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Von der Von der Kreuzigung Kreuzigung und und Auferstehung Auferstehung des des Herrn Herrn Unser Gottesbild
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Von der

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Unser Gottesbild

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Von Tod

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der Seele

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kann

Vom Wesen

Vom

Wesen der

der Fürbitte

Fürbitte

Aus meines

Aus

meines Herzens

Herzens Grunde

Grunde

Die Stille

Die

Stille

INHALT

A.

v. Droste-Hülshoff

Liebe

S.

2

Klaus W. Kardelke

Editorial

S.

3

Antnoni Großheim

Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

S.

5

Bernd Kössler

Unser Gottesbild

S. 11

Jakob Lorber

Von Tod und Todesnot

S. 18

Jörg Zink

Ruhen in Gott

S. 19

Miguel de Molinos

Damit Gott in der Seele ruhen kann

S. 24

Jakob Lorber

Vom Wesen der Fürbitte

S. 30

Gerhard Wehr

Aus meines Herzens Grunde

S. 32

Jakob Lorber

Gott und Vater

S. 39

Jack H. Holland

Die Stille

S. 41

G.

Dell Britt

Der zerstörte Bambus

S. 48

Jakob Lorber

Der Herr als prüfende Braut

S. 49

Sundar Singh

Warum musste Gott Mensch werden

S. 51

Brief von einem Freund

S. 51

Jakob Lorber

Wo bleibt Gott

S. 52

Kanal 23

S. 53

Begegnung an der Andritz-Quelle

S. 54

Jahrestagung der Lorber-Gesellschaft

S. 55

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- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik - Jahrgang 28 2008 Heft 2 Da sprach Jesus zu
- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik - Jahrgang 28 2008 Heft 2 Da sprach Jesus zu
- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik - Jahrgang 28 2008 Heft 2 Da sprach Jesus zu

- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik -

Jahrgang 28 2008 Heft 2
Jahrgang 28
2008
Heft 2
- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik - Jahrgang 28 2008 Heft 2 Da sprach Jesus zu

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert.

(Mt. 16,24 + 10,38)

2 Liebe GL 2/2008
2
Liebe
GL 2/2008
2 Liebe GL 2/2008 Liebe Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) Das ist mein Trost in allen Leiden,

Liebe

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Das ist mein Trost in allen Leiden, Dass nichts mich kann von Jesu scheiden, Von seiner Liebe keine Macht, Der größte aller Erdenschmerzen Hat nicht Gewalt ob einem Herzen, Worin die Liebe Jesu wacht. Wenn er mir bleibt, was kann mir fehlen? Wenn er mich labt, was kann mich quälen? Wie hat er Alles wohl bestellt! Wenn ich nur seinen Namen nenne, Dann ist‘s, als ob das Herz mir brenne; Im Lichte steht die ganze Welt. Sein Kreuz ist wie der Himmelsbogen Um meinen Horizont gezogen; Wohin ich schau, da steht es schon. O süßes Kreuz, lass dich umfangen, Woran mein liebstes Lieb gehangen Für unsrer Sünden bittern Lohn! Wenn meine Pflichten oft mich drücken, Dann muss ich Liebesrosen pflücken Aus seinem bittern Kreuzestod. Wie kommt mir wunderbare Stärke! Wie sind so leicht die schweren Werke, Dieweil mein Jesu sie gebot! Mein Leid muss mir zu Freuden werden, Denk‘ ich an Jesu Leid auf Erden Und seinen blut‘gen Kreuzespfad. Mein Jesu ist vorangegangen; Wie kann mir noch vor Dornen bangen Auf Wogen, die mein Gott betrat?

Er hat den bittern Weg erkoren:

Was flieht ihr denn, ihr schwachen Toren So sehr die Bitterkeit und Pein? Muss ich durch Dornenweg‘ mich schlagen, So soll mein Mund frohlockend sagen:

»Mein Jesu kann nicht ferne sein«. Er ist nicht fern, auf allen Wegen Kommt mir ein Strahl von ihm entgegen, In himmlisch tröstender Gestalt; Er ist nicht fern, im Sturmesgrimme Da hör ich seine liebe Stimme, Er ist nicht fern, ich find ihn bald. Sein Bild steht überall geschrieben, Ich kann nur Ihn, nur Ihn noch lieben, Ich kann nur Ihn allein noch sehn; Ich weiß, Er muss mir ewig bleiben, Ach wollte Er mich von sich treiben, Ich müsste gleich in Schmerz vergeh‘n. Ach könnt‘ ich diese Hülle meiden! Doch still, mein Herz, verschließ bescheiden Den heißen Wunsch in deine Brust; Es ist ja meines Jesu Wille, Und dass ich den getreu erfülle, Das ist doch meine ganze Lust. Geduld! sie wird doch endlich kommen, Die Stunde, mir zum Heil und Frommen, Gott hat sie Keinem noch versagt. Bis dahin denk‘ in allen Leiden, Dass nichts dich kann von Jesu scheiden, Von seiner Liebe keine Macht.

GL 2/2008 Editorial 3
GL 2/2008
Editorial
3

Editorial

Der Menschensohn Jesus unterstellte sich durch sein Leben, Leiden und Sterben ganz dem göttlichen Willen des Vaters in ihm. In allem erkannte er Gottes Willen und beugte sich vollständig unter diesen. „Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat.“ (Joh. 6,38) Ohne Klagen und Murren, ohne Widerstand und ganz in den göttlichen Willen ergeben, ließ er sich aus Liebe zu den Menschen von seinen eigenen Geschöpfen martern und ans Kreuz schlagen. In seiner schwersten Stunde sprach Jesus die Worte: „Vater, willst du, so nehme diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille

Klaus W. Kardelke Geschäftsführender Vorsitzender der Lorber-Gesellschaft
Klaus W. Kardelke
Geschäftsführender
Vorsitzender der
Lorber-Gesellschaft

geschehe!“ (Luk. 22,42)

So beten ja auch wir im Vaterunser immer wieder: „Dein Wille geschehe.“ Doch wie schwer fällt es uns in unserem Alltagsleben, den Willen Gottes zu erkennen, geschweige denn geschehen zu lassen, indem wir unseren eigenen Willen loslassen und uns ganz dem göttlichen Willen überlassen. Aber nicht aus Angst, sondern aus Freude und im Bewusstsein, dass Gott keine Fehler macht, sollen wir den Willen Gottes für unser Leben annehmen, denn „wenn du voll Angst und Kleinmut sprichst: „Herr, Dein Wille geschehe!“ – so gilt das bei Mir nichts,“ sagt der Herr. „Aber so du das mit freiem und freudigem Herzen sprichst, da wirst du allezeit Hilfe finden. Denn nur in einem in Meinem Namen freien und freudigen Herzen wohne Ich kräftig; in einem bedrückten, seufzenden und ängst- lichen aber ebenfalls bedrückt, seufzend und ohnmächtig.“ (HiG.02; S. 414) Es gilt also das, was in unserem Leben geschieht, und was wir nicht zu ändern vermögen, zu bejahen und freudig und dankbar anzunehmen, in der festen Gewissheit, „dass denen, die Gott lieben alle Dinge zum Besten

dienen.“ (Röm. 8,28)

Schon Pfarrer Friedrich Christoph Oetinger (1702 -1782) erkannte dies

in einem Gebet indem er spricht: „Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“

Aber „wer da ungeduldig wird und über dies und jenes, das er doch

nicht ändern kann, murrt und oft sogar in seinem gemeinen Grimme Lästerungen über die ihm widrig vorkommenden Erscheinungen in dieser

4 Editorial GL 2/2008
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Editorial
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Welt denkt und offen ausspricht, der eignet sich die Liebe Gottes nicht an.“ (GEJ.08; 140,07) Denn nur „die Gottlosen murren und klagen mit ihrem Geschick, aber wandeln dabei nach ihren Lüsten.“ (Judas 16) Selten sind auch wir mit allem einverstanden, was in unserem Leben geschieht, klagen und murren dann gegen unser Schicksal, ja sogar gegen Gott und fühlen uns dabei noch als unschuldige Opfer der äußeren Umstände im Recht und suchen die Schuld bei anderen und nicht bei uns. Dabei rät uns der Herr: „Klage aber auch nicht über die Welt, sondern opfere alles Mir auf! Ich werde zur rechten Zeit alles so machen und gestalten, wie es am allerrechtesten sein wird.“ (HiG.03 S. 216) Auch Jesus lernte als Mensch alles, Freude wie Leid, aus der Hand Gottes anzunehmen. Als seine Nachfolger sollen auch wir diese Lebenslektion lernen, indem wir uns und unser Leben akzeptieren und annehmen, so wie es ist, als ein Geschenk unseres himmlischen Vaters. Denn „wer Mein Jünger sein will,“ spricht der Herr, „darf über die bitteren Vorkommnisse auf dieser Erde (und in seinem Leben) nicht klagen oder darüber gar ärgerlich zu murren anfangen.“ (GEJ.02; 8,7) „denn ohne Meine Zulassung kann nichts geschehen; wenn Ich aber irgendetwas zulasse, so habe Ich allzeit Meinen besten Grund dazu!“ (HGt.02 158,26) „Denn alles geschieht ja nur durch die Liebe Gottes zum wahren Wohle

des Menschen. (GEJ.08; 140,07)

Dies gilt es sich in allem Geschehen unseres Lebens und auf dieser Erde immer wieder bewusst zu machen. Bereits Paulus sagte treffend: Es geschieht alles um euretwillen.“ (2. Kor. 4,15) Es geschehen viele Dinge in unserem Leben, die wir nicht ändern können, an denen wir aber unsere Lektionen zu lernen haben, indem wir in ihnen Gottes Zulassungen zu unserer Erziehung zum Gotteskind erkennen.

„Herr! Geschehe da, was da wolle, Du allein bist unser Vater zeitlich und ewig. Von Dir und von niemand anderem hängt unser künftiges Wohl ab; denn wir wissen es ja, dass aller Menschen Hilfe, wer sie auch sein mögen, zu nichts nütze ist. Dein Wille geschehe! Wir wollen niemand fürchten, außer allein Dich, o Herr, und von niemand eine

Hilfe erwarten, als allein von Dir, o Du guter Vater! – Dein wollen wir ganz sein im Leben dieser Welt und ebenso in ihrem notwendigen Tode, der uns frei machen wird vom Fleische und uns dann endlich führen zu Dir hin, der Du bist unsere alleinige lebendige Hoffnung durch den Glauben und unsere alleinige Liebe im erweckten Leben unseres

Geistes!“

(HiG.03 S.278,20)

Euer Klaus W. Kardelke

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

„Ich der Herr sage euch, als Ich in Meinem irdischen Leibe unter euch Menschenkindern auf Erden gewandelt, habe Ich Sünder und Zöllner, welche damals als das verachteteste Volk angesehen wurden, um Mich versammelt, und deshalb war Ich bei den Großen und Vornehmen verachtet und verhasst, so dass Ich allerorts als ein schlauer Volksbetrüger und selbst heimlicher Sünder verschrien war; doch Ich kam nicht der Gerechten wegen zur Erde nieder, sondern der Kranken im Geist und der Sünder wegen, für welche ich Mein Leben und Blut hingab. Zur Zeit meiner Kreuzigung aber umstanden Mich Meine Mir noch treu gebliebenen Freunde, sowie eine große Menge schadenfrohes Volk, welches mit Hohnlachen schrie: Früher hat Er andern geholfen, jetzt kann Er Sich selbst nicht helfen; welches die Feinde umso mehr in ihrem Glauben bestärkte, dass Ich nicht Gott, wohl aber ein von Gott verlassener großer Verbrecher sei. Auch habe Ich in Meinen Ängsten am Kreuze in Meinem irdischen Fleische sieben Worte zu den Umstehenden in althebräischer Zunge gesprochen, wovon bis auf den heutigen Tag noch keine wahre Auslegung existiert; daher Ich Mich in Meiner Gnade bewogen gefunden habe, selbige nochmals, und zwar mit genauer Auslegung, was dieselben für die zukünftigen (d.h. die jetzigen) Zeiten zu bedeuten haben, zu wiederholen, und so (deren Sinn) den Menschen, die eines guten Willens sind, zu offenbaren. Als Ich nach langen Leiden und Peinen, welche Ich durch die Ruchlosigkeit der Schergen erdulden musste, so weit gekommen war, dass die Hohenpriester sahen, dass es mit Mir zu Ende gehen könnte, bevor sie ihre Rache und Bosheit an Mir gekühlt hätten, so trachteten dieselben das Todesurteil von dem obersten römischen Gerichtshofe zu erlangen, um doch die Freude zu erleben, Mich qualvoll sterben zu sehen. Als demnach die Todesbotschaft, wonach ich sollte gekreuzigt werden, ankam, frohlockten Meine Feinde überlaut und trachteten, dieselbe sogleich in Vollzug zu setzen. Als endlich Meine Hinrichtung erfolgte, da kamen Meine Freunde, welche heimlich sich unter dem Volke verborgen gehalten, zum Kreuze, um Mich zu trösten und zu stärken; allein die böse Rotte wollte dieselben zurücktreiben, und nur durch die Vermittelung des Pilatus war es Meiner Mutter, sowie Johannes, Meinem Lieblingsjünger, nebst noch einigen Frauen möglich, bis zum Fuße des Kreuzes zu gelangen, und so bei Meinem Leibestode gegenwärtig zu sein. Nun, als die freche Rotte Mich Meiner Kleider beraubte, und so

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

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entblößt Mir Hände und Füße an das Holz band, und zum Überflusse dieselben noch mit stumpfen Nägeln durchstach, so geschah es, dass Ich in Meinem gequältem Fleische aufseufzte und sprach: „Herr vergib Ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Das nämlich war das erste bedeutungsvolle Wort, welches Ich in Meinem Schmerz und in Voraussicht der künftigen Menschen und ihrer Sünden gesprochen. Als Ich am Kreuze aufgerichtet wurde, da sah Mein Leib, von Blut und Staub bedeckt, so erbarmungswürdig aus, das selbst den umstehenden Feinden das Herz mitleidig bewegt wurde; Ich aber sah, dass es nur vorübergehend war und ihre Erbarmnis nicht Mir, sondern nur ihren Schönheitsgefühle galt. Deshalb sprach Ich: „Mich dürstet!“ Allein die Schergen verstanden nicht, was Ich mit diesen Worten meinte, dass Mich um das Heil so vieler Seelen, welche Ich in ihrem Wahne zu Grunde gehen sah, dürstete, - so gaben sie Mir, um Mich noch mehr zu quälen, Galle mit Essig vermengt zum Trinken, welches Ich aber verschmähte. Alsbald begann die ganze Natur zu beben und die Elemente aus ihrer Ordnung zu treten, die Sonne als Vorbild des ewigen Lichts verlor ihren Glanz, als Zeichen, dass die Menschen in ihrer geistigen Blindheit nicht sahen, dass Sie die Gottheit unter der sterblichen Hülle Meines Leibes zurückdrängte und den Leib dem materiellen Tode übergab; deshalb sprach Ich die Worte: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen!“ Nicht ein anderer Gott außer Mir war es, zu dem Ich rief, sondern die Gottheit in Mir, Gottes-Geist und Urkraft in ihrem Vollmaße; allein die Leibeshülle war aus Erdenstoff, gleich wie bei den Menschenkindern genommen, und diese musste auch in Mir untertänig sein, deshalb suchte die Materie in ihrer Verlassenheit Hilfe, zum Vorbilde, dass jeder Erdenmensch Hilfe allein bei Gott suchen soll. Die Zeit nahte heran, wo Ich immer schwächer Mich fühlend, die Seele Meinem himmlischen Vater überantwortend, zum Himmel blickend sprach: „Eli! Eli!“ (Eli, Eli, sa mi sabach tani - Der Sohn der Söhne ist für Mich und für Gott dahin gegeben.) Da sah Ich unter dem Kreuze Meine Mir so liebe und treue Mutter Maria nebst Meinem Jünger Johannes (welcher zugleich mein Geheimschreiber gewesen), zum Tode getrübt stehen, und sprach Ich da zu Beiden die bedeutungsvollen Worte: „Maria, siehe deinen Sohn“ und zu Johannes „siehe deine Mutter“. Mit diesen Worten gleichsam andeutend, dass Ich die Weltkinder dem Gottesgeiste übergeben habe, demnach Mein geistiges Testament machte, und Maria zur Mutter der schwachen und kranken Seelen im Fleische. Als es nach jüdischer Zeitrechnung drei Uhr geworden, so war die Zeit

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

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meines Leibestodes heran gekommen, und Ich erzitterte in Meinem Gebein im Todesschauer. In solchem Augenblick sah Ich Mir den mit zugleich an das Kreuz gebundenen Verbrecher Dismas, welcher seine Augen in Sehnsucht nach mir wandte, in Gnaden an, und versprach ihm, dass er heute noch bei Mir im Paradiese sein werde, welches nach Meiner Auffahrt bis auf den heutigen Tag zu vielen Auslegungen Anlass gab; die allein wahre und einzige aber ist diese: Dass jede Menschenseele nach ihrem Leibestode in einen niederen oder höheren Grad je nach ihrer Vollkommenheit gelangt, und selbst Seelen, welche alles Irdische schon diesseits abgebüßt haben, zuerst nur in das Paradies oder in den niedern Grad der Seligkeit gelangen können; denn keine Seele, bevor dieselbe nicht ganz geläutert und gereinigt ist, kann in den Liebehimmel oder gar zur höheren Seligkeit eingehen; und ebenso hat Dismas durch die Liebe und das Vertrauen zu mir den ersten Grad erreicht, und so war es möglich, ihm das Paradies zu verheißen. Ich war schon in den Todeszügen, als Ich die Worte sprach: „Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Dieses ist ebenfalls ein sehr bedeutendes Wort für die Menschen; denn weshalb sollte Ich, Gott selbst, Meinen Geist in die Hände eines Gottes außer Mir empfehlen, da würden ja zwei Götter in die Erscheinung treten (oder wie später - drei!) Allein dem ist nicht so, und soll sich daher niemand irre führen lassen durch diesen Ausspruch; denn jedermann verstehe damit, dass nur die äußerste Umhüllung Meines inneren Gottesgeistes diese Worte sprach, und solche also nur in eben dem Sinne zu verstehen sind, so wie Ich bei Meinen Leibes-Lebzeiten von Mir sagte: Ich, des Menschen Sohn, sage euch dieses oder jenes Gleichnis, ebenso sprach die Lebenskraft oder seelische Potenz meines irdischen Leibes die Worte: „Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist.“ Sobald als sich die Seele drängte, den Leib zu verlassen, so wurde Ich immer schwächer, und das umstehende Volk frohlockte und spottete Meiner. Doch Ich musste den Kelch bis zur Neige leeren, und deshalb sah Ich voraus, dass die tobende Menge ungerührt von Meinem Schmerz und Todeskampf bleiben werden, und so denn, als schon der letzte Augenblick Meines irdischen Lebens gekommen war, sprach Ich das letzte auf Erden:

„Es ist vollbracht!“ O Menschen! Wenn ihr im Stande wäret, dieses einzige Wort nur so recht vom Grunde aus zu verstehen, was es heißt, dass Gottes Sohn das große Werk der Erlösung des ganzen Menschengeschlechtes vollbrachte, so würde keine Seele zu Grunde gehen; doch die Sünde ist durch Adam in die Welt gekommen, und deshalb wird, so lange noch eine gefestete

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

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Materie den Weg des Fleisches durchs irdische Leben gehen muss, die Sünde und der materielle Tod der Anteil der Menschenkinder sein, und wurde darum durch Gottes Sohn und sein Mittleramt nur die Kraft des Bösen und der Satan in der Materie gebrochen. Auf dieses Mein letztes Wort verschied Ich, oder vielmehr Meine Seele oder Lebenspotenz trat aus der Materie, und vereinte sich mit Meinem Urgeiste, welcher Gottesgeist war; und Ich stieg hinab in den Ort, wo die Seelen der Urväter der Stunde der Erlösung harrten; denn kein Geschöpf konnte, bevor die Gerechtigkeit Gottes durch das große Liebeswerk der Erlösung versöhnt war, in den Frieden des Himmels eingehen. Ich machte also wieder frei die Bahn, welche ursprünglich allen Wesen frei gegeben war, und einst schon durch den Abfall der Engel abgebrochen wurde. Adam sollte diesen Pfad wieder errichten und die in Erstarrung getretene Materie, welche alles geistige Leben umhüllte, zu ihrem Ursprunge zurückführen, wozu ihm der Wille frei gegeben wurde; aber er verlor die Freiheit wieder durch die Sünde des Ungehorsams gegen Gott, und verfiel nebst allen Nachkommen immer tiefer in das Gericht des Todes, wovon ewig keine Erlösung zu erhoffen war. Da trat die unendliche Erbarmung und Liebe des Urewigen ins Mittel, und Er schied sie als „Gottessohn“ für eine Zeit, um in Erdstoff (als Menschensohn) umhüllt, Seine Geschöpfe frei zu machen, und sie zurückzuführen zu ihrer ersten und einstigen Bestimmung. Als ich die vorgeschriebene Zeit nach jüdischem Gesetz am Kreuze gehangen, so kam die Zeit heran, dass die Leiber der drei Verbrecher, unter welche Ich mitgezählt war, abgenommen werden sollten; denn es war die Zeit der Rüsttage, während der niemand auf der Richtstätte bleiben durfte. Da kamen Meine Freunde, welche zumeist Römer und Griechen waren, auch einige Juden gab’s unter denselben, als heimliche Anhänger Meiner Lehre, und wollten Mir den letzten Liebesdienst auf Erden erweisen. Sie hatten nämlich Meinen Leichnam vom obersten Statthalter erkauft, um denselben in ein Grab legen zu können, und so wurde Ich von Meinem wenigen Mir noch treu gebliebenen Freunden unter Spott und Hohn des Judenvolkes vom Kreuze genommen, und Meine zum Tode betrübte Mutter Maria sank zu Mir auf die Erde nieder und nahm Mein Haupt auf ihren Schoß unter tiefem Wehklagen und unzähligen Tränen, als sie ihr Kind entstellt, blutend und Tod in ihrem Schoße liegen sah. - Du fragst Mich, wie es mit der Seitenwunde aussieht, welche Ich vergessen haben müsste, da ich davon keine Erwähnung gemacht hätte; doch sorge dich darum nicht, denn diese Wunde ist Mir erst als Ich irdisch verschieden war, beigebracht worden, und war nur die willkürliche

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

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Handlung eines barmherzigen Soldaten, welcher der Meinung war, dass Ich vielleicht nur in Todesohnmacht wäre und dadurch von Meinem grausamen Leiden früher erlöst würde, deshalb ihm auch die Gnade zu Teil wurde, dass in eben demselben Augenblick, als sein Speer Mein Herz durchstach, sein Herz von namenlosem Schmerz durchzuckt wurde, und er erkannte, wessen Herz er da durchstochen hat. Nun wurde Ich (das heißt Meine Hülle) zu Grabe getragen, welches eine ziemliche Strecke außer der Stadt Jerusalem gelegen und dem Hohepriester Nikodemus gehörte. Als Mein Leib mit Spezereien nach morgenländischer Sitte wohl versehen und in weiße Linnen gehüllt in die Gruft versenkt wurde, umstanden Mich weinend und klagend Meine Freunde. Welch ein Schmerz die treuen Seelen durchzog, als sie Mich ihrer Meinung nach zum letzten Male auf dieser Erde zu sehen wähnten, und von Mir den traurigsten Abschied nahmen, davon ist in Meiner Leidensgeschichte bereits Erwähnung geschehen. Hier in diesem Werkchen soll bloß von Meinem Tode und von den nun bald in Erfüllung gehenden Vorhersagungen, welche durch die sieben Worte, die Ich für die blinde Volksmenge unverständlich gesprochen, angedeutet, vorher- bestimmend die Rede sein wird. Denn nun ist die Zeit herangekommen, in der Ich die Worte zur Tat machen werde; und durch das erste Wort, das Ich gesprochen, wollte Ich anzeigen, dass Ich die Menschen in ferneren Zeiten, welche die Jetztzeit ist, ihres Übermutes und ihrer Sittenlosigkeit wegen, der Gnade der Gottheit in Mir übergab; denn die Menschen werden das Maß ihrer Sünden voll machen, und so die Strafe sich selbst durch Glaubens- und Lieblosigkeit zuziehen, und so ohne Aufenthalt ihrem Verderben entgegeneilen. Als ich durch fast zwei Tage im Grabe gelegen hatte, so war, um die Schrift zu erfüllen, die Zeit meiner Verklärung oder Auferstehung gekommen, und es war daher des dritten Tages Morgen angebrochen, als Ich Mich von den Banden des Todes frei und ungehemmt und die Seele mit dem vergeistigten Leibe vereint, zu Meinem himmlischen Vater oder Urgeist erhob, und daher glorreich als Überwinder des Todes und Satans in der Materie auferstand. - Es waren die ersten Stunden des Morgens, als Ich der Maria von Magdalon im Garten erschien, welche Mich in tiefem Schmerz im Grabe besuchen wollte, und - als sie Mich erblickte, vor Freuden außer sich in Liebestränen aufgelöst zu meine Füßen sank, und kaum zur Ruhe gebracht werden konnte. O wie segenbringend ist eine solche Liebe! - Ich erschien an diesem Tage auch noch einigen Meiner Jünger, ebenso

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Von der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn

GL 2/2008

auch Meiner Mutter Maria. Da war endlich die Zeit herangekommen, wo Ich nach Erfüllung Meines Mir vom himmlischen Vater auferlegten Opfertodes noch Zeit und Muße hatte, mit Meinen Freunden zu verkehren, und ihnen den Wert und die Bedeutung Meines so schmerzlichen Leidens und Todes zu erklären; und es ist bis zur Stunde noch nirgends in der Welt verzeichnet vorgefunden worden, was Ich während der Zeit bis zu Meiner Auffahrt alles mit Meinen Jüngern geredet habe, da nur einiges in den Briefen Pauli an die Epheser vorkommt, was mit Meinen Lehren während Meines noch irdischen Aufenthaltes fast gleichbedeutend ist. Im Eingange dieser Schrift hab’ Ich die Andeutung gegeben, dass Ich die Zeit der Heimsuchung, oder die sieben Worte bedeutungsweise vorhergesagt habe, und Ich dieselben jetzt den noch nicht ganz im Sündenschlafe verfallenen Menschen zum Nutzen erklären will, um der Welt zu zeigen, dass Gott nicht den Tod des Sünders will, sondern dass er sich bekehre und lebe. Sobald Ich sah, dass meine Jünger Mich erkannten und mir wieder wie früher anhingen, so versammelte Ich sie in eine von der Stadt abgelegene Herberge, und besprach Mich mit ihnen von Meinem Tode, von Meiner Auferstehung, sowie auch von Meinem baldigen Hinübertritt oder von der Auffahrt zum Vater, welches Meine Freunde sehr betrübte, als sie hörten, dass Ich sie auf immer verlassen werde. Doch Ich vertröstete sie, und versprach ihnen einen Tröster zu senden, welcher sie stärken und in alle Wahrheit leiten werde. Mit diesem Troste gaben sich endlich Meine

Freunde zufrieden.“ (Antonie Großheim - Die sieben Worte am Kreuz, Lorber-Verlag)

Jesus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ (Joh. 11,25-26)

„Ich bin die Auferstehung und das ewige Leben! Wer an Mich glaubt in der Tat, der ist in Mir schon auferstanden und wird der Seele nach gleichfort leben, so er dem Leibe nach, so es möglich wäre, stürbe tausendmal; denn wer da nun lebt und glaubt an Mich in der Tat, der wird nimmermehr sterben.“

(Himmelsgaben Bd. 3, S. 322)

GL 2/2008 Unser Gottesbild 11
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Unser Gottesbild
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Bernd Kössler

Bernd Kössler ist Finanzpräsident a.D. und lebt mit seiner Familie bei Bonn
Bernd Kössler
ist Finanzpräsident a.D.
und lebt mit seiner
Familie bei Bonn

„Müde bin ich geh zur Ruh, schließe beide Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh‘ es lieber Gott nicht an. Deine Gnad‘ und Jesu Blut machen allen Schaden gut.“ Dieses Gebet habe ich abends im Bett, warm in die Bettdecke eingekuschelt, gesprochen und fühlte mich geborgen und geschützt vor allen Unbilden, die mein jugendliches Leben bedrohten oder belasteten. Im Kindergottesdienst und später im Konfirmandenunterricht hörte ich auch vom heiligen Geist, der bei uns Wohnung nehmen möge. Hatte ich bis dahin Vertrauen in einen liebevollen, mächtigen Vatergott, so begann ich mir allmählich Gedanken darüber zu machen, was es denn mit dem Vater, dem Sohn, dem Heiligen Geist und dem lieben Gott für eine Bewandtnis hat und wie sie zueinander stehen. Diese Frage beschäftigte mich bis ins hohe Erwachsenenalter hinein. Ich fragte nach der Erklärung meiner Kirche und stieß auf das für nahezu die gesamte Christenheit geltende Glaubensbekenntnis von Nicäa und Konstantinopel. Danach hat der allmächtige Vater vor aller Zeit einen Sohn gezeugt, von ihm sei auch der Heilige Geist als dritter Gott ausgegangen. Im Mittelalter ließ der Vatikan den heiligen Geist zusätzlich auch vom Sohn ausgehen. So konnte dessen Stellvertreter auf Erden, der Papst, diesen Geist hier auf Erden verwalten, verteilen und entziehen. Die orthodoxen Kirchen hatten sich dem allerdings nicht angeschlossen. „Die drei göttlichen Personen erscheinen dem menschlichen Gemüt somit als die Regierung dreier Könige in einem Reich.“ schreibt Emanuel Swedenborg: „Wollte jemand diese Herrschaft dreier und zugleich deren Einheit im Bild oder Schattenriss vor dem Auge des Geistes darstellen, so könnte er sie seinem Blick nicht anders vorstellen, als in der Gestalt eines Menschen mit drei Köpfen auf einem Körper oder dreier Körper unter

einem Kopf.“ (Swedenborg, Wahre Christliche Religion (WCR) 171)

Ein ungeheuerliches Bild! Haben wir schon mal einen Christen, geschweige denn einen Angehörigen einer anderen Religion getroffen, dem ein solches Bild einleuchtet, der es plausibel erklären kann? Meist herrscht bei dem Thema betretenes Schweigen oder es wird auf ein „Mysterium des Glaubens“, das sich unserem Verständnis entzieht, verwiesen. Emanuel Swedenborg sieht in dieser Dreipersonenlehre den Ursprung

12 Unser Gottesbild GL 2/2008
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Unser Gottesbild
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für all die Misslichkeiten, ja letztlich den Untergang der verfassten christlichen Kirchen. Dadurch „sei das Licht im Wort ausgelöscht und der Herr „von der Kirche entfernt, und so deren Morgen in die Nacht hinabgestürzt“ worden. (WCR 177). Und in der Tat, in der Rheinischen Kirche, der ich angehöre, sehe ich, was das Gottesbild anbelangt, viel geistige Blindheit, ja Dunkelheit. So erklärt der Präses (Bischof) Schneider im Jahre 2007 in einem Fernsehinterview, seit den Konzentrationslagern seien Liebe und Allmacht nicht gleichzeitig bei Gott zu finden. Entweder sei Gott liebevoll, dann fehle ihm die Allmacht, das Unrecht zu verhindern oder er sei allmächtig, dann sei er lieblos. Diese Spannung müsse man als Christ aushalten. Der allseits durch das Wort zum Sonntag bekannte frühere Superintendent des Kirchenkreises Bonn, Müller, führt in einem Leitartikel in der Zeitschrift „Der Protestant“ im Dezember 2007 folgendes aus:

„Einen mächtigen Gott habe ich nirgends gesehen… Er hat auf einen Teil seiner Allmacht verzichtet. Er hat der Welt auf seine Kosten Platz eingeräumt. Darum konnte und musste sich die Welt ganz allein entwickeln, Evolution heißt das Stichwort. Darum muss auch der Mensch als Produkt dieser Evolution machen, was er will. - Die beachtliche Menge Hirn, die uns die Evolution gegeben hat, sind eine gute Voraussetzung, das Unglück in der Welt intelligent zu mindern.“ Andere Pfarrer ziehen die Botschaften der Bibel sehr ins Weltliche. Ein Kölner Pfarrer sagte in der Adventszeit: „Jesus ist der natürliche Sohn von Josef und Maria und wurde bei seiner Taufe im Jordan von Gott adoptiert. Seither hat sich Gott seiner angenommen.“ Die Christen würden so durch die Taufe, wie Jesus, zu Töchtern und Söhnen Gottes. In der katholischen Kirche werden die Heiligen vergöttert. Sie werden als Fürsprecher bei einem strengen Vatergott eingesetzt. Es herrscht die Vorstellung, durch Ablässe und gute, zeremonielle Werke Gott gnädig zu stimmen und sich Erleichterungen im Fegefeuer erwerben zu können. Der Papst wird als Stellvertreter Christi auf Erden zum „Heiligen Vater“ ausgerufen und verehrt. Da die Kirchen die im Neuen Testament angekündigte Wiederkunft des Herrn „in den Wolken des Himmels“, d.h. im Wort durch seinen Seher Swedenborg und seinen Propheten Lorber nicht anerkennen oder gar zur Kenntnis nehmen, bleibt ihnen das wahre Wesen Gottes verborgen. Sie können deshalb den suchenden Menschen innerhalb und außerhalb der Kirchen in diesem so wichtigen Punkt kein Licht bringen. Es gibt glücklicherweise Geistliche, die sich dieser Botschaft des Herrn öffnen oder die aus dem inneren Geist ihrer Verbundenheit mit dem Herrn

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heraus, die Wahrheit erkennen. Durch Swedenborg werden wir darauf hingewiesen, dass „der richtige Begriff von Gott in der Kirche wie das innere Heiligtum und der Altar im Tempel und wie die Krone auf dem Haupt“ ist „von ihm hängt auch wie eine Kette von ihrem obersten Ring der ganze theologische Organismus ab, und es erhält - jeglicher seine Stelle in den Himmeln gemäß seinem Begriff von Gott.“ (WCR 163) Ein wichtiges Wort für unser irdisches und ewiges Leben im Jenseits sagt uns der Herr durch Lorber; nach Ablegung unseres irdischen Körpers kommen wir in den Himmel, den wir uns schon auf Erden in unseren Herzen gestaltet haben. In den Liebehimmel zu Jesus können wir aber nur mit der rechten Gottesvorstellung kommen. (Geistige Sonne Bd.1 48,22) Der Herr gibt uns in wunderbarer Weise Aufschluss über Sein Wesen und Seine Absichten mit uns; „Jesus, der Gekreuzigte, ist allein Gott über alle Himmel und über alles, was den unendlichen Raum erfüllt… Er ist der Vater Seinem urewigen Liebewesen nach, der ewige Sohn Seiner Weisheit und der allein Heilige Geist Seiner unendlichen Macht, Kraft und Wirkung

nach.“ (Lorber , Robert Blum Bd.1, 126,1-5)

Es ist für unser Seelenheil wichtig, dass wir die Tiefe dieser Mitteilungen in unseren Herzen recht erfassen. Den Weg, den Jesus Christus gegangen ist, gilt es nachzuvollziehen, um den rechten Begriff vom Wesen Gottes und der Dreifaltigkeit zu bekommen. Er, der Schöpfer des Weltalls, der die Unendlichkeit erfüllt, ist auf unsere winzige Erde herabgekommen, hat durch die Jungfrau Maria das Menschliche angenommen und es durch sein Leben und Sterben am Kreuz verherrlicht und vergöttlicht, d.h. sich mit der Gottheit untrennbar für ewig vereint. Um Sinn und Zweck dieses ungeheuren Geschehens begreifen zu können ist es erforderlich, sich in die Zeit des ersten Sündenfalls von Adam und Eva zurückzuversetzen. Gott lässt uns durch Lorber einmalige wunderbare Aufschlüsse in Seine Haushaltung tun, über Ereignisse, wie sie die Menschheit bisher noch nie erfahren hatte. Die in ihrer Heiligkeit durch Adam und Eva verletzte Gottheit drohte, in einem Strafgericht die gesamte aus ihrer Liebe entstandene Schöpfung zu vernichten. Um dieses Strafgericht abzuwenden, erbarmte sich die ewige Liebe ihrer Geschöpfe und erklärte sich bereit, in der „großen Zeit der Zeiten“ (gemeint ist der Erdenwandel des Herrn) für alle am Kreuz zu

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Unter dieser später dann einzulösenden Bedingung sah die Gottheit von ihrem ursprünglichen Plan der Vernichtung ab und gewährte der Menschheit eine Art Gnadenfrist. „Als nun die ewige Liebe die Anforderungen annahm und dadurch schon im voraus der Heiligkeit Gottes Genüge tat, da ließ die Gottheit - Ihren heiligen Willen vernehmen und sprach: „Siehe, Deine große Barmherzigkeit ist in Mir aufgestiegen und ist getreten vor Meine allsehenden Augen und Ich habe erkannt in der Ruhe Meiner Heiligkeit Deine große Aufrichtigkeit und ewige Treue und habe gezählt die Reuetropfen Adams und die Trauertropfen Evas und bin mitleidig geworden durch Deine große Erbarmung durch und durch. Und siehe, daher will Ich Meine Gerichte zurückziehen in dieser Zeit und nach Deinem Verlangen Gnade für Recht ausströmen lassen in großer Fülle und will den Schaden, welchen Meine Gerichte angerichtet haben, wieder

gutmachen.“ (Lorber HGt Bd. 1 Kap. 9,24-26)

In der „großen Zeit der Zeiten“ begibt sich die Liebe in den Mutterschoß der Jungfrau Maria und kommt als kleines Menschlein Jesus mit einem materiellen Körper und einer substanziellen Seele zu Bethlehem auf unsere finstere Welt. Körper und Seele stammen wie bei allen Menschen aus den gefallenen Intelligenzspezifika, kleinste lebendige Seelenfunken aus der Sphäre Luzifers. Die Ewige Liebe hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gefallene aufzusuchen, zu läutern, ins Göttlich- Geistige zu transformieren und so wieder mit Gott zu vereinen. Sie will dadurch eine Brücke für alle gefallenen Wesen ins geistige, himmlische Reich bauen. Ein Plan, den Luzifer mit aller Macht und List zu verhindern sucht. Der Menschensohn Jesus, in dessen Seele das personale Zentrum Gottes wohnte, war deshalb auch besonderen Versuchungen ausgesetzt. Es lohnt sich hierzu die Darstellungen des Herrn bei Lorber in der Jugend Jesus (Kap. 299) nachzulesen. Es heißt dort über den Gottmenschen Jesus:

„Seine Seele war gleich wie die eines jeden Menschen und war mit um so mehr Schwächen behaftet, weil der allmächtige Gottgeist Sich Selbst in die gewaltigsten Bande legen musste, um in Seiner Seele gehalten werden zu können. Also musste die Seele Jesu auch die größten Versuchungen, Sich Selbst verleugnend, bestehen, um Ihrem Gottgeist die Bande abzunehmen, Sich damit zu stärken für die endloseste Freiheit des Geistes aller Geister, und also völlig eins zu werden mit Ihm.“ Jesus, die Liebe, wird nun gegenüber der Heiligkeit Gottes zum größten „Verbrecher und Sünder“, da er alle Sünden, die großen und die kleinen vom Anfang der Welt bis zu deren Ende auf sich nimmt. (Lorber,

Himmelsgaben Bd. 3, S. 76,2-14).

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Und nun kommt die für uns alle und die gesamte Schöpfung entscheidende Szene im Garten Gethsemane. Jesus, in dem die göttliche Liebe und Weisheit wohnt, muss sich in Kenntnis der unermesslichen Leiden und Demütigungen, die ihm Seine eigenen Geschöpfe, zufügen werden, entscheiden. Will Ich die bei der oben dargestellten Gerichtsszene der Gottheit gegebene Zusage einhalten, den dargebotenen Kelch leeren, damit Meine Schöpfung erhalten bleibt, oder will Ich ihn vorübergehen lassen, die Mission abbrechen und ins „Vaterhaus“ zurückkehren? Dann würde das seinerzeit gefällte Urteil über die Schöpfung wieder wirksam, die gesamte Schöpfung und damit auch wir Menschen wären vernichtet. Nun erfahren wir ein Geheimnis. Die Last der Entscheidung war so schwer, dass die Liebe in der unendlichen Entfernung von Gott schwach wurde. Da geschah das Wunder, Gott erbarmte sich Seiner Liebe Selbst, stärkte Sie und gebot Ihr, den bitteren Kelch zu trinken. Jesus folgte diesem Gebot bis ans Kreuz und konnte dann ausrufen: „Es ist vollbracht. In Deine Hände empfehle Ich Meine Seele.“ (Lorber, Hi. 3, S.79,15-18) Bei Lukas heißt es: „Jesus aber rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46) Wir können diese Textstellen so deuten, dass Jesus durch die Überwindung dieser letzten Versuchung (es wäre Ihm ein Leichtes gewesen vom Kreuz herabzusteigen), das seinerzeit gegebene Versprechen einhielt, wodurch Seine Seele mit dem in Ihm wohnenden allmächtigen Gottgeist sich wieder vereinigte. Die gefallenen Seelensubstanzen des Menschensohnes Jesus wurden wieder in die göttliche Ordnung gebracht, vergöttlicht, verherrlicht. Vom Ostergeschehen wissen wir, dass auch Jesu materieller Körper diesem Weg folgte, er wurde ebenfalls in die höchste Schwingungsebene des Gottgeistes erhoben. Matthäus berichtet von einem Blitz, der die Grabwächter zu Boden warf. (Matth.28.3-4) Können wir nachvollziehen, was sich geistig gesehen am Kreuz und zu Ostern wirklich abspielte, wie der Menschensohn Jesus verherrlicht wurde? Jesu Jünger, die doch drei Jahre lang mit Ihm zusammen waren, hatten damit offensichtlich Schwierigkeiten. So redete sie der Herr nach Seiner Auferstehung wie folgt an: „Was seid ihr doch blind! Wie schwer tut ihr euch zu glauben, was die Propheten vorausgesagt haben! Der versprochene Retter musste doch erst dies alles erleiden, um zu seiner Herrlichkeit zu

gelangen.“ (Lukas 24,25-26)

Was bedeutet dies Geschehen vor mehr als zweitausend Jahren für uns heute lebenden Menschen? Als Christen wissen wir, Jesus fordert uns auf,

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unser Kreuz auf uns zu nehmen und seinem Vorbild zu folgen, und den Kampf mit der Welt aufzunehmen. Was bei Ihm, in dem das Zentrum Gottes wohnte, die Verherrlichung des Menschensohnes Jesus war, soll bei uns mit dem göttlichen Geistfunken Begabte durch die Wiedergeburt erreicht werden. Nur durch diese neue Geburt „aus Wasser und Geist“ können wir in Gottes Reich

kommen. (Joh.3, 3-6)

Wir sind in Sünde geboren, Körper und Seele stammen wie bei Jesus aus dem luziferischen Bereich. Als irdische Menschen sehen und fürchten wir die Vergänglichkeit, den Tod. Daher das Bestreben, möglichst viel im Leben mitzunehmen, seien es materielle Güter, Anerkennung oder Bewunderung. Die Menschen wollen sich von dem Gedanken an die Endlichkeit des Lebens ablenken, viel erleben und genießen. Wir sind voller Unrast und Unruhe, um auch nichts zu verpassen oder zu kurz zu kommen. Unser Denken und Tun ist verunreinigt durch Eigennutz: „Was ist mit mir? Wo bleiben meine Interessen? Warum haben andere mehr als ich? Warum geht es anderen besser als mir? Warum bekomme ich nicht die Beachtung und Anerkennung, die ich verdiene. Ich bin besser, schöner, klüger, geschickter als andere. Nur wenn wir diese Welt- und Eigenliebe überwinden, den Weg der Wiedergeburt beschreiten, den Kampf mit unserem Ego aufnehmen und den Liebegeist in uns frei machen, werden wir unser himmlisches Ziel erreichen. Der erste Schritt dazu ist die Selbsterkenntnis dieser unserer Schwächen, die wir so gern verdrängen oder bemänteln, vielleicht noch nicht einmal bewusst erkennen. Es ist deshalb wichtig, sich täglich aus dem Alltagsgeschehen für eine Zeit der Besinnung und Sammlung zurückzuziehen. Es wäre aber ein Illusion zu glauben, wir könnten uns selbst aus diesen irdischen Fesseln befreien. Jesus spricht: „Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer in mir lebt, so wie ich in ihm der bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht mit mir vereint bleibt, der wird wie eine abgeschnittene Rebe fortgeworfen und vertrocknet.“ (Joh.

15,5-6)

Wir haben es nun seit der „großen Zeit der Zeiten“, dem siegreichen Gang des Herrn zum Kreuz und Auferstehung nicht mehr mit einen fernen, nicht schaubaren Gott in seiner Gerechtigkeit zu tun, sondern mit einem menschlichen Gegenüber, einem liebevollen Bruder, unserem Herrn Jesus. Die Liebesbeziehung zu Ihm gilt es zu suchen und zu vertiefen. Sie entscheidet unser irdisches und jenseitiges Leben und bestimmt die Art

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und Weise wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Zur Pflege dieser Beziehung gehört Aufmerksamkeit, Zuwendung und Zeit. In der Stille, im Gespräch mit Ihm, erhalten wir Hilfe und Stärkung auf unserem Weg. Jesus sagte zu seinen Jüngern und damit auch zu uns folgendes: „Wer mich liebt, der wird sich nach meinen Worten richten.“ (Joh. 14,23) Dies ist kein Gebot sondern eine wunderbare Verheißung, eine Zusage des Herrn auf unserem Weg der Wiedergeburt; gestärkt durch Seine Liebe werden wir es schaffen! Sobald wir uns aus dieser Beziehung entfernen, uns von weltlichen Dingen ablenken lassen, sind wir in Gefahr zu straucheln, in alte Gewohnheiten und Schwächen zurückzufallen, zu sündigen. Wir starten nun mal in diesem Leben als Kinder der Welt und es fällt schwer, davon frei zu werden. Aber auch wenn uns vieles misslingt, brauchen wir den Mut nicht zu verlieren. Der Herr kennt uns und unsere Schwächen besser als wir selbst Er liebt uns mehr als wir ahnen und wird uns, wie der Vater im Gleichnis bei der Rückkehr seines verlorenen Sohnes, mit Freuden wieder empfangen. Darauf können wir vertrauen. Wenn wir nun diese tiefen Erkenntnisse aus den Schriften der Neuoffenbarung und der Bibel über das Wesen unseres lieben himmlischen Vaters Jesus gewonnen haben, welche Einstellung sollten wir dann zu den Irrtümern, die wir in den christlichen Kirchen finden, einnehmen. Der Herr gibt uns da den Rat, das empfangene Licht in unsere abgestammte Kirche hineinzutragen: „Wer aber recht leben will, der kann es in jeder Kirche; denn eine Hauptregel ist: Prüfet alles, und das Gute davon behaltet! Wenn ihr ein Kind gebadet habt, so schüttet bloß das Badewasser weg, das Kind aber behaltet, – und das Kind ist die Liebe! Ich sage zu niemandem: Werde ein Katholik oder werde ein Protestant oder werde ein Grieche, sondern: was einer ist, das bleibe er, – wenn er will. Sei er aber was er wolle, so sei er ein werktätiger Christ, und das im Geiste und in der Wahrheit; denn jeder kann, wenn er es will, das reine

Wort Gottes haben.“ (Lorber, Erde 73,13-15)

Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, so ist‘s uns genug. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich immer noch nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater und der Vater in mir ist?

(Joh. 14,8-10)

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Von Tod und Todesnot

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Von Tod und Todesnot

Des Leibes Tod ist des Lebens letzte Not und ist gleichsam die Anheftung ans Kreuz. Wäre nicht des Leibes Tod, so ginge alles Leben verloren. Aber durch des Leibes Tod wird das Leben gesammelt und gefestet, damit es nach dem Abfalle des Leibes selbst im schlimmsten Falle doch noch als etwas bestehen kann. Die mit dem Tode verbundene, vorhergehende Angst ist eben der Akt der Vereinigung des Lebens, welches vorher nur gar zu häufig schon in alle Weltwinde zerstreut war. Daher geschieht es auch, und das überaus notwendig, dass die Weltlichen einen oft überaus bitteren Tod schmecken müssen. Denn würde solches nicht geschehen aus Meiner übergroßen Erbarmung, so würden sie vollends ewig zunichte. Und dass solche weltliche Seelen nach dem herben irdischen Tode in einen höchst unfreien Zustand kommen, ist ebenfalls wieder nur, damit ihr im Leibestode nur schwer gesammeltes Leben sich nicht wieder verflüchtige und endlich gänzlich zunichte werde. Und so ist denn selbst der angst- und qualvolle so genannte ewige Tod nichts als eine durch Meine große Erbarmung gesetzte Lebensverwahrung. Welche Menschen aber schon bei ihrem Leibesleben ihr Leben durch Selbstverleugnung, Demut und Liebe zu Mir in Mir vereinigt haben, wahrlich, diese werden von des Leibestodes Angst nicht viel verspüren. - Und wenn ihr irdisches Lebensschifflein einmal an den trüglichen Weltklippen zerstäuben wird, so wird der Wanderer schmerz- und sorglos sagen: „Ich bin mit meiner Habe im trockenen!“ Bemühet euch daher, euer Leben schon hier zu vereinen in Mir, so wird euch der Tod des Leibes dereinst vorkommen wie eine große aufgehende Sonne dem nächtlichen Wanderer an einem Meeresgestade, welches voller Klippen und Abgründe ist. Glaubet es Mir, dass es also ist, so wird niemand mehr euch den innern Frieden rauben! Das sagt der Herr des Lebens und des Todes! - Amen. Amen. Amen!

(Himmelsgaben Bd. 1 S. 336)

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HERRN Jesus Christus!“ (1. Kor. 15,55)

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Jörg Zink

Es gibt ein Ziel, das wir mit unserem inneren Menschen erreichen, in dem alles Fragen und Zweifeln zur Ruhe kommt, nicht erst in der größeren Welt, sondern mitten im Tag auf dieser Erde: die Stille der Gegenwart vor Gott, die Stille der Ruhe in Gott, die wir „Kontemplation“ nennen. „Kontemplation“, sagt der große spanische Mystiker Johannes vom Kreuz, „ist ein verborgenes, friedvolles und liebeerfülltes Einströmen Gottes.“ Es ist die von allem, was uns beschäftigen oder umtreiben mag, gelöste Betrachtung der Nähe und der Fülle Gottes. In dem Wort Kontemplation steckt das Wort „Tempel“, das ja aus dem Lateinischen kommt. Das bedeutet ursprünglich nicht ein Bauwerk, das für Gottesdienste bestimmt ist. Es meinte zunächst einen abgegrenzten, ausgemessenen Bezirk am Himmel. Einen bestimmten Ausschnitt des Sternhimmels, aus dem noch die römischen Auguren ihre Deutungen des Menschenlebens ablasen und vor ihnen die Sterndeuter der ältesten Zeit. Sie gewannen in ihrer Schau am Himmel die Einsicht in die höhere, die göttliche Ordnung, die ihnen das Maß war für das, was auf der Erde gelten sollte. Und weil es auf der Erde gelten sollte, grenzten sie auf der Erde einen entsprechenden Bezirk ab, der sein Maß hatte von dem Ausschnitt am Himmel. „Tempel“ heißt danach auch „Beobachtungsplatz“, „Ort der Schau“, „Platz des Priesters“, der den Himmel betrachtet, und auch „Gesichtsfeld“. Und erst danach wurde das Wort zum Ausdruck für ein Gebäude, in dem gefeiert wurde, was am Himmel zu sehen war: nämlich der Zusammenhang zwischen oben und unten, zwischen Himmel und Erde, die Zusammengehörigkeit von göttlicher und menschlicher Welt. Die Silbe, „kon“ bedeutet „zusammen“. Kontemplation ist also die Schau des Gemeinsamen, das der Welt, der Erde, dem Dasein und dem Menschen selbst eigen ist, die Schau der Ganzheit und der Sinnfülle, die Schau Gottes und des Menschen in ihrer dichten Verbindung. Die Welt ist eine in sich, ein Einvernehmen ist zwischen Gott und Mensch, und alles ist gut, wie es auch sei. Und alles führt zu dem Ziel, das Gott der Welt und uns Menschen gesetzt hat. Was geschieht aber dort, wo wir in den Raum der Kontemplation eintreten? Wir können es beschreiben als „Gebet“. Aber was ist das Gebet?

Dr. Jörg Zink Ev. Pfarrer und Schriftsteller
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Im Allgemeinen ist es für uns ein Reden des Herzens oder ein Reden des Mundes. Dass geredet wird, macht das Gebet aus. Und das ist gut. Wir treten, indem wir sprechen, aus uns selbst heraus und begegnen dem großen Du Gottes. Die Mühe, die wir damit haben, ist aber eben die, dass wir dabei immer etwas sagen müssen, etwas formulieren, etwas, wozu Worte fehlen, in Sprache zu fassen versuchen. Und manchmal werden die gesprochenen Gebete deshalb so leer und so formelhaft. Ich habe aber im Lauf meines Lebens mehr und mehr gefunden, dass ich auch vor Gott sein kann, ohne zu reden. Wenn ich glaube, dass Gott mein Wort hört, dann ist mein Wort im Grunde unnötig. Dann hört Gott auch, was ich denke, ohne es auszusprechen. Dann sieht Gott, was in mir ist, und nimmt mich an, wie ich, ohne Wort, vor ihm anwesend bin, mich vor ihm ausbreite, ohne mich oder irgendetwas in mir zu verbergen. Wenn Menschen um mich sind, die von mir Worte des Gebets brauchen, dann bete ich mit Worten; aber mein eigenes Gebet wurde im Lauf meines Lebens immer leiser, bis es fast nur noch in meiner wortlosen Gegenwart vor Gott besteht, einem wortlosen Hören auf das, was Gott redet, und einem wortlosen Nachsprechen dessen, was Gott mir sagt. Wir haben in unseren Betrachtungen unterschieden zwischen Gott, wie er uns als Person gegenübersteht, wie er uns hört und sieht, und Gott, wie er uns als Meer umgibt und durchdringt. Ist nun Gott uns gegenüber wie eine Person, so ist die angemessene Weise des Gebets das Hören und das Antworten, die Rede und das Gespräch. Der Ruf und der Dank. Ich nehme dann ein Wort, das von Gott kommt, auf und verlasse mich auf seine Gültigkeit. Ich verlasse mich „auf Gott“. Bin ich „in Gott“, so weiß ich mich von allen Seiten umgeben und umfangen. Ich bin an einem Ort unendlicher Ruhe und Geborgenheit. Ich verlasse mich selbst und finde mich in Gott. Ich wende mich im schweigenden Gebet von mir selbst weg in die Unendlichkeit Gottes. Ich werde weit und groß. Es gibt also ein schweigendes Gebet, das ich ein „Gebet der Weitung“ nennen könnte, und ein anderes, das „Gebet der Einziehung“: Ich mache mich klein und suche das Wort, das in mir selbst ergeht, das Gott in mir selbst spricht. Und ich versinke dabei in Gott. Damit aber begegne ich Gott nicht nur in zweierlei, sondern in dreierlei Gestalt. Ich begegne ihm als dem Vater, und ich rede schlicht zu ihm mit meinen vielen oder wenigen Worten. Ich finde ihn in Jesus Christus, der für Gott steht überall, wo ich seine Nähe und seine Unendlichkeit empfinde, und dehne mich in seine große Gestalt. Und ich finde ihn in dem Wehen des Geistes, das durch meine eigene Seele geht und das alles

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weckt und hervorbringt, das wert ist, ein Ort Gottes zu sein. Ich werde also reden, wenn ich bete. Ich werde schweigen. Und in diesem Schweigen werde ich mich ausdehnen und weit werden über die ganze Welt hin und über die Fülle ihrer Schicksale, ihrer Leiden und ihrer Mühen. Es ist das Gebet, in dem ich für alle Menschen dieser Erde und für alle Geschöpfe vor Gott bin. Und ich werde klein werden, sehr klein. Ich werde mich einziehen, ich werde aufnehmen, horchen und empfangen, mich auffüllen mit der Kraft aus dem Geist Gottes. Ich halte Gott einfach mein krankes Ich hin und wünsche mir, er möge mich berühren. Ich halte ihm mein schwaches und müdes Ich hin und wünsche mir, er möge es mit seiner Kraft füllen. Meine ungenauen und flackernden Gedanken halte ich ihm hin und wünsche mir, er selbst möge die Worte des schweigenden Gebetes in mir sprechen. Und so werde ich selbst ein in Zeit und Vergänglichkeit nicht mehr gefangener Mensch, der den Schritt in die Ewigkeit tut. Wenn ich schweigend vor Gott anwesend bin, finde ich darum auch näher zu mir selbst. Aber wichtig ist dabei nicht, dass ich mich selbst finde, sondern dass ich selbst so unwichtig werde, dass Gott in mir gegenwärtig sein kann. Und immer wird dabei, wenn es denn gegeben wird, ein Wort das Wichtige sein, das zwischen Gott und mir hin und her geht, eines, das in der Gestalt von Sprache ergeht, oder eines, das sich der Sprache entzieht. Darin liegt nichts, das selbstverständlich wäre. Es kann lange Zeiten des Schweigens und Wartens geben, in denen keine Stimme ergeht, und Zeiten, in denen es sinnlos zu sein scheint, auf ein Wort von Gott zu hoffen. Die alten Meister reden darum von den „Wüstenzeiten“, die der Betende durchwandern müsse, analog der Wüstenwanderung des Volkes Israel, die es durchstehen musste, ehe es das verheißene Land erreichte. Im Gebet ohne Worte ruhen wir im einfachen Bewusstsein: Gott ist. Er ist da. Wir denken nicht darüber nach, wer oder was er sei, sondern wurzeln ein in ihn als in einen festen Grund. Meister Eckhart hat gesagt:

„Genauso weit, wie wir in Gott sind, so weit sind wir im Frieden.“ Es liegt darin auch eine wunderbare Entlastung für unser ganzes Leben. Wir brauchen nichts Großes zu werden, wir brauchen weder berühmte noch geniale Menschen oder auch Heilige zu sein, sondern nichts als achtsame Tänzer nach der Musik Gottes. Dabei können wir erfahren, was Segen ist. Dass nämlich das Dasein leuchtet. Dass es strahlt. Dass es die starken Farben der Schönheit und der Sinnhaftigkeit trägt. Wer das einmal erfahren hat, der weiß, dass die Dankbarkeit und der Lobpreis im Grunde das einzig sinnvolle Gebet sind.

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Und dass die Freude am Dasein, die Freude an allem, was ist, aus der Dankbarkeit erwächst. Denn im Dank fügt sich das Dasein von seinen beiden Polen her. Von Gott, dem Geber der Erfahrung, und mir, dem Erfahrenden, her wird es ganz, und wir entdecken, was der Epheserbrief die „vielfarbige Weisheit Gottes“ nennt. Die Fülle des Lebens. Den Reichtum, der uns mit unserem Leben in dieser Welt gegeben ist. Die Vielfarbigkeit auch jedes einzelnen Menschen, mit dem wir zu tun haben, die Vielfarbigkeit jedes Tages, den wir auf dieser Erde zubringen. Ich könnte auch sagen: die Vielsprachigkeit Gottes, der in allem zu uns spricht. Ich könnte auch sagen: die Musik, die in allem ist, die durch alles hindurch klingt von der harmonia mundi Keplers bis zu der Musik, die ich in mir selbst höre. Und ich könnte auch sagen: Das Leben ist ein Tanz, mit dem wir Geschöpfe auf die Musik antworten, die wir hören, die durch uns hindurchgeht. Und diese Musik will uns verbinden mit allen Menschen, auch den Andersdenkenden, den Andersglaubenden, den Anderslebenden. Unser Tanz aber wird sich um die eine Mitte bewegen, die wir Gott nennen, von dem die Musik dieses Daseins ausgeht. Den Weg des schweigenden Gebets nennen die Mystiker die „unio mystica“, das innerste Einssein mit Gott. Dieses innerste Einssein ist nicht so sehr ein himmlisches Ziel, in ihm liegt vielmehr der Sinn unseres Weges auf dieser Erde. In diesem innersten Einssein rühmen wir Gott. „Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott“, sagt der Psalm

(84,3).

Unser Auge ist offen, und wir schauen. Unser Auge aber und das, was es schaut, sind eins. „Wir schauen, und wir werden verwandelt in das, was wir schauen“, sagt Paulus (2. Korinther 3,18). Die Geistes- und Kunstgeschichte der Religionen haben immer wieder versucht, für Gott ein Symbol zu finden, das zugleich zeigt, wie Gott die Mitte und zugleich das Umgreifende allen Seins sei. Sie zeigten sein Geheimnis als Kreis, als Rad, als Rose oder Rosette. Gemeinsam ist diesen Bildern der Gedanke, Gott sei ebenso im noch so kleinen Zentrum der Dinge wie in der Peripherie der Welt gegenwärtig, er ruhe in sich und bewege doch alles, er sei fasslich und unfasslich zugleich. So stehen über den Portalen vor allem der französischen Kathedralen die großen Rosetten, oft so gestaltet, dass sie einer Blume mit zwölf Blütenblättern oder einem Stern mit zwölf Strahlen gleichen. Und wenn wir Dante auf seinem Weg in die obere Welt, in die Herrlichkeit Gottes begleiten, sehen wir mit ihm, wie Gott sich dem geistigen Auge öffnet wie eine riesige, leuchtende Rose mit unendlichen Blättern. Wenn das geschieht, schließt sich für uns endgültig der große, volle

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Kreisbogen und gibt uns eine leuchtende Ahnung von dem, was sein wird, damit wir Gelassenheit und Gewissheit finden auch in unserer Sorge um diese Erde und um die Menschen auf ihr. Da bleibt nur die Anbetung, das Sein in Gott. Da lassen wir, was unsere Gedanken bewegt, in Gott ruhen. Da lassen wir alle Bilder, die uns vor Augen stehen, einsinken in Gott. Da geben wir, was wir über das Gottesreich gedacht haben, Gott zurück, wie Christus am Ende das Reich ihm zurückgeben wird (1. Korinther 15,27-28). Da legen wir unsere Fragen und Sorgen Gott in die Hände und nehmen aus seinen Händen wieder, was er uns als seine Antwort zugedacht hat. Paulus sagt einmal: „Was aber kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ (1. Korinther 2,9) Was kein Auge sieht und kein Ohr vernimmt, was kein Herz sich erdenkt, das macht Gott aus denen, die sich seiner Liebe anvertrauen. Sie tun dies und versuchen jenes und wissen, dass das Geringe, da und dort in aller Einfachheit getan, die Welt vom Tode zum Leben bringt. Und wenn uns eines Tages — nach allen Schrecknissen dieses Jahrhunderts — wieder und noch schrecklicher das Grauen überfällt, das Geschrei des Krieges und der tausendfache ökologische Tod, dann gebe Gott, dass der große leuchtende Bogen, das Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen, vor unseren Augen über der Erde stehen bleibt als Zeichen einer Rettung, auf die wir durch alles, was geschieht, hindurch zugehen. Ich werde einmal sterben. Vielleicht ist es gar nicht so lange bis dahin. Aber das Ganze der Welt wird leben, solange Gott es mit Leben segnet. Auch ich werde weiterleben, in einer anderen Gestalt und mit einer anderen Leiblichkeit. Meine Seele hatte einen Körper, der aus allem bestand, was in dieser Welt lebt und ist. Die ganze Erde war mein Körper. Und ich werde wieder eine Welt als meinen Körper empfangen. Man mag sie „geistig“ nennen, aber das würde vermutlich irreführen. Gott wird mir wieder einen Segen zusprechen und sagen: Lebe! Sei lebendig und tu' das Deine in der größeren Welt, die ich dir zeige.

(Quelle: Jörg Zink - Dornen können Rosen tragen, Mystik, die Zukunft des Christentums, Kreuz-Verlag)

„Ihr seid bisher noch nicht zur Ruhe gekommen noch zu dem Erbteil, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“

(5. Mos. 12,9)

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Damit Gott in der Seele ruhen kann

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Damit Gott in der Seele ruhen kann

Miguel de Molinos (1628-1696)

Damit Gott in der Seele ruhen kann, muss das Gemüt in allem Ungemach, Versuchungen und Leiden in Ruhe erhalten werden.

Du sollst wissen, dass deine Seele das Zentrum, die

Miguel de Molinos Span. Priester und Mystiker
Miguel de Molinos
Span. Priester und
Mystiker

Wohnung und das Königreich Gottes ist. Damit nun der Beherrscher dieses Reiches auf dem Throne deiner Seele ruhen kann, solltest du dich bemühen, denselben rein, ruhig, leer und friedvoll zu erhalten; rein von Schuld und Fehlern; ruhig vor Befürchtungen; leer von Leidenschaften, Begierden, Vorstellungen und friedvoll in Versuchungen und Trübsalen. Du sollst dein Herz daher stets in Frieden erhalten, damit der Tempel Gottes rein bleibt und sollst mit einem rechten und reinen Vorsatz arbeiten, beten, gehorchen und dulden, ohne im mindesten beunruhigt zu werden, bei allem, was Gott gefällt, dir zu schicken. Denn sicherlich wird Gott dem neidischen Erzfeind zulassen, die Stadt des Friedens und den Thron der Seele durch Versuchungen, Einflüsterungen und Beschwerden zu beunruhigen, vermittelst der Kreaturen, durch quälende Sorgen, kränkende Verfolgungen usw. Sei standhaft und gefassten Sinnes, was für Pein solche Leiden dir auch bereiten mögen. Unterziehe dich ihr willig, damit du sie zu überwinden vermagst, denn die göttliche Kraft ist in ihr verborgen, welche dich verteidigt, beschützt und für dich kämpft. Wenn jemand eine sichere Burg besitzt, so ist er nicht beunruhigt, obgleich ihm seine Feinde nachstellen, weil deren Absichten vereitelt werden, da er sich ja in die Burg zurückziehen kann. Die starke Festung, welche dich über alle deine sichtbaren und unsichtbaren Feinde, wie über deren Ränke und Kränkungen triumphieren lassen wird, befindet sich in deiner eigenen Seele, weil in ihr die göttliche Hilfe und des Herrn Beistand wohnt. Ziehe dich in sie zurück und alles wird still, ruhig, sicher und friedevoll sein. Es sollte dein vornehmstes und unausgesetztes Bestreben sein, jenen Thron deines Herzens zu beruhigen, damit der höchste Herrscher darauf verweilen kann. Der Weg dazu wird sein, in dich selbst, durch innerliche Sammlung, einzukehren; dein ganzer Schutz soll das Gebet und eine liebreiche Sammlung in der göttlichen Gegenwart sein. Wenn du dich heftiger angegriffen siehst, ziehe dich in jene Region des Friedens zurück, wo du die Festung finden wirst. Wenn du dich schwächer fühlst, nimm deine Zuflucht zum Gebet, der einzigen Waffe zur Überwindung des

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Feindes und zur Linderung der Trübsal. Du solltest im Sturm nicht fern von ihm sein, damit du, ein zweiter Noah, Ruhe, Sicherheit und Klarheit erfahren kannst, und damit dein Wille gelassen, ergeben, friedfertig und mutig zu werden vermag. Sei endlich nicht bekümmert noch entmutigt, wenn du dich kleinmütig siehst. Er kehrt wieder zu dir zurück, um dich zu besänftigen, damit er dich aufs neue bewegen (anfeuern) kann, weil der göttliche Herr mit dir allein sein will, um in deiner Seele zu ruhen und darin einen reichen Thron des Friedens zu errichten, damit du in deinem eigenen Herzen, vermöge innerlicher Sammlung und durch seine himmlische Gnade, nach Stille in Erregung, Einsamkeit in Gesellschaft, Licht in Dunkelheit, Vergessenheit in Bedrückungen, Stärke in Verzagtheit, Mut in Furcht, Kraft in Versuchung, Friede im Streit und Ruhe in Trübsal ausblicken kannst.

Wenn sich die Seele auch von der eigenen Verstandestätigkeit ledig fühlt, sollte sie doch im Gebet ausharren und nicht bekümmert sein, weil dies ein größeres Glück für sie ist.

Du wirst dich, gleich allen anderen Seelen, welche vom Herrn zu dem inneren Wege berufen sind, voll Verwirrung und Zweifel finden, weil du im Gebet der Unzulänglichkeit deiner Verstandeskraft gewahr geworden bist. Es wird dir scheinen, dass Gott dir nicht mehr wie früher beisteht; dass die Ausübung des Gebets nicht in deiner Macht steht; dass du lange säumst, bevor du mühsam und mit vieler Schwierigkeit ein einziges kurzes Gebet, wie du gewohnt, sprechen kannst. Dieser Mangel, dich in verstandesmäßiger Überlegung zu ergehen, wird in dir große Verwirrung und Unruhe hervorbringen! Und wenn du in solch bedenklicher Lage nicht einen geistlichen Vater hast, der erfahren ist auf dem mystischen Wege, wirst du gewiss glauben, dass deine Seele in Unordnung sei und du zum Schutze deines Gewissens einer Beichte bedürfest. Damit erreichst du aber nichts als Scham und Bestürzung. Ach, wie viele Seelen sind zu dem inneren Wege berufen, und werden durch die geistlichen Väter, aus Mangel an Verständnis, auf ihrer Bahn gehemmt und ins Verderben geführt, anstatt von ihnen geleitet und vorwärts gebracht zu werden. Um nicht abfällig zu werden, wenn du im Gebete des eigenen Denkens und Erwägens ermangelst, solltest du davon überzeugt sein, dass dies dein größtes Glück ist, weil es klar bezeugt, dass der Herr dich durch Glauben und Stillschweigen in seine göttliche Gegenwart kommen lassen will, was der nützlichste und leichteste Pfad ist. Bedenke doch, dass die Seele mit einfältigem Hinschauen oder innigem (liebevollem) Aufhorchen auf Gott,

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gleich einem demütigen Bittsteller vor ihrem Herrn erscheint, oder wie ein unschuldiges Kind, welches sich an den süßen und sicheren Busen seiner treuen Mutter wirft. Gerson drückte dies so aus: „Obgleich ich 40 Jahre mit Lesen und im Gebet verbracht habe, konnte ich doch niemals etwas Wirksameres noch Kürzeres ausfindig machen, um zur mystischen Theologie (Theosophie) zu gelangen, als dass unser Geist in Gottes Gegenwart gleich einem kleinen Kinde oder einem Bettler werden sollte.“ Diese Art zu beten ist nicht allein die leichteste, sondern auch die sicherste, weil sie von der Tätigkeit der Vorstellung, welche immerdar den Fallstricken des Bösen ausgesetzt ist, sowie von den Übertreibungen der Schwermut und Grübelei, worin sich die Seele leicht verfängt und (in Spekulation vertieft) über sich selbst nachbrütet, entbunden ist. Als es Gott gefiel, seinen Feldherrn Moses (2.Mose Kap.24) zu unterweisen, und ihm die zwei in Stein geschriebenen Gesetzestafeln zu übergeben, berief er ihn auf den Berg, welcher zu der Zeit, da Gott mit Moses dort verweilte, verfinstert und mit dicken Wolken umhüllt war. Nachdem Moses sieben Tage hindurch, ohne zu wissen was er denken und sprechen sollte, untätig gewartet hatte, befahl ihm Gott, auf den Gipfel des Berges hinaufzusteigen, wo er ihm seine Herrlichkeit enthüllte und reichen Trost spendete. So lässt Gott, wenn er nach einer außergewöhnlichen Leitung die Seele in die Schule der göttlichen und liebevollen Belehrung über das innere Leben einführen will, diese in Dunkelheit und Dürre wandeln, damit er sie näher zu sich heraufzuziehen vermag. Denn die göttliche Herrlichkeit weiß sehr wohl, dass eine Seele nicht durch eigene Entschließung zu ihm empordringt, sondern durch ruhige und demütige Ergebung. Der Patriarch Noah gab hiefür ein bedeutsames Beispiel. Er wurde von allen Menschen als Narr angesehen, weil er inmitten des tosenden Meeres, welches die ganze Erde überflutete, ohne Segel und Ruder schwamm. Von wilden Tieren umgeben, welche in der Arche eingeschlossen waren, zog er durch seinen Glauben allein hinaus, ohne zu wissen, was Gott mit ihm zu tun gefallen würde.

Was dir vor allem frommt, o freigewordene Seele, das ist Stand-

haftigkeit, nicht abzulassen vom begonnenen Gebet, obgleich du dabei dein eigenes Denken beherrschen musst. Verharre in festem Glauben und heiligem Frieden, deinem Ich mit all seinen natürlichen Bestrebungen absterbend, im Vertrauen, dass Gott, welcher unveränderlich derselbe bleibt, niemals irren kann und nur dein Bestes im Auge hat. Es ist klar, dass derjenige, welcher sich selbst abstirbt, dies notwendigerweise schmerzlich empfinden muss. Aber wie wohl ist die Zeit angewendet

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worden, wenn die Seele tot, stumm und ergeben in Gottes Gegenwart ist, um ohne Unruhe und Zerstreutheit die himmlischen Eingebungen zu empfangen. Die Sinne sind für die göttlichen Gnadengaben nicht empfänglich; willst du daher weise und glücklich sein, so sei still und beständig, glaube und dulde, und schreite vertrauensvoll vorwärts. Es ist dir weit besser, Frieden zu halten und dich von Gottes Hand führen zu lassen, als dich

aller Güter dieser Welt zu erfreuen. Und ob es dir gleich scheinen mag, als ob du bei alledem nichts tust und müßig bist, so ist dies doch von

unendlichem Nutzen. Schaue das blinde Tier an, welches das Rad der Mühle dreht, wie es, ohne zu sehen oder zu wissen was es tut, doch ein nützliches Werk mit dem Mahlen des Kornes verrichtet. Wenn es auch nicht davon kostet, so empfängt doch sein Herr die Frucht und genießt von ihr. Wer sollte, während der langen Zeit, da der Same in der Erde schlummert, nicht glauben, dass derselbe zugrunde gegangen sei? Und doch sieht man die Saat nachher aufgehen, wachsen und sich vermehren. Das gleiche lässt Gott mit der Seele geschehen, wenn er ihr das eigene, überlegende Denken nimmt. Während sie glaubt, müßig und gleichsam vernichtet zu sein, kommt sie nach gewisser Zeit wieder zu sich selbst, veredelt, frei und vollkommen, ohne jemals auf eine so große Gnadengunst gefasst gewesen zu sein.

Hüte dich darum, dich selbst zu quälen oder abfällig zu werden, wenn du durch dein eigenes Denken dich im Gebete nicht emporschwingen

kannst. Dulde, bleibe ruhig und ergib dich in Gottes Gegenwart. Harre standhaft aus und vertraue auf seine unendliche Güte, welche dir stetigen Glauben, wahre Erleuchtung und himmlische Gnade zu verleihen vermag. Wandle, gleich als ob deine Augen verbunden wären, ohne zu denken und

zu überlegen. Gib dich in seine gütigen, väterlichen Hände, mit dem festen Vorsatz, nichts zu tun, was nicht nach seinem göttlichen Willen und Gefallen ist. Es ist die gemeinsame Überzeugung aller heiligen Männer, welche über den Geist und alle anderen mystischen Gegenstände geschrieben haben, dass die Seele vermittelst der Betrachtung und Verstandestätigkeit nicht zur Vollkommenheit und Vereinigung mit Gott gelangen kann, weil diese nur am Anfange des geistigen Weges förderlich sind, um einen gewissen Grad von Kenntnis über die Schönheit der Tugend und die Hässlichkeit des Lasters gewinnen zu können. Dieses Wissen kann nach der Meinung der heiligen Theresa innerhalb sechs Monaten, und gemäß des heiligen Bonaventura in zwei Monaten erworben werden.

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Ach wie bedauernswert sind in dieser Beziehung unendlich viele Seelen, welche von Beginn bis zum Ende ihres Lebens mit bloßem Nachgrübeln beschäftigt sind, und sich ganz auf ihren Verstand beschränken; und das obwohl der allmächtige Gott sie des eigenen Denkens beraubt, um sie zu einem anderen Zustand zu erheben und zu einer vollkommeneren Art der Anbetung heimzuführen. Sie aber bleiben viele Jahre unvollkommen und bleiben im Anfang stecken, oder kommen nur einen Schritt auf dem Wege des Geistes voran. Sie quälen ihren Verstand mit dem Suchen nach Örtlichkeit und Zeit, mit Einbildungen und angestrengten Erwägungen, indem sie Gott, welcher doch in ihnen selbst wohnt, stets außerhalb suchen. Darüber beklagte sich der heilige Augustinus, als ihn Gott auf den mystischen Weg brachte, indem er zu der göttlichen Allmacht sprach:

„Umherirrend wie ein verlaufenes Schaf, suchte ich dich, o Herr, während du in mir selbst weiltest. Ich mühte mich ab, außen nach dir zu suchen, und doch hast du deine Wohnung in mir, wenn ich nach dir verlange und an dich denke. Ich wanderte durch die Strassen und Plätze dieser Welt, um dich zu suchen, und fand dich nicht, weil ich vergebens draußen nach Ihm forschte, der doch in meinem Inneren war.“

Der Doktor Angelicus, St. Thomas, mag (ungeachtet seiner bedeutsamen Schreibweise) doch derjenigen zu spotten scheinen, welche mit Vernunftschlüssen immer außen nach Gott forschen, während er doch

in ihnen selbst gegenwärtig ist. Dieser Heilige sagt: „Es herrscht eine große Blindheit und maßlose Torheit in jenen, welche unablässig Gott suchen, fortwährend nach Gott seufzen und Gott täglich im Gebet anrufen, während sie (nach den Worten des Apostels) selbst der lebendige Tempel Gottes und seine wahre Wohnung sind, da in ihrer Seele der Sitz und Thron des Höchsten sich befindet, wo er

immerwährend verweilt. Wer anders als ein Narr wird daher nach einem Werkzeug draußen suchen, welches er sich erinnert, im Hause selbst eingeschlossen zu haben? Oder wer kann sich an der begehrten Nahrung erquicken, ohne von ihr zu kosten. Gerade so ist das Leben von einigen tugendhaften Männern, welche immer forschen und sich des Besitzes niemals wirklich erfreuen. Deshalb ist all ihr Tun unvollkommen.“ Es ist gewiss, dass unser Herr Jesus Christus die Vollkommenheit allen lehrte, und alle zur Vollkommenheit gelangen lassen will, besonders die Unwissenden und Einfältigen. Diese Wahrheit bezeugte er dadurch deutlich, dass er zu seinen Aposteln geringe und unwissende erwählte, indem er zu seinem ewigen Vater sagte: „Ich danke dir, o Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du diese Dinge vor den Weisen und Klugen

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verborgen und den Kindern offenbart hast.“ Es ist gewiss, dass diese, wenn sie auch nicht durch scharfsinnige Überlegungen und spitzfindige Untersuchungen zur Vollkommenheit gelangen können, doch ebenso wohl wie die gelehrtesten Männer fähig sind, diese zu erwerben und zwar durch Eingabe ihres Willens, worin sie hauptsächlich besteht. Der heilige Bonaventura belehrt uns, keine Vorstellungen von irgendetwas zu bilden, auch nicht von Gott, weil es Unvollkommenheit ist, Darstellungen, Bilder und Ideen, wie fein und geistreich sie auch immer seien, entweder von dem Willen, der Güte oder von der Dreieinigkeit und Einheit zu machen; ja sogar von dem göttlichen Geiste selbst - in Rücksicht darauf, dass alle diese Sinnbilder, obgleich sie Gott ähnlich erscheinen, doch nicht Gott sind, welcher über jedes Bild und Gleichnis erhaben ist. Weiter sagt der Heilige: „Wir dürfen hier nicht an etwas Erschaffenes oder Himmlisches noch auch Göttliches denken, weil diese Weisheit und Vollkommenheit nicht durch feines und zielbewusstes Forschen, sondern nur durch die Sehnsucht und Hingabe des Willens erlangt werden kann.“ Der heilige Mann kann nicht klarer sprechen; und würdest du dich beunruhigen und vom Gebet ablassen, weil du nicht weißt oder nicht zu sagen vermagst, wie du dich darin emporschwingen kannst, obgleich du einen guten Willen, starkes Verlangen und eine reine Absicht hast? Wenn die jungen Raben, welche von den Alten verlassen worden sind (weil diese, da sie keine schwarzen Federn an ihnen sahen, sie für unecht hielten), von dem Tau des Himmels ernährt werden, damit sie nicht zugrunde gehen; was wird er tun, um Seelen zu erlösen, obgleich sie nicht sprechen und denken können, wenn sie nur glauben, vertrauen und ihr Antlitz zum Himmel emporwenden, um ihre Wünsche zu verkünden? Ist es nicht gewisser, dass Gottes Güte für sie sorgen und ihnen die notwendige Speise geben wird? Es ist offenbar ein großes Martyrium und keine geringe Prüfung des Herrn für die Seele, welche sich der früheren Sinnesfreuden beraubt findet, mit innigem Glauben allein, die dunklen und verlassenen Pfade der Vollkommenheit zu wandeln, welche sie nichtsdestoweniger niemals anders, als durch diese schmerzvollen aber sicheren Mittel erreichen kann.

Deshalb bemühe dich, standhaft zu sein und nicht abfällig zu werden,

obgleich du des eigenen Denkens im Gebet ermangelst. So glaube zu dieser Zeit fest, sei sanft und gelassen, und harre geduldig aus, wenn du wünschest glücklich zu sein und zu der göttlichen Vereinigung, erhabenen Ruhe und zum höchsten innerlichen Frieden zu gelangen.

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Vom Wesen der Fürbitte

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Vom Wesen der Fürbitte

„Wenn du siehst, dass da irgendein wie immer geartet armer Bruder oder auch Schwester wandelt, das heißt, dass er entweder arm ist am Leibe durch die Schwäche oder gar gänzliche Unbrauchbarkeit eines und des andern Sinnes, oder dass er arm ist im Herzen, arm an der Liebe, arm in der Kraft zur Tat, arm am Willen, arm in der Einsicht, arm am Verstande oder ganz verarmt am Geiste und an allem, was des Geistes ist, und du erbarmst dich seiner aus der Liebe deines Herzens zu Mir und daraus erst zum Bruder oder zur Schwester, siehe, dann ist dein Erbarmen ein vollkommenes, da es dann schon eine Aufnahme Meiner großen Erbarmung ist auf gleiche Art, als so der Wind zieht durch den Wald und bewegt da die Bäume und rührt jegliches Blättchen am Baume, darum dann jegliches Blättchen fächelt und durch das Fächeln auch einen eigenen kleinen Wind zuwege bringt, welcher vom allgemeinen großen Winde aufgenommen wird also, als wäre er im Verhältnisse zu ihm wirklich etwas. Du wirst aber auch schon öfters bemerkt haben, wenn der Wind geht, dass er da auch die dürren Blätter rührt; allein, da sie dürre sind und darum steif und tot, so halten sie den Zug des Windes nicht aus, brechen bald vom Zweige und flattern dann tot zur toten Erde nieder. Und führt sie der große Wind auch eine Zeitlang mit, so senken sie sich nach und nach aber doch dahin, wo die Vernichtung ihrer harrt! Das Blatt des Baumes hat solche Bestimmung; aber nicht also der Mensch! Wehe ihm aber, so er am Baume des Lebens ist dürre geworden; wahrlich, er wird seiner Vernichtung nicht entgehen! Solches aber ist zu entnehmen dem Gleichnisse, dass nur der Lebendige zur lebendigen Erbarmung gerührt werden kann durch Meine große Erbarmung; seine Erbarmung wird somit von Meiner aufgenommen, als wäre sie etwas. Gleichwie aber der Wind aufnimmt das gefächelte Lüftchen des Blattes und, es alsdann mit sich führend, es seine Mitblätter bespülen lässt, also auch verhält es sich mit der Erbarmung des Menschen gegen seinen Mitmenschen, darum da ein Bruder dem andern so viel tun soll, als er kann aus der lebendigen, ja von Mir aus und durch Mich lebendigen Liebe heraus, und Ich werde dann seine Tat und seine Fürbitte also ansehen, als wäre sie etwas vor Mir! Siehe, wenn also der Wind geht, so nimmt er deinen Hauch mit, als wäre er etwas! Aber meinst du wohl, dein Hauch werde entweder den Wind verstärken oder ihm wohl gar eine andere Richtung geben?! O siehe, solches vermag wohl der Hauch aller lebenden Menschen

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zusammengenommen nicht! Denn der mächtige Wind kommt, niemand der Menschen weiß es, woher; und wohin er zieht, weiß auch niemand, sondern allein seine ordnungsmäßige Richtung lässt er aus seinem Zuge dich gewahren. So du hauchst mit der Richtung, da wird dein Hauch aufgenommen und mitgeführt werden; hauchst du aber eigenmächtig dem Zuge entgegen, da wird dein Hauch zurückgestoßen werden und wird sich brechen an deinem eigenen Munde und also ersticken helfen dein eigenes Leben! So du an einem Strome weinst und Tränen des Mitleids entfallen deinem Auge, wahrlich, auch sie werden, hast du deine Tränen fallen

lassen ins Wasser des Stromes, dass sie darum eins geworden sind mit des Stromes Wasser, dem Meere der Erbarmung zugeführt werden! Wenn aber jemand auch weinen möchte am Strome, hätte aber nicht beachtet des Stromes Wasser und ließe seine Tränen fallen auf des Stromes Ufersand, werden solche Tränen wohl auch gelangen in das Meer?! Siehe, wer da Mich zu einer Miterbarmung durch seine Fürbitte zu bewegen wähnt, ist der nicht noch dümmer als einer, der da der Meinung wäre, wo er immer eine Träne geweint hat, müsse das Meer hinkommen und da seine Träne aufnehmen, ohne nur im Geringsten zu beachten, was das Meer ist, und wohin ohnedies sogar jegliches Bächlein seine Richtung nimmt?! Wer aber sich durch Mich bewegen lässt, der ist mit seiner Erbarmung in der Ordnung, und seine Tränen fallen schon sogleich ins Meer! Wer hat denn dann bei Mir vorgebeten oder Mich bewogen, euch zu erschaffen, als außer Mir noch nichts war?! Oder bin Ich etwa seitdem härter geworden und liebloser, darum Ich Mich durch Meine Geschöpfe sollte zu etwas bewegen lassen?! O siehe, dessen hat es wahrlich nicht vonnöten, wohl aber dessen, dass Meine Kinder sich von Mir bewegen lassen in ihren Herzen und Mich aufnehmen in der reinen Liebe, dann des Zuges Meiner großen Erbarmungen achten und sodann lebendig mitbarmherzig werden! Siehe,

das ist Mein Wille!“

(Haushaltung Gottes Bd. 1, Kap. 172,19-29)

„So ermahne ich euch nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit, auf dass wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

(1. Tim 2,1)

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Aus meines Herzens Grunde

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Aus meines Herzens Grunde

Mystische Motive im protestantischen Kirchenlied

Gerhard Wehr

Seit Martin Luther verfügt die evangelische Christenheit über einen viel gepriesenen großen Schatz an Liedern. Unzählige Gesangbuchausgaben sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden, um das „mit Herz und Mund“ Gesungene und Gebetete für den Gottesdienst wie für die private Andacht griffbereit zu halten. Aber nur wenige sind sich der Tatsache bewusst, dass sich in vielen Liedversen eine eigenständige mystische Frömmigkeitshaltung manifestiert. Da kommen Menschen zu Wort, die jeweils einer bestimmten Erfahrung teilhaftig geworden sind und die das Empfangene nicht für sich behalten können. Oft sind es Verse, die über das persönliche Zeugnis der Dichter hinaus in die meditative „Innerung“ hineinführen, so dass man auch auf diese Weise, eben singend, betend, betrachtend an „protestantischer Mystik“ in individueller Weise teilhaben kann. Die nachfolgenden ausgewählten Beispiele sind als Anregung für die eigene Spurensuche gedacht. Da ist freilich mit der Beobachtung zu rechnen, dass Lieder, die noch vor ein oder zwei Generationen zum Grundbestand des protestantischen Liedgutes gezählt wurden, dem heutigen Lebensgefühl und Frömmigkeitsempfinden fremd geworden sind, sodass sie aus dem Gesangbuch verschwunden und durch „moderne“ Lieder ersetzt wurden, in der Regel unter Verzicht auf eine mystische Note. Der damit eingetretene Verlust ist nicht zuletzt darin zu sehen, dass der bislang selbstverständliche Rückbezug auf die christliche Gesamttradition nahezu vollständig verloren ging. Das Verlangen nach spirituellem Erleben, nach Wandlung und nach echter Selbst- Verwirklichung wird zwar von immer mehr Menschen erfahren und die mystisch ausgerichtete Spiritualität hat in der Folge der Meditationsbewegung so etwas wie eine Renaissance erlangt. Aber dieses auch von der jungen Generation mitgetragene Bestreben hat sich in den neuen Liedtexten noch nicht in angemessener Weise niedergeschlagen. An der Spitze der vom Geistfeuer der Mystik ergriffenen Liederdichter steht zweifellos der Theologe Paul Gerhardt (1607-1676). Im Zeitalter des Dreißigjährigen Kriegs hat der leidgeprüfte Mann die Christenheit für die Feier aller Feste des Kirchenjahres mit Gedichten beschenkt, die zu den eindrucksvollsten der Barocklyrik gezählt werden. Welche Tiefe er zu erreichen vermochte, zeigt sein Weihnachtslied „Ich steh an deiner

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Krippen hier, o Jesu, du mein Leben“, dem der Dichter „Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut“, seine Lebensganzheit hingeben will. Dann setzt er in der zweiten Strophe zu einer überaus kühnen, keine paradoxe Formulierung scheuenden Betrachtung an: Das Jesuskind in der Krippe, vor dem der andächtige Betrachter steht, ist mit einem Male der präexistente, vor allem Sein wirkende göttliche Logos von Johannes Kap.

1 („Im Urbeginn war das Wort ...

“).

Und dieses weltschöpferische Wort

„Gott“, ist es, das vor die Existenz des Betrachters zurückgreift, sich für ihn - vor aller Zeit - entschieden hat, um sich diesem noch gar nicht existierenden Menschen zu eigen zu geben:

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt' erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.

Daran schließt sich die 3. Strophe mit der überwältigenden Grenzerfahrung an: Ich lag in tiefster Todesnacht. Sie wird überstrahlt - vom Anblick eines Neugeborenen, der zugleich als das „Licht der Welt“ somit ein einzigartiges kosmisches Ereignis darstellt, das dem Menschen

gilt: Du wärest meine Sonne

Dann kommt wieder der Betrachter des

...

Aber dieses

... Neugebornen zu Wort: Ich sehe mich mit Freuden an

freudig erstaunende Hinsehen wandelt sich alsbald in stille Anbetung. Dahinein bricht sogleich die Sehnsucht nach dem Umfassenwollen, nach liebender Umarmung, wie wir sie von der mittelalterlichen Brautmystik kennen. Gleichzeitig wird der Dichter inne, dass diese personale Vorstellung seinem Verlangen ganz unangemessen ist, dass sie das

menschliche Vermögen sprengt. Deshalb:

O dass mein Sinn ein Abgrund wär, und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!

Schließlich lenkt er seine Gedanken auf die konkreten Möglichkeiten einer spirituellen Vergegenwärtigung des vor der Krippe Erlebten hin, wenn er hofft, dass er für und für in der Christusnähe leben, als Christophorus d.h. als ein Christusträger, existieren möge:

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen:

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dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege dich hinein mit allen deinen Freuden!

Und nicht nur mit seinen Freuden, sondern in gleich intensiver Weise mit seinen Leiden. Insofern korrespondiert das Weihnachtslied mit einer Strophe aus Paul Gerhardts Passionslied „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ (Joh. 1,29), in dem es analogerweise heißt:

Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen. Dich will ich stets gleichwie du mich mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht und wann mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben.

Daran ist ein Gelöbnis geknüpft, das auch von anderen Mystikern - etwa Heinrich Seuse oder auch Gerhard Tersteegen - auf eine je eigentümliche Weise vollzogen worden ist, wenn es heißt:

Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiermit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben.

Unter der Vielzahl der Liedtexte Paul Gerhardts sind eine auffallend große Zahl der Passion Christi gewidmet. Der bekannteste ist zweifellos O Haupt voll Blut und Wunden, wenngleich die sinnende, anbetende Betrachtung des Blutes und des Leibes Christi dem heutigen Menschen Probleme bereiten dürfte, - und sei es, weil die millionenfache Leid- und Todeserfahrung unserer Tage anderer Bilder und Symbole bedarf, etwa solcher der Todesüberwindung, der Auferstehung und des Ewigen angesichts des Vergänglichen. Was den Dichter anlangt, so folgt er hier lateinischen Vorlagen. Man vermutete als Autor lange Zeit den Zisterzienser-Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Unbestritten aber ist, dass sich Gerhardt mit den Schriften Johann Arndts („Vier Bücher vom wahren Christentum“) vertraut machte, der seinerseits mit Inhalten der mittelalterlichen Mystiker und Mystikerinnen lebte. Bei diesem seinem lutherischen Kollegen konnte er den Hinweis finden, den er in seinem Liedschaffen beherzigt hat: Durch das Anschauen des gekreuzigten Christus wird das Gebet erwecket. Auch das Motiv der innerlich

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anschauenden Übung, das wir von Ignatius von Loyola („Exercitia Spiritualia“) her kennen, konnte der Dichter bei Arndt finden:

Denn was ist's, dass du an das heilige Leiden deines Herrn gedenkest in einer erloschenen, blinden Liebe, bringst aber Christi Leiden nicht in die

Übung

...

So wirst du Christum nimmermehr recht sehen können, noch

seine Wirkungen in dir empfinden.

Um eine erfahrende Teilnahme ging es also, weil der Weg des mystisch

verstandenen Christus mit dem Weg des Menschen aufs innigste korrespondiert:

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben.

Der Gerhardt-Biograph Christian Bunners deutet in die gleiche Richtung: „Aus dem meditativen Schauen lässt Gerhardt den Glaubenden ein wahres Bild seiner selbst gewinnen. Wirklicher Bewusstseinswandel

hat ein Erschrecken über das eigene Ich zur Voraussetzung: Ich bins, ich

sollte büßen ...

Doch wer sich dem Leiden Christi singend verbindet, dem

vermittelt sich auch die Lebensgemeinschaft mit Christus“:

Ich bin, mein Heil, verbunden all Augenblick und Stunden dir überhoch und sehr.

Eine solche, „mein Lebetage“ andauernde Verbundenheit mit dem inneren Christus ist es also, und nicht etwa nur hie und da auftretende ekstatische Seelenaufschwünge, Visionen oder Auditionen, die die christliche Mystik ausmachen. Der konkrete Lebensvollzug im Alltag mit allem, was das Menschsein in seinen Höhen und Tiefen bestimmt, gehört immer dazu. Blickt man nach Halle und zu dem hallschen Pietismus, dann findet man auch dort vielfältige Beispiele einer nach innen gerichteten Frömmigkeit. August Hermann Francke (1663-1727), der vielseitig Tätige, hat als der Begründer dieser Richtung zu gelten. In seinem geistlichen Lied Gottlob, ein Schritt zur Ewigkeit / ist abermals vollendet bringt er Motive der Brautmystik zum erklingen. Besungen wird der ersehnte Bräutigam und die Vermählung mit ihm. Naturgemäß ergeht dieser Ruf angesichts der Spannung, unter der der immer noch allhier lebende, auf dem Pilgerweg befindliche Mensch ausharren muss.

Vom Feuer deiner Liebe glüht mein Herz, das sich entzündet, was in mir ist und mein Gemüt sich so mit dir verbindet,

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dass du in mir und ich in dir und ich doch immer noch allhier will näher in dich dringen.

Daran schließen sich Worte einer getrosten Zuversicht an:

Ich bin vergnügt, dass mich nichts kann von deiner Liebe trennen und dass ich frei von jedermann dich darf den Bräut'gam nennen und du, o teurer Lebensfürst dich dort mit mir vermählen wirst und mir dein Erbe schenken

Auch Christian Friedrich Richter (1676—1711) gehört in den Mitarbeiterkreis A. H. Franckes. Als Inspektor wirkte er im Pädagogium mit, als Arzt am Waisenhaus der Halleschen Anstalten war er mit der Herstellung von Arzneien betraut. Dieses therapeutische Handeln schlug sich in einer Reihe seiner Lieder nieder. Gleichzeitig war er sich bewusst, dass Jesus das verborgene Leben und die heimliche Verbindung mit dem Vater verkörpert. Sein Lied Es glänzet der Christen inwendiges Leben schließt mit dem Hinweis auf die verborgene Seite christlicher Existenz:

O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, du heimliche Zierde der inneren Welt, gib, dass wir die heimlichen Wege erwählen, wenngleich uns die Larve des Kreuzes verstellt. Hier übel genennet und wenig erkennet, hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet.

Das Motiv „mit Christus leben“ ist aus den Zeugnissen dieser Art nicht wegzudenken, zumal es für Protestanten vor allem durch die wiederholt erwähnte „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen vorgeprägt ist. Erinnert sei nur an den aus dem Egerland stammenden, zum Nürnberger Dichterkreis des Pegnesischen Blumenordens gehörende Sigismund von Birken (Betulius) (1626-1681). Sein Lied:

Lasset uns mit Jesu ziehen, seinem Vorbild folgen nach

beschreibt in den weiteren Strophen die einzelnen Stationen des Christuswegs, wenn er aufruft:

Lasset uns mit Jesu leiden

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Lasset uns mit Jesu sterben, Lasset uns mit Jesus leben.

Johann Scheffler (1624-1677), der als Angelus Silesius und Dichter des berühmten „Cherubinischen Wandersmann“ aus dem reichen Fundus mystischer Einsichten geschöpft hat, sich nach heftigen Auseinandersetzungen der römisch-katholischen Kirche zuwandte, erhielt gleichwohl einen festen Platz in evangelischen Gesangbüchern. Seine Antwort auf Sigismund von Birken lautet:

So lasst uns nun dem lieben Herrn mit unserm Kreuz nachgehen und wohlgemut getrost und gern bei ihm im Leiden stehen. Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon.

Und auch wenn eine Liedauswahl von Texten mit mystischen Motiven sehr knapp ausfällt, so darf einer nicht fehlen, nämlich der niederdeutsche, dem reformierten Protestantismus wie der romanischen Mystik in gleicherweise verpflichtete Gerhard Tersteegen (1697-1769). Am Abend des Gründonnerstag anno 1724 hat er sich seinem „einigen Heiland und Bräutigam Christus Jesus zum völligen und ewigen Eigentum“ verschrieben, und zwar - heute kaum mehr verständlich - mit seinem eigenen Blut. Zweifellos lebte er im Bewusstsein der fortdauernden Gottesgegenwart, wie er sie im Lied bezeugt hat. Gott ist gegenwärtig!

Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlagt die Augen nieder, kommt, ergebt euch wieder.

Du durchdringest alles, lass dein schönstes Lichte Herr berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten,

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lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

Herr, komm in mir wohnen, lass mein'n Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden. Komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

(Quelle: Mystik im Protestantismus, Claudius-Verlag)

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„Gottvertrauen“ Gemälde von Hans-Georg Leiendecker

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GL 2/2008
Gott und Vater
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Gott und Vater

„Ihr aber sollet nicht beten zu Gott, der da heilig, heilig, heilig ist, denn allein in des Vaters Liebe; denn Gott sind alle Menschen ein Gräuel, - nur dem Vater sind sie Kinder. Gottes Heiligkeit ist unantastbar; aber des Vaters Liebe steigt zu den Kindern herab. Gottes Zorn richtet alle Dinge der ewigen Vernichtung zu; aber des Vaters Erbarmung lässt auch sogar jeglichen Traum nimmerdar zugrunde gehen. Von Gott aus muss alles sterben; aber dann kommt das Leben des Vaters über die Toten. Wer da sucht Gott, der wird Ihn verlieren, sich und sein Leben; denn Gott lässt Sich nicht anrühren. Und der Menschen Weisheit, die Ihn sucht, ist Ihm eine gräulich anekelnde Torheit und den Suchenden aber unvermeidlich tötend. Denn mit der Weisheit rührt er Gott an; diesen aber kann kein geschaffenes Wesen mit was immer für einem Sinne anrühren und behalten das Leben. Denn Gott ist ein ewiges, allerreinstes, aber auch allerunendlichst heftigstes Feuer, welches nimmerdar erlischt; und wo es der Vater nicht mildern möchte, da würde es alsbald alles auf ewig zerstören. Daher soll jeder Gott fürchten über alles und den Vater aber lieben über alles; denn der Vater ist das allerblankste Gegenteil von Gott. Und doch wäre Gott nicht Gott ohne den Vater, welcher ist die ewige Liebe in Gott; und der Vater aber wäre nicht Vater ohne Gott. Wie aber der Vater ist alles Leben in Gott, so auch ist Gott alle Kraft und Macht im Vater. Ohne den Vater wäre Gott Sich Selbst unaussprechlich; denn alles Wort in Ihm ist der Vater. Der Vater aber wäre nie Vater ohne Gott; und so sind Gott und der Vater eins! Wer also den Vater rührt mit der Liebe, der rührt auch Gott. Wer aber des Vaters vergisst und mit seiner Weisheit nur die Gottheit rühren will, den wird der Vater nicht ansehen; der Gottheit Feuer aber wird ihn ergreifen und ihn zerreißen und vernichten ins Unendliche, dass er sich dann ewig nimmerdar finden wird. Und es wird dann auch nicht leicht mehr geschehen, dass ihn der Vater wieder aus aller Unendlichkeit zusammensuchen und sodann wieder von neuem bilden wird. Wo aber der Vater ist, da ist Gott auch. Aber allein der Vater offenbart Sich den Kindern; Gott aber kann Sich niemandem offenbaren, außer allein durch den Vater, und da offenbart, wie jetzt, der Vater die Gottheit. Wer also Mich hört, sieht und liebt, der hört, sieht und liebt auch Gott. Wer aufgenommen wird vom Vater, der wird auch aufgenommen werden von Gott.

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Gott und Vater
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Wenn jemand Unwürdigen der Vater nicht annehmen wird, der wird fallen in die Hände der richtenden und vernichtenden Gottheit allein, und da wird kein Erbarmen sein, noch irgendeine Liebe und Gnade! Daher fürchtet die Gottheit; denn es ist schrecklich, in Ihre Hände zu fallen! Aber den Vater liebet! Haltet fest an Seiner Liebe und lasset euch allzeit rühren und führen von der Liebe des Vaters, so werdet ihr den Tod nimmerdar schmecken ewig, außer die Trennung vom Leibe, der da ist ein Fluch der Gottheit, in welchem das Leben aus dem Vater vor dem Zorne der Gottheit geschützt wird durch die schirmende Liebe des Vaters. Aus der Hand Gottes empfängst du den Fluch, - aus der Hand des Vaters aber den Segen der Liebe und alles Lebens aus ihr. Daher halte dich ewig an die Liebe, so wirst du bestehen in der Liebe! Wo du dich aber hältst an die Weisheit, da wirst du vergehen und wirst zunichte verweht werden auf ewig vom Geiste der Gottheit! Dieses Gesagte sei euch eine große Sabbatmorgengabe vom Vater, dessen Kinder ihr seid, und der euch darum liebt mehr als alles in der reichen Unendlichkeit! Bedenket es in eurem Herzen, und tuet danach, so werdet ihr leben und nie in der Gottheit Hände fallen!“

(Haushaltung Gottes Bd. 1, Kap. 167,9-22)

O liebevollster, heiliger Vater, Dir danken wir, Dich lieben wir, Dich loben wir! Wie unaussprechlich gut bist Du, o heiliger Vater! Dir sei alle Ehre, alles Lob, aller Preis, aller Dank, alle Liebe, aller Ruhm und alle Anbetung! Entziehe uns, die wir uns Deine Kinder nennen, aber eigentlich nur lauter Sünder sind, Deine Erbarmung, Deine heilige Liebe und Deine heilige Gnade nicht! Segne uns, rühre uns und führe uns, schärfe unsere Sinne, und unsere harten Herzen erweiche, dass sie lieblich sein möchten wie Honig und Wachs, und erweitere unsere enge Brust, dass sie stets mehr und mehr aufnehmen könne der wahren Liebe aus Dir, o heiliger Vater! Gib uns auch den Segen, dass wir dadurch vermöchten, Dir allein wohlgefällig zu sein! Und so Du, heiliger Vater, in uns noch sehr viele und große Makel entdecken wirst und schon sicher jetzt entdeckst, wie Du sie schon entdeckt hast von Ewigkeit her, dann züchtige in Deiner Liebe, Erbarmung und Gnade uns und mache, dass wir Dich würdiger möchten ,Vater‘ heißen und Dich dann auch mit reinerem Herzen lieben und mit reinerer Zunge preisen! Amen.“ (HGt. Bd.1, 167,4-7)

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Die Stille

Die Wohnstätte des lebendigen Geistes

Jack H. Holland

In unserer Zeit, die so extrem materialistisch orientiert ist, finden viele Menschen es unbegreiflich, dass der Mensch ein „inneres Bewusstsein“ hat (oder wie immer wir es nennen) und dass er sich kraft Geistes eine entscheidendere, ja für ihn die einzig maßgebende Wirklichkeit erschafft, der gegenüber die Wirklichkeit der materiellen Erscheinungswelt, die wir aufgrund unserer Sinne „begreifen“ können, zurücktritt.

Für die meisten Menschen existiert all das nicht, was nicht zumindest mit einem unserer Sinne wahrgenommen werden kann. Und doch wissen wir von Kräften und Energien, die wir den Phänomenen nach kennen, mit unseren Sinnen aber nicht wahrnehmen können! Albert Einstein hat schon 1930 festgestellt, dass unsere Sinne nur etwa ein Tausendstel von dem wahrnehmen können, was allein im elektromagnetischen Spektrum existent ist. Und denken wir noch an die Entdeckungen, die seit 1930 gemacht worden sind! Wir kennen uns bestens mit Geräten aus, deren Funktionieren auf physikalischen oder chemischen Vorgängen beruht: Radio, Telefon, Fernsehen. Und wir kennen auch Röntgenstrahlen und Ultrakurzwellen. Hat jemand von ihnen je etwas wahrgenommen? Im Matthäusevangelium (13,13) lesen wir: „Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und es nicht erkennen.“ Alles Schöpferische ist eine Manifestation des Geistes. Jeder Erfinder, jeder Künstler, jeder Wissenschaftler und jeder Wirtschaftsmanager - überhaupt jeder Mensch, der je eine „neue“ Idee hatte - musste das Neue an der Sache oder Idee von irgendwoher beziehen; es existierte schon immer. Es ist buchstäblich wahr, dass es „nichts Neues unter der Sonne gibt“. Aber jedes kreative Werk wurde von einem Menschen geschaffen, der den Willen hatte, das Unsichtbare sichtbar zu machen, und der den Mut hatte, etwas zu tun oder zu denken, das kein Mensch vor ihm getan oder gedacht hatte. Kreative Menschen verstehen den Geist, der ihnen innewohnt, lebendig zu machen.

Haben Sie je darüber nachgedacht, wie eine Erfindung zustande kommt, wie eine neue Technik entdeckt wird? Haben Sie je einem Künstler bei seiner Arbeit zugeschaut? Sind nicht alle Menschen, die je etwas Neues entdeckten, vom Bestehenden ausgegangen und haben dann im Bewusstsein, dass das Bestehende nicht etwas Endgültiges ist, ihre neue Idee entwickelt? Was bedeutet eigentlich das Wort „entdecken“? Es

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sagt doch buchstäblich aus, dass etwas Verdecktes hervorgeholt wird. Wer etwas entdeckt, der enthüllt etwas, macht etwas sichtbar, das natürlich immer schon da war, das aber verdeckt da war und deshalb die Illusion zuließ, dass „unter der Decke“ nichts existiert. War Amerika nicht da, bevor Kolumbus es entdeckte? Waren die Mondgesteine nicht existent, bevor die Raumfahrzeuge sie zur Erde brachten? Entdecken bedeutet tatsächlich, fast wie dem Wortsinn nach, „die Decke wegziehen“, so dass unsere Sinne gewahr werden, was unter der Decke verborgen ist. Zöge nur jemand - es müsste ein zweiter Jesus sein - die Decke, die den Geist, die Gotteskraft, verbirgt, weg, damit auch die Menschen, die um jeden Preis der sinnlichen Wahrnehmung bedürfen, erkennen könnten, dass er vorhanden ist, der Geist Gottes, um uns, in uns, in allem, was ist und lebt! Und doch müsste es ein jeder von uns wissen! Die Entdeckung des Geistes ist die größte Entdeckung, die der Mensch je gemacht hat; aber jeder Mensch muss den ihm innewohnenden Geist für sich selbst zuerst entdecken und dann erwecken. Und dabei ist etwas Wunderbares: Jeder Mensch kann und soll auch sein eigener Entdecker der Kraft seines Geistes sein - in der Stille. Die „Wohnstätte“ des Geistes ist die Stille. Alle Menschen, die, wie ihre Lebensgeschichte beweist, nach geistiger Erleuchtung strebten, die nach kreativen Ideen suchten, die sich für das Schöne und Gute begeisterten oder die Wunder der Natur zu begreifen versuchten, haben - heute wie in alter Zeit - erkannt, wie wichtig die Stille ist.

In der Stille findet der Mensch zu sich selbst, zu seinem geistigen

Wesen. Im Stillesein - sei es aufgrund gezielter körperlicher Entspannung und bewusst geistig-seelischer Ruhigstellung oder sei es durch den Schlaf herbeigeführt - kann der Mensch seine kreative Kraft aktivieren. Natürlich wird diese in bewusst und willentlich vollzogenen Tätigkeiten zum Ausdruck gebracht, aber ihre Erweckung findet in der Stille statt. Darum haben so viele Erfinder, Künstler und Wissenschaftler die Kontemplation oder den Rückzug auf die wohltuende Ruhe der Natur als einen so wichtigen Faktor ihres Schaffens betrachtet und immer wieder die Stille gesucht. Charles Lindbergh hat in seinem Brief an die Leser des Magazins Life betont, dass der Mensch zur Natur zurückkehren und womöglich wieder in die „Wüste“ gehen müsse, um die alles sprengende Technologie in Einklang auch mit den geistigen Bedürfnissen des Menschen bringen zu können. Lindbergh war sich, wie fast alle Wissenschaftler und Forscher, der großen Bedeutung bewusst, die die Nähe zur Natur und das „Eintreten des Menschen in die Stille“ für uns alle hat.

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Alle Großen des Geistes, Philosophen wie Platon, Wissenschaftler wie Einstein oder Edison, Dramatiker wie Sophokles oder Shakespeare oder erleuchtete religiöse Lehrer wie Jesus oder Buddha, haben betont, wie wichtig es ist, in die Stille zu gehen. Sie sprechen von den „Wundern der Stille“, von der „winzig kleinen, erhebenden Stimme“, die aus ihr spricht, von der „Schönheit“, die sie beherbergt, von den „großen Ideen“, die sie bereithält. Sie alle betonen die Notwendigkeit, aus dieser Quelle aller Energie Kreativität und geistige Kraft zu schöpfen. Stille sein ist ein Phänomen eigener Art. Es hat große Bedeutung für das körperliche und geistig-seelische Wohlbefinden des Menschen. Was bislang im Abendland weitgehend ignoriert wurde, gewann erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung: Meditation und Gebet. In diesem Zusammenhang haben Wissenschaftler festgestellt, dass der menschliche Körper, ein kompliziertes elektromagnetisches System, durch bestimmte Energien aktiviert werden kann. Im vollkommenen Stillesein - wenn Körper und Geist im Zustand der Ruhe sind - wird die „Batterie“ des elektromagnetischen Systems im Menschen aufgeladen. Das ist häufig demonstriert worden, und bekannte Wissenschaftler haben darüber berichtet. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beweise, dass die Versenkung in die Stille sowohl vom physiologischen als auch vom psychologischen Standpunkt aus von großer Bedeutung ist. Das Bedürfnis, die körperliche Gesundheit zu verbessern, ist jedoch nicht der entscheidende Grund, in die Stille zu gehen. Ausschlaggebend ist:

In der Stille ist die Wohnstätte des Geistes. Im Stillesein finden wir zur Kraft des uns innewohnenden Geistes und den Zugang zum unendlichen Geist, zu Gott. In der Stille entdecken wir das Göttliche unseres Wesens.

Das menschliche Sein beruht auf der „Trinität“ aus Körper, Verstand und Geist (Geist-Seele). Nicht die eine, nicht zwei, sondern alle drei Komponenten seines Wesens muss der Mensch entwickeln, und zwar gleichzeitig und gleichmäßig. Nur so kann er sich im Gleichgewicht befinden und der Segnungen und Wohltaten des Lebens sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht teilhaftig werden. Nur so werden ihm Freude, Glück und Frieden zuteil. Was uns die übliche, einseitig auf Verstandesschulung und Körperertüchtigung angelegte Erziehung weitgehend vorenthält, die Entwicklung unseres Geistes, das müssen wir selbst für uns tun - und in der Stille können wir es tun. In der Stille finden wir, was wir suchen. Wir werden des lebendigen Geistes in uns gewahr und seiner Gaben teilhaftig:

Intuition, Kreativität, Gotteserkenntnis, Selbsterkenntnis, Selbstver- wirklichung.

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In allen großen Weltreligionen wird auf die Notwendigkeit hin- gewiesen, durch Meditation und Gebet die Stille zu suchen. Im Matthäusevangelium (6, 6) finden sich die Worte JESU: „Wenn aber du

betest, so geh in deine Kammer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ Die Kammer, von der Jesus spricht, ist die innere Stille; dass wir die Tür zuschließen sollen, heißt, dass wir vom Alltag unseres materiellen Lebens abschalten sollen; das „Verborgene“ ist der uns innewohnende Geist. Indem wir durch Meditation und Gebet die Stille aufsuchen, erkennen wir, dass Gott „über allen und durch alle und in

allen ist“. Paulus sagt im Zweiten Brief an die Korinther (4, 18): „

... die wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist vergänglich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ In der Stille wird uns das Unsichtbare, das Ewige, offenbar. Wir werden uns bewusst, dass der unendliche Geist - Gott - allgegenwärtig ist: um uns, aber auch in uns. Wir können daher zu jeder Zeit und unter jeder Bedingung mit ihm Verbindung aufnehmen, einfach indem wir in die Stille gehen. Wir brauchen allerdings einen überzeugenden Beweggrund, eine Motivation, ein Ziel, wenn wir uns auf die Suche machen, die Vollkommenheit, die Schönheit und den Frieden zu entdecken, die in der Stille, in unserem Inneren, verborgen sind. Der menschliche Verstand ist nicht fähig, sich Wissen anzueignen, wenn er nicht auf ein Ziel gerichtet ist. Das haben die pädagogische Psychologie und andere Wissenschafts- zweige nachgewiesen. „Alle Wohltaten des Geistes und des Herzens entgleiten dem Zugriff eines unentschlossenen Willens“, hat William Shakespeare gesagt. Ich befinde mich in Übereinstimmung mit den geistigen Führern aller großen Weltreligionen, wenn ich meine, dass das Ziel jeglichen Betens und Meditierens, der wesentliche Grund für die Versenkung in die Stille, darin liegt, ein Mittel zur bewussten Kommunikation zwischen dem Menschen und Gott als dem Inbegriff allen Geistes zu finden. Ist es nicht das, was der Begriff „Kommunion“ eigentlich ausdrückt - die Kommunikation zwischen dem Menschen und Gott? Durch Meditation und Gebet in der Stille vollzieht sich die Kommunion, nicht durch ein besonderes Ritual. In unserem Inneren finden wir zu unserem eigentlichen Wesen, das geistiger Natur ist. Der materielle Körper verlässt uns, wenn wir aus dem Leben scheiden. Alles Wissen, das sich unser Verstand angeeignet hat, vergeht mit dem Leben. Doch der Geist, das Ewige unserer Teilhabe am unendlichen Geist, vergeht nicht. Und es ist derselbe Geist, den wir in der

uns,

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Stille finden. Jesus hat gesagt, dass das „Reich Gottes“ in uns ist - dieses stirbt nicht. Die Seele ist ewig! Sollten wir uns nicht mehr der Komponente unseres Seins zuwenden, die ewig ist, der die Erkenntnis des wahren Wesens Gottes, des Universums und des Menschen verliehen ist? Wenn ein Organ unseres Körpers nicht richtig funktioniert, versuchen wir, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. Wenn wir uns auf irgendeinem Wissensgebiet, das für uns von Nutzen ist, nicht richtig auskennen, setzen wir unseren Verstand ein, um die Lücke zu schließen. Warum ignorieren wir unsere Seele, unseren unsterblichen Geist? Warum wollen wir nicht in uns gehen und aus der Stille Kraft schöpfen, wenn wir niedergeschlagen sind, wenn wir einsam oder unglücklich sind? In der Stille können wir Trost und Stärke finden, bei dem unendlichen Geist, der unser wahres Wesen ist.

Alle großen Weltreligionen verkündigen dem Menschen, dass die Lösungen unserer Ängste, Probleme und Nöte, Einsamkeit, Unglücklich- sein, Verzweiflung, Unterdrücktsein und soviel anderes mehr - in der Stille, im Stillesein gefunden werden können. Der Prophet JESAJA verheißt uns (30,15): „Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“ Und der Prophet Sacharja fordert uns auf (2, 17): „Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!“ Paulus sagt in seinem Brief an die Römer (S, 14): „Denn die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Und im Brief an die Philipper (4,5-7) schreibt er:

„Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kommen! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus.“ Im Schrifttum aller großen Religionen wird darauf hingewiesen, dass Friede, Heiterkeit des Herzens, Verständnis und Liebe den Menschen zuteil werden, die durch Meditation und Gebet in die Stille gehen.

In der Stille gelangen wir über die Möglichkeiten metaphysischer oder theologischer Erkenntnis hinaus. Wir finden in ihr das wahre Bewusstsein. Ich meine nicht das Bewusstsein, wie es die Psychologie oder andere Wissenschaft definiert; ich spreche eher von dem, was Emerson als „Weltseele“ oder was C.G. Jung als das „kollektive Unbewusste“ bezeichnet haben. Es ist dem der Metaphysik, der philosophischen Lehre von den letzten Gründen und Zusammenhängen des Seins, überlegen, weil es individuellen Bezug hat: wir sind unser eigener Lehrer und zugleich Schüler. Dieses Bewusstsein - man könnte es auch kosmisches Bewusstsein

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nennen - kann nur vom einzelnen Menschen erfahren werden, der in der Stille, in der Wohnstätte seines Geistes, nach ihm sucht. Kosmisches Bewusstsein - der unendliche Geist -, das ist es, wonach wir suchen sollen. Durch ihn kehren wir zu unserem Schöpfer zurück, durch ihn erlangen wir wahre Erkenntnis. Wie in allen wesentlichen Belangen ist zur Entwicklung unserer Fähigkeit, das kosmische Bewusstsein in uns zu finden, das Wichtigste Liebe. Wenn wir uns selbst nicht lieben, können wir keine Antworten in uns finden. Wir müssen uns selbst lieben lernen, so wie wir lernen müssen, alle anderen Geschöpfe Gottes zu lieben.

Gott wirkt durch die Kraft der Liebe. Je mehr wir von der Liebe

durchdrungen sind, um so näher kommen wir Gott. Je näher wir Gott kommen durch bewusste Liebe zu allem, was ist und lebt, desto leichter ist es für uns, der Segnungen und der Weisheit teilhaftig zu werden, die in der

Stille verborgen sind. Jesus hat uns gelehrt, dass das höchste Gebot die Liebe zu Gott ist. Wenn wir Gott in Wahrheit lieben, dann lieben wir alles, was Gott geschaffen hat: unsere Mitmenschen, uns selbst, die ganze Schöpfung, denn Gott „ist über allen und durch alle und in allen“. Jeder Tag hat 1.440 Minuten; sicher können Sie zehn Minuten (1/144) erübrigen, um sich der Vergegenwärtigung der Kraft Ihres Geistes zu widmen. Überlegen Sie doch einmal, wie viele Minuten Sie täglich für die Pflege Ihres Körpers und für die Aktivitäten Ihres Verstandes verwenden! Allzu lange hat sich der Mensch in fast allen Stunden seines Wachseins nur dem Körper und dem Verstand gewidmet. Kein Wunder, dass der moderne Mensch so unglücklich und hilflos ist: er entbehrt der Zuflucht bei dem ihm zur Verfügung stehenden unendlichen Geist. Ist es nicht geradezu absurd, die Kraft unseres Geistes zu vernachlässigen, wenn sie doch so leicht aktiviert werden kann? Wer von uns hat die besagten zehn Minuten Zeit nicht? Viele Menschen, die sich über die Notwendigkeit, in die Stille zu gehen, klar geworden sind, können sich nicht entscheiden, welche der vielen angebotenen „Techniken“ sie benutzen sollen. Manche sind von dem Angebot so verwirrt, dass sie lieber gar nichts tun. Es ist nun aber einmal so, dass jeder Mensch die für ihn geeignete Technik oder Methode selbst entdecken muss. Die Tür zur Stille, der Wohnstätte des Geistes, wird dem geöffnet, der in Aufrichtigkeit und Geduld, mit starkem Glauben und echter Motivation anklopft. Doch jeder Mensch muss selbst anklopfen, das kann ihm niemand abnehmen. Der Zugang zu den Mysterien der Stille ist jedem von uns gegeben. Es gibt nicht nur eine Methode, nicht nur einen Weg. In den Sprüchen

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Salomons (16, 9) heißt es: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“

Alle Wege zu Gott haben eines gemeinsam: sie führen in die Stille, in die Wohnstätte des Geistes. Das Mittel zur Vereinigung mit dem uns

innewohnenden unendlichen Geist aber ist Gebet und Meditation. Wie das Mittel angewendet wird, welche Technik für Gebet und Meditation benutzt wird, ist der Wahl des einzelnen überlassen. Jeder muss seinen Weg selbst finden. Man sollte nicht versuchen, eine spezielle Technik anzuwenden, nur weil sie ein anderer als hilfreich für sich empfunden hat. Unterweisungen in Meditation und Gebet können hilfreich sein, aber sie können auch Schaden anrichten, weil nicht jedem Menschen der gleiche Weg offen ist. Vielmehr muss jeder Mensch selbst seinen Weg suchen, muss jeder selbst an die Tür klopfen. „Denn wer bittet, der empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan“ (Matthäus 7,8). Doch für alle Menschen gilt, dass sie ein Ziel, dass sie den Glauben, die Liebe und Geduld haben müssen. Die „kostbare Perle“, von der die Bibel spricht, ist die Stille. In ihr kann unser Geist zum Leben erweckt werden; in ihr finden wir den Zugang zu Gott, dem unendlichen vollkommenen Geist; in ihr finden wir Frieden und Heiterkeit, Weisheit und Liebe. Wenn ein Mensch seinen Weg in die Stille gefunden hat, dann vermag er alle Probleme zu überwinden. Dann erfährt er, dass der unendliche Geist in ihm selbst ist und ihm wirkliche Freiheit und wahres Glück, dass er ihm Freude, Liebe und Weisheit schenkt.

(Quelle: Liebe, die Urquelle Ihrer Kraft, Ariston)

„O du unaussprechliche Liebe, du unendliche Barmherzigkeit des Vaters, der da ist allzeit heilig, überheilig, – wie soll dir denn das Herz danken, wie dich loben und preisen, mit welchen Worten der ganzen Erde würdig verkündigen solche endlose Milde von dir an uns arme Menschen, die wir uns unwürdigstermaßen deine Kinder nennen?! Daher stille, stille, alles werde stille um mich her, damit auch ich vor der zu großen Heiligkeit des Vaters verstummen kann! Denn was sollte da ein bestaubter Schlammwurm sprechen, worüber die ganze Unendlichkeit das erhabenst ehrfurchtsvollste Stillschweigen beachtet?! Also stille, stille, mein Herz und meine Zunge; denn alles um mich her ist nun stille geworden. Stille in Gott, stille; denn – der Vater ist in der Nähe!“

(Haushaltung Gottes Bd. 2, Kap. 37,24-28)

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Der zerstörte Bambus
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Der zerstörte Bambus

wurde immer anmutiger. Er wusste wohl, «um dich zu gebrauchen, muss ich dich herausnehmen. Wenn ich
wurde immer anmutiger. Er wusste wohl,
«um dich zu gebrauchen, muss ich dich
herausnehmen. Wenn ich das nicht tue,
trockenen Felder. Dort legte der Herr

Es war einmal ein wunderschöner Garten, der lag mitten in einem großen Königreich. Dort pflegte der Herr des Gartens in der Hitze des Tages spazieren zu gehen. Ein edler Bambusbaum war ihm der schönste und liebste von allen Bäumen, Pflanzen und Gewächsen im Garten. Jahr

für Jahr wuchs der Bambus und

dass der Herr ihn liebte und seine Freude an ihm hatte. Eines Tages näherte sich der Herr nachdenklich seinem geliebten Baum, und in einem Gefühl großer Verehrung neigte der Bambus seinen mächtigen Kopf zur Erde. Der Herr sprach zu ihm: «Lieber Bambus, ich

brauche dich.» Es schien, als sei der Tag aller Tage gekommen, der Tag, für den der Baum geschaffen worden war. Der Bambus antwortete leise:

«Herr, ich bin bereit, gebrauche mich, wie du willst!» «Bambus», die

Stimme des Herrn wurde ernst,

beschneiden.» «Mich beschneiden? Mich, den du zum schönsten in deinem Garten gemacht hast! Nein, das nicht, bitte nicht. Verwende mich doch zu deiner Freude, Herr, aber bitte beschneide mich nicht!»

«Mein geliebter Bambus», die Stimme des Herrn wurde noch ernster, «wenn ich dich nicht beschneide, kann ich dich nicht gebrauchen!» Im

Garten wurde es ganz still. Der Wind hielt den Atem an. Langsam beugte der Bambus seinen herrlichen Kopf. Dann flüsterte er: «Herr, wenn du mich nicht gebrauchen kannst, ohne mich zu beschneiden, dann tu mit mir, wie du willst, und beschneide mich!» «Mein geliebter Bambus, ich muss dir aber auch deine Blätter und Äste abschneiden.» «Ach, Herr, davor bewahre mich! Zerstöre meine Schönheit, aber lass mir doch bitte Blätter und Äste!» «Wenn ich sie dir nicht abhaue, kann ich dich nicht gebrauchen.» Die Sonne versteckte ihr Gesicht. Ein Schmetterling flog ängstlich davon. Und der Bambus, zitternd vor dem, was auf ihn zukam, sagte ganz leise: «Herr, schlage sie ab.» «Mein Bambus, ich muss dir noch mehr antun. Ich muss dich mitten

durchschneiden und dein Herz

kann ich dich nicht gebrauchen.» Da neigte sich der Bambus bis zur Erde. «Herr, schneide und teile!» So beschnitt der Herr des Gartens den Bambus, hieb seine Äste ab,

streifte seine Blätter ab, teilte ihn in zwei Teile und schnitt sein Herz heraus. Dann trug er ihn dahin, wo aus einer Quelle frisches, sprudelndes

Wasser sprang, mitten in die

vorsichtig seinen geliebten Bambus auf den Boden. Das eine Ende des abgeschlagenen Stammes verband er mit der Quelle, das andere Ende

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Der Herr als prüfende Braut

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führte er zur Wasserrinne im Feld. Die Quelle sang ein Willkommen, und das klare, glitzernde Wasser schoss freudig durch den zerschlagenen Körper des Bambus in den Kanal und floss auf die dürren Felder, die so darauf gewartet hatten. Dann wurde der Reis gepflanzt. Die Tage vergingen, und die Saat wuchs und die Erntezeit kam. So wurde der einst so herrliche Bambus zum großen Segen. Als er noch groß und schön war, wuchs er nur für sich selbst und freute sich an seiner eigenen Schönheit. Aber als er sich hingegeben hatte, wurde er zum Kanal, den der Herr gebrauchte, um sein Land fruchtbar zu machen.

(G. Dell Britt, Chinamissionarin)

Der Herr als prüfende Braut

„Suchet, so sollt ihr finden, bittet, so wird man euch geben, und klopfet an, so wird euch aufgetan!“ – Oder: „Betet ohne Unterlass“ – d.h. habet eure Herzen beständig bei Mir, und das vollkommen, nicht aber stets zur Hälfte auch bei der Welt, so werdet ihr gar bald und leicht finden, was ihr suchet, ebenso leicht und bald empfangen, um was ihr bittet, und die Pforten des Lebens werden euch ohne weiteren Verzug aufgetan werden. So aber jemand also beschaffen ist, dass er nur suchet in der „Mauer“, die da angestopft ist voll von heidnischen Schnitz- und Pinselwerken, und bittet vor Statuen und betet vor dem gebackenen Brote und klopfet an die Steine, wahrlich, der wird wenig finden, noch weniger empfangen, und die Steine werden sich nicht an sein Klopfen kehren! So aber da jemand sagen möchte: „Herr, ich habe schon eine geraume Zeit gesucht, gebeten und geklopft, und es hat sich dennoch nichts Eigentliches finden lassen, noch habe ich etwas Bestimmtes erhalten, noch hat sich vor mir etwas aufgetan!“ – dem sage Ich: Freund, was sprichst du?! – Höre und siehe, Ich will dir gute Bilder zeigen, und diese sollen Mich rechtfertigen bei dir, auf dass du dich nicht grämest über Meinen Verzug! Siehe, es hatte ein Bräutigam eine reiche und überaus schöne Braut. Die Braut aber war überaus klug und sprach bei sich selbst: „Ich weiß, was ich tun will, damit es sich zeige, ob mein Bräutigam es völlig ernstlich mit mir meine. Ich werde verreisen und er soll nicht erfahren wohin. So ich aber verreise, da will ich es also anstellen, dass ich es nur tue zum Scheine und verbleibe in Wirklichkeit dennoch in der Nähe des Bräutigams, damit mir nichts entgehe und ich es genau merke, wie sein Herz beschaffen ist.“ Da aber die Braut verreist, da sagt der Bräutigam bei sich: „Siehe, meine Braut ist verreist und hat mir die Treue meines Herzens heilig

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Der Herr als prüfende Braut

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anempfohlen und hat mich auch versichert, sie werde in aller Kürze wiederkommen. Allein statt ihr Wort zu halten, schreibt sie nur einen Brief um den andern, ermahnt mich stets zur Treue und will selbst doch nicht kommen. Was soll das? Sie vertröstet mich immer und sagt: „Ich komme, ich komme morgen“ – und siehe, sie kommt nicht! – Was kann sie wohl haben, darum sie also stets verzieht?“ Die nahe Braut aber, verkleidet als ein Diener beim Bräutigam, spricht

zum Bräutigam: „Mein Herr, erlaube dem Diener ein Wort mit dir zu sprechen, denn ich weiß es genau, was deine Braut verziehen macht. Siehe, deine Braut, welche dir näher steht als du es ahnst, erfährt stets und stets, dass du auch mit einer Hure reizenden Fleisches eine Sache hast und teilest dein Herz zwischen der Braut und der Hure. Und solches ist der Grund, warum deine Braut verreist ist und nun also verzieht. Lasse ab von der Hure, und deine Braut wird nimmer verziehen!“ Sehet das Bild und betrachtet es genau in euch, und ihr werdet es überleicht erraten, dass hier ihr die Bräutigame und Ich die Braut bin. Die Hure aber ist die Welt! Ich sage euch aber: Die Braut ist verkleidet unter euch und beobachtet alle eure Schritte und Tritte des Herzens und spricht nun auch zu euch allen: „Lasset völlig ab von der Hure, und die Braut wird nicht mehr verziehen für jene, die sich völlig zu ihr gekehret haben!“ Also suchet, bittet und klopfet, so wird euch die Braut werden! – Suchet, bittet und klopfet „aber im Geiste und in der Wahrheit, und nicht in der Mauer und im Schnitz- und Bilderwerke und im gebackenen Brote“, sondern, wie gesagt, im Geiste und in der Wahrheit in eurem Herzen, so werdet ihr es finden, erhalten, und die Braut wird auftun die Türe zu ihrem

Gemache!

(Himmelsgaben. Bd.2 S. 154)

„Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.“

(Jes. 61,10)

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Warum musste Gott Mensch werden

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Warum musste Gott Mensch werden

Ein König hatte einen Minister, einen sehr gebildeten Mann, der Christ wurde und seinen Glauben vor dem ganzen Volk bekannte. Er erklärte, dass er an den Heiland glaube, der in diese Welt gekommen sei, um sie zu erlösen von Schuld und Tod. Dem König war das unverständlich. „Denn“, sagte er, „wenn ich will, dass etwas geschehen soll, dann gebiete ich meinen Dienern, und das genügt. Warum sollte der König aller Könige selbst in diese Welt kommen?“ Der König wollte den Minister wegen seiner Bekehrung zum Christusglauben entlassen. Da er ihn aber sehr liebte, versprach er ihm Gnade, wenn er eine Antwort auf diese Frage wüsste. „Gewährt mir 24 Stunden, Majestät, und ich will Euch antworten.“ Er ließ einen geschickten Schnitzkünstler holen und trug ihm auf, eine Puppe anzufertigen und sie genau so zu kleiden wie das zweijährige Kind des Königs. Am folgenden Tag machte der König im Boot eine Spazierfahrt. Der Schnitzkünstler war angewiesen, sich am Ufer des Flusses aufzuhalten und

auf ein vereinbartes Zeichen die Puppe ins Wasser zu werfen. Der König sah die Puppe ins Wasser fallen und in der Meinung, es sei sein Kind, sprang er ins Wasser. Der Minister fragte ihn anschließend, warum er selbst sein Kind habe retten wollen, wenn doch ein Wort an seine Diener genügt hätte. „Es ist das Herz des Vaters, das so handeln musste!“ erwiderte der König. Und der Minister antwortete: „So hat sich auch Gott nicht damit zufrieden gegeben, den Menschen nur eine Heilsbotschaft zu senden, sondern seine unendliche Liebe ließ ihn selbst vom Himmel herabsteigen,

um uns zu retten “ ...

(Sundar Singh)

Brief von einem Freund

Lieber Freund! "Wie geht es Dir? Ich habe Dir diesen Brief geschickt, um Dir zu sagen, wie wichtig Du mir bist. Ich habe Dich gestern gesehen, als Du mit Deinen Freunden gesprochen hast. Ich habe den ganzen Tag gewartet und gehofft, Du würdest auch mit mir sprechen. Ich gab Dir einen Sonnenuntergang, um Deinen Tag zu beenden, ich schickte Dir eine kühle Brise, um Dich zu erfrischen - und ich

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Wo bleibt Gott
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wartete. Aber Du bist nicht gekommen. Das hat mich verletzt - aber trotzdem liebe ich Dich weiter, weil Du mein Freund bist. Als ich Dich in der letzten Nacht sah, bekam ich Sehnsucht, Deine Stirn zu berühren und goss Mondlicht über Dein Gesicht. Wieder wartete ich, um mit Dir reden zu können. Aber nachdem Du erwacht warst, eiltest Du sofort zur Arbeit. Meine Tränen haben sich mit dem Regen vermischt. Wenn Du mich nur anhören würdest. Ich liebe Dich! Ich versuche, Dir das durch den blauen Himmel heute zu sagen und durch das grüne Gras. Ich flüstere es in den Blättern der Bäume und atme es in den Farben der Blumen, ich rufe es in den reißenden Flüssen im Gebirge, und ich lasse Vögel Lieder meiner Liebe singen. Ich bedecke Dich mit warmem Sonnenschein und erfülle die Luft mit dem wunderbaren Duft der Natur. Meine Liebe zu Dir ist tiefer als der Ozean und größer als die größte Hoffnung in Deinem Herzen. Frag mich! Sprich mit mir! Bitte, vergiss mich nicht. Ich möchte so vieles mit Dir teilen. Ich will Dich nicht weiter bedrängen. Es ist einzig und allein Deine Entscheidung. Ich habe mich für Dich entschieden und werde warten - weil ich Dich liebe. Dein Freund Jesus.

Wo bleibt Gott?

„Es war ein Mann, den die vielen traurigen Ereignisse auf dieser Welt glauben machten, Gott kümmere Sich nicht viel um die Menschen und sehe ganz ruhig zu, wie die Schwachen von den Mächtigen unterdrückt und die Armen von den Reichen übervorteilt würden. Da sandte Gott zu diesem Manne, der ein tugendhaftes Leben führte, einen Engel. Dieser sprach zu ihm: „Du sollst die unbegreiflichen Wege Gottes kennen lernen, folge mir!“ Da führte der Engel den Mann in einen Palast zu einem sehr reichen Herrn. Diesem schenkte der Engel eine große Geldsumme und viele Edelsteine. – Während dieser Beschenkung meldete sich ein Dürftiger beim Reichen. Diesen Armen tötete der Engel. – Darauf führte dieser den Mann in ein Dorf zu einer fast morschen Hütte, wo eine zahlreiche, überaus arme Familie wohnte. Diese Hütte steckte der Engel in Brand, und die armen Bewohner retteten nichts als ihr Leben. Als der Mann all dieses sah, sprach er zum Engel: „Du bist kein Bote Gottes, sondern ein Bote des Teufels! Du häufst Ungerechtigkeit über Ungerechtigkeit!“

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Der Engel sprach: „Höre, und du sollst bald anders urteilen! – Siehe, der Reiche, den ich beschenkte, war stolz und geizig. Als ich aber seinen Reichtum so bedeutend erhöhte, fing er an zu prassen und verschwendete alles, dass er endlich ein Bettler wurde und anfing, sich zu demütigen. – Der Bettler, den ich tötete, war auf gutem Wege, er hätte aber noch am selben Tage eine große Erbschaft gemacht, dadurch wäre er hochmütig geworden, hätte ausschweifend gelebt und wäre von Gott gänzlich abgefallen. – Die arme Familie, deren Hütte ich in Brand steckte, wurde zuvor im Dorfe fast gar nicht berücksichtigt. Das Brandunglück aber erregte nahe und ferne großes Mitleid, und die arme Familie wurde von allen Seiten reichlich beschenkt.“ (Himmelsgaben. Bd.2 S. 158)

Kanal 23

Der Fernseher ist mein Hirte. Mir wird viel mangeln. Er lagert mich auf dem Sofa. Er verführt mich, nichts für den Namen des Herrn zu tun, weil er meine Zeit verschlingt. Er hält mich davon ab, dem Herrn zu folgen, weil er so viele Shows und Filme präsentiert, die ich sehen muss. Er unterweist mich in den Dingen der Welt, und bewahrt mich davor, Gottes Wort zu studieren. Er erquickt meine Seele mit Ausreden, damit ich nicht zur Bibelstunde muss. Er leitet mich in den Pfaden des Versagens, damit ich nichts tue um seines Namens willen. Auch wenn ich hundert Jahre alt werde, werde ich immer noch den Programmen folgen. Ich fürchte nichts Übles, denn mein Fernseher ist bei mir und lenkt mich ab. Seine Töne und Bilder, sie trösten mich. Er bereitet vor mir Unterhaltung angesichts meiner Familie, und hält mich davon ab, mich mit ihr zu beschäftigen. Er hat mein Haupt mit Ideen gefüllt, die von Gottes Wort abweichen. Mein Mund fließt davon über. Fürwahr, Güte und Huld werden mich verlassen alle Tage meines Lebens. Ich werde die beiden nicht erleben oder anderen bringen, denn ich habe keine Zeit dafür, den Willen des Herrn zu tun. So werde ich wohnen in geistlicher Armut alle Tage meines Lebens.

54 Andritz-Quelle GL 2/2008
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Andritz-Quelle
GL 2/2008
Jakob-Lorber-Begegnungsstätte Ursprungblick 5a, A-8046 Graz-Stattegg Steiermark / Österreich Tel./Fax: 0043 / 316 - 691353 (von D)
Jakob-Lorber-Begegnungsstätte
Ursprungblick 5a, A-8046 Graz-Stattegg
Steiermark / Österreich
Tel./Fax: 0043 / 316 - 691353 (von D)
Tel./Fax: 0316 - 691353 (von A)
Fernab vom Lärm der Welt, liegt
der besinnliche Quellteich der
Andritz, umgeben von Felsen und
alten Bäumen malerisch versteckt
in einer kleinen Talbucht am Fuße
des Schöckelgebirges. Eine hohe
Mauer, welche im Grün der Bäume
und Sträucher fast verschwindet,
beschützt diesen ruhigen und
beschaulichen Ort vor fremden
Blicken. Hier, in dieser Oase der Stille und Ruhe, findet die nach inneren
Frieden suchende Menschenseele einen Ort der Kraft zum Auftanken.
Um den Quellteich führt ein Fußweg und Bänke laden zum Verweilen
und Meditieren ein, um das innere Wesen dieses von der Natur so reich
gesegneten Ortes zu erfahren.
Das Gästehaus der Andritz-Quelle wurde 1905 erbaut und 2004
modernisiert. Es steht als Seminar- und Begegnungsstätte allen nach
Stille und Ruhe suchenden Menschen offen. Es bietet drei
Doppelzimmer mit Dusche/WC, ein Doppelzimmer mit Etagendusche/
WC, zwei Einzelzimmer mit Etagendusche/WC, einen Gästeraum und
eine Gästeküche.
Das Gästehaus ist von April bis Januar geöffnet.
Anmeldungen und Anfragen an die:
Lorber-Gesellschaft e.V.
Anita Strattner
Pfarrhofstr. 7
D-83132 Pittenhart
Tel. / Fax : 08624-4114
E-mail: Lorber-Gesellschaft@web.de

GL 2/2008

Jahrestagung der Lorber-Gesellschaft

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vom 11. bis 16. Mai 2008 im Hohenwart Forum Schönbornstraße 25, 75181 Pforzheim-Hohenwart Telefon: 07234/606-0, Telefax:

vom 11. bis 16. Mai 2008 im Hohenwart Forum

Schönbornstraße 25, 75181 Pforzheim-Hohenwart Telefon: 07234/606-0, Telefax: 07234/606-46

vom 11. bis 16. Mai 2008 im Hohenwart Forum Schönbornstraße 25, 75181 Pforzheim-Hohenwart Telefon: 07234/606-0, Telefax:

In der geografischen Mitte zwischen Stuttgart und Karlsruhe liegt das Hohenwart Forum, ein modernes Tagungs- und Bildungszentrum der Evangelischen Kirche in Pforzheim. Mit seiner preisgekrönten Architektur bietet es den Gästen eine Fülle von Raum in einer offenen und lichten Wiesenlandschaft. Die Anlage fügt sich aus mehreren achteckigen Häusern zusammen, die in sich zentriert und miteinander verbunden eine Einheit bilden. Raum für Bildung und Begegnung, Arbeits- und Gesprächsgruppen.

Das Forum bietet 40 Doppel- und 54 Einzelzimmer mit Dusche/WC und Telefon.

Die Anmeldung und Abrechnung der Tagungsteilnehmer erfolgt direkt beim ‚Hohenwart Forum‘.

Anmeldeformular und Kostenübersicht befinden sich auf der nächsten Seite, (und im Internet unter www.lorber-gesellschaft.de) bitte ausschneiden oder kopieren, ausfüllen und direkt an das Hohenwart- Forum einsenden oder faxen.

Eine weitere günstige Unterbringungsmöglichkeit in Ferienhäusern mit je 3 Doppelzimmern bietet ca. 3 Kilometer vom Forum entfernt der

Ferienpark Schwarzwald, Bi rgit u. Gebhard Mühltaler 75242 Neuhausen-Schellbronn, Tel.: 07234/1408

Anmeldebogen zur Tagung der Lorber-Gesellschaft e.V.

vom 11.5. - 16.5. 2008 im Hohenwart Forum

Tagungsbeginn:

 

Sonntag, den 11. Mai 2008 (zum Abendessen)

 

Tagungsende:

Freitag, den 16. Mai 2008 (nach dem Frühstück)

Hiermit melde(n) ich mich / wir uns verbindlich zur obigen Veranstaltung an.

Anreise am:

.....

...

Zum

Mittagessen bzw.

Abendessen

 

Abreise am: …

…….nach

dem
dem

Frühstück

Mittagessen

Mittagessen

Abreise am : … …….nach dem Frühstück Mittagessen Abendessen

Abendessen

  • 1. Vorname, Name: ............................................................................................. Straße, Nr., PLZ, Ort: ........................................................................................ Telefon-Nr.

......................................................................................................

  • 2. Vorname, Name: ............................................................................................. Straße, Nr., PLZ, Ort: ........................................................................................

  • 3. Kinder, Name, Alter: ......................................................................

    • Ich bin bereit, mit einer/m anderen Teilnehmer/in ein Zimmer zu teilen.

    • Ich bin Tagesgast ohne Übernachtung am: und nehme am

Anmeldebogen zur Tagung der Lorber-Gesellschaft e.V. vom 11.5. - 16.5. 2008 im Hohenwart Forum Tagungsbeginn: Sonntag,

Mittagessen (14,- €), am

Ich / wir wünsche(n):

Anmeldebogen zur Tagung der Lorber-Gesellschaft e.V. vom 11.5. - 16.5. 2008 im Hohenwart Forum Tagungsbeginn: Sonntag,

Normalkost

So

Mo

Di

Mi

Do

Fr

  • Abendessen (11,- €) teil.

vegetarische Kost

310,- € pro Person

für die gesamte Tagung, inkl. Übernachtung und Vollpension

Kinder von 4-14 Jahren erhalten eine Ermäßigung von 50 %.

Zusätzlich wird eine Tagungsgebühr von 25,- € / Pers. erhoben.

Bitte überweisen Sie nur diese vor der Tagung mit beiliegenden Überweisungsträgern in der Heftmitte unter dem Stichwort: „Tagungsgebühr“. Die Tagungsgebühr für Tagesgäste erbitten wir vor Ort in Form einer Spende.

Um möglichst vielen Geistesfreunden die Teilnahme an der Tagung zu ermöglichen, sollen die Doppelzimmer möglichst mit zwei Personen belegt werden. Wir bitten dies bei der Anmeldung zu berücksichtigen und eine zweite Person direkt zu benennen.

Datum / Unterschrift: .....................................................................................................................

Anmeldebogen bitte direkt an das Hohenwart Forum senden bzw. faxen:

Schönbornstraße 25, D-75181 Pforzheim-Hohenwart, Tel.: 07234-606-0, Fax: 07234-606-46

„Christus heute“ Eine Erlebnisreise in Bild & Ton von Hans Georg Leiendecker am Pfingstmontag, den 12.

„Christus heute“

Eine Erlebnisreise in Bild & Ton von Hans Georg Leiendecker

am Pfingstmontag, den 12. Mai 2008, 19.30 h auf der Tagung der Lorber-Gesellschaft im Hohenwart-Forum in Pforzheim-Hohenwart

Das Wirken Christi in unserer Zeit ist das zentrale Thema dieser Erlebnisreise in Bild und Ton, zusammengestellt und vorgetragen vom Künstler Hans Georg Leiendecker. Das universelle und liebevolle Wirken des Gottessohnes wird anhand verschiedener Originale des Malers H. G. Leiendecker anschaulich aufgezeigt. Die Bilder stellen die Botschaft der Nächstenliebe und der Liebe zu Gott dar. Christi segensreiches Wirken für alle Menschen, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, und die Essenz seiner Lehre machen deutlich, wo die Aufgabe der Menschen heute ist: nämlich alles in Liebe umzuwandeln.

Leiendeckers Gemälde zeigen in den Farben unserer Zeit das geistige Wirken Christi und verbinden so traditionelle Themen mit spirituellen Erkenntnissen des neuen Jahrtausends. In seinem Vortrag berichtet der Künstler von seinen Erlebnissen mit Christus und den tief greifenden Veränderungen, die dadurch in seinem Leben eingetreten sind. Dabei geht es nicht um althergebrachte Sichtweisen oder Dogmen, sondern um Christus als den Tröster, den Menschenfreund und Helfer, der den Menschen auch heute noch genauso nahe ist wie vor 2000 Jahren. Er zeigt einen Jesus der bedingungslosen Liebe zu allen Lebewesen. Die anschließende Lichtbild-Erlebnisreise ist Höhepunkt und Ausklang des Abends. Harmonisch aufeinander abgestimmte Dias der Gemälde Leiendeckers, die in weichen Blenden ineinander übergehen sowie ausdrucksstarke Musik machen das Ganze zu

einem spirituellen Kunsterlebnis der besonderen Art.

Dauer: ca

..

90 Min.

Weitere Infos im Internet unter: http://leiendecker.com

„Christus heute“ Eine Erlebnisreise in Bild & Ton von Hans Georg Leiendecker am Pfingstmontag, den 12.

Besinnliche Texte zur Meditation

Besinnliche Texte zur Meditation „Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen

„Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen Bruder hasset; denn wie möglich könnte jemand Gott lieben, den er nicht sieht, so er seinen Bruder nicht liebt, den er sieht?! Es ist aber bei weitem nicht genug, zu sagen: ,Ich liebe meine Nächsten und bin ihnen sehr freundlich!‘ Die wahre und vor Gott allein gültige Liebe muss in Werken bestehen, wenn die Nächsten derselben bedürfen, geistig oder leiblich. Diese Liebe ist der wunderbare Schlüssel zum Lichte aus Gott im eigenen Herzen.“

(Gr.Ev.Joh. Bd.3, Kap. 207,13)

Jakob Lorber (1800-1864)

„Halte dich fest an Gott. Mach's wie der Vogel, der doch nicht aufhört zu singen, auch wenn der Ast bricht. Denn er weiß, dass er Flügel hat!“

Johannes Don Bosco (1815-1888)

Besinnliche Texte zur Meditation „Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen
Besinnliche Texte zur Meditation „Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen

„Ich habe die ganze Welt auf der Suche nach Gott durchwandert und ihn nirgendwo gefunden. Als ich wieder nach Hause kam, sah ich ihn an der Türe meines Herzens stehen und er sprach: ‚Hier warte ich auf Dich seit Ewigkeiten.‘ Da bin ich mit ihm ins Haus gegangen.“

Rumi (1207-1273)

„Es gibt ein Argument, das man allen Spitzfindigkeiten der Glaubenslosen entgegenhalten kann: Noch niemand hat je auf dem Sterbebett bereut, ein Christ zu sein!“

Thomas Morus (1478-1535)

Besinnliche Texte zur Meditation „Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen
Besinnliche Texte zur Meditation „Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man

in einer Garage steht.“

Albert Schweitzer (1875-1965)