You are on page 1of 5

Sachverhalt

Der B, der den Anschein eines sachverständigen Besuchers erweckt, gibt Sachverhalt
auf einer Ausstellung dem Laien A gegenüber einen Schrank als „echt ba-
rock“ aus und gibt vor, dass dieser gut und gerne 3.000 EUR wert sei.
Nachdem sich B entfernt hat, erscheint C. Diesen fragt A nach dem Preis
für den Schrank. Nachdem sich C mit einem Preis von 2.000 EUR einver-
standen erklärt, einigen sich beide über den Kauf des Schrankes.
Tatsächlich hatte C den Schrank erst vor wenigen Tagen hergestellt, der
Wert beträgt etwa 200 EUR. Das Auftreten des B war mit C abgesprochen,
um Käufer zu ködern.

1. Ist ein Kaufvertrag zwischen A und C zustande gekommen? Fallfragen

2. Welche Anfechtungsrechte hat A?

Lösungsvorschlag

Zu Frage 1

Ein Kaufvertrag nach § 433 Abs. 1 Satz 1 BGB kommt durch zwei überein- Kaufvertrag
stimmende, mit Bezug aufeinander abgegebene Willenserklärungen, das
Angebot und die Annahme, zustande. Es muss daher zunächst ein Ange-
bot vorliegen.

V gab durch die Ausstellung zu erkennen, dass er daran interessiert war, Angebot des C
das den Schrank zu verkaufen. Ein Angebot muss so ausgestaltet sein,
dass es durch bloße Zustimmung angenommen werden kann. Es muss
insbesondere die wesentlichen Vertragsbestandteile enthalten. Nach § 433
Abs. 1 Satz 1 BGB sind bei einem Kaufvertrag die Kaufsache, der Kauf-
preis sowie die Vertragsparteien die wesentlichen Vertragsbestandteile. Für
A war ohne Nachfrage nicht erkennbar, zu welchem Kaufpreis C den
Schrank verkaufen wollte, er konnte nicht durch bloße Zustimmung den Ab-
schluss eines Kaufvertrages herbeiführen. Das Ausstellen des Schrankes
war daher kein Angebot.

Ein Angebot könnte der A abgegeben haben, als er bei C nach dem Preis Angebot des A
fragte. Auch hier müsste das Angebot die wesentlichen Vertragsbestandtei-
le beinhalten, so dass C allein durch Zustimmung den Vertragsschluss her-
beiführen könnte. A bot dem C nicht an, den Schrank zu einem bestimmten
Preis kaufen zu wollen, sondern fragte ihn, welchen Preis er für den
Schrank verlange. A fordert somit den C seinerseits zur Abgabe eines An-
gebotes auf, gibt selbst aber kein Angebot ab.

Auf die Aufforderung des A könnte C ein Angebot abgegeben haben, das Vertragsverhandlungen
auch den von ihm geforderten Kaufpreis enthalten haben könnte. Laut
Sachverhalt erklärte sich C mit dem Kaufpreis von 2.000 EUR einverstan-
den, was darauf schließen lässt, dass A diesen Preis vorgeschlagen hat.
Es ist somit anzunehmen, dass C ein Angebot abgab, A aber nicht mit dem
geforderten Kaufpreis einverstanden war und seinerseits einen Preis nann-
te, den er zu zahlen bereit wäre.

Nach § 150 Abs. 2 BGB gilt die Annahme eines Angebotes unter Erweite- Erneuter Antrag
rungen, Einschränkungen oder sonstigen Änderungen als Ablehnung ver-
bunden mit einem neuen Antrag. A nennt dem C seinerseits einen ihm ge-
nehmen Preis. Damit lehnt er das Angebot des C ab und erklärt selbst
einen neuen Antrag, den der C wiederum annehmen kann.

C müsste ein Angebot des A angenommen haben. Unklar ist, ob C dieses Annahmeerklärung
Angebot unmittelbar annahm. Möglicherweise wiederholten sich Ablehnung
und neues Angebot durch den anderen Teil während der Verhandlungen
mehrmals. Letztlich erklärte sich aber C mit einem Kaufpreis vorbehaltlos
einverstanden. Hierdurch erfolgte durch ihn die Annahme.

Das Angebot des A und die Annahme des C müssten sich inhaltlich de- Konsens
cken. A bot den Kauf des Schrankes zum Preis von 2.000 EUR an, C er-
klärte sich damit ohne Einschränkung einverstanden. Die beiden Willenser-
klärungen deckten sich objektiv, es lag ein Konsens vor.

Zwischen A und C kam somit zunächst ein Kaufvertrag über den Schrank Zwischenergebnis
zum Kaufpreis von 2.000 EUR zustande.

Der Kaufvertrag könnte jedoch nach § 138 Abs. 2 BGB nichtig sein. Ein Wucher
Rechtsgeschäft ist nach § 138 Abs. 2 Alt. 3 BGB dann nichtig, wenn sich
jemand durch das Rechtsgeschäft unter Ausbeutung des Mangels an Ur-
teilsvermögen eines anderen für eine Leistung Vermögensvorteile verspre-
chen lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.

Es müsste ein auffälliges Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung Auffälliges Missverhält-
nis von Leistung und
vorliegen. Dies ist dann der Fall, wenn der Wert der Leistung und der Gegenleistung
Marktwert der Gegenleistung erheblich auseinander fallen. Der Wert des
Schrankes betrug etwa 200 EUR, A erklärte sich bereit, einen Preis von
2.000 EUR zahlen zu wollen. Der Kaufpreis betrug somit etwa das zehnfa-
che des Wertes. Marktwert und Kaufpreis stehen somit in einem auffälligen
Missverhältnis.

Der A müsste ein mangelndes Urteilsvermögen gehabt haben. Dies setzt Mangel an Urteilsver-
mögen
voraus, dass ihm in erheblichem Maße die Fähigkeit fehlt, sich durch ver-
nünftige Beweggründe leiten zu lassen. Er selbst konnte als Laie den Wert
des Schrankes nicht beurteilen. A wusste aber auch, dass seine Kenntnis-
se nicht ausreichen, um den Wert des Schrankes zu beurteilen und dass er
auf fachlichen Rat angewiesen war. B gab sich ihm gegenüber als sach-
kundige Person aus. A konnte jedoch nicht erkennen, dass B ihm keinen
sachkundigen Rat erteilen wollte, somit konnte er auf die Richtigkeit der
Einschätzung des B vertrauen. Er ließ sich anschließend nicht von vernünf-
tigen Motiven leiten, sondern von der falschen Bewertung des B. Damit
hatte A mangelndes Urteilsvermögen.
Dieses mangelnde Urteilsvermögen müsste der C ausgebeutet haben. Ausbeutung
Eine Ausbeutung ist dann gegeben, wenn sich der Wucherer die Schwäche
des anderen zunutze macht und das auffällige Missverhältnis zwischen
Leistung und Gegenleistung kennt. C beabsichtigt, einen an ihn zu zahlen-
den überzogenen Kaufpreis zu erzielen. Er hat den Schrank selbst herge-
stellt und kannte somit dessen tatsächlichen Wert. Folglich versuchte er,
die Schwäche des A zu seinem Vorteil zu nutzen, es liegt also Ausbeutung
vor.

Wucher im Sinne des § 138 Abs. 2 Alt. 3 BGB ist gegeben, der Kaufvertrag Nichtigkeit des Kauf-
vertrages
ist somit nichtig.

Zu Frage 2

Unabhängig von der Nichtigkeit des Kaufvertrages kann A diesen anfech- Anfechtung
ten, wenn ihm ein Anfechtungsgrund zur Seite steht.

A könnte nach § 119 Abs. 1 Alt. 1 BGB den Kaufvertrag anfechten, wenn Inhaltsirrtum
ihm ein Inhaltsirrtum unterlaufen ist. Dies wäre dann der Fall, wenn er nach
außen etwas anderes erklärt hätte, als er subjektiv wollte, weil er die inhalt-
liche Bedeutung seiner Erklärung verkannte. A wollte den Schrank zum
Preis von 2.000 EUR von C kaufen. Dies hat er dem C gegenüber auch er-
klärt. Ein Inhaltsirrtum liegt nicht vor, somit auch kein Anfechtungsrecht
nach § 119 Abs. 1 Alt. 1 BGB.

A wäre nach § 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB zur Anfechtung berechtigt, wenn er Erklärungsirrtum
eine von seinem inneren Willen abweichende Erklärung abgegeben hat,
weil er ungewollte Bedeutungszeichen verwendet hat. Bei mündlichen Ver-
handlungen unter Anwesenden käme Versprechen in Betracht. A erklärte
ohne sich zu versprechen seinen inneren Willen, ein Erklärungsirrtum
scheidet somit aus. Ein Anfechtungsrecht nach § 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB er-
gibt sich daher nicht.

Nach § 119 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 119 Abs. 1 BGB könnte A sei- Eigenschaftsirrtum
ne Willenserklärung anfechten, wenn er im Irrtum über verkehrswesentli-
che Eigenschaften der Person oder der Sache war und bei Kenntnis der
Sachlage und bei verständiger Würdigung des Falles diese nicht abgege-
ben haben würde.

Sache im Sinne des § 119 Abs. 2 BGB ist jedes Objekt, das Gegenstand Sache
des Rechtsverkehrs sein kann. Der Sachenbegriff des § 119 Abs. 2 BGB ist
weiter gefasst als der des § 90 BGB, wonach Sachen nur körperliche Ge-
genstände sind. Der von A gekaufte Schrank ist ein körperlicher Gegen-
stand und damit sogar eine Sache im Sinne des § 90 BGB. Sachen im Sin-
ne des § 90 BGB können Gegenstand des Rechtsverkehrs sein, der
Schrank ist damit auch Sache nach § 119 Abs. 2 BGB.

Eigenschaften sind alle tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse der Sa- Eigenschaft
che, die vermöge ihrer Dauer Einfluss auf die Wertschätzung des Gegen-
standes ausüben. Bei Möbeln ist ein wertbildender Faktor, ob das Möbel-
stück nur dem Alltagsgebrauch dienen soll oder ob es als kulturelle Antiqui-
tät anzusehen ist. A glaubte, der Schrank stamme aus der Barockzeit und
sei wegen seines Alters von 200 bis 300 Jahren eine Antiquität. Er irrte
über die Antiquitätseigenschaft des Schrankes, also einen wertbildenden
Faktor. Dieser Irrtum war folglich ein Irrtum über eine Eigenschaft.

Die Eigenschaft muss auch verkehrswesentlich sein. Verkehrswesentlich Verkehrswesentlichkeit
ist eine Eigenschaft mindestens dann, wenn sie nach der Verkehrsan-
schauung für das konkrete Rechtsgeschäft erheblich ist. Möbelstücken, die
als Antiquität anzusehen sind, wird grundsätzlich im Rechtsverkehr ein hö-
herer Wert beigemessen als gewöhnlichen Alltagsmöbeln. Die Antiquitäts-
eigenschaft ist somit verkehrswesentlich.

Die Abgabe der Willenserkärung muss mit dem Irrtum auch kausal zusam- Kausalität
menhängen. Subjektiv erheblich ist der Irrtum dann, wenn der Erklärende
die Erklärung ohne Irrtum nicht oder nicht in dieser Weise abgegeben ha-
ben würde. A war in dem Glauben, mit dem Schrank eine Antiquität zu kau-
fen. Hätte er gewusst, dass es sich um ein erst kürzlich hergestelltes Mö-
belstück handelt, hätte er vom Kauf Abstand genommen oder aber zumin-
dest einen deutlich geringeren Kaufpreis ausgehandelt. Der Irrtum war also
subjektiv erheblich. Objektive Erheblichkeit liegt dann vor, wenn die Beru-
fung auf den Irrtum frei von Willkür, Eigensinn und törichten Anschauungen
ist. A wurde von B die falsche Information gegeben, der Schrank sei „echt
barock“. Er konnte auf die Richtigkeit dieser Aussage aber vertrauen, somit
hätte er einen vernünftigen und nachvollziehbaren Grund für eine Anfech-
tung. Damit war die Irrtum auch objektiv erheblich. Insgesamt war der Irr-
tum kausal für die Willenserklärung.

Dem A steht ein Anfechtungsrecht wegen eines Eigenschaftsirrtums nach § Zwischenergebnis
119 Abs. 2 BGB zu.

Dem A könnte ein Anfechtungsgrund aus § 123 Abs. 1 Alt. 1 BGB zuste- Arglistige Täuschung
hen. Hierfür ist erforderlich, dass er zur Abgabe der Willenserklärung durch
arglistige Täuschung bestimmt wurde.

Eine Täuschung ist das Hervorrufen, Verstärken oder Aufrechterhalten ei- Täuschung
ner Fehlvorstellung über Tatsachen bei einer anderen Person. B erweckte
bei A den Eindruck einer sachkundigen Person und gab diesem gegenüber
vor, der Schrank stamme aus der Barockzeit. Die Herstellungszeit eines
Gegenstandes ist eine objektiv überprüfbare Tatsache, die Angabe des B
war unzutreffend. Somit erzeugte B beim A eine Fehlvorstellung über eine
Tatsache, eine Täuschung liegt also vor.

Die Täuschung muss durch eine Handlung, also ein ausdrückliches oder Täuschungshandlung
konkludentes Tun oder ein pflichtwidriges Unterlassen erfolgt sein. B gab
dem A gegenüber eine falsche Erklärung ab, handelte also aktiv und aus-
drücklich. Damit beging der B eine Täuschungshandlung.

Ferner müsste die Täuschungshandlung widerrechtlich gewesen sein. Es Widerrechtlichkeit
sind keine Gründe ersichtlich, die die falsche Angabe des B rechtfertigen
könnten, die Täuschung war somit widerrechtlich.

Des weiteren ist erforderlich, dass die Täuschungshandlung zu einem Irr- Kausalität
tum beim Getäuschten führte und der Irrtum ursächlich für die Abgabe der
Willenserklärung war. A wusste um seine fehlende Sachkenntnis und wollte
sich Rat bei einer sachkundigen Person einholen. Diese sachkundige Per-
son erblickte er in B, der A vorspiegelte, der Schrank sei eine wertvolle An-
tiquität. Ohne die Aussage des B hätte A nicht die falsche Vorstellung vom
Wert des Schrankes gehabt. Damit war die Täuschungshandlung kausal
für den Irrtum.

Die Täuschung muss auch arglistig gewesen sein. Arglistig handelt der Arglist
Täuschende, wenn er von der Unrichtigkeit seiner Angaben weiß und will,
dass der andere durch die Täuschung eine Willenserklärung abgibt. B hatte
mit C abgesprochen, falsche Angaben zu verbreiten, um dem C Kunden zu
verschaffen. Er handelte in der Absicht, diese zu täuschen, so dass sie auf-
grund falscher Vorstellungen vom Wert der ausgestellten Gegenstände die-
se kaufen. Damit handelte B arglistig.

Insgesamt ist festzustellen, dass B eine arglistige Täuschung beging. Zwischenergebnis

Die Anfechtung des A könnte jedoch nach § 123 Abs. 2 Satz 1 BGB ausge- Ausschluss der Anfech-
tung
schlossen sein. Hiernach ist, wenn ein Dritter die Täuschung verübt hat, die
Anfechtung nur dann zulässig, wenn der Empfänger der Willenserklärung
von der Täuschung wusste oder von ihr fahrlässig nicht wusste.

Die Täuschung könnte von einem Dritten begangen worden sein. Wer Drit- Dritter
ter im Sinne des § 123 Abs. 2 Satz 1 BGB ist, ist gesetzlich nicht bestimmt,
kann aber durch Abgrenzung zu Nicht-Dritten bestimmt werden. Die Ver-
tragsparteien selbst können nicht Dritter sein. Ebenso kann ein Vertreter
nicht Dritter sein, da dessen Willenserklärung nach § 164 Abs. 1 BGB dem
Vertretenen zugerechnet würde. Auch in besonders enger Beziehung zum
Erklärungsempfänger stehende Personen gelten nicht als Dritte. B ist we-
der am Vertrag als Partei beteiligt noch vertritt er den C. Er steht auch nicht
in einer besonderen Beziehung zum C, sondern wirkt nur als Beteiligter bei
dessen Vorhaben mit. C ist somit Dritter im Sinne des § 123 Abs. 2 Satz 1
BGB.

C müsste daher von der Täuschung gewusst haben oder zumindest davon Wissen/fahrlässiges
Nichtwissen
wissen können. Das Vorgehen des B war zwischen ihm und C abgespro-
chen. Somit hatte C positive Kenntnis von der Täuschung.

Die Anfechtung ist somit nicht nach § 123 Abs. 2 Satz 1 BGB ausgeschlos- Ergebnis
sen. A kann seine Willenserklärung wegen arglistiger Täuschung anfech-
ten.