You are on page 1of 3

Auch die Schweizer Luftwaffe trainiert mit Überschall

Mit «Mach plus» durch die Mauer
Am 14. Oktober 1947 gelang es dem amerikanischen Testpiloten Chuck Yeager als erstem Menschen, die Schallmauer zu durchbrechen. Mit der Bell X-1, einem Raketenflugzeug, flog er schneller als M 1,0. Überschallgeschwindigkeiten können auch in normaler
Lage notwendig sein. Beispielsweise dann, wenn ein unbekanntes Flugzeug im Luftpolizeidienst schnell oder noch innerhalb der Landesgrenzen identifiziert werden muss. Die
Schweizer Luftwaffe trainiert regelmässig Überschallflüge. Aus Lärmgründen jedoch
vorwiegend im Ausland. Bernhard Berset, Chef-Testpilot bei der armasuisse, erklärt die
Phänomene des Überschallfluges.

Am 19. Oktober 1953 zerriss eine ohrenbetäubende Detonation die beschauliche Ruhe über dem Flughafen ZürichKloten. In der ganzen Region zitterten
und klirrten die Scheiben. Es handelte sich
nicht um eine Grossexplosion in einer Industrieanlage, sondern um den allerersten
Überschallknall in der Schweiz. Der englische Testpilot Bill Bedford durchstiess an
diesem geschichtsträchtigen Tag bei der
Vorführung des Sapphire-Jettriebwerks
mit seinem Hawker Hunter über Kloten
die Schallmauer und sorgte mit dem bislang unbekannten Überschallknall für laute Furore.
Flächenregel und Strömungslehre

Bernhard «Beni» Berset, Chef-Testpilot bei der armasuisse, erklärt: «Es hatte
grosse Anstrengungen gebraucht, bis der
erste Überschallflug gelang, und noch
mehr, bis Flugzeuge routinemässig Überschall fliegen konnten.» Einerseits seien
nicht alle theoretischen Grundlagen be36

kannt gewesen. «Beispielsweise fand die
Flächenregel noch keine Anwendung bei
den ersten Überschallflugzeugen. Andererseits ermöglichten erst schubstarke
Triebwerke, den hohen Widerstand bei
Annäherung an die Schallgeschwindigkeit zu überwinden.» Es musste auch viel
Ingenieurwissen aufgebaut werden, z.B. in
der Materialtechnik und Strömungslehre.
Der Pilot selber höre keinen Knall, denn
der Verdichtungsstoss bewege sich ja vom
Flugzeug weg, erläutert Berset. Und weiter: «Einerseits sieht der Pilot aufgrund
seiner Machanzeige, wenn er schneller als
der Schall, eben über Mach 1, fliegt. Andererseits ändern sich die Druckverhältnisse am Flugzeugrumpf abrupt bei Entstehung des vorderen Verdichtungsstosses,
was sich durch ein kurzes Ausschlagen des
Höhenmessers und Variometers zeigt.»
Beni Berset zum physikalischen Phänomen des Überschalls: «In Gasen breiten
sich Schallwellen – das sind physikalisch
gesehen Druckänderungen – mit einer be-

stimmten, von der Temperatur abhängigen
Geschwindigkeit, der ‹Schallgeschwindigkeit›, aus.» Je höher die Temperatur sei,
desto höher sei die Schallgeschwindigkeit.
In der Luft betrage die Schallgeschwindigkeit 331 m/s bei 0°C. «Im Alltag beobachten wir diese Geschwindigkeit, wenn
der Donner eines Blitzes erst mit einer
gewissen ‹Verspätung› zu hören ist, da sich
die sichtbaren Lichtwellen (der Blitz) viel
schneller ausbreiten als der Schall.» Bei
Annäherung an die Schallgeschwindigkeit
steige der Strömungswiderstand sehr stark
an. Ursprünglich – noch zu Beginn des 20.
Jahrhunderts – hätten die Wissenschaftler
angenommen, dass dieser Widerstand bei
Erreichen der Schallgeschwindigkeit unendlich gross werde. «Damit wäre aber
Überschallflug gar nicht möglich.» Erst
nach 1930 habe man erkannt, dass die Widerstandszunahme stark von der Form der
Flugzeuge abhänge. «Schlanke und spitze
Auslegungen haben diesbezüglich Vorteile.
Trotzdem braucht es einen hohen Schub

z. die Verdichtungsstösse bei Überschallströmung sichtbar zu machen». das sich durch die Luft bewegt. um den grossen Widerstand zu überwinden und in den Überschallbereich vorzudringen. Fliegt das Flugzeug schneller als der Schall. die Luft sich dort abkühlt und dadurch kondensiert respektive sichtbaren Nebel bildet». dem es als Erstem gelungen ist.» Bewege sich nun ein Flugzeug mit einer höheren Geschwindigkeit als diese Schallgeschwindigkeit. fliege es mit Überschallgeschwindigkeit und im Volksmund spreche man dann vom Durchbrechen der Schallmauer. die höhere Geschwindigkeiten fliegen würden. Berset: «Überschallgeschwindigkeit entsteht be­­ reits bei Machzahlen unter eins an ein­ zelnen Stellen des Flugzeuges. sind die Druckdifferenzen klein und die Übergänge fliessend. Bei der 37 . Und weiter: «Fliegt ein Flugzeug mit der Geschwindigkeit von Mach 1. erklärt Berset. präzisiert Berset und führt weiter aus: «Deshalb ist der Überschallknall häufig als Doppelknall zu hören. wird der Druckstoss als Knall wahrgenommen. fliegt es genau mit der Schallgeschwindigkeit. Bei modernen Flugzeugen übernehme dies die elektronische Flugsteuerung.72.0 etc. Wenn es bombenmässig knallt Um ein Flugzeug.» Ernst Mach gab den Namen «Die Machzahl M gibt das Verhältnis einer Geschwindigkeit zur Schallgeschwindigkeit an».«Dort.» Ein Knall werde nicht nur an einem bestimmten Ort gehört. wo dieser Kegel auf die Erdoberfläche trifft. ergebe sich im Wesentlichen vorne und hinten je ein Stoss.» Für die Flugsteuerung wesentlich sei. Beim PC-21 beispielsweise sei das Limit M 0. erklärt Berset. «Der Name der Zahl erinnert übrigens an den österreichischen Physiker Ernst Mach. ‹überholt› es seine eigenen nach vorne ausgesendeten Schallwellen. führt der erfahrene Testpilot aus. weil bei diesen Geschwindigkeiten der Luftdruck hinter dem Verdichtungsstoss sehr schnell abnimmt.» Ein Pilot müsse seine aktuell geflogene Machzahl kennen. Alle Flugzeuge. hätten deshalb Begrenzungen der Mach-Zahl. da sich bei höheren Geschwindigkeiten die aerodynamischen Eigenschaften eines Flugzeuges ändern würden und der Treibstoffverbrauch zunehme. Fliegt es mit halber Schallgeschwindigkeit. welcher wie ein Kegel hinter dem Flugzeug nachgezogen werde. bei doppelter Schallgeschwindigkeit Mach 2.» Diese würden sich zu einem grossen Verdichtungsstoss summieren. über dem Flügel. schildert Berset. dass der Auftrieb nach hinten wandere – das Flugzeug müsse nach oben getrimmt werden. «Der Überschallknall wird aerodynamisch und nicht durch das Triebwerk erzeugt. sondern entlang dem ganzen Flugweg. auch wenn sie gar nicht für den Überschallflug ausgelegt seien. Triebwerklärm hört man immer erst unmittelbar nach dem Überschallknall.B. «Fliegt das Flugzeug langsam.5 an. Wenn das ganze Flugzeug vollständig in Überschallströmung sei. Überschallströmung und Doppelknall des Triebwerks. wobei der lokale Druck auf der Flugzeugoberfläche grösser oder kleiner sein könne als der Umgebungsdruck. Solche lokalen Über­ schall­ gebiete sind vor allem bei hoher Unterschallgeschwindigkeit und bei gros­ ser Luftfeuchtigkeit manchmal sichtbar: Wasserdampf kondensiert. um die Fluglage zu halten. entstehe ein Druckfeld. erklärt Berset. Man hört bestenfalls ein Rauschen. zeigt das Instrument M 0.

» Durch gezielte Konstruktion der Triebwerkeinlässe müsse die Luft vor dem Triebwerk auf Unterschallgeschwindigkeit verlangsamt werden. capopilota collaudatore presso armasuisse. weshalb die Schweizer Luftwaffe aus Rücksicht auf die Bevölkerung im Normalfall nur über 10‘000 Metern Überschallflüge durchführe. als zivile Überschallflüge aufgrund des Überschallknalles über bewohntem Gebiet vielerorts nicht erlaubt seien. Chef-Testpilot bei der arma­ suisse. «Überschallgeschwindigkeiten können auch in normaler Lage notwendig sein.» Dies sei der Grund. um ein Flugzeug schnell identifizieren zu können. erklärt Berset die Tatsache.0. d.0 geflogen worden seien. Mit dem Space Shuttle im Hyperschall Nebst dem ersten Überschallflugzeug. il a dépassé Mach 1. dass es seit der Concorde keine überschallschnellen Airliners mehr gegeben habe. meint der erfahrene Testpilot. der Bell X-1. welche auf Aufklärungsflügen routinemässig mit Geschwindigkeiten um M 3. welche bis heute als einziges Passagierflugzeug routinemässig mit Überschall geflogen sei. welche bei der Konstruktion des Flugzeuges. Abläufe seien schneller und Fluggeometrien anders als beim Flug mit tieferer Geschwindigkeit. Les Forces aériennes suisses s’exercent régulièrement à de tels vols. gen. erklärt Berset. vorwiegend über dem Meer oder virtuell im Simulator. Aldo Wicki Grafik: Armasuisse Franchir le mur du son Le 14 octobre 1947. par exemple. RUAG Aviation Bilder: Franz Knuchel. unterstreicht Berset und schliesst: «Ein grosser Teil des Trainings von Überschallflügen findet deshalb im Rahmen von Trainingskampagnen im Ausland. dans le cadre du service de police aérienne. betont der versierte Absolvent der renommierten französischen Testpilotenschule EPNER. un avion fusée. gehöre zu den Meilensteinen in der Geschichte des Überschallfluges sicher das Forschungsflugzeug North American X-15. Etwa vierzig Prozent der limitierten Überschallflüge in der Schweiz sind übrigens technische Flüge.B.Bernhard «Beni» Berset.0 geflogen. welche Widerstand erzeugen. aerodynamischen Auslegung müsse der Flugzeugbauer insbesondere auf die Flächenregel achten. Bernhard «Beni» Berset. berücksichtigt werden muss». z. wenn z. meint Berset.0 fliegen konnte. mit Geschwindigkeiten weit über M 5. Regioni supersoniche locali (vapore acqueo condensato) sono visibili soprattutto in caso di volo ad alta velocità supersonica in presenza di umidità elevata. Aus Rücksicht fast nur über dem Meer Die hohe Besiedelungsdichte in der Schweiz würde das wichtige ÜberschallLuftkampftraining kaum zulassen.B. den Flugweg anders einteilen und rechtzeitig wieder auf Unterschall abbremsen. Im Luftpolizeidienst müsse ein Pilot z.» Text: Aldo Wicki Mitarbeit: Jürg Wildi.B. Im Militärischen sehe dies aber anders aus. be- tont Berset. «In der gleichen Zeit wurde die Lockheed SR-71 entwickelt. erinnert sich Berset. généralement à l’étranger en raison du bruit. zu vermeiden. s’il faut identifier un avion inconnu encore avant qu’il ne quitte l’espace aérien national. «Der Verdichtungsstoss wird auf dem Weg zur Erdoberfläche durch die Atmosphäre gedämpft. Dies umso mehr. bei welchen die Triebwerke nach Revisionen geprüft werden müssen. mit welchem anfangs der 1960erJahre über M 6. Bernhard «Beni» Berset. statt.» Frankreich und Grossbritannien hätten gemeinsam Ende der 1960er-Jahre die Concorde entwickelt. um zusätzlich Schockwellen.» In Luftverteidigungsszenarien könne Überschallgeschwindigkeit entscheidende taktische Vorteile mit sich bringen. pilote d’essai en chef chez armasuisse Des zones supersoniques locales (où la vapeur d’eau se condense) sont surtout visibles lors de vols à très haute vitesse subsonique et en cas d’hygrométrie élevée. Des vols supersoniques peuvent aussi être nécessaires en situation normale.h. Avec son Bell X1. ein unbekanntes Flugzeug im Luftpolizeidienst schnell oder in kurzer Distanz und noch innerhalb der Landesgrenzen identifiziert werden muss. Mit dem Space Shuttle wurde schlussendlich tief in den so genannten Hyperschallbereich vorgedrun38 «Mach plus» wichtig für Luftwaffen Die hohen Entwicklungskosten und der grosse Treibstoffverbrauch würden zu einem ungünstigen Kosten-Nutzen Verhältnis für zivile Flugzeuge führen. «Zu allen aerodynamischen Effekten kommt eine grosse Erwärmung des Flugkörpers bei Überschallströmung dazu. . le pilote d’essai américain Chuck Yeager a été le premier homme à franchir le mur du son. bei der Wahl der Materialen. Lokale Überschallgebiete (Wasserdampf kondensiert) sind vor allem bei hoher Unterschallgeschwindigkeit und bei grosser Luftfeuchtigkeit sichtbar. «Die Querschnittfläche des Rumpfes muss im Flügelbereich verkleinert werden.