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Buch
Die erste Vision: Vom Erlöser.
Ich sah etwas wie ein sehr helles, nicht zu begreifendes, unauslöschliches Feuer, das ganz lebendig war, in sich aber eine erzfarbene Flamme beschloß, welche auf sanften Anhauch hin hell brannte, und diese Flamme haftete so an dem leuchtenden Feuer, wie auch im Menschen die Eingeweide von diesem nicht zu trennen sind. Und ich sah, daß jene Flamme lichterloh erglühte. Siehe da, es entstand plötzlich eine runde, dunkle Luftmasse von riesiger Größe, welcher die Flamme Stöße versetzte, so oft Funken aus der Luft her vor schlugen, bis die Luft vollkommen abgetrieben wurde, und so Himmel und Erde in voller Ordnung leuchteten. Darauf breitete sich auch die Flamme im Feuer und jener Glut aus bis zu dem kleinen Klümpchen schlammiger Erde, das im Hintergrunde der Luft lag, die es erwärmte, so daß Fleisch und Blut daraus wurde und durch Anhauchen bewirkte, daß eine lebendige Seele entstand. Darauf bot jenes hellglänzende Licht durch die Flamme, welche infolge leichten Anhauchens lichterloh brannte, dem Menschen selbst eine strahlendweiße Blume dar, die in der Flamme hing, wie der Tau auf dem Grase, dessen Geruch der Mensch zwar mit der Nase wahrnimmt, aber nicht mit dem Geschmack des Mundes kostet, noch mit den Händen betastet, und auf diese Weise sich abwendend in tiefste Finsternis fällt, aus welcher er sich nicht wieder zu erheben vermag. Das Dunkel aber in jener Luft breitete sich mehr und mehr aus und erfüllte alles. Dann erschienen drei große Sterne in jenem Dunkel, die in ihrem Glanze zusammenhingen; nach ihnen viele kleine und große, in sehr hellem Glanze erstrahlend, und darauf ein ganz großer Stern mit wunderbarer Helligkeit, der seinen Glanz zur Flamme hinwandte. Aber auch auf der Erde erschien ein helles Leuchten wie die Morgenröte, der noch eine größere Flamme wunderbar beigegeben ist, welche dennoch nicht getrennt ist vom oben erwähnten hellen Licht; und in dem hellen Licht der Morgenröte ist der größte Wille entzündet. Da ich das Entzünden dieses Willens sorgfältiger betrachten wollte, wurde mir bei dieser Vision ein geheimes Siegel vorgeschoben. Ich hörte eine Stimme aus der Höhe zu mir sprechen: »Von diesem Geheimnis kannst du nichts weiter erschauen, als was dir wegen des Wunders des Glaubens gewährt wird.« Aus dem Leuchten der Morgenröte sah ich einen sehr hellen Menschen hervorgehen, welcher seine Klarheit in das erwähnte Dunkel ergoß und von diesem zurückgeworfen wurde. In Blutesröte und fahlste Blässe verwandelt, durchbrach er mit solcher Kraft das Dunkel, wie jener Mensch, der in ihr lag, durch diese Berührung zu leuchten schien und so aufwärts erhoben davon ging. Und so

Der lebendige Gott nämlich. der in seiner hellsten Heiterkeit niemals durch irgendeine Bosheit verdunkelt wird und unbegreiflich bleibt. nämlich da er das Seufzen und Sehnen nach Gott besitzt. weder im Anfang noch am Ende. aber so. so auch nach der . Du siehst. welches du erblickst. Der Geist aber erhebt sich auf zweierlei Weisen. 3. noch es verstehst. der alles durch sein Wort erschaffen hat. der aus der Morgenröte hervorgegangen war. indem er sie im Gebote sucht. wie die Eingeweide dem Menschen. welches in der Glut der Liebe im Verlauf der in Verfall geratenen Zeiten ohne Schmutz und Beschwerung durch Sünde durch die süße Kraft des heiligen Geistes in der Morgenröte der seligsten Jungfräulichkeit geboren werden mußte. und wandte sich zur unglaublichsten Höhe unbeschreiblicher Herrlichkeit. daß das Feuer in sich eine eherne Flamme hat. weil überhaupt kein Ding ihm verborgen ist. Und er ist voller Leben.erschien jener strahlende Mensch. Das ist so. mehr als die menschliche Sprache es auszudrücken vermag. da er ja selbst die Fülle ist. und er verweilt unauslöschlich. 2. Daher trägt auch der Mensch die Ähnlichkeit von Himmel und Erde in sich. rufe. wie es vor der Fleischesannahme unzertrennbar im Vater war. wo er in der Fülle jeder Art von Fruchtbarkeit und Duft herrlich erstrahlte. weil in der Ewigkeit vor der Erschaffung der Kreatur in der Zeit das unendliche Wort. welche du hörst und siehst in mystischer Vision. Denn er kann durch keine Teilung gespalten werden. welches dich innerlich mit einem Brand berührt wie die brennende Sonne. oder die Herrschaft und den Wunsch nach verschiedenen Dingen. bezeichnet den allmächtigen und lebensvollen Gott. zur Erlösung im Glauben zurück. Auch ist in der Allmacht jenes Schöpfers die Bewegung von allem Lebendigen und Irdischen. da du den Namen einer Frau trägst. sondern nur durch die Berührung mit meinem Licht. so daß er es nicht kennte. welche durch lindes Anblasen hell aufflackert und dem leuchtenden Feuer so unzertrennlich innewohnt. Aus dem lebendigen Feuer hörte ich eine Stimme zu mir sprechen: »Du. die Buchstaben nach ihrem wahren Sinn zu lesen. was lebt. erzähle und schreibe auf meine Geheimnisse. Er ist ganz Leben. welche sich in Finsternis selbst versenkt hatte. weil alles. welche keine Begrenzung hat. die du zerbrechliche Erde und unbelehrt bist in aller Lehre menschlicher Lehrer. 4. führte eben durch dieses menschgewordene Wort die arme Menschenkreatur. noch kann ein Funke seines Wissens von einem Geschöpf verstanden werden. von ihm das Leben empfängt. weil er die Unterscheidungsgabe in der Vernunft hat. Was bedeutet das? Jenes hellstrahlende Feuer. in solcher Helligkeit.

wie jene Flamme weiß aufblitzt. welche den Befehl des Gebietenden wissen und voraussehen. da jedes Geschöpf durch ihn begründet worden ist. Die Luftmasse ist aber dunkel und rund und sehr groß. welche in jener Flamme hing. die ihn ernährt mit ihrer Frucht. aber kostet ihn nicht mit dem Geschmack des Mundes. welches im Hintergrund der Luft liegt. Darauf bot das helle Licht durch jene Flamme. weil das Wort Gottes in der starken Kraft des Vaters und in der Liebe überirdischer Lieblichkeit des heiligen Geistes durch die andern Geschöpfe die zerbrechliche Materie der weichen und zarten Gebrechlichkeit der Menschheit. wahrhaft der Wille des Vaters von den verschiedenen Geschöpfen der Welt erkannt. weil das Wort Gottes seine Kraft gleichsam erglühend zeigt. Rund ist es. die plötzlich entstand. noch betastet er ihn mit den Händen. Und wie durch das amtliche Wort die Macht und Ehre des Menschen anerkannt wird. Die Flamme aber breitet sich im Feuer und in der Glut aus bis zu einem Klümpchen schlammiger Erde. 9. denn die Erde ist die fleischliche Materie des Menschen. durch welchen dieser dem Worte in einem großen Regenstrom fruchtbringender Tugend anhängen sollte. da er das Gesetzesgebot mit einsichtiger Weisheit . Du siehst. 8. das in nicht auszulöschendes Leben eingeht. der niemals die Gottheit fehlt. durch sein Wort im heiligen Geist Adam selbst das Gebot klarsten Gehorsams gab. Und warum wird es »das Wort« genannt? Wie durch das irdische Wort. die Befehle des Lehrers klug verstanden werden von denen. dem Menschen selbst eine blendend weiße Blume. wie eine Mutter mit Milch ihre Kinder. so wird auch durch das unirdische Wort. weil es unter der unbegreiflichen Macht Gottes steht. 6. da ja nach Erschaffung des Adam das hellste Licht. 7. 5. sowohl aller schlechten als auch aller guten Menschen erblickte. die durch sanften Hauch lichterloh brannte.Menschwerdung untrennbar in ihm verblieb. Denn wie der Mensch nicht ohne zum Leben gehörige Berührung mit den Sinnen ist. so kann auch niemals das lebendige Wort vom Vater getrennt werden. der Vater. Diesen Geruch nimmt der Mensch mit der Nase wahr. denn es ist noch nicht erleuchtet durch die Fülle der Geschöpfe. wie der Tau auf dem Grase. weil sie das Werkzeug jener ist in der Dunkelheit des Nichtvollendetseins. welches in den menschlichen Staub eingeht. so leuchten auch durch das göttliche Wort die Heiligkeit und Güte des Vaters.

da er von Sünde belastet war. erschien er im Himmel im Vater. der durch treuestes und hellstes Werk in Großtaten schimmert und in ihnen das wahre Wort. der in ihr lag. ohne Schmerz geboren. der sich in blutiges Rot und weiße Blässe verwandelte. die ihnen nachfolgten. Daher erzitterten auch bald die Engel und jubelten Lobgesänge. 11. Aus dem Scheine der Morgenröte siehst du einen blendendstrahlenden Menschen hervorgehen. der seine Helligkeit ins Dunkel ergießt. Das ist so. die in ihrem Glanze aneinander hängen. durch die Berührung zu leuchten schien und aufrecht hinausging. Die Herrschaft des Todes aber nahm in der Welt immer mehr nach der Menge der Laster zu. den großen Quell. dann noch mehrere kleine und große in heller Lichtmenge: diese bedeuten in der Versinnbildung der heiligsten Dreieinigkeit große Lichter. sich dennoch nicht vom Vater trennte. nämlich Abraham. weil Gott am Orte der allgemeinen Dinge einen großen Glanz rötlichen Lichtes pflanzte und sein Wort mit vollkommenem Willen sandte. 13. welches sich im Schimmer der unversehrten Jungfräulichkeit unverletzt inkarnierte. Diese ist dennoch nicht getrennt von dem hellen Feuer. daß diese von ihm zurückgeworfen wird. Dann erschien aber ein sehr großer Stern mit wunderbarer Helligkeit. noch durch das Werk der Hände in der Fülle des Glückes erfüllte. aber die Kraft jener inneren Vollendung nicht vollständig in den Mund einließ. Daher konnte er zu seiner wahren Kenntnis nicht gelangen. Isaak und Jakob. aus der er nicht wieder hervorkommen kann. der ohne eine Makel von . nämlich den Sohn Gottes zeigt. erscheinen im Dunkel. Drei große Sterne. der seinen Glanz zur Flamme hinwandte. Dies bedeutet. Dieser Sohn Gottes. Als Gottes Sohn in der Welt von der Mutter geboren ward. dem eine größere Flamme wunderbarerweise beigegeben ist. Es ist dies der bevorzugte Prophet Johannes der Täufer.wie mit Riechorganen an sich zieht. stieß die Dunkelheit mit solcher Kraft zurück. bis jener kam. 10. er. das aber nicht von ihm getrennt ist: sondern er gab ihnen die reichliche Frucht. daß Gottes Wort. Auf der Erde aber erscheint jener Glanz wie die Morgenröte. welcher seinem Vater vollkommen ohne Sünde gehorchte. und sich so fortwendend in tiefste Finsternis fällt. in großen und staunenswerten Wundern bestrahlten. welche sich durch Treue im Werk wie auch durch fleischliche Verbindung angehören und durch ihre Verkündigungen die weltliche Finsternis überwinden und die vielen kleinen und großen Propheten. 12. daß jener Mensch. aus welchem jede gläubige Kehle trinkend fernerhin nicht mehr dürstet.

die Gott getreulich fürchten. so führte er sie durch die Berührung mit seiner Erlösung zu ihrer Erbschaft. der rechtmäßig denkt. die in ihr zurückgehalten und hinabgeworfen waren. Denn niemand von den Menschenkindern konnte den Fesseln des Teufels entrissen werden. wenn nicht durch die Erlösung jenes. Daher ist seine Bosheit so vertieft. die Seelen der Heiligen und Gerechten von der Höllenstrafe erlösen. reinigen kann. welche sie in Adam verloren hatten. wie keine menschliche Zunge es künden kann. Diese Unseligkeit wird immer über ihm bleiben. Das zeigt. weil er von der Seligkeit ausgeschlossen ward. welche kein Menschenkind mit Gedanken oder Worten erklären kann. Ich will die Seelen jener.Sünde in der Welt weilte. mit welchen er in grausamen Tode wegen der Übertretung von Gottes Geboten gefesselt ist. anriet. welche es nicht glauben will. der . daß kein Heilmittel seine Sünden. Deshalb vertraut er niemals auf jene Zerknirschung. denn die Weisheit der Söhne floh von ihm. welche mich lieben und verehren. zum Leiden geführt. indem er vorgibt. daß drei Personen in einer Gottheit vorhanden sind. den Tod der scheußlichsten Sünde zertreten. 15. sich zu seinem Vater begibt. als sie dem ersten Menschen die List. der von seiner Sünde zurückkommt. welche die listige Schlange bewirkte. und er erhielt so den Geist zurück und erstand in leuchtendster Unsterblichkeit. der nicht zu sich zurückkehrt. vierzig Jahre lang durch die Wüste schritten und in das Land von Milch und Honig gelangten. daß sie bei Eröffnung ihres Leibes leben kann. der seine Erwählten in seinem eigenen Blute loskaufen will. barmherzig zurück. und nie werden jene ihn erblicken. so zeigte sich auch gnädig Gottes Sohn. um uns einzupflanzen. Wie die Kinder Israels aus Ägypten befreit. Der Teufel aber sieht niemals jenen. mit welcher die Söhne der Erlösung auf den Tod des höchsten Sohnes. Gott zu sein. 14. sandte die lichtvollste Lehre des Glückes und der Errettung in das Dunkel des Unglaubens hinaus. welche er ruchlos im verachtungswertesten Hochmut beging. Du siehst einen leuchtenden Menschen der Morgenröte entsteigen und in solcher Helle erscheinen. Er überwand den Teufel und befreite seine Auserwählten aus der Hölle. Deshalb verbleibt er in andauerndem Schmerz wie eine Gebärende in verzweifelter Trübsal. die väterliche Klarheit leuchtete. die er nicht kannte. wie der verschwenderische Sohn. wurde aber vom ungläubigen Volke verworfen. vergoß sein rosenfarbenes Blut und kostete körperlich den Todesnebel. Denn er erhebt sich immer gegen Gott. daß der erhabenste Leib des Sohnes Gottes aus der köstlichsten Jungfrau geboren und drei Tage lang im Grab gelegen war.

vom Tode erstanden war. gewähre meinen mystischen Worten. welche nach ihm seufzten. vierzig Tage seinen Jüngern und den heiligen Frauen. Wer mit wachen Augen sieht und mit aufmerksamen Ohren hört. . welche lebendig aus mir ausströmen. 16. In die höchste Höhe unbeschreiblicher Herrlichkeit strebte der Mensch. wo er in der Fülle von Tau und Wohlgeruch wunderbar leuchtet. den Kuß der Umarmung.