Interview mit Stefan Schartlmüller Online Partei Österreich (OPÖ

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Dieter Zirnig (neuwal.com), Dienstag, 3. April 2012
Artikel mit Podcast auf neuwal.com http://neuwal.com/index.php/2012/04/04/online-partei-osterreich-opoe/

neuwal: Was ist die OPÖ, die Online Partei Österreich1 eigentlich? Stefan Schartlmüller (OPÖ): Die Online Partei Österreich soll ein Werkzeug für alle Menschen werden, die die Demokratie mit- und weiterentwickeln wollen. Es ist nicht mehr in Ordnung, so wie Demokratie derzeit funktioniert. Die Interessen der Bürger und Wähler werden nicht mehr vertreten, weil nur alle fünf Jahre gewählt wird. Wir möchten die Direkte Demokratie2 in den Nationalrat bringen.

In welche Richtung wollt ihr verändern? Als OPÖ wollen wir nur das Werkzeug sein. Als Stefan Schartlmüller habe ich zwar meine politische Richtung, aber die Partei soll quasi neutral bleiben.

Was heißt "neutral bleiben"? Neutral bleiben heißt, dass nicht wir als OPÖ die Themen festlegen. Themen sollen von Menschen definiert werden, die Interesse an der Mitentwicklung der Demokratie haben und vielleicht selbst Initiativanträge einbringen wollen. Wir möchten, dass “sie es selbst machen”. Es gibt diverse NGOs, die an Regierungen Forderungen stellen, die nicht umgesetzt werden. Über die OPÖ sollen diese NGOs die Möglichkeit haben, ihre Forderungen direkt einzubringe.

Wie sollen solche Forderungen an euch weitergeleitet werden? Es soll auf einer Homepage vorab diskutiert werden. Wir stellen uns dazu eine Mischung

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http://www.opö.at (03.04.2012) http://de.wikipedia.org/wiki/Direkte_Demokratie (Wikipedia, 03.04.2012) neuwal.com

aus Liquid Democracy3 und der systemischen Konsensierung vor. Dazu haben wir Erich Visotschnig4 mit im Team, der dieses System der systemischen Konsensierung5 entwickelt hat. Es wird uns dabei helfen, eine vernünftige Diskussionsbasis mit entsprechender Entscheidungsfindung zu finden, damit es auch funktioniert.

Wo soll die Diskussion stattfinden? Die Diskussion soll weitgehenst im Online-Bereich stattfinden. Natürlich machen wir uns über sämtliche Kanäle und Ebenen Gedanken. Das heißt, wir wollen nicht nur Online agieren. Funktionierende Beispiele von Direkten Demokratien gibt es in Vorarlberg, die Bürgerräte einsetzen. Das nennt sich “Wisdom Councils”6, eine von Jim Rough7 entwickelte Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung.

Welche Vorbilder gibt es zu euren Vorstellungen sonst noch in Europa? Ganz neu ist das EBI, die Europäische Bürger Initiative8. Damit wird auf europaebene erleichtert, dass man Bürgerinitiativen einbringt. Spannend wird dieser Schritt vorallem bei den Themen Fiskalpakt, Rettungsschirm oder Finanztransaktionssteuer.

Was sind eure Themen und Anliegen, mit was geht ihr an die Öffentlichkeit. Welche Richtung verfolgt ihr, was sind die ersten Themen. Reformen und Transparenz sind wichtige Themen, die alle betreffen und sich viele auf die Fahnen heften: Transparenz bei der Parteienförderung und bei Korruptionsthemen muss einfach geklärt werden. Wichtige Reformen werden seit Jahrzehnten hinausgeschoben: Bildung oder Infrastruktur. Wir wollen nicht über Kleinigkeiten wie “Legalisierung von Cannabis: Ja oder Nein” disktutieren, sondern es geht darum, dass essentiellere Dinge angegangen werden.

Worin unterscheidet ihr euch von klassischen Parteien. Es wird in Zukunft nicht mehr möglich sein, dass wichtige Dinge noch mehr hinausgeschoben werden, denn Themen werden definitiv angegangen. Momentan stehen die etablierten
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http://www.youtube.com/watch?v=r0G_vuWTOUw (YouTube, 03.04.2012) http://www.competence-site.de/Erich-Visotschnig (Erich Visotschnig, 03.04.2012) 5 http://unibrennt.at/wiki/index.php/Was_ist_systemisches_Konsensieren_-_Das_SK-Prinzip (Systemische Konsensierung, 03.04.2012) 6 http://www.walkyourtalk.at/das-wisdom-council-8-perspektiven-zur-ganzheitlichen-problemloesung... (Wisdom Council, 03.04.2012) 7 http://www.wisedemocracy.org/ (Center for Wise Democracy, 03.04.2012) 8 http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/welcome (EBI, Europäische Bürgerinitiative, 03.04.2012) neuwal.com

Regierungsparteien immer wieder an. Es gibt teilweise Reformwillen, allerdings steht dieser immer an der Regierungsbank an. Bürger- und Wählerinteressen werden nicht mehr vertreten, sondern jene von Konzernen, etc. Das ist nicht mehr in Ordnung und das muss sich ändern.

Worin unterscheidet ihr euch von einer Piratenpartei9 oder den derzeitigen anderen Demokratiebewegungen? Wir versuchen hier mit allen Bewegungen in Kontakt zu treten. Wir sind in Kontakt mit den Mutbürgern, haben uns mit den Kollegen von “Österreich spricht10” an einen Tisch gesetzt. Auch mit den Piraten haben wir gesprochen um Parallelen zu finden. Es ist nicht schlecht, was die Piraten momentan vorhaben. Sie wollen ein Programm vorher demokratisch abstimmen lassen und, dass dieser Prozess immer am Laufen bleibt. Wir wollen nicht mit einem fertig abgestimmten Programm zur Wahl gehen, sondern wirklich offen hingehen. Die Parallelen werden wir derzeit erörtern. Kooperationen stehen derzeit allerdings noch in den Sternen. Wir möchten etwas bewegen und deswegen versuchen wir, aufeinander zu zu gehen.

Österreich spricht plant auch eine Plattform im Internet wo Diskussion und Dialog stattfinden soll. Worin würden sich die beiden Plattformen unterscheiden, ist das Konkurrenz oder eine Bereicherung. Wie lässt sich vermeiden, dass innerhalb dieser Demokratiebewegungen "Direkte Konkurrenz" stattfindet? In dem wir versuchen, uns an einen Tisch zu setzen. Wir lernen uns jetzt erst alle kennen. Wir kennen uns eine Woche, 10 Tage. Es war zu erwarten, dass mehrere Menschen gleiche Ideen haben. Das ist ja an und für sich gut, weil man sich dann leichter bei der Absprache tut. Wir werden uns relativ bald an einen Tisch setzen und versuchen einen gemeinsamen Weg zu finden.

Ich habe gelesen, ihr wollt im Online-Bereich Abstimmungen durchführen. Welche Gefahr seht ihr in der Direkten Demokratie? Das Thema “Direkte Demokratie” ist sicherlich nicht ganz ohne. Mit Harald Obereder11 haben wir einen guten Mann an Bord. Er ist ein österr. Handyhersteller, der sich um SeniorenMobiltelefonie kümmert. Er kennt sich sehr gut mit Sicherheitstools aus und versucht, klassische Online-Banking Sicherheitsmechanismen mitzuentwickeln. Wir sind auch gerade dabei, dass wir in Kontakt mit der Donau-Universität Krems in Kontakt treten, die ein Departement für E-Governance12 haben. Wir möchten uns mit Ihnen zusammentun. Auf alle Fälle müssen wir Experten ins Boot holen. Momentan ist ein Probeformat online, um ein Gefühl zu bekommen, wie es sein könnte. Im Herbst geht dann die zweite Version online.
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http://www.piratenpartei.at/ (Piratenpartei, 03.04.2012) http://www.oespricht.at/ (Österreich spricht, 03.04.2012) 11 http://ichmachpolitik.at/questions/1558 (Harald Obereder, 03.04.2012) 12 http://www.donau-uni.ac.at/de/department/gpa/index.php (Donau Uni Krems, 04.04.2012)
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neuwal.com

Wieviele Leute seid ihr? Wir sind zu dritt. Allerdings erreichen uns täglich viele Unterstützungs-E-Mails. Wir sind gerade dabei, die verschiedenen Interessensbereich zu kanalisieren. Es gibt Menschen, die im ITBereich oder bei Partizipationsformen mitmachen wollen. Dann gibt es relativ bald Termine, bei denen wir uns treffen können.

Nochmals zurück zu Abstimmungen im Internet: Was, wenn rechte Abstimmungen über Hand nehmen oder ausländerfeindliche Themen die Diskussion und Abstimmung prägen? Wir berufen uns auf die Menschenrechtskonvention. Es wird auf keinen Fall etwas durchgeführt, was Minderheiten gefährdet. Man kann theoretisch so etwas wie eine Ethik-Kommission einrichten. Bei diesen heiklen Themen müssen wir uns auf alle Fälle absichern und werden extra behandelt. Man kann auf keinen Fall hergehen und ein Thema auf den Tisch knallen, wo man JA oder NEIN sagt. Es wird natürlich im Vorhinein bei allen Themen fundiert diskutiert werden. Wir rechnen schon damit, dass die Menschen aufwachen. Es gibt ja eine Aufbruchsstimmung. Es gibt eine andere Politik als die von den Blauen und es gehört mehr zur Politik dazu, als gegen Minderheiten zu hetzen. Es gibt Hintergründe. Man muss nach den Ursachen forschen, wo Probleme liegen und hier versuchen, diese zu verändern.

Im Falter13 lese ich, "Besonders radikal ist die Online Partei Österreich. Die Parteigründer – ein Informatiker, ein Gastronom und ein Marketingexperte, alle um die 30 – wollen nicht weniger, als die Demokratie neu erfinden. Statt eines Parteiprogramms und einer Ideologie bieten sie eine Website mit Onlinevoting."... Neuerfindung geht nicht. Es geht in erster Linie darum, dass man sich um einen Tisch setzt und so viel möglich und mit so vielen Menschen wie möglich die Demokratie weiterentwickelt. Im Grunde geht es darum, dass das jetzige System nicht dem Wählerwillen dient. Die Wählerinteressen werden nicht mehr vertreten. Und alle fünf Jahre ein Kreuz machen kann nicht Demokratie sein. Das funktioniert nicht. Es wird immer von einem Programm geredet. Die ÖVP hat beispielsweise ein Programm, das sie dann aber nicht umsetzt. Wo ist da der Sinn dahinter? Demokratie muss eindeutig reformiert werden. Weil zur Zeit wird die Demokratie nicht gelebt. Und wir wollen nicht irgendwelche "Wir-wissen-es-am-Besten"-Ideen am Tisch bringen, sondern wollen die Menschen zum Mitmachen bewegen.

Denken wir ein Jahr voraus, April 2013. Wo wärt ihr da, was ist das Wunschziel mit eurer Bewegung zu diesem Zeitpunkt? Das ist noch vor der Wahl. Ich hoffe, dass viel passiert ist. Das es viele Treffen und
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http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=1608 (03.04.2012) neuwal.com

Conventions gegeben hat. Menschen, die mitmachen möchten. Im April 2013 soll die Bewegung soweit fortgeschritten sein, dass sie alle Ecken und kleinen Dörfer erreicht hat und dass alle Menschen darauf aufmerksam werden. Dass sie merken, dass es so nicht mehr gehen kann.

Wie wollt ihr in alle Dörfer oder entlegenen Regionen kommen? In erster Linie muss die ganze Kommunikation online hergestellt werden. Die Medien tragen dazu hoffentlich ihren Teil dazu bei. Momentan schaut es sehr gut aus. Menschen kommen derzeit aus vielen Regionen dazu und es schaut gut aus. Menschen kommen aus vielen Regionen zu uns und es sollte eigentlich funktionieren. Es beginnt und braucht Organisation.

Zum Schluß zu Dir: Wer bist du, was machst du und was ist deine Motivation? Mein Name ist Stefan Schartlmüller. Ich bin Gastronom und seit drei Jahren selbständig. Ich führe zwei Betriebe mit ca. 30 Mitarbeitern. Ich war ziemlich viel in der Welt unterwegs und sehe, dass es auch anders geht. Ich habe Sachen gesehen, die OK und nicht OK sind. Und habe über den Tellerrand hinausgeschaut und weiß, dass es auch anders geht, als jetzt. Eines meiner Herzensthemen ist die Landwirtschaft, die Reformen braucht. Ebenso bei der Kinder, bei der Bildung, bei der Jugend, da müssen Veränderungen erfolgen. Gesundheit, Soziales. Es muss einfach etwas passieren.

Wenn Frank Stronach vor Eurer Tür steht und sagen würde, "Ich unterstütze euch mit einem gewissen Geldbetrag", wie wäre eure Reaktion? Spenden sind bei uns willkommen. Wir werden es selbstverständlich transparent auflegen. Ich glaube nicht, dass Frank Stronach zu uns kommen wird, weil er, so wie ich es herausgesehen habe, er Menschen sucht, die seine Punkte ausführen, wie er es vor hat. Er ist mir etwas suspekt. Wenn er kommt und uns unterstützen möchte, würden wir das gemeinsam disktutieren.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Eure Vorhaben!

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