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Blütengarten

Mein Garten der Zukunft spiegelt als ein Mikrokosmos meine Idealvorstellung von dem Leben auf unserer Erde wider: Sowohl Natur als auch Technik entwickeln sich gleichberechtigt nebeneinander ständig weiter. Unsere Lebenssituation wird zunehmend von dieser Koexistenz geprägt sein. Die expandierende Weltbevölkerung wird vor allem in den Städten leben. Daher müssen wir lernen, mehr Natur vor allem in die Städte zu integrieren, mit kleinen Parkflächen, begrünten Dächern, mit Kletterpflanzen an Gebäudefassaden, mit Gemeinschaftsgärten und intensiv genutzten urbanen Gemüsegärten. In meinem Wunschgarten entwickeln sich Zierpflanzenkombinationen lebendig und dynamisch: Sie versamen sich von selbst, keimen, wachsen und vergehen. Einheimische und nicht heimische Pflanzen gedeihen in diesen künstlich geschaffenen Ökosystemen nebeneinander. Solch ein „globalisierter“ Garten ist zunehmend ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, die multikulturell, sprachlich komplex und vielfältig ist. Diese Gärten sollen Pflanzengesellschaften anstatt Sammlungen von Einzelpflanzen beheimaten, vielen Tieren eine Lebenswelt bieten und die Voraussetzung für eine Steigerung der Biodiversität sein. Jeder Gärtner sollte davon überzeugt sein, dass ein gesunder Garten eine reiche Vielfalt in ihrer Gesamtbreite voraussetzt: von Bäumen über Sträucher bis hin zu Stauden und den diversen Bodendeckern, von Einjährigen bis hin zu Zwiebel- und Knollenpflanzen. Pflanzenökologen lehren, dass mehr als 50 Pflanzenarten in einem Quadratmeter Wiese gedeihen können – im Vergleich dazu sind unsere Gärten ökologische Wüsten. Um eine größere Artenvielfalt zu erhalten, sollten wir lernen, wie Pflanzen mit- und nebeneinander gedeihen und wie wir diese Gemeinschaften erhalten können. Um die Biodiversität im Garten zu steigern, empfiehlt es sich, weniger auf geklonte Sorten zu vertrauen. Pflanzengesellschaften mit genetisch variierenden Individuen sind eine gute Alternative, wenn wir die subtilen Unterschiede in Farbe und Form schätzen lernen. Solche Sorten säen sich meist viel effektiver selbst aus. An schwierigen Standorten, bei denen Pflanzen an die Grenzen ihrer ökologischen Anpassungsfähigkeit stoßen, kann sich eine solche lebendige und dynamische Pflanzengesellschaft viel besser anpassen.

der Zukunft
Unser aktuelles Gemüsesortiment ist recht eingeschränkt, dabei gibt es als Alternativen noch viele essbare Wildpflanzen zu entdecken. Neben den konventionellen Gemüsegärten wären Rabatten erstrebenswert, die essbare Pflanzen integrieren. So könnte auch das Ernten von Gemüse oder das Pflücken von Salat zum Abendbrot zu einem Erlebnis werden, das uns das Füllhorn der Natur vor Augen führt. Die Nahrungssuche im eigenen Garten könnte ein wenig von dem Abenteuer bieten, Essbares in der Wildnis zu finden. Für den traditionellen Gemüsegarten wünsche ich mir, dass sich der heutzutage stark ausgeprägte Trend, Obst und Gemüse für den Eigenbedarf selbst heranzuziehen, weiter fortsetzt. Aber um wirklich produktiv zu sein – und dadurch mehr Platz für die Natur im Garten zu schaffen –, müssen wir unsere Angst vor Biotechnologie verlieren und genmanipulierte Früchte akzeptieren. Meine Wunschliste umfasst: krankheitsresistente Kartoffeln, Kohlsorten, die keine Raupen anziehen, Tomaten, die zuverlässig auch in kühlen nordeuropäischen Sommern im Freiland fruchten, und Sorten von all den wundervoll schnell zubereitungsfähigen asiatischen Gemüsen wie Pak Choi und Mizuna, die nicht so schnell verkochen. Der Garten der Zukunft ist nicht allzu schwierig realisierbar. In den Gärtnereien steht bereits ein umfangreiches Pflanzensortiment zur Verfügung, und die Forschung in der Pflanzenzüchtung macht enorme Fortschritte. Wir müssen lernen, mit der Natur in Einklang zu leben, wobei die Akzeptanz technischer Entwicklungen gleichermaßen wichtig ist. Übersetzung: Kirsten Unshelm

Noel Kingsbury ist Buchautor, Kolumnist, Dozent und Gartenplaner in England
Gartenpraxis 12-2011

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