da Kalk Kohlenstoff enthält, für eine Reduktion des Kohlenstoffgehalts aus dem Co2 Kreislauf verantwortlich da sie am Ende ihres Lebens auf Grund ihres hohen Gewichtes absinken. Resenhoeft schreibt, dass bisher jährlich laut WBGU „Etwa 10 Milliarden Tonnen“ Kohlenstoff „… über die biologische Pumpe in die Tiefsee exportiert (31)“ wird oder wurde. Diese Produktionsfähigkeit bricht zurzeit durch die Übersäuerung der Meere radikal ein, denn Säure ist Gift für Kalk. Eine Substitution durch kalkarme Planktonarten führt zu einer weiteren Sauerstoffabnahme des Meeres, da das Plankton nicht schnell genug absinkt und von Bakterien mit der Folge der neuerlichen Co2 Abgabe abgebaut wird. Sauerstoff wird im Meer knapper. Fische sterben aus oder wandern ab. Größere Lebe-wesen verlieren ihre Nahrungsgrundlage. Eine gleichzeitige intensive Fischerei schwächt das Ökosystem darüber hinaus. Der Mensch ist damit Verursacher an mehreren Stellen des Systems und gefährdet seine Existenz.

3.2.3 Verlust der Biodoversität: Der schnelle und intensive Anstieg des Co2-Anteils in der Luft und im Meer führt zu drama-tischen Störungen, die weit über den rein physikalischen Effekt der Erderwärmung, wie steigende Meeresspiegel, Stürme und Dürren hinaus führen. „A 2007 study published in the scientific journal “Nature” found that human-caused increase in CO2 pollution is altering the pH (acidity) levels in the oceans. This change in chemistry is expected to have adverse effects on the entire ecosystem. More acidic ocean water inhibits the ability of shell-forming marine organisms from plankton to mollusks to corals to form properly. Smaller and less healthy populations of plankton would be bad news for all the other creatures above it on the ocean’s food chain.

29. 30.

EarthTalk: Plankton in the oceans. Online verfügbar unter http://blastmagazine.com/2009/11/02/earthtalk-plankton-in-the-oceans/, zuletzt geprüft am 10.11.2010. EarthTalk: Plankton in the oceans. Online verfügbar unter http://blastmagazine.com/2009/11/02/earthtalk-plankton-in-the-oceans/, zuletzt geprüft am 10.11.2010. Thilo Resenhoeft (2009): „Sauerstoff wird knapper: Meere in Atemnot - n-tv.de“. URL: http://www.n-tv.de/wissen/Meere-in-Atemnot-article54384.html [Stand: 27. November 2010].

23

31.

13 Aktuelle Fördermengenentwicklung (32)

3.2.4 Ressourcenknappheit: Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass sich die natürlichen Speicher der biotisch fossilen Rohstoffe wie Erdöl und der abiotischen Rohstoffe wie Erze in absehbarer Zukunft leeren werden, sollte der Mensch keine Verhaltensalternativen entwickeln. Bereits heute scheint der so genannte Peak Oil mit immer noch gewaltigen gut 80 Millionen Barrel am Tag (1 Barrel Rohöl = 159,113159869818 Liter) (vgl.32) seit mehreren Jahren erreicht und ein Absinken in den kommenden Jahren wahrscheinlich, da keine neuen, großen Ölfelder gefunden wurden.

32.

TheOilDrumm.com (2010): 5030425137_dc570fe90d.jpg. Online verfügbar unter http://farm5.static.flickr.com/4147/5030425137_dc570fe90d.jpg, zuletzt aktualisiert am 27.09.2010, zuletzt geprüft am 25.10.2010.

24

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum

3.2.5 Entwicklung der Konsumeffizienz Im Gegensatz zum GHI und dem BIP gibt es in der physischen Welt einen viel engeren Zusammenhang aus Konsum und Emission. Wie Rosenkranz ausführt, sind „Haushalte […] also nicht nur Produzenten und Konsumenten, sondern auch Emittenten. Letzteres ist lange Zeit nicht richtig wahrgenommen worden. (33, S.198)“ und der Sachverhalt, dass der Mensch seinen Energiekonsum mit einem fossilen Rohstoff deckt, macht gleichzeitig jeden Energie-Konsumenten zum Produzenten und Emittenten von Kohlendioxid (Co2). Erst seit kurzem wird die Quantität des Konsums nicht mehr nur in der Menge des Angeschafften gemessen ,sondern viel mehr die Qualität durch die Menge des Abfalls, also des Produkts der Konsumphase, ausgedrückt und einem Nutzen oder Serviceversprechen gegenübergestellt. Der Erfolg der Effizienzsteigerung des Verbrauchs wird neues Wertesystem der Konsumgesellschaft. Für die Entwicklung von neuen Produkten, der objektiven Beurteilung der Nutzenqualität und zur ganzheitlichen Erfassung des Ressourceneinsatzes haben Gesellschaften wie das Wuppertal-Institut das MIPS oder FIPS System und die DIN die DIN ISO 14040 für ein ganzheitliches „Life Cycle Assessment“ (LCA) entwickelt. Sie helfen den Produktentwicklern von Konsumgütern, den Ressourceneinsatz zu optimieren.

ring verursacht 3 Tonnen giftigen Abraum (35)

15 Ein 3 Gramm Gold-

3.2.6 Die große Bilanz Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass wir in eine Phase der Bilanzierung unserer Stoffkreisläufe getreten sind. Die westliche Gesellschaft hat begonnen, sich über ihre Menge der Emissionen, dem daraus gewonnen Nutzen und einer Diskussion des teilweise unklaren aber potentiellen Schadens bewusst zu werden und zu definieren. Virtuelle Ressourcen-Fußabdrücke und -Rucksäcke sind neue Symbole für den Vergleich, des Ressourcenverbrauchs mit seinem Nutzen. Dabei werden auch vorher Co-lokalisierte Verbrauchsanteile wieder in den Konsumkreislauf eingegliedert, so dass der Verursacher auch die Folgen seines Handelns erkennen kann. Spannend an der Tabelle unten ist z.B., dass der Emissionsabdruck für Konsumprodukte wesentlich höher ausfällt, wenn die erzeugten Treibhausgase der Produktion in Asien und die sich anschließende Logistik miteingerechnet wird. Globalisierte Wertschöpfungsketten könnten sich in Zukunft dank der neuen Bilanzen weniger lohnen.

14 Konsumsegmente und ihr Co2
Einfluss inkl. Import, (34,S.10)

33. 34.

Rosenkranz, Doris et al. (2000): Konsum. Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven. Opladen: Leske + Budrich (= Lehrtexte Soziologie). Joshuah Stolaroff (2009): Products, Packaging and US Greenhouse Gas Emissions. Herausgegeben von Product Policy Institute. Online verfügbar unter http://www.productpolicy.org/ppi/attachments/PPI_Climate_Change_and_Products_White_Paper_September_2009.pdf, zuletzt aktualisiert am 18.09.2009, zuletzt geprüft am 04.12.2010. www.arup.bmp

25

35.

3.2.7 Stolperstein – Rebound Effekt (Jevons’ Paradox): Dabei hängt die Erzeugung von Reboundeffekten in der Konsumgesellschaft wie ein Damoklesschwert über dem Bestreben, mehr Ressourceneffizienz zu erzeugen. Die Geschichte zeigt, dass diese Strategie meist zu einem Absatzsprung führte und das Einsparpotential überkompensierte. Die Vision besteht nun darin die Ressourceneffizienz bei jedem Entwicklungszyklus so stark zu fokussieren, dass ein Reboundeffekt nicht mehr möglich ist. (vgl.37) Es wurde bisher nur selten ein Mittel, oder ein ethischer Kodex entwickelt, der diesen Effekt in der freien wettbewerblichen Wirtschaft verhindert.

Dampfmaschinenentwicklung (37)

16 Jevons’Pradox anhand der

36. 37.

Jevons’ Paradoxon – Wikipedia (2010). Online verfügbar unter http://de.wikipedia.org/wiki/Jevons%E2%80%99_Paradoxon, zuletzt aktualisiert am 10.03.2010, zuletzt geprüft am 26.10.2010. Jevons-the_coal_question.png (PNG-Grafik, 874x589 Pixel) (2009). Online verfügbar unter http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/9/98/Jevons-the_coal_question.png, zuletzt aktualisiert am 08.08.2009, zuletzt geprüft am 26.10.2010.

26

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum

3.2.8 Kreislaufbewusstsein und Konsumeffektivität Herr Braungart vertritt aus diesem Grund die Gegenmeinung, dass Effizienzsteigerung nicht alleine zielführend ist, da der Einzeleffekt zwar logischer erscheint, die Vernetzung der heutigen Belohnungssysteme aber keine andere Möglichkeit offen lassen. Eine Übereffizienz führt außerdem so Braungart nicht zwingend zu einem besseren Konsumerlebnis oder einem guten Produkt an sich. „>>Weniger schlecht<<ist nicht gut (38,S.67 )“, es ist nur weniger schädlich so Braungart. Der Weg der Effizienz alleine kann nur ein mittlerer aber kein langfristiger Weg sein. Systeme müssen für den zu erzielenden Nutzen meist vollkommen neu geplant werden, denn es ist ein Malus, dass sich heute die menschlichen Abfälle meist nur weiter entwerten oder nur unter hohem Energieaufwand wieder einem neuen Nutzen zuführen lassen. Der dafür notwendige Energieaufwand würde im Vergleich nie den neuen, zu erwartenden Nutzen rechtfertigen, weshalb zu bestehenden Alternativen gegriffen wird. Damit werden die erzeugten Emissionen zu Abfall. Ähnlich fossiler Ablagerungen weisen unsere Abfälle dann oft eine Verweildauer auf, die um ein Vielfaches höher liegt als ihre Nutzungsdauer. 3.2.9 Konsumkreislauf – das Ende der Wertschöpfungskette Wir leben in einer stofflich finiten Welt. Die Erde hat ein, heute beschreibbares, finites stoffliches Ressourcenkontingent und eine jährliche biosphärische und technosphärische Transformationskapazität, um zum Beispiel Co2 zu binden oder in Biomasse zu verwandeln. Dafür ist Energie notwendig.

Vor dem Hintergrund der komplexen, allgegenwärtigen zyklischen Prozesse ist es ein faszinierendes Phänomen, dass der industrialisierte Mensch es sich einfach gemacht hat und einen Systemraum für seine technosphärische Güterwelt erschuf, in dessen Inneren kein zyklischer Prozess sondern eine Wertschöpfungs- und damit Stoffströmungskette zu sehen ist, obwohl das synthetische Endprodukt nach seinem Konsum keine Schnittstelle zur Biosphäre aufzeigt. Es existierte ein klarer Rohstoff-Einlass und ein Werkstoff-Auslass, die nicht miteinander in Verbindung zu stehen schienen. Da die Rückführung oder die Vorbereitung für eine neue Entstehungsphase nicht wertschöpfend im Sinne von direkter Profiterzeugung ist oder war, wurde dieser Bereich künstlich außerhalb der Systemgrenzen positioniert. Die Rückführung lag lange Zeit außerhalb des Systemraums und wurde z.B. lax der Natur überlassen. Resultat ist heute ein Konsumsystem, das der Globosphäre mehr Energie entzieht, die Entropie erhöht und den Menschen und die Biossphäre darüber hinaus gleichzeitig durch eine Klimaveränderung in Gefahr bringt. Erst die Globalisierung, die Demokratisierung aller Beteiligten und die Fähigkeit komplexe Gesamtsysteme zu überschauen, zu messen und für die Zukunft zu simulieren, macht den Trugschluss durch gesellschaftliche Schieflagen langsam sichtbar. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise, Rohstoffverknappung und einer steigenden Förderungskomplexität ändert sich die alte Sichtweise. Es ist aktuell absehbar, dass die alten Speicher teurer

38.

Braungart, Michael/MacDonough, William (2003): Einfach intelligent produzieren. Cradle to cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können. Berlin: Berliner Taschenbuch-Verl. (= Gebrauchsanweisungen für das 21. Jahrhundert).

27

17 GValue Chain Diagramm aus PAS-2050 (39)

werden und die Kosten für Aus-wirkungen unserer Altlasten in so genannten Endlagern und –Lösungen in Zukunft immer häufiger mit Preisschildern versehen werden. Die Wertschöpfungsketten-Gesellschaft kommt an ihre Grenzen und allein aus eigenem Selbsterhalt wird sie schmerzlich dazu gezwungen, die globalen, unvermeidlichen Migrationsprozesse der menschlichen Technosphäre in die Biosphäre zu akzeptieren und zu verantworten. Der Beginn des Denkens in immerwährenden komplexen Netzwerken von Zyklen hat begonnen. Dennoch fällt es dem Menschen schwer, ein neues Denkmodell zu entwickeln, welches das Gesamtsystem nicht nur im Blick hat, sondern sich darin integrieren lässt. Dem Cradle2Cradle Ansatz, der bereits eine Kreislaufwirtschaft thematisiert, fehlen aus Sicht des Verfassers dieser Arbeit noch einige konkrete Handlungsempfehlungen. Dies ist vor allem dem Umstand zuzuschreiben, dass das endgültige System noch nicht entwickelt ist und an vielen Stellen, sowohl in der Produktgestaltung als auch in der Produktion und den Recyclingabläufen Verknüpfungsbewegungen stattfinden müssen. Der Wunschtraum besteht, einen Stoffkreislauf zu realisieren, der zum einen kompatibel zur Biosphäre wäre, oder keine negativen Auswirkungen erzeugt, aber gleichzeitig so augenscheinlich komfortabel wäre, wie es uns die Natur vorgaukelt. Die Biosphäre zum Vorbild zu nehmen, ist verlockend, hat sie doch für sich einen fast stabilen kontinuierlichen Kreislauf der Stoffströme entwickelt. Restmüll wird kaum produziert. Frei nach Braungart sind die natürlichen Abfälle kein Abfall sondern Nährstoff. Ausscheidungen von Lebewesen oder eine Pflanze, die stirbt, ist Nahrung

für Folgende (vgl. S.106, Braungart (2003) ). Es stellt sich weder eine Verantwortungs- noch eine Verursacherfrage. Es ist ein ständiges komplexes Ineinandergreifen, von mehr und weniger komplexen Lebensformen und Staatengemeinschaften. In ihrem großen Ganzen ergibt sich ein Kreislauf, der mit wenigen Elementen nur modellhaft beschrieben werden kann. Die Biosphäre ist vom konstanten Wechsel und Übergang der Zustände „Entstehen“ und „Vergehen“ geprägt.

Energiekreislauf der Globosphäre

18 Stoff- und

39. 40.

Crown (Hg.) (2008): „Guide to PAS 2050“. URL: http://www.bsigroup.com/upload/Standards%20&%20Publications/Energy/PAS2050-Guide.pdf [Stand: 29. November 2010]. Braungart, Michael/MacDonough, William (2003): Einfach intelligent produzieren. Cradle to cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können. Berlin: Berliner Taschenbuch-Verl. (= Gebrauchsanweisungen für das 21. Jahrhundert).

28

3

Status Quo - 2010 3.2 Konsum 3.2.9 Konsumkreislauf
(41)

Recyclingmangel - Peak Trash In der Technosphäre bauen sich nur langsam konsistente Stoff-Kreislaufprozesse und die daran gekoppelten Wertschöpfungs-Kreislaufprozesse auf. Der scheinbar einfache Automatismus der Natur mit seinem vielfach unsichtbaren, ineinander greifen der Nutznießer muss sich in der Technosphäre aber offensichtlich erst noch ausbilden. Dabei befinden wir uns bereits seit einiger Zeit auf dem

Weg hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Wir, damit sind nur einige Staaten oder Kommunen dieser Welt gemeint. Deutschland steht mit seinem Recyclinganteil relativ gut da. Die eingeführten Systeme verwandeln einen Großteil des anfallenden Abfalls in Brennstoff oder neue Wertstoffe. Aber nur einige wenige Staaten sind bereits auf einem

29

41.

landfill-761447.jpg (2010). Online verfügbar unter http://www.conorclarke.net/uploaded_images/landfill-761447.jpg, zuletzt aktualisiert am 23.06.2010, zuletzt geprüft am 24.10.2010.

hohen Niveau und auch das Niveau Deutschlands reicht nicht aus, um wirklich von einer Kreislaufwirtschaft zu sprechen und um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Urban Mining: Recycling als neue Wertschöpfungskette Und auch bei uns liegen für die Zukunft große Mengen an Rohstoffen in den Deponien unsere Vergangenheit. In den Deutschen Deponien lagern: • 26 Mio. Tonnen Eisenschrott • 850 000 Tonnen Kupferschrott • 500 000 Tonnen Aluminiumschrott

3.2.10 System fremde Energie für einen nachhaltigen Konsum Es fehlt weiterhin ein schlüssiges entscheidendes Prinzip für den Kreislauf. Die Frage nach der Nutzbarmachung einer global systemisch-externen Energiequelle für die Energie, die wegen der Transformationsverluste konstant dem System zugeführt werden muss ist nicht beantwortet. Dabei gibt es nur wenige Energieursprungsorte, die als eine neue Systemenergie-Quelle gelten dürfen. Dazu gehören die planetarische Gravitation, elektromagnetische extraterrestrische Strahlung z.B. durch die Sonne, Geothermik und –Kinetik (43). Mit Ausnahme der geothermalen Energie bildet heute die Grenze zwischen Atmosphäre und Weltraum die Systemgrenze.

(42)

stoff zu Nutzen Zyklus

19 Vereinfachter Wert-

42. 43.

apeal (2008): 2008_Recycling _of _Main_Packaging _Materials_in_Europe___UK___UPDATED_10_06_22.jpg . Online verfügbar unter http:// www.apeal.org/uploads/images/2008_Recycling _of _Main_Packaging _Materials_in_Europe___UK___UPDATED_10_06_22.jpg, Prof. Dr. Wolgang Sachs et al. (2009): Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt: ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte. Originalausg., 3. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl.

30

4

Entwicklungsansätze für Low Carbon Konsum Produkte 2030: 4.1 Technologische Innovationen

Herr Prof. Messner vom WBGU schlägt ein Handeln auf drei Gebieten vor. Damit ist er der Meinung, dass zu jeweils einem Drittel die Ziele der Reduktion um einen Faktor 5 für Europa gewährleistet werden können. • Technologisch • Produktwelt • Verhalten

4.1.1 Kosten/Nutzen: Welche Anwendungsfelder sind relevant? Es existiert eine Fülle von theoretischen Möglichkeiten, wie die Welt ressourceneffizienter eine Antwort auf die Co2 Problematik bietet. Zeit und Geld müssen gezielt eingesetzt werden, um sowohl die notwendigen Investitionen zu sichern aber auch im Hinblick darauf, dass neue Technologien und Konsumgewohnheiten Zeit benötigen, vor dem Hintergrund, dass eine Entwicklung mit dem Ziel in 2050 heute bereits ihren Ursprung finden muss.

Klimagasreduktionsmassnahmen (44)

20

Kosten Nutzen Darstellung aller

44.

Large GHG Abatement Cost Curve.jpg (JPEG-Grafik, 1160x794 Pixel) (2009). Online verfügbar unter http://earthtrends.wri.org/images/Large%20GHG%20Abatement%20Cost%20Curve.jpg, zuletzt aktualisiert am 04.06.2009, zuletzt geprüft am 24.10.2010.

31

4.1.2 Co2 als Rohstoffquelle der Zukunft Die Erzeugung von Co2 steht im heutigen Verständnis der Wertschöpfungskette am Ende des anthropologischen Konsumpfades. Co2 kann anschließend nur von der Natur durch die Zuhilfenahme von Umweltenergie z.B. der Sonne wieder zu anderen Kohlenstoffverbindungen aufgebaut werden (z.B. Zellulose). 4.1.3 Synthetische Kohlenstoff-Werkstoffe der Zukunft Heute wird Co2 als Abfallprodukt und Gefahr für das Klima betrachtet. Dabei werden bereits heute komplexe Kohlenstoffverbindungen zur Herstellung von Rohstoffen verwendet. Monomere und Polymere werden dabei heute aus Erdöl, tierischen oder pflanzlichen Ölen gewonnen und den verschiedenen Bereichen der Chemieindustrie zugeführt. Die Vision besteht nun darin, mit Hilfe von Katalysatoren Kohlenstoffverbindungen aus Co2 zu erzeugen und damit im Sinne von Braungarts Zyklus Ansatz, Abfall zu Wertstoff der Technosphäre werden zu lassen. Erdöl basierte Kunststoffe haben einen negativen Touch, da sie auf nicht nachwachsenden Rohstoffen beruhen und der Globosphäre am Ende ihres Lebens das gebundene Co2 hinzufügen. Pflanzliche Kunststoffe beziehen ihre Kohlenstoffe aus dem Naturkreislauf und haben deshalb den Ruf, umweltschonend zu sein. Hier gilt aber genau zu unterscheiden, wie groß die Ressourcenrucksäcke für der Produktion der Rohstoffe sind.

Bio-Abbaubarkeit von Werkstoffen: Bio-Abbaubarkeit von Werkstoffen ist ebenfalls ein zwiespältiges Thema. Durch den Zerfall des Werkstoffes kann am Ende der sinnvollen Nutzungsphase die Verantwortung der Entsorgung oder des Abbaus der Natur überlassen werden. Wenn dabei keine schädlichen Abbauprodukte entstehen, kann dadurch ein einfaches „End of Life“ Konzept entstehen. Jedoch ist zur Erzeugung eines Werkstoffs meist eine Ressourceninvestition notwendig, die im Fall des biologischen Abbaus entwertet wird. Auch eine Teil-(rück)-gewinnung der gespeicherten Energie ist nicht möglich. Die Kohlenstoffverbindungen werden im Erdreich als Feststoff gespeichert. Der Atmosphäre wird Co2 entzogen. Es stellt eine große Herausforderung dar, Bio-Abbaubarkeit so zu gestalten, dass Langzeit-produkte nicht frühzeitig abbauen und damit Ihre Gebrauchbarkeit verlieren. Ähnlich wie Naturbaustoffe und Eisen müssen diese Werkstoffe gegen Feuchtigkeit und Mikroben oder im Falle von Metallen elektrochemischen Vorgängen geschützt oder überdimensioniert werden. Dies steht einer radikalen Ressourceneffizienz entgegen. In den letzten Jahren haben sich Beratungsformen herausgebildet, die die verschiedenen Einsätze und Stoffe und Energieströme zu einem komplexen Gesamtsystem verbinden helfen und so eine nachhaltige Lebensführung in der aufkommenden kritischen Phase ermöglichen.

32

4

Entwicklungsansätze für LC Konsum Produkte 2030: 4.2 Produktgestaltungsansätze

4.2.1 Vorüberlegungen - Kurswechsel vs. Kurskorrektur / Radikale vs. Inkrementelle Innovation Das Wuppertalinstitut ruft zu einem breiten Kurswechsel auf, und spricht von einer reinen Optimierungsstrategie der Industrie. Mentalitäten der radikalen und inkrementellen Innovation treffen hier aufeinander. Vor dem Hintergrund des Aufrufes nach Richtungswechseln werden skeptische Aussagen laut, dass eine besonders effiziente falsche Methode immer schlechter ist, als eine am Anfang ineffiziente aber richtige Methode, siehe Braungart. Doch wie radikal soll man Neues denken und wie sich entscheiden, damit das radikal Neue nicht auch wieder zu noch nicht abschätzbaren Langzeitschäden führt? Die Konsumwelt, die auf effizienten, zentralistisch orientierten Großsystemen der Industrialisierung fußt, befindet sich an einer Grenze, während neue Systeme noch nicht zeigen konnten, dass sie die Lösung für das Problem liefern können. Dabei geht es um die Macht des Konsumenten auf der einen Seite und die unvorstellbaren Mengen an Stoffströmen der globalen Systeme und der damit verbunden Investitionskosten. Sollten Paradigmenwechsel angestrebt werden, so müssen alle Risiken einer Fehlprognose vermieden werden. Ein Verlust der letzten Chance könnte die Folge sein und ein Konsumsystem erzeugen, das im Mittel negativere Auswirkungen auf die Faktoren hätte. Zwei Lager treffen aufeinander mit einem Ziel aber unterschiedlichen Ansichten wie dieses Ziel zu erreichen ist.

Welche Wege sind zu bereiten, um die Ziele im Jahre 2030 und 2050 zu erreichen? Des Weiteren spricht das Wuppertalinstitut von einem Versagen der aktuellen Nachhaltigkeitsdefinition im Triangel aus • • • Sozial Umwelt Ökonomie

Dabei zeigt das Wuppertalinstitut vor allem eins sehr deutlich im Umfeld aus „Enoughness“, Zufriedenheit oder Suffizienz im Gegensatz zum aktuellen Zwang der jährlichen Steigerung des Brutto Inland Produkts (BIP). Dieses erfolgt aktuell noch viel zu stark auf Kosten eines nicht in Kreisläufen funktionierenden Ressourceneinsatzes. Dadurch gibt es einen großen Handlungsspielraum, der nicht zwangsläufig zu einer globalen Depression führt. Dabei müssen mehrere Bereiche motiviert bleiben und negative Effekte vermieden werden. Ein zu schnell eintretender Konsumverzicht würde zu einer Minimierung der globalen BIPs führen und damit wieder eine Krise heraufbeschwören, deren Kompensationsanstrengungen durch die Wirtschaft mit klassischen Methoden zu Rückschritten in den umweltschonenden Konsumenten führen kann. Es müssen vielmehr neue Konsumenten und –verhalten strategisch entwickelt werden, die das Weltsystem hin zu einem heute noch fast unsichtbaren oder unklaren Nachhaltigkeits-Paradigma transformiert. Die dritte industrielle Revolution spricht von einem Übergang aus einer linearen Ressourceneffizienzstrategie

33

te von Walking Chair (45)

21 PET-Flaschen Leuch-

hin zu einer sich progressiv entwickelnden Ressourceneffizienzstrategie, um den erkennbaren globalen Umweltentwicklungen Einhalt gebieten zu können. 4.2.2 Ressourceneffizienz Es existiert eine ganze Fülle von mehr oder weniger mathematischen Ansätzen die Ressourceneffizienz und den Grad der Nachhaltigkeit in dessen Dimensionen (Sozial, Ökologisch, Ökonomisch) zu bestimmen und zu optimieren. • Life Cycle Assessment LCA BS EN ISO 14040 und EN ISO 14000 PAS 2050 PCF • Radikale Dematerialisierung • Faktor 4, 5, 10 gleich X • MIPS / FIPS • • •

seiner Gesamtheit viel wertvoller erscheinen als das reine Produkt. Diese „Aura“ kommuniziert sich heute in Ansätzen, Bsp. MANUFACTUM oder Kaffee-Produkte, die den Wert eines Produktes durch eine Geschichte seiner Herkunft mitanreichern und dadurch höhere Preise erzielen. Jedoch zielen diese noch nicht so sehr auf eine Betrachtung der Biosphäre ab. Diese „Aura“ kommuniziert sich heute in Ansätzen, Bsp. MANUFACTUM oder Kaffee-Produkte, die den Wert eines Produktes durch eine Geschichte seiner Herkunft mitanreichern und dadurch höhere Preise erzielen. Jedoch zielen diese noch nicht so sehr auf eine Betrachtung der Biosphäre ab. 4.2.4Neubewertung der Werkstoffwahl Bio-basierte Chemie ist aktuell ein starker Trend in der Konsumbranche. Auf fast jeder Seite steht zu lesen, dass der Kauf eines neuen Produktes hilft, Erdöl einzusparen. Aber nicht jeder Einsatz eines neuen Werkstoffs und die Vermeidung eines alten vermeintlich schädlichen unbedingt am Ende besser. Marketing und Konsumentensteuerung führen zu informativen Schieflagen. Vermeintlich neue, bessere Lösungen sehen meist deshalb besser aus, da die schädlichen Aspekte in einen nicht betrachteten Bereich verlagert werden. Zu diesem Thema gibt es unterschiedlichste Meinungen. Und die Materialwahl muss vorbehaltlos neutral auf das Problem und nicht auf eine Mode zugeschnitten sein.

4.2.3 Materialauthentizität und -kultur Der Wert eines Konsumgutes wird auf Basis verschiedener Faktoren gebildet. Der Produktwert spiegelt aber sehr wenig den Umwelteinfluss wieder. Dabei kann der Umwelteinfluss sowohl negativ besetzt sein, also „ es wurden Bäume gerodet und Tiere vertrieben, um diesen Stuhl aus Holz zu fertigen“. Es kann aber auch zu einem neuen Bewusstsein der Wertigkeit von Produkten und einer neuen Wertschätzung einer Welt mit Ressourcengrenzen führen. Ein Stuhl aus Holz, der in einem vergangenheitsbezogenen Herkunftskontext also auch einem zukunftsbezogenen Nutzungs- und Vergänglichkeitskontext steht, kann in

45.

walking chair (Hg.) (2009): „122.1.ma,pet-lampe.jpg (JPEG-Grafik, 1024x683 Pixel)“. URL: http://www.schau.co.at/aduploads/122.1.ma,pet-lampe.jpg [Stand: 06. Dezember 2010].

34

5

Ideengenerierung und -bewertung

35

5.1 Brainstorming Begleitet von und Basis der Umfeldrecherche mit dem Ziele und Einflussfaktoren hin zu einem ressourceneffizienten Konsum in der Zukunft, entstand eine Fülle von Einzelideen, die mit vier Hauptthemenfeldern geclustert wurden. Es folgte eine weitere Vertiefung, um die Potentiale der Clusterbereiche besser einzuschätzen und vor dem Hintergrund der Status Quo Recherche besser bewerten zu können.

36

5

Ideengenerierung und -bewertung 5.2 Evaluation ausgewählter Ideen:

5.2.1 Ansatz 01: Smart Metering 2.0 / Total Resource Accounting “Someone who does not think about the climate impact of the way they live would be responsible for emissions of about 38 kg of CO2 for a day like this. Yet somebody who thought hard could enjoy virtually the same level of comfort for a much more modest CO2 burden of 14 kg. Often that is all it takes – a conscious effort to think about the impact we are having. (vgl. 49)” Heute: Wir sind gewohnt, jeden Tag mit unserer Zeit und unserem Geld zu wirtschaften. Jeder Mensch hat jeden Tag 24 Stunden und die meisten Menschen verdienen nur ein limitiertes Maß an Geld als Gegenwert für einen Invest an Zeit und Arbeitsleistung. Auch wenn beide Faktoren nicht direkt von einem Sinnesorgan erfasst werden können, hat der Mensch ein Gefühl für Zeit und Geld. Ebenso ist ein gefühlter Mangel erlebbar. Das Haushalten mit der knappen Ressource erfolgt dabei mehr intuitiv und nicht rein logisch. Im Gegensatz dazu ist der Ressourcenverbrauch wie z.B.

Wasser und Energie und die Frage wie groß der Fußabdruck das Leben eines Individuums zurzeit und in Zukunft erzeugen wird, noch nicht auf gleicher Ebene angesiedelt. Der Mensch hat bisher nur ein diffuses Gefühl, dass er Ressourcen konsumiert. Er fühlt nicht den Mangel. Ebenso wenig ist der westliche Überfluss nicht als Reichtum erlebbar. Noch weniger, dass der Europäer mit ca. 8 Tonnen Co2 pro Jahr mehr als das Vierfache dessen verbraucht, als es ihm im Durchschnitt zusteht. Die kontrollierte Erreichung der 2 Tonnen Co2 pro Person und Jahr sowie das Gefühl von Ressourcenluxus respektive –mangel wird heute erst in Anfängen mit neuen Produkt-gattungen erzeugt. Smart Metering, ist ein erstes Feld bestehend aus neuen Produkten und Software Tools und weiteren Dienstleistungen durch die Energieversorger. Smart Metering wird zu einer neuen Form des Konsumerlebnisses. Smart metering ist aber nur der Anfang. „Personal Ressource Management“ wird physikalische Ressourcen wie Geld, Energie, Wasser mit dyamischen Grössen wie Zeit

46. 47. 48.

Pressebild_Smart+Metering _Kaffeemaschine.jpg (JPEG-Grafik, 5234x3476 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://www04.abb.com/global/seitp/seitp202.nsf/0/7e6f2ddbbf810167c125770500346027/$file/Pressebild_Smart+Metering _Kaffeemaschine.jpg, Pressebild_Smart+Metering _Kaffeemaschine.jpg (JPEG-Grafik, 5234x3476 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://www04.abb.com/global/seitp/seitp202.nsf/0/7e6f2ddbbf810167c125770500346027/$file/Pressebild_Smart+Metering _Kaffeemaschine.jpg, ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (Hg.) (2010): ZVEI_Gewissenhafte_Display _Wohnzimmer.jpg (JPEG-Grafik, 2161x1318 Pixel). Online verfügbar unter http://www.pro-smart-metering.de/uploads/media/ZVEI_Gewissenhafte_Display _Wohnzimmer.jpg, zuletzt aktualisiert am 09.04.2010, zuletzt geprüft am 20.11.2010. (2008). Online verfügbar unter http://www.grida.no/_res/site/file/publications/kick-the-habit/kick_ full_lr.pdf, zuletzt aktualisiert am 21.05.2008, zuletzt geprüft am 26.10.2010.

37

49.

22 Mobile Monitoring und Steurungssoftware (46) 23 Durchdringungsgrad Smart Metering der kommenden Jahre (47) 24 Beispiel einer Smart Metering Auswertung(48) 25 Anzeigedisplay des „wattchers“ designed von Marcel Wanders(50)

und Lebensqualität und Sozialität vergleichen. Wie kann der Nutzen eines Menschen und der seines Konsums gemessen und langfristig koordiniert werden, ohne dass der Mensch dabei frustriert wird? Es wird neue Ergänzungsprodukte geben, die Konsum und Produktion im Privaten verschmelzen lassen. UrbanMining und -Farming zusammen mit Energy Harvesting werden mit Dienstleistungen wie Energy Banking und Versicherungen verschmolzen. Wenn ich 2030 in den Urlaub fahren möchte, muss ich mir das in Zukunft nicht nur finanziell sondern auch energetisch leisten können. Das muss langfristig geplant sein. Das E-Bay oder amazon der Zukunft könnte noch ganz anders aussehen. Das Ziel besteht darin, im Jahr 2050 einen Jahreskonsum von 2tCo2 pro Person zu erzielen. Dies ist nur durch extrem komplexe Verhaltensweisen zu gewährleisten, möchten wir den Wohlstand gleichzeitig aufrechterhalten. Ableitungen der nahen Zukunft: Kurzfristig werden eine ganze Reihe mehr oder weniger einfach zu installierende Energiesensoren auf den Markt kommen, die uns unseren Energiekonsum das erste Mal vor Augen führen. Sensor-Clips (E-Beans), die um das Kabel eines Elektrogerätes gelegt wird funktionieren induktiv und geben optisch durch blinken oder leuchten eine Anzeige und ein Gefühl darüber, dass und wie viel Strom fließt. Mit einer Kopplung mit in den Produkten hinterlegten Energie- oder Ressourcenrucksäcken, die dann unserem Kontostand hinzuaddiert werden können, können wir in den kommenden Jahren mehr und mehr ein vollständiges

Bild von unserer Energiebilanz erhalten. Vergleichbar mit einer Inventur lassen sich erst von diesem Punkt aus für jedes Individuum Lebens- und Ressourcenstrategien entwickeln. Energie und / oder das Co2- Kontingent wird vielleicht für jeden, ähnlich wie die Zeit am Tag, endlich sein. Vorteile werden die haben, die die Ressourcen clever zu nutzen wissen. Hardware: Messfühler, Anzeige Software: Statistik Services: • Holistisches Ressourcen Management 2030 – 2t Co2/ person • Ebay - Co2 • Rucksack-Managementsystem • Produktionsphase • Nutzungsphase • Internet of Things • Smart Metering 2.0 • Reduktion • Kompensationshandlungen • Globaler Co2 Handel • Entkopplung von Konsum und Ressourceneinsatz Zu diesem Zweck sind neue Produkte und Dienstleistungen notwendig, die über die zurzeit aufkommenden „SmartMetering“ Produkte weit hinausgehen.

50.

Wattcher.jpg (JPEG-Grafik, 1764x1263 Pixel) (2009). Online verfügbar unter http://www.klimaatstraatfeest.nl/art/uploads/Wattcher.jpg, zuletzt aktualisiert am 16.11.2009, zuletzt geprüft am 23.10.2010.

38

5

Ideengenerierung und -bewertung 5.2. Evaluation ausgewählter Ideen:

5.2.2 Ansatz 02: Konsumstrategiesimulation Ist – Stand: Ein ressourceneffizientes Verhalten ist sehr komplex. Neue Verhaltensweisen müssen nicht nur gelernt, sondern auch entwickelt werden. Dabei handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedenster Einzelfaktoren. Nur ein Teilbereich lässt sich wirklich verallgemeinern. Lokale und persönliche Einflüsse bestimmen ein strategisches Handlungskonzept. Idee: Die Vorab-Simulation und -Evaluierung würde helfen Szenarios durchzuspielen und für jede Person eine Ressourcendiät zu entwickeln. Auf Basis von Plan- und Strategiespielen könnten Bürger ihre Handlungsideen ausprobieren und bewerten lassen. Eine Art Second Life Modell könnte entstehen, das physische Einflussfaktoren in Datenbanken abgelegt hat, um damit zu helfen verschiedene Optionsräume zu evaluieren und zukunftsgerichtetes Konsumverhalten zu schulen. Vielleicht bestünde die Möglichkeit, bestehende Spielkonzepte und Architekturen zu modifizieren und daraus eine Ressourcensimulation abzuleiten. • • • CRYTEC Die SIMS Ressourcen Tycoon

Ebene ein zukünftiger Optionsraum. Produktdesign kann an dieser Stelle keinen innovativen Sprung bewirken (Produkt-Innovationspotential GERING).

Recherche – Status Quo: Verschiedene Organisationen und Kommunen haben bereits einfache Online- oder Brettspiele entwickelt. Dieses wäre eine weitere komplexe Entwicklung eines Simulationsmodells. Fazit: Es gibt bereits diverse Brettspiele und Simulationen. Eine tiefere Entwicklung ist vor allem auf virtueller

5.2.3 Ansatz 03: Designed for Recycling Bereits auf der Expo 2000 in Hannover im Dualen System Pavillion wurde ein voll- automatischer Stofftrennungsprozess gezeigt. Unsere Vorstellung von Recyclingprozessen sind bis heute geprägt von: Müllverbrennungsanlagen, Mülldeponien und chaotisch anmutenden händischen Prozessen in den Entwicklungsländern. In der ersten Welt gibt es mehrere reale Ansätze, die in Zukunft ein Recycling ermöglichen. Diese sind meist mechanische, maschinelle Prozesse, die eine Kaskade verschiedener physikalischer Effekte nutzt, um die Wertstoffe voneinander zu trennen. Damit diese Prozesse effizient erfolgen können, müssen diese Verfahren bekannt und in der Produktgestaltung oder Konstruktion so gestaltet werden, dass ein maschinelles Recycling effizient möglich ist. Waren bisher nur fertigungsgerechte Gestaltung gefragt entsteht, nun ein weiterer Bereich der Recycling gerechten Gestaltung Energetische Verwertung und Pyrolyse: Stofftrennung, dass keine Gifte oder wertvollen Metalle den Prozess belasten. Einsatz von Werkstoffen, die ein Recycling ermöglichen: Aluminium, Stahl, Kunststoffe. Fazit: Dabei fehlt es an dieser Stelle an einem konkreten Problem, um diesen Weg weiterzuverfolgen.

39

5.2.4 Ansatz 04: Produkte des Klimawandels Mit vermehrtem Auftreten akuter Auswirkungen des Klimawandels (z.B. vermehrte Katastrophen), sowie globaler Neu-Verknüpfungen von bekannten Bedürfnissen mit anderen Kulturkreisen, entsteht ein Bedarf an neuen Lösungen. Als Folge entstehen neue Märkte und Produkte. Es wird zu großen Transferleistungen von bereits etablierten und neuen Lösungsansätzen in neue lokale Räume kommen. Die globale Vernetzung hilft, diese Transferleistung zu voll-ziehen. Dabei kommt es aber auch zu einem Konsumschub, da altes nicht mehr für die neuen Bedürfnisse Passendes entsorgt und Neues angeschafft werden muss. Fazit: Dieser Punkt wurde nicht weiterverfolgt, die Erkenntnis beschreibt kein konkretes Problem. Ein konkretes Beispiel-Problem, dass sich lösen ließe, hätte in dem Zusammenhang für die Erkenntnis keinen konkreten Mehrwert geliefert. Viel mehr reifte die Erkenntnis, dass die Gefahr, dass die Spekulation auf ein vermehrtes Auftreten von Krisen, als strategischer Konsummotor herangezogen werden könnte. Der Schaden der Menschen und Umwelt wird zum Nutzen der Konsumindustrie. Dies würde im Extremfall ein Handlungsszenario zur Folge haben, dass Symptome als Markt definiert, dessen Ursachen nicht bekämpft werden.

26 SFlutkatastrophen werden in Zukunft immer häufiger auftreten (51)

51.

sofia_ flood_storm_03.jpg (JPEG-Grafik, 640x480 Pixel). Online verfügbar unter http://lh4.ggpht.com/abramsv/SI64DD0xfvI/AAAAAAAAXvs/25_KVwB4oeA/s640/sofia_ flood_storm_03.jpg, zuletzt geprüft am 26.10.2010.

40

5

Ideengenerierung und -bewertung 5.2. Evaluation ausgewählter Ideen:

5.2.5 Ansatz 05: Optimierung eines Konsumgutes nach dem Faktor X Prinzip, whole system design Darstellung der Innovations-Leistungsfähigkeit der Ressourceneffizienz orientierten „Whole System Design“ und „Life Cycle Assessment“ Methodik am Beispiel eines heute kritischen Konsumgutes. Wäschetrockner, Kühlschränke und andere Konsumgüter des täglichen Lebens benutzen wir jeden Tag oder mindestens einmal die Woche. Jeder hat sie mindestens einmal im Haus. Damit rutschen sie schnell in den Fokus der Ökooptimierung. Bei der Recherche ergab sich, dass nur die großen Energiefresser im Haushalt, dazu gehören unter anderem der Kühlschrank, die Waschmaschine und der Wäschetrockner, wahre Energiefresser über die Laufzeit darstellen. Dabei geht die Optimierung des Produktes bei einer Gesamtsystembetrachtung weit über das eigentliche Produkt hinaus und fragt nach dem zu lösenden Problem und ggf. auch nach der Ursache für das Problem. Dabei ist der Ansatz generell nicht neu, da systembasierte Produktentwicklung mit Prozess und Handlungsbetrachtung und GAP Analysen zum Handwerkszeug unter anderem beim Design-Thinking, Goal-Directed-Design, dem Service Design und vielen anderen Innovations- orientierten Sparten der Entwicklungsdienstleistung der Fall ist. Dabei herrscht beim Factor -X- Ansatz aber besonderer Augenmerk nicht nur auf Desireable, Feasible und Viable sondern auf einem vierten Faktor: „Ressourcen- Effizienz“. Eine Optimierung des Produktes oder eine Substitution

des alten Produktes durch eine ressourcenschonendere Handlung oder Dienstleistung wird hier in den kommenden Jahren weitere Optimierungen bringen und signifikante Einsparungen erzeugen. Licht kann einfach durch alternative Leuchtmittel effizienter werden. Kleingeräte müssen vor allem in der Konsumfrequenz reduziert werden. Ihr Gebrauch an sich ist im Klimagesichtspunkt kein großer Schaden in der Gesamtbilanz. Falsche Ressourcenstrategie bei „Fast Moving Consumer Goods“ dabei sind gerade Transportbehälter für den Einkauf ein wichtiges Diskussionsfeld. Wie oft muss etwas vom Lebensmittelmarkt transportiert werden, und mit welcher Strategie lässt sich dies möglichst ressourceneffizient realisieren? Wie lange (ausgedrückt in Jahren des Eigentums und effektive Nutzungsdauer in Minuten) könnte ein und dasselbe Tragewerkzeug nutzbar bleiben und welche Konsequenzen hätte dies auf seine Gestaltung und auf sein Umfeld? Papiertüte, Kunststoffbeutel (aus PE oder Bio-Kunststoff ) oder Jutesack? Alles je nach Gesichtspunkt ressourceneffiziente Lösungen, wenn diese richtig genutzt und entsorgt werden. Im Rahmen der Recherche wurde neben anderen LCA (Life Cycle Assessment) Programmen und Dienstleistungen ein Angebot von AUTODESK gefunden. Auf ihrer Internetseite wird nicht nur eine Anbindung neuer LCA Bibliotheken beworben sondern eine ganzheitliche Herangehensweise zur Erzeugung ressourcen -effizienter Produkte nach dem Factor X Prinzip. Dabei wurde vor allem das Beispiel der Waschmaschine

41

und des Wäschetrockners heran-gezogen, da diese beiden Geräte global einen signifikanten Einfluss auf die Ökobilanz haben. Trinkwasser aus Flaschen: Die Versorgung mit Trinkwasser stellt eines der „Nine Planetary Boundaries“ dar. In den letzten Jahren hat in der westlichen Welt ein starker Trend hin zum Konsum von Mineralwasser aus Flaschen stattgefunden, obwohl Wasser aus der Leitung in entwickelten Ländern eines der am besten überwachten Lebensmittel darstellt. Das Verhältnis der Fußabdrücke von Trinkwasser aus dem Wasserhahn zu Trinkwasser aus der Flasche beträgt einige Zehnerpotenzen zu Gunsten des Wassers aus dem Wasserhahn. Wie wird in einer Zukunft im Jahre 2030 der Wasserkonsum erfolgen? Wie kann dem Konsumenten ein Wassererlebnis offeriert werden, das einen geringen Fußabdruck aufweist und gleichzeitig sein Vertrauen und Sauberkeit und Gesundheit von Seiten der Industrie geliefert werden kann? Problemfelder von Wasser in Flaschen: • Wasseraufbereitung und Verfüllung • Verpackungs-Herstellung und Lieferung: Glass, TetraPak-Verbundwerkstoff oder aus Kunststoff PET oder Polycarbonat • Logistik: Transport von Wasser einem Gut das eine Dichte von 1kg/Liter hat. • Lagerung: • Letzte Meile: Transport von Wasserflaschen in den Supermarkt und Transport durch den Konsumenten

nach Hause. Entsorgung: Leere Wasserflaschen müssen dem Recyclingstrom zugeführt werden z.B. über den Grünen Punkt oder ein Pfandsystem

als teures Leitungswasser (52)

27 GWasser in Flaschen oft nicht mehr

52.

nicolerichie (Hg.) (2009): „bottled-water2.jpg (JPEG-Grafik, 829x1024 Pixel) - Skaliert (82%)“. URL: http://nicolerichie.celebuzz.com/wp-content/uploads/2009/03/bottled-water2.jpg [Stand: 06. Dezember 2010].

42

5

Ideengenerierung und -bewertung 5.2. Evaluation ausgewählter Ideen:

Status-Quo: Das Thema ist nicht neu und es gibt ein Fülle von mehr oder weniger gelungenen Ergebnissen, die das Thema Wasser in Form von Produkten und Benutzererlebnissen im Namen der Nachhaltigkeit thematisieren. zur Intensivierung des Konsums und einer wirklichen Innovation unterschieden werden kann. Die Firma KOR bietet eine Kombination aus Kunststoffprodukt und Kompensationsleistung zur Unterstützung von Nachhaltigkeitsprogrammen an. Die Flaschen bestehen aus zwei verschiedenen stoffschlüssig miteinander verbundenen Kunststoffen. Ein Recycling wird dadurch erschwert, es sei denn, thermische Verwertung (Verbrennen zur Energiege-winnung) wird als primärer RecyclingWeg angestrebt. Karim Rashid hat einen sehr ressourcenminimalen Aufschraubwasserfilter aus Kunststoff für den Sport- und Freizeitbereich entwickelt. Es stellt sich aber die Frage, was der Filter bewirken soll. Soll dieser Filter auf eine bestehende PET Flasche gesetzt werden, die bereits kauffrisches Wasser enthält oder soll dafür eine alte PET Falsche verwendet werden? Wäre eine Trinkflasche wie die von SIGG in Kombination mit einem Wasserfilter sinnvoller? Brita Wasserfilter sind klassische Wasserfilter, die meist vollständig aus Kunststoff bestehen. Lohas-Wasserfilter aus „echten“ Werkstoffen: Diese bestehen aus Keramik, Edelstahl und Glas. Das Wasser wird mit Hilfe von Steinen und Kohle gefiltert und mit Mineralien angereichert (so steht es im Werbetext und kann

hier nicht nachgeprüft werden). Die Bestandteile sind auf einen Langzeitnutzen ausgelegt. Sie vermitteln ein gutes Gefühl, eine Verbundenheit mit der Natur. Sie bleiben aber einen Nachweis der echten Ressourcenschonung schuldig. Ihr Herstellungsort ist weder lokal noch sind die Filterelemente langzeithaltbar.

28 SKOR Wasserflasche mit Appell auf der Innenseite (53)

43

53.

6146926_b804367d0c_o.jpg , zuletzt geprüft am 21.11.2010, zuletzt aktualisiert am 24.10.2008. Online verfügbar unter http://static.zooomr.com/images/6146926_b804367d0c_o.jpg.

Aufklärung und kein Produkt ist die beste Lösung: Denn eins ist die beste Maßnahme, Wasser direkt aus der Leitung trinken und nicht mit einem extra Produkt belegen. Ausnahme stellen Trinkbehälter dar, die es dem Menschen ermöglichen, Wasser auf Reisen zu transportieren und sauberes Wasser für die Ärmsten dieser Welt. • Wasser aus der Leitung • Wasserfilter • Konsumerlebnis „Gesundes Wasser“

29 Karim Rashid‘s water Bobble (54)

54.

BOBBLE.jpg (JPEG-Grafik, 5000x2667 Pixel) - Skaliert (31%) (2010), zuletzt geprüft am 21.11.2010, zuletzt aktualisiert am 29.07.2010. Online verfügbar unter http://update2010.stylebirmingham.com/wp-content/uploads/2010/07/BOBBLE.jpg.

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5

Ideengenerierung und -bewertung 5.2. Evaluation ausgewählter Ideen:

5.2.6 Ansatz 06: Potential Living Scenarios 2030 Dematerialization: Sensual Augmentation Zur weiteren Steigerung des Konsumerlebnisses werden seit einigen Jahren faltbare, rollbare Displays propagiert und gewünscht. Sie versprechen einen komfortableren Konsum, kleineres Packmaß, weniger Materialeinsatz. Aktive OLED-Displays könnten in Zukunft Zeitungen verdrängen, so die Vision. Sparen diese Visionen einerseits Material pro produzierte Einheit, so scheint doch ein weiterer Rebound-Effekt vorprogrammiert. Denn es wird kein Weniger an Displays, Leuchteinheiten, Prozessoren und Transistoren angestrebt, sondern ein Mehr. Dabei stellt sich die Frage, ob dies überhaupt sinnvoll ist und ob sich nicht viel einfachere Lösungen finden lassen, die durch eine andere Aufteilung der Lokalisierung der Prozessoren und Technologien evtl. zu einer radikalen Dematerialisierung führen könnten, ohne auf Konsum zu verzichten? BlueBox oder GreenBox Spezialeffekte begleiten uns in den Medien bereits seit mehreren Jahrzehnten. Augmented Reality hält zurzeit, durch eine Kopplung von z.B. Iphone-Apps einer eingebauten Kamera, Anzeigeeinheit und Augmented-Tags Einzug in unser Privatleben. RFID Chips sind dazu noch nicht notwendig. Wir erleben, dass jede Oberfläche sehr einfach mit weiteren Inhalten „gemapped“ überlagert werden kann. Heute benötigen wir noch einen Bildschirm in unserer Hand. In Zukunft wird es vielleicht erst eine Projektions-

brille sein und in einem weiteren Schritt eine Kontaktlinse. Damit werden flexible aktive Displays unnötig. Es sind aber Projektionsflächen notwendig, die der Projektion und dem Inhalt einen Wert verleihen. Die Markenidentität bekommt neue Freiräume. Die Produkte beinhalten weniger Technologie. Das TechnologiePackaging stellt keine Randbedingung für die Gestaltung dar. Viel mehr steht der zu repräsentierende Konsumnutzen im Vordergrund. Die Gestaltung von Projektions-Artfakten, die den Wert der darauf empfangbaren Dienstleitung wiederspiegelt, wird eine neue Herausforderung. Produkte können freier auf eine projizierte, emotionale Nutzdauer also z.B. einer Mode-erscheinung, ausgelegt werden und unterliegen nicht zwingend den Leistungslimitationen von fortschreitenden Technologiesprüngen. Die Hochgeschwindigkeits-Medienkonsumzyklen werden dabei in die virtuelle Welt verlagert. Der Datenstrom und damit auch der Stromverbrauch steigen dadurch an. Die Anteile der sich immer noch schnell wandelnden Technologiebausteine könnten sowohl in ihrer Stückzahl pro Person verringert werden, als auch ihr Ressourceneinsatz pro Stück. Die Frage, die sich dabei stellt ist, ob diese Artefakte eine kürzere oder längere Lebensdauer haben werden und ob durch den notwendigen Ressourceneinsatz zur Verkörperung einer darauf projizierten Servicequalität, der Materialeinsatz insgesamt grösser oder kleiner aus-fallen wird. Das Potential bestünde, wenn eine solche physische Welt wieder von langlebigen Gebrauchs-klassikern beherrscht würde.

55. 56. 57.

PerceptionNYC (2009): B_01_PDA_Prelim_Test_01.mov. Online verfügbar unter http://perceptionnyc.com/node/68, zuletzt aktualisiert am 20.11.2010, zuletzt geprüft am 21.11.2010. PerceptionNYC (2009): D_03_PDA_Final_01.mov. Online verfügbar unter http://perceptionnyc.com/node/68, zuletzt aktualisiert am 20.11.2010, zuletzt geprüft am 21.11.2010. Brian X. Chen (2009): img _8791.jpg (JPEG-Grafik, 3888x2592 Pixel) - Skaliert (32%). Online verfügbar unter http://www.wired.com/images_blogs/gadgetlab/2009/09/img _8791.jpg, zuletzt aktualisiert am 09.09.2009, zuletzt geprüft am 21.11.2010.

45

(55)

(57)

Das Konzept ließe sich neben der optischen Wahrnehmung auch auf die haptischen (mit Fingerkuppen-Aktuatoren) und akustischen Sinne ausweiten. Es käme in dessen Folge zu einer extremen Schere der Wahrnehmungen von analoger und digitaler Welt. Und damit zu einer Art Mischung der beiden Bilder eines völlig analogen Landhauses, die bei Bedarf überlagert wird mit augmentierten Diensten, wie in dem Video von Brian X. Chen auf YouTube zu sehen. Fazit: Im Rahmen der Vorrecherche wurden verschiedene Technologien zusammengetragen, die bereits heute mindestens im Ansatz existieren aber deren direkte Interaktion noch nicht voll ausgebildet ist. Aus Sicht des Produktdesigns ist die Aufgabe konventionell lösbar. Das Problem ist nicht dringlich. Große Hürden gibt es vor allem auf dem Gebiet der Medien und darin, dass dieses Szenario für heutige Hardwarehersteller einen starker Rückgang an Produktionsbedarf von Hochtech-nologie in Geräten zur verzeichnen wäre. Firmen wie LG, Samsung, Sony müssten sich teilweise neu erfinden. Hinzu kommt, dass Oberflächen-Optik und -Haptik ein neuer Medienbestandteil ähnlich heutigen Screensavern wird. Es müssen neue Dienste und Geschäftsmodelle entwickelt werden, um diese Idee zu verwirklichen.

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(58)
58. 59. Keiichi Matsuda (2010): YouTube - Augmented (hyper)Reality: Domestic Robocop. Online verfügbar unter http://www.youtube.com/watch?v=fSfKlCmYcLc, zuletzt geprüft am 21.11.2010. iliana (2010): hilaire_221004_04.jpg (JPEG-Grafik, 1200x800 Pixel). Online verfügbar unter http://www.contemporist.com/wp-content/uploads/2010/04/hilaire_221004_04.jpg, zuletzt aktualisiert am 07.11.2010, zuletzt geprüft am 21.11.2010.

46

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5

Ideengenerierung und -bewertung 5.2. Evaluation ausgewählter Ideen:

5.2.7 Stoffkreislauf 2030 – „Marine Litter Harvesting“ Konsumabfälle und der Aufbau konsistenter zyklischer Stoffströme werden in der Zukunft eine der wichtigsten Rohstoffthemen zur Realisierung einer 2t Co2/Kopf Bilanz und der Verringerung der Belastungen der Biosphäre werden. Gleichzeitig werden sie notwendig werden, um dem starken Preisanstieg durch Rohstoffknappheit entgegenzuwirken.

(60)

Neben dem klassischen Recycling, welches sich ebenfalls verstärken wird, wird sich die Rohstoffrückgewinnung aus Deponien das so genannte Urban Mining entwickeln, da in den Deponien große Mengen wichtiger Metalle in der Vergangenheit über Jahre hinweg abgelagert wurden. Parallel dazu zeichnet sich ein drittes Gebiet des Recyclings ab, bei dem vorerst nicht primär nur die vorhandene Abfallmenge als mögliche Ressource der Zukunft im Vordergrund steht. Viel wichtiger ist hier die Verhinderung von komplexen und subtilen Schädigungsmechanismen der Biosphäre durch den konstanten Zustrom von Hinterlassenschaften des Menschen und seiner Technosphäre. Eine weiterhin passive Haltung würde langfristig einen kritisch-negativen Einfluss auf Lebewesen, das Klima und den Menschen haben. Getrieben durch die schnell wachsende Erkenntnis der engen Verzahnung einer endlichen Welt und der empfindlichen biotischen und abiotischen Ressourcenbalance darin, stellt sich schnell die Frage nach erfolgreichen

60.

landfill-761447.jpg (JPEG-Grafik, 1600x1067 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://www.conorclarke.net/uploaded_images/landfill-761447.jpg, zuletzt aktualisiert am 23.06.2010, zuletzt geprüft am 24.10.2010.

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31 Ein Strand auf Hawai (62)
Lösungskonzepten, die eine aktive Entsorgung bei geringster Umweltschädigung gewährleisten können und evtl. sogar Lösungsansätze enthalten könnten, die eine effiziente Abfall-Ressourcengewinnung an anderer Stelle aufzeigt. Eine beschleunigte Erschließung von Deponien als Rohstoffquelle wäre eine mögliche Folge. Aktuell wichtigstes Problemfeld in dem Zusammenhang sind die Ozeane. Neben ihrer Überfischung und Übersäuerung werden sie jedes Jahr mit schätzungsweise 6,5 Millionen Tonnen neuem Müll belastet. An die Strände geschwemmter Müll wird von Vögeln gegessen. Seelöwen sterben an vollen Mägen oder ersticken an treibenden Fischernetzen. Komplexestes Problem stellt der Müll dar, der sich in fast strömungsfreien Zonen der fünf großen Strudel der Ozeane („5Gyres“) sammelt. Alleine im North Pacific Plastic Garbage Patch vor San Francisco, dem aktuell bekanntesten, da am meisten erforscht und medial präsentiert, werden 3 Millionen Tonnen treibender Müll vermutet, der mehrheitlich aus Kunststoff besteht. Denn während der Müll an den Stränden sich in der Nähe von Menschen befindet, die zum schnellen Helfen aktiviert werden können, haben diese Totwassergebiete (sehr langsam kreisende Wassergebiete in den „5Gyres“ jeweils von der Größe eines Landes wie Spanien) einen Abstand von mehr als 1000 km zum nächsten Strand und sind damit nicht einfach zu erreichen. Sie stellen ein schwieriges und laut den Wissenschaftlern unlösbares Problem dar, das für die Zukunft nur durch ein anderes Verhalten auf dem Land gemildert aber wahrscheinlich nie ganz vermieden werden kann. Radikale Alternative wäre das Verbot aller lang haltenden Werkstoffe. Das würde aber zu einer Katastrophe in der Umweltbilanz führen.

30 Die 5 großen ozeanischen Strudel (61)

61. 62.

US Department of Commerce; National Oceanic and Atmospheric Administration (2008): NOAA‘s National Ocean Service Education: Currents: Winds Drive Surface Ocean Currents. Online verfügbar unter http://oceanservice.noaa.gov/education/kits/currents/05currents3.html, zuletzt geprüft am 02.12.2010. Zeitpunkt (2010): Muell_Strand.jpg. Online verfügbar unter http://www.zeitpunkt.ch/uploads/pics/Muell_Strand.jpg, zuletzt aktualisiert am 10.09.2010, zuletzt geprüft am 11.11.2010.

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Ideengenerierung und -bewertung 5.2. Evaluation ausgewählter Ideen:

Ziel: Aufbau eines Konzeptes, das es ermöglicht langfristig und konstant auftretende Müllansammlungen geringer Dichte zu beseitigen. Leitfrage: Wie kann ein Lösungs-Konzept der nahen Zukunft aussehen, das es ermöglicht konstant und langfristig Konsumabfälle, welche als großflächige Kontamination geringer Dichte in der Natur allgemein und im Ozean im speziellen auftreten, zu sammeln und diese dem Recycling zuzuführen, ohne unnötige Ressourcen zu verbrauchen und notwendiges Leben zu gefährden? Idee/These: In einer ersten Recherche nach Konzepten konnten nur große industrielle Schiffe und Konzepte gesichtet werden, deren Ressourceninvest vor dem Hintergrund der geschilderten Problematik, „viel Müll auf einem gigantisch großen Gebiet“ nicht maßhaltig erschien. Es stellt sich die Frage ob es andere Strategien gibt die noch nicht bedacht wurden, die eher dezentral sind und mit kleinen Teilen gelöst werden könnten? Faszinierend sind Beispiele wie Ameisen, die große Areale im Wald pflegen und das Beispiel der portugiesischen Galeere. Eine Staatsqualle, die nicht sonderlich groß ist, mit ihrem aufblasbaren Luftsegel jedoch ausgesprochen mobil und seegängig ist.

32 Portugiesische Galeere auf hoher See (63)

49

63.

mpreetz (2003): 72162047WWtwTg _ fs.jpg. Online verfügbar unter http://image05.webshots.com/5/6/20/47/72162047WWtwTg _ fs.jpg, zuletzt aktualisiert am 06.05.2003, zuletzt geprüft am 16.11.2010.

(64) (65) (66)

Ein erster Lösungsansatz: Bottle-Bots: Schwarmintelligente, Open-Source, ReadyMade (PET-Flaschen als Schwimmer) Roboter, die es einer Gemeinschaft von Hobby-Dronen-Entwicklern ermöglichen könnten die Ozeane zu bereisen und dabei in einer QuasiSpielsituation sowohl die Technik weiterzuentwickeln als auch erste eruptive Strategien der Müllsammlung im Team mit Forschern zu erproben und zu diskutieren. Die DIY-Drones Community umfasst aktuell 12000 Mitglieder. Die erzeugten Fluggeräte, die von Privatleuten und Profis erstellt werden haben alle ein sehr hohes technisches Niveau und werden für den autonomen oder ferngesteuerten Flug auf große Distanz entwickelt. Ähnlich den technologisch intellektuellen Beweggründen der Hackerkultur stellt sich für die Do-It-Yourself Community die Frage nach der theoretischen und praktischen Machbarkeit einer Idee zur Lösung eines eher analytischen Problems.

Aufklärungs Dronen als Vorbild nehmend, hat der Do-ItYourself Sektor den Modellflug mit der Robotertechnologie gekreuzt und neue unbemannte Flugkörper erzeugt. Ziel wäre es eine Plattform und Grundbausteine sowie ein Handlungsgerüst zu entwickeln, welches eine Richtung der Entwicklung vorgibt, und die bestehenden Fragen als Handlungsfelder aufzeigt. Die Kombination aus sportlichen, technologischen und umwelttechnischen Herausforderungen wäre Motivation mit der zusätzlichen Vision eine Reise über den Pacific zu unternehmen, ohne den heimischen PC zu verlassen. Zusätzlich wäre ein Wettstreit oder Olympiaden denkbar, die Belohnungssysteme beinhalten. Erster Preis wäre eine 2 wöchiger Aufenthalt auf einem Forschungsschiff vor Ort. Ziel wäre, optimale dezentrale Gewinnungsstrategien zu ermitteln mit den Messgrößen positiver Ressourcenbilanz und minimaler Gefährdung von Natur und Mensch.

64.

Chris Anderson (2010): DIY_Drones_Logo_Updated_IKE.gif (GIF-Grafik, 955x155 Pixel). Herausgegeben von DIY Drones. Online verfügbar unter http://api.ning.com/ files/poExVLt4dNf8My5fCUvpeQFCcVcuqSP9cfvW4EZuSkAEtR2cDMHvQSAiKFBfpiTCoSts1qBgpGqGwCKuSqDcO%2AxSHRMf FWJ1/DIY_Drones_Logo_Updated_IKE.gif?width=955&height=155&xn_auth=no&type=gif&v=201011172356, zuletzt aktualisiert am 27.06.2010, zuletzt geprüft am 20.11.2010.

65. 66.

ROV-in-a-BOX (Hg.) (2010): „Facebook (2) | ROV-in-a-Box Fotos - Blue Hole“. URL: http://www.facebook.com/pages/ROV-in-a-Box/95412677804 [Stand: 07. Dezember 2010]. European Environment Agency (Hg.) (2010): „Eye On Earth — Citizen observatory on air and bathing water quality - Interactive maps — EEA“. URL: http://www.eea.europa.eu/data-and-maps/explore-interactive-maps/eye-on-earth [Stand: 07. Dezember 2010].

50

5

Ideengenerierung und -bewertung 5.3 Diskussion und Auswahl:

Bei einer Gesellschaft die im Jahr 2030 über 8 Mrd. Menschen zählen wird gibt es bereits heute die unterschiedlichsten Themenfelder, die in den kommenden Jahren einen starken Wandel erfahren werden und müssen wenn wir das Ziel einer +2° Gesellschaft einhalten wollen.

5.3.1 Bewertung der Ideen: Das Spinnendiagramm wurde als Medium zur besseren Bewertung der Ideen gewählt. Die Entscheidung für die weitere Ausarbeitung fiel auf das Konzept „Marin Litter Harvesting“. Grund hierfür war vor allem die akute Problemstellung der Verschmutzung der Meere durch die menschliche Konsumkultur. Und die eigene Auffassung, dass Lösungen von Konsumauswirkungen wichtiger sind als neue effiziente Konsumprodukte selbst.

Dringlichkeit 6 Sinnvoll 5 4 3 Lösungsweg unklar 2 1 0 Pure Wasser Low Carbon Sim. Begeisternd Service Innovation Wertewandel (potential) Marine Litter Augmented Total Resource Entwicklungsaufwand

Ressourceneffektivtät Ressourcenersparnis

Device Innovation

33 Spinnendiagramm Gegenüberstellung der Ansätze

51

34 Schemadarstellung der Auswahl

Die ersten vorweg beschriebenen Ansätze besitzen ihr Innovationspotential vor allem im Bereich der Gestaltung neuer Servicemodelle, während die physischen Produkte keine Hürde darstellen.

Der Ansatz Marine Litter Harvesting enthält gerade eine Innovations- und Gestaltungshürde im Bereich des physischen Produktes. Nachteilig fällt dabei der starke Sprung in der Thematik und dem eigentlichen, anfangs verfolgten Ziel der Arbeit auf, Handlungsoptionen für eine LowCarbon Gesellschaft des Jahres 2030 zu entwickeln. Da die Meere aber eines der Hauptfaktoren der KosumGesellschaftsicherung werden wird. Auf Grundlage des vorweg gesagten wurde entschieden, das Thema „Marine Litter Harvesting“ weiterzuverfolgen.

52

Beuauties and Beasts (67, 68, 69)

67. 68. 69.

ElectricJellyfish pictures underwater photos.jpg (JPEG-Grafik, 1600x1200 Pixel) (2009). Online verfügbar unter http://thundafunda.com/33/underwater-animals-fish/ElectricJellyfish%20pictures%20underwater%20photos.jpg, zuletzt aktualisiert am 12.04.2009. nationalgeographics (Hg.) (2010): verschmutzung-10512.jpg (JPEG-Grafik, 633x412 Pixel). Online verfügbar unter http://www.nationalgeographic.de/thumbnails/lightbox/12/05/01/verschmutzung-10512.jpg, zuletzt aktualisiert am 23.11.2010, zuletzt geprüft am 05.12.2010. Stiv Wilson (2007): turtle_ plasticbag _w800_edited4.JPG (JPEG-Grafik, 798x509 Pixel). Online verfügbar unter http://img.wendmag.com/uploads/turtle_ plasticbag _w800_edited4.JPG, zuletzt aktualisiert am 30.06.2008, zuletzt geprüft am 24.11.2010.

53

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting

6.1 Konkretisierung der Aufgabenstellung Aus der Vorrecherche wurde das Ziel übernommen und konkretisiert. Ziel: Aufbau eines Konzeptes, das es langfristig ermöglicht konstant auftretende Müllansammlungen geringer Dichte in den Ozeanen zu beseitigen und zu recyceln, ohne Leben zu gefährden und unnötige Ressourcen zu verbrauchen. Aktuelle Belastungen auf die Ozeane sind: • Übersäuerung durch Kohlenstoffanstieg in der Atmosphäre • Gefährliche Entsalzung des Meeres an der nördlichen Polkappe mit dem Potential der Beeinflussung des globalen Klima-Wasserkreislaufes. • Überdüngung mit der Folge der Algenbildung durch Einleitung von stickstoffhaltigem Wasser von landwirtschaftlich genutzten Feldern. • Nutzung des Meeres als kostenlose Nahrungsquelle mit der Folge der Überfischung • Beschädigung und Vergiftung der Meere bei der Gewinnung wertvoller Rohstoffe. • Und in einem signifikanten Maße Sammelpunkt von flüssigen und festen Ausscheidungen allen Lebens und unserer anthropogenen Technosphäre.

6.2 Problembeschreibung Das Wasser der Ozeane bedeckt mit mehr als 70% unsere Erde. Es ist nach den Gesteinsschichten der Erde der größte Co2 Speicher der Erde, Klimaregulator, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Nahrungs- und Einkommensquelle des Menschen. Das Leben der Meere erzeugt 50% unseres Sauerstoffs.

So sehr der Mensch vom Meer abhängt, so sind doch, neben den Biosphären der Regenwälder, gerade die Meere durch den vom Menschen verursachten Klimawandel bedroht.

(70)

70.

gda_world_map _small.jpg (JPEG-Grafik, 3754x2919 Pixel) (2008). Online verfügbar unter http://www.gebco.net/data_and_ products/gebco_world_map/images/gda_world_map _small.jpg, zuletzt aktualisiert am 29.04.2008, zuletzt geprüft am 04.11.2010.

54

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.2 Problembeschreibung

Online-Greenpeace Kampagne (72) mit Kunststoffmüll (73)

35 “Das Meer hat keinen Abfluss..“ 36 Ein Vogel-Kadaver gefüllt

Die Folgen sind: Zerstörung von Lebensräumen, Wandel und Dezimierung der Bio-Diversität, verstärkte Gefährdung des Klimagleichgewichtes und vielleicht sogar unseres Sauerstoffhaushaltes. Das Meer und sein Wohlergehen spielt eine entscheidende Rolle in der Zukunftsfähigkeit der Menschheit. Durch unser Wasser-Zu- und -Ableitungssystem sind wir alle global mit den Meeren dieser Erde vernetzt und durch unseren Konsum an Lebensmitteln und Gütern (z.B. Shampoo mit Peeling Granulat) Mitverursacher der Vermüllung der Meere.

Sinngemäß ist von den Forschungsinstituten wie das Scribbs zu hören dass die Ozeane der tiefste Punkt eines jeden Kontinents ist. Wie Greenpeace feststellte hat das Meer selbst keinen eigenen Abfluss (vgl. 71) und könnte damit, neben der Luft und der Erde, als das Ende aber auch als der Anfang eines jeden Konsumzyklus in Betracht gezogen werden. Die Ozeane stellen für den Menschen Deponie und Nahrungsquelle gleichermaßen dar und stehen in engster Verbindung mit unserem Konsum. Und oft erzeugt synthetischer Abfall Schäden in den Ozeanen, wie z.B. ca. 1,5 Millionen tote Seevögel. Er wird zur lebensgefährlichen Falle, zum Verletzungsrisiko, lagert Gifte ein oder ist selbst oder durch seine Spaltprodukte giftig.

71. 72. 73.

http://www.greenpeace.de/ Greenpeace (Hg.) (2010): Doch kein Bohrstopp in der Tiefsee? Bundesregierung macht Rückzieher! - Greenpeace, Nachrichten zum Thema Öl. Online verfügbar unter http:// www.greenpeace.de/themen/oel/nachrichten/artikel/doch_kein_bohrstopp _in_der_tiefsee_bundesregierung _macht_rueckzieher/, zuletzt geprüft am 20.11.2010. theinspirationroom (2010): endangered_wildlife_trust_lighter.jpg. Online verfügbar unter http://theinspirationroom.com/daily/print/2010/5/ endangered_wildlife_trust_lighter.jpg, zuletzt aktualisiert am 19.08.2010, zuletzt geprüft am 13.11.2010.

55

Fehlende Entsorgungs- oder Recyclingmechanismen und falsches Verhalten am Ende der Konsumphase im Umgang mit Gegenständen, die einem synthetischen Rohstoffkreislauf angehören und nicht der Natur übergeben/überlassen werden dürfen, führt zu einer kontinuierlichen Vermüllung der Meere. Die Welt, Europa und Deutschland virtuell aus einem Teller, der gleichzeitig letzter Ort für Abfall ist, der im Gegensatz zu den Eierschalen auf dem Komposthaufen im Garten keine positive Auswirkung auf die Lebensmittel haben wird, die der Konsument in Form von Meerestieren auf den Teller geliefert bekommt.

Die Vermüllung der Meere ist kein neues Thema, erste Untersuchungen gab es bereits in den 1970er Jahren. Jedoch haben die Reportagen über den North Pacific Garbage Patch, einem Ort im Meer, 1000 Kilometer westlich vor der Küste Kaliforniens, der eine erhöhte Konzentration an Abfälle aufweist, das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit gerückt. Allein dieser Ort wird mit 3,5 Millionen Tonnen meist Kunststoffabfall beziffert (75). Zum Vergleich, bei der Erdölkatastrophe 2010 durch BP im Golf von Mexico sind 0,8 Millionen Tonnen Erdöl in die Umwelt gelangt (77).

re Nahrungsquellen (74)

37 Fisch ist eine unse-

(76)

74. 75. 76. 77.

SaidaOnline (2009): eating fish.jpg. Online verfügbar unter http://www.saidaonline.com/en/newsg fx/eating%20fish.jpg, zuletzt aktualisiert am 05.03.2009, zuletzt geprüft am 11.11.2010. European Commission (Hg.) (2010): European Commission - Environment - Water - Marine. Online verfügbar unter http://ec.europa.eu/environment/water/marine/pollution.htm, zuletzt aktualisiert am 30.11.2010, zuletzt geprüft am 03.12.2010. bp _logo1.jpg (JPEG-Grafik, 1248x1720 Pixel) - Skaliert (48%) (2008). Online verfügbar unter http://www.cartype.com/ pics/1315/full/bp _logo1.jpg, zuletzt aktualisiert am 31.03.2008, zuletzt geprüft am 20.11.2010. 24/7 Wall St. (Hg.) (2010): BP Expects Oil Spill Costs To Be Under $20 Billion, As Panic About Spill Recedes - 24/7 Wall St. Online verfügbar unter http://247wallst.com/2010/09/13/bp-expects-oil-spill-costs-to-be-under-20-billion-as-panic-about-spill-recedes/, zuletzt geprüft am 03.12.2010.

56

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.2 Problembeschreibung

6.2.1 Ort: Der North Pacific Garbage Patch (NPGP) Auf Basis des globalen Strömungssystems von Luft und Wasser zwischen dem Äquator und den Polkappen, hervorgerufen unter anderem durch die Erdrotation, entstehen an der Oberfläche der Ozeane, bedingt durch gegenläufige Strömungen, 5 Kreisbewegungen, die „5 Gyres“. Dadurch, dass Tiefdruckgebiete um die Wirbel herumgelenkt werden entstehen in den Wirbeln relative Ruhezonen mit geringer Wind- und Wassergeschwindigkeit. Ähnlich den Teeblättern in einem Glass Tee welches umgerührt wird, sammeln sich Partikel mit Masse am Ort der geringsten Energie. Wie im Bild zu sehen sind es im Falle der Ozeane die „5 Wirbel“. Der Nord-Pazifische-Anhäufungspunkt ist der zurzeit am besten erforschte Wirbel. Das Gebiet besitzt eine Ausdehnung von ungefähr 2200km mal 800km. Das sind 1,8 Millionen Quadratkilometer. Das Gebiet, wie in Abb.52. in Rot angezeigt, verlagert sich im Laufe der Jahreszeiten und in Wechselwirkungen mit vorbeiziehenden Tiefdruckgebieten.

41 Ein normaler Tag auf dem Pacific (81) 38 Globale Oberflächen Meeresströmungen (78)

78. 79.

oceanconservancy (2010): globalSurfaceCurrents.jpg. Online verfügbar unter http://www.oceanconservancy.org/images/2010ICCReportRelease_ pressPhotos/globalSurfaceCurrents.jpg, zuletzt aktualisiert am 07.04.2010, zuletzt geprüft am 13.11.2010. IPRC Climate (Hg.) (2008): Tracking Ocean Debris. Online verfügbar unter http://5gyres.org/media/Tracking _Ocean_Debris_2008.pdf, zuletzt aktualisiert am 20.01.2009, zuletzt geprüft am 07.12.2010.

57

39 Marine-Litter-Cluster simuliert (79)

Wellen & Wind: Trotz eines möglichen Wellengangs von einigen Metern Höhe, ist es im Gegensatz zu seinem Umfeld ein Gebiet relativer Ruhe, mit verhältnismäßig wenig Strömung, Wind und Wellengang. Segelschiffe meiden das Gebiet, da das Fehlen von Wind zu einer langsamen Weiterfahrt führt oder den Hilfsmotor notwendig macht.

40 Durchschnittliche Windgeschwindigkeit

80. 81.

Seaplex (Hg.) (2009): avg-winds.png. Online verfügbar unter http://seaplex.files.wordpress.com/2009/07/avg-winds.png, zuletzt aktualisiert am 28.07.2009, zuletzt geprüft am 07.12.2010. Sea_morze_ fale_waves_Baltic.jpg (2006). Online verfügbar unter http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ed/Sea_morze_ fale_waves_Baltic.jpg, zuletzt aktualisiert am 28.12.2006, zuletzt geprüft am 07.12.2010.

58

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.2 Problembeschreibung

42 Selten aber

real kleine Müllinseln im Meer (82)

Wie setzt sich aber der Müll genau zusammen? Wie wird er definiert und welche Größenverteilung existiert? Definition: Marine litter is any persistent, manufactured or processed solid material discarded, disposed of or abandoned in the marine and coastal environment. Marine litter consists of items that have been made or used by people and deliberately discarded into the sea or rivers or on beaches; brought indirectly to the sea with rivers, sewage, storm water or winds; accidentally lost, including material lost at sea in bad weather (fishing gear, cargo); or deliberately left by people on beaches and shores.(86)“ Menge: Im globalen Kontext allgemeinen und im speziellen auf das Müllaufkommen in den Ozeanen sind die Zahlen über die Dimension des Problems nicht zu hundert Prozent gesichert. Dabei berufen sich die gefunden Quellen meist auf Forschungen die einige Jahre zurück liegen können oder nur einige wichtige Industrienationen einbeziehen. Dabei waren die Zahlen über die Menge im Meer tatsächlich aufgefundenen Mülls sehr unterschiedlich, da vor dem Hintergrund der Größe des Ozeans nur lokal Daten ermittelt werden können. Damit kann die Aussage, dass sich im Pacific Garbage Patch tatsächlich 3 Millionen Tonnen Abfall befinden nicht mit Sicherheit angenommen werden.

6.2.2 Müll in den Ozeanen und dem NPGP: Entgegen der Berichte einiger SensationsnachrichtenKanäle sind die in der Presse zu sehenden Bilder Extrembeispiele. Die Ozeane haben eine Partikeldichte, die dazu führt, dass die Menge eines Schwimmbeckens gefiltert werden muss, um die dünne „Suppe“ auf dem Bild oben zu fischen. Und wie Miriam Goldstein vom SCRIBBS Institut feststellt ist die vorgefundene Grössenstruktur sehr breit gefächert:“… most of the garbage patch is made of microscopic plastic particles, invisible from the air, we did pick up pop bottles, a bucket lid and even a floating junked suitcase. (85)”

82. 83. 84. 85. 86. 87.

cameraflyer (Hg.) (2009): plastic-patch.jpg (JPEG-Grafik, 553x369 Pixel). Online verfügbar unter http://hd2o.tv/flog/wp-content/uploads/2009/04/plastic-patch.jpg, zuletzt aktualisiert am 02.04.2009, zuletzt geprüft am 05.12.2010. DeepSeaNews (2010): manta_tow_SEAPLEX.jpg. Online verfügbar unter http://deepseanews.com/wp-content/uploads/2010/08/ Manta_tow_SEAPLEX.jpg, zuletzt aktualisiert am 09.08.2010, zuletzt geprüft am 11.11.2010. Craig McClain (2010): article.jpeg (JPEG-Grafik, 370x255 Pixel). Herausgegeben von DeepSeaNews. Online verfügbar unter http://deepseanews.com/wp-content/uploads/2010/11/article.jpeg, zuletzt aktualisiert am 14.11.2010, zuletzt geprüft am 05.12.2010. Craig McClain (2010): WE R TAKIN OVAR UR CITY AN PRES. Herausgegeben von Deep Sea News. Online verfügbar unter http://deepseanews.com/2010/11/we-r-takin-ovar-ur-city-an-pres/, zuletzt geprüft am 05.12.2010. Ardea Miljö AB (2005): UNITED NATIONS ENVIRONMENT PROGRAMME. Online verfügbar unter http://www.unep.org/regionalseas/marinelitter/publications/docs/anl_oview.pdf, zuletzt aktualisiert am 10.05.2005, zuletzt geprüft am 24.11.2010. UNEP (Hg.) (2005): Marine Litter, an analytical overview. UNEP. Online verfügbar unter http://www.unep.org/regionalseas/marinelitter/publications/docs/anl_oview.pdf, zuletzt aktualisiert am 10.05.2005, zuletzt geprüft am 21.11.2010.

59

43 Konzentriertes Ergebnis einer Schleppnetzsammlung (83)

Folgende Aussagen konnten recherchiert werden und sollen als Grundlage für die weitere Betrachtungsweise dienen. • “It is estimated that about 6.4 million tons of marine litter are disposed in the oceans and seas each year. According to other estimates and calculations, some 8 million items of marine litter are dumped in oceans and seas every day, approximately 5 million of which (solid waste) are thrown overboard or lost from ships. Furthermore, it has been estimated that over 13,000 pieces of plastic litter are floating on every square kilometer of ocean today. (87)” • Untersuchungen haben gezeigt, dass 80% des Mülls im Meer vom Land stammt. • “Furthermore, it is estimated that 15% of this waste remains in the water, 70% on the seabed and 15% on the shore.(88) ” • 90% des auf dem Meertreibenden Mülls besteht aus Kunststoff. (89) • (andere Müllsorten wie Papier verrotten) • Kunststoffe die leichter sind als Wasser schwimmen an der Oberfläche, dazu gehören LDPE, HDPE und geschäumte Kunststoffe wie Polystyrol. • Im Meer schwimmt Kunststoffgranulat, welches nie verarbeitet wurde und bereits vorher in den Wasserkreislauf gelangte. Plastik Granulat/Pellets haben einen Durchmesser von 3-5mm. • Der Plastic Garbage Patch: “A study in this region (within 30°N and 40°N) in 1999, reported exceptionally high densities of plastic debris (Moore et al. 2001). Using nets to collect debris, the abundance of floating plastic averaged 334,271 pieces/km2, (range 31,982 to 969,777 pieces/km2). Most of the debris consisted of thin plastic films, fishing line and unidentified. (90)”

Die optische Beschaffenheit des Mülls führt dazu, dass er mit Kameras aus dem All nicht aufgezeigt werden kann. Der Müll ist in kleine Partikel zerteilt und meist transluszent. Größenverteilung (vgl.91): • 39% mit einem Durchmesser grösser 1 mm • 35% mit einem Durchmesser bis 1 mm klein • 17% mit einem Durchmesser bis 0,5mm klein • 10% mit einem Durchmesser bis 0,3mm klein

44 Fr. Goldstein vom SCRIBBS Institut mit einer Filter-Probe (84)

88. 89. 90. 91.

The Impacts of Marine Litter (2002.). Online verfügbar unter http://www.scotland.gov.uk/Uploads/Documents/Impacts%20 of%20Marine%20Litter.pdf, zuletzt aktualisiert am 22.10.2002, zuletzt geprüft am 03.12.2010. UNEP (Hg.) (2008): Marine Litter - trash that kills. Online verfügbar unter http://www.unep.org/regionalseas/marinelitter/publications/docs/trash_that_kills.pdf, zuletzt aktualisiert am 11.11.2008, zuletzt geprüft am 03.12.2010. Greenpeace (Hg.) (2006): Plastic Ocean Report. Online verfügbar unter http://www.greenpeace.org/international/Global/international/planet-2/report/2007/8/plastic_ocean_report.pdf, zuletzt aktualisiert am 08.11.2006, zuletzt geprüft am 02.12.2010. Plastiki (2010): gyre_ full.jpg. Online verfügbar unter http://assets4.theplastiki.com/static/plasticsissues/gyre_ full.jpg, zuletzt aktualisiert am 08.09.2010, zuletzt geprüft am 17.10.2010.

60

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.2 Problembeschreibung

6.2.3 Aktuelle Daten über Kunststoff In dem Zusammenhang einige zusammengetragene Daten, die im Zusammenhang mit Kunststoff, Kunststoffkonsum und Müllerzeugung wissenswert sind.

45 Aufnahme aus dem Film „Die Reifeprüfung“ (92)

92.

Pikturz (2009): Graduate3_001Pikturz | Flickr - Fotosharing! Online verfügbar unter http://www.flickr.com/photos/pikturz/3205428614/in/photostream/, zuletzt geprüft am 03.12.2010. Accenture (Hg.) (2008): Trends in Manufacturing Polymers. Online verfügbar unter http://www.accenture.com/NR/rdonlyres/4BF02928-AFA9-4294A60F-DFE786C5A908/0/ShiftingManufacturingPOVFINAL.pdf, zuletzt aktualisiert am 26.02.2008, zuletzt geprüft am 02.12.2010.

61

93.

Jahr und Anwendung (94, S.6 )

46 Weltverbrauch Polymere pro

• • • • • • •

Jährliche Erdölproduktion: 31,8 Milliarden Barrel, 5049 Milliarden Liter Täglicher Erdölverbrauch: ~ 80 Mio. Barrel 80% der jährlichen Erdölproduktion werden zur direkten Energieerzeugung genutzt 5-8 % der jährlichen Erdölproduktion werden für Kunststoff verwendet 240 Millionen Tonnen Polymere wurden weltweit im Jahr 2006 hergestellt (93) 90% der Kunststoffe entfallen auf die Standardkunststoffe PE, PP, PS, EPS, PVC, PET Kunststoffe gehören heute zu einer der wichtigsten Werkstoffe der Konsumgüterindustrie. Eine signifikante Substitution durch andere Werkstoffe mit besserem Fußabdruck ist nicht in Sicht. Bio-Kunststoffe und/oder bio-abbaubare Kunststoffe werden sich langsam entwickeln, da ihr Einfluss auf Bodennutzung und Fußabdruck noch nicht ganz

• •

• • •

geklärt ist, aber potentiell besser ist. Verpackungskunststoffrecycling Deutschland: 41% Kunststoff ist meist Hydrophob und lagert Giftstoffe ein und steht im Verdacht beim Zerfall auch Giftstoffe abzugeben. Dichte von Kunststoff ist teilweise geringer und teilweise grösser eins, damit schwimmt nur ein Teil des Kunststoffs auf dem Wasser. Kunststoff ist weitgehend preiswert, mikroben-, chemikalien-, wasser- und lichtstabil. Aus diesem Grund werden Kunststofffolien gerade in der Verpackungsindustrie und im Lebensmittelbereich eingesetzt. Ein Recycling ist auf verschiedene Weise möglich. Wenn der Kunststoff sortenrein ist, lässt er sich mit hohem Gütegrad wiedereinschmelzen. Andernfalls geht er in Deutschland zu 50% in die Müllverbrennungsanlage zur Erzeugung von Wärme und Strom.

94.

Accenture (Hg.) (2008): Trends in Manufacturing Polymers. Online verfügbar unter http://www.accenture.com/NR/rdonlyres/4BF02928-AFA9-4294A60F-DFE786C5A908/0/ShiftingManufacturingPOVFINAL.pdf, zuletzt aktualisiert am 26.02.2008, zuletzt geprüft am 02.12.2010.

62

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.2 Problembeschreibung

6.2.4 Pelagische Lebewesen und deren Gefährdungen Lebewesen und der Müll des Menschen teilen sich einen Raum. Damit sind die Lebensformen der Ozeane aktiv gefährdet durch die Vermüllung der Meere. Untersuchungen zeigen, dass alle Lebewesen aller Größen mit Müll belastet sind. Dies liegt daran, dass der Müll nach Jahrzehnten der Verweilzeit in allen Größen auf dem Meer zu finden ist und von den Tieren für Nahrung gehalten wird. In den Mägen aller Meereslebewesen sind Kunststoffbruchstücke zu finden. Werden es zu viele, verhungern das Tier. Gleichzeitig nimmt Kunststoffmüll Schadstoffe aus dem Wasser auf und einige Kunststoffe geben selbst Schadstoffe bei der Zersetzung ab, diese werden an die Körper der Tiere abgegeben. Dadurch gelangen die Schadstoffe in die Nahrungskette bis rauf zum Menschen. Eine andere Gefahr für größere Tiere stellt das GeisterFischen durch verlorene Fischernetze (oder Netzteile) dar. Verfangen sich darin Fische oder Säugetiere auf hoher See, verhungern oder ertrinken sie. Die aktuell am stärksten betroffenen Gruppen sind:

sturmvogels auf den Menschen (95)

47 Skalierung des Mageninhaltes eines Eis-

95. 96.

zampouka (2010): Microsoft Word - TG10 reportPUBSY14FINAL.doc. Online verfügbar unter http://www.ices.dk/projects/MSFD/TG10final.pdf, zuletzt aktualisiert am 26.05.2010, zuletzt geprüft am 21.11.2010. E - The Environmental Magazine (2009): EarthTalk: Plankton in the oceans. Online verfügbar unter http://blastmagazine.com/2009/11/02/earthtalk-plankton-in-the-oceans/, zuletzt geprüft am 10.11.2010. John Roach (2004): Source of Half Earth‘s Oxygen Gets Little Credit. Online verfügbar unter http://news.nationalgeogra-

63

97.

Phytoplankton Das Phytoplankton in den Ozeanen steht am Anfang des marinen Lebens. Es ist nicht nur Nahrungsquelle der restlichen Nahrungskette an dessen Ende der Mensch steht, es produziert auch 50% des globalen Sauerstoffs, indem es Co2 mit Hilfe von Photosynthese zu Zellstrukturen und Sauerstoff umwandelt, vgl.97. As the lowest link on the marine food chain, plankton that tiny aquatic plant, animal and bacterial matter floating throughout the world’s oceans is a vital building block for life on Earth. Besides serving as a primary food source for many fish and whales, plankton plays a crucial role in mitigating global warming. Indeed, the ocean is the world’s largest „carbon sink“: As much as one-third of manmade CO2 emissions are stored in the oceans and therefore do not contribute to global warming. This is because its plant component, phytoplankton (its animal component is called zooplankton), pulls massive amounts of carbon dioxide (CO2) out of the atmosphere as it photosynthesizes.(98) Ableitungen für eine Sammlerlösung: Zu feine Netzstrukturen des Sammlers filtert nicht nur den Kunststoff aus dem Wasser sondern auch das Plankton. Die Fangstrukturen dürfen kein Plankton fangen oder einen Mechanismus aufweisen, der das Plankton wieder separiert.. Vögel sind hier, nach aktuellem Wissensstand, Spitzenreiter. Es wird angenommen, dass jedes Jahr 1,5 Millionen Vögel an den Folgen des Kunststoffmülls sterben. Ableitungen für eine Sammlerlösung: Wie auch Robben könnten Vögel das Vehikel als Ruheplatz nutzen. Der Sammler darf keine Gefahr des Verfangens für die Vögel bieten. Vögel könnten im Müll auch Beute entdecken und versuchen danach zu tauchen und in dem Sammler

ertrinken. Der Sammler muss Geometrien aufweisen, die Gefahren minimieren. Die Strömungsgeschwindigkeiten sollten gering sein. Schutz für den Sammler: Durch den Kot und die Krallen könnte die Oberfläche des Sammlers beschädigt werden. Große Tiere wie Robben, Schildkröten, große Fische, Delphine und Wale können sich strangulieren oder verfangen sich mit ihren Gliedmassen in den Strukturen. Die Folgen sind ersticken oder verhungern. Ableitungen für den Sammler: Die Strömungsgeschwindigkeit muss so langsam sein, dass aktive Tiere den Sammler einfach wieder verlassen können.

48 Mikroskopaufnahme von Phytoplankton (96)

phic.com/news/2004/06/0607_040607_ phytoplankton.html, zuletzt geprüft am 21.11.2010. 98. EarthTalk: Plankton in the oceans. Online verfügbar unter http://blastmagazine.com/2009/11/02/earthtalk-plankton-in-the-oceans/, zuletzt geprüft am 10.11.2010.

64

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.3 Anforderungskatalog

6.3.1 Kernziele: • Finden Sie Lösungen, die mit möglichst geringem Zeit, Geld, Mensch und Materialaufwand eine Fläche von 2.000.000 km2 abdecken können. Schaden Sie keinem Tier, Plankton, Menschen. Sammeln Sie mehr Müll als entsteht. Schaffen Sie sinnvolle Arbeit für Menschen. Umweltanforderungen an die Sammler: Die Umwelteinflüsse auf Gerätschaften auf hoher See sind aggressiv. Folgende Anforderungen muessen gewährleistet sein, damit kein zu frühes Versagen eintritt. • Bewuchs durch Lebewesen • Benutzung von Lebewesen als Brut oder Sitzplatz • Attacken durch Lebensformen (Bisse, Schläge, Krallen) • Impact durch scharfkantiges Treibgut • Impact durch Schiffe • UV-Einstrahlung • Temperaturwechsel (0-80°C) • Salzwasserbeständigkeit • Konstante aber langsame Schwingungsbelastung verschiedener Amplituden.

• • •

Anforderung aus der Problembeschreibung: • Sammeln Sie kein Plankton. • Vermeiden Sie ein Verfangen von Vögeln, Fischen und anderen großen oder gefährdeten Meerestieren. • Hochseetauglichkeit. • Das System muss sich selbst schützen können und darf keine anderen gefährden (Seeschiffe).

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6.3.2 Wunschkriterien: Neben den primären Problemräumen entstanden weitere Wunschkriterien: • Positive Energiebilanz und geringer Co2 Fußabdruck vor dem Hintergrund des gesammelten Abfalls. • Die Kosten einer solchen Unternehmung sind ebenfalls wichtiger Bestandteil. • Recycling: Neben der Minimierung der negativen Einflüsse des Mülls auf die Biosphäre der Ozeane, kann der gesammelte Müll auch als Rohstoff dienen. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Müll selbst keinen oder nur einen sehr geringen Wert hat und haben wird. Da er nicht sortenrein ist und mit biologischen Bestandteilen bewachsen sein wird, ist dies kein hochwertiger Rohstoff. • Ausnahme: Pyrolyse und Synthesegasherstellung; dieser Weg könnte in Zukunft auch ermöglichen, den Abfall wieder direkt in einen Rohstoff zu verwandeln.

Energiequelle: Der Abfall besteht zum größten Teil aus einem Kunststoffgemisch. Kunststoff kann zu einem Brenngas weiterverarbeitet werden. Im Idealfall wird mehr Kunststoffmüll gesammelt als Energie notwendig ist um es zu bergen. Dann könnten sich die Geräte autark im Ozean mit Energie versorgen.

Partizipation und offene Laienforschung: • Möglichkeit der Einbindung der Öffentlichkeit oder erzeugen von mehr Informationen während des Sammelvorgangs über Sensoren und Bildverarbeitung (WebCam) • Näher bringen des zivilisatorischen Menschen an die Umwelt mit Hilfe von Technologie. Virtuelle Reisen a la Google Earth. • Mehr Informationssensoren vor Ort notwendig, um ein befriedigendes Reiseerlebnis zu erzeugen. • Öko-Reisen/Partizipation 2.0 ohne selbst vor Ort zu sein.

66

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.4 Diskussion der Lösungswege

Zur Erfüllung der Anforderungen stellten sich zwei Wege dar. Während der erste mögliche Weg auf einem offenen Modell aufbauen könnte, wäre der zweite ein eher geschlossenes Entwicklungsmodell. Beide Wege wurden grob evaluiert, bevor der Entschluss fiel das geschlossene Modell weiterzuverfolgen. 6.4.1 Evaluation – offenes Modell: Auf Basis der Beobachtung, dass zurzeit eine ausgiebige Grundlagenforschung der Ursachen und Auswirkungen durch Biologen durchgeführt wird aber wenige Konzepte und Lösungsdiskussionen zu finden sind, entstand die Idee, das Medienecho charismatischer Aktionen wie dem Plastiki und die Forschungsergebnisse zu nutzen, um auf der Grundlage dessen eine offene, erlebnisorientierte Technologieentwicklungsplattform zu entwickeln, die einen Übertrag des Forschungswissens in eine aktive und eruptive Entwicklungsphase realisieren könnte.

49 Innovationsmodelle

67

51 DIY Kit ROV-in-aBox im Einsatz (100)

50 Schematische Darstellung des
Materialaufbaus des Plastikis(99)

Dabei stellte sich die private DIY-Dronen Gemeinschaft und andere technisch-affine Hobbyisten als ideale Zielgruppe für das Thema und die Problemstellungen rund um die Sammlung von Müll auf hoher See dar. Diese Personen gälte es zu begeistern und als Laien-Forscher zu gewinnen. Ähnlich des ROV-in-a-Box Projektes würde ein erster Modulbaukasten aus Komponenten, Bauplänen mit Empfehlungen zur Umnutzung existenter Bauteile (PETFlaschen) und eine Online-Plattform angeboten, dessen Funktionalität und Angebot sich über die Zeit auf Basis des Erfahrungsgewinns weiterentwickeln könnte.

Das Ergebnis wäre die Einbindung von technischem Kreativpotential, welches die Erkenntnisse der Forscher unterstützen würde und eine offene Entwicklungs-community darstellen würde. Dies würde das konkrete und sinnvolle Ziel des aktiven Umweltschutzes unter Nutzung der Kernkompetenzen der jeweiligen Zielgruppe, unterstützen. Geocaching und andere Trends wären mögliche Methoden gewesen, die Handlung auf hoher See zu steuern. Als mögliche Ausgestaltung wäre ein Realspiel denkbar, dass die wahre Realität, die 10.000 km vom eigene Monitor entfernt liegt, mit einer virtuellen Online Welt und dem physischen Hobby der Technikentwicklung mischt und so eine neue Art der spielerischen Partizipation ermöglichen würde.

99. 100.

ADVENTURE ECOLOGY (Hg.) (2010): nytscienceplastiki_ full.jpg (JPEG-Grafik, 1150x876 Pixel). Unter Mitarbeit von 2010. Online verfügbar unter http://assets4.theplastiki.com/static/whatis/nytscienceplastiki_ full.jpg, zuletzt aktualisiert am 08 ROV-in-a-Box (2010): Facebook | ROV-in-a-Box Fotos - Blue Hole. Online verfügbar unter http://www.facebook.com/, zuletzt aktualisiert am 20.11.2010, zuletzt geprüft am 20.11.2010.

68

6

Ausarbeitung: Marine Litter Harvesting 6.4 Diskussion der Lösungswege

6.4.2 Gefahren und Nutzen - offenes Modell Während der weiteren Recherche entstanden Fragen, welcher Nutzen und welche Gefahren für Umwelt, Nutzer und Wissenschaftler im Rahmen dieses Konzeptes entstehen könnten. • Kann die Ausarbeitung einer offenen Innovationsplattform für die Anbindung der Laien Robotiker überhaupt verantwortet werden oder sind die Probleme und die darin enthaltenen Gefahren für marines Leben auch durch die Erfüllung der Zielaufgabe so groß, langfristig und gefährlich, als dass hier Laien in die Verantwortung genommen werden sollten? Wie wird ein möglicher Missbrauch der generierten Lösungen verhindert, Stichwort Somalia und Schiffspiraterie und Terrorangst? • Wie könnten Konzepte und Rahmenbedingungen aussehen, die das konkrete Problem „Müll im Meer“ sinnvoll beseitigen? Machte es Sinn die Lösungsfindung auf ein offenes privates Benutzererlebnis auszuweiten? Wenn ja, wie könnte es ausgestaltet sein, wenn nein, wie könnte eine Alternativlösung aussehen? Wer haftet, wenn Lebewesen wie Delphine zu Schaden kommen? Wer haftet, wenn ein Roboter zerstört wird? Haben Laien die Ausdauer, über Jahre hinweg eine Region mit ihren Robotern aufzuräumen? Wie viel kreative Energie und wie viel Langzeitnervenkitzel und wie viel Routine sind darin enthalten? Wie muss eine Erlebniswelt aussehen, die den Laien motiviert, sich dauerhaft mit Freude und ohne finanziellen Nutzen evtl. sogar mit Aufwand zu beteiligen?

• • • • •

69

Fazit: zur Klärung der Frage, ob der Nutzen die Hürden überwiegt, fand ein Abgleich mit Rollenspielentwicklern, Laien und den Firmen EvoLogics und Triebwerk statt, wobei der Ansatz einer geschlossen entwickelten Lösung zur fokussierten Beseitigung des Müllproblems direkt mitangesprochen und verglichen wurde. Das Ergebnis war, dass Laien durchaus hohes Interesse an dem Abenteuer „Offshore Protection“ hätten und aus der Erfahrung der Spielentwicklung auch sehr produktiv in der Entwicklung von Handlungsstrategien und der Weiterentwicklung von einzelnen, abgegrenzten Technologiebausteinen helfen könnten. Damit aus einer Problemstellung jedoch ein Abenteuer wird, sind künstliche Effekte notwendig, die den Einsatz aus der realen Welt heraus nimmt. Dazu gehören extreme Zeit- und Raumkomprimierungen, gepaart mit konkreten, vereinfachten Handlungsszenarios, die eine Vergleichbarkeit und einen Wettkampf untereinander ermöglichen und damit den Reiz eines Spiels ausmachen. Laien können sehr gut verschiedene vorher erarbeitete Lösungswege auf Basis einer Spielumgebung austesten und optimieren. Für das Austesten sind künstliche Umgebungen besser geeignet. Es können sehr gut Teilprobleme etappenweise moderiert werden. Dieser Weg würde sich damit eher für spezielle Fragestellungen in Teilgebieten eignen, die dann ggf. im Rahmen von zeitlich begrenzten Kampagnen zur Mithilfe aufruft inkl. der Ausgabe von Care-Packs als Startpakete ausgibt. Die Diskussionen zeigten, dass für das Gesamtprojekt, der zielgerichteten und für das Leben möglichst schonenden Entsorgung des Mülls aus dem Meer, eine gesteuerte Organisation notwendig sein würde, die eine „ClosedInnovation“ basierte Grundlage entwickelt und damit Kernprobleme konzertiert angehen kann. Offene Bausteine, wie das oben geschilderte Konzept, wären aber eine interessante Lösung im Bereich der Vorentwicklung sobald die Basis bestünde.

70

7

Harvesterlösung - B2B

7.1 CI

Auf Basis der Randbedingungen soll nun eine zielgerichtete Lösung entwickelt werden, die es im professionellen Umfeld ermöglicht umweltgerecht, effektiv und kostengünstig die Funktion „Rückgewinnung des Mülls aus dem Meer“ zu erfüllen. Damit werden den vorweggegangenen Anforderungen folgende Faktoren hinzugefügt: Zielgruppen: Professionelle Nutzer, Käufer und Nutzer können unterschiedliche Gruppen sein mit unterschiedlichen Interessenlagen. Mögliche Nutzergruppen: Hochseefischerei, Umweltschutzorganisationen oder Hochseetechnologie unternehmen. Gestaltung: möglichst robust, handhabungsorientiert, hochseekonform, Sicherheitsfeature- Stil: z.B. Hochseefischerei und Umweltorganisationen

7.1.2 Zielgruppe Im Gegensatz zu den aktuellen Forschungsunternehmungen, die das Aufkommen, die Verteilung und die Folgen von Kunststoffmüll im Meer untersuchen, soll die zu entwickelnde Lösung im täglichen Einsatz ihren Kunden finden. Das heißt, dass das Produkt keine Spezialanwendung sondern eine Serienanwendung für handwerklich orientierte Profis darstellten muss. Der Einsatz eines solchen Gerätes muss jahrelang erfolgen und eine Verbreitung unter möglichst vielen Nutzern finden. Wer sind die Nutzer? Wer könnten sie in Zukunft sein. Wissenschaftler werden diese Aufgabe nicht übernehmen können. Dabei entwickelte sich eine dominante Idee. Könnten kleine und mittlere Fischereiunternehmen oder Ölplattform-Bertreiberfirmen hier eine geeignete Zielgruppe sein? Aktuell wird bei der EU wieder über die Fangquoten gerungen und die Fische wie auch Fischer sind in ihrer Existenz bedroht. Die starke Abnahme der Bio-Diversität und die See-Verschmutzung sollte den Fischern zumindest ein finanzielles Interesse sein. Fischer wären die ideale Berufsgruppe, Lösungen für eine langjährige Initiative zur systematischen Säuberung der Ozeane zu nutzen, da sie einen enorm großen Erfahrungsschatz im Bewegen auf den Ozeanen mitbringen. Ähnlich eines Land- oder Forstwirts könnte ein Teil der Ressourcen der Fischer in Zukunft direkt für die langjährige und konstante Pflege des Lebensraumes Ozean genutzt werden.

7.1.1 Missionsdefinition DNA Die Firma und das Produkt wird sich im professionellen B2B Umfeld positionieren und Produkte zur Müllbeseitigung und Verwertung anbieten. Mission: Der Müllrecycler der Ozeane Drei strategische Ziele: • Verschmutzung der Meere aktiv beseitigen • Mensch, Umwelt und marines Leben schützen • Hochtechnologieentwicklung für marine Recyclingstrategien Praktische Ziele: • Produkte und Werkzeuge zur Hochseemüllbeseitigung • Technologieentwicklungsnetzwerk

71

52 FairTrade Logo (101)

53 Interessensgruppen
Dabei hält sich der personelle Aufwand, wie später zu lesen sein wird, in einer ersten Überschlagsrechnung in Grenzen. Durch ein Rotationssystem würde eine große Anzahl von Fischern nur für eine absehbare Zeit in diese Tätigkeit eingebunden werden. Durch diese Maßnahme könnte ebenso ein Sinneswandel der Industrie eingeleitet werden, denn eine eigenverantwortliche Balance aus Ausbeutung und Pflege ist bisher heute in der Fischereiindustrie nicht existent. Wer sind die Geldgeber? Das Sammeln von Müll aus dem Meer ist aktuell auch in absehbarer Zeit keine direkt Gewinn erzeugende Initiative. Die positiven Ergebnisse zeigen sich erst langfristig und eher indirekte Wirkung. Das notwendige Kapital müsste demzufolge nach einem Subventionsmodell aus anderen Kanälen und auf Basis anderer Nutzenelemente beigesteuert werden. Ein neues Label parallel zum FairTrade Symbol könnte in der Fischerei Kapital erzeugen, das über einen Fund an diese Aktion geleitet werden könnte. Welche weiteren Interessengruppen existieren? Zu den weiteren Interessengruppen zählen zu aller erst sicherlich die Umweltverbände und Forschungseinrichtungen, die bereits heute schon über einen Erfahrungsschatz von mehreren Jahrzehnten verfügen und sowohl nützlich aber sicherlich auch sehr kritisch und skeptisch eine technologische Vorrichtung bewerten werden, die potentiell das Leben von Tieren mehr gefährden könnte als dies heute durch den Kunststoffmüll der Fall ist. Zu den wichtigsten Verbänden in diesem Umfeld gehören folgende • Staatliche: NOAA, UNEP und EU, Fischereiverband, Umweltverband, Technologieverband • Forschung: Algalita, die Scribbs Universität mit dem Forschungsschiff Seaplex, Project Kasei, 5 Gyres, http://www.algalita.org/research/index.html, http:// seaplexscience.com/ • Umweltorganisationen: WWF und Greenpeace • Wirtschaftsvereinigungen: Chemische Industrie, Verpackungsindustrie, Fischereiindustrie

101.

theobroma-cacao (Hg.) (2009): fairtrade-transfair.jpg (JPEG-Grafik, 1167x1401 Pixel) - Skaliert (59%). Online verfügbar unter http://www.theobroma-cacao.de/uploads/pics/fairtrade-transfair.jpg, zuletzt aktualisiert am 12.05.2009, zuletzt geprüft am 07.12.2010.

72

7

Harvesterlösung - B2B

7.1 CI

°marX °marX
(102) (103)

marine litter X-tractio
7.1.3 Zielgruppe Nutzer: Assoziationen Schlagworte & Werte: Weite, Natur, Jagd, Abenteuer, Cowboy, Tradition, Bande, Maskulin, Helden, Pathos 7.1.4 Farbwahl Anforderungen: • Einhalten der Standards für Bojen und langsam fahrende, unbemannte Gegenstände. • Maskuline Anmutung ohne zu viel Aggression. • Unter Wasser wenn möglich Fische abschrecken • Überwasser / Bojen • Unterwasser Abwehr / Bio-Mimikry

marine litter X-tractio

Basaltgrau | RAL 7021 | RGB: 057,063,077 Leuchtgelb | RAL 1026 | RGB: 255,255,000 Verkehrsweiss | RAL 9016 | RGB: 244,255,244 Verkehrspurpur | RAL 4006 | RGB: 152,024,104
(104)
102. 103. 104. NationalGeographics (2010), Yeti Coolers (Hg.) (2010): „ExpGreatWhite-team-e1279142805800.jpg (JPEG-Grafik, 499x333 Pixel)“. URL: http://www.yeticoolers.com/wp-content/uploads/ExpGreatWhite-vteam-e1279142805800.jpg [Stand: 01. Dezember 2010]. S2 Yachts Ltd. (Hg.) (2009): umbsBuoyIntro.png (PNG-Grafik, 1354x895 Pixel) - Skaliert (93%). Online verfügbar unter http://www-personal.umich.edu/~kkwaiser/Sensors/umbsBuoyIntro.png, zuletzt aktualisiert am 29.09.2009, zuletzt geprüft am 05.12.2010.

73

Auswahl-Farber: Es wurden vier Farben und eine Hintergrundfarbe gewählt. • Basaltgrau - RAL 7021 - (Kunststoffteile, Schutzelemente) • Leuchtgelb - RAL 1026 - (Oberfläche-Harvester, Signalfarbe) • Verkehrsweiß - RAL 9016 - (Textil, Akzente) • Verkehrspurpur - RAL 4006 - (Unter Wasser-Warnfarbe) Dabei wurde das Purpur aus dem besonderen Grund gewählt, da das Blau des Wassers die Eigenfarbe abwandelt und das Purpur eher Violett erscheinen lassen könnte, während ein im ersten Schritt gewähltes Violett zu dunkel hätte werden können. Die Farben wurden in ihrer Helligkeit so ausgewählt, dass auch monochromes Sehen ermöglicht wird. 7.1.5 Namensgebung Inspirationsrichtungen: • Ortsbezogen: Prelagic, Pelago, Pacific; OceanDeTech; Floating Horizont; • Technisch: Pelagic Debris Harvesting; OceanCare Technology; Malte – Marine Litter Technologies; MADE – Tools; Maliha – Marine Litter Harvesting; DePlast offshore, terra; marEX – marine litter extraction; marX – marine litter X-traction • Marines Leben: Litter Baleen – WhaleBone; DeepBlue – Protec;

Auswahl-Name: Die Wahl fiel auf das Akronym „marX“ das für „marine litter x-traction“ steht. Es ist männlich und im Gegensatz zu „MALTE“ kraftvoller. Es ist kurz und für verschiedene Kulturkreise relativ einfach auszusprechen. Das X als Symbol für die Beseitigung, die Löschung und die Execution also die Ausführung, soll/ kann die Zielgruppe gut erreichen. Für den „Harvester“ wurde die Produktbezeichnung der Begriff „X.Ray“ gewählt. X.Ray als Kurzform für die Röntgenstrahlen und damit Synonym für das Durchdringen und dem zielstrebigen Auffinden von eigentlich von der Oberfläche aus Verborgenem. Des Weiteren ist „Ray“ das englische Wort für Rochen. Der Manta Ray / Manta Rochen ist einer der größten „Filternden-Fische“ mit 7 Metern Spannweite, genauso wie der Harvester.

54 Sicht auf die Unterseite
eines Manta Rochens (105)

105.

The Hawaii Association for Marine Education and Research, Inc (Hg.) (2010): „Manta_Ray _Belly.jpg“. URL: http://www.hamerhawaii.com/images/Manta%20Rays/Manta_Ray _Belly.jpg [Stand: 02. Dezember 2010].

74

7

Harvesterlösung - B2B

7.1 CI

7.1.6 Schriftzug- und Farbgestaltung: Als Schrifttype wurde nach einer serifenlosen Schrifttype gesucht, die technisch, modern, rational aber nicht zu kalt und nicht zu futuristisch ausfallen durfte. Die „HighlandGothic FLF“ erschien in diesem Zusammenhang die richtige, da sie nicht so nüchtern wie die „DIN“ ist und noch nicht zu dynamisch auftritt. Um eine freie Positionierung auf unterschiedlichen Untergrundtönungen zu ermöglichen, wurden sowohl helle und dunkle Schriftzüge zusammengestellt. Mehrere Wortkombinationen bieten mehr Freiheit in der Platzierung auf dem Produkt. Hinzu kamen, die zwei Gestaltungen einer hellen Hintergrundeinfärbung, die für Schiffe und für Außendarstellungen dienen sollen, während die gelb-graue Zusammenstellung nur den schweren Werkzeugen vorbehalten bleibt. Wohl wissend, dass dadurch eine starke Nähe zu Kärcher und Caterpillar und Liebherr entsteht, wurde dieser Weg gewählt, da diese Farbgebung dominanter Standard im Bereich Bojen darstellt. Salopp gesagt: Die moderne Müllabfuhr der 7 Weltmeere 7.1.7 Formensprache Robust, konservativ-technisch, strömungsgünstig, einfach und materialreduziert

__ Firmenlogo + Internet + Schiffe

__ Ausrüstung + Roboter + Harvester

Basaltgrau | RAL 7021 | RGB: 057,063,077 Leuchtgelb | RAL 1026 | RGB: 255,255,000 Verkehrsweiss | RAL 9016 | RGB: 244,255,244 Verkehrspurpur | RAL 4006 | RGB: 152,024,104

55 Finales Ergebnis der Schrift und Farbgestaltung

75

7.2 Benchmarking Marine Technologie:

56 GGlobale Verteilung verschiedenster Daten-Bojenarten (106)
Um einen besseren Eindruck von der Produktsprache, deren Farbcodierung und aktuellen Technologien zu erhalten, wurden verschiedene Bereiche sowohl der unbemannten als auch der bemannten marinen Technologie gescouted. verankert. Wie auf dem oberen Bild zu sehen haben Bojen klassischer Bauart schnell einen Durchmesser von mehreren Metern und können ebenso einige Meter über den Meeresspiegel herausragen. Ganz nach dem alten Motto „viel-hilft viel“ sind diese Bojen extrem massiv ausgelegt und können nur mit Hilfe schwerer Geräte wie Kränen positioniert und geborgen werden. Ihre Lebensdauer beträgt aber auch einige Jahre. Die Kosten für eine Boje belaufen sich schnell auf mehrere Millionen Euro.

7.2.1 Unbemannte Lösungen: Das Meer ist dabei für einen Laien überraschend stark mit Technologie besiedelt. Gut 3000 unbemannte und kommunizierende Bojen, Drifter und Glider sind auf den Ozeanen positioniert. Sie liefern via Satellitenkommunikation Daten über Wassertemperatur, Strömungsgeschwindigkeit, Wellengang, Wassertrübung oder wenn auf dem Grund der Ozeane befestigt, teilen sie im Rahmen des globalen Frühwarnsystems mit, wenn ein Seebeben stattfindet. Bojen: Klassische Bojen sind meist im Boden vor der Küste

(107), (108)

106. 107. 108.

NOAA (2010), 4096_notrolled.jpg. NOAA, Online verfügbar unter ftp://public.sos.noaa.gov/oceans/buoy _locations/4096_notrolled.jpg, zuletzt geprüft am 12.11.2010. buoyAfeb06.jpg (2006). Online verfügbar unter http://gyre.umeoce.maine.edu/GoMoos/pics/buoyAfeb06.jpg, zuletzt aktualisiert am 06.02.2006, zuletzt geprüft am 04.11.2010. S2 Yachts Ltd. (Hg.) (2009): umbsBuoy1.png (PNG-Grafik, 1234x774 Pixel). Online verfügbar unter http://www-personal.umich. edu/~kkwaiser/Sensors/umbsBuoy1.png, zuletzt aktualisiert am 29.09.2009, zuletzt geprüft am 05.12.2010.

76

7

Harvesterlösung - B2B

7.2 Benchmarking Marine Technologie:

Drifter und Glider: sind bereits dynamische Informationssammler. Drifter sind passive Bojen mit einem Textilschlauch, welcher die Boje mit der Meeresströmung mitzieht, während der Teil über der Wasseroberfläche möglichst windunanfällig ausgelegt ist. Es sind meist Schwimmkugeln aus Kunststoff, die zur Hälfte im Wasser versinken. Sie sind so verpackt, dass sie von fahrenden Schiffen und sogar vom Flugzeug aus abgeworfen werden können und sich selbst entfalten. Diese Drifter sind mit 5000 Euro relativ günstig. Nach einiger Zeit (ca. 100 Tage) verlieren diese Bojen ihre Funktion. Der Textilschlauch verrottet und fällt ab und die Bojen stranden. Der nur mit Speziallacken limitiert zu vermeidende Bewuchs der Bojen ist sehr schön auf dem unteren Bild zu sehen. Glider treiben nicht mit der Strömung. Sie vollführen eine Art ballistischen Unterwasserparabelflug. Sie tauchen in Intervallen bis auf 1000 Meter Tiefe und sammeln Daten wie Wassertemperatur und Salzgehalt. Sie sind so ausbalanciert, dass sie mit Hilfe einer kleinen Luftkammer langsam sinken oder steigen können. An der Wasseroberfläche angekommen, übermitteln sie ihre Daten via Sattelite zur Basis bevor sie einen weiteren Tauchgang unternehmen.

58 Alter Drifter mit starkem Bewuchs (110) 59 Ein Glider von der Firma Slocum (111)

57 Drifter mit Textilschlauch (109)

109. 110.

schematic.jpg (JPEG-Grafik, 554x759 Pixel) (2005). Online verfügbar unter http://www.aoml.noaa.gov/phod/dac/schematic.jpg, zuletzt aktualisiert am 14.11.2005, zuletzt geprüft am 06.11.2010. 1250_recup _1250b_small.jpg (JPEG-Grafik, 676x994 Pixel) (2007). Online verfügbar unter http://www.aoml.noaa.gov/phod/ dac/1250_recup _1250b_small.jpg, zuletzt aktualisiert am 08.03.2007, zuletzt geprüft am 06.11.2010. webb-glider.jpg (2009). Online verfügbar unter http://palmerstation.files.wordpress.com/2009/12/webb-glider.jpg, zuletzt aktualisiert am 03.12.2009, zuletzt geprüft am 19.11.2010.

77

111.

62 Solarzellen für Navigation,

Wellen für den Vortrieb (115)

Autonome Vehikel: ROVs (Remotely operated (underwater) vehicles): PerSchleppkabel oder in Zukunft auch per Wasserfunk direkt gesteuerte Mini U-Boote mit Werkzeug und Informationssensorik. Der Antrieb findet elektrisch konventionell statt. Die Versorgung mit Strom findet über das Kabel oder mit Akkumulatoren statt.

die Wellenbewegung zur Fortbewegung, während Photovoltaikzellen für die Elektronik des Gleiters zuständig sind. Diese Lösung ist um vieles materialschonender und dynamischer als alle anderen Bojen und kann sich über weite Strecken selbstständig mit bis zu 4 Knoten fortbewegen (vgl.113).

Wave Glider von Liquid Robotics: Eine der zurzeit besten Lösungen stellt der frisch entwickelte Wave Glider von Liquid Robotics dar. Es ist eine unbemannte Drone (UAV), die sich via Sattelite orten und steuern lässt. Mit Hilfe eines Flossenschlittens in einigen Metern Tiefe nutzt er

60 Untersee-Boot an einem Bedienpanel (112) 61 Ein Wave-Glider (114)
112. 113. 114. 115. ROV_working _on_a_subsea_structure.jpg (JPEG-Grafik, 2400x1800 Pixel) - Skaliert (46%) (2010). Online verfügbar unter http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/99/ROV_working _on_a_subsea_structure.jpg, zuletzt aktualisiert am 01.05.2010, zuletzt geprüft am 01.11.2010 IDTechEX (2010): Printed Electronics World: The glamorous world of energy harvesting. Online verfügbar unter http://www.printedelectronicsworld.com/articles/the_ glamorous_world_of _energy _harvesting _00002083.asp, zuletzt geprüft am 19.11.2010. Alle Größen | BP‘s Mike Utsler and Liquid Robotics CEO Roger Hine | Flickr - Fotosharing! Online verfügbar unter http://www.flickr.com/photos/bpamerica/4929557734/sizes/o/, zuletzt geprüft am 06.11.2010. TE-AA910C_CAT_L_G_20100923161843.jpg (JPEG-Grafik, 553x369 Pixel) (2010). The Wall Street Journal. Online verfügbar unter http://si.wsj.net/public/resources/images/TE-AA910C_CAT_L_G_20100923161843.jpg, zuletzt aktualisiert am 23.09.2010, zuletzt geprüft am 19.11.2010.

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Harvesterlösung - B2B

7.2 Benchmarking Marine Technologie:

7.2.2 Bemannte Schiffe und Boote: Bemerkenswert war der Aufbau der Katamaran Rümpfe aus einem Tragwerk aus PET-Faser verstärktem PETKunststoff und Auftriebskörpern aus PET-Flaschen. Die Lösung zeigt sehr anschaulich, dass eine Kombination aus Umnutzung und dem Einsatz werkstofflich recycelter Bauteile nicht zu einem Downcycling führen muss. Plastiki Links: http://www.theplastiki.com/ ; http://www. adventureecology.com/ Wellenenergie – Google Offshore: Auch Google will sich das Meer zu Nutze machen. Vor allem die Kühlleistung des Wassers ist hier für Google wohl ausschlaggebend, da Server-Farmen einen immensen Strom- und Kühlungsbedarf haben. Das Internet hat zurzeit einen vergleichbaren Energiebedarf wie der globale Flugverkehr. Im Jahr 2008 wurde ein Patent veröffentlicht, in dem Google Serverinstallationen auf dem Meer beschreibt, die mit Meerwasser gekühlt werden und mit Hilfe von Wellenenergie-Kraftwerken mit Strom versorgt werden (vgl. 114). Im Oktober 2010 wurde in Blogs davon berichtet, dass Google an der Westküste nun Windparks errichten möchte (vgl.118).

Recycling und Umnutzung für eine ausgeprägte Ressourceneffizienz: Das Plastiki ist ein weiteres, PR orientiertes Leuchtturmprojekt, um auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Recycling basierten Konsum und sehr intensiv gegen die Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen. Das gesamte Schiff besteht mehrheitlich aus dem Kunststoff PET und recyclierten oder Alt-Aluminium-Profilen. Auch wenn dies einem etwas das Gefühl des Green-Washings durch einen Materiallieferant gibt.

Google Patent (117)

63 Plastiki info Poster (116) 64 Abbildung aus dem

116. 117. 118.

epoca_ full.jpg (JPEG-Grafik, 1300x847 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://assets4.theplastiki.com/static/whatis/epoca_ full.jpg, zuletzt aktualisiert am 08.09.2010, zuletzt geprüft am 17.10.2010. ZDNet (2008): Google makes waves and may have solved the data center conundrum | ZDNet. Online verfügbar unter http://www.zdnet.com/ blog/btl/google-makes-waves-and-may-have-solved-the-data-center-conundrum/9937, zuletzt geprüft am 19.11.2010. Media, Tan (2010): Google investiert Millionen in einen riesigen Offshore-Windpark - Klima-Wandel.com. Tan Media. Online verfügbar unter http:// www.klima-wandel.com/2010/10/12/google-investiert-millionen-in-einen-riesigen-offshore-windpark/, zuletzt geprüft am 19.11.2010.

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66 Turnaror Planet Solar Jung fernfahrt (120)
Solar-Energie: Die Solar Wave und die Planet Solar sind zwei Schiffe, die aktuell mit reiner Photovoltaik eine Erdumrundung in Angriff genommen haben und mit Hilfe der daraus entstehenden PR auf den Nutzen von Solarenergie aufmerksam zu machen. Bemerkenswert sind die Unterschiede der beiden Ergebnisse. Während das Planet Solar Schiff über 30 Meter lang ist und das Projekt über 12 Millionen Euro gekostet hat und vor allem mit Hilfe eines angepeilten Geschwindigkeitsrekords für die Erdumrundung für eine neue Technologie werben möchte, zeigt die Solar Wave, dass sich ein einfacher Catamaran für normale 800.000 Euro solarbetrieben realisieren lässt und damit im normalen Markt angekommen zu sein scheint.

68 Großformatige Drachen als Segel bei Sky Sails (122)
Windenergie: Portugiesische Galeere (Physalia): Die Portugiesische Galeere ist eine sehr faszinierende Kolonie von Lebewesen. Sie kann zu sehr unangenehmen Verletzungen führen. Faszinierend ist aber vor allem, dass es nicht ein Lebewesen, ist sondern eine Ansammlung verschiedener Lebensformen, die eine Symbiose bilden und zusammen eine konsistente Lebensform ergeben. Sie besitzt nur die Größe einer Hand und schwimmt auf hoher See. Ihr Luftsack treibt sie mit dem Wind.

67 Portugiesische Galleere (Physalia) treibt auf hoher See (121)
Sky Sails: Segel auf Schiffen erfahren eine Renaissance. Bahnbrechend in der Idee war sicherlich 2008 die Transformation von Sport-Kites in den Industriesektor. Neben Konzepten zum Antrieb von Land-Generatoren mit Hilfe der Kinetischen Energie wurde im Beispiel der Sky Sails Frachtschiffe der Zukunft wieder vermehrt Segel oder Drachen eingesetz um Sprit zu sparen. Mit Hilfe der neuen Großsegel sollen bis zu 20% Treibstoff gespart werden können. Dazu sei erwähnt, dass die Güterschifffahrt im Gegensatz zum Straßen- oder Luftverkehr zu den transportgewichtsbezogen effizientesten Transportmitteln auf der Erde gehören. Dennoch lassen sich weiter die Kosten und der Energieverbrauch senken.

65 CAD Darstellung der Solar Wave (119)

119. 120. 121. 122.

solarwave.jpg (JPEG-Grafik, 1245x537 Pixel) (2009). Online verfügbar unter http://www.ocean7.at/uploads/service/91_solarw_ planetsol_010709/solarwave.jpg, zuletzt aktualisiert am 01.07.2009, zuletzt geprüft am 13.11.2010. planetsolar_2.jpg (JPEG-Grafik, 4000x3000 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://www2.dupont.com/Photovoltaics/en_US/assets/images/planetsolar/planetsolar_2.jpg, zuletzt aktualisiert am 28.09.2010, zuletzt geprüft am 13.11.2010. mpreetz (2003): 72162047WWtwTg _ fs.jpg (JPEG-Grafik, 2048x1360 Pixel). Online verfügbar unter http://image05.webshots. com/5/6/20/47/72162047WWtwTg _ fs.jpg, zuletzt aktualisiert am 06.05.2003, zuletzt geprüft am 16.11.2010. MS_Beluga_SkySails_Cargo.jpg (JPEG-Grafik, 2480x1654 Pixel) (2008). Online verfügbar unter http://www.pressestelle.tu-berlin.de/fileadmin/ a70100710/Fotos/Pressestellenarchiv/MS_Beluga_SkySails_Cargo.jpg, zuletzt aktualisiert am 07.04.2008, zuletzt geprüft am 19.11.2010.

80

7

Harvesterlösung - B2B

7.2 Benchmarking Marine Technologie:

Alte Patente: Die Nutzung alternativer Antriebe ist nicht neu. Ebenso wenig „Kites“ als Antriebsmittel für zu bewegende Gegenstände auf dem Meer. Eines der ersten Patente war das von Herrn Thayer welches im Jahr 1889 erteilt wurde. Ebenso werden Drachen im Rahmen von Fischerei angesprochen. Eines der Patente, das sehr nah an das Vorhaben heranreicht, ist das Patent US3462870 von 1969 und dessen Nutzung.

ten Kite Patente (123)

69 Skizze aus einem der ers70 Patentzeichnung eines
drachengezogenen Netzes (124 )

123. 124.

D.Thayer (1889): „US0417755 - Aerial Apparatus“. URL: http://www.freepatentsonline.com/pdfb/documents/uspt/patent_ pdf/0417/US0417755/pdf/US0417755.pdf [Stand: 01. Dezember 2010]. Emil B. Terilli (1969): „US3462870 - Aerial Fishing System“. URL: http://www.freepatentsonline.com/pdfb/documents/uspt/patent_ pdf/3462/US3462870/pdf/US3462870.pdf [Stand: 01. Dezember 2010].

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82

7

Harvesterlösung - B2B 7.3 Konzeptentwicklung der Infrastruktur

7.3.1 Roboter oder Mensch Die erste Idee beruhte auf einer reinen schwarmintelligenten Roboterlösung. Die Aufnahme der vollen Müllsammler hätte von Frachtschiffen übernommen werden können, die die Sammler an Land brächten. Dabei stellte sich die Frage nach dem Sinn und der Praktikabilität, den Gefahren und dem Nutzen eines solchen Konzeptes. Und wenn, dann in wie weit eine Automatisierung des Sammelprozesses sinnvoll sein könnte. Im Laufe der Arbeit wurde jedoch eine Mischung aus beidem gewählt und das hatte verschiedene Gründe, denn in dem Einsatz der menschlichen Stärken und dem Werkzeug Roboter wurde aus Sicht des Bearbeiters eine Lösung erzeugt, die optimal funktioniert. Ebenso ist die Schaffung von Arbeitsplätzen ein lohnenswertes Ziel. Roboter sind hier oft der Feind des Arbeiters. Roboter sollten aber vor allem in Situationen eingesetzt werden, wenn die Anforderungen es notwendig machen. Auch die Idee der Schwarmintelligenz, eine Mode der letzten Jahre, die nicht immer die effektivste Lösung sein muss, soll diskutiert werden. Klassische Mensch gesteuerte Großsysteme: Die klassische Variante des Einsammelns von Müll könnte über Boote und Schleppnetze erfolgen. Vorteile: Menschen sind direkt vor Ort. Sollte es Fehlfänge geben, dann können die Fischer sofort reagieren. Menschen sitzen in Booten. Boote haben Kraft. Die Netze könnten größer ausfallen, die mit entsprechend mehr Kraft bewegt werden müssten. Die Boote können untereinander auf Sicht und Funk fahren. Jedes Boot kann Radar und Sattelitenempfang erhalten. Eine Koordination untereinander ist möglich. Negative Faktoren: Zeit ist bei diesem System Hauptkostentreiber. Heutige Fischfangstrategien bestehen aus einem großen Fabrikschiff mit großem Schleppnetz, welches durch kleine Tochter-Boote in der Abdeckungsbreite verstärkt werden kann. Dabei ist die Menge des gesammelten Produktes hoch, hervorgerufen durch Ortung und Fokussierung auf Fischhäufungspunkte, möglichst große Schöpffläche und Volumen welches durch eine möglichst hohe Fahrgeschwindigkeit erzielt wird.

83

Ergebnis ist ein materialintensives Großsystem, welches auf Menge in kurzer Zeit abzielt. Eine Anpassung des Systems auf das Problemfeld „Müllsammeln unter Gewährleistung eines geringen Anteils an Biomasse“ bedeutet, dass ein Großsystem nur funktionieren könnte, wenn die Basis viel breiter und ressourceneffizienter arbeiten würde. Dabei werden Menschen benötigt. Vorteil ist, Menschen erhalten eine sinnvolle Aufgabe. Fischer könnten dies leisten. Die Überfischung der Meere würde minimiert. Ein Fischer benötigt ein Einkommen und verursacht auf hoher See mit seinem Schiff einen Fußabdruck. Reine Roboter Lösung: Am Anfang der Ideenentwicklung stand die Idee, eine große Anzahl kleiner materialreduzierter Roboter einzusetzen, die sich über lange Zeit autark in den Ozeanen fortbewegen würden und dann durch ein Hand-in-Hand Arbeiten komplexe Sammelmanöver zu vollführen und größere Leistungsfähigkeit auszubilden als ein einzelner Roboter es ermöglichen würde. Dabei ergaben sich mehrere Fragestellungen.

Wie erfolgt die Kommunikation untereinander auf hoher See, hohen Wellen und dem Fehlen eines GPRS Netzwerkes? Steht ausreichend Energie zur Verfügung und sind der zu erwartenden technische Aufwand vertretbar? Wie sieht es mit dem Bauraum aus? Dabei wäre es sicherlich nützlich, wenn jeder Roboter sich frei auf dem Pacific bewegen könnte und mit GPS und Digitalkamera ausgerüstet, die morgens und abends schöne und nützliche Bilder zur Verfügung stellen würde. Des Weiteren stellt sich die Frage ob eine schwarmintelligente Ansammlung von Schwimmrobotern für die zu lösende Aufgabe eine effiziente und effektive Methode darstellen könnte. Die zu sammelnden Teile sind nur mit großflächigen Strukturen und weniger mit Ansam-mlungen von Robotern zu lösen. Fazit: Sowohl teure Technologien als auch Abwesenheit von Menschen, gefährdet Leben der Tiere. Fehlerlosigkeit der Technik kann nicht sichergestellt werden. Dennoch bieten Roboter die kostengünstige Möglichkeit des Sammelns eines Mediums, welches nur in sehr geringer Dichte auf einer großen Fläche vorhanden ist. Hybrid: Suche und Ortung / Systematisches Sammeln: Dabei stehen verschiedene Aufgaben zur Disposition, die ggf. nicht von einer Roboterart allein, sondern nur von verschiedenen Einheiten zu lösen sein könnte. Der Prozess des Umherstreifens und Suchens ist dabei eine

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7

Harvesterlösung - B2B 7.3 Konzeptentwicklung der Infrastruktur

ganz andere, als das zeilenweise Abfahren von bereits definierten Erntegebieten. Eine weitere Aufgabe ist die zielgerichtete Bergung von georteten Großobjekten, die nur mit vereinter Kraft vieler oder der Kraft eines großen Objekts zu realisieren wäre. Die Aufgabe des Suchens und Ortens ist eine dezentralisierte Aufgabe von eher sich frei bewegenden Objekten. Diese Handlungsaufgabe könnte zum Beispiel auch auf Privat-Dronen verlagert werden, die sich dem Verbund hinzufügen dürfen und damit Teil des Programms werden. Die Aufgabe des systematischen Erntens ist eine langwierige und zeilenlauforientierte Arbeit. Ähnlich des Erntens von Getreide auf den Felder des US amerikanischen mittleren Westens. Diese Aufgabe ist langwierig und langweilig. Eine zentrale Roboterkoordination und Ortung würde kann helfen, bei Mähdreschern wie bei John Deere oder bei National Instruments ist dies bereits heute der Fall (vgl.125). Des Weiteren ist eine präzise koordinierte Sammlung nur möglich wenn sich alle notwendigen Sammler genau zu einander ausrichten lassen. Auf hoher See bei Wind, Wellen und Strömungen kann dies schwierig werden, so dass eine offene Formation gesucht werden muss, die eine Kommunikation der Einheiten untereinander erschweren würde. Ein Verlust einer Einheit wäre Wahrscheinlich. Sollten nun eher eine Sattelitengestützte Steuerung präferiert werden, dann sind die Koste und die Installationsdimension um ein Vielfaches grösser. Auch stellt sich die Frage, ob bei der zu vollziehenden

Sammelstrategie eine Schwarmintelligenz notwendig ist, oder ob nicht besser eine zentrale äußere Master-Steuerung, gekoppelt mit einer eigenen lokalen GPS Navigation zielgerichteter arbeiten könnte.

71 Erntemaschinen in USA (125)

125.

National Instruments (Hg.) (2007): Testing Control Strategies on a Combine Harvester with NI LabVIEW Real-Time, PXI - Solutions - National Instruments. Online verfügbar unter http://sine.ni.com/cs/app/doc/p/id/cs-688, zuletzt aktualisiert am 01.01.2007, zuletzt geprüft am 05.12.2010.

85

7.3.2 Abschätzung von Kosten und Nutzen Im Rahmen der Ausarbeitung des Konzeptes stellte sich die Frage nach der Dimensionierung, den Stückzahlen und den möglichen Kosten oder eher den zu erzielenden Kosten. Erfolgsmessgrößen beim Sammeln: Erfolgsparameter MIPS: Summe der Kosten geteilt durch den Nutzen. Ziel: Geringe Kosten, Materialaufwand und Energieverbrauch. Motivation, Spaß und Sinn.

Kalkulatorische Ressourcenabschätzung und -iteration: Für das Vorhaben ist ein System notwendig, dass möglichst viel Fläche in kurzer Zeit mit möglichst geringem Aufwand an Ressourcen realisiert. Dabei steht die Bewahrung von Leben und das Schonen notwendiger Ressourcen, die das Müllproblem weiter verstärken könnte, im Vordergrund. Gefolgt von dem Ziel eine möglichst kostengünstige Lösung zu finden. Es wurden erste Vorgaben geschätzt und an Hand einer Kosten-Nutzen Kalkulation, die sowohl die Jahreskosten als auch die Gesamtprojektkosten anzeigte so lange iteriert, bis ein annehmbares Ergebnis erzielt wurde.

Ergebnisse: Die hybride Herangehensweise in der Kombination aus unbemannten Sammlern und einigen bemannten Service-Booten bestätigte sich in der Rechnung als der richtige Weg, wobei ein Übermaß je eines Elements Roboter oder bemannte Boote zu einer Ineffizienz führt. Optimierungsergebnis dieser Rechnung war, dass die Spannweite und der Speicher des Harvesters als Hebel dienen, die Kosten und den Ressourceneinsatz zu steuern. Der Ressourceneinsatz konnte so für die gleiche Aufgabe direkt am Anfang halbiert werden. Kosten über die Laufzeit von 160 Millionen Euro zeigen aber auch auf, welche Dimension dieses Problem schnell annehmen kann. Ressourceneffektivität: Laut der Abschätzung wird 5-mal mehr Kunststoffmasse gesammelt, als die Masse, die verschleißt. Es wurde hier aber nicht der Ressourcenrucksack für das genutzte Material mitbetrachtet. Einsatzdauer der Roboter am Tag: Um eine Gefährdung von Lebewesen zu minimieren, wird das Sammelintervall auf die Hell-Phase begrenzt. Daraus leitet sich ab, dass die maximale Sammeldauer am Tag 12 - 16 Stunden betragen wird. Ergebnisse zusammengefasst (folgende Seite).

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7

Harvesterlösung - B2B 7.3 Konzeptentwicklung der Infrastruktur

Ergebnisse zusammengefasst: • Abstand von Land Mittelpunkt der Fläche : 2000km • Abstand von Land des Rand der Fläche: 1600km • Beispielfläche: 2200km x 800km • Anzahl Sammel-Roboter: 3000 • Schöpftiefe: 1 m (Damit wird in Großteil des Mülls abgefischt) • Netzbreite 7 Meter • Speicherinhalt 20kg -> ca. 40liter • Geschwindigkeit: 2km/h (damit Fische eine Chance haben dem Objekt zu entkommen) • Anzahl Harvester pro Service-Schiff: ~ 570 • Dauer Service Intervall: 30 Minuten • Anzahl Services pro Tag: 32 • Anzahl Service-Schiffe: 7 • Anzahl notwendiger Services durch mögliche Servicefrequenz: 192/32 = ~6 • Plus Reserve: 8 • Anzahl Mutterschiff - Habitat: 1 • Reiseentfernung der Service Schiffe: noch nicht betrachtet • Personal pro Schiff: 2-3 • Größe des Schiffs: ca. 20 Meter • Anzahl Couriere: ?? • Einsatzdauer: 6 Jahre • Notwendige Schöpfbreite gesamt: 20 - 25 km • Geschätzte Haltbarkeit der Verschleißteile: 1-2 Jahre • Tägliche Sammeldauer: 16 Stunden (nachts kommen mehr Lebewesen an die Oberfläche) • Nachtzeit ist Ruhe zur Vermeidung des Fangs von Lebewesen

72 Kosten Nutzen Abschätzung

87

7.4 Mögliche Infrastruktur

Auf Basis der Kostenabschätzung und durch die Bestätigung der Theorie eines Hybriden Mensch-Roboter Einsatzes wurde folgende Struktur für eine imaginäre neue Ozeanische-Müllrecycling-Firma entwickelt. Im weiteren Verlauf werden die Einzelelemente in Blau kurz angerissen und der Harvester selbst im Detail in der Ausgestaltung beschrieben.

88

7

Harvesterlösung - B2B 7.5 Sekundäre Service Einrichtungen

73 Habitat Utopie (126)

Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein solcher Ressourcenaufwand nicht gerechtfertigt. Ein grosses Basisschiff hat aber den Vorteil, dass dort Systeme zur Verfügung gestellt werden können, die die kleinen Service-Boote ergänzen. Z.B. könnte auf einem Basisschiff die zusätzliche Weiterentwicklung statt finden und den offenen Rahmen bieten, von dem Eingangs die Rede war. Des weiteren können auf einem Basisschiff raumgreifende Installatioene wie Werkstätten und Recylingeinheiten vorhanden sein. Durch eine Recyclingeinheit vor Ort könnte die notwendige Energie direkt vor Ort aus dem Kunststoffabfall gewonnen werden. Dies kann auf Basis der SolarPyrolyse geschehen:

7.5.1 Mutterschiff (Habitat und technologische Prozessstelle) Auf Basis der Abschätzungen erscheint ähnlich den Fischereifabrikschiffen ab einer Systemgröße von mehr als 3 Serviceschiffen und damit mehr als 1200 Harvestern eine zentrale Basis auf hoher See notwendig und hilfreich. Das Mutterschiff kann damit Kernstück für den Langzeitaufenthalt (länger als 3 Wochen) auf dem Ozean sein. Im Rahmen der Konzeptevaluierung wurde gegen eine inselartige Habitatlösung und für eine konventionelle Schiffslösung entschieden. Bei einer Expedition 1500km entfernt von jeder Küste sind Ressourcen knapp und es besteht schnell Lebensgefahr.

Pyrolyse beschreibt den Aufspaltungsprozess von brennbaren Stoffen in Gase. Unter Ausschluss von Sauerstoff, mit hoher Hitze und hohem Druck werden die langen Molekülketten in kurze universell nutzbare Molekülketten zerteilt. Es entstehen Kohlen-Wasserstoff Gase und Flüssigkeiten, die sich destillieren und speichern lassen. In einem weiteren Prozess können diese wieder zu Polymeren weiter verarbeitet werden. Unter dem Oberbegriff der SolarChemie versammeln sich verschiedene Ansätze, die solarthermische Prinzipien anwenden. Sonne wird über einen Kollektor gesammelt und die Wärmeenergie wird auf die Reaktionskammer geleitet. Die SolarThermie könnte dabei in Zukunft ausreichend hohe Temperaturen erzeugen, um die Pyrolyse zu betreiben.

89

126.

www.plasticseurope.com (2010)

Plastic To Oil Machine. Online verfügbar unter http://thecoolgadgets.com/blest-companyplastic-to-oil-machine-home-plastic-recycling-made-easy/, zuletzt geprüft am 15.11.2010

Kunststoffrecycling mit Pyrolyse: Der gesammelte Kunststoff besteht aus unterschiedlichsten Kunststoffen und in unter-schiedlichem Zustand. Durch die lange Zeit auf hoher See sind die Kunststoffmoleküle so stark beschädigt, dass der Kunststoff meist sehr spröde ist.

Damit ist der Kunststoff für ein normales stoffliches Recycling ungeeignet. Die Pyrolyse eröffnet den Weg, die Moleküle so aufzubrechen, dass sich theoretisch wieder neue Polymere raffinieren lassen könnten. Das Ergebnis wäre eine Rohstoffrückgewinnung auf hoher See, die keine Zusatzenergie benötigt.

74 °marX - Mutterschiff und Habitat (vgl. 127)

127.

MBARI (Hg.) (2009): flyeratsea.jpg. Online verfügbar unter http://www.mbari.org/expeditions/Northern09/images/equipment/flyeratsea.jpg, zuletzt aktualisiert am 21.05.2009, zuletzt geprüft am 08.12.2010.

90

7

Harvesterlösung - B2B 7.5 Sekundäre Service Einrichtungen

7.5.2 Service - Schiffe In der Abschätzung wurde klar, dass eine Armada von 4000 Harvestern notwendig sein wird, um eine ausreichende Flächendeckung zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund der Müll-dichte müssen alle Harvester ihren Sammelprozess unterbrechen. Es existieren zwei denkbare Wege, wie die Serviceschiffe ausgelegt sein werden. 01: Angebot Umbaukomponenten, um ein bestehendes Boot für den Einsatz zu nutzen. 02: Spezialanfertigung mit Dimensionierung direkt auf den Bedarf. Modifikation und Nutzung von Bestehendem: Eine mögliche Lösung wäre die Nutzung eines motorbetriebenen Katamarans, der zusätzlich einen KITE für den Antrieb und Solarzellen für Zusatzstromversorgung hat. Energieträger für den Motor: Auf Basis der Pyrolyse und des gefundenen Kunststoffabfalls kann ein Teil zum Betrieb der Schiffe genutzt werden.

75 Wal Fütterung (128)

128.

National Marine Sanctuary Foundation (Hg.) (2008): HIWS_932-1489-08_2-12-06__working _whale_with_support_vessel.jpg (JPEG-Grafik, 2765x1703 Pixel). Online verfügbar unter http://nmsfocean.org/files/HIWS_932-1489-08_2-12-06__working _whale_with_support_vessel.jp

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Warum keine reine Segelschifflösung: Von einer reinen Segelschifflösung wird in diesem Konzept abgesehen, da sie sicherlich plakativer den Antrieb durch den Wind in den Vordergrund stellen würde. Laut der Berichte über das Gebiet ist aber gerade dort wenig Wind zu erwarten und normalerweise von Segelschiffen gemieden. Downsizing / Kleinere Boote: Wenn ein Mutterschiff eingesetzt wird, können die Service-Boote kleiner dimensioniert werden. Dabei sind sowohl klassische und für den Langzeitgebrauch robuste Lösungen ebenso denkbar siehe Abbildung 88, wie auch sehr leichte und maßgeblich solarbetriebene ehemalige Segelkatamarane.

77 Klassisches 20 Meter Stahlboot (130) 78 Energie sparender Motor-Katamaran

76 Schlepper mit KITE (129)
129. 130. 131. ketwire.com/attachments/200709/366789_KiteShipPullingaBarge.JPG [Stand: 01. Dezember 2010].

79 SolarWave CAD Grafik (131)

Marketwire (Hg.) (2007): „366789_KiteShipPullingaBarge.JPG (JPEG-Grafik, 2424x1616 Pixel)“. URL: http://media.marYachtForums (Hg.) (2007): 21864-neville-trawler-56-nev56_rendering.jpg. Online verfügbar unter http://www.yachtforums.com/forums/attachments/general-trawler-discussion/21864-neville-trawler-56-nev56_rendering.jpg?d=1198078610, zuletzt aktualisiert am 19.12.2007, zuletzt geprüft am 08.12.2010. Ocean7 (2009): solarwave.jpg, Online verfügbar unter http://www.ocean7.at/uploads/service/91_solarw_ planetsol_010709/solarwave.jpg, zuletzt aktualisiert am 01.07.2009, zuletzt geprüft am 13.11.2010.

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7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester“

Auf Basis der Abschätzung wird nach einem Aufbau gesucht, der ca. 4000 Sammel-Roboter (im Folgenden „Harvester“ genannt) pro Jahr zum Einsatz bringen könnte und damit eine virtuelle Spannweite von fast 25km ermöglicht. 7.6.1 Anforderungskatalog – Was muss erfüllt sein: Für den Anforderungskatalog gilt das bereits vorweg Gesagte: Grundlegendes: Der Harvester muss • so gestaltet sein, dass kein Schaden für Leben und Schiffe besteht. • sich selbst schützen können, damit ein unnötiger Verschleiß durch Überlastung oder Unfall vermieden werden kann. • sich in 3 Wochen Intervallen autark auf dem Ozean selbstgesteuert fortbewegen können. • eine Materiallebensdauer von mindestens einem Jahr aufweisen. • kostengünstig ausgelegt sein. Ein Preis von einigen 1000 Euro ist anzupeilen. • als Antrieb vorhandene Energien nutzen. • in kürzester Zeit auf hoher See während des Betriebs von einer Person entleert und gewartet werden können.

Das Sammeln • darf kein Leben gefährden. • soll möglichst effektiv und effizient 80%-90% des Mülls aus dem Meer filtern. • der meisten Partikel wird über eine Kaskade von Netzen realisiert. Eine bi-direktionale Satelliten-Verbindung mit dem Service-Schiff ermöglicht eine Steuerung der Harvestergruppe und die Koordination zu weiteren Harvestergruppen. Der Antrieb erfolgt mit Wellenkraft, da dies nach aktuellem Recherchestand die meiste Energie zur Verfügung stellt. Solarzellen werden für die elektronischen Systeme genutzt. Die Lichtenergie sollte ausreichen, um neben den Navigationsfunktionen (Ortung, Steuerung von Ruder), auch Sensorik und eine Photo-Kamera zur Überwachung von Netz und Sammler zu ermöglichen. Es gibt keine „Roboter zu Roboter“ Kommunikation, da dies zu aufwendig ist. 7.6.2 Morphologie der Einzelprobleme für die Aufgabe „Sammeln“ Primärfunktionen: • Sammeln • Navigieren • Bewegen • Kommunizieren • Sensoren und Messen Auf Basis einer der Recherche nach aktuellen Wasserantriebskonzepten wurden im Rahmen eines Brainstormings

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Kommunikation und Steuerung via Satelliten

die verschiedenen Antriebsmöglichkeiten durchgespielt und diskutiert. 7.6.3 Antriebskonzepte für die Fortbewegung: Welche Möglichkeiten der Fortbewegung auf dem Wasser könnte es in Zukunft geben? Heute werden die meisten Schiffe mit Diesel angetrieben. Ein Roboter sollte für die Fortbewegung auf dem Wasser ohne Ressourcen betrieben werden, die nicht oder nicht in ausreichendem Maß auf dem Ozean zur Verfügung stehen. Dabei sind Ozeane mit all ihrer erbarmungslosen Gewalt eine der energiereichsten Orte. Hierbei sind klassische fossile Brennstoffe maßgeblich tabu, z.B. Methanknollen auf dem Meeresgrund. Überwasser: • Segel • Kite Unterwasser: • Propeller • Gleitprofile: Kite • Flügelschlag • Sepia: Wasser Rückstoß 7.6.4 Notwendige Zusatzfunktionen: Navigation: GPS, GYRO, Kompass

Kommunikationsmöglichkeiten der Roboter: GPRS, Funk, Satellit, Wasserschall, Optisch: IR oder Blinksignale Stromerzeugung: Solar, Elektroaktive Polymere, KITE, Windturbine, Wasserkinetische Dynamos 7.6.5 Belastungsfaktoren für den Sammler auf hoher See: Tiere wie Seevögel könnten den Sammler als Plattform zur Rast nutzen. Kot, Krallen, Schnäbel oder Zähne könnten die Struktur belasten. Oberflächenbewuchs / Fouling: Eines der größten Probleme in der Schifffahrt ist der Unterwasserbewuchs mit Algen und Muscheln. Der Strömungswiderstand erhöht sich, des Weiteren greifen die Lebewesen die Oberfläche an. Seewasser, Sonne, Temperaturunterschiede Tag und Nacht sowie Luft und Wasserseite Jahreszeiten. Andauernde aber langsame Biegung durch Wellengang. Sensorik: Es muss gewährleistet sein, dass bei Gefahren für Lebewesen, Fehlfunktionen oder vorzeitiger Befüllung eine Sensorik dies erkennt und dem Service-Schiff eine Mitteilung zukommt. Sammelfunktion: Frage stellt sich bzgl. Zusetzungseffekten und Bewuchs über die Zeit. Scharfkantiges oder spitzes Treibgut Lebewesen schützen Raubfische könnten Netz beschädigen.

94

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester“

1 x Mutterschiff

7.6.6 Handhabung Prozessablauf: Das Mutterschiff und Habitat: Der Einsatz einer Crew dauert im Durchschnitt 4 Wochen. Auf Basis der zu leistenden Services an den Harvestern sind für die 4000 Harvester insgesamt 7 bemannte Service-Boote notwendig, die in einem Serviceintervall von 30 Minuten ihre Herde abfahren. Zu den Services gehören zu Wasser lassen, navigieren und entleeren.

7 x Service-Boote

7 x 570 Harvester

Aufstellen des Harvesters: • Aus der Halterung in der Box nehmen • Antrieb in die Fang-Halterung vom Kran einhängen • Ausbreiten • Schwimmer in den Kran einhaken (große Angriffsfläche für Wind gegen Wegfliegen sichern) • Schwimmer mit Technik verbinden • Schwimmer in Schleppseil von Antrieb einhaken und mit Antriebkabel mit Technik verbinden • Schwimmer aufblasen • Sichtprüfung & Funktionscheck • Schwimmer zu Wasser lassen und mit Antriebsleine schleppen • Antrieb zu Wasser lassen und entkoppeln

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Service (on the fly): • „Nachtmodus“ Signal senden (Antrieb fährt Unterwasser in den AUS Modus) • Schlauchboot parallel bringen zum Harvester • Schwimmer mit Enterhaken fangen • Schlauchboot zur Sammelbox ziehen und anleinen • Sammelbox entriegeln, herausziehen und an Bord nehmenSichtprüfung und Druckspül-Entleerung des vorderen Netzes • Technik-Check • Sichtprüfung von Netz und Teilen • Elektronik Check und Auslesen der Daten • Antrieb hochziehen und kurze Sichtprüfung • Wenn Schaden dann zum Boot schleppen • Baugruppen oder ganzen Harvester austauschen • Mit neuen oder reparierten Teilen austauschen • Neue Sammelbox einsetzen Reparatur: Bauteile und Baugruppen werden getrennt unter Deck repariert. Beim Service direkt findet nur Austausch statt.

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7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester“

7.6.7 Umsetzungskonzept – Das „Wie“ Assoziationskette: In den Ozeanen existieren Tiere, die bekannt sind für ihr Vorkommen auf Hoher-See, ihre langen Reisewege und ihre Art, Nahrung auf Basis eines Wasserfilterungsmodells zu erhalten. Dazu zählen der Wal-Hai, der Manta-Rochen und die großen Buckelwale. Eine andere faszinierende und sich frei im Wasser bewegende Lebensform stellen die Quallen dar, die mit ihren Tentakeln kleine Lebewesen aus dem Wasser fischen und zu ihren Verdauungsorganen transportieren. Zusätzlich sind Delphine trauriges Beispiel für die Sammelfähigkeit von Müll durch Tiere. Sie fangen gezielt im Wasser treibende Dinge mit ihren Flossen und spielen damit.

(133)

(132)

132. 133.

SomnoMedix (Hg.) (1995): „MantaPNG.jpg (JPEG-Grafik, 2616x2048 Pixel) - Skaliert (41%)“. URL: http://www.rlshelp.org/MantaPNG.jpg [Stand: 02. Dezember 2010]. whaleshark_isla_contoy _070__1_.jpg (JPEG-Grafik, 1600x1200 Pixel) - Skaliert (70%) (2010). Online verfügbar unter http://www.cancunwhalesharktours.com/images/whaleshark_isla_contoy _070__1_.jpg, zuletzt aktualisiert am 19.05.2010, zuletzt geprüft am 10.11.2010

97

nes Schleppnetzes (135)

80 Schematische Darstellung ei-

7.6.8 Sammelmethoden – Recherche und Auswahl: Schleppnetze: Eines der zurzeit effektivsten Varianten die Meere zu filtern stellen große Schleppnetze dar. Die aktuelle Art des Einsatzes von Schleppnetzen und deren Strukturaufbau hat gleichzeitig große Nachteile für den Lebensraum Ozean. Denn große Schleppnetze sind wegen ihrer Effektivität Grund für die Überfischung, eine optionale Führung des Netzes entlang des Meeresbodens führt dort zu großen Schäden, und Schleppnetze sind Todesfallen für viele Lebewesen, die nicht gefischt werden sollten. Plankton-Netze werden hingegen nur für Forschungsaktivitäten genutzt. Es sind Schleppnetze mit einer Maschengröße von 300 Mikrometern und einer Maulweite von einem Meter Breite und 30cm Tiefe. Sie filtern sowohl Kunststoffmüll als auch Plankton gleichermaßen aus dem Wasser. Dieses Netz ist sehr effektiv, gefährdet aber die kleinsten und wichtigsten Lebewesen der Nahrungskette.

81 Plankton-Netz für Forschungsarbeiten Manta-Trawl (136)

(134)

134. 135. 136.

Dan L.Perlman (2008): Humpback_whale_ feeding _DP4106.jpg. Herausgegeben von EcoLibrary.org. Online verfügbar unter http://ecolibrary.org/images/full_image/Humpback_whale_ feeding _DP4106.jpg, zuletzt aktualisiert am 03.04.2008, zuletzt geprüft am 02.12.2010. Wikimedia (2010): Pelagisches_Schleppnetz.jpg. Online verfügbar unter http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e5/Pelagisches_Schleppnetz.jpg, zuletzt aktualisiert am 15.03.2010, zuletzt geprüft am 18.11.2010. GyreCleanup (2010): manta-231.jpg. Online verfügbar unter http://www.gyrecleanup.org/wp-content/uploads/2010/05/manta-231.jpg, zuletzt aktualisiert am 19.06.2010, zuletzt geprüft am 13.11.2010.

98

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester“

7.6.8 Sammelmethoden – Recherche und Auswahl: Skimmer: Sowohl im privaten als auch im professionellen Bereich gibt es verschiedene Methoden größere Wassermengen und –Flächen zu säubern. Mechanische Systeme nutzen dabei geometrische Prinzipien und filtern Körper spezifischer Größe aus dem Wasser. Eine weitere Methode kommt gerade im Umfeld der Trennung von Wasser und Öl zum Tragen. Öl ist un-polar, während Wasser sehr polar ist. Auf dieser Basis wurden Textilien und Schwämme entwickelt, die nur un-polare Medien speichern und transportieren, Wasser jedoch außen vor halten. Hinzu kommen leichte Vlies- oder Bürstenstrukturen, die die wirksame Oberfläche vergrößern und eine gewisse mechanische Förderleistung erbringen.
(138)

Konzepte: Die Nutzung dieser Ölabsorber hat sich Boris Innecken zu nutzen gemacht und daraus Bojen entwickelt, die direkt über dem Gebiet der Ölkatastrophe abgeworfen werden sollen und dann ein saugfähiges Netz aufspannen. Der Pelagic Pod ist ein Konzept, das ebenfalls gezielt die Beseitigung des Kunststoffmülls aus den Ozeanen adressiert. Der Pleagic Pod ist dabei eine Boje und nutzt die Pumpbewegung der Wellen, um über eine Rampe Wasser in das Innere zu fördern und zu filtern. Der Aufbau ist jedoch sehr materialintensiv und eine Flächendeckung kann mit diesem Konzept nicht erreicht werden. Es kann nur der Teil des Wassers gefiltert werden, der sich im nächsten Umkreis der langsam mit der Strömung mittreibenden Boje befindet. Eine gesteuerte Durchschreitung des Gebietes ist nicht möglich.

(137)

(139)

137. 138. 139.

454405.jpg (JPEG-Grafik, 1809x1295 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://cfnewsads.thomasnet.com/images/large/454/454405.jpg, zuletzt aktualisiert am 02.06.2010, zuletzt geprüft am 14.11.2010. 453166.jpg (JPEG-Grafik, 916x692 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://cfnewsads.thomasnet.com/images/large/453/453166.jpg, zuletzt aktualisiert am 02.06.2010, zuletzt geprüft am 14.11.2010. 12590DSC0149.jpg (JPEG-Grafik, 2048x1536 Pixel) (2009). Online verfügbar unter http://www.slickbar.com/ Images/12590DSC0149.jpg, zuletzt aktualisiert am 04.11.2009, zuletzt geprüft am 14.11.2010.

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83 Pelagic-Pod
Prototyp (141)

82 Konzept von Boris Innecken (140)

Auswahl der Sammelmethode: Auf Basis der durchgeführten Recherche, wird das Sammeln mit einem für den Anwendungsfall optimierten Netzaufbaus für die gute und robuste Lösung favorisiert. Es gibt keine beweglichen Teile, die angetrieben werden müssen. Die Effekte sind bewährt. Es wird ein Netzpaket gewählt, das alle Teile mit einer geometrischen Größe zwischen 70 Millimeter und 1 Millimeter herausfiltert. Größere Elemente sollen vor dem Netz festgehalten werden, sollen aber nicht in einen Sammelschlund weitergeleitet werden, wie es sonst der Fall ist. Größere Tiere haben somit die Chance am Netz abzuprallen und zu flüchten. Gleichzeitig werden kleinere Partikel unter 1mm nicht mehr gefiltert. Dadurch wird gewährleistet, dass kleine Kunststoffgranulatkörner gesammelt werden, Plankton jedoch ungehindert durchströmen kann. Sammel- und Polaritätsfilter - Trichter: Es wird ein Trichter ausgebildet, der die kleinen Partikel in einen Auffang-

behälter von ca. 40 Litern Größe ableitet. Auf dem Weg befindet sich eine Rampe, die mit einem polaren Textil belegt ist, so dass das Wasser hier entlang strömt und die Chance besteht, dass Kunststoffteile kleiner 1 mm ebenfalls festgehalten werden, denn ebenso wie Öl ist Kunststoff unpolar und ließe sich theoretisch über die Polarität wie mit einem Magneten aus dem Wasser filtern. Dieser Effekt ist ebenfalls in anderen Konzepten beschrieben, aber noch nicht geprüft.

Abmessungen des Filternetzes: Es wird eine Schöpftiefe von 1 Meter und eine Netzbreite von 7 Metern gewählt. Von einer tieferen Filtrierung wird abgesehen, da laut der Berichte der Forscher in tiefen Schichten Kunststoffmüll zwar auftritt, die Dichte aber sehr gering und der Zustand bereits auf eine lange Verweilzeit und ein langsames Absinken durch Planktonbewuchs schließen lässt. Damit ist ein Sammeln an der Oberfläche eine pragmatische Lösung die möglichst größte Menge abzuschöpfen, da hier die höchste Dichte an Müll anzutreffen ist. Eine tiefere Filterung wäre sicherlich wünschenswert wird aber aus Gründen der Effektivität und Komplexität nicht verfolgt.

140. 141.

Innecken (2010): Boje soll Ölteppiche eindämmen: Vierte Design-Auszeichnung für Absolvent der Hochschule Darmstadt. Online verfügbar unter http://idwf.eu/pages/de/news395446, zuletzt geprüft am 06.11.2010. Abundant Seas Foundation (2010): pod PROJECT. Online verfügbar unter http://www.abundantseas.org/pod_ project, zuletzt geprüft am 14.11.2010.

100

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester“

7.6.9 Vermeiden von Gefahren: Abschrecken von Fischen: Ähnlich der Farb- und Strukturgestalt von Unterwasserlebewesen wird eine Bedruckung des Netzes mit einer Grafik durchgeführt, die sowohl für farbensehende Tiere als auch für monochromsehende Tiere als Struktur erkennbar ist und damit als Hindernis oder Gefahr erkennbar wird. Limitierte Geschwindigkeit und Ruhephasen: Der Harvester wird sich mit einer maximalen Geschwindigkeit von 2km/h im Wasser fortbewegen. Passives Treibgut wie Müll kann dem Netz weiterhin nicht entkommen, während Fische eine Chance haben das Objekt zu umschwimmen. Während der Nachtphasen ruht der Harvester, da zu der Zeit eine erhöhte Lebewesendichte an der Oberfläche zu beobachten ist. Optional: Eine Unter-wasserbeleuchtung und –Kamera kann während der Nachtzeit Aufnahmen von der Umgebung machen. Sicherheitsausrüstung für die Erkennbarkeit auf hoher See: Damit der Harvester auf weite Entfernung hin sichtbar ist und damit er trotz Wellengangs die Transpondersignale anderer Schiffe orten kann, wird der Harvester mit einer 2 Meter langen Antenne ausgerüstet. Diese Antenne beinhaltet an ihrer Spitze sämtliche Kommunikationssensoren und einen weit sichtbaren LED-Flasher.

7.6.10 Primärantrieb durch Wellenenergie: Für die Fortbewegung des Netzes soll eine Antriebsform gewählt werden, die keine zusätzliche Energie außer der vorhandenen Umweltenergie nutzt. Dabei erscheint ein ähnlicher Ansatz wie der des Wave Gliders von LiquidRobotics als der Praktikabelste. Er nutzt die vorhandene Wellenenergie für den Vortrieb und Sonnenenergie zum Betrieb der elektronischen Komponenten. Windantrieb wäre eine weitere Variante, wenn der Sammler sich außerhalb des Garbage Patches bewegen soll, denn innerhalb des Patchs wird berichtet, dass hier der Wind meist nur sehr gering weht. Solarenergie erschien weniger praktikabel, obwohl dadurch die tägliche Einsatzdauer ohne weitere Probleme bei Einbruch der Nacht zu steuern wäre. Ist doch eine groß Solarfläche notwendig, die die Lösung teuer und großflächig hätte werden lassen. Der Antrieb des X.Ray-Harvesters besteht aus einer sehr einfachen Lösung und ist eine abgewandelte Version des Wave Gliders von Liquid Robotics und die Einbeziehung von Funktionsweisen die aus dem klassischen Drachenbau bekannt sind. Das Prinzip der Wellenenergieantriebe: Wellenenergieantriebe machen sich zwei unterschiedliche Bereiche des Wassers und dessen hohe Dichte im Vergleich zur Luft für die Generierung eines Vortriebs zunutze, zum einen die in Wellen schwingende Wasseroberfläche und zum anderen die ruhigen unbewegten Wasserschichten einige Meter tiefer.

142.

Scubatube (2008): Spanish Shawl Nudibranch.jpg. Online verfügbar unter http://www.scubatube.org/m_ pictures/Spanish%20Shawl%20Nudibranch. jpg, zuletzt aktualisiert am 01.08.2008, zuletzt geprüft am 16.11.2010.

101

(142)

84 Wellenantrieb Prinzip (143)

85 bbildung 96 Wave Glider (144)

Ein schwimmfähiger Körper wird dabei an der Oberfläche von der Welle auf und ab gezogen und zieht mit einer Schleppleine an einem ausreichend schweren Gleiter unter Wasser. Dieser Gleiter hat eine horizontale große Ebene die von vertikal ruhigem Wasser umgeben ist, was fast einem Schraubstock gleich kommt. Der Wasserwiderstand Unterwasser erzeugt durch seine Trägheit eine Haltekraft die dem schnellen dynamischen Auf und Ab des Schwimmers auf der Oberfläche entgegenwirkt. Diese vertikale Zugkraft kann nun in verschiedene mehr oder weniger einfache Effekte umgewandelt werden. Liquid Robotics hat daraus einen Gleiter abgeleitet, dessen Tragflächen sich mit der Zugrichtung und dem Wasserwiderstand automatisch schräg stellen.

Der Gleiter begibt sich dadurch auf eine schiefe Gleitebene vorwärts durch das Wasser und schleppt dabei den Schwimmer an der Oberfläche mit. Das Prinzip, ein Widerlager in der Tiefe und ein dynamisches Zugelement an der Oberfläche zu nutzen, ist sehr einfach und effizient. Die erzeugten Kräfte lassen sich an Hand der Auftriebskraft des Schwimmkörpers und dem Widerstand des Unterwassergleiters anpassen. Dabei ist die Lösung von Liquid Robotics nicht die einzige, so dass noch weitere Anordnungen gesucht werden könnten, die ggf. die Wellenkraft noch progressiver in eine Vorwärtsbewegung umwandeln könnten. Es wird grundsätzlich ein Schwimmer an der Oberfläche und ein Gegenpol in Form eines Gleiters in der ruhigen Tiefe eingesetzt, um eine Zugkraft auf das Schleppseil zu bekommen.

143. 144.

Liquid Robotics (2009): The New York Times > Science > Image > Harnessing Motion. Online verfügbar unter http://www.nytimes.com/imagepages/2009/02/23/science/24wave.ready.html, zuletzt geprüft am 06.11.2010. Liquid Robotics (2010): BP‘s Mike Utsler and Liquid Robotics CEO Roger Hine. Online verfügbar unter http://www.flickr.com/photos/bpamerica/4929557734/sizes/o/, zuletzt geprüft am 06.11.2010.

102

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester“

7.6.11 Skizzen: Variantenbildung Antrieb Der Wellenantrieb erscheint sehr effizient zu sein. Im Folgenden wurden schnell, verschiedene PrinzipVarianten gebildet, mit dem Ziel ggf. ein noch passender Variante als den Wave Glider - Antrieb für den X.Ray - Harvester zu finden, denn er muss nicht dessen Geschwindigkeit aber sehr einfach aufgebaut sein und gleichzeitig konstante Zugkraft aufbauen. Der Kalmar: Elongation/Dehnung einer Feder, eines Polymer-Muskels oder eines hydraulischen Muskels, der bei der Dehnbewegung Wasser ausstößt und sich beim Senken des Schwimmers zusammenzieht und dadurch Wasser ansaugt. Das Ergebnis wäre eine Art Calmar Antrieb.

86 Sepia (145)

103

145.

Hans Hillewaert (2008): 20101015064422!Sepia_officinalis_(aquarium).jpg (JPEG-Grafik, 3408x2556 Pixel). Online verfügbar unter http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/archive/4/4b/20101015064422!Sepia_officinalis_(aquarium).jpg, zuletzt aktualisiert am 16.05.2008, zuletzt geprüft am 04.12.2010.

146.

Jan-Daniel Georgens (2010): Pastebot-2010-04-19-23.45.17-nachm.-3.jpg. Online verfügbar unter http://www.thinkjd.de/wp-content/uploads/2010/04/Pastebot-2010-04-19-23.45.17-nachm.-3.jpg, zuletzt aktualisiert am 20.04.2010, zuletzt geprüft am 04.12.2010.

Manta-Ray: Des Weiteren kann die starke Hebekraft in einen Hebel eingeleitet werden, der Unterwasser einen Flügelmechanismus nach dem FinRay Prinzip anregt.

87 Festo-Ray Skelett (146)

104

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester

Der einfache Unterwasser-Manta-Kite: Der Unterwassergleiter kann ebenso wie ein normaler Kite in der Luft funktionieren. Dabei wird der Kite mit einer flexiblen Bogenstange ausgelegt, so dass der Vertikalzug dazu führt, dass die Membrane einen Strömungskegel ausbildet, der eine einfache, zum Schwimmer radial orientierte Vorwärtsbewegung erzeugt. Der Vorteil diese Systems ist, dass der Gleiter nur aus flexiblen aber keinen beweglichen Teilen aufgebaut wird und sich dadurch sehr robust, materialeffizient und kostengünstig realisieren ließe. Erkauft wird dies durch einen wahrscheinlich etwas schlechteren Wirkungsgrad. Da nur eine langsame Vortriebsgeschwindigkeit notwendig ist, die oberhalb der Wasserströmungsgeschwindigkeit liegen sollte, sollte der Faktor akzeptabel sein.

88 Einfacher Detal-Kite (147)

147.

UnclesS (2010): „Manta_&_Skate_Kites.JPG“. Scott Hertenstein‘s Kites (Hg.). URL: http://lh3.ggpht.com/_oZuuz7IFgvg/S5RSoUeVU2I/AAAAAAAADB8/qQO3iue3MwY/Manta_%26_Skate_Kites.JPG [Stand: 01. Dezember 2010].

105

Das Flaschenzug-Prinzip: Der Seilzug kann auch wie die Gegengewichte bei einer Pendeluhr wirken und eine konventionelle Kardanwelle antreiben, die dann eine Schiffsschraube in Bewegung setzt. Dafür wird das Seil doppelt gelegt. Während der Tiefengleiter einen leichten Auftrieb aufweist, hängt am anderen Ende ein schweres aber strömungsgünstiges Gegen-gewicht. Wenn die WasserWelle den Schwimmer anhebt, kann der Tiefengleiter nicht schnell genug folgen. Das schwere aber strömungsgünstige Gewicht wird in die Höhe gerissen. Das um eine Scheibe laufende Seil wandelt die Seilbewegung in eine Drehung der Kardanwelle um. Dieser Aufbau ist etwas

aufwändiger hat aber den Vorteil, dass Wellentürme von 8 Metern und mehr voll in Vortrieb umgesetzt werden könnten. Einen weiteren Vorteil stellt die Möglichkeit dar, die angetriebene Schiffsschraube knapp unter der Wasseroberfläche zu positionieren, was der Notwendigkeit entgegen kommt, ein Netz horizontal durch das Wasser schleppen zu lassen.

106

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester

Positionierung des Vortrieberzeugers: Auf Basis einfacher mechanischer Zusammenhänge im Rahmen der Auslegung gab es mehrere Möglichkeiten, die notwendigen Funktionsbausteine anzuordnen. Eine direkte Vortriebserzeugung in der Tiefe am Gleiter fällt meistens in seinem Aufbau einfacher aus, und es kann auf weitere Antriebselemente verzichtet werden. Ein Antrieb an diesem Ort erzeugt aber auch eine räumlich versetzte Einleitung der Zugkraft im Verhältnis zum Netz welches gezogen werden muss. Bei einer klassischen Schlepperanordnung hätte dies zur Folge, dass der Schlepper sehr wahrscheinlich schnell unter Wasser gezogen würde. Steuern: Ein weiterer Faktor ist der Ort des Lenkimpulses, um das gesamte System zu steuern. Liquid Robotics lenkt das Gespann mit Hilfe des Gleiters, das heißt, der Gleiter besitzt ein Ruder, während der Schwimmer an der Oberfläche hinterhergezogen wird und sich in Strömungsrichtung zwangsausrichtet. Der ideale Ort der Krafteinleitung wäre direkt linear in Richtung und in der Ebene wie das zu ziehende Objekt, da dadurch eine sehr effiziente Fortbewegung und Steuerung ermöglicht würde.

107

7.6.12 Funktionsarchitektur Die Hauptfunktionen Wellenergieerzeugung, Vortrieb und Steuern und Sammeln mussten zueinander positioniert werden. Es ergaben sich drei verschiedene Anordnungsmöglichkeiten die durchgespielt wurden, um Fragen wie Material- und Kostenaufwand, Antriebseffizienz und Robustheit zu diskutieren. Die drei Anordnungen wurden Monosegel, Tandem, und Schlepperformation getauft.

Monosegel: Bei dem Monosegel wird der Antriebsgleiter direkt unter dem Schleppnetz positioniert. Eine vorlaufende Einheit entfällt. Der Integrationsgrad ist hier am höchsten. Es ist anzunehmen, dass über diesen Weg das meiste Material eingespart werden kann. Teure Technik sollte abnehmbar sein, damit bei Verschleiß der restlichen Struktur, die teuren Teile erhalten bleiben. Ähnlich eines Kinder-Drachens können zur Verbesserung des Geradeauslaufs, ein oder zwei Schleppbojen angebracht werden, die das Netz gerade halten. Dabei muss das Schleppnetz selbst aber eine Eigensteifigkeit durch Stangen oder Luftprofile erhalten. Eine Realisierung dieses Ansatzes ist einfacher mit geringen bis mittleren Spannweiten.

108

7

Harvesterlösung - B2B 7.6 Die „Harvester

Tandem: Die Tandemformation benötigt zwei Antriebe. Das Manövrieren erhält in Folge dessen eine größere Flexibilität, benötigt dazu aber zusätzliche Sensorik. Der Antrieb ist darüber hinaus wahrscheinlich der teuerste Teil des Harvesters. Ähnlich einer treibenden Wäscheleine lassen sich durch diesen Ansatz sehr große Spann-weiten realisieren. Dabei besteht bei zu großen Spannweiten evtl. eine zu hohe Gefahr, ein Lebewesen zu fangen oder einem Schiff nicht mehr ausweichen zu können. Des Weiteren können die Flanken nicht immer straff gehalten werden, so dass bei einem höheren Grad der Beladung die gesammelte Ladung durchrutscht und verloren geht. Zwei Antriebe würden das Konzept zu teuer werden lassen.

109

Klassische Schlepper Formation: Die klassische Schlepper Formation führt zu der höchsten Trennung aller Einzelfunktionen und damit der individuellen Anpassbarkeit des Harvesters an neue Gegebenheiten und dem einfachen Austausch bei Beschädigungen. Der weiteren lässt sich das Netz sehr einfach steuern. Problematisch sind aber die zusätzlichen Zugschnüre und der Schlepper selbst, die zusammen Müll ablenken könnten. Die Lösung benötigt des außerdem mehr Teile als die anderen beiden Wege. Es besteht die Möglichkeit den Antrieb direkt in den Schlepper zu verlagern und dadurch eine lineare Krafteinleitung zu erzielen.

7.6.13 Auswahl der Kombinationsmöglichkeiten Die Wahl fiel abschließend auf das einfachste Konzept. Auch wenn die anderen Ansätze wie der seilzugbetriebene Schlepper technologisch sehr reizvoll und analog archaisch anmuteten wurde vor dem Hintergrund der Material- und Kostenminimierung der Kombination Monosegel und Kite-Gleiter Vorrang gegeben.

110

7

Harvesterlösung - B2B 7.7 Ausarbeitung

Auf Basis der Definition der Einzelkomponenten konnte nun an dem Aufbau des Harvesters gearbeitet werden. Im Gegensatz zur Flexibilität der Einbindung der Solar und Elektronikeinheiten welche sich relativ universell unterbringen lassen können, stellte die funktionale wie formale Synthese aus Antriebs und Sammeleinheit eine Herausforderung dar. Ein Sammelnetz von 7 Metern Breite und einem Meter Tiefgang soll mit 2 km/h über das Meer bewegen.

Der Kite-Gleiter erhielt im weiteren Verlauf ähnlich einem normalen Drachen eine mittig positionierte Rippe, damit das zusätzlich notwendige Ruder und das notwendige Absenk-gewicht positioniert werden konnte. Die so genannten Waage-Schnüre, die den Kite in der Waage halten, wurden an vier Stellen positioniert, so dass das Profil horizontal gegen Durchbiegung fixiert ist. Der frontale Bogen wird durch ein flexibles Bambusfaserstrangprofil gebildet. Es hat die benötigte Biegeelastizität, um die Membrane nach einem Bewegungszyklus immer wieder in die gestraffte Ruheposition zu bringen. Damit es den Strapazen Unterwasser ge-wachsen ist, musste es für die geplante Verweildauer von einem Jahr gegen Seewasser und Mikroben imprägniert werden. Alternativ könnte auch ein Federstahl oder eine Polymerstange eingesetzt werden. Glasfaser wäre mechanisch ideal, aber nicht für das auf dem Mutterschiff zur Verfügung stehende Pyrolyseverfahren als Recyclingweg geeignet. Das vertikale Senkprofil aus Stahl ist durch seine Federeigenschaften gleichzeitig Klemm-arretierung für die Membran. Elektrische Bauteile im Kite sind in einer Einheit zusammengefasst. Sie bestehen aus dem Antrieb für das Ruder und einer kleinen Winde, die notwendig wurde, um bei Anbruch der Dunkelheit den KITE senkrecht zu stellen und damit den Vortrieb einstellt.

7.7.1 Beschreibung des Kite-Gleiters: Der Kite hängt in ca. 10 Metern Tiefe. Er hat eine Spannweite von 1,5 Metern und besitzt damit ausreichend Vorschub, um das Schleppnetz vehement nach vorne zu ziehen. Die Spannfläche bildet eine Membran aus einer Folie, z.B. TPU, die sowohl eine eigene gute Anti-Fouling Eigenschaft aufzeigt, so dass auf schädliche Chemikalien verzichtet werden kann und gleichzeitig einfach recycelt werden kann. Stattdessen wurde ein Prägevorgang der Folie durchgeführt und die Oberfläche in Anlehnung an die Hai-Haut mit einer Spezialprägung versehen, die den Reibungswiderstand der großen Segelfläche Unterwasser minimiert.

111

89 Shark Skin unter dem REM (148)

148.

Hochschule Bremen (Hg.) (2006): haischuppen_300dpi.jpg (JPEG-Grafik, 1182x1202 Pixel). Online verfügbar unter http://bionik.fbsm.hs-bremen.de/downloads/fotos_antifouling/haischuppen_300dpi.jpg, zuletzt aktualisiert am 31.10.2006, zuletzt geprüft am 04.12.2010.

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7

Harvesterlösung - B2B 7.7 Ausarbeitung

Drei Netz Strukturen: Das erste hat eine Maschenweite von 7 cm, damit keine großen Tiere in das Netz eindringen können. Das Netz besitzt eine Schaufelform, damit sich das Sammelgut an der Oberfläche auftürmt und die tiefere Struktur freihält. Das 1 cm Netz ist die mittlere Struktur, damit kleine Fische nicht in den Trichter gelangen und wieder herausschwimmen können. Mit 1 mm ist der hinterste Netzbereich sehr feinmaschig aber noch grob genug, damit Plankton entweichen kann. Es wird in Kauf genommen, dass Kunststoff kleiner 1 Millimeter nicht gesammelt werden kann. Viel wichtiger erscheint aber, die großen Teile aus dem Zyklus zu nehmen und damit eine zukünftige Anhäufung zu vermeiden. Das feine Netz wird des weiteren mit einer Grafik bedruckt, die für Fische sichtbar ist und damit der Harvester als Hindernis oder sogar als Feind betrachtet wird. Versteifung durch Hochdruckluftprofile: Das stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Profile sind aus Textilbahnen durch Ultraschallverschweißung luftdicht versiegelt. Als Material wurde eine Art Feuerwehrschlauchtextil gewählt, da es den vorher definierten Anforderungen gerecht werden kann. Sie werden über ein Ventil mit HELIUM gefüllt. Helium hat größere Moleküle und dadurch bleibt das Profil weit über die drei Wochen hinaus erhalten. Es hat ausreichend passive Schwimmelemente, sollte es zu einem Luftverlust kommen, ist der Betrieb eingeschränkt aber der Harvester kentert nicht.

Selbstversteifende Struktur: Die Kombination aus einem Luftprofil, als relativ biegesteifes Druckprofil, in Kombination mit den Textilnetzen, erzeugte eine sehr einfache Anordnung, die sich selbst in Form bringt. Diese hält sich auch bei der Gegentrömung aufrecht und es kann auf weitere Profile verzichtet werden. Service Box Drehentriegelung: Einfacher Wechsel der Haupteinheit ähnlich dem Wechsel einer Staubsaugertüte. TechnikBox: Auf der Technikbox des Harvester sind Solarzellen eingelassen, die das System mit Strom für die Sensorik wie Online – Wassertrübungs-messung, die WebCam zur Überwachung der Filteroberfläche, die GPS Einheit für die Navigation, der Satellitensender für die Kommunikation und Ortung, Transpondersignal, Sender und Empfänger für den Schiffsverkehr, LED-Flasher auf einer 2 Meter Antenne, damit auch bei Sturm der Harvester geortet werden kann. Es wurde überlegt, ggf. auch eine LED-Fallance auf der Unterseite der Serviceplatte zu installieren, um eine Chance zu erhalten, fälschlich herausgefilterten Kleinlebewesen nachts wieder einen Weg aus dem Trichter zu leuchten. Sammeltrichter: Im Gegensatz zum klassischen MantaNetz der Forscher wurde ein besonders geräumiger Sammelbereich eingeplant. Es hat ein Volumen von ca. 40 Litern und sollte damit für 3 Wochen ausreichend Raum für Abfall bieten. Außerdem weist er keine Komprimierung auf, da vermieden werden soll, dass fälschlich gefangene Lebewesen ersticken und sich nachts nach vorne daraus befreien können.

113

90 Feuerwehrschläuche (150) 91 Un-Polares Textil (151)

(149)

Un-Polare Textilfilterrampe: Im Sammeltrichter wurde auf der Unterseite eine ansteigende Rampe vorgesehen. Das strömende Wasser muss daran vorbei. Die Haare der Vlies-struktur fangen wegen ihrer hohen Un-Polarität weitere kleine Partikel aus dem Strom.

149. 150. 151.

BigBoySports (Hg.) (2008): xbowids.jpg (JPEG-Grafik, 2063x2100 Pixel). Online verfügbar unter http://www.bigboysports.de/Kitesurfing/bilder/cabrinhakites/2008/xbowids.jpg, zuletzt aktualisiert am 25.06.2008, zuletzt geprüft am 05.12.2010. feuerwehr-oberbiberg (Hg.) (2010): mobiler.jpg (JPEG-Grafik, 1204x903 Pixel). Online verfügbar unter http://www.feuerwehr-oberbiberg.de/images/mobiler.jpg, zuletzt aktualisiert am 18.10.2010, zuletzt geprüft am 05.12.2010. 453166.jpg (JPEG-Grafik, 916x692 Pixel) (2010). Online verfügbar unter http://cfnewsads.thomasnet.com/images/large/453/453166.jpg, zuletzt aktualisiert am 02.06.2010, zuletzt geprüft am 14.11.2010.

114

7

Harvesterlösung - B2B 7.8 Entwurf - Ausgestaltung:

7 meter

1,5 meter

X.Ray - Skimmer: 4-Tafelprjektion

Manta-Gleiter: 4-Tafelprjektion

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3 Fach - Netzstruktur: • • • • Stage 01: Schutz für Tiere Stage 02: Sammeln von gorben Teilen Stage 03: Filtern von kleinen Partikel Bedruckung: Bio - Awareness Muster 70 mm 10 mm 1 mm

R.Ray: Feature-Kurzbeschreibung

Sammler & Technik • • • • SAT - Antenne Solar - Zellen Sensorik Navigation

X.Ray - Schwimmer: • • • • Luft - Hochdruck - Textilgewebe Verbindungen: HF - verschweisst Schnitt- & Stichfest UV-Stabil

X.Ray - Seilsystem: • • Stahlseile: Strömungsgünstige Schutzhüllen Master - Schleppkabel: Mit Strom und Steurleitung zum Manta - Gleiter

Manta - Gleiter: • • • • Membran: Folie _ flexibel und reissfest Vertikales - Konterschwert: Stahl ca. 20 kg Bogen: Bambus imprägniert / Federstahl Technik-Box: Steuert das Ruder und Standby-Winde

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7

Harvesterlösung - B2B 7.8 Entwurf - Ausgestaltung:

• •

Der Sammler und Schwimmer sind über eine doppelt gesichertes Docking - Riegelsystem miteinander verbunden. Der Sammler, Kernstück des Harvesters, kann schnell und einfach getauscht und gesäubert werden.

117

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7

Harvesterlösung - B2B 7.8 Entwurf - Ausgestaltung:

Das Gewicht vom Gleit-Schwert oder das Zug-Seil stemmt sich gegen den Wasserwiderstand an der Membran

• •

Die biegsame Membran bildet eine Art Kegelprofil aus, Die sich bildende diagonale zur Kraftrichtung führt zu einem Vortrieb

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Die Technikbox am Heck • • steuert das Ruder stellt das Heck senkrecht in den Stand-by wenn notwendig

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7

Harvesterlösung - B2B 7.8 Entwurf - Ausgestaltung:

| Der Manta - Gleiter in der Tiefe zieht
den Harvester ruhig durch den Ocean

121

• • •

Der X.Ray Harvester schöpft auf sieben Meter breit und einen Meter tief. Seine Bewegungen in den Wellen ziehen am Manta Kite Der Manta - Kite liegt zehn Meter unter der Wasseroberfläche und zieht den Harvester vorwärts

122

7

Harvesterlösung - B2B 7.9 Abschließende Diskussion

7.9.1 Rückblick: Im Rahmen dieser Arbeit wurde zu Beginn recht umfassend der Problemraum Konsum erörtert. Auf Basis dessen wurde die Idee entwickelt und bewertet, eine Lösung für die Beseitigung von Konsumabfällen des Menschen, die in das Meer gelangt sind und auf der Oberfläche schwimmen, zu entwickeln. Im weiteren Verlauf wurden verschiedene funktionale und gestalterische Richtungen evaluiert. Die getroffene Auswahl und die Ausgestaltung des X.Ray Harvesters ist nach erfolgter Ressourcenabschätzung und aktuellem Wissenstand eine mögliche, effiziente Methode, die in der Lage sein könnte eine effektive Sammelleistung in dem Gebiet des North Pacific Garbage Patches zu erzielen.

7.9.2 Ausblick: Für das Sammeln von Müll auf hoher See gibt es aktuell keine praktikablen Lösungen. Es existieren erste Konzepte aber kein Datenstamm von funktionstüchtigen oder gescheiterten Beseitigungslösungen. Der aktuelle Stand der Ausarbeitung ist als Konzept und erste Diskussionsgrundlage für eine mögliche Lösung des Problems „Treibender Müll im Meer“ zu betrachten. Die erzeugte Lösung ist maßgeblich auf der Grundlage der persönlichen Erfahrungen und der im Internet erhältlichen Umfeldbeschreibungen der Wissenschaftler erfolgt. Es kann nach aktuellem Stand keine Funktionstüchtigkeit des Harvesters nachgewiesen werden. Funktionstests von ersten Prototypen und Teilaspekten wären sicherlich hilfreich. Das Sammeln der Partikel und ihr Verhalten in den Netzstrukturen müsste geprüft und optimiert werden. Auf Grund des kurzen Zeitrahmens wurden die meisten „Stakeholder“ noch nicht eingebunden, dies sollte bei einer Bewertung der Frage nach Weiterentwicklung oder gar Implementierung zeitnah erfolgen. Die Kostenabschätzung hat gezeigt, dass ca. 160 Millio-

Neben der Betrachtung des notwendigen Materialinvest und Fertigungsaufwandes wurde auch Wert auf eine einfache Handhabung durch den Menschen gelegt. Bestand die Startidee noch aus einer reinen Roboterlösung konnte in der Entwicklung ein System gestaltet werden, dass erst effektiv funktioniert wenn menschliche und robotergestützte maschinelle Arbeit Hand in Hand gehen.

123

| Service an einem X.Ray -

Harvester auf hoher See im Betrieb

nen Euro notwendig sein könnten. Die Höhe des Betrages beruht auf eigenen Schätzungen und müsste validiert werden. Es stellt sich in dem Zusammenhang aber abschließend auch die Frage nach der Bewertung des Beschädigungsrads der Orte. Im Rahmen der Arbeit wurde exemplarisch ganz bewusst der North Pacific Garbage Patch wegen seiner strategischen Prominenz und der vorhandenen Datenmengen ausgesucht und bearbeitet. Sollte in Betracht gezogen werden eine Summe in der

Hohe von 160 Millionen Euro über 6-7 Jahre für die Entwicklung und den Betrieb von quasi autonomen Müllbeseitigungslösungen zu investieren, muss vorab geklärt werden welches der dringendste und effektivste Handlungsort sein wird. Dadurch kann die Investition an Ressourcen seinen größten Nutzen für die Biosphäre und den Menschen ausbilden. Sollte das ein anderer Ort mit anderen Problemen sein, Beispielsweise der Meeresgrund vor den Küsten der Länder, dann müssen vorangegangene Schritte neu angewandt und die Lösung abgewandelt werden.

124

7 Appendix 7.1 Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Fast moving Consumer Goods bestehen maßgeblich aus (meist synthetischen) Kohlenstoffverbindungen Abbildung 2 CFK basierte Automobil Federbeinstudie) Abbildung 3 Globaler Strahlungsenergie Flux Abbildung 4 Global Happyness Index in Gegenüberstellung zum Einkommen Abbildung 5 Wahrscheinliche Weltbevölkerungsentwicklung Abbildung 6 Ressourcenentnahme in Erdäquivalent (S.34, WWF (2010) ) Abbildung 7 Durchschnittliches Co2e in Tonnen pro Jahr pro Kopf (S.15, barnes(2005)) Abbildung 8 Langfristige Entwicklung der Co2 Konzentration 10 10 14 15 17 17 17 19

Abbildung 9 Vertretbare Co2 Kontingente in der Zukunft, inkl. kalkulierter Co2 Handel 20 Abbildung 10 Auswirkungen der verschiedenen Szenarien auf die Treibhausgasentwicklung 0 2 Abbildung 11 Co2 Kreislauf nach UNEP und NASA Abbildung 12 Verschiedene einzellige Planktonarten Abbildung 13 Aktuelle Fördermengenentwicklung Abbildung 15 Ein 3 Gramm Goldring verursacht 3 Tonnen giftigen Abraum Abbildung 16 Jevons’Pradox anhand der Dampfmaschinenentwicklung Abbildung 17 Value Chain Diagramm aus PAS-2050 (S.11, Crown (Hg.) (2008)) Abbildung 18 Stoff- und Energiekreislauf der Globosphäre Abbildung 19 Vereinfachter Wertstoff zu Nutzen Zyklus Abbildung 20 Kosten Nutzen Darstellung aller Klimagasreduktionsmassnahmen Abbildung 21 PET-Flaschen Leuchte von Walking-Chair Abbildung 22 Mobile Monitoring und Steurungssoftware Abbildung 23 Durchdringungsgrad Smart Metering der kommenden Jahre Abbildung 24 Beispiel einer Smart Metering Auswertung 22 23 24 25 26 28 28 30 31 34 37 37 37

Abbildung 14 Konsumsegmente und ihr Co2 Einfluss inkl. Import, (Stolaroff (2009),S.10 ) 25

125

Abbildung 25 Anzeigedisplay des „wattchers“ designed von Marcel Wanders Abbildung 26 Flutkatastrophen werden in Zukunft immer häufiger auftreten Abbildung 27 Wasser in Flaschen oft nicht mehr als teures Leitungswasser Abbildung 28 KOR Wasserflasche mit Appell auf der Innenseite Abbildung 29 Karim Rashid‘s water Bobble Abbildung 30 Die 5 großen ozeanischen Strudel Abbildung 31 Ein Strand auf Hawai Abbildung 32 Portugiesische Galeere auf hoher See Abbildung 33 Spinnendiagramm Gegenüberstellung der Ansätze Abbildung 34 Schemadarstellung der Auswahl Abbildung 35 „Das Meer hat keinen Abfluss..“ Online-Greenpeace Kampagne Abbildung 36 Ein Vogel-Kadaver gefüllt mit Kunststoffmüll Abbildung 37 Fisch ist eine unsere Nahrungsquellen Abbildung 38 Globale Oberflächen Meeresströmungen Abbildung 39 Marine-Litter-Cluster simuliert Abbildung 40 Durchschnittliche Windgeschwindigkeit Abbildung 41 Ein normaler Tag auf dem Pacific (81) Abbildung 42 Selten aber real kleine Müllinseln im Meer Abbildung 43 Konzentriertes Ergebnis einer Schleppnetzsammlung Abbildung 44 Fr. Goldstein vom SCRIBBS Institut mit einer Filter-Probe Abbildung 45 Aufnahme aus dem Film „Die Reifeprüfung“ Abbildung 47 Skalierung des Mageninhaltes eines Eissturmvogels auf den Menschen Abbildung 48 Mikroskopaufnahme von Phytoplankton Abbildung 49 Innovationsmodelle Abbildung 50 Schematische Darstellung des Materialaufbaus des Plastikis Abbildung 51 DIY Kit ROV-in-a-Box im Einsatz Abbildung 52 Fair Trade Logo Abbildung 53 Interessengruppen Abbildung 54 Sicht auf die Unterseite eines Manta Rochens Abbildung 55 Finales Ergebnis der Schrift und Farbgestaltung Abbildung 56 Globale Verteilung verschiedenster Daten-Bojenarten Abbildung 57 Drifter mit Textilschlauch

37 40 42 43 44 48 48 49 51 52 55 55 56 57 58 58 57 59 60 60 61 63 64 67 68 68 72 72 74 75 76 77

Abbildung 46 Weltverbrauch Polymere pro Jahr und Anwendung (Accenture (2008), S.6) 62

126

Abbildung 58 Alter Drifter mit starkem Bewuchs Abbildung 59 Ein Glider von der Firma Slocum Abbildung 60 Untersee-Boot an einem Bedienpanel Abbildung 61 Ein Wave-Glider Abbildung 62 Solarzellen für Navigation, Wellen für den Vortrieb. Abbildung 63 Plastiki info Poster Abbildung 64 Abbildung aus dem Google Patent Abbildung 65 CAD Darstellung der Solar Wave Abbildung 66 Turnaror Planet Solar Jungfernfahrt Abbildung 67 Portugiesische Galleere (Physalia) treibt auf hoher See Abbildung 68 Großformatige Drachen als Segel, Sky Sails (2008) Abbildung 69 Skizze aus einem der ersten Kite Patente (Thayer(1889)) Abbildung 70 Patentzeichnung eines drachengezogenen Netzes (Terili (1969),S.3) Abbildung 71 Erntemaschinen in USA Abbildung 72 Kosten Nutzen Abschätzung Abbildung 73 Habitat Utopie Abbildung 74 Mutterschiff und Habitat Abbildung 75 Wal Fütterung Abbildung 76 Schlepper und der San Francisco Bay mit KITE Abbildung 77 Klassisches 20 Meter Stahlboot Abbildung 78 Energie sparender Motor-Katamaran Abbildung 79 SolarWave CAD Grafik Abbildung 80 Schematische Darstellung eines Schleppnetzes Abbildung 81 Plankton-Netz für Forschungsarbeiten Manta-Trawl Abbildung 82 Konzept von Boris Innecken (Innecken (2010) Abbildung 83 Pelagic-Pod Prototyp (2010)) Abbildung 84 Wellenantrieb Prinzip Abbildung 85 Wave Glider Abbildung 86 Sepia Abbildung 87 Festo-Ray Skelett Abbildung 88 Einfacher Detal-Kite

77 77 78 78 78 79 79 80 80 80 80 81 81 85 87 89 90 91 92 92 92 92 98 98 100 100 102 102 103 104 105

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Abbildung 89 Shark Skin unter dem REM Abbildung 90 Feuerwehrschläuche Abbildung 91 Un-Polares Textil

112 114 114

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1