Von der Theorie der Arbeitersubjektivität zur antiproletarischen Propaganda.

Die Transformation des italienischen Operaismus als Ausdruck kultureller Modernisierung
DR. THEODOR SANDER Universität Osnabrück

1. Zwei Interpretationen des Operaismus Nichts eignet sich mehr, den kulturellen Transformationsprozeß in Italien, dessen Kontinuität bzw. die darin eingetretenen Brüche zu diskutieren, als die historische Entwicklung des operaistischen Paradigmas in den Jahren seit 1960. In genau diesem Sinne hat Costanzo Preve schon vor mehr als zehn Jahren unter dem Titel "La teoria in pezzi" eine kritische Studie zur Herausbildung und zur Auflösung operaistischer Theorie in ihren verschiedenen Strömungen und Tendenzen verfaßt (C. Preve 1984; Vorarbeiten in C. Preve 1979a; 1979b; 1979c; 1980; 1981; 1981/82; 1982). Darin wird wohl anerkannt, daß mit zunehmender zeitlicher Distanz das operaistische Paradigma als der einzige ernsthafte Versuch erscheint, auf der entscheidenden Ebene der Verknüpfung von Theorie und Praxis eine reale Opposition zur Massenpartei in der Tradition Togliattis zu entwickeln (C. Preve 1984, S. 14f.). Aber das ist schon alles, was Preve an positiven Einschätzungen des Operaismus zu formulieren gewillt ist. Die polemische Kernthese seiner Studie besteht nämlich in der Behauptung, daß sich seit Anfang der 80er Jahre in Italien immer deutlicher eine "neue Rechte" profiliert habe, deren historische und theoretische Bezugspunkte nicht mehr in der Kontinuitätslinie der "alten Rechten" zu verstehen seien; in diesem Prozeß habe man die Auflösung der ideologischen Konstellation des sogenannten Operaismus als einen der Hauptfaktoren und eines der zentralen Elemente in der Entstehung des ideologischen Profils der "neuen Rechten" zu betrachten (C. Preve 1984, S. 6f.). Wie bestimmt sich, in der Sicht von Preve, diese in den 80er Jahren entstehende Kultur der "neuen Rechten" als Produkt der Zersetzung des Operaismus? Nach seiner Auffassung artikuliert sie sich als Interaktion zwischen zwei Polen, die zwar asymmetrisch sind, sich aber komplementär zueinander verhalten (C. Preve 1984, S. 58): Der das Hauptmoment darstellende Pol sei die globale kulturelle Legitimierung des Kapitalismus auf der Grundlage der sogenannten ökonomischen "Zentralität des Unternehmens" als einfacher und nicht weiter teilbarer Monade, die die Einheit von historischer Vernunft, praktischer Rationalität und technologischer Rationalisierung zu repräsentieren beansprucht. Der zweite weniger gewichtige Pol bestehe in der Neuformulierung eines "anti-egalitären Antikapitalismus", der in neuer Form die alten Themen der konservativen Revolution der 20er und 30er Jahre wieder aufnimmt und jeden Gedanken des Übergangs zu einer anderen Produktionsweise in der Marxschen Tradition heftig zurückweist; das geschehe im Namen der Wiederherstellung von Ungleichheit und Hierarchie, in Entgegensetzung zu den Tendenzen des "normalen"

2 Kapitalismus, der in der klassischen Sicht der Rechten zu sehr von Elementen der Nivellierung und der realen Abstraktion von den Unterschieden beherrscht ist. Gegen diese rabiate These des desintegrierenden Operaismus als eines der wichtigsten Ideologieproduzenten der "neuen Rechten" könnte man jene andere, uneingeschränkt positive halten, die Sergio Bologna vor nicht allzu langer Zeit in einem Beitrag zur Karl Heinz Roth-Festschrift formuliert hat (S. Bologna 1993, S. 304 ff.; ähnlich vorher schon in S. Bologna 1989/90, S. 112ff.; anderslautende Interpretationen von Redaktionsmitgliedern des <Primo Maggio> in C. Bermani/C. Cartosio 1983-84; L. Berti u.a. 1983-84). Bologna interpretiert den Operaismus - und darin ganz besonders die theoretische Aktivität der Gruppe um die Zeitschrift <Primo Maggio>, in der er lange Jahre maßgeblich mitgearbeitet hat - als eine Bewegung, die die Fähigkeit bewiesen habe, ihre eigenen nicht mehr tragfähigen Dogmen Ende der 70er Jahre zu überwinden und damit ihre Auslöschung zu vermeiden. Dabei führt er die vielfältigen Arbeiten der Redaktion zu den aktuellen Problemen der Zirkulationssphäre ins Feld, die sich mit den Themen des Geldes, d.h. mit dem Staatsausgaben, der Inflation und der Währung, dann aber auch mit den konkreten Kämpfen der Arbeiter im Transportsektor (Hafenarbeiter, Lkw-Fahrer, Eisenbahner) und im Dienstleistungssektor befaßten. Von diesen Sektoren ausgehend, sei die Zeitschrift eine der ersten gewesen, die den kapitalistischen Angriff auf das fordistische Produktionsmodell dokumentierte und aus ihm entsprechende Schlüsse sowohl auf allgemein-theoretischer Ebene wie auf der Ebene der Klassenzusammensetzung zog. Während der gesamten 80er Jahre sei Italien das herausragende Beispiel eines Prozesses gewesen, das auf die Herstellung eines dezentralisierten Produktionsmodells mit hoher Arbeitsflexibilität, d.h. auf die Ablösung des fordistischen durch ein post-fordistisches System hinauslief. Schon seit 1977 sei gegen diesen Übergang eine neue Art Jugendbewegung explodiert, die gegenüber dem Parteiensystem und gegenüber der kapitalistischen Arbeit eine sehr viel radikalere Haltung eingenommen habe als die 68er Bewegung. <Primo Maggio> sei das einzige Kulturmedium gewesen, das das Aufkommen dieser Bewegung im Rahmen des post-fordistischen Übergangs interpretierte und es auf diese Weise verstand, maßgeblich zum Selbstbewußtsein und zur kulturellen Identität einer neuen Generation radikalen Protests beizutragen. 2. Transformationsprozeß des Operaismus Angesichts dieser interpretativen Differenz besteht Veranlassung, hinter die Interpretationen der Beteiligten zurückzugehen und den Transformationsprozeß des Operaismus in distanzierter Betrachtung genauer in den Blick zu nehmen. In diesem einen Punkt herrscht ja Übereinstimmung zwischen Preve und Bologna - der Operaismus der 80er Jahre ist nicht mehr identisch mit dem, was er in den 60er Jahren repräsentierte, weder auf der Ebene der Theorie noch auf der der Praxis. Mit seiner Metamorphose etabliert sich ein neues kulturelles Paradigma, über dessen Inhalt und Bewertung allerdings zwischen den zitierten Autoren starker Dissens besteht. Um nicht allzu globale Thesen zu formulieren, ist vorab klarzustellen, daß das operaistische Paradigma in der Form, das es in der Phase nach Panzieri, nach der Erfahrung der <Quaderni Rossi> annimmt, kein homogenes Phänomen darstellt. Preve selbst bemerkt, daß es absolut unzulässig ist, Raniero Panzieri und die Strömung der Zeitschrift <Classe Operaia> in einen Topf zu werfen, und ebenso wenig den Operaismus der Gruppe <Lotta Continua> mit dem der Gruppe <Potere Operaio>, die entristische Variante des Operaismus innerhalb des PCI in der Rolle des "Ratgebers des Fürsten" und die subversive Taktik der Theoretiker der Autonomie, des gesellschaftlichen Arbeiters und der Selbstverwertung, die Schule der Analytiker der

3 Klassenzusammensetzung innerhalb der Gruppe um die Redaktion und die Mitarbeiter von <Primo Maggio> und die irrationalistische bzw. insurrektionalistische Auflösung des Operaismus in den Zeitschriften <Controinformazione> und <Metropoli>. Indessen lassen sich hier drei Grundtendenzen herausfiltern, die Preve (a) den gemäßigten Operaismus, (b) den rationalen Operaismus und (c) den Operaismus vom Typ "harter Kern" nennt (C. Preve 1984, S. 55ff.). Diese Grundtendenzen sind, pauschal gesagt, die Erben der durch Raniero Panzieri und die <Quaderni Rossi> in den Jahren bis 1965 geschaffenen operaistischen Tradition und der bekannten, von ihm vertetenen Kernthesen, die sich in drei Punkten zusammenfassen lassen. Erstens: Es gibt einen bestimmten kapitalistischen Gebrauch der Maschinen, der ungeachtet des Anscheins der Neutralität technologischer Entwicklung das System bürgerlicher Herrschaft inkorporiert (daraus folgt dreierlei: Verzicht auf Ruhmeslieder zum Lobe der wissenschaftlich-technischen Revolution; Unmöglichkeit, Kapital und Klassenbewegung voneinander zu trennen, Verstaatlichung und Vergesellschaftung, juristisches Eigentum an Unternehmen und wirkliche Aneigung der Produktionsbedingungen durch die Produzenten zu verwechseln; Unmöglichkeit, von der Arbeiterklasse jenseits einer sich ständig verändernden technologisch und politisch bestimmten Klassenzusammensetzung zu sprechen); zweitens: Planung ist ein Wesenselement des Kapitals, mit dem der Kapitalismus in einer Weise organisierbar ist, daß ihm jede endogene Widersprüchlichkeit bei der Produktion von Mehrwert genommen ist; drittens: es gibt der Möglichkeit nach nur eine einzige exogene Opposition gegen den sich selbst planenden kapitalistischen Mechanismus, nämlich die Arbeiterklasse, die sich im Sinne des wachsenden Antagonismus umso mehr entwickelt, wie der Prozeß wachsender Abstrahierung zur bloßen Arbeitskraft voranschreitet (vgl. R. Panzieri 1961, 1964 und die posthum erschienenen Sammelbände der Schriften und Briefe R. Panzieris 1973a, 1973b, 1976, 1982, 1986, 1987; eine Werkausgabe existiert nicht). In der sogenannten Arbeiteruntersuchung wird der Antagonismus zum Gegenstand der Analyse gemacht. 2.1. Von der Kritik des PCI zur Modernisierung der alten Partei- und Gewerkschaftsstruktur Im Verhältnis zu diesen grundlegenden Thesen, die hier nur extrem knapp wiedergegeben sind, entwickeln also die intellektuellen Erben Panzieris und der <Quaderni Rossi> deutlich unterschiedene Positionen: Der gemäßigte Operaismus, als summarisches Etikett für die Positionen der Tronti, Cacciari, Asor Rosa, Rieser usw., ist das erste Stück, das aus der operaistischen Gesamtbewegung herausfällt, mit einigen Bedenken in den Schoß der zunächst so heftig kritisierten organisierten Arbeiterbewegung in der Tradition Togliattis zurückkehrt und deren ideologische Modernisierung unter einer spezifischen Variante der "Zentralität der Arbeiterklasse" maßgeblich betreibt (M. Tronti 1966a, 1966b, 1968a, 1968b, 1968c, 1970). Diese spezifische Fassung der “Zentralität der Arbeiterklasse” ist zwar das verbale Echo einer alten und entscheidenden operaistischen Formel, wird aber inzwischen mit einem völlig andersgearteten Sinn unterlegt. Sie unterstellt nämlich, daß der Ausweg aus der Fabrik allein auf dem Weg über die Politik möglich sei und daß die alten Formen der Delegierung wiederherzustellen seien. Tronti schreibt schon 1968: “In dem Kampf um den Lohn zeichnet sich heute das neue Verhältnis von Spontaneität und Organisation ab. Die Spontaneität der Arbeiter - die Klasse getrennt von der Partei - sieht nur eine Seite des Lohns, nämlich die des Einkommens. Die kapitalistische Spontaneität - die private Unternehmerschaft getrennt vom Staat - sieht nur die andere Seite, die der Kosten. Nur die zwei Ebenen der Organisation - die Partei und der Staat - sind in der Lage, die beiden Seiten zusammen zu erfassen, um sie gemäß den Interessen der beiden Klassen zu benützen. Warum siegt heute das Kapital? Weil die

4 Beziehung zwischen Großindustrie und öffentlicher Gewalt enger ist als die zwischen Klasse und Partei. Von hier ergeben sich einige dringende Aufgaben für die Bewegung: jenes Verhältnis umkehren, den Kontakt zwischen Klasse und Partei wiederherstellen und zu gleicher Zeit darauf abzielen, das Kapital von seinem Staat zu trennen. Insbesondere dieses letztere, keineswegs temporäre, vielmehr strategische und langfristige Ziel ist es, das wir hier zu analysieren beginnen müssen.” (M. Tronti 1968a, dt. Ausgabe, S. 11f.) Nicht die Klasse selbst und ihre sich verändernde Zusammensetzung, sondern die Partei garantiert die intendierte strategische Umkehrung zwischen Arbeiterklasse und Kapital (vgl. M. Tronti 1977a, 1977b, 1977c, 1980a, 1980b, 1980c; M. Cacciari 1977b, 1978b, ebenso das Interview mit Cacciari in Indovina 1978). Dafür ist ihre Autonomie gefordert, diskutiert unter dem Stichwort der “Autonomie des Politischen” (vgl. dazu kritisch F. Stame 1977; G. De Masi 1977; A. Mangano 1978; R. Tomassini 1978; L. Ferrajoli 1980; A. Illuminati 1978, 1980). Deren Sinn liegt nicht darin, den Bruch mit der kapitalistischen Entwicklung voranzutreiben, sondern im Gegenteil dem Kapital seine eigenen Bewegungsgesetze aufzuzwingen. Für diese Strategie fungiert als historisches Modell die leninistische NEP-Politik bzw. die Politik des amerikanischen New Deal. Darin finden sich alle Elemente des theoretischen Schemas vorgezeichnet - die Arbeiterpartei innerhalb des Staats, die die Notwendigkeit und letztlich auch die Positivität der kapitalistischen Entwicklung akzeptiert, wenngleich diese Entwicklung politisch durch den Staat gesteuert werden muß, die Anerkennung der Autonomie der Gewerkschaft und damit der Notwendigkeit des Klassenkampfs als eines die politische Strategie stützenden und ermöglichenden Elements, das Ingangsetzen einer antagonistischen Dialektik innerhalb und gegen die kapitalistische Entwicklung. Weiter vorangetrieben wird in den 70er Jahren die Erneuerung des politischen Avantgardismus durch die Ex-Operaisten auf dem Hintergrund einer Diagnose kapitalistischer Entwicklung, die das Scheitern des Hoffnungsträgers eines radikalen Wandels der italienischen Gesellschaft, nämlich des in der "Gewerkschaft der Räte" organisierten Massenarbeiters, zur Kenntnis nimmt und als Scheitern der Klasse insgesamt, als Scheitern ihrer Autonomiebewegung mißdeutet. Die Partei (bzw. die Gewerkschaft) wird damit im Verständnis der Tronti, Cacciari, Asor Rosa, usw. erneut zum privilegierten Ort der Abwehr kapitalistischer Attacken, des historischen Gedächtnisses und der Bewahrung der proletarischen Würde auf der politischen Ebene. Mit der Politik des historischen Kompromisses gehen die Theoretiker der “Autonomie des Politischen” in der zweiten Hälfte der 70er Jahre noch einen Schritt weiter - der PCI wird zur “Partei, die sich zum Staat macht”. Diese Entwicklung wird als notwendig betrachtet, weil die Auflösungs- und Zersetzungstendenzen der bürgerlichen Gesellschaft, u.a. ausgedrückt in den Kämpfen der neuen sozialen Bewegungen, es unmöglich machen, an eine politische Synthese in den alten Termini der Diktatur des Proletariats zu denken. Stattdessen hat in dieser Situation eine neue politische Synthese in den als innovativ verstandenen Termini einer Vermittlung zwischen den verschiedenen Komponenten der Arbeiterklasse stattzufinden, denen aber als Arbeiterklasse keine Leitfunktion für das Handeln der Partei oder des Staates mehr zukommt. Cacciari drückt das in einem Interview 1978 folgendermaßen aus: “Jedenfalls scheint es mir, daß der Begriff der Autonomie des Politischen in folgender Weise ‘abgeleitet’ werden kann: Wenn die Entwicklung des ‘gesellschaftlichen Intellekts’ auf dem Wege der Vermehrung der Differenzierungen und Spezialisierungen stattfindet; wenn der Reichtum des ‘Systems von Bedürfnissen’ immer weniger auf die ‘zivile Gesellschaft’ oder die ‘bürgerliche Gesellschaft’ zurückzuführen ist; wenn er immer mehr als wirkliche Vielfalt

5 des Verschiedenen erscheint, dann kann keine einförmige, lineare Logik aus einem solchen System heraus den Entscheidungsprozeß, den Staat eben in der konkreten Artikulation seiner Gewalten ‘produzieren’. Die Autonomie des Politischen drückt die notwendige Autonomie des Entscheidungsprozesses aus, der nicht mehr als organische Resultante der Geschichte, der Logik, der ‘substantiellen’ Absichten der zivilen Gesellschaft erscheinen kann. Der Gedanke, daß sich die Mechanismen des Entscheidungsprozesses in dieser Phase der Entwicklung gleichsam als ‘Residuum’ aus den Konflikten des Systems der Bedürfnisse und innerhalb dieses Systems ergeben könnten, erscheint mir ebenso sehr abwegig wie jener, der heute noch die ‘Anreicherung’ der Bedürfnisse und ihre Ausdrucksformen an die Entwicklung der Produktivkräfte binden wollte. Es handelt sich um Unterschiedenes. Wie du siehst, ist die Autonomie des Politischen nur ‘deduzierbar’, wenn sie von beiden Seiten auch als ‘Autonomie’ gegenüber jenen Faktoren und Prozessen konzipiert wird, zu denen das Politische sich ‘autonom’ verhält, als relative Autonomie.” (F. Indovina 1978) Es versteht sich, daß solche Manöver es mit sich bringen, in zunehmendem Maße die Unangemessenheit der Instrumente der Marxschen Analyse zu behaupten. Dies ist eine generelle Tendenz der Entwicklung des Selbstverständnisses der Linken. Sie ist aber besonders deutlich an den philosophiegeschichtlichen Neubewertungen Cacciaris abzulesen (M. Cacciari 1976, 1977a, 1977b, 1978a, 1978b; vgl. auch Interview mit Cacciari in Indovina 1978). Dabei handelt es sich letztlich nicht um desinteressierte Geschichte der Philosophie, sondern um ein theoretisch-politisches Projekt der Lösung aktueller Krisensituationen des kapitalistischen Systems (vgl. kritisch dazu A. Negri 1976a; A. Mangano 1978; F. Fistetti 1979; G. Comboni 1979). Sie diagnostiziert die Kristallisierung, d.h. die zunehmende Erstarrung, des dialektischen Apparats, der seine Auflösung und seinen Zerfall beschleunigt. An die Stelle des Einen tritt mit dem Zusammenbruch der Synthese das Vielfältige, die Pluralität der Sprachen, Spiele, Techniken. Eine Wissenschaft der Politik ist möglich, wenn diese Sprachen des Systems und des Staates gesprochen und beherrscht werden, wenn die Regeln des Spiels und die Techniken bis zur äußersten Grenze genutzt werden, um sie zu erneuern. In diesem antisynthetischen Projekt erhält der Krisenbegriff einen zentralen Platz, wobei dessen historische Dimension als Zeit der ‘Krisis’, d.h. als Zeit zwischen der Wiener Kultur am Ende des 19. Jahrhunderts, der sogenannten Tragödie von Weimar und dem Übergang zur Diktatur, begriffen wird. Er verdrängt ganz den dialektischen Automatismus des Hegelschen und Marxschen Denkens. Das privilegierte Instrument der Krisenlösung ist der Staat, der als eine Maschine zur Durchführung von Entscheidungsprozessen gilt. Der Partei (dem PCI) als gesellschaftlicher Organisation kommt es zu, in der Komplexität der Sprachen und Techniken so zu wachsen, daß sie sich in Metasprache, d.h. in den Staat, verwandeln kann. In der Entwicklung der theoretischen Konzeption Trontis, Cacciaris und anderer Vertreter des gemäßigten Operaismus sind also deutliche Kehrtwendungen festzustellen. Sie bewegt sich • weg vom Verhältnis bürgerliche Gesellschaft/Staat, hin zum Verhältnis des Ökonomischen und des Politischen (und der Umkehrung des Verhältnisses zugunsten des Politischen); • weg von der Klasse als Partei, hin zur Vermittlung von Klasse und Partei; • weg vom Verhältnis Klasse/Partei, hin zum Verhältnis Partei/Staat; • weg von der Strategie der Verweigerung, hin zur Strategie der Reform und der Modernisierung; • weg von Hegel und Marx, hin zu Lenin, Roosevelt, Keynes (oder gar zu Nietzsche, Wittgenstein, Hofmannsthal); • weg von der Zentralität der Arbeiterklasse, hin zur Zentralität der Partei und des Staates;

6 • weg von der Frontstellung der sozialen Bewegungen gegen die Partei, hin zur Frontstellung der Partei gegen die sozialen Bewegungen (und weiter zur Integration von sozialen Bewegungen und Partei); • weg von der Massenpartei, hin zur Kaderpartei. Konnte es vorübergehend so scheinen, als ob sich mit der These der "Gewerkschaft der Räte" eine grundsätzlich neue Tendenz in der sich von Togliatti herleitenden Bewegung etabliert habe, so ist diese Tendenz schon Anfang der 70er Jahre völlig aufgegeben. Der gemäßigte Operaismus selbst - oder was von ihm noch übrig war - betreibt und verantwortet die Liquidierung eines Kernstücks operaistischer Theorie, so als ob es die Wendung der Klasse gegen den Anspruch auf die Stellvertreterfunktion und die Zentralität der Partei (reflektiert in den Äußerungen Panzieris) nie gegeben hätte. 2.2 Von der Kritik des fordistischen Produktionsmodells zur Verklärung des Postfordismus Die Frontstellung der beiden anderen Tendenzen des Operaismus gegen den organisationsgeschichtlich verkürzten und politisch verdrehten Begriff der Arbeiterklasse bleibt lange Zeit erhalten. Der rationale Operaismus, den vor allem die Zeitschriften <Primo Maggio> und <Collegamenti per l’organizzazione diretta di classe> repräsentieren, behält einerseits die traditionelle Schwerpunktsetzung bei - die Klassenzusammensetzung bezieht ihre bestimmenden Momente in erster Linie aus der proletarischen Stellung innerhalb der und gegen die materielle Produktion und aus deren Veränderungstendenzen -, geht aber andererseits immer mehr dazu über, diesen Aspekt für sekundär zu halten und zu vernachlässigen. Rational ist an dieser Tendenz, daß sie von jeglichem Verdacht triumphalistischer und titanischer Gesten freibleibt, daß sie in der Situation nach der vermeintlichen Niederlage der Arbeiterklasse 1973 nicht einschwenkt auf Positionen des historischen Kompromisses und daß sie sich stattdessen auf Positionen der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Proletarier und der Arbeiterklasse zurückzieht, mit besonderer Akzentuierung der “oral history”. Indessen sind die dramatischen Veränderungen im Verständnis der Arbeiterzentralität, die in den Jahren 1974 bis 1980 auch auf der Seite des rationalen Operaismus (verteten durch Bologna, Revelli, Messori, Berti, Melotti, Scarinzi u.a.) eintreten, nicht zu übersehen. Sie finden ihren Ausdruck in einer Serie von Veröffentlichungen, die die zentrale Rolle der großen Fabrik als Ort der Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse rigoros zu negieren beginnen (vor allem S. Bologna 1974a, 1974b, 1979a, 1979b, 1980; Otto tesi ... 1977-78; Collettivo 1978a, 1978b; L. Berti 1974, 1976, 1977-78a, 1977-78b, 1979). In den großen Fabriken hat angesichts der Kurzarbeit, der Beurlaubungen, Entlassungen, Stillegungen und der allgemeinen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen - so lautet die These - eine Phase des Schweigens begonnen, in der die Arbeiterklasse ihre antagonistischen Bedürfnisse nicht mehr auszudrücken wagt. Diese Situation wird noch dadurch verschärft, daß die Kapitalisten zu einem großangelegten Prozeß der Dezentralisierung der Produktion übergehen. In dessen logischer Konsequenz liegt es, daß die Arbeiter der großen Fabrik ihre frühere antagonistische Bedeutung verlieren, dagegen die Arbeiter der kleinen Fabrik, die Transportarbeiter und bestimmte Arbeiterkategorien im Dienstleistungsbereich, generell der Zirkulations- und Staatsbereich oder noch allgemeiner die “Gesellschaft” gegenüber der Fabrik an Bedeutung gewinnen. Darin sieht der rationale Operaismus aber ein positives Faktum. Nach seiner Auffassung hatte die Institution der großen Fabrik begonnen, ein sozial und politisch isolierter Ort zu werden,

7 weil basierend auf privilegierenden Elementen von Garantien und Schutz für eine Arbeiteraristokratie und unfähig, das Gleichgewicht innerhalb des politischen Systems nachhaltig zu stören. Damit sei zugleich der Zugang zu den Problemen von Jugendlichen, Frauen und Studenten versperrt geblieben. Um die normative Rolle der Hierarchien und Abgrenzungen der großen Fabrik zu beenden, war die Einkesselung der Fabrik durch die Gesellschaft und die außerhalb der Fabrik laufenden sozialen Bewegungen notwendig (vgl. kritisch dazu E. Ronchi 1978). Die unendliche Kette der dezentralisierten Produktion liefert dafür das materielle Substrat. In der Analyse der Ereignisse der Jahre 1979 und 1980, ganz besonders der Auseinandersetzungen bei FIAT in Turin, legt der rationale Operaismus alle Instrumentarien der Analyse der Klassenzusammensetzung, über die er einstmals verfügte, endgültig zu den Akten (deutlich in diesem Sinne A. Battaggia 1980; M. Melotti/F. Lattanzi 1980; M. Messori/M. Revelli 1977/78, 1980; M. Revelli 1980/81; 1981a, 1981b, 1981c, 1989; P. Perotti/M. Revelli 1987; G. Polo/M. Revelli 1992). Unisono verkündet er - mit der Geste des Bedauerns, versteht sich - die trübsinnige Philosophie der “Niederlage” der FIAT-Arbeiter im Herbst 1980. Ähnliche Analysen werden für andere Bereiche der großen Industrie verfaßt. Letztlich versteht der rationale Operaismus nicht nur die italienischen, sondern die weltweiten Entwicklungen in den 80er Jahren als großen Triumphzug der Kapitalistenklasse. Revelli formuliert Jahre nach den Ereignissen: “Aber der Widerspruch liegt in den Dingen selbst. Er besteht in den strukturellen Charakteristiken jener Fabrik, in der Natur des Modells FIAT: in seiner Tendenz, alles in letzter Instanz auf die entscheidende Frage der Macht zu beziehen, auf das nackte Aufeinanderprallen von Kräften, ohne Möglichkeit der Diskussion oder Vermittlung. Ohne Zwischenlösungen. Und in dem besonderen Charakter jenes Ereignisses, das eine gewerkschaftliche Niederlage in eine gesellschaftliche und politische Katastrophe verwandelte, die durch die spezifische kulturelle Konjunktur, in der sie stattfand, den Charakter des Endgültigen bekam. Durch die gegebenen Verhältnisse eines ideologischen Monopols, mit dem FIAT seine eigenen Ziele durchsetzen konnte, Ziele, deren Erreichung durch die Tatsache garantiert war, daß die leitenden Prinzipien, auf die sie ihre Kampfmaßnahmen ausgerichtet hatte - der Primat der Effizienz des Unternehmens als unterscheidender Faktor, der Markt als Fessel und als einziges Kriterium der Überprüfung der Unternehmensstrategien, der Profit als Bedingung des Überlebens, die Technik als Funktion und einziges Maß des Fortschritts - jetzt innerhalb der verschiedenen Richtungen der Arbeiterbewegung so allgemein akzeptiert waren, daß sie als universell, natürlich, objektiv erscheinen konnten. Und daß sie der Kraft, die sie historisch zu vertreten in der Lage war, alle Eigenschaften der Hegemonie zuschrieb, im Sinne Gramscis verstanden als die ‘Fähigkeit, das allgemeine Interesse zum eigenen politischen Programm zu machen’. Ohne Zweifel war dieses absolute Fehlen einer zusammenhängenden und autonomen Vision der Welt, der Konzeption des FIAT-Unternehmens entgegengesetzt, der entscheidende Grund, weswegen die gewerkschaftliche und proletarische Niederlage bei FIAT sich in eine Identitätskrise verwandelte, die nicht zu einer einfachen Neuordnung der Kräfteverhältnisse in der Fabrik führte, sondern zu einer vollständigen Auflösung des kollektiven Subjekts, das ein Jahrzehnt lang eine organische Alternative der Macht dargestellt hatte.” (M. Revelli 1989, S. 12f.; meine Übersetzung). Die ideologischen Funktionen, die der rationale Operaismus damit übernimmt, sind eindeutig. In einem Moment, in dem die Grenzen kapitalistischer Entwicklung immer deutlicher sichtbar werden, in dem die kapitalistische Phantasie mehr und mehr Mühe hat, sich eine rosige Zukunft des Ausbeutungssystems vorzustellen, und in dem das kapitalistische Selbstbewußtsein immer stärker durch die Erfahrung des Scheiterns so sorgfältig

8 ausgetüftelter Strategien und den drohenden Bankrott verunsichert wird, überschlägt sich die "neue Linke" (wie schon lange vorher die "alte Linke") in der Glorifizierung und Bewunderung kapitalistischer Macht, wenn nicht gar kapitalistischer Omnipotenz. Diese Macht wird zwar unter negativen Vorzeichen beschrieben, aber entscheidend ist dabei doch, daß sie als grenzenlose Fähigkeit der bewußten Durchsetzung kapitalistischen Willens begriffen wird. Es ist klar, daß es auch in der theoretischen Konzeption des rationalen Operaismus eine deutliche Abkehr von dem gibt, was vor 1965 gegolten hatte. Sie bewegt sich • weg von der Klassenanalyse als Analyse von Prozessen der Mehrwertproduktion, hin zur Analyse von Machtverhältnissen; • weg von der Klassenzusammensetzung als Motor der Geschichte, hin zur Zentralität der Kapitalistenklasse; • weg von der Arbeitersubjektivität, hin zur Individualisierung und Isolierung von Arbeitern; • weg von der Analyse der Produktionssphäre, hin zur Analyse der Zirkulationssphäre und des Staatssektors; • weg von der großen Fabrik, hin zur dezentralisierten Fabrik und zu den kleinen Klitschen; • weg von der Bewegung der Klasse, hin zu den sozialen Bewegungen im allgemeinen (Jugendprotest, Studentenrebellion, Frauenbewegung, Protestbewegungen der Arbeitslosen, der unstetig Beschäftigten, der Marginalisierten, der Beschäftigten in der Schattenwirtschaft, d.h. der Schwarzarbeiter) Niemand, nicht einmal die italienische Kapitalistenklasse (und schon gar nicht die italienischen Automobilkapitalisten), hat seit den 70er Jahren gewagt, so naive Utopien unumschränkter kapitalistischer Herrschaft zu formulieren wie der rationale Operaismus - und in gleicher Weise im übrigen auch der Operaismus vom Typ "harter Kern". Diese Utopien bleiben wohl Horror- und nicht Wunschvorstellung, bleiben Gegenstand der intellektuellen Negation. Aber als Negation stellen sie eben jenes Moment kultureller Modernisierung dar, das die abgenutzten und unglaubwürdigen traditionellen Ideologien positiver Identifikation mit dem kapitalistischen Entwicklungsprogramm ablöst und überbietet. Von jetzt ab thematisieren <Primo Maggio> und <Collegamenti> mit Eifer und voller Bewunderung die kapitalistische Effizienz und Rationalität, die es den Kapitalisten angeblich erlaubt, die Möglichkeit der Heranbildung eines antagonistischen Subjekts außerhalb und gegen das Gesetz der kapitalistischen Verwertung ganz abzuschneiden, und damit die Apokalypse einer völlig von der großen Fabrik her, von einer durch die Subjektivität der Kapitalisten organisierten Gesellschaft in greifbare Nähe zu rücken. Teil dieser Entwicklungen wird es, die Existenz von Arbeiterklasse und ein irgendwie geartetes Entwicklungsprojekt der Klasse, die Existenz revolutionärer Prozesse gänzlich zu negieren. Arbeitersubjektivität löst sich in eine diffuse, inhomogene, eingeschüchterte Masse von Individuen auf, gekennzeichnet durch die Abwesenheit jeglicher Art von antagonistischer Bewegung und der Beliebigkeit des kapitalistischen Willens ausgeliefert (besonders extrem in dieser Hinsicht L. Berti 1979, 1980a, 1980b, 1981, 1983a, 1983b, 1983/84; aber auch F. Lattanzi/M. Melotti 1983, 1986; C. Scarinzi 1983, 1984a, 1984b, 1985, 1986a, 1986b, 1987, 1989a, 1989b, 1991/92a, 1991/92b, 1993; V. Grisi 1986, 1987, 1989). Diese affirmative Propaganda braucht auch eine eigene Sprache, die zentrale Termini operaistischer Analyse in der Tradition Panzieris und der <Quaderni Rossi> eliminiert. In ihrer Argumentation tritt an die Stelle der subversiven Logik des Klassenantagonismus und der Arbeitersubjektivität die ungemein platte Logik der militärischen Auseinandersetzung oder womöglich gar die noch plattere Logik des "war game", d.h. des Kriegsspiels. Dessen

9 Eigenheiten bestehen darin, daß die kapitalistischen Mitspieler die Spielregeln vollständig vorgeben und sie auch noch so zu definieren vermögen, daß eine Gewinnmöglichkeit der Arbeiter einfach nicht vorgesehen ist. So liegt es denn bei der Kapitalistenklasse, nach ihrem Gutdünken darüber zu befinden, ob sie den lästigen Klassenantagonismus weiter zu dulden bereit ist oder nicht. Nur selten sind vorher Theorien der Klassenbeziehungen in so rigoroser Form als religiös strukturierte Omnipotenzvorstellung in Bezug auf die Fähigkeiten und die Macht der herrschenden Klasse artikuliert worden (mir fallen nur Vergleiche mit frühesten Stadien klassengesellschaftlicher Entwicklung ein, etwa wie bei Homer beschrieben). 2.3. Von der Kritik des keynesianischen Planstaats zur negativen Vergottung des “warfare state” Der Operaismus vom Typ "harter Kern", der sich verbal mit Abstand als radikalste Variante des operaistischen Paradigmas gibt, ist zugleich dessen radikalste Form der Liquidierung. Der Hauptvertreter dieser Richtung, die Gruppe <Potere Operaio> (Generalsekretär: Antonio Negri, daneben Piperno, Scalzone und andere) analysiert die Entwicklung der Arbeiterklasse in der Phase 1969-1973 als Übergang zu einer neuen Klassenzusammensetzung - der des sozialen Arbeiters. Ausgangspunkt ist dabei die Frage, ob die sozialistische Tradition, von der sich große Teile der Arbeiterklasse in den Kämpfen 1968-69 verabschiedet hatten und die der Operaismus so heftig kritisierte, nicht selbst auf einem besonderen Typ der Klassenzusammensetzung, einer besonderen Struktur der Arbeitskraft beruhte und ob ihre Schwächung gerade dort, wo die Arbeiterklasse gesellschaftliche Mehrheit ist, nicht vor allem auch morphologischen Veränderungen innerhalb der Arbeiterklasse zuzuschreiben ist. Der neue Antagonismus beruht in der Sicht von <Potere Operaio>, repräsentiert vor allem durch die zahlreichen Schriften Negris (A. Negri 1971; 1972a, 1972b), auf einer dreifachen Voraussetzung: a) In einer Situation, in der das allgemeine Äquivalent zwischen verausgabter Arbeit und abgepreßtem Mehrwert nicht mehr gegeben ist, in der das Wertgesetz zerfällt und die Arbeit nicht mehr unter das Kapital subsumiert, sondern innerhalb des Kapitals formell aufgehoben ist, ändert das Kapital seine Natur und wird reine Gewalt. Die Gewalt des Kapitals in der Form des Unternehmenskommandos ist die irrationale Form des Fortdauerns des Tauschwerts, die gesellschaftlichen Verhältnissen aufgezwungen wird, innerhalb derer die Bedingungen des Tauschverhältnisses verschwinden (von daher ergeben sich für Negri unmittelbar insurrektionalistische Konsequenzen). b) Das Kapital versucht die Ausweitung der Norm des Kommandos auf die gesamte gesellschaftliche Arbeit. c) Während der Staat bisher eine hegemonische Rolle spielte, indem er die Äquivalenz und das Gleichgewicht in der Bewegung der Faktoren repräsentierte und garantierte, sorgt jetzt der Niedergang der Äquivalenznorm für die Unterordnung der Funktion des Staates unter die des multinationalen Unternehmens (Umkehrung der Abfolge Staat-Plan-Unternehmen). Die Krise des Planstaats keynesianischer Prägung verwandelt inhaltlich den Staat in den Staat des Unternehmenskommandos. Gewerkschaften, Parteien und Nationalstaat sind in bezeichnender Weise in die Krise des Planstaats verwickelt. Sie alle verlieren durch das Wegfallen der Möglichkeit, ein geordnetes und proportioniertes Verhältnis zwischen den Kämpfen der Arbeiter und der kapitalistischen Entwicklung aufrechtzuerhalten, ihre Rolle als relativ autonome Institutionen gegenüber den einzelnen Bestimmungen des Unternehmens. Sogar die Aufgabe der Vermittlung zwischen den Faktoren, auf deren Grundlage diese Institutionen auf zwar mystifizierte, aber darum nicht

10 weniger effektive Weise funktionierten, schwindet: Die Gewerkschaft verliert außer ihrer Vermittlungsfunktion beim Verkauf der Arbeitskraft jetzt auch noch ihre Funktion als institutioneller Agent des Plans bei der Verwaltung der Verteilung des produzierten Reichtums. Was den Nationalstaat betrifft, so ist ihm jede noch so relative oder partielle Möglichkeit genommen, im nationalen Maßstab eine Entwicklung innerhalb konstanter Faktorenverhältnisse zu garantieren. Im Gegensatz zu früheren Perioden, in denen die kapitalistische Zerschlagung der Arbeitereinheit immer in materieller Form stattfand, findet jetzt die Zerschlagung des Gesamtarbeiters nur politisch statt, wobei ihre Materialität nichts als repressiven Charakter trägt. Auch die Arbeiter-Neuzusammensetzung in der Gestalt des sozialen Arbeiters ist eine bloß politische, die aus einer Vielzahl von Detailbewegungen resultiert: "Restrukturierung und Krise wirken wie Momente der Explosion im Prozeß der proletarischen Autonomie. Die Geschichte mit der Unterstützungskasse für Kurzarbeiter zeigt dem Arbeiter, daß sein Interesse identisch ist mit dem des Arbeitslosen; die Dezentralisierung lehrt den Arbeiter der großen Fabriken, daß sein unmittelbares Interesse identisch ist mit dem des Arbeiters der kleinen Fabriken, die Tertiarisierung der Produktion zeigt dem Beschäftigten im tertiären Sektor, daß seine Lebensbedingungen direkt proletarisiert werden, und zwar vom Gesichtspunkt seiner Stellung im Produktionsprozeß und im Lohnsystem aus; der Ausschluß breiter Schichten von der Produktion, die Marginalisierung des Schulbereichs usw. zeigen das Wirken eines einzigen Ausbeutungsgesetzes auf den gesamten Prozeß der kapitalistischen Gesellschaft; die Spaltungen nach Geschlecht, Alter und Rasse zeigen den Frauen, den Jugendlichen und allen Minderheiten die scheele Absicht des kapitalistischen Projekts, die Gesellschaft zu spalten und zu organisieren, und sie führen zu einer Rebellion, die nur in der Einheit des gesamten ausgebeuteten Proletariats ihre materielle Basis findet. Heute hat der proletarische Kampf die Tendenz, rein politisch zu werden, Kampf gegen den Staat als der politischen Form des Kommandos über die Produktion." (A. Negri 1976, S. ...) In der Periode nach 1973, also nach der Auflösung von Potere Operaio, verfaßt Negri umfassende Standortbestimmungen des Operaismus vom Typ "harter Kern" (S. Bologna/P.Carpignano/A. Negri 1974; A. Negri 1976, 1977, 1978, 1979a, 1979b, 1982, daneben zahlreiche wichtige Aufsätze) mit teilweise erheblichen Zuspitzungen seiner Thesen. Eine der wichtigsten begrifflichen Erweiterungen ist mit dem Stichwort proletarische Selbstverwertung bezeichnet. "Der Begriff der proletarischen Selbstverwertung ist der Gegensatz zum Begriff der Staats-Form - sie ist die Form, die die Macht innerhalb eines weiterentwickelten operaistischen Standpunkts einnimmt. Proletarische Selbstverwertung ist unmittelbar die Destrukturierung der feindlichen Macht; es ist der Prozeß, durch den der Kampf der Arbeiterklasse heute das System der Ausbeutung und sein politisches System unmittelbar angreift. Die Vergesellschaftung der kapitalistischen Entwicklung hat der Arbeiterklasse gestattet, die verschiedenen Momente der kommunistischen Strategie (den Aufstand und die Abschaffung des Staates) in einen Prozeß zu verwandeln und sie in einem Projekt zu vereinheitlichen. Die proletarische Selbstverwertung ist die globale, massenhafte und produktive Verkörperung dieses Projekts." (A. Negri 1978, S. ...). Mit dem Übergang zur proletarischen Selbstverwertung als einer neuen Phase in der Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse verändert sich alles. An die Stelle des Systems von Bedürfnissen tritt ein alternatives System von Kämpfen, das antagonistische Wiederaneignung der Produktivkräfte durch das proletarische Subjekt als lebendige gesellschaftliche Arbeit ist. Die Aneignung ist die eigentümliche Qualifizierung des Klassenverhaltens gegenüber dem Staat des nicht mehr geltenden Wertgesetzes, dem Staat des Unternehmenskommandos, so wie die Autonomie die eigentümliche Qualifizierung des Klassenverhaltens gegenüber dem

11 Staat des Planes, der bestimmten allgemeinen Proportionen zwischen notwendiger Arbeit und produziertem Mehrwert war. In der Form der Aneignung tritt eine neue Gestalt des revolutionären historischen Subjekts hervor, mit der sich vielleicht zum ersten Mal die Aktualität des Kommunismus nicht als Antizipation, sondern tatsächlich als materielle, in der Entwicklung der Kämpfe sichtbare Praxis darstellt. Die Wiederaneignung der produktiven Kräfte durch die Klasse verwandelt die Klassenzusammensetzung von einem passiven Resultat historischer Entwicklung in einen treibenden Motor, von einer Wirkung in eine Ursache. Dieser Übergang ist in materiellen Begriffen beschreibbar: der sichtbare Ausdruck des Übergangs von der Arbeitskraft zur Erfindungskraft, d.h. den Kräften der proletarischen Selbstverwertung, und zugleich sein Maß ist die Verweigerung der Arbeit. Haß auf die Arbeit und Haß auf die Ausbeutung sind der produktive Inhalt der Erfindungskraft, die die Verlängerung der Verweigerung der Arbeit ist. Der Begriff der Klassenzusammensetzung selbst muß sich an diesem Punkt ändern, weil er zur Kategorie der einzig fundamentalen Kategorie - des kommunistischen Übergangs wird. Der Bruch des Operaismus vom Typ "harter Kern" mit der eigenen Tradition ist einerseits wesentlich beeinflußt von der Verhaftungswelle am 7. April 1979 bzw. den gerichtlichen Verfolgungen (vgl. Red Notes 1981) und andererseits von den Ereignissen im Herbst 1980. Er reagiert mit der vollständigen Revision seiner Kernthesen und dem Einschwenken auf Positionen, die er bis dahin bekämpft hatte: Putschismus und Avantgardismus. Die Bewegung der 70er Jahre habe eine vernichtende Niederlage erlitten, eine Niederlage, die - außer über korporative Praktiken - über die Ghettoisierung der Bewegung abgelaufen sei, über die Repression und die Isolierung partikularer Kampfmotive, die eine Verallgemeinerung nicht erreichen konnten und damit dem repressiven Paradigma der kapitalistischen Handhabung der öffentlichen Ausgaben unterworfen worden seien. Das sei in einem Moment geschehen, als die Bedingungen für einen Übergang zu höheren Ebenen des Kampfes in Qualität und Ausdehnung, für einen Übergang von der proletarischen Selbstverwertung zur Selbstbestimmung im Rahmen einer kommunistischen Perspektive vorhanden waren. (A. Negri 1982, S. 203ff.) Negri schreibt: "Es ist eine Tatsache, daß die lange Krise des Kapitalismus nicht automatisch spontane Formen des Antagonismus erzeugt, und - was neu ist - wenn sie sie erzeugt, werden sie dem Funktionieren der Staatsmaschine einverleibt und untergeordnet und von ihr für weitere Schritte nach vorn benutzt. Das Gefühl sagt einem, daß die Entwicklung des Kapitals praktisch die Möglichkeit zunichtegemacht hat, daß die Widersprüche, in denen die Proletarier leben, zu einem Wiederaufleben der Kämpfe der vergangenen Jahre führen können. Die Entwicklung der produktiven Kapazität des Kapitals geht dahin, die Arbeitsteilung innerhalb der Fabrik und zwischen der Fabrik und der Außenwelt objektiv nutzlos werden zu lassen. Was zählt, ist das Problem der Kontrolle der Proletarier und der Verteilung der Einkommen. In diesem Rahmen können wir die Fabrik als Theater der Beziehungen zwischen Arbeiterklasse und Kapital und zwischen den verschiedenen sozialen Rollen definieren. Der natürliche Widerspruch zwischen Kapital und Lohn (die Spontaneität der Kämpfe) verliert seine antagonistische Bedeutung, wenn sich das Verhältnis von Kapital und Arbeitern radikal ändert. Heute ist die Lohnarbeit eine Fiktion." (A. Negri ...) In solchen Bemerkungen drückt sich die scharfe Wendung des harten Kerns des Operaismus gegen jegliche Art von dialektischer Bewegung aus. Auffällig ist bei Negri die Vagheit des Begriffs des Kommandos, und zwar schon die Vagheit des Begriffs des kapitalistischen Kommandos. Die rigorose Unterordnung der Planung und des kapitalistischen Kommandos

12 unter das Wertgesetz in der Theorie von Marx (und in der Theorie von Panzieri) ist bei Negri gänzlich aufgegeben (Kritik an den Positionen Negris in S. Bologna 1976; A. Battaggia 1980/81; Insurrezione 1981; P. Dalla Vigna 1984; G. Soriano 1991; ...). Wie bei den anderen Varianten haben in der theoretischen Entwicklung des Operaismus vom Typ "harter Kern" harte Brüche stattgefunden. Er bewegt sich • weg von der zentralen Bedeutung des Wertgesetzes, hin zum Kapital als reiner Gewalt, als kapitalistisches Kommando; • weg von den proletarischen Bedürfnissen, hin zur proletarischen Selbstverwertung (Autonomie); • weg von der Dialektik, der Geschichte und dem Gedächtnis vergangener Klassenauseinandersetzungen, hin zur unendlichen Gegenwart; • weg von der Zentralität der Mehrwertproduktion als Ort der Klassenauseinandersetzung, hin zur Zentralität politischer Macht und einem sich darauf beziehenden System von Kämpfen; • weg vom Massenarbeiter und der Zentralität der Fabrik, hin zum sozialen Arbeiter (Vergesellschaftung der kapitalistischen Entwicklung); • weg vom Planstaat bzw. dem Krisenstaat als Kategorie der Vermittlung, hin zum Staat des Unternehmenskommandos. Von hier fällt ein Schatten zurück auf die gesamte Entwicklungsgeschichte des Operaismus vom Typ "harter Kern", die noch einer kritischen Analyse bedarf. Die Wende zur negativen Staatsvergottung, d.h. zu religiös gestimmter Bewunderung einer als unangreifbar beschriebenen Realität staatlicher Omnipotenz, kommt vermutlich weniger plötzlich und ohne Vorbereitung, als das zunächst erscheinen mag. Aber die negative Staatsvergottung bleibt eine radikale Liquidierung zentraler Ausgangsthesen des Operaismus vom Typ "harter Kern". Mit ihr ersetzen und überbieten die negativen Staatsvergotter die lächerlich und obsolet gewordenen, historisch überholten Scheinalternativen von direkter und repräsentativer Demokratie, von bürgerlicher und proletarischer Hegemonie als Formen positiver Staatsideologien. 3. Negative Vergottung von Parteien, Staat und Kapital als kulturelle Modernisierung Kehren wir zum Ausgangspunkt zurück. Die beiden Interpretationen, die einleitend referiert wurden, schließen einander - wie sich nunmehr zeigt - in keiner Weise aus. An seinen Anfängen in der ersten Hälfte der 60er Jahre stellt der Operaismus der <Quaderni Rossi> einen radikalen Bruch mit der Tradition der alten Linken dar, den Versuch, die zunehmende Fremdheit und Opposition der Arbeiter gegen das kapitalistische Ausbeutungsprojekt zu analysieren. Das beinhaltet eine scharfe analytische Trennung von Arbeiterklasse und Instanzen der Klassenvermittlung wie den Gewerkschaften (eingeschlossen die CGIL), den Parteien (eingeschlossen der PCI) und dem Staat. Zugleich kennzeichnet den Operaismus an seinem Ursprung jene Grundauffassung, daß die Arbeitersubjektivität als Subjektivität der Klasse in je spezifischen historischen Zusammensetzungen in der Gegenwart das wirklich treibende Moment der gesellschaftlichen Entwicklung darstellt. Aus diesem Kontext entsteht eine Vielfalt von konkreten Darstellungen und Analysen der Klassenentwicklung im allgemeinen und zahlreicher sektoraler und lokaler Klassenkämpfe im einzelnen, die in Europa kaum eine Parallele hat. Aber innerhalb von nur 15 Jahren haben die Vertreter der drei Grundrichtungen des operaistischen Paradigmas in der Phase nach den <Quaderni Rossi> ihre Positionen

13 vollständig liquidiert. Dies verdient besondere Betonung: Die operaistischen Positionen werden nicht etwa stillschweigend aufgegeben, nicht etwa einfach nicht mehr wiederholt, sondern sie werden von den operaistischen Richtungen selbst argumentativ liquidiert und durch ihr jeweiliges Gegenteil ersetzt. An die Stelle der Partei- und Gewerkschaftskritik treten missionarische Versuche der Modernisierung eines zu umfassender Vermittlung zu befähigenden Parteien- und Gewerkschaftssystems mit neuen und alten Legitimationsmustern. An die Stelle der Kritik des Planstaats treten panegyrische Formen der Beschreibung einer unbesiegbaren und auf lückenlose Beherrschung der Arbeiterklasse ausgelegten Staatsmacht. An die Stelle der Analyse der Entwicklung von Arbeitersubjektivität treten Schauermärchen über eine problemlos ihren Willen durchsetzende, omnipotente Kapitalistenklasse als neues historisches Subjekt. Damit ist in jeder Hinsicht ein scharfer Trennungsstrich gegenüber den zentralen Positionen der <Quaderni Rossi> gezogen. Es ist unbestritten, daß mit den <Quaderni Rossi> in den 60er Jahren eine neue und wichtige Phase kritisch-analytischer Erforschung kapitalistischer Entwicklung in Italien beginnt. Ähnliches läßt sich über die Phase der Auflösung des operaistischen Paradigmas in den 80er Jahren wirklich nicht sagen. Vielmehr ist diese Auflösung das genaue Gegenteil eines analytisch-kritischen Prozesses: Einstige Objekte der Kritik werden zu Objekten einer religiös gefärbten Bewunderung in der Form negativer Vergottung oder gar positiver Identifikation, die keine Möglichkeiten hat, sich außerhalb der selbstkonstruierten Traumwelten darauf zu berufen, daß Partei, Staat und Kapital nun plötzlich in den 80er Jahren etwas ganz anderes darstellen als 15 Jahre zuvor. Ein einziges Objekt der Kritik kristallisiert sich allerdings im Auflösungsprozeß des Operaismus doch heraus - die angeblich stratifizierte, fragmentierte, individualisierte, pazifizierte, zu keinerlei Widerstand mehr fähige Arbeiterklasse. Solche Thesen orientieren sich in ihrem theoretischen Anspruch an dem Niveau oberflächlicher staatlicher Sozialstatistik und platter positivistischer Soziologie. Hier wäre allerdings Veranlassung zu grundsätzlichen Überlegungen zum Scheitern linksradikaler Theoriebildung und zur Vernichtung der Rolle des Linksintellektualismus in den Klassenauseinandersetzungen, die ja nicht als individuelles Versagen zu interpretieren sind. Kulturgeschichtlich beachtenswert ist an diesem Prozeß, daß mit dem rabiaten Antioperaismus der theoretischen Erben der <Quaderni Rossi> Anfang der 80er Jahre das überkommene Spektrum und Profil theoretisch-politischer Positionen nahezu vollständig uniformisiert und nivelliert ist. Traditionelle Unterscheidungen funktionieren von jetzt ab nicht mehr, vor allem die zwischen • • • • • • • kritischer und affirmativer Theorie des Kapitalismus, positiver und negativer Staatsvergottung, ideologisch-politischen Positionen der Rechten und der Linken, der alten Linken und der neuen Linken, der neuen Rechten und der alten Rechten, der antikapitalistisch und der prokapitalistisch orientierten kulturellen Propaganda, Modernismus und Traditionalismus in der Entwicklung theoretischer Modelle.

Der dabei entstandene ideologische Einheitsbrei übertrifft alles, was sich in dieser Hinsicht im Kontext eines vermeintlich realen Sozialismus osteuropäischer Gesellschaften als Ergebnis endloser Bemühungen von herrschaftssüchtigen Einheitsparteien nicht herstellen lassen hat. Niemanden muß wundern, daß solche Nahrung dazu beigetragen hat, in Kreisen von Intellektuellen auch eine geistige Armutsbevölkerung zu erzeugen, die vor den kulturellen Suppenküchen des Kapitalismus Schlange steht. Allerdings sind mit dem Austeilen des ideologischen Einheitsbreis, zusammengekocht von den jüngsten Propagandisten kapitalisti-

14 scher Effizienz und Macht, keine irgendwie gearteten Effekte auf den Gang des Klassenantagonismus zu erzielen. Seit den 80er Jahren schafft der alte Antagonismus die extremsten Schwierigkeiten für den Fortbestand des kapitalistischen Systems in Italien (und anderswo). Für die theoretisch-kritische Analyse dieser Schwierigkeiten hat die Selbsttransformation des Operaismus in Antioperaismus, der antikapitalistischen Kritik in prokapitalistische Propaganda allerdings eine riesige und ziemlich trostlose Wüste hinterlassen, aus der herauszufinden keine leichte Sache ist.

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