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UM WELCHEN SCHUTZ VON WAS GEHT ES?
An Tonaufnahmen jeglicher Art bestehen sogenannte
»verwandte Schutzrechte«.
Dieser Ausdruck macht bereits deutlich, dass es gerade nicht um Urheberrechte geht, sondern umdie Rechte derjenigen, die die Werke der Urheber einspielen, einsingen, au
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ühren – im urhe-berrechtlichen Jargon einheitlich als
»Darbietung«
bezeichnet – und/oder diese Darbietungaufzeichnen bzw. aufzeichnen lassen und dadurch wieder abspielbar machen. Sie sollen einzeitlich begrenztes Monopol an der Verwertbarkeit der Aufnahme bekommen, da sie oft maß-geblich zum kommerziellen Erfolg eines urheberrechtlich geschützten Werkes beitragen. Dieverwandten Schutzrechte an der Aufnahme stehen grundsätzlich den jeweils »ausübendenKünstlern«, also den an der Aufnahme beteiligten Studiomusikern zu, werden jedoch in derRegel schon vorab über Platten- oder Aufnahmeverträge an Produzenten, Plattenfirmen oderMusiklabels übertragen. Diese besitzen als
»Tonträgerhersteller«
daneben auch noch eineigenes Leistungsschutzrecht, das weitgehend denselben Regeln folgt wie das der ausübendenKünstler. Die
»Lebensdauer«
der Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen, auch Schutzfristgenannt, beträgt einheitlich in allen europäischen Rechtsordnungen derzeit 50 Jahre ab Ver-ö
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entlichung der Aufnahme (im Gegensatz dazu: Urheberrechte bestehen in Europa in derRegel bis zum Tode des Urhebers plus weitere 70 Jahre). Als ein plastisches und berühmtes Beispiel für die Rechte, um die es hier geht, kann der Titel
»Twist and Shout«
dienen. Er wurde ursprünglich von Phil Medley und Bert Russell für dieGruppe Top Notes geschrieben, dann aber von den Beatles ebenfalls aufgenommen, am 2. März1964 in den USA als EP verö
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entlicht und landete sowohl in den USA als auch in Großbri-tannien anschließend in den Top 5. Urheberrechte haben die Beatles nicht an dem Titel, abernoch mindestens bis zum 31. Dezember 2015 genießen sie Leistungsschutz für ihre Aufnahmedavon. Bei jeder ö
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entlichen Wiedergabe der Beatles-Einspielung von
»Twist and Shout«
muss wegen des Leistungsschutzrechts der Band eine Vergütung an die Beatles-Mitglieder bzw.ihre Plattenfirma abgeführt werden. Für Deutschland sind diese verwandten Schutzrechte inden Paragraphen 77 und 78 des Urheberrechtsgesetzes niedergelegt, die Schutzfrist in § 82 undihre Berechnung in § 69. Läuft die Schutzfrist ab, unterliegen viele Aufnahmen oft zwar nochden weiter bestehenden Schutzrechten der Urheber, die übrigen jedoch werden
»gemeinfrei«,
können also ohne Einschränkungen verbreitet, ö
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entlich wiedergegeben, in neue Produkti-onen übernommen, in Form von Samples verwendet und remixt werden. Was häufig übersehen wird, ist, dass unter die Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen mehrfällt als nur Aufnahmen zeitgenössischer Musik. Die Rechte ausübender Künstler bestehenauch an allen sonstigen Tonaufnahmen, sofern auf ihnen Werke oder traditionelle Kunst fest-gehalten sind, also auch Hörspiele, Literaturlesungen, Sounde
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ektaufnahmen, Aufnahmenvon Volksliedern, traditioneller Musik, Weltmusik und klassischer Musik. Die aufgenom-menen Werke selbst brauchen dabei nicht einmal mehr geschützt zu sein, weshalb auch eine Aufnahme von
»Ihr Kinderlein kommet«
Leistungsschutz genießt, obwohl Kompositionund Text selbst schon lange gemeinfrei sind. Das bereits genannte, ähnlich gelagerte Lei-stungsschutzrecht der Tonträgerhersteller betri
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t darüber hinaus auch alle sonstigen, völlig