Marktreport

Wirtschaft, Finanzen, Edelmetalle  29. Juni 2012

ESM: ein Trojanisches Pferd zur Entmachtung der nationalen Parlamente

USD per Feinunze Gold
2000
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1900 1800

Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) – wie er gemäß dem „Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)“ ausgestaltet sein soll – erweckt den Anschein, ein betragsmäßig begrenztes Instrument zur „Bekämpfung“ der Schuldenkrise im Euroraum zu sein und unter der Kontrolle der nationalen Parlamente zu stehen. Doch das ist ein Trugschluss.
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1700 1600 1500 1400 1300 Jan 11 Jul 11 Jan 12 Jul 12

Der ESM-Vertrag verlagert die Budgethoheit von den Nationalstaaten auf die europäische Bürokratieebene. Diese Wirkung des Vertragswerkes mag nicht sofort ins Auge springen, schließlich haben seine Verfasser ganze Arbeit geleistet, um das wahre Gesicht des Vertrages zu verbergen. Der ESM-Vertrag würde Deutschland verpflichten, wenn er denn ratifiziert wird, sich am Betrag des einzuzahlenden Kapitals des ESM in Höhe von 80 Mrd. Euro mit rund 22 Mrd. Euro zu beteiligen. Darüber hinaus würde eine Beteiligung am Gesamtbetrag des abrufbaren Kapitals des ESM in Höhe von 620 Mrd. Euro mit rund 168 Mrd. Euro zugesagt. Wie funktioniert der ESM? Die Entscheidungsgremien des ESM sind der Gouverneursrat und das Direktorium (Art. 5 und Art. 6 des ESM-Vertrags). Die Beschlussfähigkeit von Gouverneursrat und Direktorium ist gegeben, wenn 2/3 der Stimmen anwesend sind. Die Anwesenheit Deutschlands, das den größten Teil in Höhe von 27,14% des ESM-Kapitals einzuzahlen hat, ist damit gar nicht erforderlich! Schon bei einer Anwesenheitspflicht von 3/4 wäre eine Anwesenheit Deutschlands verpflichtend gewesen – aber das wollten die Vertragsverfasser wohl vermeiden. Die Mitglieder des Gouverneursrats werden von den Regierungen der ESMMitgliedsländer entsandt, und die Mitglieder des Gouverneursrats wiederum ernennen die Mitglieder des Direktoriums. Doch nicht etwa der Gouverneursrat ist das eigentlich machtvolle Gremium des ESM, sondern das Direktorium.

Quelle: Bloomberg. Tageswerte.

USD per Feinunze Silber
50 46 42 38 34 30 26 Jan 11

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Jan 12

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Quelle: Bloomberg. Tageswerte.

EURUSD
1,50 1,45 1,40 1,35 1,30 1,25 1,20 Jan 11

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Quelle: Bloomberg. Tageswerte.

Der Beitrag ist in ähnlicher Form in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ am 28. Juni 2012 veröffentlicht worden. Der Verfasser dankt ausdrücklich einem ausgezeichneten Rechtsexperten, der großzügig seine Einblicke geteilt hat. 2 Der „Vertrag zur Errichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)“ kann beim deutschen Bundesfinanzministerium eingesehen werden. Klicken Sie hier: ESM-Vertrag.
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Soll die Verfassung dem Handeln der Regierenden Grenzen setzen? Oder soll sie geändert werden, damit die Regierenden frei handeln können?
Die Verfassung, wie zum Beispiel das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, konstituiert nicht nur den Staat, sie soll vor allem den Bürger vor dem Handeln des Staates beziehungsweise seiner Regierenden schützen; sie soll den Einzelnen vor willkürlichem Zwang bewahren. Eine Verfassung soll für die „Herrschaft des Gesetzes“ und nicht für die „Herrschaft von Menschen“ sorgen. Eine solche Verfassung zu finden, ist nicht leicht. So schrieb bereits Jean J. Rousseau, dass „das große Problem in der Politik, das ich mit der Quadratur des Kreises in der Geometrie vergleiche, [ist] eine Regierungsform zu finden, die das Gesetz über die Menschen stellt.“ (Lettres à Mirabeau, 1826, S. 1620.) Jedoch ist das Auffinden einer Verfassung, die die Willkür der Regierenden eingrenzt, unverzichtbar: „Eine freie Gesellschaft braucht permanente Mittel zur Einschränkung der Regierungsgewalten, was immer das besondere Ziel des Augenblicks sein mag.“ (F. A. von Hayek (1960), Die Verfassung der Freiheit, S. 229.) Denn im Bestreben, kurzfristige Ziele zu erreichen, ist die Neigung der Regierung, die sich auf eine vorübergehende Mehrheit stützt, groß, gegen grundlegende Prinzipien zu verstoßen. Doch ein solcher Verstoß bedeutet notwendigerweise, langfristig wünschenswerte Resultate zu opfern. Derzeit beklagen führende Regierende, die bundesdeutsche Verfassung stehe der Verwirklichung einer „engeren Kooperation“ Europas entgegen. Ist die Schlussfolgerung nun, dass die Verfassung geändert werden muss, damit diese Pläne realisiert werden können? Oder ist die Schlussfolgerung, dass die Pläne nicht umgesetzt werden sollen, eben weil sie der Verfassung zuwiderlaufen? Regierende, Bürokraten und die von der Staatsmacht begünstigten Gruppen favorisieren in der Regel die Politik der Zentralisierung. Schließlich führt sie zu Machtkonzentration und reduziert den (System)Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Einheiten (wie Bundesländern oder Nationalstaaten) zur Entdeckung besserer Lösungen. Zentralisierung erhöht zudem die Machtstellung der Regierenden – und befördert damit die Gefahr des Machtmissbrauchs. Wenn die Bürger aufgerufen werden, über eine Verfassungsänderung zu befinden, sind sie gut beraten, dies nicht unkritisch als Gelegenheit zu sehen, um eine bessere Verfassung zu schaffen. Vielmehr sind die Gefahren zu bedenken, die ein Regierungshandeln ermöglicht, das die Verfassung bislang nicht erlaubt.

Die national-parlamentarische Verankerung des Gouverneursrats als Kontrollorgan entpuppt sich vielmehr als reine Augenwischerei. Der Gouverneursrat dient vielmehr dazu, das Direktorium, in dem die eigentliche Macht liegt, faktisch von der Kontrolle der nationalen Parlamente abzuschirmen. Das zeigt sich recht ungeschminkt bei dem wohl wichtigsten Aspekt: dem zusätzlichen Kapitalabruf durch den ESM. Hierüber entscheidet zwar formal nach Art. 5 Abs. 6c der Gouverneursrat im „gegenseitigen Einvernehmen“. Nach Art. 9 Abs. 2 kann jedoch das Direktorium mit einfacher Mehrheit – also auch gegen die deutsche Stimme – den Kapitalabruf selbst vornehmen, wenn ein Verlust entstanden ist. Dies ist zum einen eine sehr auffällige Abweichung vom in Art. 6 Abs. 5 geregelten normalen Zustimmungsbedarf von 80% der Stimmen. Zum anderen macht es stutzig, dass der ESM-Vertragstext nichts darüber aussagt, was ein „Verlust“ eigentlich ist. Ihn festzustellen obliegt vielmehr der Diskretion des Direktoriums (Art. 9 Abs. 4). Letzteres kann zum Beispiel den Erwerb einer Staatsanleihe – unabhängig von ihrem Kauf- und Marktwert – als Verlust gemäß einer Einnahmen-Ausgabenrechnung feststellen. Faktisch erhält das Direktorium so einen Anspruch auf einen unlimitierten Geldbetrag, den er ohne Zustimmung der nationalen Parlamente von jedem ESM-Mitglied, das noch zahlungsfähig ist, abfordern kann. Mit anderen Worten: Das Direktorium hat Anspruch auf das Nachfüllen des Glases, das er austrinkt – und damit gehört ihm faktisch das Fass des Wirtes, der verpflichtet ist, das leere Glas nachzuschenken. Anders als vielfach gedacht, ist der ESM volumensmäßig nach oben auch nicht beschränkt. Art. 8 Abs. 2 gibt dem Gouverneursrat die Möglichkeit, ein beliebig hohes Aufgeld (Agio) zu erheben, und zwar bei „besonderen Umständen“, die aber nicht inhaltlich definiert werden. Das bedeutet ein betragsmäßig unbegrenztes Agio: Mit den letzten 100 Euro genehmigtes Stammkapital könnten 10 Billionen Euro eingefordert werden! Auch ohne Mitwirkung Deutschlands kann eine beliebige Haftungssumme formal korrekt erreicht werden. Die Mitglieder des Gouverneursrates und des Direktoriums genießen nach Art. 35 persönliche Immunität in Bezug auf ihre Amtshandlungen, Schriftstücke und Unterlagen. Nach Art. 34 unterliegen sie der Schweigepflicht. Die deutschen Vertreter im ESM dürfen also den Deutschen Bundestag gar nicht unterrichten beziehungsweise können eine Unterrichtung unter Verweis auf ihre Schweigepflicht ablehnen. Ein parlamentswidriges Abstimmen eines

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nationalen Vertreters im ESM kann auch nicht durch nationales Recht geahndet werden. Sollte ein Land die Auflagen der gewährten Hilfeleistung nicht einhalten, können die Hilfe gebenden Länder keine Einstellung der Hilfe bewirken, diese Entscheidung fasst allein das Direktorium (Art. 14). Der Gouverneursrat hat keine Möglichkeit, die Zahlungen zu stoppen, ein einzelnes Mitglied sowieso nicht. Der ESM-Vertrag öffnet durch Art. 21 die Tür, eine unbeschränkte Schuldenfinanzierung durch die Europäische Zentralbank (EZB) abzuwickeln. In der Praxis würd es entweder so laufen, dass der ESM Anleihen begibt, diese an private Banken verkauft, die wiederum zum Kauf neues Geld von der EZB bekommen. Oder der ESM, wenn er erst einmal etabliert ist und Kredite braucht, erhält eine Banklizenz mit direktem Zugang zu billigem EZB-Geld. Das, was im MaastrichtVertrag ausgeschlossen werden sollte, stellt der ESM also in Aussicht: Die EZB finanziert die Staatsschuld mit der Notenpresse. Der ESM ist ein Trojanisches Pferd, um den nationalen Parlamenten ihre Budgethoheit zu nehmen – und zwar durch vertragsmäßige Überrumpelung, wie es scheint. Er entspringt im Kern dem Geist, der ein zentralistischsozialistisches Europa schaffen will, ein Europa, das viele Nationalbürger, einschließlich der Deutschen, vermutlich nicht wollten, als ihre nationale Währung in den Euro (zwangs)umgetauscht wurde. ■

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Leitzins* der Europäischen Zentralbank in Prozent, aktuell und prognostiziert
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Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen senken. Die Politik der EuroEntwertung schreitet voran.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird vermutlich auf dem Ratstreffen am kommenden Donnerstag, den 5. Juli 2012, den Leitzins, der derzeit bei 1,0% liegt, weiter absenken (und zwar um 0,5 Prozentpunkte, wie wir erwarten). 3

2 1 0 99 01 03 05 07 09 11 13 Quelle: Bloomberg, eigene Schätzungen. *Hauptrefinanzierungszins.

Geldpolitisch begründet wird die Zinssenkung vermutlich durch den Verweis auf (1) niedrige Steigerungsraten bei den Konsumentenpreisen, (2) eine lahmende Euroraum-Konjunktur und (3) ein sich abgeschwächtes Geld- und Kreditmengenwachstum. Zusammengenommen wird dies wohl aus Sicht des EZBRates eine Lockerung der Geldpolitik rechtfertigen – die letztlich dazu beitragen soll, Wachstum und Beschäftigung zu unterstützen. Doch der wahre Grund der Zinssenkung ist aus unserer Sicht folgender: Der EZB-Rat will die Zinsen auf Tiefststände bringen, so dass die nominalen Zinsen abzüglich der laufenden Inflation negativ werden. Auf diese Weise werden Sparer und Investoren, die Euro-Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie in Euro

Inflationsbereinigter EZB-Leitzins* in Prozent
4 3 2 1 0 -1 -2 -3 Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen. *Hauptrefinanzierungszins abzüglich der Jahresveränderung der Konsumentenpreise.
99 01 03 05 07 09 11 13

denominierte Zahlungsversprechen (Anleihen) halten, mehr oder weniger still und heimlich enteignet: Ihre Ersparnisse werden mit der Zeit weniger wert, während gleichzeitig so die reale Schuldenlast der Kreditnehmer, insbesondere die der überschuldeten Staaten, verringert wird. Um das zu verstehen, muss man sich zunächst vor Augen führen, was ein Ansteigen der Preise für die Kaufkraft des Geldes bedeutet – mit Geld sind hier

Entwicklung der Kaufkraft des Euro von 1999 bis 2011 – und von 2012 bis 2022 bei unterschiedlichen Inflationsraten
120 100 80 60 40 20 1999 2003 2007 2011 2015 2019 Aktuell 2% 4% 6% 8% Quelle: Bloomberg, eigene Schätzungen.

die Zahlungsmittel in Form des Bargeldes (Noten und Münzen) und der Giroguthaben (die ja in der Regel keine oder nur sehr geringe Zinsen erbringen) gemeint. Beträgt die jährliche Preissteigerungsrate zum Beispiel 2%, so ist die Kaufkraft des Geldes nach 10 Jahren um mehr als 20% abgesunken. Das heißt: Wer heute noch einen Apfel für einen Euro kaufen kann, wird in 10 Jahren nur noch 0,8 Apfel für einen Euro erhalten. Bei einer jährlichen Preissteigerungsrate in Höhe von 4% ist nach 10 Jahren gar 37% der Kaufkraft des Geldes zerstört, bei einer Jahresinflation in Höhe von 8% beläuft sich der Kaufkraftverlust auf knapp 60%. Seit Einführung des Euro Anfang 1999 bis Ende des letzten Jahres hat die Kaufkraft des Euro etwa 22% verloren. Wer also mit einem Euro Anfang 1999

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Siehe hierzu Degussa Marktreport, 25. Mai 2012.

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Realzinsen für deutsche und italienische Staatsanleihen, 10-Jahre Laufzeit, in Prozent
6 5 4 3 2 1 0 -1 -2 Deutschland Italien Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen. Realzinsen entsprechen den Nominalzinsen abzüglich der Jahresänderung der Konsumentenpreise.
99 01 03 05 07 09 11 13

noch einen Apfel kaufen konnte, bekommt nunmehr nur noch 0,78 Apfel. Der Euro – wie übrigens nahezu jede andere Papierwährung auch – erfüllt also eine Geldfunktion nicht: die Wertaufbewahrungsfunktion. Mit ihrer de facto Nullzinspolitik weitet der EZB-Rat die Geldentwertungspolitik nun weiter aus – und zwar auf das Geldvermögen in Form von zum Beispiel Termin- und Sparguthaben, aber auch auf kurze und langlaufende Anleihen, die von Staaten, Banken und Unternehmen begeben werden. In einem „normalen“ Marktumfeld erhält der Sparer in der Regel auf diese Geldvermögensformen einen Zins, der (zumindest) höher ist als die laufende Teuerungsrate. Mit anderen Worten: Er erhält eine positive Realverzinsung, durch die sein Geldvermögen sich vermehrt über die Zeit. Mit der Zinssenkungspolitik hat die EZB nun jedoch die Kurzfristzinsen so weit abgesenkt, dass der Sparer eine negative Realverzinsung erleidet. Er verliert also nicht nur mit der Haltung von Zahlungsmitteln (in Form von Bargeld und Giroguthaben), er verliert jetzt auch noch bei seinem Geldvermögen. Derzeit beträgt der reale Kurzfristzins im Euroraum für Sicht-, Termin- und Spareinlagen etwa -2,0% pro Jahr. Das heißt, dass nicht nur die Zahlungsmittel, sondern nun auch das Geldvermögen an Kaufkraft verliert. Bei Anlagen mit längerfristigen Laufzeiten ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Die Halter von deutschen Bundesanleihen etwa erleiden eine negative Realverzinsung, während Käufer von Peripherie-Anleihen (wie z. B. italienische und spanische Anleihen) positive reale Zinsen verbuchen. Auf diese Weise gibt die EZB Anreize für Sparer und Investoren, ihr Geld in Anleihen vergleichsweise schlechter Schuldner zu investieren! Sparer und Investoren werden auf absehbare Zeit mit negativen Realzinsen (für relativ gute Schuldpapiere) zu rechnen haben. Traditionelle Geldanlagen – wie zum Beispiel Sicht-, Termin- und Sparguthaben und auch Anleihen relativ guter Schuldner – werden zum sicheren Verlustgeschäft. ■

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Der wirtschaftspolitische Kommentar
Meinungsmacher dienen – es bewusst oder unbewusst als ihre Aufgabe an, mit ihren Empfehlungen das FiatGeldregime in Gang zu halten. II. I. Beim heute weltweit anzutreffenden Papier- oder “Fiat”-Geldsystem handelt es sich um ein wirtschaftlich- und gesellschaftspolitisch zerstörerisches System – mit überaus weitreichenden Folgen; Folgen, die über die Vorstellung vieler Menschen hinausgehen dürften. Fiat-Geld ist inflationär; es begünstigt einige wenige auf Kosten vieler; es verursacht “Boom-and-Bust”-Zyklen; es verursacht eine Überschuldung; es untergräbt die gesellschaftliche Moral; und es führt letzten Endes in eine große Depression. Doch all diese Erkenntnisse – die von den Repräsentanten der Österreichischen Schule der Ökonomie bereits vor Jahrzehnten aufgezeigt wurden – spielen bei Mainstream-Ökonomen, Zentralbankräten, Politikern und Bürokraten in ihren Bemühungen, die Gründe für die gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise zu erklären, keine Rolle – und auch nicht, um geeignete Lösungsmaßnahmen zu formulieren und zu ergreifen. Dies ist nicht allzu überraschend, sehen doch die politischen Entscheidungsträger und ihre einflussreichen Experten – die auch als öffentliche
Dieser Beitrag wurde von Thorsten Polleit als Mises Daily Article unter dem Titel „The Fiasco of Fiat Money“ am 7. Juni 2012 veröffentlicht. Eine deutsche Übersetzung erschien am 25. Juni 2012 auf www.misesinfo.org.
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Das Fiasko des FiatGeldes 4

Das Fiat-Geldregime basiert auf einem Zentralbanksystem – also einer staatlichen Zentralbank mit dem Monopol der Geldproduktion – und einem Teilreserve-Banksystem, das es den Banken ermöglicht, Geld aus dem Nichts (oder “ex nihilo”) zu schaffen. In seinem Buch “The Mystery of Banking” (1983) interpretiert Murray N. Rothbard (1926 – 1995) das FiatGeldsystem – mit seiner Zentralbank und seinen Teilreservebanken – als eine Form des systematischen Diebstahls. Rothbards Befund bedarf vermutlich der Erklärung – weil MainstreamÖkonomen das System des FiatGeldes heute als wirtschaftlich und politisch erstrebenswert, tragfähig und als das wohl fortschrittlichste monetäre System überhaupt betrachten. Um die Herkunft und die Folgen des Fiat-Geldsystems zu verstehen, bedarf es zunächst der Erkenntnis, was Geld ist und welche Bedeutung es in einer auf hat. Geld ist das allgemeine, universell akzeptierte Tauschmittel. Ludwig von Mises (1881 – 1973) betont, dass Geld nur eine Funktion hat: die Funktion als Tauschmittel. Alle anderen Funktionen, die dem Geld üblicherweise zugeschrieben werden, sind leArbeitsteilung, Spezialisierung und Tausch basierenden Wirtschaft diglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion des Geldes. Die Tatsache, dass Geld ein Tauschmittel ist, bedeutet, dass eine Ausweitung der Geldmenge nicht zur Vermehrung des Wohlstandes führt, nicht führen kann. Die einzige Folge ist – und sie ist zwangsläufig – eine Reduzierung der Kaufkraft des Geldes – und zwar im Vergleich zur Situation, in der die Geldmenge unverändert geblieben wäre. Darüber hinaus kann ein Ansteigen der Geldmenge niemals “gerecht” sein. Zwangsläufig werden diejenigen begünstigt, die das neu geschaffene Geld als erste empfangen, auf Kosten derer, die das neue Geld zuletzt erhalten, oder auf Kosten derer, die nichts von der neuen Geldmenge abbekommen – dieser Effekt ist als “Cantillon-Effekt” bekannt. Weil ein Anstieg der Geldmenge vor allem den Produzenten des Geldes selbst begünstigt – er verfügt schließlich als Erster über das Geld – möchte jeder rational denkende Mensch unter den Geldproduzenten sein; oder noch besser: der einzige Geldproduzent sein. Diejenigen, die willens sind, die Prinzipien des freien Marktes (dies bedeutet uneingeschränkter Respekt vor dem Privateigentum) zu missach-

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ten, werden versuchen, die volle Kontrolle über die Geldproduktion zu erhalten (das heißt, das Monopol über die Geldproduktion zu erhalten). Sobald man die Menschen davon überzeugt hat, der Staat – definiert als territorialer Monopolist der letzten Entscheidung mit dem Recht zur Besteuerung – sei ihnen wohl gesonnen und unverzichtbar, wird die Geldproduktion früher oder später von ihm monopolisiert. Der (zugegeben ziemlich langsame) Prozess, durch den der Staat sich die Geldproduktion aneignet hat, wurde von Rothbard in “What Has Government Done to Our Money?” (1963) dargelegt. Hat er das Monopol über die Geldproduktion erst einmal erhalten, wird der Staat das Warengeld (beispielsweise Gold und Silber) durch FiatGeld ersetzen, das von seiner eigenen Zentralbank monopolisiert ausgegeben wird, und das Spiel legalisierter Falschmünzerei beginnt. Die Geschäftsbanken werden auf ein Teilreserve-Banksystem drängen, dass es ihnen also gesetzlich erlaubt wird, die Fiat-Geldmenge zu erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die die Einlagen ihrer Kunden übersteigen. Das Teilreserve-Banksystem ist nämlich für die Kreditgeber ein sehr einträgliches Geschäftsmodell; und es versorgt Regierungen mit billigem Kredit, um Ausgaben zu finanzieren, für die die regulären Steuereinnahmen nicht ausreichen. Fiat-Geld wird mittels Zirkulationskrediten in Umlauf gebracht: Banken weiten das Kreditvolumen aus und schöpfen auf diese Weise neues Geld,

das nicht mit echten Ersparnissen gedeckt ist.

ist und verursachen so die Krise. Die Depression ist in beiden Fällen unausweichlich.“ III. Das Funktionieren eines FiatGeldsystems hängt entscheidend von der Nachfrage nach Geld ab. Solange die Nachfrage nach Fiat-Geld Schritt mit dem Angebot von Fiat-Geld hält, scheint das System reibungslos zu

Eine Audio-Version des Originalartikels in englischer Sprache findet sich hier: The Fiasco of Fiat Money, gelesen von Harold Fritsche, mit Musik von Kevin MacLeod.

funktionieren. Denn dann geht die Ausweitung der Fiat-Geldmenge nicht mit einem Preisanstieg aller Güter und Dienstleistungen einher – und es bleibt weitgehend unbemerkt, dass die Preise hätten fallen müssen, wäre die FiatGeldmenge nicht ausgeweitet worden. Wenn allerdings relativ die zum FiatFiatGeldnachfrage

Die

künstliche

Kreditausweitung

drückt den Zins künstlich unter das Niveau, das herrschen würde, wäre die Kredit- und Geldmengen nicht künstlich ausgeweitet worden; sich zu verschulden wird über Gebühr attraktiv, vor allem für den Staat. Es ist das künstlich niedrige Zinsniveau, das einen Scheinaufschwung („Boom“) herbeiführt, zu übermäßigem Konsum und Fehlinvestitionen führt und letztlich in einem Zusammenbruch („Bust“) enden muss. Mises bringt es präzise auf den Punkt: „Der Boom kann nicht unendlich andauern. Es gibt zwei Alternativen. Entweder die Banken führen die Kreditausweitung uneingeschränkt fort, was zu dauerhaft steigenden Preisen und zu einem immer größeren Spekulationsboom führt, der – wie immer in Fällen unbeschränkter Geldmengenausweitung – in einer “Katastrophenhausse” und in einem Kollaps des Geld- und Kreditsystems endet. Oder die Banken beenden die Kreditausweitung, bevor dieser Punkt erreicht

Geldangebot absinkt, gerät das System in Turbulenzen. Denn dann zeigt sich der Anstieg der Geldmenge in Preisanstiegen, seien es Verbraucherund/oder Güterpreise. Steigende Preise, vor allem wenn sich der Preisanstieg beschleunigt, bringen die bisher „unsichtbare“ Umverteilung von Einkommen und Wohlstand zum Vorschein. Sobald die Bevölkerung erkennt, dass Fiat-Geld inflationär ist, beginnt die Nachfrage nach Geld noch weiter abzunehmen. Sollte die Bevölkerung eine immer stärkere Geldmengenausweitung erwarten, so wird die Nachfrage nach Geld (immer drastischer) abnehmen relativ zum Fiat-Geldangebot. Dies kann im Extremfall eine “Katastrophenhausse” auslösen, wie Mises es nannte.

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Die Bevölkerung tauscht verzweifelt Geld in käufliche Waren, treibt dadurch die Preise für Güter und Dienstleistungen nach oben und löst so eine Abwärtsspirale aus, die die Kaufkraft des Geldes immer weiter zerstört. In einem Extremszenario kann die Kaufkraft des Geldes gänzlich zerstört werden. Genau das passierte 1923 in der Hyperinflation in der Weimarer Republik, als die deutsche Regierung die Geldmenge immer stärker ausweitete, so dass letztlich niemand mehr die Reichsmark als Geld akzeptierte. Um ein Fiat-Geldsystem in Gang zu halten, bedarf es also des Vertrauens der Bevölkerung. Daher kommt einer durch die Regierung unterstützten öffentlichen Meinungsbildung zur Aufrechterhaltung des Fiat-Geldsystems eine entscheidende Rolle zu. Speziell im Bereich der Geldpolitik unternehmen regierungsnahe Ökonomen große Anstrengungen, um die Bevölkerung von den Vorteilen des Fiat-Geldsystems – und somit vom Zentralbank- und Teilreservebanksystem – zu überzeugen. Überdies muss die Bevölkerung glauben, vom Fiat-Geld zu profitieren, und dass es keine ernstzunehmende Alternative zum staatlichen Geldsystem gibt und dass seine Abschaffung bzw. Ersetzung durch Warengeld desaströse wirtschaftliche Folgen hätte. Und es gibt einen weiteren, nicht weniger entscheidenden Faktor, der das Fortführen des Fiat-Geldsystems begünstigt. Man könnte dies als „kollektive Korruption“ bezeichnen: Früher oder später wird eine immer größere Anzahl von Menschen ein vitales Inte-

resse

daran

haben,

das

Fiat-

staatliche Eingriffe die Grundsäulen der freien Marktwirtschaft: das Privateigentum. Mises fasst diese Einsicht so: „Es wäre ein Irrtum, wollte man annehmen, dass die moderne Organisation der Tauschwirtschaft zwangsläufig weiter existiert. Sie trägt den Keim ihrer eigenen Zerstörung in sich; die Entwicklung des fiduziären Umlaufsmittels [gemeint ist Fiat-Geld, A. d. V.] muss notwendigerweise zu ihrer Zerstörung führen“. Das Aushöhlen der freien Marktwirtschaft bringt einen Rückgang der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit mit sich; dabei wird es für Schuldner zunehmend unmöglich, ihre Schulden zu bedienen, was wiederum den Anreiz erhöht, die Druckerpresse anzuwerfen. Wie die Ökonomen der Österreichischen Schule aufgezeigt haben, gibt es kein Entrinnen vor den desaströsen wirtschaftlichen Konsequenzen, die durch Fiat-Geld ausgelöst werden; und auch hohe Inflation oder Hyperinflation sind nicht die Lösung. In Wahrheit machen sie die Schäden der unausweichlichen noch größer. Je eher dem Fiat-Geldboom ein Ende gesetzt wird, umso niedriger werden die Kosten der folgenden Depression sein – eine grundlegende Erkenntnis, die der Preußische Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) in seinem Werk “Prolegomena” (1783) folgendermaßen fasste: „Es ist niemals zu spät, vernünftig und weise zu werden; es ist aber jederzeit schwerer, wenn die Einsicht spät kommt, sie in Gang zu bringen.“■ Depression nur

Geldsystem am Leben zu erhalten. Denn in einem Fiat-Geldsystem kann sich der Staat immer weiter ausdehnen und wird dabei immer mehr Menschen korrumpieren: Die Menschen streben nach (prestigeträchtigen) Jobs im Staatssektor, großzügigen Staatszuwendungen und mehr und mehr Unternehmer hängen von staatlichen Vergünstigungen und Aufträgen ab. Die Menschen verbandeln sich zunehmend mit dem Staat, machen ihre persönliche Karriere und ihren geschäftlichen Erfolg zunehmend abhängig von der Ausdehnung des Staatsapparates. Und große Teile der Bevölkerung beginnen, ihre Ersparnisse in “sichere” Staatanleihen zu investieren. Früher oder später wird daher ein Staatsbankrott gewissermaßen zur Unmöglichkeit. Um in der Krise die Staatsfinanzen (und damit den Umverteilungsstaat) zu stützen, wird das Drucken von immer mehr Geld als die Politik des kleinsten Übels angesehen. Die große Anzahl derer, die vom Staatsapparat abhängig geworden ist, wird es vorziehen, die leeren Staatskassen mit der Druckerpresse zu füllen, statt den überstrapazierten öffentlichen Sektor und die Banken in die Pleite zu schicken. Die ökonomischen Anreize, die im Fiat-Geldsystem freigesetzt werden, führen es in seinen Niedergang. FiatGeld wird zunächst zu hoher Inflation – vielleicht sogar Hyperinflation – führen, bevor es zur Depression kommt. Ein Fiat-Geldsystem kann nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden, denn es untergräbt durch immer mehr

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Gold (USD pro Feinunze)
1700 1660 1620 1580 1540 1500 Mrz 12

Edelmetallmarkt-Bericht
Die Zentralbanken haben die Geldmenge bislang nicht so stark ausgeweitet, wie es erwartet wurde. Das dürfte die Preiskorrektur seit September 2011 erklären. Doch die Inflationsfurcht wird zurückkehren. Trotz eskalierender Euro-Schuldenkrise, die immer mehr Staaten und Banken in den Abwärtsstrudel reißt, läßt der vielfach erwartete Anstieg der Edelmetall-

Apr 12

Mai 12

Jun 12

Jul 12

Quelle: Bloomberg. Tageswerte.

preise (in Euro, aber auch in allen anderen wichtigen Währungen) auf sich warten. Ein Grund ist aus unserer Sicht die Enttäuschung der bisherigen Erwartungen: Die Zentralbanken dies- und jenseits des Atlantiks weiten nicht, wie vielfach erwartet wurde, die Geldmenge sofort ungehemmt aus. Vielmehr „beschränkt“ sich die Geldmengenausweitung auf den Geschäftsbankensektor, sie erreicht nicht den Unternehmens- und Konsumsektor. Zudem haben die Geschäftsbanken im Euroraum ihr Kreditangebot zurückge-

Silber (USD pro Feinunze)
33 32 31 30 29 28 27 26 Mrz 12 Apr 12 Mai 12 Jun 12

Quelle: Bloomberg. Tageswerte.

fahren, so dass die für Käufe wirksame Geldmenge (M3) nicht (wesentlich) zugenommen hat. So schrumpfte im Mai 2012 das Bankkreditangebot gegenüber Nichtbanken um 0,2% gegenüber dem Vorjahr, die Buchkredite der Banken sanken um 0,1% gegenüber der Vorjahresperiode. Die monetäre Entwicklung hat Deflationssorgen geweckt: Die Erwartung greift um sich, dass Geschäftsbanken ihre Kredit- und Geldschöpfung noch weiter einschränken könnten. Damit verbunden wären rezessive Tendenzen in den Volkswirtschaften, verbunden mit fallenden Preisen, insbesondere auch bei Rohstoffen, einschließlich der Edelmetalle. Der EU-Gipfel scheint keine Entscheidungen hervorzubringen, die die Edelmetallnachfrage kurzfristig antreiben könnte. Die Vorgaben der deutschen Bundesregierung zielen auf Haushaltssanierung und Strukturreformen in den Krisenländern ab, dem Drängen, dass die EZB neues Geld zur Staatsfinanzierung drucken soll, wird (noch) nicht nachgegeben. Die damit verbundene deflationäre Tendenz vor allem in den Finanz- und Rohstoffmärkten hält die die Edelmetallpreise momentan in der Konsolidierungsphase. Zudem nimmt mit der jüngsten Aufwertung des US-Dollar gegenüber den wichtigsten Währungen die „Funktion des sicheren Hafens“ der Edelmetalle tendenziell ab. Eine positive Entwicklung im Edelmetallmarkt ist jedoch sicherlich die, dass die Investoren-Nachfrage nach Edelmetallen weiter zunimmt. Die ETFGoldbestände betrugen 77,5 Millionen Feinunzen am 28. Juni 2012, der An-

Gold-ETFs (Mio. Feinunzen)
79 77 75 73 71 69 67 Jan 11 Aug 11 Mrz 12

Quelle: Bloomberg Tageswerte.

Silber-ETFs (Mio. Feinunzen)
600 590 580 570 560 550 540 530 Jan. 11 Aug. 11 Mrz. 12

Quelle: Bloomberg Tageswerte.

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Volatilität (USD pro Feinunze)
90 70 50 30 10 Jun. 11 Gold Silber

stieg, der etwa Mitte Mai 2012 einsetze, hat sich also in der letzten Woche weiter fortgesetzt. Insbesondere sind die Silber-ETF-Bestände weiter angewachsen auf jetzt 574,9 Millionen Feinunzen gegenüber noch 572,8 Millionen vor einer Woche. Derzeit ist vielfach die Einschätzung zu hören, der „Edelmetallpreis-Boom“ sei vorbei, die Preise seien bereits auf einem trendmäßigen Rückzug. Ein Blick auf den Goldpreis in den wichtigen Weltwährungen mag helfen, die Einschätzung zu bewerten. – Seit etwa Ende 1999 hat der Goldpreis in allen wichtigen Währungen zugelegt. Anders ausgedrückt: Die wichtigen Währungen haben deutlich gegenüber Gold abgewertet (siehe die Übersicht auf der folgenden Seite). Goldpreis pro Feinunze, errechnet auf Basis eines gewichteten Währungskorbes*
600 500 400 300

Dez. 11

Jun. 12

Quelle: Bloomberg Tageswerte.

Platin (USD pro Feinunze)
1700 1650 1600 1550 1500 1450 1400 1350 Mrz 12 Apr 12 Mai 12 Jun 12 Jul 12

Quelle: Bloomberg Tageswerte.

200 100

Palladium (USD pro Feinunze)
700 680 660 640 620 600 580 560 Mrz 12 Apr 12 Mai 12 Jun 12 Jul 12

0 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen. Währungskorb: USD, Euro, japanischer Yen, Britisches Pfund, chinesischer Renminbi, Russischer Rubel, Indische Rupie und Schweizer Franken. Gewichtet gemäß Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt (zu Marktpreisen). Die Serie ist indexiert (Januar 1994 = 100).

Der Goldpreis, ausgedrückt als gewichtetes Äquivalent in den wichtigsten Weltwährungen, hat zwar in der Tat jüngst konsolidiert (siehe obige Graphik). Allerdings ist aus den Preisbewegungen der letzten Monate keine Trendumkehr herauszulesen. Die Korrektur ist ausgeprägt in US-Dollar und – aufgrund seiner Wechselkursanbindung insbesondere an den Greenback – beim chinesischen Renminbi. Die weltweite monetäre Krise spricht für mittelfristig weiter steigende Edelmetallpreise – weil die Inflationsfurcht zurückkehren wird, wenn die Zentralbanken mit ihrer Geldmengenausweitung voranschreiten. Obwohl wir die Preisentwicklung bis Ende des zweiten Quartals 2012 überschätzt haben, bleibt unsere bisherige Aufwärtsprognose bis zum ersten Quartal 2013 bestehen (siehe die Übersicht auf Seite 12). ■

Quelle: Bloomberg Tageswerte.

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Internationale Goldpreise
US$ pro Feinunze
2000 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Euro pro Feinunze
1500 1300 1100 900 700 500 300 100 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Japanische Yen pro Feinunze
160.000 140.000 120.000 100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Britische Pfund pro Feinunze
1300 1100 900 700 500 300 100 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Chinesische Renminbi pro Feinunze
13.000 11.000 9.000 7.000 5.000 3.000 1.000 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Indische Rupien pro Feinunze
100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 0 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Russische Rubel pro Feinunze
60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 0 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Schweizer Franken pro Feinunze
1.800 1.600 1.400 1.200 1.000 800 600 400 200 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12

Quelle: Thomson Financial, Bloomberg, eigene Berechnungen.

12

29. Juni 2012

Edelmetallpreise, aktuell und Schätzungen (USD pro Feinunze)
Stand: 29. Juni 2012 Gold I. Aktuell II. Gleitende Durchschnitte 5 Tage 10 Tage 20 Tage 50 Tage 100 Tage 200 Tage III. Prognosen Q2 2012 Q3 2012 Q4 2012 Q1 2013 1570 (1641) 1755 1948 2065 27 (30) 34 42 45 1416 (1489) 1563 1673 1673 584 (629) 679 733 733 1571,0 1584,8 1598,0 1600,2 1643,3 1661,0 27,0 27,4 28,0 28,7 30,9 31,3 1416,2 1438,2 1446,4 1470,3 1557,8 1548,9 584,3 602,3 612,6 621,6 650,8 646,4 1570,74 Silber 26,895 Platin 1410,5 Palladium 572,95

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen und Prognosen, jeweils für das Quartalsende. Werte in Klammern: Prognose vom 25. Mai 2012.

Weitere wichtige Wirtschaftsdaten, aktuell und Schätzungen
Aktuell I. Notenbankzinsen (in %) US Federal Reserve EZB Bank of England Bank of Japan II. Staatsanleihen (in %) US Treasury 10-J Bund 10-J UK Gov't 10-J JGBs 10-J III. Währungen EURUSD EURJPY EURGBP IV. Öl Ölpreis (Brent, Fass)*
Quelle: Bloomberg, eigene Prognosen.

Q2 12 0,00 0,50 0,50 0,10

Q412 0,00 0,25 0,50 0,10

Q2 13 0,00 0,25 0,50 0,10

0,00 1,00 0,50 0,10

1,63 1,61 1,74 0,84

1,80 1,50 1,70 0,90

1,80 1,60 1,80 1,00

1,90 1,70 1,90 1,00

1,26 99,8 0,80

1,25 100,0 0,81

1,15 98,0 0,84

1,10 108,0 0,84

92,5

93,0

118,0

121,0

13

29. Juni 2012

Wertentwicklung alternativer Vermögensanlagen seit Jahresanfang in Prozent
-25 -20 -15 -10 -5 S&P 500 Nasdaq Euro STOXX 50 FTSE 100 DAX Swiss MI Nikkei Hang Seng Bovespa Russia CRB Index Gold Silber Rohöl EURUSD USDJPY EURGBP EURCHF USDCAD USDGBP USDJPY US-Staatsanleihe 7-10 J. US-Staatsanleihe 1-3 J. Euro-Staatsanleihe 1-3 J. Euro-Staatsanleihe 7-10 J. UK-Staatsanleihe 7-10 J. UK-Staatsanleihe 1-3 J. Japan-Staatsanleihe 7-10 J. Japan-Staatsanleihe 1-3 J. 0 5 2,8 9,4 -0,3 -0,3 6,4 1,6 6,5 5,5 -7,2 -11,4 -11,0 0,4 -3,6 -13,8 -3,0 0,3 -3,3 1,3 0,4 0,5 3,4 1,5 0,1 4,6 1,2 4,1 0,4 2,2 0,2 10 15 20 25 30 35

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen. Stand: 29. Juni 2012 .

14

29. Juni 2012

Marktdaten
I. II. III. Edelmetalle Rohstoffe Wechselkurse

Goldpreis in USD pro Unze

Quelle: Bloomberg, 29. Juni 2012.

Silberpreis in USD pro Unze

Quelle: Bloomberg, 29. Juni 2012.

15

29. Juni 2012

I. Edelmetalle
Goldpreis (US$ per Feinunze)
2000 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Silberpreis (US$ pro Feinunze)
50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Gold-Silber-Preisrelation
90 80 70 60 50 40 30 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Platinpreis (US$ pro Feinunze)
2500 2000 1500 1000 500 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Gold-Platin-Preisrelation
1,2 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Platin-Silber-Preisrelation
180 150 120 90 60 30 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Palladium (US$ pro Feinunze)
1200 1000 800 600 400 200 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Gold-Palladium-Preisrelation
5,0 4,0 3,0 2,0 1,0 0,0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Quelle: Thomson Financial, Bloomberg, eigene Berechnungen.

16

29. Juni 2012

II. Rohstoffe
S&P Rohstoffpreis-Index (US$)
900 700 500 300 100 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Öl (US$ pro Fass, Brent)
160 140 120 100 80 60 40 20 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Kupfer (US$ pro Tonne)
12.000 10.000 8.000 6.000 4.000 2.000 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Blei (US$ pro Tonne)
4.000 3.500 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Zink (US$ pro Tonne)
35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Aluminium (US$ pro Tonne)
3.500 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Weizen (US$ Bushel)
1150 900 650 400 150 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11

Zucker (US$, S&P Index)
400 350 300 250 200 150 100 50 0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12

Quelle: Thomson Financial, Bloomberg, eigene Berechnungen.

17

29. Juni 2012

III. WECHSELKURSE
EURUSD
1,6 1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 1,0 0,9 0,8 99 01 03 05 07 09 11 13

EURJPY
180 170 160 150 140 130 120 110 100 90 80 99 01 03 05 07 09 11 13

EURGBP
1,0 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 99 01 03 05 07 09 11 13

EURCHF
1,7 1,6 1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 99 01 03 05 07 09 11 13

USDCNY
8,5 8,0 7,5 7,0 6,5 6,0 99 01 03 05 07 09 11 13

EURCNY
12 11 10 9 8 7 6 99 01 03 05 07 09 11 13

EURRUB
50 45 40 35 30 25 20 99 01 03 05 07 09 11 13

EURAUD
2,2 2,0 1,8 1,6 1,4 1,2 1,0 99 01 03 05 07 09 11 13

Quelle: Thomson Financial, Bloomberg.

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29. Juni 2012

Beiträge in bisher erschienen Ausgaben
Ausgabe
29. Juni 2012

Inhalt
ESM: ein Trojanisches Pferd zur finanzpolitischen Entmachtung der nationalen Parlamente Die EZB wird die Zinsen senken. Die Politik der Euro-Entwertung schreitet voran Das Fiasko des Fiatgeldes Edelmetallmarkt-Bericht Im Euroraum spielt sich eine „fast unsichtbare“ Währungskrise ab „Target2“-Salden ganz einfach erklärt 100 Jahre „Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ Edelmetallmarkt-Bericht Ein Ausscheiden Griechenlands wird die Euro-Krise nicht beenden Renaissance der Kapitalverkehrskontrollen? Zur Euro-Krise – ein Diskussionsbeitrag Edelmetallmarkt-Bericht Deutsche Reichsbank 1923: ein Lehrstück über eine politisch unabhängige Zentralbank Die Zeichen stehen auf Abschwächung der internationalen Konjunktur Die Gefahr der Inflation Edelmetallmarkt-Bericht Die Bedeutung der Bankbilanzen für die Edelmetallpreise Kredit und Geld im Euroraum: Deflatorischer Druck baut sich auf Ein Fiatgeldboom endet in einer Depression Edelmetallmarkt-Bericht Banken und Staaten vereinnahmen die EZB – weitere Zinssenkungen sind zu erwarten Geldvermehren: still und heimlich mit „ELA“ Über die wahre Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise Edelmetallmarkt-Bericht

22. Juni 2012

15. Juni 2012

8. Juni 2012

1. Juni 2012

25. Mai 2012

19

29. Juni 2012

Disclaimer
Für die Erstellung dieser Ausarbeitung ist Degussa Goldhandel GmbH, Frankfurt am Main, verantwortlich. Die Verfasser dieses Dokuments bestätigen, dass die in diesem Dokument geäußerten Einschätzungen ihre eigenen Einschätzungen genau wiedergeben und kein Zusammenhang zwischen ihrer Dotierung – weder direkt noch indirekt noch teilweise – und den jeweiligen, in diesem Dokument enthaltenen Empfehlungen oder Einschätzungen bestand, besteht oder bestehen wird. Der (bzw. die) in dieser Ausarbeitung genannte(n) Analyst(en) sind nicht bei der FINRA als Research-Analysten registriert/qualifiziert und unterliegen nicht der NASD Rule 2711. Dieses Dokument dient ausschließlich Informationszwecken und berücksichtigt nicht die besonderen Umstände des Empfängers. Es stellt keine Anlageberatung dar. Die Inhalte dieses Dokuments sind nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von in diesem Dokument genannten Edelmetallen und Wertpapieren beabsichtigt und dienen nicht als Grundlage oder Teil eines Vertrages. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen stammen aus Quellen, die von der Degussa Goldhandel GmbH als zuverlässig und korrekt erachtet werden. Die Degussa Goldhandel GmbH übernimmt keine Garantie oder Gewährleistung im Hinblick auf Richtigkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck. Alle Meinungsaussagen oder Einschätzungen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers bzw. der Verfasser zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Die hierin zum Ausdruck gebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinungen der Degussa Goldhandel GmbH wieder. Die Degussa Goldhandel GmbH ist nicht dazu verpflichtet, dieses Dokument zu aktualisieren, abzuändern oder zu ergänzen oder deren Empfänger auf andere Weise zu informieren, wenn sich ein in diesem Dokument genannter Umstand oder eine darin enthaltene Stellungnahme, Schätzung oder Prognose ändert oder unzutreffend wird. Die in der Vergangenheit gezeigte Kursentwicklung von Finanzinstrumenten erlaubt keine verlässliche Aussage über deren zukünftigen Verlauf. Eine Gewähr für den positiven Anlageertrag einer in diesem Dokument beschriebenen Einschätzung kann daher nicht übernommen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass in diesem Dokument genannte Prognosen aufgrund verschiedener Risikofaktoren nicht erreicht werden. Hierzu zählen in unbegrenztem Maße Marktvolatilität, Branchenvolatilität, Unternehmensentscheidungen, Nichtverfügbarkeit vollständiger und akkurater Informationen und/oder die Tatsache, dass sich die von der Degussa Goldhandel GmbH oder anderen Quellen getroffenen und diesem Dokument zugrunde liegenden Annahmen als nicht zutreffend erweisen. Weder die Degussa Goldhandel GmbH noch ihre Geschäftsleitungsorgane, leitenden Angestellten oder Mitarbeiter übernehmen die Haftung für Schäden, die ggf. aus der Verwendung dieses Dokuments, seines Inhalts oder in sonstiger Weise entstehen. Die Aufnahme von Hyperlinks zu den Websites von Organisationen, soweit sie in diesem Dokument auf-genommen werden, impliziert keineswegs eine Zustimmung, Empfehlung oder Billigung der Informationen der Websites bzw. der von dort aus zugänglichen Informationen durch die Degussa Goldhandel GmbH. Die Degussa Goldhandel GmbH übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt dieser Websites oder von dort aus zugängliche Informationen oder für eventuelle Folgen aus der Verwendung dieser Inhalte oder Informationen. Dieses Dokument ist nur zur Verwendung durch den Empfänger bestimmt. Es darf weder in Auszügen noch als Ganzes ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Degussa Goldhandel GmbH auf irgendeine Weise verändert, vervielfältigt, verbreitet, veröffentlicht oder an andere Personen weitergegeben werden. Die Art und Weise, wie dieses Produkt vertrieben wird, kann in bestimmten Ländern, einschließlich der USA, weiteren gesetzlichen Beschränkungen unterliegen. Personen, in deren Besitz dieses Dokument gelangt, sind verpflichtet, sich diesbezüglich zu informieren und solche Einschränkungen zu beachten. Mit Annahme dieses Dokuments stimmt der Empfänger der Verbindlichkeit der vorstehenden Bestimmungen zu.

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