DAS FREMDLAND

Fotografien und Text von

CHRIS MARKER
autorisierte Übersetzung von Roland Platte und Andreas Eisenhart

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Schlaflosigkeit der Morgendämmerung in Tokyo. Die Stimmen der Krähen künden von Botschaften, die bald die Stadttore erreicht haben werden. An den Endbahnhöfen setzen sich farbige Züge in Bewegung - Yamanote grün, Tozai blau, Marunouchi lackrot, Name und Fdibe für immer untrennbar - und erfüllen den Morgen mit dem anwachsenden Rollen von Bowlingkugeln, das vom kaiserlichen Nebelhorn des Shinkansen beherrscht wird. Der Schnee auf dem noch laufenden Fernseher wird zwar bald vom ersten Blickfang weggewischt werden, in diesem Augenblick ähnelt der Apparat jedoch eher einer dieser weißen und eckigen Laternen, die man im Fernsehen zu sehen bekommt, in diesen Samurai- und Phantomgeschichten. Das ist, was man ein Bild im Bild nennt. Die Dame von den Morgennachrichten erscheint auf dem Bildschirm oder der ersteWerbespot oder Doraemon, der Katzenroboter. Aha, sagt man sich, ein weiterer Tag ist vergangen. Als ob man nur beim Er-

el der Originalausgabe: Le Döpays rpyright Edltlons Herrscher, Paris 1982

Das Fremdland
Hinweis DerText kommentiert die Bilder so wenig, wie diese den Text il-' lustrieren. Es sind zwei Serien von Sequenzen, und es kommt freilich vor, daß sie sich kreuzen'

Pyrlght drr dcutachen Ausgabe: Itrv{rrlrg Ur!ula Obsrbeckmann-Fukuzawa,

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und sich Zeichen geben, aber der Versuch, sie zu konfrontie-' ren, wäre unnütz und ermüdend. Man nehme sie daher in der Unordnung, in der Einfach=, heit und Verdoppelung, so wie es in Japan allen Dingen zukommt. c. M.
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wachen, sich nach ihm zurückwendend, das richtige Maß dieses Tages erfaßt, den man außerhalb der Zeit erlebt hat, eingetaucht in einen Bereich der Stille inmitten des Klanges, der Bewegungslosigkeit im Zentrum der Manege, in einen Geschmack von Ewigkeit, den wirJapan nennen werden, wie andere ihn Holland nennen. Hierzulande ist die Zeit ein Fluß, der nur nachts fließt,
Will man Japan kennenlernen, kann man es auch glelch erfinden. lst man einmal über Ge-

der Katze folgte und von ihr zu einem strategisch günstigen Platz geführtwurde. den sie mit der Gier eines Raubtieres verschlungen hatte. dessen Katze allein durch den Glanz ihrer Anwesenheit die Kunden anzog und ihm ein großes Vermögen einbrachte . der ihm den Sieg ermöglichte). Für die Eule waren wir vielleicht große. die eines Tages in deiner Hand. ob . den Blick eines Katers durch deinen Kopf gleiten lassen. starb. undeutliche Schatten. was ein ziemlich unwahrscheinlicher Name für einen Kater des 12. die Whiskyflaschen der Stammgäste. Dein Finger ist wochenlang blau geblieben. hier der Kopf. wie einen Gewissensbiß mit dir herumgetragen. ist gestorben. Es genügte schon. wie sie die Menschen sehen. und er warl diesen Blick zu dir hoch . Einige Sekundenbruchteile später war er da. erstickt an einem Klumpen. nicht feindlich gesonnen. einer Neuralgie ähnlich. bei der sie neugierig nachprüfen. vertikal oder horizontal. sagten ihre Augen: Schatten. " Das hat dir Toru Takemitsu gestern abend in der kleinen Bar in Shinjuku gesagt. aber so war es eben.ihr Menschu eine einheitliche . hat man einmal den Gemeinplatz vermieden. dü tötest mich. die grüßende Kalze. daß du ihm vom ersten Stock. russisch-blau. Eine prächtige Maneki neko. Die Assoziation dieser beiden Wörter. Du fragtest dich zuweilen.meinplätze hinausgelangt. und ihr letzter Krampf hat ihre nadelspitzen.Zeit. Andere trinken heute abend vielleicht auf den Tod der Könige. wacht an der Pforte des Heiligtums. das Gegenteil der Gemeinplätze anzunehmen. zuriefst: uWhisky!u. Wir in Shinjuku trinken auf den Tod der Katzen und Eulen. das Maskottchen der gewieften Händler und der aufmerksamen Prostituierten. ohne auch nur die Stimme zu heben. Was ist natürlicher als das? Eine Viertelstunde zu Fuß entfernt und ohne Shinjuku zu verlassen. dem eine schwarze Katze den. rund und glatt wie Schildkröten. wissentlich Dekor und Stück vermischen. Dieses Eingeständnis ist um so kostbarer. in Nishi Ochiai. Jahrhundert von einem Feldherrn. doch welch ein Zeitgewinn. Sich den Erscheinungen anvertrauen. zum Gedenken an deinen anderen Freund unter den Katzen. zum Gedenken an die Schleyereule. die allein Katzen kennen und ein paar tibetanische Asketen. der Kater.6tre lä -. anstatt darin wie jeder bornierte Europäer ein schlechtes Omen zu sehen. Pariser Arrondissement ist. Während sie nach Atem rang und zum ersten Mal der Schwindel des Todes in ihren Eulenkopf eindrang. von der du bis heute nicht begritfen - . Der Bonze entschleiert für einen Obolus die geopferten Katzenstatuen geopfert im XVl. du verläßt mich. "We Japanese have a very special relationship with cafs.und im XVlll. aber unerklärlich. nebeneinander aufgereiht. der bezeichnenderweise Whisky hieß.im XVll. wo man für die Katzen der ganzen Welt betet. und alles wird lhnen in den Schoß fallen.einfach unvergeßlich. Bei Katzen ist es nicht sicher. durch eine dieser Verdichtungen der Raum. Na ja. das nur allmählich wieder erlosch. Jahrhundert von einem Händler. Katze und Whisky. blau wie die russische Katze. überfahren von einem Lastwagen. Tozai-blau. jedenfalls ein bißchdn. hat. eher eine Art Herde. Schatten. und noch lange hast du dieses Zeichen. ob sie sich immer in derselben Ordnung zeigt. auf dem Balkon. und du hebst dein Glas zu seinem Gedenken. dann hat rein rechnerisch jeder die gleiche Chance. auf den Tod der Kaiserrei- che. hier die Füße. als es von einem der größten lebenden Musiker kommt. für Nagetiere tödlichen Fänge um deinen Finger zu einem Knoten verschlungen. Hinter ihm stehen. fänden wir den Tempel von Ji Cho ln. diese Tiere. Jahrhundert von einer Kurtlsane. Whisky. wie die Tozai-Linie.Weg gekreuzt hatte (und der. Person darstellt. dem Zwang des Verstehenmüssens widerstehen. dasein .

das ist schon beeindruckend. die mit Katzen zu tun haben. um darauf ihr Nickerchen zu halten. immerhin hat die Katze in ganz Asien einen schlechten Ruf. sahen deine Freunde darin den Beweis dafür. daß die Legende wahr ist. muß man um so mehr Mitleid mit ihr haben. . Man mußte ihnen erst Bilder vom Katzenfriedhof Ji Cho ln in Go To Ku Ji mit seinen Dutzenden. daß sie ein bißchen ver- unsichert waren. hat man geantwortet. papier und mit der Sorgfalt eines Geographen gedruckt vor sich zu sehen . die erzählt. Seitdem hast du nie mehr diesen Durchgang benutzen können. aber alle wußten sie es nicht. Und die Legende berichtet. . von der mit den Zwillingen in dem Zug. hat dir ei- von Ginza Kinder ein Katzen-Hinkespiel gezeichnet haben und daß eine echte Katze gekommen ist. du wußtest noch nicht. das sämtliche Gegenstände für Katzen. alle Bücher über und Bilder von Katzen. den Schwächsten zu unterstützen. sonöern auch.hast. "neko(sagend. du hieltest. lmmer noch in Shinjuku (wirklich. wo man inmitten von frei um. das Pläne und eine systematische Liste von allen Orten Tokios enthält. die sich für deine Verrücktheit interessieren. lnzwischen hast du nicht /'nur gelernt. verstrebt mit l . zum weltlichen Katzentempel mitgenommen. Gerade weil sie diesen Makel an sich trägt. to side with the undercat. in diesem Regen . daß du für sie den langen Weg gemacht hast.nekoo aubspricht. auf derselben Seite wie der Blumenhändler. ohne die Katze wiederzusehen. eben dahin (es regnete wie in Rashomon. die sich entwickelt hat mil Wholly Cafs in San Francisco und mit Au Chat Dormant in Paris. rue du Cherche-Midi. ihnen beteuern. einem Geschäft. Den besten Weg zum Restaurant von liiya. Ein großer Strich und zwei kleine. die dich grüßten. dem ersten Baustein einer lnternationalen. Und diese Art. herlaufenden Katzen speisen kann. Daraufhin war es einfacher. daß eine Katze ihre lnitialen im Beton von Shimbashi hinterlassen hät. für den Schwanz: eln Tier. hat dich vom Dach eines dieser kleinen Läden am südlichen Ausgang des Fußgängertunnels eine Katze mit beiden Ohren gegrüßt. auf mehreren Etagen angeordneten Maneki neko zeigen. ihnen beweisen. in dem er allein durch sein Eintreten einen Wächter erstarren ließ. auf Glanz-.. lst sie nicht als einziges Tier zu spät zum Tod Buddhas gekommen? Eben. du verbringst dort wohl dein Leben). wo der Tempel war. und dieses Katzenlächeln schien dir alle Gegenmächte der Welt zu verkörpern. keine Fragen zu stellen. daß ein Maniak immer etwas findet.ch dem verbreiteten und berechtigten Ruf der Grausamkeit der Japaner entgegen. wie man . Am selben Morgen hattest du einen Vizepräsidenten der reichen und mächtigen Riyukai-ShakadenSekte genau in dem Augenblick photographiert. daß die Legende wahr ist. Später bist du nachdenklich geworden. daß in Block 1-16-1 t mon. federförmige. Passanten an und führtest die Hände zur buddhistischen Gebetsgeste zusammen: Sie verstanden alle. Und erst als du ihnen das 1980 erschienene Buch von Keibunsha aufschlugst. als würde die Demoiselle du carrefour von deinen Reisen erzählen. bis du dich endlich vor den Reihen der Katzen wiederfandest. der dich nach Go To Ku Ji brachte. An einem anderen Tag haben dich deine japanischen Freunde. es hat dich eine Stunde gekostet und mehrere Versionen. Nekomaya. wie man es schreibt. immer wie in Basho- nen neuen Einblick gewährt. Als du das erste Mal mit den Geschichten von den japanischen Katzen nach Europa zurückkehrtest. Ein Rechteck. ob sie eine Katze war oder was sie sonst in der Geschichte eigentlich zu suchen hat. so. ob sie eine Katze hatte. Aber du hast gelernt. ja sogar Katzennahrung führt. hast du gespürt. ihnen von deinen weiteren Begegnungen zu erzählen. womit er seine Manie nähren kann. dir dafür dankten. denn sie stellt sl.

der genau unter dir an das Hotel stößt. gegen den internationalen Kommunismus zu predigen. . Du stehst auf. ln den Gebäuden von Otemachi gegenüber dem kaiserlichen Palast entwirft Japan glorreich das Bild. mit einem horizontalen Balken wütend. gehetzt durchgestrichen: der Lauf. so wie er es seit fünfundzwanzig Jahren praktisch jeden Tag tut. der man in der Halle des Yomiuri Shimbun über den Weg läuft. Vom Wellblechdach des Schuppens. die schwarze. gleicht. einst geschrieben zu haben. sondern auf. Mitsukoshi und Sanai an der großen Kreuzung von Ginzawarten (die steinerne Statue einer Katze im Schatten des Turmes von Sanai). grüßen dich zwei Katzen.einmal ist keinmal .dich lobst. Die Sonne steht jetzt hoch über Tokyo. um von neuem zu empfinden.einem Kreuz: das Reisfeld. daß du für einen kleinen Moment ins Schwanken gerätst und . gehst zum Fenster. in einem anderen Leben. einen Blick zu. das durch ein Reisfeld läuft. lm Fernsehen läuft bereits die morgendliche Fortsetzungsserie. ln Japan ist die Katze das Tier. eine weiße und eine schwarze. lm Augenblick der Aufnahme wirft dir die rechte. daß es sich mit der Vergangenheit genau so verhalte wie mit der Fremde: Es kommt dabei nicht auf die Entfernung an. das Überschreiten einer Grenze. Einen Block weiter fängt Herr Akao an. der so genau dem des Katers Whisky am anderen Ende der Welt. Vor herunteruntergelassenen Rolläden müssen Frauen auf die öffnung der großen Kaufhäuser Sogo in Yurakucho. Zwei kleine vertikale Striche. und doch genügt schon eine Abordnung von Landbewohnern. was in diesem Marmorreich an Seidenem geblieben ist. in dem es sich f ür viele zusammenfaßt und wofür viele es bewundern.

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Entgegen einer zäh sich haltenden Legende sind die Züge in Tokyo nichl immer überfüllt. zwischen Kobe und Osaka. Lächeln und Verkrampfungen. Denn jetzt beginnt die Jagd nach Schläfern. in schnellem.zu Hochbahn zu gleiten. du verpaßt Umsteigemöglichkeiten. von Untergrund.diese Frau. konfusem Wechsel. und du kannst in diesen schlafenden Gesichtern ihre ganze Geschichte lesen. ähnlich dem . du vergißt Verabredungen. Entspannung und Ekstase. mit langen Leerstrecken. sich eine strategisch günstige Ecke oder sein Gegenüber auszusuchen. bei der du innerhalb einer Stunde alle Lebensalter verfolgt hast.Jene hast du la Derelittagenannt.ganze Tage damit zubringen. die im Wachzustand von der sozialen Stellung und der Sorge um das Erscheinen gezügelt werden. auch wenn einem die Sitzplätze nicht gerade geschenkt werden). zum Beispiel. Sie faszinieren dich. lhr Schlaf deckt ein ganzes Spektrum von Verhaltensweisen auf. die es einem erlauben. um sie zu sehen. von Zug zu Metro. wie uns das in keinem Film erspart bleibt. ohne je mehr gedrängelt zu werden als in Paris oder New York (jedenfalls auf eine höflichere Art. Wie viele lnszenierungen hast du nicht auf diese Art und Weise erfunden . Du nimmst den Zug. Man kann. werden die Fahrgäste nicht immer von weißbehandschuhten Angestellten in die Waggons geschoben. vor der perfekten Großaufnahme des Gesichtes eines oder einer Schlafenden zu verbringen. um einige Minuten länger vor dem vollendeten Dokumentarfilm.

Otfensichtlich irrt er. in Yamagata oder Aomori wiederzufinden . doch sie zu veröffentlichen. er hat hier nichts zu tun. ein unauslöschlicher Makel. so wie Japanerinnen lachen. die deine Nachbarin liest. das du suchtest.von den unentbehrlichen Entschuldigungs. die Gastfreundschaft der Xenophoben angemessen zu besingen? Denn das Unglück. an die Wächterin des Katzenfriedhofes (neko dera) in Osaka. auf der der Name jeder Stadt sich mit den anderen vermischt. vom beschränkten Charakter deines Vokabulars vollkommen unbeeindruckt. die dich zwanzig Minuten lang begleitet hat und dich. sie ist nicht in diesen Seiten zu finden. Wer wird es jemals verstehen. legst du dlr lm Kopf einen Plan zurecht. um dich zum Fuß des Gebäudes zu bringen. der dich vom Flughafen Narita direkt zu deiner liebgewordenen Yamanote-Linie bringt und damit die endlose Fahrt über die Straße kurzschließt) ergreift die japanische Liebenswürdigkeit dein Herz. so daß man gegenüber dem Fremden jegliche Zuvorkommenheit zu zeigen hat (wie gegenüber den Katzen). Passe- partout zu spielen). weildu einen illustrierten Artikelüber die takenoko. und schon im ersten Zug (jenem. nach erneutem Austausch von Grüßen. Eine Stunde lang hast du diese Metamorphosen mit (fast) der gleichen verlangenden Aufmerksamkeit belauert wie das Aufleuchten der Lust auf einem geliebten Gesicht. einige Augenblikke später wird er. hieße sie verraten. . den du auf Volapück nach der Bahnsteignummer gefragt hast. Dieses Verhalten nimmt auch befremdliche Formen an: ln einem der hübschen Züge von Hokkai- do. sie allein zu finden. ihn verdammend.) Ein anderer versucht sich daran. einfältiger Fremder. verheddert sich genauso. der ganz'ö Waggon kichert. Suchen Sie nicht. schielst du auf die Zeitschrift. um die . Ohne dir im geringsten deine Absicht anmerken zu lassen. ob du auch richtig verstanden hast und nicht Gefahr läufst. denn die Mädchen seiner Gruppe fangen an zu lachen. als linguistisches Gepäck . aber da ja die höfliche Herablassung viel angenehmer ist als die mürrische Gleichgültigkeit . Sein Zug geht nicht von hier. lm Zug erkundigst du dich nach der Anzahl der Stationen bis zum Umsteigebahnhof (du könntest auf den Plan schauen.und Danksagungsformeln einmal abgesehen einzig die verschiedenen Kombinationen des Wortes neko. und von jeder Etappe bleibt dir die Erinnerung an den Händler. nicht Japaner zu sein. von Hokkaido bis Okinawa. dieser Auster mit hunderttausend Perlen. . einen Schwulen zu erkennen. es ist jener. erspäht hast und du eines dieser Mädchen wiederzuerkennen glaubst.Verwischen der Anzeigetafel eines Flughafens. wieder weggehen: Er will sich lediglich vergewissern. (Der sicherste Weg. Eine kräftige Landfrau hat sich des rechten Henkels bemächtigt und führt dich auf diese Weise zum Bahnsteig. So hast du Japan durchquert. mit vertraulichen Mitteilungen überhäufte. Du kommst aus Hongkong zurück. ihn zum Lachen zu bringen. die mit ihrem dunklen Holz und grünen Samt Valery Larbaud gefallen hätten. das du selbst photographiert hast.). Du steigst die Stufen der Treppen des Bahnhofs hinauf. um dich dann auf einer großen Verkehrsader voller Busse allein zu lassen (was natürlich auch heißt. Ein Mann nähert sich dir: Du erkennst ihn wieder. wo du natürlich wieder von sicherer Hand geführt wirst. die kleinen Sonntagstänzer aus dem Yoyogi-Park. dich. Es gibt einige hundert Aufnahmen von ihr. den Mund halb verdeckt von der zur Schale geformten Hand. wo ihr Danksagungen und Verbeugungen austauscht. Ein junger Mann beginnt auf seinen Fingern zu zählen wie bei einem Abzählvers. ist etwas wirklich Tragisches. wenn es nicht soviel kurzweiliger wäre. der seinen Laden ver- - lassen hat. daß du unfähig gewesen wärst. Das Spiel währt bis zum richtigen Bahnhof. und plötzlich wiegt die Tasche an deinem Arm weniger. ist.

dieservom gan2en modernen Denken so richtig angeprangerte spiritistische Greuel. die Rechte ist ohnmächtig. Da du immer befürchtest. der mehr von etwas erzählt. daher kommt es. wenn Sie nicht sicher sind. ln der legendären Zeit der Maotsetungideen hat eine gewisse Anhänge- rin ein Wort geprägt. aufgeteilt unter den achthundertundacht. was dein Kopf vielleicht gar nicht auszudrücken vermag. ln allen Dingen auch ihr Gegenteil zu . denkst du. es nicht verstanden zu haben). ein Respekt für den anderen friedlich mit dem Wettlauf der Ratten koexistiert. daß sie sich für die andere ausgibt" (lesen Sie es noch einmal. wie die christliche Zivilisation vom Fleisch besessen war. was damit anfangen. Überlassen Sie ihn seiner ruhigen Schizophrenie. daswäre zu metaphysisch. Und vielleicht ist die materialistische Zivilisation Japans ebensosehrvom Geist besessen. das andere. aber zumindest kann man höflich sein. Durch seine Vorfahren. das ausgeschlossene Dritte. daß sie es sind) immer noch einen Ort gäbe. das eine. dieses zwischen Tag und Nacht. wenn die Tänzerinnen des Awa Odoriin Koenji sie höflich beim Namen nennen .mit den Fischen. die so unbarmherzig ist wie jede andere auch. nachdem die Hymne auf die Maschine erklungen ist und die sozialen Riegel fest verschraubt sind (und Gott weiß. dessen pataphysische Tiefe dich seit jeher bezaubert hat. Wenn man im Hinblick auf Japan von Har- monie spricht. vielmehr einen Zwischenraum gäbe.dieser Kehrseite des so vollendet eingerichteten Dekors. sagen wir nicht ein Jenseits. dieses Namenlose. die Linke verkrampft. seiner Art und Weise. Währenddessen ist sie über Vorfahren. Es handelt sich um den berühmten Kampf zwischen den zwei Linien.mit den Vögeln. Zeichen und Kulthandlungen. Die Harmonie hat wieder zugeschla- gen. welches Japan sich für das andere ausgibt? Fragen Sie das vor allem keinen Japaner.lllustrierte höflich auszuleihen. als er dar- über weiß. nein. die die Herde derTräume bewachenman weiß nicht recht. als jemand dazustehen. wie man sich an es wenden soll. Göttern. wenn die Männef von Morosaki im Süden von Nagoya sie bitten. Warte ich eben. damit in Berührung zu kommen. Sie erwacht einige Minuten später und hält dir unverzüglich die lllustrierte hin. daß im Herzen dieser Gesellschaft.ist es vielleicht der Geist selbst. sein ganzes Wesen bäumt sich auf bei dem Gedanken.KenjiTokitsu) zu spekulieren. unterläßt du es. die zwischen den menschlichen Unternehmungen und dem tiefen Abgrund der Natur klatft. das einen unvermeidlich dazu führt. Du denkst an anderes. seine Götter. man weiß nicht genau. Muß man sich fragen. lmmerhin hast du auf deiner Haut so oft etwas verspürt... Als ob es am Horizont eines jeden Ereignisses. deren eine "dadurch gekennzeichnet ist. wenn sie sie zu Ende gelesen hat.je-ne-sais-quoi( von WladimirJank6l6vitch. Dieser Zwischenraum. Alles klar. Nichts regt ihn mehr auf und versetzt ihn mehr in Panik als diese abgehackten westlichen Fragen:ja. seine Geister in ihrer Vielzahl . den es zu besetzen gilt. über das hyoshi (diese . der sich offenbart und in dem alles verwurzelt ist. Aristoteles und Pöre Ubu. sich höflicherweise fangen zu lassen). du denkst an das feine Netz von Riten. Daher die Höflichkeit gegenüber den res verbergen. ähnlich jenem . denkt jedermann an den berühmten sozialen Konsens.lntegration von Rhythmenu . daher die Höflichkeit gegenüber den Tieren (diese zahllosen Versöhnungsfeiern . einen Mehr-" wert des Geistes. einer jeden Handlung. nach der Kehrseite dieser Kehrseite zu fragen . die so anmutig die Leere ausfüllen. an die angeblich keiner so richtig glaubt. Ein Japan kann ein ande- ihrer Lektüre eingenickt. Halten Sie ihm nicht das Reptil der Gewißheit hin. Als ob es. die aber so oft die Arroganz des Pragmatismus und der Effektivität Lügen strafen.

sehen. wie man sie auf Holzschnitten sieht. nur versehentlich erscheint. was die Väter der heutigen Väter sagten. daß der Japaner ein Krieger ist.das wahre Japanu. der sich einen Schild aus einem Spiegel gemacht hat. vielleicht.n . wenn eine Frau bei einem Fernsehinterview auf die Frage . du denkst. Das ist das. die sämtliche Worte der Stoiker. vielleicht unveränderbar. wenn er Darsteller bei Shohei lmamura in dessen Film Eijanaikaist. das dieser Begegnung entgegeneilt wie der Schatten von King Kong auf dem Asphalt von Manhattan. . unverändert. Und daß . Verschwunden ist die Fassade der Moderne. Schauen Sie ihm lieber zu. und Sie haben einen Japaner des Mittelalters vor sich. wie es die lllustrierten nennen. ja. Du selbst glaubst nicht an dieses amerikanische Japan. wiederum in dem Zwischenraum.Was wünschen Sie sich?u folgende Antwort gibt. desto zwingender wird ihr Gegenteil heraufbeschworen. Je lebendiger eine Sache empfunden wird. weit hinter sich läßt: "Daß mein Tod so wenig wie möglich stören möge. abgezogen dieses Häutchen Amerikanisierung. so wie es bei manchen Tierarten der Fall ist. Und zwar dermaßen. mit denen man uns in der Jugend gelangweilt hat. . das ihm Schutz gewährt durch die Nachahmung seiner Umgebung. als sie selbst die junge Generation waren. wenn er sich als sein Vorfahr verkleidet. einer minutiösen Rekonstruktion der Edo-Epoche bis hin zum originalgetreuen Wiederaufbau der berühmten Rundbogenbrücke von Ryogoku. daß die junge Generation .

gelesen hat) mit meinen Verdoppelungsproblemen zu langweilen. zwischen jenem. Man müßte sie zumindest in die prachtvolle und bunte Form der Geschichten von japanischen Doppelgängern fassen. Denn eines weiß ich: Sobald ich nach Japan zurückkehre. der Fotos begleitet. die Katzenhexe. Nicht aus seichten biographischen Gründen: Man verändert sich. der im Februar 1982 in Paris schreibt. wie viele Bake-neko-Filme es gibt. denn ich bezweifle. Diese beiden sind nicht identisch. spricht Bände von der Kultur dieser klei- . den Leser (den hypothetischen Leser. und dem. Möge die japanische Höflichkeit mich wenigstens davor bewahren. Daß sle ln Europa allesamt unbekannt sind. als vielmehr in dem instinktiven Bedürfnis.Wenn ich in diesem Text vonAnfang an die romaneske Duzform gebraucht habe. und wie wollen Sie der entkommen? lch weiß nicht. so liegt der Grund dafür nicht so sehr in der eifrigen Lektüre von Jorge Semprun. Das ist die Bake-neko. dieser Märchen. dervon September 1979 bis Januar 1981 in Japan diese Fotos gemacht hat. daß jemals jemand einen Text. in denen sich ein Mann in ein Pferd verwandelt (da ist die Fernsehfassung des Sei Yü Ki mit der einzigartigen Natsume Masako) oder in denen sich eine Katze in eine Frau venrvandelt. in denen sich der Prinz als blinder Bettler verkleidet. man müßte sich sein ganzes Leben lang duzen. werde ich den anderen wiederfinden. ich werde dort der andere sein. eine Distanz zu schaffen. man ist niemals derselbe.

was die unausweichliche Katastrophe verzögert. Ein Mann wird umgebracht. gezeichnet einerseits vom Tod (denn sie werden zumeist massakriert). um eines der schönsten Kleinode des Genres anzuführen) mit dem grausamen Tod der Katzenfrau. verzweifelt darüber. auf dem Gesicht und im Blick alle Zeichen eines schrecklichen. daß es ebenfalls doppelt ist.Mord um Mord . verrückten Halbinsel. sondern im Bereich des Traumes eine Schlacht zu schlagen. jeglicher Gedanke an Gerechtigkeit oder Wiedergutmachung ist abwegig. Jekyll und der unsichtbare Mann. Als ob die Japaner schon als Gezeichnete geboren würden: Mit dem ganzen Wissen über die Gewalt.begnügen. . lächerlichen und notwendigen Erbarmens. die sich wieder zurückverwandelt wie Dr. bei der es um nichts weniger als die ganze Welt geht. Vernunft. dank der japanischen Fernsehstationen. (ln Amerika kann man sie. daß sich zwischen befriedeter Realität und blutrünstigem lmaginären ein sehr eigenartiges und auch unsicheres Gleichge- ' ben ein immerwährender Fall ist. die Luft sachte mit ihren . das Schauspiel einer Schlacht in Szene zu setzen. gezeichnet andererseits von der Verzweiflung darüber. Diese Frau wird zum Werkzeug der Rache. Das besonders Verwirrende an Japan ist jedoch. eine Uhr in Gestalt einer Eule. überträgt ihren Geist auf den Körper einer Frau. Die Katze. der Samurai-Serien. Die Helden der chambaras. in welcherVersion auch immer. daß man den Eindruck hat. in ihren Gebärden das Verhalten der Katze mit ihrem eigenen zu vermischen.nen. dann ist es nicht uhvot. Verzweifelt darüber. die ich im Fernsehen verfolge. eine wunderbare Szene: die Szene. scheinen mirallesamt "Gezeichnete" zu sein. Tatzen zu krallen. wicht herstellt. Die letzte Szene des chambara (nachdem alles Vorangegangene nichts genützt hat lntelligenz. eine zirpende Grille. Zeugin des Mordes. List.sie kann sich nicht mit einem einfachen Rachegesetz . die Fuchsröte einer pflanze). an der Westküste sehen. bereit. Das hat es allerdings anderswo auch schon gegeben: Schließlich ist die Katharsis ja nicht von Sony patentiert. entsetzt vor dem Abgrund und ergeben während des Falls. und die Gewalt kommt erst dann zur Ruhe. wenn sie wie ein Vulkan in sich selbst zusammenstürzt. Die entfesselte Rachsucht erfaßt andere. deren Schriftzeichen . Unschuldige. in der sie beginnt. . lst die Gewalt erst einmalfreigelassen. in der sie beginnt. ln jenem Sommer waren die Mauern von To- kyo mit Plakaten beklebt.) Der Ablauf ist immer der gleiche. und daß es letztlich nicht darum geht. sie wird dem Mörder den Geschmack am Sake verleiden. die sympathische Verkörperung der volkstümlichen Moral. die während des zweiten Weltkriegs von den Japanern besetzt waren. stellbar. mit vorgerecktem Schwert in einer immensen Bluilache. jegliches mit seinem Gegenteilzu bezähmen. um sich für soviel Unvollkommenheit zu entschuldigen. daß das Le- - Wenn man solcher Gewalttätigkeit fähig ist (und die Länder. das Blut fließt in Strömen. Bezeichnend ist jedoch. abgehackten Kopf sehen durfte. und rituell endet das Märchen (nachdem man beispielsweise noch ihren über die Häuser fliegenden. daß sie keinen anderen Weg finden. in dem es nur noch die Möglichkeit gibt. Und genau hier gibt es. zu schlekken anstatt zu trinken. daß es soweit kommen mußte. lntrigen -) ist der Moment. und sei es auch nur um eine Sekunde (eine vorbeifliegende Krähe. sich für alles zu begeistern. dal{ diese Rächerin. unweigerlichdes Guten zuvieltun wird. die Welt und den Tod leben sie nur. die Gewalttätigkeit mit dem Schauspiel der Träume aus der Welt zu treiben. daß das lmaginäre mit sich selbst abrechnet. in der die Frau anfängt. herrscht die Unordnung überall. wissen einiges davon) und wenn man außerdem die Gabe hat. sich auf den Gegner zu stürzen.

Hinter dem Tempel liegt ein Menschenfriedhof. was sie denken. um an ihren Gräbern zu beten. Die Gräber der Katzen gleichen denen der Menschen. die die Erdbeben ankündigen. damit die Unordnung ausgelöscht werde. jedes weitere Wort war überflüssig. wo der ötfentliche SchrElber nlemals elne Antwort von Alain De- .)" Und lchiro zeigte auf die Krähen: "Letzte Nacht habe ich mich gefragt. Am Tage darauf sagte mir Keiko: "Das erstaunt mich nicht. Wir waren zu dritt. Meine Uhr zeigte 3:47. lebhafte Städte vorstellte. (Down there. die beiden Mädchen und ich. wie man auf Kuba sagt. das ich mit Mythen bevölkert habe. als ich Flash Gordon las und als ich mir unter Utopie große. Die Einwohner Tokyos leben mit der unumstößlichen Gewißheit. wobei das Bewußtsein sich damit verausgabt. die vor ihm erwacht ist und die genau die Angst jener Tiere ist.so rissig aussahen. vor Elefanten in Käfigen Baseball spielen. wo Brunnen. von Hochstraßen durchschnitten. die von einer Klaviatur aus teils An jenem Nachmittag sind wir zum Katzentempel in Go To Ku Ji gegangen. die sicherlich einen allzu genauen Sinn bewahren. die etwas von Katzen an sich haben. und ich stelle mir die plastischen. dessen rüttelnde Trennwände Gläser und Bücher auf den Boden schmeißen. daß sieben Etagen weiter oben vielleichtVögel existieren. diese unbestimmten Wörter. Da ich an die lange Fahrt nach Narita dachte. Mein imaginäres Land. die ihren Meister gerächt und anschließend sich selbst umgebracht haben. Das Gerücht hatte dem großen Erdbeben sogar ein Datum gegeben. Wenn man auf einem fremden Friedhof betet.u Schatten der Katzen flink genug vor. die auf meine Kindheit zurückgehen. Ein Endlosband mit Vogelgezwitsgher erinnert daran. Einige Zeit später habe ich Tokyo verlassen. der siebenundvierzig Ronin zu gedenken. Nun ist da unten etwas in Bewegung geraten. Mein Land. und es waren siebenundvierzig Ronin gewesen. das ist alles. lch sah den Krähen zu. läuft man Gefahr. es zu überspringen. . ganz wie die Bake-neko. Es ist bizarr. die ein wenig von Katzen und ein wenig von Asiaten an sich hatten. fremde Seelen an sich zu binden und mit heimzunehmen. wie sau dade. lch habe sie ihnen hingehalten. sie sind kleiner. teils silhouettenhaften Frauenkörpern gesäumt sind. something is moved. deren Krächzen das einzige Lebenszeichen über der rumorenden Erde war. wie es die Mauern selbst eines Tages sein werden. das so unübersetzbar ist wie Se h nsucht. wo Asiaten. Son cosas die ni pais. Mein Land. unterirdische Städte erfrischen. und versuchte mir vorzustellen. alle Welt sieht es voraus. Ein Augenblick der Harmonie. Viele Leute waren gekommen.Big Quake" bevorsteht. jener treuen Samurai. auf denen Menschen. Am Tage der Abfahrt sind wir gegangen. ein planetarischer Ehekrach. Statt dessen haben wir jedoch zwei kleine gehabt. Katzen und Men- schen sind durch ein niedriges Mäuerchen voneinander getrennt. zur selben Stunde in zwei aufeinanderfolgenden Nächten (was schlichtweg unglaublich ist: die Zeit der Erde vermählt sich mit der Zeit der Uhr). hat nicht gebetet: lhre Mutter hatte sie davor gewarnt. eine animalische Angst zu bezwingen. unaufhörlich kamen und gingen . lch habe dort mein letztes Photo gemacht. wo niemals Jemand dle ineinander verhedderten FahrrädEr entwlrren wird. diesem Mono no Aware. was in ihren Köpfen vor sich ging. die Opfergaben bei den Menschen zu klauen und schnurrend heimzutragen. Alle Welt spricht davon. schaute ich auf meine Uhr. und schlau genug. Das gibt ihnen einen geradezu berlinischen Humor und paßt auch gut zu diesem Gefühl der zerbrechlichen Unbeständigkeit aller Dinge. K. . in einem ruhigen Zimmer einzuschlafen und im Abteil eines wildgewordenen Zuges wieder aufzuwachen. daß der.

. wo es den liebenswerten Linken von Narita sowenig als anderen gelingt. der seinen Tempel inmitten vieler anderer Stätten auf der obersten Plattform des Kaufhauses Mitskoshi hat. Alles liegt in der Gebärde des Schützen. meinem eingebildeten Land. wie das Leben eines hat: Was zählt. die uns der von Nara anvertraut. daß ich nicht mehr ich selbst bin. So stehen die Dinge in meinem Land.aber wo vielleicht O lnari. es seidenn. aber das ist dann vollkommen gleichgültig.wo vielleicht der Pfeil. meinem Land. in dieser Entfremdung. . Der Pfeil hat sowenig ein Ziel. das mich so sehr entfremdet. ankommen wird .lon erlalten wird. mein Land. das ich ganz und gar erfunden. . die während ihres Einkaufsbummels beten gekommen ist . wo die Botschaft. ist die Höflichkeit gegenüber dem Bogen. niemals übermitwird. die Frau beschützen wird. Mein Fremdland. das ich vollkommen eingerichtet habe. ihre Katakomben in Kathedralen zu verwandeln . der Ehrwürdige Fuchs.wo vielleicht der Akkordeonspieler während der Teezeremonie sein italienisches Lied beenden wird . am Ende seines Fluges.