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Ausgabe 02_2012

r rs itä t fü r B od en ku ltu ne ns ch af t de r U ni ve de r H oc hs ch ül er In
P .b.b. Verlagsort 1190 Wien | 03Z035166M

Dossier: Feminismus - Gender - Queer
Seite 8-15

Neonazi an der UNI
BOKUpdate | Interview Seite 18

FoodCoops
BOKUpdate | Reportage Seite 24-25

Editorial |Inhalt

Editorial
Bis zur Sponsion ist es noch ein weiter Weg.
Ein Montagmorgen am Semesteranfang. Ich erwache aus einem Alptraum. Habe ich die Anmeldung wirklich verpasst? Der Blick auf die Uhr verrät: Es ist fünf Uhr in der Früh. Noch zwei Stunden Schlaf, ehe ich mich für eine Exkursion anmelden kann. Da die Exkursion ein Pflichtfach in meinem Studium ist, könnte ich auch sagen: bis ich mich anmelden muss. 06:55 – Ich schleppe mich an meinen PC und rufe BOKUonline auf. Zum Glück habe ich mir gemerkt, wo ich die Anmeldung finde. Schließlich haben so gut wie alle Lehrenden für Exkursionsanmeldungen ein eigenes System entwickelt. 06:57 – Ich lade die Seite und merke mir, wohin ich bald klicken muss. Ich fühle mich, als würde ich ein Ticket für ein Konzert kaufen, das schnell ausverkauft ist. Die Preise sind ja durchaus ähnlich. 06:58 – Reload, Nichts. 06:59 – Reload, vielleicht geht meine Uhr ja nach. BOKUonline lädt schon verdächtig langsam. 07:00 – Reload! Jetzt heißt es schnell sein. Die Seite lädt nicht. Angst. Reload. Langsam baut sich die Seite auf. Ich klicke, ein Ladefenster erscheint. Meine Anfrage wird bearbeitet. Eine kleine Ewigkeit lang. Dann: Geschafft! Platz 64 von 70. Nach nicht mal einer Minute sind die Plätze für den ersten Termin voll, nach fünf weiteren alle 140. Wer hätte gedacht, dass unterfinanzierte Unis so spannend sein könnten? Ein stressfreies Sommersemester wünscht Joël, Chefredakteur

INHALT
ÖHaftiges
Start-up-Planung an der BOKU ...............................................................4-5 Mutierter Biermontag? ................................................................................ 6 UBRM – Gender Check .............................................................................. 7 Feminismus, gender, queer, BOKU?........................................................8-9 Sollten Alle kennen: den AKGL! ................................................................ 10 „Gendern” - ein Fehler der Sprache? ....................................................... 11 Mutter Erde, beschütze uns! ................................................................12-13 Lauter Frauen, lauter! ................................................................................ 14 Feministische Medien ............................................................................... 15 ÖH_SPLITTER ........................................................................................... 16 Drei Jahre Gemeinschaftsgarten .............................................................. 17

BOKUmfeld
BOKUpdate: „Neonazi an der UNI“ .....................................................18-19 BOKUpdate: Bauernhof, Politik & Wissenschaft. ................................20-21 BOKUpdate: BOKU: Lange Nacht der Forschung ................................... 22 BOKUpdate: BOKUball 2012: Festliche Kritik .......................................... 23 BOKUpdate: FoodCoops ....................................................................24-25 BOKUnited: IFSA – zurück an der BOKU ................................................. 26 Die letzte Seite ......................................................................................... 27

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Impressum
MedieninhaberIn und HerausgeberIn: Österreichische HochschülerInnenschaft an der Universität für Bodenkultur Wien (ÖH BOKU), Peter-Jordan-Straße 76, 1190 Wien, Tel. 01/47654-2000 Referent für Öffentlichkeitsarbeit: Joël Adami (presse@oehboku.at); MitarbeiterInnen: Maria Löschnauer, Lisa Butzenlechner, Ines Haider, Christina Rappersberger, Katharina Albrich, Katharina Scheibenreif, Erika Schaudy, Verena Köhler, Sebastian Klug; Layout: Pamina Klimbacher, Jonathan Mayer Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung der Autorin oder des Autors wieder und müssen mit der Auffassung der Redaktion nicht übereinstimmen. Redaktionelle Bearbeitung und Kürzung von Beiträgen aus Platzgründen vorbehalten. Coverbild: Verena Köhler Fotos falls nicht anders angegeben: Foto-Archiv der ÖH BOKU Bankverbindung: Raiffeisen Landesbank, KtoNr. 10.190.239 , BLZ 32000

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ÖHaftiges | ÖHaftiges

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Start-up-Planung an der BOKU
Von der Idee zur Realisierung einer nachhaltigen Unternehmung anhand der Gründung einer Junior Enterprise.
Autor: Dominik Schmitz

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011 wurde begonnen, eine Idee der „Arbeitsgruppe Betriebsökologie“ umzusetzen. Nachhaltigkeitsinitiativen an der BOKU durch Studierende sollten in Form von studentisch geführten Kleinunternehmen – sogenannten Junior Enterprises (JE)– realisiert werden. Die Lehrveranstaltung (LVA) „Umweltmanagement und Unternehmensplanung am Beispiel einer Junior Enterprise an der Universität für Bodenkultur“ wurde im Wintersemester 2011 erfolgreich angeboten. Sie bot Studierenden, die etwas UNTERNEHMEN wollen, die Möglichkeit in diesem Kontext erste Erfahrungen zu sammeln, um nachhaltige Ideen zu entwickeln. Mit diesen können sie in weiterer, begleiteter, Folge im Wintersemester 2012 in eine Frühphase der Umsetzung gehen. Die TeilnehmerInnen dieser anwendungsorientierten LVA haben einerseits praktisches Wissen und Fähigkeiten in den Bereichen Umweltmanagement und Unternehmensplanung erworben, wie etwa Projektmanagement, Unternehmensplanung, Unternehmensentwicklung, sowie die Erstellung und Umsetzung eines Businessplans. Das zweite Ziel der LVA war die Erarbeitung von Businessplänen für vier Junior EnterpriseInitiativen. Wichtig dabei war, dass alle Projekte einen Nachhaltigkeitsund Universitäts- bzw. BOKU-Bezug haben. Die prozesshafte Arbeit an

Weiters wurde ein Businessplan für die Errichtung einer genossenschaftlich finanzierten 50 kWh Photovoltaik-Anlage auf dem Exner- und dem Schwackhöferhaus erstellt. Es wurden die Vorbereitungen für die Genossenschaftsgründung getroffen und ein Finanzierungsplan ausgearbeitet, mit dem eine sichere und nachhaltige Veranlagungsmöglichkeit geschaffen werden kann. Ebenfalls soll ein BOKU-Gründungszentrum aufgebaut werden. Ziel ist die Weiterentwicklung der praxisorientierten BOKU-Lehre, sowie ein Angebot von räumlichen und inhaltlichen Serviceleistungen zur Förderung von studentischer Eigeninitiative. Als viertes Projekt soll in Zusammenarbeit mit einer österreichischen Großbank ein nachhaltiges Studierendenkonto entwickelt werden. Dadurch wird bei einem „normalen“ Studierendenkonto

eine öko-soziale Zweckwidmung (Förderung von öko-sozialen Projekten) ermöglicht, sowie Transparenz und Nachvollziehbarkeit gewährleistet.

Wie geht es weiter?
Auf Wunsch der TeilnehmerInnen wird dieses Sommersemester eine weiterführende LVA angeboten (LV-Nummer 110036), um die Gründung der vier Junior Enterprises weiter zu planen und umzusetzen. Im kommenden Wintersemester ist eine weitere LV geplant, welche die Entwicklung von vier bis sechs neuen nachhaltigen Initiativen (in Form von Businessplänen) begleitet. Die Ideen zu diesen Initiativen können einerseits von der LVA-Leitung, der Arbeitsgruppe Betriebsökologie, als auch von Studierenden, AssistentInnen und ProfessorInnen kommen. Gute Ideen, um nachhaltig etwas zu bewegen sind dabei immer willkommen!

den Geschäftsplänen ermöglichten den vier Teams große Identifikation und praktische Erfahrungen mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Die Projekte
Im Konkreten wurden zu folgenden Themen Businesspläne erarbeitet und die Gründung einer Unternehmung konzeptionell vorbereitet: Anhand des bestehenden CO2-Kompensationssystems der BOKU, mit dem Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen und Firmen seit neuestem ihre Flüge kompensieren können, wurde ein eigenständiges Business-

modell entwickelt. Geplant ist ein Beratungsunternehmen mit den Geschäftsfeldern CO2-Kompensation, CO2-Bilanzierung, sowie Consulting für kleine und mittlere Unternehmen.

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ÖH_MAGAZIN | 02_2012

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ÖHaftiges|StV LBT

StV UBRM | ÖHaftiges

Mutierter Biermontag?
Eine etwas andere Sichtweise des Biermontags, denn nichts ist selbstverständlich! Ein Aufruf zur Selbstreflexion.
AutorInnen: Katharina Duran, Fabian Frommelt

UBRM – Gender Check
Nachhaltigkeit – hui! Feminismus – pfui? Geschlechterver hältnisse im Umweltund Bioressourcenmanagement.
Autor: Klemens Herzog

„W

oas aus is? – is ja erst zehn!“ – „Kumm gib no a Bier oda an Wein her!“. Das letzte Bier ist gezapft – für manche Gäste eine herbe Enttäuschung, doch für die fleißigen Helferlein und die Studienvertretung LBT ein schöner Moment – langsam nimmt der Stress ab, immer weniger Studierende kommen an die Bar, um sich über die frühe Sperrstunde zu beschweren. Ein ganz normaler Biermontag? Ein Biermontag so wie jeder andere? Freiheit erhalten bleiben. Einen Fixpunkt im sozialen Unileben in eben diesem Raum stellt der von vielen geliebte Biermontag dar. Am Anfang stand die Idee, dass sich Studierende und ProfessorInnen bei einem gemütlichen Umtrunk austauschen und fachsimpeln können. StudentInnen sollten Kontakte knüpfen, Anregungen bekommen, in lockerer Atmosphäre einen gemütlichen Abend verbringen. Es sollte für die Studierenden der Unieinstieg erleichtert und für die „Alteingesessenen“ eine Möglichkeit gegeben werden, Freundschaften zu pflegen. Bier und andere Alkoholika spielten eine eher nebensächliche Rolle. Schön langsam begann sich der Biermontag zu etablieren, verhungern musste man auch nicht mehr, denn die Gaumen der Besucher wurden mit kulinarischen Genüssen verwöhnt.

achhaltigkeit – hui! Feminismus – pfui? Geschlechterverhältnisse im Umwelt- und Bioressourcenmanagement. Viele von uns kennen das oftmals verzweifelte Ringen um eine Antwort auf folgende Frage: „Um was geht’s eigentlich bei deinem Studium?“ UBRM hat viele Gesichter. So antworten manche: „Nachhaltige Entwicklung“, „Erneuerbare Energien“, „Umweltschutz“ oder „soziales Wirtschaften“. Andere zählen beispielhaft einzelne Lehrveranstaltungen auf, die ihnen gerade besonders gut gefallen. Durch die Konfrontation und Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschafts- und umweltpolitischen Themen lässt sich jedoch aus vielen Augen der Wunsch nach einer sozial und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft herauslesen. Viele Fragen unseres Studiums drehen sich dabei um die gerechte Verteilung von Ressourcen und Entwicklungschancen: etwa zwischen dieser Generation und der nächsten, zwischen dem urbanen und dem ländlichen Raum, zwischen den westlichen Industriegesellschaften und den sogenannten Entwicklungsländern.

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Foto: Christoph Kowarzik

Biermontag, die Idee!
Wer kann sich das Studieren in der Muthgasse ohne die ÖH_Lounge überhaupt vorstellen? Ein studentisch verwalteter Raum, der den Bedürfnissen aller gerecht werden sollte. Jede und Jeder kann, darf und soll ihn verändern und mitgestalten. Von uns allen wird er bereits als selbstverständlich betrachtet, doch er ist es keinesfalls. Die ÖH_Lounge gibt es erst seit 2009 und nur durch ständige Kommunikation und Interaktion mit allen Menschen, die die Lounge zum Leben, Essen, Lernen und Freunde treffen nutzen, kann ein Stückchen
Foto: Sebastian Pessenlehner

verankert? Es ist OK eine Prüfung gebührend zu feiern, oder einfach das Leben mit einigen Tropfen Bier zu versüßen, die Alkoholexzesse der vergangen Biermontage erzählen jedoch eine andere Geschichte. Diese ist geprägt von Spuren der Erleichterung auf dem Weg zur U-Bahn, Mehraufwand durch Beseitigung der mitgebrachten und später weggeworfenen Getränkeverpackungen und durch Pöbeleien von Studierenden.

Back to the roots
Vielleicht schaffen wir es. Vielleicht treffen wir uns beim nächsten Mal zu einem „retro“ Biermontag. Wir, die Studienvertretung LBT wünschen uns das und hoffen darauf. Wir wollen euer Verständnis dafür schärfen, dass alle freiwillig beim Biermontag mithelfen und dass dies ähnlich wie die ÖH_Lounge keinesfalls als Selbstverständlichkeit betrachtet werden darf. Ansonsten können wir nicht dafür garantieren, dass es weiterhin einen Biermontag geben wird.

Blinde Flecken …
Ein Verhältnis, welches in unserem Studium allerdings bis auf ganz wenige Ausnahmen ausgeblendet wird, ist jenes der Geschlechter. Trotz rechtlicher Gleichstellung in vielen Teilen der Welt sind Ressourcen, Chancen

Mutation zum Komasaufen?
Doch seit wann ist der Biermontag als billiges Besäufnis in den Köpfen
6 ÖH_MAGAZIN | 02_2012

Frauenanteil im UBRM-Studium und gesellschaftliche Teilhabe zwischen Männern und Frau62 en sehr ungleich verteilt. Nun 55 braucht unser Blick nicht in 51 49 die Ferne schweifen: Fakt ist, 45 dass UBRM-Absolventinnen 38 durchschnittlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Dass zwar 49 Prozent der UBRM Bachelorstudierenden Frauen sind, jedoch nur 45 Prozent der UBRM MasBachelor Master Doktorat terstudierenden und 38 Prozent der Doktoratsstudierenden. Vorhandene Geschlechterrollen, niedrigere Bezahlung sowie die mangelnde so- was spärliche und oft im Kontext der ziale Absicherung von Studentinnen Landwirtschaft stehende Angebot der mit Kind führen dazu, dass Frauen BOKU, lässt sich durch Mitbelegen sich eher mit einem niedrigeren Aus- an anderen Universitäten beträchtbildungsgrad zufrieden geben oder lich aufstocken. Ein kommentiertes abfinden müssen. Blicken wir auf un- Vorlesungsverzeichnis der Wiener sere Vortragenden so lässt sich fest- Universitäten zu feministischer Thestellen, dass dort überhaupt nur 25 % orie, Queer- und Genderstudies liegt auf der ÖH auf; macht Lust auf mehr, der LVA-Leitenden Frauen sind. führt aber auch schmerzlich vor Au… sichtbar machen gen, dass die BOKU zwar eine Vorreiterin sein mag, jedoch sicher nicht Geschlechterverhältnisse sind wie in ihrer Auseinandersetzung mit GeEthik oder Nachhaltigkeit eine Quer- schlechterverhältnissen. schnittsmaterie, die in allen Belangen mitgedacht werden müssen. Speziell in umwelt- und ressourcenpolitischen Fragen ist ein Mitdenken von der Kategorie Geschlecht unabdingbar. So Sprechstunden der Studienvertresind es vermehrt Frauen, welche untung UBRM: Mittwoch 10-12 Uhr im ter den Folgen der ökologischen Kriersten Stock der ÖH. se leiden.

Informationen

Im Rahmen der freien Wahlfächer steht es uns jedoch allen frei, diesen blinden Fleck auszuleuchten. Das etÖH_MAGAZIN | 02 _2012

Fragen oder Lust selbst aktiv zu werden? stvubrm@oehboku.at!

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Dossier | Gender

Gender | Dossier Öhaftiges |

Feminismus, gender, queer, BOKU?
Wo bleibt das Bewusstsein für Feminismus, gender und queere Themen auf der Universität für Bodenkultur?
Autor: Joël Adami

die von der heterosexuellen „Norm“ abweichen. Menschen, die sich als queer bezeichnen, können Schwule, Lesben, Bisexuelle, Intersexuelle, Transgender, Asexuelle, oder Polyamore sein. Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und die Grenzen der Bezeichnungen sind oft schwammig und fließend.

Queere BOKU
Und was hat das jetzt alles mit der BOKU zu tun? Auch auf der Universität des Lebens werden Frauen*, die sich für einen Posten bewerben, gefragt, ob sie „wegen der Liebe“ nach Wien gezogen sind. Männern* wird diese Frage natürlich nicht gestellt. So eine Frage unterstellt nicht nur eine Abhängigkeitsbeziehung der Frau* zum Mann*, sondern auch eine eventuelle Karenzzeit. Die Statistiken der Universität müssen laut dem Frauenförderungsplan öffentlich gemacht werden. Zu finden sind die Zahlen des Jahres 2010 in der Wissensbilanz. Nur ein Beispiel: Auf 43 Professoren kommen gerade mal elf Professorinnen. Bis sich die Zahlen angeglichen haben, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Zumindest bei den Studierenden ist die Aufteilung so gut wie 50:50. Wie würde eine Berufungskommission wohl mit einer intersexuellen Person umgehen? Die BOKU kennt in ihren Statistiken nur Frauen und Männer. Wer sich nicht einem Geschlecht zuordnen kann oder will, fällt aus dem

Raster und wird somit unsichtbar gemacht. Im alltäglichen Leben stellen die geschlechterspezifischen Toiletten und Sanitäranlagen oder Sportteams Dilemmata dar. Die Utopie einer queeren Gesellschaft und Maßnahmen wie die Quote scheinen entgegenzulaufen. Allerdings kann eine Gesellschaft, in der das soziale Geschlecht z.B. bei Personalentscheidungen keine Rolle spielt, nur dann entstehen, wenn erst einmal der angestrebte Zustand hergestellt wird. Dazu gehört neben der Quote auch der sprachliche Aspekt, mit dem Frauen* sichtbar gemacht werden.

Genderwahn?
Diese gesellschaftlichen Strukturen sitzen so tief, dass sie uns oft „normal“ vorkommen. Und wer zum Beispiel sexistische Äußerungen anspricht, wird als „politische Korrektheitspolizei“ oder gar als vom „Genderwahn“ befallen bezeichnet. Männer* sind sich oft gar nicht bewusst, welche Privilegien2 sie gegenüber Frauen* in der Gesellschaft haben. Und wer sexistisch handelt, obwohl er oder sie sich selbst gar nicht als SexistIn versteht, reagiert auf den Vorwurf mit Unverständnis. Allerdings funktioniert Sexismus eben sehr oft unbewusst oder sogar ungewollt. Umso wichtiger ist es als Mann*, sich mit den Mechanismen wie Sexismus und Heteronormativität auseinanderzusetzen. Ein Anfang könnte der Besuch einer Vorlesung mit feministischen Themen sein, von denen es auch an der BOKU einige gibt3.

Fotos: Angela Pointinger

Sprache und Geld
„Gendern“ bezeichnet eine geschlechterneutrale Sprache. Beschwerden, dass das „ja wohl völlig übertrieben“ oder „schlecht lesbar“ sei, folgen meist prompt. Es gibt Studien1, die darauf hindeuten, dass Frauen* nur dann sprachlich wahrgenommen werden, wenn sie ausdrücklich genannt und nicht nur „mitgemeint“ werden. Die schlechtere Lesbarkeit ließ sich nur in den subjektiven Wahrnehmungen feststellen. Die Einkommensschere wird von Vielen als „das wahre Problem“ wahrgenommen. Laut Statistik Austria ist das mittlere Bruttojahreseinkommen von Frauen* 40% geringer als das von Männern*. Das, weil sie oft Stellen besetzen müssen, die schlechter bezahlt sind und schlechtere Bedingungen haben. Es geht jedoch nicht nur um die Finanzen, sondern um Anerkennung. Das sind nur zwei Eisbergspitzen, unter denen sich eine zutiefst sexistische und patriarchale Gesellschaft befindet. Wir werden täglich damit konfrontiert, in Medien, Werbung, Gesprächen, Vorlesungen.

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eminismus ist eine Bewegung, die die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen* einfordert. Es ist allerdings nicht möglich, von dem Feminismus zu sprechen. Seit Anbeginn gibt es unterschiedliche Strömungen und Ansichten, die sich teilweise stark unterscheiden oder gar einander in Aspekten widersprechen. Seit dem 19. Jahrhundert gab es mehrere feministische Wellen, die viel für die rechtliche Gleichstellung von Frauen* in der Gesellschaft erreicht haben. Das Wahlrecht für Frauen*, Änderungen des Eherechtes und das Recht, Universitäten zu besuchen sind von Frauen* erkämpft worden. Alles ist jedoch noch nicht erreicht, wir leben heute immer noch in einer von Männern* dominierten patriarchalischen Gesellschaft. Der Queerfeminismus nimmt „Geschlecht“ als soziale Kategorie wahr,

die durch Sozialisierung und gesellschaftliche Prägung entsteht. Der Differenzfeminismus sieht das anders und beharrt auf Unterschiede, die biologischer oder rein faktischer Natur sein können. Die Unterteilung in sex, das biologische Geschlecht und gender, das gesellschaftliche Geschlecht, ist also sinnvoll. Beides wird getrennt voneinander betrachtet und muss nicht übereinstimmen. Die Philosophin Judith Butler sieht sex und gender als sozial konstruiert an. Der Soziologie Robert Heasley hat das Konzept der Straight-Queer Masculinities eingeführt, in denen er von der „Norm“ abweichende Männlichkeitskonzepte darstellt. Queer war ursprünglich ein US-amerikanisches Schimpfwort für Homosexuelle, wurde dann aber angeeignet und dient als Sammelbezeichnung für Identitäten,

Und die ÖH?
Die ÖH BOKU hat nur ein Frauenreferat. Queere Menschen haben kein eigenes Referat, wie dies an anderen ÖHs der Fall ist. Die HTU Wien hat z.B. ein „Referat für LesBiSchwule- u. Transgenderangelegenheiten“. Alleine um Bewusstsein für die Probleme von queeren Menschen zu schaffen, sollte die ÖH BOKU sich überlegen, ein ähnliches Referat einzuführen. Personen, die Lust haben, in einem solchen Referat mitzuarbeiten, sollten ihr Interesse beim Vorsitzteam der ÖH bekunden. Wir brauchen Bewusstsein für queere Themen an der BOKU. Schaffen wir es gemeinsam.

Informationen
* Die Schreibweise Frauen* schließt alle Menschen abseits von biologischen und sozialen Kategorien ein, die sich selbst als Frauen verstehen, also auch Transfrauen. Das gilt andersrum auch für Männer*. 1 Anatol Stefanowitsch “Frauen natürlich ausgenommen” auf http://bit.ly/sprachlog 2 Beispiele auf der “Male Privilege Checklist”: http://bit.ly/male-privilege 3 Liste unter: http://bit.ly/gendervorlesungen

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ÖH_MAGAZIN | 03_2011

ÖH_MAGAZIN | 02 _2012

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Dossier | Gender

Gender | Dossier

Sollten Alle kennen: den AKGL!
Was ist der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen und wofür steht er?
Autorin: Katherina Keim

„Gendern” – ein Fehler der Sprache?
Das Verfassen von Texten in geschlechtsneutraler Sprache, meist kurz als „gendern” bezeichnet, hat auch an Österreichs Universitäten Einzug gefunden und wird unter den Studierenden oft verbittert diskutiert. Ein alternativer Lösungsvorschlag.
Autor: Rafael Putz

Was und wer ist der AKGL?

AKGL ist die Abkürzung für den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, an den sich jeder/e Studierende und Mitarbeiter/in der BOKU im Falle von Diskriminierung wenden kann. Er besteht aus zwölf ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern, welche die verschiedenen Interessensgruppen an der Uni vertreten: Drei StudentInnen, drei wissenschaftliche MitarbeiterInnen, drei VertreterInnen des allgemeinen Universitätspersonals sowie drei ProfessorInnen. Derzeitige Vorsitzende des Arbeitskreises ist Frau Mag.a Beate Hopmeier. Alle Mitglieder sind gleichgestellt und bei der Ausübung ihrer Funktion an keine Weisungen oder Aufträge gebunden (Art. 81c B-VG).

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ür mich ist die Notwendigkeit gendern zu müssen ein Fehler in der Sprachentwicklung. „Sprache” erhebt für mich den Anspruch, möglichst kurz und präzise Inhalte meinem Kommunikationspartner zu übermitteln. Gerade bei heterogenen Gruppen, bei denen bisher nicht zwischen rein männlichen und gemischten Gruppen unterschieden werden konnte, verblieb eine sprachliche Unschärfe, die oft weitere Erklärungen oder Formulierungen benötigte. So konnte man bei „Sängern” nicht unterscheiden, ob man einen Männerchor oder eine gemischte Gruppe mit auch nur einem Mann vorfinden würde. Um Frauen in der Sprache besser zu berücksichtigen, wird in den letzten Jahren von manchen Gruppen verstärkt versucht, die rein männliche plurale Sprachform durch verschiedene Maßnahmen auf eine zumindest beide Geschlechter einschließende Form zu bringen. Für mich aber sind Wörter wie „KundInnenbetreuerInnen” nicht nur schwieriger lesbar; sie deuten auch auf eine unkorrekte Entwicklung der Sprache hin, weil der einfache Faktor einer heterogenen Gruppe unnötig viel Raum und Aufmerksamkeit im Text einnimmt. Für mich wäre die einzig logische Konsequenz aus dieser zwanghaften Fehlentwicklung, die Sprache auf eine ganz andere Art und Weise weiterzuentwikkeln: Am besten mit einer komplett neuen Form! Nach einigen Überlegungen habe ich beschlossen, dass die Endung „-os” am besten dafür geeignet wäre. Sie lässt sich an fast jedes Wort anhängen,

erinnert kaum an eine im Deutschen verwendete Endung, ist historisch aus dem Altgriechischen ableitbar und lässt sich kurz und flüssig aussprechen. Wie würde unsere Sprache also in Zukunft aussehen? Aus „Studentinnen und Studenten” würde „Studentos” werden, aus SängerInnen „Sängeros”, aus Polizistinnen und Polizisten „Polizistos”: Die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen und auf jedes Wort übertragen. Mit dieser kleinen Veränderung könnten alle zufrieden gestellt werden: Diejenigen, die eine flüssige und prägnante Sprache bevorzugen; jene, die Frauen gerne mehr berücksichtigt hätten und wohl nicht zuletzt auch die Sprache selbst, weil sie dann zwar radikal, aber ihrem Anspruch auf Prägnanz entsprechend weiterentwickelt werden würde.

Es wär‘ doch was, wenn es demnächst hieße: „Liebe Studentos, wir beginnen die heutige Vorlesung mit...”

Foto: Linda Jussel

Aufgaben
Die Hauptaufgaben des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen sind laut §§ 42 ff Universitätsgesetz 2002, Diskriminierungen entgegenzuwirken und die Angehörigen und

Organe der Universität in Fragen der Gleichbehandlung sowie der Frauenförderung zu beraten und zu unterstützen. Unter Diskriminierung ist nicht nur alleine die Diskriminierung auf Grund des Geschlechts zu verstehen, sondern auch Diskriminierungstatbestände wie „Alter, ethnische Zugehörigkeit, Religion und Weltanschauung sowie sexuelle Orientierung“.

www.boku.ac.at/gleichbehandlung

Handlungsmöglichkeiten
Die Mitglieder des Arbeitskreises stehen unter der amtlichen Schweigepflicht, es wird jeder Schritt mit der/ dem Betroffenen besprochen und auch nur dann eingegriffen wenn diese/r es möchte. Es ist auch möglich sich anonym zu melden, dann sind die Eingriffsmöglichkeiten jedoch äußerst begrenzt. Der Arbeitskreis überprüft den angegebenen Fall, bietet Unterstützung bei der Konfliktlösung und ergreift bei Notwendigkeit auch konkrete Maßnahmen. So hat der AKGL zum Beispiel das Recht, die Schiedskommission der Universität anzurufen.

Informationen
www.boku.ac.at/gleichbehandlung Kontakt: frauen@oehboku.at eva.ploss@boku.ac.at

Kontakt
Am besten ist es, sich an die Leiterin des Büros des Arbeitskreises zu wenden Frau Mag.a Eva T. Ploss. Natürlich können auch alle anderen Mitglieder kontaktiert werden, die Kontaktdaten finden sich auf der Homepage des AKGL unter:

Foto: Linda Jussel

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ÖH_MAGAZIN | 02_2012

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Dossier|Gender

Gender | Dossier Öhaftiges |

Mutter Erde, beschütze uns!
Eine Kritik an der (ökofeministischen) Verherrlichung des Weiblichen
Autorin: Klementine Herzog

Grafik: Verena Köhler

nlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März luden das Rektorat und die „Koordinationsstelle für Gleichstellung und Gender Studies“ der BOKU zum Gastvortrag „Anna FischerDückelmann: Ärztin – Naturheilkundlerin – Lebensreformerin?“ ein. Betrachtet man mit welchen Themen die BOKU ansonsten prominent an die Öffentlichkeit tritt, lässt sich feststellen, dass natur- und ingenieurwissenschaftliche Themen überwiegen: so wird etwa ein „Preisgekröntes Review über Elektrochemische Biosensoren“ und andere Lobeshymnen an BOKU-Angehörige im technischen oder agrarischen Bereich vielmals in die Auslage gestellt. Dass die BOKU sich ausgerechnet am Internationalen Frauentag bemüht die andere, alternative, naturverbundene Seite der Uni auszuhängen, ist sicherlich kein Zufall. Das Bild von der sanften, gefühlvollen, behütenden und friedfertigen Frau findet gesellschaftlich wieder verstärkt Zustimmung – auch an der BOKU lässt sich dieser Trend beobachten.

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tungen (wie Fürsorge und Mitgefühl) sind, welche ein Unternehmen erfolgreicher machen. Problematisch dabei ist die Zuschreibung von bestimmten Eigenschaften aufgrund der Kategorie Geschlecht. Das „genuin weibliche“, das „Wesen der Frau“ wird vom Stammtisch bis zur wissenschaftlichen Abhandlung immer noch bemüht um zu zeigen, dass Frauen für die Ausübung bestimmter Tätigkeiten entweder unfähig oder in besonderem Maße befähigt seien. Damit werden gesellschaftliche Ausschlüsse („Bleibst du heute Abend bei den Kindern? Ich hab eine wichtige Besprechung mit den Kollegen.“) oder Ausbeutungsverhältnisse („Kochst du heute wieder dein Paprika-Hühnchen? Das kannst du doch so gut.“) legitimiert und zementiert. Möglicherweise haben sich noch heute viele Frauen Wesenszüge wie Fürsorge und Anteilnahme bewahrt – dies ist aber nicht aus der Biologie ihres Geschlechts zu begründen, sondern vielmehr aus ihrer (historischen) Sozialisation.

ökofeministischen Ansatz eine biologische Ungleichheit der Geschlechter zugrunde: Mann und Frau wirken unterschiedlich auf die Natur ein und eignen sie sich unterschiedlich an. Weiblichkeit (ebenso wie Männlichkeit) wird dabei zu einer Eigenschaft „an sich“. Aufgrund ihrer Gebärfähigkeit schaffen Frauen Leben und aufgrund der sich daraus ergebenden Sorge für die Kinder sind sie bestrebt Leben und Natur zu erhalten. Männer hingegen sind gewalttätig und streben danach Mensch und Natur zu beherrschen und auszubeuten.

aus jeglichen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen, als Quelle von Glück. Unter Beibehaltung ihrer stofflichen Merkmale müssen lediglich die äußeren Bedingungen von Hausarbeit und Landwirtschaft geändert werden um deren emanzipatorisches Potential zu entfalten. Hausarbeit an sich als glückspendend zu proklamieren, verkennt jedoch die Wirklichkeit von vielen Frauen. Denn Hausarbeit kann nicht die zum Leben (gerade mit Kindern) notwendige materielle Basis schaffen. Die moderne, doppelt vergesellschaftete Frau, welche gezwungen ist reproduktive Arbeit mit Erwerbsarbeit zu vereinen, zeigt die

Widersprüchlichkeit des ökofeministischen Weiblichkeitsbildes. Die ÖkofeministInnen – und viele vor und mit ihnen (darunter auch dezidierte AntifeministInnen) – versprechen Frauen Großes zu vollbringen, wenn sie sich nur ihrer Bestimmung widmen.

Du bist wie du bist …
Ein emanzipatorischer Feminismusbegriff darf sich jedoch nicht einer biologisch determinierten Bestimmung unterwerfen. Vielmehr sollte das Ziel des Feminismus neben der Überwindung des Patriarchats, die Möglichkeit der Entfaltung individueller Potentiale und Vorlieben beinhalten – gleich ob Mann oder Frau – Hofkollektiv oder Großstadt – Subsistenz oder Erwerbsarbeit.

Du bist so intuitiv …
Der Ökofeminismus tendiert dahin die nicht rationalen, menschlichen Fähigkeiten – Intuition und mythische Poesie –, die für Aberglauben anfällig sind, als wertvoller als die angeblich „männliche” Rationalität anzusehen und ruft die Frauen auf, sie als emanzipatorische Fähigkeiten wahrzunehmen. Die modernen Naturwissenschaften werden skeptisch betrachtet; Technologien, die seit damals viel von der Plackerei des weiblichen (und männlichen) Lebenszusammenhangs beseitigt haben, werden vielmals dem zerstörerischen Männlichen zugeschrieben und ignoriert, beziehungsweise dämonisiert.

Informationen
Anmerkung der Autorin Dieser Artikel kann nicht den ganzen Umfang ökofeministischer Theorie und der Kritik daran umspannen. Vielmehr soll auf die Heterogenität feministischer Theorie hingewiesen und eine Diskussion darüber angeregt werden.

Du bist so gefühlvoll …
In Zeiten von Wirtschafts- und Biokrise, charakterisiert durch Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung und Zerstörung, sollen vermeintlich weibliche Werte entgegen gebracht werden. So titelte ein bekanntes Boulevardblatt damit, dass Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen mehr Gewinne einfahren. Implizit wird dabei vermittelt, dass es „die Weiblichkeit“ per se, beziehungsweise die damit konnotierten Werthal-

Du bist so naturverbunden …
Es wäre anzunehmen, dass eine Zuschreibung von angeborenen Eigenschaften und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Ausschlüsse und Ausbeutungsmechanismen aus feministischer Warte durch die Bank abgelehnt werden. Doch dass „Feminismus“ nicht gleich „Feminismus“ ist, zeigen unter anderen Vertreterinnen wie Veronika Bennholdt-Thomsen, Maria Mies und Claudia von Werlhof. Sie legen in ihrem

Du bist so glücklich …
Die Utopie einer ökofeministischen Gesellschaft stützt sich auf die „weibliche Arbeit“. Also die Hausarbeit und die Subsistenzarbeit. Sie gilt als Befreierin

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ÖH_MAGAZIN | 02_2012

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Foto: Elisabeth Schwaiger

Dossier|Gender

Gender | Dossier Öhaftiges |

Lauter Frauen, lauter!
Feminismus ist bunt, alt, jung, fröhlich, kämpferisch, mutig, wichtig – und vor allem immer aktuell.
Autorinnen: Kathrin Heissenberger, Margarethe Staudner

Feministische Medien
Zum Weiterlesen, stöbern und entdecken empfehlen wir …
Autor: Joël Adami

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esonders sichtbar wird Feminismus am 8. März, dem Internationalen Frauentag. Seit inzwischen mehr als 100 Jahren gehen jedes Jahr Frauen auf der ganzen Welt für ihre Anliegen auf die Straße. Ein Großteil der Forderungen ist seit Beginn unverändert: volle Gleichberechtigung in Gesellschaft und Familie, berufliche Gleichstellung, Selbstbestimmung über den eigenen Körper sowie Ablehnung von jeder Form von Gewalt und Benachteiligung. Seit den 70er Jahren wird vor allem thematisiert, dass auch das vermeintlich Private – wie Hausarbeit, Kindererziehung, Sexualität – eine politische Dimension hat und die Aufhebung geschlechtsspezifischer Diskriminierung die Auseinandersetzung mit beiden Bereichen erfordert. Der Kampf um gleiche Rechte existiert schon lange und wurde von verschiedensten Frauen und Frauengruppen ausgerufen. Ob die bürgerlichen Suffragetten in England, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Einführung des Frauenwahlrecht forderten oder die Proletarierinnen der 1920er Jahre mit

der Forderung nach Arbeitsrechten, stets haben sich mutige Frauen zusammengeschlossen, um auf bestehende Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Der Schrei verstummte nicht. Die 1960er Jahre waren geprägt von der amerikanischen Frauenbewegung „Women’s Liberation Movement“, die ihre Forderungen nicht mehr auf Verbesserungen in einzelnen Bereichen beschränkte, sondern auf die Gleichstellung von Frauen in allen Lebensbereichen ausdehnte. In Europa wurde dieser Ansatz unter dem Slogan „das Private ist Politisch“ in den 70er Jahren von der autonomen Frauenbewegung aufgegriffen. Seit den 1990ern stehen verstärkt die Thematik der Geschlechtsidentität (Kritik am System der Zweigeschlechtlichkeit) sowie die Forderung nach ethnischer, wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit im Mittelpunkt. Viele Einzelkämpferinnen, Frauenbanden und Bürgerinnengruppen haben unserer Generation den Weg bereitet, doch solange Ungleichheiten bestehen, werden weiterhin am 8. März Frauen auf die Straßen gehen um Gleichberechtigung einzufordern: Lauter Frauen, lauter! Du hast auch die Schnauze voll von Sexismus, festgefahrenen Rollenbildern und Stereotypen? Wenn du dagegen aktiv werden und/oder dich einfach nur mit gleichgesinnten Frauen treffen möchtest, dann schreib uns.

Mädchenmannschaft
Ein Blog aus Deutschland mit aktuellen Berichten aus der feministischen (Netz)szene. Eine Spielwiese, für alle, die sich eine bessere und gerechte Gesellschaft wünschen. http://maedchenmannschaft.net/

The ethical slut
Wir haben das Thema „Beziehungsformen“ in diesem Dossier leider so gut wie nicht behandelt. In Dossie Easton und Janet W. Hardys Buch findet ihr alles, was es zu offenen Beziehungen, Polyamory, romantischen Zweierbeziehungen und mehr zu wissen gibt. Verlag: Celestial Arts 2009 – ISBN: 1587613379

Informationen
Das war der Frauenmärz an der BOKU: 7. März: Bäuerinnentag: Konsequent anders – Frauen als Wegbereiterinnen am Land 8. März: Internationaler Frauentag: Posteraktion „Errungenschaften der Frauenbewegung“ im Tüwi Schon gewusst? … erst 1981 wurde die erste Professorin an die BOKU berufen … bis 1976 durften Frauen ohne Erlaubnis des Ehemannes nicht arbeiten … erst ab 1975 war Abtreibung straffrei Wenn du mehr erfahren willst – komm ins Tüwi! 15. März: womyn only Fest im Tüwi 21. März: geführter Spaziergang durch Wien „Frauenpower macht Schule“

ChickLit
Die einzige feministische Buchhandlung Wiens ist noch ganz neu und bietet jede Menge Bücher zur Unterhaltung und Weiterbildung. Regelmäßig bietet ChickLit Veranstaltungen, wie z.B. Lesungen, an. Kleeblattgasse 7, 1010 Wien http://chicklit.at/

http://finallyfeminism101.wordpress.com

Frauen*forscherin
Ein kommentiertes Vorlesungsverzeichnis queer*feministischer Lehrveranstaltungen an allen Universitäten Wiens, zusammengestellt vom Frauen*referat der ÖH Uni Wien. http://www.oeh.univie.ac.at/arbeitsbereiche/frauen/

feministing
Ein amerikanisches Blog mit großer Community, das versucht, ein möglichst breites Spektrum an feministischen Meinungen darzustellen. http://feministing.com

an.schläge
Das feministische Magazin an.schläge erscheint seit über 30 Jahren monatlich und beleuchtet das aktuelle politische, gesellschaftliche und kulturelle Geschehen aus feministischer Perspektive. http://anschlaege.at

dieStandard
Die feministischen Seiten der Tageszeitung „der Standard“ bieten spezifische Artikel zu den Themen wie Politik, Arbeit, Kultur und Wissenschaft. Besonders bekannt sind die „Zitronen“, die „Auszeichnung“ von dieStandard für sexistische Werbung. http://diestandard.at

Rosa Antifa Wien
Die rosa Antifa Wien ist eine Gruppe von jungen AntifaschistInnen in Wien, die sich u.A. gegen Homophobie einsetzen. Auf ihrer Homepage sind Informationen zu aktuellen (queer)feministischen Veranstaltungen zu finden. http://raw.at/

Informationen
Kontakt: TÜWI-Frauen frauen@tuewi.action.at Frauenreferat frauen@oehboku.at

heiter scheitern
Joke, Marlen und Steff sind eine polyfidele Dreierbeziehung aus Hamburg und podcasten Anekdoten aus den Untiefen ihres queeren Alltags. Ein monatlicher queerer Podcast mit wechselnden Themen. http://www.scheitern.org

ÖH-Bibliothek
Die ÖH-Bibliothek bietet jede Menge feministische und kritische Literatur. Schau doch einfach mal vorbei! Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 11:00 - 13:00 Uhr http://bib.oehboku.at/

feminism101
Ein Blog, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, häufig gestellte Fragen zu Feminismus zu beantworten. Auf Englisch.

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Foto: Martin Sisklar

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FPÖ vs. BOKUball
Obwohl die Betreiberin der Hofburg im Dezember 2011 angekündigt hatte, keinen Ball des WKR mehr in ihren Räumlichkeiten zuzulassen, kommt dieser nun doch, getarnt als FPÖ-“Akademikerball“. Die gleichen „illustren“ Gäste sind zu erwarten. Am bisherigen Datum des BOKUball 2013, dem 1. Februar 2013, soll nun der „Akademikerball“ abgehalten werden. Die ÖH BOKU und das Rektorat haben einen offenen Brief an die Betreiberingesellschaft verfasst, der auch von der Zeitschrift „News“ veröffentlicht wurde. Daniel Böhm vom Vorsitzteam der ÖH BOKU ergänzte: „Offenbar sind deutschnationale Burschenschafter unter dem Deckmantel eines ,Akademikerballs’ wichtiger als Studierende der Bodenkultur, die den größten Uni-Ball Österreichs feiern wollen.“

Drei Jahre Gemeinschaftsgarten
Mit einem Wiesenumbruch begann für Studierende im Versuchszentrum Jedlersdorf eine lehr- und ertragreiche Zeit als GärtnerInnen.
AutorInnen: Phillipp Dietrich und Alexandra Horner

Young Scientist Forum
Das englischsprachige, öffentlich zugängliche Young Scientist Forum wird jährlich von Studierenden der BOKU organisiert. Heuer wird am 21.06. von 10 bis 16 Uhr im Festsaal das Thema „Greening Agriculture - which way to proceed?” diskutiert. Interdisziplinäre Vorträge und Diskussionen sollen verschiedene Aspekte einer grünen Landwirtschaft beleuchten. Das Hauptaugenmerk wird auf der Rolle einer grünen Landwirtschaft bei der Armutsminderung und Steigerung von Ernährungssicherheit im globalen Süden liegen.

Wiener Töchtertag an der BOKU
Mit den Themen „Wie geht Gentechnik? Gene zum Angreifen“ und „Ganzheitliche Methoden im Gartenbau“ beteiligt sich die BOKU dieses Jahr beim Wiener Töchtertag. Am 26. April können in Wien Mädchen Einblick in neue Berufsbilder bekommen. Ziel ist es, immer noch bestehende Rollenklischees aufzubrechen und Mädchen verstärkt für Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften zu begeistern. Töchter (Enkeltöchter, Nichten etc) von BOKU-Angehörigen sind herzlich eingeladen. http://www.toechtertag.at

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LBT: Studierende bestimmen mit!
Die Studierenden von LBT haben aktiv bei der Auswahl einer Person für eine Mathematik A2Laufbahnstelle mitgewirkt. Nicht nur StudierendenvertreterInnen in der Auswahlkommission, sondern alle Interessierten konnten mitbestimmen, wer in den nächsten Jahren die Mathematikvorlesung im Fachbereich LBT halten wird. In Probevorlesungen konnten sich die BewerberInnen vorstellen. Das Feedback der Studierenden floss stark gewichtet in den Auswahlprozess ein. Norbert Kaiblinger, der als Vortragender bei den Probevorlesungen brillierte, soll nach dem Willen der Auswahlkommission die Mathematik A2-Laufbahnstelle erhalten. Dies zeigt, wie sich studentisches Engagement auszahlen und Mitbestimmung an einer Universität gelebt werden kann.

cradle to ÖH_Magazin to cradle
Seit dieser Ausgabe wird das ÖH_ Magazin mit dem cradle-to-cradleVerfahren gedruckt. Bei „normalem“ Altpapierrecycling bleiben Druckfarben und Füllstoffe nach dem sogenannten Deinking-Prozess als toxischer Schlamm zurück, der anschließend verbrannt wird. Bei cradleto-cradle werden diese Inhaltsstoffe ersetzt, so dass die Schlämme aus dem Papier-Recycling bedenkenlos weiterverwendet werden können, z.B. zur Kompostierung. Die Asche von einem verbrannten ÖH_Magazin kann jetzt bedenkenlos im Garten ausgestreut werden. Das Papier für das ÖH_Magazin ist übrigens FSCzertifiziert. Mittels Carbon-Offsetting mit einem BOKU-Projekt in Nord Gonda wird das ÖH_Magazin klimaneutral gedruckt. http://www.gugler.at

m Jahr 2008 wurden auf einer Fläche von 600m2 20 Parzellen errichtet und in Kleingruppen nach den Richtlinien des ökologischen Gartenbaus bewirtschaftet. Die erfolgreiche Etablierung des Gemeinschaftsgartens als interdisziplinärer Raum zum Lehren, Lernen und Experimentieren und die große Nachfrage machte 2009 eine Erweiterung nötig. Unterstützung fanden die Studierenden bei Dr. Andreas Spornberger von dera Abteilung für Obstund Weinbau. Im Unterschied zu kommerziell geführten Selbsterntegärten bekennen sich die Studierenden zum Prinzip der gemeinschaftlichen Organisation und Verwaltung. Jede/r kann sich nach ihren/ seinen persönlichen Stärken einbringen und im Prozess der Organisation voneinander lernen. Der Erfolg des Gartens hängt vom Beitrag der einzelnen Beteiligten ab.

Yogakurs
W ie bereits im W intersemester bietet das Sportreferat der ÖH B OKU auch im Sommersemester wieder einen Yogakurs an. Jeden Dienstag von 16:30 bis ca. 18:30 wird in der Tüwi-Baracke Yoga für AnfängerInnen angeboten. Da nur wenige Yogamatten vorhanden sind, empfiehlt es sich, eine eigene mitzubringen. Weitere Informationen gibt es bei Anja Zeller unter anja.zeller@gmx.at

Theorie wird Praxis
Auf den Parzellen wachsen Nutz- und Zierpflanzen in allen erdenklichen Formen und Farben. Die Studierenden können das in der Theorie erworbene Wissen über den Gartenbau und die Prinzipien der Ökologischen Landwirtschaft praktisch anwenden und vertiefen. Wissensund Könnenstransfer erfolgen durch eine eingebundene Lehrveranstaltung, untereinander beim Garteln, bei organisierten Begehungen sowie bei regelmäßigen Treffen.

Vielfalt. Waren tierische Gartenbegleiter zu Beginn nur selten vorhanden, so konnten durch die im Gemeinschaftsgarten etablierte pflanzliche Diversität und die schonende, nachhaltige Herangehensweise auf kleinem Raum vielfältigste Habitate für die willkommenen Neuankömmlinge geschaffen werden. Damit leben und praktizieren wir Vielfalt und Nachhaltigkeit – unser Beitrag für eine Universität des Lebens. Entscheidungsfindungen betreffend Nutzung und Wartung gemeinschaftlicher Ressourcen werden von 60 Studierenden verschiedener Studienrichtungen mit unterschiedlichen Zugängen und Meinungen getroffen. Die Selbstorganisation des Gartens führt daher zu einem fortlaufenden Erwerb von Kompetenzen in Projektabwicklung, Konfliktmanagement, Teamfähigkeit und vernetztem Denken.

Dank an die BOKU
Der Erfolg des Gemeinschaftsgarten wäre ohne Ressourcen und Möglichkeiten der BOKU nicht möglich gewesen. Unser Dank gilt daher allen Zuständigen für ihre wohlwollende Haltung dem Garten gegenüber! Heuer haben wir bereits wieder alle Parzellen vergeben. Hast du Interesse, nächstes Jahr mitzumachen, melde dich bei DIin Helene Weissinger (helene.weissinger@boku.ac.at), du bekommst dann rechtzeitig Infos. Zuschriften von LehrveranstaltungsleiterInnen, die theoretische Ansätze im Rahmen einer Lehrveranstaltung praktisch umsetzen wollen oder in anderer Weise mit den GemeinschaftsgärtnerInnen kooperieren wollen, sind besonders willkommen! Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit!
Foto: Gerlinde Grall

Gelebte Nachhaltigkeit
Aus einer eintönigen Wiesenbrache wurde seit Bestehen des Gartens ein Raum der
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„Neonazi an der UNI“
Alois Jungbauer, Zeitzeuge und Mitautor der Broschüre „Neonazi an der UNI“, erinnert sich an die rechten Umtriebe in den Siebzigern.
AutorInnen: Fabian Frommelt und Katharina Leeb Schmierereien am Guttenberghaus vom 26./27. Nov. 1979

m Jahr 1979 kam es im Zuge einer Veranstaltung des Ring freiheitlicher Studenten (RFS) zu Tumulten an der BOKU. Der RFS lud zu einem Vortrag von Josef Feldner zum Thema „Südkärnten – Sprachenstreit oder ideologischer Konflikt“. Feldner war zu dieser Zeit der Vorsitzende des „Kärntner Heimatdienst“(KHD), der vom Innenministerium als rechtsextrem eingestuft wurde. Erst wenige Tage vor dem Vortrag wurde bekannt, dass der RFS diesen durchwegs umstrittenen Nationalisten an die BOKU eingeladen hatte. Feldner sollte dort eine Bühne für seine völkische und rassistische Ideologie bekommen. Die ÖH sprach mehrmals beim Rektorat vor und bat darum den Vortrag zu untersagen. Sie befürchtete, dass Mitglieder der „Aktion Neue Rechte“ (ANR) und anderer faschistischer Schlägergruppen den „Saalschutz“ übernehmen würden. Dies würde keine freie Meinungsäußerung, Eskalation durch gewaltbereite Uniformierte und Gefahr für friedliche GegendemonstrantInnen bedeuten. Nichtsdestotrotz berief sich der damalige Universitätsrektor Manfried Welan auf das Recht der Meinungsfreiheit und rang dem RFS ein Versprechen ab, dass auch kritische Stimmen und ZuhörerInnen bei der anschließenden Diskussion zu Wort kommen würden.

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Meinungsfreiheit?
Die Befürchtungen der Studierenden wurden jedoch noch von den Ereignissen übertroffen. Bewaffnete und uniformierte Rechtsradikale verweigerten den StudentInnen den Zutritt zur Universität. Im Hörsaal wurden faschistische und fremdenfeindliche Parolen gerufen und der Vortrag konnte aufgrund des herrschenden Tumults nicht gehalten werden. Die Veranstaltung diente der nationalistischen Propaganda und keinerlei Diskussion oder Disput war möglich oder gar gewollt. Nur durch Eingreifen der Polizei konnte ein Handgemenge zwischen GegnerInnen und BefürworterInnen verhindert werden. Auf der Gegendemonstration sprach unter anderem auch Manfried Welan, der ebenso wie der überwiegende Teil des universitären Personals, der Veranstaltung ablehnend gegenüber stand.

für Angewandte Mikrobiologie der BOKU, von den Intentionen der Studierenden die Broschüre zu schreiben und den Reaktionen, die sie hervorrief. Fabian Frommelt: Was war Ihre damalige Funktion in der ÖH? Wie sind Sie dazu gekommen, dass Sie Mitherausgeber dieser Broschüre sind? Alois Jungbauer: Ich war Studienrichtungsvertreter von Gärungstechnik. Es gab einige Personen denen es wichtig war die Ereignisse zu dokumentieren. Der eigentliche Anlass war das Auftreten der ANR – eine neonazistische Gruppe – an unserer Uni. In Zusammenarbeit mit dem „Dokumentationsarchiv des österreichischen Wiederstandes“ (DÖW) ist die Broschüre dann entstanden. Der Leiter des DÖW ermunterte uns zu diesem Schritt. Herausgegeben haben wir es als Privatpersonen- Franz Schanda, Franz Waldner, Peter Weiner und ich- und nicht die ÖHBOKU. Es gab wohl Fraktionen die das nicht thematisiert haben wollten. Fabian: Warum sind Sie gegen die Veranstaltung aufgetreten? Alois: Eine Sache, die uns von der Einschätzung des Professor Welan unter-

scheidet, ist, dass er der Meinung war, dass man allen Leuten eine Bühne bieten soll. Deswegen hat er als Rektor diese Veranstaltung zugelassen. Wir waren anderer Meinung. Wir wollten keine rechtsradikale Propaganda an unserer Universität. Das hat für mich nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Fabian: Wie haben Sie die Veranstaltung erlebt? Alois: Ich war draußen bei der Demonstration. 30 von uns (Basisgruppe BOKU) hatten sich vor Beginn der Veranstaltung in den Hörsaal gesetzt, denn wir hatten zu Recht Angst, dass wir nicht mehr hineingelassen werden würden. Der Saalschutz provozierte mit seinem aggressiven Vorgehen gegen Menschen, die die Universität betreten wollten. Wie nach dem WKR-Ball nahmen schon damals die Rechten später die Opferrolle an. „Zerst zündeln und dann sans die Opfer.“ Fabian: Wurde das Thema und die Geschehnisse noch weiter thematisiert? Alois: Die BOKU hatte Angst in etwas hineingezogen zu werden, dass sie nicht kontrollieren kann. Die mediale Berichterstattung warf kein gutes Licht auf die

Applaus für KHD-Obm

BOKU. Dies war sicherlich die Motivation alle weiteren politischen Veranstaltungen zu verbieten. Ich persönlich glaube, dieser Vortrag war ein Aufflakkern einer Gesinnung, die an der BOKU jedoch nicht auf Akzeptanz gestoßen ist. Fabian: Gab es persönliche oder rechtliche Auswirkungen? Alois: Der RFS verklagte Franz Waldner (Anmerkung: medienrechtlicher Herausgeber der Broschüre), weil dieser den RFS als rechtsradikal bezeichnete. Diese Klage verlief jedoch im Sand. Dafür wurden wir, die Autoren der Broschüre, von der Sicherheitspolizei überwacht. (lacht) Natürlich kam da nichts heraus. Fabian: Würden Sie die Broschüre noch einmal schreiben? Alois: Die Broschüre soll dokumentieren, was wirklich bei dieser Veranstaltung geschah. Nur wer schreibt, schreibt Geschichte. Sonst wird es vergessen. Natürlich gab es Leute die meinten „Gebts a ruah!“, aber die gibt es immer. Fabian: Haben Sie noch eine Botschaft für die LeserInnen des ÖH_Magazins? Alois: Ich finde es wichtig, dass die Leute ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und nicht auf den großen, starken Mann warten. Letztendlich muss man seine politischen Rechte und Freiheiten jeden Tag von neuem erkämpfen.
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ann Feldner

Alle Fotos stammen aus der Informationsbroschüre „Neonazi an der Uni”. Herausgeber/Redaktion: Alois JUNGBAUER, Franz SCHANDA, Franz WALDNER, Peter WEINER

Informationen
KHD (Kärntner Heimatdienst): Anfangs Sammelbecken für Nationalismus und völkische Ideologie, wandelt sich der KHD zusehends in eine kompromissbereitere Gruppierung, die aktiv bei der Lösung des Ortstafelstreit mitarbeitete. ANR (Aktion Neue Rechte): Mitte der 70er Jahre aktive, radikal militante und rechtsextreme Gruppierung. Wurde 1979 nicht zu den ÖH-Wahlen zugelassen. Grundsatzprogramm mit rassistischen und deutschnationalem Inhalt und der ausdrücklichen Ablehnung des „österreichischen Staates“. DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands): 1963 von ehemaligen WiderstandskämpferInnen und Verfolgten des NS-Regimes als Verein gegründet. Wissenschaftliche Kernkompetenz ist unter anderem Rechtsextremismus nach 1945.

Die Broschüre
Die Vorkommnisse an der BOKU waren für längere Zeit in den Medien präsent. „Die Berichterstattung in den österreichischen Druckmedien, die zwischen Ignoranz und fast schon böswilliger Verdrehung variierte“, veranlasste engagierte Studienvertreter dazu, eine Broschüre mit dem Titel „Neonazi an der UNI“ zu verfassen, welche die Geschehnisse objektiv darstellen und dokumentieren sollte. Alois Jungbauer war Mitautor und Herausgeber dieser Informationsbroschüre, die im Archiv der ÖH-BOKU aufbewahrt wird und auch in der Universitätsbibliothek zugänglich ist. Im Interview erzählt Alois Jungbauer, derzeit Professor am Institut
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Der Polizeiaufmarsch vor dem Guttenberghaus

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Bauernhof, Politik & Wissenschaft
5 Studentinnen recherchierten für landwirtschaftlich Interessierte – und geben einen Überblick über Agrarzeitschriften in Österreich.
Autorinnen: Michaela Dopler, Asja Ebinghaus, Franziska Hesser, Raphaela Mertens, Joana Ritter

Ein Überblick über die Agrarzeitschriften in Österreich.
Landwirtschaftlich verwurzelte StudentInnen kennen meist die eine oder andere Agrarzeitschrift. Die Vielfalt der agrarischen Blätter ist jedoch weniger bekannt. Allein in Österreich wer-den mehr als 50 Agrarfachzeitschriften herausgegeben, die sich an eine ebenso vielfältige LeserInnenschaft wenden. Themenübergreifende Agrarzeitschriften berichten allgemein z.B. über neue Pflanzenbautechniken, Trends in der Nutztierhaltung, Entwicklungen am Agrarmarkt und aktuelle Forschungsergebnisse. Die Spartenblätter informieren innerhalb spezifischer Themen viel differenzierter.

Themenübergreifende Agrarzeitschriften
Der FORTSCHRITTLICHE LANDWIRT und die BAUERNZEITUNG werden besonders von Familien mit landwirtschaftlichem Hintergrund gelesen. Für Studierende der BOKU ist vor allem die Ru-brik „Land & Leute“ im FORTSCHRITTLICHEN LANDWIRT lesenswert, weil Praktika auf land-wirtschaftlichen Betrieben, Hofnachfolge, Aktivitäten der Landjugend und vieles mehr themati-siert werden. Einige Professoren der BOKU veröffentlichen in BLICK INS LAND ihre Artikel. Die BOKU ist seit rund 25 Jahren Mitherausgeberin. Mit Themen über Agrarmarketing, Innovationen im Agrarsek-tor und Internationales betrachtet BLICK INS LAND die Agrarwissenschaften aus neuen Per-spektiven. Die AGRARISCHE RUNDSCHAU vom ökosozialen Forum Österreich behandelt agrar-, umweltund wirtschaftspolitische Fragen im Inund Ausland. Die Zeitschrift versucht verstärkt Trends, Probleme und mögliche Chancen für die Agrarbranche darzustellen. Als wissenschaftliche Zeitschrift kann Die BODENKULTUR genannt werden. Die BOKU und die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) fungieren als Heraus-geberinnen der zweisprachigen (deutsch, englisch) Zeitschrift. Zielgruppen sind Agrarwissenschaftler, Experten und Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik.

Wein-, Obst- und Pflanzenbau
In DER WINZER schreiben ExpertInnen auf wissenschaftlichem Niveau und praxisnah. Das Spek-trum umfasst Kellertechnik, Holzfass-Pflege, neue Rebzüchtungen, Marke-

DER PFLANZENARZT liefert auf wissenschaftlichem Niveau Information über aktuelle Pflanzenschutzthemen. Fachleute der BOKU, der AGES oder der Kammer stellen Probleme aus der Praxis vor, wie Zwergsteinbrand oder Sclerotiniaschäden – und diskutieren dazu Lösungen. Obstbauern und -brenner finden in BESSERES OBST Relevantes von heimischen ExpertInnen zu den Themen Produktion, Pflanzenschutz, Lagerung und Vermarktung von Tafelobst. DIE SAAT und SAATGUT sind saisonale Firmenblätter, die bewährte und neue Getreide-, Mais- und Zwischenfruchtsorten und die Ergebnisse der Versuchsflächen präsentieren.

reichische Rindererzeuger-Gemeinschaften vermarkten, konzentriert sich dagegen auf Themen aus der Rindermast. Diese werden zum Teil von Spezialisten aus der Landwirtschaftskammer, der Wirtschaft oder der Tiermedizin aufbereitet. Wer sich für Schweine interessiert, dem sei das VÖS MAGAZIN empfohlen, welches vom Verband der österreichischen Schweinezüchter herausgegeben wird. Fachleute aus der Schweinehaltung informieren über Haltung, Zucht und Fütterung. Schaf- und Ziegenfreunde finden in der Zeitschrift SCHAF UND ZIEGEN AKTUELL Neuigkeiten aus den Landesverbänden, aktuelle Veranstaltungen, aber auch Tipps z.B. zur Fütterungstechnik. Auch die wohl kleinsten Nutztiere dürfen nicht fehlen: BIENEN AKTUELL berichtet jeden Monat über die „to do’s“ der ImkerInnen, wie das Schwarmeinfangen, Honigschleudern oder Königinnenzüchten.

Bild: Dorothee Schwab

Kleinbauern und -bäuerinnen in Österreich und international eine Stimme geben. ÖKOLOGIE & LANDBAU ist die führende Zeitschrift für die ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft im gesamten deutschsprachigen Raum und wird im Auftrag der gleichnamigen Stif-tung (SÖL) herausgegeben. Auf wissenschaftlichem Niveau behandelt sie Themen einer zukunftsfähigen Agrarkultur und nachhaltigen ländlichen Entwicklung.

Wie findet Ihr die Zeitschriften an der BOKU?
Einen Überblick über den agrarischen Blätterwald könnt ihr euch im Zeitschriftenleseraum der BOKU Hauptbibliothek verschaffen. Die aktuellen Ausgaben vieler Fachmagazine (auch viele englischsprachige) sind alphabetisch geordnet. Ältere sind in den Archivschränken zu finden. Die Zeitschriften können nicht ausgeliehen, dafür aber kopiert oder kostenlos eingescannt werden. Einige Fachzeitschriften haben auch Onlineausgaben. Diese könnt ihr ganz einfach über den Link „E-Journals“ auf der Homepage der Bibliothek suchen, online lesen oder herunterladen. Außerdem veröffentlichen viele Herausgeber auch einzelne Artikel oder ganze Ausgaben auf ihren Websites. Wir wünschen Euch viel Erfolg beim Lesen – ob zur Prüfungsvorbereitung, zum Nacharbeiten von Lehrveranstaltungen oder einfach aus Interesse!

Agrarzeitschriften können aus mehreren Gründen wertvolle Studienbegleiter sein:
Ihr könnt euch Tipps für die Praxis und den Beruf holen, ihr wisst was in der Landwirtschaft aktuell Thema ist, ihr erkennt die praktische Umsetzung der Unitheorie, ihr könnt zu Vorlesungs-inhalten nachlesen und euch auf Prüfungen und Seminare vorbereiten. Aber Achtung, nicht alle Agrarzeitschriften dürfen für wissenschaftliche Arbeiten als Quelle genutzt werden. Die Quellenangabe ist eine Voraussetzung für wissenschaftliches Schreiben, daher gilt die Faustregel: zitiere nur aus Artikeln, die selbst zitieren.

ting und Betriebswirtschaft, wo Tipps zur Online-Weinvermarktung gegeben werden. DER WEINBAU berichtet über aktuelle Ereignisse aus der Branche inklusive Messe- und Seminartipps und führt Interviews mit SpezialistInnen. ExpertInnen der Lehr- und Forschungsanstalt Klosterneuburg präsentieren in den MITTEILUNGEN KLOSTERNEUBURG ihre Versuchs- und Forschungsergebnisse aus den Ab-teilungen Weinbau, Rebenzüchtung, Kellerwirtschaft, Obstbau, Obstverarbeitung, Chemie und Biologie. Dieses Blatt ist besonders für WOW-StudentInnen interessant.

Ökologische und bäuerliche Landwirtschaft Nutztiere
Die Arbeitsgemeinschaft österreichischer Fleckviehzüchter informiert in FLECKVIEH AUSTRIA über Österreichs beliebteste Rinderrasse, von aktuellen Veranstaltungen bis hin zu Zuchtdaten. Die Rinderzucht Steiermark informiert in der Zeitschrift ZUCHT UND BESAMUNG nicht nur über Verbandsnachrichten, sondern z.B. auch über aktuelle Gesetzesneuerungen oder Fitness in der Rinderzucht. Das Magazin RIND GEWINNT, welches alle Landwirte erhalten, die ihre Rinder über österBIO AUSTRIA wird vom gleichnamigen Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen und -bauern herausgegeben. Mit ihren Beiträgen spiegelt die Zeitschrift die Fragen des österreichischen Ökolandbaus wieder, informiert zu Markt- und agrarpolitischen Entwicklungen, zu Ergebnissen aus der Forschung sowie zum Vereinsgeschehen. Via campesina austria gibt Die WEGE FÜR EINE BÄUERLICHE ZUKUNFT heraus. Mit ihren Berichten zu politischen, sozialen und ökologischen Themen möchte die Zeitschrift den

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BOKU: Lange Nacht der Forschung
Am 27. April findet bundesweit die Lange Nacht der Forschung 2012 (LNF) statt. Die BOKU ist in Wien und Tulln mit dabei.
Autor: Stefan Schneeweihs

BOKUball 2012: Festliche Kritik
Der BOKUball bot neben andächtigen Willkommensgrüßen auch Raum für kritische Worte gegenüber der Hochschulpolitik.
Autorin: Anna Schwarzbauer

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erschiedene Einrichtungen bringen dabei der Öffentlichkeit die Inhalte und Bedeutung ihrer Forschung näher. BesucherInnen haben so die Möglichkeit direkt mit Forschung in Kontakt zu kommen. Die wichtigsten Ressourcen Österreichs liegen weniger unter der Erde als vielmehr in den Köpfen der Bevölkerung. Neugierde, Wissen, Innovation und Forschung sind die Rohstoffe, aus denen die Zukunft unserer Gesellschaft geformt wird. Als Land mit relativ geringem politischen Einfluss und wenigen Bodenschätzen wird es nur gelingen den hohen Lebensstandard aufrecht zu erhalten, wenn wir geistig und technologisch mit den aktuellsten Entwicklungen Schritt halten und diese mitprägen. Die Zukunft Österreichs wird sich also auch über das Befinden des Forschungsstandortes definieren. Umso wichtiger ist es – besonders in Zeiten, in denen öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen mit schlanken Budgets zu kämpfen haben – die Bedeutung von Forschung sichtbar zu machen. Die Teilnehmer der LNF wollen der Öffentlichkeit den Forschungsstandort Österreich vorstellen und die Relevanz von Forschung für den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt verdeutlichen. Gleichzeitig wollen sie Nachwuchs für Forschung begeistern und die potentiellen Karrierechancen in diesem Bereich aufzeigen. Daher sind mit der LNF auch explizit Familien, Jugendliche und Kinder angesprochen. Die BOKU nützt die Chance bei der LNF

Aspekte ihrer Forschungsleistungen einem breiten Publikum näher zu bringen. Am Standort Türkenschanze, am Vienna Institute of BioTechnology (VIBT) in der Muthgasse und am BOKUStandort Tulln geben Forschungsgruppen Einblick in ihre Arbeit. An einzelnen Stationen präsentieren Forschende und Studierende Versuche und Modelle und geben Auskunft über ihre Fachgebiete. Am Standort Türkenschanze werden gemeinsam mit den ForscherInnen Fledermäuse und versteckte Wildtier-Sender geortet, die Welt der Wurzeln und die Bedeutung intakter Ufervegetation erforscht sowie aktuelle Trends der Raumentwicklung besprochen. Am Standort Muthgasse sehen BesucherInnen, dass auch Pflanzen ganz schön gestresst sein können, wie die Kraft des Wassers wirkt und entdecken die Welt der Mikroorganismen. Sie erfahren, warum manche Lebensmittel erst durch Bakterien und Pilze schmackhaft werden und mit welchen Verfahren viele der Lebensmittel, die wir jeden Tag verzehren, in großem Maßstab erzeugt werden. In Tulln bekommen BesucherInnen Einblicke in die Gewinnung von Bioenergie aus Biomasse und isolieren TomatenDNA. Sie erfahren, wie Gift fressende Bakterien verschmutztes Wasser und kontaminierte Böden säubern und ob Probiotika wirklich Gesundheit in den Joghurtbecher bringen. BesucherInnen
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erhalten die Möglichkeit mittels chromatografischer Verfahren selbst unerwünschte Substanzen in Lebensmitteln nachzuweisen. Sie erfahren das wichtigste über Schimmelpilze und – wenn sie wollen - können sie auch gern Schimmel von zu Hause mitnehmen und bestimmen lassen. Wenn all das geschafft ist, können sie sich aus Naturstoffen ihren eigenen wohlverdienten Forscherausweis herstellen. BOKU-Studierende sind herzlich eingeladen die Stationen der LNF an der BOKU zu besuchen. Diese bieten eine gute Gelegenheit Verwandten und FreundInnen zu zeigen, mit welchen Themen sie sich während des Studiums beschäftigen. Aber auch für jene Studierenden, die mehr über andere Fachrichtungen erfahren wollen, sind die Stationen der BOKU ein guter Tipp. Details zum Programm finden sich auf www.lnf2012.at.

s freut mich, Sie am Gipfel der Feierlichkeiten begrüßen zu dürfen“, eröffnete Daniel Böhm den Ball zum 140-jährigen Bestehen der BOKU. Der Rahmen bot nicht nur Platz für Festreden, sondern auch für unentbehrliche Kritik von Seiten des Vorsitzteams der ÖH BOKU. „Den Universitäten geht es so großartig wie nie zuvor“, berichtete Armin Kolbe mit einer Portion Ironie in seinen Worten. Irina Hohenwarter wies sogleich auf die traurige Realität der Hochschulpolitik hin: „Die Ausfinanzierung der Universitäten ist nicht in Sicht. Wir lassen uns von den Schlagworten Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen beeindrucken. Dabei übersehen wir, dass uns diese Begriffe nur von den tatsächlichen Problemen in der Hochschulpolitik ablenken.

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Trotz des OECD Urteils, zu wenig Studienanfängerinnen und -anfänger zu haben, tendieren die EntscheidungsträgerInnen zu einer Politik, die Studierendenzahlen dezimiert, anstatt sie zu steigern.“ Der Rede des Vorsitzteams folgte tobender Applaus – vor allem von Studierenden und Angehörigen der BOKU. Das Thema des BOKUball 2013 wird noch nicht verraten, nur so viel: Zur Diskussion stehen internationale Themen mit Bezug zu den BOKU-Partneruniversitäten.
Foto: Raphael Zwiauer

Informationen
BOKUball 2013 Freitag, 25.01.2013 Fotos www.bokuball.at

Informationen
Lange Nacht der Forschung 2012 27. April von 16:30 - 23:00 An der BOKU: Türkenschanze: Aula Schwackhöfer Haus Muthgasse: Aula Szilvinyi Haus Tulln: Campus Tulln Technopol

m Fotos: Pa

ina Klimb

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FoodCoops
Ein möglicher Nischenabsatzweg für Direktvermarkter in der Zukunft?
Autorinnen: Katja und Tanja Bachler

m Rahmen der Vorlesung „Ökologische Landwirtschaft und regionale Entwicklung“ an der BOKU wurde eine Arbeit zum Thema „FoodCoops – möglicher Nischenabsatzweg für Direktvermarkter in der Zukunft?“ verfasst. Der Leitgedanke dieses Artikels ist es, über alternative Formen von Lebensmitteleinkauf zu informieren. Gleichzeitig sollen die Chancen aufgezeigt werden, die sich aus der Zusammenarbeit mit FoodCoops ergeben.

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Situation in Österreich
Für knapp ein Drittel aller bäuerlichen Betriebe in Österreich ist die Direktvermarktung von wirtschaftlicher Bedeutung. Rund die Hälfte der direktvermarktenden Betriebe in Österreich erwirtschaften mehr als 10% ihres Einkommens durch diese Vermarktungsform; bei 12.000 Betrieben sind es bis zu 50%, bei 11.000 sind es sogar noch mehr. Die Worte „Regionalität“, „Nachhaltigkeit“ und „Saisonalität“ gewinnen an Bedeu-

tung und immer mehr Konsumenten legen Wert auf Produkte, die klimaschonend und in ihrer unmittelbaren Umgebung erzeugt wurden. Für viele KonsumentInnen ist es allerdings schwierig, regionale Produkte zu erwerben. Deshalb gibt es mittlerweile verschiedenste Projekte (z.B. „Direktvermarktung im Supermarkt“), um es den Kunden zu vereinfachen, bäuerliche Spezialitäten aus der Region zu kaufen. Auch auf europäischer Ebene versucht man verstärkt, die Bedeutung der Direktvermarktung zu berücksichtigen. In der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) gewinnen „direct sales“, „short supply chains“ und „local products“ immer mehr an Bedeutung. Einzelne KonsumentInnen haben die Eigeninitiative ergriffen und Einkaufsgemeinschaften – sogenannte FoodCoops – gegründet um bewusst einen Weg der möglichst direkten Handelsbeziehungen zu ermöglichen und zu fördern, und es treten stets mehr und mehr Einzelkonsumenten solchen Interessensgemeinschaften bei.

Bei der Auswahl der Produkte wird besonderer Wert auf den Produktionsablauf, bevorzugt biologisch und saisonal, die Unterstützung der LandwirtInnen in der Region sowie auf die positiven nachhaltigen ökonomischen und ökologischen Effekte gelegt. Ein weiteres Anliegen ist es, das Vertrauen zwischen Produzent und Konsument wieder zu stärken – Wegfall der Anonymität – womit naturgemäß eine erhöhte Wertschätzung gegenüber dem Produkt entwickelt wird.

Finanzen,…). Diese arbeiten selbständig und stehen in Absprache mit dem Plenum. Dort werden Entscheidungen im Konsens getroffen. Laufende Kosten wie Miete, Strom u.Ä. werden über Mitgliedsbeiträge abgedeckt. Die Kooperation und Vernetzung zu anderen FoodCoops ist wichtig und erleichtert vielfach die Einkäufe, z.B. wird oft beim Einkauf von Getreide und Milchprodukten zusammengearbeitet. Innerhalb der FoodCoops in Wien wird jährlich eine Speisereise organisiert, bei der die jeweiligen Lieferanten besucht werden, um die Produzenten besser kennen zu lernen und einen Einblick in ihre Arbeitsweise zu bekommen.

terialien vermieden werden, womit ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz geleistet wird. Der Umweltschutzgedanke prägt auch das regionale Absatzprinzip. Durch die Vermarktung in der unmittelbaren Region und die Zusammenarbeit und Kooperation innerhalb der FoodCoops können weite Transportwege vermieden werden. Mit den organisierten Betriebsbesichtigungen (z.B. Speisereise) wird zusätzlich ein Vertrauen zwischen ErzeugerIn und VerbraucherIn und somit ein wachsendes Naheverhältnis geschaffen. Überdies ist es ein Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit um die Produkte einem größeren Konsumentenkreis bekannt zu machen. Gespräche mit DirektvermarkterInnen, die bereits mit FoodCoops kooperieren zeigen, dass diese Zusammenarbeit sehr gut funktioniert, da vor allem die „Unkompliziertheit“ der FoodCoops dazu einen positiven Beitrag leistet.

Produkte wichtig sind, für den bietet die Zusammenarbeit mit einer FoodCoop eine gute Gelegenheit, dieses Leitbild umzusetzen. Bei Interesse können Sie sich gerne im Internet über FoodCoops informieren bzw. mit ihnen über deren Plattform in Kontakt treten.

Entwicklung der FoodCoops
FoodCoops haben sich seit den 1970er Jahren entwickelt. Mit dem damaligen Trend zu Supermärkten und Billigprodukten war die Versorgung der Konsumenten mit biologischen Produkten nicht mehr gewährleistet und die Attraktivität der Lebensmittelgemeinschaften nahm zu. Die aktuelle Entwicklung der letzten fünf Jahre zeigt wieder ein stetiges Wachstum von FoodCoops in unseren Breiten. In Wien gibt es mittlerweile mehrere FoodCoops (unter anderem d’Speis, Möhrengasse und BioParadeis), die bis zu 50 Mitglieder zählen und intensiv miteinander kooperieren. Auch in Graz (Krautkoopf), Oberösterreich (NETs.werk) und in Schwaz in Tirol (Autark werden) ist jeweils eine Organisation zu finden.

Vorteile für Direktvermarkter
Die Zusammenarbeit mit FoodCoops oder anderen Formen der Lebensmittelgemeinschaften bietet eine gute Chance, das eigene Leitbild betreffend regionalem Absatz, nachhaltiger Produktion sowie Konsumation zu fördern. Mitglieder solcher Organisationen setzten sich bewusst mit Lebensmitteln und ihrem Konsum auseinander und ermöglichen den DirektvermarkterInnen dadurch eine hohe Wertschätzung ihrer Produkte und verleihen dem Begriff der Nachhaltigkeit einen besonderen Stellenwert. Aufgrund der höheren Flexibilität der Konsumenten in FoodCoops können zum Teil sogenannte „handelsuntaugliche Waren“ aufgrund optischer Fehler oder Größenmangel ohne tatsächlichen Qualitätsverlust trotzdem verkauft werden. Außerdem können unnötige Verpackungsschritte und –ma-

Informationen
http://foodcoops.at http://foodcoopedia.de http://www.speis.org http://www.bioparadeis.org http://www.krautkoopf.at http://www.autark-werden.at http://verein-nets.at http://www.speiselokal.org http://www.greisslerei.org

Was versteckt sich hinter dem Begriff „FoodCoop“?
FoodCoop (Food Cooperation) steht für Vielzahl verschiedener Organisationsformen, z.B. Selbstversorger-Kooperative, Lebensmittel- oder Einkaufsgemeinschaft und Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft. Die Organisationsformen sind im Prinzip sehr ähnlich: die Unabhängigkeit gegenüber dem Großhandel, die Selbstbestimmung der Produktauswahl und der soziale Aspekt des gemeinsamen Lebensmitteleinkaufs.
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Fazit
In Österreich wird die Lebensmittelbeschaffung in Form von selbstständiger Organisation direkt vom Bauernhof immer beliebter. Das Naheverhältnis zum Produzenten ist dabei besonders wichtig, ebenso die Bereitschaft, faire Preise für die Produkte zu bezahlen. Wem also Regionalität, Saisonalität, Nachhaltigkeit sowie hohe Wertschätzung seiner
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Organisation innerhalb von FoodCoops
Es gibt verschiedene Formen der Organisation von FoodCoops. Viele sind in mehreren Arbeitskreisen organisiert (Einkauf, Ladendienst, Öffentlichkeitsarbeit,

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BOKUmfeld | BOKUpdate

IFSA - zurück an der BOKU
Eine einzigartige Möglichkeit für ForststudentInnen, internationale Erfahrung zu sammeln.
Autorin: Katharina Albrich

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as ist die IFSA? Nun, dahinter steckt die Möglichkeit, Neues über die Forstwirtschaft im internationalen Vergleich zu lernen, fremde Länder zu besuchen, beste Voraussetzungen für das Studium an ausländischen Universitäten und für Praktika bei internationalen Organisationen zu erhalten, und nicht zuletzt, viele neue Freunde zu finden. Kurz: die International Forestry Student’s Association.

Die IFSA ist eine rein studentische Organisation, auch alle Vorstandsmitglieder sind aktive ForststudentInnen (die Präsidentin von IFSA World, Juliette Mouche, studiert derzeit an der BOKU). Sie vertreten die Interessen der Studierenden auch bei internationalen Konferenzen, zuletzt etwa bei der UN-Klimakonferenz in Durban. Partnerschaften mit anderen Organisationen, wie etwa IUFRO, CIFOR, FAO und UNESCO ermöglichen es der IFSA, gezielt ihre Sichtweise bei forst- und umweltbezogenen Themen in Wissenschaft und Politik einzubringen. Das Hauptziel der IFSA ist es aber vor allem, die Kontakte zwischen ForststudentInnen aus verschiedenen Ländern zu fördern, wozu auch jährliche internationale Treffen beitragen sollen, besonders das International Forestry Student’s Symposium (IFSS), sowie die verschiedenen Treffen der einzelnen Regionen, wie etwa das für Österreich relevante Southern European Regional Meeting (SERM). Dabei geht es darum, die Wälder und forstlichen Besonderheiten anderer Länder kennenzulernen und neue Bekanntschaften zu schließen.
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Foto: Katharina Albrich

Die IFSA ist in „Local Committees (LC)“ organisiert, selbstständigen Vereinigungen von Forststudierenden in den einzelnen Ländern, die gleichzeitig Mitglieder bei IFSA World sind. Seit dem Frühling 2011 gibt es nun auch an der BOKU Wien wieder ein Local Committee. Schon früher gab es immer wieder Versuche, ein solches zu gründen. Die Initiative ging dabei aber meist von ausländischen GaststudentInnen aus und verlief sich wieder im Sande, sobald diese wieder heimkehrten. Dieses Mal ist dem IFSA LC BOKU hoffentlich eine stabilere Zukunft beschert. Seit der Neugründung arbeitet das IFSA LC BOKU daran, interessierten Forststudierenden eine vielfältige Auswahl an Aktivitäten zu bieten. So wurde etwa schon eine gemeinsame Wanderung mit Besichtigung des Forstbetriebes Stift Heiligenkreuz und anderen Programmpunkten organisiert. Eine Exkursion zum
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Naturschutztag in Salzburg sowie ein Besuch des Forstmuseums und des IUFRO Headquarters in Mariabrunn wurden ebenfalls bereits durchgeführt. Für April 2012 ist eine Podiumsdiskussion zum Thema REDD+ geplant, einem der Topthemen im internationalen Umweltschutz. REDD+ soll der Rodung von Wäldern entgegenwirken und dazu beitragen, ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher zu erhalten. Experten aus verschiedenen Feldern werden ihre Sichtweise dieses komplexen Themas darlegen und damit hoffentlich für etwas mehr Durchblick sorgen.

Informationen
http://www.ifsa.net E-Mail LC BOKU: ifsa.boku@gmail.com

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