Die Antwort des BMI

Ihre Fragen beziehen sich auf den Nationalen Dopingpräventionsplan. Wie Sie wissen ist das Bundesministerium des Innern nur ein Partner des NDPP, dem sich auch die Länder, der Sport und die NADA verpflichtet haben. Fragen zum NDPP allgemein können daher auch nur von allen Partnern gemeinsam beantwortet werden. Ich bitte Sie daher, sich auch mit diesen Fragen an die Geschäftsstelle der Steuerungsgruppe bei der NADA zu wenden.

Die Antworten der NADA - Viele Dopingpräventions-Aktionen der NADA zielen auf die Information und Aufklärung der Sportler und auf die Bekämpfung der Dopingmentalität. Warum werden so selten Projekte gefördert, die sich mit den dopingbegünstigenden Faktoren des Systems Sport beschäftigen? Zum Beispiel mit dem Leistungsdruck durch Verbände (u.a. durch mit Medaillen verknüpfter Förderung) oder mit dem Problem der Vereinbarung von Ausbildung und Sport?

Die 16 Zielgruppen des Nationalen Dopingpräventionsplans (NDPP) decken die gesamte Dopingprävention ab. Allerdings können über den NDPP nur diejenigen Projekte umgesetzt werden, die auch eingereicht werden. Beispielsweise bezieht die NADA in ihren Präventionsmaßnahmen die Athleten und ihr Umfeld, dies sind Trainer, Eltern, Lehrer aber auch Betreuer, Verbände und insbesondere die Anti-Doping-Beauftragten mit ein. Zudem wurde im Jahr 2011 die Veranstaltung „Saubere Leistung? Doping in Sport und Gesellschaft“ über den NDPP umgesetzt, die als Beitrag zur Verhältnisprävention zu werten ist. Für die Vereinbarung von Ausbildung und Sport hat der DOSB ein Programm erarbeitet, um beides zu ermöglichen. Dafür wurden u.a. die Eliteschulen des Sports ins Leben gerufen.

- Warum entscheidet über die Vergabe der Präventionsgelder des Nationalen Dopingpräventionsplanes die Steuerungsgruppe bestehend aus NADA, DOSB, BMI und SMK? Verhindert das nicht eine offene Betrachtung der Doping fördernden Umstände des Systems Sport, wenn die Akteure selbst über die Mittelvergabe entscheiden?

Die Steuerungsgruppe besteht aus den Akteuren, die den Nationalen Dopingpräventionsplan unterzeichnet haben und sich zugleich als Geldgeber für Dopingpräventionsprojekte einbringen. Die Entscheidung über die Vergabe der Präventionsgelder liegt nicht bei der Steuerungsgruppe, diese hat primär eine beratende Tätigkeit. Durch die langjährige Erfahrung und den Einblick in Themen der Dopingprävention treffen die Akteure eine Vorauswahl über die eingereichten Projekte. Dies kommt einem externen Expertengremium mit ähnlichen Erfahrungen gleich. Über die Vergabe der Mittel entscheidet im letzten Entschluss der jeweilige Zuwendungsgeber.

- In den vergangenen beiden Jahren sind gut 75 Prozent der geförderten Projekte von NADA und DOSB durchgeführt worden. Warum werden so wenig externe Projekte gefördert?

Ziel des NDPP ist es, Ressourcen zu bündeln und Kooperationen herzustellen. Bei den meisten eingereichten Projekten wurden Kooperationen und Synergien geschaffen, um Dopplungen zu vermeiden.

- Warum veröffentlichen Sie keine Kriterien zur Vergabe der Gelder für Präventionsprojekte?

Die Kriterien, nach denen die Steuerungsgruppe eine Vorauswahl der eingereichten Projekte trifft, sind auf der Homepage der NADA www.nada-bonn.de einsehbar. Die Kriterien zur Vergabe der Mittel sind beim jeweiligen Zuwendungsgeber zu erfragen.

- Warum lassen Sie die Gelder für Präventionsprojekte nicht von einer unabhängigen Expertenkommission vergeben?

siehe oben

- Warum veröffentlichen Sie nicht die vergebenen Summen pro Projekt, die Projektnehmer und die Projektskizzen?

Die Projektnehmer und Projektbeschreibung finden Sie auf der Homepage der NADA. Ob

weitere Informationen zu den Projekten veröffentlich werden können, wird am 03. Mai mit der Steuerungsgruppe des NDPP abgestimmt. Zum aktuellen Zeitpunkt spricht sich die Steuerungsgruppe gegen eine Veröffentlichung der Zahlen aus.

Bis Mitte 2013 ist eine Evaluation des Nationalen Dopingpräventionsplans vorgesehen, um diesen auf die Umsetzung seiner Ziele und die Aufgabenerfüllung der Partner hin zu untersuchen.

Die Antworten des DOSB Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Klaue,

ich arbeite für den Deutschlandfunk an einem Beitrag zur Dopingprävention in Deutschland. Dazu habe ich auch einige Fragen an Sie. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir meine Fragen bis zum kommenden Dienstagmittag beantworten könnten.

Grundsätzliche Anmerkung: Wir unterscheiden in der Begrifflichkeit zwischen Doping im Leistungssport und dem Medikamentenmissbrauch (im Breitensport und im Alltag). Die Grundsatzhaltung des DOSB zum Thema Doping lässt sich am besten am Zehn-Punkte-Plan des DOSB ablesen, den die Mitgliederversammlung 2006 in Weimar beschlossen hat. Im Bereich Medikamentenmissbrauch hat der DOSB zusammen mit ABDA und ADAC jüngst eine Initiative gestartet, um auf das Problem aufmerksam zu machen, da es weit über den Sport hinausgeht. Zum Doping: Dies begründet sich nicht aus dem Eigensinn des Sports. Im Gegenteil: Doping macht letztlich den Sport kaputt. Was dem Sport aber immanent ist, ist der Leistungsgedanke, der Wunsch noch Hoch- und Höchstleistungen. Dabei greifen einige Athletinnen und Athleten, bisweilen unterstützt durch ihr Umfeld, zu unerlaubten Mitteln; deshalb zielt die Prävention von dsj und DOSB zuallererst auf die Förderung einer Doping ablehnenden Mentalität (Verhaltensprävention).

- Viele Dopingpräventions-Aktionen in Deutschland (vor allem von NADA und DOSB/dsj) zielen auf die Information und Aufklärung der Sportler und auf die Bekämpfung der Dopingmentalität. Warum beschäftigen sich die Projekte des DOSB/der dsj so selten mit den

dopingbegünstigenden Faktoren des Systems Sport? Zum Beispiel mit dem Leistungsdruck durch Verbände (u.a. durch mit Medaillen verknüpfter Förderung) oder mit dem Problem der Vereinbarung von Ausbildung und Sport?

Die dsj, die hier federführend für den DOSB tätig, sieht ihre Aufgabe in einer pädagogischorientierten Dopingprävention, die nicht nur auf Information und Qualifikation von jungen Sportler/-innen zielt, sondern auf die Entwicklung einer Haltung, die intrinsisch motiviert für einen sauberen Sport und gegen jegliche Leistungsmanipulationen gerichtet ist. In der Tat entspricht dies einer Schwerpunktsetzung in der Verhaltensprävention hat aber auch Auswirkungen auf die Verhältnisprävention, da im Rahmen unseres Konzeptes auch Ausbilder/- innen geschult werden und damit die Botschaft der Dopingprävention sehr breit in unsere Strukturen getragen wird. Darüber hinaus engagiert sich der DOSB stark in der Förderung und Weiterentwicklung der Dualen Karriere für Sportler/-innen.

- Warum entscheidet über die Vergabe der Präventionsgelder des Nationalen Dopingpräventionsplanes die Steuerungsgruppe bestehend aus NADA, DOSB, BMI und SMK? Verhindert das nicht eine offene Betrachtung der Doping fördernden Umstände des Systems Sport, wenn die Akteure selbst über die Mittelvergabe entscheiden?

Warum soll durch die Zusammensetzung der Steuerungsgruppe eine offene Betrachtung verhindert werden? Der Sport hat ein tiefbegründetes Eigeninteresse, Doping zu bekämpfen (siehe Eingangsbemerkung). Lösungen können aber nur dann gefunden werden und funktionieren, wenn sie auf den Strukturen des Sports aufbauen. Deshalb wurde der Nationale Dopingpräventionsplan entwickelt. Es geht eben nicht um die Flörderung von Einzelprojekten zur Dopingprävention, sondern um die dauerhafte Implementierung der Dopingprävention in die bestehenden Angebote, Verfahren, etc. des Sports. Im Übrigen wird die Entscheidung nicht durch die Steuerungsgruppe getroffen, sondern durch die jeweiligen Zuwendungsgeber (in der Regel das BMI, in einzelnen Fällen auch Länder, die im Rahmen des NDPP Aktivitäten der Dopingprävention fördern). Darüber hinaus ist eine Evaluation des NDPP geplant, die die Effizienz und Effektivität von dessen Arbeit zum Gegenstand hat.

- In den vergangenen beiden Jahren sind gut 75 Prozent der geförderten Projekte von NADA und DOSB durchgeführt worden. Warum werden so wenig externe Projekte gefördert?

Es kann damit zusammenhängen, dass die überwiegende Anzahl von Maßnahmen auch durch NADA und dsj beantragt wurden. Auch hier wurden nicht alle beantragten Maßnahmen durch die Zuwendungsgeber gefördert, sondern eine Auswahl getroffen. Darüber hinaus siehe vorherige Antwort.

- Warum werden keine Kriterien zur Vergabe der Gelder für Präventionsprojekte veröffentlicht?

Der NDPP mit Zielen und Handlungsfeldern ist veröffentlicht. Die Kriterien zur Vergabe der Mittel sind beim jeweiligen Zuwendungsgeber zu erfragen.

- Warum werden die Gelder für Präventionsprojekte nicht von einer unabhängigen Expertenkommission vergeben?

Wo läge der Nutzen? Wer ist ein unabhängiger Experte? Dopingfachleute? Implementierungsexperten? Strukturexperten? Derzeit wird die Expertise durch wissenschaftliche Begleitung/Evaluation sichergestellt. Darüber hinaus begleiten sowohl die Steuerungsgruppe als auch die Mitglieder des Runden Tisches im NDPP an dem alle relevanten gesellschaftlichen und staatlichen Akteure im Themenfeld Dopingprävention mitwirken, diesen Prozess. Letztlich liegt die finale Entscheidung jedoch beim Zuwendungsgeber.

- Warum werden die vergebenen Summen pro Projekt, die Projektnehmer und die Projektskizzen nicht veröffentlicht?

DOSB und dsj hätten keine Probleme damit. Im dsj-Jahresbericht finden sich die Zahlen, sie sind damit öffentlich für den Projektträger DOSB/dsj. Über die Inhalte der Projekte

informieren wir regelmäßig in unseren Berichten. Projektskizzen zu veröffentlichen, halten wir nicht für zielführend.

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