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08 MAGAZIN Dienstag, 29. November 2011 Nr. 277 09 * Buchtipps ten, ca. 38 Euro. Noel

MAGAZIN

Dienstag, 29. November 2011

Nr. 277

09
09

*

Buchtipps

Buchtipps ten, ca. 38 Euro. Noel Kingsbury: „Natural Gar- den Style: Gar- dening inspired by Nature“.

ten, ca. 38 Euro.

Buchtipps ten, ca. 38 Euro. Noel Kingsbury: „Natural Gar- den Style: Gar- dening inspired by Nature“.

Noel Kingsbury:

„Natural Gar- den Style: Gar- dening inspired by Nature“. Merrell Pub- lishers, 191 Sei-

Vom gleichen Autor ist kürz- lich erschienen:

„Gärten! Gar- tengestalter aus aller Welt zei- gen ihre priva-

ten Paradiese“. Deutsche Ver- lags-Anstalt, 224 S., 39,95 Euro.

Deutsche Ver- lags-Anstalt, 224 S., 39,95 Euro. Außerdem: „Traumgärten: Internationale Gartenarchitek-

Außerdem:

„Traumgärten:

Internationale

Gartenarchitek-

ten präsentie- ren ihre Meis- terwerke“.

Deutsche Verlags-Anstalt, 2005, 224 Seiten, 39,90 Euro.

die sich für dieseArt des Gärtnerns interessieren, sich draußen umzu- schauen. Etwa auf sich selbst über- lassene Wiesen, auf denen sich Wildpflanzen ansiedeln konnten. Oder in Gärten wie dem Her- mannshof in Weinheim.

GARTEN

Oder in Gärten wie dem Her- mannshof in Weinheim. GARTEN Ein Hingucker: trockene Mohnkapseln in winterlichem

Ein Hingucker: trockene Mohnkapseln in winterlichem Sonnenschein

schaften. So finden sich in direkter Nachbarschaft zu seinemWildgar- ten Versuchsfelder mit Stauden- kombinationen – Ziel ist es, ideale Zusammenstellungen von Pflan- zen zu finden, die ohne großen Aufwand, Düngung und Pflege ein

möglichst stabiles Gleichgewicht bilden. Im Buch „Natural Garden Style“ fasst er alles Wichtige über das „Gärtnern im natürlichen Stil“ zu- sammen. „Die Natur ist Inspirati- on“, sagt Kingsbury und rät allen,

Die neue Ästhetik

Naturnahes Gärtnern liegt im Trend – Ein Besuch im „Wildgarten“ von Noel Kingsbury

VON INA SPERL

wären sie als „Unkraut“ aus dem Beet verbannt worden. Heute set- zen viele Gärtner lieber die „natür- lich“ aussehenden Pflanzen, zie- hen einfache Wildformen den pompösen Neuzüchtungen vor. Ausgeblühtes darf stehenbleiben, Stauden werden erst im Frühjahr zurückgeschnitten. Eine neue Ästhetik bestimmt die Gärten, doch ist es mehr als das:

Meist steckt ein neuer Anspruch hinter dieser Art der Gestaltung. Ein Blumenbeet soll nicht nur schön aussehen, es soll auch öko- logisch nachhaltig sein und Tiere anlocken. Bienen können in einfa- chen Blüten

Nektar

finden. Andere

kleine Lebewe-

sen finden im Winter Unter- schlupf in tro- ckenem Blattwerk und Laubhau- fen. Chemie kommt selten zum Einsatz, eher Nützlinge.

„Naturnahes“ oder gar „natürli- ches“ Gärtnern wird dies gerne ge- nannt. Es entstammt meist dem Wunsch, sich ein Stück „Natur“ ans Haus zu holen – das, was au- ßerhalb der Gärten in der Land- schaft zu finden ist: Büschel von Gräsern, scheinbar willkürliche

Pflanzenkombinationen,Hagebut-

ten, trockene Samenstände, sanfte Übergänge statt scharfer Beetkan- ten. Diese „Natur“ ist allerdings in der Regel menschengemacht. Ackerränder, Hecken,Wälder–al- les entstand durch menschliches Wirken. Auch das Gärtnern selbst ist nicht „natürlich“, ist es doch an sich eine kulturelle Handlung.

„Was wir von einem Fleckchen Er- de wollen und was die Natur damit machen würde, wenn wir sie lie- ßen, liegt weit auseinander“, sagt Noel Kingsbury. „Stilisierte Natur“ nennt Kings- bury das, was im Garten geschieht. Als „Gärtnern im natürlichen Stil“

kann das bezeichnet werden, was im Trend zu liegen scheint, und doch eigentlich gar nicht neu ist. Der Ire William Robinson schrieb schon 1870 sein Buch „The Wild Garden“, ein Standardwerk für alle diejenigen, für die Gärtnern etwas anderes bedeutet als akkurate Ra-

E ine Spinne hat ihr feines Netz zwischen den stacheligen Köpfen der distelähnlichen

Kardegezogen. Sonnenlicht bricht sich in Wedeln von Gräsern. As- tern und Eisenkraut setzen letzte Farbakzente im Dickicht aus schon braunen Stauden. Ein ge- schwungener Pfad führt vorbei an zweiTeichen, die während des tro- ckenen Sommers verlandet sind, dannöffnet sichdas Dickicht zuei-

ner Wiese. Ein schmaler Weg win- det sich durch ein Meer trockener Blütenstände, die auf eine reiche Flora schließen

lassen.

steht die jährli-

che

„Wildgarten“

Noel Kingsbury

Kingsbury die- senTeil seines Grundstücks. Der britische Pflanzenexperte und Gartenautor lebt in Hereford-

shire an der walisischen Grenze. „Wild“ ist hier nicht nur ästhetisch gemeint – etwa in dem Sinne, dass hier mehr Wildformen von Pflan- zen als hochgezüchtete Hybriden zu finden sind. Vielmehr bilden die Pflanzen tatsächlich ein dyna- misches Gleichgewicht, in das der Gärtner nur minimal lenkend ein- greift.Akelei etwa samt sich selber aus, auf der Wiese darf und soll sich an Wildpflanzen ansiedeln,

wassichwohlfühlt.SoentstehtBe-

nennt

Spinnennetz an einer stacheligen Karde in Noel Kingsburys Garten BILDER: SPERL derungen der Pflanzen angeht,
Spinnennetz an einer stacheligen Karde in Noel
Kingsburys Garten
BILDER: SPERL
derungen der Pflanzen angeht, ist
es ganz entscheidend, die Pflanzen
wirklich nur an die Stellen zu set-
zen, an die sie auch gehören – dazu
muss genau geklärt werden, wel-
ches Kleinklima im Garten vor-
herrscht und wie der Boden be-
schaffen ist. Für fast alle Szenari-
en gibt es geeignete Pflanzen-
kombinationen, lediglich trocke-
ner Schatten unter Nadelgehölzen
wirft bisweilen Probleme auf.
Noel Kingsbu-
ry will die idea-
le Zusammen-
stellung von
Pflanzen finden.

Bald

an.

Noel

Die Natur ist Inspiration

Pflanzen finden. Bald an. Noel Die Natur ist Inspiration besser Mahd wegung, der Garten befindet sich

besser

Mahd

wegung, der Garten befindet sich in einem Prozess und sieht nie gleich aus. Karden und Gräser, Schafgarbe und Wiesenkerbel:

Noch vor wenigen Jahrzehnten

Voraussetzungen für Gärtnern im „natürlichen Stil“

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Das Auge schulen: Die Schönheit von Wildpflanzen liegt oft nicht in einer auffälligen Blüte, sondern im Ganzen: in Textur und Form der Blätter, in der Anordnung der Stän- gel und in ihrer Erscheinung wäh- rend der verschiedenen Jahreszei- ten. Überlegt handeln: Nachhaltigkeit spielt für die meisten Gärtner eine entscheidende Rolle. Größere Pflan- zen und Materialien sollten keine

langen Transportwege benötigen, um in den Garten zu gelangen. Mit- unter stellen sich schwierige Fra- gen, etwa bei der Entfernung von nicht gewünschtem „Unkraut“ bei der Vorbereitung des Beetes: Ist es ökologischer, die Fläche mit Plastik- folie, die hinterher weggeworfen wird, abzudecken oder einmalig Chemie einzusetzen? Sich informieren: Was die Beschaf- fenheit des Gartens und die Anfor-

senflächen und Beete voller bunter Einjähriger. In Deutschland war es Karl Foerster, der seit dem frühen 20. Jahrhundert in Potsdam Wild- stauden und Gräser züchtete und sie somit verfügbar machte für Gärten. Richard Hansen erforschte seit den 1950er Jahren Stauden in

Weihenstephanundstellte1972ei-

ne Übersicht über die Lebensbe- reiche von Stauden zusammen:

Pflanzen sollten nicht nur nach Aussehen, sondern nach Eignung für den Standort ausgewählt wer- den.Wie solche Prinzipien im Gar- ten umgesetzt werden können, ist indenSchau- und Sichtungsgärten Weihenstephan und Hermannshof in Weinheim zu sehen und im Westpark München. „New Ger- man Garden Style“ wurde diese Bewegung, die pflegeleicht, öko- logisch und obendrein ästhetisch ansprechend ist, von verblüfften Gärtnern in England getauft. Noel Kingsbury, der traditionel- len britischen Cottage-Gärten überdrüssig, schaute sich in den 1990er Jahren in Europa um und war von dieser Art des Gärtnerns fasziniert. Seitdem erforscht er, ähnlich wie Cassian Schmidt am Hermannshof, Pflanzengemein-

Ein Präriebeet anlegen

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Prärien Prärien bestimmten einst die Land- schaft im Mittleren Westen der USA, im Garten kann dies nur be- dingt nachgeahmt werden. Eine Präriebepflanzung setzt sich etwa im Verhältnis 3:1 aus Gräsern und Stauden zusammen, es gibt sogar fertige Saatmischungen. Wichtig ist, dass sich die Stauden selber aus- samen – etwa Arten der Königsker- ze (Verbascum sinuatum), Finger- hut (Digitalis) und Akelei. Lavendel, Zistrosen oder Riesenehrenpreis (Veronicastrum virginicum) bilden Akzente. Die ersten Jahre sollte Un- kraut gejätet werden, nach etwa drei Jahren sollte sich ein ökologi- sches Gleichgewicht einstellen. Die Zahl der blühenden Pflanzen wird mit der Zeit zugunsten der Gräser abnehmen. Wichtig: Eine „Prärie“ muss anders angelegt werden als ein klassisches Staudenbeet, gibt

Kingsbury zu bedenken: Gräser brauchen zum Beispiel Licht von hinten. Am besten erschließt sich ei- ne „Prärie“ durch schmale gewun- dene Pfade, die durch das Beet füh- ren.

Was tun im schattigen Garten? Ein Waldspaziergang kann Anre- gungen geben für den Entwurf ei- nes Schattengartens unter hohen Bäumen, rät Kingsbury. Hier wächst die Vegetation in verschiedenen La- gen: Bodendecker, Sträucher, Bäu- me. Ist der Boden nicht zu trocken, fühlen sich hier Farne, Prachtspie- ren (Astilbe), Funkien (Hosta) oder Christophskräuter (Actaea) wohl. Seggen (Carex) tragen zum natur- ähnlichen Bild bei. Zwiebelpflanzen wie Schneeglöckchen (Galanthus), unter Laubbäume gesetzt, berei- chern den Garten im Frühling. Doch nicht nur Bäume, auch Nachbarhäu-

im Frühling. Doch nicht nur Bäume, auch Nachbarhäu- Helle Gräser und dunkle Blütenstände im

Helle Gräser und dunkle Blütenstände im Hermannshof,Weinheim

ser können ein Grundstück be- schatten. So sind die Bedingungen in engen städtischen Gärten ähnlich

wie in solchen mit hohen Bäumen. Ein Tipp: Mauern hinter Kletter- pflanzen verstecken.