Kreisfunktionen 1

TGM Angewandte Mathematik WK



KREI SFUNKTI ONEN








1 0.5 0 0.5 1
1
0.5
0
0.5
1
sin 5x ( )
cos 3x ( )








Kreisfunktionen 2
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Inaltsverzeichnis


Kreisfunktionen 1
1 Kreisfunktionen 4
1.1 Definitionen im rechtwinkeligen Dreieck 4
1.2 Zusammenhang zwischen sinα und cosα 4
1.3 Die Winkelfunktionen am Einheitskreis 4
1.4 Wissenswerte Kreisfunktionswerte: 5
1.5 Definitionen der Kreisfunktionen für beliebige Winkel 5
1.6 Reduktionsformeln 5
1.7 Sinus – und Kosinussatz 6
1.8 Summensätze 6
1.9 Produktformeln 6
1.10 Potenzen von Kreisfunktionswerten 6
1.11 Das Radiantmaß 7
1.12 Die Periodizität der Kreisfunktionen 7
1.13 Die Graphen der Kreisfunktionen 8
1.14 Die Arcusfunktionen 9
2 Die allgemeine Sinusfunktion 12
2.1 x → A⋅sin x 12
2.2 x → sin (b⋅x) 13
2.3 x → sin (x + c) 14
2.4 x → sin(b⋅x + c) 15
2.5 x → d + sin x 16
2.6 Zusammenfassung 17
3 Harmonische Schwingungen 18
3.1 Das Federpedel 18
3.2 Periodendauer T, Frequenz f und Kreisfrequenz ω 19
3.3 Beispiele 20
Kreisfunktionen 3
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4 Zeigerdiagramme 21
5 Addition frequenzgleicher Sinusfunktionen 23
5.1 Beispiel 23
5.2 Allgemeine Herleitung 24
5.3 Aufgaben 28
6 Addition zweier frequenzungleicher Sinusfunktionen 29
6.1 Beispiel 29
6.2 Allgemeine Betrachtung 30
6.3 Aufgaben 31
6.4 Addition zweier frequenzähnlicher Sinusfunktionen (Schwebung) 31
6.5 Lissajous Figuren 33
7 Multiplikation zweier frequenzgleicher Sinusfunktionen 36
7.1 Erklärung 36
7.2 Anwendung: Die Leistung im Wechselstromkreis 38
7.3 Drei Extremfälle 40
8 Wiederholungsfragen 44


Kreisfunktionen 4
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1 Kr eisfunkt ionen
1.1 Definit ionen im r echt winkeligen Dr eieck
90 γ · °





Bezüglich α ist a die Gegenkathete GK , b die Ankathete AK und c die Hypotenuse H .
Die Kreisfunktionen werden definiert durch:


GK
sin
H
AK
cos
H
α ·
α ·

GK sin
tan
AK cos
AK cos
ctg
GK sin
α
α · ·
α
α
α · ·
α

1.2 Zusammenhang zwischen sinα und cosα
In jedem rechtwinkeligen Dreieck gilt der Pythagoräische Lehrsatz: a
2
+ b
2
= c
2

Wir formen um und erhalten:

2 2
2 2
2 2
a b
1
c c
a b
1
c c
+ ·
¸ _ ¸ _
+ ·

¸ , ¸ ,

( ) ( )
2 2
sin cos 1 α + α ·


2 2
sin cos 1 α + α ·

1.3 Die Winkelfunkt ionen am Einheit skr eis
( )
P P P
x y
/
α
1
y
x
1
sin α
cosα


b
c
a
β
γ
α
Kreisfunktionen 5
TGM Angewandte Mathematik WK

Am Einheitskreis ist die Maßzahl der x-Koordinate gleich dem Kosinus des Winkels α, da
x
P
cos
1
α · ist.
Am Einheitskreis ist die Maßzahl der y-Koordinate gleich dem Sinus des Winkels α, da
y
P
sin
1
α · ist.
1.4 Wissenswer t e Kr eisfunkt ionswer t e:
α sinα cosα tanα
0° 0 1 0
30°
1
2

3
2

1
3

45°
1
2

1
2

1
60°
3
2

1
2

3
90° 1 0
nicht
definiert
1.5 Definit ionen der Kr eisfunkt ionen für beliebige
Winkel
Wir können nun die obige Überlegung zur Definition der Winkelfunktionen für beliebige
Winkel heranziehen und definieren nun:
die Maßzahl der x-Koordinate des Punktes P als Kosinuswert des Winkels α: cos α,

x
P
cos
1
α ·
und die Maßzahl der y-Koordinate des Punktes P als Sinuswert des Winkels α: sin α

y
P
sin
1
α ·
1.6 Redukt ionsfor meln
Die Berechnung jedes Kreisfunktionswertes lässt sich auf die Berechnung eines
Kreisfunktionswertes eines Winkels zwischen 0 und π/2 zurückführen. Dazu dienen die
folgenden Reduktionsformeln. Diese lassen sich sofort durch eine Zeichnung am
Einheitskreis verifizeren.

sin(–α) = – sin α sin(π–α) = sin α sin(π+α) = sin α

cos(–α) = sin α cos(π–α) = – cos α cos(π+α) = – cos α


Kreisfunktionen 6
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sin cos
2
cos sin
2
π
¸ _
− α · α

¸ ,
π ¸ _
− α · α

¸ ,

sin cos
2
cos sin
2
π
¸ _
+ α · α

¸ ,
π ¸ _
+ α · − α

¸ ,
u.s.w.

1.7 Sinus – und Kosinussat z
Sie dienen zu Berechnungen in schiefwinkeligen Dreiecken:

Kosinussatz:

2 2 2
2 2 2
2 2 2
c a b 2 a b cos
a b c 2 b c cos
b a c 2 a c cos
· + − ⋅ γ
· + − ⋅ α
· + − ⋅ β

Sinussatz:

a b c
sin sin sin
· ·
α β γ

1.8 Summensät ze

1. Summensatz: 2. Summensatz:

( )
( )
( )
( )
sin sin cos cos sin
sin sin cos cos sin
cos cos cos sin sin
cos cos cos sin sin
α + β · α⋅ β + α⋅ β
α− β · α⋅ β − α⋅ β
α + β · α⋅ β − α⋅ β
α− β · α⋅ β + α⋅ β

sin sin 2sin cos
2 2
sin sin 2cos sin
2 2
cos cos 2cos cos
2 2
cos cos 2sin sin
2 2
α + β α− β
α + β · ⋅
α + β α− β
α − β · ⋅
α + β α− β
α + β · ⋅
α + β α− β
α − β · − ⋅

1.9 Pr odukt for meln

( ) ( )
( ) ( )
( ) ( )
1
2
1
2
1
2
sin sin cos cos
sin cos sin sin
cos cos cos cos
α⋅ β · α− β − α + β 1
¸ ]
α⋅ β · α− β − α + β 1
¸ ]
α⋅ β · α− β + α + β 1
¸ ]

1.10 Pot enzen von Kr eisfunkt ionswer t en
( )
( )
( )
2
1
2
3
1
4
4
1
8
sin 1 cos 2
sin 3sin sin 3
sin cos 4 4cos 2 3
α · − α
α · α− α
α · α − α +

( )
( )
( )
2
1
2
3
1
4
4
1
8
cos 1 cos 2
cos cos 3 3cos
cos cos 4 4cos 2 3
α · + α
α · α+ α
α · α + α +


Kreisfunktionen 7
TGM Angewandte Mathematik WK

1.11 Das Radiant maß
Ein Winkel ließe sich auch dann eindeutig zeichen, wenn man diesen Winkel als den
Zentriwinkel eines Kreissektors betrachtet und den Radius r und die zugehörige Bogenlänge
angibt.
Das Verhältnis der Bogenlänge b zum Radius r ist jedenfalls von der konkreten Wahl des
Radius r unabhängig ( Alle Kreise sind einander ähnlich ):

2 r
360
b r
r r 180 r 180
⋅ ⋅π
°
⋅ α ⋅ π⋅ α π
· · · ⋅ α
° ⋅ °
( r kürzt sich weg!)

Dieses Verhältnis ist also nur vom Winkel α abhängig. Es kann daher als Maß für den Winkel
dienen. Man nennt dieses Maß das Radiantmaß eines Winkels.

Im Radiantmaß wird ein Winkel durch das Verhältnis von Bogenläge b zum Radius r eines
Kreissektors definiert.
b
:
r 180
π
α · · ⋅ α
°
)
[ ] 1 rad α ·
)


Die Einheit des Winkels im Bogenmaß ist 1 Radiant = 1 rad.
Für den vollen Winkel 360° gilt:
360 2 rad
180
π
α · ⋅ ° · π
°
)

Man merkt sich: 2π rad = 360°

Alles andere folgt daraus. Bei 1 rad = 57,3° ist immer b = r.Das Bogenzeichen über dem Buchstaben für den
Winkel wird meist nicht geschrieben. Ob es sich bei einem gegebenen Winkel um einen Winkel im Gradmaß
oder im Radiantmaß handelt, ist aus der Einheit erkennbar. Bei der obigen Definition wird deutlich, dass es sich
bei einem Winkel um eine dimensions-lose Größe handelt, da der Winkel ja als Verhältnis zweier Längen
definiert wird. Damit man aber weiß, dass es sich bei einer konkreten Angabe um einen Winkel im Gradmaß
handelt, wird wie üblich ( TR Bezeichnung: deg ) das Gradzeichen „° “ verwendt. Für einen Winkel im
Radiantmaß wird (eventuell) „rad“ als sogenannte Hilfseinheit zugefügt. Diese Angabe ist jedoch nicht
zwingend. Bei der Angabe eines Winkels im Gradmaß ist daher das Gradzeichen unerlässlich, da der Winkel
sonst als Winkel im Radiantmaß aufgefasst wird.

1.12 Die Per iodizit ät der Kr eisfunkt ionen
Wie man sofort am Einheitskreis nachvollziehen kann, gilt:

( ) ( ) sin sin k 360 sin k 2 α · α+ ⋅ ° · α + ⋅ π für k∈ ∈ Z
( ) ( ) cos cos k 360 cos k 2 α · α + ⋅ ° · α + ⋅ π für k ∈ ∈ Z
( ) ( ) tan tan k 180 tan k α · α + ⋅ ° · α + ⋅ π für k ∈ ∈ Z

Man sagt: Die Sinusfunktion und die Kosinusfunktion sind mit 360° bzw. 2π periodisch, die
Tangensfunktion ist mit 180° bzw. mit π periodisch.
Kreisfunktionen 8
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1.13 Die Gr aphen der Kr eisfunkt ionen
Bei den Kreisfunktionen wird stets einem Winkel ein ( einheitenloser! ) Funktionswert
zugeordnet:
α → f(α)
Üblicherweise wird das Argument einer Funktion in der Mathematik mit x bezeichnet. Wir
folgen dieser Konvention und schreiben daher:
x → f(x)
x hat also die Bedeutung des Drehwinkels. Man erhält die Graphen der Kreisfunktionen,
indem man den jeweiligen Kreisfunktionswert f(x) über dem Drehwinkel x in einem einem x–
y Diagramm aufträgt.

f x ( ) sin x ( ) :·
4 2 0 2 4 6 8 10
1
1
Die Sinuskurve
f x ( )
x
f x ( ) cos x ( ) :·
4 2 0 2 4 6 8 10
1
1
Die Kosinuskurve
f x ( )
x

Kreisfunktionen 9
TGM Angewandte Mathematik WK

f x ( ) tan x ( ) :·
4 2 0 2 4 6 8 10
4
2
2
4
Die Tangenskurve
f x ( )
x

1.14 Die Ar cusfunkt ionen
1.14.1 Erklärung
Die Arcusfunktionen sind die Umkehrfunktionen der Kreisfunktionen.
Wie jeden Graphen einer Umkehrfunktion erhält man auch die Graphen der Arcusfunktionen
durch Spiegelung der entsprechenden Kreisfunktion an der ersten Mediane. Da sich der Graph
einer Funktion jedoch nie überschneiden darf, d.h. zu einem konkreten x – Wert darf es ja
stets nur einen einzigen y – Wert geben, sind die Kreisfunktionen nur in einem streng
monotonen Abschnitt umkehrbar. Man wählt stets die am nächsten bei x = 0 gelegenen streng
monotonen Abschnitte.
1.14.2 Die Graphen der Arcusfunktionen
Zu den Graphen der Arcusfunktionen sind noch jeweils die Definitionsmenge D und die
Wertemenge W angegeben.
Kreisfunktionen 10
TGM Angewandte Mathematik WK

Die Arcussinuskurve
1 0 1
2
1
1
2
asin x ( )
x

Die Arcuskosinuskurve
1 0 1
1
2
3
4
acos x ( )
x

D = [ –1,1 ] W = [ –π/2, π/2 ] D = [ –1,1 ] W = [ 0, π ]



Die Arcustangenskurve
10 5 0 5 10
2
1
1
2
atan x ( )
x

D = [ –∞,∞ ] W = [ –π/2, π/2 ]

Es gilt:
x
lim tan x
2
→+ ∞
π
·
und
x
lim tan x
2
→− ∞
π
· −


Übungsaufgabe:
Erklären Sie den folgenden bemerkenswerten Zusammenhang mittels einer Zeichnung am
Einheitskreis:
1
arctan x arctan
x 2
π
+ ·
Kreisfunktionen 11
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Kreisfunktionen 12
TGM Angewandte Mathematik WK

2 Die allgemeine Sinusfunkt ion
Einer der elementarsten Bewegungsvorgänge in der Natur ist der einer Schwingungs-
bewegung. Er tritt überall dort auf, wo bewegliche Teile mit einer Kraft an ihre Ruhelage
gebunden sind, die einer möglichen Auslenkung proportional ist. Das einfachste Beispiel
hierzu ist das Federpendel. Im Idealfall führt ein Federpendel eine „harmonische
Schwingung“ aus. Eine harmonische Schwingung wird mittels einer Sinusfunktion
beschrieben. Es gilt aber noch viel mehr. Es lassen sich nämlich auch sehr komplizierte
Schwingungsvorgänge durch eine Überlagerung, d.h. Addition, von einfachen harmonischen
Schwingungen darstellen. Diese harmonischen Schwingungen sind daher so etwas wie
Grundbausteine im Bereich der Schwingungslehre. Schwingungen treten mit
unterschiedlichen Amplituden (das ist die maximale Auslenkung aus der Ruhelage), mit
unterschiedlichen Frequenzen und unterschiedlichen Anfangswerten auf. Wir müssen uns
daher überlegen, wie wir die Sinusfunktion zur Beschreibung dieser unterschiedlichsten
Schwingungsvorgänge zu modifizieren haben.
Wir wollen uns nun schrittweise überlegen, wie wir die reine Sinusfunktion verändern
können, um sie einem konkreten Schwingungsvorgang anzupassen.
2.1 x → A⋅sin x
2.1.1 Erklärung
Die Multiplikation jedes Sinuswerts mit einer konstanten Zahl A bewirkt:

für A > 1 eine Streckung in y – Richtung,
für 0 < A < 1 eine Stauchung in y – Richtung,
für A < 0 zusätzlich eine Spiegelung an der x – Achse.

Eine Multiplikation von sin x mit einer Konstanten A bewirkt eine Veränderung der
maximalen Höhe einer Sinuskurve von sin x. Man nennt |A |die Amplitude. Sie gibt die
„Höhe“ der Sinuskurve an.

Beachte: Hier wird die Multiplikation mit einer Konstanten nach dem Ausführen der
Sinusfunktion durchgeführt.

x → sin (x) → A⋅sin (x)
Kreisfunktionen 13
TGM Angewandte Mathematik WK

2.1.2 MATHCAD:
f
1
x ( ) sin x ( ) :·
f
2
x ( ) 2sin x ( ) :·
f
3
x ( ) 1.5 − sin x ( ) :·
4 2 0 2 4 6 8 10
2
1
1
2
f
1
x ( )
f
2
x ( )
f
3
x ( )
x

2.1.3 Aufgabe
Wie groß ist die Amplitude einer Sinusfunktion der Form y(x) = A⋅sinx , wenn y(2) = 5cm
ist? ( Lösung: A = 5,50 cm )

2.2 x → sin (b⋅x)
2.2.1 Erklärung
Der Faktor b bei dem Argument x bewirkt eine Veränderung der Periodenlänge.
Um auf die geänderte Periodenlänge dieser Funktion zu kommen, überlegen wir:
Bei welchem x
0
–Wert beträgt das Argument der Sinusfunktion 2π ?

0
b x 2 ⋅ · π ⇒
0
2
x
b
π
·
Diesen x
0
–Wert bezeichnet man als „primitive Periode p“. Es gilt also:
Die Funktion f(x) = sin (b⋅x) besitzt die primitive Periode
2
p
b
π
·
Es kommt daher für b > 0 zu einer Stauchung und für 0 < b < 1 zu einer Streckung der sin x –
Kurve in x–Richtung.

Beachte: Hier wird die Multiplikation mit einer Konstanten mit dem Argument x vor dem
Ausführen der Sinusfunktion durchgeführt.

x → b⋅x → sin (b⋅x)
Kreisfunktionen 14
TGM Angewandte Mathematik WK

2.2.2 MATHCAD:
f
1
x ( ) sin x ( ) :·
f
2
x ( ) sin 2x ( ) :·
f
3
x ( ) sin 0.4x ( ) :·
4 2 0 2 4 6 8 10
1
0.5
0.5
1
f
1
x ( )
f
2
x ( )
f
3
x ( )
x

2.2.3 Aufgaben
a) Wie lautet die Beschreibung einer Sinusfunktion, deren Periodenlänge p = 10 beträgt?
b) Wie lautet die Beschreibung einer Kosinusfunktion, deren Periodenlänge p = 0,2
beträgt?

2.3 x → sin (x + c)
2.3.1 Erklärung
Eine additive Konstante nach der Eingabe des x–Wertes bewirkt eine Verschiebung der
sin x – Kurve in x–Richtung. Um zu erkennen, in welche Richtung die sin x – Kurve
verschoben wird, überlegen wir:
Bei welchem x
0
–Wert ist das Argument der Sinusfunktion erstmalig Null, m.a.W. wo liegt die
„erste Nullstelle“ dieser Funktion?

0
x c 0 + · ⇒
0
x c · −
Es kommt also für c > 0 zu einer Verschiebung in – x Richtung, d.h. nach links und für für
c < 0 zu einer Verschiebung in + x Richtung, d.h. nach rechts.
Die Funktion f(x) = sin (x + c) besitzt bei x = 0 den Wert sin c ( Abschnitt auf der y–Achse
bei x = 0 ) und ihre erste Nullstelle liegt bei
0
x c · − . Damit kann die Sinusfunktion einem
möglichen Anfangswert ungleich Null angepasst werden.

Beachte: Hier wird die Addition einer Konstanten c zum Argument x vor dem Ausführen der
Sinusfunktion durchgeführt.
Kreisfunktionen 15
TGM Angewandte Mathematik WK

x → x + c → sin ( x + c )

Spezialfälle: sin ( x +
2
π
) = cos x sin (x – π) = – sin x

Genauso bewirkt eine additive Konstante c bei cos(x + c) natürlich eine Verschiebung der
cosx – Kurve.
2.3.2 MATHCAD:
f
1
x ( ) sin x ( ) :·
f
2
x ( ) sin x
π
4
+
¸

¸
_

,

f
3
x ( ) sin x
π
3

¸

¸
_

,

4 2 0 2 4 6 8 10
1
1
f
1
x ( )
f
2
x ( )
f
3
x ( )
x

2.3.3 Aufgaben
a) Beschreiben Sie sin(x+30°) durch eine Kosinusfunktion.
b) Stellen Sie die Funktionen f
1
(x) = x² , f
2
(x) = (x–3)² , f
3
(x) = (x+2)² in einem
Diagramm dar. Was ist daraus zu erkennen?

2.4 x → sin(b⋅x + c)
2.4.1 Erklärung
Diese Funktion stellt eine Kombination der beiden zuletzt betrachteten Fälle dar.
Es bleibt: Die Periodenlänge p beträgt p = 2 π / b. Die Verschiebung in x–Richtung beträgt
allerdings
c
b
− Einheiten.
Kreisfunktionen 16
TGM Angewandte Mathematik WK

2.4.2 MATHCAD:
f x ( ) sin 2x
π
3
+
¸

¸
_

,

4 2 0 2 4 6 8 10
1
1
f x ( )
x

2.4.3 Aufgaben
Stellen Sie die folgenden Funktionen mit MATHCAD dar:
a) f(x) = 4⋅sin(2x–π/2)
b) g(x) = 35⋅sin(3x+90°)

2.5 x → d + sin x
2.5.1 Erklärung

Die Addition einer Konstanten zum sin x – Wert bewirkt eine Verschiebung der sin x–Kurve
in y–Richtung. Es kommt dabei für d > 0 zu einer Anhebung und für d < 0 zu einer
Absenkung der sin x–Kurve. Damit kann beispielsweise die Überlagerung einer
Gleichspannung zu einer Wechselspannung beschrieben werden.

Beachte: Die Addition wird nach dem Ausführen der Sinusfunktion durchgeführt.
x → sin x → d + sin x
Kreisfunktionen 17
TGM Angewandte Mathematik WK

2.5.2 MATHCAD:
f
1
x ( ) 1 sin x ( ) + :·
f
2
x ( ) 2 sin x ( ) + :·
f
3
x ( ) 3 sin x ( ) + :·
f
4
x ( ) 2 − sin x ( ) + :·
5 0 5 10
4
2
2
4
f
1
x ( )
f
2
x ( )
f
3
x ( )
f
4
x ( )
x

2.5.3 Aufgaben
Stellen Sie die folgenden Funktionen mit MATHCAD dar:
a) f(x) = 4+5sin(2x)
b) g(x) = 5–7cos(4x)

2.6 Zusammenfassung
Mit der verallgemeinerten Sinusfunktion der Form

( ) x d A sin b x c → + ⋅ ⋅ +
können wir nun sinusförmige Vorgänge beliebiger Periodenlänge, Amplitude und
Verschiebungen beschreiben.

2.6.1 Aufgaben
Stellen Sie die folgenden Funktionen mit MATHCAD dar:
a) f(x) = 6 – 7⋅sin(2x+60°)
b) g(x) = –5+8⋅cos(3x+90°)
Kreisfunktionen 18
TGM Angewandte Mathematik WK

3 Har monische Schwingungen
Wie bereits im vorherigen Punkt erwähnt, spielen harmonische Schwingungen eine
fundamentale Rolle als Grundbausteine zeitlich periodischer Vorgänge. Es besteht zwischen
der Kreisbewegung und der harmonischen Schwingung eine ganz enge Beziehung. Wir
wollen uns nun die wichtigsten Begriffe anhand des einfachsten Beispiels entwickeln:
3.1 Das Feder pedel
Projeziert man die Kreisbewegung eines sich mit konstanter Winkelgeschwindigkeit ω
rotierenden Punktes auf eine Leinwand, so lässt sich diese projezierte Bewegung stets mit der
Auf– und Abbewegung eines Federpendels synchronisieren.



Zu jeder harmonischen Schwingung gibt es eine gedachte Kreisbewegung.
Unter der Winkelgeschwindigkeit ω versteht man bei einer gleichförmigen Rotation das
Verhältnis von überstrichenem Winkel ϕ zu der dafür benötigten Zeit t.


t
ϕ
ω · ϕ = ω⋅t
Bei jeder gleichförmigen Rotation ist ω konstant und damit ist der Drehwinkel ϕ der Zeit t
direkt proportional. Man beachte, dass ω stets in Radiant pro Sekunde und der Drehwinkel
ϕ = ω⋅t in Radiant angegeben werden.Wir geben die momentane Auslenkung aus der Ruhe-
lage des Federpendels ( die Elongation ) y nun in Abhängigkeit der Zeit t folgendermaßen an:

( ) ( )
0
y t r sin t · ⋅ ω + ϕ
Der konstante Winkel ϕ
0
dient dazu, den Startwert, d.h. die Auslenkung bei t = 0s, einer
gegebenen Situation anzupassen. Man nennt ihn die Anfangsphase. Die Winkel-
geschwindigkeit ω bei einer harmonischen Schwingung ist also die Winkelgeschwindigkeit
der ( gedachten ) Kreisbewegung. Die Amplitudenbezeichnung r erinnert schon vom
Buchstaben her an einen Radius.

Kreisfunktionen 19
TGM Angewandte Mathematik WK

3.2 Per iodendauer T, Fr equenz f und Kr eisfr equenz ω
Unter der Periodendauer T versteht man jene kleinste Zeitdauer, nach der sich das Pendel
wieder in seinem Ausgangszustand befindet, oder allgemeiner die kleinste Zeitdauer T, nach
der sich ein periodischer Vorgang wiederholt. In dieser Zeitdauer T hat die (gedachte)
Kreisbewegung eine volle Umdrehung durchgeführt, d.h. einen Winkel von 2π rad
überstrichen. Es gilt daher:
2π = ω⋅T oder
2
T
π
ω ·
Wenn nun T die Anzahl der Sekunden angibt, in der ein periodischer Vorgang absolviert
wird, so gibt 1/T die Anzahl der periodischen Vorgänge in einer Sekunde an.
Aus T = 0,1s folgt beispielsweise, dass in einer Sekunde 1/0,1 = 10 periodische Vorgänge
stattfinden.
Die Anzahl der periodischen Vorgänge pro Sekunde nennt man allgemein die Frequenz f.
Sie wird als Kehrwert der Periodendauer T definiert:
1
f :
T
·
Die Einheit der Frequenz f ist daher 1s
–1
. Man gibt ihr jedoch wegen ihrer großen Bedeutung
einen eigenen Namen, nämlich 1 Hertz = 1Hz , benannt nach den Physiker Heinrich Hertz.

[ f ] = 1 Hz
Für die Winkelgeschwindigkeit ω gilt dann:

1
2 2 f
T
ω · π⋅ · π⋅
Die Frequenz f und die Winkelgeschwindigkeit ω sind also über den dimensionslosen Faktor
2π miteinander verknüpft. ( Radiant ist eine sogenannte Hilfseinheit, damit man weiß, dass es
sich um einen Winkel handelt. ) ω wird daher auch Kreisfrequenz genannt. Damit man die
beiden Größen ω und f aber bei einer numerischen Angabe unterscheiden kann, ist es von
entscheidender Bedeutung einer Kreisfrequenz ω stets die Einheit s
–1
und einer Frequenz f die
Einheit Hz zu geben.


Das Weg–Zeit Diagramm einer harmonische Schwingung ist eine Sinuskurve.
Kreisfunktionen 20
TGM Angewandte Mathematik WK

3.3 Beispiele
3.3.1
Wie lautet die Funktionsgleichung einer harmonischen Schwingung mit der Amplitude von
5cm , einer Periodendauer von 3s und einer Auslenkung von 2cm zum Zeitpunkt t = 0s ?
Wie groß ist dann die momentane Auslenkung bei t = 1,2s?

Lösung: ( ) ( ) ( )
2 2
3 3
y t 5 sin t 0, 412 5 sin t 23, 6
π π
· ⋅ ⋅ + · ⋅ ⋅ + °
( ) y 1, 2 1, 07cm ·
MATHCAD:

y t ( ) 5 sin

3
t ⋅ 0.412 +
¸

¸
_

,
⋅ :· t
A
2 − :· t
E
4 :· t t
A
t
A
0.01 + , t
E
.. :·
2 1 0 1 2 3 4
5
5
y t ( )
t
y 1.2 ( ) 1.073 ·


Kreisfunktionen 21
TGM Angewandte Mathematik WK

4 Zeiger diagr amme
Es liegt nahe, Sinusgrößen x als Zeitfunktionen x = f(t) darzustellen und die Zeitwerte x als Sinuslinien über der
Zeit t aufzutragen. Dies ist aber ein ziemlich aufwendiges Verfahren, insbesondere wenn mehrere Größen
nebeneinander betrachtet oder z. B. addiert werden sollen. Es soll daher gezeigt werden, wie man solche
sinusförmig zeitabhängigen Größen symbolisch darstellen kann.


Zusammenhang zwischen Zeigerdiagramm (a) und Zeitdiagramm (b). Z Zeitlinie

Wir führen einen Zeiger (Einfachpfeil) ein. Er wird an seiner Spitze mit dem unterstrichenen Formelzeichen des
Scheitelwerts der Sinusgröße (also z. B. bei der Spannung mit ˆ u ) bezeichnet, und seine Länge entspricht diesem
Scheitelwert. Das Unterstreichen soll darauf hinweisen, dass dieses Formelzeichen nicht nur die physikalische
Größe, sondern auch die Zeigereigenschaften symbolisieren soll.
Dreht sich nun der Spannungszeiger ˆ u im mathematisch positiven Sinn (d.h. also entgegengesetzt wie ein
Uhrzeiger) mit der Winkelgeschwindigkeit ω, so stellen die Projektionen der Zeigerspitze auf die ruhende
Zeitlinie Z die Zeitwerte u = ˆ u sin (ω t) dar, wie das für 12 Zeigerstellungen und die zugehörigen Zeitwerte im
Bild gezeigt ist. Eine im Zeitdiagramm dargestellte Sinuslinie lässt sich somit als Projektion eines gleichmäßig
drehenden Zeigers auf eine stillstehende Zeitlinie deuten.

Die Winkelgeschwindigkeit ω des Zeigers ist gleich der Kreisfrequenz ω = 2πf der betrachteten Schwingung.
Ebenso wie die Sinusschwingung einer physikalischen Größe ist auch ihr Zeiger durch 4 Kennwerte eindeutig
festgelegt:

1. Die Art (Qualität) der Sinusgröße wird durch das an der Zeigerspitze stehende Formelzeichen angegeben. Der
Unterstrich symbolisiert hierbei den Zeigercharakter der Größe.

2. Der Betrag der Sinusgröße wird durch die Länge des Zeigers ausgedrückt. Hierfür benötigt man einen
Maßstab (z.B. 1cm ˆ · 20V oder 1 cm ˆ · 5 A usw.), den man zweckmäßig gesondert in das Zeigerdiagramm
einträgt.

3. Es können sich zwei gleichfrequente Sinusgrößen meist noch durch die Phasenlage unterscheiden. Sie wird im
Zeigerdiagramm durch den Phasenwinkel ϕ zwischen den Zeigern berücksichtigt. Die Zuordnung zu den
Zeitpunkten 1 und 2 ist leicht zu erkennen.

4. Die Frequenz f der Sinusschwingung bestimmt die Winkelgeschwindigkeit ω der drehenden Zeiger.
Zeigerdiagramme können daher, wenn der Phasenwinkel ϕ auch beim Drehen erhalten bleiben soll, nur
gleichfrequente Vorgänge wiedergeben. Da nur feststehende Zeiger gezeichnet werden können, sind die
Zeigerdiagramme Momentaufnahmen der drehenden Zeiger.
Die Vorstellung eines drehenden Zeigers ist für die Entwicklung des Zeitdiagramms aus dem Zeigerdiagramm
nützlich, für die Bestimmung des Zeitwerts ist sie sogar nötig. Für alle anderen Aufgaben kann man die stetige
Kreisfunktionen 22
TGM Angewandte Mathematik WK

Drehung mit der Winkelgeschwindigkeit ω aber vernachlässigen. Man darf also von einem in der Bildebene
feststehenden Zeiger ausgehen. Da bei Sinusgrößen außerdem das Verhältnis von Scheitelwert zu Effektivwert
durch den konstanten Scheitelfaktor ξ = 2 bestimmt wird, man in der praktischen Sinusstromtechnik aber
überwiegend mit dem Effektivwert arbeitet, darf man schließlich auch die Länge des Zeigers nach diesem
Effektivwert festlegen. Das folgende Bild stellt die Beziehung zwischen dem sinusförmigen Strom und der
sinusförmigen Spannung an einem Wechselstromwiderstand Z dar. Hier kommt es i.a. zu einer Phasen-
verschiebung ϕ, die man im Zeigerdiagramm leicht einzeichnen kann.



Zweipol Z mit Zählpfeilen u, i (a) im Verbraucher-Zählpfeil-System (VZS) und zugehöriges Zeigerdiagramm (b)

Eine Sinusfunktion y(t) = r⋅sin( ωt + ϕ
0
) kann also symbolisch durch einen mit der konstanten
Winkelgeschwindigkeit ω rotierenden Zeiger y dargestellt werden. Üblicherweise wird dieser
Zeiger zum Zeitpunkt t = 0 s gezeichnet. Damit schließt er genau den „Nullphasenwinkel ϕ
0

mit der horizontalen Achse ein.

0
0
r cos( t )
y(t)
r sin( t )
⋅ ω + ϕ
¸ _
·

⋅ ω + ϕ
¸ ,
y(t) = r⋅sin( ωt + ϕ
0
)






Der zeitliche Momentanwert y(t) könnte dann stets als y–Koordinate des Zeigers y abgelesen
werden. Der große Vorteil dieser Beschreibungsart wird sich bei der Überlagerung, d.h.
Addition, frequenzgleicher Sinusfunktionen zeigen.

4.1.1 Aufgaben
Stellen Sie die folgenden Funktionen Sinusfunktionen durch ihren symbolischen Zeiger dar
und geben Sie die Zeiger auch die vektorielle Form an. (Maßstab angeben!)

a) y(t) = 3⋅sin(ωt–32°)
b) y(t) = 4⋅cos(ωt)
c) x(t) = 2⋅sin(ωt+125°)
d) u(t) = 45⋅cos(ωt – π/6) mV
e) i(t) = 63⋅cos(ωt + π/4) mA
ω
y
r
ϕ
0

Kreisfunktionen 23
TGM Angewandte Mathematik WK

5 Addit ion fr equenzgleicher Sinusfunkt ionen
Man spricht allgemein bei der Addition zeitabhängiger Größen von einer Überlagerung. In
der Wechselstromtechnik tritt sehr oft der Fall ein, dass Wechselspannungen gleicher
Frequenz addiert, d.h. überlagert werden.

Addition von zwei Sinusspannungen UI +U2=Ug im Zeigerdiagramm mit Effektivwerten (a), mit
Scheitelwerten (b) und im Zeigerdiagramm (c)
5.1 Beispiel
Wir wollen uns zuerst ein konkretes Beispiel mit MATHCAD anschauen:

Addition frequenzgleicher Sinusfunktionen
T 4s :· ω
2 π ⋅
T
:· ω 1.571Hz ·
f
1
t ( ) 3 sin ω t ⋅ 0.83 −
( )
⋅ :·
f
2
t ( ) 5 sin ω t ⋅ 1.3 +
( )
⋅ :·
f
g
t ( ) f
1
t ( ) f
2
t ( ) + :·
t 0 0.1 , 12 .. :·
0 2 4 6 8 10 12
5
5
f
1
t ( )
f
2
t ( )
f
g
t ( )
t

Wir sehen, dass die Summenfunktion hier wieder eine Sinusfunktion mit der selben
Periodendauer darstellt. Dass dieses Ergebnis kein Zufall ist, zeigt die folgende allgemeine
Herleitung.
Kreisfunktionen 24
TGM Angewandte Mathematik WK

5.2 Allgemeine Her leit ung
Wir addieren die beiden Sinusfunktionen:
( ) ( )
( ) ( )
1 1 1
2 2 2
f t r sin t
f t r sin t
· ⋅ ω + ϕ
· ⋅ ω + ϕ


Es gilt: Die Addition zweier frequenzgleicher Sinusfunktionen ergibt wieder eine
Sinusfunktion mit derselben Frequenz.

Begründung: Der Addition der Momentanwerte f
1
(t) und f
2
(t) entspricht im Zeigerdiagramm
einfach die Zeigeraddition von
1
f und
2
f . Im Zeigerdiagramm rotieren die beiden Zeiger
1
f und
2
f mit derselben konstanten Winkelgeschwindigkeit ω . Der von den beiden Zeigern
eingeschlossene Winkel
1 2
ϕ · ϕ − ϕ ändert sich also nicht. Dadurch besitzt der Summen-
zeiger eine konstante Länge und rotiert ebenfalls mit derselben konstanten Winkel-
geschwindigkeit ω. Das sind aber genau die Bedingungen dafür, dass eine Sinusfunktion
dargestellt wird.
Ansatz: ( ) ( ) ( ) ( )
1 2
f t f t f t r sin t · + · ⋅ ω + ϕ

Wir haben nun die Amplitude r und den Nullphasenwinkel ϕ, aus r
1
, r
2
, ϕ
1
und ϕ
2
zu
berechnen. Dazu wechseln wir in die vektorielle Beschreibung der Zeiger:


1 1
1
1 1
r cos
f
r sin
⋅ ϕ
¸ _
·

⋅ ϕ
¸ ,

2 2
2
2 2
r cos
f
r sin
⋅ ϕ
¸ _
·

⋅ ϕ
¸ ,
und rechnen


x 1 1 2 2 1 1 2 2
1 2
y 1 1 2 2 1 1 2 2
f r cos r cos r cos r cos
f f f
f r sin r sin r sin r sin
⋅ ϕ ⋅ ϕ ⋅ ϕ + ⋅ ϕ ¸ _ ¸ _ ¸ _ ¸ _
· + · + · ·

⋅ ϕ ⋅ ϕ ⋅ ϕ + ⋅ ϕ
¸ , ¸ , ¸ , ¸ ,

Von diesem Summenzeiger müssen wir nun den Betrag r und den Winkel ϕ berechnen.

a) Der Betrag r des Summenzeigers
x
y
f
f
f
¸ _
·

¸ ,

Dieser errechnet sich aus:
2 2
x y
r f f · +
Setzen wir nun für f
x
und f
y
ein, so erhalten wir:
Kreisfunktionen 25
TGM Angewandte Mathematik WK

( ) ( )
( ) ( ) ( ) ( )
2 2
1 1 2 2 1 1 2 2
2 2 2 2
1 1 1 2 1 2 2 2 1 1 1 2 1 2 2 2
r r cos r cos r sin r sin
r cos 2r r cos cos r cos r sin 2r r sin sin r sin
· ϕ + ϕ + ϕ + ϕ ·
· ϕ + ϕ ϕ + ϕ + ϕ + ϕ ϕ + ϕ ·


( )
( ) ( )
( )
2 2 2 2 2 2 2 2
1 1 2 2 1 1 2 2 1 2 1 2 1 2
2 2 2 2 2 2
1 1 1 2 2 2 1 2 1 2
r cos r cos r sin r sin 2r r sin sin cos cos
r sin cos r sin cos 2r r cos
· ϕ + ϕ + ϕ + ϕ + ϕ ϕ + ϕ ϕ ·
· ϕ + ϕ + ϕ + ϕ + ϕ − ϕ


( )
2 2
1 2 1 2 1 2
r r r 2r r cos · + + ϕ − ϕ

b) Der Winkel ϕ des Summenzeigers berechnet sich aus dem Zusammenhang:

y
1 1 2 2
x 1 1 2 2
f
r sin r sin
tan
f r cos r cos
⋅ ϕ + ⋅ ϕ
ϕ · ·
⋅ ϕ + ⋅ ϕ


1 1 2 2
1 1 2 2
r sin r sin
arctan
r cos r cos
¸ _ ⋅ ϕ + ⋅ ϕ
ϕ ·

⋅ ϕ + ⋅ ϕ
¸ ,


Wie man im Konkreten rechnet, zeigen die folgenden Beispiele.

> Berechnen Sie die Summenfunktion von ( ) ( )
1
f t 63 sin t 73 · ⋅ ω + ° und
( ) ( )
2
f t 35 sin t 24 · ⋅ ω + ° .

Lösung:
Wir wechseln in die Zeigerschreibweise:
1x
1
1y
f 63 cos 73 18, 419
f
f 63 sin 73 60, 247
⋅ ° ¸ _ ¸ _ ¸ _
· · ·

⋅ °
¸ , ¸ , ¸ ,

2x
2
2y
f 35 cos 24 31, 974
f
f 35 sin 24 14, 236
⋅ ° ¸ _ ¸ _ ¸ _
· · ·

⋅ °
¸ , ¸ , ¸ ,

Nun addieren wir:

1 2
18, 419 31, 974 50, 393
f f
60, 247 14, 236 74, 483
¸ _ ¸ _ ¸ _
+ · + ·

¸ , ¸ , ¸ ,


Jetzt wird der Betrag und der Winkel diese Summenzeigers berechnet:

2 2
r 50, 393 74, 483 89, 939 · + ·
Kreisfunktionen 26
TGM Angewandte Mathematik WK


74, 483
arctan 55, 9
50, 393
ϕ · · °
Damit lautet die Summenfunktion ( ) ( ) f t 89, 9 sin t 56 · ⋅ ω + °

Wir hätten natürlich auch einfach in die allgemeinen Formeln einsetzen können:

( ) ( )
2 2 2 2
1 2 1 2 1 2
1 1 2 2
1 1 2 2
r r r 2r r cos 63 35 2 63 53 cos 73 24 89, 9
r sin r sin 63 sin 73 35 sin 24
arctan arctan 55, 9
r cos r cos 63 cos 73 35 cos 24
· + + ϕ − ϕ · + + ⋅ ⋅ ⋅ ° − ° ·
¸ _ ⋅ ϕ + ⋅ ϕ ⋅ ° + ⋅ °
¸ _
ϕ · · · °

⋅ ϕ + ⋅ ϕ ⋅ ° + ⋅ °
¸ ,
¸ ,


MATHCAD:

Bemerkung: Da die Funktionen in Abhängigkeit der Zeit dargestellt werden, muss für ω bzw.
für T ein konkreter Wert gewählt werden. Wählen wir für T = 2π Sekunden, so stimmt der
Winkel ωt immer mit dem momentanen Zeitwert t numerisch überein. Wir können dadurch
z.B. den Nullphasenwinkel der Summenfunktion, allerdings in Radiant, ablesen. Der Faktor
π/180° dient zur Umrechnung von Grad in Radiant.

T 2π :· ω

T

t
A
2 − :· t
E
10 :·
t t
A
t
A
0.01 + , t
E
.. :·
f
1
t ( ) 63 sin ω t ⋅ 73
π
180
⋅ +
¸

¸
_

,
⋅ :· f
2
t ( ) 35 sin ω t ⋅ 24
π
180
⋅ +
¸

¸
_

,
⋅ :·
f
3
t ( ) f
1
t ( ) f
2
t ( ) + :·
2 0 2 4 6 8 10
100
50
50
100
f
1
t ( )
f
2
t ( )
f
3
t ( )
t


Kreisfunktionen 27
TGM Angewandte Mathematik WK

> Stellen Sie ( ) ( ) ( ) f t 5 cos t 35 4 sin t 14 · ⋅ ω − ° − ⋅ ω − ° in der Form
( ) ( ) f t r sin t · ⋅ ω + ϕ dar.

Lösung:
Aus dem Zeigerdiagramm kann man leicht ablesen, dass

( ) ( ) ( )
1
f t 5 cos t 35 5 sin t 55 · ⋅ ω − ° · ⋅ ω + ° und
( ) ( ) ( )
2
f t 4 sin t 14 4 sin t 166 · − ⋅ ω − ° · ⋅ ω + ° gilt.

Die Zeigerschreibweise dieser beiden Sinusfunktionen lautet :

1x
1
1y
f 5 cos55 2,868
f
f 5 sin 55 4, 096
⋅ ° ¸ _ ¸ _ ¸ _
· · ·

⋅ °
¸ , ¸ , ¸ ,

2x
2
2y
f 4 cos166 3,881
f
f 4 sin166 0, 968
⋅ ° − ¸ _ ¸ _ ¸ _
· · ·

⋅ °
¸ , ¸ , ¸ ,

Nun addieren wir
1 2
2, 868 3,881 1, 013
f f
4, 096 0, 968 5, 064
− − ¸ _ ¸ _ ¸ _
+ · + ·

¸ , ¸ , ¸ ,

Jetzt wird der Betrag und der Winkel diese Summenzeigers berechnet:
( ) ( )
2 2
r 1, 013 5, 064 5,164 · − + ·

5, 064
arctan 78, 9 180 101,1
1, 013
ϕ · · − ° + ° · °


( Der Zeiger liegt im 2. Quadranten, daher + 180°)
Damit lautet die Summenfunktion ( ) ( ) f t 5,16 sin t 101 · ⋅ ω + °

Auch hier hätte ein Einsetzen in die allgemeine Formel zum selben Ergebnis geführt.

MATHCAD:

T 2 π ⋅ :· ω
2 π ⋅
T
:· t
A
2 − :· t
E
10 :· ∆ 0.01 :· t t
A
t
A
∆ + , t
E
.. :·
f
1
t ( ) 5 cos ω t ⋅ 35 Grad ⋅ −
( )
⋅ :· f
2
t ( ) 4 − sin ω t ⋅ 14 Grad ⋅ −
( )
⋅ :· f
g
t ( ) f
1
t ( ) f
2
t ( ) + :·
2 0 2 4 6 8 10
10
5
5
10
f
1
t ( )
f
2
t ( )
f
g
t ( )
t

Kreisfunktionen 28
TGM Angewandte Mathematik WK

5.3 Aufgaben
Berechnen Sie unter Verwendung des Zeigerdiagramms die Summenfunktion und stellen Sie
die einzelnen Funktionen, sowie die Summenfunktion mit Mathcad dar. Überprüfen Sie die
rechnerischen Ergebnisse mittels „Koordinaten ablesen“.

1. Beispiel:
( )
( )
1
2
f t 5 sin t
4
f t 4 sin t
6
π
¸ _
· ⋅ ω −

¸ ,
π ¸ _
· ⋅ ω +

¸ ,

Lösung: ( ) ( ) ( ) ( ) ( )
1 2
f t f t f t 7,17 sin t 0, 2126 7,17 sin t 12, 37 · + · ⋅ ω − · ⋅ ω − °

2. Beispiel:
( ) ( )
( ) ( )
1
2
i t 2, 7 sin t 53
i t 1, 3 sin t 21
· ⋅ ω + °
· ⋅ ω − °

Lösung: ( ) ( ) ( ) ( ) ( )
g 1 2
i t i t i t 3, 26 sin t 0, 54 3, 26 sin t 30, 8 · + · ⋅ ω + · ⋅ ω + °

3. Beispiel:
( )
( )
1
2
u t 2 sin t
6
u t 8 cos t
6
π
¸ _
· ⋅ ω −

¸ ,
π ¸ _
· ⋅ ω −

¸ ,

( ) ( ) ( ) ( ) ( )
1 2
u t u t u t 8, 24 sin t 0,80 8, 24 sin t 46 · + · ⋅ ω + · ⋅ ω + °

4. Beispiel:
( ) ( )
( ) ( )
1
2
i t 3 cos t 17
i t 5 sin t 142
· ⋅ ω − °
· − ⋅ ω + °

Lösung: ( ) ( ) ( ) ( ) ( )
1 2
i t i t i t 6, 69 sin t 2, 047 6, 69 sin t 117, 3 · + · ⋅ ω + · ⋅ ω + °



Kreisfunktionen 29
TGM Angewandte Mathematik WK

6 Addit ion zweier fr equenzungleicher
Sinusfunkt ionen
6.1 Beispiel
Ohne auf das Wesentliche zu verzichten, wollen wir folgende Vereinfachungen treffen:
1 2
0 ϕ · ϕ · . Beide Zeiger starten also aus der „Nullposition“.

Wir wählen:
( ) ( )
( ) ( )
1
2
f t 0, 8 sin 24 t
f t 1, 5 sin 18 t
· ⋅ ⋅
· ⋅ ⋅


D.h.: ω
1
= 24 s
–1
und ω
2
= 18 s
–1


Die graphische Darstellung erfolgt mittels MATHCAD:

f
1
t ( ) 0.8sin 24 t ⋅ ( ) :· t 0 0.01 , 2 .. :·
f
2
t ( ) 1.5sin 18 t ⋅ ( ) :·
0 0.5 1 1.5 2
1
1
f
1
t ( )
f
2
t ( )
t
0 0.5 1 1.5 2
4
2
2
4
f
1
t ( ) f
2
t ( ) +
t


Wie wir erkennen, erhalten wir hier ein periodisches nichtsinusförmiges Signal.
Kreisfunktionen 30
TGM Angewandte Mathematik WK

6.2 Allgemeine Bet r acht ung
Wir wollen die Summenfunktion zweier Sinusfunktionen ungleicher Frequenz bilden:


( ) ( )
( ) ( )
1 1 1 1
2 2 2 2
f t r sin t
f t r sin t
· ⋅ ω + ϕ
· ⋅ ω + ϕ
wobei
1 2
ω ≠ ω gelten soll.

Bei der Überlagerung zweier Sinusfunktionen ungleicher Frequenz rotieren im Zeiger-
diagramm die beiden Zeiger f
1
und f
2
mit unterschiedlicher Winkelgeschwindigkeit. Es ändert
sich damit der von den beiden Zeigern eingeschlossene Winkel ständig. Der Summenzeiger
besitzt keine konstante Länge mehr und kann damit keinesfalls eine Sinusfunktion darstellen.
Es wird jedoch i.a. eine Zeitdauer T geben, nach der sich die beiden Zeiger genau wieder in
der Position befinden, in der sie zum Zeitpunkt t = 0s waren. Wir erwarten daher eine
nichtsinusförmige mit T periodische Funktion als Summenfunktion.

Es zeigt sich, dass die Überlagerung dieser beiden Funktionen zwar keine Sinusfunktion, sehr
wohl aber eine periodische Funktion darstellt. Wie können wir uns die Periodendauer T dieser
Summenfunktion aus den Periodendaueren T
1
und T
2
berechnen?
Nach einer Periodendauer T der Summenfunktion müssen sich die beiden Zeiger f
1
und f
2
in
genau der selben Position wie zum Zeitpunkt t = 0s befinden. Die Periodendauer T muss ein
ganzzahliges Vielfaches von T
1
und ein ganzzahliges Vielfaches von T
2
enthalten. Wir suchen
nun die zwei kleinsten natürlichen Zahlen n und m, sodass gilt:

T = n ⋅ T
1
= m ⋅ T
2
1 2
2 2
n m
π π
⋅ · ⋅
ω ω

1 2
n m
·
ω ω

1
2
n
m
ω
·
ω


In unserm einführenden Beispiel bedeutet das:

24 n
18 m
· Dieser Bruch kann durch ggT(24,18) = 6 gekürzt werden.
n 4
m 3
·

Damit stehen die kleinsten Werte für n und m fest: n = 4 und m = 3. Man beachte, es war

4 = ω
1
/ ggT(ω
1
, ω
2
) und 3 = ω
2
/ ggT(ω
1
, ω
2
) .

Die Periodendauer des Summensignals beträgt daher:

1
2
T 4 T 4 s 1.047 s
24 3
π π
· ⋅ · ⋅ · · oder
2
2
T 3 T 3 s 1.047 s
18 3
π π
· ⋅ · ⋅ · ·
Kreisfunktionen 31
TGM Angewandte Mathematik WK

In einer vollen Periode des Summensignals sind also 4 ganze Perioden von f
1
(t) und 3 ganze
Perioden von f
2
(t) enthalten.

Es gilt allgemein:
Die Summenfunktion zweier Sinusfunktionen ungleicher Frequenz, deren Frequenzverhältnis
jedoch rational ist, d.h. ω
1

2
∈ Q , ergibt wieder eine periodische Funktion, jedoch keine
Sinusfunktion mehr. Für die Periodendauer T dieser Summenfunktion gilt:
( ) ( )
1 2
1 2
1 2 1 2
T T T
ggT , ggT ,
ω ω
· ⋅ · ⋅
ω ω ω ω

Wir vereinfachen und erhalten:
( )
1 2
2
T
ggT ,
π
·
ω ω

6.3 Aufgaben
6.3.1
Berechnen Sie die Periodendauer der Summenfunktion:

( ) ( )
( ) ( )
1
2
f t 1, 2 sin 30 t
f t 1, 5 sin 42 t
· ⋅ ⋅
· ⋅ ⋅

und stellen Sie die Einzelfunktionen, sowie die Summenfunktion graphisch dar.
6.3.2
Stellen Sie die Einzelfunktionen, sowie die Summenfunktion graphisch dar:

( ) ( )
( ) ( )
1
2
f t 2 sin t
f t 3 sin 2 t
· ⋅ π⋅
· ⋅ ⋅

Können Sie hier eine Periodendauer ablesen oder berechnen?

6.4 Addit ion zweier fr equenzähnlicher Sinusfunkt ionen
(Schwebung)
Wir wollen nun die Summenfunktion zweier Sinusfunktionen bilden:


( ) ( )
( ) ( )
1 1 1 1
2 2 2 2
f t r sin t
f t r sin t
· ⋅ ω + ϕ
· ⋅ ω + ϕ
wobei
1 2
ω ≈ ω gelten soll.

Ohne auf das Wesentliche zu verzichten, wollen wir folgende Vereinfachungen treffen:
1 2
r r · und
1 2
0 ϕ · ϕ · Damit wird:
Kreisfunktionen 32
TGM Angewandte Mathematik WK


( )
( )
1 1
2 2
f t r sin t
f t r sin t
· ⋅ ω
· ⋅ ω


Unter Verwendung des 1. Summensatzes können wir die Summenfunktion f(t) = f
1
(t) + f
2
(t)
in ein Produkt zerlegen:


( ) ( ) ( ) ( )
1 2 1 2 1 2
1 2 1 2
1 2 1 2
f t f t f t r sin t r sin t r sin t sin t
r 2 sin t cos t
2 2
2r cos t sin t
2 2
· + · ⋅ ω + ⋅ ω · ⋅ ω + ω ·
ω + ω ω − ω
· ⋅ ⋅ ⋅ ·
ω − ω ω + ω
· ⋅ ⋅


Nun zur Interpretation des Endausdrucks:

Anhand eines konkreten Beispiel werden die Zusammenhänge vielleicht am deutlichsten:

Wählen wir nun:
1 1
1 2
110 s 100 s
− −
ω · ω · (
1 2
ω ≈ ω )

D.h.: ( ) ( ) ( ) ( )
1 2
f t r sin 110t f t r sin 100t · ⋅ · ⋅

Die Kreisfrequenz des Sinusterms im hergeleiteten Produktterm beträgt dann:


1 1 2
105s
2

ω + ω
·

Diese Kreisfrequenz stellt also genau das arithmetische Mittel von ω
1
und ω
2
dar. Daraus lässt
sich eine Periodendauer T berechnen:

2 2
2 f T
T
π π
ω · π⋅ · ⇒ ·
ω
Eingesetzt:
2
T s 0, 0598s 59, 4 ms
105
π
· · ·

Der Term Sinusterm ist also mit einer Periodendauer von 59,4 ms periodisch.

Nun zum Kosinusterm:
Seine Kreisfrequenz beträgt:
1 1 2
5 s
2

ω − ω
·
Die Periodendauer T beträgt hier:
2
T s 1, 26 s
5
π
· ·

Der Term Kosinusterm ist also mit einer Periodendauer von 1,26 s periodisch. Die
Periodendauer dieses Terms ist also 21 mal so groß wie die des Sinusterms. Der Kosinusterm
ändert sich also hier wesentlich langsamer als der Sinusterm. Wir können daher den gesamten
Faktor vor dem Sinusterm als " veränderliche Amplitude" interpretieren.
Kreisfunktionen 33
TGM Angewandte Mathematik WK


( )
1 2 1 2
veränderliche Grundschwingung
Amplitude
f t 2r cos t sin t
2 2
ω − ω ω + ω
¸ _ ¸ _
· ⋅ ⋅

¸ , ¸ ,
144424443 1442443

0 0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2 1.4 1.6 1.8 2
2
2
t
f
(
t
)


Hier wird die Überlagerung der beiden oben angegebenen Funktionen für r
1
= r
2
= 1 gezeigt.
Dieser Effekt wird als Schwebung bezeichnet. Er tritt stets bei der Überlagerung frequenz-
ähnlicher Sinusfunktionen auf. Die veränderliche Amplitude tritt bei Schallwellen als
Lautstärkeschwankung in Erscheinung. Die Frequenz dieser Lautstärkeschwankung ist ein
Maß dafür, wie weit ω
1
und ω
2
voneinander entfernt sind. Der Schwebungseffekt kann z.B.
zum Stimmen von Saiteninstrumenten verwendet werden.
Für den Fall, dass ω
1
und ω
2
gleich sind, wird das Argument des Kosinusterms gleich Null.
Da nun cos 0 = 1 ist, erhält die Grundschwingung nun wirklich eine konstante Amplitude,
nämlich 2r. Akustisch interpretiert bedeutet das, dass es zu keiner Lautstärkeschwankung
mehr kommt. Dieser Effekt wird beispielsweise beim Stimmen einer Gitarre verwendet.

6.5 Lissajous Figur en
6.5.1 Erklärung
Stellen wir uns vor, dass sich ein Punkt sowohl in der x als auch in der y–Richtung
harmonisch um den Ursprung bewegt, d.h. es soll für die momentanen Koordinaten folgendes
gelten:
x(t) = x
0
⋅sin(ω
x
t+ϕ
0x
) y(t) = y
0
⋅sin(ω
y
t+ϕ
0y
)

Wird die Überlagerung dieser zwei Sinusschwingungen in einem x–y Diagramm dargestellt,
so entstehen unter bestimmten Umständen sehr ansehnliche Kurven.
Diese Figuren lassen sich mit einem Zweikanaloszillographen leicht erzeugen, indem man
sowohl die x–Ablenkung als auch die y–Ablenkung mit jeweils einem Frequenzgenerator
ansteuert ( X–Y Betrieb). Ist das Verhältnis der Kreisfrequenzen ω
x
/ ω
y
eine rationale Zahl,
d.h. eine Bruchzahl mit ganzzahligem Zähler und ganzzahligem Nenner, so entsteht eine
geschlossenen Kurve. Diese Lissajous Figuren können z.B. zu einem sehr genauen
Frequenzabgleich verwendet werden.
Kreisfunktionen 34
TGM Angewandte Mathematik WK

6.5.2 MATHCAD

T
x
40 :· T
y
20 :·
ω
x

T
x
:· ω
y

T
y
:· t 0 01 , 100 .. :·
φ
0x
0 :· φ
0y
0 :·
1 0 1
1
0
1
sin ω
y
t ⋅ φ
0y
+ ( )
sin ω
x
t ⋅ φ
0x
+ ( )


T
x
60 :· T
y
90 :·
ω
x

T
x
:· ω
y

T
y
:· t 0 1 , 1000 .. :·
φ
0x
0 :· φ
0y
0 :·
1 0 1
1
0
1
sin ω
y
t ⋅ φ
0y
+ ( )
sin ω
x
t ⋅ φ
0x
+ ( )



T
x
80 :· T
y
90 :·
ω
x

T
x
:· ω
y

T
y
:· t 0 1 , 1000 .. :·
φ
0x
0 :· φ
0y
0 :·
1 0 1
1
0
1
sin ω
y
t ⋅ φ
0y
+ ( )
sin ω
x
t ⋅ φ
0x
+ ( )


Kreisfunktionen 35
TGM Angewandte Mathematik WK

6.5.3 Aufgaben
a) Wann entsteht als Lissajous Figur nur eine Gerade?
b) Wann entsteht als Lissajous Figur genau ein Kreis?
c) Stellen Sie vier Lissajous Figuren für ω
x

y
= 3dar:
x(t) = 4⋅sin(ω
x
t) y(t) = 5⋅sin(ω
y
t+ϕ
0y
)
Wählen Sie ϕ
0y
= 0°,ϕ
0y
= 30°,ϕ
0y
= 60°,ϕ
0y
= 90°
d) Experimentieren Sie mit MATHCAD und erzeugen Sie einige Lissajous Figuren.

Kreisfunktionen 36
TGM Angewandte Mathematik WK

7 Mult iplikat ion zweier fr equenzgleicher
Sinusfunkt ionen
7.1 Er klär ung
Der allgemeinste Fall wäre die Multiplikation der Funktionen:
( ) ( )
( ) ( )
1 1 1
2 2 2
f t r sin t
f t r sin t
· ⋅ ω + ϕ
· ⋅ ω + ϕ

Ohne auf das Wesentliche zu verzichten, wollen wir folgende Vereinfachung treffen:
Wir wählen ϕ
1
= 0, damit kann einfacher ϕ
2
= ϕ genannt werden.


( )
( ) ( )
1 1
2 2
f t r sin t
f t r sin t
· ⋅ ω
· ⋅ ω + ϕ

Bilden wir nun die Produktfunktion:

( ) ( ) ( ) ( ) ( )
1 2 1 2 1 2
f t f t f t r sin t r sin t r r sin t sin t · ⋅ · ⋅ ω ⋅ ⋅ ω + ϕ · ⋅ ⋅ ω ⋅ ω + ϕ

Hier tritt also das Produkt zweier Sinusterme auf. Entweder man leitet sich eine Formel aus
dem 2. Summensatz her oder entnimmt sie einer Formelsammlung:
( ) ( )
1
sin sin cos cos
2
α⋅ β · α− β − α + β 1
¸ ]

Damit gilt mit: t α · ω + ϕ und t β · ω und 2 t ⇒ α − β · ϕ α+ β · ω + ϕ:


( ) ( )
( ) ( )
( )
1 2
1 2
1 2
f t r r sin t sin t
1
r r cos t t cos t t
2
r r
cos cos 2 t
2
· ⋅ ⋅ ω + ϕ ⋅ ω ·
· ⋅ ⋅ ω + ϕ − ω − ω + ϕ + ω · 1
¸ ]

· ϕ − ω + ϕ 1
¸ ]


Nun zur Diskussion des Ergebnisses:

( ) cos 2 t − ω + ϕ stellt eine phasenverschobene Kosinusfunktion mit der doppelten Kreis-
frequenz dar. cos ϕ ist ein zeitunabhängiger additiver Term. Die Summe der beiden in der
eckigen Klammer stehenden Funktionen stellt also eine phasenverschobene Sinuskurve mit
der doppelten Frequenz dar, die noch zusätzlich um cos ϕ in Ordinatenrichtung angehoben
ist. Diese Anhebung kann maximal den Welt 1 annehmen, nämlich genau dann, wenn ϕ = 0°
beträgt. Sie entfällt gänzlich, wenn 90 ϕ · t ° beträgt.
Der Faktor
1 2
r r
2

stellt einen Streckungsfaktor in Ordinatenrichtung dar.
Kreisfunktionen 37
TGM Angewandte Mathematik WK

Wir wollen unter dem arithmetischen Mittelwert einer periodischen Funktion stets den
arithmetischen Mittelwert über eine Periodendauer verstehen. Dieser wird hier durch den
Ausdruck
1 2
r r
f cos
2

· ⋅ ϕ gegeben.

Beispiel:

( )
( ) ( )
1
2
f t 2 sin t
f t 3 sin t 42
· ⋅ ω
· ⋅ ω + °


Wie groß ist der zeitliche Mittelwert der Produktfunktion?


( ) ( )
( )
( )
f t 2 sin t 3 sin t 42
2 3
cos 42 cos 2 t 42
2
2, 23 3 cos 2 t 42
· ⋅ ω ⋅ ⋅ ω + ° ·

· ° − ω + ° · 1
¸ ]
· − ⋅ ω + °


Es handelt sich hier also um eine phasenverschobene Kosinuskurve der Amplitude 3 mit der
doppelten Frequenz, die um 2,23 Einheiten angehoben ist. Der zeitliche Mittelwert
(arithmetische Mittelwert) beträgt 2,23.

MATHCAD:
T 2 π ⋅ :· ω

T
:· t
A
2 − :· t
E
10 :· t t
A
t
A
0.01 + , t
E
.. :·
f
1
t ( ) 2 sin ω t ⋅
( )
⋅ :·
f
2
t ( ) 3 sin ω t ⋅ 42 Grad ⋅ +
( )
⋅ :·
f
3
t ( ) f
1
t ( ) f
2
t ( ) ⋅ :·
2 0 2 4 6 8 10
4
2
2
4
6
f
1
t ( )
f
2
t ( )
f
3
t ( )
23 ⋅
2
cos 42Grad ( ) ⋅
t

Kreisfunktionen 38
TGM Angewandte Mathematik WK

7.2 Anwendung: Die Leist ung im Wechselst r omkr eis
7.2.1 Die Momentanleistung p(t) und die Wirkleistung P

Der Momentanwert der Wechselstromleistung p(t) errechnet sich einfach aus dem Produkt
des Momentanwerts der Spannung u(t) und dem des Stroms i(t):

p(t) = u(t) ⋅ i(t)

Nun treibt eine sinusförmige Spannung ( ) ( )
U
ˆ
u t U sin t · ⋅ ω + ϕ durch ein passives
Bauelement einen sinusförmigen Strom ( ) ( )
I
ˆ
i t I sin t · ⋅ ω + ϕ derselben Frequenz. Im
Allgemeinen wird sich jedoch zwischen u(t) und i(t) auch eine Phasenverschiebung, die
zwischen – 90° und + 90° liegen kann, einstellen. Wir werden sehen, wie gerade diese
Phasenverschiebung den Mittelwert der Wechselstromleistung p(t) entscheidend beeinflusst.

Bei den folgenden Überlegungen wollen wir den Strom als Bezugsgröße wählen, d.h. die
Sinusfunktion, die den Stromverlauf beschreibt, soll ohne Phasenverschiebung erscheinen.

Annahme: I als Bezugsgröße ⇔
I
0 ϕ · ⇔ ( )
ˆ
i t I sin t · ⋅ ω

Damit können wir ohne Verwechslungsgefahr ( ) ( )
ˆ
u t U sin t · ⋅ ω + ϕ schreiben.








Z steht hier für einen beliebigen Wechselstromwiderstand.
Nun berechnen wir die Momentanleistung:


( ) ( ) ( )
( ) ( )
p t u t i t
ˆ ˆ ˆ ˆ
U sin t I sin t U I sin t sin t
· ⋅ ·
· ⋅ ω + ϕ ⋅ ⋅ ω · ⋅ ⋅ ω + ϕ ⋅ ω · ⊗


Die Anwendung der trigonometrischen Formel:
( ) ( )
1
sin sin cos cos
2
α⋅ β · α− β − α + β 1
¸ ]

liefert in unserem Fall :

t α · ω + ϕ und t β · ω und 2 t ⇒ α − β · ϕ α+ β · ω + ϕ
ϕ
U
I
Zeigerdiagramm:
Z
i(t)
u(t)
Kreisfunktionen 39
TGM Angewandte Mathematik WK


( )
( )
ˆ ˆ
U I
cos cos 2 t
2
ˆ ˆ ˆ ˆ
U I U I
cos cos 2 t
2 2

⊗ · ⋅ ϕ − ω + ϕ · 1
¸ ]
⋅ ⋅
· ⋅ ϕ − ⋅ ω + ϕ


Der erste Summand ist zeitunabhängig und stellt den arithmetischen Mittelwert der
Momentanleistung über eine Periode dar.

( )
ˆ ˆ
U I
p t cos P
2

· ⋅ ϕ ·

Man nennt den zeitlichen Mittelwert der Momentanleistung die „Wirkleistung P".

Teilt man den Faktor 1/2 auf beide Scheitelwerte „gerecht“ auf, so erhält man:


ˆ ˆ ˆ ˆ
U I U I
2
2 2

· ⋅

Das Verhältnis von Scheitelwert zu 2 stellt bei sinusförmige Größen den Effektivwert dar.

Effektivwert sinusförmiger Größen
Scheitelwert
2
·



Wir schreiben daher:
eff eff
ˆ ˆ ˆ ˆ
U I U I
U I
2
2 2

· ⋅ · ⋅

(Eine genaue Definition des Effektivwertes erfolgt später bei der Anwendung der Integralrechnung.)

eff eff
P U I cos · ⋅ ⋅ ϕ
Wir sehen also, dass der Faktor cos ϕ die Wirkleistung P bestimmt. Man nennt cos ϕ daher
auch „Wirkleistungsfaktor" . Oft schreibt man statt der Indexschreibweise U
eff
einfach U .
Dann darf beim Scheitelwert das Scheitelwertzeichen jedoch nicht weggelassen werden. In
dieser Form lautet dann die Formel für die Momentanleistung:

( ) ( ) p t U I cos U I cos 2 t · ⋅ ⋅ ϕ − ⋅ ⋅ ω − ϕ

Diese Zerlegung zeigt deutlich, wie sich die Momentanleistung p(t) als die Summe eines
zeitunabhängigen Terms U⋅I⋅cosϕ und eines zeitabhängigen Terms U⋅I⋅cos(ωt) darstellen
lässt. Die Wirkleistung wird durch den ersten Summanden gegeben:

P U I cos · ⋅ ⋅ ϕ
Kreisfunktionen 40
TGM Angewandte Mathematik WK




7.3 Dr ei Ext r emfälle

1. 0 ϕ · °

Hier sind Strom und Spannung "in Phase". Dieser einfachste Fall tritt ein, wenn die Spannung
u(t) an einen rein Ohmschen Widerstand gelegt wird








Wir erhalten: ( ) ( )
ˆ ˆ
u t U sin t i t I sin t · ⋅ ω · ⋅ ω

(Man kann natürlich auch einfach in die hergeleitete allgemeine Formel für p(t) für ϕ = 0°
einsetzen )
( )
{
( )
1
p t U I cos 0 cos 2 t p t P U I
·
¸ _
· ⋅ ⋅ ° − ω ⇒ · · ⋅

¸ ,


In diesem Fall kommt es zu einer maximalen Anhebung der – cos 2ωt Funktion um eine
Einheit. Der Wirkleistungsfaktor cos ϕ = cos 0° = 1 nimmt hier seinen maximalen Wert an.
Die Wirkleistung beträgt also:

P U I · ⋅

Die Effektivwerte U
eff
= U und I
eff
= I können daher auch folgendermaßen interpretiert
werden: Sie sind jenen Gleichspannungs– bzw. Gleichstromwerten gleich, die dieselbe Wirk-
leistung an einem Ohmschen Widerstand hervorrufen wie die sinusförmigen Größen u(t) und
i(t) .

MATHCAD:

U
I
Zeigerdiagramm:
R
i(t)
u(t)
Kreisfunktionen 41
TGM Angewandte Mathematik WK

Die Leistung im Ohmschen Widerstand
T 2π :· ω

T
:· I 0.5 :· U 2 :·
t
A
2 − :· t
E
10 :· t t
A
t
A
0.01 + , t
E
.. :·
i t ( ) I sin ω t ⋅
( )
⋅ :· u t ( ) U sin ω t ⋅
( )
⋅ :· p t ( ) i t ( ) u t ( ) ⋅ :·
2 0 2 4 6 8 10
2
2
i t ( )
u t ( )
p t ( )
UI ⋅
2
t


2. 90
2
π
ϕ · ° ·
Dieser Fall tritt ein, wenn die Spannung u(t) an eine ideale Spule ( Induktivität ) gelegt wird.









Hier eilt die Spannung dem Strom um 90° vor.

( ) ( ) ( )
ˆ ˆ
i t I sin t u t U sin t 90 · ⋅ ω · ⋅ ω + °

Wir erhalten: ( ) ( ) ( ) ( )
ˆ ˆ
p t u t i t U sin t 90 I sin t · ⋅ · ⋅ ω + ° ⋅ ⋅ ω ·

1
ˆ ˆ ˆ ˆ
U I cos t sin t I U sin 2 t
2
ˆ ˆ
U I
sin 2 t
2
U I sin 2 t
· ⋅ ⋅ ω ⋅ ω · ⋅ ⋅ ⋅ ω ·

· ⋅ ω ·
· ⋅ ⋅ ω



Die Momentanleistung p(t) ändert sich sinusförmig mit der doppelten Kreisfrequenz. Ihr
zeitlicher Mittelwert beträgt Null.
L
i(t)
u(t)
U
I
Zeigerdiagramm:
Kreisfunktionen 42
TGM Angewandte Mathematik WK


Dieses Ergebnis erhält man selbstverständlich auch, wenn man in die allgemeine Formel für
p(t) für ϕ, den Wert 90° einsetzt.

( ) ( ) ( )
0
p t U I cos 90 cos 2 t 90 p t P 0
·
¸ _
· ⋅ ⋅ ° − ω + ° ⇒ · ·

¸ ,
123


In diesem Fall kommt es zu gar keiner Anhebung der – cos ( 2ωt+90°) = sin2ωt Funktion. Der
Wirkleistungsfaktor beträgt hier cos ϕ = cos 90° = 0 . Er nimmt hier seinen minimalen Wert
an. Die Wirkleistung beträgt also: P 0 ·

Ergebnis: An einer idealen Spule wird keine Wirkleistung umgesetzt.

MATHCAD:
Die Leistung in einer Spule
T 2π :· ω

T
:· I 0.5 :· U 2 :·
φ 90 Grad ⋅ :· t
A
2 − :· t
E
10 :· t t
A
t
A
0.01 + , t
E
.. :·
i t ( ) I sin ω t ⋅
( )
⋅ :· u t ( ) U sin ω t ⋅ φ +
( )
⋅ :· p t ( ) i t ( ) u t ( ) ⋅ :·
2 0 2 4 6 8 10
2
2
i t ( )
u t ( )
p t ( )
UI ⋅
2
cos φ ( ) ⋅
t

3. 90
2
π
ϕ · − ° · −

Dieser Fall tritt ein, wenn die Spannung u(t) an einen idealen Kondensator ( Kapazität ) gelegt
wird.
( ) ( ) ( )
ˆ ˆ
u t U sin t 90 i t I sin t · ⋅ ω − ° · ⋅ ω







U
I
Zeigerdiagramm:
C
i(t)
u(t)
Kreisfunktionen 43
TGM Angewandte Mathematik WK

Hier eilt die Spannung dem Strom um 90° nach.Wir erhalten:


( ) ( ) ( ) ( )
( )
ˆ ˆ
p t u t i t U sin t 90 I sin t
ˆ ˆ
U cos t I sin t
· ⋅ · ⋅ ω − ° ⋅ ⋅ ω ·
· ⋅ − ω ⋅ ⋅ ω ·


ˆ ˆ
U I sin t cos t
1
ˆ ˆ
U I sin 2 t
2
ˆ ˆ
U I
sin 2 t
2
U I sin 2 t
· − ⋅ ⋅ ω ⋅ ω ·
· − ⋅ ⋅ ω ·

· − ⋅ ω ·
· − ⋅ ⋅ ω


Wir erhalten also bis auf das Vorzeichen dasselbe Ergebnis wie im 2. Fall.
Die Momentanleistung p(t) ändert sich sinusförmig mit der doppelten Kreisfrequenz und ihr
zeitlicher Mittelwert beträgt Null.

Auch dieses Ergebnis erhält man, wenn man in die allgemeine Formel für p(t) für ϕ den Wert
–90° einsetzt.
( ) ( ) ( ) ( )
0
p t U I cos 90 cos 2 t 90 p t P 0
·
¸ _
· ⋅ ⋅ − ° − ω − ° ⇒ · ·

¸ ,
14243

Anhebung der – ωt 90°) = – ωt
ϕ = cos ( 90°) = 0 . Er nimmt auch hier
seinen minimalen Wert an. Die Wirkleistung beträgt wieder: P 0
Ergebnis: t wird keine Wirkleistung umgesetzt.
MATHCAD:
Die Leistung in einem Kondensator
T 2π :· ω

T
:· I 0.5 :· U 2 :·
φ 90 − Grad ⋅ :· t
A
2 − :· t
E
10 :· t t
A
t
A
0.01 + , t
E
.. :·
i t ( ) I sin ω t ⋅
( )
⋅ :· u t ( ) U sin ω t ⋅ φ +
( )
⋅ :· p t ( ) i t ( ) u t ( ) ⋅ :·
2 0 2 4 6 8 10
2
2
i t ( )
u t ( )
p t ( )
UI ⋅
2
cos φ ( ) ⋅
t

Kreisfunktionen 44
TGM Angewandte Mathematik WK

8 Wieder holungsfr agen

1. Was entsteht bei der Überlagerung ( Addition ) zweier frequenzgleicher Sinusfunktionen?

2. Was entsteht bei der Überlagerung ( Addition ) zweier frequenzungleicher
Sinusfunktionen, deren Kreisfrequenzen in einem Verhältnis ganzer Zahlen stehen?

3. Welche Periodendauer besitzt das Summensignal 4sin( 4t) + cos (5t) ?

4. Was versteht man unter einer Schwebung?

5. Wie groß ist die Schebungsfrequenz des Signals f(t) = sin(πt) + sin(3t) ? Ist dieses Signal
wirklich ein periodisches Signal?

6. Wodurch entsteht eine Lissajous Figur?

7. Was entsteht bei der Multiplikation zweier frequenzgleicher Sinusfunktionen? Wieso ist
gerade dieser Fall elektrotechnisch so interessant?

8. Berechnen Sie die Periodendauer des folgenden Signals und verwandeln Sie das Signal in
Produktform um: f(t) = sin 500t + sin 510t
Lassen Sie sich den Kurvenverlauf mit MATHCAD und beschriften Sie all jene Details,
die sich aus der Produktform ablesen lassen.

9. Berechnen Sie die Periodendauer des folgenden Signals und verwandeln Sie das Signal in
Produktform um: f(t) = sin 480t + sin 500t
Lassen Sie sich den Kurvenverlauf mit MATHCAD aufzeichnen und beschriften Sie all
jene Details, die sich aus der Produktform ablesen lassen. (6P)

10. Stellen Sie f(t) = 5sin(ωt–33°) + 7cos(ωt–18°) in der Form f(t) = Asin(ωt+ϕ) dar.

11. Stellen Sie f(t) = 5cos(ωt+33°) + 7sin(ωt–23°) in der Form f(t) = Asin(ωt+ϕ) dar.

12. Lösen Sie die goniometrische Gleichung für G = [ 0, 360°]: 4sin x – 3cos x = 3
Führen Sie für jede berechnete Lösung die Probe durch, denn nicht alle berechneten
Lösungen sind wirklich Lösung der gegebenen Gleichung.

13. Lösen Sie die goniometrische Gleichung für G = [ 0, 360°]: 5sin x – 2cos x = 2
Führen Sie für jede berechnete Lösung die Probe durch, denn nicht alle berechneten
Lösungen sind wirklich Lösung der gegebenen Gleichung.

Kreisfunktionen 45
TGM Angewandte Mathematik WK

1. Welche Funktionen werden hier dargestellt:

f(x) = ?
0 5 10
1
2
3
4
5
6
f x ( )
x

2.

Welche Funktionen werden hier dargestellt:

f(x) = ?
0 10
5
3
2
f x)
x


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