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ADHS-Symposium am 7. und 8.9.

2007 in Jena

Es scheint eine Mode-Diagnose zu sein - ADHS
-Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom - lautet immer häufiger die
Antwort vieler Ärzte auf Fragen besorgter Eltern. Doch die scheinbare Zunahme
der Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen täuscht: "ADHS ist zu 80 Prozent
genetisch bedingt und tritt daher heute nicht öfter auf als früher", erklärt dazu
Prof. Dr. Bernhard Blanz, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am
Universitätsklinikum Jena.

"Allerdings hat sich in den letzten 20 Jahren das Bewusstsein der Öffentlichkeit
und vieler Ärzte für diese Erkrankung geschärft, so dass betroffene Kinder heute
eine größere Chance auf eine entsprechende Behandlung haben." Betroffen sind
in Deutschland nach Schätzungen etwa 3 bis 5 Prozent der Kinder und
Jugendlichen, die so starke ADHS-Symptome entwickeln, dass eine ärztliche
Betreuung nötig wird.

Wann genau dies der Fall ist, und welche Möglichkeiten die Medizin heute für
Diagnose und Therapie zu bieten hat, sind Themen des am 7. und 8. September
in Jena stattfindenden Symposiums zu ADHS, zum dem über 100 Teilnehmer aus
dem Mitteldeutschen Raum erwartet werden.

"Anliegen dieser wissenschaftlichen Tagung ist es, die aktuellen Entwicklungen
vor allem im Bereich der Psychopharmako-Therapie bei ADHS vorzustellen",
erläutert Kinderpsychiater Bernhard Blanz. "Es gibt inzwischen Medikamente, die
eine längere Konzentrationsphase z.B. in der Schule ermöglichen sollen", so Blanz
zu den vorgestellten Neuerungen. "Zudem möchten wir unseren nicht auf ADHS
spezialisierten Kollegen in den Praxen, die oft zuerst mit dem Problemkind
konfrontiert werden, das notwendige Rüstzeug für eine korrekte Diagnose und
Behandlung mit an die Hand geben."

Denn neben der medikamentösen Behandlung spiele bei dieser Krankheit die
Beratung auch der Eltern eine entscheidende Rolle. "Wir müssen bei dieser
genetisch bedingten Erkrankung den Eltern zum einen die Schuldgefühle
nehmen, in der Erziehung versagt zu haben", so Blanz, "und zum anderen
gemeinsam Erziehungs-Strategien entwickeln, mit deren Hilfe die Kinder lernen,
ADHS zu kontrollieren."

Gelingt dies nicht, können betroffene Kinder neben einem schulischen
Leistungsdefizit auch Störungen des Sozialverhaltens entwickeln, die weit
reichende Folgen für deren Zukunft haben können. "Dann wächst sich Nicht-
Stillsitzen-Können und Unaufmerksamkeit zu Schulversagen und Fehlverhalten
aus, bis hin zu extremen Fällen, bei denen Aggressivität in eine kriminelle Karriere
mündet", beschreibt Kinderpsychiater Blanz die Auswirkungen.

An der Jenaer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ADHS "eine unserer
Hauptaufgabe", bestätigt Prof. Blanz. "Bis zu 80 Prozent der in der Tagesklinik
behandelten Kinder kommen mit dieser Diagnose zu uns". In der Folge wurde die
Kapazität dort von 10 auf 13 tagesklinische Behandlungsplätze erweitert.

Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung sei dabei vor allem auch die richtige
Diagnostik, denn nicht jeder Zappelphilipp leidet an ADHS, wie Blanz betont.
Auch dafür die Aufmerksamkeit der Kollegen zu schärfen ist Anliegen der
zweitägigen Jenaer Tagung.

7. und 8. September 2007, 18.00 Uhr bzw. 8:00 Uhr
ADHS - Symposium
Steigenberger Esplanade

Prof. Dr. Bernhard Blanz
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/936581
E-Mail: Bernhard.Blanz[at]med.uni-jena.de

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena