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Flaschenkinder vor Nestle

Stichworte: Medizingeschichte, Säuglingsnahrung, Muttermilch, Brustkrebs, Igelhaltung, Igel

Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping: 24.07.2007

Die Brustkrebsepidemie
Auch schon vor Nestle gab es künstliche Säuglingsnahrung. Schon aus dem ersten
Jahrhundert nach Christi sind Saugflaschen beschrieben, die Gutti genannt werden. Sie
hatten eine Tülle zum Saugen.

Ab welchem Alter dieselben benutzt wurden, und was in ihnen enthalten war, ist nicht
bekannt. Möglicherweise eine Mischung aus Milch und Honig, die den damaligen Gipfel
der kulinarischen Glückseligkeit darstellten und natürlich einen Höhepunkt im Leben
eines Kleinkinds ganz reicher Eltern darstellen konnten.

Als magischer Vorgeschmack wird auch ägyptischen Kindern nach der Geburt eine
Mischung aus Milch und Honig in den Mund gegeben, wie Jehan Sadat in ihrer
Autobiographie berichtet. Auch in Persien soll diese Gewohnheit früher gelegentlich
geübt worden sein.

Moderne Versuche zur künstlichen Säuglingsernährung


Barbara Orland berichtet über die künstliche Säuglingsernährung im 19. Jahrhundert und Risiken für Kinder reicher
wie der Sohn der Königin Viktoria als einer der ersten in den Genuss von Justus Liebigs Leute
Milchsuppe für Säuglinge kam.

Auch Justus von Liebig wurde von Ärzten zu dieser Erfindung angeregt, von seinen
Schwiegersöhnen, und erfand schon 1865 eine Kindersuppe, woran man wieder erkennen
kann, dass die Kinde reicher Leute als erste von den Neuerungen der Medizin erreicht,
oder sollte man besser sagen erwischt werden.

Flaschenkinder vor Nestle von Elisabeth Rieping 1


Mehr zu diesem Thema lesen:

Wissenschaft, Markt und Erfahrung - "natürliche" versus "künstliche" Ernährung im


neunzehnten Jahrhundert von Barbara Orland.

Der Anfang ist etwas langweilig. Das ändert sich aber. (Aus: Bos, Marguérite, Bettina
Vincenz und Tanja Wirz (Hg.): Erfahrung: Alles nur Diskurs? Zur Verwendung des
Erfahrungsbegriffes in der Geschlechtergeschichte, Zürich Chronos 2004, S. 291-305)

Franz von Soxhlet


Franz von Soxhlet, Professor in Weihenstephan, propagierte 1891 seinen Soxhlet Apparat
zur Sterilisierung der Milch. Er wurde von Kinderärzten stark angegriffen, weil die Milch
hinterher zwar erst mal steril, dafür aber auch sonst alles kaputt war, besonders die
Vitamine.
Und so wogte die Auseinandersetzung um die beste Säuglingsmilch hin und her, bis sie in den Weltkriegen, von anderen Problemen verdrängt, aus
dem Mittelpunkt der Diskussion geriet. Und mittlerweile hat sich „Flaschenmilch“ (künstliche Säuglingsnahrung) so etabliert, dass sie sogar eines der
ersten Dinge ist, die wohlmeinende Hilfsorganisationen in Katastrophengebiete bringen. Schließlich lösen unglückliche Säuglinge die stärksten
Impulse zur Hilfsbereitschaft aus.

Sogar verwaiste Elefanten und eingesammelte Igel kommen mittlerweile in den Genuss, mit Kuhmilchprodukten aufgepäppelt zu werden. Und so
wundert es nicht, dass bei afrikanischen Igeln in Amerika, die vermutlich nicht selbst in die USA geschwommen sind, sondern dort als Haustiere
gehalten werden, schon Brustkrebs beschrieben wird.

Das neue Auftreten der Brustkrebsepidemie bei Igeln:


Ein Tier, das meines Wissens als "Haustier" ziemlich neu ist, ist der Igel.

In Deutschland werden kleine Igel, wenn der Winter naht, mittlerweile gerne aus dem
Garten und mit ins Haus geholt, um ihnen zu helfen, die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Menschen denken, dass einige der jungen Igel zu schwach sind, um selbständig zu
überwintern und haben sich zu diesem Zwecke an vielen Orten zusammengetan, um
Igelschutzstation und andere gemeinnützige Vereine zu gründen, die sich dem Überleben
junger Igel widmen.

Um nichts falsch zu machen und die Igel möglichst artgerecht aufwachsen zu lassen,

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werden auch vielfältige Informationsschriften erstellt, in denen ausdrücklich vor dem
Füttern der Igel mit Milch gewarnt wird, was Böswillige natürlich sofort vermuten lässt,
dass es wohl nicht selten vorkommt.

Stattdessen soll man Würmer und Insektenlarven, Schnecken und anderes Getier
verfüttern. Wenn man sich aber die oft älteren Semester anschaut, die sich gerne dem
Igelschutz widmen, kann man sich schlecht vorstellen, dass sie sich mitten in der kalten
Jahreszeit auf Regenwurmsuche begeben, um ihre Igel artgerecht durch den
insektenarmen Winter zu bringen. Außerdem, was macht man mit den ganz jungen Igeln,
die noch nicht so richtig beißen können? Ich war jedenfalls nicht völlig erstaunt, als ich
gleich bei meiner ersten Wanderung über die Webseiten von Igelschutzvereinen, die
Abbildung eines im Vergleich zu der riesigen Babyflasche winzigen Igels fand, der
daraus ein weiße Flüssigkeit saugte, die ich auf den ersten Blick für Milch gehalten hätte.

Wie dem auch sei. In Kenntnis dieser Entwicklung bin ich nicht überrascht, Berichte über
Brustkrebs bei Igeln zu finden. Interessanterweise handelte es sich dabei um afrikanische
Igel, die amerikanischen Haushalten und Zoos entstammten und bereits in
Gefangenschaft geboren waren (Raymond), so dass man sich gut vorstellen kann, dass sie
schon früh mit künstlicher Säuglingsernährung konfrontiert wurden. Sieben von acht
Tumoren waren bösartig und auch Metastasierung in die Lymphdrüsen wurde beobachtet.

Interessant an Raymonds Übersicht ist, dass er erwähnt, dass auch früher schon oft
Tumoren bei Igeln gefunden wurden, dass der Brustkrebs aber neu zu sein scheint. Das
wundert in diesem Zusammenhang nicht, da die Karriere des Igels als Haustier erst vor
kurzem begonnen hat.

Ein anderer Bericht aus Kanada beschreibt die erfolgreiche Operation eines an Brustkrebs
leidenden Igels (Wellehan), der mit einer kommerziellen Igelnahrung, und außerdem mit
Äpfeln und Rosinen ernährt wurde. Die Existenz einer kommerziell hergestellten
Igelnahrung kann man wohl nur so deuten, dass der Igel es mittlerweile auch in Kanada,
einem Land mit sehr kalten Wintern, zum Haustier gebracht hat.

Link zu einer Igelfütterung mit Milch (nicht mehr online)

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Sojamilch für Säuglinge?
Auch Sojamilch ist für Säuglinge keine Alternative!

Archive.org: http://web.archive.org/web/*/http://www.erieping.de/flaschenkinder_vor_nestle.htm

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