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Das Kunsthistorische Museum in Wien

Das Kunsthistorische Museum in Wien

Prestel Museumsführer

Prestel

München · Berlin · London · New York

Medieninhaber und Herausgeber

Generaldirektor Wilfried Seipel Kunsthistorisches Museum 1010 Wien, Burgring 5 info@khm.at www.khm.at

Lektorat

Elisabeth Herrmann-Fichtenau

Fotonachweis

© Kunsthistorisches Museum Wien

Leitung: Stefan Zeisler Fotos: Chris Mendez, Alexander Rosoli, Andreas Uldrich Bildbearbeitung: Sabine Sommer Zusätzliche Fotos: Marianne Haller, Inge Kitlitschka, Hans Kräftner

Abbildung auf dem Cover

Kunsthistorisches Museum, Fassade Maria Theresien-Platz

Abbildung auf der Cover-Rückseite

Benvenuto Cellini, „Saliera”

© Prestel Verlag München · Berlin · London · New York und Kunsthistorisches Museum 2007

Alle Rechte vorbehalten. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Prestel Verlag

Königinstraße 9 80539 München Tel.: +49 (89) 24 29 08-300 Fax: +49 (89) 24 29 08-335 www.prestel.de

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Projektkoordination: Anja Besserer unter Mitarbeit von Veronika Wilhelm Lektorat: Dr. Willfried Baatz, alpha & bet

VERLAGSSERVICE, München

Satz, Layout: a.visus, Michael Hempel, München Covergestaltung: SOFAROBOTNIK, Augsburg & München Herstellung: Florian Tutte Lithografie: Reproline Mediateam, München Druck und Bindung: Passavia Druckservice, Passau

Gedruckt in Deutschland auf chlorfrei gebleichtem Papier

ISBN 978-3-7913-3603-9

(deutsche Ausgabe)

ISBN 978-3-7913-3604-6

(englische Ausgabe)

ISBN 978-3-7913-3605-3

(italienische Ausgabe)

ISBN 978-3-7913-3929-0

(französische Ausgabe)

Inhalt

Wilfried Seipel

Vorwort

9

Cäcilia Bischoff

Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums

13

Elfriede Haslauer, Helmut Satzinger

Ägyptisch-Orientalische

Sammlung

21

Alfred Bernhard-Walcher, Kurt Gschwantler, Manuela Laubenberger, Georg Plattner, Karoline Zhuber-Okrog

Alfred Auer, Rotraud Bauer (), Bernhard Descheemaeker, Rudolf Distelberger, Sabine Haag, Franz Kirchweger, Stefan Krenn (), Claudia Kryza-Gersch, Manfred Leithe-Jasper, Paulus Rainer, Katja Schmitz-von Ledebur, Helmut Trnek

Antikensammlung

Kunstkammer

41

73

Martina Haja (), Gabriele Helke, Wolfgang Prohaska, Johannes Ramharter, Karl Schütz, Christoph Zuschlag

Gemäldegalerie

129

Günther Dembski, Helmut Jungwirth, Karl Schulz ()

Münzkabinett

217

Anhang

231

Register nach Künstlernamen 232 Register nach Inventarnummern 237

9

Vorwort

Der neue Prestel-Führer stellt ein Desiderat für die Besucher des Kunsthistorischen Museums dar, dessen Realisierung längst überfällig ist. Er gibt mit seinen rund 280 Abbildungen und den erklärenden Texten einen Gesamtüberblick über die Bestände der bedeutendsten Sammlungen unseres Hauses. In mehrere Sprachen übersetzt, wird er in den nächsten Jahren gleichsam als Leitfaden für das aus Nah und Fern zu uns kommende Publikum dienen. Die jährlich über 600000 Besucher des Haupthauses an der Wiener Ringstraße stammen zu etwa 75Prozent aus dem Ausland, wobei über hundert verschiedene Nationen vertreten sind. So findet sich das Kunsthistorische Museum – vergleichbar dem Pariser Louvre oder der Eremi- tage in St.Petersburg – unter jenen kulturellen Begegnungsorten Europas, die bei einem Besuch der jeweiligen Stadt zu den absoluten Höhepunkten zählen. Der spezielle Charakter der Architektur des Hauses, die Ausschmückung des Stiegenhauses, dessen Deckengemälde und vor allem die Innengestaltung der Sammlungsräume sind gegenüber der Ausstattung aller anderen Museen beson - ders hervorzuheben. Im Unterschied zu der Eremitage oder dem Louvre, die ursprünglich als Paläste geplant und benutzt wurden, war das Gebäude des Kunsthistorischen Museums von allem Anfang an als Museum konzipiert und er - richtet worden. Zu den bemerkenswerten Eigenheiten der in diesem Führer kurz angerissenen spannenden Baugeschichte des Hauses am Ring zählt etwa der (ursprünglich gar nicht geplante) Einbau der drei Papyrusbündelsäulen in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung. Sie waren ein Geschenk des Khediven Ismail an Kaiser Franz Josef I., der anlässlich der Eröffnung des Suez-Kanals in Ägypten weilte, und sind heute die einzigen Monumente Altägyptens außerhalb Ägyp- tens, denen auch eine architektonische Funktion zukommt. Die in den letzten Jahren vorgenommene Neueinrichtung der Ägyptisch-Orienta- lischen Sammlung und der Antikensammlung macht einen Besuch unseres Museums noch attraktiver. Leider ist zur Zeit der Fertigstellung dieses Gesamtfüh- rers die Kunstkammer aufgrund einer gänzlichen Neugestaltung und Restaurie- rung noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, doch sind wir guten Mutes, dass sie bei der hoffentlich bald notwendigen 2.Auflage dieses Führers in neuem Glanz zu sehen sein wird. Natürlich sind jedoch ihre wichtigsten Sammlungsob- jekte in dieser Publikation vertreten. Nicht nur die Architektur mit ihrer kostbaren Ausstattung hebt das Kunsthisto- rische Museum unter vielen anderen heraus, sondern auch und vor allem die einzigartige Provenienz der vom Kunstsinn und Mäzenatentum der Herrscher aus dem Hause Habsburg geprägten Sammlungen, die auch heute noch ein Pano- rama europäischer Kunst- und Kulturgeschichte bieten. So ist in den intimen Räumen des ehemals k.u.k. Münzkabinetts die etwa 1100 Bildnisse umfas- sende Porträtsammlung Erzherzog Ferdinands von Tirol untergebracht, die dem

9 Vorwort Der neue Prestel-Führer stellt ein Desiderat für die Besucher des Kunsthistorischen Museums dar, dessen
9 Vorwort Der neue Prestel-Führer stellt ein Desiderat für die Besucher des Kunsthistorischen Museums dar, dessen
9 Vorwort Der neue Prestel-Führer stellt ein Desiderat für die Besucher des Kunsthistorischen Museums dar, dessen
9 Vorwort Der neue Prestel-Führer stellt ein Desiderat für die Besucher des Kunsthistorischen Museums dar, dessen

10 Vorwort

Vorwort
Vorwort
Vorwort
Vorwort
Vorwort
Vorwort

Vorwort 11

Vorwort Besucher gleichsam ein Who is who wichtiger Zeitgenossen und Vorfahren des Ambraser Schlossherrn darbietet. Neben

Besucher gleichsam ein Who is who wichtiger Zeitgenossen und Vorfahren des Ambraser Schlossherrn darbietet. Neben den bereits erwähnten Samm- lungen im Hochparterre, der Ägyp- tisch-Orientalischen Sammlung und der Antikensammlung, sowie der zur Zeit geschlossenen Kunstkammer stellt die Gemäldegalerie im ersten Stock mit über 800 Bildern einen Hauptanzie- hungspunkt unseres Hauses dar. Sie geht im Wesentlichen auf den Kunst- besitz Kaiser Rudolfs II. und des Erz- herzogs Leopold Wilhelm zu rück. In ihr vollzieht sich jenes unüberbietbare Wunder der Zusammenschau höchster künstlerischer Qualität, das den Besu- cher gleichsam in eine andere Welt ver- setzt. Einen Schwerpunkt bilden die Werke der venezianischen Renaissance mit berühmten Gemälden Giorgiones, Tizians, Tintorettos und Veroneses; dazu kommen die altdeutsche Malerei mit zahlreichen Werken Dürers und die zwölf prachtvollen Gemälde Pieter Bruegels des Älteren – der umfangreichste Bestand an Bildern dieses Meisters in einem Museum. Der flämische Hochbarock ist mit Gemälden von Peter Paul Rubens und anderen reich vertreten. Nicht zu vergessen sind auch die Hauptmeister der europäischen Porträtmalerei von Jan van Eyck über Rembrandt und van Dyck bis Diego Velázquez. Das Kunsthistorische Museum stellt, weil aus ehemals kaiserlichem Besitz her- vorgegangen, kein österreichisches Nationalmuseum, sondern vielmehr ein über- nationales Gesamtkunstwerk dar. Diese Publikation soll den Besucherinnen und Besuchern Auskunft über die historischen und künstlerischen Zusammenhänge geben und dazu beitragen, die Betrachtung der kostbaren Bestände inhaltlich zu vertiefen. Freilich kann auch ein noch so guter Führer nicht an die Stelle eines Museumsbesuchs treten. Nur vor dem Original findet jene Zwiesprache statt, die idealerweise in Form eines Erlebnisprozesses zur Rührung, zum Staunen, zumin- dest aber zur Bewunderung führen sollte. Erst dann erfüllt das Kunstwerk, aber auch das Museum, seinen eigentlichen Zweck.

Vorwort Besucher gleichsam ein Who is who wichtiger Zeitgenossen und Vorfahren des Ambraser Schlossherrn darbietet. Neben

Wilfried Seipel · Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums

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Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums

Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren Publikum zugänglich gemacht. Bereits 1750 war in Paris mit der „Galerie du Luxembourg“ eine öffentliche Schausammlung eingerichtet worden. Um 1800 war in Europa die allgemeine Öffnung fürstlicher und königlicher Sammlungen an einigen Wochentagen und bei schönem Wetter bereits die Regel. Als erster eigen- ständiger Museumsneubau wurde 1817 die im Süden Londons gelegene Dulwich Picture Gallery eröffnet. Es folgten 1830 die Eröffnung der Münchner „Glypto- thek“ und des Berliner „Alten Museums“, 1836 betraten die ersten Besucher den Neubau der Alten Pinakothek, ebenfalls in München.

13 Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren
13 Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren

In Wien entsprachen die Unterbringung der kaiserlichen Gemäldesammlung in den 1710 bis 1720 eigens dafür umgebauten Teilen der so genannten Stallburg in Wien und ihr von Maria Theresia initiierter Umzug in das Obere Belvedere der in Europa vielfach geübten Praxis, ererbte oder neu erworbene Kunstsammlungen in den Residenzbauten einer wachsenden Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hatte man zunächst nur reisenden Adeligen und Akademieschülern Zutritt in die kaiserliche Galerie gewährt, so war es ab dem späten 18. Jahrhundert – gegen ein Eintrittsgeld – auch für das Bürgertum möglich, die Sammlung zu besichtigen. Der Beginn der Planungen für die Wiener Ringstraße 1857 gab den Anlass für die Entwicklung eines Konzepts zur Präsentation der kaiserlichen Sammlungen in einem angemessenen, eigenständigen und mit moderner Hänge- und Gebäude- technik ausgestatteten Neubau – bis zum eigentlichen Bauwettbewerb 1867 soll- ten jedoch noch zehn Jahre vergehen. Es beteiligten sich daran die in Wien täti- gen Architekten Hansen, Löhr, Ferstel und Hasenauer. Da sich die Jurymitglieder und der Bauherr Kaiser Franz Joseph über Monate hinweg nicht auf eines dieser

13 Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren
13 Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren
13 Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren
13 Baugeschichte des Kunsthistorischen Museums Im 18. Jahrhundert wurden Kunstsammlungen in Europa vermehrt einem breite- ren

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Projekte einigen konnten, versuchte Karl von Hasenauer, einen auswärtigen, im Museumsbau erfahrenen und international anerkannten Kollegen in die Entschei- dung mit einzubeziehen. Er wandte sich im Sommer 1868 an den 65-jährigen Gott- fried Semper, der als Architekturtheoretiker sowie Museums- und Theaterplaner hohe internationale Reputation besaß. Semper lehnte zunächst ab, brachte dann jedoch auf kaiserlichen Wunsch die Pläne Hasenauers in ein mehrheitsfähiges und baureifes Stadium. Die beiden von Hasenauer vorgesehenen, einander jenseits der Ringstraße, zwischen Hofburg und Stallungen (dem heutigen Museumsquartier) gegenüberliegenden Baukörper des Kunst- und des Naturhistorischen Museums wurden beibehalten. Semper erweiterte dieses Konzept jedoch – wobei er letzt- lich auf antiken Städtebau zurückgriff – zum so genannten „Kaiserforum“. In Verlängerung der Museumsbauten schlug er ebenfalls symmetrisch ange- legte, jeweils mit einem segmentförmigen Vorbau versehene Baukörper vor – der im rechten Winkel dazu gelegene Leopoldinische Trakt der Hofburg sollte eine diesen Neubauten angepasste Fassade erhalten und in seiner Mitte den Thronsaal aufnehmen. Dieser hätte den Auftakt zu einer städtebaulichen Achse über die Ringstraße hinweg bis zu den Hofstallungen gebildet. Als weiteren Be standteil des Kaiserforums plante Semper zwischen den Museen und den Neubauten am Heldenplatz jeweils einen Triumphbogen auf der den weitläufigen Platz zweitei- lenden Ringstraße. Tatsächlich realisiert wurden jedoch nur die beiden Museumsbauten und der südöstlich zum Burggarten hin gelegene Teil der „Neuen Burg“. 1871 begannen die Arbeiten für die Museen, zwanzig Jahre später, 1891, konnten die beiden Gebäude eröffnet werden. Die Zusammenarbeit zwischen Semper und Hasenauer war von Anfang an mühevoll. Vertraglich geregelt wurde die Verteilung der Zuständigkeiten bis zum unfreiwilligen Weggang Sempers aus Wien 1876 nicht. Altersunterschied und konträre künstlerische Charaktere hatten einen gemein- samen Abschluss des Projektes durch Hasenauer, den neobarock denkenden Wiener, und Semper, den nüchternen Hamburger, trotz aller Professionalität unwahrscheinlich gemacht. Unter Sempers Einfluss waren die Fassaden des Hasenauer’schen Museums- entwurfes geglättet und mit einem reichen bildnerischen Gesamtprogramm überzogen worden, in dem sich die Semper’sche Vorstellung einer Geschichte der Kunst widerspiegelt: Am Sockelgeschoss erscheinen verschiedene Kunsthand werke (sie stehen für das „Stoffliche“), am Hauptgeschoss finden sich Allegorien der wichtigsten europäischen Kunstzentren (als Repräsentanten des „Kulturgeschicht - liche[n]“), auf der Balustrade schließlich stehen Figuren der bedeutendsten, aus diesen Voraussetzungen hervorgegangenen Künstler, Ausdruck für das „Persön - liche“. Ein zusätzliches Ordnungsprinzip bilden die vier Fassaden des rechteckigen

Baugeschichte 15

Baugeschichte Baukörpers, die nach dem zuvor genannten Prinzip den verschiedenen Epochen der Kunst gewidmet sind: Die
Baugeschichte Baukörpers, die nach dem zuvor genannten Prinzip den verschiedenen Epochen der Kunst gewidmet sind: Die

Baukörpers, die nach dem zuvor genannten Prinzip den verschiedenen Epochen der Kunst gewidmet sind: Die zur Babenbergerstraße hin ausgerichtete Fassade steht für die Antike, diejenige an der Lastenstraße für das Mittelalter; die Front am Maria Theresien-Platz gilt der Renaissance und schließlich diejenige am Burgring der Neuzeit. Dass im Skulpturenschmuck der Hauptfassade gerade die Leistungen der Renaissance präsentiert werden, ist kein Zufall: Die architektonische Formen- sprache des gesamten Gebäudes variiert Formen der Hochrenaissance – eine sti- listische Orientierung, die mit Klenzes Bau der Münchner Alten Pinakothek (1836) ihren Anfang genommen hatte. Die innere Struktur des Gebäudes kombiniert mehrere Bautraditionen: Vesti- bül, Stiegenhaus und Kuppelhalle bilden eine dramaturgische Einheit, die den kaiserlichen Bauherren und seine Vorgänger feiert – Dekoration und Anlage des Treppenhauses übernahmen Semper und Hasenauer in wesentlichen Punkten dem Vorbild des spätbarocken Palazzo Reale in Caserta (1752ff., Architekt: Luigi Vanvitelli). Eine zusätzliche Raffinesse: der kreisrunde Deckenausschnitt im Vesti- bül, der dem Eintretenden bereits einen ersten Blick in die Kuppelhalle ermög- licht. Auch gelangt durch ihn Licht auf das von gedeckten Farbtönen dominierte Entree – eine Anspielung auf das römische Pantheon. Der Gang über die – im besten Falle sonnendurchflutete – Treppenlandschaft führt den Besucher an Antonio Canovas Theseus-Gruppe vorbei in die Kuppelhalle, den Höhepunkt der kaiserlichen Selbstinszenierung.

16 Baugeschichte

Baugeschichte

Baugeschichte 17

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In der Anlage der Ausstellungsräume orientierte sich der kaiserliche Auftrag- geber – gemeinsam mit den Hofbeamten – an einem Muster, das spätestens seit Eröffnung der Alten Pinakothek in München zum Standard geworden war: Große Ausstellungssäle werden mit einer Reihe von kleineren Kabinetten kombiniert. Hier umlaufen sie auf symmetrischem Grundriss, getrennt durch die von Vestibül, Treppenhaus und Kuppelhalle gebildete Mittelachse, jeweils einen Innenhof und ermöglichen so dem Besucher einen bequemen Rundgang. Im Hochparterre liegen diese großen Räume an der Außenfassade, die Kabinette grenzen dement- sprechend an den Innenhof an. Darüber, in den Räumen der Gemäldegalerie, verhält es sich umgekehrt: Oberlicht fällt in die zum Innenhof hingerichteten Säle, die sie umlaufenden Kabinette erhalten das notwendige Licht durch Fenster - öffnungen nach außen. Das gesamte Gebäude wurde – dem technischen Ent- wicklungsstand der Erbauungszeit entsprechend – als Tageslichtmuseum geplant und genutzt. Bei Einbruch der Dunkelheit mussten die Schauräume geschlossen werden. Die ursprüngliche Aufstellung der verschiedenen Sammlungen wird in der höchst qualitätvollen und wissenschaftlich anspruchsvollen Dekoration der Räume nachvollziehbar: Im Hochparterre waren hintereinander folgende Samm lungen untergebracht: die „Ägyptischen Alterthümer“ (heute: Ägyptisch-Orien talische Sammlung), die „Antikensammlung“, die „Sammlung der Münzen und Me dail- len“ (heute: Münzkabinett, 2.Stock), die „Sammlung kunstindustrieller Gegen- stände des Mittelalters und der neueren Zeit“ (heute: Kunstkammer) und schließ- lich die „Waffensammlung“ (heute: Hofjagd- und Rüstkammer, seit 1935 in der Neuen Burg). Grundsätzlich wählten die Architekten als durchgehendes De- korationsprinzip der Decken zartes Renaissanceornament, in das Anspielungen auf die jeweils unterhalb ausgestellten Gegenstände eingeflochten wurden. Kraft- voll unterbrochen wird dieses Muster durch die Räume der Ägyptischen Samm- lung, den zentralen Saal der Antikensammlung und den größten Saal der Kunst- kammer. In der Ägyptischen Sammlung tragen antike Papyrusbündelsäulen die Wände der darüber liegenden Galerieräume; Wanddekorationen, Türlaibungen und Vitrinen variieren ägyptische Motive – Vorläufer hatte eine solch umfassende Anpassung der Museumsräume an das Ausstellungsgut u.a. im 1850 eröffneten „Neuen Museum“ in Berlin (Architekt: August Stüler). Der zentrale Saal der Anti- kensammlung nimmt spätrömische Gewölbeformen auf, der umlaufende Bilder- fries stellt die zwölf wichtigsten griechisch-römischen Götter vor. Schließlich, im Spätbarocksaal der Kunstkammer, zelebriert ein großes Decken- gemälde die „Mäcene der bildenden Künste im Hause Habsburg“. Konsequenter- weise liegt dieser Saal in der Repräsentationsachse Vestibül/Treppenhaus/Kuppel- saal: In ihm wird beides – Selbstdarstellung der Habsburger und Raum für die

Baugeschichte 19

Baugeschichte wissenschaftlich geordnete Sammlung – raffiniert miteinander verbunden. Auf jener Mittelachse verdichten sich barockisierende Dekorationselemente zu
Baugeschichte wissenschaftlich geordnete Sammlung – raffiniert miteinander verbunden. Auf jener Mittelachse verdichten sich barockisierende Dekorationselemente zu

wissenschaftlich geordnete Sammlung – raffiniert miteinander verbunden. Auf jener Mittelachse verdichten sich barockisierende Dekorationselemente zu einem der feierlichsten und kostbarsten Innenräume des Wiener Späthistorismus, ja so gar der gesamten europäischen Museumsarchitektur. Die Polychromie von Marmor und Stukkolustro und die Decken- und Wandmalereien im Treppenhaus – sie stammen u.a. von Mihály von Munkácsy (Deckengemälde), Hans Makart (Lünet- tenfelder) und Gustav Klimt (Zwickelfelder gegen die Kuppelhalle) – sowie die rei- che Reliefdekoration der Kuppelhalle (Bildnismedaillons der Kaiser Maximilian I., Karl V., Rudolf II., der Erzherzöge Ferdinand [II.], Albrecht [VII.] und Leopold Wilhelm sowie der Kaiser Karl VI. und Franz Joseph I. von Johann Benk; Reliefs von Rudolph Weyr) beherrschen den Gesamteindruck. Die Räume der Gemäldegalerie sind dagegen nur in der Deckenzone mit monochromen, durch Goldhöhungen aufgelockerten Stuckornamenten versehen. In Zeiten reiner Tageslichtnutzung sorgte die Proportion der Oberlichtsäle, d.h. das Verhältnis der Raumgröße zu Deckenhöhe, für einen optimalen Einfallswinkel des Lichtes und damit für eine möglichst große Hängefläche. Vieles des bisher Beschriebenen gilt in gleicher Weise für das gegenüber- liegende Naturhistorische Museum. Die grundsätzliche Raumdisposition und ein ebenfalls auf die Sammlungen abgestimmtes Dekorationsprogramm findet man auch dort, doch wurde, dem nüchternen Gegenstand entsprechend, weitgehend auf polychrome Inszenierungen, voluminöse Wand dekorationen und dominante Herrscherpräsenz verzichtet.

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Ägyptisch-Orientalische

Sammlung

22 Ägyptisch-Orientalische Sammlung

Ägyptisch-Orientalische Sammlung Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums gehört gerade im Hinblick auf ihre überaus
Ägyptisch-Orientalische Sammlung Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums gehört gerade im Hinblick auf ihre überaus
Ägyptisch-Orientalische Sammlung Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums gehört gerade im Hinblick auf ihre überaus

Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums gehört gerade im Hinblick auf ihre überaus reichen Bestände an Denkmälern des Alten Reiches zu den größten Sammlungen auf ihrem Gebiet. Sie kam im Wesentlichen im 19. und 20. Jahrhundert zustande und setzt sich aus Ankäufen, Schenkungen und Neuerwerbungen aus Grabungen zusammen. Die wenigen ägyptischen Altertümer, die es bereits im 18. Jahrhundert in habs- burgischem Besitz gab, waren im Münz- und Antikenkabinett erfasst. Eine gewisse Emanzipation ergab sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die ägyptische Kultur durch die spektakuläre napoleonische Expedition (1798 – 1799) eine Wertschätzung erfuhr wie nie zuvor. Die Sammlung vermehrte sich kon- tinuierlich durch namhafte Schenkungen. Ihre größte Erweiterung erfuhr sie 1821 durch einen großzügigen Ankauf in Ägypten, der ihren Bestand auf mehrere tausend Objekte erhöhte. Durch diesen Zuwachs und die dadurch bedingte Raumnot wurde eine räumliche Veränderung notwendig. Bis dahin war die Sammlung zusammen mit der klassischen Antikensammlung im Augustinergang hinter der Hofbibliothek untergebracht gewesen, 1824 wurde sie dem Publikum in einem Palais in der Johannesgasse zugänglich gemacht. Dieses räumliche Eigenleben dauerte freilich nicht lange: 1837 musste sie ins Untere Belvedere übersiedeln, wo sich auch bereits die klassischen Antiken befanden. Die wichtigsten Schenkungen erfolgten um die Jahrhundertmitte durch Anton Ritter von Laurin, von 1824 bis 1849 österreichischer Generalkonsul in Alexan- dria. Ihm verdankt die Wiener Sammlung auch die Entdeckung des prächtigen Steinsarkophags des Nes-schu-tefnut. Ein substantieller Zuwachs ergab sich schließlich 1878 durch die Einbeziehung der Sammlung Miramar des Erzherzogs Ferdinand Max, des späteren Kaisers Maximilian von Mexiko, der 1867 erschossen worden war. Erst mit der Eröffnung des Kunsthistorischen Museums, das die habsburgi - schen Kunstsammlungen zusammenfassen sollte, wurde der Ägyptischen Samm- lung wieder ein eigener Raumkomplex zugedacht. Im 20. Jahrhundert kam die größte Zahl der Neuerwerbungen durch die öster - reichischen Ausgrabungen in Ägypten zustande. Hier sind vor allem die zwischen 1912 und 1929 im Bereich der Pyramiden von Giza durchgeführten Grabungen von Hermann Junker zu erwähnen, denen fast der gesamte Reichtum an Denk - mälern des 3. Jahrtausends v.Chr. (Altes Reich) zu verdanken ist, darunter der berühmte Reservekopf, zahlreiche Grabstatuen, beschriftete und reliefierte Archi - tekturteile wie Scheintüren und Architrave, Särge aus Stein und Holz, Kanopen, Schmuck, Gefäße aus verschiedenen Materialien usw. Die Kultkammer des Ka-ni-nisut konnte dank einer privaten Finanzierung 1913 aus dem Besitz des ägyptischen Altertumsdienstes angekauft werden.

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Ägyptisch-Orientalische Sammlung Den Schwerpunkt der Orientalischen Sammlung bilden Denkmäler der antiken Kultur Südarabiens. Ihr Grundstock ist
Ägyptisch-Orientalische Sammlung Den Schwerpunkt der Orientalischen Sammlung bilden Denkmäler der antiken Kultur Südarabiens. Ihr Grundstock ist

Den Schwerpunkt der Orientalischen Sammlung bilden Denkmäler der antiken Kultur Südarabiens. Ihr Grundstock ist Eduard Glaser (gest. 1908) zu verdanken, der zwischen 1882 und 1895 vier Forschungsreisen in den Jemen unternommen hat. Bis heute sind die von ihm gesammelten altsüdarabischen Inschriften für die Erforschung des antiken Jemen von fundamentaler Bedeutung. Die Räumlichkeiten der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung im Kunsthistori- schen Museum bestechen durch ihre prunkvolle Ausstattung, wobei die ägyp- tisierende Gestaltung der Decke und der Durchgänge, der Vitrinen und anderer Einrichtungen bereits zum ursprünglichen Plan der Architekten Gottfried Semper und Karl von Hasenauer gehörte. Anders als die übrigen Säle im Hochparterre, die Parkettböden, Kreuzrippengewölbe und Renaissancedekor erhielten, haben die ägyptischen Säle neben dem altägyptischen Dekor jeweils einen Steinboden und ein Tonnengewölbe. Einzigartig ist die Wiederverwendung von drei original ägyp- tischen Monolithsäulen von über sechs Metern Höhe, die anstelle der Mar- morsäulen der anderen Säle die Decke tragen. Kaiser Franz Joseph I. hatte sie zum Geschenk erhalten, als er 1869 nach Ägypten reiste, um der Eröffnung des Suez- Kanals beizuwohnen. Beachtung verdienen auch die Wandbilder (auf Papier), die dem großen ersten Saal einen besonderen Charakter verleihen. Es handelt sich um Kopien der Wandmalereien des Grabes des Fürsten Chnum-hetep in Beni Hassan in Mittelägypten, die Ernst Weidenbach für die Wiener Weltaus- stellung von 1874 angefertigt hatte. Aus Raumgründen war es zwar nicht möglich, im Museum eine getreue Kopie des Grabes herzustellen, doch fehlt

UNVERKÄUFLICHE LESEPROBE

UNVERKÄUFLICHE LESEPROBE Das Kunsthistorische Museum in Wien Paperback, Broschur, 240 Seiten, 12,0x22,0 289 farbige Abbildungen ISBN:

Das Kunsthistorische Museum in Wien

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Erscheinungstermin: Dezember 2007